Schlagwort-Archive: Zeche Zollverein

RUHR2010 Teil XXXII: Good bye!


Am 18.12.2010 war dann offiziell SCHLUSS.

Aufgrund des Wetters haben wir uns für die kürzere Anfahrt auf Zollverein entschieden. Die frostigen Temperaturen und der terminüberfrachtete Dezember liessen die Besucherströme denn auch eher mäßig ausfallen.

Highlight des Abends war eine 360° Video-Projektion des türkischen Künstlerduos Griduo, die den Sanaa Kubus in Bewegung gesetzt haben.

Griduo Video Performance

Hier ein Link, wo man beim WDR einen Fotodurchmarsch durch die Ereignisse machen kann: Link: http://www.wdr.de/themen/panorama/extra/jahresrueckblick_2010/chronik/content_bf.php?month=12&topic=8&year=10

Es hat viel zu Entdecken gegeben, jede Menge Neues, Schönes, Erstaunenswertes. Obwohl ich wirklich viel gesehen habe und an vielem teilgenommen habe, ist trotzdem auch jede Menge an mir vorbeigegangen. Einiges können wir uns für 2011 vornehmen, vieles ist unwiderbringlich vorbei. Vielleicht haben Euch ja einige Orte inspiriert, sie bei einer Reise ins Ruhrgebiet mit einzubeziehen.

Die letzte Ausgabe von Ruhr2010 TV mit Impressionen der Abschlussveranstaltung:Link:  http://essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/ruhr2010-tv.html

Ich wünsche Euch ein gesundes Jahr 2011 mit winterlichen Impressionen aus der „Elfringhauser Schweiz“ bei Hattingen.

RUHR2010 Teil XXVI: Kulturlinie 107


Kulturlinie 107 Foto: Evag Essen

http://www.kulturlinie107.de/

Am 28.08.10 haben wir eine Tour mit der EVAG (Essener Verkehrsbetriebe) gebucht. 2 ehemalige Busfahrer führen uns zu ausgewählten Stationen in Essen, die entlang der Kulturlinie 107 liegen. Start ist am Rüttenscheider Stern im Chi-Chi-Viertel Rüttenscheid. Dort regnet es dann auch zum letzten Mal.

Grillo Theater

Von dort fahren wir in die Innenstadt, wo wir im Bankenviertel viel neues zu teilweise denkmalgeschützten Häusern aus den 20er Jahren erfahren. Auf der Kettwiger Straße, die Einkaufsmeile von Essen sind dann gleich mehrere Highlights: Das Grillo Theather, die Lichtburg und das Domensemble. http://www.theater-essen.de/asp/gesamt.asp

Lichtburg / Kino

Die legendäre Lichtburg – im Herzen der Stadt Essen gelegen – war und ist mit 1250 Sitzplätzen Deutschlands größter Filmpalast. Bereits zur Eröffnung 1928 galt das Kino als das modernste Filmtheater in Deutschland. 1943 brannte der viel gerühmte Zuschauerraum völlig aus. Der Wiederaufbau im Stil der 50er Jahre machte die Lichtburg zu einem der elegantesten Filmtheater des Landes.

Die Lichtburg ist mehr als ein Filmpalast: Über Jahrzehnte fanden hunderte Premieren, Filmgalas, nationale und weltweite Uraufführungen statt. Nationale und internationale Stars gaben sich die Klinke in die Hand und begeisterten die Massen, unter ihnen u.a. Gary Cooper, Romy Schneider, Pierce Brosnan, Wim Wenders, Götz George oder Tom Tykwer.

Die denkmalgeschützte Lichtburg wurde von März 2002 bis März 2003 bis ins Detail restauriert und renoviert, und mit neuester Kino- und Bühnentechnik ausgestattet. www.lichtburg-essen.de

Ensemble Dom+Bischofsgebäude

Interessant finde ich diese Synthese mit dem Hochhaus und dem mitteralterlichen Bild, rechts über dem Bischofspalast erhebt sich die Kuppel der alten Synagoge, die größte Europas.

