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RUHR2010 Teil XXIII: Mit dem Drahtesel von Duisburg nach Bottrop-Ein Bilderbuch


08. August 2010 / 9.20 Uhr: Startpunkt am Duisburger HBF. Diese Stadt hat sicherlich mehr als andere Städte unter dem Strukturwandel gelitten. Die ersten Stationen befinden sich in der Fußgängerzone: Der City Palais, ein Einkaufszentrum mit angegliederter Mehrzweckhalle. Danach zu der Niki St. Phalle Plastik „The Lifesaver“, der Name ist sicherlich Programm, die Plastik stammt aus dem Jahre 1991, zu einer Zeit, wo DU aufgrund der sterbenden Montanindustrie ganz am Boden lag. Es ist eine freundliche, lebensbejahende Plastik.

Niki St. Phalle-The Lifesaver

Am Ende der Fußgängerzone gehts zum neo gotischen Rathaus, vor demselbigen wurde dem berühmtesten Bürger in Form eines Brunnens gehuldigt, Gerhard Mercator (eigentl. Krämer). Sehr interessant ein Neo-Renaissance Bogen, der von Adam und Eva getragen wird („…da dachte die Frau, dass es köstlich wäre klug zu sein…“). Abgerundet wird das Ensemble von der Salvator Kirche. Da ihr ja das Rathaus aus den Medien zugenüge kennt, ein Bild der Salvatorkirche. http://www.ekadu.de/index.php?id=bezirk3

Salvatorkirche

Der umgestaltetete Binnenhafen, der einst für die gesamte Getreideversorgung des Ruhrgebietes verantwortlich war, ist völlig umgestaltet worden. Da gibt es noch die alten Speicher, die eine andere Nutzung erfahren (Museum Küppersmühle), eine Synagoge, die in bestehende Bautrümmer ehemaliger einer Spedition integriert wurden, eine Kneipenmeile und natürlich hypermoderne Bürogebäude.

Garten der Erinnerung / DU

Das Museum Küppersmühle beherbergt eine moderne Kunstsammlung in einem umgenutzten Gebäude. Da wir aus Zeitgründen das Museum nicht besuchen konnten, mußte es bei einigen Schwärmeien bezüglich der Präsentation und des Gebäudes bleiben. Sicherlich ein Ausflugsziel, was wir nochmals in Auge fassen werden.

Museum Küppersmühle

Von den mondänen Vierteln, wo auch teurer Wohnraum entstanden ist, gehts nach dem St. Pauli von DU: Ruhrort, Hier mündet die Ruhr in den Rhein. Die Bramme „Orange“ von R. Serra (ist ja jetzt kein Unbekannter mehr) markiert diesen Punkt.
Da der Wettergott (der ja Ruhri sein soll) Urlaub macht, gehts nun mit Regenzeug über die Rheinwiesen.

Ruhrmündung mit Installation "Orange" von Serra

Die Gegensätze könnten nicht krasser sein, links, lauschige Wiesen mit Wäldern, schön idyllisch, rechts, eine eigene Stadt, die Stahlproduktion, Kokerei und das Walzwerk von Thyssen Krupp. Vom Alsumer Berg (eine begrünte Halde entstanden aus Schutt des 2. Weltkriegs) hat man einen super Blick über diese Enklave der Montanindustrie. Das sieht schon gigantisch aus!

Alsumer Berg mit Blick auf Thyssen Krupp

Ausflug nach Bruckhausen: „Bor, schön iss datt nich…“. Haben wir im Zuge des Strukturwandels über Gentrifizierung gesprochen, kommt hier die Hammerkeule: Der ganze Stadtteil, in dem viele Schimanskifilme gedreht wurden, soll abgerissen werden und einem Freizeitpark (gibt´s da nicht schon genug von?) weichen. Viele Häuser stehen schon leer, solange hier noch zu wohnen ist, wird hier gewohnt und alles verwohnt. 80% Ausländeranteil, davon der größte Anteil Türken. Im Hintergrund die monotonen Geräusche vom Stahlwerk. Irgendwie ist es hier 2° wärmer als in Restdeutschland.
Bruckhausen

