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RUHR2010 Teil XXXII: Good bye!


Am 18.12.2010 war dann offiziell SCHLUSS.

Aufgrund des Wetters haben wir uns für die kürzere Anfahrt auf Zollverein entschieden. Die frostigen Temperaturen und der terminüberfrachtete Dezember liessen die Besucherströme denn auch eher mäßig ausfallen.

Highlight des Abends war eine 360° Video-Projektion des türkischen Künstlerduos Griduo, die den Sanaa Kubus in Bewegung gesetzt haben.

Griduo Video Performance

Hier ein Link, wo man beim WDR einen Fotodurchmarsch durch die Ereignisse machen kann: Link: http://www.wdr.de/themen/panorama/extra/jahresrueckblick_2010/chronik/content_bf.php?month=12&topic=8&year=10

Es hat viel zu Entdecken gegeben, jede Menge Neues, Schönes, Erstaunenswertes. Obwohl ich wirklich viel gesehen habe und an vielem teilgenommen habe, ist trotzdem auch jede Menge an mir vorbeigegangen. Einiges können wir uns für 2011 vornehmen, vieles ist unwiderbringlich vorbei. Vielleicht haben Euch ja einige Orte inspiriert, sie bei einer Reise ins Ruhrgebiet mit einzubeziehen.

Die letzte Ausgabe von Ruhr2010 TV mit Impressionen der Abschlussveranstaltung:Link:  http://essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/ruhr2010-tv.html

Ich wünsche Euch ein gesundes Jahr 2011 mit winterlichen Impressionen aus der „Elfringhauser Schweiz“ bei Hattingen.

RUHR2010 Teil XXX: Volkers Klassikseiten im Ruhrpott!


Auf diesen Tag hatte ich mich schon so lange gefreut: Rita und Volker, Ulrike und Werner, Iris und Karl-Heinz, Italo-Wolle und ich haben vorgestern, 21.11.2010 bei bestem Wetter das Ruhrgebiet unsicher gemacht!

Edouard Manet "Die Eisenbahn"

Getroffen haben wir uns am Museum Folkwang, wo seit Oktober 2010 die Ausstellung „die Impressionisten in Paris“ stattfindet. Mit einer öffentlichen Führung haben wir uns in die große Expansionsperiode der französischen Metropole Ende des 19. Jahrhunderts begeben. Von Van Gogh, Gauguin, Renoir, Manet, Caillebotte und Monet sind alle vertreten. Die Ausstellung war thematisch in sich sehr geschlossen und wurde neben den Malereien mit Fotographien aus der Zeit von Napoléon III. und seinem Architekten Haussmann abgerundet. Die Ausstellung ist noch bis zum 30.01.2011 in Essen zu sehen. www.museum-folkwang.de

St. Ludgerus Essen-Werden (Foto: WernerK)

Weiter gehts nach Essen Werden, zur Basilika St. Ludgerus. 799 von Luitger als Benediktinerabtei gegründet war sie ein Christianisierungsstützpunkt unter Karl dem Großen. Nach der Zerstörung der Kirche durch einen Brand wurde der neue Bau 1275 im Übergangsstil von der Romanik zur Gotik geweiht. Architektonischer Höhepunkt ist der achteckige Vierungsturm dessen Kuppelgewölbe zu den Höhepunkten der rheinischen Baukunst gehört. In der Confessio, der Ringkrypta und ältestem Teil der Kirche befindet sich das Ludgerusgrab. Der bronzene Sarkopharg stammt aus dem Jahre 1984. www.st.ludgerus-werden.de

Hochofen Henrichshütte (Foto: VolkerH)

Mittagessen auf der Henrichshütte in Hattingen in der Gastronomie „Henrich´s“, ein modern eingerichtetes Restaurant in der architektonischen Synthese mit der Industriekultur. Der Kampf der Henrichshütte endete 1987, als der Hochofen gegen großen Widerstand ausblasen wurde. 150 Jahre spuckte er das flüssige Eisen aus und in Hochzeiten arbeiteten bis zu 10.000 Menschen auf der Henrichshütte. Unter teilweise schwierigen Bedingungen verdienten die Menschen dort ihren Lebensunterhalt. Die archaische, riesige Brache der Schwerindustrie macht erlebbar, „wodurch unser Wohlstand erschaffen wurde“ (Kalla). http://www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/hattingen/ort/

spätnachmittägliche Impressionen auf der Henrichshütte (Foto: WernerK)

Unser letzter Programmpunkt und gleichzeitiger Höhepunkt ist die Dorfkirche Stiepel in BO. 900 erstmals urkundlich im Güterverzeichnis des Klosters Werden als Villa Stipula erwähnt, wird 1008 mit Zustimmung des Kölner Erzbischofs Heribert die Erlaubnis für den Bau einer Hofkirche erteilt. Mit ihren fast 800 Jahren alten Malereien aus der Frühzeit der Kirche ist sie ein Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung (ich berichtete bereits auf Volkers Klassikseiten). Um 18.00 Uhr findet heute dort die Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 140 im Rahmen der „Momente der Ewigkeit“ (Ruhrpott-Kantate) statt. Vorher konnte noch Kaffee und Kuchen auf dem Adventsbasar eingenommen werden. www.evkirchebochum.de/stiepel

Dorfkirche Bo-Stiepel (Foto: VolkerH)

Sopran: Ulrike Hellermann, Alt: Katharina Wagner, Tenor: Stefan Kuhlich, Bass: Peter Lutz

Barockorchester Caterva musica, Leitung und Orgel: Kantor Michael Goede, Liturgie und Ansprache: Pfarrer Jürgen Stasing

„Wachet auf ruft uns die Stimme“ wurde am 25.11.1731 in Leipzig uraufgeführt. Zugrunde liegt Philipp Nicolais Gedicht, mit der populären Melodie gregorianischen Ursprungs. Sie handelt von dem Gleichnis der 10 Jungfrauen, die sich auf die Ankunft des Bräutigams vorbereiten. In ihrer ganzen Stimmung lassen Bach, Nicolai und ein anonymer Textdichter nun die grimmigen Texte und Sündenvorwürfe der Trinitatiszeit hinter sich und orientieren sich in ihrem festlichen Charakter eindeutig in Richtung der Adventszeit.

Nervosität kommt auf, wo ist der Chor? Herr Goede hat sich tatsächlich für eine solistische Besetzung entschieden, was zum intimen Rahmen des Konzerts aber gut passt. Akustisch ist dies jedoch nicht so glücklich gewählt gewesen: Sopran und Alt haben partiell sehr tiefe Partien, so dass sie nur wahrgenommen werden, wenn es in die höheren Bereiche geht. Tenor und Bass haben es etwas leichter, sie haben auch die interessanteren Parts, verkörpern sie doch die ungeduldigen Seelen, die auf den Bräutigam warten. Höhepunkt der Aufführung ist das etwas erotisch angehauchte Duett zwischen Bass und Sopran „Mein Freund ist mein-und ich bin Dein“, unterstrichen von den vielsagenden Blicken der Ausführenden.

Wenn auch Geige und Bratsche nicht richtig stimmten, die Oboe manchmal nicht flüssig durchlief und die solistische Besetzung nicht durchweg meine Zustimmung fand, war es dennoch eine stimmungsvolle, auf den Advent einstimmende Kantate, die durch die phantastische Atmosphäre eine würdige Abrundung fand. Wie Kalla meinte: „In so einer Kirche brauchst Du nicht zu predigen“

Schlussapplaus

Es war ein wunderschöner, erlebnisreicher Tag mit Euch! Danke auch für die super-Fotos! Gruß, Claudia

RUHR2010 Teil XXVI: Kulturlinie 107


Kulturlinie 107 Foto: Evag Essen

http://www.kulturlinie107.de/

Am 28.08.10 haben wir eine Tour mit der EVAG (Essener Verkehrsbetriebe) gebucht. 2 ehemalige Busfahrer führen uns zu ausgewählten Stationen in Essen, die entlang der Kulturlinie 107 liegen. Start ist am Rüttenscheider Stern im Chi-Chi-Viertel Rüttenscheid. Dort regnet es dann auch zum letzten Mal.

Grillo Theater

Von dort fahren wir in die Innenstadt, wo wir im Bankenviertel viel neues zu teilweise denkmalgeschützten Häusern aus den 20er Jahren erfahren. Auf der Kettwiger Straße, die Einkaufsmeile von Essen sind dann gleich mehrere Highlights: Das Grillo Theather, die Lichtburg und das Domensemble. http://www.theater-essen.de/asp/gesamt.asp

Lichtburg / Kino

Die legendäre Lichtburg – im Herzen der Stadt Essen gelegen – war und ist mit 1250 Sitzplätzen Deutschlands größter Filmpalast. Bereits zur Eröffnung 1928 galt das Kino als das modernste Filmtheater in Deutschland. 1943 brannte der viel gerühmte Zuschauerraum völlig aus. Der Wiederaufbau im Stil der 50er Jahre machte die Lichtburg zu einem der elegantesten Filmtheater des Landes.

Die Lichtburg ist mehr als ein Filmpalast: Über Jahrzehnte fanden hunderte Premieren, Filmgalas, nationale und weltweite Uraufführungen statt. Nationale und internationale Stars gaben sich die Klinke in die Hand und begeisterten die Massen, unter ihnen u.a. Gary Cooper, Romy Schneider, Pierce Brosnan, Wim Wenders, Götz George oder Tom Tykwer.

Die denkmalgeschützte Lichtburg wurde von März 2002 bis März 2003 bis ins Detail restauriert und renoviert, und mit neuester Kino- und Bühnentechnik ausgestattet. www.lichtburg-essen.de

Ensemble Dom+Bischofsgebäude

Interessant finde ich diese Synthese mit dem Hochhaus und dem mitteralterlichen Bild, rechts über dem Bischofspalast erhebt sich die Kuppel der alten Synagoge, die größte Europas.

