Archiv für den Tag: 24. Januar 2008

Bach-Cantata-Pilgrimage Konzert Köthen 10.09.2000

Hallo,

nachdem ich die Woche über etwas schweigsam war, hier nun ein weiterer Bericht zur BCP: zum Konzert in Köthen am 12.Sonntag nach Trinitatis (10.09.2000). Ein schöner Spätsommer-Sonntag begann mit der Reise nach Köthen. Die Tour war inzwischen für mich etwas fortgeschritten und man war soweit, die Strecke nicht mehr in Kilometern, sondern in zu hörenden Bach-Kantaten zu bestimmen:).

Aufführungsstätte: St. Jakobskirche in Köthen

Köthen selbst präsentierte sich in strahlendem Sonnenschein, nach dem zeitigen Mittagessen erschienen die Musiker und Herr Reimann von der Konzertagentur. Er erzählte mir, daß der Meister in geradezu fantastischer Stimmung sei. Dies wurde kurz darauf durch einen breit grinsenden John Eliot Gardiner bestätigt, der sich gut gelaunt in Richtung Probe begab, die schon zu einem wunderbaren Vorgeschmack geriet. Am Abend sollten die Kantaten “Geist und Seele wird verwirret” BWV 35 für Alt-Solo, “Lobe den Herrn, meine Seele” BWV 69 a, die Motette “Komm, Jesu, komm” BWV 229, sowie als Abschluß die Kantate “Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren” BWV 137 erklingen. Die vier Solisten waren Katharine Fuge, Robin Tyson, Christoph Genz und der (wie immer) überragende Peter Harvey.

Die Probe schloß mit dem fantastischen und überaus euphorischen Schlußchoral aus BWV 137 “Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen”. In absoluter Hochstimmung “schwebte” ich über den Kirchenvorplatz in Richtung Kaffee, um mich dort vor dem Konzert noch einmal zu stärken.

Der Abend selbst begann in der vollen Köthener St. Jakobskirche mit der Kantate 35 aus dem Jahr 1726, die durch eine herrliche Orgelsinfonia eröffnet wird. Bei dieser handelt es sich um den ersten Satz des Orgel- /Cembalokonzerts d-moll BWV 1059. Der Organist Ian Watson erwies sich als absoluter Könner und gestaltete diese Eröffnung schwungvoll und mitreißend. Auch die Sinfonia zu Beginn des 2. Teils der Kantate wurde mit überwältigender Leichtigkeit musiziert. Der nun folgende Alt-Solo Part wurde von Robin Tyson gesungen. Zu Beginn doch deutlich etwas quäkig steigerte er sich von Satz zu Satz und der Schluß “Ich wünsche nur bei Gott zu leben” geriet zu einem mitreißenden Tanz, der die ganze Vorfreude auf das himmlische Leben darstellt.

Was nun folgte, war ein rechter Paukenschlag. Die Kantate 69 a, die im Jahre 1723 komponiert wurde, mit ihrem überschwänglichen und überwältigenden Eingangschor. Die drei Trompeten, allen voran Niklas Eklund, sorgten in diesem Satz für etwa 4 Minuten Feuerwerk, man merkte wirklich, wie alle Leute den Atem anhielten. Der Monteverdi Choir zeigte wiederum überragende Leichtigkeit in der Präsentation selbst schwierigster Koloraturen. Als besonders schöne Arie aus dieser Kantate muß ich den Satz Nr. 5 “Mein Erlöser und Erhalter” erwähnen. Peter Harvey zeigte, daß er Bach wirklich verinnerlicht hat. Sein makelloses Deutsch und die überaus innige Interpretation ließen den Satz zu einem Höhepunkt werden. Den Abschluß bildete der Choral “Was Gott tut, das ist wohl getan”

Im Anschluß daran erklang in schönem Kontrast die doppelchörige Motette “Komm, Jesu, komm”, bei der sich die Geister scheiden, wann genau sie geschrieben ist. Man geht allgemein wohl von ca. 1730 aus. Leise, zart und innig geriet sie zu einer choristischen Meisterleistung. Der Mittelteil “Komm, komm, ich will mich dir ergeben” schwebte leicht und luftig durch die Kirche. Im Schlußchoral “Drauf schließ ich mich in deine Hände” zeigte unser Meister wieder, welch ein gutes Händchen er für die Interpretation Bach’scher Choräle hat. Ehrlich gesagt habe ich weder zuvor noch danach je einen Dirigenten erlebt, bei dem die Choräle jedesmal zu Juwelen werden. Von anderer Seite habe ich über John Eliot auch schon gehört, er sei die Wiedergeburt Bach’s. Ich kann diese Ansicht nur unterstützen!

