Archiv der Kategorie: Historische Aufführungspraxis

ALL OF BACH veröffentlicht die Kantate – BWV 83 „Erfreute Zeit im neuen Bunde“


ALL OF BACH veröffentlicht die Kantate – BWV 83 „Erfreute Zeit im neuen Bunde

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Die Violine von  Johann Georg Pisendel (1687-1755)

Außergewöhnliche Virtuosität in einer Kantate von 1724.

In seinem ersten Jahr als Thomas-Kantor der Thomaskirche in Leipzig schrieb J.S. Bach relativ einfache Violinstimmen in seinen Kantaten. Dies änderte sich drastisch am 2. Februar 1724, dem Fest der Lichtmess. Die Kantate „Erfreute Zeit im neuen Bunde“ beginnt mit einer triumphalen Altarie, in der sich Bach für eine auffallend reiche Orchesterfassung entscheidet. Neben dem Streicherensemble gibt es zwei Oboen, zwei Hörner und eine Solovioline, die mit einem äußerst aktiven Teil zurechtkommt. Welcher Geiger hätte diese anspruchsvolle Musik spielen können?

Der niederländische Musikwissenschaftler Pieter Dirksen ging dieser Frage nach und stellte die Hypothese auf, dass es sich um Johann Georg Pisendel (1687-1755) gehandelt haben könnte. Dirksens Ansicht wird von Geiger Shunske Sato unterstützt, der sagt: „Es ist ein Bauchgefühl, ein bisschen wie das Erkennen einer guten Pastasauce“. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Pisendel als Kapellmeister am Dresdner Hof, und sein virtuoses Violinspiel war der musikalische Stolz Deutschlands.

Die Eröffnungsarie klingt fast wie eine Instrumentalsymphonie mit einer zusätzlichen Singstimme. Wenn Sie es sich ohne das Hoch vorstellen, wird es ein Brandenburgisches Konzert. In seinen späteren Kantaten für Lichtmess, wie „Ich habe genung“, BWV 82, nahm Bach einen milderen Ton an. Anstatt sich auf die Reinigung der Jungfrau Maria zu konzentrieren, sprach das Evangelium des Tages von der Darstellung Jesu im Tempel und dem alten Simeon, der bereit war zu sterben, nachdem er das gesegnete Kind in seinen Armen gehalten hatte (Lukas 2). Die lutherische Gemeinde identifizierte sich gerne mit dieser Bereitschaft zu sterben.

In der dritten Arie „Eile, Herz, voll Freudigkeit“ spielt die Solovioline für den Tenor wieder eine herausragende Rolle, mit einer Passage, die die Worte sehr detailliert darstellt. Hier bilden die Streicher die Begleitung und die Blasinstrumente schweigen. Die Solovioline spielt eine Version der ersten Violinstimme, die mit überspringenden Triolen verziert ist. Oder mit anderen Worten, die ersten Violinen spielen nur die Hauptnoten der Solovioline (jede erste Note des Trios).

                                                      Horn: Anneke Scott,  (rechts im Foto) und Jocelyn Leichtfuß

Die dazwischenliegende Bass-Arie ist in Bachs Oeuvre recht ungewöhnlich. Der Solist singt Verse des Simeon-Liedes und wechselt dazwischen zu einem Rezitativ. Die Begleitung ist für Streicher im Einklang und Basso Continuo. Die Kantate schließt mit einem kurzen Rezitativ und einem Choral.

Standort und Orgel

Diese Aufnahme wurde in der Wallonische Kirche, im Herzen von Amsterdam gemacht. Die Kirche hat nicht nur eine gute Akustik, sondern ist wegen ihrer Müller-Orgel aus dem Jahr 1739 auch ein Wallfahrtsort für Organisten.

Organist Leo van Doeselaar: „Dies ist eine der schönsten kleinen Barockorgeln in den Niederlanden. Gustav Leonhardt war von 1959 bis 1982 Organist der Wallonischen Kirche. Er ließ die Orgel bereits in den 60er Jahren in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Es ist ein echtes Pionierorgan. “ Für diese Aufführung verwenden wir tatsächlich dieses „großartige“ Organ. Eine Kastenorgel ist ein Anachronismus, der zu Bachs Zeiten nie benutzt wurde.

                                                                Organist: Leo van Doeselaar

„In Bachs Kirchenmusik spielte die große Kirchenorgel immer die Continuoparts. Im Prinzip hatte es die gleiche weiche Registrierung wie eine Kastenorgel, aber die viel breiteren Pfeifen der Kirchenorgel bilden einen wichtigeren Bestandteil der Klangfarbe eines barocken Ensembles. Für Choräle und Chöre der Barockzeit wurden stärkere Register verwendet und die Basslinie mit einem 16-Fuß-Kontrabassregister auf dem Pedal gespielt. Die Tatsache, dass dies nie so gemacht wurde, ist eine der unbeabsichtigten Verfälschungen des historischen Sound-Ansatzes, sagt der Organist Leo van Doeselaar.

BWV 83

Titel der Kantate:
„Erfreute Zeit im neuen Bunde“

Genre
Kantate

Jahr
1724

Stadt
Leipzig

Texter
Lyriker unbekannt, Schlusschoral aus Martin Luthers „Mit Fried und Freud“ (1524)

Anlass
Lichtmess

Erste Aufführung
2. Februar 1724

Besondere Hinweise
Violinstimme für Stargeiger Johann Georg Pisendel (1687-1755) ?

Veröffentlichungsdatum
2. Februar 2018

Aufnahmedatum
21. Januar 2017

Standort
Wallonische Kirche, Amsterdam

Dirigent und Violine
Shunske Sato

Altus
Robin Blaze

Tenor
Daniel Johannsen

Bass
Stephan MacLeod

Sopran
Marjon Strijk

Violine 1
Sayuri Yamagata, Lidewij van der Voort

Violine 2
Annelies van der Vegt, Paulien Kostense, Anneke van Haaften

Viola
Staas Swierstra, Jan Willem Vis

Cello
Lucia Swarts, Ruth Verona

Kontrabass
Robert Franenberg

Oboe
Martin Stadler, Peter Frankenberg

Fagott
Benny Aghassi

Horn
Anneke Scott, Jocelyn Leichtfuß

Organ
Leo van Doeselaar

Cembalo
Siebe Henstra
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Ich wünsche allen ein wunderbares Erlebnis mit dieser Pracht-Kantate!

Herzliche Grüße

Karin

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ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 1012 „Cello Suite Nr. 6 in D-Dur“


ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 1012 „Cello Suite Nr. 6 in D-Dur“

                                                       Westergasfabriek „Gasfabrik in Amsterdam“

Federnde Aufregung!

„Bach lässt das Cello in den Himmel aufsteigen.“

Sechs Cellosuiten:

Die sechs Cellosuiten von Johann Sebastian Bach gehören zum Alten Testament der Cello-Literatur. Jeder Cellist, der die Musik anschaut, spürt sofort, wie natürlich die Töne um die Saiten des Instruments gelegt sind. Dennoch gibt es viele Fragen und Diskussionen zu diesen Suiten ein Violoncello Solo senza Basso. Hat Bach wirklich die Musik für Cello oder zumindest für Cello allein geschrieben? Und wann hat er es geschrieben? In Köthen oder früher?

Die Suiten folgen einem Weg von der Einfachheit zur zunehmenden Virtuosität. Suite Nr. 6 in D-Dur ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. In dieser letzten Suite, die auch die längste ist, lässt Bach das Instrument in den Himmel aufsteigen. Er tut dies, indem er eine zusätzliche fünfte Saite verwendet – „a cinq cordes“, wie Anna Magdalena Bach es im Manuskript beschrieben hat. Die fünfte Saite liegt eine Fünftel über der A-Saite, die normalerweise die höchste Saite ist. Sie könnten sogar argumentieren, dass Bach dem Cellisten erlaubt, sein eigenes Instrument zu transzendieren.

Der Geiger und Viola da SpallaSpieler Sergey Malov glaubt, dass diese Suite auf einem Violoncello da spalla gespielt werden sollte – ein Instrument, das kleiner ist als das stehende Cello, das wie eine Violine auf der Schulter gespielt wird. Aber auch Cellisten, die die Daumenstellung fanatisch beherrschen, können die sechste Suite auf einem viersaitigen Cello spielen.

                                                                          Cellist Sergej Malow

Der düsteren Stimmung von Suite Nr. 5 in c-Moll, die Leichtigkeit und Ausstrahlung von Suite No. 6 ist noch auffälliger. Die Tonart D-Dur, die in der Barockzeit oft Triumph und Fest symbolisiert, wird gleich in der ersten Bar des Préludes mit heiterer Spannung bestätigt. Auf diese fröhliche Bewegung, die im Zwei-Acht-Takt überspringt, folgt eine untypische Allemande, die introvertiert und ruhig ist.

Aber auch diesmal wird das Herz der Suite von der langsamen Sarabande mit ihren himmlischen Akkorden gebildet. Hier muss der Darsteller die Anstrengung verbergen, die es braucht, um diese gleitenden Noten zu spielen. Um die gute Laune zu betonen, ist die zweite Gavotte einmal nicht im kontrastierenden Mollton, sondern bleibt vom Dur dominiert. Und die Gigue ist der Superlativ der virtuosen Glückseligkeit.

Schultercello:

Sergey Malov hat sich für diesen Auftritt entschieden, einen Violoncello da spalla zu spielen. Er ist überzeugt, dass diese Suite Nr. 6 insbesondere, aber eigentlich alle Cello-Suiten, wurden für den Violoncello da Spalla geschrieben. Es mag seltsam erscheinen, dass wir nicht genau wissen, welches Instrument Bach für diese Musik vorhatte, aber zu seiner Zeit gab es weit mehr Abwechslung als heutzutage. Violoncello könnte sich auf das Instrument beziehen, das wir heute als „Standing Cello“ kennen, aber auch auf ein Instrument, das auf der Schulter gespielt wurde. Zum Beispiel ist Sigiswald Kuijken auch überzeugt, dass Bach den Violoncello da spalla viel häufiger als heute benutzt hat.

Ort:

Alle Cellosuiten werden an bemerkenswerten Orten in Amsterdam aufgenommen. Wir haben diese Suite Nr. 6 in der Gashouder der ehemaligen Westergasfabriek Gasfabrik erstellt. Der Gashouder wurde 1902 erbaut und war zu dieser Zeit der größte Gasherd in Europa. Das Gas wurde an der Spitze des Gashouders in einem Stahltank gelagert, der auf eine Höhe von vierzig Metern erweitert werden konnte. Es ist jetzt ein denkmalgeschütztes Gebäude, und die riesige Halle ohne Säulen sieht nicht nur magisch aus, sondern bietet auch eine wunderbare Akustik.

BWV 1012

Titel
Cello Suite Nr. 6 in D-Dur

Genre
Kammermusik (Solostimme)

Serie
Sechs Cello Suiten

Jahr
zwischen 1717 und 1723

Stadt
Köthen

Veröffentlichungsdatum
24 November 2017

Aufnahmedatum
4. November 2016

Ort
Gashouder, Amsterdam

Violoncello da spalla
Dmitry Badiarov, Den Haag, 2011

Cellist
Sergej Malow


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„Ich wünsche allen viel Freude mit dem BWV 1012″

Grüße Karin

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ALL OF BACH veröffentlicht die Kantate – BWV 55 „Ich armer Mensch, ich Sündenknecht“


ALL OF BACH veröffentlicht die Kantate – BWV 55 „Ich armer Mensch, ich Sündenknecht“

Bachs einzige Solo-Kantate für Tenor verbirgt ein zweites „Erbarme dich.“

                                                                Wallonische Kirche in Amsterdam

Die einzige überlebende Bach-Kantate für Solo-Tenor zeigt auffallende Ähnlichkeiten mit der Matthäus-Passion. So wie der hl. Petrus erkennt, dass er gesündigt hat, nachdem er Jesus dreimal in der Passion verleugnet hat, tritt hier der Tenor zur Buße als „Sündenknecht“ zurück. Seine chromatisch absteigende Phrase über ‚Ich armer Mensch‘ am Ende der Eröffnungsarie ist an sich ein Zeugnis für ein schreckliches Schuldgefühl. Tenor Thomas Hobbs denkt, es ist etwas Besonderes, dass es in der ersten Person geschrieben ist. „Es macht es einfacher, mit dem zu identifizieren, was du singst“.

Der erste Teil, der mit Selbstmitleid gefüllt ist, folgt ein Schrei nach Barmherzigkeit, ein „Erbarme dich“, genau wie nach der Verleugnung des Petersdom Rom in der Matthäuspassion. Die Arie beginnt mit dem gleichen verzweifelten Aufwärtssprung (ein Sechstel), der hier von der Flöte gespielt wird. Um die Ähnlichkeit zu vervollständigen, schließt die Kantate mit demselben Choral, der dem „Erbarme dich“ in der Passion folgt.

