6.2.2007 von Volker /admin.
Hallo,
hier möchte ich über meinen Besuch der Matthäus-Passion (J.S. Bach); von Gardiner am 6. März 2005 im Kaiserdom von Königslutter berichten.
Foto: Kaiserdom Königslutter (Foto Domgemeinde)
Als Problem erwies sich im Vorfeld die Meisterung der vorhanden schlechten Akustik in dem alterwürdigen Kaiserdom aus dem 11.Jahrhundert, viele Säulen, Nischen und Gänge, die ein ungetrübtes Klangbild behindern.
Foto: Gardiner am Vortag in der Probe in Königslutter (Foto: newsclick)
Gardiners Idee, in der Mitte des Hauptganges eine Bühne mit Resonanzboden aufstellen zu lassen, sodass die Akustik besser zu beherrschen war, erwies sich als einigermaßen gelungen. Die Besucher um die Bühne gruppiert, gab einen intimen Rahmen und der Kontakt zu den Aufführenden wurde dadurch enorm verbessert.
Die Aufführung der Matthäus-Passion erfolgte in der Fassung von 1736, in der Bach größere Eingriffe in der Substanz und Instrumentierung vorgenommen hatte.
Der erste Teil, den Cantus Firmus im Eingangssatz von den “Trinity Boys Choir” dargeboten, erwies sich als schöne Einstimmung auf das nun folgende – wohl gewaltigste christliche Meisterwerk – des Universums.
Hier hätte ich dem 1. Chor mehr an Klangvolumen gewünscht, was sicherlich auch an der problematischen Akustik gelegen haben mag. Die Gesangssolisten hatten ebenfalls große Mühe, verständlich den Text und mit ihrem Stimmvolumen den Raum zu füllen.
Die Instrumentierung der English Baroque Soloists war grandios, die unterschiedlichsten Nuancen wunderschön gespielt und umgesetzt, kein Piepser auf den alten Instrumenten, eine wahre berauschende Klangfülle, welches von diesem Orchester ausgeht.
Wie schön getragen und interpretiert die Choräle, ohne Hetze, wie schon so oft bei iGardiner kritisiert, wurden sie gesungen, eine absolute Meisterleistung von Könnern an Gesangskräften, die dieses hervorragend umsetzten. Hier erwies sich ein in Jahren gereifter Leiter und Dirigent J.E. Gardiner als eine wunderbare Offenbahrung.
Als eine Idealbesetzung erwies sich für den Part des Evangelisten der Tenor mit Mark Padmore besetzt, sein Stimmvolumen brachte keine akustischen Probleme, verständlich in der Textaussage war er eine vorzügliche Bereicherung für das gesamte Ensemble.
Foto: Tenor (Evangelist) Mark Padmore
Etwas dagegen abfallend, der Bassbariton Dietrich Henschel (Jesus,) der vom Gesangsvolumen in den tieferen Lagen überfordert erschien.
Foto: Bass-Bariton (Jesus) Dietrich Henschel
Nach einer dreiviertel Stunde Pause geriet der 2. Teil zum absoluten Höhepunkt des Konzertes.
Die Solopartien der Gesangssolisten, bestückt mit hervorragend geschulten Nachwuchs-Gesangskräften der vier Chöre, hier einmal herausgestellt der Counter-Tenor Mark Chambers, der die Altpartien Nr. 51 „Erbarm es Gott! Hier steht der Heiland angebunden“ und Nr. 52 „Können Tränen meiner Wangen Nichts erlangen“ in einer so beeindruckenden Weise gesanglich vortrug, die mich erschauern ließ, so manche Träne wurde von mir und im Publikum verstohlen weggewischt.
Wie überhaupt die Arien, Rezitative des zweiten Teils inniger, unter die Haut gehend, nicht musiziert werden können, ob gesanglich oder instrumental von allen Beteiligten dargeboten, war es für mich die bisher ergreifende und ungewöhnlichste Matthäus-Passion, die ich Live erleben durfte trotz mancher Abstriche, infolge der ungewöhnlichen Akustik.
Besonders beeindruckend, wie innerlich bewegend die gesamten Solisten, ob Chor oder Orchester sowie J.E. Gardiner, bei den Gesangspartien des Evangelisten, die Augen geschlossen und die Hände gefaltet, den Worten und der Musik lauschend zuhörten.
Das Publikum wurde dermaßen von diesen Passagen des Werkes eingenommen, dass selbst das Husten unterblieb. Nach dem Schluss-Ton geriet man in einen Trancezustand, absolute Stille umgab die Aufführungsstätte, Gardiner verharrte in sich gekehrt und entschwand kurze Zeit später von der Bühne um nicht wieder zurückzukehren.
Ein riesiges Dankeschön für diese unvergleichliche Passionsmusik, die ein Bachkenner von Gottesgnaden in der Person von J.E. Gardiner mit seinen Gesangssolisten, Chören und seinem betörenden Barockorchester den Besuchern zu vermitteln vermag. Dermaßen ergriffen und aufgewühlt endete eine Bach’sche Aufführung, die mir ewig im Gedächtnis haften bleiben wird.
Herzliche Grüsse
Volker




















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