Archiv-Beitrag: Cantus Cölln Konrad Junghänel; J.S. Bach; Messen BWV 233-236


Hallo,

zu dem Thema: J.S. Bach, ”Lutherische Messen” passt auch diese Neuveröffentlichung ab 15. Mai 2007, die “ bei jpc “ erworben werden kann.

J.S. Bach: Messen BWV 233-236
Cantus Cölln, Konrad Junghänel
2 CD’s 29,99 Euro bei j p c
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Ein anerkannt homogenes Spitzenensemble für “Alte Musik”, verspricht mit dieser Neuveröffentlichung eine Einspielung, die den hohen selbstgestellten Ansprüchen mehr als gerecht werden wird. Darauf bin ich einmal gespannt und freue mich auf diese Einspielung.
Gruß

Volker

Archiv-Beitrag: DVD; Leitung: Sigiswald Kuijken / C.P.E. Bach: Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu,


Hallo,

eine neue Einspielung auf DVD von C.P.E. Bach (1714-1788) und J.S. Bach (1685-1750)
die Himmelfahrtsoratorien:

C.P.E. Bach: Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, Wq 240
J.S. Bach: Lobet Gott in seinen Reichen, BWV 11

aufgenommen zum Bachjahr 2004 in der Nicolaikirche in Leipzig.

“Die Vorfeude auf das Bachfest Leipzig 2007 und Gardiner wächst von Tag zu Tag !”

Erwähnenswert die Brüder: bekannt aus der SDG-Reihe: Christoph Genz / Tenor und sein Bruder als Bass-Bariton: Stephan Genz, der einen vorzüglichen Gesangs-Part liefert.

Stephan Genz, Bass-Bariton; Bruder von Christoph Genz

DVD zu beziehen bei j p c 22,99 €

es sind Filmausschnitte/Videotrailer von j p c

einsehbar, die Bildqualität ist im Original top in dieser Version nicht sehr berauschend!

Ausführende:

Sophie Karthäuser, Sopran
Patrizia Hardt, Alt
Christoph Genz, Tenor
Christoph Einhorn, Tenor
Stephan Genz, Bass
Jan van der Crabben, Bass-Bariton
Ex Tempore / La Petite Bande
Leitung: Sigiswald Kuijken

Ein absoluter Hör- und Sehgenuss der Vergleich der Himmelsfahrtsoratorien vom Vater: J.S. Bach und seinem Sohn: Carl Philipp Emanuel Bach.

1735 komponierte J.S. Bach das Himmelfahrtsoratorium das aber wegen der Kürze 1852 in der Gesamtausgabe der Bach-Gesellschaft unter dem Titel “Lobet Gott in seinen Reichen” als Kantate Nr.11 veröffentlicht wurde.
Doch Bach hatte gute Gründe, sein Stück als Oratorium zu bezeichnen, folgt es doch der Tradition des deutschen Oratoriums, wie sie Heinrich Schütz begründet hatte.

Knapp vierzig Jahre liegen zwischen dem Himmelfahrtsoratorium von Vater Bach und der
“Auferstehung und Himmelfahrt Jesu” vom Sohn C.P.E. Bach komponiert und am Ostersamstag 1774 ihre Erstaufführung im Konzertsaal erlebte.
1767 hatte C.P.E. Bach die Nachfolge seines Paten Georg Philipp Telemanns als Musikdirektor in Hamburg angetreten, nachdem er 25 Dienstjahre zuvor als Kammercembalist des preußischen Königs Friedrich II tätig gewesen war.
Im liberaleren Klima Hamburgs konnte er sich freier entwickeln und zu einem der führenden Komponisten in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts werden. Man sprach zu der damaligen Zeit in erster Linie von den “Berliner” bzw. “Hamburger” Bach, der Thomaskantor J.S. Bach war nicht mehr zeitgemäss und geriet zusehends in Vergessenheit.

Von seinem Oratorium “Auferstehung und Himmelfahrt Jesu” hatte Carl Pilipp Emanuel Bach selbst eine hohe Meinung; er rechnete das Werk zu seinen am stärksten gearbeiteten Stücken und war fest davon überzeugt, dass es ihm auch nach seinem Tode noch Ruhm bescheren würde.