Kreuzgang im Dom

Immer wieder schön, die Ruhe und Beschaulichkeit mitten in der hektischen Einkaufswelt. Im Essener Dom findet ein reiches und anspruchsvolles Musikleben statt, daher mal ein Link dazu, es gibt das Programm fürs 2. Halbjahr. http://www.dommusik-essen.de/index.php?id=95

Marktkirche Essen

Die  Marktkirche ist das älteste protestantische Gotteshaus in der Essener Innenstadt. Sie ist heute die Gottesdienststätte des Kirchenkreises. Außerdem hat die zentrale Wiedereintrittsstelle der Evangelischen Kirche in Essen hier ihren Sitz. Regelmäßig finden in der Marktkirche Konzerte, Vorträge und Ausstellungen statt. http://www.ekir.de/essen-marktkirche/

Highlight Konvent der Karmeliterinnen in Stoppenberg

Erste urkundliche Erwähnung fand der Ortsteil Stoppenberg mit dem Bau der Stiftskirche Maria in der Not auf dem Stoppenberg genannten Hügel durch die Essener Fürstäbtissin Schwanhild im Jahre 1073. Sie wurde als Nikolauskapelle 1074 von Erzbischof Anno II. geweiht. Die ältesten Spuren einer Besiedelung von Stoppenberg wurden am Anfang des 21. Jahrhunderts an der Twentmannstraße gefunden und stammen aus dem 11. Jahrhundert, eben aus jener Zeit, in der die Fürstäbtissin Schwanhild die Stiftskirche bauen ließ. www.kultur-im-bistum-essen-2010.de

Seit 1965 ist das Stift wieder von Karmeliterinnen bewohnt, leider ist die Kirche nicht mehr jederzeit zugänglich, da Vandalen vor kurzem die Opferstöcke heraus gerissen haben.

Inneres der Klosterkirche Stoppenberg Maria in der Not

Die St. Nikolauskirche ist dem Karmel vorgelagert und liegt direkt an der 107, sie ist eine Jugendstilkirche, die 1907 geweiht wurde. Man hatte Carl Moritz damit beauftragt, der sonst für seine Theaterarchitektur bekannt war und so kam es dann auch, dass Kardinal Fischer, Erzbischhof von Köln sich zuerst weigerte die Kirche zu weihen, da es eine Oper wäre. Es befinden sich des weiteren ein sehenswerter Kreuzweg, eine neoromanische Apsis und ein schöner Hochaltar in der Kirche. www.st-nikolaus-essen.kirche-vor-ort.de

St. Nikolauskirche

Ganze 2 Stationen weiter erreichen wir Zollverein, das Ziel der Tour. Ein Rundgang über das Gelände schliesst sich an, wir erreichen als letzten Punkt das neue Sanaa Gebäude. Einen Würfel monumentaler Größe, doch völlig unerwarteter Raumatmosphären und Immaterialisierung hat das japanische Architektenpaar SANAA in Essen verwirklicht. Kaum vorstellbar dünn wie Papier erscheinen seine Wände aus Beton, rätselhaft und geheimnisvoll das Innenleben eines Hauses, dessen 134 transparente Perforationen unterschiedlicher Größe keiner erkennbaren Logik folgen.
Wenn man den Würfel betritt, betritt man nüchterne Betonkühle. Zuerst sollte dort eine Zweigstelle der Folkwang-Uni einziehen, wegen der bescheidenen Akustik ist dies nicht erfolgt. Auch Firmenevents stellen eine Schwierigkeit dar. Es mangelt an haustechnischer Infrastruktur, die Steckdosen sind nur mit 16 Amper gesichert. Genial ist allerdings die Beheizung. Das Wasser, dass vom Zollverein-Gelände abgepumpt wird, beheizt das Gebäude. Besichtigt werden kann der Kubus im Rahmen der Ausstellung „Ruhrblicke“. http://www.zollverein.de/agenda.php?f_filter=AUST&f_month=9

SANAA Gebäude auf Zollverein

Wir bedanken uns bei Hr. Adam Gacki und Hr. Martin Floß für den aufschlussreichen und wirklich witzigen Tag.

RUHR2010 Teil XXIV: Ruhrsplitter


Tja, Volker, unser König der Information weilt ja nun im Freistaat Bayern, damit es Euch nicht langweilig wird, hier mal ein paar Ruhr2010-Schnipsel, die mir keinen kompletten Artikel wert waren.

HALDE RHEINELBE-GELSENKIRCHEN UEKER

Die Zeche Rheinelbe, gegründet 1861, wurde bereits 1928 stillgelegt, aber die Halden auf dem Zechengelände blieben weiter in Betrieb, d.h. sie wurden weiter aufgeschüttet, dann auch wieder abgetragen, wenn sich die Berge als Baustoff verwenden ließen. 1999 erfolgte die letzte Aufschüttung – die mächtige Halde südlich der ehemaligen Kray-Wanner-Bahnlinie, heute ein Teil des Emscher Park Radweges, war fertiggestellt.

Auch die Halde Rheinelbe verbindet heute Industriegeschichte, Natur und Kunst. Der Künstler Herman Prigann hat auf der Spitze der Halde aus mächtigen Betonblöcken eine Himmelsleiter errichtet, die das Gelände weit überragt und schon vom Parkplatz an der Virchowstraße aus sichtbar ist. Rund um die Forststation stehen weitere Skulpturen von ihm, sie wirken auf den ersten Blick oft wie liegengebliebene Reste abgerissener Industrieanlagen und erschließen sich erst bei näherem Hinschauen als Kunstwerke mit industriegeschichtlichem Bezug.

Der Weg ist kreisförmig angelegt und bietet einen abwechslungsreichen Weg durch dichte Wälder, Vulkanähnliche, unwirkliche Landschaften und bietet (bei gutem Wetter, also heute nicht) einen spektakulären Ausblick auf´s Ruhrgebiet.

ZECHE ZOLLERN II in Dortmund

Das Areal vom Fördergerüst aus

Prunkvolle Backsteinfassaden und opulente Giebel mit Zinnenkranz und Ecktürmchen rund um den grünen Ehrenhof erinnern auf den ersten Blick eher an eine Adelsresidenz als an eine Schachtanlage, auf der Kohle gefördert wurde. Genau dies war Teil der Bauidee. Heute ist das „Schloss der Arbeit“ im Westen Dortmunds zweifellos eines der schönsten und außergewöhnlichsten Zeugnisse der industriellen Vergangenheit in Deutschland.

Dieses Motiv zierte einmal eine Briefmarke, der Jugenstileingang wird restauriert

Kaum mehr vorstellbar ist heute, dass das Ensemble nach der Stillegung in den 1960er Jahren zugunsten einer Schnellstraße abgerissen werden sollte. Wichtigstes Objekt im Kampf um den Erhalt war die Maschinenhalle mit dem eindrucksvollen Jugendstilportal – heute eine Ikone der Industriekultur. Der Erhalt des Vorzeige-Baus aus Stahl und Glas 1969 rettete nicht nur die gesamte Anlage, sondern markiert gleichzeitig auch den Beginn der Industriedenkmalpflege in Deutschland.

Link: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/zollern/ort/

HAUS RUHRNATUR AM WASSERBAHNHOF / MÜLHEIM A.D.RUHR

Am Wasserbahnhof in Mülheim a.d. Ruhr

Es ist das Anliegen des Hauses den Blick für dieses außergewöhnliche Flußtal und seine reiche Fauna und Flora zu schärfen, sowie die Zusammenhänge im Ökosystem zu verdeutlichen. Dies geschieht teilweise sehr anschaulich, daher ist die Ausstellung auch besonders für Kinder geeignet, man kann mikroskopieren, in Modellen durch Wind und Wasser bei Umbauten verschiedene Energiemodelle gewinnen, das beliebteste Konstrukt ist allerdings die künstliche Flutungsanlage. Darüber hinaus werden ebenso Visionen angesprochen, die zeigen, dass die Natur ein unvergleichlicher Lehrer ist, die zukunftsweisende Problemlöser anbietet. Wer möchte kann sich von jeder Ausstellungsstation eine Karte mitnehmen zur Nachlese zuhause.

Haus Ruhrnatur / Mülheim

Das kleine Museum liegt direkt am Wasserbahnhof in ist in einem schönen, denkmalgeschützten Bruchsteinhaus beheimatet.

Link: www.haus-ruhrnatur.de

RUHR2010 Teil XXIII: Mit dem Drahtesel von Duisburg nach Bottrop-Ein Bilderbuch


08. August 2010 / 9.20 Uhr: Startpunkt am Duisburger HBF. Diese Stadt hat sicherlich mehr als andere Städte unter dem Strukturwandel gelitten. Die ersten Stationen befinden sich in der Fußgängerzone: Der City Palais, ein Einkaufszentrum mit angegliederter Mehrzweckhalle. Danach zu der Niki St. Phalle Plastik „The Lifesaver“, der Name ist sicherlich Programm, die Plastik stammt aus dem Jahre 1991, zu einer Zeit, wo DU aufgrund der sterbenden Montanindustrie ganz am Boden lag. Es ist eine freundliche, lebensbejahende Plastik.

Niki St. Phalle-The Lifesaver

Am Ende der Fußgängerzone gehts zum neo gotischen Rathaus, vor demselbigen wurde dem berühmtesten Bürger in Form eines Brunnens gehuldigt, Gerhard Mercator (eigentl. Krämer). Sehr interessant ein Neo-Renaissance Bogen, der von Adam und Eva getragen wird („…da dachte die Frau, dass es köstlich wäre klug zu sein…“). Abgerundet wird das Ensemble von der Salvator Kirche. Da ihr ja das Rathaus aus den Medien zugenüge kennt, ein Bild der Salvatorkirche. http://www.ekadu.de/index.php?id=bezirk3

Salvatorkirche

Der umgestaltetete Binnenhafen, der einst für die gesamte Getreideversorgung des Ruhrgebietes verantwortlich war, ist völlig umgestaltet worden. Da gibt es noch die alten Speicher, die eine andere Nutzung erfahren (Museum Küppersmühle), eine Synagoge, die in bestehende Bautrümmer ehemaliger einer Spedition integriert wurden, eine Kneipenmeile und natürlich hypermoderne Bürogebäude.

Garten der Erinnerung / DU

Das Museum Küppersmühle beherbergt eine moderne Kunstsammlung in einem umgenutzten Gebäude. Da wir aus Zeitgründen das Museum nicht besuchen konnten, mußte es bei einigen Schwärmeien bezüglich der Präsentation und des Gebäudes bleiben. Sicherlich ein Ausflugsziel, was wir nochmals in Auge fassen werden.

Museum Küppersmühle

Von den mondänen Vierteln, wo auch teurer Wohnraum entstanden ist, gehts nach dem St. Pauli von DU: Ruhrort, Hier mündet die Ruhr in den Rhein. Die Bramme „Orange“ von R. Serra (ist ja jetzt kein Unbekannter mehr) markiert diesen Punkt.
Da der Wettergott (der ja Ruhri sein soll) Urlaub macht, gehts nun mit Regenzeug über die Rheinwiesen.

Ruhrmündung mit Installation "Orange" von Serra

Die Gegensätze könnten nicht krasser sein, links, lauschige Wiesen mit Wäldern, schön idyllisch, rechts, eine eigene Stadt, die Stahlproduktion, Kokerei und das Walzwerk von Thyssen Krupp. Vom Alsumer Berg (eine begrünte Halde entstanden aus Schutt des 2. Weltkriegs) hat man einen super Blick über diese Enklave der Montanindustrie. Das sieht schon gigantisch aus!

