Kritische Äusserungen zum Thomaner Chor

Hallo,

ich möchte noch einmal dieses Thema: Ausbildung „Thomaner Chor“ aufgreifen, weil die Reaktion auf diesen Beitrag mit dem Artikel im „SPIEGEL“ aus Dezember 2008 gegen „null“ tendierte. Warum frage ich mich – ist die Reaktion aus der Bach-Fraktion so gering, – ist es Gleichgültigkeit was mit den Thomaner-Schülern geschieht, es sollte doch dem Bach-Freund nicht egal sein, mit welchen Problemen in der Ausbildung die Thomaner täglich konfrontiert werden, also gebt dazu doch einmal eure Meinung ab, es ist sicherlich ein heikles Thema, aber sollte trotzdem abgehandelt werden. Bin auf eure Meinung dazu gespannt.

Der alte Beitrag ist unter dem ehemaligen Link aufrufbar:

Link: http://meinhardo.wordpress.com/2008/12/21/artikel-im-spiegel-uber-den-thomanerchor/

und hier die Link-Angabe zum Spiegel-Artikel aus Dezember 2008:

Link: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,596530,00.html

Gruss

Volker

P.S. Den PDF-Artikel von @Alex füge ich einmal zum Test anbei:

PDF-Thomaner-Artikel Zeitschrift Kreutzer

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20 Gedanken zu „Kritische Äusserungen zum Thomaner Chor

  1. Alex

    Ich kann heute Abend noch einen zweiten Artikel des Leipziger kreutzer reinstellen. Um das Thema wird in Leipzig ziemlich gekämpft. Alex

    Antworten
  2. Volker

    Hallo Alex,

    der SPIEGEL-Artikel hat ziemlich viel Wirbel gemacht, ich sehe das in meinen Auswertungen, wie viele nach diesem „Tag“ gesucht haben, es hat im Blätterwald nur so gerauscht. Ob nun Änderungen erfolgen werden, kann ich von hier aus nicht feststellen, da bist Du vor Ort und wirst sicherlich Erhellendes mit dem weiteren Artikel beisteuern können.

    Gruss
    Volker

    Antworten
  3. Volker

    Hallo Alex,

    ich finde den Artikel der „Leipziger Kreutzer Zeitung“ ist im entsprechenden Journalisten-Genre verfasst worden und hat nicht den aufreizenden SPIEGEL-Jargon – wofür sie so bekannt sind. Einige erhellende Sichtweisen zu der Thematik „Thomaner“ ist dem Artikel zu entnehmen, wovon im SPIEGEL überhaupt nichts berichtet wird.

    Wir kennen alle die finanzielle Not der Städten und Gemeinden, Kultureinrichtungen stehen zur Finanazierung an fast letzter Stelle und die Komunen können nicht von heute auf morgen alles stemmen, das ist ein fataler Gesichtspunkt, der nicht unerwähnt bleiben darf.

    Über die andere Problematik der Ausbildung, Mobbing, etc. lasse ich mich nicht aus, dafür fehlt mir das Insiderwissen und überlasse das den Mitmenschen, die vor Ort das eindeutiger darlegen können.

    Fürs erste erst einmal danke für den Artikel, den ich mit Interesse gelesen habe, sollten weitere Aussagen zu der Thematik Dir vorliegen oder bekannt sein, wäre es für uns interessant, davon Kenntnis zu bekommen.

    Gruss
    Volker

    P.S. @Alex, bei Kommentare habe ich nur einen Link zugelassen aus Spam-Gründen – die Link-Angabe von Dir habe ich mit reingestellt, mehr dazu von mir per PM.

