Archiv der Kategorie: Kulturhauptstadt Essen 2010-Geschichtliches

RUHR2010 Teil XXXII: Good bye!


Am 18.12.2010 war dann offiziell SCHLUSS.

Aufgrund des Wetters haben wir uns für die kürzere Anfahrt auf Zollverein entschieden. Die frostigen Temperaturen und der terminüberfrachtete Dezember liessen die Besucherströme denn auch eher mäßig ausfallen.

Highlight des Abends war eine 360° Video-Projektion des türkischen Künstlerduos Griduo, die den Sanaa Kubus in Bewegung gesetzt haben.

Griduo Video Performance

Hier ein Link, wo man beim WDR einen Fotodurchmarsch durch die Ereignisse machen kann: Link: http://www.wdr.de/themen/panorama/extra/jahresrueckblick_2010/chronik/content_bf.php?month=12&topic=8&year=10

Es hat viel zu Entdecken gegeben, jede Menge Neues, Schönes, Erstaunenswertes. Obwohl ich wirklich viel gesehen habe und an vielem teilgenommen habe, ist trotzdem auch jede Menge an mir vorbeigegangen. Einiges können wir uns für 2011 vornehmen, vieles ist unwiderbringlich vorbei. Vielleicht haben Euch ja einige Orte inspiriert, sie bei einer Reise ins Ruhrgebiet mit einzubeziehen.

Die letzte Ausgabe von Ruhr2010 TV mit Impressionen der Abschlussveranstaltung:Link:  http://essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/ruhr2010-tv.html

Ich wünsche Euch ein gesundes Jahr 2011 mit winterlichen Impressionen aus der „Elfringhauser Schweiz“ bei Hattingen.

RUHR2010 Teil XXXI: Collection Tours-RuhrKunstMuseen


Link: http://ruhrkunstmuseen.ruhr2010

FERNSEHTIPP: Diese Tour wurde vom WDR begleitet und die Sendung „WESTART“ mit einer Zusammenfassung zum Kulturhauptstadtjahr wird am 14. Dezember 2010 um 22.30 Uhr im WDR mit einem 5 minütigen Bericht ausgestrahlt!

Gestern haben wir im Rahmen der Collection Tours „Nachtfahrt zur Lichtkunst“ drei RuhrKunstMuseen besucht: „Situation Kunst“ in BO Weitmar, „Zentrum für internationale Lichtkunst“ in Unna und der „Glaskasten“ in Marl. Das Vermittlungsprojekt Collection Tours bietet den Bewohnern und Gästen des Ruhrgebiets die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit den Sammlungen und Sonderausstellungen der 20 RuhrKunstMuseen. Wir haben uns speziell für diese Tour entschieden, weil 2 Museen auf dem Programm stehen, die wir selbst noch nie besucht hatten und etwas am Rande des Ruhrgebiets liegen.

www.situation-kunst.de

„Situation Kunst“, Hier beginnt die Tour, die Begleiterin regt zu einem Dialog mit der Kunst an und es entsteht ein reger Diskurs und Gedankenaustausch zwischen den Teilnehmern, auf den ersten Blick scheint die moderne Kunst schwer zugänglich, ist aber in ihrer Intention bodenständig und läßt Raum für Gedanken. Speziell bei der Rauminstallation von Rabinowitsch erzeugt das Zusammenspiel von Licht und Raum spirituelle Emotionen.

Tyndale-Sculpture (for Bud Powell and Coleman Hawkins), 1986/87/88

Weiter gehts zum Knaller des heutigen Tages: Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna. In den Kühlkellern der ehemaligen Lindenbrauerei hat dieses außergewöhnliche Museum unter der Erde eine würdige Heimat gefunden. Faszinierend die Installationen zu denen sich auch mit Hilfe unserer Kunstbegleiterin einfach der Zugang findet. Höhepunkte sind Keith Sonnier mit „Tunnel of Tears“ und Mischa Kuball mit „Speed/Space/Speech“. Das Museum ist nur mit einer Führung zugänglich, die auch wichtig und interessant ist. Wirklich sehenswert!!!  Übrigens: Kein Foto kann die tollen Impressionen in Unna wiedergeben!!!

Mischa Kuball, Speed / Space / Speech, 1998/99  Foto: D. Leve

http://ruhrkunstmuseen.ruhr2010.de/sammlung/skulpturenmuseum-glaskasten-marl.html

Mittlerweile ist es stockfinster und es geht weiter zum Glaskasten nach Marl. Interessant, dass wir auch viel über die Besonderheiten einiger Städte erfahren. Marl ist ähnlich wie Wolfsburg eine Retortenstadt und im Nationalsozialismus entstanden. Es erinnert an die Plattenbautensiedlungen, die wir aus der DDR Zeit kennen. Mit dem Niedergang der Chemieindustrie wurde dann auch der Ausbau zur Großstadt gestoppt. An der Route der Industriekultur findet sich heute der „Chemiepark“. Im Glaskasten sind zwar nicht die bahnbrechenden Objekte zur Lichtkunst ausgestellt, aber beherbergt es doch interessante moderne Kunst, die ziemlich freakig ist.

Collection Tours Bus / Foto: Frank Vinken

Die Touren, die den Besuch mit Führung durch 3 RuhrKunstMuseen beinhalten, kostet incl. Lunchpaket 25,- Euro p.Person und dauert ca. 6 Stunden. Einige Termine sind noch realisierbar. Eine lohnende Fahrt mit super Besichtigungen, neuen Einblicken und netten Begegnungen.

Grüße, ClaudiavF

http://ruhrkunstmuseen.ruhr2010.de/collection-tours.html

RUHR2010 Teil XXX: Volkers Klassikseiten im Ruhrpott!


Auf diesen Tag hatte ich mich schon so lange gefreut: Rita und Volker, Ulrike und Werner, Iris und Karl-Heinz, Italo-Wolle und ich haben vorgestern, 21.11.2010 bei bestem Wetter das Ruhrgebiet unsicher gemacht!

Edouard Manet "Die Eisenbahn"

Getroffen haben wir uns am Museum Folkwang, wo seit Oktober 2010 die Ausstellung „die Impressionisten in Paris“ stattfindet. Mit einer öffentlichen Führung haben wir uns in die große Expansionsperiode der französischen Metropole Ende des 19. Jahrhunderts begeben. Von Van Gogh, Gauguin, Renoir, Manet, Caillebotte und Monet sind alle vertreten. Die Ausstellung war thematisch in sich sehr geschlossen und wurde neben den Malereien mit Fotographien aus der Zeit von Napoléon III. und seinem Architekten Haussmann abgerundet. Die Ausstellung ist noch bis zum 30.01.2011 in Essen zu sehen. www.museum-folkwang.de

St. Ludgerus Essen-Werden (Foto: WernerK)

Weiter gehts nach Essen Werden, zur Basilika St. Ludgerus. 799 von Luitger als Benediktinerabtei gegründet war sie ein Christianisierungsstützpunkt unter Karl dem Großen. Nach der Zerstörung der Kirche durch einen Brand wurde der neue Bau 1275 im Übergangsstil von der Romanik zur Gotik geweiht. Architektonischer Höhepunkt ist der achteckige Vierungsturm dessen Kuppelgewölbe zu den Höhepunkten der rheinischen Baukunst gehört. In der Confessio, der Ringkrypta und ältestem Teil der Kirche befindet sich das Ludgerusgrab. Der bronzene Sarkopharg stammt aus dem Jahre 1984. www.st.ludgerus-werden.de

Hochofen Henrichshütte (Foto: VolkerH)

Mittagessen auf der Henrichshütte in Hattingen in der Gastronomie „Henrich´s“, ein modern eingerichtetes Restaurant in der architektonischen Synthese mit der Industriekultur. Der Kampf der Henrichshütte endete 1987, als der Hochofen gegen großen Widerstand ausblasen wurde. 150 Jahre spuckte er das flüssige Eisen aus und in Hochzeiten arbeiteten bis zu 10.000 Menschen auf der Henrichshütte. Unter teilweise schwierigen Bedingungen verdienten die Menschen dort ihren Lebensunterhalt. Die archaische, riesige Brache der Schwerindustrie macht erlebbar, „wodurch unser Wohlstand erschaffen wurde“ (Kalla). http://www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/hattingen/ort/

spätnachmittägliche Impressionen auf der Henrichshütte (Foto: WernerK)

Unser letzter Programmpunkt und gleichzeitiger Höhepunkt ist die Dorfkirche Stiepel in BO. 900 erstmals urkundlich im Güterverzeichnis des Klosters Werden als Villa Stipula erwähnt, wird 1008 mit Zustimmung des Kölner Erzbischofs Heribert die Erlaubnis für den Bau einer Hofkirche erteilt. Mit ihren fast 800 Jahren alten Malereien aus der Frühzeit der Kirche ist sie ein Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung (ich berichtete bereits auf Volkers Klassikseiten). Um 18.00 Uhr findet heute dort die Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 140 im Rahmen der „Momente der Ewigkeit“ (Ruhrpott-Kantate) statt. Vorher konnte noch Kaffee und Kuchen auf dem Adventsbasar eingenommen werden. www.evkirchebochum.de/stiepel

Dorfkirche Bo-Stiepel (Foto: VolkerH)

Sopran: Ulrike Hellermann, Alt: Katharina Wagner, Tenor: Stefan Kuhlich, Bass: Peter Lutz

Barockorchester Caterva musica, Leitung und Orgel: Kantor Michael Goede, Liturgie und Ansprache: Pfarrer Jürgen Stasing

„Wachet auf ruft uns die Stimme“ wurde am 25.11.1731 in Leipzig uraufgeführt. Zugrunde liegt Philipp Nicolais Gedicht, mit der populären Melodie gregorianischen Ursprungs. Sie handelt von dem Gleichnis der 10 Jungfrauen, die sich auf die Ankunft des Bräutigams vorbereiten. In ihrer ganzen Stimmung lassen Bach, Nicolai und ein anonymer Textdichter nun die grimmigen Texte und Sündenvorwürfe der Trinitatiszeit hinter sich und orientieren sich in ihrem festlichen Charakter eindeutig in Richtung der Adventszeit.

Nervosität kommt auf, wo ist der Chor? Herr Goede hat sich tatsächlich für eine solistische Besetzung entschieden, was zum intimen Rahmen des Konzerts aber gut passt. Akustisch ist dies jedoch nicht so glücklich gewählt gewesen: Sopran und Alt haben partiell sehr tiefe Partien, so dass sie nur wahrgenommen werden, wenn es in die höheren Bereiche geht. Tenor und Bass haben es etwas leichter, sie haben auch die interessanteren Parts, verkörpern sie doch die ungeduldigen Seelen, die auf den Bräutigam warten. Höhepunkt der Aufführung ist das etwas erotisch angehauchte Duett zwischen Bass und Sopran „Mein Freund ist mein-und ich bin Dein“, unterstrichen von den vielsagenden Blicken der Ausführenden.

Wenn auch Geige und Bratsche nicht richtig stimmten, die Oboe manchmal nicht flüssig durchlief und die solistische Besetzung nicht durchweg meine Zustimmung fand, war es dennoch eine stimmungsvolle, auf den Advent einstimmende Kantate, die durch die phantastische Atmosphäre eine würdige Abrundung fand. Wie Kalla meinte: „In so einer Kirche brauchst Du nicht zu predigen“

Schlussapplaus

Es war ein wunderschöner, erlebnisreicher Tag mit Euch! Danke auch für die super-Fotos! Gruß, Claudia

RUHR2010 Teil XXIX: Night Prayer 21.09.10-Merkez Moschee DU-Marxloh


Merkez Moschee

Nach Streitgesprächen über Deutschlands derzeit meistdiskutiertestes Buch, haben meine Bekannte Ulrike und ich nach heftigen Diskussionen entschieden, uns mit den Menschen zu beschäftigen, die sich hinter den Zahlen und Statistiken verbergen. Mein Vorschlag zum Night Prayer in die Duisburger Moschee mit abschliessendem Konzert zu fahren, wurde von ihr begeistert angenommen. Gleichzeitig fand an 9 weiteren Orten anderer Glaubensrichtungen eine ähnliche Veranstaltung statt, z.B. im Hindu-Tempel in Hamm-Uentrop, der Serbisch-Ortodoxen Gemeinde in Dortmund, der Alevitischen Gemeinde in Bergkamen oder auch im Essener Dom. Um 20.00 Uhr fand dann in jeder Location ein typisches Konzert statt.