Alsumer Berg mit Blick auf Thyssen Krupp

Ausflug nach Bruckhausen: „Bor, schön iss datt nich…“. Haben wir im Zuge des Strukturwandels über Gentrifizierung gesprochen, kommt hier die Hammerkeule: Der ganze Stadtteil, in dem viele Schimanskifilme gedreht wurden, soll abgerissen werden und einem Freizeitpark (gibt´s da nicht schon genug von?) weichen. Viele Häuser stehen schon leer, solange hier noch zu wohnen ist, wird hier gewohnt und alles verwohnt. 80% Ausländeranteil, davon der größte Anteil Türken. Im Hintergrund die monotonen Geräusche vom Stahlwerk. Irgendwie ist es hier 2° wärmer als in Restdeutschland.
Bruckhausen

Bruckhausen

Nachdem wir diesen morbiden Stadtteil verlassen haben geht es durch landschaftlich neu gestaltete grüne Wege geradewegs zum Landschaftspark DU Nord, einem stillgelegten Hochofen, der nachts eine echte Show ist.

http://www.landschaftspark.de

Hochofen Landschaftspark

Hochofen Landschaftspark

Wir verlassen Duisburg, begeben uns auf den Emscherradweg und peilen das nächste Ziel, Oberhausen, an.
Das klassizistische Schloss beherbergt die Galerie Ludwig, die meist zeitgenössische Kunstausstellungen zeigt.

Schloss Oberhausen

Das Schloss Oberhausen geht wahrscheinlich auf den Rittersitz Overhus (auch Overhuysen, Averhus) aus dem späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1443 fiel die Wasserburg an die in klevischem Lehensverbund stehende Familie von der Hoven. 1615 gelangte das Overhus dann in den Besitz Conrads von Boenen. Wegen ihrer Lage an dem wichtigen Emscherübergang wurde die Burg häufig geplündert.

Siedlung Eisenheim

Die Siedlung Eisenheim ist eine der ältesten Siedlungen für Arbeiter im Ruhrgebiet überhaupt gewesen (1846 erster Ausbau, 1865 zweiter Ausbau), hier für die Arbeiter der Gutehoffnungshütte. Was heute pitoresk wirkt, war damals sehr beengend, um 1900 lebten 1200 Menschen in 51 Wohnhäusern (Wohnung 65 qm). An verschiedenen Häusern kann man noch Zeitzeugenberichte über die Wohnverhältnisse lesen. Nach langem Kampf einer Studentengruppe unter Roland Günter, der als Vorwand soziologische Studien führen wollte, konnte ein Großteil der Häuser vor dem Abriß bewahrt werden und steht seit 1972 unter Denkmalschutz.

Gasometer Oberhausen

Der Gasometer Oberhausen ist so wie Zeche Zollverein einer der großen Leuchttürme der Ruhr2010, man hat ihn und seine tolle Atmosphäre für Ausstellungen, Konzerte uvm. nutzbar gemacht.
Am Centro, dieser artifiziellen Erlebnislandschaft, wird der Strukturwandel deutlich, oder auch nicht. Die Stadt Oberhausen hat sich durch dieses Projekt stark verschuldet um wenigstens einige Arbeitsplätze, der früheren Gutehoffnungshütte aufzufangen. Was ist bei den Nachbarstädten passiert? Die Innenstadt von Mülheim ist verödet, andere Städte haben die Centeridee ebenfalls aufgegriffen. Es hat also nur eine Umverteilung der Kaufkraft stattgefunden. Und was hat sich beim Kunden geändert? Einkaufen soll ganzheitliches Erlebnis werden, weg von der Bedürfnisbeschaffung. Traurig, traurig. Das sind jedenfalls keine Erlebnisse für mich.

Gasometer vom Emscherradweg

Wir verabschieden uns von dieser unwirklichen Stätte und kosten auf Gut Ripshorst mitten im Grünen am Emscherradweg frische Luft und Ruhe bei Kaffee und Kuchen. Dieser Hof hat bereits während der Industialisierung weiterbestanden. Erste Erwähnung findet das Lehngut Haus Ripshorst Anfang des 14. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit lag der Rittersitz auf dem Gebiet der (damals nicht zu Essen gehörenden) Gemeinde Borbeck im Ortsteil Dellwig.

Burg Vondern

Auf dem Weg nach Bottrop passieren wir die Burg Vondern. Sie war ein Lehen der Grafen und Herzöge von Kleve und wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Heute im Besitz der Stadt Oberhausen, kümmert sich seit 1982 der Förderverein Burg Vondern um die Erhaltung der historischen Gebäude.

Tetraeder in Bottrop

Letzte Station ist in Bottrop eine Landmarke, der Tetraeder.Der Aussichtsturm wurde der IBA Emscher Park vom Architekten Wolfgang Christ aus Darmstadt entworfen und ist dem Bauplan eines Kohlenstoffatoms nachempfunden. Die Halde Emscherblick wurde am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober 1994, eröffnet. Wer nicht ganz schwindelfrei ist, sollte von einer Besteigung Abstand nehmen, er schwankt wie auf einem Schiff!
In Bottrop endet gegen 18.15 Uhr die Tour und es geht mit der S9 wieder nach Langenberg. Nach der Zugfahrt merke ich dann doch die ca. 50 km…
Für weitere Infos und Touren: http://www.naturfreunde-wuppertal.de

RUHR2010 Teil XXII: Situation Kunst in Bochum


Der Neubau mit der Sonderausstellung im Weitmarer Park

Spontan gings gestern in die „Aussenstelle“ der Kunstsammlung der Ruhr-Uni Bochum, mit dem etwas seltsamen Namen „Situation Kunst (für Max Imdahl)“ im Park Weitmar in Bochum. Beheimatet in einem modernen Gebäudekomplex mit verschiedenen Pavillions, die alle frei zugänglich und kostenlos sind, bietet es Platz für verschieden Installationen europäischer Gegenwartskunst von Künstlern wie G. Graubner, N. Kricke, A. Rainer und Jan J. Schoonhoven. Amerikanische Künstler sind mit Richard Serra und David Rabinowitsch vertreten.

Sonderausstellung Landschaftsmalerei vom 17. Jahrhundert bis heute

Die Gebäude dieses Dauerausstellungskomplexes stammen von 1990 und 2006, hier sind ebenfalls alte Kunstobjekte afrikanischer und asiatischer Kunst zu sehen, die zum Teil auf ein Alter von über 2000 Jahren datiert sind.

Die Kunstparkanlage mit der Dauerausstellung

Seit neuestem steht dem Kunstinteressiertem ein spektakulärer Neubau unweit der Dauerausstellung zur Verfügung. Der Glaspalast (ähnlich dem Folkwang) wurde in die denkmalgeschützte Ruine eines ehemaligen Renaissanceschloßes integriert, eine wie ich finde sehr gelungene Synthese von vergangenem und neuem. In diesem Komplex befinden sich die Sonderausstellungen, z. Zt. Landschaftsmalerei vom 17.-21. Jahrhundert, die nicht nur die visuellen Realitäten zeigen, sondern auch gesellschaftliche Umbrüche und die Reflektion des eigenen Lebensstandpunktes.

Richard Serra / Circuit 1979 /98

Mit dem Wissen verändert sich auch der Blick auf die Landschaften, Krieg, Zerstörung und Naturkatastrophen fungieren als Spiegel der erlebten Realität. Gerade das Ruhrgebiet mit seiner hohen Bevölkerungsdichte, vielen Umbrüchen, Ziel von Kriegsstrategie, scheint optimal. Ebenso spürt man trotz der Naturrückgewinnung in vielen Bereichen natürlich auch die Entfremdung von der Natur.

Lee Ufan, Relatum, 2000 (mein Mann gehört nicht zur Installation)

Öffnungszeiten: Mi-Fr. 14.-18.00 Uhr, Sa-So / an Feiertagen: 12.-18.00 Uhr

Eintritt im Kubus: 5,-Euro, die Dauerausstellung ist kostenlos, einfach unorthodox klingeln, dann wird man eingelassen. Führungen finden am 1. und 3. Sonntag des Monats um 16.00 Uhr gegen einen Obulus von 3,-Euro statt.

Link: www.situation-kunst.de

RUHR2010? Find ich spitze! (Daumen hoch!)

Klar, mit dieser Installationskunst kann nicht jeder was anfangen, trotzdem glaube ich, dass eine gewisse Offenheit für die Dinge manchmal zu spannenden Erkenntnissen führen kann. Bewußt haben einige Werke keine Titel, um dem Betrachter von vornherein keine gedanklich kanalisierte Assoziation zu geben. In Rücksprache mit der Kunsthistorikerin lagen wir, die Intention betreffend, gar nicht so schlecht, aber dass das mein Leben verändern würde, kann ich nicht sagen.

Schöne Grüße, Claudia

RUHR2010 Teil XXI: Musikalische Sterbensgedanken in der Dorfkirche Stiepel (Bochum)


Kleine Kirche-ganz großes Kino
Heute berichte ich von einem Kleinod der Sakralkunst im Ruhrgebiet.  Aufgrund ihrer Geschlossenheit und Ursprünglichkeit ihrer Wandmalereien ist sie in dieser Form nur in ganz wenigen Kirchen Westfalens zu finden. Schon ihr Standort im breiten Ruhrtal zwischen Hattingen und Bochum auf einer kleinen Anhöhe ist von traumhafter Lage. Die Dorfkirche Stiepel hat einen sehr engagierten Kirchenmusiker (Michael Goede) und beschert dem Umland ein vielfältiges und interessantes Kulturprogramm, zu dessen Konzert ich mich am 30.07.10 mit dem Thema „Was Gott tut, das ist wohlgetan“-Musikalische Sterbensgedanken, einfinde.

Dorfkirche Stiepel / Foto: Gemeinde Stiepel (Homepage)

Im Bochumer Stadtteil Stiepel mit einer teilweise heute noch ländlich-dörflichen Umgebung liegt die Dorfkirche idyllisch inmitten eines historischen, baumbestandenen Kirchhofs. Vor 1000 Jahren ließ Imma, Ehefrau des Grafen Liutger aus dem Geschlecht der Billunger und Schwester des Bischofs Meinwerk von Paderborn, auf dem Hof Stiepel eine Eigenkirche bauen. Im 12. Jahrhundert wurde anstelle der Saalkirche eine romanische Basilika errichtet. Sie wurde im 15. Jahrhundert zur heutigen Hallenkirche ausgebaut. Seine besondere Bedeutung über die Grenzen Deutschlands hinaus gewinnt das Kulturdenkmal an der Ruhr durch die vielgestaltige, farbige Ausmalung im Innenraum. Seit der Reformation ist die Stiepeler Dorfkirche evangelisches Gotteshaus.