Eine Hörprobe C.P.E. Bach aus dem 2. Satz und Anfang des 3. Satzes (3 Min.) mit dem Bass-Bariton “Stephan Genz.”

Ein Vergleich der beiden Oratorien vom Vater und Sohn macht die fundamentalen Veränderungen deutlich, die diese Gattung in den vierzig Jahren zwischen der Entstehung der beiden Werke durchgemacht hatte.
C.P.E. Bach verwendete einen Text von Karl Wilhelm Ramler aus dem Jahre 1760, der damals ein hohes Ansehen genoss und bereits von Telemann und Graun vertont worden war.
Anzeichen der musikalischen Entwicklung in das 19. Jahrhundert sind in diesem Werk von C.P.E. Bach heraushörbar.

Demgegenüber gestellt die barocke Klangpracht und virtousität der Gesangssolisten des Himmelfahrtsoratoriums seines Vaters.
Ein absoluter Genuss, diesen Vergleich einmal in einer Aufführung anstellen zu können, der immens einen begeistern kann, hier die verschiedenartige Kompositionen vergleichen und hören zu können.
Von der Innigkeit und zu Herzen gehenden Musik bin ich immer noch auf der Seite des Vaters……

Diese DVD kann ich nur wärmstens empfehlen bei diesen großartigen Gesangssolisten, dem Chor: Ex Tempore und dem Barockorchester: La Petite Bande, unter dem gekonnten Dirigat und der Interpretation von Sigiswald Kuijken.
Leider etwas schwächelnd in dem Osteroratorium von C.P.E. Bach die barocken Trompeten, wo die saubere Intonation zu kurz kommt, und kleine Unreinheiten im Barockorchester leider heraushörbar.

Hier ist wieder einmal unerreicht zu benennen ein J.E. Gardiner mit seinem – Monteverdi-Choir und seinen The English Baroque Soloists – aus heutiger Sicht anzusehen.

Trotz kleiner Schwächen, wie oben erwähnt, ein absoluter Hör- und Sehgenuss aufgrund der Interpretation und der barocken Klangpracht sowie seiner hervorragenden Wiedergabe, unbedingt als eine Spitzeneinspielung anzusehen.
Wo bleiben die deutschen Interpreten mit ihren Orchestern und Sängern, meiner Ansicht nach nur noch 2. Wahl, das Ausland hat uns leider den Rang abgelaufen……

Grüße

Volker

Archiv-Beitrag: Adventskantaten am 16.Dezember 2006 in der Paulskirche zu Frankfurt


18.1.2007 von Martin.

Beitrag von Martin | Verfasst am Jan 18, 9:55 AM

Adventskantaten am am 16.Dezember 2006 in der Paulskirche zu Frankfurt.

 

Programm: 

BWV 70 Wachet, betet, wachet!
BWV 147 Herz und Mund und Tat und Leben
BWV 61 Nun komm der Heiden Heiland
BWV 140 Wachet auf ruft uns die Stimme


Aufführende:
Monteverdi Choir
Sopran
Miriam Allen
Donna Deam
Julia Doyle (auch Solistin)
Kirsty Hopkins
Cecilia Osmond
Belinda Yates 

Alt (Countertenor)
Peter Crawford
William Missin
William Towers (auch Solist)
Richard Wyn Roberts

Tenor
Stephen Jeffes
Nicholas Mulroy (auch Solist)
Paul Tindall
William Unwin

Bass
Matthew G. Brook (auch Solist)
Julian Clarkson
Samuel Evans
Lawrence Wallington
The English Baroque Solists:

Erste Violinen:
Maya Homburger (Konzertmeisterin und auch Violine piccolo) Nicolette Moonen (auch Viola)
Anne Schumann
Sarah Bealby- Wright

Zweite Violinen:
Roy Mowatt
Sophie Barber
Jane Gillie
Hildburg Williams

Violas:
Lisa Cochrane
Tom Dunn
Rosemary Nalden

Celli:
David Watkin
Ruth Alford
Kontrabass:
Valerie Botwright

Oboe:
Michael Niesemann (auch Oboe d´amore)
Molly Marsh (auch Oboe da caccia)
Mark Baigent (auch Oboe da caccia)

Fagott: Jane Gower
Horn: Gavin Edwards

Trompete und romba da tirarsi (Zugtrompete): Neil Brough

Orgel: Silas Standage Cembalo: Howard Moody

Leitung: Sir John Eliot Gardiner


Die Akustik

Bereits beim Betreten des Innenraums der geschichtsträchtigen Paulskirche kamen Zweifel auf, ob die Akustik wohl einigermaßen akzeptabel sein würde.
Als dann kurz nach 20Uhr die Instrumente gestimmt wurden (wie immer bei den EBS kein großes Durcheinander, sondern dezente Einstimmung zu Orgel-Akkorden) war klar, dass der Abend nicht halten würde, was wir uns davon versprochen hatten: Das sonst so schön klingende Orgelpositiv dröhnte bei tiefen Tönen regelrecht und im Publikum ging ein erstes Raunen um. Es war auch absolut nicht die geringste Spur von Hall vorhanden. Sänger und Spieler hatten während des gesamten Konzerts allergrößte Mühe, die Töne in den Raum zu bringen. Es ist wohl nur ihres besonderen Könnens zu verdanken, dass das Konzert nicht ein totaler Reinfall wurde.
Die Kommentare von Künstlern und Dirigent zur Akustik des Raumes reichten nach dem Konzert denn auch von „tricky“ über „terrible“ bis „schei..“.

Die Ensembles

Wie gewohnt waren beide Ensembles in Topform und sichtbar hochmotiviert, aus der miserablen und für sie unwürdigen Situation das Allerbeste heraus zu holen, was zum Ergebnis führte, dass man den Abend mit geminderten Erwartungen an Klang und Atmosphäre letztlich als eingefleischter Gardiner- und MVCO- / EBS-Fan doch ein wenig genießen konnte.

Die Präzision und Detailverliebtheit dieser hervorragenden Musiker sind bestechend und immer wieder erfrischend. Michael Niesemann und Neil Brough wechselten mehrere Male ihre Sitz- bzw Stehplätze im Orchester. Im Eingangschor von BWV 70 gaben sie sich ein Echo von rechts außen nach links außen und umgekehrt. Bei BWV 140 stand Gavin Edwards mit seinem im Trichter bunt beklebten Horn neben den Countertenören außen beim Chor. Wie schon bei vorigen Konzerten zu beobachten war, scheint Gardiner ein Klangbild im Kopf zu haben, dass so präzise ist, dass er die Musiker während dem Konzert gerne quer durch den Raum schickt, um sie bei ihren Einsätzen genau da zu haben, wo sie einen Tick besser klingen, als woanders.
Zum Continuo fällt einem nichts ein, was verbesserungswürdig wäre.


Foto: Cembalo Baroque Soloists

Zwar teilen die meisten anderen Dirigenten leider nicht Gardiners Auffassung, das ein Cembalo benutzt werden sollte. Es passt aber abolut ins Klangbild der EBS und wird schön dezent gespielt (nicht wie bei Masaaki Suzuki, wo es oft das restliche Orchester übertönt). Statt der vielfach in anderen Ensembles benutzten Truhenorgeln mit meistens nur zwei Registern hat Silas Standage die Auswahl zwischen Principal 8´,Gedackt 8´, Oktave 4´, Rohrflöte 4´, Superoktave 2´, Sifflöte 1´ und Quinte 1 1/3´, was dem Basso Continuo und dem Orchester an sich mehr Möglichkeiten gibt, Akzente zu setzen. Die Orgel wurde von Robin Jennings extra für die Bach Cantata Pilgrimage hergestellt und war seitdem bei allen Konzerten (außer denen in New York) dabei.

