Archiv der Kategorie: Kritik-Rezension

Eine offene Kritik zu Sir J.E. Gardiners Eröffnungsrede zum Bachfest 2017 in Leipzig!


Offener Brief an den Präsidenten des Bach-Archivs Leipzig Sir John Eliot Gardiner

Nach seiner Ansprache beim Eröffnungskonzert des Bachfestes Leipzig am 9. Juni 2017 in der Thomaskirche habe ich mich in einem

„Offenen Brief“ an den Präsidenten des Bach-Archivs Leipzig, Sir John Eliot Gardiner, gewandt.

Sie sind ein in aller Welt hoch geschätzter und gern gehörter Interpret insbesondere des umfangreichen geistlichen Werkes von Johann Sebastian Bach. Viele Menschen freuen sich, Ihre Konzerte beim Leipziger Bachfest miterleben zu können. Ihre internationale Reputation hat dazu geführt, dass Ihnen die Stadt Leipzig angetragen hat, Präsident des Bach-Archivs zu werden. In dieser Eigenschaft tragen Sie ein hohes Maß an Verantwortung für die Pflege des Bach‘schen Werkes in der Stadt, in der der große Thomaskantor im 18. Jahrhundert über 27 Jahre gewirkt hat.

Sir John Eliot Gardiner beim Bachfest 2017 im Gewandhaus

Am vergangenen Freitag haben Sie als Präsident des Bach-Archives beim Eröffnungskonzert des Bachfest in der Thomaskirche gesprochen. Im Programm war dazu ausgewiesen „Einführung“. Mit Spannung haben viele Menschen erwartet, was Sie auf dem Hintergrund ihres profunden Wissens und ihres reichen musikalischen Erfahrungsschatzes zum diesjährigen Bachfestmotto „Ein schön new Lied – Musik und Reformation“ und zu den beiden Hauptwerken des Eröffnungskonzertes sagen werden. Doch dazu war leider nichts zu vernehmen. Stattdessen haben Sie – aus welchen Gründen auch immer – auf Ihre Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus verwiesen und Ihr eigenes Konzertprogramm im Detail dargestellt. Nach der englischen Übersetzung Ihrer Ansprache haben Sie dann die Thomaskirche mit der Bemerkung verlassen, dass Sie die Werke, die jetzt zu hören sein werden, schon kennen und schließlich selbst im Gewandhaus aufführen werden – nach dem Motto: Ich besuche nur die Konzerte, die ich selbst dirigiere. Kein Wort war aus Ihrem Mund zu hören zur reformatorischen Musiktradition und zur Bachkantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ (BWV 80) und zu Mendelssohns „Lobgesang“; kein Wort der Wertschätzung zum Thomanerchor oder zu Thomaskantor Gotthold Schwarz. Nun liegt es mir fern, Ihnen zu unterstellen, dass dies ein unbeabsichtigter Fauxpas war. Dafür sind Sie viel zu versiert.

Also muss jeder davon ausgehen, dass dieser Auftritt so von Ihnen geplant und gewollt war. Das aber macht die Sache zu einem Affront und Politikum. Sie haben damit der Würde des Anlasses wie dem ganzen Bachfest einen Bärendienst erwiesen. Mehr noch: Sie haben die aktiven Musiker/innen schnöde missachtet und sich eitel selbst in den Mittelpunkt gestellt. Man fragt sich: Haben Sie das nötig? Doch frage ich mich auch: Wieso diese Lobhudelei für das Gewandhaus(orchester), die dieses gar nicht nötig haben? Wollten Sie damit dem Ansinnen Tür und Tor öffnen, das Bachfest in Zukunft im Gewandhaus zu eröffnen, möglichst mit einem Ensemble Ihrer Wahl und natürlich unter Ihrer musikalischen Leitung? Wollten Sie zum Ausdruck bringen, dass Sie sich mit einem „Provinzorchester“ aus Halle und einem „Kinderchor“ (Thomaner) nicht abgeben?

Offensichtlich haben Sie immer noch nicht verstanden, dass viele Menschen, vor allem aus dem Ausland, das Leipziger Bachfest deswegen besuchen, weil sie hier die Musik Johann Sebastian Bachs an den Originalspielstätten im Originalformat erleben können, nämlich in der Nikolai- und Thomaskirche in den Gottesdiensten, Metten und Motetten und natürlich auch in den Konzerten. Natürlich: Das allein reicht nicht für ein umfassendes Bachfest. Darum werden auch Sie mit Ihren Ensembles oder Ton Koopman oder Masaaki Suzuki zum Bachfest eingeladen – und viele Menschen freuen sich darauf. Darum auch die umfassende musikalische Darstellung der Traditionen, auf die Bach aufbaute, und der Wirkungen, die seine Musik hatte und hat.

Aber ohne die intensive Pflege der Leipziger Musiktradition geht es nicht. Diese zeichnet sich vor allem durch eine glückliche Verbindung von Professionalität und Demut vor dem Werk und seinem Inhalt aus. Davon aber war bei Ihrem Auf- und Abtritt am Freitagabend in der Thomaskirche nichts zu spüren. Gott sei Dank war dann die Darbietung des Thomanerchores, des ThomasSchulChores, des Händelfestspielorchesters Halle und der Solisten unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz so stark, dass zum einen die Peinlichkeit Ihrer Ansprache noch deutlicher zu Tage trat, sie aber nichts an der Großartigkeit des Musikerlebnisses schmälern konnte.

Dieses Ihnen in aller Offenheit zu schreiben, ist mir ein großes Anliegen. Denn mir ist sehr wohl bewusst, dass diejenigen, die in Ihrer Nähe sind, Ihnen die Unmöglichkeit des Auftritts kaum vermitteln werden, und viele Menschen, die Ihre Ansprache miterlebt haben, wünschen, dass Sie dies erfahren.

Zitat Ende!

Zum Thema siehe auch den Blog-Beitrag:  http://wolff-christian.de/haende-weg-vom-bachfest/

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TROGEN in der Schweiz, die Bachkantate BWV 79 ‚Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild‘ und die AUFGEHENDE SONNNE.


TROGEN in der Schweiz, die Bachkantate BWV 79 ‚Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild‘

und die AUFGEHENDE SONNE.

                                             Die Sonnenstrahlen am Abend in Trogen (Schweiz)

Solisten:

Miriam Feuersinger, Sopran

Markus Forster, Altus

Daniel Johannsen, Tenor

Matthias Helm, Bass

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‚Haben Sie-, liebe Zuhörer schon mal einen Sonnenaufgang bewusst und mit allen Sinnen erlebt?‘ Das fragte herein in das ausverkaufte Kirchenschiff die schweizerische Schriftstellerin Elisabeth Binder. Ja-, Bach hatte sich auch mit dem Aufgehen der Sonne beschäftigt. In seinem düsteren, engen und vom Lärmen der Thomasschüler umtosten Komponierstübchen in der Thomasschule, muss in seine sieben Sinne die Sonne herein geleuchtet sein.

Seine Musik in der Kantate BWV 79 beweist es. Und so haben auch wir, die andächtigen Bach-Hörer/innen, die Chance, in Bach’s Musik einen SONNENAUFGANG zu erleben.

Das zeichnet nämlich die Aufführungspraxis der Trogener J.S. Bach-Stiftung und seinen monatlichen Kantaten-Konzerten aus. Es werden ganz ungeahnte Querverbindungen entdeckt. Auch der zweite Referent des Konzertabends, der Sprachforscher Dr. Stefan Stirnemann wusste sprachliche, sogar grammatikalische Besonderheiten in der Sprache des Textdichters herauszuarbeiten.

Eindrücklich blieb mir vor allem das kleine Wörtchen ‚bloß ‚ im Bass-Rezitativ (Vgl. Text Nr. 4, letzte Zeile). Auf was bezieht sich dieses ‚bloß‘? Ich will dies Rätsel jetzt nicht weiter vertiefen. Schauen Sie/Ihr mal selber im Text nach und machen Sie sich Gedanken.

Mit seinem sprühenden und teilweise witzigen Elan führte Rudolf Lutz durch die musikalische Genese der Kantate, erspürte Motive und warf den Interpretations-Ball dann wieder dem Schweizer Pfarrer i.R. Karl Graf zu, der theologisch Einiges zu sagen hatte.

Die Solisten hatten mir alle gut gefallen.

                       Konzert BWV 79 in der Evangelisch Reformierten Kirche in Trogen (Schweiz)

Einen Wermutstropfen muss ich doch noch äußern dürfen.

Der Eingangschor (1) und die beiden so aufbauenden Choräle (3+6) der Reformationskantate waren zu meiner Enttäuschung nur solistisch besetzt. D.h., die Aufführung verzichtete auf den Chor und begnügte sich mit den 4 Solisten, die das nicht bringen können, was eben nur ein mit Sängern und Sängerinnen besetzter Chor kann. Nämlich diese Vielstimmigkeit, diese frischen, noch nicht ’solohaften‘ Stimmen, die eine zahlenmäßig große Schar von Gläubigen repräsentieren und jedem Sangeswilligem zurufen: ‚Du kannst auch singen! Mach mit!‘
Gerade in einer an Luther’s Reformation erinnernden Kantate, ist dies ein Manko. Denn Luther wollte doch, dass alle am ‚Werk des Glaubens‘ mitarbeiten. In seiner Gedenk-Kantate dann auch mitsingen.

Eine nur kleine Entschädigung war es dann, dass wir, die Zuhörer, den Choral Nr.3 singen durften.

Mitwirkende von Links: Miriam Feuersinger (Sopran) Markus Forster (Altus) Leitung: Rudolf Lutz.

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Unterm Strich waren aber Trogen und seine Aufführung von BWV 79 für mich ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde. Wie viele Musiker, Mitarbeiter/innen in Organisation, Technik, Werbung und Empfang und Bewirtung der Gäste, waren an diesem verschneiten Freitag-Abend von Sankt Gallen und Basel u.a. nach Trogen heraufgekommen, um nur für Bach und seine Musik da zu sein?

Mitwirkende von Links: Markus Forster (Altus) Leitung: Rudolf Lutz Daniel Johannsen (Tenor) Matthias Helm (Bass).

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Und als ich abends mit dem ‚Trogen-Bähnchen‘ von dem 1000 Meter hohen Trogen wieder nach Sankt Gallen herunter fuhr, ging gerade blutrot die Sonne hinter den Bergen in Richtung Bodensee unter. Eine Sonne, die von Schneeschauern den ganzen Tag verdeckt war. Eben-, es stimmt:

Bach’s Musik FÄNGT DIE STRAHLEN DER SONNE EIN.

Ihr und Euer

ADAMO

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P.S. Volker/Admin: am 30. April 2017 15:43 h

Ich gehe davon aus, dass Wolfgang gegen dieses Video vom BWV 79 mit dem Thomanerchor keine Einspruch erhebt.

Thomaner J.S.Bach Kantate BWV 79 „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ – Festgottesdienst in der Thomaskirche Leipzig am Reformationsfest – 800 Jahre Thomaner am 31. Oktober 2012

Ausführende:

Die Solisten sind
Jakob Wetzig – Alt
Paul Vogel – Sopran
Thomanerchor
Gewandhausorchester Leipzig

Leitung: Georg Christoph Biller

Aufnahme zum Reformationsfest am Mittwoch 31. Oktober 2012 in der Thomaskirche Leipzig.

Link zum Video: 

https://youtu.be/AHhzAx5ZkzA

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Gotthold Schwarz erlebt seine Premiere als 17. Thomaskantor mit dem Weihnachtsoratorium – BWV 248 und dem Thomanerchor in Leipzig!


Gotthold Schwarz hat das Weihnachtsoratorium, BWV 248 mit den Thomanern schon öfter dirigiert, dennoch war es für ihn eine Premiere als 17. Thomaskantor nach J.S. Bach.

Lassen die Kantaten prachtvoll glänzen: Die Thomaner unter der Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz. Foto: André Kempner

Lassen die Kantaten prachtvoll glänzen:
Die Thomaner unter der Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz. Foto: André Kempner

Er hat das Weihnachtsoratorium, BWV 248 mit den Thomanern schon öfter dirigiert, dennoch war es für Gotthold Schwarz am Wochenende eine Premiere.

Drei Mal dirigierte er seine Thomaner in der restlos ausverkauften Leipziger Thomaskirche – als Thomaskantor. Mit ausgiebigem Beifall begleitet, teilweise euphorisch bejubelt wurden am Ende die Leistungen aller Beteiligten.

… Es ist eine Tradition, die jedes Jahr aufs Neue mit Leben gefüllt werden will – und eine, die sich aus einer Paradoxie speist. Denn nichts Anderes ist das Weihnachtsfest genau genommen. Hier der über die Dunkelheit triumphierende heidnische sol invictus, die unbesiegbare Sonne, dort das armselige Kind in der Krippe. „Näher, niedriger, heimlicher kann kein Blick in die Höhe umgebrochen werden“, hat Ernst Bloch in seinem Prinzip Hoffnung die Geburt im Stall interpretiert.

Von solchen inneren Spannungen legt in der abendländischen Weihnachtsmusik kein Werk wahrhaftiger klingend Zeugnis ab als Bachs Weihnachtsoratorium. Hier die schwärmerische Seele, die ihrer Erlösung im Göttlichen entgegenstrebt, dort die im Eingangschor vollzogene ekstatische Verherrlichung des in die Welt gekommenen Gottes mit den sprichwörtlich gewordenen Pauken und Trompeten. Eine mystische Schau mit Mitteln, wie nur die Musik sie bereitzustellen im Stande ist – und sich dabei herzlich wenig schert um theologische Spiegelfechtereien welcher Fraktion auch immer……..

Zum ganzen Artikel der LVZ nachstehend:

thomanerchor-dez-2016-wo-bwv-248

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Video: WO BWV 248

J.S. Bach Weihnachtsoratorium BWV 248 Teil 1 bis 3 und 6 Thomanerchor 2012 Leipzig, Thomaskirche.
Leitung: Georg Christoph Biller
Gewandhaus Orchester


Herzliche Grüße

Volker

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Konzertbericht vom Klangvokalfestival in der Probsteikirche Dortmund


Konzertbericht vom Klangvokalfestival in der Probsteikirche Dortmund

Am vergangenen Donnerstagabend fand im Rahmen das Klangvokalfestivals in der Dortmunder Probsteikirche ein Konzert unter dem Titel „Wege zu Bach“ statt, dessen Schwerpunkt Motetten von J.S. Bach und Komponisten mit einem Bezug zur venezianischen Musikszene bildeten.

Propsteikirche in Dortmund

                                     Propsteikirche in Dortmund

Der Grund, warum ich trotz sehr stressiger Woche abends noch nach Dortmund fuhr, um dabei zu sein, war eine Sternstunde im November letzten Jahres, als das hier auch aufführende Ensemble Pygmalion die Essener Philharmonie besuchte und neben anderen Bach`schen Motetten und Kantaten Werken die eher selten gehörte Kantate BWV 190 „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Die Balance aus schwunghafter Spritzigkeit, Präzision und Strahlkraft auf der einen, aber auch den für die Bach´schen Werke so charakteristischen Tiefgang auf der anderen Seite, mit der dieses noch junge Ensemble unter seinem künstlerischen Leiter Raphael Pichon die Werke auf die Bühne brannte, ließ mich alten Gardiner-Fan schwer beeindruckt zurück.

Countenor und Dirigent Raphaël Pichon (*1984) gründete 2005 das Ensemble Pygmalion.

Countenor und Dirigent Raphaël Pichon (*1984) gründete 2005 das Ensemble Pygmalion.

Und so organisierte ich mir noch eines der letzten verfügbaren Tickets im vorderen Teil der Probsteikirche und fand mich in Reihe 2 wieder, was doppelt interessant war: Einerseits stand Pichon etwa in meiner Höhe im Mittelgang, so dass ich seine Mimik und Gestik beim Leiten des Konzerts exzellent sehen konnte. Andererseits war die Erfahrung neu, den Klang der Stimmen zu hören, kurz bevor er sich wirklich ausbreitet, was so in etwa ab Reihe 6 der Fall gewesen sein dürfte.

Das Programm bestand nun also aus:

Hans Leo Hassler (1564 – 1612)

„Cantate Domino“ zu zwölf Stimmen

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)

„Lobet den Herrn“ BWV 230

Vincenzo Bertulosi (ca. 1550 – 1608)

„Osculetor meo“ zu sieben Stimmen

Johann Sebastian Bach

„Komm, Jesu komm“ zu acht Stimmen BWV 229

„Jesu meine Freude“ zu fünf Stimmen BWV 227

Nach der Pause:

Johann Sebastian Bach

„Komm, o Tod du Schlafes Bruder“ BWV 56-5

(Die dann an dieser Stelle angekündigte Arie „Vergiss mein nicht, mein allerliebster Gott“ entfiel)

„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ zu acht Stimmen BWV sup.159

(Die an dieser Stelle angekündigte Wiederholung des Chorals „Komm, o Tod..“ entfiel ebenfalls)

„Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ zu acht Stimmen BWV 226

Giovanni Gabrieli (1557 – 1612)

„Jubilate deo“ zu acht Stimmen

Johann Sebastian Bach

„Singet dem Herrn ein neues Lied“ zu acht Stimmen BWV 225

Die Auswahl der Werke erfolgte aufgrund der Tatsache, dass lange, bevor Bach das Licht der Welt erblickte, Venedig als Innovationsquelle der Musik, als „nuova musica“ galt. Viele namhafte Kapellmeister wie Adrian Willaert, die Corellis und natürlich Claudio Monteverdi wirkten hier und zogen auch deutsche Komponisten in ihren Bann, die den weiten Weg nicht scheuten, um sich vor Ort inspirieren zu lassen. Dabei galt speziell die Basilika di San Marco stets als akustische Experimentierbühne. Hier wurden Echoeffekte genutzt und die vielen Winkel, Emporen und Nischen für die Mehrchörigkeit genutzt.

