Archiv der Kategorie: Konzertbesuche-Rezensionen

Ein großartiger Konzertabend im Palau de la Musica, mit Kompositionen von den Barock-Genies: J.S. Bach und G.F. Händel!

Ein großartiger Konzertabend im Palau de la Musica am 1. Mai 2018, mit Kompositionen von den Barock-Genies: J.S. Bach und G.F. Händel!

                                                    Palau de la Musica Catalana in Barcelona

So ein Programm wird nicht oft angeboten, dass Kompositionen von J.S. Bach (1685-1750)  und G.F. Händel (1685-1759) gegenübergestellt werden. Kantaten von Johann Sebastian Bach und profane Orgelwerke von Georg Friedrich Händel.

                                                                     Juan de la Rubia – Orgel

Ein erster Höhepunkt zu Beginn. Aus der Kantate BWV 35, Satz 1a, wurde die Sinfonia: „Geist und Seele wird verwirret“ gespielt. Das Freiburger Barockorchester und ein großartiger spanischer Organist am Orgel-Positiv, Juan de la Rubia, verzauberten die Besucher mit einer herrlichen Barockmusik.

                                                       Matthias Goerne (Bass) und Katharina Arfken (Oboe)

Nachfolgend erklang die Bach-Kantate BWV 56 „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“. Diese Kantate für Solo-Bass wurde von Matthias Goerne (Bass) stimmlich nicht überzeugend gesungen. Bemängeln muss man bei ihm die kaum verständliche Aussprache und ein fehlendes Stimmvolumen in den tiefen Lagen. Wunderbar die Instrumentale Interpretation durch das Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Gottfried von der Goltz als 1. Violonist.

                           Von links: Katharina Arfken (Oboe) und Matthias Goerne (Bass)

In der Bach-Kantate, BWV 82 „Ich habe genug“ überzeugte Katharina Arfken  mit der Oboe mit einem betörenden Klang. Bach schrieb die Kantate in seinem vierten Jahr in Leipzig für das Fest Mariä Reinigung. Der erste Satz, eine Arie, beginnt mit einer ausdrucksvollen Melodie der obligaten Oboe, die von der Singstimme auf die Worte „Ich habe genug“ übernommen wird. Die zentrale Arie „Schlummert ein, ihr matten Augen“ ist als Schlummerarie bekannt. Diese Kantate erfreut sich großer Beliebtheit und ist von Bachs Kirchenkantaten am häufigsten aufgenommen worden. *) +)

In zwei Orgelwerken von Georg Friedrich Händel, Concerto Grosso HW 330 und im Orgelkonzert (Nr. 13) F-dur HWV 295 „Der Kuckuck und die Nachtigall“ – überzeugte das Freiburger Barockorchester und der Organist Julian de la Rubia mit einer wunderbaren klanglichen Einheit und Wiedergabe des Barock.

Video: G.F. Händel – Orgel-Konzert F-dur Der Kuckuck und die Nachtigall – HWV 295

Es war ein sehr beeindruckendes Konzert, den geistigen Inhalt in den Kantaten von J.S. Bach aufzunehmen und zu genießen. Andererseits verzückten die profanen Orgelwerke von G. F. Händel. Auf jeden Fall war es interessant, die Vielfalt der Stile zwischen zwei schillernden Zeitgenossen zu hören. Es gab viele Momente von großer klanglicher Schönheit die den Hörer an diesem Abend faszinierte.

Ein eigenes Kapitel verdient die Interpretationen von dem spanischen Organisten Juan de la Rubia, Titularorganist der Sagrada Família und ein international anerkannter Organist, der mit seinen virtuosen Auftritten der ersten Sinfonien der Kantate „Geist und Seele, wird verwirrt“ und „Concerto de orgel en F – Dur“ von Händel der große Star des Konzertes wurde,

Riesiger Applaus war der verdiente Lohn für das überragende Freiburger Barockorchester, und für den heimischen Organisten.

*) +) Kunstinstallation – BWV 82 „Ich habe genug“

Im Jahr 2005 schuf Prof. Alexandra Ranner die Installation BWV 82 „Ich habe genug“. Es handelt sich um ein kleines Haus, neben dem eine Peitschenlaterne steht. Durch ein Fenster in dem Gebäude ist ein Videofilm zu sehen, in dem ein in einem Fluss treibender körperloser Kopf die Bach-Kantate „Ich habe genug“ singt.

Die Installation, die zunächst in Berlin zu sehen war, wurde vom Herforder Unternehmer Heiner Wemhöner angekauft und stand seit Oktober 2015 auf seinem Grundstück an der Lockhauser Straße in Herford. Seit Oktober 2017 steht sie in der Herforder Innenstadt an der Petersilienstraße gegenüber vom Frühherrenhaus auf dem Grundstück der Johanniskirche in Herford. Der Videofilm ist dort täglich von 16 Uhr bis 21 Uhr, während der Winterzeit von 15 Uhr bis 20 Uhr zu sehen.


Video:  J.S. Bach – Sinfonia Satz 2 aus dem BWV 35 „Geist und Seele wird verwirret“

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Marc Minkowski und Les Musiciens du Louvre – führten im „Palau de la Musica Catalana“ von J.S. Bach die Matthäus-Passion auf!

Marc Minkowski und Les Musiciens du Louvre – führten im „Palau de la Musica Catalana“ von J.S. Bach die Matthäus-Passion BWV 244 auf!

                                                        Das Vokal-Ensemble von Marc Minkowski

Mittlerweile hat es sich eingebürgert, dass dieses großartige Passions-Oratorium von J.S. Bach in einer kleinen Vokal-Besetzung durchgeführt wird. Marc Minkowski brachte jetzt keine großen Chöre mit zu seiner großartigen Matthäus-Passion. Mit gut zwei Dutzend Sängerinnen und Sängern, die alle eine Solistenqualität besitzen, gelang ihm eine überzeugende Aufführung der Matthäus-Passion. Bereits 1920 ging Arnold Schering davon aus, dass Bach in der Regel mit zwölf Sängern auskommen musste. Doch erst die Alte-Musik-Bewegung verfolgte diesen Ansatz. Spätestens seit Philippe Herreweghes erster Einspielung von 1985 ist solch eine reduzierte Chorgröße von 12 bis 20 Sängern die Regel geworden.

Wohltuend ist anzumerken, dass die großartigen Alt-Arien von einer wunderbaren Altistin: Helena Rasker, vorgetragen wurden, so gelang die Alt-Arie Nr. 39 „Erbarme dich“ zu einem unvergesslichen Erlebnis. Es wurde überwiegend auf einen Counter-Tenor verzichtet.

