Herreweghe mit Bachs Matthäus-Passion in der Philharmonie Essen

Es gibt Werke, die begleiten uns jahrelang und sie werden umso größer, je mehr sich durch eigene Lebenserfahrung und Reflektionen darin lesen läßt. Anfänglich erscheint sie wie ein übermächtiges, komplexes Konstrukt zu dem man aufschaut wie der mittelalterliche Mensch zu einer gotischen Kathedrale, man staunt, aber es läßt sich nicht durchdringen. Mit der Zeit öffnet sich das Werk, es treten erste Strukturen zu Tage. Einige Teile rühren uns zu Tränen, andere sind in ihrer Machart und Aussage schroff, schonungslos, grausam. Geht es hier nur um das Leiden und Sterben Jesu? Nein, es geht um mehr. Es geht auch uns selbst, um unsere eigene Matthäus Passion, um Bachs eigene erlebte Matthäus Passion, Grundzüge der menschlichen Philosophie, die Auffächerung menschlicher Gefühle mit derartiger Differenziertheit und Präzision, wie ich sie vorher noch nie erlebt und gefühlt habe und für sie auch niemals Worte fände, die ihren Sinn treffen könnten; ein Kosmos voller existenzieller Grundmuster.  Angesichts dieser Größe des Werkes fällt es mir nicht einfach, darüber zu schreiben.

Philharmonie Essen: Collegium Vocale Gent – Herreweghe

Vom 25. zum 26.03.2010 schlafe ich vor Aufregung wieder schlecht, Bach und Herreweghe mit der Matthäus Passion ist eine prickelnde, aufregende Mischung in der Passionszeit, die den Adrenalinspiegel steigen läßt und mich in einen Dauerrauschzustand der Vorfreude versetzt. Am 26. stirbt der Freund meiner Begleitung und ich entgehe um wenige Minuten einem Wildunfall. Das Reh liegt mit abgetrennten Hinterläufen auf der Ruhrallee.

Besetzung:

Solisten Chor 1:

Dorothee Mields, Damien Guillon, Colin Balzer, Stephan MacLeod

Solisten Chor 2:

Hana Blazikova, Robin Blaze, Hans Jörg Mammel, Matthew Brook

Die Philharmonie in Essen ist fast ausverkauft, das Publikum ist überregional. Philippe Herreweghes Chöre stellen sich im Halbkreis auf, in der Mitte der Cantus firmus Chor. Die Solisten sind Teil des Chores, Christus (Simon Kirkbride) und der Evangelist Christoph Prégardien nehmen zwischen Chor 1 und dem Orchester Platz. Philippe Herreweghe selbst ist eher unspektakulär, ohne große Gesten, allerdings mit einer ziemlichen Maestro-Mähne.

Philharmonie Essen: Dirigent Philippe Herreweghe

Der erste Chor „Kommt ihr Töchter, helft mir klagen“ legt den Schalter des Alltags um, seine düstere, sog-artige Stimmung mit Bachs Stereo- und 3 D Effekten wirft uns mitten ins Geschehen, Herreweghe dirigiert seinen Top Chor mühelos durch die unwegsamen Todesabgründe, es klingt fast duftig, samtig, alle Stimmen sind gleichberechtigt, jede Stimmgruppe hat je 3 Sänger, das Tempo während der ganzen Passion niemals überstürzt oder gehetzt, es ist alles von reifer, in sich ruhender Abgeklärtheit. Eine intime Atmosphäre, in der ich es geniesse, in der ersten Reihe zu sitzen. Von Weltklasseformat auch das Gros der Solisten, besonders bemerkenswert die beiden Sopranistinnen Hana Blazikova und Dorothée Mields in den ersten kontemplativen Arien „Blute nur“ und „Ich will Dir mein Herze schenken“. Das Tempo ist langsamer als mir gewohnt, jedoch wunderbar innig gestaltet, Hana Blazikova singt trotz der hohen Lage mit warmen Mezzo-Timbre, Ihre Stimme läuft wie dunkelrotes Blut kontrastierend auf Jesus´totenbleicher Haut (ohne zu gerinnen). Dorothée Mields zelebriert mit der eigentlichen Liebesarie Sex nach Noten ohne Körperkontakt (ihr hättet die Mimik der Sopranistin sehen müssen!) und läßt einen Lichtstrahl in die düsteren Geschehnisse. Ist das Stück überhaupt ursprünglich für die MP konzepiert gewesen oder hat Bach hierfür nur „Heil“ gegen ein anderes Wort getauscht??? Sehr charismatische Stimme mit Brillianz, schlank, ohne körperlos zu wirken. Christoph Prégardien ist ein Spitzenevangelist, der auch in Sachen Gestaltung noch viel Neues zu bieten hat. Leider fällt der Christus-Sprecher etwas ab, ob er einfach indisponiert ist oder generell in der Tiefe nicht so richtig klar kommt, kann ich nicht beurteilen, vielleicht liegt es auch an der Platzierung, der Evangelist wird nur vom Continuo begleitet, während Christus gegen die Streicherbegleitung „ansingen“ muss. Bevor ich es später vergesse, möchte ich hervorheben, dass die beiden Solo-Tenöre Colin Balzer und Hans Jörg Mammel mir sehr gut gefallen haben.

Philharmonie Essen: Collegium Vocale Gent - Herreweghe

Im Garten Gethsemane begegnet uns dann der zweifelnde Jesus. Haben wir das nicht auch schon erlebt? Plötzlich ist man ganz alleine und verlassen, am liebsten würden wir jetzt einen Rückzieher machen. Das Ringen mit dem Für und Wider, welchen Weg gehen wir? Aber um irgendetwas zu erreichen, müssen wir unseren eigenen Weg gehen und uns den Schwierigkeiten stellen. Die Arie mit vorgeschaltetem Rezitativ „Gerne will ich mich bequemen“ ist für mich eines der phänomenalsten Stücke der Matthäus Passion. Es klingt noch sehr trotzig und wenig einsichtig, der gottgewollten Bestimmung zu folgen. Es ist der Punkt, der die Wende aus der mentalen Talsohle markiert.

Was Bach lautmalerich im nächsten Duett „So ist mein Jesus nun gefangen“ mit direkt anschliessendem Chor „Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden“ uns an Bildern bietet, ist an Dramatik und Energie kaum zu überbieten. Herreweghes Collegium Vocale singt uns Naturgewalten, die sonst nur das Filmzeitraffa eines Wolkenbruchs am Ende der Trockenzeit einer Wüstenregion festhalten kann. Wir bekommen die Blitze direkt ins Publikum geschleudert und hoffentlich wird dieser Typ hinter mir getroffen, der ständig mit seinem Armband nervig herumklimpert und laut Bonbons auspackt! –  Schade, knapp daneben.