Foto: Wikipedia
Die Malereien aus dem Hoch- und Spätmittelalter wurden 1698 mit harter weisser Farbe übertüncht, bei Restaurierungsarbeiten 1952 aber wiederentdeckt. Der älteste Teil der Malereien stammt aus der romanischen Erbauungszeit der Basilika 1180/90. Es sind Darstellungen aus Ornamenten und biblischen Szenen (Bethlehemischer Kindermord, Flucht nach Ägypten, der segnende und richtende Christus zwischen Kain und Abel, die Paradiesströme) zu sehen. Aus dem 15. Jahrhundert stammt der Drachenkampf des hl. Georg. Christi Geburt stammt aus dem 16. Jhrt.
Foto: Wikipedia
Das Mauerwerk besteht aus dem für unsere Region typischen Ruhrsandstein, sowie bearbeiteten Bruchsteinen.
Sehenswert ist ausserdem der angegliederte Kirchhof, wo sich noch Grabsteine aus nachreformatorischer Zeit aus Ruhrsandstein finden (1600-1709). Die Grabplatten am Eingang  stammen von 1360-1744 und können trotz der Verwitterung noch den Patronatsherren von Stiepel zugeordnet werden.
Öffnungszeiten täglich (ausser Montag):

Stiepeler Kultursommer 2010 / Freitag, 30.07.10 / 21.00 Uhr

Musikalische Sterbensgedanken

Die Thematik würde normalerweise besser in die Herbstzeit  passen, nicht aber, wenn das Programm barocklastig ist, dessen Komponisten (J.S. Bach, Pachelbel, Georg Böhm, Johann Casper Ferdinand Fischer, Gottfried Kirchhoff, Gottfried Heinrich Stölzel, Silvius Leopold Weiss) und Textdichter den Tod stets als präsent empfanden. Gestaltet wird der Abend von Henning Klocke (Tenor),  Andreas Nachtsheim ( Laute/ Theorbe), Michael Goede (Orgel)

Die Künstler

Eine abwechslungsreiche Darbietung aus Schemellis Gesangbuch, Notenbüchlein für AMB, Choralsätzen und -bearbeitungen, die Erklärung von M. Goede sind anschaulich; der exellente Rahmen durch dieses phantastische Kirchlein verleiht dem Konzert einen intimen Charakter. Gerade bei den zärtlichen, privaten Liebesbekundungen fühle ich mich positiv deplaziert: Das ist nicht für meine Ohren bestimmt gewesen und läßt schon fast zuviel Information aus der Privatsphäre durch.

Ich fand es sehr bewegend und habe mir spontan für die Veranstaltung „La Notte“-Klänge der Nacht, ein Konzert mit Clavichord und Rezitationen von Martin Opitz gekauft. Derzeit sind im Gemeindehaus, im Kirchhof sowie in der Kirche Kunstobjekte von zeitgenössischen Künstlern ausgestellt. Fazit meines Besuches: Sehr sehens- und hörenswert.

Link für weitere Veranstaltungen: http://www.dorfkirche-bochum-stiepel.de/veranstaltungen-2009/

Freitag, 1. Oktober 2010 bis Sonntag, 31. Oktober 2010
Goldberg Zyklus, Ruhr 2010
http://www.dorfkirche-bochum-stiepel.de/ruhr-2010/goldberg-zyklus-2010/

Sonntag, 21. November 2010, 18.00 Uhr
Momente der Ewigkeit, RUHR 2010
J. S. Bach „Wachet auf, ruft uns die Stimme“
http://www.momente-der-ewigkeit.de

Alle Veranstaltungen zum Kultursommer auch unter: http://www.orgellandschaft-ruhr.de

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RUHR2010 Teil XX: A40-Der schönste Stau der Welt


Still-Leben Ruhrschnellweg - Die Metropole feiert / Grafik: TAS Emotional Marketing GmbH

Still-Leben Ruhrschnellweg 18.07.2010

So, jetzt ist das Megaevent schon wieder vorbei. Als Ruhr 2010 Journalistin konnte ich mir natürlich die Sperrung des „Ruhrschleichweges“ A40 nicht entgehen lassen. Die ersten Nachrichten im Radio ließen nichts gutes erahnen, unsere Gruppe war nicht sicher, ob wir überhaupt auf die Autobahn kommen. Die Eigenschaften dieser A40 sollten sich auch heute fortsetzen. Im Stau zu stehen.

A40 an der Auffahrt Essen-Holsterhausen

Unser Bulli wird nahe der A40 geparkt und wir laden die Räder aus, an der Auffahrt: Gigantisch, alles voller Menschen! Die Mobilätsspur läuft und nach einem kleinen Einfädelungsstau sind wir drauf!

Soviele Fahrräder habe ich noch nie in Essen gesehen! An der Abfahrt Rhein-Ruhr-Zentrum wieder Stau. Meine Freundin hat einen Platten. Kein Problem, der ADFC hilft mit Schläuchen, Flickzeug.

A40 von der Mobilitätsspur aus gesehen

Auf der Tischspur dann ein buntes Programm, Tanz, Geburtstagsfeiern, Musik, das längste Freundschaftsband der Welt, Mottotische, Edeka bietet ein reduziertes Erfrischungsangebot (das Bier ist schon etwas warm-egal). Es ist auf der Mobilitätsspur alles erlaubt, was keinen Motor hat, da ist eine Fahrrad-betriebene Bierkutsche, ein Tri-dem (Tandem für 3-hat das einen Namen?), Solarmobile, Rollerblades, Rikschas, Rhönräder, etc. Manche haben sich echt was einfallen lassen, jeder konnte sich mit seinem Anliegen hier präsentieren.

A40 auf der Tischspur Höhe Ausfahrt Mülheim Heißen

Fazit: Es war ein unglaubliches Erlebnis, die Ruhr2010 hatte mit 1 Mio. Menschen gerechnet, nun sind es 3 Millionen geworden! Wir waren restlos begeistert!

TV Tipp: WDR Fernsehen Sonntag, 18. Juli 2010, 21.45 – 22.15 Uhr.

ARD, ZDF berichten in den Nachrichten darüber, sehts euch mal an! Gruß, Claudia

Nachfolgend nochmal ein Link für andere Fotos:

http://www.ruhr2010.still-leben-ruhrschnellweg.de/deutsch/bildergalerien.html

YouTube-Video von dem Highlight A40 mit Impressionen dazu:

Video: Im Zeitraffer Still-Leben Ruhrschnellweg Streckenabschnitt Essen

Link zu dem Video:

http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/programm/feste-feiern/still-leben-ruhrschnellweg.html

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Frank Goosens „Oh 40 du“

Frank Goosen zwischen den RUHR 2010 Geschäftsführern Oliver Scheytt links und Fritz Pleitgen rechts bei der Pressekonferenz zu Still_Leben Ruhrschnellweg am 16_07_2010 in Essen / Foto: WAZ FotoPool Matthias Graben

Audio: Frank Goosens „Oh 40 du“

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RUHR2010 Teil XIX: Day of Song


Heute beginnt also das Wochenende der Superlative. Aufgrund der geographischen Nähe entscheide ich mich für das Wandelkonzert in Essen-Werden, das in der ev. Kirche, in Haus Fuhr und im Kammermusiksaal der Folkwanghochschule ab 18.00 Uhr stattfindet. Ich starte in der ev. Kirche mit dem Chor der Technischen Universität Dortmund mit Chormusik um 1900, die Leitung hat Ulrich Lindtner. Da es sich jeweils um ein 20 minütiges Chorprogramm mit Reger und Elgar handelt, ist das Programm übersichtlich, damit man pünktlich in der nächsten Location sein kann.

Chor der TU Dortmund in der ev. Kirche Essen-Werden

Den nächsten Programmpunkt gibts ebenfalls in der ev. Kirche, diesmal das Collegium Vocale Bochum unter Prof. Dr. Hans Jakulsky. Jetzt etwas weltliches, Liebes- und Trinklieder des Barock und der Romantik, genauer gesagt, Schein, Brahms und Rossini. Vorher gibt es immer eine kleine Werkeinführung, die einen schon schmunzeln läßt. So entsteht ja auch sofort Kontakt zum Publikum.

Collegium Vocale der Ruhr-Uni in Bochum

Jetzt heisst es sich sputen, denn bis zur Folkwangschule ist es ein kleiner Marsch, zudem der ursprüngliche Aufführungsort, die Basilika, ausgefallen ist und nun alles im Kammermusiksaal stattfindet. Schade.  Der Ersatzort ist aber auch nicht schlecht, sitzt man doch um einiges bequemer als in einer Kirche. Da ich etwas zu spät bin, quetsche ich mich an anderen Zuhörern vorbei auf einen freien Platz. Der Vortrag der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (na, das gehört ja nicht mehr zur Ruhr…) mit Matthias Heep lautet: Chansons von 1500 bis heute. Da gibt´s Thomas Morley, Hans Leo Hassler und einen brasilianischen Hit, der mir von der musikalischen Umsetzung am besten gefallen hat.

Chor der Heinrich-Heine-Uni D´dorf

Danach kehrt wieder die übliche Wechsel-Unruhe ein, ich bleibe aber wieder sitzen. Blöderweise habe ich jetzt einen Sitzriesen vor mir. Unter der Leitung von Prof. Jörg Breiding (Leiter des Knabenchores Hannover) tritt das erst letztes Jahr gegründete Folkwang Vokalensemble mit Kompositionen von Cardoso, Schütz (Selig sind die Toten-traumhaft ), Gesualdo, Reger und Close-Harmony-Arrangements auf. WDR 3 zeichnet das letzte Stück auf, wo Interaktion zwischen den Sängern stattfindet. Interessant, wie sich die Gestik und Mimik im letzten Stück der Akteure mit der Rhytmik mischt. Tolle Stimmen, super Klang.

Folkwang Vokalensemble

Was hierbei fehlt ist das Programm von Haus Fuhr, dort wurden jazzige A-Cappella-Pott-Pourris und Highlights aus Musicals aufgeführt. Ok, das ist jetzt nicht mein Geschmack, aber ich fand trotzdem dass es ein sehr vielseitiges Programm war und man merkte, dass es den Ausführenden und den Zuhörern super gefallen hat. Als nächstes mal ein Bild vom Ausgang des Kammersaals, leider könnt ihr nicht den intensiven Blütenduft vernehmen, der betörend war…

Aufgang zum Kammermusiksaal

Gleich geht´s weiter…..

