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St. Marien in Lemgo mit einem Bach-Sonntag, im Gottesdienst erklang die Kantate BWV 19 und im Abend-Konzert Bach-Motetten


Kirche St. Marien Lemgo

Kirche St. Marien Lemgo

Des Morgens in der Kirche St. Marien, Lemgo: hochkarätige Bach-Kantate BWV 19 – des Abends: Sechs Bach-Motetten (am Sonntag 30.9.2012).

So hört sich eine Bach-Stadt an: des Morgens in der altehrwürdige Kloster-Kirche unter der Schwalbennest-Orgel erklingt die Bach-Kantate BWV 19Es erhub‘ sich ein Streit‘.
Des Abends alle ’sechs informationen-zu den Bach-Motetten auf einen Streich‘ in der Stadt-Kirche. Zur Morgenmusik stellt sich eine eine respektable Gemeinde-Kantorei mit begeisterten SängerINNEN ein. Später zum frühen Abend stolziert dann eines der besten deutschen Choresembles ‚Die Rheinische Kantorei‘ unter Leitung von Hermann Max in den Chorraum.

Ja-, ein solcher ausgewogener Bach-Tag konnte nicht ohne mich vergehen. Vom Büchermarkt in Schwalenberg kommend, verbrachte ich diesen sonnigen Herbst-Sonntag (30.10.12) in der alten Hansestadt Lemgo. In den musikfreien Stunden ‚zwischen Bach‘ gab es ja das bekannte ‚Weser-Rennaisance-Museum‚ und sonnenbeschienene Wiesen mit Äpfelbäumen, unter denen ich ausruhen konnte.

Egal-, wie die Leistungen der Chöre ausfallen. Wenn man solche anspruchsvollen Bach’schen Vokalwerke an einem Tag anbietet, dann spricht das für die Aufgeschlossenheit der Mitwirkenden und der beiden Kantoren. Man merkt es eben, dass zwei A-Kantoren in den beiden großen Kirchen Lemgo’s wirken. Außerdem sind die beiden Musikhochschulen Detmold und Herford nicht weit entfernt, so daß immer Musikstudenten und Dozenten in Lemgo herangezogen werden.

BWV 19 kenne ich gut. Daher kann ich seine ‚heiklen Einsätze‘ einschätzen und genau auf diese war ich gespannt. Das fing schon an mit dem Unisono-Einsatz des Chor-Basses im Eingangschor (1) an. Die Herren schlugen sich tapfer, allerdings verlangt der ‚Kampf Michael’s gegen den Drachen‘ besondere Stimm-Kraft der Männerstimmen. Da darf nichts nur ‚mal so gehaucht‘ und ‚angetupft‘ werden! Aber beachtenswert, dass die Kantorei von St. Marien unter Kantor Volker Jänig einen solchen turbulenten Chorsatz überhaupt wagt. Mit A.Dürr stimme ich da überein: ‚einer der monumentalsten Eröffnungschöre der Kantaten‘ (vgl.Dürr II, S.571) fordert wirklich ‚entfesselte‘, furiose Stimmgewalt.

Nach diesem einmaligem Eingangschor kommen natürlich mit dem Bass-Rezitativ und den nachfolgenden Arien besondere Anforderungen an die Solisten zu. Vor allem, so denke ich, muß die SPANNUNG erhalten bleiben. Denn: jetzt liegt der Drache am Boden. Triumphierend muß  in einem Atemzug der Bariton in seinem Seccorezitativ (2) feststellen: ‚Gottlob, der Drache liegt, der unerschaffne Michael und seiner Engel Heer haben ihn besiegt.‘ Dieser Spannungsbogen ‚Chor – Rezitativ – Arie‘ war aber total misslungen, da mangels eines Baritons der Tenorsolist das Seccorezitativ sang und dieser auch noch die Tonhöhe nicht traf, quasi einen ‚Frosch‘ im Hals hatte. So was darf nicht passieren !!!

Ein Lichtblick war dann die Altistin mit ihrer Arie (3), während dann wieder der Tenor mit der wunderschönen Engelsarie (4) dran war. Leider muss ich sagen: dieser Tenor ‚quälte‘ sich durch eine einmaliges Stück. Die Chance, den Hörern mal wirklich darzustellen, was ‚Engelsglaube‘ ausmacht, wurde vertan.
Der Schlußchoral mit seinem Trompetenglanz versöhnte mich doch dann und ich war dankbar, diesen ‚Solitär-Edelstein unter den ca.200 Bach’schen geistlichen Kantaten mal ‚life‘ gehört zu haben.

Rheinische Kantorei - Leitung Hermann Max in St. Marien Lemgo mit Bach-Motetten

Rheinische Kantorei – Leitung Hermann Max in St. Marien Lemgo mit Bach-Motetten

Am Abend ging es dann ‚professionell‘ weiter. Während Gardiner damals in Potsdam 2011 nur fünf Bach-Motetten schaffte, hielt die ‚Rheinische Kantorei‘ das gesamte Tablett der sechs Bach-Motetten mit klaren, jungen und hellen Stimmen mir hin. Es war eine Freude, in der Transparenz der Stimmen die polyphonen Linien zu erkennen und zu verfolgen (‚Komm Jesu komm‘ und ‚Fürchte dich nicht‘). In der Doppelchörigkeit warfen sich die SängerINNEN die Bälle zu. Auch in der Motette ‚Jesu meine Freude‘, die ich als Junge im Sopran selbst mal mitgesungen hatte, konnte ich ungeahnte Strukturen neu entdecken. Auch das Motiv ‚Kampf gegen den Drachen‘ kam mit ‚Trotz – trotz dem alten Drachen‘ wieder aus einer Ecke der Motette hervor. Natürlich bekam die ‚Welt‘ mal wieder ihr Fett ab und es hieß: ‚Tobe Welt und springe, ich steh‘ hier und singe.‘

Höhepunkt war dann der Abschluß mit der Motette ‚Singet, singet‘ und darin das abschließende ‚Alleluja‘ mit dem Spitzenton des Chorsoprans im zweitletzten Takt. Mir war es völlig klar, daß dieser Profi-Chor mit seinem begnadetem Leiter Hermann Max mit Eleganz und Leichtigkeit die Töne rüber brachte.

