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Konzertbericht vom Klangvokalfestival in der Probsteikirche Dortmund


Konzertbericht vom Klangvokalfestival in der Probsteikirche Dortmund

Am vergangenen Donnerstagabend fand im Rahmen das Klangvokalfestivals in der Dortmunder Probsteikirche ein Konzert unter dem Titel „Wege zu Bach“ statt, dessen Schwerpunkt Motetten von J.S. Bach und Komponisten mit einem Bezug zur venezianischen Musikszene bildeten.

Propsteikirche in Dortmund

                                     Propsteikirche in Dortmund

Der Grund, warum ich trotz sehr stressiger Woche abends noch nach Dortmund fuhr, um dabei zu sein, war eine Sternstunde im November letzten Jahres, als das hier auch aufführende Ensemble Pygmalion die Essener Philharmonie besuchte und neben anderen Bach`schen Motetten und Kantaten Werken die eher selten gehörte Kantate BWV 190 „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Die Balance aus schwunghafter Spritzigkeit, Präzision und Strahlkraft auf der einen, aber auch den für die Bach´schen Werke so charakteristischen Tiefgang auf der anderen Seite, mit der dieses noch junge Ensemble unter seinem künstlerischen Leiter Raphael Pichon die Werke auf die Bühne brannte, ließ mich alten Gardiner-Fan schwer beeindruckt zurück.

Countenor und Dirigent Raphaël Pichon (*1984) gründete 2005 das Ensemble Pygmalion.

Countenor und Dirigent Raphaël Pichon (*1984) gründete 2005 das Ensemble Pygmalion.

Und so organisierte ich mir noch eines der letzten verfügbaren Tickets im vorderen Teil der Probsteikirche und fand mich in Reihe 2 wieder, was doppelt interessant war: Einerseits stand Pichon etwa in meiner Höhe im Mittelgang, so dass ich seine Mimik und Gestik beim Leiten des Konzerts exzellent sehen konnte. Andererseits war die Erfahrung neu, den Klang der Stimmen zu hören, kurz bevor er sich wirklich ausbreitet, was so in etwa ab Reihe 6 der Fall gewesen sein dürfte.

Das Programm bestand nun also aus:

Hans Leo Hassler (1564 – 1612)

„Cantate Domino“ zu zwölf Stimmen

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)

„Lobet den Herrn“ BWV 230

Vincenzo Bertulosi (ca. 1550 – 1608)

„Osculetor meo“ zu sieben Stimmen

Johann Sebastian Bach

„Komm, Jesu komm“ zu acht Stimmen BWV 229

„Jesu meine Freude“ zu fünf Stimmen BWV 227

Nach der Pause:

Johann Sebastian Bach

„Komm, o Tod du Schlafes Bruder“ BWV 56-5

(Die dann an dieser Stelle angekündigte Arie „Vergiss mein nicht, mein allerliebster Gott“ entfiel)

„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ zu acht Stimmen BWV sup.159

(Die an dieser Stelle angekündigte Wiederholung des Chorals „Komm, o Tod..“ entfiel ebenfalls)

„Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ zu acht Stimmen BWV 226

Giovanni Gabrieli (1557 – 1612)

„Jubilate deo“ zu acht Stimmen

Johann Sebastian Bach

„Singet dem Herrn ein neues Lied“ zu acht Stimmen BWV 225

Die Auswahl der Werke erfolgte aufgrund der Tatsache, dass lange, bevor Bach das Licht der Welt erblickte, Venedig als Innovationsquelle der Musik, als „nuova musica“ galt. Viele namhafte Kapellmeister wie Adrian Willaert, die Corellis und natürlich Claudio Monteverdi wirkten hier und zogen auch deutsche Komponisten in ihren Bann, die den weiten Weg nicht scheuten, um sich vor Ort inspirieren zu lassen. Dabei galt speziell die Basilika di San Marco stets als akustische Experimentierbühne. Hier wurden Echoeffekte genutzt und die vielen Winkel, Emporen und Nischen für die Mehrchörigkeit genutzt.

