Schlagwort-Archive: op. 123

Erhebendes Konzerterlebnis – Beethoven-Missa Solemnis- in der Semperoper Dresden von 3Sat


Hallo 3Sat-Teilnehmer,

das war wieder so ein Glücksfall, dank @Iris ihrer Information – diese beeindruckende Fernseh-Übertragung auf 3Sat in der Semperoper Dresden mit der „Missa Solemnis D-Dur, op. 123“  von Ludwig van Beethoven – sich ansehen und anhören zu können. Das sind wieder so Sternstunden im Fernsehen, die ich richtig genießen kann, wenn hochrangige Künstler und ein prägnantes Orchester das Werk so genial wiedergeben können.

Semperoper Dresden

3Sat Semperoper Dresden Missa Solemnis

Einige Hintergrund-Informationen zu Beethoven’s Missa Solemnis:

Nach über einjähriger Forschung an der Geschichte der Kirchenmusik (1) stand Beethoven vor der schwierigen Aufgabe eine Messe zu schreiben, deren Inhalt und Umsetzung stark historisch geprägt sind, deren Umsetzung durch ihn aber nach längerer Schaffenspause eine Qualität und Tiefe erhalten sollte, die bisher von ihm nicht erreicht wurde.

Des weiteren war der Anlass für die Messe, die Einsetzung des  oesterreichischen Erzherzogs Rudolf (2) als Erzbischof von Olmütz am 9. Mäz 1820 schnell vergangen, ohne dass nennenswerte Teile der Messe vollendet worden wären.

Das Ergebnis, die fertige Missa Solemnis, stellt einen heute vor die Frage, ob Beethoven sie in einer Kirche aufgeführt haben wollte und wie viele Musiker wirklich benötigt werden. Länge und Orchestrierung lassen eine Aufführung in einer Kirche eher unpraktikabel erscheinen, allerdings soll Beethoven ausdrücklich die Aufführung im klerikalen Zusammenhang gewünscht haben, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass die Einsetzung eines Erzbischofs ebenfalls eine relativ große Kirche erfordert, die dann auch die Musiker für die Missa Solemnis aufnehmen kann.

Allerdings hat Beethoven auch ausdrücklich betont, dass die einzelnen Abschnitte der Messe für sich im konzertanten Rahmen aufgeführt werden können und sollen, bzw. das ganze Werk als Oratorium verstanden werden könne, denn die Musik an sich würde ausreichend religiöse Gefühle erzeugen, um vom Aufführungsort unabhängig zu sein.

Obwohl der Name Solemnis (3) – Lateinisch für religiöse Feier / Fest.) – dies eigentlich nahe legen würde, beinhaltet die Messe weder ein Offertorium noch das Hostias und ist somit nicht für eine komplette katholische Messfeier geeignet (4).

Anmerkungen zu Ziffer 1 – 4:

(1)Unter anderem hat er sich mit Händels Chorälen und dem Sprachrhythmus der lateinischen Sprache auseinandergesetzt. (2) Beethovens Gönner und Schüler. (3) Lateinisch für religiöse Feier / Fest. bezeichnet oft Messen, die alle möglichen Abschnitte umfassen. (4) Wobei ganze vollständige Messen auch nur selten gefeiert wurden, da der Aufwand relativ groß ist.

(Textauszüge: http://www.niklaswerner.de/Assets/missa_solemnis.pdf)

———————————————–

PDF – Textauszug Beethoven Missa Solemnis – nachstehend herunter zuladen!

PDF_Beethoven Missa Solemnis Text

Eine rundrum gelungene Gedächtnisveranstaltung aufgrund der Bomben-Nacht vom 14. Februar 1945, als Dresden der Zerstörung anheim fiel. Die Gesangs-Solisten gefielen mir ausgezeichnet,  ich den genoss den Gesangs-Part u.a. im Agnus-Dei von der Mezzo-Sopranistin: Elina Garanca, was für eine erhebende Stimme  sie besitzt – absolut Klasse.

Mezzo-Sopranistin - Elina Garanca / Lettland

Die weiteren Gesangs-Solisten passten sich dem Gesamt-Eindruck an und waren ein Genuss. Chorstärke massig, aber das wird seit der Klassik von den Komponisten erwünscht und praktiziert, hier war der Staatsopern Chor in seinem Element und überzeugend. Lob dem Sächsischen Staatsorchester unter seinem zukünftigen Leiter: Christian Thielemann, der durch seinen unspektakulären Dirigier-Stil zu gefallen wusste und eine großartige Konzertwiedergabe ermöglichte.

Dirigent Christian Thielemann

Da war es wieder zu hören die Aussage vom Dirigenten Christian Tielmann über einen Applaus:

„Wenn von einem schönen Brauch Abstand genommen wird, nämlich zu Applaudieren, es gibt keinen Applaus weder für den Auftritt noch nach dem Stück und ich finde sowieso eigentlich bei geistlichen Stücken ist das keine schlechte Idee.“

Dieses Aussage ist hier nachzuhören:

Ich fand das am Ende sehr beeindruckend, als die Besucher und das Orchester sich erhoben und schweigend eine Minute regungslos verharrten und an das Bombendrama auf Dresden durch ihre Haltung entsprechend so zum Ausdruck brachten – ein nachahmenswerter Stil..!!

Ein kleines Konzert-Schnipzel mit dem beeindruckenden Konzert-Ende- nachstehend:

———————————————

Gruß
Volker

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen