Joseph Haydn – Die Schöpfung – in der Laeiszhalle – interpretiert von Sir J.E. Gardiner

Hallo Hamburgbesucher,

viel zu schnell verging das Konzert mit der Haydn-Schöpfung in der Laeiszhalle in Hamburg. Nach der ausgiebigen Pause erklang der 3. Teil – man hatte sich gerade in das Haydn-Werk reingehört – danach war leider Schluss. Selbst meinen Nachbarn zur linken Seite war es ein abruptes Finale und hätten den Klängen gerne weiter gelauscht.

Laeiszhalle Hamburg

Ankündigung: Laeiszhalle In Hamburg Gardiner-Haydn

Gesangs-Solisten: Tenor: Andrew Kennedy (nicht wie im Vorfeld angekündigt: James Gilchrist..!!);  Sopran: Sophie Karthäuser; Bass: Tim Mirfin; Leitung: Sir J.E. Gardiner.

—————————————————–

Dass die Laeiszhalle eine fantastische Akustik besitzt spürte der Besucher mit dem im zarten Piano gespielten Einleitungs-Satz des Oratoriums von Haydn „Die Schöpfung“. Großartig der Beginn mit der Schilderung des Chaos und der Sonnenaufgang, das „Orchestre Révolutionnaire et Romantique“ lief zur Höchstform auf unter dem genialen Dirigat von Sir J.E. Gardiner. Das ist es, was er so prackmatisch und vorzüglich beherrscht, Höhepunkte heraus zu kristallisieren, die den Besucher sofort in den Bann ziehen. Der dann einsetzende Monteverdi Choir  mit einem gewaltigen Fortissimo  „Und es ward Licht!“ wortverständlich und in der gesanglichen Artikulation war ein Genuss, hieran müssen sich die anderen Chöre messen lassen, es ist ein Ausnahme-Chor der Extra-Klasse.

Joseph Haydn "Die Schöpfung" mit Orchestre Révolutionnaire et Romantiqu und Monteverdi Choir J.E. Gardiner.

In der kontrastreichen Interpretation gab es aber auch ganz intime Momente – etwa beim sanften Schimmern des Mondes, oder wie im 3. Teil mit dem Gesangs-Duett für Sopran und Bass als „Eva und Adam“, hier punktete die Sopranistin Sophie Karthäuser und überzeugte mit ihrem stimmlichen Können und einer natürlichen Phrasierung, die das Orchester entsprechend unterstützte. Tim Mirfin (Bass) fehlt es an Ausdruckskraft und konnte nur bedingt überzeugen, die deutsche Wortverständlichkeit war ein Makel und war unüberhörbar. Ebenso abfallend der Tenor: Andrew Kennedy – der in deutsch unüberhörbare Schwächen besitzt und es ihm gesanglich an Überzeugungskraft fehlt. Wenn diese Partien – wie im Vorfeld angekündigt  – von J. Gilchrist gesungen worden wären, hätte er diese Tenor-Partien zum einem weiteren Glanzpunkt gestalten können.

Von links: Tenor: Andrew Kennedy; Sopran: Sophie Karthäuser; Leitung: Sir J.E. Gardiner; Bass: Tim Mirfin.

So fällt das Gesamt-Resultat ein wenig zwiespältig aus, das „Orchestre Révolutionnaire et Romantique“ überzeugte – bis auf ein paar ungereimte Hornbläser und zu schnell einsetzende Instrumente, der Monteverdi Choir gab wieder eine Glanzleitung ab. Aber der zündende Funke wollte an diesem Abend bei mir nicht so recht ankommen, lag es an dem Haydn-Oratorium oder an dem Gefühl, an gewissen Stellen eine Oper erlebt zu haben? Die Besucher waren anderer Meinung und spendeten frenetischen Schluss-Applaus mit Standing Ovatione und brachten die altehrwürdige Laeiszhalle zum Beben…!!!