Die Probsteikirche Dortmund ist sicher kein so bekannter Ort wie der venezianische Markusdom, die Akustik jedoch ist fantastisch und so wurde man in Klangwelten entführt, die zumindest mich süchtig machen. Pichon beherrscht es, seine insgesamt um die 30 Sänger und das kleine Continuo-Ensemble (zwei Orgeln, ein Cembalo, ein Cello, ein Bass) exakt, aber lebendig ihren Linien folgend durcheinanderwirbeln zu lassen und dabei immer wieder unerwartete Akzente zu setzen. Immer wieder hat man bei den schnellen Passagen das Gefühl, die Sänger würden die Worte wie Lichtblitze durch die gewaltige Akustik der Kirche schicken. In den Chorälen dann strahlt das Ensemble eine warme, volle, homogene Farbe aus.

Alle Musiker scheinen, als hätten sie die Werke nicht nur als interpretatorische Herausforderung verstanden, sondern auch mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz angefasst, Text und Noten plastisch, aber niemals trocken zu singen. Dazu gelingt ihnen eine frische, schwungvolle Lebendigkeit und ein oft hohes, aber nicht übertriebenes Tempo und eine ausgezeichnete Präzision. Hier wird keine einzelne Note verschludert. Dabei hat Pichon meiner Meinung nach etwas, was ich bisher in dieser Ausprägung nur von Gardiner kenne: Den offensichtlich starken Willen und das Können, dem Werk in all seinen Facetten auf sehr hohem Niveau gerecht zu werden und niemals nachzulassen, noch etwas mehr Bach aus den Noten herauszukitzeln und bei all der Detailversessenheit aber nie den Blick für die Schönheit des Großen und Ganzen zu vernachlässigen.

Die volle Kirche und der schon zur Pause ausgesprochen kräftige Applaus unterstrich, dass im Ruhrpott noch Luft für mehr hochwertige Barockmusik ist. Und er unterstrich, dass selbst in Zeiten der scheinbar immer weitergehenden Niveauverflachung herausragende Talente ihren Platz finden.

Am Mittwoch folgt dann Gardiner in Königslutter. Nach meinen Erfahrungen im dortigen Kaiserdom bei der Aufführung der Matthäsupassion 2005 und den Oster- und Himmelfahrtsoratorien 2013 sind die Erwartungen höchstens gemischt. Die Musik wird wie immer hochwertig sein, aber der Rahmen ist mir bei den genannten Gelegenheiten als sehr unwürdig aufgefallen und hat bisher Enttäuschung und Ärger zurückgelassen. Wieder soll diesmal nun also die Bühne quer mitten im Kirchenschiff stehen und damit dieses Weltklasseensemble vor die Wand musizieren, was der Akustik nicht sonderlich zuträglich ist.

Vorarbeiten für das Konzert am 15.06.16 mit Sir John Eliot Gardiner im Kaiserdom Königslutter

     Vorarbeiten für das Konzert am 15.06.2016 mit Sir John Eliot Gardiner im Kaiserdom Königslutter

Selbst die Höchstpreistickets geben nur Blick auf die Rücken maximal der Hälfte der Aufführenden frei. Dazu Publikum (verdiente Mitarbeiter von Sponsoren, die aber mit der Musik nichts anfangen können?) in Badelatschen, wichtigtuerischem Husten (immer ein wenig lauter als nötig), gelangweiltem Rumgehampel auf den knarzenden Stühlen und ein zweifellos sehr verdienter Veranstalter, der jedoch dank seiner augenscheinlich auf Aufmerksamkeit heischende Gesten nicht zwingend zu dem Rahmen beiträgt, den diese Ensembles und vor allem das Werk verdient hätten. Ist es nicht das schönste, wenn man dann am Ende positiv überrascht wird und das Konzert in vollen Zügen genießen kann?

Herzliche Grüße

Martin

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Radiotipps 8.3. – 11.3.2012


Links zu den Radiosendern sind auf der Seite WebRadios zu finden:

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8.3.

