J.S. Bach – Kantate BWV 33 „Allein zu Dir Herr Jesu Christ“ Ausführung: Karl Richter

J.S. Bach – Kantate BWV 33 „Allein zu Dir Herr Jesu Christ“ Ausführung: Karl Richter

Ausführungen zu der Kantate BWV 33:

„Allein zu dir, Herr Jesu Christ“ (BWV 33) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er schrieb die Choralkantate 1724 für den 13. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 3. September 1724 erstmals auf. Sie beruht auf dem gleichnamigen Kirchenlied von Konrad Hubert (1540).

J.S. Bach komponierte die Kantate in seinem zweiten Jahr in Leipzig für den 13. Sonntag nach Trinitatis. In diesem Jahr schrieb er eine Folge von Choral-Kantaten. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren Gal. 3,15–22 LUT, Paulus über „Gesetz und Verheißung“, und Lk 10,23–37 LUT, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Der Text eines unbekannten Dichters beruht auf dem Lied von Konrad Hubert, das in Nürnberg 1540 mit einer zusätzlichen vierten Strophe gedruckt wurde. Jede Strophe besteht aus neun Zeilen. Der Dichter behielt die erste und die letzte Strophe im Wortlaut bei, die beiden inneren Strophen dichtete er jeweils zu einer Folge von Rezitativ und Arie um. Das Lied, dessen Thema der reuige Sünder ist, bezieht sich nur allgemein auf das Evangelium. Der Dichter vertieft den Bezug in Satz 4, „Gib mir nur aus Barmherzigkeit / den wahren Christenglauben“ sowie in Satz 5, „Gib, daß ich aus reinem Triebe / als mich selbst den Nächsten liebe“, das den Kernsatz des Evangeliums aufnimmt.

Eine anonyme Liedmelodie zu „Allein zu dir, Herr Jesu Christ“ wurde 1541 in Wittenberg gedruckt. Sie wurde oft musikalisch verarbeitet, zuerst von Sethus Calvisius, später von Michael Praetorius und anderen. Nach Klaus Hofmann wurde sie 1512 von Paul Hofhaimer für ein weltliches Lied geschrieben. In der Kantate benutzt Bach sie wie üblich in der Choralphantasie zu Beginn und einem vierstimmigen Satz am Schluss, außerdem spielt er im Duett (Satz 5) auf sie an.

Die Kantate ist besetzt mit drei Gesangssolisten (Alt, Tenor und Bass), vierstimmigem Chor, zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo

1. Coro: Allein zu dir, Herr Jesu Christ
2. Recitativo (Bass): Mein Gott und Richter
3. Aria (Alt): Wie furchtsam wankten meine Schritte
4. Recitativo (Tenor): Mein Gott, verwirf mich nicht
5. Aria (Tenor, Bass): Gott, der du die Liebe heißt
6. Choral: Ehr sei Gott in dem höchsten Thron

In seinem ersten Jahr in Leipzig hatte Bach zum gleichen Anlass Du sollt Gott, deinen Herren, lieben (BWV 77) komponiert, beginnend mit einem Chorsatz über das entscheidende Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben, an dem, entsprechend der Parallelstelle zum Evangelium Mt 22,34–40 LUT, das Gesetz und die Propheten hängen.

Der Eingangschor von „Allein zu dir, Herr Jesu Christ“ ist eine Choralphantasie, mit dem cantus firmus im Sopran, den Unterstimmen meist homophon, manchmal polyphon, und ausgedehnten Ritornellen und Zwischenspielen, die alle neun Liedzeilen rahmen.

In der Alt-Arie (Satz 3) „Wie furchtsam wankten meine Schritte“, spielen die ersten Violinen mit Dämpfer und die anderen Streicher pizzicato, um die Furcht auszudrücken. Die schwankenden Schritte erscheinen in Figuren voller Synkopen. Satz 5, ein Duett von Tenor und Bass „Gott, der du die Liebe heißt“), stellt Gottes Liebe dar in den Konsonanzen von Sext- und Terz-Parallelen. Der Schlusschoral ist ein vierstimmiger Satz, der die Unterstimmen in ausdrucksvolle Linien verwebt.