LINK: http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/no_cache/presse-medien/pressemitteilungen/detailseite/article/night-prayer-faszinierende-spirituelle-konzerte-der-weltreligion.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=631

Kuppel I

19.00 Uhr Führung mit Koranlesung: Pünktlich zur Führung treffen wir ein. Wir sind beeindruckt, die Kuppeln, reich verziert mit Kalligraphien und Bildschmuck im osmanischen Stil sind eine Augenweide, dazu der weiche Teppich, der noch neu riecht, lädt zum Verweilen ein. Der Iman intoniert einen Vers und gerät wortwörtlich ins Schwitzen. Das Gebäude wurde 2008 fertiggestellt und ist mit rund 1800 Plätzen eine der größten Moscheen Deutschlands. Die Gemeinde ist ausserdem sehr aktiv, Führungen werden angeboten, verschiedene Bildungsprogramme mit Sprachkursen uvm. rundet das Angebot ab.

20.00 Uhr Konzert: Im Schulungsraum der Gemeinde findet das Konzert mit den Stars der türkischen Klassik statt. WDR 3 überträgt das Konzert. Die Moderation hat die WDR Mitarbeiterin Asli Sevendim, selbst aus DU-Marxloh.
Es spielt das Istanbuler Ensemble „Mizrabin Nefesi“ was so mit der mystischen Übersetzung von „atmendes Plektron“ zu übersetzen ist, in nachfolgender Besetzung:

Kuppel

Langhalslaute „Tanbur: Birol Yayla, Murat Aydemir, Özata Ayan

Längsflöte „Ney“: Aziz Senol Filiz, Salih Bilgin, Bülent Özbek

Rahmentrommeln: Fahrettin und Ferruh Yarkin und Gesang: Mehmet Kemiksiz

Mizrabin Nefesi

Die Komponisten entstammen von ca. 1700-zeitgenössisch, wobei sich einige Musiker des Ensembles auch als Komponisten betätigt haben. Viele Stücke erinnern mich an das Konzert vom Freitag, aber es ist weniger meditativ, sondern im prallen Leben angesiedelt. Neben uns sitzt ein Typ, der wie in Trance zum Rhythmus mit dem Kopf wackelt. Dadurch, dass wir so nah dran sitzen, erleben wir alles natürlich auch sehr intensiv. Zudem ist es rhythmisch sehr ansteckend. So super hatten wir es nicht erwartet.

Die einzigen zwei Kritikpunkte, die ich anzubringen habe ist, dass es keine Pause gab, wo eventuell ein Austausch mit Gemeindemitgliedern oder Musikern hätte stattfinden können. Als zweites, nicht alle Veranstaltungen auf einen Zeitpunkt zu legen, mich hätte auch der Hindu Tempel oder die Synagoge interessiert.  Auf jeden Fall waren wir uns einig, dass der Besuch heute eine gute Idee war und so hat uns Herr Sarrazin indirekt einen interessanten Abend beschert.

RUHR2010 Teil XXVII: Kloster Saarn in Mülheim und die „Krötenpfütze“


Heute sind wir in Kloster Saarn in Mülheim a.d. Ruhr:  Um das Jahr 1214 wurde Saarn als Zisterzienserkloster für ein Frauenkonvent gegründet und dem Kloster Kamp in Kamp-Lintfort angegliedert. Aus der gotischen Bauphase ist noch der ursprüngliche Kirchenbau, sowie ein gotisches Grabkreuz erhalten.

Innenhof des Kreuzgangs

Im 18. Jahrhundert wurde Saarn um einige Wirtschaftgebäude erweitert und die Kirche barock umgestaltet.

Säkularisiert wurde das Kloster 1808. Der im selben Jahr von den Franzosen für Mülheim eingesetzte Bürgermeister hat in einem Brief an seinen Vorgesetzten die Auflösung der alten Institution bedauert mit dem Hinweis auf die vorbildliche Sittlichkeit und Wohltätigkeit, die vom Kloster ausgingen. Von 1214 bis 1808 haben nachweislich 36 Äbtissinnen den Konvent geführt, die erste war Wolberna, die letzte Agathe von Heinsberg. Letztere hat ihr Grab unter einem Steinkreuz an der Südseite der Kirche, wo sich einst der Friedhof befand.

Kloster Saarn - Eingang zum Museum / Café

Seit 1960 ist der Orden des hl. Franz von Sales hier beheimatet, so dass auch wieder aktives Klosterleben stattfindet. Besonders hervorzuheben ist das Klostermuseum, das im historischen Keller Einblicke in den Alltag des Klosterlebens informiert, sowie die aktuelle Sonderausstellung „Mit Brief und Siegel“ Urkunden des Klosters im Mariensaal Saarn. Klein, aber fein! Allerdings ist es nur am Wochenende geöffnet.

Link: http://www.museum-kloster-saarn.de/index.phtml

alter Klosterbrunnen im Museum

Dazu bietet das Kloster ein reichhaltiges musikalisches Angebot, wir konnten bei der Probe von Psalm 42 von Mendelssohn für das morgige Orchesterkonzert zuhören.

Link: http://www.musik-im-kloster-saarn.de/start.html

Dem Umstand, dass die Gebäude nach der Säkularisation als Gewehrfabrik (preußische Besatzung), als Bauernhof, Wohnung und als Tapetenfabrik genutzt wurden, ist es zu verdanken, dass Saarn einer der wenigen komplett erhaltenen Klosterkomplexe nördlich des Mains ist.

Chor und Apsis der Klosterkirche

An der Straße von E-Kettwig nach Mülheim-Saarn entlang der Ruhr ist uns das Schloss Hugenpoet (sprich: Hugenpoht) einen Besuch wert, das soviel wie „Krötenpfütze“ bedeutet, was auf sumpfige Ruhrauen in vorindustrieller Zeit schliessen läßt. Als Königsgut Karls des Großen (!) findet es 778 erstmals urkundliche Erwähnung. Während des 30-jährigen Krieges wurde die Burg von hessischen Truppen zerstört.

Schloss Hugenpoet I

Johann Wilhelm von Nesselrode zu Hugenpoet ließ gemeinsam mit seiner Frau Anna von Winkelhausen sämtliche Ruinen im Jahre 1647 abreißen und an deren Stelle Schloss Hugenpoet im Wesentlichen in seiner heutigen Form neu aufbauen.

Dessen Nachkommen hatten nicht die finanziellen Mittel, die Anlage zu halten, und so wurde das mittlerweile verfallene Schlossgut im Jahr 1831 vom Freiherrn Leopold von Fürstenberg ersteigert, dessen Nachfahren noch heute im Besitz des Schlosses sind.

Schloss Hugenpoet II - Innenhof

Heute befindet sich in dem historischen Gemäuer ein 5-Sterne Hotel sowie ein Restaurant mit einem Michelin-Stern. Liebe Grüße, Claudia

RUHR2010 Teil XXVI: Kulturlinie 107


Kulturlinie 107 Foto: Evag Essen

http://www.kulturlinie107.de/

Am 28.08.10 haben wir eine Tour mit der EVAG (Essener Verkehrsbetriebe) gebucht. 2 ehemalige Busfahrer führen uns zu ausgewählten Stationen in Essen, die entlang der Kulturlinie 107 liegen. Start ist am Rüttenscheider Stern im Chi-Chi-Viertel Rüttenscheid. Dort regnet es dann auch zum letzten Mal.

Grillo Theater

Von dort fahren wir in die Innenstadt, wo wir im Bankenviertel viel neues zu teilweise denkmalgeschützten Häusern aus den 20er Jahren erfahren. Auf der Kettwiger Straße, die Einkaufsmeile von Essen sind dann gleich mehrere Highlights: Das Grillo Theather, die Lichtburg und das Domensemble. http://www.theater-essen.de/asp/gesamt.asp

Lichtburg / Kino

Die legendäre Lichtburg – im Herzen der Stadt Essen gelegen – war und ist mit 1250 Sitzplätzen Deutschlands größter Filmpalast. Bereits zur Eröffnung 1928 galt das Kino als das modernste Filmtheater in Deutschland. 1943 brannte der viel gerühmte Zuschauerraum völlig aus. Der Wiederaufbau im Stil der 50er Jahre machte die Lichtburg zu einem der elegantesten Filmtheater des Landes.

Die Lichtburg ist mehr als ein Filmpalast: Über Jahrzehnte fanden hunderte Premieren, Filmgalas, nationale und weltweite Uraufführungen statt. Nationale und internationale Stars gaben sich die Klinke in die Hand und begeisterten die Massen, unter ihnen u.a. Gary Cooper, Romy Schneider, Pierce Brosnan, Wim Wenders, Götz George oder Tom Tykwer.

Die denkmalgeschützte Lichtburg wurde von März 2002 bis März 2003 bis ins Detail restauriert und renoviert, und mit neuester Kino- und Bühnentechnik ausgestattet. www.lichtburg-essen.de

Ensemble Dom+Bischofsgebäude

Interessant finde ich diese Synthese mit dem Hochhaus und dem mitteralterlichen Bild, rechts über dem Bischofspalast erhebt sich die Kuppel der alten Synagoge, die größte Europas.

Kreuzgang im Dom

Immer wieder schön, die Ruhe und Beschaulichkeit mitten in der hektischen Einkaufswelt. Im Essener Dom findet ein reiches und anspruchsvolles Musikleben statt, daher mal ein Link dazu, es gibt das Programm fürs 2. Halbjahr. http://www.dommusik-essen.de/index.php?id=95

Marktkirche Essen

Die  Marktkirche ist das älteste protestantische Gotteshaus in der Essener Innenstadt. Sie ist heute die Gottesdienststätte des Kirchenkreises. Außerdem hat die zentrale Wiedereintrittsstelle der Evangelischen Kirche in Essen hier ihren Sitz. Regelmäßig finden in der Marktkirche Konzerte, Vorträge und Ausstellungen statt. http://www.ekir.de/essen-marktkirche/

Highlight Konvent der Karmeliterinnen in Stoppenberg

Erste urkundliche Erwähnung fand der Ortsteil Stoppenberg mit dem Bau der Stiftskirche Maria in der Not auf dem Stoppenberg genannten Hügel durch die Essener Fürstäbtissin Schwanhild im Jahre 1073. Sie wurde als Nikolauskapelle 1074 von Erzbischof Anno II. geweiht. Die ältesten Spuren einer Besiedelung von Stoppenberg wurden am Anfang des 21. Jahrhunderts an der Twentmannstraße gefunden und stammen aus dem 11. Jahrhundert, eben aus jener Zeit, in der die Fürstäbtissin Schwanhild die Stiftskirche bauen ließ. www.kultur-im-bistum-essen-2010.de

Seit 1965 ist das Stift wieder von Karmeliterinnen bewohnt, leider ist die Kirche nicht mehr jederzeit zugänglich, da Vandalen vor kurzem die Opferstöcke heraus gerissen haben.