Die Probsteikirche Dortmund ist sicher kein so bekannter Ort wie der venezianische Markusdom, die Akustik jedoch ist fantastisch und so wurde man in Klangwelten entführt, die zumindest mich süchtig machen. Pichon beherrscht es, seine insgesamt um die 30 Sänger und das kleine Continuo-Ensemble (zwei Orgeln, ein Cembalo, ein Cello, ein Bass) exakt, aber lebendig ihren Linien folgend durcheinanderwirbeln zu lassen und dabei immer wieder unerwartete Akzente zu setzen. Immer wieder hat man bei den schnellen Passagen das Gefühl, die Sänger würden die Worte wie Lichtblitze durch die gewaltige Akustik der Kirche schicken. In den Chorälen dann strahlt das Ensemble eine warme, volle, homogene Farbe aus.

Alle Musiker scheinen, als hätten sie die Werke nicht nur als interpretatorische Herausforderung verstanden, sondern auch mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz angefasst, Text und Noten plastisch, aber niemals trocken zu singen. Dazu gelingt ihnen eine frische, schwungvolle Lebendigkeit und ein oft hohes, aber nicht übertriebenes Tempo und eine ausgezeichnete Präzision. Hier wird keine einzelne Note verschludert. Dabei hat Pichon meiner Meinung nach etwas, was ich bisher in dieser Ausprägung nur von Gardiner kenne: Den offensichtlich starken Willen und das Können, dem Werk in all seinen Facetten auf sehr hohem Niveau gerecht zu werden und niemals nachzulassen, noch etwas mehr Bach aus den Noten herauszukitzeln und bei all der Detailversessenheit aber nie den Blick für die Schönheit des Großen und Ganzen zu vernachlässigen.

Die volle Kirche und der schon zur Pause ausgesprochen kräftige Applaus unterstrich, dass im Ruhrpott noch Luft für mehr hochwertige Barockmusik ist. Und er unterstrich, dass selbst in Zeiten der scheinbar immer weitergehenden Niveauverflachung herausragende Talente ihren Platz finden.

Am Mittwoch folgt dann Gardiner in Königslutter. Nach meinen Erfahrungen im dortigen Kaiserdom bei der Aufführung der Matthäsupassion 2005 und den Oster- und Himmelfahrtsoratorien 2013 sind die Erwartungen höchstens gemischt. Die Musik wird wie immer hochwertig sein, aber der Rahmen ist mir bei den genannten Gelegenheiten als sehr unwürdig aufgefallen und hat bisher Enttäuschung und Ärger zurückgelassen. Wieder soll diesmal nun also die Bühne quer mitten im Kirchenschiff stehen und damit dieses Weltklasseensemble vor die Wand musizieren, was der Akustik nicht sonderlich zuträglich ist.

Vorarbeiten für das Konzert am 15.06.16 mit Sir John Eliot Gardiner im Kaiserdom Königslutter

     Vorarbeiten für das Konzert am 15.06.2016 mit Sir John Eliot Gardiner im Kaiserdom Königslutter

Selbst die Höchstpreistickets geben nur Blick auf die Rücken maximal der Hälfte der Aufführenden frei. Dazu Publikum (verdiente Mitarbeiter von Sponsoren, die aber mit der Musik nichts anfangen können?) in Badelatschen, wichtigtuerischem Husten (immer ein wenig lauter als nötig), gelangweiltem Rumgehampel auf den knarzenden Stühlen und ein zweifellos sehr verdienter Veranstalter, der jedoch dank seiner augenscheinlich auf Aufmerksamkeit heischende Gesten nicht zwingend zu dem Rahmen beiträgt, den diese Ensembles und vor allem das Werk verdient hätten. Ist es nicht das schönste, wenn man dann am Ende positiv überrascht wird und das Konzert in vollen Zügen genießen kann?

Herzliche Grüße

Martin

Gardiner zu Gast in der Philharmonie Köln mit Werke von Scarlatti-Bach und Händel


The Monteverdi Choir

                      The Monteverdi Choir

Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, Sir J.E. Gardiner: Bach, Händel, Scarlatti

Kölner Philharmonie

Esther Brazil Sopran

Monteverdi Choir

English Baroque Soloists

Sir John Eliot Gardiner Dirigent

Domenico Scarlatti
Stabat mater
für gemischten Chor und Basso continuo

Johann Sebastian Bach
„Mein Herze schwimmt im Blut“ BWV 199 (1713)
Kantate für Sopran, Oboe, Streicher und Basso continuo zum 11. Sonntag nach Trinitatis. Text von Georg Christian Lehms

Georg Friedrich Händel
„Dixit Dominus Domino meo“ HWV 232 (1707)
für Soli, fünfstimmigen Chor und Orchester. Text nach Psalm 109

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Wir waren in der Philharmonie in Köln bei Gardiner. Ich habe mich riesig auf das Konzert gefreut, und vor allem auch auf den Sir, ich hatte ihn lange nicht mehr gehört auf der einen Seite war: es ein exzellenter Chor, die Baroque Soloist konnten einfach nicht besser sein.

Gardiner hat zu erst das „Stabat Mater“ von Scarlatti gebracht; in einer chorischen Besetzung hatte ich es noch nie gehört, war aber toll, Dann kam die wunderbare Bachkantate „Mein Herze schwimmt im Blute“ – vorgetragen von einer blutjungen Sängerin. (Esther Brazil) Ich hatte vorher die CD ein paar mal gehört, meist mit M. Koscena. Eine reife, voll einfühlsame Stimme, die den Zuhörer packen konnte. Ich erinnere an die Stelle: tief gebückt und voller Reue, lieg` ich liebster Gott vor dir.  Eine großartige Bach-Kantate die einem immer wieder berührt.

Am Schluss gab es von Händel: „Dixit Dominus, Domino me.“ Meine Begleitung hat das Werk ebenfalls gefallen.

Grüße Iris

Meine Eindrücke vom BachFest 2013 Leipzig – zwei überwältigende Konzerte von J.E. Gardiner – Monteverdi Choir und EBS


Liebe Bachfreunde (innen) !

Lange ist es her, dass wir uns zum BachFest 2013 in Leipzig eingefunden hatten. Ich möchte nach dem Artikel von @Wolfgang, meine persönlichen Empfindungen zu den Konzerten von Sir John Eliot Gardiner wiedergeben.

I.  J.E. Gardiner – Konzert vom Donnerstag, 20.6.2013, BWV 245 „Johannes Passion“ in der Thomaskirche Leipzig.

BachFest 2013 Leipzig  Thomaskirche BWV 245 Johannes Passion Foto: Gert Mothes

           BachFest 2013 Leipzig Thomaskirche BWV 245 Johannes Passion Foto: Gert Mothes

Vor der Aufführung der Johannes Passion gab es ein großes Unwetter in Leipzig. Blitze und Donner und ein schwerer Regen erschwerten den Zugang in die Thomaskirche. Plötzlich stand Sir Gardiner im Eingang hinter mir und wir lächelten uns zu. Gerne überlies ich ihm den Vortritt, damit er schnell zur Konzert-Empore gehen konnte. Das war ein gutes Zeichen Sir Gardiner in der Nähe gesehen zu haben.

Viele Besucher kamen zu spät zum Konzert. Öffentliche Verkehrsmittel konnten wegen Wasserüberflutungen und Stromstörungen nicht fahren. Nach über dreißig Minuten Verspätung kamen noch zahlreiche Besucher in die Thomaskirche. Ein Blog-Mitglied von WordPress „Volkers Klassikseiten“ konnte aufgrund der Wetterkapriolen, die Johannes Passion nicht hören. Sämtliche verfügbaren Taxen waren im Dauereinsatz.

Das Gewitter mit Blitze und Donner war in den zwei Stunden immer Gegenwärtig. Das gab dem Konzert eine überirdische Würze. Der Himmel gab zu der Johannes Passion sein Statement ab. Dramaturgischer konnte das Konzert nicht untermauert werden.

Gardiners Johannes Passion BWV 245 in der Thomaskirche war eine Aufführung in einer sehr hohen Qualität. Meine Fassung habe ich in dem Konzert kaum halten können. Sir J.E. Gardiner konzertierte so wunderschön, dass meine Seelenverfassung auf das äusserste angespannt war. Der Monteverdi Choir und English Baroque Soloists sangen und spielten überirdisch schön.

BachFest 2013 Leipzig  Thomaskirche BWV 245 Johannes Passion Foto: Gert Mothes

       BachFest 2013 Leipzig Thomaskirche BWV 245 Johannes Passion Foto: Gert Mothes

Es ist eine Seelenverwandtschaft zwischen Gardiner, Chor und Orchester zu erkennen. Sie reagieren auf Gardiners Handzeichen mit einer Bravour der Einmaligkeit. Hier stimmt das Timing und die Übereinstimmung. Große Feinheiten in der Nuancierung und Wiedergabe der Johannes Passion BWV 245 –  gelangen überwältigend. Die Begeisterung des Musizierens von Gesangs-Solisten, Chor und Orchester waren immer gegenwärtig. Alle stellen sie sich in den Dienst der Sache, der auch Sir John Eliot Gardiner dient: „Bachs Musik zum Lobe Gottes.“

Sir J.E. Gardiner mit der Johannes Passion am 20_6_2013 in der Thomaskirche Leipzig Foto:  Gert Mothes

Sir J. E. Gardiner mit der Johannes Passion am 20.06.2013 in der Thomaskirche Leipzig Foto: Gert Mothes

Die zwei Stunden gingen viel zu schnell zu Ende. Gerne hätte ich diesen Protagonisten weiter zugehört. Es war eine Aufführung von absoluter Spitze und getragen von der Überzeugung aller Beteiligten, Bach’s großes Passions-Oratorium in den Herzen der Besucher zu manifestieren. Sehr bemerkenswert, dass Gardiner beim Schlussakkord die Hände lange oben hielt. Nach einer stillen Minute durfte dann erst der wohlverdiente und stürmische Applaus in der vollbesetzten Thomaskirche vorgenommen werden. Das hat mir sehr gut gefallen nach diesem wunderbaren Osteroratorium.  Die persönlichen Gedanken und Eindrücke des Gehörten konnten so zur Besinnung und Verinnerlichung kommen.

Ein Oratorienabend in der ehrwürdigen Thomaskirche gelang vortrefflich und schwingt in mir heute noch so fantastisch nach.

   Link:

Eine weitere Rezension Gardiner Johannes Passion Leipzig 2013

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II. Meine Eindrücke vom Gardiner-Kantaten-Konzert, Samstag, 22.6.2013, in der Nikolaikirche Leipzig.

Eine restlos ausverkaufte Nikolaikirche erwartete großartige und festliche Kantaten. Das Oster-Oratorium, BWV 249 und das Himmelfahrts-Oratorium, BWV 11 wurden zu einem Highlight des BachFestes Leipzig 2013.

BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt mit Hannah Morrison Sopran Meg Bragle Mezzosopran Nicholas Mulroy Tenor Peter Harvey Bass Foto: Gert Mothes

BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt mit Hannah Morrison Sopran Meg Bragle Mezzosopran Nicholas Mulroy Tenor Peter Harvey Bass Foto: Gert Mothes

Sir Gardiner machte einen frischen und gut gelaunten Eindruck. Die Temperaturen waren erträglicher als im Konzert am 20.6. mit der Johannes Passion. Meine drei beliebten Star-Trompeter von Gardiner standen direkt vor unserer Kirchenbank. Meine Trompeten-Favoriten sind: Neil Brough, Robert Vanryne und Michael Harrison. Sie spielten überwältigend auf Natur-Trompeten und waren ein besonderes Herzstück des Konzertes.

BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt mit Naturtrompeten links: Foto: Gert Mothes

BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt mit Naturtrompeten links: Robert Vanryne und Michael Harrison Foto: Gert Mothes

Die unnachahmliche Art des Dirigierens von Gardiner war überwältigend. Kurze Handzeichen, Zeigefinger hoch, der ganze Körper Gardiners zeigte den Aufführenden den Weg, den sie zu beschreiten haben. Gardiners Seelenverwandschaft zu J.S. Bach ist für jederman zu erkennen. Seine überschäumende Freude zu den aufzuführenden Pracht-Kantaten ist sofort zu bemerken. Harmonisch und nahtlos reagieren alle Protagonisten seinen vorgezeichneten Weg.

Es ist immer bewundernswert, was für hervorragende junge Gesangs-Solisten Gardiner eine Chance gibt, sich in seinen Konzerten qualifizieren zu können. Sie haben erstaunlich viel Qualität und Potenzial des Singens und werden eine großartige Zukunft besitzen. Hannah Morrison; Sopran und Meg Bragle, Mezzosopran, waren ein Genuss, sie in den Rezitaitven und Arien hören zu können. Über Peter Harvey, Bass-Bariton, braucht nicht mehr gesprochen zu werden. Ein großartiger Sänger mit einer überragenden Wortverständlichkeit und einem herrlichen Timbre in seiner Stimme.

BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt  J.E. Gardiner Monteverdi Choir EBS Foto: Gert Mothes

BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt J.E. Gardiner Monteverdi Choir EBS Foto: Gert Mothes

Etwas abfallend der Tenor, Nicholas Mulroy. Seine Stimme gefällt mir nur bedingt und klingt ein wenig gequält. Hier hätte ich gerne meinen Favoriten James Gilchrist gehört. Das war der einzige Abstrich an den Protagonisten. Die Aufführenden waren eine Einheit der Superlative und glänzten mit einer überragenden Wiedergabe.

Genial sind Gardiners Einfälle in den Bachwerken etwas Besonderes zu interpretieren. Ich greife einmal den Choral Nr, 6 aus dem BWV 11 Himmelfahrts Oratoium, heraus:

Nun lieget alles unter dir,
dich selbst nur ausgenommen;
die Engel müssen für und für
dir auf zuwarten kommen.

In einer absoluten pianomissimo Stimme des Monteverid Choirs lässt er nur ganz leise vernehmbar diesen wunderschönen Choral erklingen. Mir viel ein Schauer nach dem anderern über den Rücken. Das war himmlische Musik die alle Hörer in ihren Bann zog.

BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt - Sir Gardiner im Einsatz Foto: Gert Mothes

BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt – Sir Gardiner im Einsatz Foto: Gert Mothes

Mit einem schwungvollen Drive des Orchsesters und prächtig tönenden Trompeten ging es viel zu schnell dem Ende entgegen. Die Besucher in der Kirche standen Kopf. Standing ovations, nicht endend wollender Applaus veranlassten Gardiner zu zwei Zugaben. Darunter wieder der Choral aus dem BWV 11 Nr. 6 in ganz leiser Stimmenwiedergabe.

Danach gab es kein Halten mehr. Die Kirche bebte in ihren Grundfesten. Die Besucher wichen nicht von Gardiners Seite. Nach über 20 Minuten Applaus waren die Besucher erst zu bewegen, diese historische Konzert-Stätte von Gardiner zu verlassen. Ich habe schon großartige Wiedergaben von Gardiner erlebt. Diese zwei Bach-Oratorienen waren etwas Einmaliges.

Die Emotionen gingen mit mir durch und war der Meinung, die Engel des Himmels mit ihrem Himmel-Orchester sind auf die Erde gekommen um uns diese Bach-Musik überirdisch zu zelebrieren. Es war ein Traum, das miterlebt haben zu können.

Diese Aufführung wird in meinen Gardiner-Analen einen gesonderten Platz einnehmen und für immer im Herzen gegenwärtig bleiben. Danke an den großartigen Sir Gardiner, der uns diese Sternstunde bereitet hat. Ein großartiger Abschluss für unser BachFest 2013 in Leipzig. Mit dieser Wunderstimmung traten wir unsere lange Heimreise an….

  Link:

Eine weitere Rezension John Eliot Gardiner dirigiert in der Nikolaikirche

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Für all diejenigen, die in diesem Jahr keine Möglichkeit haben, das Bachfest vor Ort mitzuerleben, gibt es  weiterhin für das Eröffnungs-Konzert vom 14.6.2013 einen besonderen Service. Sie können das Konzert des Thomanerchors und des Gewandhaus-Orchester unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller unter:

 www.bachfestleipzig.de 

weiterhin mitverfolgen.

Video-Youtube Eröffnungs-Konzert BachFest 2013 Leipzig:

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Ebenso können Sie das Abschluss-Konzert vom 23. Juni 2013 weiterhin für 80 Tage auf ARTE-Onlie-Web ansehen. Mit der traditionellen Aufführung von J. S. Bachs Messe in h-Moll, BWV 232 das Bachfest endet.

Video – Link:  Abschluss-Konzert BachFest 2013 Leipzig – Thomaner

Link:

Die Aufzeichnung des Abschlusskonzertes können Sie hier noch einmal ansehen.

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Herzliche Bachgrüße

Volker

Ein Bericht vom Werkstatt-Wochenende mit zwei Bach-Kantaten in der Marienkirche Höxter vom 12.4.-14.4.2013


 

Aufführungsstätte Mitsing-Projekt Bach-Kantaten Marienkirche in Höxter a.d. Weser am 14. April 2013

Aufführungsstätte Mitsing-Projekt Bach-Kantaten Marienkirche in Höxter a.d. Weser am 14. April 2013

 Ein Werkstatt-Wochenende mit zwei Bach-Kantaten in Höxter (12.4.-14.4.13), die den

‚OFFENEN HIMMEL‘ und das sich ‚SICH-FREUEN‘  besingen.

K o n z e r t

Bachkantaten zum Mitsingen in Höxter an der Weser (OWL) – am Sonntag, 14. April 2013 um 19:30 Uhr in der Marienkirche Höxter

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Programm:

Programm: Bach-Kantaten zum Mitsingen Marienkirche Höxter 14. April 2013

                                          Programm: Bach-Kantaten zum Mitsingen Marienkirche Höxter 14. April 2013

Mitwirkende:

Sopran: Claudia Ehmann – (Berlin) Alt: Lena Sutor-Wernich – (Stuttgart) Tenor: Stefan Sbonnik (Münster) Bass: Mathis Koch (Detmold)

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Gesangs-Solisten Marienkirche Höxter

 Gesangs-Solisten Marienkirche Höxter- von Links:  Mathis Koch (Bariton) – Stefan Sbonnik (Tenor) –   Lena Sutor-Wernich (Alt)  -Claudia Ehmann (Sopran).

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Ausführende:

Kammerorchester „Sinfonietta Detmold

Konzertmeisterin: Christiane Muntschick

"Kammerorchester Sinfonetta Detmold" Bach-Kantaten in der  Marienkirche Höxter am 14. April 2013

 „Kammerorchester Sinfonietta Detmold“ Bach-Kantaten in der Marienkirche Höxter am 14. April 2013 – vorne links im Bild: Konzertmeisterin Chrstiane Mundschick. 