Nach beiden Konzerten dieses Lemgoer Bach-Tages stellte ich mir dann aber die für Menschen, die mit Mit-Singen und Hören Lebenssinn empfangen wollen, entscheidende Frage:

Wem soll Bach’s Musik DIENLICH sein? FÜR WEN IST DIESE MUSIK DA?

Rheinische Kantorei - Leitung Hermann Max in St. Marien Lemgo

Rheinische Kantorei – Leitung Hermann Max in St. Marien Lemgo

Für Profis und ein zahlendes Publikum? Oder für Menschen, die was Gutes selbst singen oder hören wollen. Ist Bach nur ‚von Profis da oben‘ zu erreichen, oder soll Bach weiterhin wie einst in Leipzig in den Basis-Kantoreien ‚da unten‘ beheimatet sein? Wird Bach’s Musik nur ‚geistig genossen und genial abgewickelt‘, oder wird Bach in den Herzen so vieler Laien-SängerINNEN zu einem VADEMECUM für ein zufriedenes Leben?

In vielen Kantoreien in meiner Gegend OWL fehlt der Nachwuchs. Die Generation 60 plus wird zum Träger des ausgeübten Kulturlebens. Kein jüngerer traut sich noch Bach zu singen, weil Profis es ja viel besser hinkriegen. Da gibt es einen genial interpretierten Bach, doch keine Menschen mehr, die Bach’s Chöre sich zu singen trauen. Ist das der Preis, den wir für einen bloß angehörten Super-Bach zu zahlen haben?

Nein-, mir sind Kantoreien lieber, die sich einer großen musikalischen Aufgabe stellen und mit ihren Mitteln und Stimmen Bach wiedergeben..

Es wäre wichtig, dass auch wir alle im Bach-Blog von ‚Volker’s Klassikseiten‚ uns dieser Frage stellen.

Gruß

Adamo

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PDF zum Download

Informationen zu den Bach-Motetten BWV 225-BWV 230

       Bach-Motetten

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Prof. Dr. Martin Sander überzeugte mit einer virtuosen Orgelstunde an der Klais-Orgel im Musiksaal der HfM Detmold


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Das Antrittskonzert von Prof. Dr. Martin Sander fand am Sonntag, 22. April, um 18 Uhr im Konzerthaus der Hochschule für Musik in Detmold statt. Prof. Dr. Martin Sander ist der Nachfolger von Prof. Gerhard Weinberger, der, wie von mir bereits berichtet, in den Ruhestand gegangen ist.

Konzerthaus HfM Detmold

Konzerthaus HfM Detmold

Biographie von Prof. Dr. Martin Sander:

Organist Prof. Dr. Martin Sander HfM Detmold

Organist Prof. Dr. Martin Sander an der Klais-Orgel HfM Detmold

Martin Sander ist als internationaler Konzertsolist tätig und lehrt Künstlerisches Orgelspiel an der Hochschule für Musik in Detmold, an der Hochschule für Musik in Basel und noch bis Juli 2012 an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg.

Er wurde 1963 in Berlin geboren, wohnte lange Zeit in Göttingen, wo er bei Hermann Amlung mit dem Orgelspiel begann, und studierte Orgel und Klavier an der Hochschule für Musik und Theater Hannover (Ulrich Bremsteller, Orgel und Gerrit Zitterbart, Klavier). 1994 legte er das Konzertexamen ab. Meisterkurse und weitere Studien bei Harald Vogel, Luigi Ferdinando Tagliavini, Flor Peeters, Daniel Roth, Edgar Krapp, Uwe Droszella, Winfried Berger u.a. rundeten die musikalische Ausbildung ab.

Nachdem er mit dem Gewinn des Bundeswettbewerbs Jugend Musiziert 1983 bereits vor dem Studium auf sich aufmerksam gemacht und 1986 mit dem Mendelssohn-Preis Berlin eine der höchsten nationalen Auszeichnungen errungen hatte, begründete er seinen internationalen Ruf in den folgenden Jahren durch den Gewinn mehrerer der großen internationalen Orgelwettbewerbe:

ARD-Wettbewerb München 1987 (2. Preis; kein 1. Preis vergeben)

Internationaler J.S. Bach-Wettbewerb Leipzig 1988 (1. Preis und Sonderpreis)

Internationaler Wettbewerb des Prager Frühlings 1989

Weitere Erfolge markierten 2. Preise beim Internationalen Orgelwettbewerb „Anton Bruckner“ 1986 in Linz und bei der „First International Organ Competition“ in Tokyo (1988).

Martin Sander konzertiert weltweit in vielen bedeutenden Kirchen und Sälen (u.a. Dome zu Passau, München, Wien, Helsinki und Trondheim, Schauspielhaus und Philharmonie Berlin, Herkulessaal München, Meistersingerhalle Nürnberg, Gewandhaus Leipzig, Brucknerhaus Linz, Dvorák-Saal Prag, Tschaikowski-Saal Moskau, Kapella und Philharmonie St. Petersburg, Suntory-Hall Tokyo, Izumi-Hall Osaka, Aichi Arts Center Nagoya, Teatro Municipal de São Paulo) und auf namhaften Festivals (u.a. Bach-Fest Stuttgart, Internationale Orgelwoche Nürnberg, Göttinger Händelfestspiele, Niedersächsische Musiktage, Musikfestspiele Saar, Prager Frühling, Wiener Musiksommer, Bach-Tage Odense, Festival Toulouse-les-Orgues, Philadelphia Bach Festival).

Als Solist trat Martin Sander mit etlichen renommierten Orchestern auf, darunter die Berliner Symphoniker, das Bach-Collegium Stuttgart, die Radiophilharmonie Hannover, das Händelfestspiel-Orchester Halle/Saale, die Bochumer Symphoniker, das Symphonieorchester Szolnók, Basel Sinfonietta, Pommersche Philharmonie Bydgoscz (Bromberg), Fukuoka Symphonietta, Orchester des Teatro Municipal de São Paulo.