Inneres der Klosterkirche Stoppenberg Maria in der Not

Die St. Nikolauskirche ist dem Karmel vorgelagert und liegt direkt an der 107, sie ist eine Jugendstilkirche, die 1907 geweiht wurde. Man hatte Carl Moritz damit beauftragt, der sonst für seine Theaterarchitektur bekannt war und so kam es dann auch, dass Kardinal Fischer, Erzbischhof von Köln sich zuerst weigerte die Kirche zu weihen, da es eine Oper wäre. Es befinden sich des weiteren ein sehenswerter Kreuzweg, eine neoromanische Apsis und ein schöner Hochaltar in der Kirche. www.st-nikolaus-essen.kirche-vor-ort.de

St. Nikolauskirche

Ganze 2 Stationen weiter erreichen wir Zollverein, das Ziel der Tour. Ein Rundgang über das Gelände schliesst sich an, wir erreichen als letzten Punkt das neue Sanaa Gebäude. Einen Würfel monumentaler Größe, doch völlig unerwarteter Raumatmosphären und Immaterialisierung hat das japanische Architektenpaar SANAA in Essen verwirklicht. Kaum vorstellbar dünn wie Papier erscheinen seine Wände aus Beton, rätselhaft und geheimnisvoll das Innenleben eines Hauses, dessen 134 transparente Perforationen unterschiedlicher Größe keiner erkennbaren Logik folgen.
Wenn man den Würfel betritt, betritt man nüchterne Betonkühle. Zuerst sollte dort eine Zweigstelle der Folkwang-Uni einziehen, wegen der bescheidenen Akustik ist dies nicht erfolgt. Auch Firmenevents stellen eine Schwierigkeit dar. Es mangelt an haustechnischer Infrastruktur, die Steckdosen sind nur mit 16 Amper gesichert. Genial ist allerdings die Beheizung. Das Wasser, dass vom Zollverein-Gelände abgepumpt wird, beheizt das Gebäude. Besichtigt werden kann der Kubus im Rahmen der Ausstellung „Ruhrblicke“. http://www.zollverein.de/agenda.php?f_filter=AUST&f_month=9

SANAA Gebäude auf Zollverein

Wir bedanken uns bei Hr. Adam Gacki und Hr. Martin Floß für den aufschlussreichen und wirklich witzigen Tag.

RUHR2010 Teil XXV: Besuch des Ruhratolls


Nachdem wir ja bei der Eröffnung des Ruhratolls mit gigantischem Feuerwerk dabei waren, haben wir uns nun entschieden auch einmal die Inseln, die ja begehbar sind, zu besuchen. Gestern, 25.08.10 war das Wetter betreffend, der richtige Tag dafür.

Baldeneysee mit Atollen

Ich hatte eine Seeführung gebucht, die uns zuerst geologische und geschichtliche Aspekte des Baldeneysees näher bringen soll. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Typ ziemlichen Müll erzählt. Baldeney= Göttin Bardenia (gab´s die? Nie gehört) und Nibelungenschwert Waldung, ziemlich abstrus. Dann will er MIR auch noch erzählen, dass in Wagners Tetralogie das Siegfried Schwert auch Waldung heisst. Nein, widerspreche ich lautstark, Nothung heisst es. Da ist die Erläuterung von Claus viel einleuchtender: Balde=tief, eye=Aue, Brede=schräg (setze zusammen: Baldeney, Bredeney). Was will der uns erzählen? Wir sind doch fast alles Werdener, da wäre ich vorsichtig!

Da ich die Boote vorgebucht hatte, können wir zügig zum Atoll-Besuch starten. Erster Besuch ist der Eisberg:

„Auf seinem Plateau steht eingegraben in das ewige Eis ein orangefarbenes Zelt.Es dringen Naturgeräusche aus dem Berg − oder aus dem Zelt?. Das Heulen des Windes, das Grollen eines Donners, das Prasseln des Regens oder das Rauschen des Meeres. Naturgeräusche, die zugleich regenerierbare Ressourcen als auch zerstörerische Naturkräfte darstellen.

Eingang zum Eisberg

In den ICEBERG ist ein Container eingebaut, der ähnliche Ausmaße hat wie die PALAOA Messstation (Perennial Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean) des Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Die Energieversorgung des Containers auf der antarktischen Schelfeiskante ist eine Insellösung: Solarzellen, Windgenerator und Methanol-Brennstoffzelle. Die Forschungsarbeiten des AWI entschlüsseln dort unter einmaligen Bedingungen die globalen Veränderungen, die teils natürlich und teils durch Menschen hervorgerufen sind. Kann ich mich in mein Zelt zurückziehen und darauf warten, dass die Forschung es schon richtet? Können Messergebnisse das Handeln bestimmen oder sind es nicht letztlich medial erzeugte „Ereignisse“, die Veränderungen erreichen? Hat die Zahl der Naturkatastrophen wirklich zugenommen oder spielt uns das eine global vernetzte Medienwelt nur vor? Wahrheit durch Messbarkeit? Wir sind trotzdem vom Eisberg ein wenig enttäuscht, mit Videokunst habe ich noch nie was anfangen können.“

Das U-Boot: Ich kann, weil ich will, was ich muss.

Atoll U-Boot

„Hier werden Zusammenhänge, in die das Themenfeld „Energie“ eingebettet ist, in Gestalt eines scheinbar im Baldeneysee auf Grund gelaufenen U-Boots. Sie holen damit bildhaft die exportierten Kriege und das Konfliktpotential um Energieressourcen nach Europa zurück, und zwar an einen Ort, der historisch eng mit dem hohen Energiebedarf als Grundlage für unseren Lebensstandard zusammenhängt.

Im Inneren des U-Bootes

Sichtbar ist nur der Aussichtsturm eines U-Boots, aus dessen Außenwänden der Schriftzug „Ich kann, weil ich will, was ich muss.“ herausgeschnitten wird. Die so entstehenden ‚Fenster‘ werden anschließend wieder durch politische Bilder in Form verschlossen, wie es uns in seiner Wirkungsweise aus gotischen Kirchen vertraut ist. In den buchstabenförmig platzierten Bildwelten spiegelt sich die Bandbreite des natürlichen und zivilen Lebens wieder mit allen dazugehörigen Höhen und Tiefen der Geschichte und aktuellen Ereignissen, denn jede Bewegung und damit das Leben selbst, verdankt sich energetischen Prozessen. Dieses Atoll hat uns begeistert.“

Die Schrott-Insel: Ein Projekt zum Schutz der natürlichen Ressourcen

Kabakov Insel

„Ilya und Emilia Kabakovs Projekt zum Ruhr-Atoll bildet einen optischen und inhaltlichen Kontrast zum Gesamtprojektes, der als Spannungspol den wissenschaftlich und formal ausgeklügelten anderen Kunst-Inseln gegenübergestellt ist. Kabakov, der als seine eigentliche Heimat auch heute noch die UdSSR mit all ihren Schwächen angibt, hat in fast allen seinen Arbeiten die Diskrepanz von wissenschaftlicher oder ideologischer Perfektion und der häufig improvisierten aber menschlichen Realität in bestechender Manier dargelegt. Das von Kabakov vorgeschlagene Projekt „Zum Schutz der natürlichen Ressourcen“ zeigt ein hintersinniges aber liebenswürdiges Ensemble zur wissenschaftlichen Wasseruntersuchung, wobei sowohl der menschliche Eingriff in die Natur als auch die wissenschaftliche Methode ganz der zeitgemäßen Forderung einer ökologischen Nachhaltigkeit – wenn auch Augen zwinkernd und leicht ironisch – angepasst sind. Dass Kabakov hier auf den Gegenpart eines Wissenschaftlers verzichtet, liegt in dem Inhalt der Installation selbst begründet und gibt dem Werk die Stellung eines künstlerischen Kommentars zu dem Gesamtprojekt.“ Es sieht von weitem jedoch besser aus, als wenn man es betritt. Mein Mann nennt es die Klempner-Insel.

Frosch und Teemeister (Nicht begehbar)

„Das Projekt ist ein west-östlicher Dialog über das Wohnen auf unserem Planeten. Es fasst in einem stillen Bild auf dem Wasser die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen zusammen: Thematisiert wird dies mit einem japanisch anmutenden Teehaus (ein Ort der inneren Einkehr) mit seiner großen Schale (ein Urbild für die Gegenwart des Menschen) und einem Gemüsegarten hinterm Haus, einer schon fast vergessenen Selbstverständlichkeit gerade im Ruhrgebiet.

Frosch und Teemeister

Kazuo Katase aktualisiert hier sein Projekt „Apokalypse Amazonas“ von 1992 für die Ausstellung „Arte Amazonas“ in Rio de Janeiro, anlässlich des UN-Erdgipfels. Hier wird diese Arbeit über Mensch und Natur im Inseldialog „Frosch und Teemeister“ fortgeführt, einem Inselprojekt, welches von menschlicher und von der Fossilenergie dieser Region, aber auch von Zukünftigem erzählt. 2004 lud Kazuo Katase den Architekten und „Baufrosch“ Michael Wilkens ein, mit ihm diesen Dialog zu führen. Denn die „Baufrösche“ beschäftigen sich seit ihrer Gründung 1978 mit einem Wohnungsbau „aus der Froschperspektive“: und dem, was sie „Vollständiges Wohnen“ nennen: „Jede Wohnung, auch die im 5. Stock, ist ohne einen kleinen Garten unvollständig. Und die Karotten müssen nicht um den halben Globus transportiert werden.“ Zwei 10x10m große Pontons sind durch einen Steg verbunden. Der eine trägt das Teehaus und die große Schale, auf dem anderen ist ein Garten mit 10 Gemüsebeeten angelegt. Eine solar angetriebene Wasserpumpe füllt einen Wassertank, der auf einem Förderturm im Zentrum des Teehauses platziert ist. Dieser Schwerkrafttank versorgt die 10 Gemüsebeete mit Wasser. Das Überflusswasser fließt über das Dach in eine Regenrinne, dann in die große Schale und von dort in den See zurück.“

Die Führung hätte man sich schenken können, aber den Bootsparcours fanden wir klasse. Mal eine andere Art Museum. Es gibt ausserdem noch eine neue, anonyme, ökologisch sehr kritische Installation, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Anonymes Atoll zur Ölkatastrophe

… und Ihr die Pest

Das Ruhr-Atoll bleibt noch bis Ende September / Anfang Oktober auf dem Baldeneysee http://www.ruhr-atoll.de/, der Bootsparcours ist bis Einbruch der Dunkelheit in Betrieb.

Tickets, Bootsparcours und Ruhratollhalle sind hier einzusehen: http://www.ruhr-atoll.de/index.php?id=147

Quelle der Atollinformationen: Ruhr-Atoll Homepage / RWE

RUHR2010 Teil XXIV: Ruhrsplitter


Tja, Volker, unser König der Information weilt ja nun im Freistaat Bayern, damit es Euch nicht langweilig wird, hier mal ein paar Ruhr2010-Schnipsel, die mir keinen kompletten Artikel wert waren.

HALDE RHEINELBE-GELSENKIRCHEN UEKER

Die Zeche Rheinelbe, gegründet 1861, wurde bereits 1928 stillgelegt, aber die Halden auf dem Zechengelände blieben weiter in Betrieb, d.h. sie wurden weiter aufgeschüttet, dann auch wieder abgetragen, wenn sich die Berge als Baustoff verwenden ließen. 1999 erfolgte die letzte Aufschüttung – die mächtige Halde südlich der ehemaligen Kray-Wanner-Bahnlinie, heute ein Teil des Emscher Park Radweges, war fertiggestellt.

Auch die Halde Rheinelbe verbindet heute Industriegeschichte, Natur und Kunst. Der Künstler Herman Prigann hat auf der Spitze der Halde aus mächtigen Betonblöcken eine Himmelsleiter errichtet, die das Gelände weit überragt und schon vom Parkplatz an der Virchowstraße aus sichtbar ist. Rund um die Forststation stehen weitere Skulpturen von ihm, sie wirken auf den ersten Blick oft wie liegengebliebene Reste abgerissener Industrieanlagen und erschließen sich erst bei näherem Hinschauen als Kunstwerke mit industriegeschichtlichem Bezug.

