Bielefeld, 11.01.2007
Meister-Organist „Daniel Roth“ begeisterte in der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld am 11.01.2007
J.S. Bach (1685-1750)
Praeludium und Fuge in C – Dur BWV 547
Partita „Sei gegrüßet Jesu Gütig“ BWV 768
Cesar Franck (1822 – 1890)
Interlude symphonique aus Rédemption,
Orgelbearbeitung: Daniel Roth
Eugène Gigout – (1844 – 1925)
Scherzo in E – Dur
Daniel Roth (* 31.10.1942)
Eigenkomposition:
Artizarra, Fantasie über ein baskisches Lied für
das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias)
Charles Marie Widor (1844 – 1937)
Finale aus der 7. Symphonie
In der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld wurde im Rahmen der Albert Schweitzer Tage ein hochrangiger Organist in Person von Daniel Roth – tätig an der Kirchengemeinde St. Sulpice in Paris – verpflichtet. Meister-Organist Roth steht als eine weitere Größe in der Nachfolgeschaft seiner bekannten Vorgänger wie Charles-Marie Widor und Marcel Dupré für die Cavaillé-Coll-Orgel an St. Sulpice in Paris zur Verfügung.

Foto: Altstädter Nicolaikirche Bielefeld (Fotos: Altst.Kirchengemeinde)

Foto: Grosse Beckerath-Orgel, Neubau von 1965 in der Nicolaikirche Bielefeld
Im Auftakt des BWV 547 in Präludium und Fuge C-Dur brillierte sein Spiel in den Fugen. Er verstand es meisterlich eine entsprechende Akzentuierung seinem Spiel mitzugeben.
Das BWV 768 ( Partite diverse sopra il corale) „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ gehört zu den frühen Werken Bachs und ist in ihrer 11-sätzigen Struktur formal an seinen norddeutschen Lehrmeister Georg Böhm angelehnt, es nimmt als reifstes Werk dieser Frühperiode eine Sonderstellung ein. Ganz im Sinne Schweitzers erfolgte seine Interpretierung und entwickelte im weiteren Verlauf des Variationszyklus sowie in der abschließenden fünfstimmigen Variation eine berauschende Wiedergabe in barocker Klangpracht, die er dieser fantastischen Orgel zu entlocken vermochte.
In dem Orgelwerk von Cesar Franck „Interlude symphonique aus Rédemption“, hat Daniel Roth eine Bearbeitung des „Interlude symphonique“ aus dem Oratorium „Die Erlösung“ hinzugefügt. Eine Orgelsinfonie in orchestraler Ausprägung und prägnanten Klangfarben. Hier bezeugte Roth seine überragende Kunstfertigkeit an der Orgel, dem Hörer ein Klangideal vorzuführen, dass bewegend einzuwirken vermochte.
Daniel Roth, seine Eigenkomposition: „Artizarra, Fantasie über ein baskisches Lied für das Fest der Erscheinung des Herrn“ (Epiphanias), trägt unverkennbar die Züge einer französischen Komposition. Feinfühlig, elegant in seinem Spiel versteht er es vortrefflich, dem Hörer Tonal die „Heiligen Drei Könige“ auf der Orgel vorzuführen.
Den grandiosen Schlusspunkt setzte er mit dem Werk von Charles Marie Widor „Finale aus der 7. Symphonie.“ Virtuoses Können, geschmeidig ausformend und in der entsprechenden Klangwucht präsentierte sich ein großartiger Kenner und Meister in diesem französischen Orgelwerk.
Ein überragender Orgelabend wurde mit nicht endend wollendem Beifall durch die Besucher entsprechend honoriert.
Die Besucherresonanz blieb leider hinter den Erwartungen zurück und sollte zu neuen Denkanstößen des Veranstalters führen. Aufwand und Ertrag steht in keinem Verhältnis, Anfahrt des Meister-Organisten am Vortag aus Paris um dann am Folgetag eine überschaubare Kleinst-Hörerschaft vorzufinden, muss frustrierend wirken und wirft ein schlechtes Bild auf die sonst so konzertfreudige und besucherfreundliche Stadt Bielefeld.
Kritik übe ich an der Form als Kleinstankündigung in den Bielefelder Tageszeitungen. Hier sollte in Zukunft aufgrund eines so großartigen Kunstereignisses auch überregional und in einem größeren Beitrag daraufhingewiesen werden müssen.