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Der Chor der Workshop-Teilnehmerinnen und – Teilnehmer Orgel und Basso Continuo: 

Kai Koch

Leitung: Jost Schmithals

Worlshop-Chor Marienkirche Höxter 14 April 2013

                    Workshop-Chor mit Bach-Kantaten in der Marienkirche Höxter am 14 .April 2013

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1.)   Ja-, da kamen sie wieder zusammen, die Chorfreunde und -freundinnen aus Berlin, dem Kreis Höxter und auch ich aus Herford, um diese zwei Kantaten BWV 11 ‚Lobet Gott in seinen Reichen‘ und BWV 30 ‚Freue die erlöste Schar‘ in der hochgotischen Werkstatt St.Marien in Höxter zusammen zu zimmern und zur Aufführungsreife zu polieren. Die beiden Kantoren Jost Schmithals (Höxter) und Kai Koch (Münster) meisterten die Stimmproben und Tutti-Versammlungen wieder in bewährter Weise. Man merkte, daß sehr viel organisatorische Vorarbeit geleistet wurde, damit die in Online-Lehrgängen vorpräparierten Kenntnisse der SängerINNEN sich der Partitur gemäß rechtwinklig zusammensetzen Die Bretter und Pfeiler lagen bereit. Jetzt musste alles nur noch zum haltbaren, klingendem Bau sich  auftürmen.

Workshop-Chor mit Bach-Kantaten Marienkirche Höxter am 14. April 2013

Kammerorchester „Sinfonietta Detmold“ und Workshop-Chor mit Bach-Kantaten Marienkirche Höxter am 14. April 2013

2.)  Der Begriff ‚Oratorium‘ ist ja vom WO ziemlich bekannt und belegt. Während das WO sich aber in seinen einzelnen Kantaten über mehrere Festtage erstreckt, erzählt das Himmelfahrts-Oratorium (HF) nur von einem Tag. Ist also mit seinen 9 Nummern entsprechend kürzer. Beide Kantaten gehen auf weltliche Vorlagen zurück. Die erste, eine Schulkantate von 1732 (vgl.Dürr, I, 288ff) und die zweite, die Wiederau-Kantate von 1737 (vgl.Dürr, II, 565). III.  Ist doch in Ordnung, dachte ich, dass J. S. Bach seine früheren situationsgebundenen Kompositionen ins geistliche recycelt-, also seine Werke im Notenschrank nicht versacken läßt, sondern aufarbeitet.  So finden sie im jährlichen Kirchenjahr-Zyklus bei uns regelmäßig Wiederverwendung. In genialer Weise bleibt dabei Bach ‚im Affektbereich der komponierten Musik‘ (so Dürr) und stellt nur passende Beziehungen zu den Lesungen des Sonntags her.

Meine Familie und ich waren im direkt an der Weser gelegenem Kloster Corvey gut untergebracht und über die Weser-Promenade konnte ich mit dem Fahrrad die Chorproben in der gotischen St.Marienkirche gut erreichen. Die längere Nachhause-Radtour hatte ich mir ja für den Montag aufgehoben. Denn am Sonntag und auch Montag nach dem Konzert sollte das Wetter ja besser werden. So geschah es dann. Dem Radler war ein blauer  Himmel beschert. Davon und den duftigen Wölkchen da oben inspiriert, will ich mich in meinem Bericht über Werkstatt und Aufführung nur auf die Schilderung des BLAUEN HIMMELS  und des SICH-FREUENS beschränken.

3.)  Es ist ja ein offenes Geheimnis, das Bach’s Kantaten in ihren musikalischen Motiven wahre Bilder malen: So die bewegten Wellen des Sees Genezareth, der Höllen Abgrund, Jagen und Tanzen, die Abendstimmung, die Gemeinschaft am Tisch und vieles mehr. Gerade wegen dieser Bildlichkeit sind Bach’s Kantaten auch so gut zu verstehen und im wirklichen Leben zu gebrauchen. Gilt gerade jetzt. Denn seit Jahresbeginn sehnen wir uns nach blauem, offenen Himmel. Wenn solch ein Himmel auf sich warten läßt, können wir ihn mit Bach in seinen Kantaten finden !!!       

Orchester und Workshop-Chor

Kammerorchester „Sinfonietta Detmold“ und Workshop-Chor Marienkirche Höxter  mit Bach-Kantaten am 14. April 2013                  

4.)  Jesus wird als Christus in den offenen Himmel aufgenommen. Die Tenor-Rezitative berichten dies und die Jünger und wir da unten STARREN STAUNEND nach oben. Was bleibt uns da übrig?  im BWV 11 – ‚Lobet Gott in seinen Reichen‘ -, ein reicher Raum, umgreifend von oben nach unten, umfassend die himmelstürmenden Phantasien und leider auch unsere erdgebundenen Realitäten. Aber immerhin mit drei Trompeten, Flöten, Oboen rühmen wir da unten ihn in seiner Pracht!  Wie Perlen tropfen die verschiedenen ‚Lobet-Rufe‘ der einzelnen Chorstimmen herunter,  reihen sich auf. Die Alt-Arie (Nr.4) trauert noch etwas dem Abschied-Nehmen hinterher. Die Sopran-Arie (Nr.8) in ihrer erlesenen Instrumentation (2 Traversflöten+Oboe) entwirft einen BETÖRENDEN Klang, als ob Christus wieder ins Irdische ‚heruntergezaubert‘ werden soll.

Der Schlusschor (Nr.9) fragt dann zunächst ein bißchen schläfrig nach dem ‚Wann es geschehen soll, das wir ihn in seiner Herrlichkeit wiedersehen‘. Dabei dominiert der Sopran  mit seinem lang ausgedehntem Cantus-Firmus (punktierte Halbe).                                                                                                                                        Doch plötzlich (ab Takt 41) kommen atemlose und ekstatische Töne, auch Tempowechsel:  angeführt vom Bass fragen drängend die Sänger: Du TAG, WANN WIRST DU ENDLICH DA SEIN. Da der starke Cantus-Firmus auch diese Passage (Takte 41-46) überdeckt, bekommen eigentlich nur wir Sänger dieses ‚etwas ungeduldige, fast unverschämte Fragen‘ mit. Damit wurde mir wieder einmal  deutlich, daß die Chorsätze in ihren verborgenen Motiven nur vom aktiven Sänger/IN entdeckt werden können. Denn innerhalb des Chorgewebes gibt es so viele musikalische z.Teil abgedeckte Motive und Strukturen, dass nur angeführt vom fachlich versierten Kantor  der interessierte Sänger/IN  die  Tiefe des Bach’schen Sinngehalts findet. Dass sich die einzelnen Stimmen (STAB) oft die Bälle zuwerfen, daß es auch ‚chorische Fugen‘ mit ihren festen Ablauffolgen gibt, dass Bilder im Kopf entstehen, kann der Hörer beim CD-Hören des HF oft heraushören. Daß  aber auch so etwas wie ‚GEHEIMBOTSCHAFTEN‘  im Ablauf und Zusammenklang der Stimmen herausgelesen werden können, wird nur der aktive Mitsänger aufspüren. Oder?

5.)  Wenn somit im Bach’schen Bild des OFFENEN HIMMELS solche untrügerischen Signale der Hoffnung und des Aufgehoben-Seins ausgesendet werden, dann bleibt nur noch ein überschwängliche SICH-FREUEN übrig. Diese Freude war dann in der zweiten Kantate BWV 30 ‚Freue dich, erlöste Schar‘ angesagt. Natürlich merkte man dieser Kantate auf Grund ihrer Inhomogenität ihren Parodiecharakter an.

6.)  Besonders  eindrücklich war für mich die Alt-Arie Nr.5  ‚….eilt und lauft ihr Adamskinder‘. Als ich bei der Zurück-Radfahrt am Montag nach dem Konzert mal besonders ‚abgeschlafft‘ war, ging mir genau diese Arie durch den Kopf. Na-,  was geschah dann? Bach’s Arie wirkte wie ein Energie-Riegel. ‚Eilen und Laufen‘ bekamen in mir wieder lust..

7.)   Was nicht vergessen werden sollte:

Kai Koch an der Orgel mit dem Präludium in e-moll von  Nicolaus Bruhns (1664-1694)

                 Kai Koch an der Orgel mit dem „Präludium in e-moll “ von Nicolaus Bruhns (1664-1694)

Nikolaus Bruhns (1665-1697)  und sein „Präludium in e-moll“ wurde von Kantor Kai Koch bravurös gemeistert.

– Zu den Solisten kann ich nicht viel sagen, da ihre Stimmen von uns hinten in der Choraufstellung nur reduziert wahrgenommen wurden. – Das Orchester und besonders die Continuo-Instrumente fand ich zu prägnant und laut. Dies war aber aufgrund der akustischen Verhältnisse nicht anders zu erwarten. Außerdem macht es mir immer Spaß, die Instrumente prägnant zu hören und zu sehen.

Kai Koch und Gesans-Solisten

Von links im Foto: Organist: Kai Koch und Gesangs-Solisten: Mathis Koch (Bariton) Stefan Sbonnik (Tenor) Lena Sutor-Wernich (Alt) Claudia Ehmann (Sopran) 

– Dankbar bin ich Kantor Jost Schmitthals und Kai Koch, dass beide zusammen diese Werkstatt-Arbeit jetzt zum drittenmal angeboten habe.

  • Schön-, dass unser Webmaster Volker und seine Frau zum Konzert anreisten. So gibt es jetzt noch eine weitere Sicht auf das Konzert und gewiss schöne Bilder davon.

– Herzlich danken will ich auch den Gastgebern, welche die weitgereisten Gäste aus Berlin und Herford im Anschluss an das Konzert mit Quiche Lorraine und Vin rouge verwöhnten.

Foto von links:  Konzertmeisterin Christiane Mundschick und Jost Schmithals, Leiter des Mitsing-Projektes in Höxter 14. April 2013

Foto von links: Konzertmeisterin Christiane Mundschick und Jost Schmithals, Leiter des Mitsing-Projektes in Höxter 14. April 2013

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Mit der Hoffnung , dass in diesem Frühling der OFFENE HIMMEL uns erhalten bleibt….

grüßt

ADAMO

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Eine Rezension der NW vom 17.4.2013 kann als PDF mit dem unteren Link aufgerufen werden.

https://meinhardo.files.wordpress.com/2013/04/nw-rezension-bach-kantaten-hc3b6xter-17-04-20131.pdf

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Fotoalbum anliegend  –  das Bild zur Vergrößerung a n k l i c k e n –  die Bilder

stehen den Konzert-Teilnehmern zur freien Verfügung !

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Ein Video als Zusatz-Bon-Bon live der Eingangschor aus der

Kantate BWV 11 „Lobet Gott in seinen Reichen“

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Die zweite Etappe des Kölner Teils “Bach Marathon” – Die Johannes-Passion von J.E. Gardiner in der Philharmonie Köln


J.E. Gardiner - Johannes-Passion BWV 245 in der Philharmonie Köln (Bildrechte: Leen Roetman).

   J.E. Gardiner – Johannes-Passion BWV 245 in der Philharmonie Köln (Bildrechte: Leen Roetman).

Hallo zusammen,

nachdem ich die Johannes-Passion nun schon vier Mal mit John Eliot Gardiner erlebt habe, hatte ich ein schönes Konzert am Karfreitag, 29. März 2013 in der Philharmonie Köln, aber nicht viele neue Interpretationsansätze erwartet. Zumal die vorigen Versionen sich eigentlich immer glichen. Und doch: Gardiner scheint das Werk völlig neu durchdacht zu haben.

Programm - Johannes-Passion BWV 245 in der Philharmonie Köln (Bildrechte: Leen Roetman).

Programm – Johannes-Passion BWV 245 in der Philharmonie Köln (Bildrechte: Leen Roetman).

In der ausverkauften Kölner Philharmonie gab es eine  Johannes-Passion, BWV 245 zu hören, die derart filigran durchdacht und musiziert wurde, dass man immer wieder dachte, die Welt müsse kurz still stehen bleiben. Und das meine ich nicht als eine der üblichen Gardiner-Fan-Superlativen.

J.E. Gardiner - Johannes-Passion BWV 245 in der Philharmonie Köln (Bildrechte: Leen Roetman).

               J.E. Gardiner – Johannes-Passion BWV 245 in der Philharmonie Köln (Bildrechte: Leen Roetman).

War man bisher gewohnt, dass der Eingangschor dramatisch laut und eindringlich den Herrn anrief, ihn manchmal regelrecht anbrüllte, ließ Gardiner nun feierlich und ehrfürchtig „rufen“. Immer wieder reduzierte er deutlich das Volumen und erzielte schon nach wenigen Takten, dass man auch als geübter Konzertbesucher (auch als Gardiner-Kenner) dachte, dass jetzt mal etwas ganz Neues kommt. Der Monteverdi Choir brillierte hier und im gesamten Werk durch selbst für den Monteverdi Choir selten gestochen scharfe Artikulation und besonders in den Chorälen immer wieder durch unerwartete kleine Absetzer, die den Text plastisch in den Vordergrund rückten. Am Ende des Eingangschors war man bisher gewöhnt, dass Chor und Orchester alles geben. Diesmal kamen die Schlusstakte in einem Piano daher, dass den Raum durch Ausdruck, nicht durch Lautstärke einnahm. Die kleine Atempause zwischen den zwei letzten Worten „herrlich“ und „ist“ mit einem zurückhaltenden brutal-sanft-dramatisch-harmonischen Schlussakkord ließ hörbar allen etwa 2000 Zuhörern den Atem stillstehen.

Der Evangelist Andrew Tortise sang seine Rolle im Gegensatz zu dem bisher als Evangelist omnipräsenten Mark Padmore recht sportlich, was erstaunlicherweise aber weder auf Kosten von Tiefgang, noch auf Kosten von Stimmästhetik ging. Im Gegenteil hat Gardiner mit dieser Wahl wieder einmal bewiesen, dass er es versteht, auch seinen eigenen Interpretationen hin und wieder mal gehörig den Staub auszuschütteln. Was um Himmels Willen keine Kritik an Mark Padmores Evangelist sein soll. Der hat seinen Stern im Bach-Himmel sicher.

Auch die Tenor-Arien sang Andrew Tortise absolut überzeugend. Seine Stimme werden wir nun sicher des Öfteren hören. Gut so.

Zu Peter Harvey (Bass-Pilatus, Arien) – braucht man nicht viel zu schreiben. Egal, was er singt, er macht routiniert das Beste draus. Ebenso Dietrich Henschel (Bass), der als Jesus als Einziger auf der Bühne im dunklen Anzug erschien und nicht im Frack. Im Gegensatz zu vorigen Aufführungen sang diesmal auch „Jesus“ im Chor mit.

The Monteverdi Choir mit der Johannes Passion in der Philharmonie Köln (Fotorechte: Leen Roetman)

 Monteverdi Choir und English Baroque Soloists in der Philharmonie Köln  am 29.3.2013 (Fotorechte: Leen Roetman)

Hannah Morrison sang ihre Sopranarien mit der in Gardiners Bach nicht mehr wegzudenkenden kristallklaren schlanken Stimme, die wir so oder so ähnlich auch von anderen Sopranistinnen kennen. Vielleicht legt sie in künftigen Konzerten noch etwas an Ausdruck nach.

Meg Bragle (Alt) – verwundert mich immer wieder. Wenn sie einsetzt, habe ich immer Angst, dass sie mit ihrer leisen Stimme untergeht, wenn das Orchester etwas Anderes als Pianissimo spielt. Komischerweise denke ich das aber eben nur, wenn sie einsetzt. Und wenn ich mich hinterher daran erinnere, wie ich das bemerkte. Dazwischen singt sie so enorm hingebungsvoll, so dass man gebannt lauscht.

Was gibt es noch „Neues“? Gardiner hat dem Basso Continuo wieder eine Stelle mehr zugestanden. Anstatt eines Tastenspielers, der ständig zwischen Cembalo und Orgel pendelt, versahen nun Howard Moody und James Johnstone ihren Vollzeitdienst an der Orgel bzw. am Cembalo. Was mich persönlich freute, weil das Cembalo in einigen Passagen einfach noch mehr Dramatik auszudrücken vermag.

Aus dem „Ruhet wohl“ hat der Boss das Tempo auch noch rausgenommen und beim Orchester das Volumen. Dafür wurde mächtig an Ausdruck zugelegt. Phasenweise schwebt der Klang förmlich schwerelos durch den Raum. Würde er den Chorus auf zwanzig Minuten dehnen – ich bin mir nicht sicher, ob das jemand merken würde, so fesselnd wirkte das.

Inzwischen ist es eines von Gardiners Markenzeichen, größere Werke nach oben hin abzuwinken und sodann die Hände sehr langsam sinken zu lassen. Meistens kapiert das Publikum denn Sinn dahinter nicht und klatscht schnell drauflos, weil man ja auch schon an den Stau im Parkhaus denkt. Nicht so diesmal das sonst eher weniger sensible Publikum der Kölner Philharmonie. Selbst als Gardiners Hände dann unten sind, herrscht gebannte Totenstille, bis er mit er einem Kopfnicken und Grinsen Richtung Kati Debretzeni  (Konzertmeisterin) – vermutlich andeutet, dass es diesmal geklappt hat.

Der Applaus kracht herein und nach etwa 15 Sekunden steht die gesamte Philharmonie. Das hab ich da noch nie erlebt.

Schöne Ostern!

Martin

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P. S.

Herzlichen Dank an Leen Roetman, der uns die Bilder zur Verfügung gestellt hat..!!

Auf BBC Radio 3 läuft zur Zeit der Bach-Marathon..!!

Bach-Marathon

You-Tube-Video

Johannes-Passion von Sir John Eliot Gardiner:

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Die erste Etappe des Kölner Teils der “Bach Marathon” – Die Bach-Tour von J.E. Gardiner


Hallo zusammen,

gestern Abend fand die erste Etappe des Kölner Teils der “Bach Marathon”- Tour Gardiners statt. Der Abend begann mit einer interessanten Diskussion zwischen Isabella de Sabata und dem Intendanten der Kölner Philharmonie, Louwrens Langevoort, bei der hauptsächlich auf Gardiners eigenes Label “Soli Deo Gloria” eingegangen wurde, das im Wesentlichen von IdS mitverantwortet wird.