Als ein bewundernswerter Bass ist Norman D. Patzke, zu benennen. Seine gesungenen Jesus-Passagen waren traumhaft anzuhören.

Das Orchester Les Musiciens du Louvre war in allen Belangen ein vortrefflicher Klangkörper mit historischen Instrumenten. Die Passagen mit dem Continuo und Viola da gamba im 2. Teil der Matthäus-Passion wurden zu einem Höhepunkt in der Wiedergabe. Selten habe ich so fundierte und zu Herzen gehende Musik vernommen wie in dieser Aufführung. Die ganze Wiedergabe ergab einen intimen Charakter und bezog den Besucher so einvernehmlich in die Aufführung mit ein.

Ausführende:

Laure Barras, soprano / Maïlys de Villoutreys, soprano / Helena Rasker, contralt /

Owen Willetts, contratenor / Paul Schweinester, tenor / Norman D. Patzke, baix /

Anicio Zorzi Giustiniani, tenor / Thomas Dolié, baríton / Orchester Les Musiciens du Louvre

Conductor: Marc Minkowski, /

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Ein Kurz-Video von dem Konzert füge ich bei. Zu hören ist der Schluss-Choral aus der Matthäus-Passion BWV 244:

„Wir setzen uns mit Tränen nieder Und rufen dir im Grabe zu: Ruhe sanfte, sanfte Ruh!“ 


Language: English

Marc Minkowski and Les Musiciens du Louvre – performed in the Palau de la Musica Catalana“ by J.S. Bach the St. Matthew Passion BWV 244!

By now it has become common knowledge that this great Passion Oratorio by J.S. Bach is performed in a small vocal lineup. Marc Minkowski did not bring big choirs to his great St. Matthew Passion. With a good two dozen singers, all of whom have a soloist quality, he managed a convincing performance of the St. Matthew Passion. Already in 1920, Arnold Schering assumed that Bach usually had to live with twelve singers. But it was only the early music movement that pursued this approach. Ever since Philippe Herreweghe’s first recording of 1985, such a reduced choir size of 12 to 20 singers has become the rule.

It is pleasing to note that the magnificent alto arias were performed by a wonderful contralto: Helena Rasker, so the alto aria no. 39 „Have mercy“ was an unforgettable experience. It was mainly dispensed with a counter-tenor.

As an admirable bass is Norman D. Patzke to name. His sung Jesus Passages were a dream to listen to.

The orchestra Les Musiciens du Louvre was in all respects an excellent orchestra with historical instruments. The passages with the continuo and viola da gamba in the second part of the St. Matthew Passion became a highlight in the performance. Rarely have I heard such well-founded and heartfelt music as in this performance. The whole rendering gave an intimate character and involved the visitor in a consensual way in the performance.

Laure Barras, soprano / Maïlys de Villoutreys, soprano / Helena Rasker, contralt /

Owen Willetts, contratenor / Paul Schweinester, tenor / Norman D. Patzke, baix /

Anicio Zorzi Giustiniani, tenor / Thomas Dolié, baríton / Orchester Les Musiciens du Louvre

Conductor: Marc Minkowski, /

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I enclose a short video of the concert. The final chorale from the St. Matthew Passion BWV 244 can be heard:

„Wir setzen uns mit Tränen nieder Und rufen dir im Grabe zu: Ruhe sanfte, sanfte Ruh!“ 

(„We settle down with tears And call you in the grave: Rest gentle, gentle rest!“)

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Rezension der Matthäus-Passion von Gründonnerstag aus der Thomaskirche Leipzig von der LVZ

Rezension der Matthäus-Passion von Gründonnerstag aus der Thomaskirche Leipzig von der LVZ
Matthäus-Passion in der Thomaskirche In der Ruhe liegt die Dramatik
Der Thomanerchor und das Gewandhausorchester führten am Gründonnerstag und am Karfreitag in der Thomaskirche  J.S. Bachs Matthäus-Passion BWV 244 auf.
Thomanerchor und Gewandhausorchester unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz in der Thomaskirche.

Thomanerchor und Gewandhausorchester unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz in der Thomaskirche.

Leipzig. „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“ – wie ein gewaltiges Portal wirkt der im Zwölfachteltakt federnde Doppelchor zu Beginn. Ein Portal, durch das die Gemeinde einzieht in ein Werk, das zu den größten Hervorbringungen menschlichen Geistes zählt. Und dass dieser Beginn jedem Hörer vertraut erscheinen kann, auch wenn er ihn noch nie zuvor gehört hat, liegt unter anderem am Puls des ihm zugrundeliegenden Herzschlags.

Thomaskantor Gotthold Schwarz dirigiert den monumentalen Eingangschor recht gravitätisch. Alle Phrasen wirken noch wie auf Schilder gemalt, jedes Wort der Wechselrede – „Wen? Wie? Was? Wohin?“ – klingt überbetont. Erst im Verlaufe der drei Stunden wird sich Schwarz von dieser Gangart verabschieden. Dann schlägt das Herz allein, ganz ohne Schrittmacher. Als der Schlusschor mit den Worten „Höchst vergnügt schlummern da die Augen ein“ verklingt, wird damit dem innigen Wunsch so manchen Zuhörers der aus allen Nähten platzenden Thomaskirche entsprochen worden sein: Eine gewisse Erschöpfung hat sich am Ende unter allen Beteiligten breitgemacht.

Bachs Varietas, die unendliche Vielfalt der Gattungen, Formen, Besetzungen zwischen dem gewaltigen Eingangs- und dem erhabenen Schlusschor, vermag Gotthold Schwarz an diesem Gründonnerstagabend nicht in allen Dimensionen mit musikalischer Logik zu verklammern. Vieles bleibt – für sich genommen – Stückwerk, wenn auch ein zum Teil überwältigend schönes.

Zwischen Bibelworten, dem eindringlichen Bericht über Christi Leiden nach dem Evangelisten Matthäus, Zitaten aus dem Hohelied Salomonis und Kirchenlied-Strophen aus zeitgenössischen Gesangbüchern bleibt zeitweise auf der Strecke, was die Matthäus-Passion im Ganzen darstellt: ein großes, kathartisches Menschheitsdrama.

Gewiss, die Dramatik der Passion hat musikimmanent zu bleiben, sie erwächst aus der Wucht der musikalischen Ausgestaltung des Wortes. Für die ist an diesem Abend zuvorderst Tenor Jörg Dürmüller zuständig. Die umfangreiche Evangelistenpartie gestaltet er mit nie ermüdender Strahlkraft sowie beeindruckender Flexibilität des Ausdrucksreichtums. Die Textverständlichkeit bleibt bis in die letzte Silbe auch da gewahrt, wo sich die Worte dicht drängen.

