RUHR2010 Teil II: Mord und Totschlag

Das Ruhrgebiet im Mittelalter

Woher hat das „Bergische Land“ seinen Namen? Wer die Landschaft sieht, könnte glauben, die Antwort ist einfach, es ist nämlich ziemlich bergig. Aber diese Überlegung ist FALSCH. Nein, die Fürsten von Berg, mit Sitz in Burg bei Solingen sind die Namensgeber.

Ein Sproß aus diesem Adelsgeschlecht, Engelbert I. Erzbischof zu Köln, ist Protagonist eines mittelalterlichen Krimis, der sich am 07.11.1225 bei Gevelsberg ereignet hat.

Im Alter von dreizehn Jahren wurde Engelbert mit kirchlichen Pfründen bedacht als Propst des Georgstifts von Köln, ein Jahr später als Dompropst. Er war weniger dem geistlichen Amt zugetan, als der praktischen und handfesten Politik. In Auseinandersetzungen zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. wurde er wegen falscher Parteinahme seines Amtes enthoben und sogar exkommuniziert.

Romantisierendes Gemälde auf Schloss Burg:

Engelbert tat Buße, unterwarf sich dem Papst, beteiligte sich 1212 am Kreuzzug gegen die Albigenser und wurde 1216 Erzbischof von Köln. Seine politischen und verwaltungstechnischen Erfahrungen nutzte er zum Aufbau und zur Reorganistion des Bistums.  Als Reichsverweser für König Friedrich II. übte er die Herrschaft in verschiedenen Gebieten aus,  Streitigkeiten um Machtansprüche rheinischer Grafen und von deren Verwandten standen auf der Tagesordnung. Als er 1225 an einem kalten Novembertag von Soest zurück nach Köln ritt, geriet er bei Gevelsberg in einen Hinterhalt und wurde von seinem entfernten Neffen Friedrich von Isenberg, der Klostervogt in Essen war, und seinen Komplizen, durch ca. 50 Verletzungen ermordet.

Datei:Denkmal Engelbert01.jpg

Denkmal in Gevelsberg für die Ermordung des Erzbischofes Engelbert

Heute vermutet man, dass der Mord nur aus Versehen geschehen ist und der Erzbischof -wie damals üblich- gefangen genommen werden sollte. Friedrich von Isenburg wurde in Köln gerädert und seine Isenburg (auf Essener Stadtgebiet mit traumhaftem Blick ins Ruhrtal nach Hattingen) geschliffen.  Dieser Mord zog verschiedene Burgen und Stadtgründungen nach sich, z.B. entstand die Stadt Hamm/Westf.  als Folge des Mordes.

Die Isenburg bei Hattingen:

Das archäologische Museum Herne widmet dieser Thematik im Kulturhauptstadtjahr 2010 die umfangreiche Sonderausstellung AufRuhr 1225! vom 27.02.-28.11.2010. Auf der Internetseite der Sonderausstellung sind auch interessante Videos über die Vorbereitung der Sonderausstellung.

Link:   http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Aufruhr/

Mit eiskalten Grüßen, Claudia

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3 Gedanken zu „RUHR2010 Teil II: Mord und Totschlag

  1. barbara57

    Hallo Claudia,
    als Volker Dich bat, ein wenig zum Kulturprogamm RUHR 2010 zu schrieben, erwartete ich ein mehr oder weniger tabellarische Auflistung der größten Konzert-Highlights. Aber was Du uns hier bietest, ist ja ein kulturhistorischer Rundumschlag. Wie schön. Das macht richtig Lust aufs Reisen, auch wenn es bei mir nur virtuell sein wird oder aufs Weiterlesen.
    Ich freue mich schon auf Deine nächsten Beiträge.
    Vielen Dank
    Barbara

    Antworten
  2. Claudia

    Hallo Barbara, schön dass dir die Beiträge gefallen, ich habe lange mit mir gehadert, wie man das ganze übersichtlich gestalten kann, und bin zum Entschluss gekommen, portionsweise -nicht nur musikalische- Happen zu servieren. Zu der Engelbert Thematik habe ich eine mal eine historische Wanderung von Schwelm nach Gevelsberg gemacht, es macht richtig Spass wieder alles zusammen zutragen.
    Musikalisch kommt auch noch ganz viel, aber immer mal im Wechsel. Iris, die gammeligen Industriebrachen kommen auch noch, aber ich arbeite mich noch bis zur Industrialisierung durch…
    Volker, danke für den Stein des Anstoßes,die Artikel machen echt Laune.
    Wenn ich anfange zu nerven, bitte Meldung.
    Gruß, Claudia

    Antworten
  3. Volker

    Hallo Claudia,

    Aber nich doch: Wenn ich anfange zu nerven, bitte Meldung.

    ——————-
    Wir Unbekümmerten schmachten nach deiner Ruhrgebiets-Triologie, wann bekommen wir so eine tolle Nachhilfe in Geschichte und Umfeld des Ruhrgebiets
    und die …Brachen kommen auch noch – toll, was da unser alter Johann-Sebastian Bach wohl zu gesagt hätte, ist ja Schnuppe, seine Musik klingt ja auch auf Jahrmarktsplätzen, ehrlich, per Schifferklavier die Orgelfugen in Freiburg mir angehört, von dem russischen Künstler war ich begeistert, der spielte da mit soviel Inbrunst, da konnte ich nicht anders und gab ihm ein paar Silberlinge…!!

    Also weiter so in diesem Sinne an die Schmachtenden…!!

    Lieben Gruß
    Volker

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