Der Weg ist kreisförmig angelegt und bietet einen abwechslungsreichen Weg durch dichte Wälder, Vulkanähnliche, unwirkliche Landschaften und bietet (bei gutem Wetter, also heute nicht) einen spektakulären Ausblick auf´s Ruhrgebiet.

ZECHE ZOLLERN II in Dortmund

Das Areal vom Fördergerüst aus

Prunkvolle Backsteinfassaden und opulente Giebel mit Zinnenkranz und Ecktürmchen rund um den grünen Ehrenhof erinnern auf den ersten Blick eher an eine Adelsresidenz als an eine Schachtanlage, auf der Kohle gefördert wurde. Genau dies war Teil der Bauidee. Heute ist das „Schloss der Arbeit“ im Westen Dortmunds zweifellos eines der schönsten und außergewöhnlichsten Zeugnisse der industriellen Vergangenheit in Deutschland.

Dieses Motiv zierte einmal eine Briefmarke, der Jugenstileingang wird restauriert

Kaum mehr vorstellbar ist heute, dass das Ensemble nach der Stillegung in den 1960er Jahren zugunsten einer Schnellstraße abgerissen werden sollte. Wichtigstes Objekt im Kampf um den Erhalt war die Maschinenhalle mit dem eindrucksvollen Jugendstilportal – heute eine Ikone der Industriekultur. Der Erhalt des Vorzeige-Baus aus Stahl und Glas 1969 rettete nicht nur die gesamte Anlage, sondern markiert gleichzeitig auch den Beginn der Industriedenkmalpflege in Deutschland.

Link: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/zollern/ort/

HAUS RUHRNATUR AM WASSERBAHNHOF / MÜLHEIM A.D.RUHR

Am Wasserbahnhof in Mülheim a.d. Ruhr

Es ist das Anliegen des Hauses den Blick für dieses außergewöhnliche Flußtal und seine reiche Fauna und Flora zu schärfen, sowie die Zusammenhänge im Ökosystem zu verdeutlichen. Dies geschieht teilweise sehr anschaulich, daher ist die Ausstellung auch besonders für Kinder geeignet, man kann mikroskopieren, in Modellen durch Wind und Wasser bei Umbauten verschiedene Energiemodelle gewinnen, das beliebteste Konstrukt ist allerdings die künstliche Flutungsanlage. Darüber hinaus werden ebenso Visionen angesprochen, die zeigen, dass die Natur ein unvergleichlicher Lehrer ist, die zukunftsweisende Problemlöser anbietet. Wer möchte kann sich von jeder Ausstellungsstation eine Karte mitnehmen zur Nachlese zuhause.

Haus Ruhrnatur / Mülheim

Das kleine Museum liegt direkt am Wasserbahnhof in ist in einem schönen, denkmalgeschützten Bruchsteinhaus beheimatet.

Link: www.haus-ruhrnatur.de

RUHR2010 Teil XXIII: Mit dem Drahtesel von Duisburg nach Bottrop-Ein Bilderbuch


08. August 2010 / 9.20 Uhr: Startpunkt am Duisburger HBF. Diese Stadt hat sicherlich mehr als andere Städte unter dem Strukturwandel gelitten. Die ersten Stationen befinden sich in der Fußgängerzone: Der City Palais, ein Einkaufszentrum mit angegliederter Mehrzweckhalle. Danach zu der Niki St. Phalle Plastik „The Lifesaver“, der Name ist sicherlich Programm, die Plastik stammt aus dem Jahre 1991, zu einer Zeit, wo DU aufgrund der sterbenden Montanindustrie ganz am Boden lag. Es ist eine freundliche, lebensbejahende Plastik.

Niki St. Phalle-The Lifesaver

Am Ende der Fußgängerzone gehts zum neo gotischen Rathaus, vor demselbigen wurde dem berühmtesten Bürger in Form eines Brunnens gehuldigt, Gerhard Mercator (eigentl. Krämer). Sehr interessant ein Neo-Renaissance Bogen, der von Adam und Eva getragen wird („…da dachte die Frau, dass es köstlich wäre klug zu sein…“). Abgerundet wird das Ensemble von der Salvator Kirche. Da ihr ja das Rathaus aus den Medien zugenüge kennt, ein Bild der Salvatorkirche. http://www.ekadu.de/index.php?id=bezirk3

Salvatorkirche

Der umgestaltetete Binnenhafen, der einst für die gesamte Getreideversorgung des Ruhrgebietes verantwortlich war, ist völlig umgestaltet worden. Da gibt es noch die alten Speicher, die eine andere Nutzung erfahren (Museum Küppersmühle), eine Synagoge, die in bestehende Bautrümmer ehemaliger einer Spedition integriert wurden, eine Kneipenmeile und natürlich hypermoderne Bürogebäude.

Garten der Erinnerung / DU

Das Museum Küppersmühle beherbergt eine moderne Kunstsammlung in einem umgenutzten Gebäude. Da wir aus Zeitgründen das Museum nicht besuchen konnten, mußte es bei einigen Schwärmeien bezüglich der Präsentation und des Gebäudes bleiben. Sicherlich ein Ausflugsziel, was wir nochmals in Auge fassen werden.

Museum Küppersmühle

Von den mondänen Vierteln, wo auch teurer Wohnraum entstanden ist, gehts nach dem St. Pauli von DU: Ruhrort, Hier mündet die Ruhr in den Rhein. Die Bramme „Orange“ von R. Serra (ist ja jetzt kein Unbekannter mehr) markiert diesen Punkt.
Da der Wettergott (der ja Ruhri sein soll) Urlaub macht, gehts nun mit Regenzeug über die Rheinwiesen.

Ruhrmündung mit Installation "Orange" von Serra

Die Gegensätze könnten nicht krasser sein, links, lauschige Wiesen mit Wäldern, schön idyllisch, rechts, eine eigene Stadt, die Stahlproduktion, Kokerei und das Walzwerk von Thyssen Krupp. Vom Alsumer Berg (eine begrünte Halde entstanden aus Schutt des 2. Weltkriegs) hat man einen super Blick über diese Enklave der Montanindustrie. Das sieht schon gigantisch aus!

Alsumer Berg mit Blick auf Thyssen Krupp

Ausflug nach Bruckhausen: „Bor, schön iss datt nich…“. Haben wir im Zuge des Strukturwandels über Gentrifizierung gesprochen, kommt hier die Hammerkeule: Der ganze Stadtteil, in dem viele Schimanskifilme gedreht wurden, soll abgerissen werden und einem Freizeitpark (gibt´s da nicht schon genug von?) weichen. Viele Häuser stehen schon leer, solange hier noch zu wohnen ist, wird hier gewohnt und alles verwohnt. 80% Ausländeranteil, davon der größte Anteil Türken. Im Hintergrund die monotonen Geräusche vom Stahlwerk. Irgendwie ist es hier 2° wärmer als in Restdeutschland.
Bruckhausen

Bruckhausen

Nachdem wir diesen morbiden Stadtteil verlassen haben geht es durch landschaftlich neu gestaltete grüne Wege geradewegs zum Landschaftspark DU Nord, einem stillgelegten Hochofen, der nachts eine echte Show ist.

http://www.landschaftspark.de

Hochofen Landschaftspark

Hochofen Landschaftspark

Wir verlassen Duisburg, begeben uns auf den Emscherradweg und peilen das nächste Ziel, Oberhausen, an.
Das klassizistische Schloss beherbergt die Galerie Ludwig, die meist zeitgenössische Kunstausstellungen zeigt.

Schloss Oberhausen

Das Schloss Oberhausen geht wahrscheinlich auf den Rittersitz Overhus (auch Overhuysen, Averhus) aus dem späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1443 fiel die Wasserburg an die in klevischem Lehensverbund stehende Familie von der Hoven. 1615 gelangte das Overhus dann in den Besitz Conrads von Boenen. Wegen ihrer Lage an dem wichtigen Emscherübergang wurde die Burg häufig geplündert.

Siedlung Eisenheim

Die Siedlung Eisenheim ist eine der ältesten Siedlungen für Arbeiter im Ruhrgebiet überhaupt gewesen (1846 erster Ausbau, 1865 zweiter Ausbau), hier für die Arbeiter der Gutehoffnungshütte. Was heute pitoresk wirkt, war damals sehr beengend, um 1900 lebten 1200 Menschen in 51 Wohnhäusern (Wohnung 65 qm). An verschiedenen Häusern kann man noch Zeitzeugenberichte über die Wohnverhältnisse lesen. Nach langem Kampf einer Studentengruppe unter Roland Günter, der als Vorwand soziologische Studien führen wollte, konnte ein Großteil der Häuser vor dem Abriß bewahrt werden und steht seit 1972 unter Denkmalschutz.

Gasometer Oberhausen

Der Gasometer Oberhausen ist so wie Zeche Zollverein einer der großen Leuchttürme der Ruhr2010, man hat ihn und seine tolle Atmosphäre für Ausstellungen, Konzerte uvm. nutzbar gemacht.
Am Centro, dieser artifiziellen Erlebnislandschaft, wird der Strukturwandel deutlich, oder auch nicht. Die Stadt Oberhausen hat sich durch dieses Projekt stark verschuldet um wenigstens einige Arbeitsplätze, der früheren Gutehoffnungshütte aufzufangen. Was ist bei den Nachbarstädten passiert? Die Innenstadt von Mülheim ist verödet, andere Städte haben die Centeridee ebenfalls aufgegriffen. Es hat also nur eine Umverteilung der Kaufkraft stattgefunden. Und was hat sich beim Kunden geändert? Einkaufen soll ganzheitliches Erlebnis werden, weg von der Bedürfnisbeschaffung. Traurig, traurig. Das sind jedenfalls keine Erlebnisse für mich.

Gasometer vom Emscherradweg

Wir verabschieden uns von dieser unwirklichen Stätte und kosten auf Gut Ripshorst mitten im Grünen am Emscherradweg frische Luft und Ruhe bei Kaffee und Kuchen. Dieser Hof hat bereits während der Industialisierung weiterbestanden. Erste Erwähnung findet das Lehngut Haus Ripshorst Anfang des 14. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit lag der Rittersitz auf dem Gebiet der (damals nicht zu Essen gehörenden) Gemeinde Borbeck im Ortsteil Dellwig.

Burg Vondern

Auf dem Weg nach Bottrop passieren wir die Burg Vondern. Sie war ein Lehen der Grafen und Herzöge von Kleve und wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Heute im Besitz der Stadt Oberhausen, kümmert sich seit 1982 der Förderverein Burg Vondern um die Erhaltung der historischen Gebäude.

Tetraeder in Bottrop

Letzte Station ist in Bottrop eine Landmarke, der Tetraeder.Der Aussichtsturm wurde der IBA Emscher Park vom Architekten Wolfgang Christ aus Darmstadt entworfen und ist dem Bauplan eines Kohlenstoffatoms nachempfunden. Die Halde Emscherblick wurde am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober 1994, eröffnet. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, sollte von einer Besteigung Abstand nehmen, er schwankt wie auf einem Schiff!
In Bottrop endet gegen 18.15 Uhr die Tour und es geht mit der S9 wieder nach Langenberg. Nach der Zugfahrt merke ich dann doch die ca. 50 km…
Für weitere Infos und Touren: http://www.naturfreunde-wuppertal.de

RUHR2010 Teil XXII: Situation Kunst in Bochum


Der Neubau mit der Sonderausstellung im Weitmarer Park

Spontan gings gestern in die „Aussenstelle“ der Kunstsammlung der Ruhr-Uni Bochum, mit dem etwas seltsamen Namen „Situation Kunst (für Max Imdahl)“ im Park Weitmar in Bochum. Beheimatet in einem modernen Gebäudekomplex mit verschiedenen Pavillions, die alle frei zugänglich und kostenlos sind, bietet es Platz für verschieden Installationen europäischer Gegenwartskunst von Künstlern wie G. Graubner, N. Kricke, A. Rainer und Jan J. Schoonhoven. Amerikanische Künstler sind mit Richard Serra und David Rabinowitsch vertreten.