Philharmonie Köln

                                                               Philharmonie Köln

Wie ja bekannt ist, wurde im Vorfeld der Bach Cantata Pilgrimage seitens der “Deutsche Grammophon” zugesagt, das gesamte Projekt durch Aufnahmen und späteren Vertrieb zu unterstützen. Sehr kurzfristig jedoch sprang die DG aufgrund der immer kritischer werdenden wirtschaftlichen Aussichten für diese Sparte der Platten-/CD- Industrie ab.
Isabella de Sabata, die vormals (genau wie Louwrens Langevoort) bei Philipps gearbeitet hat, konnte erreichen, dass ein ehemals zu Philipps gehörendes und inzwischen unter dem Namen Polyhymnia selbstständiges Aufnahmeteam die gesamte Tour begleitete und sowohl Proben als auch die Konzerte aufnahm. Dabei fungierte sie selbst als Producerin.

Am Schluss der einjährigen Tour waren von allen Proben und über 60 Konzerten mehr als brauchbare Mitschnitte entstanden. Einzige Ausnahme waren die Proben und das Konzert zu Himmelfahrt in der Salesbury Cathedral. Da diese Kathedrale ein Touristenmagnet ist, erlaubte man es nicht, dass die Kirche für die Proben geschlossen wurde. So waren zuviel Hintergrundgeräusche auf den Bändern, als dass man sie guten Gewissen hätte später veröffentlichen können. Die Aufnahme der vier Himmelfahrtskantaten wurde im letzten Jahr in London nachgeholt und die CD wird am 2. April veröffentlicht. Dabei waren sowohl jüngere Mitglieder des Monteverdi Choir und der EBS dabei, wie auch älter gediente Mitglieder, die an der Bach Cantata Pilgrimage teilgenommen haben.

Für Isabella war es nach eigenem Bekunden einerseits wie ein “nach Hause kommen”, da sie ja selbst die komplette BCP begleitet hat und die besondere Stimmung der Tour prägend für alle Beteiligten war.

Andererseits zeigt sich aber auch, dass sich Gardiners Ensembles in einem ständigem Umbruch befinden, ohne den Charakter zu verlieren. Eine besondere Rolle nimmt hier das “Apprentice”-Programm ein, bei dem aus jährlich circa hundert hoch talentierten Bewerbern vier oder fünf Sänger oder Instrumentalisten ausgewählt werden, die dann ein Jahr unter Anleitung eines Mentors, also eines etablierten Mitglieds eines der Ensembles, eng begleitet werden. Am Ende des Jahres findet erneut ein Vorsingen oder -spielen statt, bei dem Gardiner entscheidet, ob der jeweilige “Apprentice” auch zukünftig zu den Ensembles zählt.

Dieses Programm gibt es bereits seit einigen Jahren und inzwischen besteht der Chor, der übrigens nächstes Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag feiert, nahezu vollständig aus jüngeren Gesichtern. Und dennoch: Die letzten beiden aktiven Gründungsmitglieder haben den Chor erst vor kurzem verlassen. Isabella de Sabata betonte, dass sie das Gefühl hat, dass der Chor immer besser und leistungsfähiger wird. Eine Einschätzung, mit der sie nicht alleine steht. Im Dezember 2010 kürte die BBC den Monteverdi Choir zum weltbesten Chor.

Abschließend wurde noch auf den Bach Marathon in London eingegangen, der von der BBC live übertragen wird.

Über das eigentliche Konzert möchte ich nicht zu viele Worte verlieren, da es ja zumindest in Ausschnitten im Radio gesendet werden soll, wenn ich das richtig verstanden habe.

Nur so viel: Unter dem Begriff “Gesprächskonzert” verstanden die Beteiligten ein kurzes einführendes Gespräch zwischen Louwrens Langevoort und John Eliot Gardiner über die Kantate BWV 4 “Christ lag in Todesbanden” und die Johannes-Passion. Danach gab es eine etwa siebzigminütige breit angelegte, aber sehr kurzweilige Probe der Kantate, bei der einem immer wieder das unglaubliche Talent aller auf der Bühne Beteiligten klar wurde. Gardiner, der auch immer wieder erklärte, was er sich zu den jeweiligen Stellen denkt, versteht es mit seinem vielfach beschriebenen “absolutem Gehör” und seinem Witz, Charme, aber auch mit seiner gefürchteten harten, direkten Kritik vor allen Leuten (damit hielt er sich vor dem Publikum natürlich etwas zurück), seine maximal talentierten und ausgebildeten Musiker zu einer tief gehenden, stimmigen und überzeugenden Interpretation zu leiten.

Man merkt in jeder Sekunde, dass Gardiner unfassbar präzise weiß, wie er “seinen” Bach haben möchte und er gibt sich so lange nicht zufrieden, bis er ihn gehört hat. Darunter musste auch das Publikum spaßvoll “leiden”, das den Schlusschoral mitproben und dann mitsingen durfte. Es dauerte nicht wenige Durchgänge, bis alles so saß, bis der Chef es dann abnickte..
Zwischendurch, nach den jeweils geprobten Sätzen der Kantate, aber besonders am Ende gab es krachenden, lang anhaltenden Applaus. Hoffentlich gibt es solche Veranstaltungen mal des Öfteren.

Heute Abend folgt dann an gleicher Stelle die Johannes-Passion BWV 245.

Euch allen schöne Ostern!
Martin

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P.S.

Ein Zeitungsartikel aus Köln vom Freitag, 29.03.2013

Link: Titel: Der Marathonläufer

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Himmelskönig sei willkommen – Bachs 328. Geburtstag in Leipzig


„Himmelskönig sei willkommen“ – Bachs 328. Geburtstag in Leipzig !

Ganz kurzfristig hatte ich mir Leipzig verordnet. Bach’s 328. Geburtstag am 21.03.2013 lud dazu ein, und ich brauchte dringend Luftveränderung und gescheite Musik.

J.S. Bach's 328. Geburtstag in Leipzig am 21. März 2013

                                        J.S. Bach’s 328. Geburtstag in Leipzig am 21. März 2013

Mein 1. Weg in Leipzig führte zum Thomasshop und zur Thomaskirche. Für das Geburtstagkonzert gab`s noch Karten. Es war ein außergewöhnliches Konzert. Gespielt wurde auf historischen Instrumenten, die teilweise aus dem Bach-Archiv kamen; die Thomaner haben in bachscher Orginalbesetzung gesungen. Die 16 – 23 Mitglieder des Thomanerchores unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller musizierten zusammen mit Solisten und dem Leipziger Barockorchester. Es war beeindruckend, mit welcher swingenden Leichtigkeit die Thomaner die Kantate BWV 182 anstimmten. Es wirkte einfach ansteckend.

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Begeistert war ich auch vom Orgelspiel des Universitätsorganisten Daniel Beilschmidt, der am 1. Abend an der Bachorgel u. a. einen Reger hingelegt hat (op.46/1), von dessen immer wiederkehrenden B-A-C-H  ich später nachts geträumt habe.

Mit lang anhaltendem Applaus haben wir uns bedankt. Biller konnte nicht umhin, uns mit seinen Thomanern eine Zugabe zu schenken: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.

Himmelkönig sei willkommen Chorbesetzung wie zu Bachs Zeiten und historische Instrumente

Kantate BWV 182 „Himmelskönig sei willkommen“ Chorbesetzung wie zu Bachs Zeiten und historische Instrumente

Der nächste Tag brachte die Freitagsmotette, wunderschön gestaltet; diesmal mit einem Universitätschor aus Minsk. Bei den kirchenslavischen Stücken sind wir weggeschmolzen. Aber viel Zeit zum Verweilen blieb nicht. Im Bachmuseum im Sommersaal legten Ute Loeck, Christoph Biller und der Pianist Stephan König „CHANCONettes mit Bach“ auf Parkett. Biller war als Johann Sebastian Bach direkt vom Himmel eingeflogen, hatte Friedemann (den Pianisten) gleich mitgebracht und die beiden waren zusammen mit Ute Loeck fit von Bach bis zu den Beatles. Wir haben uns vor Lachen gebogen und konnten nicht genug bekommen. Samstag ging Bachs Geburtstagfeier bei eisiger Kälte weiter, wir mussten (Carla, Tochter war freitags nachgekommen) wieder gen Heimat. Aber die Motette um 15.00 h in der Thomaskirche haben wir noch „mitgenommen“. Diesmal wieder in der ursprünglichen Besetzung mit Biller, den Thomanern und dem Gewandhausorchester.

Auf der Rückfahrt haben wir nur geschwärmt. Dieses quirlige, lebendige vor Musik überschäumende Leipzig hat es uns angetan. Nur drei Stunden Fahrt – und eine andere Welt. In diese Welt tauchen wir spätestens im Juni wieder ein.

Herzlichen Gruss

Iris

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P.SVideo: Leipziger Schüler feiern J.S. Bach in der Thomaskirche

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Die Nordwestdeutsche-Philharmonie glänzte mit zwei Nachwuchs-Künstler beim 10. Stifter-Konzert in der St. Marienkirche Stift Berg, Herford


Marienkirche Stift Berg Herford

                                                                         St. Marien Kirche Stift Berg in Herford

Ein hochkarätiges Konzert gab es in der St. Marien Kirche Stift Berg in Herford zu bewundern. Eingeladen hatte die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD), Herford am Sonntag, 3.3.2013 alle Stifter zum 10. Konzert mit Werken von der Barock- bis zur Klassikzeit.

Programm 1. Seite

Selten so launig begann der Intendant der Nordwestdeutschen Philharmonie „Andreas Kuntze“ seine Begrüßungsansprache. Die Erleichterung war ihm spürbar anzumerken, dass das Orchester der Nordwestdeutschen Philharmonie in Zukunft finanziell durch die Kommunen in OWL eine breite Unterstützung erfährt das vor ein paar Wochen so noch nicht abzusehen war.

Intendant der NWD Herford Andreas Kuntze bei seiner Eröffnungsrede

           Intendant der NWD Herford – Andreas Kuntze bei seiner Eröffnungsrede in der St. Marienkirche Stift Berg

Das sei ein bundesweit einmaliges Modell. Ideen, Wünsche und Hoffnungen würden jetzt in eine „Perspektiv-Konferenz OWL“ einfließen, Ein Schwerpunkt sei dabei die kulturelle Bildung und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und das Orchester wird neue Programme und Konzertformen ausprobieren. Erfolgreiche  Auslandsauftritte des NWD-Orchesters aus OWL in ganz Europa sprechen eine eindeutige Sprache über das zu bewahrende Kulturgut.

Programm:

Programm des 10. Stifter-Konzertes

                                                                                   

Ausführende:

Ausführende NWD-.Konzert

Zum Konzertanfang erklang die

Sinfonie G-Dur KV 129 von W.A. Mozart (1756-1791).

Er komponierte sie im Jahr 1772 in Salzburg und war 16 Jahre alt. Nach der Alten Mozart-Ausgabe trägt die Sinfonie die Nummer 17. Das große NWD-Orchester bestach durch eine schwungvolle und heitere Interpretation und wurde durch den zuvor verpflichteten Jung-Dirigenten Johannes Klumpp dementsprechend mit seiner prägnanten Körpersprache zielgerichtet unterstützt.

Ein weiteres sinfonisches Werk des 18-jährigen Franz Schubert (1797-1828) –

Sinfonie Nr. 3 D-Dur D 200

erklang als ein weiterer Programmpunkt.

Die Sinfonie entstand für ein Liebhaberorchester unter der Leitung des Geigers Josef Prohaska; Schubert spielte in diesem Orchester die Bratsche. Es wird vermutet, dass die erste Aufführung der Sinfonie im privaten Rahmen durch Prohaskas Orchester stattfand. Die erste öffentliche Aufführung fand jedoch erst am 19. Februar 1881 in London durch den Musikforscher George Grove statt, der in dieser Zeit alle Schubert-Sinfonien zur Aufführung brachte.

Wie zuvor in der Mozart-Symphonie gab der Jung-Dirigent Klumpp ein herrlich zupackendes Tempo vor, und die Akteure wie auch das Publikum werden davon getrieben und begeistert. In Johannes Klumpps Interpretation tendierte Schuberts jugendliche Sinfonie nicht in die klassische, sondern eindeutig in die seelenbewegt romantische Richtung. Klumpp ließ die Musik atmen und leben.

Als ein absolutes Highlight des Konzert-Abends entwickelten sich die vier Sopran-Arien, vorgetragen von der vortrefflich singenden Mezzosopranistin „Nicole Pieper“ – als die Entdeckung des Abends – in den drei barocken Werken von:

Johann Adolph Hasse (1699-1783) Cleofide: „Generoso risuegliati“

Georg Friedrich Händel (1685-1759) Floridante: Notte cara“

Antonio Vivaldi (1678-1741) „Se lento ancora il fumine“

sowie in dem Werk von

W.A. Mozart (1756-1791) Große Messe in c-Moll „Laudamus te“

Mezzosopran: Nicole Pieper beim 10. NWD-Stifterkonzert in der Marienkirche Herford am  3. März 2013

   Mezzosopran: Nicole Pieper beim 10. NWD-Stifterkonzert in der Marienkirche Herford am 3. März 2013

Ihre vier Gesangs-Beiträge waren das Nonplusultra des Abends und ging einem unter die Haut. Ein solch raumfüllendes Stimmvolumen erlebt der Besucher nicht alle Tage, sie ist ein Juwel in der deutschen Riege der Jung-Mezzosopranistinnen und wird eine große Zukunft vor sich haben. Diese Leichtigkeit des Singens, ihre Koloraturen sind wie ein Nachtigall-Gesang und bezaubert durch ihren natürlichen Gesangs-Vortrag, das war absolute Spitzen-Klasse. Die Arien von Hasse, Händel, Vivaldi und Mozart erklangen zusammenhängend wie eine Perlenschnur in der wunderbarsten Form und Ausführung, Herz was begehrst du mehr….

Ein weiterer großartiger Könner als Dirigent ist Johannes Klumpp lobend zu erwähnen. Klumpp ist mit einer suggestiven Körpersprache begnadet. In der kraftvollen Weichheit seiner Bewegungen vermag er auf ebenso natürliche Weise zu befeiern, wie zu innigsten Momenten zu führen. Der Besucher hat verstanden, warum Johannes Klumpp nicht nur mit Preisen geradezu überschüttet wurde, sondern auch als einer der vielleicht größten Nachwuchstalente gilt……

Dirigent:  Johannes Klumpp beim 10. NWD-Stifterkonzert in der Marienkirche Herford  am 3. März 2013

   Dirigent: Johannes Klumpp beim 10. NWD-Stifterkonzert in der Marienkirche Herford am 3. März 2013

Ein großes Finale erhalten die Protagonisten durch die Besucher mit einem nicht endend wollenden und frenetischen Applaus. Das war wieder eine Sternstunde für die Stifter der „Nordwestdeutschen Philharmonie“ und wird in den Analen der Historie eine besonderen Platz einnehmen.

Herzlichen Dank für diese ausgezeichnete Programmauswahl, die uns vollends begeistert und überzeugt hat und wünsche dem großartig aufspielenden NWD-Orchester weiterhin alles Gute, möge ihre Reise nun in eine finanziell abgesicherte Zukunft gehen. Bei diesen großartigen Instrumentalisten müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das in OWL nicht möglich wäre.

Alle Förderer und kommunale Institutionen in Ostwestfalen-Lippe sind aufgerufen, dieses hervorragende Orchester am Leben zu erhalten. Sie haben es absolut verdient, für die Zukunft eine gesicherte Existenzgrundlage vorzufinden..!!

Grüße

Volker

 

 

In der Stadtkirche Bad Salzuflen erklangen zu Epiphanias aus dem Weihnachtsoratorium von J.S. Bach die Kantaten 4 bis 6


Ev. reformierte Stadtkirche in  Bad Salzuflen_

                         Evangelisch reformierte Stadtkirche in Bad Salzuflen

Kirchenchor der Ev. reformierten Stadtkirchengemeinde  Bad Salzuflen

                                       Kirchenchor der Ev. reformierten Stadtkirchengemeinde Bad Salzuflen

Liebe Bachfreunde(innen)

Bad Salzuflen lud Gastsänger in die Evangelisch reformierte Stadtkirche ein für das Weihnachtsoratorium, Kantaten 4 bis 6 von Johann Sebastian Bach. Dieses Angebot von der rührigen Kantorin: Waltraud Huizing sind wir sehr gerne gefolgt und erlebten fantastische Stunden unter Gleichgesinnten in einer wunderbaren Chorgemeinschaft.

Evangelisch reformierte Stadtkirche in Bad Salzuflen

    Evangelisch reformierte Stadtkirche in Bad Salzuflen

Vorangegangen war am Freitag ein mehrstündiger Workshop des Kirchenchores, um Gastsängern die Möglichkeit zu bieten, in der Einarbeitung der Kantaten mitzuwirken und den Kirchenchor zu verstärken.

Faszinierend mitzuerleben, wie die Kantorin „Waltraud Huizing“ die Probenarbeit gestaltete, in ihrer freundlichen Art immer motivierend den Chor anzusprechen  und gezielte Feinheiten und Höhepunkte in den Kantaten mit dem Chor zu erarbeiten und umzusetzen. Ihr gelang es vortrefflich, uns immer wieder mitzureißen und machte die Probenarbeit für uns zu einem reinen Vergnügen. Das ist ihre große Stärke, eine Chorgemeinschaft zusammen zu schweißen und eine chorischen Einheit zu bilden.

Kirchenchor der Ev. reform. Stadtkirchengemeinde Bad Salzuflen - (Fotorechte: Stadtkirche Bad Salzuflen)

Kirchenchor der Ev. reformierten Stadtkirchengemeinde Bad Salzuflen – (Fotorechte: Stadtkirche, Bad Salzuflen)

Aufgeführt wurden die Kantaten 4 bis 6 und gehören zu den weniger bekannten Teilen des Weihnachtsoratoriums von J.S. Bach. Sie beginnen mit dem Chor „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“. J.S. Bach hat die Kantaten demnach für den Sonntag nach Weihnachten, für den Neujahrstag und für Epiphanias komponiert. Mit den festlichen Werken wurde der Weihnachtsfestkreis abgeschlossen.