Der Schuss-Choral:

In dieser Aufführung wird der letzte Choral von vier Solisten gesungen. Das macht die Linien ausdrucksvoller und man hört mehr Details. Für eine zwei- oder dreiteilige Sektion in Bachs Musik würde niemand daran denken, mehr Stimmen für jeden Teil zu verwenden. Aber wenn es vier Teile gibt, dann muss es plötzlich ein Chor werden. Ich denke, dass die Entscheidung, nur vier Sänger zu benutzen, für eine Solokantate so gut gerechtfertigt ist „, sagt künstlerischer Leiter und Dirigent Jos van Veldhoven.

BWV 55

Titel
„Ich armer Mensch, ich Sündenknecht“

Genre
Kantate

Jahr
1726

Stadt
Leipzig

Texter
unbekannt

Gelegenheit
22.  Sonntag nach Trinitatis

Uraufführung
17. November 1726

Veröffentlichungsdatum
14. Juli 2017

Aufnahmedatum
22. Oktober 2016

Ort

Wallonische Kirche, Amsterdam

Gesangs-Solisten:

Sopran
Miriam Feuersinger

Alt
Alex Potter

Tenor
Thomas Hobbs

Bass
Stephan MacLeod

Dirigent
Jos van Veldhoven

                                                                        Dirigent Jos van Veldhoven

Orchester:

Violine 1
Shunske Sato, Pieter Affourtit, Anneke van Haaften, Hanneke Wierenga

Geige 2
Sayuri Yamagata, Paulien Kostense, Annelies van der Vegt

Viola
Staas Swierstra, Jan Willem Vis

Cello
Lucia Swarts, Richte van der Meer

Kontrabass
Robert Franenberg

Flöte
Martenwurzel

Oboe
Martin Stadler

Organ
Leo van Doeselaar

Cembalo
Siebe Henstra


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„Ich wünsche allen viel Freude mit der Kantate BWV 55“

Grüße Karin

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Bach und Bach im Vergleich!


Bach und Bach im Vergleich! Eine Rezension vom „Diademus-Festival“

Zweimal an einem Abend das „Magnificat“, jenen Lobgesang, den der Evangelist Lukas der schwangeren Maria in den Mund legte? Zweimal der identisch vertonte Text als Konzertprogramm?

Die Musiker boten den Zuhörern beim Abschlusskonzert des Diademus-Festivals in Roggenburg einen besonderern Vergleich.

Die Idee des Abschlusskonzerts des Diademus-Festivals in Kloster Roggenburg ließ staunen – und erwies sich als Volltreffer: Dieser Konzertabend ermöglichte dem Publikum einen direkten und unmittelbaren Vergleich der Beschäftigung von Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach, seinem wohl begabtesten Sohn, mit dem identischen Text – zumal das Konzert auch musikalisch mit außergewöhnlich feinfühlig ausgewählter Besetzung und mit Glanzleistungen von Chor und Orchester aufwartete.

Benno Schachtner dirigierte emotional

Benno Schachtner, Intendant des jungen Festivals, das sich gerade in Roggenburg als kulturelle Größe etabliert, ist nicht nur ein international gefragter Countertenor; er ist auch studierter Kirchenmusiker und ein leidenschaftlicher Dirigent. Als solchen konnte ihn das Publikum beim Roggenburger Abschlusskonzert erleben: Der in Dietenheim aufgewachsene 32-Jährige dirigiert sehr emotional, er verzichtet auf standardisierte Schlagfiguren und spricht mit seinen Händen und seiner Mimik gleichsam jeden einzelnen der Musiker und Sänger an, lenkt fortlaufend die Stimmung und den Ausdruck des aufgeführten Werkes.

Das bewirkt, dass das Händelfestspielorchester Halle, das mit historischen Instrumenten musiziert, die beiden „Magnificat“-Aufführungen ausgesprochen nuanciert begleitet und Solisten und Chor niemals überlagert. Das bewirkt, dass der Klangkörper der international besetzten „Diademus vocalisten“ eine brillante und differenziert agierende Einheit darstellt, aus der heraus Sängerinnen auch glanzvoll Solo-Rollen übernehmen können, ohne dass ihre Stimmen in den Chor-Partien aus der Homogenität herausfallen würden.

   Diademus-Festival in Roggenburg J.S. Bach -Magnificat, C.Ph.E. Bach – Magnificat im Konzertvergleich!

Auffallend gut passen die Stimmen der Solisten zusammen, was sich beispielsweise in den in beiden Vertonungen enthaltenen Duetten Alt/Tenor zeigt. Als Solisten holte Benno Schachtner bekannte Namen nach Roggenburg: die an vielen deutschsprachigen Opernhäusern bekannte Altistin Charlotte Quadt, Tilman Lichdi (Tenor), einen der bedeutendsten Konzert- und Liedinterpreten der Gegenwart weltweit, Mozart-Preisträger Matthias Winckhler (Bass) – und seine Ehefrau, die mit vielen Preisen ausgezeichnete chilenisch-italienische Sopranistin Catalina Bertucci. Dass Catalina Bertucci im neunten Monat schwanger ist, gab gerade ihren hingebungsvoll und mit einem innerlichen Lächeln gesungenen Teilen der beiden Magnificat-Vertonungen einen besonderen Reiz.

Großartig, die Werke nebeneinander zu erleben

Der direkte Vergleich der beiden „Magnificat“-Vertonungen von Vater und Sohn Bach, entstanden in den Jahren 1723 (Johann Sebastian Bach) und 1749 (Carl Philipp Emanuel Bach) zeigte zwar auch die musikalische Nähe beider, er zeigte vor allem aber auch die musikalische Entwicklung des 18. Jahrhunderts: 1749 (Johann Sebastian Bach, der im Jahr darauf starb, war damals bereits schwer krank) war der stringente barocke Stil bereits durch den empfindsamen und viel emotionaleren Stil abgelöst, als einer dessen wichtigster Vertreter Carl Philipp Emanuel Bach gilt…..

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Video Magnificat von J.S. Bach Václav Luks Collegium 1704

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Video Magnificat von Carl Philipp Emanuel Bach /  Akademie für Alte Musik Berlin,

Hans-Christoph Rademann


Herzliche Grüße

Volker

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ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 1048 – 3. Brandenburgische Konzert!


ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 1048 – 3. Brandenburgische Konzert! 

                                               Muziekgebouw aan ‚t IJ, Amsterdam

Johann Sebastian Bachs Drittes Brandenburgisches Konzert, BWV 1048, ist eine Komposition für neun Streichinstrumente und Basso Continuo. Bach stellte das Werk mit anderen zu einer Sammlung von sechs Konzerten zusammen, die er im März 1721 unter dem Titel Six Concerts avec plusieurs instruments in Partitur an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt sandte. Wie bereits der Titel nahelegt, weisen die einzelnen Werke große Unterschiede in Besetzung, Umfang und Charakter auf.

Bach wählt eine ungewöhnliche Form und Instrumentierung.

Dieses Konzert ist bemerkenswert für seine ungewöhnliche Form und Instrumentierung. Bach komponierte ihn für drei Violinen, drei Violen, drei Cellos und Basso continuo. Mit anderen Worten: 3×3, was eine rationale Wahl ist, die man von einem Moderner wie Pierre Boulez erwarten würde, anstatt ein barocker Komponist wie Bach. Es gibt keinen Unterschied zwischen Solo- und Ensembleinstrumenten: Alle Saiten spielen sowohl Solo als auch Tutti.

Die Frage ist, ob Bach ursprünglich die Instrumentierung so geplant hat. Im letzten Satz haben die Cellos keine individuelle Rolle und entsprechend mit dem Kontinuum. Auch im ersten Satz bilden sie die am wenigsten geteilte Gruppe. Dies kann darauf hindeuten, dass das Konzert auf einer Version mit nur einem Cellostimme basierte.

Das Auffällige an der Form ist das Fehlen einer voll entwickelten, langsamen Mittelbewegung. Die beiden schnellen Bewegungen werden durch ein Adagio einer einzigen Maßnahme getrennt, die einfach aus zwei anhaltenden Akkorden besteht: die harmonische Trittfrequenz, die eher als Brücke und kurze Pause zum Atem zusammengesetzt zu sein scheint. In dieser Aufführung entschied Shunske Sato die mittlere Bewegung zu einer echten Pause zum Atem zu machen und eine kurze Kadenz zu spielen.

                                  Konzertsaal Muziekgebouw aan ‚t IJ, Amsterdam

Beide schnellen Bewegungen zeichnen sich durch einen starken rhythmischen Antrieb aus. Der erste Satz wird von einem galoppierenden Rhythmus dominiert und der letztere durch schnelle Notizen, die durch die Instrumentalgruppen wie ein Perpetuum Mobile streamen. Als Bach den ersten Satz als die Eröffnungssymphonie der Pfingstkantate (BWV 34) wiederkehrte, fügte er zwei Oboen hinzu, eine Oboe, eine Altoboe (‚taille‘) und Hörner zu den Streichern und ein Fagott zum Continuo .

Brandenburg Konzerte, BWV 1046-1051

Im März 1721 schickte Bach ein Manuskript von Köthen nach Berlin mit dem Titel „Sechs Konzerte mit mehreren Instrumenten“, gewidmet Christian Ludwig (1677-1734), Markgraf von Brandenburg-Schwedt. Im Vorwort stellte Bach fest, dass er vor ein paar Jahren für den Markgraf gespielt hatte und versprochen hatte, ihm „einige seiner Kompositionen“ zu schicken. Das war wohl bei einem Besuch in Berlin im März 1719, als Bach in die preußische Hauptstadt gereist war, um ein neues Cembalo für den Hof in Köthen zu erhalten. Die Musik, die er ein paar Jahre später zum Markgraf fühlte (was später als „Brandenburger“ Konzerte bekannt wurde) war Bachs ultimative Sicht auf das bedeutendste großformatige Instrumental Genre seiner Zeit: das Konzert.

Ein Konzert beinhaltet fast immer nur Instrument (oder Kombination von Soloinstrumenten) und ein Ensemble. Die wichtigste Idee ist der Wechsel zwischen einem oder mehreren Solisten und dem ganzen Ensemble, in einer Art von leichtsinniger Konkurrenz. In den sechs „Brandenburger“ Konzerten erforscht Bach jede Facette dieses Genres, sowohl in Bezug auf die Instrumentierung als auch auf die Art und Weise, wie er die Form behandelt. Alle traditionell verwendeten Streich- und Blasinstrumente und das Cembalo erscheinen als Solisten, die musikalischen Formen reichen von Hoftänzen bis hin zu Nah-Fugen, und die Beziehung zwischen den Solos und Tutti-Instrumenten verlagert sich immer. Gemeinsam bilden die sechs Konzerte ein virtuoses Musterblatt des Barockkonzertes.

BWV
1048

Titel
Konzert in G-Dur
„Brandenburg“ Konzert Nr. 3

Genre
Orchesterarbeit (Konzert)

Serie
‚Brandenburg‘ Konzerte

Jahr
1719-20

Stadt
Köthen

                                                     Instrumental-Ensemble „ALL OF BACH“

Anlass:

Im Jahre 1721 zum Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg gewidmet

Besondere Hinweise:

Bach benutzte den ersten Satz im Jahre 1729 als Symphonie in der Kantate. Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte, BWV 174.

Freigabedatum
1. September 2017

Aufnahmedatum
7. Oktober 2016

Ort:
Muziekgebouw aan ‚t IJ, Amsterdam

Dirigent und Violine
Shunske Sato

Geige
Paulien Kostense, Emily Deans

viola
Pieter Affourtit, Anneke van Haaften, Jan Willem Vis

Cello
Lucia Swarts, Barbara Kernig, Shuhei Takezawa

Kontrabass
Hen Goldsobel

Cembalo
Siebe Henstra


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„Ich wünsche allen viel Freude mit dem 3. Brandenburgischen Konzert!

Grüße Karin

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ALL OF BACH veröffentlicht die Kantate – BWV 159 „Sehet, wir gehn hinauf gen Jerusalem“


ALL OF BACH veröffentlicht die Kantate – BWV 159 „Sehet, wir gehn hinauf gen Jerusalem“

Mini Leidenschaft

Eine Kantate für eine tolle Orgel und nur vier Sänger.

                                                          Wallonische Kirche Amsterdam

Dieses Stück erinnert an Bachs Matthäus- und Johannes Passion. In einem wunderbaren Dialog sagt Jesus, dass er nach Jerusalem geht. Die Seele (ein Alt) versucht ihn zu warnen: Sei vorsichtig, dein Kreuz wartet dort auf dich! Die Hauptthemen der Unterwerfung und des Leidens sind emotionale. Alto Alex Potter meint, dass ein solches Duett in Leipzig als ein Schock der Gemeinde ankommen muss. Die Idee von Bach als frommer Vater der Kirchenmusik entstand im neunzehnten Jahrhundert. Aber in Bachs Tagen waren gesungene Dialoge hauptsächlich mit der Oper verbunden, und sie hätten den frommen Verehrern unangenehm erschienen.

Die Kantate wurde für den letzten Sonntag vor der Fastenzeit geschrieben. In der letzten Arie singt der Bass „Es ist vollbracht“. Alex Potter: „Natürlich ist das kein tragisches Ende, da die Kreuzigung die Vollendung des Planes Gottes markiert. Hören Sie auf die Saiten, die eine Art Hallo-Effekt bilden wie der, den Christus in der Matthäus-Passion hatte, aber verloren, als er am Kreuz war. Jetzt ist der Heiligenschein zurückgekehrt, da Jesus über den Tod triumphiert und die Rettung gebracht hat.

