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Neu von ALL OF BACH – veröffentlicht am 02.12.2016 – Motette BWV 228 „Fürchte dich nicht“


ALL OF BACH – veröffentlicht am 02.12.2016 – Motette BWV 228 „Fürchte dich nicht“

„Fürchte dich nicht“, BWV 228, ist eine Motette für eine Beerdigung von Johann Sebastian Bach, Satz für Doppelchor. Die Arbeit in zwei Sätzen zieht ihren Text aus dem Buch Jesaja und eine Hymne von Paul Gerhardt. Gelehrte sind nicht einverstanden über die Kompositionszeit und den Ort, der traditionsgemäß 1726 in Leipzig geglaubt wurde, während die neuere Stipendium aus stilistischen Gründen nahelegt, dass sie bereits in der Weimarer Zeit komponiert wurde.

Bach komponierte die Arbeit für eine Beerdigung. Seine Motetten wurden in der Tradition der Evangelienmotetten des 17. Jahrhunderts von Komponisten wie Melchior Franck, Melchior Vulpius und Heinrich Schütz geschrieben. Als er seine Motetten, Werke ohne zeitgenössische Poesie und ohne eigenständiges Orchester komponierte, war das Genre schon aus der Mode gekommen. Allerdings gab es offensichtlich eine Nachfrage nach solchen Arbeiten bei Beerdigungen, eine Zeremonie, für die mindestens einige von Bachs anderen Motetten geschrieben wurden.

Da die Originalpartitur nicht überlebt hat, kann die Arbeit nicht mit Sicherheit datiert werden. Traditionsgemäß glaubten die Gelehrten, dass Bach für eine Beerdigung in Leipzig im Jahre 1726 komponiert. Stilistischer Vergleich mit anderen Arbeiten wie Ich lasse dich nicht, BWV Anh. 159, schlägt vor, dass Bach es bereits in seiner Weimarer Zeit (1708-1717) schrieb.

Der Text enthält keine zeitgenössische Poesie, wie viele seiner Kantaten und Leidenschaften, sondern rein biblische Zitate und Choral, wie in anderen Motetten von Bach und seinen Modellen. Der Text besteht aus zwei Versen von Jesaja 41:10 und Jesaja 43: 1, die beide mit „Fürchte dich nicht“ beginnen. Der zweite Vers wird mit zwei Strophen von Paul Gerhardts Hymne „Warum sollt ich mich denn Grämen“ kombiniert.  Bach kennt eine Motette des ersten Verses von Jesaja, komponiert von Johann Christoph Bach.

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DAS KANN ICH BESSER !

Motette BWV 228 „Fürchte dich nicht“

Überprüft Bach hier seinen Schwiegervater?

Es wäre natürlich schön, wenn wir bestätigen könnten, dass Bach diese Motette 1726 zur Beerdigung der Frau von Stadthauptmann Winckler komponierte. Dann könnte diese Arbeit für den Doppelchor zu den anderen Motetten hinzugefügt werden, die Bach in Leipzig komponierte, oft auf Provision von Privatpersonen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass Fürchtes nicht viel früher geschrieben wurde. Es hat eine starke Ähnlichkeit mit einer anderen Motette von Bach, Ich lasse dich nicht, BWV Anh159, die von 1712-13 datiert.

Darüber hinaus zeigt die Struktur von Fürchte dich nicht starke Ähnlichkeiten mit einer Motette von Johann Michael Bach, dem Vater von Bachs erster Frau und dem führenden Motettspezialisten seiner Zeit. Seine Weihnachts-Motette für den Doppelchor mit dem Titel Fürchtet euch nicht ist in zwei Teile geteilt, genau wie Bachs „Fürchte dich nicht“. Jedes Stück öffnet sich mit Doppelchor und mit einem Text aus der Bibel. Auf halbem Weg durch beide Motetten kommen die Chöre zusammen, woraufhin die Sopranistin in einen ganz anderen Text wechselt und auf einer fugenartigen Basis schwingt, die über die drei unteren Stimmen verteilt ist und die biblischen Worte fortsetzt.

