Schlagwort-Archive: Samuel Scheidt

Radiotipps 6.12. – 11.12.2011


6.12.

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DRS2
16:03-18:00
Große Interpretationen
Ein Leben für die Musik – Nikolaus Harnoncourt

rbb Kulturradio
20:04-21:00
Klassik-Werkstatt
Ein profunder Komponist“
Motetten von Johann Christoph Bach

Johann Sebastian Bach hielt große Stücke auf seinen Großcousin und sammelte seine Noten, die später im sogenannten Altbachischen Archiv überliefert wurden.

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11.12.

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DRS2
16:03-18:00
Parlando
Die „drey berühmten S“ – Ein Musikfest zu Ehren der Komponisten Schütz, Schein und Scheidt in Mitteldeutschland

Mit Johann Hermann Schein zechte Heinrich Schütz in Weissenfels, mit Samuel Scheidt reiste er zur einer Orgelprobe nach Bayreuth. Die „drey berühmten S, die man zu dieser Zeit für die besten drey Componisten in Teutschland gehalten“, wie es noch 1690 hiess, kannten einander gut. Und registrierten genau Karrierewege und Kompositionen. Johann Samuel Schein (1586-1630), dichtender Komponist, brachte es zum Thomaskantor in Leipzig, Samuel Scheidt (1587-1654) wirkte in seiner Geburtsstadt Halle/Saale einige Zeit als Director musices und prägte mit seinen Publikationen Orgelspiel und Gebrauchsmusik nachhaltig – und eben Heinrich Schütz (1585-1672), weit gereister sächsischer Hofkapellmeister.

Unter dem Motto „Glaubenstrost und Lebenslust“ standen diese drei Herren im Zentrum des diesjährigen Heinrich-Schütz-Musikfestes in Mitteldeutschland. Birgit Kiupel nimmt sie mit nach Halle, Bad Köstritz, Weißenfels und Dresden, in eine Region, aus der bis heute so beliebte und bekannte Komponisten stammen wie Bach & Söhne, Händel und Telemann – aber zuvor eben auch Schütz, der „Vater“ der deutschen Musik, und viele seiner Kollegen

 

 

RUHR2010 Teil XVII: Das Kantaten-Highlight in der Christuskirche in GE-Buer-Nun danket alle Gott BWV 192


Eines der bisher schönsten und musikalisch hochwertigsten Kantaten-Konzerte im Rahmen der Ruhr-Pilgrimage, konnten Wolfgang und ich am Sonntag, den 16.05.10 in der Christuskirche in Gelsenkirchen-Buer gemeinsam erleben. Das dies ausgerechnet zu unserem Treffen geschehen sollte, war warscheinlich von oben her bestimmt;-).

Auf Zollverein

Stilecht für Gelsenkirchen haben wir uns mit dem tiefer gelegten VW Jetta GT Baujahr ´87 auf breiten Schlappen und mit röhrendem Auspuff von Langenberg in Richtung Norden aufgemacht. Nach einem kleinen Foto-Abstecher auf Zollverein, habe ich mich erst mal verfahren, so dass wir nun von meinem Mann per Handy zur Kantate gelotst wurden. Vorbei an der Veltins Arena, über Autobahnbrücken, durch Baustellen, haben wir trotzdem noch die kleine Zufahrt zur Bergstr. verpasst. Kurz vor Beginn erreichen wir die kleine Kirche, neben mir sitzt – ihr kennt ihn alle – der Klimper-Tünnes aus der Matthäus-Passion in Essen…

Was hier geboten wird ist vom Allerfeinsten, das Programm ist auch schon nicht mehr als „Kantate“ zu bezeichnen, sondern ein ausgewachsenes Barock-Kammerkonzert:

Programm: Christuskirche GE-Buer - zur Vergrößerung in das Programm klicken..!!