Vier Solisten

Wir führen diese Kantate mit nur vier Sängern. Sie alle haben Solos, und das Stück schließt mit einem endgültigen Choral gesungen. In einigen Aufführungen kommen zusätzliche Sänger mit einem vierteiligen Finale zusammen und schaffen einen kleinen Chor. Wir wissen nicht, was Bach selbst tat, da es keinen Hinweis darauf gibt, wie viele Sänger er benutzen wollte.

                                                                                 Dirigent
                                                                         Jos van Veldhoven.

In dieser Aufführung haben wir uns für vier Solisten entschieden. Das macht die Linien ausdrucksvoller und man hört mehr Details. Für einen zwei- oder dreiteiligen Teil in Bachs Musik würde niemand daran denken, mehr Stimmen für jeden Teil zu verwenden. Aber wenn es vier Teile gibt, dann muss es plötzlich ein Chor werden. Ich denke, dass die Entscheidung, nur vier Sänger zu benutzen, für eine Kantate so gut gerechtfertigt ist, die nicht viele Instrumente beinhaltet „, sagt der künstlerischerische Leiter und Dirigent Jos van Veldhoven.

Lage und Orgel

Diese Aufnahme wurde in der Wallonischen Kirche im Herzen von Amsterdam gemacht. Nicht nur die Kirche hat eine gute Akustik, es ist auch ein Wallfahrtsort für Organisten wegen ihrer Müller-Orgel von 1739.

Organist Leo van Doeselaar: „Dies ist eines der schönsten kleinen Barock-Orgeln in den Niederlanden. Gustav Leonhardt war der Organist an der Wallonischen Kirche von 1959 bis 1982. Er hatte die Orgel in den ursprünglichen Zustand schon in den 60er Jahren wiederhergestellt. Es ist eine echte Pionier-Orgel „. Für diese Aufführung verwenden wir diese „große“ Orgel. Eine Kastenorgel ist ein Anachronismus, der in Bachs Tag nie benutzt wurde.

„In Bachs Kirchenmusik spielte die große Kirchenorgel immer die Continuo-Parts. Grundsätzlich hatte es die gleiche weiche Anmeldung wie eine Kastenorgel, aber die viel breiteren skalierten Pfeifen der Kirchenorgel bilden einen bedeutungsvolleren Bestandteil des Timbre eines barocken Ensembles. Für Choräle und Chöre der Barockzeit wurden stärkere Register benutzt und die Bassline auf dem Pedal gespielt, mit einem 16-Fuß-Kontrabassregister. Die Tatsache, dass es noch nie so getan wurde, ist eigentlich eine der unbeabsichtigten Verfälschungen des historischen Klangansatzes „, sagt Organist Leo van Doeselaar.

BWV
159

Titel
„Sehet, wir gehn hinauf gen Jerusalem“

Genre
Kantate

Jahr
1729

Stadt
Leipzig

Texter
Christian Friedrich Henrici (alias Picander)

Gelegenheit
Sonntag Quinquagesima (der letzte Sonntag vor der Fastenzeit)

Uraufführung
27. Februar 1729

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Veröffentlichungs-Datum der Aufnahme: 14. Juli 2017

Aufnahmedatum am 22. Oktober 2016

Ort

Wallonische Kirche, Amsterdam

Sopran
Miriam Feuersinger
Alt
Alex Potter
Tenor
Thomas Hobbs
Bass
Stephan MacLeod

Dirigent
Jos van Veldhoven

Violine 1

Shunske Sato, Pieter Affourtit, Anneke van Haaften, Hanneke Wierenga

Geige 2

Sayuri Yamagata, Paulien Kostense, Annelies van der Vegt

Viola

Staas Swierstra, Jan Willem Vis

Cello

Lucia Swarts, Richte van der Meer

Kontrabass

Robert Franenberg

Oboe

Martin Stadler

Fagott

Benny Aghassi

Organ

Leo van Doeselaar

Cembalo

Siebe Henstra


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„Ich wünsche allen viel Freude mit der Kantate BWV 159“

Herzliche Grüße

Karin

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Rudolf Lutz, Eigen-Komposition – Luther-Kantate „Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort“ Uraufführung am 6.5.2017 auf der Wartburg-Eisenach!


Rudolf Lutz, Eigen-Komposition – Luther-Kantate „Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort“ Uraufführung am 6.5.2017 auf der Wartburg-Eisenach!

Rudolf Lutz  (*1951)

Wartburgsaal – Konzert der J.S. Bachstiftung! Uraufführung Luther-Kantate „Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort“

384. Wartburgkonzert
Festkonzert anlässlich der
Eröffnung der nationalen Sonderausstellung auf der Wartburg ›Luther und die Deutschen‹

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Dichtung und Wahrheit rund um die Luther-Kantate!

Hätte Bach eine Kantate auf ein rundes Reformations- jubiläum komponiert, und könnte das Endprodukt Ähnlichkeiten mit unserer ›Luther-Kantate‹ gehabt haben?

Nun, der erste Teil der Frage ist leicht zu beantworten: Selbstverständlich hätte er! Denn Bach erlebte als Hoforganist des ausgesprochen frommen Lutheraners Herzog Wilhelm Ernst am 31. Oktober 1717 in Weimar die prächtig zelebrierte Zweihundertjahrfeier von Luthers Thesenanschlag. Und gewiss hätte er zur Komponierfeder gegriffen, als es damals galt, die vom örtlichen Hofpoeten Salomo Franck gelieferten Texte der drei Festkantaten – für den Geburtstag des Herzogs am 30 Oktober, für die Zentenarfeier des Thesenanschlags am 31. Oktober und die Nach- feier am 1. November – in Musik zu setzen. Bach war schließlich seit 1714 verpflichtet gewesen, »monatlich neue Stücke«, also Kantaten, für die Hofkapelle zu komponieren; und die beiden Kapell- meister Vater und Sohn Drese konnten beim Wegkomponieren der ansehnlichen Textmenge, die Franck geliefert hatte, jede Hilfe gebrauchen.

Der eifrig gebrauchte Konjunktiv kommt jedoch nicht von ungefähr. Zwar sind die drei damals gedruckten Kantatenlibretti erhaltenen. Jedoch tauchen sie weder in Bachs Œuvre auf, noch lassen sich Parodiebeziehungen zu dessen erhaltenen Werken herstellen. Und dies ist womöglich kein überlieferungsbedingter Umstand, sondern war selbstverschuldet. Warum? Bald nachdem Bach im September 1717 in Dresden beim legendären Tastenduell mit dem Pariser Hoforganisten Louis Marchand den Sieg davon getragen hatte und nahezu zeitgleich vom Köthener Fürsten Leopold als neuer Hofkapellmeister engagiert worden war, scheint er mit stolz geschwellter Brust beim Weimarer Herzog um seine Entlassung gebeten zu haben. Hatte er sich dabei im Ton vergriffen? Oder war er sich seiner Sache zu sicher gewesen. Wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass der Herzog not amused war und Bach am 6. November – wie es in den Akten heißt – »wegen seiner halsstarrigen Bezeügung und zu erzwingender dimission« für ganze vier Wochen in der Landrichterstube unter Arrest setzen ließ (Nr. 4 der Luther-Kantate spielt darauf an).

Am 2. Dezember wurde er dann »mit angezeigter Ungnade« aus Weimarer Diensten ent- lassen und musste in Windeseile aus der Stadt ver- schwinden. Es ist gut möglich, daß die Formulie- rung »halsstarrig Bezeügung« auf eine Art Arbeits- verweigerung anspielt, die Bach an den Tag legte, nachdem der Herzog ihm deutlich gemacht hatte, wer die Spielregeln an seinem Hof bestimmt. Sollte Bachs Frust so stark gewesen sein, dass er deshalb Ende Oktober sogar die Mitarbeit an der musika- lischen Vorbereitung der Reformationsfeier »hals- starrig« verweigert hatte, und wanderte er deshalb in den Bau?

                                                         Die Wartburg bei Eisenach

Kantaten auf den Jahrestag des Thesenanschlags hat Bach dennoch komponiert – allerdings erst als Leipziger Thomaskantor und gewissermaßen mit leicht angezogener Handbremse. Die Erklärung für Letzteres liefern die Zeitumstände: Seit der sächsische Kurfürst August der Starke 1697 konvertiert war – die Bedingung, um die Krone in Polen zu erlangen – wurde das Stammland der Reformation von einem Katholiken regiert. Die Sachsen arrangierten sich mit diesem paradoxen Zustand. Es galt ein Nicht- angriffspakt zwischen katholischem Regenten und protestantischem Volk. Die landesherrlichen Behörden ermahnten die Geistlichen regelmäßig (und mit mäßigem Erfolg), in ihren Predigten jeg- lichen »Schimpf und Spott wider die Katholischen« zu vermeiden. Im Gegenzug wurde am Luthertum als inoffizielle Staatsreligion nicht gerührt und durfte das jährliche Reformationsfest weiterhin gefeiert werden – allerdings mit gebotener Zurückhaltung, das hieß musikalisch: ohne Pauken und Trompeten!

Wie die Weimarer Festmusik auf die 200-Jahr-Feier der Reformation ausgesehen hätte, wäre Bach doch als Komponist von Salomo Francks Versen aktiv geworden, ist schwer zu sagen. Dessen Kantaten- text besteht aus freigedichteten Chören in Da-capo- Form, einem Diktum aus Johannes 27, Vers 17 (»Heiliger Vater! Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit.«) und drei Arien; er enthält, typisch für Franck, keine Rezitative. Merkwürdigerweise nimmt der Text nur indirekt auf Luther Bezug: Vor dem Schlusschor erklingt die zweite Strophe von Luthers Choral ›Komm, heiliger Geist, Herre Gott‹.

Insofern hätte Bach – wie Rudolf Lutz – gute Gründe gehabt, zumindest instrumental den einen oder anderen Luther-Choral in die Arien hineinzuweben; vielleicht sogar ebenfalls das berühmte »Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort«.

Luther jedenfalls wäre sowohl von einer Bachschen Reformationskantate als auch von unserer heutigen Luther-Kantate aus musikalischer Exegese von Bibelworten und Choralzitaten begeistert gewesen. Schon 1524 hatte er in der Vorrede von Johann Walters ›Geistlichem Gesangbüchlein‹ angeregt, er wolle »alle Künste, sonderlich die Musica, gern sehen im Dienst dessen, der sie geben und geschaffen hat. « Ja, »Gottes Wort«, so der Reformator, »will gepredigt und gesungen sein« (Fastenpostille 1525). Denn: »Wer singt, betet doppelt!«

Text: Michael Maul, Bach-Archiv Leipzig

Luther-Kantate „Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort“ (Uraufführung, Auftragswerk von Deutschlandfunk Kultur) Libretto: Carl Graf und Rudolf Lutz

Sätze:

1. Sinfonia
2. Rezitativ (Bass): Im Jahr siebzehnsiebzehn
3. Arie (Tenor): Plant ein Fest
4. Rezitativ (Bass): Der Vorschlag kam
5. Choral: Ach Gott vom Himmel
6. Rezitativ (Sopran, Alt, Tenor, Bass):Die Noth war gross
7. Ouvertüre, Chaconne, Choral: Vater unser im Himmelreich

8. Choral (alle!):Geheiligt werd’ der Name dein
9. Rezitativ (Alt) : Mit Buße
10. Arioso (Sopran):Sie allein lehrt rechten Glauben
11. Rezitativ (Tenor): Zum arg missbrauchten Ablasswesen

12. Choralmotette: Bei dir gilt nichts
13. Arioso (Bass): Wohlan, mein Gott
14. Rezitativ (Sopran): Nun will ich einem solchen Vater
15. Chorfuga: Ein Christenmensch ist ein freier Herr
16. Choral und Tropierungen: Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort
17. Beschluss: Mit unsrer Macht ist nichts getan

Aufführende:

Miriam Feuersinger Sopran • Markus Forster Altus (Countertenor)
Daniel Johannsen Tenor • Matthias Helm Bass
Plamena Nikitassova Violine • Andreas Helm Oboe d’amore

Orchester der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen

Leitung: Rudolf Lutz


 Video: Rudolf Lutz: – Luther-Kantate „Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort“

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Ich wünsche viel Freude mit der wunderbaren Luther-Kantate!

Herzliche Grüße

Volker

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TROGEN in der Schweiz, die Bachkantate BWV 79 ‚Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild‘ und die AUFGEHENDE SONNNE.


TROGEN in der Schweiz, die Bachkantate BWV 79 ‚Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild‘

und die AUFGEHENDE SONNE.

                                             Die Sonnenstrahlen am Abend in Trogen (Schweiz)

Solisten:

Miriam Feuersinger, Sopran

Markus Forster, Altus

Daniel Johannsen, Tenor

Matthias Helm, Bass

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‚Haben Sie-, liebe Zuhörer schon mal einen Sonnenaufgang bewusst und mit allen Sinnen erlebt?‘ Das fragte herein in das ausverkaufte Kirchenschiff die schweizerische Schriftstellerin Elisabeth Binder. Ja-, Bach hatte sich auch mit dem Aufgehen der Sonne beschäftigt. In seinem düsteren, engen und vom Lärmen der Thomasschüler umtosten Komponierstübchen in der Thomasschule, muss in seine sieben Sinne die Sonne herein geleuchtet sein.