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SWR2
20:03-21:00

Alte Musik
Die wichtigsten Quellen der historischen Aufführungspraxis (5/7)
„Aus der Seele muss man spielen, und nicht wie ein abgerichteter Vogel“

Barocke Gesangstraktate (5/7)
Marcus Stäbler im Gespräch mit dem Dirigenten Hermann Max

Die Singstimme ist idealer Weise „hell, rein, stark, biegsam, fest, leicht, gleich und von beträchtlichem Umfange“. So zumindest fordert es der Kapellmeister Johann Adam Hiller Ende des 18. Jahrhunderts. Aber was heißt das konkret? Wie haben sich die Gesangstechnik und Klangideale im Lauf der Jahrhunderte gewandelt? Und was können wir darüber überhaupt mit einiger Sicherheit sagen, da es ja keine Aufnahmen aus dieser Zeit gibt? Marcus Stäbler spricht über diese Fragen mit dem Dirigenten Hermann Max, der sich intensiv mit der Gesangspraxis vergangener Jahrhunderte auseinandergesetzt hat. Seit vielen Jahren arbeitet er mit Sängern, und für seine Konzerte und Aufnahmen mit der „Rheinischen Kantorei“ hat er höchste Anerkennung und zahlreiche Preise bekommen.
(Teil 6, Donnerstag, 15. März, 20.03 Uhr)

 

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11.3.

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BBC3
13-14 (14-15)

The Early Music Show
After his time working for Prince Leopold of Anhalt in Cöthen, Johann Sebastian Bach took a substantial drop in salary and public standing to work as Cantor in Leipzig. The role primarily involved teaching at St Thomas School, but also meant that Bach was responsible for the music in the German town’s four churches. Lucie Skeaping takes a closer look at Bach’s time in the German town, where Bach remained from 1723 until his death in 1750.

 

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Deutschlandfunk
21:05 – 23:00
Musikfest Bremen
„Verabschiedung eines Fürsten“
Johann Sebastian Bach:
Köthener Trauermusik BWV 244a
Ein geistliches Pasticcio

Sabine Devieilhe, Sopran Carlos Mena, Countertenor
James Gilchrist, Tenor / Benoît Arnould, Bass
Ensemble Pygmalion / Ltg.: Raphaël Pichon
Aufzeichnung vom 13.9.2011 in der Kirche Unser Lieben Frauen, Bremen

Die Alte Musik ist sein Hauptgeschäft. Als der Intendant des Musikfestes Bremen und gebürtige Bremer Thomas Albert im Jahr 1989 Professor für Barockvioline an der dortigen Hochschule der Künste wurde, entschloss er sich kurzerhand zur Gründung eines Festivals, das heute neben dem Schleswig-Holstein Musik Festival und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern zur Trias der großen Musikfestivals in Norddeutschland gehört. Im Spätsommer 2011 konnte das Musikfest Bremen neben vielen hochkarätigen Aufführungen wie einer Zauberflöten-Inszenierung des Starregisseurs Peter Brook auch eine Sensation der Bach-Forschung präsentieren. Die Bach-Kantate „Klagt, Kinder, klagt aus aller Welt“, die im März 1729 zu den Begräbnisfeierlichkeiten des Fürsten und ehemaligen Dienstherren Bachs, Fürst Leopold in Anhalt-Köthen, uraufgeführt wurde, ist in ihrer Urfassung nämlich verschollen. Erst 2010 gelang eine Rekonstruktion der „Köthener Trauermusik“ auf Grund des erhalten gebliebenen Librettos und vieler Parallelen in der Textstruktur zur „Matthäus-Passion“ BWV 244 und zur „Trauerkantate für die Kurfürstin Christiane Eberhardine“ BWV 198.

Das französische Ensemble Pygmalion und sein Leiter Raphaël Pichon stellten die rekonstruierten Arien und Accompagnato-Rezitative in der Kirche „Unser Lieben Frauen“ in Bremen am 13. September vor. Bereits 2010 war das Ensemble Pygmalion mit Werken Jan Dismas Zelenkas und der Bach-Familie beim Musikfest Bremen zu Gast.

Radiotipps 6.2. – 12.2.2012


Links zu den Radiosendern sind auf der Seite WebRadios zu finden:

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6.2.

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DRS II
15:03-17:00
Parlando
Jörg-Andreas Bötticher, Cembalist der Extraklasse

Als Keyboarder in einer Band hat Jörg-Andreas Bötticher angefangen. Heute unterrichtet er Cembalo und historische Aufführungspraxis an der Schola Cantorum Basiliensis.

Für «Parlando» hat er sich ans Cembalo gesetzt und die Kunst des Improvisierens und Generalbassspielens vorgeführt.

