Radiotipps KW 17 in 2009

Hallo zusammen,

die 2 Wochen mit unglaublich viel schöner Musik und interessanten Informationssendungen, vor allem zu Georg Friedrich Händel liegen nun hinter uns. Mir klingen die Ohren, obwohl ich das Meiste noch gar nicht gehört habe.  Es gibt noch viel Interessantes bei den einzelnen Sendern zu entdecken, ich habe mich auf 2 Rundfunk- und 2 TV-Sendungen beschränkt.

Eine schöne Woche
Barbara

 

18.4.

NDR

20-22

Prisma Musik – Händel der Europäer – Teil 3

Im Frühjahr 1710 entschloss sich Händel, der „caro Sassone“, „der liebe Sachse“, wie ihn die Italiener liebevoll nannten, das Mutterland der Oper wieder zu verlassen und die Stelle eines Hofkapellmeisters beim Kurfürsten Georg Ludwig in Hannover anzutreten. Gut möglich, dass sein eigentliches Ziel schon damals England war, denn die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, dass die englische Thronfolge den Kurfürsten wahrscheinlich bald zum englischen König bestimmen würde.

So kam es 1714, als Queen Anne starb, und Händels Hannoverscher Dienstherr als King George I. den Thron bestieg. Es wäre kaum vorstellbar, dass ein Ausländer die privilegierte Stellung eines Hofkomponisten des englischen Königs hätte einnehmen können, und so entsprach es sicher nicht nur Händels eigenem Wunsch, sondern auch einer politischen Notwendigkeit, dass er die englische Staatsbürgerschaft annahm. Als der König 1727 starb, hatte Händel in London längst als Opernkomponist reüssiert.

Sein „Rinaldo“ verhalf der italienischen Oper auch auf der Insel zum Durchbruch; Jahre des Triumphs, aber auch Krisen des Musik-Unternehmers Händel folgten. Er überwand sie auf geniale Weise, überlebte als Oratorien-Komponist und schrieb englische Musikgeschichte. War er deshalb ein „englischer Komponist?“ Der Musikhistoriker Matthew Gardner geht im letzten Teil der dreiteiligen Sendereihe über den Europäer Georg Friedrich Händel der Frage nach, wie „englisch“ seine Musik tatsächlich ist.

 

 

 

19.4.

TV – ARTE

11-13 Uhr

Wiederholungen:
Sonntag, 26. April 2009 um 19.00 Uhr

01.05.2009 um 06:00
04.05.2009 um 06:00


Gedächtniskonzert Halle
(Deutschland, 2009, 120mn)
MDR
Regie:
Elisabeth Malzer
Dirigent: Howard Arman
Orchester: Haendel Festspielorchester Halle, The English Concert

 

Zum 250. Todestag des Komponisten Georg Friedrich Händel rekonstruieren führende Barock-Ensembles Europas das Händel-Gedächtniskonzert der Westminster Abbey von 1784. ARTE sendet live aus der Marktkirche von Händels Geburtsstadt Halle.

Am 14. April 2009 jährt sich zum 250. Mal der Todestag von Georg Friedrich Händel. Aus diesem Anlass spielen führende Barock-Ensembles Europas in der Marktkirche Halle, der Taufkirche des Komponisten.
Auf dem Programm steht die Rekonstruktion des Händel-Gedächtniskonzerts, wie es bereits zu seinem 100. Geburtstag am 26. Mai 1784 in der Westminster Abbey zu London aufgeführt worden war. Unter der Leitung von Howard Arman musizieren The English Concert, das Händelfestspielorchester Halle, der MDR-Rundfunkchor Leipzig, die Hallenser Madrigalisten, der Händelfestspielchor und der Chor der Oper Halle.

Das Programm im Überblick:

– „Zadok the Priest“ Coronation Anthem for Georg II. HWV 258
– Sinfonia zum Oratorium „Esther“ HWV 50a (Zweite Fassung, erster bis dritter Satz)
– „The Ways of Zion do Mourn“, Funeral Anthem for Queen Caroline HWV 264, Drei Chöre: „When the Ear“, „She Deliver’d the Poor that Cried“ und „Their Bodies Are Buried in Peace“
– „Saul“ Oratorium HWV 53, Nr. 77 La Marche
– „O Be Joyful in the Lord“ aus Jubilate HWV 279 für den Frieden von Utrecht
– „Israel in Egypt“ Oratorium HWV 54, Drei Chöre: „The Lord Shall Reign for Ever and Ever“, „For the Horse of Pharao“ „The Lord Shall Reign for Ever and Ever“ und „Sing Ye to the Lord“
– Sinfonia aus dem Oratorium „Saul“ HWV 53 Symphonia
– „O Sing Unto the Lord a New Song“ Chandos Anthem HWV 249b
– Te Deum for the Victory of Dettingen HWV 283 für Soli, fünfstimmigen Chor und Orchester