Das lässt sich vom Anke Vondungs vibratofreudigem Alt zunächst nur bedingt behaupten. Ihre Arie „Buß und Reu“ verströmt noch nicht die Wärme eines zerknirschten Sünderherzens, im zweiten Teil findet sie aber zumal bei der berühmten Arie „Erbarme dich, mein Gott“ zu körperlos schwebender Anmut. Wie sie hier ihre Stimmfarbe immer dunkler, erdiger, inniger werden lässt, das berührt. Gebettet wird sie hier von den großartigen Streichern (Soloviolinen: Andreas Buschatz und Julius Bekesch), die beinahe romantisch strömen und strahlen. Auch der Holzbläsersatz streichelt zart und weich die gläubige Seele (herausragend an der Flöte: Katalin Stefula).

Von den Thomanern hätte man sich bei den Turbae-Einwürfen des wütenden Mobs mehr dramatische Schlagkraft und schneidende Schärfe gewünscht, in den Chorälen hingegen etwas mehr Innigkeit statt Einheitslautstärke. Gleichwohl zum Glanzstück gerät das Nummernpaar 61 und 62: „Aber Jesus schriee abermals laut, und verschied.“ In aller Ruhe und ohne jede Geziertheit verkündet Jörg Dürmüller die Todesnachricht. Dann folgt Innehalten, ein Moment nur, gerade genug, um die Welt still stehen zu lassen, dann der Choral „Wenn ich einmal soll scheiden“. Wie aus einer anderen Welt schimmert er zart und tröstlich herüber ins scheinbar ausweglose Diesseits: Der Tod, er ist nicht das Ende, so die Botschaft der Passionsgeschichte, sondern Neuanfang………

Zum ganzen Artikel nachstehend:

http://www.lvz.de/Nachrichten/Kultur/Kultur-Regional/In-der-Ruhe-liegt-die-Dramatik

Mein Abendtagebuch – J.S. Bach-Festival Arnstadt 16.3.-19.3.18

Mein Abendtagebuch – J.S. Bach-Festival Arnstadt 16.3.-19.3.18

I. Freitag abend (16.3.)

Durchquerte der junge Heißsporn-, J.S. Bach mit 18 Jahren 1703 in Arnstadt angestellt, eigentlich mal auf dem Fahrrad mit seiner Liebsten Maria Barbara durch die Stadt? Wäre ein schönes Bild gewesen-, die zwei! Gab es um 1700 schon Fahrräder? Ich fürchte, eher nein.

                                                      Mein neues klappbares Fahrrad

Ich probiere bei diesem kleineren Bach-Festival mal mein neues Faltrad aus. Heute fuhr es noch im sonnigen Winter mit mir durch Braunschweig, jetzt steht es‚ zusammen gefaltet‘ im DB-IC.  Arnstadt empfängt uns im Schneegestöber. War wohl nichts mit Pedalo-Erkundungen.

Mich hatte am abend weniger die Eröffnung des Bach-Festival in der Bach-Kirche interessiert. Eher fing mich der GENIUS LOCI ein und ich besuchte die drei Kirchen von Arnstadt und die Stadt-Bibliothek im Prinzenhaus.

Mir kommt gerade das Bach‘sche. ‚Backtrog, – Stockfisch – Spinnrad‘-Lied ‚Quodlibet‘ in den Sinn. Dieses etwas ‚schlüpfrige Lied‘ sang die Großfamilie im Arnstädter Wirtshaus, jeder der ‚Bache‘ erweiterte in volkstümlicher Manier die Strophen. ‚…..was sein das für große Schlösser‘ (BWV 524) in ein: ‚Wie es beliebt‘.

II. Samstag abend (17.3)

Fotos vom Bachfest Arnstadt 2018 der Friedhof mit Mitgliedern der Bache, das Bachdenkmal und Flöten-Konzert mit Cembalo und Viola da Gamba im feinen Rathaus-Saal! Am 17.3.2018. Zur Vergrößerung der Ansicht in das Foto klicken..!!

Mein Weg führt mich am Alten Friedhof vorbei. In Arnstadt kamen allein 17 Bachezur Welt. Viele sind hier auf dem Alten Friedhof begraben. Mittags zuerst ein kleines, intimes Flöten-Konzert mit Cembalo und Viola da Gamba im feinen Rathaus-Saal. Dann um die Ecke Orgelkonzert in der Bachkirche mit Buxtehude Orgelstücken.

Der Arnstädter ‚Wilde Bach‘, im Denkmal vor dem Rathaus als der heute, weltberühmte Lümmel Basti‘ (so der als Kutscher kostümierte Stadtführer) dargestellt, wanderte 1705 zu Dietrich Buxtehude nach Lübeck. Er lernte dort 4 Monate lang rasante Orgel-Passacaglien. Hatte aber nur 4 Wochen vom Stadt-Regiment Arnstadt Urlaub bekommen. Unerhört !!

Szenenwechsel: Eine kleine schön verschneite Waldwanderung (ca 3 km) führte mich nachmittags durch das Ried-Stadttor

                                                   Ried-Stadttor Arnstadt (Thüringen)

zum Walpurgis Kloster. Grundriss-Mauern bezeugen hier einen ganz frühen mittelalterlichen Konvent. Wer Walpurgis hört, denkt natürlich gleich an die ‚Walpurgisnacht’ (1.Mai). Dann wird hier heute burschikos gefeiert.

Dann abends für mich der Höhepunkt des Festivals: Die Johannes-Passion BWV 245

                                                               Bach-Kirche Arnstadt

Die Aufführung hat mir insgesamt gefallen. Die Deklamation des (zu großen) Chores war beachtenswert. Nur ein Beispiel: Chor ‚Wir haben ein Gesetz … konsequente Betonung auf Gesetz-, also etwas Festes, stupid nicht zu Hinterfragendes und beim chorischen ‚Bist du nicht seiner Jünger einer …‘ hörte man wirklich die Zahl 12 des ‚Bist du’.

                      Impressionen aus der Bach-Kirche in Arnstadt Johannes – Passion BWV 245

Zum Solistenquintett habe ich viel zu sagen. Evangelist deutlich, überlegt im Text und klar, Sopran freudig und hell, Alt souverän, markant und konzentriert. Die junge Altistin (Anna-Luise Oppelt vonBach by bike‘) hat mit ihrer reifen, das Tonspektrum einer Altistin treffend und vollständig abdeckenden Qualität gewiss eine große Gesangskarriere vor sich.