Seine Musik in der Kantate BWV 79 beweist es. Und so haben auch wir, die andächtigen Bach-Hörer/innen, die Chance, in Bach’s Musik einen SONNENAUFGANG zu erleben.

Das zeichnet nämlich die Aufführungspraxis der Trogener J.S. Bach-Stiftung und seinen monatlichen Kantaten-Konzerten aus. Es werden ganz ungeahnte Querverbindungen entdeckt. Auch der zweite Referent des Konzertabends, der Sprachforscher Dr. Stefan Stirnemann wusste sprachliche, sogar grammatikalische Besonderheiten in der Sprache des Textdichters herauszuarbeiten.

Eindrücklich blieb mir vor allem das kleine Wörtchen ‚bloß ‚ im Bass-Rezitativ (Vgl. Text Nr. 4, letzte Zeile). Auf was bezieht sich dieses ‚bloß‘? Ich will dies Rätsel jetzt nicht weiter vertiefen. Schauen Sie/Ihr mal selber im Text nach und machen Sie sich Gedanken.

Mit seinem sprühenden und teilweise witzigen Elan führte Rudolf Lutz durch die musikalische Genese der Kantate, erspürte Motive und warf den Interpretations-Ball dann wieder dem Schweizer Pfarrer i.R. Karl Graf zu, der theologisch Einiges zu sagen hatte.

Die Solisten hatten mir alle gut gefallen.

                       Konzert BWV 79 in der Evangelisch Reformierten Kirche in Trogen (Schweiz)

Einen Wermutstropfen muss ich doch noch äußern dürfen.

Der Eingangschor (1) und die beiden so aufbauenden Choräle (3+6) der Reformationskantate waren zu meiner Enttäuschung nur solistisch besetzt. D.h., die Aufführung verzichtete auf den Chor und begnügte sich mit den 4 Solisten, die das nicht bringen können, was eben nur ein mit Sängern und Sängerinnen besetzter Chor kann. Nämlich diese Vielstimmigkeit, diese frischen, noch nicht ’solohaften‘ Stimmen, die eine zahlenmäßig große Schar von Gläubigen repräsentieren und jedem Sangeswilligem zurufen: ‚Du kannst auch singen! Mach mit!‘
Gerade in einer an Luther’s Reformation erinnernden Kantate, ist dies ein Manko. Denn Luther wollte doch, dass alle am ‚Werk des Glaubens‘ mitarbeiten. In seiner Gedenk-Kantate dann auch mitsingen.

Eine nur kleine Entschädigung war es dann, dass wir, die Zuhörer, den Choral Nr.3 singen durften.

Mitwirkende von Links: Miriam Feuersinger (Sopran) Markus Forster (Altus) Leitung: Rudolf Lutz.

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Unterm Strich waren aber Trogen und seine Aufführung von BWV 79 für mich ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde. Wie viele Musiker, Mitarbeiter/innen in Organisation, Technik, Werbung und Empfang und Bewirtung der Gäste, waren an diesem verschneiten Freitag-Abend von Sankt Gallen und Basel u.a. nach Trogen heraufgekommen, um nur für Bach und seine Musik da zu sein?

Mitwirkende von Links: Markus Forster (Altus) Leitung: Rudolf Lutz Daniel Johannsen (Tenor) Matthias Helm (Bass).

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Und als ich abends mit dem ‚Trogen-Bähnchen‘ von dem 1000 Meter hohen Trogen wieder nach Sankt Gallen herunter fuhr, ging gerade blutrot die Sonne hinter den Bergen in Richtung Bodensee unter. Eine Sonne, die von Schneeschauern den ganzen Tag verdeckt war. Eben-, es stimmt:

Bach’s Musik FÄNGT DIE STRAHLEN DER SONNE EIN.

Ihr und Euer

ADAMO

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P.S. Volker/Admin: am 30. April 2017 15:43 h

Ich gehe davon aus, dass Wolfgang gegen dieses Video vom BWV 79 mit dem Thomanerchor keine Einspruch erhebt.

Thomaner J.S.Bach Kantate BWV 79 „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ – Festgottesdienst in der Thomaskirche Leipzig am Reformationsfest – 800 Jahre Thomaner am 31. Oktober 2012

Ausführende:

Die Solisten sind
Jakob Wetzig – Alt
Paul Vogel – Sopran
Thomanerchor
Gewandhausorchester Leipzig

Leitung: Georg Christoph Biller

Aufnahme zum Reformationsfest am Mittwoch 31. Oktober 2012 in der Thomaskirche Leipzig.

Link zum Video: 

https://youtu.be/AHhzAx5ZkzA

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J.E. Gardiner veröffentlicht 2 CDs – BWV 244 J.S. Bach – Matthäus-Passion


J.E. Gardiner veröffentlicht 2 CDs – BWV 244 J.S. Bach – Matthäus-Passion

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

CD – Matthäus-Passion BWV 244

James Gilchrist, Stephan Loges, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

2 CDs – Bestellung!

In der Münsterkirche Herford – erklang eine bewegende Matthäus-Passion von J.S. Bach


In der Münsterkirche Herford – erklang eine bewegende Matthäus-Passion von J. S. Bach

Neue Westfälische – Anna Mönks

Gelungene Aufführung der Matthäus-Passion in der Münsterkirche!

Der Münsterchor und der Kinder- und Jugendchor laden unterStefan Kagl zum Höhepunkt der Passionszeit und hinterlassen ein sichtlich berührtes Publikum.

Münsterkantor Stefan Kagl lud zu Bachs Matthäuspassion in die Münsterkirche. Der große Chor – eigentlich drei Chöre – entwickelte einen beeindruckenden Klang. Links oben im Bild verbirgt sich der Kinderchor, der seine anspruchsvolle Partie souverän und klangschön darbot. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach gehört zu den bewegendsten Werken der Musikgeschichte. Münsterkantor Stefan Kagl hat sie am Sonntagnachmittag in der Münsterkirche zur Aufführung gebracht. Möglich war dies durch die Zusammenarbeit des Herforder Münsterchores und des Kinder- und Jugendchores mit der Lemgoer Kirche St. Marien und den dortigen Chören unter der Leitung des Kantors Volker Jänig. Ergänzt durch das Ensemble für alte Musik „arcipelago“ und fünf hervorragende Solisten war es ein beeindruckendes Aufgebot, das im Altarraum und auf der Seitenempore der Münsterkirche Platz genommen hatte.

Mit fluffigem Tempo ging Kagl das Werk um das Leiden Christi an. Das brachte das kunstvolle Ineinandergreifen der drei Chöre (Doppelchor plus Kinderchor) besonders zur Geltung, zumal Kagl bei allem Tempo stets dem Nachhall Raum gab. Dem üppigen und vollen Chorklang gegenüber stand der fragile, silbrige Klang der historischen Instrumente. Eine reizvolle, wenngleich nicht ganz unproblematische Kombination.

Es war großartig, mit wie viel Verve der Chor diese Musik anging. Die Herausforderung der schnellen, kurzen Einwürfe („Herr, bin ich?s?“ „Lass ihn kreuzigen!“) darf nicht unterschätzt werden. Es bedarf einer gehörigen Portion Chuzpe, mit voller Stimme einzusetzen und nicht den Nachbarn singen zu lassen um sich dann unauffällig dranzuhängen. Stefan Kagl bereitete diese Einwürfe sorgfältig vor und nahm seine Sänger auf diese Weise mit. Sie dankten es ihm mit großem Klang. Wenn eine solche Menge „Barrabam!“ in das Kirchenschiff gellt, dann ist das beeindruckend.

Ergreifend: Evangelist Florian Feth (links) und Bassist (Jesus) Jörn Dopfner nahmen die Zuhörer mit. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Abgerundet wurde die Aufführung durch die Gesangssolisten: Sopranistin Uta Singer, (mit klarer Stimme), Altistin Vera Alkemade (wundervoll zentriert und warm im Klang) und Bassist Dieter Goffing (starke und volle Stimme). Tenor Florian Feth, überzeugte als Evangelist mit klaren und volltönenden Höhen und gab einen wunderbaren Erzähler,Jörn Dopfer, sang mit wohlig rundem Bass den Jesus und vermochte es, seine Partie derart lebendig zu gestalten, dass die Zuhörer das Leid beklemmend unmittelbar mitempfanden. Angst, Zweifel und Enttäuschung wie im Garten Gethsemane wurden auf diese Weise greifbar.

Der Klang der historischen Instrumente des Orchesters war eine faszinierende Ergänzung.

Am Taktstock: Stefan Kagl führte die Akteure mit Umsicht durch das Werk. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Am Ende schenkte Stefan Kagl dem Publikum die Stille. Nach dem Tod Jesu schien die Zeit anzuhalten, und auch der letzte Chor rührte mit seiner ruhigen Klarheit und dem schmerzlichen Vorhalt im Innersten. Der Schlusston verklang, die Münsterglocken läuteten, das Publikum erhob sich schweigend und ließ die Passion nachhallen. Ein bewegender Moment.

Zum ganzen Artikel der Neuen Westfälischen Zeitung!


Eine weitere Rezension von der Matthäus-Passion in St. Marien, Lemgo!

St. Marien Lemgo Matthäus Passion.jpg

Großaufgebot mit mehr als 200 Mitwirkenden: Zwei Chöre, zwei Orchester und fünf Solisten brillieren unter Leitung von Volker Jänig. Uta Singer und Vera Alkemade harmonieren in schwebender Transzendenz (vorn von links). (© Thomas Krügler)

Lemgo. Zu lang, zu opulent, zu theatralisch!“ – diesen Eindruck hatte in Lemgo niemand. So lautete jedoch die Kritik am Karfreitag 1727 in der Thomaskirche zu Leipzig, als Bachs Matthäus-Passion erstmals aufgeführt wurde.

Nach 100 Jahren Dornröschenschlaf wurde sie von Mendelssohn erneut wachgeküsst. Fast 300 Jahre nach ihrer Entstehung zählt Bachs Klangdichtung heute zum Wunder abendländischer Musik und berührt die Seelen weltweit.

In 68 Sätzen wird der Leidensweg Christi vom Abendmahl bis zur Kreuzigung vertont. Tod und Schmerz verschmelzen in getragener Melancholie und paaren sich mit tänzerischer Freude. Geradezu swingend kamen die rund 200 Musiker bei der Aufführung in St. Marien Lemgo daher: „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen.“ Das vitale Dirigat von Kantor Volker Jänig motivierte den tänzerischen Gestus und erzielte große Transparenz…..

Link zum Artikel:

http://www.lz.de/lippe/kultur/21738556_Getragene-Melancholie-und-taenzerische-Freude-vereinen-sich.html

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Herzliche Bach-Grüße

Volker

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Raphaël Pichon & Ensemble Pygmalion gelingt eine überragende Aufführung der Matthäus Passion BWV 244 von J.S. Bach


Raphaël Pichon & Ensemble Pygmalion gelingt eine überragende Aufführung der „Matthäus Passion“ BWV 244 von J.S. Bach

Die Matthäus-PassionBWV 244, ist eine oratorische Passion von Johann Sebastian Bach. Der Bericht vom Leiden und Sterben Jesu Christi nach dem Evangelium nach Matthäus bildet das Rückgrat. Ergänzt wird er um eingestreute Passionschoräle und erbauliche Dichtungen von Picander in freien Chören und Arien. Die Matthäus-Passion und die Johannes-Passion sind die beiden einzigen vollständig erhaltenen authentischen Passionswerke von Bach. Mit über 150 Minuten Aufführungsdauer und einer Besetzung von Solisten, zwei Chören und zwei Orchestern ist die Matthäus-Passion Bachs umfangreichstes und am stärksten besetztes Werk und stellt einen Höhepunkt protestantischer Kirchenmusik dar. Die Uraufführung fand am 11. April 1727 in der Thomaskirche in Leipzig statt. Nach Bachs Tod geriet das Werk in Vergessenheit. Die Wiederaufführung in einer gekürzten Version unter Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1829 leitete die Bach-Renaissance ein.

Ensemble Pygmalion Foto © Piergab

                              Ensemble Pygmalion – Foto © Piergab

Dieses Konzert würdigt die Opfer der Brüsseler Terrorangriffe vom 22. März 2016. Raphaël Pichon leitet Bachs Matthäus Passion, eines der ikonischsten und monumentalen Werke des westlichen heiligen Repertoires an der Chapelle Royale du Château de Versailles. Diese Veranstaltung enthält Julian Prégardien, Stéphane Degout, Sabine Devieilhe und das Ensemble Pygmalion.