Kantorin Waltraud Huizing und das junge Trompeten-Ensemble

Kantorin Waltraud Huizing  (rechts im Bild) und das junge Trompeten-Ensemble von der HfM Detmold.

Die Besetzung des Chores um die 45 Personen – einschließlich der Gastsänger(innen) war wiederum ein erhebendes Erlebnis in so einem großartigen Oratorium mitwirken zu können. Ein mittleres Durchschnittsalter im Chor, besetzt mit gut ausgebildeten Sänger(innen) ergab ein sehr schön abgerundetes Klangbild.

Aufführende Weihnachtsoratorium Kantaten 4-6  in der Stadtkirche Bad Salzuflen

Aufführende vom Weihnachtsoratorium – Kantaten 4-6 von „Johann Sebastian Bach“ in der Ev. reform. Stadtkirche in Bad Salzuflen.

Ein Juwel-Gesang purer Freude ist von der Sopranistin „Iris Duwensee“ zu vermelden die in ihren Partien  großartig überzeugen konnte. „Mechthilt Kerscher Alt, stand dem in nichts nach und brillierte mit einem großartigen Gesang. Der Tenor Götz Phillip Körner  – ausgestattet mit einem warmen Timbre in seiner Stimmlage und einer guten Wortartikulation war eine gelungene Verpflichtung. Der Bass – Gottfried Meyer aus Detmold überzeugte mit seinem großartigen Stimm-Volumen und war für mich die große Überraschung unter den Gesangs-Solisten. Stimmlich passten die Gesangs-Solisten gut zu einander und überzeugten in der Kantate sechs in Nr: 63 im Rezitativ: „Was will der Hölle Schrecken nun.“

Die Gesangs-Solisten mit Kantorin Waltraud Huizing

            Die Gesangs-Solisten mit Kantorin Waltraud Huizing, 2. von rechts im Bild  – (Fotorechte: Schwabe, LLZ)

Das OrchesterLa Réjouissance“ aus Detmold wurde 1990 mit dem Ziel, einen flexiblen Klangkörper zur musikalischen Unterstützung von hauptsächlich in Ostwestfalen beheimateten Chören zu sein, von Friedhelm Flamme, Gregor Schwarz und Gregor van den Boom in Detmold gegründet. Seit dieser Zeit konzertieren die Musiker des von 4-80 Personen reichenden Klangkörpers zunehmend auch außerhalb Ostwestfalens und haben sich über das begleitende Musizieren auch einen Namen mit eigenständigen, rein orchestralen Konzertprogrammen geschaffen. Die stilistische Spannweite reicht dabei von der Frühklassik bis hin zur Moderne.

Das Orchester "La Réjouissance" aus Detmold (OWL).

                          Das Orchester „La Réjouissance“ aus Detmold (OWL).

Das Orchester-Ensemble bestach durch ein harmonisches Zusammenspiel und gestalteten die Solopartien im Bc und Violin-Solo (Gregor van den Boom) – mit einer gekonnten und einer beeindruckenden barocken Spielweise. Als ein umsichtiger Konzertmeister erwies sich als Leiter des Orchesters „La Réjouissance“ Gregor van den Boom.

Durch ein beeindruckendes Können überzeugte die verpflichtete Honistin aus Iserlohn und der Hornist aus Hagen (Westfalen). Im Chor-Eingang-Satz der Kantate vier: „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“, und in dem Choral-Schlussteil der Kantate vier: „Jesus richte mein Beginnen“ waren sie das krönende Element in einer ausgezeichneten Wiedergabe. Da geht einem das Herz auf, wenn solch Klasse-Hornisten zum Anfang des Konzertes den wundschönen Choral so eindrücklich begleiten und man es als aktiver  Chorsänger hautnah miterleben kann. Diese Beglückung und Erfüllung wird der Besucher in der voll gefüllten Kirche ebenso erfahren haben und die Bach’sche Musik in seinem Herzen verinnerlicht haben.

Eine überzeugende Hornistin aus Iserlohn und ein ebenso überzeugender Hornist aus Hagen

Eine überzeugende Hornistin aus Iserlohn und ein ebenso überzeugender Hornist aus Hagen in Westfalen.

Das Trompeten-Ensemble, bestückt mit modernen Miniatur-Trompeten, gelang der Bravour-Ritt in der abschließenden Kantate Nr. 6 mit der Eröfnungs-Fanfare: „Herr wenn die stolzen Feinde schnauben“ mehr als beeindruckend, das war hinreissend gespielt und die göttlichen Trompeten geleiteten dann zum Abschluss mit dem Choral: „Nun seid ihr wohlgerochen“ die Aufführung zu einem erhebenden Finale.

Trompeten-Ensemble von der HfM Detmold

                                                      Das Trompeten-Ensemble von der HfM Detmold

Es war ein Genuss für @Wolfgang und mich, in diesem Weihnachtsoratorium mitgewirkt zu haben und war ein krönender Abschluss des Weihnachts- und Neujahrfestes. Bach, er lebt in uns weiter und steigert unsere Vorfreude auf die kommenden Bachfeste in Detmold (Mai 2013) und Bachfest-Leipzig im Juni 2013.

Liebe Bach-Grüße

Volker

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Das Foto-Album:

„Evangelisch reformierte Stadtkirchengemeinde Bad Salzuflen“

Konzert am Samstag, 5. Januar 2013 – J.S. Bach BWV 248 Weihnachtsoratorium,

Kantaten vier bis sechs.

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Die Konzert-Kritik der Lippischen Landeszeitung vom 08.01.2013

nachstehend als PDF

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Video-Link von der Probe in der Stadtkirche Bad Salzuflen….

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In der Konzerthalle der HfM Detmold erklangen am 06.10.2012 Kantaten von J.S. Bach und das Requiem von W.A. Mozart


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Konzerthalle der Hochschule für Musik in Detmold

Konzerthalle der Hochschule für Musik in Detmold

Liebe Bach- Mozart-Freunde/innen !

ein Konzert über die Sehnsucht des Sterbens erklang in der Konzerthalle der HfM –  „Hochschule für Musik Detmold“ am Samstag, 06.10.2012 mit zwei Kantaten von J.S. Bach und dem Requiem von W.A. Mozart. Das Konzerthaus war an diesem Abend gut gefüllt und das Programm hatte es in sich:

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Programm: 

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HfM Detmold Konzertankündigung Prof. Weinberger

HfM Detmold Konzertankündigung Prof. Weinberger

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In Abänderung des Programms erklangen zum Anfang die zwei Bach-Kantaten

Johann Sebastian Bach (1675-1750)

Kantate BWV 27  “Wer weiß, wie nahe mir mein Ende”

und die

Kantate BWV 82  “Ich habe genug

Nach der Pause 

Requiem von W.A. Mozart.

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Das Konzerthaus der Detmolder HfM verfügt über einen weltweit einzigartigen Raumklang: 325 programmierbare Lautsprecher können alle Arten von Raumakustik im Konzerthaus reproduzieren und modifizieren.

Informationen zur Wellenfeldsynthese. Nähere Angaben dazu über ein PDF nachstehend:

pdf Konzerthaus der HfM Detmold.pdf

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Die zwei Bach-Kantaten waren ein konzertanter Genuss, überragend gelang der Vortrag durch die Barockakademie der Hochschule für Musik Detmold. Ein stimmlich vollendetes Volumen war zu hören, so manch bekanntes Vokalensemble würde vor Neid erblassen. Die Ausbildung dieser jungen Truppe ist fantastisch und ist ein homogenes Vokalsolisten Ensemble  (Chorassistenz: Benno Schachtner), das ergibt eine Gesangs-Kultur auf hohem Niveau. Das Instrumentalsolisten-Ensemble der Barockakademie (Leitung: Ulrike-Anima Mathé), glänzte ebenfalls mit einem ausdrucksstarken Spiel.

Vokalsolisten-Ensemble der Barockakademie HfM Detmold. Leitung Prof. Gerhard Weinberger

Vokalsolisten-Ensemble der Barockakademie HfM Detmold. Leitung Prof. Gerhard Weinberger

Vokalsolisten-Ensemble der Barockakademie HfM Detmold. Leitung Prof. Gerhard Weinberger

Vokalsolisten-Ensemble der Barockakademie HfM Detmold. Leitung Prof. Gerhard Weinberger

Kantate BWV 27 „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende

Gesangs-Solisten:

Corinna Kuhnen (Sopran) – Julia Maria Spies (Alt) – Volker Hanisch (Tenor) – Fabian Kuhnen (Bass)

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J.S. Bach komponierte die Kantate in seinem vierten Amtsjahr in Leipzig für den 16. Sonntag nach Trinitatis. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren Eph 3,13-21 LUT, „Paulus betet für die Stärkung des Glaubens der Gemeinde in Ephesus“, und Lk 7,11-17 LUT, die Erweckung des Jünglings von Nain. Zu Bachs Zeit verwies das Evangelium auf die Erweckung der Toten allgemein, verbunden mit einer Sehnsucht nach dem Tod. Der unbekannte Textdichter bezog im Eingangssatz die erste Strophe des Liedes „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende?“ von Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt ein, das auf die Melodie von „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ gesungen wird. Er verwendete als Schlusschoral die erste Strophe von „Welt ade! ich bin dein müde“ von Johann Georg Albinus. Bach führte die Kantate am 6. Oktober 1726 erstmals auf.

Die Kantate ist besetzt mit vier Solisten, Sopran, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigem Chor, Horn, drei Oboen, Oboe da caccia, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.

Gesangs-Solisten BWV 27 Corinna Kuhnen - Sopran Julia Maria Spies - Alt Volker Hanisch - Tenor Fabian Kuhnen Bass

Gesangs-Solisten BWV 27 – Corinna Kuhnen (Sopran) – Julia Maria Spies (Alt) – Volker Hanisch (Tenor) – Fabian Kuhnen (Bass)

Für seine zuweilen anspruchsvolle Aufgabe zeigte sich der Hochschul-Chor und die Instrumentalisten in gewohnter Form bestens präpariert. Prof. Gerhard Weinberger gibt dem Zufall keine Chance. Jedes Detail ordnet sich zielgerichtet seinem unbändigen Gestaltungswillen unter und gerät dadurch für den Zuhörer zu einem umso eindringlicheren Klangerlebnis. Nicht zu überhören war die beharrlich-konsequente Probenarbeit. Die Gesangs-Solisten: Corinna Kuhnen (Sopran) – Julia Maria Spies (Alt) – Volker Hanisch (Tenor) – Fabian Kuhnen (Bass) waren eine sehr gute und harmonische Besetzung die voll überzeugen konnten.

Ensemble der Barockakademie HfM Detmold.

Ensemble der Barockakademie HfM Detmold.

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Video vom BWV 27

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Kantate BWV 82  “Ich habe genug”

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Ich habe genug, BWV 82 ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Es ist eine der bekanntesten und beliebtesten geistlichen Bachkantaten. Die Kantate entstand für das Fest Mariae Reinigung am 2. Februar 1727 als Solokantate für Bass. Bach hat anlässlich verschiedener Wiederaufführungen in späteren Jahren das Werk mehrfach umgearbeitet, unter anderem auch als Solokantate für Sopran.

Konstantin Ingenpass (Bass)

Konstantin Ingenpass (Bass)

Ein bewundernswerter Gesangs-Vortrag gelang dem Jung-Bassisten: „Konstantin Ingenpass“ in dieser herrlichen Bass-Kantate. Er meisterte souverän die an ihn gestellten Bedingungen und überzeugte mit einem Gesangs-Potential allerfeinster Art. Wie anrührend er die Bass-Arie in Satz 3 „Schlummert ein, ihr matten Augen“ vortrug, war mehr als bemerkenswert. Es ist erfreulich, dass sich wieder junge Gesangs-Künstler in Detmold zu finden sind, denen eine großartige Zukunft prognostiziert werden kann.

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Video vom BWV 82

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Leitung Prof. Gerhard Weinberger

Leitung Prof. Gerhard Weinberger

 Requiem W.A. Mozart (1756-1791)

(Fassung: F. X. Süssmayr) für Soli, Chor, Orchester und Orgel

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Gesangs-Solisten:

Carine Tinney (Sopran) – Janina Hollich (Alt) – Volker Hanisch (Tenor) – Gregor Loebel (Bass)

Das Requiem in d-Moll (KV 626) aus dem Jahr 1791 ist Wolfgang Amadeus Mozarts letzte Komposition.

Manche Legende rankt um Mozarts letztes Werk. Auf Bestellung eines Grafen Waldegg, der das Requiem als eigene Komposition zur Totenfeier seiner Frau ausgegeben wollte, machte sich Mozart aus Geldnot an die Arbeit, seinen eigenen Tod wohl schon ahnend. Im Oktober 1791 schreibt er in einem Brief: „Mein Kopf ist verwirrt. Nur mit Mühe halte ich mich gesammelt.“

Das Bild jenes Unbekannten will nicht vor meinen Augen weichen. Immer sehe ich ihn vor mir, er bittet, er drängt mich, ungeduldig fordert er die Arbeit von mir… Ich fühle es, mein Zustand sagt es mir: die Stunde schlägt! Ich werde sterben müssen. Ich bin am Ende, ehe ich mich meines Talents erfreuen durfte. Und so beende ich meinen Grabgesang. Ich darf ihn nicht unvollendet lassen.

Am 5. Dezember 1791 starb Mozart, und sein „Opus summum viri summi“ – das größte Werk des größten Meisters – wie es sein Zeitgenosse J.A. Hiller bezeichnete, blieb doch unvollendet. Ein Freund und Schüler Mozarts, Franz Xaver Süßmayer, hat versucht sich in Mozarts Stil einzufühlen und das Werk zu vollenden. Weitgehend griff er dabei auf Vorarbeiten und Anweisungen des Meisters zurück. Trotz der Grenzen von Süßmayers Talent, ist die alles überstrahlende Kraft von Mozarts Geist und Genie durchgängig hörbar.

Die Uraufführung fand 1792 in Wien statt. Das Außerordentliche des Werks wurde sofort erkannt. In kurzer Zeit eroberte das Requiem die gesamte musikalische Welt.

Das Requiem (auch Missa pro defunctis, Mehrzahl die Requiems, regional auch die Requiem) ist die Heilige Messe für Verstorbene. Der Begriff bezeichnet sowohl die Liturgie der Heiligen Messe bei der Begräbnisfeier der katholischen Kirche als auch kirchenmusikalische Komposition für das Totengedenken. Er leitet sich vom ersten Wort des Introitus Requiem aetemam dona eis, Domine („Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr“) ab.

Es steht am Ende eines kurzen, früh vollendeten Lebens, und der Meister wusste, dass er damit seine eigene Begräbnismusik schrieb. Mozart musste das Werk unvollendet hinterlassen. Es ist überschattet von Todesahnung und Ängsten. Die Düsternis des Unabwendbaren, der Kampf gegen das Rätsel des Todes dominieren in der Musik über den tröstlichen Durchblick auf das ewige Licht.

Prachtvoll gelangen die Chorsätze. Schon Introitus und Kyrie jagen dem Hörer kalte Schauer über den Rücken. Die Verzweiflung des Menschen, der am Leben hängt, ist ansteckend. Doch im Sturm des „Dies irae“, dramatisch vom Chor geboten, bestimmt die Furcht vor dem Jüngsten Gericht das Geschehen.

Gesangs-Solisten:  Carine Tinney (Sopran) - Janina Hollich (Alt) - Volker Hanisch (Tenor) - Gregor Loebel (Bass)

Gesangs-Solisten:
Volker Hanisch (Tenor) – Carine Tinney (Sopran) – Janina Hollich (Alt)  – Gregor Loebel (Bass)

Großartig klang das Solistenquartett im „Recordare“. Ob beim verängstigten „Rex“, beim düsteren „Confutatis“, beim schwermütigen „Lacrimosa“, immer stand das Expressive der Musik im Vordergrund. Voller Leben und Zuversicht sprühten die Fugen „Quam olim Abrahae“. Als einziger Satz in Dur kontrastiert das „Sanctus“ die dunkle Grundstimmung. Das „Benedictus“ empfanden die Solisten herzlich lyrisch. Bei der „Communio“ als Schlussgesang schloss sich der Kreis.

Carine Tinney sang ihren Part äußerst engagiert und gefiel mit ihrer unbeschwerten Musizierfreude. Janina Hollich fiel durch äußersten Wohlklang in Stimmführung und einem wühlenden Timbre auf. Volker Hanisch  fügte sich souverän und beherrscht in das Ensemble ein. Gregor Loebel setzte mit kräftigem, zum allzeit differenzierten Modellieren fähigen Ausdruck den erfreulichen Kontrapunkt.

Für seine zuweilen anspruchsvolle Aufgabe zeigte sich der Hochschul-Chor in gewohnter Form bestens präpariert. Prof. Gerhard Weinberger gibt dem Zufall keine Chance. Jedes Detail ordnet sich zielgerichtet seinem unbändigen Gestaltungswillen unter und gerät dadurch für den Zuhörer zu einem umso eindringlicheren Klangerlebnis. Nicht zu überhören war die beharrlich-konsequente Probenarbeit.