Und dann der Christus (Bass). Hoheitsvoll und über den Dingen stehend sollte (!!!) er sich in der Johannes-Passion darstellen. Einige Beispiele in den Christus-Worten: ‚Mein Reich ist nicht von dieser Welt …‘, oder ‚meine Diener würden darob kämpfen‘, oder ,Du sagst, ich bin ein König’, oder ‚ meine Macht ist von oben‘.

                                                    Bach-Kirche Arnstadt Johannes Passion

Dieser Christus sang aber zu ‚zerbrechlich’, zu aspiriert, zu schwach. Gerade im Gegenüber zu dem machtbewussten volltönenden Pilatus (auch Bass), zeigte sich dies Missverhältnis. Pilatus singt: …‘ das ich Macht habe, dich zu kreuzigen und Macht habe, dich loszugeben. Doch Christus zeigt eine Macht ohne Konturen. Sorry! Aber, das muss zur Ehrenrettung betont werden. Seine Arien und Arioso waren in Ordnung.

Die Passion schloss mit dem ergreifenden Choral: ‚Ach Herr, lass dein lieb Engelein. ….‘ Wunderbar, wie der Chor das Crescendo wachsen lies: ….alsdann vom Tod errette mich …. das war ‚Hoffnung pur‘.

Ausführende:
Daniela Gerstenmeyer (Sopran)
Anna-Luise Oppelt (Alt)
Stephan Scherpe (Tenor)
Ralf Grobe (Bass)
Bachchor Arnstadt und Suhler Kantorei
capella arnestati
Jörg Reddin (Leitung)

Ort:
Johann-Sebastian-Bach-Kirche Arnstadt

                                                       Bachkirche Arnstadt Johannes Passion, Schluss-Applaus!

Und jetzt schlafe ich mit guten Gedanken ein. Dieser Schnee-Tag in Stadt, Wald und Kirche hat sich gelohnt.

Grüße

adamo

Im L´Auditori von Barcelona erklangen vom BZM – Vokalwerke italienischer und eines deutschen Barock-Komponisten!

Im L´Auditori von Barcelona erklangen vom BZM – Vokalwerke italienischer und eines deutschen Barock-Komponisten!

                                                                          L´Auditori Barcelona

Am Sonntag, 25. Februar 2018 fand wieder ein bewegendes Vokal-Konzert vom BZM – (BACH ZUM MITSINGEN) im kleinen Saal vom L´Auditori in Barcelona statt. Von gut 600 Sitzplätzen waren ca. 400 Besucher anwesend und genossen das reichhaltige Vokal-Programm.

                                                                L´Auditori Barcelona Saal 2

Als ein Hauptakteur fungierte der weltbekannte Counter-Tenor „Carlos Mena“ in dem Vokal-Programm.  Er brillierte in dem Bach-Werk BWV 1083 „Tilge, Höchster, meine Sünden“ in den Sätzen: 1083.1; 1083.9; 1083.12 und 1083.14.  Das BWV 1083, ist ein Arrangement von Johann Sebastian Bach von Giovanni Battista Pergolesi „Stabat Mater“ von 1736.  J.S. Bach verwendete eine deutsche Paraphrase des Psalms 51 als Text für seine Komposition.

In weiteren Werken von Giovanni Battista Pergolesi („Salve Regina“ und „O sacrum convivium“) und von Antonio Caldara in dem Vokalwerk: „In Lagrime Stemprato“ war Carlos Mena ein großartiger Interpret ausgestattet mit einem fantastisches Timbre und ein ausdrucksvolles Stimmvolumen überzeugte er die Besucher mit seiner großartigen Stimme. Das kleine BZM Instrumental-Ensemble begleitete ihn gekonnt durch sein Programm.

                                                                      Carlos Mena (Countertenor)

Eine Höhepunkt nach der Pause war die Bach-Kantate  – BWV 170 Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“. Eine Besetzung in dieser Solo-Kantate für Alt mit einem CounterTenor ist inzwischen allgemein üblich geworden. Innig und überzeugend sang Carlos Mena diese großartige Solo-Kantate. Ein stürmischer Applaus am Ende der Kantate überzeugte davon, dass die Anwesenden seinen Gesangs-Vortrag mehr als genossen haben.

Zum Ende der Veranstaltung gab das rührige BZM-Kammerchor-Ensemble Barcelona die Doppelchörige Motette von Johann Sebastian Bach –  BWV 225 „Singet dem Herrn ein neues Lied“ als eine Krönung des Konzertes zum Besten. Hier hat der Dirigent Pau Jorquera Feinarbeit geleistet und den BZM-Kammerchor auf ein gutes Gesangs-Niveau gebracht. Ein Video vom BWV 225 mit den Sätzen 1 und 2 füge ich meiner Rezension bei. Ein jeder kann sich einen Eindruck davon machen, dass es in Barcelona ebenfalls eine großartige Bach-Kultur gibt.

                                                   L´Auditori Barcelona – Schlussapplaus

Nie endend wollender Schluss-Applaus war der verdiente Lohn für ein gelungenes Konzert-Programm.  Das Ensemble dankte mit mehreren Zugaben und erfreute damit die Besucher. Beschwingt von der wunderbaren Vokalmusik traten wir in die kalte Nacht von Barcelona und begaben uns nach einer kleiner Stärkung auf den Heimweg.

Video:  J.S. Bach Motette: BWV 225 „Singet dem Herrn ein neues Lied“


Ausführende:
BZM (BACH ZUM MITSINGEN)

BZM Instrumental-Ensemble Barcelona
BZM-Kammerchor Barcelona

Leitung: Pau Jorquera  und Daniel Tarrida

Aufführungsort:
L´Auditori Barcelona am 25.3.2018


Language English

In L’Auditori of Barcelona the vocal works of Italian and German baroque composers were performed by the BZM.

On Sunday, 25th February 2018, a moving vocal concert by BZM – (BACH TO MITSINGEN) took place in the small auditorium of L’Auditori in Barcelona. From about 600 seats were about 400 visitors present and enjoyed the rich vocal program.

One of the main actors was the world-famous counter-tenor „Carlos Mena“ in the vocal program. He excelled in the Bach work BWV 1083 „Tilge, Highest, my sins“ in the sentences: 1083.1; 1083.9; 1083.12 and 1083.14. The BWV 1083, is an arrangement of Johann Sebastian Bach by Giovanni Battista Pergolesi „Stabat Mater“ of 1736. J.S. Bach used a German paraphrase of Psalm 51 as the text for his composition.