Der Chor ist fast solistisch besetzt und besteht durchweg aus jungen Leuten, die ihre Sache wirklich super machen und auch so klingen. Dazu das passende Barockorchester „Le Chardon“ unter der Leitung von Hajo Wienroth, der selbst Traversflöte spielt. Mir wird ganz schwindelig, wenn ich die Biographien lese! Die Kantorin Christina Wienroth bietet ein Barock-Lebensfreudiges Dirigat, das wunderbar zum restlichen Konzert passt, Musik ist Energie, Medizin, Lebensbereicherung und einfach eine Herzensangelegenheit, ein verpasster Einsatz bei Samuel Scheidt wird denn so auch mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert. Damit wir wissen, welchem Choral Bachs Kantate BWV 192 zugrunde liegt, singen wir alle zusammen erst mal 3 Strophen und bereiten uns seelisch auf das, was da kommt, vor. Die Worte, die die Pastorin als Impuls zur Dankbarkeit spricht, sind berührend und sehr pragmatisch. Es ist Sitte bei „Momente der Ewigkeit“, dass der Eingangschor noch einmal wiederholt, oder am Schluss erneut gesungen wird.

BWV 192 ist ein kleines, unaufdringliches Werk, dass aus einem Eingangschor, einem Duett zwischen Sopran und Bass, sowie einem Schlusschoral besteht, eine Tenorarie soll verloren gegangen sein.

Die Solisten

Huch, es gibt eine Pause! Im Gemeindehaus direkt nebenan werden Getränke und ein kleiner Imbiss gereicht. Wer möchte, gibt eine Spende, ist ja Ehrensache, dass wir was in den Klingelbeutel geben. Wir spüren, dass man hier aufgehoben ist. Am Stehtisch kommen wir ins Gespräch mit einer Chorsängerin, der Kantorin und einer Besucherin und wir erfahren, dass die Idee der „Ruhrpottkantaten“ begeistert aufgenommen wurde und dass trotz des abgesprungenen Sponsors alle sich für die Realisierung stark gemacht haben. Wolfgang quatscht den „Klimper-Tünnes“ an…uaaah.

Der 2. Teil des Konzertes ist der Interessanteste: Heidrun Blase brilliert als Gesangssolistin  im technisch äußerst anspruchsvollen „Il Pensioroso“ (Die Nachtigall) zusammen mit dem Flötisten Hajo Wienroth, der gibt auch einige kurze Erläuterungen zu diesem wenig bekannten Stück und es macht einfach nur Spass, dem Dialog des Vogels und der Menschin zuzuhören. Anschliessend ein Konzert von Antoine Mahaut, der ähnlich wie Quantz eine Flötenschule verfasst hat.

Applaus für das Orchester

Hajo Wienroth: “ Zu dem 5. Brandenburgischen Konzert brauche ich jetzt, glaube ich, nichts sagen!“

Die Instrumente werden in diesem, sehr modernen Konzert à la Mode francaise ziemlich gleichberetigt eingesetzt, so dass jeder Instrumentalist seinen Part der Profilierung hat, in der letzten Hälfte des 3. Satzes, hat sich der Meister selbst ein Denkmal gesetzt, da die anderen Instrumente etwas in den Hintergrund gedrängt werden und das Cembalo die dominierende Rolle übernimmt. Überragend und unpretentiös: Pieter Dirksen. Handelt sich es doch warscheinlich um das erste Cembalokonzert der Geschichte! Bach soll ja mal gesagt haben, Clavierspielen wäre ganz einfach, man müßte nur zur rechten Zeit die richtigen Tasten treffen, dann würde das Instrument von ganz alleine spielen! Haha! Ohne Zögern steht die ganze Kirche zum Schlussapplaus auf und alle Musiker werden noch einmal mit einem Blumengruß bedacht. Ich bin froh, dass ich in etwas egoistischer Manier Wolfgang vom Ausharren bis zum Schluss überzeugen konnte und dass die Rückfahrt nach OWL trotz der verspäteten Abfahrt so reibungslos geklappt hat.

Biographie der Künstler-Solisten / Zur Vergrößerung in das Foto klicken..!!

Während ich mit offenen Fenstern und dem angenehmen Windzug aufs Gaspedal trete, bin ich dankbar für diesen super Tag, für das Treffen mit Wolfgang, den warmherzigen Umgang der Gemeinde mit ihren Konzertbesuchern, für die Sonne und auch die große Kunst. Danke auch an Volker für die Be- und Verarbeitung meiner E-Mails. Wir haben kräftig Werbung für unseren Blog gemacht.

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ Friedrich Schiller

TIPP: Im Rahmen der Ruhrpottkantaten tritt das Orchester „Le Chardon“ am 06.06.10 in der Petrikirche in Mülheim (Brich dem Hungrigen Dein Brot) auf.