Der große Unterschied ist, dass Johann Michael in seiner ruhigen Motette (die Worte zu den Hirten, die aus dem Lukasevangelium entnommen sind: „Fürchte dich nicht, denn ich bringe große Liebesbriefe mitbringe“), Johann Michael verbindet die jubelnde Weihnachtsbotschaft mit dem ebenso fröhlichen lutherischen Choral ‚Gelobet seist du, Jesu Christ‘. Johann Sebastian hingegen entscheidet sich für eine viel größere Komplexität in seinem Fürchtigen nicht. Im biblischen Text, genommen von Jesaja, betont er die Zweifel und Ängste der Gläubigen. Demgegenüber stehen die tröstlichen Worte von Paul Gerhardts Chor „Warum solt ich mich denn grämen“, gesungen von der Sopranistin, noch stärker heraus.

Ende 1707 heiratete Bach Johann Michael Bachs Tochter Maria Barbara. In dieser Zeit war er immer noch stark geleitet von dem, was seine Vorgänger geschrieben hatten – vorzugsweise versuchen, sie mit einem kompositorischen Meisterwerk zu schachteln. Natürlich können wir es nicht genau wissen, aber es wäre genauso wie der junge Bach, eine wunderbare Motette als etwas zweifelhaftes Tribut an seinen neuen Schwiegervater zu schreiben.

Motetten, BWV 225-231, 118 und Anh. 159
Kantaten waren Bachs tägliches Brot und ein regelmäßiger Teil seiner wöchentlichen Aufgaben als Kantor von St. Thomas. Seine Motetten waren ganz anders. Abgesehen von der Kantate wurde in Leipzig kaum neue Musik gespielt (Musik wurde stattdessen aus der Motettsammlung Florilegium Portense ausgewählt). Dies gab Bach Raum für schriftliche Auftragsarbeiten für private Anlässe, oft Beerdigungen. Leider sind vermutlich Dutzende dieser Arbeiten verloren gegangen. Die Stücke, die überlebt haben, blieben im Repertoire seit ihrer Komposition im Gegensatz zu Bachs anderen Vokalwerken.

Die überlebenden authentischen Motetten – neun Werke, obwohl die Forschung weiter – bauen auf ein Genre mit einem beeindruckenden Pedigree. Vor dem Hintergrund der strengen Renaissance-Polyphonie entlehnte die Generation von Schütz (1585-1672) Elemente der opulenten, polychoristischen Werke von Giovanni Gabrieli und gab ihnen eine mitteldeutsche, lutherische Torsion. Auch im Fall Bachs konzentrierte sich der Inhalt auf Choräle und biblische Passagen, wobei der weltliche Madrigalismus (oder einfach: Darstellung der Worte) nur dazu dienen sollte, den Ausdruck des religiösen Genres zu verstärken.

(Text: ALL OF BACH)

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Video: Motette BWV 228 „Fürchte dich nicht“

all-of-bach-bwv-228

Zum Anhören in das Foto oder diesen Text anklicken! 


Ich wünsche allen eine schönen 2. Advent!

Grüße sommerk

Radiotipps 16.2. – 19.2.2012


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Links zu den Radiosendern sind auf der Seite WebRadios zu finden:

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16.2.2012

SWR2
20:03-21:00

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Die wichtigsten Quellen der historischen Aufführungspraxis (2/7)
Johann Joachim Quantz: „Versuch einer Anweisung, die Flöte traversiere zu spielen“
Doris Blaich im Gespräch mit dem Flötisten Michael Schmitt-Casdorff

Der Titel dieses Buches ist ein Understatement: Johann Joachim Quantz, der Flötenlehrer von Friedrich dem Großen, hat hier nämlich nicht nur eine – sehr detaillierte – Flötenschule geschrieben, sondern auch wichtige Hinweise für Instrumentalisten jeglicher Couleur festgehalten: Der Konzertmeister findet Tipps, wie er ein Orchester gut anführen soll, Tutti-Streicher erfahren, worauf es im Orchester ankommt, Cembalisten können ihre „Pflichten“ nachlesen. Außerdem findet man wichtige Anmerkungen zur Musikästhetik des 18. Jahrhunderts. 1752 erschien in Berlin die erste gedruckte Ausgabe von Quantz‘ „Allrounder“. Für jeden, der sich für Barockmusik interessiert, ist dieses Buch eine Fundgrube – überdies ist es gut geschrieben, und der Humor kommt auch nicht zu kurz. Der Flötist Michael Schmidt-Casdorff erzählt im Gespräch mit Doris Blaich, was ihm Quantz‘ „Versuch“ bedeutet – für sein eigenes Musikmachen und für seine Unterrichtstätigkeit. Übrigens hat Schmidt-Casdorff, der ursprünglich von der Querflöte kam, das Spielen auf der historischen Traversflöte autodidaktisch mit diesem Buch gelernt. Heute unterrichtet er Traversflöte und Kammermusik an der Münchner Musikhochschule und spielt in einigen renommierten Alte-Musik-Ensembles. (Teil 3, Donnerstag, 23. Februar, 20.03 Uhr)

