3.8.2007 von Volker /admin.
Hallo,
einige im Blog hatten die Gelegenheit, zum Bachfest 2007 in Leipzig und anschließend in Potsdam in den Jubel-Kantaten – unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner – James Gilchrist persönlich erleben und singen zu hören, daraufhin stellt sich mir die Frage, ist er ein neuer Star als Tenor anzusehen?
Tenor James Gilchrist
Eine strahlende kräftige Stimme, wortverständlich und sein Gesang strahlt eine Innigkeit aus, die verblüffend ist, überzeugender kann das gesungene Wort dem Hörer nicht vermittelt werden. In der Bach Cantata Pilgrimage 2000 mit Gardiner, konnte er mich gesanglich immer überzeugen.
Mir fällt die Stelle wieder ein aus meiner Rezension zum BWV 66 “Erfreut euch ihr Herzen” (zum 2. Ostertag, SDG 128, CD 1, Eisenach), zu Satz 5 “Ich fürchte zwar des Grabes Finsternissen”
Ich zitiere daraus:
Wunderbar anzuhören – und eine Glanzkomposition von Bach – in der musikalischen Ausführung ist in Satz 5 “die Schlussfolge”…. für Alt (Daniel Taylor), und Tenor (James Gilchrist): das Duett in Begleitung der Violine und Basso continuo “Ich fürchte zwar des Grabes Finsternissen”
Die beiden Gesangsolisten erreichen hier eine gesangliche Einheit von eindringlicher Schönheit die das Herz weit öffnet!! Sie stellt einen absoluten Höhepunkt in dieser so fantastischen Kantate dar. Immer wieder habe ich mir dieses herzzerreißende „Gesangs-Duett“ anhören müssen und komme aus dem Schwärmen nicht heraus, einfach genial gelungen.
Zitat-Ende.
Gilchrist berührt und überzeugt mich immer wieder mit seinem innigen Gesang, er spricht mich total an, was ich bei anderen Gesangs-Solisten so oft vermisse.
Wie ergeht es Euch mit seinem Gesangs-Vortrag, ist er als ein neuer Stern im Fach Tenor anzusehen?
Neuerdings hat sogar Suzuki ihn für seine Cantaten-Einspielungen verpflichtet, das nur als eine Anmerkung.
Grüße
Volker
15.3.2007 von Muriel.
Ich denke, das Solistenproblem muss auch zwangsweise bei so einer “Mammuttour” entstehen. Auch T.Koopmann hat nicht nur ein glückliches Händchen bei der Solistenwahl. Z.B. Mertens als Dauerbass wird auch ziemlich eintönig. Gardiner hat nach meinem Empfinden mit W.Towers einen ganz hervorragenden Altus, während N.Stutzmann sehr, sehr unterschiedlich disponiert ist.
Liebe Grüße
Muriel
Rückantwort von „Martin“ zum Beitrag von „Muriel“
14.3.2007 von Martin.
Hallo Muriel,
auch von mir herzlich Willkommen!
Von Malin Hartelius bin ich auch nicht besonders begeistert. Ihre Stimme klingt mir zu opernhaft, was man ihr nicht vorwerfen kann, da sie meines Wissens auch hauptsächlich Opern aufführt…
Allgemein sollte man zur Solistenbesetzung während der Bach Cantata Pilgrimage bedenken, dass es finanziell wie terminlich nicht möglich gewesen sein kann, für sämtliche Aufführungen Top- Solisten zu verpflichten. So musste auf Solisten ausgewichen (blödes Wort in dem Zusammenhang..) werden, die nicht so ganz in dieses Fach passen oder aber noch nicht so erfahren sind.
Einige der absoluten Top- Solisten, die auch mehr als 10 Konzerte mitgemacht haben sind Joanne Lunn, Katharine Fuge (beide haben fast die gesamte BCP mitgemacht), Daniel Taylor, James Gilchrist, Peter Harvey.
Kathariene Fuge (Sopran)