    Antworten
  4. Barbara

    Hallo zusammen,
    Volker hatte mich gebeten, auch meine Sicht zu dem Spiegelartikel zu äußern.
    Zu diesem habe ich mich aus gutem Grund nicht geäußert
    und werde ich mich auch nicht äußern. Es ist ein subjektiver Artikel, der EINEN Aspekt herausstellt. Es mag so sein oder nicht, aber für mich gehört eine Diskussion, wo ich nicht die Fakten kenne, also für mich reine Spekulation ist, nicht in die Öffentlichkeit. Ich kann doch nicht aufgrund eines Spiegelartikels aus weiter Ferne laut aufschreien.
    Wobei mein erster Gedanke war, als ich den Artikel gelesen habe, wieso die Eltern nicht ihre Konsequenzen ziehen, wenn ihre Kinder dort unglücklich sind. Und wenn Eltern das nicht mitbekommen…. Das könnte jetzt hier eine Debatte über Erziehungsfragen werden, die ich aber höchstens auf privater Ebene akzeptieren würde. Und der zweite Artikel, den Alex uns zugänglich gemacht hat, stellt für mich einiges klarer und bestärkt mich in meiner Haltung.
    Schönes Wochenende
    Barbara

    Antworten
  5. Volker

    Hallo,

    zu dieser Thematik habe ich einmal Google benutzt, da ist mir ein Artikel von Mephisto 97,6 (Leipzig) aufgefallen:

    —————————————————-

    Kritik am Leipziger Thomanerchor
    Montag, 15. Dezember 2008, 11:52 Uhr
    Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat in seiner neuesten Ausgabe am Image des Thomanerchors gekratzt. Die Kinderziehung sei zu streng, es gebe zu wenig Platz und Betreuung für die Kinder. Nicht nur die Leitung des Thomanerchors sieht das anders.

    —————————————————

    Link zu dem Artikel füge ich nachstehend bei:

    Link: http://mephisto976.uni-leipzig.de/sendungen/faustschlag/beitrag/artikel/kritik-des-thomanerchors.html

    Dort sind Gegenargumente des Thomanerchors einsehbar und ein Studiogespräch von Veronika Laggerbauer mit Tino Dallmann zu hören.

    Des weiteren ein Link mit Lesermeinungen dazu von der LZ – Leipzig:

    http://forum.lvz-online.de/neues-aus-der-messestadt/2267-die-thomaner-der-kritik.html

    Das als eine weitere Quellangabe von mir zu der ganzen Bandbreite zur Thomaner-Kritik.

    Gruss
    Volker

    Antworten
  6. Alex

    Hallo allerseits,
    als ich den Spiegel-Artikel gesehen habe, dachte ich, endlich kommt mal jemand mit solchen Themen an die Öffentlichkeit. Was beide Artikel – Spiegel und kreutzer – meiner Meinung nach unterschlagen, ist das, was Barbara gesagt hat: warum holen die Eltern ihr Kind nicht einfach da raus? Auch könnte man fragen: es leiden ja nicht alle, manche sind sozialisiert, manche eher Opfer, manche eher Täter – und woher haben die Leute ihre Rollen? Ihre Rollen bringen die Leute von zu Hause mit. Wie Erlebnisse verarbeitet werden, wie das Leben im Internat erlebt wird, wo der Platz im Rudel ist. Das sind erlernte Muster. Die Rolle als mitgebrachtes Stück Primärfamilie. Irgendwie kommt mir vor, als würden einige Eltern die Schuld wegdeligieren wollen, an die Stadt, an den Mangel an Mitteln …
    Danke auch dir, Volker, für die interessanten Links!
    Alex

    Antworten
  7. Volker

    Hallo,

    zur Abrundung des Themas „Thomaner-Chor“ in der Kritik, stelle ich einen weiteren Link zur Verfügung.

    U.a. heisst es dort:
    Link: http://www.sonntag-sachsen.de/2008/12/thomanerchor-mehr-bewerber-erwuenscht/

    Überschrift: Thomanerchor: Mehr Bewerber erwünscht

    Angeprangert wird das »Korsett von Ordnung, Disziplin, Anpassung, Verzicht, Lei­stung und Unterordnung«.