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18.02.2012
WDR3
13:04-15:00

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Musikpassagen
Einfach.Kompliziert.
Bach schreibt fünfstimmige Fugen: hätten es nicht auch vier Stimmen getan? Schon früh ist Musik, vor allem wenn sie sich als Kunst versteht, ein Spiel mit Komplexität. Was treibt den englischen Renaissance-Tüftler Thomas Tallis dazu, sein „Spem in alium“ als vierzigstimmige Raummusik zu notieren? Sein Landsmann Brian Ferneyhough schreibt, vierhundert Jahre später, kaum noch entzifferbare Partituren: wer kann noch folgen? Eine Musikpassage über das Hören von vertrackter Musik als Übung in „Komplexitätstoleranz“: Wer zulässt, nicht alles zu „verstehen“, findet neue Schätze, auch bei Beethoven.

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WDR3
19:00-20:00
Vesper

Altbachisches Archiv

Johann Bach
Unser Leben ist ein Schatten; Cantus Cölln, Leitung: Konrad Junghänel

Johann Michael Bach
Auf, lasst uns den Herren loben; Gérard Lesne, Countertenor; Il Seminario Musicale

Johann Christoph Bach
Es erhub sich ein Streit; Maria Zedelius, Sopran; Ulla Groenewold, Alt; Paul Elliott, Tenor; Stephen Varcoe und Michael Schopper, Bass; Rheinische Kantorei; Musica Antiqua Köln, Leitung: Hermann Max

Johann Sebastian Bach
Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn, BWV Anhang 159; Hilliard Ensemble

Johann Sebastian Bach
Capriccio E-dur, BWV 993 „In honorem Johann Christoph Bachii“; Masaaki Suzuki, Cembalo

Anonymus
Weinet nicht um meinen Tod; Cantus Cölln, Leitung: Konrad Junghänel

Adam Dreese
Nun ist alles überwunden; Cantus Cölln, Leitung: Konrad Junghänel

Johann Christoph Bach
Mein Freund ist mein und ich bin sein, aus „Meine Freundin, du bist schön“; Nele Gramß, Sopran; Ensemble Movimento

Johann Michael Bach
Nun hab ich überwunden; Choir of Trinity College, Leitung: Richard Marlow

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19.2.2012

rbb kulturradio
18:04-19:00
Musikland Brandenburg

Alte Musik wird in Brandenburg groß geschrieben. Viele Ensembles, die sich auf Alte Musik und Barockmusik spezialisiert haben, waren in den vergangenen Jahren in den Kirchen und den Konzertsälen der Region zu Gast – vom King’s Consort bis zu den English Baroque Soloists.

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Liebe Grüße

Barbara

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Radiotipps 6.12. – 11.12.2011


6.12.

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DRS2
16:03-18:00
Große Interpretationen
Ein Leben für die Musik – Nikolaus Harnoncourt

rbb Kulturradio
20:04-21:00
Klassik-Werkstatt
Ein profunder Komponist“
Motetten von Johann Christoph Bach

Johann Sebastian Bach hielt große Stücke auf seinen Großcousin und sammelte seine Noten, die später im sogenannten Altbachischen Archiv überliefert wurden.

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11.12.

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DRS2
16:03-18:00
Parlando
Die „drey berühmten S“ – Ein Musikfest zu Ehren der Komponisten Schütz, Schein und Scheidt in Mitteldeutschland

Mit Johann Hermann Schein zechte Heinrich Schütz in Weissenfels, mit Samuel Scheidt reiste er zur einer Orgelprobe nach Bayreuth. Die „drey berühmten S, die man zu dieser Zeit für die besten drey Componisten in Teutschland gehalten“, wie es noch 1690 hiess, kannten einander gut. Und registrierten genau Karrierewege und Kompositionen. Johann Samuel Schein (1586-1630), dichtender Komponist, brachte es zum Thomaskantor in Leipzig, Samuel Scheidt (1587-1654) wirkte in seiner Geburtsstadt Halle/Saale einige Zeit als Director musices und prägte mit seinen Publikationen Orgelspiel und Gebrauchsmusik nachhaltig – und eben Heinrich Schütz (1585-1672), weit gereister sächsischer Hofkapellmeister.

