RUHR2010 Teil XV: Das Ruhr-Atoll

Gestern wurde also das mit Spannung erwartete Ruhratoll eingeweiht. Ort des Geschehens war die Stauwehr am Baldeneysee. Aufgrund des Wetters und des reichhaltigen Fußballprogramms hielt sich der Besucheransturm leider in Grenzen. Höhepunkt der Veranstaltung war dann um 21.30 Uhr ein phantastisches Feuerwerk, das mitten auf dem Baldeneysee entzündet wurde. Ebenso wurde die neue Wehrbeleuchtung mit wechselnden Farben der Essener Bevölkerung übergeben.

Feuerwerk zum Ruhratoll

Vom 12. Mai 2010 bis Ende September wird diese Kunst-Installation auf dem Baldeneysee und der Ruhr einen besonderen Akzent im Sommer der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 setzen. Sechs bis zu 300 m2 große Inseln werden vom Stauwehr des Ruhrverbandes und vom Ufer aus als ein zusammenhängendes Landschaftsbild zu sehen sein.

Der Sonnengeist

Naturgeister bevölkern die Ruhrwehr

Drei von ihnen sind für kleine Besuchergruppen von jeweils vier bzw. acht Personen begehbar. Um die Objekte aus der Nähe zu erschließen, werden sich die Kunstbesucher im Rahmen eines Bootsparcours den Zugang zu den Inseln unter Einsatz eigener Energie erarbeiten und so aktiv Teil des Projektes werden. Eine Reservierung der Boote ist wegen der begrenzten Zugänglichkeit der Inseln unbedingt empfohlen. Kostenpunkt: 7,-Euro p.P.

Das Kunstereignis auf dem Wasser

Jede der Inseln auf dem See und der Ruhr greift auf ihre Weise die Themenfelder Kunst− Wissenschaft / Energie − Ökologie auf:

Als kontemplatives Bild behandelt das Teehaus („Frosch und Teemeister“) von Kazuo Katase und Michael Wilkens die Grundbedürfnisse des Menschen: Fester Boden unter den Füßen, ein Dach über dem Kopf, Wasser, Nahrung.

Politisch-medial wechselt das U-Boot „Ich kann, weil ich will, was ich muss“ von Andreas M. Kaufmann und Hans-Ulrich Reck zwischen ­den ­Wahrnehmungsebenen: Von außen eine Kriegswaffe, von innen fast eine Kapelle mit Kirchenfenstern aus Hunderten von CNN-Nachrichtenbildern.

Einen naturwissenschaftlichen und dabei sinnlich-fühlbaren Akzent setzt der „ICEBERG“ des Künstlers Andreas Kaiser und des Polarforschers Lars Kindermann, der uns in die optische und akustische Wahrnehmung in eine Forschungsstation in den Südpolar entführt.

Kraftvoll-konturiert, und dennoch mit einer Anmutung von kippelnder Instabilität umschließt der Rettungsring „LOCAL | GLOBAL“ der Künstlerin C.U. Frank eine natürliche Schwemmlandinsel auf der Ruhr − Symbol für die Fragilität der Systeme. Das Kunstwerk kommt aufgrund von Hochwasser erst im Juni/Juli, soll dann aber dauerhaft dort verbleiben.

Als schwimmender Teppich aus roten und grünen Äpfeln wird die Installation „MARKING TIME“ von Norbert Francis Attard zum Nachdenken provozieren − nicht nur über die vermeintlich weit zurück liegende Ursünde sondern um den allgegenwätigen Frevel an der Natur. Diese Installation wird derzeit kontrovers diskutiert.

Ironisch-hintersinnig hält das tropfende, quietschende klappernde „Projekt zur Rettung der natürlichen Ressourcen“ von Ilya und Emilia Kabakov allem technischen Ehrgeiz und menschlichem Streben den Spiegel vor: Ein rostiges mechanisches Monstrum pumpt Wasser aus dem See von hier nach dort…

LINK: www.ruhr-atoll.de

Die neue Wehr-Beleuchtung

Es lohnt sich auf jeden Fall, die Atolle auch mit den Tretbooten zu besuchen, demnächst werden wir ihnen eine Besuch im hellen abstatten.

Gruß, Claudia


Werbeanzeigen

3 Gedanken zu „RUHR2010 Teil XV: Das Ruhr-Atoll

Kommentar verfassen