Sonderausstellung Landschaftsmalerei vom 17. Jahrhundert bis heute

Die Gebäude dieses Dauerausstellungskomplexes stammen von 1990 und 2006, hier sind ebenfalls alte Kunstobjekte afrikanischer und asiatischer Kunst zu sehen, die zum Teil auf ein Alter von über 2000 Jahren datiert sind.

Die Kunstparkanlage mit der Dauerausstellung

Seit neuestem steht dem Kunstinteressiertem ein spektakulärer Neubau unweit der Dauerausstellung zur Verfügung. Der Glaspalast (ähnlich dem Folkwang) wurde in die denkmalgeschützte Ruine eines ehemaligen Renaissanceschloßes integriert, eine wie ich finde sehr gelungene Synthese von vergangenem und neuem. In diesem Komplex befinden sich die Sonderausstellungen, z. Zt. Landschaftsmalerei vom 17.-21. Jahrhundert, die nicht nur die visuellen Realitäten zeigen, sondern auch gesellschaftliche Umbrüche und die Reflektion des eigenen Lebensstandpunktes.

Richard Serra / Circuit 1979 /98

Mit dem Wissen verändert sich auch der Blick auf die Landschaften, Krieg, Zerstörung und Naturkatastrophen fungieren als Spiegel der erlebten Realität. Gerade das Ruhrgebiet mit seiner hohen Bevölkerungsdichte, vielen Umbrüchen, Ziel von Kriegsstrategie, scheint optimal. Ebenso spürt man trotz der Naturrückgewinnung in vielen Bereichen natürlich auch die Entfremdung von der Natur.

Lee Ufan, Relatum, 2000 (mein Mann gehört nicht zur Installation)

Öffnungszeiten: Mi-Fr. 14.-18.00 Uhr, Sa-So / an Feiertagen: 12.-18.00 Uhr

Eintritt im Kubus: 5,-Euro, die Dauerausstellung ist kostenlos, einfach unorthodox klingeln, dann wird man eingelassen. Führungen finden am 1. und 3. Sonntag des Monats um 16.00 Uhr gegen einen Obulus von 3,-Euro statt.

Link: www.situation-kunst.de

RUHR2010? Find ich spitze! (Daumen hoch!)

Klar, mit dieser Installationskunst kann nicht jeder was anfangen, trotzdem glaube ich, dass eine gewisse Offenheit für die Dinge manchmal zu spannenden Erkenntnissen führen kann. Bewußt haben einige Werke keine Titel, um dem Betrachter von vornherein keine gedanklich kanalisierte Assoziation zu geben. In Rücksprache mit der Kunsthistorikerin lagen wir, die Intention betreffend, gar nicht so schlecht, aber dass das mein Leben verändern würde, kann ich nicht sagen.

Schöne Grüße, Claudia

RUHR2010 Teil XXI: Musikalische Sterbensgedanken in der Dorfkirche Stiepel (Bochum)


Kleine Kirche-ganz großes Kino
Heute berichte ich von einem Kleinod der Sakralkunst im Ruhrgebiet.  Aufgrund ihrer Geschlossenheit und Ursprünglichkeit ihrer Wandmalereien ist sie in dieser Form nur in ganz wenigen Kirchen Westfalens zu finden. Schon ihr Standort im breiten Ruhrtal zwischen Hattingen und Bochum auf einer kleinen Anhöhe ist von traumhafter Lage. Die Dorfkirche Stiepel hat einen sehr engagierten Kirchenmusiker (Michael Goede) und beschert dem Umland ein vielfältiges und interessantes Kulturprogramm, zu dessen Konzert ich mich am 30.07.10 mit dem Thema „Was Gott tut, das ist wohlgetan“-Musikalische Sterbensgedanken, einfinde.

Dorfkirche Stiepel / Foto: Gemeinde Stiepel (Homepage)

Im Bochumer Stadtteil Stiepel mit einer teilweise heute noch ländlich-dörflichen Umgebung liegt die Dorfkirche idyllisch inmitten eines historischen, baumbestandenen Kirchhofs. Vor 1000 Jahren ließ Imma, Ehefrau des Grafen Liutger aus dem Geschlecht der Billunger und Schwester des Bischofs Meinwerk von Paderborn, auf dem Hof Stiepel eine Eigenkirche bauen. Im 12. Jahrhundert wurde anstelle der Saalkirche eine romanische Basilika errichtet. Sie wurde im 15. Jahrhundert zur heutigen Hallenkirche ausgebaut. Seine besondere Bedeutung über die Grenzen Deutschlands hinaus gewinnt das Kulturdenkmal an der Ruhr durch die vielgestaltige, farbige Ausmalung im Innenraum. Seit der Reformation ist die Stiepeler Dorfkirche evangelisches Gotteshaus.

Foto: Wikipedia
Die Malereien aus dem Hoch- und Spätmittelalter wurden 1698 mit harter weisser Farbe übertüncht, bei Restaurierungsarbeiten 1952 aber wiederentdeckt. Der älteste Teil der Malereien stammt aus der romanischen Erbauungszeit der Basilika 1180/90. Es sind Darstellungen aus Ornamenten und biblischen Szenen (Bethlehemischer Kindermord, Flucht nach Ägypten, der segnende und richtende Christus zwischen Kain und Abel, die Paradiesströme) zu sehen. Aus dem 15. Jahrhundert stammt der Drachenkampf des hl. Georg. Christi Geburt stammt aus dem 16. Jhrt.
Foto: Wikipedia
Das Mauerwerk besteht aus dem für unsere Region typischen Ruhrsandstein, sowie bearbeiteten Bruchsteinen.
Sehenswert ist ausserdem der angegliederte Kirchhof, wo sich noch Grabsteine aus nachreformatorischer Zeit aus Ruhrsandstein finden (1600-1709). Die Grabplatten am Eingang  stammen von 1360-1744 und können trotz der Verwitterung noch den Patronatsherren von Stiepel zugeordnet werden.
Öffnungszeiten täglich (ausser Montag):

Stiepeler Kultursommer 2010 / Freitag, 30.07.10 / 21.00 Uhr

Musikalische Sterbensgedanken

Die Thematik würde normalerweise besser in die Herbstzeit  passen, nicht aber, wenn das Programm barocklastig ist, dessen Komponisten (J.S. Bach, Pachelbel, Georg Böhm, Johann Casper Ferdinand Fischer, Gottfried Kirchhoff, Gottfried Heinrich Stölzel, Silvius Leopold Weiss) und Textdichter den Tod stets als präsent empfanden. Gestaltet wird der Abend von Henning Klocke (Tenor),  Andreas Nachtsheim ( Laute/ Theorbe), Michael Goede (Orgel)

Die Künstler

Eine abwechslungsreiche Darbietung aus Schemellis Gesangbuch, Notenbüchlein für AMB, Choralsätzen und -bearbeitungen, die Erklärung von M. Goede sind anschaulich; der exellente Rahmen durch dieses phantastische Kirchlein verleiht dem Konzert einen intimen Charakter. Gerade bei den zärtlichen, privaten Liebesbekundungen fühle ich mich positiv deplaziert: Das ist nicht für meine Ohren bestimmt gewesen und läßt schon fast zuviel Information aus der Privatsphäre durch.

Ich fand es sehr bewegend und habe mir spontan für die Veranstaltung „La Notte“-Klänge der Nacht, ein Konzert mit Clavichord und Rezitationen von Martin Opitz gekauft. Derzeit sind im Gemeindehaus, im Kirchhof sowie in der Kirche Kunstobjekte von zeitgenössischen Künstlern ausgestellt. Fazit meines Besuches: Sehr sehens- und hörenswert.

Link für weitere Veranstaltungen: http://www.dorfkirche-bochum-stiepel.de/veranstaltungen-2009/

Freitag, 1. Oktober 2010 bis Sonntag, 31. Oktober 2010
Goldberg Zyklus, Ruhr 2010
http://www.dorfkirche-bochum-stiepel.de/ruhr-2010/goldberg-zyklus-2010/

Sonntag, 21. November 2010, 18.00 Uhr
Momente der Ewigkeit, RUHR 2010
J. S. Bach „Wachet auf, ruft uns die Stimme“
http://www.momente-der-ewigkeit.de

Alle Veranstaltungen zum Kultursommer auch unter: http://www.orgellandschaft-ruhr.de

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RUHR2010 Teil XX: A40-Der schönste Stau der Welt


Still-Leben Ruhrschnellweg - Die Metropole feiert / Grafik: TAS Emotional Marketing GmbH

Still-Leben Ruhrschnellweg 18.07.2010

So, jetzt ist das Megaevent schon wieder vorbei. Als Ruhr 2010 Journalistin konnte ich mir natürlich die Sperrung des „Ruhrschleichweges“ A40 nicht entgehen lassen. Die ersten Nachrichten im Radio ließen nichts gutes erahnen, unsere Gruppe war nicht sicher, ob wir überhaupt auf die Autobahn kommen. Die Eigenschaften dieser A40 sollten sich auch heute fortsetzen. Im Stau zu stehen.

A40 an der Auffahrt Essen-Holsterhausen

Unser Bulli wird nahe der A40 geparkt und wir laden die Räder aus, an der Auffahrt: Gigantisch, alles voller Menschen! Die Mobilätsspur läuft und nach einem kleinen Einfädelungsstau sind wir drauf!

Soviele Fahrräder habe ich noch nie in Essen gesehen! An der Abfahrt Rhein-Ruhr-Zentrum wieder Stau. Meine Freundin hat einen Platten. Kein Problem, der ADFC hilft mit Schläuchen, Flickzeug.

A40 von der Mobilitätsspur aus gesehen

Auf der Tischspur dann ein buntes Programm, Tanz, Geburtstagsfeiern, Musik, das längste Freundschaftsband der Welt, Mottotische, Edeka bietet ein reduziertes Erfrischungsangebot (das Bier ist schon etwas warm-egal). Es ist auf der Mobilitätsspur alles erlaubt, was keinen Motor hat, da ist eine Fahrrad-betriebene Bierkutsche, ein Tri-dem (Tandem für 3-hat das einen Namen?), Solarmobile, Rollerblades, Rikschas, Rhönräder, etc. Manche haben sich echt was einfallen lassen, jeder konnte sich mit seinem Anliegen hier präsentieren.

A40 auf der Tischspur Höhe Ausfahrt Mülheim Heißen

Fazit: Es war ein unglaubliches Erlebnis, die Ruhr2010 hatte mit 1 Mio. Menschen gerechnet, nun sind es 3 Millionen geworden! Wir waren restlos begeistert!

TV Tipp: WDR Fernsehen Sonntag, 18. Juli 2010, 21.45 – 22.15 Uhr.