    Diese Kritik an den Lebensbedingungen der Jungen im Internat kann Grit Miamingui, die für die musikalische Nachwuchsgewinnung der Thomaner zuständig ist, nicht nachvollziehen: »Viele Eltern, die sich um einen Platz für ihren Sohn bewerben, sehen es als einen Pluspunkt, dass die Kinder durch die Erziehung geführt werden.«

    Chrisian Wolff, Pfarrer der Thomaskirche, hofft, dass sich die Lage des Chores durch das »Forum Thomanum« verbessert. »Die riesigen Schlafsäle der Thomaner etwa sind nicht mehr zeitgemäß.«

    Bis zur 800-Jahr-Feier des Thomanerchors 2012 soll der Campus mit Grundschule, Mensa und umgestaltetem Gemeindehaus sowie Alumnat fertig sein. Ein Kindergarten eröffnete bereits in diesem Sommer.

    Die Nachwuchs-Verantwortliche des Thomanerchores Grit Miamingui ist überzeugt, dass die Thomaner auch aus einem anderen Grund künftig wieder mehr Zulauf erhalten werden: »Eltern schauen heute genau hin, wenn es um Bildung geht. Bei den Thomanern lernen ihre Kinder, Regeln einzuhalten.«

    —————————————-

    Ich von meiner Seite habe versucht, neutral und ohne eine persönliche tiefgreifende Stellungnahme dazu etwas zu hinterlassen. Es ist immer schwierig, aus einer weiten Entfernung vom Ort des Geschehens eine Aussage zu tätigen. Hierzu können nur die Betroffenen vom Almunat sich gezielt äußern, mich wundert es nur, dass dazu im Internet nichts zu finden ist.

    Meine Frage: ist dieser Spiegel-Artikel nicht nur als eine reine Sensations- und publikumswirksame Aufmachung anzusehen und wird hier nicht „mit Kanonen auf Spatzen geschossen?“
    Die Problematik im Alumnat wird wohl allen Verantwortlichen (Eltern, Erziehern…, etc.) bekannt sein, was daraus gefordert werden könnte heisst, die bekannten Missstände zu beheben was mit dem neuen „Forum Thomanum“ wohl in die richtige Richtung weist.

    Die Prügel auf die Thomaner können sich auch auf andere Internate übertragen lassen, da herrschen ebenso Misstände werden aber nicht soooo herausposaunt. Sind nicht auch die Eltern Schuld an der Misere, gut begüterte geben ihre Kinder in einem Internat ab und überlassen sie ihrem Schicksal ohne groß zu hinterfragen, ist das gut für meinen Sprössling, wahrscheinlich das Gegenteil, sie sind die Verantwortung los und können ungeniert ihr Leben ausleben, ohne sich um ihre Kinder kümmern zu müssen, leider..!!

    Gruss
    Volker

    Antworten
  8. Barbara

    Hallo Volker,
    es ist ja nun wohl ein wenig zu pauschal, Internate generell als Stätte für Gutbegüterte, die ihre Kinder abschieben, zu verurteilen. Ich habe die Entwicklung von Kindern, die auf unterschiedlichsten Internaten mit verschiedenen Zielsetzungen gegangen sind. Das perfekte System gibt es nicht, jedes Internat hat damit zu leben, dass die Kinder nun mal keine Engel sind (auch wenn sie im Falle der Thomaner so singen), sondern dass es sowas wie Gruppendynamik, Pubertät, unterschiedlichste Temperamente gibt. Das geht nur mit ganz klaren Regeln. Der eine kommt damit klar, der andere braucht einfach mehr Kuscheleinheiten und ist im Internat an der falschen Stelle. Da können noch so viel Betreuer sein, es wird immer welche geben, die damit nicht klarkommen. Das ändert nichts daran, dass möglicherweise in Leipzig einiges oder auch vieles im Argen liegt, es wäre ein Wunder, wenn nicht. Aber bei vielen Problemen kommt es schon auf die eigene Sichtweise an. Und wenn ich mir so die Entwicklung betrachte, können viele mit Disziplin nicht mehr viel anfangen. Und so sind schnell Tugenden, die die einen für wichtig erachten, Kindern zu vermitteln, für andere ein Unding.
    Viele Grüße
    Barbara

    Antworten
  9. Volker

    Hallo Barbara,

    scheint wohl heftig zu sein meine Aussage, aber während eines Schultreffens mit ehemaligen Klassenkameraden sind von zwei ehemaligen Mitschülern genau diese Sätze gefallen, eine pauschale Abqualifizierung habe ich nicht beabsichtigt und sollte so auch nicht wahr genommen werden.