Foto: Jennings-Orgelpositiv English Baroque Soloists

Die Solisten Julia Doyle sang absolut brilliant. Sie verfügt über eine schöne, kristallklare Stimme und ist mit Sicherheit die Beste der in den letzten Jahren von Gardiner ausprobierten Sopranistinnen (von K. Fuge und J. Lunn abgesehen). Ihr gesungenes Deutsch ist akzentfrei. Darüber hinaus ist sie auch nett anzuschauen:-)
William Towers gehörte ja schon vor der Bach Cantata Pilgrimage zum harten Kern der immer wieder gebuchten Monteverdi Choir- Sänger und war oft als Solist zu hören. Diesmal hat mich gewundert, dass er seine Stimme viel schwingen ließ. Das sei aber ohne jede Wertung geschrieben. Von den Countertenören, die im Barock- Fach unterwegs sind, ist er momentan einer der Besten. Auch sein Deutsch ist akzentfrei. Trotzdem würde ich gerne mal wieder Clare Wilkinson hören…und sehen:-)

Nicholas Mulroy hat eine sehr schön und voll klingende Stimme. Er sang präzise und mit leicht britischem Akzent.
Matthew Brook ist bereits zum mehrfachen Mal mit Gardiner auf Tour (u.a. vorher mit der Matthäuspassion) und ist ein allgemein vielgebuchter Solist. Nach meiner persönlichen Meinung kommt er bei weitem nicht an die Stimmen und den Ausdruck von z.B. Peter Harvey oder Dietrich Henschel heran und singt auch mit hörbarem britischem Akzent.

Sir John Eliot Gardiner

Es ist schlicht überirdisch und alle Grammys dieser Welt wert, was dieser Mann an Einfühlungsvermögen für Bach´s Musik besitzt. Das Dirigat ist typisch mit vielen liegenden Achten und energisch ausgetreckten Zeigefingern in Richtung der einsetzenden Stimmen oder Instrumentengruppen.
Mal ruhig mit kaum wahrnehmbaren Bewegungen (BWV 61 / Rezitativ „Siehe, siehe“), mal von energischem Zittern durchfahren (BWV 70 / 10 „Seligster Erquickungstag“ ab Takt 26 „Schalle, knalle, letzter Schlag!“) zeigt er die Musik so an, wie sie nicht besser klingen kann. Dabei findet er von Aufführung zu Aufführung immer wieder andere Wege, die Musik neu erscheinen zu lassen. So lässt er das Rezitativ „Der Heiland ist gekommen“ in BWV 61 nicht, wie in der Partitur angegeben (und in der DG Aufnahme praktiziert) vom Tenor, sondern abwechselnd von Tenor und Bass vortragen.
Gardiner schien absolut entspannt und gut gelaunt. Man hatte das Gefühl, dass er sich bei Bach sehr zuhause fühlt. Nach der einjährigen Cantata Pilgrimage auch kein Wunder…

Beobachtungen am Rande

Nach der ersten Kantate BWV 70 stimmte das Orchester die Instrumente, war fertig zur nächsten Kantate, als sich plötzlich Gardiner zum Publikum umdrehte und sagte: „Kleine Programmänderung. Wir spielen jetzt Herz und Mund und Tat und Leben, danach kommt äh, äh, Nun komm der Heiden Heiland.“ Noch quasi in der Umdrehbewegung zu Chor und Orchester gibt er den Auftakt und es ging los.
Schön zu sehen, wie Organist Silas Standage bei den Chorälen lauthals mitzusingen schien.

Als bei BWV 140 / „Mein Freund ist mein“ hinter dem Chor eine Tür vermutlich vom Wind langsam immer weiter aufgemacht wurde, um kurz später mit lautem Knall zuzuschlagen, grinsten Dirigent und Aufführende breit. Das erinnerte mich an das Konzert während der Cantata Pilgrimage in Neviges, wo während dem zusätzlich musizierten Violinen-Doppelkonzert BWV 1043 die Kirchenglocke laut ertönte und hörbar nicht auf den selben Ton gestimmt war…

Nach dem Konzert hatte ich Gelegenheit, mit einigen der Chor- und Orchestermitglieder und auch mit Gardiner ein paar Worte zu tauschen. Wie schon oben erwähnt war man sehr unzufrieden mit der Akustik. Es wäre aber einen Versuch wert gewesen und man wird das Konzert unter „Erfahrung gesammelt“ abhaken. Weiterhin waren alle sehr überrascht über das ruhige und wenig applaudierende Publikum. Wie auch schon nach Aufführungen der Johannes- und Matthäuspassion in Frankfurt erlebt, ließen es sich etliche Banausen (auch in den ersten Reihen) nicht nehmen, direkt nach Einsetzen des Schlussapplauses aufzustehen und rauszugehen, um ja nicht im Abfahrt- Stau stehen zu müssen oder warum auch immer.