Für die letzte Kantate (BWV 137, komponiert 1725)hatten sich alle ganz offenbar noch extra-Reserven aufgespart. Mit welch einer überschäumenden Freude und Kraft begann dieser Eingangschor “Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren”. Man mochte kaum glauben, daß so etwas in einem solchen Tempo möglich ist. Jedoch schien es niemandem der Musiker ernste Probleme zu bereiten. Donnernd schmetterten die drei Trompeten ihre Fanfaren in die Kirche, als sei dies ein Kinderspiel. Die absolute Krone chorischer Kraft erfolgte jedoch im Schlußchor. Hiernach hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Das Publikum tobte, doch Gardiner hatte noch einen Trumpf in der Tasche. Ähnlich wie in Neviges begann mitten im tosenden Applaus der Eingangschor der Kantate 69a als Zugabe. Einen besseren Adrenalinkick hätte Gardiner uns allen garnicht geben können. Wie befreit nach diesem langen und tollen Konzert zeigten alle Musiker noch einmal, daß sie wirklich die Besten der Welt sind.

Viele Grüße,

Alex

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Neue SDG CD’s 141 + 138 erscheinen in Kürze

14.1.2008 von Martin.

Hallo zusammen,

am 28.01.08 werden (in UK) die nächsten CD’s veröffentlicht:

Cantatas for the Fourth and Fifth Sundays after Trinity

Ein ungefärbt Gemüte BWV 24
Barmherziges Herze der ewigen Liebe BWV 185
Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ BWV 177
Gott ist mein König BWV 71

Soloists: Magdalena Kozená, Nathalie Stutzmann, Paul Agnew, Nicolas Teste,
Joanne Lunn, William Towers, Kobie van Rensburg, Peter Harvey
Recorded: Tewkesbury Abbey (final cantata Blasiuskirche, Mühlhausen)

Cantata for the Fifth Sunday after Trinity

Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir BWV 131
Wer nur den lieben Gott lässt walten BWV 93
Siehe, ich will viel Fischer aussenden BWV 88

Soloists: Joanne Lunn, William Towers, Kobie van Rensburg, Peter Harvey
The Monteverdi Choir, The English Baroque Soloists / John Eliot Gardiner
Recorded: Blasiuskirche, Mühlhausen

SDG’s release of Bach Cantatas for the Forth and Fifth Sundays after Trinity opens with BWV 24 Ein ungefärbt Gemüte, recorded in Tewkesbury Abbey as part of The Cheltenham Festival. A far earlier piece follows, BWV 185 Barmherziges Herze der ewigen Liebe was composed in Weimar in 1715 to a text by Salomo Franck and revived by Bach in Leipzig in 1723 and again in 1746/7. Strikingly different in mood is BWV 177 Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, composed in 1732, a chorale cantata based on Agricola’s hymn set unaltered and with no recitatives.

The second CD was recorded in Mühlhausen, where a twenty-two year old Bach took up his second professional post. It lasted for just one year, from June 1707 to 1708. This programme includes BWV 71 Gott ist mein König. There is nothing else quite like Gott ist mein König in Bach’s oeuvre. No other work of his is laid out on such a grand scale in terms of its deployment of four separate instrumental ‘choirs’, set against a vocal consort of four singers, an optional Capelle of ripienists and an organ.

“The singing and playing is exceptional.”

(Anna Picard, Independent on Sunday)

“John Eliot Gardiner’s Bach Cantata Pilgrimage series just gets better. These pieces show Bach at his most exuberant, as though he’s laughing with unbridled joy at the secrets of the universe, and Gardiner’s team responds with thrilling playing and singing.”

