Das Bachfest Leipzig 2019 erlebt nach dem grandiosen Bachfestival in 2018 eine abgespeckte Form, die sehr gewöhnungsbedürftig erscheint!

Das Bachfest Leipzig 2019 erlebt nach dem grandiosen Bachfestival in 2018 eine abgespeckte Form, die sehr gewöhnungsbedürftig erscheint!

Zum Bachfest 2019 werden die großen internationalen Bach-Interpreten bis auf Jordi Savall und Hermann Max dem Bachfest 2019 fern bleiben. Das ist nach dem grandiosen Bachfest von 2018 eine große Ernüchterung die sich unter den Bachfreunden breit macht. Was ist der Anlass, dass kein Rudolf Lutz mit seinem großartigen Bach-Ensemble aus St. Gallen, oder Philippe Herreweghe diese Lücken schließen könnten. Wenn das Bachfest Leipzig weiterhin International anerkannt sein möchte, müssen Wege gefunden werden, um von großen internationalen Interpreten und Orchestern die Lücken schließen zu können.

Sehr verwunderlich erscheint mir, dass der Präsident vom Bach-Archiv Leipzig, Sir John Eliot Gardiner ebenfalls durch seine Abwesenheit glänzen wird. Das sind die wunden Punkte im Bachfest-Programm für 2019, die den Verantwortlichen einen geringeren Zuschauerzuspruch, international und national in 2019 bescheren könnte.

Bachfest Leipzig vom 14.–23. Juni 2019

Vorverkaufsbeginn: 16. November 2018

»Hof-Compositeur Bach«

Das Bild des treufleißigen Leipziger Thomaskantors ist nur eine Seite der Medaille. Johann Sebastian Bach war ganze 15 Jahre seines Berufslebens Hofmusikus: zunächst Organist und Konzertmeister in Weimar (ab 1708), dann Kapellmeister in Köthen (1717–1723). Noch als städtischer Leipziger Musikdirektor sammelte er beständig höfische Ehrentitel: 1729 wurde er nebenamtlich außerordentlicher Kapellmeister des Weißenfelser Herzogs und ab 1736 »Hof-Compositeur « des sächsischen Kurfürsten. Gut möglich, dass Bach auch mit seinem berühmten Vorspiel bei Friedrich dem Großen in Potsdam das Ziel verfolgte, Ehrenmitglied in dessen Hofkapelle zu werden.

Bachs Wirken an den Höfen und für die Regenten hat viele Kompositionen hervorgebracht – prachtvolle Festmusiken, funkelnd virtuose Instrumentalwerke in den unterschiedlichsten Stilen und innovative Kirchenmusik. Kurz: Die Werke des »Hof-Compositeurs« Bach bestechen durch ein ausgesprochen breites Spektrum an Formen und Gattungen.

Im Bachfest 2019 wollen wir die ›höfische‹ Seite in Bachs Oeuvre hörbar machen – in vier Reihen, die seinem Schaffen für Weimar, Köthen, Dresden und Berlin gewidmet sind.

                                         Programmheft Bachfest Leipzig 2019 zum Download

In einer fünften Reihe, »Bach & Friends«, gehen wir auf Entdeckungsreise und lernen Werke seiner höfischen Musikerfreunde kennen, die für Bach eine besondere Bedeutung hatten. Die Reihen sind voller Highlights. Um nur einige zu nennen: In einem vierteiligen Zyklus erklingen Bachs Weimarer Kantaten, allesamt in unterschiedlicher Aufführungspraxis. In einem Themenabend schlüpft Nuria Rial in die Rolle der Köthener »Hof-Cantatrice« Anna Magdalena Bach. Jordi Savall entführt uns in die Welt des »Musikalischen Opfers«.

Erstmals werden Bachs großartige Huldigungskantaten auf den sächsischen Kurfürsten am Originalschauplatz – dem Marktplatz – zelebriert. Und in einem Konzert kommt es gar zu einem Duell: beim legendären Wettstreit zwischen J.S. Bach und Marchand.

Freuen Sie sich also auf ein Bachfest von besonderer Vielfalt. Versäumen Sie aber auch nicht, jenseits der Kirchen und Bühnen Johann Sebastian Bachs den Werken seiner großen Leipziger ›Anwälte‹ Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann an deren originalen Spielstätten zu lauschen.

Karten-Vorverkauf

Der öffentliche Vorverkauf für das Bachfest 2019 beginnt am 16. November 2018. Mitglieder der »Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e. V.« sowie der »Neuen Bachgesellschaft e. V.« können bereits ab dem 02. November 2018 Karten erwerben.

Link:  http://www.ticketonline.de/

 

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4 Gedanken zu „Das Bachfest Leipzig 2019 erlebt nach dem grandiosen Bachfestival in 2018 eine abgespeckte Form, die sehr gewöhnungsbedürftig erscheint!

  1. Volker Beitragsautor

    Auf meinen Beitrag hat der Intendant des Bachfestes – Herr Michael Maul, auf Facebook geantwortet und stelle hier den Kommentar zur Verfügung:

    Michael Maul

    Lieber Herr Hege, ich glaube, da urteilen Sie etwas vorfristig. Jedenfalls sollten Sie sich keine Sorgen machen, daß das Programm 2019 arg „abgespeckt“ sei und sehr „gewöhnungsbedürftig. Es stimmt, Gardiner und Suzuki sind diesemal nicht dabei. Gardiner hat in London eine seit Jahren geplante Opernproduktion während der Zeit, und ich wollte es auch vermeiden, die „Ring“-Dirigenten schon wieder sämtlich einzuladen – manche haben das für dieses Jahr als ‚wenig innovativ‘ empfunden. Herreweghe war leider nicht frei. Dafür haben wir einen schönen Zyklus mit allen Weimarer Kantaten, allesamt in unterschiedlicher Aufführungspraxis – gespielt von Vox luminis, Ricercar Consort, Akamus mit Rinaldo Alessandrini und die Thomaner.