    Gruss
    Volker

    Antworten
  10. Wolfgang Adam

    Hallo Thomas-Freunde!

    Trotz aller Querelen in Leipzig -, ‚trotz dem alten Drachen‘, der heute Mißmacherei oft heißt, kann der Thomanerchor und sein Thomaskantor doch so viel in diese säuerlichen Welt einbringen, deren ‚higlights‘ so dürftig geworden sind. Die betroffenen Eltern und die Thomas-Schüler werden ihre Angelegeheit im Hause Thomas-Schule besprechen und neue Wege finden. Da gehört die Angelegenheit hin. Und das ist gut so.

    Mich elektrisiert diese Nachricht von St.Thomae und gebe sie gerne weiter:
    Der Thomaskantor predigt in St.Marien, Herford am 1.Juni um 19.30 Uhr.

    Sonntags Kantate in Leipzig. Montag Predigt (!)in Herford. Das ist Einsatz!

    Innerhalb einer Vortragsreihe ‚Mauerfall vor 20 Jahren bringt Pfarrer Storck sehr viele prominente Zeitzeugen auf den Stiftsberg:

    11.3. 19.30 Joachim Gauck
    23.4 Wolf Biermann
    Jochim Eppelmann

    u.a.

    Beachtenswert, dass der Thomaskantor sich auch für die Wort-Verkündigung einsetzt.

    Gruß

    @Wolfgang

    Antworten
  11. Volker

    Hallo @Wolfgang,

    Du bist auch immer für eine Überraschung gut, die Du uns zum Besten gibst. Biller in St. Marien Stift Berg, das muss ich mir im Kalender rot ansteichen, Schade dass die Thomaner nicht dabei sind.

    Hatte die Tage in der Web-Seite von er Hochschule für Musik Detmold gelesen, dass Biller dort im März Meisterkurse veranstaltet, er ist dort ebenfalls für diese Musikschule als Dozent mit aufgeführt, was mich angenehm überrascht hat. Leipzig strahlt eben bis OWL- (Ostwestfalen-Lippe – Hannover schließe ich mit ein) aus, und das ist gut so, leben hier doch so viele Bach-Spezies vom Forum und das soll schon was bedeuten..!!

    Schöne Sonntag und Gruss

    Volker

    Antworten
  12. Alex

    Hallo Barbara und Wolfgang,

    zwar stimme ich Barbaras erstem Standpunkt zu, dass nicht alles auf die Internatsleitung geschoben werden kann, weil da auch noch Eltern sind, die Verantwortung tragen. Was mir aber bei euch beiden fehlt, ist das Verständnis, dass dort Kinder leben, die eine altersgemäße Fürsorge brauchen, die ein Internatsbetrieb nicht geben kann. Zumindest nicht bis zum 13.-14. Lebensjahr. Deprivation. Das kann man sich denken, egal welche Erzeihungsmethode herrscht. Und dass „viele mit Disziplin nicht mehr viel anfangen“ können (Barbara) halte ich mindestens für eine Bagatellisierung des Leids, das Kindern angetan wird, wenn sie keine Kinder sein dürfen, wenn nicht gar eine Beschuldigung von Opfern: wenn man dich leiden lässt, liegt es an dir.

    Wenn Erwachsene nicht für Kinder da sein wollen, werden Kinder schnell für erwachsen erklärt. Genau das lese ich in Wolfgangs Satz „Die betroffenen Eltern und die Thomas-Schüler werden ihre Angelegeheit im Hause Thomas-Schule besprechen und neue Wege finden.“ Kannst du dir, Wolfgang, vorstellen, dass Kinder nicht immer reflektieren oder ausdrücken können, was ihnen fehlt? Kannst du dir vorstellen, dass, selbst wenn sie es können, sie gar keine Einflussmöglichkeiten haben darauf, wo und wie sie ihre Kindheit verbringen müssen? Alex

    Antworten
  13. Wolfgang Adam

    Hallo Thomas-Freunde, lieber @Alex!