Gruß
Martin

Archiv-Beitrag: Sir John Eliot Gardiner” begeistert mit seinem Mozart-Programm in Weimar, 26.08.2006


20.2.2007 von Volker /admin.

Hallo,

hier berichte ich über mein Konzerterlebnis aus der Weimarhalle, Weimar, am 26. August 2006, mit dem Mozartprogramm zum Mozartjahr von Gardiner und English Baroque Soloists.

“Sir John Eliot Gardiner” begeistert Weimar mit seinem Mozart-Programm!

Nach einem ereignisreichen Vortag in Weimar mit Besichtigungen der wichtigsten Museen und Kirchen, Bachdenkmal, Schloss, das Wohnhaus von Bach während seiner Weimarer Zeit, dass leider nur noch durch eine Gedenktafel darauf hinweist – und mit viel Regen – gab es für uns dann den krönenden Abschluss mit dem Mozart-Konzert in der Weimarhalle.

Vormittags stand noch ein Besuch der Bachstätte in Naumburg in der St. Wenzelskirche mit der grandiosen Hildebrand-Orgel auf dem Programm. Mit dem Orgelkonzert “Orgelpunkt um 12″ wurden wir grandios auf den kommenden Abend eingestimmt. Diese Orgel wurde von Bach in der Gegenwart von Silbermann persönlich abgenommen, dort trafen sie nur einmal in ihrem Leben zusammen. Eine wunderbare Altstadt besitzt Naumburg mit dem Naumburger Dom und den Stifter-Figuren. Der Marktplatz und die Altstadt war von einem Markttreffen mit Buden und Musikanten nur so gefüllt, wir fühlten uns in das Mittelalter zurückversetzt, so bunt und schön war das Treiben anzusehen.

In Weimar wieder angekommen stärkten wir uns vor dem Konzert ein wenig mit einem kleinen Imbiss und lernten einen weiteren Besucher aus Wien kennen, der sämtliche Strapazen auf sich genommen hatte, um Gardiners Konzert in Weimar besuchen zu können.

Foto: Weimar-Konzerthalle (Weimarhalle)

Als ein Universalgenie eines Dirigenten entpuppte sich mit seinem Mozart-Programm wiederum Sir John Eliot Gardiner in Weimar.

Mozart-Programm:

Konzert für Klavier und Orchester, C-Dur, KV 503

Arie für Sopran und Orchester, KV 583 (Vado, ma dove? Oh Die)

Solistin: Mezzosopran: Bernarda Fink

Konzert für Klavier, Violine und Orchester, D-Dur, KV Anh.56 (= KV 315f) – Allegro (Von Robert Levin, 1968 ergänztes Fragment des ersten Satzes)

Solisten: 1. Violine: Kati Debretzeni; Klavier: Robert Levin

Rezitativ und Arie (Rondo) für Sopran, obligates Klavier und Orchester, KV 505

(Ch’io mi scordi di te?; Non temer, amato bene)

Solistin: Mezzosopran: Bernarda Fink

Sinfonie C-Dur, KV 425; Linzer

Sonstige Ausführende: The English Baroque Soloists, Leitung Sir John Eliot Gardiner

Heftig zupackend; in seinem bekannten Stil erfischend und in einem anmutenden Tempi überzeugte Gardiner mit seinem Dirigat und seiner Werkswiedergabe. Aufgrund einer sehr hohen Saalwärme erklangen die Barockinstrumente zum Teil in sehr schrillen Klangnuancen und im Einzelsolo bisweilen ein wenig verstimmt. Dies tat dem Programm aber keinen Abbruch, zumal das Orchester und die Solisten voll zu überzeugen wussten.