Bruckhausen

Nachdem wir diesen morbiden Stadtteil verlassen haben geht es durch landschaftlich neu gestaltete grüne Wege geradewegs zum Landschaftspark DU Nord, einem stillgelegten Hochofen, der nachts eine echte Show ist.

http://www.landschaftspark.de

Hochofen Landschaftspark

Hochofen Landschaftspark

Wir verlassen Duisburg, begeben uns auf den Emscherradweg und peilen das nächste Ziel, Oberhausen, an.
Das klassizistische Schloss beherbergt die Galerie Ludwig, die meist zeitgenössische Kunstausstellungen zeigt.

Schloss Oberhausen

Das Schloss Oberhausen geht wahrscheinlich auf den Rittersitz Overhus (auch Overhuysen, Averhus) aus dem späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1443 fiel die Wasserburg an die in klevischem Lehensverbund stehende Familie von der Hoven. 1615 gelangte das Overhus dann in den Besitz Conrads von Boenen. Wegen ihrer Lage an dem wichtigen Emscherübergang wurde die Burg häufig geplündert.

Siedlung Eisenheim

Die Siedlung Eisenheim ist eine der ältesten Siedlungen für Arbeiter im Ruhrgebiet überhaupt gewesen (1846 erster Ausbau, 1865 zweiter Ausbau), hier für die Arbeiter der Gutehoffnungshütte. Was heute pitoresk wirkt, war damals sehr beengend, um 1900 lebten 1200 Menschen in 51 Wohnhäusern (Wohnung 65 qm). An verschiedenen Häusern kann man noch Zeitzeugenberichte über die Wohnverhältnisse lesen. Nach langem Kampf einer Studentengruppe unter Roland Günter, der als Vorwand soziologische Studien führen wollte, konnte ein Großteil der Häuser vor dem Abriß bewahrt werden und steht seit 1972 unter Denkmalschutz.

Gasometer Oberhausen

Der Gasometer Oberhausen ist so wie Zeche Zollverein einer der großen Leuchttürme der Ruhr2010, man hat ihn und seine tolle Atmosphäre für Ausstellungen, Konzerte uvm. nutzbar gemacht.
Am Centro, dieser artifiziellen Erlebnislandschaft, wird der Strukturwandel deutlich, oder auch nicht. Die Stadt Oberhausen hat sich durch dieses Projekt stark verschuldet um wenigstens einige Arbeitsplätze, der früheren Gutehoffnungshütte aufzufangen. Was ist bei den Nachbarstädten passiert? Die Innenstadt von Mülheim ist verödet, andere Städte haben die Centeridee ebenfalls aufgegriffen. Es hat also nur eine Umverteilung der Kaufkraft stattgefunden. Und was hat sich beim Kunden geändert? Einkaufen soll ganzheitliches Erlebnis werden, weg von der Bedürfnisbeschaffung. Traurig, traurig. Das sind jedenfalls keine Erlebnisse für mich.

Gasometer vom Emscherradweg

Wir verabschieden uns von dieser unwirklichen Stätte und kosten auf Gut Ripshorst mitten im Grünen am Emscherradweg frische Luft und Ruhe bei Kaffee und Kuchen. Dieser Hof hat bereits während der Industialisierung weiterbestanden. Erste Erwähnung findet das Lehngut Haus Ripshorst Anfang des 14. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit lag der Rittersitz auf dem Gebiet der (damals nicht zu Essen gehörenden) Gemeinde Borbeck im Ortsteil Dellwig.

Burg Vondern

Auf dem Weg nach Bottrop passieren wir die Burg Vondern. Sie war ein Lehen der Grafen und Herzöge von Kleve und wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Heute im Besitz der Stadt Oberhausen, kümmert sich seit 1982 der Förderverein Burg Vondern um die Erhaltung der historischen Gebäude.

