News: Klassische Musik ist die Gewinnerin 2009 – J.S. Bach Rekonstruktion BWV 244a Köthener Trauermusik

Hallo,

News aus der Klassikszene:

Bach-CD's

von vielen ist der Tod vorausgesagt worden, aber die „Klassische Musik“ lebt weiter und das mit überragenden Verkaufszahlen in 2009. Sowohl beim Umsatz wie auch beim Absatz konnten Klassik-Produkte zweistellige Zuwachsraten verbuchen.Das gab der Bundesverband Musikindustrie e.V. (BVMI) in Berlin bekannt. In einem insgesamt leicht rückläufigen Musikmarkt stieg der Umsatz mit klassischer Musik um 10 Prozent von 108 auf 119 Millionen Euro.

———————————-

J.S. Bach Köthener Trauermusik BWV 244a – Rekonstruktion:

J.S. Bach

Eine eigentlich verlorene, 1729 entstandene Bach’sche Begräbniskantate, komponiert von J.S. Bach aufgrund des Todes vom  Fürsten Leopold  von Anhalt-Köthen im November 1728 – erlebt eine Wiederaufführung als Rekonstruktion. Es entstand die Köthener Trauermusik (BWV 244a), von der heute bis auf das Libretto allein die Begeisterung des ersten Bachbiographen Johann Nikolaus Forkel geblieben ist, dem letzten Besitzer der Partitur. Letztere verschwindet nach Forkels Tod spurlos.

Nun erfährt nach einer Rekonstruktionsgeschichte von einhundertvierzig Jahren eine bewegende Wiederaufführung. Schauplatz: Kammermusiksaal im Deutschlandfunk, Forum Alte Musik.

Das klingende Ergebnis war verblüffend. Nichts erinnerte in dieser inspirierten Aufführung an das grob Technische einer „Rekonstruktion“. Wer befürchtet hatte, im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk einem Bach-Gerippe zu begegnen, das wie zur vorgerückten Geisterstunde an Fäden gezogen zum Laufen gebracht werden würde, sah sich angenehm überrascht. Alles, was Wolfgang Katschner seiner Lautten Compagney und der durch vier Solisten von Theatre of Voices verstärkten Capella Angelica entlockte, war aus Fleisch und Blut, hatte Stil und Charakter. +)

Davon gibt es einen Konzertmittschnitt beim Deutschlandfunk am 30.03.2010 um 21:05 Uhr.

———————————–

Grüsse

Volker

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

+) Textauszüge nmz
Werbeanzeigen

5 Gedanken zu „News: Klassische Musik ist die Gewinnerin 2009 – J.S. Bach Rekonstruktion BWV 244a Köthener Trauermusik

  1. Montanus

    Lieber Volker,
    am 18. März erschien im Kölner Stadt-Anzeiger die folgende Rezension:

    FORUM ALTE MUSIK

    Steinbruch für die Matthäus-Passion
    Man weiß, dass Bach für seine „Matthäus-Passion“ zwei weltliche Trauerkompositionen als Steinbruch benutzte und daraus zumal Arien und Ariosi durch Umtextierung gewann. So nicht die Passion diesen Werken voraus lag und ihrerseits „benutzt“ wurde – was davon abhängt, wie man sie datiert. Merkwürdig und anregend ist es allemal, die Musik, die zum Heiligtum europäischer Kultur gehört, einmal in Zusammenhängen zu erleben, aus denen man sie kaum kennt. Dieser Reiz also wuchs der Aufführung der – zum Tod des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen – komponierten großen Trauerkantate „Klagt, Kinder, klagt es aller Welt“ durch die Berliner Lautten Compagney (mit Theatre of Voices und Capella Angelica) unter Wolfgang Katschner beim Kölner Forum Alte Musik zu.

    Die Interpretation ließ freilich etliches zu wünschen übrig. Sicher, die Berliner sind Profis, und so wird auch eine ohne viel emotionale Anteilnahme abgelieferte Leistung nie zum Desaster. Insgesamt fiel die Neigung zu mechanisch forcierten Tempi auf, die man nur mit viel gutem Willen im Sinne tänzerischer Beschwingtheit deuten kann. Eher schon war es eine hastige Abwicklung, bei der viel auf der Strecke blieb – die Versenkung ins rhetorische Detail, die genaue Dramaturgie von Spannung und Lösung, das entspannte Abschwingen der Phrasenschlüsse. Der Chor agierte technisch fabelhaft, aber die Solistentauglichkeit des integrierten Theatre of Voices darf man bezweifeln – was sich zumal der Altus an heulend hochgezogenen Tönen und angepiksten Spitzentönen leistete, das war schon arg. (MaS)
    ————————–

    So weit! So gut???
    Was der Herr Markus Schwering (dessen Kenntnisse und Rezensionen ich ansonsten durchaus schätze) da empfunden zu haben glaubt, steht doch Deinen Eindrücken diametral entgegen.
    Nun, ich war auch da, und ich würde doch in meiner Bewertung durchaus DIR folgen! Es war meines Erachtens ganz und gar nicht eine „ohne viel emotionale Anteilnahme abgelieferte Leistung“, sondern eine im großen und ganzen bewegte und bewegende Interpretation.
    (Dass der nach akustischen Bedürfnissen konstruierte, nüchterne Saal des DLF keine Atmosphäre für ein Passionskonzert verbreitet, steht auf einem anderen Blatt.)
    Ich bin gespannt, ob die Rundfunksendung am 30. März meine Empfindungen bestätigt.
    Viele Grüße,
    Montanus.