Kreuzgang im Dom

Immer wieder schön, die Ruhe und Beschaulichkeit mitten in der hektischen Einkaufswelt. Im Essener Dom findet ein reiches und anspruchsvolles Musikleben statt, daher mal ein Link dazu, es gibt das Programm fürs 2. Halbjahr. http://www.dommusik-essen.de/index.php?id=95

Marktkirche Essen

Die  Marktkirche ist das älteste protestantische Gotteshaus in der Essener Innenstadt. Sie ist heute die Gottesdienststätte des Kirchenkreises. Außerdem hat die zentrale Wiedereintrittsstelle der Evangelischen Kirche in Essen hier ihren Sitz. Regelmäßig finden in der Marktkirche Konzerte, Vorträge und Ausstellungen statt. http://www.ekir.de/essen-marktkirche/

Highlight Konvent der Karmeliterinnen in Stoppenberg

Erste urkundliche Erwähnung fand der Ortsteil Stoppenberg mit dem Bau der Stiftskirche Maria in der Not auf dem Stoppenberg genannten Hügel durch die Essener Fürstäbtissin Schwanhild im Jahre 1073. Sie wurde als Nikolauskapelle 1074 von Erzbischof Anno II. geweiht. Die ältesten Spuren einer Besiedelung von Stoppenberg wurden am Anfang des 21. Jahrhunderts an der Twentmannstraße gefunden und stammen aus dem 11. Jahrhundert, eben aus jener Zeit, in der die Fürstäbtissin Schwanhild die Stiftskirche bauen ließ. www.kultur-im-bistum-essen-2010.de

Seit 1965 ist das Stift wieder von Karmeliterinnen bewohnt, leider ist die Kirche nicht mehr jederzeit zugänglich, da Vandalen vor kurzem die Opferstöcke heraus gerissen haben.

Inneres der Klosterkirche Stoppenberg Maria in der Not

Die St. Nikolauskirche ist dem Karmel vorgelagert und liegt direkt an der 107, sie ist eine Jugendstilkirche, die 1907 geweiht wurde. Man hatte Carl Moritz damit beauftragt, der sonst für seine Theaterarchitektur bekannt war und so kam es dann auch, dass Kardinal Fischer, Erzbischhof von Köln sich zuerst weigerte die Kirche zu weihen, da es eine Oper wäre. Es befinden sich des weiteren ein sehenswerter Kreuzweg, eine neoromanische Apsis und ein schöner Hochaltar in der Kirche. www.st-nikolaus-essen.kirche-vor-ort.de

St. Nikolauskirche

Ganze 2 Stationen weiter erreichen wir Zollverein, das Ziel der Tour. Ein Rundgang über das Gelände schliesst sich an, wir erreichen als letzten Punkt das neue Sanaa Gebäude. Einen Würfel monumentaler Größe, doch völlig unerwarteter Raumatmosphären und Immaterialisierung hat das japanische Architektenpaar SANAA in Essen verwirklicht. Kaum vorstellbar dünn wie Papier erscheinen seine Wände aus Beton, rätselhaft und geheimnisvoll das Innenleben eines Hauses, dessen 134 transparente Perforationen unterschiedlicher Größe keiner erkennbaren Logik folgen.
Wenn man den Würfel betritt, betritt man nüchterne Betonkühle. Zuerst sollte dort eine Zweigstelle der Folkwang-Uni einziehen, wegen der bescheidenen Akustik ist dies nicht erfolgt. Auch Firmenevents stellen eine Schwierigkeit dar. Es mangelt an haustechnischer Infrastruktur, die Steckdosen sind nur mit 16 Amper gesichert. Genial ist allerdings die Beheizung. Das Wasser, dass vom Zollverein-Gelände abgepumpt wird, beheizt das Gebäude. Besichtigt werden kann der Kubus im Rahmen der Ausstellung „Ruhrblicke“. http://www.zollverein.de/agenda.php?f_filter=AUST&f_month=9

SANAA Gebäude auf Zollverein

Wir bedanken uns bei Hr. Adam Gacki und Hr. Martin Floß für den aufschlussreichen und wirklich witzigen Tag.