Raphael Pichon (30) stammt aus Paris. Foto: Jean Baptiste Millot

                           Raphael Pichon (30) stammt aus Paris. Foto: Jean Baptiste Millot

Bachs Heilige Matthäus-Passion ist ein monumentales musikalisches Werk: zwei Chöre, zwei Orchester, vier Solisten und ein Erzähler, der Matthäus den Evangelisten verkörpert. Aber jenseits der außerordentlichen Massen-Klangfülle ist es die dramatische Spannung der Erzählung der Passion, die die Zuschauer während dieses dreistündigen Oratoriums festhält.

Die Heilige Matthäus-Passion erforscht das ganze Spektrum der menschlichen Leidenschaften und scheint sie in einem archetypischen musikalischen Ausdruck zu sublimieren, wie die Arie „Erbarme dich“ zeigt. Wahrscheinlich die bekannteste Arie der ganzen Partitur, „Erbarme dich“ drückt bewundernswert die Reue und Trauer des Petrus, des Apostels aus, als er sich an das Wort Jesu erinnerte, das zu ihm gesagt hatte: „Bevor der Hahn kräht, wirst du mich drei verleugnen mal.‘ So ging er hinaus und weinte bitterlich „(Matthäus 26:75). Die melodischen Linien des Duetts, die sich aus der Violine und dem Solisten zusammensetzten, deutete Petrus plötzliche Vergebung und schließlich seine Hoffnung auf Erlösung.

J.S. Bach BWV 244 Matthäus Passion, Raphael Pichon, Recording from 26. März 2016 Chapelle royale du Château de Versailles.

J. S. Bach BWV 244 Matthäus Passion, Raphael Pichon, Recording from 26. März 2016 Chapelle royale du Château de Versailles.

Zwischen dem ersten Teil und dem zweiten Teil der Matthäuspassion klingt eine Vokalwerk von Jacobus Gallus (1550-1591) „Ecce quomodo moritur justus“

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Video: J. S. Bach – BWV 244 – Matthäus Passion

Ausführende:

Conductor Raphael Pichon & Ensemble Pygmalion.

Julian Prégardien (Evangéliste) 
Stéphane Degout (Jesus & bass I) 
Christian Immler (Pilate & bass II) 
Sabine Devieilhe (soprano I) 
Maïlys de Villoutreys (soprano II) 
Damien Guillon (alto I) 
Lucile Richardot (alto II) 
Samuel Boden (tenor I) 
Thomas Hobbs (tenor II) 
Virgile Ancely & Geoffroy Buffière (Pontifex I & II)

Recording from 26. März 2016 Chapelle royale du Château de Versailles (Versailles, Frankreich)


Es ist eine neue Aufnahme von dem jungen französischen Dirigenten, Raphaël Pichon, die mich sofort gefesselt und inspiriert hat. Sie strahlt „Frische und Eleganz“ aus. Es ist wunderbar, dass wieder ein junger Bach-Interpret die Bühne betritt und für Furore sorgt. Diese Leichtigkeit, Beschwingtheit der Chöre begeistert. Hier ist keine Steifheit zu bemerken wie sie bei manchen Interpreten oft vorkommt. Ein so selten befreiter Chor verdiente dafür allein schon die würdigende Höchstwertung. Das Orchester, bestückt mit „Historischen Instrumenten“, spielen in einer Eindringlichkeit und Beseeltheit, die fesselt und bewundernswert ist.

Hier erscheint ein neue Stern am Horizont der Bach-Interpreten. Ich prophezeie dem Jung-Interpreten Raphaël Pichon eine großartige Zukunft!


Herzliche Grüße

Volker

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ALL OF Bach veröffentlicht die Solo-Kantate für Alt – BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“


ALL OF Bach veröffentlicht die Solo-Kantate für Alt – BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“

„Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ (BWV 170) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, eine Solokantate für Alt.

Nehmen Sie jede CD von gesammelten Alt-Arien und – Sie finden die erste Arie von „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ darauf. Bei einer ersten Anhörung ist es ein ‚Classic FM‘ Stück, und es singt von angenehmer Ruhe. „Allerdings“, sagt Alt-Solist Alex Potter, „Bach ist mehr als das. Er zeigt, wie dieser himmlische Frieden mehr ein Ehrgeiz ist als eine Leistung. Sie hören es zum Beispiel in der Aufregung der Sechzehnteln, die zeigt, dass Adams Fluch noch wahr ist: die Sündhaftigkeit des Fleisches ist immer vorhanden. Es ist kein Zufall, dass diese Kantate wahrscheinlich um die Kommunion herumgeführt wurde; Der Teil des Gottesdienstes, der die Verbindung zwischen Christus und der Gemeinde erneuert „.

Christian Müller-Orgel von 1722 in der Waalse Kerk zu Amsterdam

          Christian Müller-Orgel von 1722 in der Waalse Kerk zu Amsterdam

Hauptrolle für die Orgel

In der zweiten Arie wird die Sängerin – (Countertenor) von einer Solo-Orgel begleitet, die eine Seltenheit in den Bach-Kantaten ist. Hier identifiziert sich der Sänger mit dem Verehrer und beklagt die vielen bösen Herzen in der Welt. Die Orgel unterstützt ihn mit kurzen Seufzern. „Es gibt zahlreiche Herausforderungen. Ich muss meine Koloraturen (lange, virtuose Linien auf einer Silbe) im Tempo mit dem Organisten halten und gleichzeitig den richtigen Ausdruck finden. Und ich muss es tun, ohne in sinnlose Virtuosität zu verfallen. „Rach und Hass“ sind Worte, die du nicht einfach nett singen kannst „.

Die abschließende Arie, ‚Mir ekelt mehr zu leben‘, sollte metaphorisch eher als buchstäblich interpretiert werden, laut Alex Potter. „Es geht nicht um einen direkten Wunsch zu sterben, sondern um den Wunsch, das Fleisch sterben zu lassen, um Gott näher zu kommen. Die eher falsche Orgelbegleitung könnte die Eitelkeit der Welt darstellen. Bedeutend wählte Bach hier für die rhythmische Struktur des Bourree – ein höfischer Tanz“.

Lage und Orgel

Diese Aufnahme wurde in der Wallonischen Kirche im Herzen von Amsterdam gemacht. Nicht nur die Kirche hat eine gute Akustik, sondern auch eine Wallfahrtsstätte für Organisten wegen ihrer Müller-Orgel aus dem Jahre 1739.

Organist Leo van Doeselaar: „Dies ist eines der schönsten kleinen Barock-Orgeln in den Niederlanden. Gustav Leonhardt war der Organist an der Wallonischen Kirche von 1959 bis 1982. Er hatte die Orgel in den ursprünglichen Zustand schon in den 60er Jahren wiederhergestellt. Es ist eine echte Pionier-Orgel „. Für diese Aufführung verwenden wir eigentlich diese „große“ Orgel. Eine Kastenorgel ist ein Anachronismus, der in Bachs Tag nie benutzt wurde.

„In Bachs Kirchenmusik spielte die große Kirchenorgel immer die Continuo-Parts. Grundsätzlich hatte es die gleiche weiche Anmeldung wie eine Kastenorgel, aber die viel breiteren skalierten Pfeifen der Kirchenorgel bilden einen bedeutungsvolleren Bestandteil des Timbre eines barocken Ensembles. Für Choräle und Chöre der Barockzeit wurden stärkere Register benutzt und die Bassline auf dem Pedal gespielt, mit einem 16-Fuß-Kontrabassregister. Die Tatsache, dass es noch nie so gemacht wurde, ist eigentlich eine der unbeabsichtigten Verfälschungen des historischen Klangansatzes „, sagt Organist Leo van Doeselaar.

Die Kantate gliedert sich in fünf Teile:

  • Arie: Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust
  • Recitativo: Die Welt, das Sündenhaus
  • Arie: Wie jammern mich doch die verkehrten Herzen
  • Recitativo: Wer sollte sich demnach wohl hier zu leben wünschen
  • Arie: Mir ekelt mehr zu leben

all-of-bach-bwv-170Zum Anhören in das Foto oder in diesen Text klicken !

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Weitere Angaben von All of Bach:

BWV 170

Titel: „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“

Genre: Kantate (Solo Kantate)

Jahr 1726

Stadt Leipzig

Texter: Georg Christian Lehms, 1711

Anlass: sechster Sonntag nach Trinitatis

Erstaufführung 28. Juli 1726

Ausführende:

Release date 3 March 2017
Recording date 22 October 2016
Location Waalse Kerk, Amsterdam
Conductor Jos van Veldhoven
alto Alex Potter
organ Leo van Doeselaar
violin 1 Shunske Sato, Pieter Affourtit, Anneke van Haaften, Hanneke Wierenga
violin 2 Sayuri Yamagata, Paulien Kostense, Annelies van der Vegt
viola Staas Swierstra, Jan Willem Vis
cello Lucia Swarts, Richte van der Meer
double bass Robert Franenberg
Oboe Martin Stadler
harpsichord Siebe Henstra

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„Ich wünsche viel Freude“ – mit der Solo-Kantate!

Grüße sommerk

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ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach die Kantate: BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“ zu Epiphanias.


ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach die Kantate:

BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“ zu Epiphanias.


„Sie werden aus Saba alle kommen“ (BWV 65) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach.

J. S. Bach schrieb die Kantate, um am Epiphaniasfest (Erscheinung des Herrn) seine erste Weihnachtszeit in Leipzig festlich abzuschließen. Die vorgeschriebenen Lesungen waren Jes. 60,1-6 LUT und Mt 2,1-12 LUT, die Weisen aus dem Morgenland, die dem neugeborenen Jesus als Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen. Der unbekannte Textdichter ist möglicherweise derselbe wie für die unmittelbar zuvor aufgeführten Weihnachtskantaten „Darzu ist erschienen der Sohn Gottes“ und „Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget.“

Er beginnt mit dem letzten Vers der Lesung, Jesajas Prophetie. Deren Erfüllung beschreibt, als zweiter Satz, die vierte Strophe des Chorals Ein Kind geborn zu Bethlehem (nach Puer natus in Bethlehem, 1543): Die Kön’ge aus Saba kamen dar. Das erste Rezitativ folgert, dass es Aufgabe jedes Christen ist, ebenfalls ein Geschenk zu bringen, nämlich sein eigenes Herz. Das wird Thema der folgenden Arie. Das zweite Rezitativ vergleicht den Glauben mit Gold, das Gebet mit Weihrauch und die Geduld mit Myrrhe, auch dies wird Thema der folgenden Arie. Der Schlusschoral ist die 10. Strophe von Paul Gerhardts Choral „Ich hab in Gottes Herz und Sinn“ den Bach später in der gleichnamigen Choralkantate BWV 92 bearbeitete.

Bach überschrieb die Kantate wie folgt:

J. J. Festo Epiphan: Concerto. à 2 Core du Chasse. 2 Hautb: da Caccia. | due Fiauti 2 Violini è Viola con 4 Voci

Sie ist festlich besetzt. Die beiden männlichen Solostimmen, Tenor und Bass, und der vierstimmige Chor werden begleitet von zwei Hörnern, zwei Blockflöten, zwei Oboe da caccia, zwei Violinen, Viola und Basso continuo. Bach setzte ein Paar von Hörnern 1724 in seiner Weihnachtskantate „Gelobet seist du, Jesu Christ“, BWV 91, und in Teil IV, „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“ seines Weihnachtsoratoriums ein.

Coro: „Sie werden aus Saba alle kommen“
Choral: „Die Kön’ge aus Saba kamen dar“
Recitativo (Bass): Was dort Jesaias vorhergesehn
Aria (Bass, Obois da caccia): Gold aus Ophir ist zu schlecht
Recitativo (Tenor): Verschmähe nicht, du, meiner Seele Licht
Aria (Tenor, alle Instrumente): Nimm mich dir zu eigen hin
Choral: „Ei nun, mein Gott, so fall ich dir“

Der Eingangschor schildert, wie „alle“, nicht nur die drei Weisen, sich sammeln und in Bewegung setzen, um anzubeten. Horn-Signale rufen und bleiben während des Satzes präsent. Kanonische und imitatorische Entwicklungen zeichnen das Anwachsen der Menge. Den Mittelteil bildet eine ausgedehnte Chorfuge, gerahmt von zwei Abschnitten, in denen die Singstimmen in eine Wiederholung der instrumentalen Einleitung eingebettet sind. John Eliot Gardiner bemerkte im Zusammenhang seiner Bach Cantata Pilgrimage, dass die Instrumentierung die Musik des Vorderen Orients nachahmt: Blockflöten in den hohen Lagen, die oft mit der Musik des Nahen Ostens verbunden wird, Oboen da caccia (in Tenorlage) für die Schalmei-artigen Rohrblattinstrumente (Salamiya und Zurna) („the high pitches often associated with oriental music and the oboes da caccia (in tenor register) to evoke the shawm-like double-reed instruments …“).

Der alte Choral, der über das Kommen der Könige aus Saba berichtet, ist vierstimmig gesetzt. Beide Rezitative sind secco, und die Arien haben kein da capo. Das erste Rezitativ endet als Arioso auf die Worte: „weil ich nichts Edlers bringen kann“. Diese Bescheidenheit kommt in der folgenden Arie durch die tiefe Lage der Oboen da caccia und die Bass-Stimme zum Ausdruck. Das Tenor-Rezitativ endet mit den Worten: „des größten Reichtums Überfluß mir dermaleinst im Himmel werden“. Um diesen Überfluss zu zeigen, wird die folgende Arie von sämtlichen Instrumenten begleitet, die sowohl konzertant als auch gemeinsam auftreten. Der Schlusschoral wird auf die Melodie von „Was mein Gott will, das g’scheh allzeit“ gesungen, die Bach später häufig einsetzte, so in seiner gleichnamigen Choralkantate und als Satz 25 seiner Matthäus-Passion.