Um 23.30 Uhr sind wir im Gasometer in Oberhausen, alles ist dunkel, nur langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Über uns trohnt etwas bedrohlich der größte Mond auf Erden, einfach unbeschreiblich. Wir begrüßen den „Day of Song“ mit einem Mitternachtskonzert, das den Titel „Spem in Alium“ trägt, wie die gleichnamige 40-stimmige Motette von Thomas Tallis.

Mit der Beleuchtung war es etwas schwierig, daher mal ein Link für bessere Bilder:

http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/SING-DAY-OF-SONG-id3070725.html

Chor und Orchester unter dem Mond

PROGRAMM:

Avo Pärt-Cantus in memory of Benjamin Britten; John Tavener-Syvati für Solocello gemischten Chor und Streicher; Matthias Bonitz (*1951)-OM 3 buddistische Zeremoniengesänge für Solocello, gem. Chor und Streicher; Mimi Scheffer-Synagogalgesang 1+2; Alexej F. Lwow-Nyinjä ssily für Männerchor; Thomas Tallis-Spem in Alium; Avo Pärt– siehe 1; zwischen den Stücken wird ein anonymer gregorianischer Choral vorgetragen, von einem Vokalensemble in Doppelquartettbesetzung.

Der Avo Pärt war fantastisch für den außergewöhnlichen Raum mit seinem zig-fachen Hall geeignet, bei den gesungenen Stücken, ausser den gregorianischen Chorälen, wurde alles durch den Hall ziemlich breiig. Das schmälerte aber das Konzerterlebnis nicht im Geringsten, es war eine Klangwelt, die uns mit ihrer gespenstischen Atmosphäre direkt ins Universum getragen hat. Und schliesslich gab es auch immer noch den stillen Solisten, den riesigen Mond.

Die Sonne

Die Ausstellung „Sternstunden-Wunder des Sonnensystems“ ist weiterhin bis zum 30.12.10 zu sehen

LINK: www.gasometer.de

Nun also 05. Juni 2010: Ich entscheide mich für eine der 600 Veranstaltungen an diesem Wochenende am „Halbach-Hammer“, das Wetter ist super, beste Voraussetzung für diese Outdoor-Veranstaltung. Etwas umständlich zu erreichen, aber der Aufwand hat sich gelohnt, zwischen A40 und A52, Fulerum und der Magarethenhöhe ist eine kleine Oase mit dem Halbach Hammer.

Halbach Hammer

www.ruhrmuseum.de/de/museum/halbachhammer.jsp

Um 14.30 Uhr tritt hier der kath. Kirchenchor Zur Heiligen Familie , der Jugend- und Kinderchor auf. Um das leibliche Wohl ist es schlecht bestellt, ein Mitarbeiter des Ruhrmuseums schenkt mir seine Apfelschorle, das finde ich sehr nett. Und auch sonst ist alles, wie es im Ruhrgebiet sein soll. Die Chormitglieder sind sehr aufgeschlossen, nett und kontaktfreudig.

Am Ruhrmuseum Halbachhammer mit Chor

Das Programm ist eine Mischung aus Volksliedern, die vom Kirchenchor vorgetragen werden und Rockklassikern, die der Jugendchor übernimmt. Highlight ist die Grönemeyer Ruhrhymne, die vom Jugendchor auch teilweise solistisch dargeboten wird. Zum Abschluss wird das Steigerlied mit den 2 derben, letzten Strophen gesungen.

Chöre "zur heiligen Familie"

Es hat wirklich Spaß gemacht, in diesem familiären, persönlichem Rahmen Teil des !SING-Projektes „Day of Song“ zu sein. Der Kesselbach ist noch in der Renaturierungsphase, daher freut euch, dass ihr diesmal den Duft des Baches beim Lesen nicht riecht. Ich wünsche allen Teilnehmern der „Heiligen-Familie-Chöre“heute abend „auf Schalke“ einen unvergesslichen Abend.

Live-Stream auf www.2010LAB.de

Liebe Grüße, Claudia

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In der WDR-Mediathek weiterhin ansehbar „DAY OF SONG“

Link:

http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/06/05/wdr-extra-day-of-song.xml

Veltins-Arena Gelsenkirchen „DAY OF SONG“

Link:  http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/06/05/lokalzeit-ruhr-day-of-song.xml

Weitere WDR-Angebote:

http://www.wdr.de/mediathek/html/home/suche.xml

Angefügt von Volker/Admin am 7.6.2010 – 20:50 Uhr

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RUHR2010 Teil XVIII: Folkwang-Museum Essen-das schönste Museum der Welt


Folkwang Museum von der neuen Brücke aus gesehen

Heute habe ich mit einigen Interessierten die Ausstellung „Museum Folkwang bis 1933“ im Rahmen einer Führung besucht, die ich allerdings schon im März gebucht hatte, nachdem mich bei meinem ersten Besuch die Bilder der abstrakten Kunst mit ihren monochromen Flächen nicht vom Hocker gehauen hatten. Der spektakuläre Neubau des amerikanischen Star-Architekten David Chipperfield ist im Januar 2010 feierlich eingeweiht worden. Dieser wurde komplett von der Alfried Krupp zu Bohlen und Halbach-Stiftung finanziert (ich glaube 55 Mio., jede Menge Kohle).

Seine erste große Sonderausstellung zeigt das Museum Folkwang im Neubau von 20.März bis 25.Juli 2010. Sie ist der einzigartigen Geschichte der Folkwang-Sammlung und ihrer Entwicklung gewidmet.

Franz Marc - die roten Pferde

Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion der Sammlung, die von Karl Ernst Osthaus 1902 begründet und kurz nach seinem frühen Tod 1921 nach Essen gelangte und hier von Ernst Gosebruch zu einer Institution mit weltweiter Ausstrahlung weiterentwickelt wurde. Der Mitbegründer des Museum of Modern Art in New York, Paul J. Sachs, sagte bei einem Besuch in Essen 1932, das Folkwang sei „das schönste Museum der Welt“. Die Nationalsozialisten unterbrachen brutal die fortschrittliche Ankaufs- und Ausstellungspolitik des Museums und konfiszierten 1937 mehr als 1.400 Werke, die später legal verkauft wurden und heute zu den Meisterwerken großer Museen und Privatsammlungen im In- und Ausland gehören, darunter Gemälde von Kandinsky und Matisse, Kirchner und Marc, Munch und Beckmann.

Museum Folkwang

Den unterschiedlichen Epochen und Künstlern sind jeweils thematisch eigene Räume gewidmet. Was da alles an Größen der Moderne aufgefahren wird, ist beeindruckend. Selbst völlig fremdartig wirkende Masken aus dem asiatischen Raum, Figuren des Totenkults aus Ozeanien werden über eine Brücke gekonnt in den Kontext der Bilder der Expressionisten von unserer Kunsthistorikerin eingebunden. Es ist die Zeit der Kolonialisierung, die die europäischen Künstler, mit ihren bizarren, filigranen Figuren und neuen Kunstformen inspiriert. Höhepunkte sind für mich ganz klar der Raum, wo die Vertreter des „Blauen Reiter“ (beherrschendes Bild: Die roten Pferde) vertreten sind, der Altar von Emil Nolde über das Leben Jesu, die Bilder van Goghs und Gauguins, die den Besuch des neuen Museums Folkwang zu einem rauschenden Fest der Farbe und einem Gefühlskarussell machen.

Die Kunst-Experten

Da es heute am Samstag recht voll war, dass auch keine Zeit der intensiveren Betrachtung blieb, empfiehlt es sich, das Museum während der Woche oder der erweiterten Öffnungszeiten zu besuchen. Eine wirklich sehr sehenswerte Sammlung, wenn nicht sogar „Das schönste Museum der Welt“.

Contes Barbares - Paul Gauguin

Dienstags bis Freitag: 10-20 Uhr, Freitags 10-24 Uhr

Eintritt: Di-Fr 10 Euro, Sa/So 12 Euro

Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen Tel: 0201-8845444

Für auswärtige Besucher fährt vom Essener HBF alle 15 min ein kostenloser Shuttlebus direkt zum Museum.

LINK: www.museum-folkwang.de

RUHR2010 Teil XVII: Das Kantaten-Highlight in der Christuskirche in GE-Buer-Nun danket alle Gott BWV 192


Eines der bisher schönsten und musikalisch hochwertigsten Kantaten-Konzerte im Rahmen der Ruhr-Pilgrimage, konnten Wolfgang und ich am Sonntag, den 16.05.10 in der Christuskirche in Gelsenkirchen-Buer gemeinsam erleben. Das dies ausgerechnet zu unserem Treffen geschehen sollte, war warscheinlich von oben her bestimmt;-).

Auf Zollverein

Stilecht für Gelsenkirchen haben wir uns mit dem tiefer gelegten VW Jetta GT Baujahr ´87 auf breiten Schlappen und mit röhrendem Auspuff von Langenberg in Richtung Norden aufgemacht. Nach einem kleinen Foto-Abstecher auf Zollverein, habe ich mich erst mal verfahren, so dass wir nun von meinem Mann per Handy zur Kantate gelotst wurden. Vorbei an der Veltins Arena, über Autobahnbrücken, durch Baustellen, haben wir trotzdem noch die kleine Zufahrt zur Bergstr. verpasst. Kurz vor Beginn erreichen wir die kleine Kirche, neben mir sitzt – ihr kennt ihn alle – der Klimper-Tünnes aus der Matthäus-Passion in Essen…

Was hier geboten wird ist vom Allerfeinsten, das Programm ist auch schon nicht mehr als „Kantate“ zu bezeichnen, sondern ein ausgewachsenes Barock-Kammerkonzert:

Programm: Christuskirche GE-Buer - zur Vergrößerung in das Programm klicken..!!

Der Chor ist fast solistisch besetzt und besteht durchweg aus jungen Leuten, die ihre Sache wirklich super machen und auch so klingen. Dazu das passende Barockorchester „Le Chardon“ unter der Leitung von Hajo Wienroth, der selbst Traversflöte spielt. Mir wird ganz schwindelig, wenn ich die Biographien lese! Die Kantorin Christina Wienroth bietet ein Barock-Lebensfreudiges Dirigat, das wunderbar zum restlichen Konzert passt, Musik ist Energie, Medizin, Lebensbereicherung und einfach eine Herzensangelegenheit, ein verpasster Einsatz bei Samuel Scheidt wird denn so auch mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert. Damit wir wissen, welchem Choral Bachs Kantate BWV 192 zugrunde liegt, singen wir alle zusammen erst mal 3 Strophen und bereiten uns seelisch auf das, was da kommt, vor. Die Worte, die die Pastorin als Impuls zur Dankbarkeit spricht, sind berührend und sehr pragmatisch. Es ist Sitte bei „Momente der Ewigkeit“, dass der Eingangschor noch einmal wiederholt, oder am Schluss erneut gesungen wird.