RUHR2010 Teil XVII: Das Kantaten-Highlight in der Christuskirche in GE-Buer-Nun danket alle Gott BWV 192


Eines der bisher schönsten und musikalisch hochwertigsten Kantaten-Konzerte im Rahmen der Ruhr-Pilgrimage, konnten Wolfgang und ich am Sonntag, den 16.05.10 in der Christuskirche in Gelsenkirchen-Buer gemeinsam erleben. Das dies ausgerechnet zu unserem Treffen geschehen sollte, war warscheinlich von oben her bestimmt;-).

Auf Zollverein

Stilecht für Gelsenkirchen haben wir uns mit dem tiefer gelegten VW Jetta GT Baujahr ´87 auf breiten Schlappen und mit röhrendem Auspuff von Langenberg in Richtung Norden aufgemacht. Nach einem kleinen Foto-Abstecher auf Zollverein, habe ich mich erst mal verfahren, so dass wir nun von meinem Mann per Handy zur Kantate gelotst wurden. Vorbei an der Veltins Arena, über Autobahnbrücken, durch Baustellen, haben wir trotzdem noch die kleine Zufahrt zur Bergstr. verpasst. Kurz vor Beginn erreichen wir die kleine Kirche, neben mir sitzt – ihr kennt ihn alle – der Klimper-Tünnes aus der Matthäus-Passion in Essen…

Was hier geboten wird ist vom Allerfeinsten, das Programm ist auch schon nicht mehr als „Kantate“ zu bezeichnen, sondern ein ausgewachsenes Barock-Kammerkonzert:

Programm: Christuskirche GE-Buer - zur Vergrößerung in das Programm klicken..!!

Der Chor ist fast solistisch besetzt und besteht durchweg aus jungen Leuten, die ihre Sache wirklich super machen und auch so klingen. Dazu das passende Barockorchester „Le Chardon“ unter der Leitung von Hajo Wienroth, der selbst Traversflöte spielt. Mir wird ganz schwindelig, wenn ich die Biographien lese! Die Kantorin Christina Wienroth bietet ein Barock-Lebensfreudiges Dirigat, das wunderbar zum restlichen Konzert passt, Musik ist Energie, Medizin, Lebensbereicherung und einfach eine Herzensangelegenheit, ein verpasster Einsatz bei Samuel Scheidt wird denn so auch mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert. Damit wir wissen, welchem Choral Bachs Kantate BWV 192 zugrunde liegt, singen wir alle zusammen erst mal 3 Strophen und bereiten uns seelisch auf das, was da kommt, vor. Die Worte, die die Pastorin als Impuls zur Dankbarkeit spricht, sind berührend und sehr pragmatisch. Es ist Sitte bei „Momente der Ewigkeit“, dass der Eingangschor noch einmal wiederholt, oder am Schluss erneut gesungen wird.

BWV 192 ist ein kleines, unaufdringliches Werk, dass aus einem Eingangschor, einem Duett zwischen Sopran und Bass, sowie einem Schlusschoral besteht, eine Tenorarie soll verloren gegangen sein.

Die Solisten

Huch, es gibt eine Pause! Im Gemeindehaus direkt nebenan werden Getränke und ein kleiner Imbiss gereicht. Wer möchte, gibt eine Spende, ist ja Ehrensache, dass wir was in den Klingelbeutel geben. Wir spüren, dass man hier aufgehoben ist. Am Stehtisch kommen wir ins Gespräch mit einer Chorsängerin, der Kantorin und einer Besucherin und wir erfahren, dass die Idee der „Ruhrpottkantaten“ begeistert aufgenommen wurde und dass trotz des abgesprungenen Sponsors alle sich für die Realisierung stark gemacht haben. Wolfgang quatscht den „Klimper-Tünnes“ an…uaaah.