(Warwick Thompson, Metro)

JOHANN SEBASTIAN BACH 1685-1750)

Cantatas Volume 27

Cantatas for Whit Tuesday

Brandenburg Concerto No. 3 BWV 1048
Erwünschtes Freudenlicht BWV 184
Er rufet seinen Schafen mit Namen BWV 175

Soloists: Lisa Larsson, Nathalie Stutzmann, Christoph Genz, Stephen Loges

Recorded: Holy Trinity, Blythburgh

Cantata for Trinity Sunday

Höchsterwünschtes Freudenfest BWV 194
Es ist ein trotzig und verzagt Ding BWV 176
O heil’ges Geist- und Wasserbad BWV 165
Gelobet sei der Herr, mein Gott BWV 129

Soloists: Ruth Holton, Daniel Taylor, Paul Agnew, Peter Harvey
The Monteverdi Choir, The English Baroque Soloists / John Eliot Gardiner
Recorded: St Magnus Cathedral, Kirkwall

The first of SDG’s 2008 releases combines cantatas for Whit Tuesday and Trinity Sunday. Brandenburg Concerto No.3 precedes the two surviving Cantatas for Whit Tuesday. Pressed for time at the end of a busy Whit weekend during his first year in Leipzig, Bach based BWV 184 Erwünschtes Freudenlicht (1724) on a hasty revision of a lost Cöthen secular cantata. One might momentarily mistake the second movement of this cantata as the origin of the celebrated duet from Lakmé, before considering the long odds of Delibes ever having clapped eyes on this obscure piece. The pastoral mood continues a year later in BWV 175 Er rufet seinen Schafen mit Namen (1725). This is a more elaborate work, the eighth of the nine consecutive texts Bach set by Christiane Mariane von Ziegler.

Recorded in St Magnus Cathedral, Kirkwall after one of the more dramatic journeys on the Bach Cantata Pilgrimage, the first cantata for Trinity Sunday, BWV 165 O heilges Geist- und Wasserbad, was composed in 1715 in Weimar. It is a true sermon-in-music, based on the Gospel account of Jesus’ night-time conversation with Nicodemus on the subject of ‘new life’. A grand French-style overture heralds the start of BWV 194 Höchsterwünschtes Freudenfest. The cantata seems to have begun life as a secular Cöthen piece some time between 1717 and 1723, and was then adapted for the dedication of the new organ at Störmthal (2 November 1723). The programme ends with the genial and uplifting work, BWV 129 Gelobet sei der Herr, mein Gott.

“These performances do full justice to such genius.”

(George Pratt, BBC Music )

“Gardiner’s Bach is in a class of its own for colour, drama and rhetorical subtlety. His choir and instrumentalists respond with breathtaking virtuosity…”

(Richard Wigmore, The Daily Telegraph)

Monteverdi Productions 2cds SDG138

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Das Konzert aus Mühlhausen hat der MDR mal übertragen und ich kann mich erinnern, dass BWV 71 “Gott ist mein König” ein absoluter “Knaller” war.

Schöne Grüße,

Martin

P.S. Hörproben und Bestellungen h i e r !
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DVD über Herbert von Karajan bei jpc erschienen

Hallo,

passend zur Veröffentlich einer Autobiographie von Eliette von Karajan über ihren Ehemann „Herbert von Karajan“ ist eine DVD erschienen:

Künstlerische Streiflichter einer unvergleichlichen Karriere.

Zu hören und zu sehen sind u. a.Ausschnitte aus dem
legendären Neujahrskonzert 1987 mit den Wiener Philharmonikern und aus den Silvesterkonzerten 1983 und 1985 mit den
Berliner Philharmonikern.
Rossini:Wilhelm Tell-Ouvertüre
+Weber:Der Freischütz-Ouvertüre
+Prokofieff:Symphonie Nr. 1
+Tschaikowsky:Klavierkonzert Nr. 1
+Dvorak:Symphonie Nr. 9
+J. Strauss II:An der schönen blauen Donau;Frühlingsstimmen
+Ravel:Bolero
+Josef Strauss:Sphärenklänge
Evgeny Kissin, Kathleen Battle, Berlin PO, Wien PO, Herbert von
Karajan