    Taugen die nichts? Für den Wettstreit zwischen Bach und Marchand habe ich vor wenigen Tagen Andreas Staier und Ton Koopman engagiert – letzterer macht zudem ein Konzert mit Klaus Mertens anlässlich ihres 40-jährigen Bühnenjubiläums. Savall macht das Musikalische Opfer und die 2. Orchestersuite, Hermann Max die Erstaufführung jener Stölzel-Passion, von der wir seit kurzen wissen, daß Bach sie 1734 in Leipzig aufgeführt hat. Gleich dreimal ist unser Artist in Residence, der großartige Kristian Bezuidenhout zu hören: einmal allein, dann mit dem Freiburger Barockorchester, dann mit Isabell Faust.

    Nuria Rial macht mit dem wunderbaren Cafe Zimmermann und mir einen Themenabend Anna Magdalena Bach; La Cetra Basel mit Andrea Marcon stellt Vivaldis Originale den Bearbeitungen Bachs in der Thomaskirche gegenüber. Die Lauten-Compagney wird uns die Schäfer- und Jagdkantate szenisch bringen. Das wunderbar agile LA Folia Barockensemble bringt teilszenisch den Streit zwischen Phoebus und Pan, gemeinsam mit einem Wettstreit der Götter von Heinichen. Andras Schiff spielt Englische und Französische Suiten, Pierre Hantai die Goldberg-Variationen, Bernardini mit Zefiro Bach und Zelenka.

    Solomon’s Knot wird eine bestimmt tolle Johannes-Passion aufführen; zudem kommt eine unglaublich ergreifende szenische Matthäus-Passion aus Bonn; die Köthener Trauermusik wird mit dem Ensemble und der Rekonstruktion von Alexander Grychtolik zu hören sein. Andreas Scholl sing in der h-Moll Messe (mit den Tölzern), und Rudolf Lutz ist auch zu Gast: bei einem MItsingkonzert, das ich moderieren werde…

    Warten Sie mal das Gesamtprogramm ab. Ich finde jedenfalls, dass das schon allerhand „Stars“ beieinander sind. Wir versuchen immer einen guten Mix aus den großen Altstars und interessanten Newcomern zu bringen – aber immer wieder anders. 2018 waren es eben – bedingt durch den Kantatenring – die Altvorderen. Insgesamt bieten wir aber 2019 ähnlich viele Veranstaltungen an und haben nach Interpreten gesucht, die am besten den Schwerpunkt „Hof-Compositeur“ (Bach war ja vor 300 Jahren Kapellmeister in Köthen) bedienen können.

    Wir haben dabei wieder sehr optimistisch geplant und hoffen, daß sich bei näherem Hinsehen allen Bach-Freunden erschließt, daß im nächsten Jahr jenseits der bekannten und teils auch etwas ausgetretenen Pfade viele musikalische Entdeckungen beim Bachfest möglich sind.

    In diesem Sinne: Auf Wiedersehen in Leipzig!

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  2. Volker Beitragsautor

    Volker Hege

    Lieber Herr Maul !

    Vielen Dank für Ihre ausführlichen Darstellungen für das Programm des Bachfestes Leipzig in 2019. Hieraus ergibt sich für mich und alle Bachfreunde die Erkenntnis, dass es wieder ein reichhaltiges und großartiges Bachprogramm mit vielen neuen Ensemble und Mitwirkenden geben wird.

    Ich stimme Ihnen absolut zu, dass neue Ensemble das Bachfest bereichern und die internationalen Größen sehr gut vertreten werden. Auf den ersten Blick vermisste ich in dem Programm diese uns bekannten Ensemble aus dem Ausland. Solomon’s Knot hatte schon vor zwei Jahren mit einer großartigen Aufführung in der Nikolaikirche für Furore gesorgt und wird ein Höhepunkt im Programm von 2019 sein werden mit der Johannes Passion.

    Die wunderbaren Nuancen des Programms entdeckt man nach dem genauen Studium und bin erfreut darüber, dass es viele neue Künstler und Interpreten geben wird, die in Leipzig auftreten werden.

    Ich vermisse als einen zusätzlichen Programmpunkt, dass das rührige Bach-Ensemble aus St. Gallen mit dem Leiter Rudolf Lutz wieder einmal als ein großartiger Bach-Interpret mit seinem Ensemble in Leipzig zu Gast sein sollte. Ebenso ist Kay Johannsen mit seinem Bach:vokal Programm in Stuttgart eine wunderbare Alternative.

    Herzliche Bachgrüße nach Leipzig!

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  3. Volker Beitragsautor

    Michael Maul

    Vielen Dank, lieber Herr Hege…

    Das Gesamtprogramm erscheint dann pünktlich im Oktober. Gerade produzieren wir noch einen kleinen Trailer, der auf die Höhepunkte aufmerksam macht – mit kurzen INterview-Fetzen von Nuria, Vox luminis, Kristian bezuidenhout und mir….. Ruedi kommt 2019 solo, aber wir sind gerade daran, die gesamte St. Gallener Bach-Stiftung für 2020 zu engagieren.

    Rein interessehalber, was fänden Sie attraktiver mit dem Ensemble: Johannes-Passion oder ein Kantaten-Programm?

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  4. Volker Beitragsautor

    Volker Hege

    Vielen Dank lieber Herr Maul für die Rückantwort.

    Wenn sie mich direkt dazu fragen würde ich die Johannes-Passion durch die Bachstiftung als ein absolutes Highlight für das Bachfest befürworten..!!

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