Der 2. Teil beginnt gleich mit einem solistischen Stolperstein, der Arie und Chor „Ach! Nun ist mein Jesus hin“. Der Altus Robin Blaze hat dann doch ein paar Probleme die stimmlichen Fallen zu bewältigen, auch ist alles weniger geschmeidig und klingt etwas blechern, Entschädigung ist jedoch im Anmarsch. Nachdem sich Chor und Solisten in der weiterführenden Handlung einen Schlagabtausch mit Turbaechören, Chorälen, handlungschwangeren Rezitativen und Arien um Petrus´Verrat liefern, gipfelt die Szenerie in „Erbarme Dich“. So schön sphärisch und innig habe ich diese Arie selten gehört, hier passt das Androgyne des Altus Damien Guillon perfekt, es darf aber auf keinen Fall das grandiose Violinsolo unerwähnt bleiben, das ist ein absolutes Endprodukt und läßt sich schon nicht mehr verbessern. Annähernd exemplarischen Charakter hat auch die  Arie “ Komm süßes Kreuz“, phantastisch der Gambist, der mit seinem Solopart auch „ein Kreuz hat“, ich höre bis vorne sein angestrengtes Stöhnen.

Philharmonie Essen: Collegium Vocale Gent - Herreweghe

Die Begeisterung der Wissenschaft für die Arie mit Rezitativ „Jesus hat die Hand“ konnte ich nie nachvollziehen, ich bekam nie Zugang,  ist ziemlich abgehoben, hatte der Meister vielleicht beim Komponieren bewußtseinserweiternde Drogen genommen, weil der gesamte Charakter des Stücks irgendwie nicht zu dem eher menschlich-bodenständigen Rest passen will?  Bei dieser Aufführung habe ich das erste Mal gefühlt, ich erahne die Bedeutung, Jesus könnte bereits in einer Zwischenwelt sein! Nach Jesu Tod hustet jemand leidenschaflich in die kontemplative Stille, so dass sogar das Orchester peinlich berührt herüberschaut.

Der Bass Stephan MacLeod, der bereits den Hohepriester und Judas gesungen hat, war mir stimmlich vorher gar nicht so sehr aufgefallen, aber in Arie und Rezitativ „Mache Dich mein Herze rein“ ist er großartig, alles mutiert zu einem am liebsten niemals endenden Wiegenlied. Alle vorherigen Spannungen fallen ab, das Kämpfen um das irdische Leben weicht einer (scheinbar) unumkehrlichen Tatsache, Jesus ist gestorben. Bach ist aktuell, der Tod Jesu kann für viele Tiefpunkte in unserem Leben stehen, aber in einer Welt, wo jemand den Tod überwindet, da ist alles möglich. Danke für diesen phantastischen Abend Herr Herreweghe. In diesem Sinne:

Per Aspera ad Astra

mit österlichen Grüßen, Claudia

P.S. Die vertonte Version wird morgen, am Karfreitag, 02.04.2010 um 21.00 Uhr aus der Philharmonie Köln auf 3SAT ausgestrahlt, Barbara danke für den Hinweis.

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48 Gedanken zu „Herreweghe mit Bachs Matthäus-Passion in der Philharmonie Essen

  1. Alexander

    Hallo Claudia, dramatische Beschreibung eines Dramas! Ja, lange nicht mehr gehört, den belgischen Meister. Dass er schlanker geworden zu sein scheint, freut mich. Zwischenzeitlich ließ er mal verlauten, er hätte ein wenig die Nase voll hat von Bach, weil er nicht hinter dessen christlicher Botschaft steht. Wenn ich ihn jetzt nicht verwechsele. Das bringt ihn mir näher trotz seinem im Gegensatz zu Gardiner manchmal klobigen Dirigierstil. Wie Michael Harrison schon sagte in seinem Beitrag (Booklet zu SDG 165): Bach meinte „das Wort wirklich so, wie er es vertonte“. Mich berührt nur das Menschliche, die christliche Botschaft befremdet mich.
    Wie ich sehe, wirst du in Leipzig im Juni auch bei der Probe dabei sein. Willst du dann wieder schreiben?
    Alex

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  2. muriel

    Hallo Claudia,

    das ist doch mal ein sehr lebendiger Bericht und ich bin schon sehr gespannt auf die Fernsehübertragung in 3Sat. Es ist doch einfach prima, wie viele Spitzenensemles wir heute voller Staunen hören können. Für mich zählen da auch noch die Spitzenkönner aus Japan mit, deren Kantaten jetzt übrigens in einer sensationell billigen Ausgabe erschienen sind.
    Wenn ich so deine Zeilen lese wünschte ich mir, dich mal eine Predigt halten zu hören. („Sind Blitze, sind Donnen…“ Übrigens empfand ich die Arie „Ich will dir mein Herze schenken…“ auch immer als ein sehr erotisches (sage ich mal) Stück. Schade, dass der Bass (Jesus) nicht mithalten konnte. Diese Partie ist ja unendlich wichtig und das merkt man eben nur, wenn sie schräg besetzt ist.

    Vielen Dank für Bilder und Text,
    liebe Grüße

    muriel

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  3. Claudia

    Lieber Alex, ich habe von H. neulich ein anderes Zitat gelesen, so wortgemäß vom Barock würde ihn nur noch Bach interessieren. Aber egal, viele Sachen von H. gefallen mir sehr gut, teilweise besser als bei Gardiner. Mit befremdlichen Geschichten und Botschaften der christlichen Lehre bin ich vollends ausgesöhnt, ich sehe sie mittlerweile als „Dienstleister“ für eine höhere Menschlichkeit, leider sind in den letzten 2000 Jahren die Geschichten in unserer immer egoistischer werdenden Gesellschaft ein wenig aus der Mode gekommen (es gibt auch ganz klar Irrwege!), der höhere Sinn ist aber geblieben und leider nicht mehr für alle klar erkennbar (Wer Bach hört, ist schon schwer privilegiert!).
    Jawohl, ich bin auch in Leipzig, ob ich schreiben werde, kann ich noch nicht sagen, hängt von der Inspiration ab.
    Frohe Ostern, Claudia

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  4. Werner

    Liebe Claudia,

    ich habe soeben mit großem Interesse die Rezension gelesen und bin (als der darin zitierte „Begleiter“) nicht nur mit Deinen Bewertungen der Akteure sehr einverstanden, ich bin auch begeistert von dem Gehalt Deiner Ausführungen wie von der Art, diese auf die Dir eigene, präzise, punktgenaue und stellenweise humorvolle Weise rüberzubringen. Großes Kompliment! Wenn ich mich recht erinnere, bin ich nicht der Erste, der Dir auch unter den Rezensoren eine Karriere zutrauen würde. Aber vielleicht liegt ja gerade in der Freiheit, derartige Artikel zu schreiben – oder es zu lassen – der Reiz, die Begeisterung und Freude, die in jedem Deiner Absätze zu spüren ist und die bei professionellen Rezensoren mit der Zeit vielleicht verloren geht … . Mit Alexander hoffe ich – erneut als Dein „Begleiter“ – auf Deine Rezension der h-moll-Messe mit J. E. Gardiner am 21. Juni in Leipzig. Ich sage schon jetzt zu, wieder meine Kamera mitzubringen.