Der 2. Teil des Konzertes ist der Interessanteste: Heidrun Blase brilliert als Gesangssolistin  im technisch äußerst anspruchsvollen „Il Pensioroso“ (Die Nachtigall) zusammen mit dem Flötisten Hajo Wienroth, der gibt auch einige kurze Erläuterungen zu diesem wenig bekannten Stück und es macht einfach nur Spass, dem Dialog des Vogels und der Menschin zuzuhören. Anschliessend ein Konzert von Antoine Mahaut, der ähnlich wie Quantz eine Flötenschule verfasst hat.

Applaus für das Orchester

Hajo Wienroth: “ Zu dem 5. Brandenburgischen Konzert brauche ich jetzt, glaube ich, nichts sagen!“

Die Instrumente werden in diesem, sehr modernen Konzert à la Mode francaise ziemlich gleichberetigt eingesetzt, so dass jeder Instrumentalist seinen Part der Profilierung hat, in der letzten Hälfte des 3. Satzes, hat sich der Meister selbst ein Denkmal gesetzt, da die anderen Instrumente etwas in den Hintergrund gedrängt werden und das Cembalo die dominierende Rolle übernimmt. Überragend und unpretentiös: Pieter Dirksen. Handelt sich es doch warscheinlich um das erste Cembalokonzert der Geschichte! Bach soll ja mal gesagt haben, Clavierspielen wäre ganz einfach, man müßte nur zur rechten Zeit die richtigen Tasten treffen, dann würde das Instrument von ganz alleine spielen! Haha! Ohne Zögern steht die ganze Kirche zum Schlussapplaus auf und alle Musiker werden noch einmal mit einem Blumengruß bedacht. Ich bin froh, dass ich in etwas egoistischer Manier Wolfgang vom Ausharren bis zum Schluss überzeugen konnte und dass die Rückfahrt nach OWL trotz der verspäteten Abfahrt so reibungslos geklappt hat.

Biographie der Künstler-Solisten / Zur Vergrößerung in das Foto klicken..!!

Während ich mit offenen Fenstern und dem angenehmen Windzug aufs Gaspedal trete, bin ich dankbar für diesen super Tag, für das Treffen mit Wolfgang, den warmherzigen Umgang der Gemeinde mit ihren Konzertbesuchern, für die Sonne und auch die große Kunst. Danke auch an Volker für die Be- und Verarbeitung meiner E-Mails. Wir haben kräftig Werbung für unseren Blog gemacht.

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ Friedrich Schiller

TIPP: Im Rahmen der Ruhrpottkantaten tritt das Orchester „Le Chardon“ am 06.06.10 in der Petrikirche in Mülheim (Brich dem Hungrigen Dein Brot) auf.

„Momente der Ewigkeit“ Bach-Kantate BWV 192


Gewinnt der, der rast – oder:  Beachte, dass diese Dank-Kantate ‚per ogni tempo‘ geeignet ist.

Nomen est omen!!! Eine Kantate mit der Bestimmungsangabe ‚zu jeder Zeit geeignet‘ hat es nicht so eilig. So kommt erst jetzt mein Bericht der  Kantaten-Reise an die Ruhr und dem Treffen mit Claudia.

Sonntagmorgen stöberte ich im Bücherdorf :

Langenberg (bei Velbert) info@buecherstadt-langenberg.de

in den Kisten des Büchermarkts. Nachdem ich alle meine Bücher-Such-Rundgänge erledigt hatte, konnte ich mich wieder musikalischen Themen widmen. Wer kommt da mit dem Sportrad zum verabredeten Treff mit Adamo an‘s Bücher-Cafe gesaust:  Claudia-, allen blog-Teilnehmern bestens bekannt durch ihre spritzigen Berichte der Kultur-Events von der Ruhr. Natürlich tauschten wir uns zuerst über einige Themen unseres Gardiner-blogs aus. Doch dann wurde es für uns Zeit.