DRS II
20:00-22:00
Diskothek im Zweiten
Carl Philipp Emanuel Bachs Cellokonzerte 

Mit seinen Cellokonzerten beschreitet Carl Philipp Emanuel Bach noch ziemlich unbekannte Wege. Denn bisher diente das Cello fast ausschliesslichals treuer Gefährte in der Tiefe, um das Cembalo beim Begleiten zu verstärken.

Der Bach-Sohn nutzt das solistische Neuland wo er kann: mal lässt er das Soloinstrument von „Wolke fünf“ herunterschweben, mal balgt es sich mit dem Orchester um das Motiv. Der Kampf geht schliesslich so aus, dass jede Partei eine Hälfte kriegt.

Als Gäste diskutieren die Cellistin Maya Amrein und die Geigerin Meret Lüthi.

 

Nordwestradio
20:05-22:00
Der Klang nach der Klage

Johann Sebastian Bach – Ricercare a 6 voci aus dem „Musikalischen Opfer“ BWV 1079
Wolfgang Amadeus Mozart – Adagio und Fuge c-moll KV 546
Johann Sebastian Bach – Kantate „Ich habe genug“ BWV 82
Wolfgang Amadeus Mozart-Sinfonie Nr. 40 g-moll KV 550

Florian Boesch, Bariton
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Leitung: Sir Roger Norrington
Mitschnitt vom 7.Oktober 2011 aus der Glocke, Bremen

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8.2.

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NDR kultur

13:05-14:00
Die heilende Wirkung Bachs
Friederike Westerhaus im Gespräch mit Christine Schornsheim

In Klassik à la carte spricht die Cembalistin Christine Schornsheim über Bach und andere musikalische Einflüsse.Schon zu Lebzeiten Bachs waren die beiden Bände à 24 Präludien und Fugen sehr beliebt. Sie sind eine Fundgrube für die unterschiedlichsten musikalischen Formen und eine Herausforderung für jeden Spieler. Für ihre neue CD spielte die Cembalistin Christine Schornsheim dieses zentrale Werk auf einem kostbaren Johannes Ruckers-Cembalo von 1624 und nutzte die klanglichen Möglichkeiten dieses Instrumentes. Geschulte Ohren schwärmen von der dunklen und noblen Basslinie und dem transparenten Klang dieses Cembalos. Für Schornsheim hat Bachs „Wohltemperiertes Clavier“ zeitlebens eine heilende Wirkung gehabt: Diese Musik spende ihr Ruhe und reinige die Seele.

Meisterin auf fünf Tasteninstrumenten

Seit ihrem Klavierstudium an der Hochschule für Musik in Berlin ist Schornsheim, Jahrgang 1959, überwiegend als Solistin am Cembalo und am Hammerflügel tätig. Sie trat unter Dirigenten wie Sir Georg Solti, Claudio Abbado oder Peter Schreier auf und ist zu Gast bei wichtigen internationalen Festivals. Im Februar 2005 erschien das von ihr an fünf historischen Tasteninstrumenten gespielte Gesamtwerk Joseph Haydns für Cembalo, Hammerklavier und Orgel. Dafür erhielt sie den „Echo Klassik 2005“ und den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“. Nach einer 14-jährigen Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig erhielt Schornsheim im Oktober 2002 die Professur für historische Tasteninstrumente an der Hochschule für Musik und Theater in München.

Über ihre Lehrtätigkeit, ihr Ensemble „Münchner Cammer Music“ und ihre musikalischen Einflüsse spricht Schornsheim in Klassik à la carte.

 

9.2.