Unter dem Motto „Glaubenstrost und Lebenslust“ standen diese drei Herren im Zentrum des diesjährigen Heinrich-Schütz-Musikfestes in Mitteldeutschland. Birgit Kiupel nimmt sie mit nach Halle, Bad Köstritz, Weißenfels und Dresden, in eine Region, aus der bis heute so beliebte und bekannte Komponisten stammen wie Bach & Söhne, Händel und Telemann – aber zuvor eben auch Schütz, der „Vater“ der deutschen Musik, und viele seiner Kollegen

 

 

Geistliche Chormusik u.a. vom Bückeburger Bach – Johann Christoph Friedrich Bach


Bückeburger Bach - Johann Christoph Friedrich Bach

Vorgestern erhielt ich die CD mit „Geistlicher Musik der Bach-Familie“ darin enthalten von dem Bückeburger Bach „Johann Christoph Friedrich Bach“eine Motette es ist eine filigrane CD vom Label: Conventus Musicus – in 1992 veröffentlicht, und möchte sie unbedingt weiterempfehlen.

Auf der CD ist u.a. die dreiteilige Motette: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ vom Bückeburger Bach  enthalten und entstand im Jahr 1780 oder 1781 in Bückeburg. Es ist eine vierstimmige Motette und entwickelt sich aus dem aufsteigenden Dreiklang des „Wachet auf“ eine kunstvoll-virtuos gearbeitete Introduktion. Den Hauptteil des Satzes bildet eine Choralbearbeitung nach dem Vorbild der alten thüringischen Cantus-firmus-Motette, mit der Liedmelodie im Sopran, bevor am Ende des Satzes die Introduktion in verkürzter Form noch einmal zurückkehrt. Beinahe unverändert übernimmt Johann Christoph Friedrich nun den Schlusschoral im 3. Satz aus der Kantate BWV 140 seines Vaters und führt die Schlußzeile „des sind wir froh…“ in einem eigenen freien Fugato weiter, ohne jedoch die tonale Grundebene noch einmal zu verlassen.

Cover: Bach-Familie Geistliche Musik

CD-Inhalt:

Bach, Johann Christoph (1642-1703) • Sei getreu bis in den Tod
Bach, Joh. Christoph Friedrich (1732-1795) • Wachet auf, ruft uns die Stimme!
Bach, Johann Michael (1648-1694) • Sei, lieber Tag, willkommen (zu Neujahr)
Bach, Johann Michael • Unser Leben währet siebenzig Jahr
Bach, Johann Christoph • Ich lasse dich nicht
Bach, Johann Sebastian (1685-1750) • Kyrie eleison, Christe du Lamm Gottes BWV 233a F-dur
Homilius, Gottfried August (1714-1785) • Der Herr ist mein Hirte
Ich will den Herren loben allezeit • Sehet, welch eine Liebe
Selig sind die Toten • Unser Vater in dem Himmel

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Bestell-Nr.:

CD CM 1030   für  Euro 12,90 zuzüglich 3 Euro für Versand.

Bestellungen bitte direkt an:
Conventus-Musicus
Postfach 68
97335 Dettelbach

Tel.: 09321-9243986

oder per
E-Mail:

cm@conventus-musicus.de

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Symbol für eine Hörprobe

Eine Hörprobe von Johann Christoph Friedrich Bach (Bückeburger Bach) Satz drei „Gloria sei dir gesungen“ aus der Motette: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ füge ich nachstehend bei:

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Impressionen zur Vokalgruppe „IL CONCERTO PICCOLO München, zur Vergrößerung in das Foto klicken:

Historie zu IL Concerto Piccolo

Besetzungsliste von Il concerto ciccolo München

Ensemble Il concerto piccolo München während der Aufnahme in München

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Ich möchte allen noch einmal zur Erinnerung den Beitrag; „Auf den Spuren des Bückeburger Bach – Johann-Christian-Friedrich Bach“  – hinweisen.