Bach-Kantate in der Christus-Kirche Gelsenkirchen-Buer-Beckhausen

In rasender Autofahrt erreichten wir-, dank den über Handy-Kontakt mit Claudias Mann gesteuerten Weg-Weisungen-,  rechtzeitig den Aufführungsort Christus-Kirche Gelsenkirchen – Buer. Zuvor stellte mir Claudia  noch  das futuristische Enseble der Zeche Zollverein vor. Gerne fuhr ich zum Ausblick über das Ruhrgebiet die gigantische Rolltreppe zur Zeche hoch. Wenn schon Ruhr, dann Ruhr kompakt. Ich schnupperte in eine längst vergangene Arbeitswelt.

Weiter ging‘s.  Stimmt es doch? Wer rast, sitzt vorne !!!  Könnte man meinen, denn wir bekamen noch Plätze in der ersten Kirchen-Bank.

Die Bach-Kantate BWV 192 war natürlich unser musikalisches Magnet. Das übrige Programm enthielt aber noch Überraschungen bereit:

Samuel Scheidt-Motette ‚Komm Heiliger Geist‘ zum Einsingen, Bach-Motette BWV 230 ‚Lobet den Herrn‘ als vorgeschaltetes Juwel, dann Bach-Kantate BWV 192, – Pause-  Danach Orchestermusik vom Feinsten: eine Händel Sopran-Solokantate vom ‚Gespräch einer Nachtigall mit einer Verehrerin im Mondschein‘ (genannt: Il Pensioroso); ein Flötenkonzert und als Krönung dann das 5.Brandenburgische Konzert BWV 1050.

Christus Kirche-Buer-Beckhausen Blick vom Eingangsbereich durch den Mittelgang bis in den Altarraum

Es war  nicht unbedingt ein Fauxpas, wenn die Kantorin nach dem furiosen Eingangschor der Kantate zunächst einmal Halt  machte. Dem erstaunten Publikum wurden von der Pfarrerin einige musikalische Aspekte und werkgeschichtliche Hintergründe aufgezeigt. Auch aus dem Orchester und von den Solisten (Sopran und Bass) hörte man verstehend einige Musikbeispiele, bevor es richtig los ging. Die gesamte Bach-Kantaten-Reihe firmiert ja unter dem Oberthema ‚Momente der Ewigkeit‘ So waren auch einige nachdenkenswerte Impulse zum Thema ‚Dankbarkeit‘ nicht fehl am Platze.

Wir bekamen den Eingangschor also zweimal geboten und verstanden einfach mehr:

Zu diesem Mehrwert gehörte:

Deutlicher konnte man  musikalische Themen und Aufbau verfolgen.

Das packte alles ein kleiner,  mit bis höchstens fünf SängerINNEN (nur 2 Tenöre) in jeder Stimme besetzter junger ad-hoc-Chor (Ensemble Lorica Vitae), der diszipliniert und mühelos mit klaren, reinen Stimmen das polyphone Gefüge beherrschte .

Eine handfeste, mitschwingende Kantorin, die ihrem Chor klare  Einsätze gab und einen abgerundeten Leitungs-Stil pflegte.

Ein sich steigerndes Programm, dass dem Chor Gelegenheit bot, viele Facetten seiner Möglichkeiten aufzuzeigen.

Ein Barockorchester Le Chardon, das eigene Akzente setzte.

Eine erfrischende Pause, in der man mit den Ausführenden in’s Gespräch kommen konnte und ein leckeres Büffet bereitstand. Dafür sangen wir in der Gemeinde auch gerne das der Kantate zu Grunde liegende Kirchenlied ‚Nun danket alle Gott‘ (Martin Rinckart um 1630) mit. Einfach köstlich-, Gott und sein Bodenpersonal in der Christuskirche versorgten uns an diesem Abend in  zuerst Seele und dann Leib.