Er spielte zahlreiche Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen für verschiedene in- und ausländische Sender und Schallplatten-Firmen. Die Fernseh- und CD-Einspielung der Orgelsonate von Julius Reubke wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Er hat seit 1999 eine Professur an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg sowie ab dem Wintersemester 2008 zusätzlich an der Hochschule für Musik in Basel (als Nachfolger von Guy Bovet) inne. Im Wintersemester 2011 trat er die Nachfolge von Gerhard Weinberger an der Hochschule für Musik in Detmold an. Von 2001 bis 2008 war er außerdem Dozent an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt/Main.

Er ist Leiter zahlreicher Meisterkurse, bislang u.a. in Prag (Akademie der Musischen Künste AMU), Warschau (Musikakademie „F. Chopin“), Seoul (Yonsei University), St. Petersburg, Kazan, São Paulo sowie an historischen Orgeln verschiedener Epochen in Salzgitter-Ringelheim (Schweimb und John 1696/1707), Grauhof bei Goslar (Chr. Treutmann d.Ä. 1734-1737), Verden/Aller (Furtwängler&Hammer 1916) und Heidelberg (Voit&Söhne 1903). Er ist Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Begabungs-Forschung und -Förderung IBFF.

Martin Sander ist regelmäßig Juror auf internationalen Orgelwettbewerben, bislang u.a. beim Prager Frühling, Helmut-Bornefeld-Wettbewerb Heidenheim/Brenz,  Bach-Wettbewerb Wiesbaden, in Kazan, Rom und beim Philipp-Wolfrum-Wettbewerb Heidelberg.

Repertoire-Schwerpunkte: 

    • Musik des norddeutschen Barock
    • italienische Renaissance und Frühbarock mit ihrer Ausstrahlung nach Süddeutschland
    • das Werk Johann Sebastian Bachs
    • Wolfgang Amadeus Mozart
    • deutsche Romantik – insbesondere Max Reger
    • von den französischen Romantikern vor allem César Franck
  • von der Musik des 20. Jahrhunderts vor allem Petr Eben, Olivier Messiaen, Jehan Alain und als „Spezialität“ deutsche Orgelmusik der zwanziger bis vierziger Jahre
(Textquelle: Homepage Martin Sander)

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Konzert-Rezension:

Die Klais-Orgel im Konzerthaus der HfM in Detmold

Die Klais-Orgel im Konzerthaus der HfM in Detmold

.Martin Sander gestaltete auf der imposanten Klais-Orgel ein Konzert-Programm mit barocken und romantischen Werken.

Auf dem Programm standen Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 sowie die Choralbearbeitung „Schmücke dich, o liebe Seele“ aus den „Leipziger Chorälen“ BWV 654, dann die Orgelsonate Nr. 1 b-Moll op. 1 von Philipp Wolfrum (1854-1919) sowie die dritte aus Robert Schumanns „Sechs Fugen über den Namen BACH“ und die berühmte Phantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46 von Max Reger.

Ein großartig gefüllter Musiksaal erwartete gespannt auf den Nachfolger von Prof. Gerhard Weinberger als Dozent: Prof. Dr. Martin Sander an der Klais-Orgel mit em o.a. Programm.

In der Akustik zu erwartender trockener Konzertsaal wurde zu einem  Higlight aufgrund der eingestzten Wellenfeldsynthese..!!

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*) Anmerkung zur Wellenfeldsynthese im Konzerthaus der HfM Detmold:

Das System umfasst 360 unabhängige Lautsprecherkanäle verteilt auf ein durchgehendes Lautsprecherarray rund um das Publikum (500 Plätze) sowie Deckenlautsprecher. Da der Saal für ein breites Repertoire genutzt wird (Kammermusik, Orchesterbesetzungen, zeitgenössische Musik, Big Band etc.) kann das System auch eine variable Raumakustik zur Verfügung stellen.

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Der Raumklang ist überwältigend. Am Ende eines Orgelwerkes setzte ein spektakulärer Nachklang ein. Orgel- und Raumklang entwickelten eine vorzügliche Einheit und verliehen dem Orgelkonzert die entsprechenden akustischen Voraussetzungen. Dieser Musiksaal ist mit der eingebauten Wellenfeldsynthese einzigartig in Europa und wurde vor ca. zwei Jahren während des großen Umbaus mit eingeplant und verwirklicht.

Bei den vorangestellten zwei Bach-Werken fühlten wir uns sofort zu Hause. Einfühlsam offenbarte uns der Weinberger-Nachfolger, dass er ein genialer Bach-Interpet ist und alle Voraussetzungen besitzt, diese dem Besucher zu offerieren.

Gefallen hat uns das Orgelwerk Orgelsonate Nr. 1 b-Moll op. 1 von Philipp Wolfrum (1854-1919) ein bis dahin mir unbekannter Orgel-Komponist.

Wolfrum legt seiner Sonate den bekannten Choraltext „Wenn mein Stündlein vorhanden ist“ von Nikolaus Herman (1560) zugrunde – unter Verzicht auf die anonym 1575 hinzugekommene 5. Strophe. Interessanterweise verwendet er aber weder die gebräuchliche Melodie (Frankfurt a.M. 1569) noch die von Herman ursprünglich vorgeschlagene Weise „Es ist das Heil uns kommen her“: Am Schluss des 1.  Satzes wird eine etwas an „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ erinnernde Melodie mit der ersten Verszeile unterlegt; am Beginn des 2. Satzes erfindet er eine Melodie, auf die die ersten drei Zeilen der 2. Strophe gesungen werden könnten, und der 3. Satz beginnt mit einem fünfstimmig gesetzten vollständigen Choral, dessen Melodie offensichtlich von Wolfrum stammt – passend zur 3. und 4. Strophe.

Martin Sander war für dieses herrliche Orgel-Werk ein genialer Interpret und musizierte in fantastischen Klangfarben und gekonnter Registrierung das zu Herzen ging. Durch ihn wurden wir auf einen uns vorher unbekannten Orgel-Komponisten aufmerksam gemacht und wissen so etwas zu schätzen..!!