Ausführende: Bach-Projekt „ALL OF BACH“

RECORDING DATE
23 January 2016

RELEASE DATE
6 January 2017

LOCATION
Grote Kerk, Harlingen

CONDUCTOR:
Hans-Christoph Rademann

TENOR
Daniel Johannsen

BASS
Matthew Brook

RIPIENO SOPRANO
Lauren Armishaw, Lucie Chartin, Zsuzsi Toth
RIPIENO ALTO
Elsbeth Gerritsen, Bart Uvyn, Barnabas Hegyi
RIPIENO TENOR
Immo Schröder, Kevin Skelton
RIPIENO BASS
Sebastian Myrus, Drew Santini
VIOLIN 1
Sayuri Yamagata, Anneke van Haaften, Annelies van der Vegt
VIOLIN 2
Pieter Affourtit, Hanneke Wierenga, Lidewij van der Voort
VIOLA
Staas Swierstra, Jan Willem Vis
CELLO
Lucia Swarts, Richte van der Meer
DOUBLE BASS
Robert Franenberg
OBOE DA CACCIA
Martin Stadler, Peter Frankenberg
RECORDER
Benny Aghassi, Lara Morris
HORN
Erwin Wieringa, Gijs Laceulle
BASSOON
Bennie Aghassie
ORGAN
Bart Naessens
HARPSICHORD
Siebe Henstra


Video:  J.S. Bach die Kantate: BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“ zu Epiphanias.

all-of-bach-bwv-65

Zum Anhören in das Foto oder in diesen Text klicken !


Ich wünsche viel Freude mit dieser wunderbaren Kantate zu Epiphanias !

Grüße sommerk

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ALL OF BACH veröffentlichte am 01.01.2017 von J.S. Bach die Motette BWV 225 „Singet dem Herrn ein neues Lied“


Eine angenehme Überraschung von All of Bach zu Neujahr !

ALL OF BACH veröffentlichte am 01.01.2017 von J.S. Bach  die

Motette BWV 225 „Singet dem Herrn ein neues Lied“

„Singet dem Herrn ein neues Lied“, ist BWV 225 eine Motette von Johann Sebastian Bach. Es wurde zuerst in Leipzig um (vermutlich) 1727 uraufgeführt. Der Text der Dreiteiligen Motette ist nach Psalm 149: 1-3 für seinen ersten Satz die dritte Strophe von „Nun lob, mein Seel, den Herren“ (1530 Hymne nach Psalm 103 von Johann Gramann) für den zweiten Satz und nach Psalm 150: 2 und 6 für seinen dritten Satz.

Die Motette wird als Doppelchor bezeichnet (also acht Stimmen, aufgeteilt in zwei vierstimmige Chöre). Sie kann für Bachkurse an der Thomasschule komponiert worden sein. Der biblische Text der Motette wäre für diesen Zweck geeignet gewesen. Die letzte vierteilige Fuge trägt den Titel „Alles was Odem hat“.

Robert Marshall schreibt, dass es „sicher“ sei, dass diese Motette von Wolfgang Amadeus Mozart gehört wurde, als er 1789 die Leipziger Thomasschule besuchte. Johann Friedrich Rochlitz, der an der Thomasschule war und 1789 in Leipzig studierte, berichtete zehn Jahre später dass Johann Friedrich Doles (Student von Bach, der bis 1789 Kandidat der Thomasschule und Direktor des Thomanerchors war) „überraschte Mozart mit einer Aufführung der Doppelchor-Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ von Sebastian Bach … er achtete sehr darauf, dass die Schule eine vollständige Sammlung seiner Motetten besaß und sie als eine Art heilige Reliquie bewahrte: „Das ist der Geist, das ist gut!“ Mozart schrie: „Lass sie uns sehen!“ Rochlitz berichtet, daß Mozart ein Exemplar verlangt und „sehr geschätzt habe …“

Der chamäleonische Charakter dieser Motette macht es schwierig, zu entscheiden, was seine Gelegenheit gewesen sein könnte. Keine der beiden oft vorgebrachten Möglichkeiten scheint eine perfekte Lösung zu sein. Es ist wahrscheinlich ein wenig zu fröhlich für eine Gedenkfeier für die Königin von Polen, aber ein wenig zu feierlich für die Geburtstagsmusik für König August, der sich gerade von einer schweren Krankheit erholt hatte.

Die Motette wurde in die erste Auflage der Bachmotetten aufgenommen, die von Breitkopf & Härtel in zwei Bänden 1802/803 gedruckt wurde. Der Herausgeber beider Bände ist vermutlich Johann Gottfried Schicht, Thomaskantor von 1810.

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RECORDING DATE  14 May 2016
RELEASE DATE  1 January 2017
LOCATION  Grote Kerk, Naarden
CONDUCTOR  Stephan MacLeod
SOPRANO Orlanda Velez Isidro, Klaartje van Veldhoven, Griet de Geyter, Aleksandra Lewandowska, Marjon Strijk, Hilde van Ruymbeke, Stephanie Pfeffer, Marta Paklar
ALTO Barabás Hegyi, Gemma Jansen, Elena Pozhidaeva, Bernadett Nagy, Marine Fribourg, Victoria Cassano McDonald
TENOR Adriaan de Koster, Wolfgang Frisch, Guy Cutting, Diederik Rooker, Immo Schröder, Ronald Threels
BASS Matthew Baker, Sebastian Myrus, Pierre-Guy Le Gall White, Martijn de Graaf Bierbrauwer, Michiel Meijer, Jelle Draijer

Video:  J.S. Bach – Motette BWV 225 „Singet dem Herrn ein neues Lied“

all-of-bach-bwv-225

Zum Anhören in das Foto oder in diesen Text klicken


Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr !

sommerk


ALL OF BACH veröffentlichte das BWV 191 „GLORIA IN EXCELSIS DEO“


Liebe Bachfreunde!

ALL OF BACH hat heute, am Freitag, 09. Dezember 2016, eine wunderschöne Kantate zu Weihnachten veröffentlicht. BWV 191 „Gloria in Excelsis Deo.

BWV 191 "Gloria in Excelsis Deo.

BWV 191 „Gloria in Excelsis Deo.

                  Link zum Video:    http://allofbach.com/en/bwv/bwv-191/

J. S. Bach Kantate BWV 191 „GLORIA IN EXCELSIS DEO“

Gloria in excelsis Deo („Ehre sei Gott in der Höhe“) (BWV 191) ist eine Festmusik von Johann Sebastian Bach. Er komponierte die Weihnachtskantate 1742 in Leipzig. Er bearbeitete dabei Musik, die er 1733 in einem Gloria für den Dresdner Hof komponiert hatte und die er später als Gloria seiner h-Moll-Messe verwendete.

Bach komponierte die Musik zur Umrahmung einer akademischen Rede bei einer Universitätsfeier, die am 1. Weihnachtsfeiertag 1742 in der Paulinerkirche stattfand. Er bearbeitete dabei Musik, die er 1733 in Kyrie und Gloria für den Dresdner Hof komponiert hatte und die er später seiner h-Moll-Messe eingliederte. Sie ist einzigartig unter seinen Kantaten, weil sie aus vorgenanntem Zusammenhang in lateinischer Sprache abgefasst und für fünfstimmigen Chor gesetzt ist. Zudem ist sie mit einer Aufführungsdauer von nur etwa 15 Minuten wesentlich kürzer als vergleichbare Werke. Die Kantate bezieht sich auf den in der Festrede behandelten Bibelabschnitt aus der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas (Lk 2,14 

Die Kantate ist festlich besetzt mit zwei Vokalsolisten (Sopran und Tenor), fünfstimmigem Chor mit zwei Sopranstimmen, drei Trompeten, Pauken, zwei flauto traverso, zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo. Das autographe Titelblatt trägt die Aufschrift „J.J. Festo Nativit: Xsti. Gloria in excelsis Deo. à 5 Voci. 3 Trombe Tymp. 2 Trav 2 Hautb. 2 Violini Viola e Cont. Di J.S.B.“.

1. Coro: Gloria in excelsis Deo

post orationem (nach der Predigt)
2. Duetto (soprano, tenor): Gloria Patri et Filio et Spiritui sancto
3. Coro: Sicut erat in principio
Der erste Satz (Gloria) stimmt fast vollständig mit dem entsprechenden Satz der Messkomposition überein, während der zweite und dritte Satz eng an ihr Vorbild angelehnt sind. Die Doxologie beginnt mit dem Duett Gloria Patri et Filio et Spiritui sancto, das Bach aus dem Domine Deus der Messe entwickelte, der Schlusschor Sicut erat in principio beruht auf Cum sancto spiritu. Einzelne Stimmen, zum Beispiel der fugierte Teil Sicut erat in principio, sind in der Kantate von Instrumenten verstärkt. Bach übernahm diese Änderungen jedoch nicht in die gültige Abschrift der h-Moll-Messe, und überließ es damit der Spekulation, ob er sie als Verbesserungen ansah.

EXTREM FLEXIBEL
Bach scheute nicht, seine eigenen Notizen wiederzuverwenden und tat es auf eine Vielzahl von Wegen.

Leipzig hatte Glück. Diese festliche Gloria war tatsächlich Teil einer kurzen Messe, die Bach dem Kurfürsten von Dresden als Geschenk präsentierte. So war die Musik nicht für Leipzig gedacht und sollte dort nicht aufgeführt werden. Schade, und vielleicht dachte Bach das auch. Wir wissen nicht genau, warum und wann er die Gloria aus der Masse als Kantate umschrieb. Es ist bemerkenswert, daß Bach auch für sein Leipziger Arrangement einen lateinischen Text gebrauchte, da die lateinische Kirchenmusik auch am Weihnachtstag nicht in Leipzig üblich war. Aber offenbar fand sich ein Anlass, und Leipzig konnte so Weihnachtsmusik im königlichen Stil genießen. Das Stück ist für fünf Teile geschrieben, wie es in Dresden üblich war. Die Instrumentierung ist auch real – eine Vielzahl von Farben wurden dem Orchester hinzugefügt: Oboe, Flöten und Fagott, sowie Trompeten und Pauken.

Es ist interessant zu sehen, wie kreativ Bach sich mit seiner eigenen Komposition beschäftigt. Die Worte und die Musik des ersten Satzes sind fast genau die gleichen wie die der Masse. So passt es wie ein Handschuh. Der Gesang der tanzenden Engel ist himmlisch, und im „Et in terra pax“ kommen wir friedlich zur Erde.

Im Duo für Tenor und Sopran, obwohl er seine eigenen Notizen kopierte, stellte Bach ihnen neue Worte. Anstatt die „Domine Deus“, die in der Gloria einer Masse folgt, hören wir „Gloria Patri“ – der Beginn der Doxologie; Eine Formel, mit der Psalmen abgerundet werden. Er schob den zweiten Teil des Duetts aus.

Bach hatte viel strengere Arbeit im dritten Satz und ersetzte den ursprünglichen ‚Cum Sancto Spiritu in Gloria Dei Patris, amen‘ mit ‚Sicut erat in principio et nunc et semper et in secula seculorum, amen‘. Da dies zu viele Silben hatte, fügte Bach zusätzliche sechs Balken Musik hinzu. Er gab auch den Flöten ein viel unabhängigeres Teil, sowie andere Änderungen an der Instrumentierung.

Unbewusst gab Bach so eine Art Demonstration, wie flexibel er mit seinen eigenen Partituren umgehen konnte. Er scheute nicht, seine eigenen Notizen wiederzuverwenden. Manchmal hätte ihm dies – wie im ersten Satz hier – Zeit gelassen, aber der dritte Satz hätte ihn vielleicht mehr Energie beim Umschreiben der vorhandenen Musik auf die neuen Worte gekostet.


Ausführende: 

RELEASE DATE 9 December 2016
RECORDING DATE 17 December 2015
LOCATION Grote Kerk, Naarden
CONDUCTOR Jos van Veldhoven
SOPRANO I Maria Keohane
SOPRANO II Michaela Riener
ALTO Alex Potter
TENOR Charles Daniels
BASS Matthias Winckhler
RIPIENO SOPRANO I Lucie Chartin, Marijke van der Harst
RIPIENO SOPRANO II Marie Heeschen
RIPIENO ALTO Elsbeth Gerritsen
RIPIENO TENOR Yves van Handenhove, Immo Schröder
RIPIENO BAS Michiel Meijer, Jelle Draijer
VIOLIN 1 Shunske Sato, Annelies van der Vegt, Anneke van Haaften, Lidewij van der Voort
VIOLIN 2 Sayuri Yamagata, Anneke van Haaften, Paulien Kostense
VIOLA Staas Swierstra, Jan Willem Vis
CELLO Lucia Swarts, Richte van der Meer
VIOLONE Robert Franenberg
TRAVERSO 1 Frank Theuns
TRAVERSO 2 Doretthe Janssens
OBOE 1 Martin Stadler
OBOE 2 Peter Frankenberg
TRUMPET 1 Robert Vanryne
TRUMPET 2 Stephen Keavy
TRUMPET 3 Mark Geelen
TIMPANI Luuk Nagtegaal
HARPSICHORD Siebe Henstra
ORGAN Pieter-Jan Belder

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Ich wünsche allen Bachfreunden viel Freude mit diesem Video und einen schönen 3. Advent.