    Liebe Grüße,
    Werner

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  5. Volker

    Liebe Claudia,

    ich bewundere nicht das erste Mal deinen ausgezeichneten Stil einer Rezension. Wie ich dir schon in der Mail gestern mitgeteilt hatte, könntest Du eine Top-Kolumnistin sein und an jeder Tageszeitung als eine freie Mitarbeiterin im „Feuilleton/Kulturredaktion“ mitwirken.

    Die heutigen Rezensionen der Tageszeitungen entbehren jeden erdenklichen Inhaltes, da wird geschrieben. gewuselt und mit Fremdwörtern gehändelt, die kein Normalbürger mehr versteht.

    Du bist ein Natur-Talent und triffst genau den Punkt, der allgemeinverständlich und mit persönlichen Emotionen behaftet uns das Geschehen plastisch und Präzise darlegst, das geht einem fast unter die Haut. Wie @Werner schon treffend aussagte, ist dein Bericht Gehaltvoll und der Humor kommt auch nicht zu kurz, dafür eine dickes Dankeschön..

    Herreweghe ist ein großartiger Bach-Interpret und kann die Besucher immer wieder hinreissen und versteht es so außergewöhnlich – Bach zu zelebrieren und das ist seine Größe.

    Lieben Gruß
    Volker

    P.S. Wie ich gerade in meinen Auswertungen feststellen konnte wurde alleine deine Rezension heute 71 x aufgerufen, das ist absolute Spitze..!!

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  6. Wolfgang

    Zitat: ‚Es gibt Werke, die begleiten uns jahrelang und sie werden umso größer, je mehr sich durch eigene Lebenserfahrung und Reflektionen darin lesen läßt‘.

    Liebe Claudia!

    So hast Du diese wunderbare Passion auf Dich beziehen können und das ist ja auch der tiefe Sinn aller Musik. Als ich am Palmsonntag auch die Passion im ganz nahen Kontakt mit Solisten und Chor verfolgen konnte, fand ich mich richtig einbezogen in die existentiellen Konflikte, die da musikalisch von einem Pilatus, Judas, Evangelisten oder Christus vorgetragen wurden.

    Die letzte wunderbare Bass-Arie mit dem vorherigen Accompagnato davor, kam mir dann wie Du es auch fühlst so vor, als ob jetzt endlich der Gipfel der existentiellen Bedrohungen überschritten und das freie Tal vor mir liegt.

    Ja-, der ‚Friedensschluß ist jetzt mit Gott gemacht‘ und ich muß mir vornehmen:’Mache Dich mein Herze (auch) rein!.‘

    In der wiegenden Pastoralmelodik, trotzdem noch im Orchester mit ‚Seufzersekunden‘ unterlegt, kommt der Bariton auf lang ausgehaltenden Noten zur erlösenden Ruhe: ‚Welt, geh aus !!! Das kann er jetzt sogar in einem etwas herrischen Ton herausrufen.

    So war das Hören des letzen Teils der MP für mich oft so etwas wie eine Befreiung. Ich kann Deinem lateinischen Bonmot nur zustimmen:

    Auf steinigem Weg geht’s doch zu den Sternen!

    Herrlich scheint heute die Sonne. Jetzt ‚mache ich mich auf‘-, nehme meine Tochter mit, zur Radtour auf sonnigen Wegen.

    Einen erfüllten Karfreitag wünscht

    Wolfgang

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  7. Iris

    Liebe Claudia,
    „…das mir zu tun fast nichts mehr übrig bleibt!“ Doch, mich auf Leipzig zu freuen und auf Deine nächsten Rezensionen.
    Lieben Gruss und allen, die hier reingucken schöne musikalische Ostertage.
    Iris

    Antworten
  8. Claudia

    Dank Euch allen für eure wohlwollenden Kommentare!
    @Muriel: Predigen wäre noch ein neues Betätigungsfeld, das habe ich aber noch nie gemacht! Mit der „Herze“ Arie sind wir uns mal wieder einig! ist ja textmäßig ganz nett verpackt;-)
    @Volker: Bin gespannt auf das Herreweghe-Interview.
    @werner: ich werde dich demnächst beim Namen nennen, bin damit jedoch immer vorsichtig!
    Freue mich auf das reichhaltige Kar-Programm
    Grüße, Claudia

    Antworten
  9. muriel

    Gestern nun 3Sat. Sehen wir mal von dem Totalaufall in der Mitte der Matthäuspassion ab. Ich war völlig hin! Natürlich von Pregardien, er hat etwas zugenommen aber stimmlich ist er die Nummer 1 unter den Evangelisten. (Warum hat der Sir ihn nie erwählt?) Überhaupt, die Solisten, geht es noch besser? Ich sah Herrenweghe erstmals, kam mit seiner Art zu dirigieren zuerst nicht zurecht. Aber, wie sagt unser ewiger Bundeskanzler: Entscheidend ist, was hinten (unten) raus kommt. Ich hörte die Choräle niemals schöner und war begeistert von den Volkschören, die gerade durch ihre Zurückhaltung im Tempo unwahrscheinlich wirkten. Ganz schnell schaltete ich den Apparat nach der Passion aus, um dem Beifallsgeschrei und Hurragebrüll zu entkommen. Übrigens, nehmt mir’s übel oder nicht, ich finde man sollte sich etwas zurückhalten, wenn man mit der Substanz der Bachpassionen nicht zurecht kommt. Es bleibt dabei, Bach hat sie aus einer unendlichen Gewissheit heraus komponiert. Das ist zu respektieren auch wenn man am Agnostizismusknochen nagen muss.