In other works by Giovanni Battista Pergolesi („Salve Regina“ and „O sacrum convivium“) and Antonio Caldara in the vocal work „In Lagrime Stemprato“ Carlos Mena was a great performer with a fantastic timbre and an expressive vocal volume that convinced him vocalist with his great voice. The small BZM instrumental ensemble skilfully accompanied him through his program.

A highlight after the break was the Bach Cantata – BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ („Happily Resting, popular lust for the soul.“) An instrumentation in this solo cantata for Alt with a CounterTenor has become commonplace, and Carlos Mena sang this great solo cantata intimately and convincingly. A stormy applause at the end of the cantata convinced that the attendees more than enjoyed his singing talk.

At the end of the event, the little BZM Chamber Choir Barcelona performed Johann Sebastian Bach’s Double Choir Motet – BWV 225 „Singet dem Herrn ein neues Lied“ („Sing to the Lord a New Song“) as a crowning achievement. Here, the conductor Pau Jorquera has done a fine job and brought the BZM chamber choir to a good vocal level. A video from the BWV 225 with the sentences 1 and 2, I attach to my review. Everyone can get an idea of ​​Barcelona’s great Bach culture as well.

Never ending final applause was the deserved reward for a successful concert program. The ensemble thanked with several encores and delighted the visitors. Elated, from the wonderful vocal music we entered the cold night of Barcelona and went for a little refreshment on the way home.

Video: J.S. Bach Motet: BWV 225 „Singet dem Herrn ein neues Lied“ („Sing to the Lord a new song“)


Performed by:
BZM (BACH ZUM MITSINGEN)

BZM Instrumental-Ensemble Barcelona
BZM-Kammerchor Barcelona

Conduction: Pau Jorquera  und Daniel Tarrida

Venue:
L´Auditori Barcelona on 25.3.2018

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 Herzliche Grüße, greetings

Volker Hege

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De allermooiste Bachcantates – heisst übersetzt: Die (aller)schönsten Bach-Kantaten!

„De allermooiste Bachcantates“ –  heisst übersetzt: Die (aller)schönsten Bach-Kantaten.

         Video-Link: – Grote Kerk Naarden J.S. Bach- Kantate BWV 151 „Süßer Trost mein Jesus Kommt“

Naarden/NL 9.2.18, Grote Kerk

I. In der Grote Kerk zu Naarden erklangen sie ALLERSCHÖNST !. Aber wer will wohl unter 198 geistlichen Kantaten die Schönsten zur Kür erwählen?

Jedenfalls war es ein herrliches Klangerlebnis, aufgebaut auf manchmal schwierigen und emotional aufrührenden Kantaten-Texten.

                                                                Grote Kerk Naarden „Bach-Kantaten“

Aber-, Bach-Kantaten sind nicht nur zum Loben, Danken, Freuen und Mitsummen da. Sie bringen auch das zum Gehör und zum Überdenken-, das, was wir nicht so gerne hören wollen. In diesen 3 Kantaten gab es dies zuhauf.

II. Da war die eine Sopran Arie: ‚Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten …‘ (BWV 78,2) -. Oft so unüberlegt eilen wir durch‘s Leben. Stolpern, bitten um Hilfe und wünschen, dass der ‚Herr mit uns dann (irgendwann !!) nicht ins Gericht geht’ (BWV 105,1).

                                                                   Orchester und Solisten Grote Kerk Naarden

Gerade in dieser Abfolge von ‚bedenklicher, mahnender Musik‘ und darauf folgender ,entlastender, einen Menschen freisprechenden Musik‘ zeigt sich die heilende Wirkung Bachs.

Vgl. auch die Abfolge Sopran Arie ‚Wie zittern und wanken, der Sünder Gedanken‘ (BWV 105,3), dann folgt die entlastende, tanzartige Tenor Arie (5) ‚Lob der Freundschaft mit Jesus gegenüber dem Mammon‘.

Oder: das ‚Herzeleid (BWV 44,4), das durch die Sopran-Arie (6) als ‚Trost‘ aufgehoben wird.

Und dann die ‚zitternden Gedanken, die sich untereinander verklagen, und in ihrer dauernden Folter den Menschen zerreißen‘ (BWV 105,3). Das ist in dieser Sopran-Arie BRUTAL EHRLICHE Psychologie und entlarvt mit hartnäckig klopfenden (Ostinato!) Streicher Tönen den manchmal so ‚aalglatten Angeber‘.

                                    Dirigent: Jos van Veldhoven auf dem Weg zum Podest!

III. Wie ich schon früher mal bei Volkers Klassikseiten beschrieb, benutzt Bach dabei

die a) Rhetorisch-musikalische Figur der HYPOTYPOSIS
Den b) Ausdruck des Textes als PATHOPOEIA
a) meint: musikalische Themen werden eher ‚gesehen und vor Augen gestellt als gelesen oder gehört‘. Nicht nur laut-malerisch wird ein Thema interpretiert, sondern es geht tiefer in den Hörer hinein, es erscheint ihm plastisch vor Augen.
b) meint: ein Text oder eine Redeweise wird so intensiv gestaltet, daß im Hörer ‚eine heftige Gefühlerregung (Entrüstung, Angst, Hoffnung, Freude, Heiterkeit, Lachen u.a. erregt wird.

Will sagen: Hier ist Bach Musik MEHR als Lautmalerei. Musik will intensiv in den Hörer eingreifen. das mit mir etwas ‚passiert‘. (Vgl so Sir E.Gardiner, Musik für die Himmelsburg, S.186f.)

IV. Also wurde an diesem Abend manches WAHRE gesungen. ‚Verpackt’ in eingängigen Melodien, zum Tragen gekommen in einem einmaligen, festlich beleuchteten Kirchenraum, der überfüllt war.

Im Fenster die Büste von J.S. Bach gesehen in Naarden (Holland)

Im Fenster die Büste von J.S. Bach gesehen in Naarden (Holland)

Naarden ist als historisch kultiviertes Festungsstädchen ca.20 km vor Amsterdam gelegen, Jan Amos Comenius, der berühmte Mitbürger dieser Stadt, hatte im 17.Jh. ein überall benutztes Schulbuch geschrieben, das die Aufklärung favorisierte.

In Naarden mit dem Fahrrad (fiets) einfahrend, wurde ich von einer älteren Frau mal wieder überholt, – (die NiederländerINNEN fahren rasend schnell und oft in Rudeln !!!),-

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Cello und Bach-Insignien in der Grote Kerk Naarden

Dabei fragte ich sie nach dem Weg und erzählte, dass ich zur Grote Kerk und dem Bach-Konzert wollte.
‚Ach ja-, da ist doch jedes Jahr die Matthäus-Passion von unserer Bachvereinigung zu hören‘-, rief sie mir zu.