Grüße

Volker

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

Werbeanzeigen

8 Gedanken zu „Joseph Haydn – Die Schöpfung – in der Laeiszhalle – interpretiert von Sir J.E. Gardiner

  1. Claudia

    Lieber Volker, mit Spannung habe ich Deinen Bericht erwartet. Warum gab es denn ein abruptes Ende?
    Neben bewährten Elementen, die jedes Konzert zum Erlebnis machen, gibt es anscheinend auch immer ein paar Wackelfaktoren, die es spannend machen. ich kenne die Laiesz- (wie man s auch immer schreibt) Halle nicht, aber es schien ja ein festlicher, angemessener Rahmen gewesen zu sein. Haydn scheint nicht Dein spezieller Freund zu sein, oder? Na, dann bin ich wenigstens beruhigt, dass ich nicht unbedingt ein 2. „Israel in Egypt“-Konzert verpasst habe.
    Gruß, Claudia

    Antworten
  2. Volker

    Liebe Claudia,

    danke für deine Rückmeldung. Tja, das Finale (3. Teil) vom Haydn-Oratorium „Die Schöpfung“ war durch die Pause nach dem 1. und 2. Teil recht kurz geraten und das Ende kam dann ziemlich schnell. Aber es gab keine abruptes Ende alles wurde zu Gehör gebracht nur es kam einem so vor, weil die Zeitspanne für die ersten beiden Teile so lange dauern und die Pause nicht anders gelegt werden kann..!!

    Ja, mit Haydn habe ich Probleme, wenn ich an seine Streichquartette denke, bekomme ich das Gähnen, seine Vokalwerke sind auch nicht meine Lieblingswerke, aber allen anderen muss das Konzert gefallen haben und das soll so ja auch sein. Die Laeiszhalle ist schon ein schönes Konzerthaus mit einer tollen Akustik.

    Noch ein Tipp für dich persönlich:

    Gardiner gastiert am 13. Mai 2010 in der Reinoldikirche in Dortmund mit der h-Moll Messe, das wäre für dich doch etwas, so in der Nähe gelegen…!! Wegen Eintrittskarten bin ich zur Zeit tätig, wo man die beziehen kann. Wenn ich es weiss, komplettiere ich es in der Ankündigung für die Reinoldi-Kirche.

    Schau hier einmal rein, die Gardiner-Konzerte für 2010 habe ich für Deutschland vervollständigt.
    Link:
    http://meinhardo.wordpress.com/2009/11/05/j-e-gardiner-am-7-mai-2010-in-konigslutter-eintrittskarten-ab-sofort-erhaltlich/

    Liebe Grüße
    Volker

    Antworten
  3. Barbara

    Hallo Volker,
    erstaunlich, ab Teil 2 scheinen wir in zwei verschiedenen Konzerten gewesen zu sein. Es ist nun einmal Geschmackssache, welche Musik einen berührt und welche nicht. Da können dann die großartigsten Interpreten am Gange sein und man geht trotzdem nur mit einem „Ganz nett“ aus dem Konzert.
    Zunächst einmal – die Schöpfung bedeutet mir persönlich sehr viel. Lange bevor ich Bach entdeckte, liebte ich sie heiß und innig. Ich kenne jeden Ton und insofern kam für mich das Ende nicht abrupt. Zu früh – ja unbedingt, aber nicht unerwartet. Der 3. Teil ist nun mal recht kurz, es hat auch schon Konzerte gegeben, wo die Pause in den 2. Teil hinein gelegt wurde, aber das ist eigentlich unbefriedigend.
    Bei Chor und Orchester kann ich Deine Meinung nur unterstreichen, es war schon genial, wie beide die wundervollen Lautmalereien Haydn umsetzten, von Balance-Problemen im ersten Teil mal abgesehen. Bei den Sängern sehe ich da anders. Tim Mirfin ist ein noch sehr junger Sänger mit einem enormen Potential. Ich würde ihn gern noch einmal in 5-10 Jahren hören. Das verspricht einiges. Er hat ein ungeheuer großes Ausdrucksspektrum, so viele Farben in seiner Stimme. Wie expressiv hat er die verschiedenen Tiere vom Tiger über das Schaf bis zum Gewürm zum Klingen gebracht. Hast Du schon einmal so einen ekligen Wurm gehört? Klasse. Ebenso auch Sophie Karthäuser mit dem fliegenden Getier. Und wie bezaubernd war das junge Paar Adam und Eva – so viel Unschuld. Nun gut – wenn einer einer Frau von heute sagt: „Folge mir, ich leite Dich!“, bringt er sich sicher in Schwierigkeiten. Aber wenn das so betörend wie bei Tim Mirfin geschieht, dann wäre das schon eine Überlegung wert. Auch Andrew Kennedy hat es geschafft, nach seinem extrem theatralischen Auftritt zu Beginn besinnlicher und emotional berührender zu werden. Seine beiden Rezitative im 3. Teil waren sehr hörenswert. Und die Sprache – nun gut, es sind keine Muttersprachler, da bin ich schon großzügig. Und gestört hat es auch nur im ersten Teil. Im 2. und 3. Teil wurde das ganz unwichtig. Und ganz ehrlich – ich habe schon deutsche Sänger sehr viel schlechter sprechen hören.
    Das war nicht der ach so langweilige Papa Haydn, das war spannende und packende Musik. Ich wollte, ich hätte auch die Jahreszeiten hören können – musikalisch eine deutliche Steigerung zur Schöpfung. Aber auch nur dieser Abend wird mir für lange Zeit den Alltag erhellen.
    Barbara