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Ein legenderes Video von 1971 mit Karl Böhm – Requiem W.A. Mozart

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Der riesengroße und nicht endend wollende Beifall war mehr als verdient. Der Abend wurde wieder zu einer Sternstunde für alle Beteiligten in Detmold und wird lange in uns nachwirken. Unser Dank gilt der Barockakademie der Hochschule für Musik Detmold unter der rührigen Leitung von: Ulrike-Anima Mathé und Prof. Gerhard Weinberger, die das ermöglicht haben.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Mai 2013 zum 88Bachfest  in Detmold ausgerichtet von der „Neuen Bachgesellschaft e.V.“

Gruß

Volker

Ein Sommernachtstraum „Blicke nicht zurück“ am 23.Juni 2012 in der Philharmonie Essen


Mann, mann, mann, geht´s noch besser? Vorgestern habe ich den „Sommernachtstraum“ in der Essener Philharmonie besucht, mit dem für mich ein fulminanter Höhepunkt die diesjährige Spielzeit beendet hat. Das Ganze stand unter dem Motto „Blicke nicht zurück“ und verknüpfte in einem Großprojekt Musik-Theater-Tanz miteinander. Zentraler Ausgangspunkt für die übergreifende Verquickung ist die konzertante Oper „L´Orfeo“ von Claudio Monteverdi unter Thomas Hengelbrock und seinem Balthasar-Neumann-Chor und Ensemble. Angeregt von diesem Projekt, hat Literatur Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek den 2. Programmpunkt des Abends mit der Uraufführung „Schatten“ dazu beigesteuert. Der Monolog der modernen Euridyke, vorgetragen von der Schauspielerin Johanna Wokalek (das ist die Darstellerin der „Päpstin“). Nummer 3 im Bunde gestaltete das Aalto-Ballet mit einem Ballet von Patrick Delcroix: „Cherché, trouvé, perdu“ zu der Musik von Arvo Pärt im Stadtgarten auf einer eigens installierten Bühne im Stadtgarten hinter der Philharmonie. Von der Struktur erinnerte es mich ein bisschen an Bayreuth (Idee von T. Hengelbrock?), wo es ja auch immer zwischen den Akten 2 große Pausen gibt, für kulinarische sowie geistige Regeneration.

L´Orfeo-Favola in musica / Claudio Monteverdi (1567-1643)

Nicolay Borchev-Orfeo, Anna Bonitatibus-Messaggera+Proserpina, Johannette Zomer-La Musica, Anna Stéfany, Speranza, Guido Loconsolo-Plutone, Miljenko Turk-Apollo, Merek Rzepka-Caronte, Tanya Aspelmeier-Ninfa

Balthasar-Neumann-Chor / Ensemble – Thomas Hengelbrock, musikalische Leitung

Die Solisten

Die Solisten

Monteverdi´s „L´Orfeo“ gilt als die erste richtige Oper eines entstehenden Genres, das die Handlung mit Musik und allen Sinnen erlebbar macht (Na gut, anpacken ist nicht erlaubt). Die Uraufführung fand 1607 statt. Wer aber nun fragt, „was soll der verstaubte Kram?“, wird eines besseren belehrt. Die Götter sind natürlich auch nur menschlich und Monteverdi charakterisiert sie als solche mit großem Einfühlungsvermögen. Und diese Typen haben sich auch in 400 Jahren nicht geändert. Sie haben heute warscheinlich nur andere Namen. Auch die Aufführung ist nicht so wirklich konzertant, aber dazu später.

Die Toccata und auch den Prolog der Musica (phantastisch nuanciert gestaltet von J. Zomer), erledigt das Orchester noch alleine, dann stürmt die ausgelassene Hochzeitsgesellschaft-kostümiert und festlich – mit Hengelbrock als einer von ihnen auf die Bühne. Er dirigiert die Derwische vom Boden, kniend und mitsingend. Das ist der grandiose Auftakt für die Hochzeitsfeierlichkeiten. Orpheus und Euridike lassen sich feiern, nach vielen tragischen Erfahrungen ist er im Olymp der Glückseligkeit angekommen. Nicolay Borchev ist ein Spitzen-Orpheus, mit enormem Volumen in den tiefen Lagen. Die Stimmlage des Bariton war damals noch nicht bekannt und ein Tenor nach heutigen Maßstäben in Siegfried-Manier gab es nicht.

Eine Nymphe bringt jedoch in einem ergreifenden Vortrag die Nachricht von Euridikes Tod (Schlangenbiss), Anna Bonitatibus die für mich mit Borchev die herausragendste Solistin. Wie so oft im Leben, auch Glück ist ein flüchtiger Schatten. Er beschliesst ins Reich des Todes herabzusteigen, die Hoffnung-la Speranza, begleitet ihn, muss ihn aber am Eingang verlassen. Der Fährmann läßt ihn natürlich nicht übersetzen, da kein Lebender übersetzen darf. Monteverdi untermalt den Fährmann-Gesang des Caronte (erinnert mich irgendwie mit Hut, Mantel und Stab an Wotan) mit -kenne mich mit der Orgelregistrierung nicht aus- einem Gemshorn!? Wirkt auf jeden Fall gespenstisch. Caronte hat zwar Mitleid, kann aber nicht die Gesetze brechen. Orpheus, der wilde Tiere zähmte und Steine zum Erweichen brachte, will auch das Herz von Caronte erweichen, das passiert nicht, aber der schaurige Wächter ist eingeschlafen! Orpheus setzt über. An dieser Stelle sei lobend die Bläser-Combo erwähnt, die einen nicht unerheblich Part für den festlich, düsteren Einschlag zu erledigen hat.

Die Solisten, Chor, Ensemble und Dirigent

Die Solisten, Chor, Ensemble und Dirigent

Proserpine hat es Orpheus´Leidenschaft angetan, sie überredet ihren Gatten Pluto (Pluto hat eine supergeile Stimme, aber er läßt heute abend nicht alles raus, was er drauf hat!), den sie becirct, Orpheus seine Geliebte wiederzugeben, er stimmt zu (hochbrisante Erotik an dieser Stelle!), aber er darf sich nicht umsehen, total happy über den Rückgewinn seiner Braut, preist Orpheus seine Leier, die ihm mal wieder Glück gebracht hat und träumt schon davon, was ihn abends bei seiner Braut so alles erwartet. Dann fassen ihn Zweifel, vielleicht folgt sie ihm ja gar nicht? Plötzlich leitet ihn seine Leidenschaft und- oh shit!!!- er dreht sich um! Euridike muss im Hades verbleiben. Welche Dramatik! Orpheus beklagt sein Schicksal und im Moment höchster Not greift sein Vater Apollo wie Deus ex machina ein und erhebt ihn in den Himmel, wo er Euridike als Gestirn wiederfindet. Schade, leider kein Happy End, aber der ungestüme Chor preist triumphal Orpheus „Himmelfahrt“.

Die mitreissende Qualität, die irre Dynamik der Chöre, das überragende Solisten-Ensemble und Hengelbrocks gänzlich durchgelüftete Version waren unbeschreiblich. Das Publikum ist mit mir d´accord. Ich würde die Oper eher als semi-szenisch bezeichnen. Die Truppe konnte in ihrer schauspielerischen Leistung und ihren alltagstauglichen Kostümen jeder modernen Inszenierung standhalten. Auch für jeden ungeübten Opernhörer ist die Oper geeignet, durch die vielen Wiederholungen der Chöre, Toccaten und anderer Melodien ist ein Eingewöhnungseffekt garantiert, das Italienisch zu verstehen ist trotz der Übertitel fast überflüssig, die Musik spricht eine deutliche Sprache. Ich bin total gespannt auf Hengelbrocks konzertante Parsifal-Aufführung in 2013 nach dieser absoluten Glanzleistung.

während der Pause am RWE Pavillion

während der Pause am RWE Pavillion

So, jetzt erst mal runterkommen mit einem Gläschen Sekt. Der Wettergott hat ein Einsehen, man kann vom RWE Pavillion auf die Terrasse des Stadtgartens. Dann gehts zum 2. Teil.

Elfriede Jelinek (*1946) – „Schatten (Eurydike sagt)“Strichfassung Johanna Wokalek-Szenische Realisierung: Peter Schmidt, Film: Jan Kerhart

Wokalek auf einem Haufen Klamotten sitzend, dessen Farben grau, schwarz, weiss und besonders rot dominieren, im Hintergrund eine Leinwand mit grauen, wechselnden Bildern.

Jelinek beleuchtet die Gedanken einer modernen Eurydike, die sich eine Parallelwelt zur Realität aufbaut und sich in einen Konsumwahn flüchtet.Der Kaufrausch wird zur Ersatzbefriedigung, die ihre Inspirationen aufsaugen. Ihr eigenes Selbst, ihre eigene Kreativität verkrüppeln im Schatten des „Sängers“, sie wird selbst der Schatten. Es behandelt den Zeitraum vom Schlangenbiss bis zum Tod, Resümee eines Selbstverlustes, sie vergleicht sich mit Handyphotos, was schattenhaft ist, wird verworfen. Eine Parabel auf den Verlust der Tiefgründigkeit und der Nachdenklichkeit in unserer Zeit. Als Frau eines Künstlers hat man -das ist meine Beobachtung- ein Leben, das man in den Dienst des Künstlers stellt oder daran zugrunde geht.

Die Schauspielerin Johanna Wokalek bietet einen beeindruckenden Auftritt, diese charismatische Stimme, die den Text verstärkenden Bewegungen. Jelineks Werk war ein gelungener Gegenpol für die unemazipierte Eurydike bei Monteverdi. Das hat nachdenklich gemacht.

Dann wieder Pause. Es ist dunkel geworden.

Toller Schlussakzent ist das nachfolgende Ballet, das im Stadtgarten stattfindet.

Cherché, trouvé, perdu von Patrick Delcroix greift das vorher gesehene mit der Musik von Arvo Pärt ( Fratres+Ludus aus „Tabula Rasa“ übrigens auch überraschend tolle, neue Musik) noch einmal auf und verknüpft es mit einer weiteren Variante-dem Tanz. Wenn ich auch sonst mit Tanz nicht viel am Hut habe, ist es hier ganz einfach verständlich. Dazu siehts noch ästhetisch total klasse aus. Sein Sujet ist jedoch nicht das schicksalhafte Getrenntwerden, sondern die Trennung und das Wiederfinden aus freier Entscheidung.

Ballet auf der Bühne im Stadtgarten

Ballet auf der Bühne im Stadtgarten

Ein Riesen-Lob an dieser Stelle geht an die Intendanz der Philharmonie Essen, Hr. Dr. Johannes Bultmann+Team und seine Vorstellung, wie man Musik leben, erhalten und geistig aufbereiten muss. Nicht nur, dass ich in dieser Saison bestimmt einige der besten Konzerte überhaupt gehört habe, da kommt auch rüber, dass sich da jemand Gedanken macht, dass die Musik nicht isoliert stehen darf, sondern dass sie Zuflüsse aus allen geistigen Bereichen bekommt, die das Werk bereichern, es transparenter machen, oder den Transfer ins Jetzt vereinfachen. Dann kann sie „welthellsichtig“* machen. Das ist sicherlich mit diesem Gesamtkunstwerk gelungen. Ich freue mich auf die nächste Spielzeit. Es verspricht wieder spannend zu werden. Ich muss nicht nach Berlin, Hamburg oder München fahren. Essen hat alles.

Gruß in die weite Welt, und immer schön nach vorne schauen CvF

*Richard Wagner-Parsifal /2. Akt

Lutz in Lipz-Die Schweizer J.S.Bach-Stiftung mit Rudolf Lutz bei Bachfest


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So, da sind wir wieder auf Gralsgebiet. Diesmal konnte ich sogar meinen Mann dafür gewinnen, Leipzig incl. dem Meister einen Besuch abzustatten. Nachdem wir zuerst ein bisschen durch Gohlis geradelt sind mit einem Besuch des Schillerhauses, haben wir uns dann in einer Pinte mit Karl-Heinz und Iris getroffen. Die beiden waren ja nun schon eine Woche da und hatten musikalisch und privat einiges zu erzählen. Nach meinen letztjährigen Bachfest-Exzessen habe ich mich Konzert-technisch etwas zurückgehalten und habe für uns lediglich ein Konzert auf Volkers wärmste Empfehlung gebucht: J.S .Bach-Stiftung mit Rudolph Lutz / Musik von Thomaskantoren.

Ev.reform. Kirche Leipzig Konzert J.S. Bach-Stiftung St. Gallen

Ev.reform. Kirche Leipzig Konzert der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen

Dieses Jahr feiert der Thomanerchor nun sein 800 jähriges Bestehen, so ist es auch als Besonderheit anzusehen, dass sämtliche Thomaskantoren auch als Komponisten teils in überragender Qualität hervortraten, sie haben so ein Kompendium an geistlicher Musik geschaffen, dass in ihrer Geschlossenheit als ein Höhepunkt abendländischer Musik angesehen werden darf. Zudem haben sich viele um die Wiederbelebung, wenn nicht sogar Popularisierung des Bach´schen Erbes verdient gemacht. Heute werden folgende Werke von 3 Thomaskantoren aufgeführt

Johann Sebastian Bach: Christ unser Herr zum Jordan kam BWV 7

Moritz Hauptmann: Mein Seel ist stille zu Gott op 53 No. 1 / Nimm von uns, Herr Gott op. 34 / Kyrie aus Messe f-moll op. 18 / Herr, höre mein Gebet op. 40 Nr. 1

Johann Schelle: Christus der ist mein Leben

Solisten: Alex Potter, Altus / Julius Pfeifer, Tenor / Dominik Wörner, Bass

von links im Bild: Anselm Hartinger und Dirigent Rudolf Lutz

von links im Bild: Anselm Hartinger und Dirigent Rudolf Lutz

Um 19.00 Uhr gibt es dann eine Konzerteinführung von Rudolf Lutz, unterstützt von Anselm Hartinger, persönlich, in der kuscheligen, reformierten Kirche ist Lutz live und in Farbe und vor allem „nah dran“  zu erleben. Das ist schon echt stark, die Begeisterung für die Musik ist in jeder Bewegung zu spüren. Wir erfahren wie Schelle den Engelschor anstimmt, seine ersten Violinen als Fanfaren der Verkündigung einsetzt, wie die Musik den Atem anhält im Moment des Sterbens, angeblich wären die Leute, extra wegen der „zuckersüßen“ Musik in die Kirche geströmt! Wir hören wie Hauptmann seine ineinander verschmelzenden Chorsätze aufgebaut hat und dass er ursprünglich nicht die erste Wahl für das Thomaskantorat war, da er als Bratschist keinerlei Chorerfahrung hatte und auch Bach gesündigt hat, na wer hätt´s gedacht!

Die Kantate berichtet uns mit ihrem archaischem Charakter mit Untermalung der dahinrauschenden Wellen des Jordans und dem drastischen, missionarischen Text („ersäufen auch den bitteren Tod“) von der Taufe des Johannes. Sie kommt mit dem erhobenen Zeigefinger daher, was der Altus Alex Potter ausdrucksstark rüberbringt. Auch der Bass Dominik Wörner hat mir sehr gut gefallen, bei manchen koloraturreichen Arien werde ich jedoch das Gefühl nicht los, dass selbst waschechte Profis Bach´s Schwierigkeitsgrad nur mit Abstrichen bestehen.

Das ist bei den „Hauptmännern“ anders. Mit tollem Chorklang, präzisen Absprachen (kann mich nicht erinnern wann ich bei ´nem A-cappela Chor derartig gute End-Konsonant-Absprachen gehört habe) und schmelzigem Sound präsentieren sich die Schweizer. Auch die Abschnitte, die solistisch besetzt sind, bestechen durch glockenreinen, gut in den Gesamtklang eingepassten Passagen. Wunderschön auch die dynamischen Passagen.

Werkeinführung "Thomaskantoren" durch Rudolf Lutz - J.S. Bach-Stiftung

Werkeinführung „Thomaskantoren“ durch Rudolf Lutz – J.S. Bach-Stiftung St. Gallen

Dann Schelle: Das ist der melodiöse Höhepunkt des Abends. Von dem Enthusiasmus durch R. Lutz angesteckt, hören wir jetzt „Schelle – transparent“ und lassen uns von der phantastischen Musik mitnehmen. Mit Ausnahme von Bach waren dies keine Werke, die pompös daherkommen, sondern dies ist Musik von bodenständigen, bescheidenen Komponisten, die ihr Bestes für SOLI DEO GLORIA gegeben haben. Lutz verfügt über ein tolles Ensemble, viel Musikverständnis sowie auch musikdidaktische Fähigkeiten; es war kein spektakuläres Konzert (vielleicht habe ich auch jetzt zuviel Wagner gehört) -ohne dem ganzen einen negativen Anstrich zugeben-, eher mit der Aussage, hört zu, es gibt neben Johann Sebastian Bach auch noch andere Thomaskantoren, die tolle, hörenswerte Musik gemacht haben, die es nicht verdient haben ungehört zu bleiben, auch wenn sie  Bachs Genius nicht überstrahlen können. Wir dürfen also gespannt sein, was demnächst für ein frischer Wind aus der Schweiz weht.

Vokal- und Instrumental-Gruppe der J.S. Bach-Stiftung

Vokal- und Instrumental-Gruppe der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen

Was aber wirklich negativ war, dass Lutz trotz Standing Ovations keine Zugabe gegeben hat. Tipp von mir für dieses Programm: „Hauptmann-Die Nacht ist kommen“

Claudia

Bundesweite Konzertreihe „366+1 – Kirche klingt – machte Station in der Pauluskirche in Bünde


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Das Kalenderjahr 2012 ist das Jahr der Kirchenmusik. 

Pauluskirche Bünde

Pauluskirche Bünde

Das vom Kulturbüro der EKD und den Musikern der Landeskirchen organisierte Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Kulturstaatsminister Bernd Neumann und findet im Rahmen der Lutherdekade statt, die das 500. Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet.

Die bundesweite Konzertreihe „366+1Kirche klingt“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist in Ostwestfalen-Lippe angekommen. Am Freitagabend, 27.04.2012 hatte die kirchenmusikalische Stafette in Bünde mit dem 118. Konzert in der Pauluskirche ihre vorletzte Station in Westfalen.

Bundesweit sind im Themenjahr der EKD unter dem Motto „366+1“ Konzerte und Musikgottesdienste an jedem Tag des Jahres an einem anderen Ort geplant.

366+1 Kirche klingt 2012

Im Miteinander Tausender bringen die verschiedensten Musici bundesweit einen künstlerischen Schatz der Reformation in vielfältiger Tradition zum Klingen: ihre Musik. An jedem Tag ein Konzert – beginnend am 01. Januar 2012 in Augsburg, endend am 31. Dezember 2012 in Zittau. Unzählige Komponisten und Kantoreien stehen in einer Traditionslinie musikalischer Boten der Reformation.

Sie alle lassen sich hören !  Sie alle kommen zum Klingen !

Am Freitagabend, 27.04.2012  erklang das 118. Konzert in der Pauluskirche in Bünde. Die Bünder Kantorei und das Telemann-Collegium spielten unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Kiefer ihr Programm mit dem Titel „Auferstehung“.