Max Regers Werke sind schwer zu spielen – auch schwer zu hören. Extreme Chromatik, Polyphonie und große Formen stellen hohe Ansprüche an die Hörer; spätromantisches Drängen und grandiose Schlussapotheosen verleihen den Werken hingegen etwas Mitreißendes und Rauschhaftes. Bachs Musik lieben wir – wir hören sie seit unserer Kindheit und „verstehen“ sie. In Bezug auf die Orgelmusik Reger’s fehlt uns diese Vertrautheit. Jetzt sind an keine Formen, an keine Schranken der Phantasie mehr zu denken. Alles geht obenaus und nirgend an; je toller, je besser! je wilder, je bizarrer, desto neumodischer und effektvoller, das ist ein unaufhörliches Haschen nach fremden Tonarten und Modulationen, nach unharmonischen Ausweichungen, nach ohrenzerreißenden Dissonanzen und nach chromatischen Gängen, ohne Erholung und Aufhören für den Zuhörer.“

Aber irgendwie wird der Besucher von dem Reger-Werk trotz aller o.a. genannten Bedenken angesprochen. Ist es das großartige Spiel des Martin Sander, der ein hoch entwickeltes künstlerisches Orgelspiel vorträgt, ich weiss es nicht so ganz genau einzuordnen und staune nur, was auf der „Königin der Instrumente“ alles möglich erscheint uns fremde Klänge zu zelebrieren und fassungslos staunend danach tief durchzuatmen. Das ist Reger und ein großartiger Virtuose an der Orgel mit Namen: „Martin Sander“ der als ein würdiger Nachfolger an der HfM in Detmold als Dozent seine Arbeit aufgenommen hat. OWL kann sich glücklich schätzen, diesen erfahrenen und virtuosen Konzert-Organisten verpflichtet zu haben.

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Video: Zugabe ein Orgelwerk von Schumann in Bearbeitung von Prof. Gerhard Weinberger

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Stürmischer Schluss-Applaus veranlasste Martin Sander, uns ein Schumann Orgelwerk als Zugabe zu kredenzen, das in einer Bearbeitung von Prof. Gerhard Weinberger von ihm anrührend vorgetragen wurde. Es wurde zu einem Referenzbeweis an seinen genialen Vorgänger und berührte uns und alle Besucher mächtig..!!

Grüße

Volker

Unser Besuch des Bachfestes 2012 in Arnstadt mit dem Konzert Lautten Compagney und Calmus Ensemble


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Liebe Bachfreunde/innen!

Ein Bericht von unserem Konzert-Besuch des Eröffnungskonzertes beim Bach-Festivals-Arnstadt 2012

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Bachfestival Arnstadt

Veranstaltung

Titel: Bacharcades Lautten Compagney & Calmus Ensemble

am Freitag, 16.03.2012  Beginn: 19.30 Uhr  in der Johann Sebastian Kirche.

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Bachkirche in Arnstadt

Bachkirche in Arnstadt

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Eröffnungskonzert des Bach-Festivals-Arnstadt 2012

Bach-Arkaden bestehend aus sechs Chorälen und einer Motette

Künstler:

Lautten Compagney (Echo Klassik-Preisträger)
Calmus Ensemble (Echo Klassik-Preisträger)

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Zwei Ensembles treffen sich in musikalischen Arkaden bestehend aus Bach’s Chorälen und kommunizieren dort mit den Werken eines zeitlosen Giganten.

Diese Programmidee bezieht sich auf einen zentralen und ganz kontinuierlich entstandenen Teil im Werk des Johann Sebastian Bach. Dabei handelt es sich um seine Choralsätze, denen wir im Bachschen Werk – aber im übertragenen Sinne auch für unser Verständnis als Musiker heut – die Bedeutung von Arkaden beimessen. Bach selbst hat sich für seine Choräle der Tradition bedient, indem er zum großen Teil aus der Zeit der Reformation stammende und auf Martin Luther zurückgehende Choräle als Vorlagen verwendete. Bach-Arkaden bedeuten für uns Halt und Festigkeit sowie Bodenständigkeit, die ein ganzes Gewölbe tragen können. Arkaden bieten aber auch Zwischenraum und Freiheit zur eigenen Gestaltung.

In diesem Zwischenraum entwickeln wir unseren kreativen Beitrag, der aus verschiedenen Werken von Bach, seinen Vorfahren und seinen Zeitgenossen bestehen wird.

 Die Lautten Compagney feierte 2009 ihr 25-jähriges Bestehen. Sie zählt heute zu den renommiertesten deutschen Barockensembles und musiziert in diversen kammermusikalischen Besetzungen bis hin zum barocken Opernorchester. Ihr Repertoire umfasst ein breites Spektrum an Werken des 16. – 18. Jahrhunderts.

Mit Konzerten und Opernaufführungen gastiert das Ensemble bei namhaften Festivals und Veranstaltern in ganz Deutschland und im Ausland und überrascht dabei immer wieder durch originelle Programmgestaltung und Neu-Entdeckungen unbekannter Werke.

Beachtung fand die CD „Timeless“ mit Kompositionen von Merula und Glass für die LAUTTEN COMPAGNEY mit dem ECHO Klassik 2010 in der Kategorie „Bestes Ensemble – Alte Musik“ ausgezeichnet wurde.

 Calmus Ensemble eine Vokalgruppe aus der Bachstadt Leipzig, diesem Hort musikalischer Talente und Ideen, hat sich in den letzten Jahren ganz nach oben gearbeitet. 1999 waren die Sänger mit ihrem neugegründeten Ensemble zum ersten Mal an die Öffentlichkeit gegangen, und sie hatten Erfolg: Fonoforum begrüßte sie gar als neuen Stern am a-cappella-Himmel.

Nach einiger Zeit als reine Boy Group trat ein Sopran an die Spitze, einige Zeit danach wurde die Sechser-Besetzung auf fünf reduziert. 2009 feierten sie ihr zehnjähriges Jubiläum mit einem großen Festkonzert im Gewandhaus zu Leipzig!

Zu diesem Anlaß paßt es natürlich ganz besonders gut, daß die Sänger vor kurzem mit einem „ECHO“ in der Sparte „Klassik ohne Grenzen“ für eine CD mit Deutschen Volksliedern ausgezeichnet wurden. Das ist aber beileibe nicht ihr erster Preis, denn im Laufe der Jahre haben sie eine ganze Anzahl internationaler Wettbewerbe gewonnen. 2010 gaben sie ihr Debüt in der Carnegie Hall in New York.