Link:  https://meinhardo.wordpress.com/2009/09/25/auf-den-spuren-des-buckeburger-bach-johann-christoph-friedrich-bach/

Grüße

Volker

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Ensemble Elbipolis begeistert in Ohrdruf-Thüringen


Hallo,

ich beginne hier mit meinen Rezensionen zu den Veranstaltungen – ausgerichtet vom MDR – unter dem Motto: „Bach und seine Städte.“ – mit dem Konzert von Elbipolis in der Trinitatiskirche in Ohrdruf-Thüringen am 22.7.2009.

Flyer: Elbipolis in Ohrdruf-Thüringen

Flyer: Elbipolis in Ohrdruf-Thüringen

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Foto Ev Trinitatiskirche in Ohrdruf-Thüringen

Programm:

Johann Friedrich Bach (1676-1749) Ouvertüre für 2 Violinen, Viola e Continuo

Johann Christoph Bach (1642-1703) „Meine Freundin, du bist schön“

Johann Sebastian Bach (1685-1750) Ouvertüre a-Moll BWV 1067a

Johann Sebastian Bach (1685-1750) Trauungs-Kantate BWV 196 „Der Herr denket an uns“

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Ein blutjunges Ensemble „Elbipolis“ stellte sich in Ohrdruf vor. Elbipolis, eine fiktive Stadt an der Elbe  – oder wie man von Hamburg sagt: Das Tor zur Welt. Ein Barockorchester am Tor zur Welt. Mit lokalen Wurzeln und Leidenschaft für die eigenen Musikgeschichte. Das junge Ensemble, das sich im Kern aus profilierten Bremer, Hamburger und Berliner Musiker zusammensetzt, hat in kürzester Zeit viel erreicht. Die norddeutschen Musiker machen immer wieder mit einer erfrischenden Mischung aus fundiertem Handwerk und unkonventionellem Auftreten auf sich aufmerksam. Als Leiter von Elbipolis fungiert der junge dynamische schwedische Dirigent: Olof Borman.

Elbipolis: Dirigent Olof Boman, Violoncello: Inka Döring und Susanna Weymar, Kontrabass: Alf Brauer

Foto: Elbipolis: Violoncello: Inka Döring und Susanna Weymar, Kontrabass: Alf Brauer

Johann Friedrich Bach wurde 1676 in Erfurt geboren und war nach seiner musikalischen Ausbildung an der Kaufmannskirche in Erfurt angestellt. Nach einer kurzen Zwischenstation als Organist in Magdeburg (Katharienenkirche) – kehrte er nach Erfurt zurück und übernahm  später als Nachfolger seines verstorbenen Vetters 2. Grades – Johann Christoph Bach ((1642-1703) – in Eisenach die Organistenstellung an der dortigen Georgenkirche bis zu seinem Tode in 1749. Überliefert sind von Johann Bernhard Bach ausschließlich Instrumentalkompositionen. J.S. Bach schätzte diese Werke seines Vetters sehr, die farbigen, abwechslungsreich gestalteten Sätze beeindruckten ihn sehr und liess sie von seinem Leipziger „Collegium musicum“ abschreiben.

Genau in dieser erfrischenden und unkonventionellen Art präsentierten sie zum Anfang die „Ouvertüre für 2 Violinen und Bc D-Dur“ von Johann Friedrich Bach. Heiter, schwungvoll  und voller Poesie beinhaltend – glänzten die jungen Musiker in einer wunderschönen Aufführung, die maßgeschneidert zu dem sommerlichen Abend in einer berauschenden Barockpracht zu Gehör gebracht wurde. Virtuos verstehen sie ihr musikalisches Handwerk und setzten das auch erfolgreich um. Von dieser dynamischen jungen Truppe wird in Zukunft noch Einges zu erwarten sein.

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Cover: Johann Bernhard Bach, Ouvertüre D-Dur -bei jcp zu beziehen

Link: Hörproben bei jpc

Disk 1 von 2 anklicken..!!

danach an 1. Stelle die „Suite (Ouvertüre) für Streicher und Basso continuo D-Dur“ anklicken…!!

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Schauspielerisches Talent entwickelten die Sopranistin „Yeree Suh“ und den glänzend auftrumpfenden Bassist: „Nils Cooper“ in der wiedergegebenen Kantate: „Meine Freundin, du bist schön“ von dem Eisenacher Organisten und Komponisten: Johann Christoph Bach.