BWV 192 ist ein kleines, unaufdringliches Werk, dass aus einem Eingangschor, einem Duett zwischen Sopran und Bass, sowie einem Schlusschoral besteht, eine Tenorarie soll verloren gegangen sein.

Die Solisten

Huch, es gibt eine Pause! Im Gemeindehaus direkt nebenan werden Getränke und ein kleiner Imbiss gereicht. Wer möchte, gibt eine Spende, ist ja Ehrensache, dass wir was in den Klingelbeutel geben. Wir spüren, dass man hier aufgehoben ist. Am Stehtisch kommen wir ins Gespräch mit einer Chorsängerin, der Kantorin und einer Besucherin und wir erfahren, dass die Idee der „Ruhrpottkantaten“ begeistert aufgenommen wurde und dass trotz des abgesprungenen Sponsors alle sich für die Realisierung stark gemacht haben. Wolfgang quatscht den „Klimper-Tünnes“ an…uaaah.

Der 2. Teil des Konzertes ist der Interessanteste: Heidrun Blase brilliert als Gesangssolistin  im technisch äußerst anspruchsvollen „Il Pensioroso“ (Die Nachtigall) zusammen mit dem Flötisten Hajo Wienroth, der gibt auch einige kurze Erläuterungen zu diesem wenig bekannten Stück und es macht einfach nur Spass, dem Dialog des Vogels und der Menschin zuzuhören. Anschliessend ein Konzert von Antoine Mahaut, der ähnlich wie Quantz eine Flötenschule verfasst hat.

Applaus für das Orchester

Hajo Wienroth: “ Zu dem 5. Brandenburgischen Konzert brauche ich jetzt, glaube ich, nichts sagen!“

Die Instrumente werden in diesem, sehr modernen Konzert à la Mode francaise ziemlich gleichberetigt eingesetzt, so dass jeder Instrumentalist seinen Part der Profilierung hat, in der letzten Hälfte des 3. Satzes, hat sich der Meister selbst ein Denkmal gesetzt, da die anderen Instrumente etwas in den Hintergrund gedrängt werden und das Cembalo die dominierende Rolle übernimmt. Überragend und unpretentiös: Pieter Dirksen. Handelt sich es doch warscheinlich um das erste Cembalokonzert der Geschichte! Bach soll ja mal gesagt haben, Clavierspielen wäre ganz einfach, man müßte nur zur rechten Zeit die richtigen Tasten treffen, dann würde das Instrument von ganz alleine spielen! Haha! Ohne Zögern steht die ganze Kirche zum Schlussapplaus auf und alle Musiker werden noch einmal mit einem Blumengruß bedacht. Ich bin froh, dass ich in etwas egoistischer Manier Wolfgang vom Ausharren bis zum Schluss überzeugen konnte und dass die Rückfahrt nach OWL trotz der verspäteten Abfahrt so reibungslos geklappt hat.

Biographie der Künstler-Solisten / Zur Vergrößerung in das Foto klicken..!!

Während ich mit offenen Fenstern und dem angenehmen Windzug aufs Gaspedal trete, bin ich dankbar für diesen super Tag, für das Treffen mit Wolfgang, den warmherzigen Umgang der Gemeinde mit ihren Konzertbesuchern, für die Sonne und auch die große Kunst. Danke auch an Volker für die Be- und Verarbeitung meiner E-Mails. Wir haben kräftig Werbung für unseren Blog gemacht.

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ Friedrich Schiller

TIPP: Im Rahmen der Ruhrpottkantaten tritt das Orchester „Le Chardon“ am 06.06.10 in der Petrikirche in Mülheim (Brich dem Hungrigen Dein Brot) auf.

RUHR2010 Teil XII: La Fura dels Baus


Ich kanns auch nicht aussprechen…
„La Fura dels Baus“ – so etwa „das Frettchen der Müllhalde“, eine inzwischen weltberühmte katalanische Theatergruppe, die bereits bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1992 begeisterte, ist der Eigentümer des bereits seit Juni vergangenen Jahres im Ruhrorter Hafen vor Anker gegangenen Theaterschiffes mit dem Namen „Naumon“.
Die Künstlergruppe wird im Rahmen der Local Hero Woche und gleichzeitig zum Auftakt der Duisburger Akzente 2010 am 21. Mai 2010 um 21.00 Uhr eine spektakuläre Inszenierung als Hommage an Wagner und Mercator darbieten. 2007  waren sie an der Wagner Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ unter Zubin Mehta in Valencia beteiligt. Ort dieses Spektakels ist die Naumon an der bis dahin eigens umgestalteten Mercatorinsel in Duisburg Ruhrort. Zu diesem Highlight im Hafen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 werden tausende Menschen erwartet und dürfen sich dabei auf Großes gefasst machen.

Ruhr 2010 – Hanielprojekt Brückenschlag gestartet!
„Herzstück der Kulturhauptstadt 2010 in Duisburg ist die LOCAL HEROES Woche im Mai 2010 – Herzstück dieser Woche ist Ruhrort mit der „Mercatorinsel“ stellt Kulturdezernent Karl Janssen heraus. Die Mercatorinsel, einstige Lagerfläche für Schüttgüter am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr, liegt zum Teil brach. Doch das soll sich ändern. Ziel ist es, an der Inselspitze einen fast sechs Hektar großen Park anzulegen, der Raum für Kunst und Kultur bietet. Über die neue Treppe können Besucher das Gelände bequem zu Fuß erreichen. Zudem gibt es auf 16 Metern Höhe eine Aussichts-plattform. Bis zum 30. April 2010 soll die Treppenanlage fertig sein.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH, Fritz Pleitgen, sieht in der neuen Nutzung der Inselspitze ein große Chance für die Kunst: „Duisburg hat mit dem neuen Freizeitkonzept die Möglichkeit, zu einem Bregenz am Rhein zu werden. Ein hochgestecktes Ziel, wie ich zugebe. Aber: warum nicht?! Der Platz ist ideal. Musik, Schauspiel und viele andere Dinge können sich zukünftig in einer stimmungsvollen Open-Air-Atmosphäre umschlungen vom Rhein in neuer Art den Menschen präsentieren.
Einen Vorgeschmack darauf gibt es am 21. Mai 2010 am Hafeneingang in der Nähe der Mercatorinsel: Haniel präsentiert als Hauptsponsor der Kulturhauptstadt RUHR.2010 eine spektakuläre Show – mit einem Schiff als Bühne. Die spanisch-katalanische Theatergruppe „La Fura dels Baus“ wird mit 60 Trapez-künstlern das Stück „Das globale Rheingold“ aufführen. Dazu spielt ein Orchester live Musik von Richard Wagner und eine Neu-Komposition, die vom Kartografen und Wahl-Duisburger Gerhard Mercator inspiriert ist.  Beim grandiosen Finale verschwindet dann die Naumon im Feuerwerk. Der Eintritt zu dem ganzen Spektakel ist frei.

Grüße aus dem RUHR2010-Pott, Claudia

RUHR2010 Teil X: Musiktempel der Extraklasse


Aalto Theater

Das Aalto Theater ist das architektonische Werk des finnischen Architekten Alvar Aalto. Bereits 1959 wurde sein Entwurf einstimmig angenommen, doch erst 1983, also sieben Jahre nach seinem Tod wurde mit dem Bau begonnen. Am 25.09.1988 wurde es mit Richard Wagners „Die Meistersänger von Nürnberg“ feierlich eröffnet.

Die Asymmetrie des etwa 1.120 Personen fassenden, in tiefem Indigoblau gehaltenen Zuschauerraums sollte nach Aaltos Vorstellungen auch bei spärlichem Besuch des Theaters jeden störenden Eindruck vermeiden. Intendant und Generalmusikdirektor ist seit der Spielzeit 1997/98 Stefan Soltesz,  dessen Strauss-Zyklus in Essen große Beachtung fand.

Im September 2008 wurde das Aalto-Theater in der Fachzeitschrift Opernwelt nach einer Umfrage unter 50 unabhängigen Kritikern aus verschiedenen Ländern als bestes Opernhaus im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet und trägt nun den Titel Opernhaus des Jahres 2008. In der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift theater pur konnte das Aalto-Theater seinen ersten Preis 2009 behaupten und hat somit den langjährigen Spitzenreiter, die Schwabenmetropole Stuttgart, abgelöst. Das absolute Highlight dieses Jahres ist für mich der „Ring des Nibelungen“-Zyklus, vor der Sommerpause gelangen „Das Rheingold“, „Die Walküre“ und der „Siegfried“ zur Aufführung, im Herbst erfolgt dann die Premiere der „Götterdämmerung“. Dieses momumentale Werk vom Zyklus des Werdens und Vergehens soziokultureller Ordnungen ist stets für jede Generation aktuell. Hierzu ein interessantes Zitat des Wagner Enkels Franz Wilhelm Beidler passend zur diesjährigen Ruhr2010 oder allgemein zur Wirtschafts- und Bankenkrise:

„Die komplizierten Schachtanlagen und Hüttenwerke des Ruhrgebietes etwa vereinfachen sich zu den Werkstätten Nibelheims, die Anonymität des Kapitals, die Unsicherheit des Aktionärs enthüllt sich im verschleierten Tarnhelm. Die dämonische Kraft des Ringes, d. h. des kapitalistischen Macht- und Profitstrebens, durchdringt alle Beziehungen, löst alle Bindungen, Rechte und Sitten auf. Die von altersher herrschenden Gewalten – hier heißen sie Götter – verstricken sich im kapitalistischen Gestrüpp, und die Welt wartet auf den Menschen. Auf den Menschen, der durch Verzicht auf Besitz und Gewinn die Kraft zur befreienden Tat findet und Götter und Zwerge ablöst.“

Richard Wagner- verstrahltes Genie mit sozialistischen Visionen, heute eher linksradikal

Überflüssig zu erwähnen, dass alles zu humanen Preisen erlebt werden kann und man hierfür nicht die langen Wartezeiten und aristokratischen Preise von Bayreuth in Kauf nehmen muss. Ursprünglich wollte Richard Wagner ja seine Festspiele ganz umsonst bieten. Das kann auch Essen nicht realisieren. Aber es gibt für Sparfüchse und Kulturjunkies die THEATERCARD, die jährlich 60,-Euro kostet, man kann dann ab 10 Tage vor der Vorstellung die Karte zu 50% Ermäßigung erwerben. Dies gilt für das Aalto Theater, das Grillo und die Philharmonie Essen. Und überhaupt, im Aalto sitzt man eh bequemer als im Festspielhaus auf der „Holzklasse“.