    Liebe Grüße und gesegnete (frohe) Ostern
    muriel

    Antworten
  10. Claudia

    Hallo Muriel, die Aufführung ist Köln war auch noch besser als in Essen und die war schon gut! Nach dem Dirigat könnte ich auch nicht singen, aber wie Du schon richtig bemerkt hast, entscheidend ist das Ergebnis. Die Solisten, die in Essen noch etwas abfielen, waren in Köln viel viel besser. Macht vllt. die Medienpräsenz.
    Lieben Gruß und auch frohe Ostern
    Claudia

    Antworten
  11. Petra Hartmann

    3 Sat, gestern abend, ja.
    Das, wirklich, war eine Sternstunde.

    Wie sehr gern ich die noch einmal mit mir lieben Menschen teilen würde.

    Ob es irgendwo einen vorausschauenden Menschen gibt, der die gestrige Ausstrahlung aufgezeichnet hat?
    Oder, falls jemand hört, dass es davon eine DVD geben wird: sehn-süchtig nach einer solchen Nachricht
    grüßt
    petra

    Antworten
    1. Rainer

      Petra Hartmann möchte gerne die aufgezeichnete Sendung:
      Ich habe sie und sie kann mich anschreiben. Ich schicke ihr dann eine DVD, die ich von der Festplatte ziehe. Der Aufnahmemodus ist EP.

      Viele Grüße von Rainer

      Antworten
      1. Iris Horn

        Hallo Rainer!
        Leider habe ich aus Versehen eben meine Aufnahme auf der Festplatte gelöscht. Ich wäre Dir sehr, sehr dankbat, wenn Du mir auch eine DVD schicken könntest. Unser Chorleiter erzählte heute abend im Chor, daß er auch so begeistert von der Aufführung sei. Ich versprach ihm, eine DVD zu machen. Dabei passierte mir dann das Unglück.
        Herzlich Grüße von Iris.

        Antworten
      2. geirhos

        Hallo Rainer!
        Habe heute gelesen, dass du eine Aufnahme der Matthäuspassion hast – wäre es unverschämt dich um eine DVD zu bitten?
        Viele Grüße
        Renate

        Antworten
      3. Reinhard Albrecht

        Hallo Rainer!

        Darf ich auch so unverschämt sein und um eine
        DVD bitten? Ich würde einen angemessenen Preis dafür bezahlen.
        Habe die Passion in Essen gehört und war leider zum Sendezeitpunkt im Urlaub.
        Es wäre eine ganz tolle Erinnerung.
        Bitte, bitte!
        Gruss Reinhard Albrecht aus Hannover

        Antworten
  12. Wolfgang

    Liebe BachfreundINNEN!

    Ja-, auch ich saß wie gebannt vor dem Fernsehe!

    Da entstand eine Matthäus-Passion, die aufgrund ihres tiefen Gehalts im Medium Fernsehen nicht nivilliert und abgeflacht wurde, sondern sich als mich beeindruckende Botschaft behauptete. Neben der musikalischen Qualität der Akteure lag das gewiß auch an der visuellen Darstellung und der Kameraführung.

    Während der dreieinhalb Stunden wurden mir drei Dinge klar:

    I. Zu einer Passion, die eine menschliche Leidensgeschichte glaubhaft aufführen will, gehören menschliche Gesichter. Sonst sehen wir im TV ja nur geschönte, z.T. abgedroschene Outfits. Das waren auch keine kunstvollen Theatermasken. Das waren unverwechselbare Antlitze, die in ihrer Musik auflebten, sich abarbeiteten, konzentriert da waren, mitleiden und etwas ganz Inniges, eigentlich Intimes ausdrückten.

    II. Da der Dirigent in seinem Dirigat sich sehr zurücknahm und äußerst karg, manchmal fahrig dirigierte-, auf der anderen Seite aber die meisten Solisten aus dem Chor heraus sangen, kam die Passion vor allem als Gemeinschaftsleistung bei mir an.

    III. Das waren alle ausgebildete SängerINNEN, die jeden Ton von sich aus setzen und gestalten konnten. Insofern bildeten die SängerINNEN doch keine alltägliche Wirklichkeit ab. Sie zeigten aber, das diese Passion etwas ganz Kostbares und Zerbrechliches ist.

    Gruß

    @Wolfgang

    Antworten
  13. Matthias J.