ARD, ZDF berichten in den Nachrichten darüber, sehts euch mal an! Gruß, Claudia

Nachfolgend nochmal ein Link für andere Fotos:

http://www.ruhr2010.still-leben-ruhrschnellweg.de/deutsch/bildergalerien.html

YouTube-Video von dem Highlight A40 mit Impressionen dazu:

Video: Im Zeitraffer Still-Leben Ruhrschnellweg Streckenabschnitt Essen

Link zu dem Video:

http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/programm/feste-feiern/still-leben-ruhrschnellweg.html

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Frank Goosens „Oh 40 du“

Frank Goosen zwischen den RUHR 2010 Geschäftsführern Oliver Scheytt links und Fritz Pleitgen rechts bei der Pressekonferenz zu Still_Leben Ruhrschnellweg am 16_07_2010 in Essen / Foto: WAZ FotoPool Matthias Graben

Audio: Frank Goosens „Oh 40 du“

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RUHR2010 Teil XIX: Day of Song


Heute beginnt also das Wochenende der Superlative. Aufgrund der geographischen Nähe entscheide ich mich für das Wandelkonzert in Essen-Werden, das in der ev. Kirche, in Haus Fuhr und im Kammermusiksaal der Folkwanghochschule ab 18.00 Uhr stattfindet. Ich starte in der ev. Kirche mit dem Chor der Technischen Universität Dortmund mit Chormusik um 1900, die Leitung hat Ulrich Lindtner. Da es sich jeweils um ein 20 minütiges Chorprogramm mit Reger und Elgar handelt, ist das Programm übersichtlich, damit man pünktlich in der nächsten Location sein kann.

Chor der TU Dortmund in der ev. Kirche Essen-Werden

Den nächsten Programmpunkt gibts ebenfalls in der ev. Kirche, diesmal das Collegium Vocale Bochum unter Prof. Dr. Hans Jakulsky. Jetzt etwas weltliches, Liebes- und Trinklieder des Barock und der Romantik, genauer gesagt, Schein, Brahms und Rossini. Vorher gibt es immer eine kleine Werkeinführung, die einen schon schmunzeln läßt. So entsteht ja auch sofort Kontakt zum Publikum.

Collegium Vocale der Ruhr-Uni in Bochum

Jetzt heisst es sich sputen, denn bis zur Folkwangschule ist es ein kleiner Marsch, zudem der ursprüngliche Aufführungsort, die Basilika, ausgefallen ist und nun alles im Kammermusiksaal stattfindet. Schade.  Der Ersatzort ist aber auch nicht schlecht, sitzt man doch um einiges bequemer als in einer Kirche. Da ich etwas zu spät bin, quetsche ich mich an anderen Zuhörern vorbei auf einen freien Platz. Der Vortrag der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (na, das gehört ja nicht mehr zur Ruhr…) mit Matthias Heep lautet: Chansons von 1500 bis heute. Da gibt´s Thomas Morley, Hans Leo Hassler und einen brasilianischen Hit, der mir von der musikalischen Umsetzung am besten gefallen hat.

Chor der Heinrich-Heine-Uni D´dorf

Danach kehrt wieder die übliche Wechsel-Unruhe ein, ich bleibe aber wieder sitzen. Blöderweise habe ich jetzt einen Sitzriesen vor mir. Unter der Leitung von Prof. Jörg Breiding (Leiter des Knabenchores Hannover) tritt das erst letztes Jahr gegründete Folkwang Vokalensemble mit Kompositionen von Cardoso, Schütz (Selig sind die Toten-traumhaft ), Gesualdo, Reger und Close-Harmony-Arrangements auf. WDR 3 zeichnet das letzte Stück auf, wo Interaktion zwischen den Sängern stattfindet. Interessant, wie sich die Gestik und Mimik im letzten Stück der Akteure mit der Rhytmik mischt. Tolle Stimmen, super Klang.

Folkwang Vokalensemble

Was hierbei fehlt ist das Programm von Haus Fuhr, dort wurden jazzige A-Cappella-Pott-Pourris und Highlights aus Musicals aufgeführt. Ok, das ist jetzt nicht mein Geschmack, aber ich fand trotzdem dass es ein sehr vielseitiges Programm war und man merkte, dass es den Ausführenden und den Zuhörern super gefallen hat. Als nächstes mal ein Bild vom Ausgang des Kammersaals, leider könnt ihr nicht den intensiven Blütenduft vernehmen, der betörend war…

Aufgang zum Kammermusiksaal

Gleich geht´s weiter…..

Um 23.30 Uhr sind wir im Gasometer in Oberhausen, alles ist dunkel, nur langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Über uns trohnt etwas bedrohlich der größte Mond auf Erden, einfach unbeschreiblich. Wir begrüßen den „Day of Song“ mit einem Mitternachtskonzert, das den Titel „Spem in Alium“ trägt, wie die gleichnamige 40-stimmige Motette von Thomas Tallis.

Mit der Beleuchtung war es etwas schwierig, daher mal ein Link für bessere Bilder:

http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/SING-DAY-OF-SONG-id3070725.html

Chor und Orchester unter dem Mond

PROGRAMM:

Avo Pärt-Cantus in memory of Benjamin Britten; John Tavener-Syvati für Solocello gemischten Chor und Streicher; Matthias Bonitz (*1951)-OM 3 buddistische Zeremoniengesänge für Solocello, gem. Chor und Streicher; Mimi Scheffer-Synagogalgesang 1+2; Alexej F. Lwow-Nyinjä ssily für Männerchor; Thomas Tallis-Spem in Alium; Avo Pärt– siehe 1; zwischen den Stücken wird ein anonymer gregorianischer Choral vorgetragen, von einem Vokalensemble in Doppelquartettbesetzung.

Der Avo Pärt war fantastisch für den außergewöhnlichen Raum mit seinem zig-fachen Hall geeignet, bei den gesungenen Stücken, ausser den gregorianischen Chorälen, wurde alles durch den Hall ziemlich breiig. Das schmälerte aber das Konzerterlebnis nicht im Geringsten, es war eine Klangwelt, die uns mit ihrer gespenstischen Atmosphäre direkt ins Universum getragen hat. Und schliesslich gab es auch immer noch den stillen Solisten, den riesigen Mond.

Die Sonne

Die Ausstellung „Sternstunden-Wunder des Sonnensystems“ ist weiterhin bis zum 30.12.10 zu sehen

LINK: www.gasometer.de

Nun also 05. Juni 2010: Ich entscheide mich für eine der 600 Veranstaltungen an diesem Wochenende am „Halbach-Hammer“, das Wetter ist super, beste Voraussetzung für diese Outdoor-Veranstaltung. Etwas umständlich zu erreichen, aber der Aufwand hat sich gelohnt, zwischen A40 und A52, Fulerum und der Magarethenhöhe ist eine kleine Oase mit dem Halbach Hammer.

Halbach Hammer

www.ruhrmuseum.de/de/museum/halbachhammer.jsp

Um 14.30 Uhr tritt hier der kath. Kirchenchor Zur Heiligen Familie , der Jugend- und Kinderchor auf. Um das leibliche Wohl ist es schlecht bestellt, ein Mitarbeiter des Ruhrmuseums schenkt mir seine Apfelschorle, das finde ich sehr nett. Und auch sonst ist alles, wie es im Ruhrgebiet sein soll. Die Chormitglieder sind sehr aufgeschlossen, nett und kontaktfreudig.

Am Ruhrmuseum Halbachhammer mit Chor

Das Programm ist eine Mischung aus Volksliedern, die vom Kirchenchor vorgetragen werden und Rockklassikern, die der Jugendchor übernimmt. Highlight ist die Grönemeyer Ruhrhymne, die vom Jugendchor auch teilweise solistisch dargeboten wird. Zum Abschluss wird das Steigerlied mit den 2 derben, letzten Strophen gesungen.

Chöre "zur heiligen Familie"

Es hat wirklich Spaß gemacht, in diesem familiären, persönlichem Rahmen Teil des !SING-Projektes „Day of Song“ zu sein. Der Kesselbach ist noch in der Renaturierungsphase, daher freut euch, dass ihr diesmal den Duft des Baches beim Lesen nicht riecht. Ich wünsche allen Teilnehmern der „Heiligen-Familie-Chöre“heute abend „auf Schalke“ einen unvergesslichen Abend.

Live-Stream auf www.2010LAB.de

Liebe Grüße, Claudia

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In der WDR-Mediathek weiterhin ansehbar „DAY OF SONG“

Link:

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/06/05/wdr-extra-day-of-song.xml

Veltins-Arena Gelsenkirchen „DAY OF SONG“

Link:  http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/06/05/lokalzeit-ruhr-day-of-song.xml

Weitere WDR-Angebote:

http://www.wdr.de/mediathek/html/home/suche.xml

Angefügt von Volker/Admin am 7.6.2010 – 20:50 Uhr

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RUHR2010 Teil XVIII: Folkwang-Museum Essen-das schönste Museum der Welt


Folkwang Museum von der neuen Brücke aus gesehen

Heute habe ich mit einigen Interessierten die Ausstellung „Museum Folkwang bis 1933“ im Rahmen einer Führung besucht, die ich allerdings schon im März gebucht hatte, nachdem mich bei meinem ersten Besuch die Bilder der abstrakten Kunst mit ihren monochromen Flächen nicht vom Hocker gehauen hatten. Der spektakuläre Neubau des amerikanischen Star-Architekten David Chipperfield ist im Januar 2010 feierlich eingeweiht worden. Dieser wurde komplett von der Alfried Krupp zu Bohlen und Halbach-Stiftung finanziert (ich glaube 55 Mio., jede Menge Kohle).

Seine erste große Sonderausstellung zeigt das Museum Folkwang im Neubau von 20.März bis 25.Juli 2010. Sie ist der einzigartigen Geschichte der Folkwang-Sammlung und ihrer Entwicklung gewidmet.

Franz Marc - die roten Pferde

Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion der Sammlung, die von Karl Ernst Osthaus 1902 begründet und kurz nach seinem frühen Tod 1921 nach Essen gelangte und hier von Ernst Gosebruch zu einer Institution mit weltweiter Ausstrahlung weiterentwickelt wurde. Der Mitbegründer des Museum of Modern Art in New York, Paul J. Sachs, sagte bei einem Besuch in Essen 1932, das Folkwang sei „das schönste Museum der Welt“. Die Nationalsozialisten unterbrachen brutal die fortschrittliche Ankaufs- und Ausstellungspolitik des Museums und konfiszierten 1937 mehr als 1.400 Werke, die später legal verkauft wurden und heute zu den Meisterwerken großer Museen und Privatsammlungen im In- und Ausland gehören, darunter Gemälde von Kandinsky und Matisse, Kirchner und Marc, Munch und Beckmann.

Museum Folkwang

Den unterschiedlichen Epochen und Künstlern sind jeweils thematisch eigene Räume gewidmet. Was da alles an Größen der Moderne aufgefahren wird, ist beeindruckend. Selbst völlig fremdartig wirkende Masken aus dem asiatischen Raum, Figuren des Totenkults aus Ozeanien werden über eine Brücke gekonnt in den Kontext der Bilder der Expressionisten von unserer Kunsthistorikerin eingebunden. Es ist die Zeit der Kolonialisierung, die die europäischen Künstler, mit ihren bizarren, filigranen Figuren und neuen Kunstformen inspiriert. Höhepunkte sind für mich ganz klar der Raum, wo die Vertreter des „Blauen Reiter“ (beherrschendes Bild: Die roten Pferde) vertreten sind, der Altar von Emil Nolde über das Leben Jesu, die Bilder van Goghs und Gauguins, die den Besuch des neuen Museums Folkwang zu einem rauschenden Fest der Farbe und einem Gefühlskarussell machen.

Die Kunst-Experten

Da es heute am Samstag recht voll war, dass auch keine Zeit der intensiveren Betrachtung blieb, empfiehlt es sich, das Museum während der Woche oder der erweiterten Öffnungszeiten zu besuchen. Eine wirklich sehr sehenswerte Sammlung, wenn nicht sogar „Das schönste Museum der Welt“.

Contes Barbares - Paul Gauguin

Dienstags bis Freitag: 10-20 Uhr, Freitags 10-24 Uhr

Eintritt: Di-Fr 10 Euro, Sa/So 12 Euro

Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen Tel: 0201-8845444

Für auswärtige Besucher fährt vom Essener HBF alle 15 min ein kostenloser Shuttlebus direkt zum Museum.