 

 

TV – ARTE

19:00-19:45 Uhr

Phillipe Jaroussky – Höhenflug eines Sängers

Wiederholungen:
24.04.2009 um 06:00
30.04.2009 um 06:00
06.05.2009 um 06:00
Philippe Jaroussky
(Frankreich, 2008, 44mn)
ARTE F
Regie:
Christian Leble

 

Der französische Countertenor Philippe Jaroussky mit der strahlenden Stimme ist das junge Gesicht der Klassik, ein Star mit vielen Fans. Diesmal entführt er sein Publikum in gleich drei barocke Musikwelten: die Händels, die Glucks und in die der Laute. Dabei kommen sowohl die technische Perfektion des talentierten Sängers als auch seine lyrische Intuition voll zur Geltung.

Mit seiner unvergleichlichen Stimme ist der 31-jährige Countertenor Philippe Jaroussky der aufsteigende Stern der Barockmusik: 2009 wurde er von den MIDEM Classical Awards zum Sänger des Jahres bestimmt, zweimal – 2004 und 2007 – war er Preisträger der französischen „Victoires de la Musique Classique“ und in Deutschland wurde er 2008 mit dem Echo Klassik ausgezeichnet.
Die Dokumentation stellt den Ausnahmekünstler mit einem Programm vor, das alle Facetten seines technischen Könnens, seiner Fantasie und Erfindungsgabe verdeutlicht. Händel war es einst, der den Kastraten von Venedig und Neapel mit seinen virtuosen, stimmlich äußerst gewagten Kompositionen Glanz verlieh. Die bedeutendsten interpretiert Jaroussky, teilweise im Duett mit der jungen katalanischen Sängerin Nuria Real, in einem Konzert mit seinem Streicherensemble Artaserse.
Der zweite Programmteil wurde in einem ehemaligen Kloster in der Picardie aufgenommen, wo Philippe Jaroussky, von der Laute begleitet, Arien italienischer Komponisten des 17. Jahrhunderts interpretiert. Sie bringen das subtile Timbre und poetische Gespür des Künstlers voll zur Geltung.

Philippe Jaroussky wurde 1978 in Frankreich geboren. Er studierte zunächst Geige und Klavier an den Musikhochschulen von Versailles und Boulogne, bevor seine Gesangslehrerin Nicole Fallien 1996 seine außerordentliche stimmliche Begabung erkannte und förderte. Sie unterrichtet ihn bis heute.
Jaroussky führte in Paris seine Studien der Alten Musik fort und hat seither eine steile Karriere hingelegt: Er sang bei den Festivals von Royaumont und Ambronay, in der Berliner Staatsoper und arbeitet regelmäßig mit diversen Ensembles zusammen, darunter ist auch sein „eigenes“: Artaserse. Sein Erfolg ist auch in Deutschland bemerkenswert, wo man ihn im letzten Jahr mit dem Echo Klassik ehrte.

 

 

 

22.4.

HR2

20.05 – 21:30 Uhr

Notenschlüssel

Georg Friedrich Händel: „Total eclipse – Samson im Dunkeln“

Aufgeschlüsselt von Paul Bartholomäi

Kaum hatte Georg Friedrich Händel seinen „Messias“ beendet, nahm sich der Unermüdliche das nächste Oratorium vor, es sollte sein längstes werden: „Samson“. Uraufgeführt wurde es im Februar 1743 in London. Was Händel nicht wissen konnte: Die Geschichte des erblindeten Samson nahm manches vorweg, was später sein eigenes Schicksal werden sollte. Im Jahr 1752 begann zunächst sein linkes, später auch sein rechtes Auge zu erblinden. Eine Operation konnte nur vorübergehend Besserung bringen. Händel war nun selbst wie Samson der Heros, der nach dem Verlust des Augenlichts mit dem Schicksal hadert. Lord Shaftesbury, ein Freund und Verehrer des Komponisten beschreibt den Besuch des „Alexanderfests“: „Es war ein trauriger Abend, ich vergoss Tränen des Mitleids, als ich Händel niedergeschlagen, matt und düster dabeisitzen sah, er spielte nicht mehr auf dem Cembalo, und ich dachte daran, dass sein Licht im Dienste der Musik ausgebrannt sei“. Als bei der Aufführung des „Samson“ die Arie des Titelhelden erklang: „Total eclipse – no sun, no moon, All dark amid the blaze of noon“ („Tiefdunkle Nacht, kein Tag, kein Licht, nur dunkle Nacht umhüllt mein Angesicht“), vergossen manche im Publikum Tränen angesichts des blinden Komponisten, der neben der Orgel saß.