    Ihr lieben Menschen, Bachfreunde oder einfach Genießer!
    Diesen Kommentar zu beginnen, fällt mir unsagbar schwer. Geht mir doch so viel durch den Kopf, daß mich auf eines zu konzentrieren, mir kaum möglich scheint. Auch ist es (ungelogen!) das erste Mal überhaupt, daß ich mich in ein online-Forum begebe, zudem noch das Bedürfnis verspüre, mit Euch zu kommunizieren… Als Beteiligter (Petrus/Pontifex/Chor) der von Euch rezensierten Matthäus-Passion, freut es mich außerordentlich, daß es offensichtlich Menschen gibt, die nicht allein die Fähigkeit besitzen, zuzuhören und den Augenblick zu genießen, sondern sich zudem Gedanken machen, was in den Köpfen Bachs, Herreweghes und des gesamten Ensembles vorzugehen scheint. Auch mir, der ich dieses Werk etliche Male solistisch und oder Chorisch mitgestalten durfte, tat sich einiges neues auf – in Herz, Kopf und Eingeweiden. Claudia, hab Dank für diese innige Beschreibung des Essener Konzertes. Einige Kleinigkeiten möchte ich ,bitte, dennoch hinzufügen, viell.berichtigen dürfen: Zum einen war es der Bass Stephan Macleod, der sowohl den Judas, als auch die letzten beiden Baß-Arien sang. Matthew sang die ersten beiden Arien. Was die Kritik an Robin (Blaze) angeht, sei mir gestattet zu erwähnen, daß jener in seiner Art Altus zu singen der (very very) englischen Tradition des Counters folgt. Diese orientiert sich eher am doch eher geraden, schlichten und sehr naiv knabenhaften Klangideal. Wohingegen Damien dieses weiblichere Timbre anbietet. Und beide – so finde ich – passten damit ausgezeichnet zum jeweils vorgetragenen Inhalt. Der Christus in Köln klang übrigens anders, als in Essen, weil’s ein anderer war (Tobias Berndt – sollte man im Auge behalten, dieses Talent). Ein letztes das Dirigat Herreweghes betreffend. Direkt nach seinem Dirigat zu musizieren ist in der Tat nicht leicht 😉 Das wissen aber sowohl er selbst, als auch wir Sänger und Intrumentalisten. Aus diesem Grunde ist es enorm wichtig, permanenten Sichtkontakt zu (möglichst allen) anderen Sängern und Instrumentengruppen zu haben. Philippes außerordentliche Leistung besteht vor allem darin, daß jeweilige Werk sowohl musikalisch, als auch textlich analysiert zu haben und seine Erkenntnisse, Vorstellungen, Wünsche (in diesem multilingualen Ensemble zumeist viersprachig) darzulegen, aber auch mit den Auszuführenden gemeinsam zu diskutieren, dabei sogar mitunter seine Meinung ganz undogmatisch zu revidieren. Er wird auch zunehmend selbstloser dabei. Einzig der Transport der Botschaft steht für ihn an erster Stelle. Ich wäre also mit Aussagen aus Interviews, die länger als 1 bis 2 Jahre zurückliegen vorsichtig. Keine Ahnung, ob’s bei ihm mit dem Älterwerden zu tun hat, aber es ist unheimlich interessant, zu beobachten, daß er sich (und seine lange Jahre bis ins Extrem gesteigerte musikalische Kunst der historischen Aufführungspraxis) mehr und mehr zurück nimmt und den Inhalt in den Vordergrund stellt. Dabei verstärkt nach einer natürlichen Betonung der Worte, wie auch der Phrasierung mancher durch musikalische Pausen unterbrochenen Sätze und deren Ziel sucht, ohne dabei die Subtexte aus den Augen zu verlieren. Das macht ihm tatsächlich kaum einer nach und darin liegt seine Stärke.
    Nachdem die ersten beiden Monate diesen Jahres für mich mit zum Teil schweren Schlägen begannen (Gesundheit war hin, mein Vater starb unmittelbar vor der Tournee), war diese MatthäusPassionsArbeit für mich Genesung auf allen Gebieten. Trotz des enormen Stresses für Körper und Geist (reist man doch täglich weiter…neues Hotel…Bus, Flugzeug, Klimaanlagen, wenig Schlaf) war es ein Erlebnis, daß mich so schnell nicht loslassen wird und damit meine ich nicht ausschließlich die vielen Ohrwürmer… Mit einem Ensemble, wo nicht einmal gelästert, gemobt wird oder schlechte Laune durch jedwede Zwänge aufkommt, zu musizieren ist schlicht ein Traum, den man leider nicht allzu oft träumen darf. Ein menschliches und musikalisches Highlight. Ein Fliegen mit Erdung und viel Bodenhaftung. Vielleicht lag’s an Bach, vielleicht an der Geschichte, die wir erzählen wollten, vielleicht an dem tollen Ensemble, vielleicht nicht zuletzt an Leuten wie Euch, die sich berühren lassen konnten (trotz der vielen Huster und Bonbonpapier-Rascheler), vielleicht… Im übrigen schnitt Radio Klara (ein belgischer Klasiiksender) das Konzert in Antwerpern mit. Habe selber noch nicht nachgeschaut, aber unter Umständen findet man ja auf deren homepage noch Informationen zu Sendeterminen, um es aunehmen zu können. Und so unter uns: die Idee einer CD-Produktion is‘ noch nicht vom Tisch….
    Herzliche Grüße! Matthias

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  14. Volker

    Lieber Matthias,

    herrlich und wunderbar, einmal die Stellungnahme eines Beteiligten für diese zwei Konzerte in Deutschland (Essen-Köln) und der Gesamt-Tour zu bekommen. Wir Bach-Freunde lechzen förmlich nach diesem Insider-Wissen, wir sind nur die Zuhörer und können unsere Empfindungen zu dem gehörten Werk in Worte kleiden und nur so entsprechend reagieren und wiedergeben. So danke ich dir für deine umfangreiche Stellungnahme, die sehr viel Erhellendes und Unbekanntes für uns zu Tage treten lässt. Hier ist schon zur Sprache gekommen, dass Phillippe Herreweghe einen ungewöhnlichen Dirigierstil pflegt so dass ich oft ins Grübeln geriet, wie nimmt das Orchester und der Chor den Einsatz entgegen. In der ausgezeichneten Fernseh-Aufzeichnung von 3sat aus der Philharmonie Köln habe ich gerade aus diesem Grunde einmal mehr als sonst darauf geachtet und konnte feststellen, dass er zusätzlich mit den Augen und seiner Mimik den Einsatz mit vorgibt. Ebenso war ich der Meinung, dass kann doch nur während der Proben entsprechend mit eingeübt werden, dass die Einsätze stimmig kommen. Aber eine weitere Erhellung ergibt sich dazu aus deinem ausführlichen Kommentar und bedarf keiner weiteren Klärung.

    Es war für mich eine überragende Matthäus Passion, die von 3-sat wiedergegeben wurde, eine innige Werkswiedergabe, Bach wurde zelebriert, wie man es nur sehr selten erleben kann, ein wunderbares Orchester und ein Chor, der allerersten Ansprüchen gerecht wird.

    Aber eine wahre Offenbarung waren die überragenden Gesangs-Solisten, endlich einmal eine Besetzung, die mich vollends überzeugen konnte. Mit dieser Aufführung wurde ich wieder an die alte Karl Richter-Ära erinnert, wo die unvergessenen Gesangs-Stars der 70er und 80er Jahre zu hören waren. Eine Offenbarung ist wirklich für diesen Abend als Ersatz für den ausgefallenen „Simon Kirkbride“ der Bariton: „Tobias Berndt“ zu nennen, was er für ein Gesangs-Potential besitzt ist schon mehr als außergewöhnlich, die Zukunft wird ihm gehören und werden noch viel Freude an ihm haben.

    Der Counter „Robin Blaze“ fand ich in Köln ausgezeichnet und als Gegenpool dazu „Damien Guillon“ eine gelungene Alternative, aber das hast Du uns ja auch so vortrefflich dargelegt.

    Ich war dermaßen ergriffen von dieser Matthäus Passion, dass ich die Nacht kaum schlafen konnte, immer wieder tauchten bei mir die Bilder auf, wie alle Beteiligten mit ganzen Herzen bei der Sache waren und wirklich unseren geliebten Bach – z e l e b r i e r t e n – , das war eine Sternstunde für alle Fernsehzuschauer und der Dank sollte für alle Mitwirkenden gelten und dem genialen Interpreten: Philippe Herreweghe, die es verstanden haben, die Herzen der Hörer und Seher für dieses großartige Bach-Oratoirum zu öffnen.

    Missfallend für mich der spontan einfallende Applaus nach dem letzten erklingenden Ton, keine Minute der Besinnung sich Zeit zu lassen und es sacken zu lassen, halte ich für unangebracht, klatschen, trampeln, Pfiffe, schade, dass es so zum Abschluss gekommen ist.

    Dir lieber Matthias wünsche ich für die Zukunft weiterhin viel Freude bei den folgenden Aufführungen und gesundheitlich alles Gute.