Nach dem Konzert gings zurück ganzheitlich gesättigt zum Essener HBF, an dem mich Claudia absetzte. Und dank eines ICE, den mich  ein großzügiger Schaffner ohne Aufschlag benutzen ließ,  war ich ‚in rechter-guter Zeit‘ zu Hause.

Was hatte ich gelernt? An einer Bach-Kantate mit der Bezeichnung ‚ogni tempo‘ kann man sich gut ausrichten: man mag sich zwar verfahren und zur Kantate hinrasen, doch bekommt Platz noch in der ersten Reihe. Das Konzert dauert länger als eingeschätzt, aber in der Pause gibt’s zur Entschädigung Sekt und Gespräche. Unbezahlt fahr ich im ICE komfortabel, ohne in die Nacht zu kommen, bin ich zu Hause.

Darum heißt für mich ab  vergangenem Sonntag ‚Ogni tempo‘: keine Hetze,  klappt alles, erfülltes Wochenende.  Nomen est Omen

P.S. ‚Momente der Ewigkeit‘. Im Gespräch mit Claudia kam uns die Idee, anläßlich des Konzertes dieser Reihe in Hamm  am  27.6. 18 Uhr ein kleines blog-Treffen auf die Beine zu stellen. ‚Freue Dich, erlöste Schar‘ wäre dann unser Motto !!! (vgl. BWV 30).

Gruß Adamo

RUHR2010 Teil XIV: Installation „Schachtzeichen“


So langsam kommt die RUHR2010 -Veranstaltungs-Maschine richtig in Gang. Obwohl ich ja selber mehr der akustischen Kunst zugetan bin, gibt es manche Projekte, an denen man einfach nicht vorbei kommt, auch wenn sie etwas spleenig erscheinen.

Von Sa, 22.05.10 bis So, 30.05.10 ist die regionalweite Aktion „Schachtzeichen“ zu sehen. Es handelt sich um eine RUHR-weite riesige Installation, wo das verschwundene, alte Ruhrgebiet mit Hilfe von ca. 350 bis zu 80m hohen beleuchteten Ballons wieder sichtbar gemacht werden soll.  Das Bild zeigt hier den illumierten Landschaftspark Duisburg Nord.

Überall dort wo frühere Schachtanlagen oder Bergwerke standen, markieren die Schachtzeichen wie riesige Stecknadeln auf einer Landkarte die Landschaft. Aber nicht nur ehemalige Bergwerke, Fördertürme oder Relikte der alten Ruhrregion werden dadurch markiert, auch die neuen Orte, die für Veränderung stehen, wie Einkaufzentren, Parks oder Gewerbegebiete bekommen ein „Schachtzeichen“.

Während der „Schachtzeichen“ hat z.B. der Gasometer in OB bis 22.oo Uhr geöffnet. Er bietet eine hervorragende Aussicht auf die beleuchteten Schachtzeichen. Auch andere, frei begehbare Aussichtsplattformen wie alle Halden bieten sich für diese Installation an. Einige Orte, wie die Zeche Zollverein, bieten parallel dazu ein Rahmenprogramm an. www.triple-z.de

LINK: www.schachtzeichen.de

RUHR2010 Teil IV: Anfang und Ende aller Kohle


Nicht nur um das „Rheingold“ ranken sich Legenden, auch die Geschichte des „schwarzen Goldes“ beginnt mit einer Sage: Im Wittener Muttental, der Wiege des Bergbaus an der Ruhr, macht im Mittelalter ein Schweinehirt (Mutten=Säue) morgens die Entdeckung, dass sein Lagerfeuer noch glühende Kohlen enthielt.