Programm:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) „Missa brevis in G“ KV 140

Hans-Martin Kiefer, Bünde (Eigen-Komposition) „Christ ist erstanden“

J.S. Bach (1685-1750) BWV 249 „Osteroratorium“

Mitwirkende:

Eike Tiedemann (Alt), –  Jörg Erler (Tenor), – Andreas Jören (Bass), – Jutta Potthoff (Sopran), die Bünder Kantorei und das Telemann-Collegium Herford, das sich unter anderem aus Mitgliedern der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford zusammensetzt.
Die Gesamtleitung liegt in Händen von Hans-Martin Kiefer.

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Begonnen wurde mit der kurzen Messe (Missa brevis) in G-Dur (KV 140) von Wolfgang Amadeus Mozart, die zu den frühen Werken des berühmten Musikers gehört.  Hans-Martin Kiefer interpretierte sie fein akzentuiert.Hier traten zum ersten Mal die außerordentlichen Solisten hervor: Jutta Potthoff im Sopran, Eike Tiedemann im Alt, Jörd Erler im Tenor und Andreas Jören im Bass. Sie alle sangen sehr expressiv, aber niemals aufdringlich. Sie litten an den Stellen, an denen sie seufzen sollten, erzählten dann, als sie berichten sollten und frohlockten, wenn sie jauchzen sollten. Ein exzellenter Gesangs-Genuss, der vollends überzeugte. Eine ebenso großartige Leistung des Chors der Bünder Kantorei, bestehend aus etwa 20 Männern und 60 Frauen, der dynamisch in den überlagernden Stimmen ganz zart und gefühlvoll eingestellt worden war.

                                    Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Kiefer

Anschließend erfolgte die Uraufführung eine Eigenkomposition von Hans-Martin Kiefer. Er hat fünf Sätze über den Osterchoral „Christ ist erstanden“ von Wigbert von Burgund gesetzt. Paradigmatisch führte der Komponist vor, wie zeitgemäß ein Orchester in barocker Instrumentierung klingen kann, ohne mit übertrieben vielen Dissonanzen musikalischen Intellekt vorzutäuschen. Dennoch waren die dem modern sozialisierten Gehör eingängigen Sätze niemals harmonisch belanglos und sehr emotional.
Eindringlich waren die dunkler und offener klingenden Blockflöten, die mit den hellen und gepressten Oboen einen sanften Dialog führten. In der Klangfarbe bediente die Komposition trotz fast minimalistischer orchestraler Besetzung das ganze Spektrum. Rhythmisch kam sie im Arrangement manchmal wie ein leichter Wellenschlag daher, um im nächsten Augenblick mit Blechbläsern und Pauken wieder druckvolle Dominanz zu präsentieren.

                von links im Bild: Jörg Erler (Tenor) – Andreas Jören (Bass)

Den Abschluss des Abends bildete das Oster-Oratorium von Johann Sebastian Bach (BWV 249). Obwohl es zu den bekanntesten Werken des damals (1725) bereits Leipziger Kantors gehört, wird es nur selten aufgeführt. Möglicherweise liegt es daran, dass es inhaltlich etwas schwerer kategorisierbar ist. Kiefer intonierte es von Anfang als herrlich verspielte und leichte Barock-Musik.

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Ein Video von Herreweghe mit dem BWV 249 Gesamt-Aufnahme:

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Es klang, als ob er die Schwere, die man an manche Stellen des Werkes hineininterpretieren könnte, nur an den absolut notwendigen Stellen zugelassen hätte, ohne dabei jemals brachial ins Pathos zu kippen. Die warme Klangfarbe und die tiefen Töne bei den Streichern und den Blockflöten klangen zu keiner Zeit übertrieben schwermütig. Das Trompeten-Ensemble war hervorragend und brachten die „Königliche Musik“ hervorragend zur Geltung und fügten sich nahtlos in ein harmonisches Orchester mit ein.

Ein hervorragendes Trompeten-Ensemble

                                                 Ein hervorragendes Trompeten-Ensemble

Stürmischer Applaus  der ca. 350 Besucher bezeugte den Protagonisten, dass sie ein wunderbares und ausgewogenes Konzert-Programm zu Gehör bekommen haben und vollauf begeistert den Aufführenden ihren Dank zum Ausdruck geben wollten. Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Kiefer, das Orchester , Gesangs-Solisten und der Bündner Kirchenchor nahmen es freudestrahlend zur Kenntnis und beglückten den Besucher mit einer Zugabe von J.S. Bach aus dem Oster-Oratorium mit dem Choral-Satz: „Kommt, eilet und laufet, ihr flüchtigen Füße..!“

                            von links im Bild: Eike Tiedemann (Alt ) – Jutta Potthoff (Sopran)

Nach der Zugabe stand die Kirche Kopf und wir „Beglückten“ labten uns anschließend mit einem Glas Wein und Gebäck im Hinterraum der Pauluskirche. Ein großartiger Konzert-Abend im Rahmen der Reihe: „366+1 Kirche klingt  2012″ hatte somit viel zu schnell ein Ende gefunden.

Herrlich, dass sich wieder die Blog-Riege aus OWL zu diesem Konzert ein Wiedersehen ermöglichte…!!!

Informationen zur Veranstaltungsreihe im Jahr der Kirchenmusik finden sich im Internet unter www.ekd-366plus1.de 

Grüße

Volker

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(Textauszüge aus der NW Bünde vom 30.4.2012)

Prof. Dr. Martin Sander überzeugte mit einer virtuosen Orgelstunde an der Klais-Orgel im Musiksaal der HfM Detmold


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Das Antrittskonzert von Prof. Dr. Martin Sander fand am Sonntag, 22. April, um 18 Uhr im Konzerthaus der Hochschule für Musik in Detmold statt. Prof. Dr. Martin Sander ist der Nachfolger von Prof. Gerhard Weinberger, der, wie von mir bereits berichtet, in den Ruhestand gegangen ist.

Konzerthaus HfM Detmold

Konzerthaus HfM Detmold

Biographie von Prof. Dr. Martin Sander:

Organist Prof. Dr. Martin Sander HfM Detmold

Organist Prof. Dr. Martin Sander an der Klais-Orgel HfM Detmold

Martin Sander ist als internationaler Konzertsolist tätig und lehrt Künstlerisches Orgelspiel an der Hochschule für Musik in Detmold, an der Hochschule für Musik in Basel und noch bis Juli 2012 an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg.

Er wurde 1963 in Berlin geboren, wohnte lange Zeit in Göttingen, wo er bei Hermann Amlung mit dem Orgelspiel begann, und studierte Orgel und Klavier an der Hochschule für Musik und Theater Hannover (Ulrich Bremsteller, Orgel und Gerrit Zitterbart, Klavier). 1994 legte er das Konzertexamen ab. Meisterkurse und weitere Studien bei Harald Vogel, Luigi Ferdinando Tagliavini, Flor Peeters, Daniel Roth, Edgar Krapp, Uwe Droszella, Winfried Berger u.a. rundeten die musikalische Ausbildung ab.

Nachdem er mit dem Gewinn des Bundeswettbewerbs Jugend Musiziert 1983 bereits vor dem Studium auf sich aufmerksam gemacht und 1986 mit dem Mendelssohn-Preis Berlin eine der höchsten nationalen Auszeichnungen errungen hatte, begründete er seinen internationalen Ruf in den folgenden Jahren durch den Gewinn mehrerer der großen internationalen Orgelwettbewerbe:

ARD-Wettbewerb München 1987 (2. Preis; kein 1. Preis vergeben)

Internationaler J.S. Bach-Wettbewerb Leipzig 1988 (1. Preis und Sonderpreis)

Internationaler Wettbewerb des Prager Frühlings 1989

Weitere Erfolge markierten 2. Preise beim Internationalen Orgelwettbewerb „Anton Bruckner“ 1986 in Linz und bei der „First International Organ Competition“ in Tokyo (1988).

Martin Sander konzertiert weltweit in vielen bedeutenden Kirchen und Sälen (u.a. Dome zu Passau, München, Wien, Helsinki und Trondheim, Schauspielhaus und Philharmonie Berlin, Herkulessaal München, Meistersingerhalle Nürnberg, Gewandhaus Leipzig, Brucknerhaus Linz, Dvorák-Saal Prag, Tschaikowski-Saal Moskau, Kapella und Philharmonie St. Petersburg, Suntory-Hall Tokyo, Izumi-Hall Osaka, Aichi Arts Center Nagoya, Teatro Municipal de São Paulo) und auf namhaften Festivals (u.a. Bach-Fest Stuttgart, Internationale Orgelwoche Nürnberg, Göttinger Händelfestspiele, Niedersächsische Musiktage, Musikfestspiele Saar, Prager Frühling, Wiener Musiksommer, Bach-Tage Odense, Festival Toulouse-les-Orgues, Philadelphia Bach Festival).

Als Solist trat Martin Sander mit etlichen renommierten Orchestern auf, darunter die Berliner Symphoniker, das Bach-Collegium Stuttgart, die Radiophilharmonie Hannover, das Händelfestspiel-Orchester Halle/Saale, die Bochumer Symphoniker, das Symphonieorchester Szolnók, Basel Sinfonietta, Pommersche Philharmonie Bydgoscz (Bromberg), Fukuoka Symphonietta, Orchester des Teatro Municipal de São Paulo.

Er spielte zahlreiche Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen für verschiedene in- und ausländische Sender und Schallplatten-Firmen. Die Fernseh- und CD-Einspielung der Orgelsonate von Julius Reubke wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Er hat seit 1999 eine Professur an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg sowie ab dem Wintersemester 2008 zusätzlich an der Hochschule für Musik in Basel (als Nachfolger von Guy Bovet) inne. Im Wintersemester 2011 trat er die Nachfolge von Gerhard Weinberger an der Hochschule für Musik in Detmold an. Von 2001 bis 2008 war er außerdem Dozent an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt/Main.

Er ist Leiter zahlreicher Meisterkurse, bislang u.a. in Prag (Akademie der Musischen Künste AMU), Warschau (Musikakademie „F. Chopin“), Seoul (Yonsei University), St. Petersburg, Kazan, São Paulo sowie an historischen Orgeln verschiedener Epochen in Salzgitter-Ringelheim (Schweimb und John 1696/1707), Grauhof bei Goslar (Chr. Treutmann d.Ä. 1734-1737), Verden/Aller (Furtwängler&Hammer 1916) und Heidelberg (Voit&Söhne 1903). Er ist Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Begabungs-Forschung und -Förderung IBFF.

Martin Sander ist regelmäßig Juror auf internationalen Orgelwettbewerben, bislang u.a. beim Prager Frühling, Helmut-Bornefeld-Wettbewerb Heidenheim/Brenz,  Bach-Wettbewerb Wiesbaden, in Kazan, Rom und beim Philipp-Wolfrum-Wettbewerb Heidelberg.

Repertoire-Schwerpunkte: 

    • Musik des norddeutschen Barock
    • italienische Renaissance und Frühbarock mit ihrer Ausstrahlung nach Süddeutschland
    • das Werk Johann Sebastian Bachs
    • Wolfgang Amadeus Mozart
    • deutsche Romantik – insbesondere Max Reger
    • von den französischen Romantikern vor allem César Franck
  • von der Musik des 20. Jahrhunderts vor allem Petr Eben, Olivier Messiaen, Jehan Alain und als „Spezialität“ deutsche Orgelmusik der zwanziger bis vierziger Jahre
(Textquelle: Homepage Martin Sander)

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Konzert-Rezension:

Die Klais-Orgel im Konzerthaus der HfM in Detmold

Die Klais-Orgel im Konzerthaus der HfM in Detmold

.Martin Sander gestaltete auf der imposanten Klais-Orgel ein Konzert-Programm mit barocken und romantischen Werken.

Auf dem Programm standen Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 sowie die Choralbearbeitung „Schmücke dich, o liebe Seele“ aus den „Leipziger Chorälen“ BWV 654, dann die Orgelsonate Nr. 1 b-Moll op. 1 von Philipp Wolfrum (1854-1919) sowie die dritte aus Robert Schumanns „Sechs Fugen über den Namen BACH“ und die berühmte Phantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46 von Max Reger.

Ein großartig gefüllter Musiksaal erwartete gespannt auf den Nachfolger von Prof. Gerhard Weinberger als Dozent: Prof. Dr. Martin Sander an der Klais-Orgel mit em o.a. Programm.

In der Akustik zu erwartender trockener Konzertsaal wurde zu einem  Higlight aufgrund der eingestzten Wellenfeldsynthese..!!

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*) Anmerkung zur Wellenfeldsynthese im Konzerthaus der HfM Detmold:

Das System umfasst 360 unabhängige Lautsprecherkanäle verteilt auf ein durchgehendes Lautsprecherarray rund um das Publikum (500 Plätze) sowie Deckenlautsprecher. Da der Saal für ein breites Repertoire genutzt wird (Kammermusik, Orchesterbesetzungen, zeitgenössische Musik, Big Band etc.) kann das System auch eine variable Raumakustik zur Verfügung stellen.

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Der Raumklang ist überwältigend. Am Ende eines Orgelwerkes setzte ein spektakulärer Nachklang ein. Orgel- und Raumklang entwickelten eine vorzügliche Einheit und verliehen dem Orgelkonzert die entsprechenden akustischen Voraussetzungen. Dieser Musiksaal ist mit der eingebauten Wellenfeldsynthese einzigartig in Europa und wurde vor ca. zwei Jahren während des großen Umbaus mit eingeplant und verwirklicht.

Bei den vorangestellten zwei Bach-Werken fühlten wir uns sofort zu Hause. Einfühlsam offenbarte uns der Weinberger-Nachfolger, dass er ein genialer Bach-Interpet ist und alle Voraussetzungen besitzt, diese dem Besucher zu offerieren.

Gefallen hat uns das Orgelwerk Orgelsonate Nr. 1 b-Moll op. 1 von Philipp Wolfrum (1854-1919) ein bis dahin mir unbekannter Orgel-Komponist.

Wolfrum legt seiner Sonate den bekannten Choraltext „Wenn mein Stündlein vorhanden ist“ von Nikolaus Herman (1560) zugrunde – unter Verzicht auf die anonym 1575 hinzugekommene 5. Strophe. Interessanterweise verwendet er aber weder die gebräuchliche Melodie (Frankfurt a.M. 1569) noch die von Herman ursprünglich vorgeschlagene Weise „Es ist das Heil uns kommen her“: Am Schluss des 1.  Satzes wird eine etwas an „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ erinnernde Melodie mit der ersten Verszeile unterlegt; am Beginn des 2. Satzes erfindet er eine Melodie, auf die die ersten drei Zeilen der 2. Strophe gesungen werden könnten, und der 3. Satz beginnt mit einem fünfstimmig gesetzten vollständigen Choral, dessen Melodie offensichtlich von Wolfrum stammt – passend zur 3. und 4. Strophe.

Martin Sander war für dieses herrliche Orgel-Werk ein genialer Interpret und musizierte in fantastischen Klangfarben und gekonnter Registrierung das zu Herzen ging. Durch ihn wurden wir auf einen uns vorher unbekannten Orgel-Komponisten aufmerksam gemacht und wissen so etwas zu schätzen..!!

Max Regers Werke sind schwer zu spielen – auch schwer zu hören. Extreme Chromatik, Polyphonie und große Formen stellen hohe Ansprüche an die Hörer; spätromantisches Drängen und grandiose Schlussapotheosen verleihen den Werken hingegen etwas Mitreißendes und Rauschhaftes. Bachs Musik lieben wir – wir hören sie seit unserer Kindheit und „verstehen“ sie. In Bezug auf die Orgelmusik Reger’s fehlt uns diese Vertrautheit. Jetzt sind an keine Formen, an keine Schranken der Phantasie mehr zu denken. Alles geht obenaus und nirgend an; je toller, je besser! je wilder, je bizarrer, desto neumodischer und effektvoller, das ist ein unaufhörliches Haschen nach fremden Tonarten und Modulationen, nach unharmonischen Ausweichungen, nach ohrenzerreißenden Dissonanzen und nach chromatischen Gängen, ohne Erholung und Aufhören für den Zuhörer.“

Aber irgendwie wird der Besucher von dem Reger-Werk trotz aller o.a. genannten Bedenken angesprochen. Ist es das großartige Spiel des Martin Sander, der ein hoch entwickeltes künstlerisches Orgelspiel vorträgt, ich weiss es nicht so ganz genau einzuordnen und staune nur, was auf der „Königin der Instrumente“ alles möglich erscheint uns fremde Klänge zu zelebrieren und fassungslos staunend danach tief durchzuatmen. Das ist Reger und ein großartiger Virtuose an der Orgel mit Namen: „Martin Sander“ der als ein würdiger Nachfolger an der HfM in Detmold als Dozent seine Arbeit aufgenommen hat. OWL kann sich glücklich schätzen, diesen erfahrenen und virtuosen Konzert-Organisten verpflichtet zu haben.

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Video: Zugabe ein Orgelwerk von Schumann in Bearbeitung von Prof. Gerhard Weinberger

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Stürmischer Schluss-Applaus veranlasste Martin Sander, uns ein Schumann Orgelwerk als Zugabe zu kredenzen, das in einer Bearbeitung von Prof. Gerhard Weinberger von ihm anrührend vorgetragen wurde. Es wurde zu einem Referenzbeweis an seinen genialen Vorgänger und berührte uns und alle Besucher mächtig..!!

Grüße

Volker

Weltberühmte Knabenchöre waren zum Abschluss der Feiern in der Thomaskirche Leipzig zu hören


Liebe Bachfreunde/innen!

Nach dem fantastischen Hinweis von @Barbara auf die zukünftigen Radiosendungen über die Thomaner, etc. fand ich heute einen bemerkenswerten Artikel zum Abschluss der Feierlichkeiten 800 Jahre Thomaner vom Samstag, 24.3.2012.

Eine Sendung über die Thomaner wird es heute um 22:00 Uhr im MDR-Fernsehen geben.

22:10 Uhr Die Thomaner
800 Jahre Thomanerchor – Singen für Gott und die Welt

Hier zum Artikel:

Weltberühmte Knabenchöre waren bei der Feier zum 800-jährigen Bestehen der Thomaner

Auch die Domspatzen sangen mit

Optisch unterschiedlich, aber im Gesang vereint: In Eaton-Suit, Anzug und Kieler Bluse traten die berühmtesten Knabenchöre der Welt am Samstag zum Abschluss der Feierlichkeiten anlässlich 800 Jahren Thomanerchor in Leipzig auf.