Tetraeder in Bottrop

Letzte Station ist in Bottrop eine Landmarke, der Tetraeder.Der Aussichtsturm wurde der IBA Emscher Park vom Architekten Wolfgang Christ aus Darmstadt entworfen und ist dem Bauplan eines Kohlenstoffatoms nachempfunden. Die Halde Emscherblick wurde am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober 1994, eröffnet. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, sollte von einer Besteigung Abstand nehmen, er schwankt wie auf einem Schiff!
In Bottrop endet gegen 18.15 Uhr die Tour und es geht mit der S9 wieder nach Langenberg. Nach der Zugfahrt merke ich dann doch die ca. 50 km…
Für weitere Infos und Touren: http://www.naturfreunde-wuppertal.de

RUHR2010 Teil XIV: Installation „Schachtzeichen“


So langsam kommt die RUHR2010 -Veranstaltungs-Maschine richtig in Gang. Obwohl ich ja selber mehr der akustischen Kunst zugetan bin, gibt es manche Projekte, an denen man einfach nicht vorbei kommt, auch wenn sie etwas spleenig erscheinen.

Von Sa, 22.05.10 bis So, 30.05.10 ist die regionalweite Aktion „Schachtzeichen“ zu sehen. Es handelt sich um eine RUHR-weite riesige Installation, wo das verschwundene, alte Ruhrgebiet mit Hilfe von ca. 350 bis zu 80m hohen beleuchteten Ballons wieder sichtbar gemacht werden soll.  Das Bild zeigt hier den illumierten Landschaftspark Duisburg Nord.

Überall dort wo frühere Schachtanlagen oder Bergwerke standen, markieren die Schachtzeichen wie riesige Stecknadeln auf einer Landkarte die Landschaft. Aber nicht nur ehemalige Bergwerke, Fördertürme oder Relikte der alten Ruhrregion werden dadurch markiert, auch die neuen Orte, die für Veränderung stehen, wie Einkaufzentren, Parks oder Gewerbegebiete bekommen ein „Schachtzeichen“.

Während der „Schachtzeichen“ hat z.B. der Gasometer in OB bis 22.oo Uhr geöffnet. Er bietet eine hervorragende Aussicht auf die beleuchteten Schachtzeichen. Auch andere, frei begehbare Aussichtsplattformen wie alle Halden bieten sich für diese Installation an. Einige Orte, wie die Zeche Zollverein, bieten parallel dazu ein Rahmenprogramm an. www.triple-z.de

LINK: www.schachtzeichen.de

RUHR2010 Teil XIII: Die Ruhrtriennale und das Klavierfestival Ruhr


Damit auch über den Sommer keine Langeweile oder Kulturdurst aufkommt, gibt es im Ruhrgebiet zwei renommierte große Festivals, die ihre vielfältigen Spielorte (vom Industriedenkmal bis zum Renaissance-Schloß) über die ganze Ruhrregion ausdehnen und mit Künstlern von Weltrang aufwarten.

Die Ruhr - rechts hinter den Bäumen verläuft die B227

Das Klavier-Festival Ruhr – das “weltweit bedeutendste Klavierfestival“ (FonoForum) – präsentiert dieses Jahr vom 08. Mai bis 23. Juli in 70-80 Konzerten herausragende Künstler aus zahlreichen Nationen in einzigartiger Konzentration. Die großen Meister ihres Fachs (darunter Pierre-Laurent Aimard, Martha Argerich, Emanuel Ax, Daniel Barenboim, Tzimon Barto, Elena Bashkirova, Alfred Brendel, Michel Camilo, Chick Corea, Leon Fleisher, Nelson Freire, Irwin Gage, Hélène Grimaud, Herbie Hancock, Abdullah Ibrahim, Keith Jarrett, Katia & Marielle Labèque, Lang Lang, Elisabeth Leonskaja, Robert Levin, Radu Lupu, Gabriela Montero, Ivo Pogorelich, Maurizio Pollini, André Previn, András Schiff, Grigory Sokolov, Jean-Yves Thibaudet, Arcadi Volodos und Krystian Zimerman) folgen regelmäßig der Einladung des Festival-Intendanten Franz Xaver Ohnesorg, um facettenreiche Konzerte zu gestalten. Aber auch viel versprechende Nachwuchspianisten, Wettbewerbssieger und Debütanten, deren Förderung dem Festival ein besonderes Anliegen ist, werden Jahr für Jahr eingeladen.