    Ich zitiere nochmals deinen Satz:
    ‚Kannst du dir, Wolfgang, vorstellen, dass Kinder nicht immer reflektieren oder ausdrücken können, was ihnen fehlt? Kannst du dir vorstellen, dass, selbst wenn sie es können, sie gar keine Einflussmöglichkeiten haben darauf, wo und wie sie ihre Kindheit verbringen müssen?‘

    Kann ich mir gut vorstellen Darum finde ich die ‚kritische Wächterfunktion‘ der Presse auch wichtig und gut und erwarte, dass die Verantwortlichen vor Ort aufgerüttelt werden.

    Kommst Du @Alex nicht aus Leipzig. Wenn ja, könnten wir uns mal vom 12.- 15.3. (bin ich bei ‚Leipzig liest‘) irgendwann im Bachstübchen treffen?

    Gruß

    @Wolfgang

    Antworten
  14. Barbara

    Hallo Alex,
    ich denke, wir meinen schon dasselbe. Wenn ich von der Verantwortung der Eltern rede, meine ich genau das, was Du oben in Deinem Kommentar schreibst. Eine Internatserziehung in so jungen Jahren kann einfach nicht die Wärme, die in einem Elternhaus da sein sollte, geben. Und wieso schauen die Eltern, die ihre Kinder, aus welchen Gründen auch immer zu den Thomanern/ins Internat geben, vorher nicht genauer hin? Über die Zustände, die dort herrschen, können wir hier einfach nicht sachlich diskutieren, weil uns die Basisinformationen fehlen. Das war eigentlich auch der Grund, weshalb ich zu dem Thema gar nichts schreiben wollte. Ich höre jetzt auch besser auf.
    Schönen Abend
    Barbara

    Antworten
  15. nur mal so

    Hallo ihr,

    kennt irgendjemand von euch einen Thomaner? Oder einen Ehemaligen? Ich schon – und die Meinung der Jungs zu dem Artikel ist mehr als eindeutig: Die beschriebenen Zustände passen nicht auf die aktuelle Chorsituation und auch nicht auf die, der letzen Jahre. Vielmehr sind sie der Meinung, dass einige enttäuschte Eltern, deren Kinder im Chor schlicht versagt haben, nun auf diesem Wege ihren Frust ablassen, indem sie Informationen über vermeintliche Missstände dem Spiegel zuspielten.

    Und zu der 30% Abbrecherquote: Die genauen Gründe für das Verlassen des Chores werden im Spiegelartikel nicht genannt. Auf Einzelne wird es sicherlich zutreffen, dass sie sich unwohl fühlten. Aber es gibt auch immer Jungen, die den schulischen oder musikalischen Anforderungen einfach nicht gewachsen sind. Oder die sich in der Puperät einfach neu orientieren. „Soli Deo Gloria“ ist eben nicht jedermanns Sache.

    Nur mal als Vergleichszahlen: Der Tölzer Knabenchor (aus der Nähe von München), der übbrigens KEIN Internatschor ist, hat eine noch viel höhere Abbrecherquote, obwohl die Kinder alle wohlbehütet zu Hause aufwachsen. 50% der Jungs geben dort alleine schon bis zum Stimmbruch auf!!! Verglichen dazu sind 30% in 9 Jahren fast lächerlich.

    Schöne Grüße und nicht immer alles glauben, was reißerisch irgendwo „aufgedeckt“ wird.