V. Dann standen sie da, all die Künstler, die ich so gut von den Musikvideos kenne: Jos van Veldhoven, Dirigent; Maria Keohanne, Sopran; Tim Mead, Alt; Daniel Johannsen, Tenor; Matthew Brook, bas; der beeindruckende Leo van Doeselaar (Organist) und viele mehr.

                                                          Innenansicht Grote Kerk Naarden

Draußen schneite es, doch der gotische Dom mit der hohen, gewölbten Holzdecke wirkte gemütlich. Drinnen in der Kirche duftet es nach Kaffe, der angeboten wurde, gesetzte Damen und Herren mit Namenschildern weisen Plätze an. Immer hin sitze ich in der 5.Reihe links seitlich, kann gut hören und sehen.

Also-, Bach ist hier in NAARDEN großartig angekommen.

VI. Mein Fazit:

Comenius vor der Grote Kerk, Naarden

Bach sagte an diesem Abend mir und den Menschen sehr viel Wahres, deckte einige menschliche Schwächen auf. Doch Bach bleibt dabei nicht stehen, bietet Lösungen an.

Jedenfalls ich ging befreit aus der hohen, gotischen Kirche. Keine drückenden Gedanken lähmten mehr. Ich trat tief einatmend heraus-, in eine sternklare, weite Schnee-Nacht.

Mit vielen Grüßen Euer Adamo

Ein kleines Bach-Fest in Eisenach und ein großes Luther-Jubiläum in Wittenberg (26.10. -3.11.17) mein 3. Tag!

Ein kleines Bach-Fest in Eisenach und ein großes Luther-Jubiläum in Wittenberg (26.10. – 3.11.17) mein 3. Tag

Mein Abend Tagebuch zum 3.Tag

                                                            Flaschenöffner mit Bachnoten!

Flaschenöffner mit Bach-Noten und auf der Rückseite die geeignete Apparatur!

I. Witzig:
Im Bach-Museum Eisenach  gab es einen Flaschenöffner mit Bach-Noten vorne und auf der Rückseite die geeignete Apperatur für € 4,50 zu kaufen. (Bild1+2). Könnte man doch mit diesem Gerät meine etwas schweren Gedanken von gestern-, ist das Bach-Skelett echt oder nicht echt, knacken?

                          Bach-Konzert in der Nikolaikirche Eisenach! 

II.   Nikolaikirche Eisenach:

Heute morgen gab’s in dieser romanischen Kirche die Kreuzstab-Kantate – BWV 56. Ich denke immer noch an die Wellenbewegungen von Cello und Kontrabass. ‚Mein Wandel auf der Welt, ist einer Schifffahrt gleich …‘ singt der Solo-Bass. Sturm und Flaute muss man ertragen können. Und dann erst der Schluss-Choral: ‚Komm, o Tod, des Schlafes Bruder…‘.

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III. Ausflug:
Genug der Musik. Ich muss mal raus. Zurück nach Gotha (Thüringen) in kurzer DB-Regio-Fahrt. Im Schloss und Museum findet vom Abend an eine Museums-Nacht statt. Da eben huscht mir schon die Herzogin Luise über den Weg. Sie pflegte die Musen auf Schloss Friedenstein. Verrät das Buch in ihrer nach hinten gehenden linken Hand diese ihre Vorliebe?

                         Herzogin Luise von Schloss Friedenstein

Dann zum Höhepunkt: Der Gothaer Tafelaltar zeigt sehr viele ‚Schriftblasen‘: ein monumentales ‪Bilderbuch‬ der Reformation, seine Gelehrsamkeit diente zur Prinzenerziehung, weniger zur Andacht.

                                                                              Gothaer Tafelaltar im Schloß Friedenstein

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                                  Ausschnitt vom Tafelaltar im Schloß Friedenstein in Gotha

IV.Lichterspiel:
Schloß Friedenstein in Gotha gilt als größte Renaissance-Vierflügel-Anlage in Deutschland. Heute Nacht zeigte es sich in märchenhaften Farben.

                                                  Schloß Friedenstein in Gotha (Thüringen)

                                               Schloß Friedenstein in Gotha (Thüringen)

22.42 Uhr geht meine Regionalbahn zurück nach Eisenach. Oh-, ein Bett wartet auf mich. Morgen aber auch die Bach-Kantate BWV 126 „Erhält uns, Herr, bei deinem Wort“ im Festgottesdienst.

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Weiteres Fotos vom 3. Tag!


Gute Nacht

Adamo

Ein kleines Bach-Fest in Eisenach und ein großes Luther-Jubiläum in Wittenberg (26.10. -3.11.17) mein 2. Tag!

Ein kleines Bach-Fest in Eisenach und ein großes Luther-Jubiläum in Wittenberg (26.10. -3.11.17) mein 2. Tag!

Mein ABENDTAGEBUCH vom 2.Tag: Ein kleines Bach-Fest in Eisenach und ein großes Luther-Jubiläum in Wittenberg

                                                                         Emblem Luther 500 Jahre
                                                                an der Georgenkirche in Eisenach

I.
Nachmittags im Bach-Museum von Eisenach. Viel gibt‘s zu hören und zu sehen. Mich interessiert die desolate Auffindungsgeschichte von Bachs Gebeinen.
Ergebnis: ich war danach ziemlich niedergeschlagen.
Denn: von Bach’s Begräbnisort ist nichts zuverlässig überliefert. Auffindung und Transport der Gebeine vom Johannis-Friedhof in Leipzig zur Thomaskirche sind mehr als fraglich. Auch: die Rekonstruktion von Schädel und Aussehen Bach’s hält heutigen Möglichketen (z.B. DNA-Vergleich) nicht stand.

                                          Rezept-Buch von der Behandlung von J.S. Bach

Zu meiner Enttäuschung, daß wir von Bach wohl die falschen Skelettfunde in Leipzig verehren, kommt noch dazu, daß mit dem todkranken Kantor in Leipzig so schäbig umgegangen wurde. Man sehe sich nur die Rezepturen an, die dem Sterbenden verabreicht wurden. Nach einem zeitgenössischen Rezeptbuch von K.F Paulini wurden etwa mit Urin, Taubenblut und anderem Dreck die Operations-Wunden abgebunden. Auch abgeschrieben und als musikalisch überholt galt der alte Kantor (sein Nachfolger wurde schon gesucht), so daß aus Geldmangel die Familie nur auf die allgemein volkstümlich übliche Medizin zurückgreifen konnte. Schlimm !!!