Das Aalto-Musiktheater beherbergt das Opernhaus, das Theater und auch das Aalto Ballett Theater. Der aktuelle Spielplan für alle 4 Kultursparten kann untenstehend eingesehen werden.

LINK:   http://www.theater-essen.de

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen vom Haupteingang

Im Juni 2004 wurde die neue Philharmonie Essen mit einem großen Festkonzert eingeweiht. In den ersten beiden Monaten wohnten über 50.000 Zuschauer dem „Eröffnungszauber“ bei, während dem sich die internationale Konzertszene die Klinke in die Hand drückte. Von den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle, Frank Peter Zimmermann oder dem Alban Berg Quartett hin zu Jazz-Größen wie Herbie Hancock oder Wayne Shorter, Größen des internationalen Konzertbetriebs die man in Essen bisher nicht zu Gesicht bekam.

Die eigentliche Geschichte der Philharmonie beginnt 100 Jahre früher, 1904 mit der Eröffnung des Saalbaus. Richard Strauss dirigierte zur Premiere und Gustav Mahler leitete wenig später die Uraufführung seiner 6. Sinfonie. Bis in die 1990er Jahre war der Saalbau die Heimstadt der Essener Philharmoniker, wurde aber auch als Mehrzweckhalle von Bällen bis hin zum Flohmarkt genutzt.

Philharmonie Interieur vom 1. Rang

Mit knapp 2000 Plätzen ist die Philharmonie die größte (und wie ich finde, die Schönste) des Ruhrgebiets. Nach anfänglichen Kritiken, da Dortmund ungefährt zeitgleich mit dem Bau des Konzerthauses begann, hat sie ihren Platz unter den besten Musiktempeln der Republik behauptet. Stets sind hochkarätige Künstler zu Gast, die ein internationales Niveau garantieren. Für kleinere Veranstaltungen steht neben dem großzügigen Alfried-Krupp-Saal (Die Alfried Krupp-von Bohlen und Halbach-Stifung war auch sehr generös…) der RWE Pavillion zur Verfügung.

Link: www.philharmonie-essen.de

Im Übrigen werden sowohl für das Aalto, als auch für die Philharmonie Architekturführungen angeboten. Alles ist vom HBF zu Fuß oder per U-Bahn schnell zu erreichen. Das Musik-Ensemble ist von einem kleinen Park umgeben, der -wie die Musik selbst- den Alltag kurz ausschaltet.

Allerseits einen schönen Mittwoch, Claudia

RUHR2010 Teil IX: Kunst auf Halde


Auch wenn jetzt alle mit der Abarbeitung der gigantischen Ostermusik-Highlights beschäftigt sind, störe ich Euch einmal aktuell mit der RUHR2010.

Auf der Drachenbrücke

Trotz der mäßigen Wetteransage fahren wir heute mit unserem Hamburger Freund zu einer „Landmarke“. Landmarken sind im Ruhrgebiet frühere „Bergehalden“, also das taube Gestein, was von der Kohle getrennt wurde. Viele sind begrünt und auf ihrem Gipfel findet sich eine weithin sichtbare Skulptur. Die Bekannteste ist vielleicht der Tetraeder in Bottrop oder die Himmelstreppe in GE-Uecker. Bei der letzten Führung Dienstag auf Zollverein hat der Führer auf der Aussichtsplattform unser Interesse für das neue Horizont-Observatorium „Hoheward“ in Herten geweckt. Wir betreten die Halde über die neue „Drachenbrücke“.

Der Drache der Drachenbrücke

Wir lassen die „Baumgrenze“ hinter uns. Als erstes begegnen wir der Horizontal-Sonnenuhr mit dem neun Meter hohem Obelisken als Zeiger und Schattenwerfer. Das Panorama entlockt uns Frank Goosens Zitate: „Nee, schön iss das nich“ oder „Weisse, woanders ist auch Scheisse“. Im Hintergrund qualmen die Schlote eines großen Kraftwerkes in GE. Wir sind umzingelt von Fabriken, die Schalke Arena sieht wie ein weisser Riesenpilz aus. Das spektakuläre „Horizont-Observatorium“ ist das neue Highlight des Landschaftsparks. Für weitere Informationen und mehr zur prähistorischen Sternenkunde (toller 360° Umblick):

LINK: http://de.wikipedia.org/wiki/Halde_Hoheward

Das moderne Stonehenge

Hier oben ist es wirklich ziemlich windig, schade, dass jetzt gerade so ein Mist-Wetter ist.

Der westliche Teil der Halde ist noch nicht begrünt. Rund um die ehemalige Zeche Ewald ist dort ein neues Gewerbegebiet entstanden. Im Gegensatz zu Zollverein, die ja wirklich top restauriert ist, hat diese Zeche morbiden Charme. Mittlerweile ist wieder strahlender Sonnenschein. Geheimtipp für Café und Kuchen: Das Café auf Ewald, mit moderaten Preisen und XXL-Obstkuchen.

Zeche Ewald

In Herten gibt es auch ein Renaissance-Wasserschloß, das wollen wir auf jeden Fall mitnehmen, es bildet ausserdem einen schönen Kontrast zu dem bisherigen Programm.

Inmitten eines alten englischen Landschaftsparks, direkt am Rande der Hertener Innenstadt, liegt das 1376 erstmals urkundlich erwähnte Wasserschloss Herten. Das Schloss Herten zu den schönsten Baudenkmälern in Nordrhein-Westfalen.

Schloss und Schlosspark dienen seither als Kulisse für verschiedene bedeutende Kulturveranstaltungen der Region, so für das Kulturfestival Ruhr, die Hertener Schlosskonzerte und den Pfingst-Kunstmarkt. Die Hauptburg des Wasserschlosses ist ein rundum von einer Gräfte umgebener Ziegelbau. Sie verrät heute noch ihre Bedeutung als Beispielarchitektur aus der Zeit der Spätgotik.
Noch immer zeugen Relikte eines massiven Bergfrieds im östlichen Teil des Nordflügels in Form einer Säule mit gotischem Kreuzgewölbe von dem Wehrcharakter der ehemals kleinen Burganlage. 1529 kam die Burg durch Heirat in den Besitz des Bertram von Nesselrode, Erbkämmerer des Herzogtums Berg.

Blick in die Gräfte

Um 1650 wurde das Schloss umgebaut. Während dieser Zeit entstand im Ostflügel der große Saal, dessen Decke perspektivisch ausgemalt wurde. Diese bei den Restaurierungsarbeiten wiederentdeckte Malerei ist in Westfalen ohne Beispiel.

Schloss Herten Perspektive vom Schlosspark

Diese Perspektive war einmal auf dem Programm für das Klavierfestival Ruhr vertreten. Am 03. und 04.06.10 finden im Rahmen des Sing!-Projektes hier 2 Kammerkonzerte statt.

LINK: http://www.herten.de/tourismus/sehenswertes/schloss-herten/index.html

Gesegnete Ostern, Claudia

Momente der Ewigkeit: Ein Sonntagabend in Oberhausen


(Es gibt diesmal keine weiteren Bilder, weil ich mich nicht getraut habe zu fotografieren, die Stimmung war so erhaben…)

Christus-Kirche Oberhausen

Mein Gesundheitszustand läßt mal wieder zu wünschen übrig, mich hat mal wieder der Erkältungsvirus erwischt. Heute abend steht aber das Konzert im Rahmen der „Ruhrpilgrimage“ in der Oberhausener Christuskirche mit dem Leipziger Barockorchester auf dem Programm. Nach der Wegbeschreibung auf Googlemap muss es einfach zu finden sein, rauf auf die 40 (wir meinen damit unsere Hauptverkehrsader, die A40), Oberhausen runter, links und immer gerade aus. Ich raffe mich auf, das verspricht eine qualitätsvolle Aufführung zu werden. Zu ständigem nervigem Nasenlaufen und Dauerhusten stellt sich schon in Bredeney der Wunsch nach einem Ort mit diesen Herzchentüren ein. Ich finde den Aufführungsort trotz voran beschriebener Wehwehchen sofort. Einen praktischen Parkplatz stellt mir das Universum ebenfalls bereit.

Die ev. Christuskirche von 1864 macht einen düsteren, wehrhaften Eindruck im Halbdunkel des endenden Tages, es ist die größte Kirche, die ich auf meiner Kantatenreise bislang besucht habe. Da ich natürlich viel zu früh bin, schaue ich mich um. Aha, diese Familie, die in Bergerhausen letzte Woche vor mir gesessen hat und noch so ein Tünnes, den ich schon in Kupferdreh gesehen habe. Die Bänke sind unbequem, ich kann schon nach einer Viertelstunde nicht mehr sitzen. Das ist ein gutes Indiz, an den heiligsten Orten der Musik sitzt man auch immer total unbequem. Die Kirche ist rappelvoll, was natürlich ein Zeichen der guten Resonanz des Kantatenzyklus ist.

Als das Orchester mit Faschs Konzert C-Moll für 2 Oboen und Fagott loslegt, ist sofort klar, dass hier absolute Profis musizieren, zu allem Überfluss auch noch auf historischen Instrumenten. Es ist ein typisches barockes Divertierstück, allerdings im Instrumentalsolo recht virtuos, auch für das eher wenig im Solobereich herausgestellte Fagott. Dieses kleine à-mis-bouche liess bereits die kammermusikalische Präzision erkennen, die die Grundlage für das nächste Werk, BWV 131 „Aus der Tiefen“ erahnen läßt. Das Publikum ist von der Qualität und der Spielfreude der Leipziger so überrascht, dass sie spontan applaudieren, das ist bei den anderen Konzerten nicht passiert.

Der Kantor und musikalische Leiter Konrad Paul ist ein junger Kerl so um die 30 und hält die Werkeinführung zu BWV 131, die sich auch für die Laien auf die markantesten Anhaltspunkte beschränkt. Dann gehts los.

