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J.S. Bach – Chaconne aus Partita II d-Moll BWV 1004 – Orchestriert von Arman Tigranyan

J.S. Bach – Chaconne aus Partita II d-Moll BWV 1004 – Orchestriert von Arman Tigranyan

J.S. Bach – Chaconne aus der Partita BWV 1004

Im Juli 1720 kehrt Bach von einer dreimonatigen Dienstreise zurück. Als er sein Haus betritt, empfängt ihn die Nachricht, dass seine Frau vor einer Woche gestorben ist. Man zeigt ihm das Grab. Wenig später komponiert er die Partita für Violine Solo in d-Moll. Haben diese biographischen Fakten etwas miteinander zu tun? Vor einigen Jahren entdeckte die Musikwissenschaftlerin Helga Thoene, daß in der Chaconne Choräle versteckt sind, die um das Thema Tod und Auferstehung kreisen.

Nach der Entdeckung der verborgenen Choralzitate durch Helga Thoene war der Geiger Christoph Poppen sofort von der These überzeugt, daß die Chaconne so etwas wie ein musikalischer Grabstein für Bachs verstorbene Frau sein musste.

Dass die Melodie eines Kirchenliedes bei Bach als Grundlage eines Violinwerkes dienen kann, war ihr schon Jahre zuvor klar geworden. Im Jahr 1991 hatte Helga Thoene zwei Knaben des Dresdner Kreuzchores die Melodie zu „Christ lag in Todesbanden“ in die berühmte Ciaccona d-moll hineinsingen lassen. Damals hörte die Fachwelt erstmals auf. Doch nun sprang ihr die Technik auch in anderen Sätzen ins Auge und ins Ohr. Die Choralzitate waren in diese Wunderwerke der Violinliteratur verstrickt wie ein Pilzgeflecht in den Waldboden. Das klingt ganz einfach – und doch war Helga Thoene manchmal der Verzweiflung nahe: „Man glaubt, ein geübtes Auge zu haben und sieht dennoch nichts.“ Jahrelang habe sie vergeblich in der Sonate a-moll nach Choralzeilen gesucht und sei stets auf Vertuschungsmanöver des Herrn Bach hereingefallen.

Wo doch gerade diese a-moll-Sonate das dritte, letzte fehlende Beweisstück war, ein Beweis dafür, dass Bach diese drei Sonaten und später auch drei Partiten für sich selbst geschrieben habe – „als sein ganz privates Andachtsbrevier“, wie Helga Thoene glaubt. In diese große, kühne, schöne These mündet nun die jahrzehntelange Arbeit: Johann Sebastian Bach, ein gläubiger Lutheraner, der im Jahr 1717 Hofkapellmeister in Köthen wird und dort keine Kirchenmusik mehr zu schreiben braucht, komponiert Sonaten, in denen er für den spirituellen Eigenbedarf die großen Feiertage mitsamt den zugehörigen Liedern in Töne setzt: eine Sonate für Weihnachten, eine für Ostern und eine für das Pfingstfest. Dies zu zeigen und hörbar zu machen, sagt Helga Thoene, „könnte der Abschluss meiner Forschung sein“. Auch wenn damit noch lange kein Ende erreicht sei – „nicht bei einem solchen Jahrtausendgenie an Kombinatorik“.

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Mit einem feierlichen Konzert von MDR RUNDFUNKCHOR, MDR SINFONIEORCHESTER und Kristjan Järvi im Magdeburger Dom hat der MDR MUSIKSOMMER 2018 am Samstag, 30. Juni 2018 begonnen.

Eingeleitet hatten Järvi und die MDR-Musiker das Konzert mit Bachs „Chaconne“ aus der Partita II d-Moll BWV 1004 für Violine solo, die an diesem Abend in der monumentalen Orchesterfassung von Arman Tigranyan erklang.

Ausführende:

MDR-Rundfunkchor

MDR Sinfonieorchester

Dirigent: Kristjan Järvi

Live-Aufnahme aus dem Magdeburger Dom vom MDR-Musiksommer 2018

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