    Herzliche Grüße
    Volker

    P.S.
    Das unangebrachte Zitiat über das Interview mit P. Herreweghe wurde von mir entfernt.

    Antworten
  15. Petra

    Ihr lieben Mit-Erlebenden,

    um wieviel schöner ist es, die tiefen und vielfältigen Nachklänge hier, lebendig, berührt, zu teilen, als sie ganz allein nur in uns zu bewegen. So bin auch ich, fast erstaunt über mich selbst, zum ersten Mal in meinem Leben in einem Forum unterwegs. Weiter tief beeindruckt von diesem BACH-Gesamt-Kunstwerk aller Mitwirkenden, dieser faszinierenden Einheit von Chor und Solisten, dieser Leichtigkeit, Innigkeit, Kraft, Präzision, der Zurückgenommenheit jedes Einzelnen vor dem Ganzen und dem zugleich vollständigen Einlassen in das gemeinsame Neu-Erschaffen dieser Musik. Wie viele Momente von Vollkommenheit.

    Was könnte ich mir mehr wünschen?
    Doch, zweierlei:
    Wie schön, wenn tatsächlich eine CD oder DVD entstehen würde.
    Und: Einmal eine solche Aufführung im sakralen Raum erleben, mit all dem, was das beinhaltet – der Resonnanz-Größe, der weiteren Erhöhung durch die optisch-äthetische Andacht, ohne „Konzerthaus“- Gebaren unter den Hörern. Dorthin möchte ich sternfahren mit ein paar der mir lieben Menschen. Falls es das jemals gibt und wann immer jemand davon hört: hören wir im Forum,bitte,davon?

    Mit Grüßen,

    Petra

    P.S. Radio Klara hat den Mitschnitt vom 31.03. am Karfreitag gesendet.

    Antworten
  16. Dirk Janßen

    Liebe Claudia,

    Deine Stellungnahme zum Essener Konzert hat mich sehr berührt, so vor allem die Einleitung mit dem Selbstbezug: Es geht um unsere eigene Matthäus Passion, um Bachs selbst erlebte Matthäus Passion. Genau so empfinde ich es. Anders könnte Bach solch ein inniges Werk nicht geschaffen haben und anders könnten wir es nicht jahrzehntelang mit immer wieder der gleichen intensiven Betroffenheit hören, proben und aufführen.
    Kurz vor dem Konzert sprach ich mit dem Tenor H.-J.Mammel darüber, ob nicht etwa die Gefahr einer Routine bei einer Tournee mit täglichen Aufführungen entstehen könnte. Er lächelte etwas spöttisch über diese Frage und entgegnete, dass die Matthäus Passion nie zur Routine werden kann, da in deren Vielschichtigkeit immer etwas Neues entdeckt wird und jedes Konzert anders und immer wieder aufregend ist.

    Deinen Kommentaren zum Konzert und zu den Solisten kann ich mich größtenteils gerne anschließen, möchte aber Stephan MacLeod noch mehr herausstellen, da er sich in den letzten Jahren unheimlich entwickelt hat und für mich mit der Schlussarie fast (naja, aber wirklich nur fast) an das Niveau von Peter Kooy heranreichte. Von den übrigen Solisten konnte man nichts anderes als diese Klasse erwarten, bis auf dass Colin Balzer für mich die Überaschung des Abends war und Robin Blaze etwas abfiel. Während er in „Erbarm es Gott“ die Verzweiflung und Hilflosigkeit überzeugend darlegte, enttäuschte er in der darauffolgenden Arie „Können Tränen meiner Wangen“. Ein überzogenes Tempo und das in dieser Arie völlig unpassende ruppige Spiel der Violinen trugen ihr Übriges dazu bei. Bei der Kölner Aufführung war es dann aber viel besser, weil inniger.
    Herausragend auch Dorothee Mields. Neben ihrer stimmlichen Schönheit transportiert sie Ihre Liebe zu dieser Musik wie kaum eine andere, was mich zu Tränen rührte. Auch ist sie immerzu präsent, da sie nicht dauernd in den Notentext schaut.
    @Matthias: Warum eigentlich immer der Blick in die Noten? Könnt Ihr das Werk tatsächlich nicht auswendig oder schaut Ihr eher auf Eure Notizen?

    Was für mich bei der TV-Übertragung aus Köln und besonders beim Essener Konzert deutlich wurde und den Ausnahmestatus des Collegium Vocale und Herreweghe bezeugt ist der unbedingte Vorrang des Werkes gegenüber dem Künstler. Die Tatsache, dass ich mich als Zuschauer vor und nach dem Konzert mit einigen Musikern und auch mit Herreweghe selbst ganz unprätentiös wie mit alten Bekannten unterhalten konnte, obwohl sie doch für mich seit meiner Jugend gottähnlichen Status besitzen, hat mich sehr berührt.

    Was für großartige Musiker und was für eine grandiose Tournee, Danke!

    Antworten
  17. Volker

    Liebe Petra,

    ich zitiere einmal deine Worte:
    …“Dorthin möchte ich sternfahren mit ein paar der mir lieben Menschen. Falls es das jemals gibt und wann immer jemand davon hört: hören wir im Forum,bitte,davon?“….

    Dann schau dir einmal diese Terminangabe im Blog an, Bachfest Leipzig Abschluss-Konzert Gardiner h-moll-Messe am 20.6.2010 in der Thomaskirche, das Konzert ist zwar schon seit Monaten ausverkauft aber es könnte sein, dass @Claudia, noch eine Eintrittskarte zu verkaufen hat, hier müsstest Du im Forum einmal @Claudia ansprechen, ebenso ist eine Teilnahme vorgesehen an der Probe von Gardiner mit einigen Blog-Mitgliedern am 20.6.2010.

    Des weiteren gastiert Gardiner am 6.12.2010 in der Philharmonie Berlin mit Advents-Kantaten und am 11.8.2010 in Rendsburg, schau dir die Terminangaben einmal in Ruhe an.