LINK: www.museum-folkwang.de

RUHR2010 Teil XVII: Das Kantaten-Highlight in der Christuskirche in GE-Buer-Nun danket alle Gott BWV 192


Eines der bisher schönsten und musikalisch hochwertigsten Kantaten-Konzerte im Rahmen der Ruhr-Pilgrimage, konnten Wolfgang und ich am Sonntag, den 16.05.10 in der Christuskirche in Gelsenkirchen-Buer gemeinsam erleben. Das dies ausgerechnet zu unserem Treffen geschehen sollte, war warscheinlich von oben her bestimmt;-).

Auf Zollverein

Stilecht für Gelsenkirchen haben wir uns mit dem tiefer gelegten VW Jetta GT Baujahr ´87 auf breiten Schlappen und mit röhrendem Auspuff von Langenberg in Richtung Norden aufgemacht. Nach einem kleinen Foto-Abstecher auf Zollverein, habe ich mich erst mal verfahren, so dass wir nun von meinem Mann per Handy zur Kantate gelotst wurden. Vorbei an der Veltins Arena, über Autobahnbrücken, durch Baustellen, haben wir trotzdem noch die kleine Zufahrt zur Bergstr. verpasst. Kurz vor Beginn erreichen wir die kleine Kirche, neben mir sitzt – ihr kennt ihn alle – der Klimper-Tünnes aus der Matthäus-Passion in Essen…

Was hier geboten wird ist vom Allerfeinsten, das Programm ist auch schon nicht mehr als „Kantate“ zu bezeichnen, sondern ein ausgewachsenes Barock-Kammerkonzert:

Programm: Christuskirche GE-Buer - zur Vergrößerung in das Programm klicken..!!

Der Chor ist fast solistisch besetzt und besteht durchweg aus jungen Leuten, die ihre Sache wirklich super machen und auch so klingen. Dazu das passende Barockorchester „Le Chardon“ unter der Leitung von Hajo Wienroth, der selbst Traversflöte spielt. Mir wird ganz schwindelig, wenn ich die Biographien lese! Die Kantorin Christina Wienroth bietet ein Barock-Lebensfreudiges Dirigat, das wunderbar zum restlichen Konzert passt, Musik ist Energie, Medizin, Lebensbereicherung und einfach eine Herzensangelegenheit, ein verpasster Einsatz bei Samuel Scheidt wird denn so auch mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert. Damit wir wissen, welchem Choral Bachs Kantate BWV 192 zugrunde liegt, singen wir alle zusammen erst mal 3 Strophen und bereiten uns seelisch auf das, was da kommt, vor. Die Worte, die die Pastorin als Impuls zur Dankbarkeit spricht, sind berührend und sehr pragmatisch. Es ist Sitte bei „Momente der Ewigkeit“, dass der Eingangschor noch einmal wiederholt, oder am Schluss erneut gesungen wird.

BWV 192 ist ein kleines, unaufdringliches Werk, dass aus einem Eingangschor, einem Duett zwischen Sopran und Bass, sowie einem Schlusschoral besteht, eine Tenorarie soll verloren gegangen sein.

Die Solisten

Huch, es gibt eine Pause! Im Gemeindehaus direkt nebenan werden Getränke und ein kleiner Imbiss gereicht. Wer möchte, gibt eine Spende, ist ja Ehrensache, dass wir was in den Klingelbeutel geben. Wir spüren, dass man hier aufgehoben ist. Am Stehtisch kommen wir ins Gespräch mit einer Chorsängerin, der Kantorin und einer Besucherin und wir erfahren, dass die Idee der „Ruhrpottkantaten“ begeistert aufgenommen wurde und dass trotz des abgesprungenen Sponsors alle sich für die Realisierung stark gemacht haben. Wolfgang quatscht den „Klimper-Tünnes“ an…uaaah.

Der 2. Teil des Konzertes ist der Interessanteste: Heidrun Blase brilliert als Gesangssolistin  im technisch äußerst anspruchsvollen „Il Pensioroso“ (Die Nachtigall) zusammen mit dem Flötisten Hajo Wienroth, der gibt auch einige kurze Erläuterungen zu diesem wenig bekannten Stück und es macht einfach nur Spass, dem Dialog des Vogels und der Menschin zuzuhören. Anschliessend ein Konzert von Antoine Mahaut, der ähnlich wie Quantz eine Flötenschule verfasst hat.

Applaus für das Orchester

Hajo Wienroth: “ Zu dem 5. Brandenburgischen Konzert brauche ich jetzt, glaube ich, nichts sagen!“

Die Instrumente werden in diesem, sehr modernen Konzert à la Mode francaise ziemlich gleichberetigt eingesetzt, so dass jeder Instrumentalist seinen Part der Profilierung hat, in der letzten Hälfte des 3. Satzes, hat sich der Meister selbst ein Denkmal gesetzt, da die anderen Instrumente etwas in den Hintergrund gedrängt werden und das Cembalo die dominierende Rolle übernimmt. Überragend und unpretentiös: Pieter Dirksen. Handelt sich es doch warscheinlich um das erste Cembalokonzert der Geschichte! Bach soll ja mal gesagt haben, Clavierspielen wäre ganz einfach, man müßte nur zur rechten Zeit die richtigen Tasten treffen, dann würde das Instrument von ganz alleine spielen! Haha! Ohne Zögern steht die ganze Kirche zum Schlussapplaus auf und alle Musiker werden noch einmal mit einem Blumengruß bedacht. Ich bin froh, dass ich in etwas egoistischer Manier Wolfgang vom Ausharren bis zum Schluss überzeugen konnte und dass die Rückfahrt nach OWL trotz der verspäteten Abfahrt so reibungslos geklappt hat.

Biographie der Künstler-Solisten / Zur Vergrößerung in das Foto klicken..!!

Während ich mit offenen Fenstern und dem angenehmen Windzug aufs Gaspedal trete, bin ich dankbar für diesen super Tag, für das Treffen mit Wolfgang, den warmherzigen Umgang der Gemeinde mit ihren Konzertbesuchern, für die Sonne und auch die große Kunst. Danke auch an Volker für die Be- und Verarbeitung meiner E-Mails. Wir haben kräftig Werbung für unseren Blog gemacht.

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ Friedrich Schiller

TIPP: Im Rahmen der Ruhrpottkantaten tritt das Orchester „Le Chardon“ am 06.06.10 in der Petrikirche in Mülheim (Brich dem Hungrigen Dein Brot) auf.

RUHR2010 Teil XIV: Installation „Schachtzeichen“


So langsam kommt die RUHR2010 -Veranstaltungs-Maschine richtig in Gang. Obwohl ich ja selber mehr der akustischen Kunst zugetan bin, gibt es manche Projekte, an denen man einfach nicht vorbei kommt, auch wenn sie etwas spleenig erscheinen.

Von Sa, 22.05.10 bis So, 30.05.10 ist die regionalweite Aktion „Schachtzeichen“ zu sehen. Es handelt sich um eine RUHR-weite riesige Installation, wo das verschwundene, alte Ruhrgebiet mit Hilfe von ca. 350 bis zu 80m hohen beleuchteten Ballons wieder sichtbar gemacht werden soll.  Das Bild zeigt hier den illumierten Landschaftspark Duisburg Nord.

Überall dort wo frühere Schachtanlagen oder Bergwerke standen, markieren die Schachtzeichen wie riesige Stecknadeln auf einer Landkarte die Landschaft. Aber nicht nur ehemalige Bergwerke, Fördertürme oder Relikte der alten Ruhrregion werden dadurch markiert, auch die neuen Orte, die für Veränderung stehen, wie Einkaufzentren, Parks oder Gewerbegebiete bekommen ein „Schachtzeichen“.

Während der „Schachtzeichen“ hat z.B. der Gasometer in OB bis 22.oo Uhr geöffnet. Er bietet eine hervorragende Aussicht auf die beleuchteten Schachtzeichen. Auch andere, frei begehbare Aussichtsplattformen wie alle Halden bieten sich für diese Installation an. Einige Orte, wie die Zeche Zollverein, bieten parallel dazu ein Rahmenprogramm an. www.triple-z.de

LINK: www.schachtzeichen.de

RUHR2010 Teil XII: La Fura dels Baus


Ich kanns auch nicht aussprechen…
„La Fura dels Baus“ – so etwa „das Frettchen der Müllhalde“, eine inzwischen weltberühmte katalanische Theatergruppe, die bereits bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1992 begeisterte, ist der Eigentümer des bereits seit Juni vergangenen Jahres im Ruhrorter Hafen vor Anker gegangenen Theaterschiffes mit dem Namen „Naumon“.
Die Künstlergruppe wird im Rahmen der Local Hero Woche und gleichzeitig zum Auftakt der Duisburger Akzente 2010 am 21. Mai 2010 um 21.00 Uhr eine spektakuläre Inszenierung als Hommage an Wagner und Mercator darbieten. 2007  waren sie an der Wagner Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ unter Zubin Mehta in Valencia beteiligt. Ort dieses Spektakels ist die Naumon an der bis dahin eigens umgestalteten Mercatorinsel in Duisburg Ruhrort. Zu diesem Highlight im Hafen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 werden tausende Menschen erwartet und dürfen sich dabei auf Großes gefasst machen.

Ruhr 2010 – Hanielprojekt Brückenschlag gestartet!
„Herzstück der Kulturhauptstadt 2010 in Duisburg ist die LOCAL HEROES Woche im Mai 2010 – Herzstück dieser Woche ist Ruhrort mit der „Mercatorinsel“ stellt Kulturdezernent Karl Janssen heraus. Die Mercatorinsel, einstige Lagerfläche für Schüttgüter am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr, liegt zum Teil brach. Doch das soll sich ändern. Ziel ist es, an der Inselspitze einen fast sechs Hektar großen Park anzulegen, der Raum für Kunst und Kultur bietet. Über die neue Treppe können Besucher das Gelände bequem zu Fuß erreichen. Zudem gibt es auf 16 Metern Höhe eine Aussichts-plattform. Bis zum 30. April 2010 soll die Treppenanlage fertig sein.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH, Fritz Pleitgen, sieht in der neuen Nutzung der Inselspitze ein große Chance für die Kunst: „Duisburg hat mit dem neuen Freizeitkonzept die Möglichkeit, zu einem Bregenz am Rhein zu werden. Ein hochgestecktes Ziel, wie ich zugebe. Aber: warum nicht?! Der Platz ist ideal. Musik, Schauspiel und viele andere Dinge können sich zukünftig in einer stimmungsvollen Open-Air-Atmosphäre umschlungen vom Rhein in neuer Art den Menschen präsentieren.
Einen Vorgeschmack darauf gibt es am 21. Mai 2010 am Hafeneingang in der Nähe der Mercatorinsel: Haniel präsentiert als Hauptsponsor der Kulturhauptstadt RUHR.2010 eine spektakuläre Show – mit einem Schiff als Bühne. Die spanisch-katalanische Theatergruppe „La Fura dels Baus“ wird mit 60 Trapez-künstlern das Stück „Das globale Rheingold“ aufführen. Dazu spielt ein Orchester live Musik von Richard Wagner und eine Neu-Komposition, die vom Kartografen und Wahl-Duisburger Gerhard Mercator inspiriert ist.  Beim grandiosen Finale verschwindet dann die Naumon im Feuerwerk. Der Eintritt zu dem ganzen Spektakel ist frei.