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SWR 2

20:03-21:00
Alte Musik
„Aus der Seele muss man spielen, und nicht wie ein abgerichteter Vogel“
Die wichtigsten Quellen der historischen Aufführungspraxis (1/7)
Johann Mattheson: „Der Vollkommene Capellmeister“
Dagmar Munck im Gespräch mit Silke Leopold

Der Slogan „Alles was man wissen muss“ ist nicht etwa eine Erfindung unserer postmodernen Informationsgesellschaft. Schon vor über 250 Jahren hat der Komponist und Musikforscher Johann Mattheson damit für sein Handbuch geworben: „Der Vollkommene Capellmeister“ heißt es, und es enthält „alle Sachen, die einer wissen, können, und vollkommen inne haben muss, der einer Capelle mit Ehren und Nutzen vorstehen will“ – so liest man auf der Titelseite. Mattheson hat ein Allround-Buch geschrieben: Es enthält eine Musikgeschichte, eine knapp zusammengefasste Musiktheorie, eine Anleitung, wie man eine Melodie geschmackvoll verziert bis hin zu ganz handfesten praktischen Tipps, etwa wie ein Kapellmeister für Disziplin und Ordnung sorgen kann – alles ist drin in diesem knapp 500 Seiten dicken (und damit eigentlich erstaunlich dünnen) Buch. Dank Matthesons witzig-ironischer Schreibe kann man es auch heute noch mit Vergnügen lesen. (Teil 2, Donnerstag, 16. Februar, 20.03 Uhr)

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12.2.

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SWR2

15:05-17:00
Joshua Rifkin
Dagmar Munck im Gespräch mit dem amerikanischen Dirigenten, Cembalisten, Pianisten und Musikwissenschaftler

Aus New York kommt der Revolutionär der Bach-Interpretation der letzten Jahrzehnte! Mit seinem 1978 gegründeten „The Bach Ensemble“ setzte Joshua Rifkin erstmals seine neuen musikwissenschaftlichen Erkenntnisse in Klang um: Die Chorpartien in Bachs Werken überließ er – wie Quellen es belegen – vier Solisten. Was damals „unerhört“ war, der neue, durchsichtige, lebendige, ganz bewegliche und individuelle Klang des Solistenquartetts, hat in den letzen Jahrzehnten immer mehr prominente Anhänger gefunden. Aber Joshua Rifkin lässt sich weder auf Bach, noch auf Barockmusik reduzieren. In seinen Anfängen besuchte er die Darmstädter Ferienkurse für neue Musik, war Schüler von Stockhausen. In den frühen 70er-Jahren hat er erstmals die Ragtimes von Scott Joplin wieder ausgegraben und aufgenommen und damit den Film „Der Clou“ inspiriert. Rifkin forscht im Bereich der Barock- und Renaissancemusik, die er mit seinem eigenen Ensemble aufführt, dirigiert Werke von Monteverdi bis Strawinsky, von Bach bis Strauss und kann sich kriminalistisch auch in entlegene historische Themen verbeißen, wenn er auf eine spannende Fährte kommt.

 

NDR
22:05 – 24:00
Musikfest Bremen
„Verabschiedung eines Fürsten“
Johann Sebastian Bach:
Köthener Trauermusik BWV 244a
Ein geistliches Pasticcio

Sabine Devieilhe, Sopran Carlos Mena, Countertenor
James Gilchrist, Tenor / Benoît Arnould, Bass
Ensemble Pygmalion / Ltg.: Raphaël Pichon
Aufzeichnung vom 13.9.2011 in der Kirche Unser Lieben Frauen, Bremen

 

Die Alte Musik ist sein Hauptgeschäft. Als der Intendant des Musikfestes Bremen und gebürtige Bremer Thomas Albert im Jahr 1989 Professor für Barockvioline an der dortigen Hochschule der Künste wurde, entschloss er sich kurzerhand zur Gründung eines Festivals, das heute neben dem Schleswig-Holstein Musik Festival und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern zur Trias der großen Musikfestivals in Norddeutschland gehört. Im Spätsommer 2011 konnte das Musikfest Bremen neben vielen hochkarätigen Aufführungen wie einer Zauberflöten-Inszenierung des Starregisseurs Peter Brook auch eine Sensation der Bach-Forschung präsentieren. Die Bach-Kantate „Klagt, Kinder, klagt aus aller Welt“, die im März 1729 zu den Begräbnisfeierlichkeiten des Fürsten und ehemaligen Dienstherren Bachs, Fürst Leopold in Anhalt-Köthen, uraufgeführt wurde, ist in ihrer Urfassung nämlich verschollen. Erst 2010 gelang eine Rekonstruktion der „Köthener Trauermusik“ auf Grund des erhalten gebliebenen Librettos und vieler Parallelen in der Textstruktur zur „Matthäus-Passion“ BWV 244 und zur „Trauerkantate für die Kurfürstin Christiane Eberhardine“ BWV 198.