Die Kantate: „Meine Freundin, du bist schön“ ist vermutlich anlässlich einer Hochzeit entstanden, wird doch eine Liebesgeschichte aus dem alttestamentlichen Hohelied wiedergegeben.  In ihrer Begleitung der Vokalstimmen sowie in zahlreichen Zwischenspielen kommentieren die Streichinstrumente dabei in überaus  plastischer und ausdrucksstarker Weise den gesungenen Text.

nils-cooper-und-yeree-suhFoto Nils Cooper; Bass und Yeree Suh, Sopran, in Meine Freundin du…

Einen überzeugenden gesanglichen Part gelang der Sopranistin Yere Suh mit einem glänzend aufgelegten Bass: Nils Cooper, er besitzt ein Stimmvolumen der Extraklasse und schauspielerisches Talent. Als Regieassistent war Cooper schon tätig und das war unübersehbar. Dazu das glänzend disponierte Orchester ergab in sich eine  gelungene Wiedergabe.

Nach einer ausgiebigen Pause – wohl wegen den hochsommerlichen Temperaturen – erklangen anschließend zwei Werke von J.S. Bach.

Sommerliche Pause an der Trinitatiskirche

Sommerliche Pause an der Trinitatiskirche

Die Ouvertüre a-Moll BWV 1067 a von J.S. Bach erklang nach einem umfangreichen Stimmen der Instrumente in einer bewundernswerten klanglichen Einheit. Die Instrumentalisten hatten ganze Arbeit geleistet, kein Missklang eines Instrumentes war zu vernehmen, es geht doch, wenn man sich Mühe gibt – hier kann sich so manches namhaftes Barock-Orchester von den „Elbipolis“ Anleihen nehmen, wie alte Instrumente bei sommerlichen Temperaturen zu stimmen sind….!! Frisch, ungekünzelt und in herrlichen barocken Klangfarben erklang diese bewundernswerte Bach-Ouvertüre.

Zum Abschluss erklang von J.S. Bach die Trauungs-Kantate BWV 196 „Der Herr denket an uns“ von 1708. Sie soll bei der Trauung zum 1. Juni 1708 für die Hochzeit des Pfarrers Johann Lorenz Stauber mit Regina Wedemann, einer Tante der ersten Frau – (Maria Barbara Bach) von J.S. Bach – komponiert worden sein. Der selbige Pfarrer, – eine innige Freundschaft bestand mit ihm zu J.S. Bach –  traute am 17.10.1707 J.S. Bach und Maria Barbara Bach in der St. Bartholomäi Kirche in Dornheim.

Desgleichen sollten wir am Folgetag als Besucher der Trauungskirche von „St. Bartholomäi“ in Dornheim von dem Vortragenden auf dieses Ereignis noch einmal hingewiesen werden. Nach seinen Worten war  J.S. Bach bei der Trauung als konzertant Aufführender bei der Trauung des befreundeten Pfarrers:  „Johann Lorenz Stauber“  – in St. Bartholomäi zugegen.

Hinweis auf die Trauung in Dornheim

Hinweis auf die Trauung von J.S. Bach in Dornheim

Trauungskirche von J.S. Bach St. Bartholomäi in Dornheim

Foto: Trauungskirche von J.S. Bach St. Bartholomäi in Dornheim

Bewundernswert ist das stimmige und homogen agierende Gesangsquartett von Sopran-Alt-Tenor und Bass zu benennen ihre musikalische Unterstützung erhielten sie wiederum durch das fantastisch aufspielende Elbipolis-Orchester. Mit dem ausklingenden „Amen“ im Schlusssatz der Trauungs-Kantate ging ein ereignisreicher Konzertabend  viel zu schnell zu Ende. In dem ganzen Konzert agierte ein junger dynamischer Olof Borman als Dirigent, der alle mit seinem Schwung und seiner Begeisterung zu inspirieren wußte. Hier wird  in Zukunft von ihm und seinem Elbipolis-Ensemble noch viel Gutes zu hören sein. Es ist ein sehr entwicklungsfähiges junges und dynamisches Orchester mit einem ebenso ausgeprägten Leiter. Es machte riesigen Spass, ein neues hoffnungsvolles Nachwuchs-Ensemble erlebt haben zu können.