Eine Jungsclique von 18- und 19-Jährigen lehnt lässig am Geländer. Die warme Frühlingssonne scheint auf die müden Gesichter, verstohlen führt einer eine Zigarette zum Mund. Die Hemden stehen offen, die Sackoärmel sind hochgekrempelt, die Haare verstrubbelt. Noch deutet nichts daraufhin, dass sie in wenigen Stunden im sogenannten Eton Suit, einem traditionellen Anzug aus schwarzer Jacke und weißem Hemd, als Choir of King“s College Cambridge geschlossen in die Thomaskirche in Leipzig einmarschieren und vor mehreren hundert Besuchern „Illuminare Jerusalem“ singen werden.

Zum Abschluss der Festwoche zum 800-jähigen Bestehen des Leipziger Thomanerchors gaben sich am Samstag die großen Knabenchöre dieser Welt ein Stelldichein: Neben dem britischen Chor traten auch der Dresdner Kreuzchor, die Regensburger Domspatzen und natürlich der Thomanerchor auf. Krönender Abschluss der Motette war ein gemeinsam gesungenes Werk, die italienische Laude „Alta trinità beata“. Rund 250 Knaben- und Männerstimmen waren dabei zu hören. Es war das erste Mal, dass die Chöre in dieser Formation zusammen sangen.

„Wir freuen uns wirklich sehr, hier zu sein“, sagte stellvertretend einer der englischen Jungs. Am Freitagabend waren sie in Leipzig eingetroffen. Nach einer Nacht im Hostel ging es für sie direkt zur Probe in die Thomaskirche. „Den großen Unterschied zwischen uns und den Thomanern sieht man gleich“, meint ein anderer und ergänzt: „Sie sind deutlich jünger.“ Während die Leipziger Chorknaben bereits in der 4. Klasse anfangen und spätestens mit bestandenem Abitur wieder austreten, ist der englische Chor auch mit Männerstimmen von 18- bis 22-Jährigen besetzt, die ihrem zeitaufwändigen Hobby neben ihrem Alltag als Student nachgehen.

„Ich glaube, es ist gut, die Tradition der anderen Chöre mal richtig mitzubekommen“, sagt Leiter Stephen Cleobury. Wie die Thomaner kann auch der Choir of King“s College Cambridge auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken. 1441 von König Heinrich VI., dem Gründer des King“s College, ins Leben gerufen, ist er heute vor allem für seine Auftritte an Heiligabend bekannt, die von dem britischen Sender BBC übertragen werden.

Als vor dem eigentlichen Auftritt die Probe in der Kirche beginnt, steht der Choir of King“s College Cambridge vor dem Altar, die anderen Chöre haben sich auf der Empore formiert. Neben Thomaskantor Georg Christoph Biller hat sich ein Thomaner postiert. Mit einem Mikro in der Hand übersetzt der zweisprachig aufgewachsene Junge Wort für Wort die Anweisungen des Chorleiters ins Englische. Immer wieder wird neu angesetzt. „Das ist schön“, ruft der Leiter der Dresdner Kreuzchores, Roderich Kreile, von unten Richtung Biller, der ein skeptisches Gesicht aufgesetzt hat. „Ich glaube nicht, dass man das besser hinkriegt“, meint Kreile.

Während sich die Domspatzen und der Choir of King“s College Cambridge nur alle paar Jahre mit den Thomanern treffen, verbindet die Dresdner und Leipziger eine lockere Freundschaft, die über das Singen hinaus geht. Einmal im Jahr treffen sich die Chorknaben sogar zum gemeinsamen Fußballturnier. „Das ist ein freundschaftliches Konkurrenzverhältnis“, kommentiert Kreile die Beziehung der Chöre untereinander.

Auch für die Regensburger Domspatzen ist Leipzig trotz der weiten Entfernung bereits ganz nah. „Wir haben alle den Film gesehen“, erzählt einer der Jungs nach der Probe. „Es war super interessant zu sehen, wie die so leben“. Der knapp zweistündige Dokumentar-Film der Regisseure Paul Smaczny und Günter Atteln ist zum 800-jährigen Bestehen des Chors in diesem Jahr entstanden und kam vor knapp einem Monat bundesweit in die Kinos. Zwar wurde über die Regensburger Domspatzen, die mit ihrer Gründung 975 die längste Historie vorzuweisen haben und UNICEF-Botschafter sind, auch eine Reportage gedreht. „Aber die war nicht so spannend“, meint einer der Knaben.

( Stephanie Höppner / epd )

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Das Programm der Abschlussfeier am 24.3.2012 in der Thomaskirche

   Programm Motette 24 März 2012

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Thomaner-Video 

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P.S.

Heute erschien in Leipzig ein weiterer interessanter Zeitungsartikel:

LEIPZIG/Thomaskirche/800 Jahre Thomana: FEST DER CHÖRE
Leipzig, 800 Jahre Thomana: Jubel beim „Fest der Knabenchöre“, 24.03.2012

Die Stimmung rund um die Thomaskirche ist an diesem Nachmittag ebenso fröhlich wie der Anlass: das „Fest der Knabenchöre“ als großartiger Abschluss der ersten Festwoche für 800 Jahre Thomana.

Die Sonne strahlt, und so setzt sich Leipzig ins rechte Licht zum Willkommen der drei Gastchöre, die nun mit dem Thomanerchor sein acht Jahrhunderte währendes Bestehen feiern: der Choir of King’s College, Cambridge, der Dresdner Kreuzchor und die Regensburger Domspatzen……

Zum ganzen Artikel:

Link:
http://www.der-neue-merker.eu/leipzigthomaskirche800-jahre-thomana-fest-der-chore

Grüße
Volker

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Ich wünsche allen einen schönen und sonnigen Sonntag.

Grüße

Volker

Meisterkonzert-Bericht vom Sonntag, 29.01.2012 – Auferstehungskirche Arnsberg


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Auferstehungskirche Arnsberg

Ein Bericht vom  Meisterkonzert in der Auferstehungskirche Arnsberg. 

Wir hatten am Sonntag, 20-01-2012 ein sagenhaftes Konzert in Arnsberg in der Auferstehungskirche. Valery Oistrach – ein Enkel von David Oistrach – war an einer sagenhaften Guarneri Violine von 1751 und hat u.a. die Chaconne (BWV 1004) so sagenhaft, berückend schön, so ausdrucksvoll, so genial gespielt, dass ich das Luftholen vergessen habe.

Am Cembalo (histroische Kopie nach Grimaldi 1721) saß Prof. Grosser. Er ist gebürtiger Arnsberger und ist heute als Dirigent, Organist, Pianist und Cembalist weltweit anerkannt. Ein sehr virtuoses Spiel voller Einfälle, voller Freude und Enthusiasmus brachte er uns – aber auch große Zurückhaltung wenn er V. Oistrach begleitete. Seine Frau war der gute Geist der Beiden. Sie blätterte die Noten um, nahm ihm beim Spielen die Brille ab, wenn er`s vergessen hatte und kümmerte sich um sein künstliches Herz. Er trägt es in einem kleinen schwarzen Beutel über der Schulter. Sein eigenes Herz ist zu schwach. Jedes mal, wenn er sich ans Cembalo setzte, nahm sie sein „Herz in die Hand“, wenn er anschließend aufstand, um sich beim Publikum für den Applaus zu bedanken, hängte sie es ihm wieder um. Nicht nur die Musik war ergreifend, sondern auch seine völlig selbstverständliche Art mit zwei Herzen zu leben.

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Programm:

Händel, Sonate D-Dur, op. 1 Nr. 13

Händel, Suite Nr. XIV, G-Dur

Bach, Chaconne (BWV 1004)

Bach, Sonate h-moll (BWV 1014)

Bach, Sonate G-Dur (BWV 1021)

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Als das Programm vorüber war konnten wir uns nicht trennen. Keiner stand auf – ich glaube, uns war der Himmel ein Stückchen näher gekommen – alle blieben und warteten. Zwei Zugaben bekamen wir noch, dann mussten wir irgendwann schweren/leichten Herzens die Kirche verlassen.

Ich bin immer noch nicht ganz auf der Erde angekommen.

Grüsse

Iris

Ein Blick hinter die Kulissen: Bach Kantaten Workshop in Höxter 20.-22.01.2012


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Kontrabass einmal liegend..!!

Ein Hinweis für alle Mitleser es gibt einen weiteren Bericht als Rezension von dem

„Bach-Konzert“ vom 22.01.2012 in der Marienkirche Höxter..!!

Titel:  

„Ein Internet-basierter Chor-Workshop erfüllte die Anforderungen zu einem Konzert mit zwei festlichen Bach-Kantaten in der Marienkirche Höxter.“

Link zur Konzert-Rezension Marienkirche Höxter nachstehend:

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https://meinhardo.wordpress.com/2012/01/24/ein-internet-basierter-chor-workshops-erfullte-die-anforderungen-zu-einem-konzert-mit-zwei-festlichen-bach-kantaten-in-der-marienkirche-hoxter/

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Am Freitag, den 20. Januar, bin ich direkt nach der Arbeit in den Intercity von Essen nach Münster gestiegen um mich mit Werner am HBF Münster zu treffen, um gemeinsam nach Höxter zu starten. Im Gepäck zwei grandiose Bach-Kantaten, BWV 1 „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und BWV 63 „Christen ätzet diesen Tag“. Die Vorbereitung auf diese Kantaten geschah individuell zuhause, im Internet waren die Einzelstimmen, unterschiedliche Tempi und ein Gesamtklang jederzeit abrufbar, so dass auch der ungeübteste Chorsänger optimal vorbereitet zu den Proben erscheinen sollte.

Zuerst checkten wir in unser Hotel „Schloss Corvey“ ein, damit wir erst mal das Gepäck abladen konnten. Im Vorfeld hatte ich mich beim Fremdenverkehrsamt in Höxter in einem Anfall von Knickerigkeit um Privatquartiere bemüht, habe das dann aber wieder verworfen, weil die Vermieter sich nicht zurückgemeldet haben, keine 2 Einzelzimmer hatten oder zu weit entfernt lagen. Vom Hotel aus liessen sich alle Wege fußläufig erreichen. Wolle hatte sich dagegen in seiner Vorliebe für spartanische Unterkünfte mit seinem Drahtesel in der Jugendherberge einquartiert, die allerdings JWD (janz weit draußen) lag. Auf den ersten Blick und trotz des ungemütlichen Wetters machte Höxter einen guten Eindruck, eine kleine, saubere Stadt mit wunderschönen Fachwerkhäusern, romantisch gelegen an der übervollen Weser.

 Probenplatz in der Marienkirche Höxter

Um 19.30 Uhr dann die erste „Kennenlern-Probe“. Die Stuhlreihen in der Marienkirche lassen erahnen, dass dem Internetaufruf zu diesem Chorprojekt eine beachtliche Menge Bachphiler Sänger gefolgt sind. Nachdem das Gros der Sänger eingetrudelt ist und man sich mit seinem Singnachbarn beschnuppert hat, geht´s los. Einsingen erfolgt durch Kai Koch, der durch gezielte Übungen in angemessenem Rahmen mit motorischer Unterstützung uns auf Bachs Schwierigkeitsgrade einstimmt. Das macht schon Spass.

Elektronische Instrumente mit Verstärker

Nahtlos reiht sich dann Jost Schmithals ein, es geht los mit den „Marmorsteinen“ der „Baumarktkantate“. Aufgrund der Größe des Chores sind überall Verstärker aufgebaut, damit das E-Piano in die letzten Chorniederungen zu hören ist. Die Proben sind straff, keine Leerläufe, insgeheim hoffe ich in den Männerstimmproben oder Sopranproben mal ein bisschen Kontakt mit meinen Nachbarn aufnehmen zu können, Fehlanzeige, wenn nicht einzelne Stimmen zusammenproben, müssen wir den Sopran in einer oktavierten angenehmen Lage mitsingen, warscheinlich um a) nicht zu quatschen und die Aufmerksamkeit zu halten, b) um das Rhytmusgefühl für diese Kantate zu bekommen. Die Probe ist zu keiner Zeit langweilig, Bach zu singen immer wieder ein Erlebnis. Schmidthals bleibt immer geschmeidig, auch wenn´s mal bestimmter wird und er hat durchaus Entertainer Qualitäten. Meine netten Mit-Altistinnen empfehlen uns diverse Lokale für einen Absacker. Wolle geht uns verloren, weil er mit den Berlinern, die auch in der Jugendherberge untergebracht sind und mit denen er ein Taxi nehmen will, plötzlich verschwunden ist. Wir versacken im „Ritmo“ bei Cocktails und castellanischer Livemusik (super).

Um 10.00 Uhr gehts dann am nächsten Morgen los. Es hat geschneit, extra für die „Marmorsteine“. Schmithals´ komplette Familie ist eingebunden, ein Sohn spielt elektronisch verstärktes Cello, seine Frau singt im Sopran und managt die Kaffeerunde, beim „Morgenstern“ soll der Sopran den Alt mitsingen, das Gerücht, ein Kinderchor würde den Cantus-Firmus singen, macht die Runde. Ich entscheide, für den Morgenstern wechsle ich in den Tenor. Wollte immer schon mit Werner + Wolle zusammensingen. Wolle kommt zu spät, er musste noch im Schlecker (ist der nicht pleite?) einige Vergessartikel besorgen und danach konnte ihm keiner sagen, wo die Brüderstraße ist. Kommentar meiner Nachbarin: „die wissen das schon alle, aber die haben keine Lust es zu erklären“ Ist das das ominöse OWL? Der „Morgenstern ist viel einfacher als die „Marmorsteine“, wird von Kai Koch geprobt, hierzu gehen wir in die Frauen- und in die Männerstimmproben und einige heikle Stellen werden explizit bearbeitet.

Probe unter dem Herrnhuter Stern in der Marienkirche Höxter

Der Herrnhuter Stern soll übrigens beim Abschmücken der Kirche schlichtweg vergessen worden sein… Der Probentag geht mit zufriedenen Gesichtern zu Ende, die „Marmorsteine“ haben durchaus Form bekommen, mit dem Fortschritt des „Morgenstern“ bin ich persönlich nicht zufrieden.

Herrnhuter Stern mit der Beckerath-Sauer-Orgel in der Marienkirche Höxter

Erstes Ansingen auf den Podesten. Während wir erstmal entlassen sind, geht’s für die beiden musikalischen Leiter mit den Solistenproben weiter. Auf dem Weg zu einer kulinarischen Stätte werden uns von einer Höxteranrin bei Nacht die schönsten Fachwerkhäuser gezeigt.

Adam und Eva-Haus in Höxter

Highlight ist das „Adam+Eva-Haus“, das Wolle unbedingt sehen muss, O-ton Wolle: Das müssen Sie mir unbedingt zeigen, ich heiße nämlich Adam. Wir speisen gut und gemütlich im „Landsknecht“, die Berliner stoßen später noch dazu (Wolle hat ja Transportmittel-Not) und sie verwirren die saarländische Inhaberin mit ihrem Berliner Humor. Als berichtet wird, dass „Volker“ (der echte VIP, ja der von „Volkers Klassikseiten“) zum morgigen Konzert aufkreuzt, outen sich die Berliner, aufgrund von Volkers Bericht gekommen zu sein. Na, das ist mal ein Ding.

Der nächste Tag ist zur freien Verfügung bis 16.00 Uhr, wir beschliessen einen Besuch auf Schloss Corvey und holen den von einer Akkordeonorchester-Probe gepeinigten Wolle in der JH ab.

Hochwasser an der Weser in Höxter

Das Wetter ist fies und alles ist geschlossen, nach einem kurzen Besuch verlassen wir durchgefroren die Klosteranlage. Wir durchstreifen Höxter und Werner findet einige interessante Fotomotive mit Tipps von Wolfgang. Erneut eingefroren freue ich mich auf ein gemütliches Cafe. Dort treffen wir die Solisten, die Wolle sogleich an unseren Tisch ordert und sie über ihre Gagen befragt. Als sparender Schatzmeister des Herforder Kirchenmusikförderkreises ist er dann der Meinung, dass ja mit 150 Euro Gage allem Genüge getan sein muss. Mit Wolli ist es halt nie langweilig und immer gibts was zum Schmunzeln.

Orchesterprobe mit den Vokal-Solisten in der Marienkirche Höxter

Werner und ich hören uns bis 16.00 Uhr noch die Solisten und Orchesterproben an. Das Solistenensemble paßt wunderbar zusammen und begeistert uns mit ihren Stimmen. Die Generalprobe verläuft unspektakulär, ich bin zuversichtlich, dass es eine schöne Aufführung wird. Schmithals läßt nichts durchgehen und weist die orientalischen Trompeter nett aber bestimmt auf die unsicheren Stellen hin. Der Cantus Firmus wird von den Solisten beim „Morgenstern“ gesungen, die Einsatztöne sind aber für den Chor gar nicht abzunehmen, daher klappt der Einsatz auch nicht. Den solls dann aber im Konzert überdeutlich geben.

Große Freude dann als die anderen Blogger, Iris und Kalla mit Elli, Volker, Rita mit Schwager und mein Mann Rüdiger eintreffen. Auf Bachianer ist halt Verlaß.

Es war ein interessantes Wochenende, was viele neue Eindrücke gebracht hat, ich habe viele nette Leute aus Höxter und Umgebung kennengelernt, die total kontakfreudig und offen waren. Es wurde sogar erwägt das nächste Mal Privatquartiere anzubieten. Klar trifft man auch die Spezies, wo man beim ersten Blick weiss, jetzt kommt eine Lebensgeschichte in epischer Breite, aber das sind marginale Erscheinungen. Ein großes Lob auch an Kai Koch und Jost Schmithals, die mit einem Mammutengagement dieses Projekt geplant, vorbereitet und durchgezogen haben.

Ein Verbesserungsvorschlag: Es gibt tolle Kantaten im Sommer / Trinitatiszeit, mit einer hartnäckigen Erkältung als Erinnerung habe die ganze Woche gehabt mich an Höxter zu erinnern.