Programm

Choral

Nun lob mein Seel den Herren
Guillaume Dufay Ecclesiae militantis
Choral Ach wie flüchtig, ach wie nichtig
Emmanuel Sejourne Sun
Arvo Pärt Fratres
Choral Komm süßer Tod
Johann Sebastian Bach Weinen, Klagen Sorgen, Zagen; BWV 12
Henry Purcell When I`m laid
Choral Komm, o Tod du Schlafes Bruder
Choral Wachet auf
Bernd Franke And why
Choral Jesu meine Freude
Tarquino Merula Chiaconna – Su la cetra
Choral In dir ist Freude

Die Arnstädter haben Mut bewiesen, mit zwei so jungen Ensembles das „ehrwürdige“ Festival zu eröffnen. Die Bachchoräle erfuhren eine Wandlung, die Heiterkeit und Fröhlichkeit ausstrahlte. Es war beeindruckend heiter, wenn die Sänger/in summten, schnalzten, wippten, klopften –und abwechselnd Antje Lipferts strahlender Sopran oder einer der Sänger als Leitfaden durch den Irrgarten führten.

Die Künstler haben so hervorragend hier eine kleine Fuge, dort ein kleines Präludium eingebaut und frei improvisiert. Mit ihren Einfällen haben sie das Publikum angesteckt, mitgenommen und nicht mehr losgelassen. Beeindruckt hat uns das „Wachet auf, ruft uns die Stimme (BWV 645). Die Sängerin und Sänger hatten sich an verschiedenen Stellen der Kirche postiert, der Choral wurde im Wechsel von den Stimmen gesungen, und wie bei einer Prozession durch die Kirche bis zum Altar getragen: „Gloria sei Dir gesungen (SDG).“

Bei der Strophe „Weicht ihr Trauergeister“ aus dem Choral „Jesu meine Freude“ hat die Freude durch das volksliedhafte „fallalalala“ aus dem Lied „An hellen Tagen“ die Trauergeister wirklich und wahrhaftig vertrieben.

Die Lautten-Compayney war die geborene Begleitung. Alles Vollblutmusiker, großartige Künstler. Der Flötist (er hatte ca. 20 verschieden Flöten) war der reinste Schlangenbeschschwörer und der Tamburinspieler (spielte auch Xylophon und andere Schlaginstrumente) tänzelte mit seinem Instrument um die Gruppe herum, als ob er alle in Trance versetzen wollte. Der Leiter der Lautten-Companey spielte hervorragend Theorbe und die beiden Damen des Orchesters (Viola da Gamba und Saxophon, Klarinette, Querflöte u.a.) haben sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen

Während der Pause hatte ich Gelegenheit mit Böhme (Bariton) zu reden. Sein Fazit: „Wir haben gar nicht viel verändert, wir haben nur unserer Fantasie und der Musik freien Lauf gelassen.“

Mit stehenden Ovationen haben wir uns bedankt und bekamen auch noch eine Zugabe mit folgender Erklärung: irgendwie werden Sie in diesem Stück auch Bach erkennen. Zumindest die Klavierspieler unter ihnen haben es alle üben müssen (Menuett G-Dur, BWV Anhang 114). Ich hab`s erkannt – aber erst ziemlich spät.

In diesem Sinne – bis zum nächsten Bachfest in Leipzig –

Herzl. Gruss

Iris und Kalla, Elli und Irmgard

In der Basilika St. Michelis Hildesheim erklang die Matthäuspassion – BWV 244


Basilika St. Michael Hildesheim Liebe Bach-FreundINNEN!

.Sonntag, 11. März 2012, 17 Uhr

.St.-Michaelis-Kirche Hildesheim

.JOHANN SEBASTIAN BACH

.MATTHÄUS-PASSION BWV 244

………………..Solisten:

Karin Gyllenhammar · Stefan Görgner
Hugo Oliveira · Georg Gädker
Kantorei St. Michael · Bach-Orchester Hannover mit historischen Instrumenten
Leitung: Hans-Joachim Rolf

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Da saß ich endlich in der mächtigen Basilika St.Michael und es war wie ein Brausen des Meeres, was da auf mich zurollte. Diesmal wollte ich das Hören der Matthäus-Passion mit dem Raumerlebnis der Basilika und der berühmten Holzdecke über mir verbinden. Da ich vieles nur schemenhaft erkennen konnte, bleibe ich in meinen Konzerteindrücken auch dabei, dass Nebensächlichkeiten weniger interessieren (Namen, Akzente, Visuelles etc) und mir wichtig war, was hinten für mich ankam.

Basilika St. Michaelis in Hildesheim

Zuerst die Chorkleidung: die SängerINNEN trugen violette Chormäntel! Dann die Kinder: Ein Kinderchor (auch violett gekleidet) vertrat das Jungsein. Junge Menschen sangen den Cantus firmus und setzten so ‘eine feste Lied-Mauer’ vor das traurige Klagemeer des     Eingangschores. Damit war von Anfang an klar:

Chor der Kantorei St. Michaelis Hildesheim

Bei Bach versinkst DU nicht in Melancholie und Dösen.

Ich will es nochmal verdeutlichen: Cantus firmus! Anfang bei Bach heißt Aufzeigen der ‘ERLÖSENDEN RETTUNG’ …. Du brauchst nicht verzagen. So die lang gehaltenen Noten und der stimmige Text. Drei Stunden zieht sich das Drama, doch immer wieder zwischen den Zeilen gibt es Rettungs-Choräle und sogar muntere Tanzweisen (vgl. im Besonderen die Alt-Arie: ‘… Jesus hat die Hand, uns zu fassen ausgespannt …. ihr verlassnen Küchlein, ihr’ !!).

So war ich bei Bach mitten in einem Gemälde über das WELTGETÜMMEL, dem Menschen ausgesetzt sind. Als Mann und Frau, in ihrem Jungsein und Altsein. Das war dann eine großartigen Trauerabeit-, in der Schmerz, Grausamkeit, Liebe, Unruhe, Verrat, Sterblichkeit, Sünde, Gehässigkeit und Hoffnung und endlich auch melancholische Zufriedenheit ausgebreitet werden.