Gesangs-Solisten und Leiter von Elbipolis Olof Boman

Foto:  von links: Yeree Suh; Sopran, Ivonne Fuchs; Alt, Dirigent Olof Boman, Volker Arndt; Tenor

Der frenetische Schlussapplaus belegte das Können dieser Truppe und entließ den Besucher in eine laue Sommernacht. Das war ein gelungener Einstieg vom MDR-Musiksommer 2009 unter dem Motto: „J.S. Bach und seine Städte“ und machte uns neugierig und gespannt auf den kommenden Tag mit dem „Magdalena Consort“ in der Bachkirche von Arnstadt.

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Hörproben: vom BWV 196

Cantata, BWV 196, _Der Herr Denket an uns__ I. Sinfonia

Cantata, BWV 196, _Der Herr Denket an uns__ V. Coro _Ihr Seid Die Gesegneten Des Herrn_

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Dem Veranstalter: „MDR“ möchte ich an dieser Stelle ein Sonderlob aussprechen für seine ausgezeichnete Organisation, zivile Preise bei Weltklasse-Orchester und Solisten und ein freundliches und zuvorkommendes Personal im Service, dafür ein ganz herzliches Danke…!!

Gruß

Volker

Webnews

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Archiv-Beitrag: Zweifelhafte Autorenschaft für die Motette: BWV Anhang 159


Hallo zusammen,

@Alex hat eine interessante Anfrage an mich gerichtet, die ich hier wiedergeben möchte, es wird sicherlich auf großes Interesse stoßen, diese Motette von J.S. Bach: BWV Anhang 159; wurde nur teilweise in dem Braunschweiger Konzert vom Monteverdi Chor gesungen.

Die Anfrage lautet:

Hallo Volker,

wer steht denn im Programm als Komponist von Anh. III 159? Schmieder schwankt zwischen Johann Christoph Bach und Johann Christian Bach.
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Hierzu möchte ich der Allgemeinheit folgende Hinweise geben:

Im Programheft von Braunschweig sind folgende Angaben:

Johann Sebastian Bach, Motette: BWV Anhang 159

ich habe einmal bei Dürr nachgeschlagen, da ist leider eine Motetten-Angabe nicht aufgeführt, im Blog wird die Kantate BWV 157 “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” genannt,

was ich für sehr problematisch halte, hier werden wohl Äpfel mit Birnen verglichen, die erste Strophe hat zwar den Text-Inhalt “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” wie in der 1. Strophe der Motette BWV Anhang 159, aber die Kantate 157 wurde von Bach zu einem ganz anderen Anlass komponiert. Dass Bach auf bestehende Texte zurückgriff und kopierte ist bekannt.

Die Kantate BWV 157 wurde am 6. Februar 1727 in einem feierlichen Gedächtnisgottesdienst in der Pomßener Kirche, aus Anlass des verstorbenen Hof- und Appellationsrat “Johann Christoph von Ponickau”, aufgeführt. Die Texte der Kantate BWV 157 finden sich wieder in Picanders Gedichtsammlung. Ein ausgedehntes Trauergedicht auf (Picanders) eigenen Tod und unmittelbar anschließend den Text der Kantate: “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn…

Im Internet fand ich folgenden Hinweis: Die Apokryphen Motetten BWV Anhang 159-165

hier wird nur die 1. Strophe eingespielt “Ich lass dich nicht….

Die Motette könnte als Autorenschaft: Johann Sebastian Bach oder Johann Christoph Bach: “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn “Motette BWV Anhang 159″ zugeordnet werden können..

Der Autor Klaus Hofmann veröffentlichte in 2003 ein Buch über:

Johann Sebastian Bach. Die Motetten; Kassel , (Bärenreiter-Verlag) 2003

Der Hauptteil des Buches ist der ausführlichen Analyse von acht Motetten Bachs gewidmet. Zu den sechs bekannten zählt der Verfasser noch „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ (BWV Anh. 159) und „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ (BWV Anh. 160). Diese Einbeziehung begründet er ausführlich und überzeugend.

Das Buch ist bei amazon erhältlich für 17,95 €

Ein PDF-Dokument füge ich zur weiteren Information bei:

Link: Informationen zum_BWV 225_ff

Diese vorgenannten Angaben sind Diskussionswürdig und bitte um Eure Kommentare ….

Grüße

Volker