Grüße sommerk

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ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 1007 – Cello Suite Nr. I G-Dur


Eine Neuveröffentlichung von ALL OF BACH

J.S. Bach – Cello suite No. 1 in G-Dur – BWV 1007

performed by Lucia Swarts Rijksmuseum, Amsterdam


Info:   BWV 1007 Cello suite No. 1 in G-Dur – BWV 1007

Die sechs Suiten für Violoncello solo (BWV 1007–1012) von Johann Sebastian Bach gehören heute zu den meistgespielten Kompositionen für ein solistisches Streichinstrument. Die Handschrift vereinigt sechs Suiten, also Folgen von Einzelsätzen, die – oft stark stilisiert – auf die modischen Hoftänze der Entstehungszeit und der vorhergehenden Generation anspielen.

An den Spieler stellen die sechs Werke hohe Anforderungen: „Bachs Kompositionen für Solo-Violine und -Cello stehen für höchste Virtuosität, und dies, gerade auch im Blick auf ihre Einzigartigkeit, mehr noch als seine Clavierwerke, die ähnliche technische Anforderungen stellen“ schreibt Christoph Wolff; besonders hebt er hervor, dass die Streicher-Solowerke trotz ihrer instrumentenbedingten Einschränkungen in der kompositorischen Beherrschung des Materials hinter Clavierwerken der gleichen Zeit nicht zurückstehen. Cellisten neigen zu noch höherer Einschätzung der sechs Suiten; so Pau Casals: „Sie sind die Quintessenz von Bachs Schaffen, und Bach selbst ist die Quintessenz aller Musik.“

Oft nimmt man an, Bach habe die Cellosuiten für einen Musiker des Köthener Hofs geschrieben, viel häufiger noch glaubt man, er habe an niemanden Bestimmten gedacht: Nachdem er die sechs Solowerke für Violine geschrieben habe, sei es halt konsequent gewesen, nun in ähnlicher Form die Cellisten zu bedenken.

Das sind alles in allem sehr moderne Vorstellungen von einem Komponisten; für einen Musiker des Barock war es selbstverständlich, Kompositionen zunächst einmal für sich selbst zu schreiben und diese auch selbst vorzutragen. Bach kam aus einer alten Musikerfamilie, er war in Weimar als Konzertmeister angestellt, und sein Sohn Carl Philipp Emanuel schreibt 1774 in einem Brief an Johann Nikolaus Forkel, dass Bach das Orchester üblicherweise von der Violine aus leitete[21] und am liebsten Viola spielte. In einer ganzen Reihe von Leipziger Kantaten kommt als Partiturbezeichnung das „Violoncello piccolo“ vor; dieses Instrument tritt aber immer nur in Einzelsätzen auf; seine Stimme ist zumindest bis April 1725 entweder mit der ersten Violine notiert oder auf einem Extrablatt und in diese eingelegt. Es kann also tatsächlich wenig Zweifel geben, dass der Konzertmeister es sich nicht nehmen ließ, diese Sätze zu spielen – und das wird niemand anderer als Bach selbst gewesen sein.

Viola da spalla

Nun haben Violine und Violoncello bekanntlich ein sehr unterschiedliches Fingersatzsystem, so dass heute wie damals Spieler beider Instrumentengruppen sehr rar sind. Doch zeigt eine genaue Untersuchung der Instrumente, die zu Bachs Lebzeiten als „Violoncello“ bezeichnet wurden, dass diese in Größe und Spielweise sehr voneinander abwichen; eine große Rolle haben wohl am Arm gespielte Instrumente gespielt. Johann Gottfried Walther, Bachs Amtsvorgänger in Weimar, erwähnt in seinem Lexikon ausschließlich die Armhaltung; das Gleiche gilt für Johann Mattheson in Das neu-eröffnete Orchestre (Hamburg 1713). Selbst noch für den 1719 geborenen Leopold Mozart ist die Beinhaltung offenbar eine moderne Entwicklung. Es wäre nicht erstaunlich, wenn am Weimarer Hof als „Violoncelli“ vor allem am Arm gehaltene und mit Violinfingersatz gespielte Instrumente bezeichnet worden wären, die man heute eher als Viola da spalla ansprechen würde. Auch das Dritte und Sechste Brandenburgische Konzert könnten für diesen Instrumententyp konzipiert sein. Übrigens bezeichnet Kellners Abschrift der sechs Suiten, die sicher unabhängig von der Anna Magdalenas auf das Autograph zurückgeht, das Instrument als „Viola de Basso“.

Dass Bach alle sechs Suiten zunächst für den eigenen Gebrauch schrieb, und zwar für ein am Arm gehaltenes Instrument, kann damit noch nicht als eindeutig bewiesen gelten, doch spricht aus instrumentenkundlicher und biographischer Sicht sehr vieles dafür. Angesichts der Tatsache, dass Bach nicht nur mit der Violin-, sondern auch in den Violoncello-Solowerken offensichtlich „mit den instrumententypischen Musiksprachen bis ins Detail vertraut war und die jeweilige Spieltechnik perfekt beherrschte“, liegt diese Annahme nahe. Aber auch, wenn Bach tatsächlich für einen Kollegen schrieb – in Weimar könnte dies beispielsweise der virtuose Geiger und Cellist Gregor Christoph Eylenstein (1682-1749) gewesen sein – dürfte ein am Arm gespieltes Instrument aus heutiger wissenschaftlicher Sicht wahrscheinlich sein.

Suite Nr. I G-Dur, BWV 1007

  • Prélude c G-Dur
  • Allemande c G-Dur
  • Courante 3/4 G-Dur
  • Sarabande 3/4 G-Dur
  • Menuett I G-Dur – II g-Moll – I
  • Gigue 6/8 G-Dur

Prélude

Der Anfangssatz ist vielleicht eines der bekanntesten Stücke des Zyklus. Es ist eine harmonische Studie in gleichmäßigem Rhythmus und beginnt mit Arpeggien im Bewegungsmuster etwa des kleinen Präludiums c-Moll BWV 999 oder des bekannten Präludiums C-Dur BWV 846 aus dem ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers. Im Gegensatz zu diesen wird das Grundmuster allerdings immer wieder verlassen zugunsten von Abwandlungen und kontrastierenden Einschüben; tritt es wieder auf, wirkt es – obwohl nie wörtlich zitiert – ritornellartig.

Harmonisch bleibt der Satz – trotz reicher Verwendung von Septakkorden – immer nah an der Ausgangstonart und den Akkorden der leeren Saiten; eine echte Modulation, also ein wie auch immer dramatisiertes Erreichen der Zieltonart, findet eigentlich gar nicht statt. In seinem letzten Viertel konzentriert sich der Satz zunehmend auf spieltechnische Finessen – ein langer bariolageartiger Abschnitt mit einer chromatischen Tonleiter weit über eine Oktave bildet den einzigartigen Höhepunkt. Die kaum unterbrochene Sechzehntelbewegung sorgt dabei für eine starke Einheitlichkeit, die auch heterogenes Material zusammenhält.

Tanzsätze

Allemande: Allemanden wurden zu Bachs Zeiten schon lange nicht mehr getanzt und stellen bei ihm immer eine stark stilisierte, zweiteilige Form dar.[32] Erkennbar sind sie eigentlich nur am kurzen Auftakt (meist einem Sechzehntel) und anschließend tendenziell durchgängiger, selten unterbrochener Sechzehntelbewegung im eher ruhigen Tempo. Die Allemande der G-Dur-Suite ist dafür ein gutes Beispiel – unter allen Läufen und aller Ornamentierung entwickeln sich immer wieder kleine melodische Gestalten, die oft auch einen oder zwei Takte später noch einmal aufgegriffen werden, dann aber nicht mehr vorkommen und so nicht zu einem thematischen, also formbildenden, Element gerinnen können. Trotz aller Unregelmäßigkeiten deutet Bach den unterschwelligen Tanzcharakter an durch eine strenge Form aus zweimal sechzehn Takten.

Courante: Auch dieser Tanz wurde zur Bachzeit nicht mehr getanzt,[33] doch betont Bach den Tanzcharakter durch eine deutlich ausgearbeitete Periodik: Einer klar motivisch geprägten Viertaktgruppe folgt eine kontrastierende zweite, deren schnelle Bewegungen durchweg ornamental aufzufassen sind;[34] abgesehen von zwei eingeschobenen Takten ist der Satz deutlich aus abgegrenzten Achttaktgruppen aufgebaut und hat so die – beim Hören nachvollziehbare – Proportion von 10:24 Takten. Ein Charakteristikum von Couranten, eine Hemiole im vorletzten Takt, deutet Bach allerdings nur sehr subtil an.

Sarabande: Auch die Sarabande zeigt eine klar hervorgehobene Periodik aus Viertaktgruppen; die für den Tanz charakteristische Betonung auf der zweiten Zählzeit erreicht Bach oft sehr deutlich durch volle Akkorde. Von Ferne erinnert das Thema an den Mittelsatz des Zweiten Brandenburgischen Konzerts.

Menuette: Für Menuette kann der klare Aufbau aus Achttaktgruppen als charakteristisch gelten; beide Sätze der ersten Suite bestehen aus acht plus sechzehn Takten. Das erste baut klar aus Viertaktgruppen auf, das zweite wirkt kleingliedriger durch Betonung von Zweitaktgruppen; diesem Effekt steuert Bach zu Beginn der zweiten Hälfte durch eine lange Quintfallsequenz entgegen. Beide Menuette erreichen in der Mitte der zweiten Hälfte die jeweilige Paralleltonart.

Gigue: Der schnelle Schlusssatz folgt dem italienischen „Giga“-Typ aus einfachen Achteltriolen. Harmoniewechsel finden zweimal pro Takt statt, was auf ein nicht allzu hohes Tempo hindeutet. Die drei Viertaktgruppen des ersten Teils sind deutlich erkennbar; im letzten Drittel des zweiten Teils beginnt Bach dann, diese ineinanderzuschieben und vorübergehend die Mollvarianten von Tonika und Subdominante einzusetzen, um so kurz vor Schluss des Werks Proportionen und Grundtonart noch einmal auf spannende Weise zu verunklaren.

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Video:  J.S. Bach – Cello suite No. 1 in G-Dur – BWV 1007

all-of-bach-bwv-1007

Hinweis zum Video:  oben in das Foto oder in diesen Text klicken..!!


Herzlichen Gruß sommerk

Radio-Sendungen mit Klassischer Musik vom 04.03.2015. bis 06.03.2015


Hallo zusammen,

sprechen kann ich immer noch nicht, aber wenigstens wieder kurz am Computer sitzen. Deshalb kommen auch wieder ein paar wenige Radiotipps.

Eine schöne Woche

Barbara

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Radio-Sendungen Klassische Musik

     Radio-Sendungen Klassische Musik

Mitwoch, 4.3.2015

rbb kulturradio

20.04 – 21.00

ALTE MUSIK SPEZIAL

William Byrd
Katholische Kirchenmusik im Geheimen

William Byrd war einer der bedeutendsten englischen Komponisten des elisabethanischen Zeitalters. Als bekennender Katholik allerdings sah er sich im streng anglikanischen Umfeld dazu gezwungen, seine Kirchenmusik im Geheimen aufzuführen. Diese Undercover-Messen und -Motetten weisen eine ganz eigene Faszination auf.

Donnerstag5.3.2015

Ö1 kulturradio 

19.30 – 21.00 Uhr

Stimmen hören

mit Chris Tina Tengel.

„Wie die Alten sungen“ – Johann Sebastian Bach unter der Leitung von Karl Ristenpart, Karl Münchinger und Karl Richter

„Karl Richter und Johann Sebastian Bach“ – das ist eine „Marke“ bis heute. Der Organist, Chorleiter, Dirigent, mit Stützpunkt München – Instrumentalspiel: noch nicht auf „Originalinstrumenten“, Gesang: noch nicht vibratolos, ein Musizieren aus großer Tradition und vollem Herzen.

Nicht, dass sich die Moden plötzlich ändern würden und Harnoncourt, Leonhardt, Gardiner oder Herreweghe nicht mehr zählten: Aber aus dem Archiv des Senders RIAS Berlin wurde soeben ein Karl Richters Aufnahmen noch vorangegangener Bach-Kantaten-Zyklus unter der Leitung von Karl Ristenpart entrissen – mit zeittypisch-prominenter Sängerbesetzung: Agnes Giebel, Dietrich Fischer-Dieskau, Helmut Krebs … und in erster Abkehr vom romantisch verdickten „symphonischen“ Bach-Klang.

Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstags wäre außerdem an den (auch mit den Wiener Philharmonikern dokumentierten) Gründer und Leiter des Stuttgarter Kammerorchesters, Karl Münchinger, zu erinnern. Karl Münchingers Einspielungen etwa der Bach-Passionen (mit Wunderlich und Prey, Ameling und Pears) hatten rund um 1960 Vorbildwirkung: mit reduziertem Instrumental-Korpus, Knabenstimmen im Chor, historisch korrekter Verteilung der Mitwirkenden im Raum.

Freitag, 6.3.2015

rbb kulturradio

18.04 – 18.50 Uhr

ALTE MUSIK

„Freitagsoratorium“ (3/6)
Heinrich Schütz

Bernhard Schrammek

Drei Passionen sowie eine Vertonung der „Sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ hat Heinrich Schütz hinterlassen. Diese Werke geben einen Einblick in die tiefe Religiosität des Dresdner Hofkapellmeisters und sind Musterbeispiele für die zeitgemäße Musikalisierung biblischer Texte.

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International und National – Artikel über den britischen Dirigenten John Eliot Gardiner, er feiert am 20. April 2013 seinen 70. Geburtstag


Liebe Gardiner-Freunde(innen) !

Englischer Dirigent Sir John Eliot Gardiner - Fotorechte:. Chris Christodoulou

                        Englischer Dirigent Sir John Eliot Gardiner – (Fotorechte:. Chris Christodoulou)

In allen Gazetten – ob National oder International – wird der großartige englische Dirigent

Sir John Eliot Gardiner

vorab gewürdigt. Radio-Sendungen und Video-Clips zeugen davon.

Am 20. April 2013 begeht er seinen 70. Geburtstag.

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Presseartikel aus Deutschland

Die WAZ schreibt:

Es war typisch für John Eliot Gardiner, seinen 70. Geburtstag offiziell mit einem „Bach-Marathon“ zu feiern. Das Publikum konnte während des neunstündigen Konzerts in der Royal Albert Hall in London die Osterkantate „Christ lag in Todesbanden“ mitsingen. „Bach war immer Teil meines Lebens“, sagte Gardiner bei der Vorstellung am Ostermontag. Seinen Geburtstag am 20. April feiert er privat mit einem großen Fest. „Ich freue mich riesig auf diese Party, sie fällt auf einen freien Tag, ich habe in den letzten Wochen, Monaten, Jahren pausenlos gearbeitet“, sagte der Dirigent…..

Zum ganzen Artikel der WAZ  >> h i e r  <<

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ZEIT ONLINE

Im Weinberg des Meisters

Sir John, einer der Dombauherren der historischen Aufführungspraxis, ist jetzt 69 Jahre alt und hat als Dirigent fast alles erreicht. Aufhören will das Brennen trotzdem nicht. Das Jahr 2012 zum Beispiel wird als sein Beethoven-Jahr in Erinnerung bleiben. Während die besagte CD aus New York erschien, startete der Musiker zu einer Tournee mit der Missa solemnis durch Europa und die USA. Zu ihr hat er seit je eine fast innige Beziehung. Während der Sitzungen zu seiner Aufnahme von 1989, die bis heute als Hochfest moderner Beethoven-Exegese mit historischen Instrumenten gilt, hatte sich die Welt über Nacht verändert. Als damals, am 9. November 1989, die Musiker im Londoner Aufnahmesaal erschöpft zu ihrem allerletzten Durchgang schlichen, fiel im fernen Berlin die Mauer.

Zum ganzen Artikel von ZEIT ONLINE   >> h i e r  <<

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Internationale Zeitungen

Als Kind sah John Eliot Gardiner Johann Sebastian Bach jeden Tag. Er würde ihn auf seinem Weg passieren in den Speisesaal, wo er Bach Motetten sang mit seinen Eltern und Geschwistern nach den Mahlzeiten. Er würde aufblicken bei Bach, der Rückkehr von seiner Mutter begleitet in einer Arie aus einer Kantate, in der er die obligate Violine spielte. Das Porträt des rötlichen Gesicht und Bach im Jahre 1748 gemalt von Elias Gottlob Haussmann hing über der Treppe des Hauses der Familie in Dorset, England, ausgeliehen von seinem Besitzer, ein deutscher Musiker, der mit Gardiners Vater befreundet war und in der Zwischenkriegszeit hatte er sich dann in einem nahe gelegenen Dorf niedergelassen.

Zum ganzen Artikel The New York Times   >> h i e r  <<

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The Guardian

über den Bach-Marathon:

John Eliot Gardiner’s devotion to the music of Johann Sebastian Bach has been extraordinary; Easter Monday’s lengthy Bach Marathon was partly devised to mark the conductor’s 70th birthday later this month. The whole event lasted close to nine hours, with three concerts, live discussions, appearances by leading instrumentalists in major solo works, and a couple of half-hour breaks.

Zum ganzen Artikel The Guardian  >> h i e r  <<

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TimeOut London

Dirigent Sir John Eliot Gardiner Interview

If there is a single composer who, by consensus among musicians, sits above all the others, it is Johann Sebastian Bach. The German Baroque master whose life spanned the second half of that era (1685-1750) had a brilliant musical min. Working quietly and underappreciated in his role as Kapellmeister (church choirmaster) in Leipzig, he produced over a thousand works in almost every genre except opera – music that is exquisite and profound in its simplicity, complexity and clarity of import.

Zum ganzen Artikel TimeOut   >> h i e r  <<

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Classic FM

Ein Video-Interview in Englisch:

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In his 70th birthday year, John Eliot Gardiner shows absolutely no signs of slowing down his activity. Classic FM’s David Mellor manages to contain his boundless enthusiasm for the recordings of the great conductor for long enough to enjoy a fantastic interview with him. The two discuss the various exciting projects Gardiner has in store for his 70th year, as well as what the future may hold.

Zur Webseite von Classic FM    >> h i e r  <<

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bachtrack 

Sir John Eliot Gardiner blows Paris audience away at Salle Pleyel

Writing a positive review is not an easy task. When confronted with something lacking error, a review can go one of two ways: a brief and simple praise of all involved and a summary of the evening, or an over-the-top full-blown confession of awe and admiration. Spoiler alert: this review is the latter. To be lost for words is traditionally taken as a positive sign; yet when one’s duty is to summarise the event that knocked you for six, this lack of words proves rather problematic. Nonetheless, here goes…

Zum ganzen Artikel von bachtrack   >> h i e r  <<

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Radio-Sendungen National und International

Hier verweise ich auf den Beitrag von Barbara der nachstehend aufgerufen werden kann.

Link: 

https://meinhardo.wordpress.com/2013/04/14/radiotipp-15-21-april-2013-happy-birthday-john-eliot-gardiner-und-thuringer-bachwochen/

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BBC – Radio 3

Hier sind die Sendungen vom „Bach-Marathon aus der Royal Albert Hall“ weiterhin zu hören.

Link: 

http://www.bbc.co.uk/programmes/b01rtfw4/clips

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Video: YouTube

BBC Bach: A Passionate Life.

John Eliot Gardiner goes in search of Bach the man and the musician.

The famous portrait of Bach portrays a grumpy 62-year-old man in a wig and formal coat, yet his greatest works were composed 20 years earlier in an almost unrivalled blaze of creativity.
We reveal a complex and passionate artist; a warm and convivial family man at the same time a rebellious spirit struggling with the hierarchies of state and church who wrote timeless music that is today known world-wide. Gardiner undertakes a ‚Bach Tour‘ of Germany, and sifts the relatively few clues we have – some newly-found.
Most of all, he uses the music to reveal the real Bach.
First broadcast: 30 Mar 2013.

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Link für die Play-List:

http://www.youtube.com/watch?v=3K5QtR40uls&feature=share&list=PLkAbsJTXicUsf97fpnQeXYJhDcxS8i6cs

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Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen, Hören und Video ansehen.

Herzliche Grüße

Volker

 

Himmelskönig sei willkommen – Bachs 328. Geburtstag in Leipzig


„Himmelskönig sei willkommen“ – Bachs 328. Geburtstag in Leipzig !

Ganz kurzfristig hatte ich mir Leipzig verordnet. Bach’s 328. Geburtstag am 21.03.2013 lud dazu ein, und ich brauchte dringend Luftveränderung und gescheite Musik.

J.S. Bach's 328. Geburtstag in Leipzig am 21. März 2013

                                        J.S. Bach’s 328. Geburtstag in Leipzig am 21. März 2013

Mein 1. Weg in Leipzig führte zum Thomasshop und zur Thomaskirche. Für das Geburtstagkonzert gab`s noch Karten. Es war ein außergewöhnliches Konzert. Gespielt wurde auf historischen Instrumenten, die teilweise aus dem Bach-Archiv kamen; die Thomaner haben in bachscher Orginalbesetzung gesungen. Die 16 – 23 Mitglieder des Thomanerchores unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller musizierten zusammen mit Solisten und dem Leipziger Barockorchester. Es war beeindruckend, mit welcher swingenden Leichtigkeit die Thomaner die Kantate BWV 182 anstimmten. Es wirkte einfach ansteckend.

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Begeistert war ich auch vom Orgelspiel des Universitätsorganisten Daniel Beilschmidt, der am 1. Abend an der Bachorgel u. a. einen Reger hingelegt hat (op.46/1), von dessen immer wiederkehrenden B-A-C-H  ich später nachts geträumt habe.

Mit lang anhaltendem Applaus haben wir uns bedankt. Biller konnte nicht umhin, uns mit seinen Thomanern eine Zugabe zu schenken: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.

Himmelkönig sei willkommen Chorbesetzung wie zu Bachs Zeiten und historische Instrumente

Kantate BWV 182 „Himmelskönig sei willkommen“ Chorbesetzung wie zu Bachs Zeiten und historische Instrumente

Der nächste Tag brachte die Freitagsmotette, wunderschön gestaltet; diesmal mit einem Universitätschor aus Minsk. Bei den kirchenslavischen Stücken sind wir weggeschmolzen. Aber viel Zeit zum Verweilen blieb nicht. Im Bachmuseum im Sommersaal legten Ute Loeck, Christoph Biller und der Pianist Stephan König „CHANCONettes mit Bach“ auf Parkett. Biller war als Johann Sebastian Bach direkt vom Himmel eingeflogen, hatte Friedemann (den Pianisten) gleich mitgebracht und die beiden waren zusammen mit Ute Loeck fit von Bach bis zu den Beatles. Wir haben uns vor Lachen gebogen und konnten nicht genug bekommen. Samstag ging Bachs Geburtstagfeier bei eisiger Kälte weiter, wir mussten (Carla, Tochter war freitags nachgekommen) wieder gen Heimat. Aber die Motette um 15.00 h in der Thomaskirche haben wir noch „mitgenommen“. Diesmal wieder in der ursprünglichen Besetzung mit Biller, den Thomanern und dem Gewandhausorchester.

Auf der Rückfahrt haben wir nur geschwärmt. Dieses quirlige, lebendige vor Musik überschäumende Leipzig hat es uns angetan. Nur drei Stunden Fahrt – und eine andere Welt. In diese Welt tauchen wir spätestens im Juni wieder ein.

Herzlichen Gruss

Iris

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P.SVideo: Leipziger Schüler feiern J.S. Bach in der Thomaskirche

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Ein Zeitungsartikel in DIE ZEIT – Nie war der unermüdliche John Eliot Gardiner besser als heute


Hallo Gardiner-Freunde !

Dirigent Sir J.E. Gardiner Foto: © Bea Kallos/dpa

Dirigent Sir J.E. Gardiner Foto: © Bea Kallos/dpa

Heute erschien ein aussagekräftiger Online-Bericht in DIE ZEIT über Sir John Eliot Gardiner. Nachstehend dazu ein Textauszug aus in „DIE ZEIT“.

Sir John, einer der Dombauherren der historischen Aufführungspraxis, ist jetzt 69 Jahre alt und hat als Dirigent fast alles erreicht. Aufhören will das Brennen trotzdem nicht. Das Jahr 2012 zum Beispiel wird als sein Beethoven-Jahr in Erinnerung bleiben. Während die besagte CD aus New York erschien, startete der Musiker zu einer Tournee mit der Missa solemnis durch Europa und die USA. Zu ihr hat er seit je eine fast innige Beziehung. Während der Sitzungen zu seiner Aufnahme von 1989, die bis heute als Hochfest moderner Beethoven-Exegese mit historischen Instrumenten gilt, hatte sich die Welt über Nacht verändert. Als damals, am 9. November 1989, die Musiker im Londoner Aufnahmesaal erschöpft zu ihrem allerletzten Durchgang schlichen, fiel im fernen Berlin die Mauer. Nie wurde seine Idee vom »äußeren und inneren Frieden«, die Beethoven im Agnus Dei beschwört, so leibhaftig aktuell wie damals – und als der Aufnahmeleiter den Musikern von den Entwicklungen in Berlin berichtete, von denen er im Radio gehört hatte, da wurde es Gardiner sehr weich ums Herz.

Zum ganzen Artikel Link: http://www.zeit.de/2012/49/Dirigent-John-Eliot-Gardiner/seite-1

Ein wunderbarer Lesestoff für den Sonntagabend…

Herzliche Grüße

Volker