Der Chor, die ev. Singgemeinde (schon wieder so ein nichtssagender Name eines guten Chores) fügt sich nahtlos in das vom LBO vorgegebene Niveau ein. Das Tempo und die Dynamik lassen keine Wünsche offen, phänomenal auch die Männerstimmen, die zwar nicht unbedingt in Massen vertreten sind, aber – auch die Tenöre – geben eine homogene, lebendige und gut kontrollierbare Vorstellung ab. Paul stellt die wichtigen Teile in den einzelnen Stimmen so dar, dass trotz des etwas halligen Raumes, die anderen Stimmen sich zurücknehmen und so alles nicht zu einem Brei, sondern zu einem gut verständlichen, tranparentem Konstrukt verwebt wird, dass Bachs Musik mehr als gerecht wird. Der Kracher dieser Aufführung sind auch die beiden Solisten, Kai Wefer-Bass und Raimund Fürst-Tenor. Kai Wefer hat eine durchdringende, sehr professionelle Stimme, die trotz mancher Verführungen des Stücks sich an die „Fliessgeschwindigkeit“  der Melismen hält. Einfach nur wunderschön, ich bin total gebannt. Der Tenor hat es da mit seiner Arie, „meine Seele wartet auf den Herrn“ noch ein wenig schwieriger, aber auch Raimund Fürst fügt sich nahtlos stilsicher für die „Alte Musik“ in das Ensemble ein. Er spannt mit elegant, weichem Tenor einen geschmeidigen musikalischen Bogen ohne diesen zu überspannen. Wie Perlen reihen sich Töne aneinander und sind alle von gleicher Schönheit. Kein Wunder, noch so ein Vollprofi, hat er sich doch auf die historische Aufführungspraxis spezialisiert.

Nach einer prägnanten und zackigen Predigt, die sich diesmal zeitlich auch im Rahmen gehalten hat, folgen noch aus Haydns „Stabat Mater“, das Tenor Solo mit Chor, das Bass Solo „Pro peccatis suae gentis“ und noch ein Tenorsolo „Vidit suum ducem natum“. Auch hier spürt man, dass alle Meister ihres Fachs sind. Papa Haydn fordert eine andere Stimmung als der gute Meister Bach. Hier kommt es musikalisch und stimmlich zu (kontrollierten) Gefühls- und Stimmeruptionen, die andere Facetten des solistischen Könnens beleuchten. Auch Papa Haydn hat mir sehr gut gefallen. Nach einem Gebet und dem „Vater Unser“ wird der Chor „Ich harre des Herrn“ wiederholt.

Konrad Paul hat einen phantastischen Chor und gute Kontakte zu herausragenden Musikern, hier hat alles gestimmt, von wegen wir im Ruhrgebiet können nur Kohle… Das war sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich in Oberhausen gewesen bin. So kann die Woche kommen und das Wochenende gehen.

http://www.singgemeinde.de/

http://www.christuskirche-oberhausen.de/

mit beseelten Grüßen, Claudia

RUHR2010 Teil IV: Anfang und Ende aller Kohle


Nicht nur um das „Rheingold“ ranken sich Legenden, auch die Geschichte des „schwarzen Goldes“ beginnt mit einer Sage: Im Wittener Muttental, der Wiege des Bergbaus an der Ruhr, macht im Mittelalter ein Schweinehirt (Mutten=Säue) morgens die Entdeckung, dass sein Lagerfeuer noch glühende Kohlen enthielt.

Seit 1510 wird die Kohle hier im Tagebau abgebaut, oder besser abgeschürft. Der ausgeschilderte „Bergbaurundweg Muttental“ führt in die Geschichte des frühen Bergbaus ein und durch die wunderschöne Landschaft des Muttentals. Zu besichtigen ist u. a. das „Bethaus der Bergleute“ und eine abgebrochene Steilwand, die die Sedimente und ihre Aufschichtung des oberen Karbon sichtbar macht.

Impression vom Bergbaurundweg, man sieht deutlich das Flöz unter dem helleren Gestein.

Nach dem Tagebau erfolgte der Abbau zunächst durch waagerechte Stollen, dann von senkrechten Schächten aus. Die Zeche Nachtigall, die am Rundweg liegt, ist eine der ersten Zechen, in denen der Übergang zum Tiefbau erfolgte. 1892 stellte die Zeche die Kohleförderung ein.  Die Ausstellung „Zeche Eimerweise“ beschreibt das Leben auf Kleinzechen. Entstanden in der Not der Nachkriegsjahre, waren von 1945 bis 1976 über 1000 Klein- und Kleinstzechen in Betrieb. Der für Besucher geöffnete Nachtigall-Stollen zeigt „unter Tage“ typische Arbeitssituationen im Kleinbergbau.

  • Link: www.lwl-industriemuseum.de
  • Link:  www.ruhr-guide.de (Bergbauwanderweg)
  • Der Rest ist bekannt, kleine Kuhdörfer mutieren zu Großstädten, die Einwohnerzahlen explodieren, ohne sichtbare Ordnung reihen sich Fördertürme, Montankonstrukte und Transporttrassen aneinander, für die benötigten Facharbeiter entstehen Werkssiedlungen, die ehemals ländliche, lockere Bebauung wird buchstäblich zugepflastert. Überall im Ruhrraum schiessen die Zechen wie Pilze aus dem Boden, es qualmen die Schlote. Die Zeche, die zum Symbol für die Umnutzung wurde, von der Unesco 2001 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, ist zum Markenzeichen der Ruhr2010 geworden. Sie ist die Verkörperung der Geschichte des Aufstiegs und Niedergangs einer ganzen Region.

    1847 kauft der Duisburger Industrielle Franz Haniel (1779-1868) 13 zusammenhängende Grubenfelder, teufte den ersten Schacht ab und nannte die entstehende Zeche „Zollverein“ nach der 1834 in Kraft getretenen Freihandelszone aus 14 deutschen Staaten. Der Name war Programm, stand der Deutsche Zollverein doch synonym für wirtschaftlichen Aufschwung und Prosperität. Tatsächlich wuchs auch Zollverein kontinuierlich: wurden 1851 im ersten Jahr der Förderung mit 256 Bergleuten 13.000 t Kohle gefördert, hatte sich bis 1890 die Belegschaft verzehnfacht, und die Fördermenge war mit 1 Mio Tonnen auf das 75-fache nahezu explodiert.

    Um die Anlagen weiter modernisieren zu können, ging die Familie Haniel, in deren Alleinbesitz Zollverein bislang gewesen war, mit der Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb eine Interessengemeinschaft ein. 1926 schließlich wurde Zollverein in die neu gegründete „Vereinigte Stahlwerke AG“ integriert. Dadurch konnte finanziell der Plan einer Zentralschachtlange verwirklicht werden.

    Die Zusammenlegung von Förderung und Aufbereitung aller Zollverein-Kohle in einer Schachtanlage versprach eine Kapazitätssteigerung auf das Vierfache einer Durchschnitts-Zeche. Die noch jungen Architekten Martin Kremmer und Fritz Schupp entwarfen ab 1927 die neue Zentralschachtanlage XII nach dem Bauhaus-Prinzip „form follows function“: die optimalen Abläufe der Kohleförderung und –aufbereitung waren die Vorgaben für das Arrangement der Übertagebauten. Mit 12.000 t täglicher Kohleförderung war Zollverein die größte Zeche des Ruhrgebiets geworden. Im Vergleich zu den Anfängen wurde nun an einem Tag gefördert, wozu man 1851 ein ganzes Jahr gebraucht hatte.

    Blick von Zollverein auf Essen-Katernberg

    Zollverein war aber nicht nur die größte Zeche des Reviers, sie wurde auch als die „schönste Zeche der Welt“ bezeichnet (doch, Iris, doch!!!).

    Architektonisch im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten, dominieren strenge Symmetrie und Geometrie sowohl die einzelnen kubischen Gebäude wie auch ihre Anordnung auf dem Areal. So verlaufen die Gebäude an parallelen Linien und bilden zwei, sich rechtwinklig kreuzende Achsen. Inmitten der ersten Achse, der Produktionsachse, ragt der 55 Meter hohe Doppelbock, das Fördergerüst, hervor. Am Ende der zweiten Achse, der Versorgungsachse, stand der 106 Meter hohe Kamin des Kesselhauses, der 1979 abgerissen werden musste. Die Formensprache ist sachlich, reduziert, ästhetisch, einheitlich rote Backsteinfassaden im Stahlfachwerk bestimmen das Bild. Schacht XII wird als Gesamtheit begriffen, als Monument. Damit entspricht die Anlage durchaus dem Repräsentationsbedürfnis ihrer Eigentümerin, der Vereinigten Stahlwerke AG, die als Europas größter Montankonzern galt.

    Im gleichen Stil wurde 1957 bis 1961 die Kokerei gebaut und am 12. September 1961 in Betrieb genommen. Die räumliche und architektonische Nähe zu Schacht XII symbolisiert auch die funktionale Nähe.  Auch die Kokerei schaffte Produktionskapazitäten der Superlative. Nach ihrer Erweiterung in den 70er Jahren „buk“ sie täglich in 304 Öfen bei 1.250 Grad 10.000 t Kohle zu 8.600 t Koks. In Spitzenzeiten hatte die Kokerei 1.000 Mitarbeiter.

    Das Ende des Kohle- und Stahlzeitalters machte auch vor Zollverein nicht Halt. Die größte Zeche des Ruhrgebiets konnte trotz aller Rationalisierungsbemühungen dem Kostendruck ausländischer Kohleförderung nicht Stand halten. Am 23. Dezember 1986 fuhr die letzte Schicht nach 135 Jahren Bergbaubetrieb ein. Damit schloss die letzte der Essener Zechen ihre Tore. Am 30.Juni 1993 folgte die Kokerei. Eine Ära ging zu Ende. Heute ist Zollverein Eventlocation, Besuchermagnet und verfügt über ein kleines Gewerbegebiet, wo sich vorrangig Firmen aus der Dienstleitstungsbranche angesiedelt haben. Die Arbeitsplätze allerdings, die so geschaffen wurden, liegen weit unter den Spitzenzahlen der Zeche. Es bleiben so viele Fragen offen. Wo sind all die Arbeitnehmer hin? Wird seither Hartz IV weitervererbt? An einigen Bevölkerungschichten ist der Strukturwandel schlicht vorbei gegangen.  Und so endet mein Rundumschlag von den Anfängen bis zum unrühmlichen Ende. Was mich immer wieder aufs neue an dieser Zeche fasziniert, ist die erstarrte Zeit, die die unglaubliche Arbeit und das Ineinandergreifen der einzelnen Prozesse verdeutlichen, mit welchem Aufwand und Opfern unser Wohlstand und eine Industrievormachtstellung geschaffen wurden.

    Link: www.zollverein.de

    Das neue Ruhrlandmuseum und das Designmuseum „Red Dot“ befinden sich ebenfalls auf dem riesigen Areal der Zeche Zollverein.

    Gruß aus dem verschneiten Velbert-Langenberg

    Claudia