    Antworten
  4. Iris

    Hallo, zusammen
    hier mein Fazit: eine unschuldig-betörende (2. Teil), teilweise frivole (1. Teil – Tenor) Schöpfung, die mich trotz des fantastischen Dirigats des Sirs nicht komplett aus den Angeln gehoben hat. Die paradiesischen Zustände aus Teil 2 wünsche ich mir bei H-Moll-Messe in Leipzig.
    Herzl. Gruss
    Iris

    Antworten
  5. Claudia

    Ihr Lieben,
    wie gut, dass es jeder anders empfindet. Ist auch interessant, dass nicht immer nur das ästhetisch schöne den „richtigen Ton“ trifft.
    Volker, ich hatte den Termin in DO /Reinoldikirche schon über Deinen Link gesehen, der Geiz ringt aber noch mit mir, weil ich ja selbiges Oeuvre schon in Leipzig hören werde.
    Lieben Gruß aus Essen
    Claudia

    Antworten
  6. Martin

    Hallo zusammen,

    hier mal die Kritiken der Zeitungen zum Konzert vom letzten Samstag:

    http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1297684/Gut-gebruellt-Loewe.html

    http://www.welt.de/die-welt/kultur/article5449227/Das-erste-Buch-Mose-gekuesst-von-der-Muse.html

    Auch ich kenne die Schöpfung in- und auswendig und war -besonders nach dem Konzert in Baden Baden- sehr überrascht, was sich in der Zeit noch alles für Details entwickelt haben bzw was Gardiner entwickelt hat. Sicher war es auch in Baden Baden ein Konzert der Spitzenklasse, doch einige kleine bis mittelgroße Patzer blieben dort nicht verborgen. Die Stimmung, die von den Ensembles ausging, war bei weitem nicht so ansteckend gut gelaunt, wie in Hamburg. Das mag aber auch am recht charmelosen Aufführungsort gelegen haben – die Laeiszhalle ist da schon etwas Anderes.

    Da schon Einiges geschrieben wurde, hier nur noch einige vielleicht ergänzende Eindrücke:

    Da ich aufgrund der Taxiknappheit kurz vor 19 Uhr leider den Treffpunkt verpasst hatte, düsten wir noch schnell zur Konzerteinführung, die eigentlich sehr interessant gehalten wurde (wie der gute Mann hieß, weiß ich leider nicht). Er verzettelte sich nach einer allgemeinen Einführung zu Gardiner, den Ensembles und Haydns Lebensumstände recht lange an den ersten Nummern der Schöpfung und spielte sie am Klavier vor. Das geriet dann in´s Uferlose, so dass wir uns um 19.45 Uhr genötigt sahen, den kleinen Saal Richtung Konzertsaal zu verlassen. Sehr schade eigentlich.