Foto: Dirigent Gardiner und Solisten, links vorne: 1. Violine: Kati Debretzeni

Als ein wahrer Tastenlöwe entpuppte sich in den Klavierkonzerten, KV 503 und KV 315 f, Robert Levin zu jener Zeit am zeitgemäßen Tafelflügel als ein wahrer Klaviervirtuose ersten Ranges. Sein ständiges Lächeln zeigte seine Freude am Klavierspiel und der Musik von Mozart. Er war der Star des Abends und präsentierte Klaviermusik vom anderen Stern, die Besucher waren so entzückt dass sie trommelten und pfiffen dass es eine wahre Freude war. Nur durch eine Zugabe konnte er sich dem frenetischen Beifall danach entziehen.

Foto: Gardiner und Robert Levin (Foto: TLZ)

Foto: Am Englischen Tafel-Klavier (Hammer-Klavier) spielte Robert Levin, Mozart

Als eine ebenbürtige Partnerin im Solo-Violinspiel überzeugte die Konzertmeisterin Kati Debretzeni von den Baroque Soloists mit beherzt schwingendem Geigenton in einer beseeligenden Heiterkeit.

Die Arien “”Vado, ma dove? Oh Dei!”“ KV 583 und “”Ch´io mi scordi di te?”“ KV 505; gesungen von Bernarda Fink, wurde überzeugend schwerelos bewältigt. Ihr Mezzosopran, die melodischen und rezitativischen Elemente und gesangliche Feinheit in allen Lagen ihrer Stimme versetzten den Hörer in eine musikalische andere Welt.

Als krönender Abschluss erklang die Sinfonie C-Dur KV 425 „Linzer“.

Hier erwiesen sich die in der Pause gestimmten historischen Instrumente – Violoncelli, Holzflöten, Naturhörner etc. – als eine wahrhaftig stimmige und werksgetreue Mozart-Wiedergabe als ein Idealfall. Der barocke Klang, die beseelende und betörende musikalische Strahlkraft die von dem Orchester ausgeht macht einen sprachlos und entsprach wieder genau dem Klangerlebnis, worauf wir gehofft hatten, sie sind einfach die Meister ihres Faches und können wirklich von keinem anderen Orchester noch getoppt werden.

Das Ohr hörte Musik von Mozart, dass den Hörer um 230 Jahre zurückversetzte so fantastisch versteht es Gardiner, dem Hörer eine Klangwelt dieser Epoche entsprechend musiklisch und klanglich vorzuführen. Ein grandioses Finale des Orchesters beinhaltete ein vollends aus dem Häuschen geratendes Publikum, Gardiners Schwung riss alle Mitwirkenden und Besucher in einen Trancezustand, die Konzerthalle bebte nach dem Schlussakkord, welches mit Standing Ovation und einem nicht endend wollenden tosenden Schlussapplaus die Darbietenden in einen beglückenden Abend entließ.

Grüsse

Volker

Archiv-Beitrag: Matthäuspassion in Frankfurt März 2005


11.3.2007 von Martin.

Hallo zusammen,

nachdem ich in letzter Zeit sehr ruhig gewesen bin, hier mein Bericht von der Matthäuspassion 2005:

Die Matthäuspassionstour im Frühjahr 2005 beinhaltete folgende Konzerte:
Stiftskirche (Kaiserdom), Königslutter
Alte Oper, Frankfurt,
Cadogan Hall, London
Madrid, Spanien und
Valencia, Spanien.

Aufgeführt wurde die Matthäuspassion in der Version von 1736.

Ich habe die Konzerte in Königslutter und Frankfurt besucht.

Foto: Alte Oper Frankfurt (Foto: Alte Oper)

Die Entscheidung, nach Königslutter zu fahren, fiel erst am selben Tag, weil wir zufällig in der Gegend waren und spontan noch diesen Extra- Trip unternahmen. Die Tickets für Frankfurt waren dagegen schon seit Monaten gebucht.

Die Sitzplätze in Königslutter waren dann auch im Seitenschiff, von dem aus man so gut wie nichts sehen konnte. Einige meiner Sitznachbarn sind dann aufgestanden und zur nächsten Säule gegangen. Nach dem Eingangschor habe ich das auch gemacht und hatte einen ganz guten Seitenblick auf die Bühne.