Seit 1510 wird die Kohle hier im Tagebau abgebaut, oder besser abgeschürft. Der ausgeschilderte „Bergbaurundweg Muttental“ führt in die Geschichte des frühen Bergbaus ein und durch die wunderschöne Landschaft des Muttentals. Zu besichtigen ist u. a. das „Bethaus der Bergleute“ und eine abgebrochene Steilwand, die die Sedimente und ihre Aufschichtung des oberen Karbon sichtbar macht.

Impression vom Bergbaurundweg, man sieht deutlich das Flöz unter dem helleren Gestein.

Nach dem Tagebau erfolgte der Abbau zunächst durch waagerechte Stollen, dann von senkrechten Schächten aus. Die Zeche Nachtigall, die am Rundweg liegt, ist eine der ersten Zechen, in denen der Übergang zum Tiefbau erfolgte. 1892 stellte die Zeche die Kohleförderung ein.  Die Ausstellung „Zeche Eimerweise“ beschreibt das Leben auf Kleinzechen. Entstanden in der Not der Nachkriegsjahre, waren von 1945 bis 1976 über 1000 Klein- und Kleinstzechen in Betrieb. Der für Besucher geöffnete Nachtigall-Stollen zeigt „unter Tage“ typische Arbeitssituationen im Kleinbergbau.

  • Link: www.lwl-industriemuseum.de
  • Link:  www.ruhr-guide.de (Bergbauwanderweg)
  • Der Rest ist bekannt, kleine Kuhdörfer mutieren zu Großstädten, die Einwohnerzahlen explodieren, ohne sichtbare Ordnung reihen sich Fördertürme, Montankonstrukte und Transporttrassen aneinander, für die benötigten Facharbeiter entstehen Werkssiedlungen, die ehemals ländliche, lockere Bebauung wird buchstäblich zugepflastert. Überall im Ruhrraum schiessen die Zechen wie Pilze aus dem Boden, es qualmen die Schlote. Die Zeche, die zum Symbol für die Umnutzung wurde, von der Unesco 2001 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, ist zum Markenzeichen der Ruhr2010 geworden. Sie ist die Verkörperung der Geschichte des Aufstiegs und Niedergangs einer ganzen Region.

    1847 kauft der Duisburger Industrielle Franz Haniel (1779-1868) 13 zusammenhängende Grubenfelder, teufte den ersten Schacht ab und nannte die entstehende Zeche „Zollverein“ nach der 1834 in Kraft getretenen Freihandelszone aus 14 deutschen Staaten. Der Name war Programm, stand der Deutsche Zollverein doch synonym für wirtschaftlichen Aufschwung und Prosperität. Tatsächlich wuchs auch Zollverein kontinuierlich: wurden 1851 im ersten Jahr der Förderung mit 256 Bergleuten 13.000 t Kohle gefördert, hatte sich bis 1890 die Belegschaft verzehnfacht, und die Fördermenge war mit 1 Mio Tonnen auf das 75-fache nahezu explodiert.

    Um die Anlagen weiter modernisieren zu können, ging die Familie Haniel, in deren Alleinbesitz Zollverein bislang gewesen war, mit der Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb eine Interessengemeinschaft ein. 1926 schließlich wurde Zollverein in die neu gegründete „Vereinigte Stahlwerke AG“ integriert. Dadurch konnte finanziell der Plan einer Zentralschachtlange verwirklicht werden.

    Die Zusammenlegung von Förderung und Aufbereitung aller Zollverein-Kohle in einer Schachtanlage versprach eine Kapazitätssteigerung auf das Vierfache einer Durchschnitts-Zeche. Die noch jungen Architekten Martin Kremmer und Fritz Schupp entwarfen ab 1927 die neue Zentralschachtanlage XII nach dem Bauhaus-Prinzip „form follows function“: die optimalen Abläufe der Kohleförderung und –aufbereitung waren die Vorgaben für das Arrangement der Übertagebauten. Mit 12.000 t täglicher Kohleförderung war Zollverein die größte Zeche des Ruhrgebiets geworden. Im Vergleich zu den Anfängen wurde nun an einem Tag gefördert, wozu man 1851 ein ganzes Jahr gebraucht hatte.