    Der Link zu dem Beitrag mit Gardiner-Konzerten in 2010 nachstehend:

    http://meinhardo.wordpress.com/2010/01/15/gast-konzerte-in-deutschland-von-sir-j-e-gardiner-im-kalenderjahr-2010/

    Schöne Woche und Grüße
    Volker

    Antworten
  18. Michael

    liebe PH Infizierten und MP Verfolger,

    darf ich mich als offensichtlicher Südpol der Runde auch noch zu Wort melden, da ich seit Tagen das Bedürfnis habe mich gleichfühlenden mitzuteilen. Ich war am Karfreitag, während das Konzert in 3Sat lief, zur gleichem Zeit in Innsbruck in der MP mit oben beschriebener Besetzung. Es war für mich ein Erlebnis der höheren Art diese Musik, von so einem Ensemble und da schließe ich alle Solisten ein, in der sehr guten Akkustik des Saals im Congresszentrum zu hören. Da der Saal etwa nur ein Drittel so groß ist wie die Phillharmonie in München war auch die Größe des Ensembles für diesen Raum genau richtig. Es war mein dritter Abend mit HP und Bach in sieben Jahren und noch Tage später zehre von dem Erlebnis am letzten Freitag. Ich will auch nicht in Details der Aufführung gehen, da für mich das Ganze zählt und das war betörend und berauschend. Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass ich nach 100 km Heimfahrt, in unserem (gott)verlassenem Weiler mit 13 Häusern, 50 Meter vor meinem Haus von der Polizei angehalten wurde und ich nach meiner Auskunft, ich käme gerade aus der MP, sofort „blasen“ musste. Ich hätte mir so gewünscht dass auf der Anzeige des Geräts plötzlich „100 % Bach“ erschienen wäre.
    Es war sehr schön die ganzen Kommentare von Euch allen zu lesen – man weiß dann man ist nicht allein mit seiner eigenen Passion für diese Musik.
    Wenn jemand eine DVD von Köln für mich machen könnte wäre ich sehr glücklich.
    Habt Dank für eure Gedanken

    aus Oberbayer
    Michael

    Antworten
  19. Volker

    Matthäus-Passion in Frankfurt
    Komm, süßes Kreuz
    VON TIM GORBAUCH

    Der Satz wird ihn auf ewig begleiten. Er sei bachmüde, sagte Philippe Herreweghe vor Jahren in einem Interview, eine Matthäus-Passion werde er nicht mehr dirigieren. Herreweghe, der als Autodidakt und im Verbund mit Nikolaus Harnoncourt und Gustav Leonhardt die historische Aufführungspraxis maßgeblich beeinflusst hatte, dirigierte da schon längst nicht mehr nur alte Musik, sondern auch Brahms, Bruckner, Mahler, das große sinfonische Format.

    Für einen Moment schien es, er sei dem Barock abhanden gekommen. Doch Herreweghe ist zu Bach zurückgekommen, wenn er denn je wirklich weg war. Und nach Frankfurt, zu den Bach-Konzerten in der Alten Oper Frankfurt, bringt er sogar die Matthäus-Passion mit.

    Er gibt sie schlank und – das vormals Revolutionäre ist längst etabliert – geradezu zeitlos modern. Zwei je zwölf Sänger umfassende Chöre sind links und rechts auf der Bühne postiert. Aus ihnen erwachsen, auch das eine inzwischen bewährte Tradition, die Solisten. Evangelist und Christus sind nicht am Bühnenrand exponiert, sondern sitzen mitten im Orchester. Von der monumentalen Pracht herkömmlicher Bach-Deutungen hat sich Herreweghe wohl am konsequentesten verabschiedet. Der uralte Vorwurf an ihn lautet deshalb, sein Bach sei zwar unfassbar präzise und ausgewogen, aber auch geradezu körperlos.

    Und in der Tat, anders als etwa John Eliot Gardiner, der für Bach Begriffe wie Ekstase und Euphorie reklamiert, sind die Ausschläge bei Herreweghe gering oder, anders gesagt, mit Bedacht gesetzt. Kein Theater weit und breit, aber eben auch kein karger Morgengottesdienst. Dafür sorgt das Collegium Vocale Gent, einer der besten Chöre, den Herreweghe vor 40 Jahren gründete. Was hier in den Chorälen an Zuversicht und Trost hörbar wird, ist atemberaubend. Und wie sehr Herreweghe sofort eine Einheit aus Chor und Orchester formt, wie präsent die Musik vom ersten Takt an ist, das macht ihm keiner nach.

    Die Solisten können das Niveau nicht immer halten, selbst ein erfahrener Evangelist wie Christoph Prégardien wirkt bisweilen etwas gehetzt – um dann doch an entscheidender Stelle das Bibelwort so schlicht wie grandios zu deuten. „Und Jesus schwieg stille“ ist ein solcher, vordergründig lapidarer Satz, dessen Bedeutung lange nachklingt.

    Copyright © FR-online.de 2010

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  20. Berndt

    Leider ist unter dem angegebenen Link kein Video mehr abrufbar.
    Sehr gerne hätte ich eine Aufnahme, Ton allein „genügt“ mir auch.. Weiß jemand eine andere Quelle?
    Muß natürlich nicht kostenlos sein, gibts von Veranstalterseite nichts?
    Danke! Berndt

    Antworten
  21. Volker

    Für alle Interessenten gibt es keine weitere Möglichkeit, eine Aufzeichnung des Konzertes von Herreweghe aus Köln auf 3sat noch einmal sich anzusehen.
    Eine Möglichkeit evtl. über R….?

    Grüße
    Volker

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  22. Volker

    Danke @Barbara, für deine Neuigkeit, damit wirst Du sicherlich alle beglücken, die keine Aufzeichnung von Herreweghe sich ansehen konnten.

    Gruß
    Volker

    Antworten
  23. Luise

    Ich habe so eine Sehnsucht nach einer DVD-Aufzeichnung der Matthäuspassion am Karfreitag dieses Jahres auf 3sat mit Herreweghe. Kann mir da jemand helfen? Natürlich habe ich bei meiner Suche danach auch die Kommentare gelesen und gemerkt, daß ich mit meiner Begeisterung nicht allein bin.
    Übrigens hörte und sah ich diesen Sommer Herreweghe in Schwarzenberg mit der h-moll Messe.
    in einzelnen Kommentaren wird der Dirigierstil von Herreweghe als „gewöhnungsbedürftig“ bezeichnet. Gerade diese Art fasziniert mich. Ich kann nicht alles aufzählen, was mich so begeistert, aber die Cellistin ist auch einsame Spitze!