                                   Taufbecken von J.S. Bach in der Georgenkirche Eisenach

II.
Meine Gedanken dazu: Bach‘s Überreste, sein Grab und Gedenkstein müssen daher wohl ‚in einem anderen Reich’ gesucht werden. Etwa in seinen Melodien, seinen lebenslang entworfenen Kantaten und Passionen, Orgelwerken und Konzerten. Da baut sich ein ‚Schloß im Himmel’ auf ( so Sir J.E. Gardiner)

                                Konzert in der Georgenkirche zum Bachfest in Eisenach

Martin Luther und Johann Sebastian Bach haben als zwei Genies Grenzen überschritten. Grenzüberschreitend müssen demnach ihre Gaben an die Welt gesucht werden. Beide sind verbunden. Sie sangen und lernten als Jungen im Abstand von 200 Jahren in der Kurrende und Schule dieser Georgenkirche. Hier wuchsen sie einige Jahre auf, dann wirkten sie in Mitteldeutschland und gingen für uns heutige ein in eine ewige Zeit und eine Welt ohne Grenzen.

III.
Am Abend: Da waren sie endlich-, Bach’s Melodien. Der Leipziger Universitätschor unter UMD David Timm war zu Gast. Die Leipziger brachten zwei Kantaten zur Aufführung. Sie gehen auf Luther-Lieder zurück: BWV 7 ,Christ unser Herr zum Jordan kam‘, ein Tauflied. Und BWV 69a Lobe den Herren, meine Seele‘. Dichterisch angereichert von J.O. Knauer.

IV.
Da von Bach kein Grab zu finden ist (vgl. I+II) versuchte ich, mir mehr ‚einen gedanklichen Grabstein‘ aufzubauen. Bausteine dazu waren die musikalischen Motiven, Akkorde, Tonsprünge. Irgendwie hörte ich immer Luther-Lieder und seine Wort-Zeilen dazwischen. Ein ‚cantus firmus’ als Grundierung oder ein Choral als Zusammenfassung.
Daß man mit Bach einen ,Gedenkstein’ aufbauen kann, hat vorgemacht: Francesco Tristano mit den Goldberg-Variationen beim Bach-Fest in Köthen 2016. (vgl. meinen Bericht dazu in Volkers Klassikseiten: F. Tristano baut mit bachschen Klängen eine Stadt).

V.
Weiter hörte ich Bachs bekanntes Orgelwerk, die „Toccata und Fuge d-Moll“ –  BWV 565. Aber kein Hinweis im Programm, das dieses Werk mit Wahrscheinlichkeit gar nicht von Bach stammt.

Nach den beiden Kantaten und dem Orgelwerk gab es noch eine Jazz-Messe, mit dem Studierenden-Chor, Schlagzeug, Percussion und was dazu gehört. Modernes, studentenhaftes und Bach vertragen sich.

                                Augustinerkloster Gotha. Blick aus meinem Zimmer

Gedankenverloren ging ich dann zurück in meine Pension ‚Katharienenschule‘. Ein imposantes ausgedientes Schulgebäude wird als wohlfeile Unterkunft weiter gebraucht. Gute Idee.

Gute Nacht

Adamo

Bach und Bach im Vergleich!

Bach und Bach im Vergleich! Eine Rezension vom „Diademus-Festival“

Zweimal an einem Abend das „Magnificat“, jenen Lobgesang, den der Evangelist Lukas der schwangeren Maria in den Mund legte? Zweimal der identisch vertonte Text als Konzertprogramm?

Die Musiker boten den Zuhörern beim Abschlusskonzert des Diademus-Festivals in Roggenburg einen besonderern Vergleich.

Die Idee des Abschlusskonzerts des Diademus-Festivals in Kloster Roggenburg ließ staunen – und erwies sich als Volltreffer: Dieser Konzertabend ermöglichte dem Publikum einen direkten und unmittelbaren Vergleich der Beschäftigung von Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach, seinem wohl begabtesten Sohn, mit dem identischen Text – zumal das Konzert auch musikalisch mit außergewöhnlich feinfühlig ausgewählter Besetzung und mit Glanzleistungen von Chor und Orchester aufwartete.

Benno Schachtner dirigierte emotional

Benno Schachtner, Intendant des jungen Festivals, das sich gerade in Roggenburg als kulturelle Größe etabliert, ist nicht nur ein international gefragter Countertenor; er ist auch studierter Kirchenmusiker und ein leidenschaftlicher Dirigent. Als solchen konnte ihn das Publikum beim Roggenburger Abschlusskonzert erleben: Der in Dietenheim aufgewachsene 32-Jährige dirigiert sehr emotional, er verzichtet auf standardisierte Schlagfiguren und spricht mit seinen Händen und seiner Mimik gleichsam jeden einzelnen der Musiker und Sänger an, lenkt fortlaufend die Stimmung und den Ausdruck des aufgeführten Werkes.

Das bewirkt, dass das Händelfestspielorchester Halle, das mit historischen Instrumenten musiziert, die beiden „Magnificat“-Aufführungen ausgesprochen nuanciert begleitet und Solisten und Chor niemals überlagert. Das bewirkt, dass der Klangkörper der international besetzten „Diademus vocalisten“ eine brillante und differenziert agierende Einheit darstellt, aus der heraus Sängerinnen auch glanzvoll Solo-Rollen übernehmen können, ohne dass ihre Stimmen in den Chor-Partien aus der Homogenität herausfallen würden.

   Diademus-Festival in Roggenburg J.S. Bach -Magnificat, C.Ph.E. Bach – Magnificat im Konzertvergleich!

Auffallend gut passen die Stimmen der Solisten zusammen, was sich beispielsweise in den in beiden Vertonungen enthaltenen Duetten Alt/Tenor zeigt. Als Solisten holte Benno Schachtner bekannte Namen nach Roggenburg: die an vielen deutschsprachigen Opernhäusern bekannte Altistin Charlotte Quadt, Tilman Lichdi (Tenor), einen der bedeutendsten Konzert- und Liedinterpreten der Gegenwart weltweit, Mozart-Preisträger Matthias Winckhler (Bass) – und seine Ehefrau, die mit vielen Preisen ausgezeichnete chilenisch-italienische Sopranistin Catalina Bertucci. Dass Catalina Bertucci im neunten Monat schwanger ist, gab gerade ihren hingebungsvoll und mit einem innerlichen Lächeln gesungenen Teilen der beiden Magnificat-Vertonungen einen besonderen Reiz.