    P.S. – Unbekannter Autor –
    Volker/Admin

    Antworten
  16. Ehemaliger

    @“nur mal so sagt“:
    Ich kenne einen „Ehemaligen“ (1959-1969) – mich nämlich 🙂
    Nun kann man mir unterstellen, daß so ein Dinosaurier, einer der gemeinsam auch mit dem Thomaner Georg Christoph Biller einige Jahre dort verlebte, für dieses Thema nicht mehr kompetent sei. Zeiten ändern sich, denkt man. Indes schöpft der Thomanerchor seine Werte und seinen Geist aus einer Tradition, die für Stabilität dieser Institution über nun schon einige Jahrhunderte sorgt. Für Außenstehende ist das kaum nachvollzieh- weil nicht nacherlebbar.
    (Daran sind übrigens Eingriffsversuche des DDR-Regimes zu meiner Zeit regelmäßig gescheitert, so daß niemals fröhliche FDJ-Liedchen oder einschlägiges geträllert wurden. Nicht umsonst waren wir bei den Genossen der Schule als „reaktionär“ verschrieen 🙂 Doch es gab dort auch ganz andere Lehrer, solche, die wir geradezu liebten.)
    Wenn der einfältige Spiegel-Artikel nicht solch einen Staub aufgewirbelt hätte, würde er dort landen, wo er hingehört: in der Tonne. Nun aber wurden tendenziös – „Spiegel“-spezifisch – und aus der Sicht einer 68-er-geprägten Pädagogik ein paar wenige, unverstandene Momente aus des Leben des Chores zugespitzt aufgegriffen. Dazu gehört wohl einige Vermessenheit, selbst für einen Journalisten.
    Sicher, mit Beliebigkeit sind solche musikalischen (und auch schulischen) Leistungen nicht zu erzielen. Von nichts kommt nichts. Und der gestreckte Tagesablauf dürfte heute fast der gleiche sein wie in den 60-ern. Anders ist diese Leistung nicht zu organisieren. Doch für diesen Preis bekommt jeder einzelne Thomasser eine ansonsten unbezahlbare Bildung und neben einem Hardcore-Training in Sozialkompetenz frühzeitig das Geschick, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
    Als ehemaliger Thomasser zehrt man mit einer großen Dankbarkeit ein Lebenlang davon.
    Wer das alles nicht will oder kann, muß es nicht tun. So einfach ist es. Und wenn ein Kind eine Diät-Aufzucht benötigt, wäre es bei den Thomanern auch falsch. Dazu können wohl alle stehen, die es lebten.

    Auch mein Beitrag kann über den Charakter einer Marginalie nicht hhinausreichen. Mehr aus meinen neun Jahren ist in der gebotenen Kürze auch nicht zu erwarten.

    Antworten
  17. Volker

    Ein hallo an den ehemaligen Thomaner,

    herzlichen Dank für deine Stellungnahme als ein ehemaliger Thomaner. Du berichtest in deinem Kommentar anschaulich die Situation und Schwierigkeiten während der DDR-Zeit im Alumnat. Diese Schwierigkeiten sind mittlerweise durch die Wiedervereinigung wohl gegenstandslos geworden. Aufhorchen lies mich deine folgende Aussage:

    „Anders ist diese Leistung nicht zu organisieren. Doch für diesen Preis bekommt jeder einzelne Thomasser eine ansonsten unbezahlbare Bildung und neben einem Hardcore-Training in Sozialkompetenz frühzeitig das Geschick, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Als ehemaliger Thomasser zehrt man mit einer großen Dankbarkeit ein Lebenlang davon.“

    So kann man es sehen, wenn es für einen stimmig in Einklang zu bringen ist und lässt sich nicht so ohne weiteres auf alle Thomaner übertragen. Umso schöner, dass Du davon profitieren konntest und tiefe Dankbarkeit empfindest.

    Grüsse Volker

    Antworten
  18. Anonym (Thomaner)

    Ich stelle den Kommentar der Thomaner hier mit ein, der auf der Partnerseite:
    Link:
    http://blogjsbachcantatapilgrimage2000.blogspot.com/2008/12/artikel-im-spiegel-ber-den-thomanerchor.html?showComment=1240261140000#c8569101030180344465
    verfasst wurde am 20.4.2009

    Grüße Volker
    ————————

    Anonym hat gesagt…

    Liebe Diskussionsteilnehmer!
    Mit großer Enttäuschung verfolgten wir die von Ihnen geposteten Beiträge zum „Artikel im SPIEGEL über den Thomanerchor“.