Wenn man so die Matthäus-Passion als ein ‘auf mich zurollendes menschliches Drama’ versteht, kommt man sich und seine oft kleinliche Konzertkritik ziemlich mickrig vor.

 Geradezu lachhaft kamen mir dann auch so gewisse Verschiebungen vor, die sich Kantoren heute im Gefecht mit modernistischen Konzerterfordernissen leisten. So z.B. das Ersetzten der ‘bedächtigen und nachdenklichen Stimme Alt’ durch einen schrillen und nervenden Altus. Damit wird durchkreuzt, dass Bach das ganze menschliche Leben in seiner kreatürlichen Dualität ansprechen will. Einem Altus fehlt auch in der 24.Reihe gehört die Wärme und Überzeugungskraft der ‘nachdenklichen Seele’, die immer wieder in das Geschehen eingreift.

Das Geschehen selbst wurde von dem deutlichen und souveränen Evangelisten angeleitet, die volltönende und hoheitsvolle Christus-Stimme überzeugte mich auch, und der Pontius, Petrus, der reuige Judas und die beiden Mägde ordneten sich wunderbar ein.

All dieses aufgeregte WELTGETÜMMEL kommt ja dann spätestens ab dem Chor ‘Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen’ zur abgeklärten Ruhe. Nur zwei Takte dauert dieser Chor-, doch da bricht ein Sonnenstrahl in das Dunkel und die zwei Chöre vereinigen sich. . Der Kantor schaffte es auch, die gewaltigen Klangmasse dieser zwei Takte als Hoffnungsstrahl zu gestalten.

Was dann in der Passion noch folgt, war voller Ruhe, Naturstimmung. Ein kühler Abend für Adam’s Fallen und das Wiederkommen der Taube und Dankbarkeit.

Atemlose Stille breitete sich am Schluß aus. Und ich holte meinen Rucksack unterm Stuhl hervor und musste leider als erster die Michaels-Basilika verlassen, da ich meinen Zug kriegen musste.

Doch in den 3 Stunden Drama hatte sich auch bei mir genug Energie angestaut, so dass ich mit frischer Kraft rechtzeitig zum Bahnhof gelangte.

Viele Grüße

Adamo

Meisterkonzert-Bericht vom Sonntag, 29.01.2012 – Auferstehungskirche Arnsberg


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Auferstehungskirche Arnsberg

Ein Bericht vom  Meisterkonzert in der Auferstehungskirche Arnsberg. 

Wir hatten am Sonntag, 20-01-2012 ein sagenhaftes Konzert in Arnsberg in der Auferstehungskirche. Valery Oistrach – ein Enkel von David Oistrach – war an einer sagenhaften Guarneri Violine von 1751 und hat u.a. die Chaconne (BWV 1004) so sagenhaft, berückend schön, so ausdrucksvoll, so genial gespielt, dass ich das Luftholen vergessen habe.

Am Cembalo (histroische Kopie nach Grimaldi 1721) saß Prof. Grosser. Er ist gebürtiger Arnsberger und ist heute als Dirigent, Organist, Pianist und Cembalist weltweit anerkannt. Ein sehr virtuoses Spiel voller Einfälle, voller Freude und Enthusiasmus brachte er uns – aber auch große Zurückhaltung wenn er V. Oistrach begleitete. Seine Frau war der gute Geist der Beiden. Sie blätterte die Noten um, nahm ihm beim Spielen die Brille ab, wenn er`s vergessen hatte und kümmerte sich um sein künstliches Herz. Er trägt es in einem kleinen schwarzen Beutel über der Schulter. Sein eigenes Herz ist zu schwach. Jedes mal, wenn er sich ans Cembalo setzte, nahm sie sein „Herz in die Hand“, wenn er anschließend aufstand, um sich beim Publikum für den Applaus zu bedanken, hängte sie es ihm wieder um. Nicht nur die Musik war ergreifend, sondern auch seine völlig selbstverständliche Art mit zwei Herzen zu leben.

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Programm:

Händel, Sonate D-Dur, op. 1 Nr. 13

Händel, Suite Nr. XIV, G-Dur

Bach, Chaconne (BWV 1004)

Bach, Sonate h-moll (BWV 1014)

Bach, Sonate G-Dur (BWV 1021)

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Als das Programm vorüber war konnten wir uns nicht trennen. Keiner stand auf – ich glaube, uns war der Himmel ein Stückchen näher gekommen – alle blieben und warteten. Zwei Zugaben bekamen wir noch, dann mussten wir irgendwann schweren/leichten Herzens die Kirche verlassen.

Ich bin immer noch nicht ganz auf der Erde angekommen.

Grüsse

Iris

LSO und Sir Gardiner entfachten ein symphonisches Feuerwerk mit dem Beethoven-Programm im Kuppelsaal Hannover am 19.12.2011


Kuppelsaal Hannover, diese Aufnahme entstand von mir im Juni 2011..!!

Kuppelsaal Hannover, 19.12.2011

Vorankündigung für J.E. Gardiner & LSO in der Buchhandlung Schmorl...!!

Beethoven 1. und 9. Sinfonie

Ausführende

Rebeccda Evans, Sopran

Wilke te Brummelstroete, Mezzosopran

Michael Spyres, Tenor

Vuyani Mlinde, Bassbariton

Monteverdi Choir

London Symphony Orchestra

Leitung: Sir John Eliot Gardiner

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Ein Konzert der Superlative..!!

Nach mühevoller Kleinarbeit konnten wir nach einem langen Hin- und Her endlich unsere Plätze in dem riesigen Rundbau der Kuppelhalle in Hannover einnehmen.

Wir fragten uns, ist Gardiner ein Selbstläufer denn die Plätze waren zu über 90 Prozent belegt und nach Insiderwissen soll die Halle ca 2000 Besucher aufnehmen können. In der gesamten Stadt Hannover konnten wir kein Plakat über Gardiner und das Orchester LSO entdecken umso schöner, dass der Besucherzuspruch so riesig ausgefallen ist. Wo habe ich die obige Ankündigung entdecken können, beim Kauf einer Klassik-CD hing das nennenswerte Kleinod in der Buchhandlung Schmorl am Bahnhof in der Klassikebene und habe sofort meinen Fotoapparat gegriffen und für uns die Aufnahme erstellt, also war die Suche nicht ganz vergeblich..!!