Klassik und Jazz, Recitals, Kammer- und Orchesterkonzerte, Meisterkurse und Liederabende spiegeln das außerordentlich facettenreiche Konzertangebot des Klavier-Festivals Ruhr, das durch den Initiativkreis Ruhr, eine Vereinigung von rund 60 Unternehmen aus der Metropole Ruhr und den Eintrittsgeldern, getragen wird. Das Festival vergibt in jedem Jahr Kompositionsaufträge, über 60 neue Werke wurden so in den letzten Jahren uraufgeführt.

Schwerpunkte bilden auch die Förderung des Klaviernachwuchses, die „Little Piano School“ für Kinder von 2 bis 6 Jahren, die „Encounters“ (hier vermitteln große Künstler ihre außerordentlichen Fähigkeiten und ihr enormes Wissen an „normale“ Klavierschüler) und die „Discovery Projects“, die die kreativen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichstem sozialen Hintergrund nachhaltig fördert.

LINK: http://www.klavierfestival.de

Die Ruhrtriennale, ominöser Name, aber was verbirgt sich dahinter?

1999: Die Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA) unter der Leitung von Prof. Karl Ganser endet nach zehnjähriger Entwicklungsarbeit und stellt die Frage nach den Perspektiven der von ihr für die Kultur entdeckten Industriedenkmäler. Gleichzeitig arbeitet die Nordrhein-Westfälische Landesregierung an Plänen, die der nachhaltigen internationalen Profilierung NRWs dienen. Die Diskussion umfasst den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Strukturwandel. Eine wesentliche Anregung der IBA, ein dezentrales Kunstfest für das Ruhrgebiet zu schaffen, eröffnet die historische Chance: Die faszinierenden, vor dem Verfall geretteten und ins ästhetische Bewusstsein gerückten Hallen, stillgelegten Zechen und Kraftwerke erweisen sich als prädestiniert für neue Formen künstlerischer Auseinandersetzung.

Einer der interessanten Aufführungsort, die Jahrhunderhalle in BO

Gründungsintendant Gerard Mortier stellt die Kreationen ins Zentrum – Produktionen, die spartenübergreifend den Dialog mit ihren Aufführungsorten suchen: Schauspiel, Oper und Tanz verbinden sich mit innovativen Entwicklungen der bildenden Kunst, der Pop- und Konzertmusik, sowie einem hochkarätigen Literaturprogramm.  Das Festival 2010 steht in dieser Saison unter dem Motto Aus der Fremde. Unter der Intendanz von Willy Decker erforscht die Ruhrtriennale das Spannungsfeld zwischen Kunst und Kreativität und dem Urmoment des Religiösen. 2009 richtete sich ihr Blick auf den jüdischen Kulturkreis, 2010 auf die islamische und schließlich 2011 auf die buddhistische Kultur. Die Ruhrtriennale findet dieses Jahr vom 15. August bis zum 10. Oktober 2010 statt.     

2 Highlights habe ich euch mal rausgesucht, natürlich musikalischer Art:

17/18/19. September 2010, Jahrhunderthalle Bochum 20.00 Uhr: Passio-Compassio, Eine musikalische Suche auf den Spuren von J.S. Bach zu der Sufi Musik. Es wird Bach auf orientalischen Instrumenten gespielt.

08/09. Oktober 2010, Gebläsehalle Landschaftspark Duisburg 20.00 Uhr: Amo-Ich bin ein Liebender;  Countertenor Philippe Jaroussky inszeniert eine barocke Jazz-Jam Session, ebenso treffen eine Barock-, eine Jazz- und eine Peru-Harfenistin aufeinander.       

LINK: www.ruhrtriennale.de