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Edward Elgar (1857-1934) Cello-Konzert e-Moll op. 85 und Sospiri op. 70 und ein Interview Christoph Eschenbach mit Sol Gabetta!

Edward Elgar (1857-1934) Cello-Konzert e-Moll op. 85 und Sospiri op. 70 und ein Interview Christoph Eschenbach mit Sol Gabetta!

Sir Edward William Elgar, 1. Baronet (* 2. Juni 1857 in Broadheath bei Worcester; † 23. Februar 1934 in Worcester) war ein britischer Komponist.

Edward Elgars erste durchschlagende Erfolge als Komponist stellten sich erst irn Alter von über 40 Jahren ein; der in der Nähe von Worcester in kleinbürgerlichen Verhältnissen als Sohn eines Klavierstimmers und Musikalienhändlers geborene Elgar war kompositorischer Autodidakt, der außer privatem Violinunterricht keine reguläre musikalische Unterweisung genossen hatte.

Der langersehnte erste Erfolg stellte sich endlich 1897 mit einer Gelegenheitskomposition zu Queen Victorias diamantenem Regierungsjubiläum ein: Der „Imperial March“ brachte Elgar äußeren Ruhm und gesellschaftliche Anerkennung, traf er doch ebenso wie seine Märsche „Pomp and Circumstance“ (1901ff) in ihrer mitreißenden orchestralen Brillanz den Ton der Zeit als Ausdruck einer durchaus auch chauvinistischen Huldigung an das britische Weltreich auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung und Macht.

Elgar befand sich zu diesem Zeitpunkt seinerseits nicht nur auf dem Gipfel seiner Popularität, die sich in der Erhebung in den Adelsstand ausdrückte, sondern die folgenden Jahre gelten auch als seine produktivste Zeit. Umso einschneidender war für den nahezu 60-jährigen der Ausbruch des Ersten Weltkriegs: Der durch das kollektive Trauma der kriegerischen Grausamkeiten ausgelöste Verfall des gesellschaftlichen und kulturellen Wertesystems einer ganzen Generation und der Zusammenbruch des britischen Empire als Folge des Kriegsverlaufs trafen den Komponisten an der Wurzel seiner vitalen und produktiven Kräfte. So hat Elgar nach dem Ende des Krieges bis zu seinem Tod 1934 kein wesentliches oder eigenständiges Werk mehr vollendet.

Eines der zahlreichen Paradoxa in Elgars Leben und Werk ist die Tatsache, daß er seine tiefsten Gefühle in Werken virtuosen und solistischen Charakters versteckt: Die beiden Solokonzerte, das für Violine (1910) und Violoncello, sind weitaus persönlicher gehalten als etwa Elgars zwei Sinfonien, und beide Konzerte sind in ihrer Aussage intimer als seine zahlreichen kammermusikalischen Werke.

War das Violinkonzert ein Hymnus an die (laut Elgars vorangestelltem Motto) im Werk „eingeschlossene“ Seele einer geliebten Frau, so ist das Cellokonzert nicht nur ein Abgesang auf die mit dem Ersten Weltkrieg beendete Epoche der viktorianischen Gründerzeit, sondern auch Elgars Lebewohl als Komponist; er schuf dieses Konzert geradezu als seinen Schwanengesang und notierte nach dem Eintrag des Stücks in sein persönliches Werkregister: „Finis. R.I.P.“ Elgar hatte das britische Empire auf seinem imperialen und wirtschaftlichen Höhepunkt während zweier Jahrzehnte musikalisch begleitet und porträtiert: Nun ist das Cellokonzert eine Threnodie auf den Untergang dieses Weltreichs und zugleich eine Klage über den Verlust der eigenen schöpferischen Kraft.

Ausführende:

Sol Gabetta, Violoncello

NDR Elbphilharmonie Orchester

Dirigent: Christoph Eschenbach

Aufnahme vom Schleswig-Holstein Musikfestival 2018 in Lübeck am 01.07.2018


Ein Video mit einem Interview vom Dirigent Christoph Eschenbach mit Sol Gabetta (Violincello) während des Schleswig–Holstein Musikfestival am 1.7.2018 in Lübeck.

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