Riesiger Schlussapplaus für die 9. Sinfonie - LSO. Gardiner und Monteverdi Choir

Da es bereits eine ausgiebige Rezension von dem Beethoven-Programm vom Beethovenfest in Bonn gibt, erstellt von Iris, spare ich mir großartige Ausführungen und verweise auf die genannte Rezension im Blog unter folgenden Link:

https://meinhardo.wordpress.com/2011/09/18/lso-und-sir-gardiner-begeisterten-beim-beethovenfest-in-bonn-am-15-9-2011/

Auszug aus der Rezension von @Iris:

Entstanden ist die 1. Sinfonie 1799/1800, uraufgeführt am 02.04.1800 Wien.
„Schon der Beginn, das harmonische Spiel weist Beethoven als einen Neuerer aus. Der Autor der Berlinischen Musikalischen Zeitung nannte diese Einleitung noch sechs Jahre später einen ´unbestimmte(n), wenn gleich genialische(n) Anfang`. Das Besondere an diesem Beginn: Beethoven wagt hier nicht nur harmonisch viel, sondern er bezieht alle Komponenten der orchestralen Satzgestaltung mit ein. Die Orchestergruppen werden gleichsam gegeneinander gesetzt – die langen Bläsermelodien, die kurzen pizzicato-Antworten der Streicher und eine differenzierte Dynamik spitzt den gesamten Spannungsverlauf expressiv zu.“ (Programmheft)

Die 9. war pompös, grandios, bombastisch; zumindest im 4. Satz. Eine Steigerung war da nicht mehr möglich. Die ersten drei Sätze führten „langsam“ auf das Thema hin und als der Chor im 4. Satz einsetzte, war das wie ein erlösender Durchbruch. Die Jungs und Mädels vom Orchester und vom Chor waren fantastisch; sie haben uns förmlich mitgerissen. Als der Sir alle auf Touren gebracht hatte, lief`s von allein…………

Diese zuletzt genannte Aussagen von @Iris kann ich nur vollauf bestätigen, es war ein grandioses Erlebnis und schwingt in uns immer noch nach. Ein Ehepaar neben uns erlebten Sir Gardiner erstmals live und waren ganz aus dem Häuschen. Vor Beginn des Konzertes sagten sie uns, dass sie Gardiner nur vom Radio her kennen und riesige Fans von ihm sind und endlich dazu gekommen sind, ein Live-Erlebnis mit ihm zu haben. Das bemerkte ich während des Konzertes sehr deutlich, sie rutschten nach vorn nach hinten zur Seite und saugten die Musik in sich förmlich auf das war für mich gleich nebenan sitzend ein wenig störend, aber ich hatte volles Verständnis für diese Gardiner-Enthusiasten und ihrer ungebrochenen Begeisterung und freute mich mit ihnen, dass sie vollends aus dem Häuschen waren.

LSO nach der 1. Sinfonie

Uns erging es eben so, wann hört man Beethoven in so einer dynamischen und grandiosen Wiedergabe, wie es uns nur Sir Gardiner zelebrieren kann. Wie ich wohl schon einmal erwähnt hatte, mag ich Beethovens Klavierwerke sehr, seine Sinfonien nur bedingt – aber, an diesem Abend wurde ich eines Besseren belehrt, wie die Sinfonien erklingen und begeistern können. Dieses Prädikat muss ich Gardiner ausstellen, was er in diesen über zwei Stunden in seinem Dirigat an Schwung und Drive dem LSO vermittelte und sie ihm fantastisch in der Wiedergabe folgten war schon grandios, sicherlich hat sein angesetzter Bauch darunter gelitten, diese Gymnastik habe ich noch nicht einmal in meiner Jugend zustande gebracht und er in seinem gesetzten Alter schüttelt das alles ab, als ober er gerade einen Spaziergang durch den anliegenden Botanischen Garten unternommen hätte..!! Er ist einfach ein Phänomen, sobald er die Bühne betritt, ist man schon von der Erscheinung und seinem Habitus fasziniert und vollends eingenommen was nur sehr wenige Künstler einem vermitteln können.

Wieder einmal eine Sternstunde, den 36 -köpfigen Monteverdi Choir in der 9. Sinfonie zu hören. Diese Stimmgewalt gegen das LSO gesungen und in einer Wortverständlichkeit, das ist schon eine Gesangskultur, die den Hörer immer wieder verblüfft, welches Chor-Ensemble kann damit aufwarten, mir fällt keines ein und unterstreicht einmal wieder ihre Ausnahmestellung, das war absolut ergreifend und  berührend gesungen und ergab damit ein grandioses Finale. und wurde wiederum zu einer Sternstunde in unserer Gardiner-Ära..!!

Solche Sternstunden sind freilich nur möglich, wenn ein paar Voraussetzungen erfüllt sind. Die wichtigste: Dirigent das Orchester , Gesangs-Solisten und Monteverdi Choir bilden eine feste Einheit. Tatsächlich liefern sich der Chor, die Musiker des London Symphony Orchestra (LSO) Gardiner bedingungslos aus und ergab, dass wir die Götterfunken in uns spürend aufgesaugt haben und vollends von ihnen eingenommen und befallen wurden…..!!

Schon im Eingang konnten wir vor Beginn des Konzertes überraschend @Barbara mit ihrem Anhang freudig begrüßen und verabredeten uns per Handy nach Konzert-Ende. In einer gemütlichen und fruchtbaren Runde konnten wir uns danach in einer nahe gelegenen Hotelbar über das Erlebte eine Stunde lang austauschen und rundete diesen Abend so genial ab. Danach traten wir ganz erfüllt unsere Heimreise per PKW an und wurden durch trockenen Straßen und ohne Schnee oder Glatteis mehr als entschädigt, die Götterfunken waren bei uns geblieben und hatten für diese Verhältnisse gesorgt……,

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Rezension zum Artikel

„Hannoversche Allgemeine“ vom 21.12.2011

Link:  http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/In-alter-Frische

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Grüße

Volker

Orgel-Konzert „Klang und Licht Wandelkonzert“ am 9.10.2011 in der Ev. Bartholomäuskirche Bielefeld-Brackwede


Ev. Bartholomäuskirche in Bielefeld Brackwede

Liebe Orgelfreunde !

