Christoph Graupner (1683-1760) Kantate „Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet“

Christoph Graupner. (1683-1760)
Kantate „Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet“

Der langjährige Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner hat zwar mit dieser Anstellung gehadert, war aber trotz seines Frustes ein überaus fleißiger Komponist. Er erhielt in der Leipziger Thomasschule den Feinschliff und dann in Darmstadt seine Lebensstellung.

Von Graupner, der aus dem sächsischen Erzgebirge stammte und dessen Lebensdaten 1683 – 1760 fast mit denen Johann Sebastian Bachs parallel gehen, sind rund 2000 Werke überliefert, deren Großteil noch heute auf eine Wiederentdeckung wartet. Etwa 1400 davon sind geistliche Kantaten, von denen eine attraktive Auswahl für ein oder zwei Solostimmen beim diesjährigen Kirchheimer Konzertwinter zu hören war. Sie alle wurden erst in jüngerer Zeit wieder in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek ausgegraben, die auch die alten Bestände des Darmstädter Hofes übernommen und bewahrt hat.

Bei Graupner ist das ein Glücksfall, denn oft wurden Kompositionen, die für den höfischen Tagesgebrauch geschrieben worden waren, in späteren Jahren wieder ausgesondert. In seinem Falle dagegen ist fast das komplette Oeuvre erhalten geblieben und gibt auf diese Weise nicht nur Einblicke in das „tägliche Brot“ eines damaligen Kapellmeisters, sondern zeigt ihn auch als Tonsetzer, der in sehr eigener Weise Eleganz und Dramatik zu verbinden wusste – und dadurch als durchaus eigenständige Stimme neben seinem Zeitgenossen Bach besteht, mit dem er bei der Bewerbung um das Leipziger Thomaskantorat in den 1720er Jahren sogar indirekt konkurrierte.

Auf seiner zweiten Graupner-CD widmet sich das Kirchheimer BachConsort einigen Solo- und Dialogkantaten des Komponisten: Christoph Graupner, der stets auf der Höhe der Zeit komponierte. Er suchte nach eigenwilligen Ausdrucksmöglichkeiten, war aufgeschlossen gegenüber den neuesten Entwicklungen und unbekannten Instrumenten.

Mit einer nie versiegenden Phantasie gelang es Graupner, kontrastreiche Kantaten zu schaffen, die sich durch Variabilität, Eigenwilligkeit, abwechslungsreiche Instrumentation, besonderen Klangfarbenreichtum, kluge Melodieführung und eine an der Oper geschulten Dramatik auszeichnen. Das Zusammenspiel von Sing- und Instrumentalstimmen zeichnet seine Musik besonders aus.

In seiner Vorrede zu seinem 1728 veröffentlichten Choralbuch hob Graupner hervor, was in seinen Augen die wichtigste Aufgabe des Komponisten sei: „Erbauliche Worte eines Gesangs haben einen desto tiefern Eindruck in die Gemüther, wo mit wohl bedachten und ausgesuchten Expressionen, der Sinn und Nachdruck des Textes durch die Music gleichsam lebendig vorgestellet wird; Und ist dieses bey jeder Composition, da gewisse Texte und Worte vorgeschrieben sind, das vornehmste.“

In seinen Kantaten verstand es Graupner, mittels zielgerichteter musikalischer Affekte die Texte zu illustrieren und zu versinnbildlichen. Für ihn gab es keine Unterscheidung zwischen weltlicher und geistlicher Musik, sondern er wusste beides geschickt miteinander zu verbinden.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr erschien die Ersteinspielung mit Epiphanias-Kantaten von Christoph Graupner (1683-1760) und dem Kirchheimer BachConsort (Leitung: Sirkka-Liisa Kaakinen, Violine), die von der Fachwelt einhellig gepriesen wurde.

Dem international hochkarätig besetzten Kirchheimer BachConsort gelingt unter der charismatischen Leitung von Rudolf Lutz (Cembalo) und den wunderbaren Solisten Marie Luise Werneburg, Sopran, und Dominik Wörner, Bassbariton, eine mustergültige Interpretation.

Damit leistet das Ensemble erneut einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung der noch bis dato unbekannten Kantaten aus dem Darmstädter Archiv.

Ab 17.9.2018 im Handel, kann die Doppel-CD, erschienen bei dem Label cpo in Koproduktion mit dem SWR2, ab sofort bei der Geschäftsstelle des Kirchheimer Konzertwinters vorbestellt werden (Tel.: 06359-2894).

Ausführende:

Kirchheimer BachConsort
Marie Luise Werneburg (Sopran)
Dominik Wörner (Bassbariton)
Leitung: Rudolf Lutz (Cembalo)

CD-Link: https://www.jpc.de/jpcng/cpo/detail/-/art/christoph-graupner-solo-dialog-kantaten/hnum/8726669
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