Grüße
Volker

Radio-Tipps für die 5. KW in 2008

Hallo Volker,

Du bist ja fleißig am wirbeln. Willst Du den Blog komplett umschaufeln auf Google-Blog? Ich habe hier wieder ein paar Radio-Tipps und da ich nicht weiß, wo Du sie gerne haben möchtest, schicke ich sie Dir und Du machst damit, was Dir am besten erscheint.
Hier mein Text:

Hallo zusammen,

ich habe wieder einige Perlen in den Radioprogrammen gefunden:

Als erstes möchte ich Euch ein Programm empfehlen, das weder mit Bach noch mit Gardiner oder einem seiner Mitstreiter zu tun hat. Ich finde es aber ganz interessant und vielleicht mag es ja auch einer von Euch hören

Freitag, 25.1. 20:00 Uhr
NDR Kultur
Konzert: Freitag, 25. Januar, 20.00 Uhr, Hauptkirche St. Michaelis, Hamburg

Live auf NDR Kultur
http://www.ndrkultur.de/programm/ensemblesarband4.html
Das Ensemble Sarband präsentiert gemeinsam mit den King’s Singers und dem NDR Chor “Sacred brigdes” – christliche, jüdische und muslimische Psalmvertonungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Der Vollständigkeit halber, obwohl ich es schon letzte Woche geschrieben hatte:

So 27.1. 3:02 am
BBC
http://www.bbc.co.uk/radio3/throughthenight/pip/5q0hi/
Neefe, Christian G. (1748-1798): Keyboard Concerto in G
Christine Schornsheim (fortepiano)
Michael Niesemann (oboe)
Neue Dusseldorfer Hofsmusik

Dann noch 2 Bachkantaten mit Gardiner. Diese Aufnahmen sind schon bei Archiv veröffentlicht und die Besetzungsliste lässt vermuten, dass sie 2000 aufgenommen worden sind.

Sonntag 27.1. 7:05 Uhr
MDR
Bach: “Herr, wie du willst, so schichs mit mir” BWV 73
Lund, Mingardo, Podger, Varcoe, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, Gardiner

Samstg, 2.2. 19:20 Uhr
NDR Kultur
Bach: “Mit Fried und Freud fahr ich dahin” BWV 125
Tyson, Agney, Harvey, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, Gardiner

Viel Spaß Barbara

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Bach-Cantata Pilgrimage Konzert Leipzig 22.10.2000

Hallo,

mit dieser Rezension möchte ich mich einem weiteren Höhepunkt der Pilgrimage widmen, dem Konzert in der Leipziger Thomaskirche am 22.10.2000 (18. Sonntag nach Trinitatis). An diesem Abend kamen die Kantaten “Du Friedefürst, Herr Jesu Christ” BWV 116, “Gott soll allein mein Herze haben” BWV 169 für Alt-Solo, “Herr Christ, der ein’ge Gottessohn” BWV 96, die Motette “Der Gerechte kommt um” sowie der Choral “Vor deinen Thron tret ich hiermit” BWV 668a zur Aufführung.



Foto: Thomaskirche in Leipzig

Bei diesem Konzert hatte ich die Möglichkeit, bereits am Samstag anzureisen und das ganze Wochenende in der Nähe des Meisters zu verbringen und Bach’s Musik an “ihrem Ort” zu hören. Schon in den Proben spürte man Bach’s Geist am Ort und die Musiker waren merklich von Beginn an damit erfüllt und infiziert.

Das Konzert selbst geriet zu einer emotionalen Sternstunde. Allerdings machten sich auch Spuren der Leipziger Geistlichkeit bemerkbar, mit denen Bach sicherlich auch zu kämpfen hatte. Zunächst einmal gab es große Auseinandersetzungen und Diskussionen über die Probenzeit, in denen die Kirche geschlossen blieb. Im Konzert erschien dann zu Beginn der örtliche Pfarrer und mahnte, daß man bitteschön nicht klatschen dürfte, es sei schließlich geistliche Musik. Die treuen Gardinerfans, die sich flugs als des deutschen nicht mächtige Engländer ausgaben, ignorierten dies standhaft:). Allerdings gab es auch ein paar Sturköpfe, die sich strikt an den Befehl der angestaubten Geistlichkeit hielten…