Peter Harvey, Bass
Was die Besetzung der Alt- Stimmen angeht, verstehe ich Gardiner nicht wirklich. Richard Wyn Roberts´ Stimme mag ich genauso wenig wie die von Robin Tyson. Ich kann mir das etliche Male anhören und es kommt einfach nicht der Punkt, an dem ich denke “Ja, das passt zusammen!”. Daniel Taylor hat, wie ich finde, eine sehr viel schönere und klangvollere Stimme und passt gut zu Bach´s Musik. Ebenso wie Claire Wilkinson, die leider erst nach der BCP zum Monteverdi Choir gestoßen ist.
Die Besetzung der Tenöre ist meiner Meinung nach sehr gut geraten. Christoph Genz und Mark Padmore, sowie James Gilchrist wurden oft eingesetzt.
Manchmal hat Gardiner auch auf “alte Bekannte” zurück gegriffen, die er für frühere Aufführungen bzw Aufnahmen benutzt hat. Zum Beispiel Stephen Varcoe (sein Bass ist mir zu dünn), Michael Chance (in Hamburg am 09.01. und Lüneburg am 09.12. brilliant) und Gerald Finley, der wie Gardiner schreibt sehr kurzfristig eingesprungen ist.
Wie auch immer, ich denke, dass Gardiner und die Solisten für jedes Konzert alles aus sich herausgeholt haben und es ist absolut achtbar, solche Mühen zu unternehmen, um einen Komponisten zu würdigen. Gardiner hat das Projekt auch unter größter finanzieller Anspannung weitergeführt, als nicht klar war, ob das die Finanzierung überhaupt gesichert ist. Unter der Hand habe ich gehört, dass einige der Solisten auf ihre Gagen ziemlich lange gewartet haben, dies aber gerne, um das Projekt zu unterstützen. Ob das stimmt, weiß ich allerdings nicht mit Sicherheit.
Schöne Grüße,
Martin
14.3.2007 von Volker /admin.
Hallo Muriel,
deine Aussage: “Die Sopranistin Hartelius ist nach meinem Geschmack die Schwächste von allen Solisten. Schade, dass ausgerechnet mit ihr “Jauchzet Gott…” aufgenommen worden ist. Ein bisschen sehnsuchtsvoll denke ich bei den Tenorarien an Türk und Pregardien und hätte es gut gefunden, wenn Genz öfter zum Ton gekommen wäre.”
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Schwedische Sopranistin: Marlin Hartelius
Ich habe mir gestern die SDG-104-CD eins aus der Kirche “Unser Lieben Frauen” in Bremen mit der schwedischen Sopranistin Marlin Hartelius mit der schwierig zu singende Solokantate “Jauchzet Gott in allen Landen” BWV 51 angehört. Von meiner Rezension der SDG 104 CD 1 fühlte ich mich nur bestätigt und finde ihren Part mehr als angemessen und gelungen. Gardiner schreibt in seinem Reisetagebuch über die Sopran-Besetzung sehr positiv!!
Abfallend für mich in dieser CD die Trompeten-Besetzung mit Niklas Eklund, der diesem virtuosen und technischen Teil nicht gewachsen ist.
Im Blog befinden sich ein Mitglied, das einige Konzert “Live” im Bachjahr 2000 besucht hat. Er könnte dazu aus seiner Sicht noch einiges beitragen. (@ Alex?)
.
Über die Tenöre lässt sich einiges aussagen. Wie bekannt ist, wurden während der Pilgrimage kurzfristige Umbesetzungen an Solisten und Aufführungsorte vorgenommen, da sich der Hauptsponsor (DG) aus dem Projekt zurückgezogen hatte. Aus dem vorgenannten Grund konnten nicht absolute Spitzensänger kurzfristig verpflichtet werden und Gardiner musste mit dem vorlieb nehmen, was der Markt hergab.
Tenor: Gerd Türk
Für mich ist der Tenor Gerd Türk nicht so überzeugend in der genannten Riege. Zu unterschiedlich gehen die Meinungen über seine Gesangskultur auseinander und gehört meiner Meinung nach nicht zu den ganz Großen. Aber hier streiten sich bekanntlich die Geister, von Vortrefflich bis es geht so… sind selbst die Aussagen von absoluten Fach-Spezies.

Tenor: Christoph Genz
Christoph Genz halte ich für einen guten Tenor. Seine Artikulation der Wortaussage und Stimmvolumen ist überzeugend. Ich Besitze die DVD mit dem Weihnachtsoratorium von J.S. Bach aus der Herderkirche in Weimar, die zum Beginn der Pilgrimage am 23.12.1999 aufgenommen wurde, hier singt Genz den Part des “Evangelisten” und überzeugt mich mit seinem warmherzigen Gesang und seine Wort-Artikulation ist vortrefflich. Gesangswettbewerbe in der Vergangenheit hat er als Sieger bestritten.

Tenor: Christoph Prégardien
Der Tenor Christoph Prégardien ist von den Vorgannten für mich absolut die Nummer eins. Er gilt als einer der herausragenden lyrischen Tenöre unserer Zeit, arbeitet u. a. mit den Dirigenten Barenboim, Chailly, Gardiner, Harnoncourt, Herreweghe, Luisi, Metzmacher, Nagano, Sawallisch und Thielemann zusammen. Zu seinem Repertoire gehören die großen Oratorien und Passionen aus Barock, Klassik und Romantik.
Besonders hervorheben möchte ich noch die exzellente Leistung Christoph Prégardiens in der Rolle des Evangelisten in der Matthäuspassion mit Gustav Leonhardt. Selten habe ich soviel Tiefe der Empfindung und zugleich Gesanges-Kunst erlebt.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass es Mitschnitte von der Bach Cantata Pilgrimage von ihm gegeben hätte.
Die vorgenannten Aussagen meinerseits sind subjektiv und sollten im Rahmen einer Diskussion abgehandelt werden, aus diesem Grund habe ich eine eigenständige Themenseite eröffnet und würde mich über weitere Stellungnahmen freuen.
Grüsse
Volker
12.3.2007 von Muriel.
Ich bin total begeistert von dem, was Gardiner mit seinen Leuten schafft. Die Kantatenaufnahmen begleiten mich, dank eines MP3-Players fast überall hin.
Diese Art von Bach’scher Musik, die Gardiner macht, ist so eine Art Neuschöpfung. Es gibt auch andere gute Aufnahmen, aber keine ist so neu wie dieses. Wenn ich Fragen habe, dann zu den Solisten.
Die Sopranistin Hartelius ist nach meinem Geschmack die Schwächste von allen Solisten. Schade, dass ausgerechnet mit ihr “Jauchzet Gott…” aufgenommen worden ist. Ein bisschen sehnsuchtsvoll denke ich bei den Tenorarien an Türk und Pregardien und hätte es gut gefunden, wenn Genz öfter zum Ton gekommen wäre.
Jetzt warte ich auf die neue CD
und grüße herzlich
Muriel
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