Großartig, die Werke nebeneinander zu erleben

Der direkte Vergleich der beiden „Magnificat“-Vertonungen von Vater und Sohn Bach, entstanden in den Jahren 1723 (Johann Sebastian Bach) und 1749 (Carl Philipp Emanuel Bach) zeigte zwar auch die musikalische Nähe beider, er zeigte vor allem aber auch die musikalische Entwicklung des 18. Jahrhunderts: 1749 (Johann Sebastian Bach, der im Jahr darauf starb, war damals bereits schwer krank) war der stringente barocke Stil bereits durch den empfindsamen und viel emotionaleren Stil abgelöst, als einer dessen wichtigster Vertreter Carl Philipp Emanuel Bach gilt…..

Weiter zum Quell-Text

Video Magnificat von J.S. Bach Václav Luks Collegium 1704

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Video Magnificat von Carl Philipp Emanuel Bach /  Akademie für Alte Musik Berlin,

Hans-Christoph Rademann


Herzliche Grüße

Volker

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TROGEN in der Schweiz, die Bachkantate BWV 79 ‚Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild‘ und die AUFGEHENDE SONNNE.

TROGEN in der Schweiz, die Bachkantate BWV 79 ‚Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild‘

und die AUFGEHENDE SONNE.

                                             Die Sonnenstrahlen am Abend in Trogen (Schweiz)

Solisten:

Miriam Feuersinger, Sopran

Markus Forster, Altus

Daniel Johannsen, Tenor

Matthias Helm, Bass

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‚Haben Sie-, liebe Zuhörer schon mal einen Sonnenaufgang bewusst und mit allen Sinnen erlebt?‘ Das fragte herein in das ausverkaufte Kirchenschiff die schweizerische Schriftstellerin Elisabeth Binder. Ja-, Bach hatte sich auch mit dem Aufgehen der Sonne beschäftigt. In seinem düsteren, engen und vom Lärmen der Thomasschüler umtosten Komponierstübchen in der Thomasschule, muss in seine sieben Sinne die Sonne herein geleuchtet sein.

Seine Musik in der Kantate BWV 79 beweist es. Und so haben auch wir, die andächtigen Bach-Hörer/innen, die Chance, in Bach’s Musik einen SONNENAUFGANG zu erleben.

Das zeichnet nämlich die Aufführungspraxis der Trogener J.S. Bach-Stiftung und seinen monatlichen Kantaten-Konzerten aus. Es werden ganz ungeahnte Querverbindungen entdeckt. Auch der zweite Referent des Konzertabends, der Sprachforscher Dr. Stefan Stirnemann wusste sprachliche, sogar grammatikalische Besonderheiten in der Sprache des Textdichters herauszuarbeiten.

Eindrücklich blieb mir vor allem das kleine Wörtchen ‚bloß ‚ im Bass-Rezitativ (Vgl. Text Nr. 4, letzte Zeile). Auf was bezieht sich dieses ‚bloß‘? Ich will dies Rätsel jetzt nicht weiter vertiefen. Schauen Sie/Ihr mal selber im Text nach und machen Sie sich Gedanken.

Mit seinem sprühenden und teilweise witzigen Elan führte Rudolf Lutz durch die musikalische Genese der Kantate, erspürte Motive und warf den Interpretations-Ball dann wieder dem Schweizer Pfarrer i.R. Karl Graf zu, der theologisch Einiges zu sagen hatte.

Die Solisten hatten mir alle gut gefallen.

                       Konzert BWV 79 in der Evangelisch Reformierten Kirche in Trogen (Schweiz)

Einen Wermutstropfen muss ich doch noch äußern dürfen.

Der Eingangschor (1) und die beiden so aufbauenden Choräle (3+6) der Reformationskantate waren zu meiner Enttäuschung nur solistisch besetzt. D.h., die Aufführung verzichtete auf den Chor und begnügte sich mit den 4 Solisten, die das nicht bringen können, was eben nur ein mit Sängern und Sängerinnen besetzter Chor kann. Nämlich diese Vielstimmigkeit, diese frischen, noch nicht ’solohaften‘ Stimmen, die eine zahlenmäßig große Schar von Gläubigen repräsentieren und jedem Sangeswilligem zurufen: ‚Du kannst auch singen! Mach mit!‘
Gerade in einer an Luther’s Reformation erinnernden Kantate, ist dies ein Manko. Denn Luther wollte doch, dass alle am ‚Werk des Glaubens‘ mitarbeiten. In seiner Gedenk-Kantate dann auch mitsingen.

Eine nur kleine Entschädigung war es dann, dass wir, die Zuhörer, den Choral Nr.3 singen durften.

Mitwirkende von Links: Miriam Feuersinger (Sopran) Markus Forster (Altus) Leitung: Rudolf Lutz.

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Unterm Strich waren aber Trogen und seine Aufführung von BWV 79 für mich ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde. Wie viele Musiker, Mitarbeiter/innen in Organisation, Technik, Werbung und Empfang und Bewirtung der Gäste, waren an diesem verschneiten Freitag-Abend von Sankt Gallen und Basel u.a. nach Trogen heraufgekommen, um nur für Bach und seine Musik da zu sein?

Mitwirkende von Links: Markus Forster (Altus) Leitung: Rudolf Lutz Daniel Johannsen (Tenor) Matthias Helm (Bass).

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Und als ich abends mit dem ‚Trogen-Bähnchen‘ von dem 1000 Meter hohen Trogen wieder nach Sankt Gallen herunter fuhr, ging gerade blutrot die Sonne hinter den Bergen in Richtung Bodensee unter. Eine Sonne, die von Schneeschauern den ganzen Tag verdeckt war. Eben-, es stimmt:

Bach’s Musik FÄNGT DIE STRAHLEN DER SONNE EIN.

Ihr und Euer

ADAMO

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P.S. Volker/Admin: am 30. April 2017 15:43 h

Ich gehe davon aus, dass Wolfgang gegen dieses Video vom BWV 79 mit dem Thomanerchor keine Einspruch erhebt.

Thomaner J.S.Bach Kantate BWV 79 „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ – Festgottesdienst in der Thomaskirche Leipzig am Reformationsfest – 800 Jahre Thomaner am 31. Oktober 2012

Ausführende:

Die Solisten sind
Jakob Wetzig – Alt
Paul Vogel – Sopran
Thomanerchor
Gewandhausorchester Leipzig

Leitung: Georg Christoph Biller

Aufnahme zum Reformationsfest am Mittwoch 31. Oktober 2012 in der Thomaskirche Leipzig.

Link zum Video: 

https://youtu.be/AHhzAx5ZkzA

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