Grüße aus dem RUHR2010-Pott, Claudia

Klassik-Termine in der Kulturhauptstadt Essen2010


Visitatio sepulchri – Das Essener Osterspiel

Samstag 24. April 2010 und Sonntag 25.04.2010 | 20.00 Uhr | Essen | Hoher Dom zu Essen

Hoher Dom zu Essen

  • Musica enchiriadis – Die Entdeckung der Mehrstimmigkeit
  • Ensemble VOX WERDENSIS (Schola der Folkwang Universität)
  • Leitung: KMD Prof. Dr. Stefan Klöckner
  • weiterer Termin: So 25.04.2010
  • Karten & Informationen: TicketCenter Theater und Philharmonie Essen, Fon 0201 8122 200
  • ein Projekt der Essener Domschatzkammer, der Folkwang Universität, der Katholischen Akademie DIE WOLFSBURG, der Philharmonie Essen und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

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Monteverdis „Marien-Vesper“

23. Mai 2010 | 17.00 Uhr | Essen | Basilika St. Ludgerus

Abtei Basilika St. Ludgerus Essen-Werden

Musica enchiriadis – Die Entdeckung der Mehrstimmigkeit
Schola der Folkwang Universität
Knabenchor Hannover (Leitung: Prof. Jörg Breiding)
Himmlische Cantorey
Concerto Palatino

Karten & Informationen: TicketCenter Theater und Philharmonie Essen,

Fon 0201 8122 200
ein Projekt der Essener Domschatzkammer, der Folkwang Universität, der Katholischen Akademie DIE WOLFSBURG, der Philharmonie Essen und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

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Grüße

Volker

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RUHR2010 Teil X: Musiktempel der Extraklasse


Aalto Theater

Das Aalto Theater ist das architektonische Werk des finnischen Architekten Alvar Aalto. Bereits 1959 wurde sein Entwurf einstimmig angenommen, doch erst 1983, also sieben Jahre nach seinem Tod wurde mit dem Bau begonnen. Am 25.09.1988 wurde es mit Richard Wagners „Die Meistersänger von Nürnberg“ feierlich eröffnet.

Die Asymmetrie des etwa 1.120 Personen fassenden, in tiefem Indigoblau gehaltenen Zuschauerraums sollte nach Aaltos Vorstellungen auch bei spärlichem Besuch des Theaters jeden störenden Eindruck vermeiden. Intendant und Generalmusikdirektor ist seit der Spielzeit 1997/98 Stefan Soltesz,  dessen Strauss-Zyklus in Essen große Beachtung fand.

Im September 2008 wurde das Aalto-Theater in der Fachzeitschrift Opernwelt nach einer Umfrage unter 50 unabhängigen Kritikern aus verschiedenen Ländern als bestes Opernhaus im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet und trägt nun den Titel Opernhaus des Jahres 2008. In der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift theater pur konnte das Aalto-Theater seinen ersten Preis 2009 behaupten und hat somit den langjährigen Spitzenreiter, die Schwabenmetropole Stuttgart, abgelöst. Das absolute Highlight dieses Jahres ist für mich der „Ring des Nibelungen“-Zyklus, vor der Sommerpause gelangen „Das Rheingold“, „Die Walküre“ und der „Siegfried“ zur Aufführung, im Herbst erfolgt dann die Premiere der „Götterdämmerung“. Dieses momumentale Werk vom Zyklus des Werdens und Vergehens soziokultureller Ordnungen ist stets für jede Generation aktuell. Hierzu ein interessantes Zitat des Wagner Enkels Franz Wilhelm Beidler passend zur diesjährigen Ruhr2010 oder allgemein zur Wirtschafts- und Bankenkrise:

„Die komplizierten Schachtanlagen und Hüttenwerke des Ruhrgebietes etwa vereinfachen sich zu den Werkstätten Nibelheims, die Anonymität des Kapitals, die Unsicherheit des Aktionärs enthüllt sich im verschleierten Tarnhelm. Die dämonische Kraft des Ringes, d. h. des kapitalistischen Macht- und Profitstrebens, durchdringt alle Beziehungen, löst alle Bindungen, Rechte und Sitten auf. Die von altersher herrschenden Gewalten – hier heißen sie Götter – verstricken sich im kapitalistischen Gestrüpp, und die Welt wartet auf den Menschen. Auf den Menschen, der durch Verzicht auf Besitz und Gewinn die Kraft zur befreienden Tat findet und Götter und Zwerge ablöst.“

Richard Wagner- verstrahltes Genie mit sozialistischen Visionen, heute eher linksradikal

Überflüssig zu erwähnen, dass alles zu humanen Preisen erlebt werden kann und man hierfür nicht die langen Wartezeiten und aristokratischen Preise von Bayreuth in Kauf nehmen muss. Ursprünglich wollte Richard Wagner ja seine Festspiele ganz umsonst bieten. Das kann auch Essen nicht realisieren. Aber es gibt für Sparfüchse und Kulturjunkies die THEATERCARD, die jährlich 60,-Euro kostet, man kann dann ab 10 Tage vor der Vorstellung die Karte zu 50% Ermäßigung erwerben. Dies gilt für das Aalto Theater, das Grillo und die Philharmonie Essen. Und überhaupt, im Aalto sitzt man eh bequemer als im Festspielhaus auf der „Holzklasse“.

Das Aalto-Musiktheater beherbergt das Opernhaus, das Theater und auch das Aalto Ballett Theater. Der aktuelle Spielplan für alle 4 Kultursparten kann untenstehend eingesehen werden.

LINK:   http://www.theater-essen.de

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen vom Haupteingang

Im Juni 2004 wurde die neue Philharmonie Essen mit einem großen Festkonzert eingeweiht. In den ersten beiden Monaten wohnten über 50.000 Zuschauer dem „Eröffnungszauber“ bei, während dem sich die internationale Konzertszene die Klinke in die Hand drückte. Von den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle, Frank Peter Zimmermann oder dem Alban Berg Quartett hin zu Jazz-Größen wie Herbie Hancock oder Wayne Shorter, Größen des internationalen Konzertbetriebs die man in Essen bisher nicht zu Gesicht bekam.

Die eigentliche Geschichte der Philharmonie beginnt 100 Jahre früher, 1904 mit der Eröffnung des Saalbaus. Richard Strauss dirigierte zur Premiere und Gustav Mahler leitete wenig später die Uraufführung seiner 6. Sinfonie. Bis in die 1990er Jahre war der Saalbau die Heimstadt der Essener Philharmoniker, wurde aber auch als Mehrzweckhalle von Bällen bis hin zum Flohmarkt genutzt.

Philharmonie Interieur vom 1. Rang

Mit knapp 2000 Plätzen ist die Philharmonie die größte (und wie ich finde, die Schönste) des Ruhrgebiets. Nach anfänglichen Kritiken, da Dortmund ungefährt zeitgleich mit dem Bau des Konzerthauses begann, hat sie ihren Platz unter den besten Musiktempeln der Republik behauptet. Stets sind hochkarätige Künstler zu Gast, die ein internationales Niveau garantieren. Für kleinere Veranstaltungen steht neben dem großzügigen Alfried-Krupp-Saal (Die Alfried Krupp-von Bohlen und Halbach-Stifung war auch sehr generös…) der RWE Pavillion zur Verfügung.

Link: www.philharmonie-essen.de

Im Übrigen werden sowohl für das Aalto, als auch für die Philharmonie Architekturführungen angeboten. Alles ist vom HBF zu Fuß oder per U-Bahn schnell zu erreichen. Das Musik-Ensemble ist von einem kleinen Park umgeben, der -wie die Musik selbst- den Alltag kurz ausschaltet.

Allerseits einen schönen Mittwoch, Claudia

RUHR2010 Teil IX: Kunst auf Halde


Auch wenn jetzt alle mit der Abarbeitung der gigantischen Ostermusik-Highlights beschäftigt sind, störe ich Euch einmal aktuell mit der RUHR2010.

Auf der Drachenbrücke

Trotz der mäßigen Wetteransage fahren wir heute mit unserem Hamburger Freund zu einer „Landmarke“. Landmarken sind im Ruhrgebiet frühere „Bergehalden“, also das taube Gestein, was von der Kohle getrennt wurde. Viele sind begrünt und auf ihrem Gipfel findet sich eine weithin sichtbare Skulptur. Die Bekannteste ist vielleicht der Tetraeder in Bottrop oder die Himmelstreppe in GE-Uecker. Bei der letzten Führung Dienstag auf Zollverein hat der Führer auf der Aussichtsplattform unser Interesse für das neue Horizont-Observatorium „Hoheward“ in Herten geweckt. Wir betreten die Halde über die neue „Drachenbrücke“.

Der Drache der Drachenbrücke

Wir lassen die „Baumgrenze“ hinter uns. Als erstes begegnen wir der Horizontal-Sonnenuhr mit dem neun Meter hohem Obelisken als Zeiger und Schattenwerfer. Das Panorama entlockt uns Frank Goosens Zitate: „Nee, schön iss das nich“ oder „Weisse, woanders ist auch Scheisse“. Im Hintergrund qualmen die Schlote eines großen Kraftwerkes in GE. Wir sind umzingelt von Fabriken, die Schalke Arena sieht wie ein weisser Riesenpilz aus. Das spektakuläre „Horizont-Observatorium“ ist das neue Highlight des Landschaftsparks. Für weitere Informationen und mehr zur prähistorischen Sternenkunde (toller 360° Umblick):

LINK: http://de.wikipedia.org/wiki/Halde_Hoheward

Das moderne Stonehenge

Hier oben ist es wirklich ziemlich windig, schade, dass jetzt gerade so ein Mist-Wetter ist.

Der westliche Teil der Halde ist noch nicht begrünt. Rund um die ehemalige Zeche Ewald ist dort ein neues Gewerbegebiet entstanden. Im Gegensatz zu Zollverein, die ja wirklich top restauriert ist, hat diese Zeche morbiden Charme. Mittlerweile ist wieder strahlender Sonnenschein. Geheimtipp für Café und Kuchen: Das Café auf Ewald, mit moderaten Preisen und XXL-Obstkuchen.

Zeche Ewald

In Herten gibt es auch ein Renaissance-Wasserschloß, das wollen wir auf jeden Fall mitnehmen, es bildet ausserdem einen schönen Kontrast zu dem bisherigen Programm.

Inmitten eines alten englischen Landschaftsparks, direkt am Rande der Hertener Innenstadt, liegt das 1376 erstmals urkundlich erwähnte Wasserschloss Herten. Das Schloss Herten zu den schönsten Baudenkmälern in Nordrhein-Westfalen.

Schloss und Schlosspark dienen seither als Kulisse für verschiedene bedeutende Kulturveranstaltungen der Region, so für das Kulturfestival Ruhr, die Hertener Schlosskonzerte und den Pfingst-Kunstmarkt. Die Hauptburg des Wasserschlosses ist ein rundum von einer Gräfte umgebener Ziegelbau. Sie verrät heute noch ihre Bedeutung als Beispielarchitektur aus der Zeit der Spätgotik.
Noch immer zeugen Relikte eines massiven Bergfrieds im östlichen Teil des Nordflügels in Form einer Säule mit gotischem Kreuzgewölbe von dem Wehrcharakter der ehemals kleinen Burganlage. 1529 kam die Burg durch Heirat in den Besitz des Bertram von Nesselrode, Erbkämmerer des Herzogtums Berg.

Blick in die Gräfte

Um 1650 wurde das Schloss umgebaut. Während dieser Zeit entstand im Ostflügel der große Saal, dessen Decke perspektivisch ausgemalt wurde. Diese bei den Restaurierungsarbeiten wiederentdeckte Malerei ist in Westfalen ohne Beispiel.

Schloss Herten Perspektive vom Schlosspark

Diese Perspektive war einmal auf dem Programm für das Klavierfestival Ruhr vertreten. Am 03. und 04.06.10 finden im Rahmen des Sing!-Projektes hier 2 Kammerkonzerte statt.

LINK: http://www.herten.de/tourismus/sehenswertes/schloss-herten/index.html

Gesegnete Ostern, Claudia