Gardiner hatte das Programm so zusammengestellt, daß es schwungvoll begann und andächtig und anrührend enden sollte. Wiederum war die Kirche zum bersten gefüllt, als Chor und Orchester die Bühne betraten. Der Meister trat auf und es begann die hinreißende Orchestereinleitung zur Kantate 116. Wie immer bestach der Chor durch Kraft und unglaubliche Prägnanz in Sprache und Gesangskunst. Die Solisten waren Katherine Fuge, Natalie Stutzman, Christoph Genz und Gotthold Schwarz. Bis auf Nathalie Stutzman ließen auch diese keine Wünsche offen. Nathalie Stutzman jedoch war für meine Ohren zu opernhaft mit großem Vibrato, daß einfach nicht zu Bachs Musik paßt. Die Kantate endete mit dem schlichten Choral “Erleucht auch unser Sinn und Herz”.

Es folgte die Kantate 169 mit einer großangelegten Sinfonia, die eine Umbearbeitung des 1. Satzes vom E-Dur Cembalokonzert BWV 1053 darstellt. Hier gelang Organist Silas Standage eine Meisterleistung. Gekonnt und schwungvoll spielte er den z. T. haarsträubend schweren Orgelpart. Auch in dieser Kantate konnte Nathalie Stutzman nicht überzeugen, sie erwies sich leider auch hier als vibratoreiche Opernsängerin und wußte nicht zu überzeugen. Der Schlußchoral “Du süße Liebe, schenk uns deine Gunst” wurde andächtig un voller Überzeugungskraft vom Monteverdi Choir gesungen.

Die nun folgende Kantate 96 war für mich die schönste des Abends. Der Eingangschor beginnt hier mit einem großangelegten Orchesterpart über dem als Krönung eine Sopranino-Blockflöte in himmlischen Sphären spielt. Außerdem liegt der cantus firmus nicht, wie sonst eher üblich, im Sopran, sondern wird monumental vom Alt vorgetragen. Diese ganze Choralfantasie birgt so eine himmlische Ruhe aber auch einen solch wunderbaren Fluß, wie sie Christus als “Morgenstern” beschreibt. Mir gegenüber saß im ganzen Konzert ein älterer Herr aus England, der sich zuvor als guter Freund von John Eliot vorgestellt hatte und gerade bei dieser Kantate hatte ich den Eindruck er stand einem Zusammenbruch nah. Es war aber auch wirklich hart: Diese fantastische Musik an Bachs Arbeitsstätte… ich glaube, jeder hatte da ein bißchen mit seiner Fassung zu kämpfen. Besonders schlimm wurde dies dann bei den beiden letzten Werken des Konzertes “Der Gerechte kommt um” und Bach’s eigenem Sterbechoral “Vor deinen Thron tret ich hiermit” BWV 668a. “Der Gerechte kommt um” ist eine Bearbeitung der Kuhnau’schen Motette “Tristis est anima mea”. Es scheiden sich hier zwar die Geister, ob die Bearbeitung wirklich von Bach ist, aber die Motette ist auf so zauberhafte Weise instrumentiert, daß dies eigentlich nur aus der Hand Bach’s kommen kann.

Nach dieser Motette trat das Orchester ab und der Chor ging mit Gardiner hinter das Podium und versammelte sich um Bach’s Grab. Bei dem Gedanken daran wird mir jetzt beim Schreiben noch anders. Als Abschluß erklang dann von diesem Ort der Choral “Vor deinen Thron tret ich hiermit”. Es kann sich glaube ich niemand vorstellen, wie unser aller Gefühlswelt in diesem Augenblick aussah. Nach dem Choral stand Gardiner allein minutenlang an Bach’s Grab und betete und auch wir Zuschauer waren zum Großteil völlig fertig. Ich glaube ich habe noch nie so viele heulende Gäste und v.a. auch Musiker gesehen. Es war so unglaublich, was an dem Abend natürlich unter Einfluß der sehr anrührenden Musik passierte. Hinterher spielten sich sehr schöne menschliche Szenen ab, bei denen man Gardiner als “Patriarch” und Vater für seine Musiker erleben konnte.

Wiederum war ein unvergeßlich schönes Konzert zu Ende gegangen.

Viele Grüße,

Alex

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