    Antworten
  2. Volker

    Lieber Montanus,

    vielen Dank für deinen inhaltsreichen Kommentar. Es ist wirklich manchmal eigentümlich, was einige Rezensenten, von denen man eine hohe Meinung besitzt und dann mit einer Rezension total aus dem Ruder laufen und man sich fragt, war er eigentlich in einer anderen Veranstaltung, aber das ist menschlich und nicht jeder hat seinen besten Tag und erlebt ein Konzert so ganz andersartig gelagert, als die übrigen Besucher..!!
    Ich bin ebenfalls auf das Konzert im DLF am 30. März gespannt und hoffe auf eine gute Tonqualität.

    Herzliche Grüsse
    Volker

    Antworten
  3. Montanus

    Lieber Volker,
    ich weiß nicht, wie Du die Übertragung am Dienstagabend genossen hast.
    Meine allgemeine Erfahrung ist: Wenn ich als Zuhörer ein Konzert persönlich erleben darf, bin ich oft ergriffen bis begeistert. Ich bin Zeuge einer künstlerischen Leistung!
    Hört man dann die Aufnahme als Konserve, schleicht sich bisweilen Enttäuschung ein. Die Musik
    tönt „nackt“ aus dem Lautsprecher, das ursprüngliche Erlebnis der realen Präsenz fehlt.
    So auch diesmal. Manches klang mir wirklich zu flott, die Vokalsolisten ließen stimmliche Mängel erkennen, besonders der (vom Zeitungs-Rezensenten gerügte) Altus.
    Wie hast Du das empfunden?
    Gesegnete Ostern!
    Montanus.

    Antworten
  4. Volker

    Lieber Montanus,

    es war in letzter Zeit bei mir so viel angefallen, dass ich noch nicht die Zeit gefunden habe, mir die aufgezeichnete Sendung anzuhören. Ich habe sie gerade in meinem Kopfhörer und werde dir morgen darüber berichten.

    Herzliche Grüße
    Volker

    Antworten
  5. Volker

    Lieber Montanus,

    die Stille der Nacht und entspannt zurückgelehnt habe ich mir die Rekonstruktion der „Köthener Trauermusik“ BWV 244a vom DLF angehört. Im Allgemeinen fällt meine Rezension dazu sehr sehr Positiv aus. Die Klangqualität über meinen „Apple-Radioshift“ ist als gut zu benennen. Den Chor finde ich hervorragend, sie singen filigran und akzuentiert, das Orchester sehr gefällig in der üblichen barocken Klang-Qualität.

    Was mir überhaupt nicht gefallen hat ist der jeweilige Part des Counters, (Risto Joost) – ich habe persönlich schon so meine Probleme mit dieser Art der Besetzung und dann das teilweise schrille und quälende Singen ist für mich unangenehm aufgefallen zumal er in Teil 1-3 so oft zum Zuge kommt.

    Meine Lieblingsstelle in der Matthäus Passion: Alt-Arie: BWV 244/39 „Erbarme dich, mein Gott“, in der Köthener Trauermusik in Teil 2: Nr. 10. Alt-Aria „Erhalte mich, Gott, in der Hälfte meiner Tage“, – fehlt mir die Innigkeit, die der Counter fast vermasselt. Schade, hier hätte ich gerne ein hervorragende Altistin als Besetzung gehabt, dann wäre die ganze Aufführung ein runde Sache geworden. Die Sopranistin (Else Torp) fand ich überragend schön, Bass (Jakob Bloch Jespersen) – und Tenor (Julian Podger) – waren ebenfalls eine gute Besetzung.

    Betörend finde ich in Teil 3 in Begleitung mit der Laute – Satz 15. die Aria für Tenor “Laß, Leopold, dich nicht begraben” = in der Matthäus Passion entsprechend BWV 244/Satz: 57 „Komm, süßes Kreuz, so will ich sagen“

    Was mich weiterhin gestört hat war die teilweise zu benennende Hetze wie durch das Werk im Schnellzugtempo musiziert wurde, schade eine ruhigere Angehensweise wäre optimaler gewesen. Aber das scheint heutzutage eine Unsitte zu sein. leider..!!

    Aber trotz aller dieser genannten Kritikpunkte eine wunderbare Rekonstruktion der Köthener Trauermusik gelingt Wolfgang Katschner, schlüssig, dramatisch und überzeugend – sie wird einen bevorzugten Platz in meinen Aufzeichnungen erhalten und sie mir öfters wieder einmal anhören. Die Einleitenden Worte der Köthener Trauermusik zum Anfang und zu den entsprechenden Teilen 1-4 fand ich hervorragend gemacht, solche Worte vermisst man in einer Original-Aufführung, da hat eine Rundfunkübertragung eben seine Stärken die er ausspielen kann.
    Sicherlich ist immer eine Live-Aufführung vorzuziehen aber ich habe diese Rundfunkübertragung genossen und mich eineinhalb Stunden mit dieser Trauermusik richtig auf den Karfreitag einstimmen lassen können.

    Schönes Osterfest und lieben Gruß
    Volker

    Antworten

Kommentar verfassen