 

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2 Gedanken zu „Radiotipps KW 17 in 2009

  1. Volker

    Hallo Barbara,

    ja das stimmt, die ungemein große Fülle an Radio- und Fernsehsendungen mit dem Thema Händel haben mich fast erschlagen. Wann bekommt man so eine große Auswahl an grandiosen Werken des Maestro Händel einmal angeboten, da heisst es zugreifen, speichern, anhören oder ansehen. Die Messias Aufführung auf ARTE mit dem Schönberg-Chor aus Wien war sehr gewöhnungsbedürftig, hier hätte sich Händel wohl im Grabe umgedreht, aber darauf komme ich später noch einmal darauf zurück.

    Für deine Angaben wiederum meinen herzlichen Dank.

    Ein schönes Wochenende und Grüße

    Volker

    Antworten
  2. Wolfgang Adam

    Nachösterliche Gedanken für Oster-Gläubige als auch Oster-Aufmerksame!

    Bach’s Osterkantaten-, sechs bis acht kommen da bestimmt zusammen, beschreiben und feiern das höchste Fest des Christen:
    den Kampf mit dem Tod und der sich dann ausbreitende Friede. Jesus wird von Gott nicht alleine gelassen und überwindet und schenkt Friede.

    Dieser mutmachende Gedanke erneuert sich in jedem Ostern für den aufmerksamen Christen. Die beiden Pole des Geschehens sind für mich der ‚Kampf mit dem ärgsten Feind Tod‘ und das Gegenteil dieses grausamen Ringens: eben das ‚friedliche Miteinander Teilen von Essen und geistiger Nahrung‘.

    Bach’s Oster-Kantaten (einschließlich des sog.Osteroratorius) sind in ihrer Entstehung, ihren Motiven und ihrer Wirkung sehr verschieden. Aber zwei Kantaten sind für mich aus einem Guss und bleiben daher sehr haften in meinem musikalischen Gedächtnis:

    — BWV 4 Christ lag in Todesbanden (Kampf mit dem Tod) und — BWV 6 Bleib bei uns, denn es will Abend werden (friedliches miteinander Teilen).

    Zu beiden Kantaten hatte ich bisher die Aufnahmen von Rilling und Harnoncourt. Aber erst die Gardiner-Interpretationen SDG 131 Vol 23 hatten mich auf den von mir oben skizzierten ‚Mehrwert‘ der beiden Kantaten aufmerksam gemacht.

    Es ist einfach unerhört umwerfend, wie Gardiner in BWV 4 SDG 128 Eingangschor den Kampf mit dem Tod herausarbeitet. Da haben die Chorsänger + Instrumentalisten auch das umgesetzt, was Gardiner erarbeitet hat: Dynamik, Intensität, Linienführung in den Stimmen, es entsteht ein packendes, aber stimmiges Schlachtengetümmel.In ersten Chorteil (a) enwirft ein bodenständiger und fest verankerter Luther-Choral die Basis des Sieges, der zweite Chortteil Halleluja (b)läßt das Kämpfen, Aufbäumen und Unterliegen des Todes durch das Halleluja (=lobt Jahwe)hören. Heisst: Diese Botschaft gilt dem, der die Musik nicht nur als Kunstgenuss auf seine Seele wirken läßt, sondern auch im Alltag Gott tätig lobt = Halleluja.

    Gardiner selbst hat ja in seinem Reisetagebuch zu BWV 4 Bach’s Bezug auf Luther eindrücklich herausgearbeitet („kühn, innovativ, dramatisch!“). All diese bildhaften Übertragungen einschließlich der von Gardiner beschriebenen melodischen Veränderung („Entwurzelung aus dem dorischen Modus durch Erhöhung des Quartintervalls“) von Luther’s Choral haben für mich Langzeitwirkung in meinen nachösterlichen Alltag.

    Dagegen BWV 6 in SDG 131: Ein tröstlicher Friede breitet sich als Abendstimmung aus („c-moll als traurig-süßer Klang). Dieses Bitten der Jünger, um eine Kraft, die sie weiterleben läßt, im hell-dunkel Gemälde von Licht und nun drohender Finsternis, wird für den aufmerksamen und andächtigen Hörer zum Lebenselexier.

    Am Sonntag nach Ostern Quasimodogeniti hörte ich dann BWV 67 ‚Halt im Gedächtnis Jesus Christ‘. Da empfand ich eine Mahnung, diese beiden Ostergaben weiterhin aufzunehmen und immer wieder zu verarbeiten.

    Sarkastisch kann ich noch hinzufügen: all die Osterleckereien machen den Körper nur müde und kein Osterhasen-Glaube reichen im Mindesten an Luther’s und Bach’s Osterinterpretationen heran. Diese Verniedlichung führt zu einer Verdummung und lebensuntauglich machenden Einstellung.

    Gruß

    @Wolfgang

    Zwei Bach-Kantaten

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