    Antworten
  24. Pingback: 2010 in Review – Blog: Volkers Klassikseiten J.S. Bach « Volkers Klassikseiten J.S. Bach

  25. Michael

    immer wieder schaue und höre ich mir die M-Passion vom 1.April 2010 in Essen an. Stets ein noch immer hoher Genuß, an dem ich auch gerne Dich – wer immer Du bist – in Form einer weiteren Kopie (2 DVD/Sp-Modus) teilhaben lassen möchte. Du weißt, dass wegen eines Übertragungslochs ein winzig kleines Stück fehlt und selbst gebrannte Scheiben auf manchem Player Ladehemmungen aufweisen. Beste Grüße zum fast einjährigem Jubiläum
    Michael

    Antworten
  26. Luise

    Lieber Michael,

    meinst Du mich mit Deiner Antwort? Ich gehe einmal davon aus, und ich freue mich über dieses Zeichen. Ich danke Dir auch sehr, daß Du mir gerne geholfen hättest. Inzwischen ist aber meine „Sehnsucht“ schon gestillt worden.
    Ich unterhalte mich erstmalig im Internet mit Gleichgesinnten und bin grundsätzlich begeistert von Volkers Klassikseiten mit allen Informationen und Meinungsäußerungen.
    Ich bin mit klassischer Musik groß- und altgeworden, halte mich aber für einen „Normalverbraucher“, habe totale Bewunderung für musikalische Begabungen und genieße das hohe Niveau, was man zur Zeit erleben kann. Und toll sind schon die technischen Möglichkeiten, daß man per CD oder DVD einer Aufführung noch einmal
    nachspüren kann.

    Liebe Fangemeinde,

    Von Zeit zu Zeit „wildere ich aber auch in anderen Gärten“, habe momentan den Messias von Händel am Wickel. Bei der Suche nach verschiedenen Aufführungen über DVD stieß ich auf Messias- Adaptionen von Bernd Wefelmeyer. Nach einem kurzen Schock bin ich so etwas von begeistert. Da mir in meiner unmittelbaren Umgebung ein Gedankenaustausch fehlt, würde mich interessieren, ob das jemand kennt und vielleicht einmal seine Gedanken dazu mitteilen würde.

    Viele Grüße
    Luise

    Lieber Volker,

    an Dich persönlich möchte ich auch ein paar Zeilen schreiben. Ich lese immer mit Interesse, welche Informationen und damit auch wertvolle Anregungen Du bekannt gibst. Danke.
    Über Dein Portal habe ich einen Download Klavierauszug des Messias gefunden, der mich total glücklich macht. Auf Gardiner hast Du mich auch neugierig gemacht. Zu gegebener Zeit, und möglichst in östlichen Gefilden, habe ich hoffentlich einmal Gelegenheit, ein Konzert zu hören. Mich beeindruckt schon, daß Du so weite Reisen wie nach Leipzig auf Dich nimmst, um Konzertaufführungen zu erleben. Auch habe ich mit Interesse gelesen, daß sich die Musikfans zu bestimmten Konzertereignissen treffen. Vielleicht klappt das auch mal mit uns.

    In einem der Diskussionsbeiträge las ich, daß jemand Schwierigkeiten hatte, um seine DVD Herreweghe, Matthäuspassion, abzuspielen. Auf meinem Laptop (Mac) hatte ich da auch Probleme. Nach der Installation von „MPlayer OSX Extended“ klappt das einwandfrei.

    Danke auch für Deine Grüße und guten Wünsche zum Jahreswechsel. Ich erwidere sie ganz herzlich.

    Auf ein Jahr mit schönem Gedankenaustausch zu unserer geliebten klassischen Musik freut sich und grüßt

    Luise

    Antworten
  27. barbara57

    Hallo Artur,
    ich habe vorhin gesehen, dass das Konzert erneut im Fernsehen gesendet wird. Ich werde das in den Radio- und TV-Tipps zu den Passionen mit aufführen und rechtzeitig hier veröffentlichen.
    Gruß
    Barbara

    Antworten
  28. Volker

    Herreweghe: Matthäus Passion noch einmal im Fernsehen angekündigt für den:

    22.4.2011 – Karfreitag
    WDR-Fernsehen
    7:15-10:00 Uhr

    Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion
    Aufzeichnung aus der Philharmonie Köln vom 28.03.2010

    Der Dirigent Philippe Herreweghe, für seine Aufnahmen der Werke Bachs mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, interpretiert das monumentale Werk in einem Konzert in der Kölner Philharmonie. Unter seiner Leitung musizieren das Collegium Vocale Gent und das Collegium Vocale Orchestra, die Solisten sind Christoph Prégardien (Evangelist), Simon Kirkbride (Christusworte), Dorothée Mields und Hana Blažíková (Sopran), Damien Guillon und Robin Blaze (Altus), Colin Balzer und Hans Jörg Mammel (Tenor) sowie Matthew Brook und Stephan MacLeod (Bass).

    Antworten
  29. Pingback: Bachs Matthäus-Passion im Fernsehen – 2012 « Volkers Klassikseiten J.S. Bach

  30. Christa Kestler

    Gründonnerstag 2012: Ich kann mich der goßen Begeissterung über die grandiose Aufführung dieser Passion voll und ganz anschließen. Ich war fasziniert, als ich letzte Woche nach 23.30 noch mal kurz im Programm herumzappte und dabei auf RBB plötzlich Ch. Pregardien erkannte, der schon öfter bei uns im“ Kissinger ‚Sommer“ begeisterte., Ich war so fasziniert vom Chor, den Solisten, dem Orchester, dass ich obwohl bettreif, nicht ausschalten konnte bis das Konzert nach 2.30 zu Ende war. Und heute wurde es kurz vor 24.00 in Bayern Klassik übertragen. Ich mußte ein zweites Mal bis kurz vor 3.00 dabei sein – diese Aufführing ist ein Geschenk an Musikalität, Ausdrucksstärke, Innigkeit und Schönheit. Warum diese späte Sendezeit- unverständlich!

    Christa

    Antworten
  31. Volker

    Liebe Christa,

    herzlichen Dank für deinen bewegenden Kommentar zur Aufführung von Herreweghe. Es ist wirklich ein Highlight in dieser Aufführungsform gewesen und ich genieße es ebenfalls, diese Aufführung noch einmal anzusehen.

    Ich wünsche dir ein schönes Osterwochenende.

    Herzliche Grüße
    Volker

    Antworten
  32. gerd wund

    ich habe gestern in Baden-Baden die Matthäuspassion mit PH erlebt (nun die 5. Aufführung mit Ihm und dem CV) und war völlig hingerissen von der Schönheit dieser Aufführung.
    Dankbar
    Gerd

    Antworten
  33. Lothar

    Leider habe ich nur zufällig von dieser Aufzwichnung erfahren und sie deshalb nur zum Teil sehen können. Auch wenn das schon ein Hochgenuß war, hätte ich sie mir gerne vollständig angehört. Weiß jemand, ob es sie auf DVD / BluRay gibt? Hat sie jemand aufgenommen?
    Danke!
    Lothar

    Antworten
    1. Helga Gieser

      Ich suche ebenfalls eine DVD von dieser Aufnahme.Kann mir jemand dazu verhelfenßDanke
      Bach:Matthäus-Passion,Genter vocalsten und orchestre Ltg:Herreweghe

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