    Blick von Zollverein auf Essen-Katernberg

    Zollverein war aber nicht nur die größte Zeche des Reviers, sie wurde auch als die „schönste Zeche der Welt“ bezeichnet (doch, Iris, doch!!!).

    Architektonisch im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten, dominieren strenge Symmetrie und Geometrie sowohl die einzelnen kubischen Gebäude wie auch ihre Anordnung auf dem Areal. So verlaufen die Gebäude an parallelen Linien und bilden zwei, sich rechtwinklig kreuzende Achsen. Inmitten der ersten Achse, der Produktionsachse, ragt der 55 Meter hohe Doppelbock, das Fördergerüst, hervor. Am Ende der zweiten Achse, der Versorgungsachse, stand der 106 Meter hohe Kamin des Kesselhauses, der 1979 abgerissen werden musste. Die Formensprache ist sachlich, reduziert, ästhetisch, einheitlich rote Backsteinfassaden im Stahlfachwerk bestimmen das Bild. Schacht XII wird als Gesamtheit begriffen, als Monument. Damit entspricht die Anlage durchaus dem Repräsentationsbedürfnis ihrer Eigentümerin, der Vereinigten Stahlwerke AG, die als Europas größter Montankonzern galt.

    Im gleichen Stil wurde 1957 bis 1961 die Kokerei gebaut und am 12. September 1961 in Betrieb genommen. Die räumliche und architektonische Nähe zu Schacht XII symbolisiert auch die funktionale Nähe.  Auch die Kokerei schaffte Produktionskapazitäten der Superlative. Nach ihrer Erweiterung in den 70er Jahren „buk“ sie täglich in 304 Öfen bei 1.250 Grad 10.000 t Kohle zu 8.600 t Koks. In Spitzenzeiten hatte die Kokerei 1.000 Mitarbeiter.

    Das Ende des Kohle- und Stahlzeitalters machte auch vor Zollverein nicht Halt. Die größte Zeche des Ruhrgebiets konnte trotz aller Rationalisierungsbemühungen dem Kostendruck ausländischer Kohleförderung nicht Stand halten. Am 23. Dezember 1986 fuhr die letzte Schicht nach 135 Jahren Bergbaubetrieb ein. Damit schloss die letzte der Essener Zechen ihre Tore. Am 30.Juni 1993 folgte die Kokerei. Eine Ära ging zu Ende. Heute ist Zollverein Eventlocation, Besuchermagnet und verfügt über ein kleines Gewerbegebiet, wo sich vorrangig Firmen aus der Dienstleitstungsbranche angesiedelt haben. Die Arbeitsplätze allerdings, die so geschaffen wurden, liegen weit unter den Spitzenzahlen der Zeche. Es bleiben so viele Fragen offen. Wo sind all die Arbeitnehmer hin? Wird seither Hartz IV weitervererbt? An einigen Bevölkerungschichten ist der Strukturwandel schlicht vorbei gegangen.  Und so endet mein Rundumschlag von den Anfängen bis zum unrühmlichen Ende. Was mich immer wieder aufs neue an dieser Zeche fasziniert, ist die erstarrte Zeit, die die unglaubliche Arbeit und das Ineinandergreifen der einzelnen Prozesse verdeutlichen, mit welchem Aufwand und Opfern unser Wohlstand und eine Industrievormachtstellung geschaffen wurden.

    Link: www.zollverein.de

    Das neue Ruhrlandmuseum und das Designmuseum „Red Dot“ befinden sich ebenfalls auf dem riesigen Areal der Zeche Zollverein.

    Gruß aus dem verschneiten Velbert-Langenberg

    Claudia