Das Autograph der Kantate war im 19. Jahrhundert im Besitz von Julius Schubring und war ihm wahrscheinlich von seinem Freund Felix Mendelssohn Bartholdy geschenkt worden. Später von Walther Schubring geerbt, wurde es 1965 über das Auktionshaus Stargardt verkauft. Es befindet sich heute in der Scheide Library der Princeton University und ist digitalisiert

Kurz-Biographie: Karl Richter (1926-1981)

      Karl Richter (1926-1981)

Karl Richter (* 15. Oktober 1926 in Plauen; † 15. Februar 1981 in München) war ein deutscher Dirigent, Chorleiter, Organist und Cembalist.

Karl Richter kam 1926 als viertes von fünf Kindern des evangelischen Pfarrers Christian Johannes Richter und der Clara Hedwig Richter in Plauen zur Welt. Seine Familie ging zwei Jahre später nach Marienberg im Erzgebirge. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1935 zog die Mutter mit den Kindern nach Freiberg, Sachsen, wo der junge Karl die Gelegenheit erhielt, auf der großen Silbermann-Orgel im Freiberger Dom zu üben. Ab 1937 besuchte er das Kreuzgymnasium in Dresden und war Mitglied des Dresdner Kreuzchores. 1940 nahm ihn Karl Straube nach seinem Ruhestand als letzten Schüler an.

Nach dem Krieg studierte Karl Richter am Konservatorium Leipzig und am Kirchenmusikalischen Institut bei Karl Straube und Günther Ramin. 1949 wurde er Thomasorganist. Die gute Ausbildung bei seinen Lehrern und sein hervorragendes Staatsexamen kamen ihm bei der Bewerbung zu Hilfe.

1950 reiste Richter mit dem Thomanerchor unter der Leitung Ramins nach Süddeutschland und Zürich, wo er seine spätere Frau Gladys kennenlernte. 1951 kehrte er – nur mit einem kleinen Koffer ausgestattet – der DDR den Rücken und ging zunächst nach Zürich, um sich von dort nach einer Stelle umzusehen. Nach einem Probespiel erhielt er die Stelle als Kantor an der Markus-Kirche in München. Im gleichen Jahr übernahm er den Heinrich-Schütz-Kreis, den späteren Münchener Bach-Chor und zwei Jahre später das Münchener Bach-Orchester

Von 1953 bis zu seinem Tod war Karl Richter einer der weltweit bekanntesten Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels. Als Solist auf dem Cembalo und an der Orgel setzte Karl Richter Maßstäbe. Karl Richter war zu seiner Zeit neben Helmut Walcha der bedeutendste Interpret der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs.

Schon im Alter von 30 Jahren wurde Karl Richter das Amt als Thomaskantor in Leipzig angeboten. Doch Richter lehnte ab. Er sagte dazu später: „Es wäre die Krönung meiner Karriere gewesen. Aber ich habe in München etwas aufgebaut, was ich nicht mehr aufgeben kann.

Karl Richter starb 1981 im Alter von 54 Jahren an Herzversagen in einem Hotel in München. Er wurde auf dem Friedhof Enzenbühl (FG 81163) in Zürich, beerdigt. Im Gedächtniskonzert für Karl Richter am 3. Mai 1981 dirigierte sein Freund Leonard Bernstein den Münchener Bach-Chor und das Bach-Orchester im Herkulessaal der Münchner Residenz.

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Siehe ein Memoriam von Karl Richter auf Volkers Klassikeiten: 

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Ein Gedanke zu „J.S. Bach – Kantate BWV 33 „Allein zu Dir Herr Jesu Christ“ Ausführung: Karl Richter

  1. Volker

    Herzlichen Dank liebe Karin für deine Bemühung uns diesen wunderbaren Beitrag zu präsentieren mit Folge-Angaben über Karl Richter.

    Dieser Beitrag wird auf großes Interessen stoßen und Volkers Klassikseiten weiter bekannt machen können.

    Besitze weiterhin einen schönen Sonntag und wünsche dieses ebenfalls allen Besuchern meiner Klassikseite.

    Herzliche Grüße
    Volker

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