Ein bemerkenswertes Orgel-Konzert in einer neuen Form fand am Sonntag, 9.10.2011, in der Ev. Bartholomäuskirche in Bielefeld-Brackwede statt.

„Klang und Licht Wandelkonzert“

mit Orgelmusik von J.S. Bach In der Einladung zum Konzert heisst es:

Herzlich willkommen zu unserem Wandelkonzert ! Wir möchten Sie heute Abend in einer knappen Stunde durch die Kirche führen, musikalisch und mit kurzen Texten zu markanten Punkten der Kirche.

 Seien Sie mutig, und erkunden Sie während der Orgelmusik die verschiedenen  akustischen Räume der Kirche:

Wie klingt die Musik im Mittelgang, wie klingt sie im Altarraum?

Was verändert sich, wenn ich an der Wand entlang gehe?

Was höre ich noch unter der Empore oder im Querschiff?

Klingt es anders, ob ich steh oder sitze?

Will ich die Orgel im Rücken hören oder ihr beim Spielen zusehen?

Beginn, zwischendurch und am Schluss hören Sie die

  „Acht kleinen Präludien und Fugen“

die in einer Abschrift Johann Sebastian Bachs überliefert sind, aber wohl von seinem Schüler“Johann Ludwig Krebs“ komponiert wurden.

 7 Stationen auf dem Weg durch die Kirche sind:

Fensterzyklus: (Licht der Welt, im Hauptschiff vorn)  –

Chorraum: (Altar, Kanzel, Lesepult und Kreuz, hinter dem Altar)  –

Taufe: (Taufstein und Taufwand, treffen  vor dem Taufstein und Taufwand)  –

Kirchenmusik: (Glocken, Orgel, Cembalo, vor der Orgelempore) –

Gotischer Torbogen: (Brand und Wiederaufbau, unter der Orgelempore) –

Turm: (Ursprungsgeschichte, im Turm) –

Vierung: (Architektur,Kronleuchter, im Hauptschiff vorn)

Wir versammeln uns jeweils an diesen Orten zu kurzen Betrachtungen. Sie können natürlich auch an einem Platz in der Bank mithören, die Texte werden über Lautsprecher übertragen.

Ausführende:  Walter Haverkamp, Orgel

Sprecher: Pf. i.R. Wolfgang Bergmann

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Beeindruckende Stimmung im Orgelkonzert "Klang und Licht Wandelkonzert"

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Glasfenster mit einem Bibel-Spruch nach Lukas verfasst..!!

Die Batholomäuskirche in Brackwede brannte 1990 vollkommen aus. Anschließend erfolgte der Wiederaufbau in der alten Form. Es haben sich nur wenige ältere Ausstattungsstücke erhalten, darunter der Taufstein von 1685, zwei Reliefs mit der Darstellung der Verkündigung und der Kreuzigung, die vermutlich 1603 entstanden sind und das neugotische Altarbild von 1892.

Die moderne Fensterverglasung stammt von Raphael Seitz aus Heilbronn und beeindruckt in ihrer Schlichtheit und mit Bibelversen sowie mit einem Notenabbild vom Magnificat von J.S. Bach.

Die gläserne Taufwand erstellte ein Bielefeld Künstler. Auf der gläsernen Taufwand sind bei den einzelnen Fischen die Täuflinge mit Foto, Vornamen und Namen dokumentiert für das laufende Kirchenjahr und wirkt sehr beruhigend auf den Betrachter..!!

Gläserne Taufwand in der Ev Bartholomäiskirche Brackwede

Anschließendes Foto:

Die in den Jahren 1992-1994 nach dem verheerenden Brand der Kirche neu erstellte Rowan West Orgel…!!

Rowan West Orgel von 1994 in der Ev. Bartholomäuskirche Brackwede

Die jetzige Orgel mit 43 Registern auf drei Manualen und Pedal mit barockisierendem Prospekt wurde 1994 vom Orgelbauer Rowan West aus Ahrweiler in Anlehnung an Werke von dem westfälischen Orgelbauer Johann Patroclus Möller (1698-1772) aus Lippstadt – geschaffen. Aus dessen erhaltener Orgel in der Abteikirche Marienmünster übernahm man nicht nur einen großen Teil der Disposition, sondern auch Mensur und Intonation. Die weitestgehende Anwendung alter Bau- und Intonationskunst ermöglicht bei flexiblem Wind und ungleichschwebender Stimmung größte Annäherung an stilgerechte Interpretation barocker Musik auf einer neuen Orgel. Die Brackweder Rowan West Orgel gilt als Impuls für eine Neuorientierung in westfälischer Orgeldenkmalpflege.

Ein Video von dem Orgelabend „Klang und Licht Wandelkonzert“

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Die Rowan West Orgel wurde vor kurzer Zeit vollständig neu Intoniert und der Kirchenakustik angepasst. So präsentiere sich diese wunderbare Orgel in dem Konzert von seiner besten Klangseite und beglückte die Besucher mit herrlichen Präludien und Fugen von J.S. Bach. Es war ein Genuss, im Gehen, Stehen oder  im Sitzen dieses Konzert mit der unterschiedlichen räumlichen Orgelakustik wahrzunehmen. Diese unterschiedlichen Klangquellen zu erleben waren wirklich etwas Besonderes an diesem Orgelabend. So eine Möglichkeit gibt es nur sehr selten und sollte seine Nachahmer finden.

Der Hörer erlebt durch den Rundgang und seine Positionierung  in der Kirche – betrachten der Kirchenfenster mit Sprüchen und Noten, Altarraum, Turmbesteigung, gläserne Taufwand, Taufbecken, Orgelempore, Glockengeläut, Seitenschiffe, etc. und durch die vorangegangenen textlichen Aussagen ganz neue Eindrücke von der Bach-Musik und dem Orgel-Klang. Ich war davon sehr angetan und wünsche, es werden weitere Orgelabende in dieser Form von dem Kontorat der Ev. Bartholomäus-Kirchengemeinde Brackwede durchgeführt. Ein bewegender Abend ging viel zu schnell zu Ende und entließ die frohe gestimmten Besucher in den Abend..!!

Grüße

Volker