    Da wir selbst Thomaner, und damit wohl diejenigen sind, die das Ganze am besten erklären bzw. verstehen können, sind wollen wir uns kurz zu dieser Diskussion äußern.
    1. Es gibt niemanden, der nach Hause will und nicht darf. Wir sind doch kein Jugendgefängnis oder Kinderbergwerk, in das enttäuschte Eltern ihre missratenen Söhne abschieben, die von da an gefälligst keinen Ton mehr von sich geben sollen, außer in der Kirche zur Ehre Gottes.

    2. Die im Artikel aufgeführten „Tatsachen“ sind zwar nicht alle zu 100 prozent erfunden aber doch aus dem Kontext gerissen und in ihrer Bedeutung für den Leser missverständlich formuliert. Es wird im Artikel beispielsweise von der unterdrückenden Gewalt der Älteren gegenüber den Jüngeren gesprochen, die aufgrund einer fehlenden Bezugsperson, eines Betreuers, keine Unterstützung im Kampf gegen die Unterdrückung erhalten. Das Gegenteil ist der Fall. Jüngere und Ältere bilden ein System das auf der gegenseitigen Unterstützung beruht. So helfen Ältere den Ihnen anvertrauten Jüngeren bei Hausaufgaben, Klavier üben etc. und erfüllen damit eine Mentorfunktion, bzw. eine Vorbildrolle. Dies ist wichtig, da die Älteren Thomaner die einzigen sind, die den Choralltag durchlaufen haben und die Probleme der Neuen kennen und mit nützlichen Ratschlägen aufwarten können.

    3. Viele der beschriebenen Gegebenheiten (beispielsweise die Koffergeschichte) geschahen in grauer Vergangenheit. Damals war die heutige Chorleitung noch nicht in ihre Dienste eingebunden und kann damit auch nicht zur Verantwortung gezogen werden. Von ihr gingen letztlich vielmehr eine Vielzahl sich positiv auf die Gemeinschaft auswirkender Vorschläge, das gemeinsame Leben im Alumnat betreffend, aus.

    Wir könnten noch viele weitere Punkte hier heranziehen. Abschließend wollen wir allerdings noch die Herangehensweise sowohl des Thomanervaters von dem der Artikel ausging als auch dem Autor des Artikels, dem man mindestens eine voreingenommene und polarisierende Recherche und Berichterstattung vorwerfen müsste, kritisieren.
    Als stolze Mitglieder des Chores fühlen wir uns durch den Spiegelartikel unverdient behandelt und sind über die Berichterstattung eines so seriösen und großen Wochenmagazins nicht minder verblüfft.

    Mitglieder des Thomanerchores
    20. April 2009 22:59

    Antworten
  19. Sven

    „Spiegelleser wissen mehr“

    Wobei ich mich frage, ob es so sehr auf die Quantität des Wissens ankommt, wenn die Qualität darunter leidet.

    Auch ich bin ehemaliger Thomaner und bin erst heute auf diesen Thread aufmerksam geworden. Den Beitrag von „Ehemaliger“ kann ich auch für die Zeit von Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre in vollem Umfang verifizieren.

    Gerade am letzten Wochenende hatte ich die Gelegenheit, mit einigen ehemaligen und aktiven Thomanern zu sprechen und musste feststellen, dass sich an der Organisation des Lebens im Alumnat nicht viel geändert hat. Noch immer werden jüngere von älteren Thomanern unter Aufsicht von qualifizierten Pädagogen erzogen.
    Bei allen Gesprächen ist mir auch aufgefallen, dass vor allem die soziale Kompetenz bei „ehemaligen“ aber auch schon bei „noch aktiven“ weit höher ist, als man das sonst erlebt. Ich empfinde es als wünschenswert, dass die bewährten Strukturen beibehalten werden.

    Sicherlich gab es immer wieder Thomaner, die ihre Zeit im Chor anders empfunden haben und leider gibt es immer mal wieder den einen oder anderen, der dieses Empfinden zur Konfrontation nutzt und damit erheblichen Schaden anrichtet.

    Sven

    Antworten

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