Das französische Ensemble Pygmalion und sein Leiter Raphaël Pichon stellten die rekonstruierten Arien und Accompagnato-Rezitative in der Kirche „Unser Lieben Frauen“ in Bremen am 13. September vor. Bereits 2010 war das Ensemble Pygmalion mit Werken Jan Dismas Zelenkas und der Bach-Familie beim Musikfest Bremen zu Gast.

 

 

 

J.S. Bach / Johann Kuhnau – Motette – „Der Gerechte kommt um“


Heute erlebte ich eine Aufnahme mit der Motette von J.S. Bach / Johann Kuhnau: „Der Gerechte kommt um“. In meinem „Dürr“ konnte ich dieser wunderbaren Instrumental-Motette kein BWV zuordnen. Es gibt verschiedenartige Veröffentlichungen, die eine Dauer von 4 bis  zu 7 Minuten beinhalten.

Eine Frage an die Bach-Kenner,

warum besitzt diese Motette eine unterschiedliche Aufführungs-Länge?

Drei Hör-Beispiele führe ich einmal an:

Bis heute prägt Helmuth Rilling als Akademieleiter die Bachakademie Stuttgart maßgeblich und ist als künstlerischer Leiter der Gächinger Kantorei und des Bach-Collegiums Stuttgart sowie als gefragter Gastdirigent weltweit präsent.

(Dauer der Aufnahme: 4 : 57 Min.)

 

 

 

 

 

Video: J.S.Bach 7 Kuhnau - Motette "Der Gerechte komm um"

Video: J.S.Bach 7 Kuhnau - Motette "Der Gerechte komm um"

 

Zum Start in das Video-Bild klicken..!!

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Eine Aufnahme vom Bremer-Musikfest 2010 mit dem französischen Jung-Star: Raphaël Pichon. Mit seinen 26 Jahren zählt Raphaël Pichon zu den jungen Dirigenten der Alten Musikszene. Nicht nur als Chor- und Orchesterleiter, sondern auch als Countertenor und Violinist hat sich der Franzose bei internationalen Festivals einen Namen gemacht. Er studierte und arbeitete unter anderem bei Ton Koopman, Jordi Savall und Jean Tubéry.

(Dauer der Aufnahme: 6 : 02 Min.)

26-jährige französische Dirigent Raphael Pichon

Dirigent: Raphaël Pichon

Hörprobe:

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Eine weitere Aufnahme

von Sir J.E. Gardiner CD-SDG 156, Vol. 4 auf CD eins enthalten!

(Dauer der Aufnahme – Spitzen-Platz mit  7 : 47 Min.)

Hörprobe:

Label-SDG CD-156 Vol. 4 CD 1

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Anmerkung zur Motette: „Der Gerechte kommt um“

Bearbeitung der Johann Kuhnau zugeschriebenen Motette „Tristis est anima mea“ Die Motette „Der Gerechte kommt um“ ist innerhalb der Passionskantate „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ von Carl Heinrich Graun überliefert, in die später auch Sätze verschiedener anderer Komponisten, darunter Bachs und Telemanns, interpoliert wurden. Nach den Untersuchungen von Diethard Hellmann, dem Herausgeber der vorliegenden Ausgabe, handelt es sich bei der Motette ursprünglich um eine A-cappella-Komposition Johann Kuhnaus auf den Text „Tristis est anima mea“, die dann – höchstwahrscheinlich von Bach – durch Neutextierung und Hinzufügung eines Instrumentalsatzes umgearbeitet wurde.

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Mein Fazit:

Sind es die unterschiedlichen Tempi die hier in den Aufzeichnungen vorhanden sind. Sir Gardiner legt förmlich ein Schneckentempo an den Tag, was für ihn sehr ungewöhnlich ist, in der gleichen Art ist die Aufnahme vom Franzosen: Raphaël Pichonda – aber über 1 Minute kürzer – dagegen geht es bei Helmuth Rilling doch zügiger voran, ein Wert von 4:57 Min. habe ich in seiner Aufnahme gemessen – ist das eine Erklärung, ich mag es kaum glauben..!!

Grüße

Volker