    Zu Beginn des Konzertes fand ich es erstmal recht lustig, dass Gardiner sich, an seinem Platz angekommen, vor seiner Verbeugung erstmal sehr auffällig am Ohr gekratzt hat, worauf der Applaus denn auch direkt nochmal anschwoll. Ob das Zufall war oder es ihm wirklich zu ruhig war, ist wohl Spekulation. Ich meine mich aber dunkel erinnern zu können, dass er das irgendwo schonmal genauso gemacht hat…

    Zu Solisten, Chor und Orchester wurde schon Einiges gesagt. Mein Eindruck war, dass dieses letzte Konzert dieser Ensembles dieses Jahr deutlich besser vorbereitet war, als z.B. eben das in Baden Baden. Immerhin hatten alle Aufführenden einige Tage zwischen der letzten Aufführung und Hamburg Haydn – frei und kamen nun wieder frisch zusammen. Damit erkläre ich mir auch, dass die Chöre deutlich (!) mitreissender und fetziger gesungen wurden, als vorher. Insbesondere beim Schlusschor empfand ich diese Musik als Explosion von maximalem Können und fantastischer Strahlkraft. Das war dann auch nicht mehr steigerbar zum Beispiel zugunsten einer andererseits aufgrund der Standing Ovations sicher angebrachten Zugabe.

    Sehr schade übrigens, dass wir ein weiteres Konzert mit der wunderbaren Clare Wilkinson knapp verpasst haben:

    http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1302062/Musikalisch-Bruecken-geschlagen.html

    Ich konnte sie im Sommer zusammen mit Fretwork sehen und hören. Auch da gab es ein gemischtes Programm mit Werken von Purcell, aber auch mit Kompositionen von Stephen Wilkinson, dem Vater von Clare Wilkinson. Eventuell haben wir Glück und sehen sie im nächsten Jahr wieder mal bei Gardiner.

    Schöne Grüße
    Martin

    Antworten
  7. barbara57

    Hallo Martin,
    als kleinen Trost für das verpasste Konzert: es wird am 26.12. 22-24 Uhr von NDR Kultur gesendet. Ich werde aber nochmal in meinen Radiotipps darauf hinweisen.
    Barbara

    Antworten
  8. Volker

    Hallo Martin,

    für deinen umfangreichen Kommentar zu Hamburg erst einmal danke, es ist schön, wenn Du und Barbara das Konzert in vollen Zügen genossen habt, das freut mich. Entweder hatte ich an dem Abend nicht meinen besten Tag, um für das Oratorium den Zugang finden zu können, aber es war für mich schwer, einen persönlichen Bezug auf das Gehörte verinnerlichen zu können. Alles war meisterlich Großartig interpretiert und trotzdem fehlte mir irgend ein Impuls, sooo, das ist es…!!

    Tut mir Leid, dass Du Clare Wilkinson mit ihrem Konzert aufgrund deiner Reise nach Norddeutschland nicht als einen krönenden Abschluss verwirklichen konntest. Hier springt uns immer so fantastisch @Barbara zur Seite und eröffnet uns ein Türchen, es mindestens als eine Rundfunkübertragung uns anhören zu können. Das Hamburger Abendblatt überschlägt sich ja förmlich in der Rezension dazu. Deine Link-Angaben habe ich sofort nachvollzogen und bin von den guten Beurteilungen mehr als angetan.

    Wo hast Du in der Laeiszhalle deinen Platz gehabt, Saal (Parkett) oder auf den Seiten-Rängen links-rechts, würde mich einmal interessieren.
    Schade, dass es wieder nicht mit einem Treffen geklappt hat hoffe aber auf Leipzig 2010. Kümmerst Du dich persönlich für Leipzig um einen Proben-Einlass dort..??

    Schönes Wochenende und Gruß
    Volker

    Antworten

Kommentar verfassen