Begeisternd fand ich die feierliche Atmosphäre vor dem Konzert. Die ganze Gegend schien auf den Beinen zu sein und man hatte im Gegensatz zum hektischen und reizüberfluteten Frankfurt wirklich das Gefühl, dass sich alle 1200 Menschen im Dom bewusst sind, was das Großes ansteht. In Königslutter waren sogar Banner über den Strassen aufgehängt, die auf das Ereignis hindeuteten.
Die Bühne stand in der Mitte der Kirche und quer zum Kirchenschiff, was die Akustik nicht gerade besser werden ließ. Dennoch war sie beeindruckend.

Die Idee mit der Bühne stammte wohl von Gardiner selbst, weil er mehr Menschen ermöglichen wollte, nah an der Bühne zu sitzen. Allerdings gab es in der Pause auch etliche, die sich beschwerten, dass sie teilweise 80Euro bezahlt hatten und nun eine Säule direkt vor der Nase hatten.

Da war ich mit meinem 14 Euro Ticket und Seh- Stehplatz besser dran…

Die Aufführung selbst war wirklich etwas besonderes und sehr stimmungsintensiv.

Bereits beim Eingangschor merkte man, dass Gardiner nicht mehr so durch die Partitur rast, wie auf der Aufnahme von Deutsche Grammophon. Vielmehr legte er deutlich Wert auf gefühlvollen Ausdruck beider Ensembles.

Die beiden Chöre waren durch die bereits von der BCP bekannten schönen Jennings- Orgel (hervorragend von Silas Standage gespielt) getrennt. Sie gehörte auch zum Basso Continuo von Orchester I, welches von Maya Homburger geführt wurde. Leaderin im Orchester II war Kati Debretzeni. Im Orchester II wurde die Continuo- Orgel (und gleichzeitig das Cembalo!) von Howard Moody betastet.

Beide Orchester hatten zusammen 34 Spieler.

Es ist schwer, jemanden als besonderes Glanzlicht herausszustellen. Es waren einfach so viele Highlights.
Angefangen bei dem fantastisch auftretenden Mark Padmore, der für die Rolle des Evangelisten einfach der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
Wie zwei Jahre zuvor bei der Johannespassion (die ich auch in der Alten Oper erleben durfte), nahm er sich Zeit und sang seine Partien klangschön und ausdrucksstark.
Andere Highlights waren Elin Manahan Thomas mit ihrem kristallklaren Sopran und Clare Wilkinson, deren Stimme und leidenschaftlicher Ausdruck einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.
Zu Katharine Fuge braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen. Sie hat in den Einspielungen der BCP bewiesen, dass sie das richtige Gespür für Bach hat und hervorragend in die Aufführungen Gardiners passt.
Dietrich Henschel schien sich seine Rolle als Christus auch enorm verinnerlicht zu haben. Es war bewegend, wie er die Traurigkeit Christus´ vor dem nahenden Tod in Worte und Töne verpackt hat. Im Publikum saßen Etliche, die sich Tränen aus den Augen wischen mussten. Und auch Gardiner schien an einigen Stellen sehr ergriffen zu sein und schüttelte kaum merklich den Kopf, wie auch einige Orchestermitglieder.

Neben den “Alten Hasen” im Monteverdi Choir wie Suzanne Flowers, Donna Deam und Julian Clarkson hatte Gardiner für die Tour auch etliche junge Sänger mitgenommen von denen ich zum ersten Mal hörte.
Teils traten sie auch als Solisten auf. Ich habe gehört, dass Gardiner von Aufführung zu Aufführung entschieden hat, wer welchen Part singt. So wurden die zwei Arien, die in Königslutter von Andrew Staples gesungen wurde, einen Tag später in Frankfurt von Mark Padmore gesungen.

Foto: Innenraum “Alte Oper” (Foto: Alte Oper)

Die gesamte Auffühung unterschied sich stark von Gardiners DG- Einspielung von 1988.
Dieses Mal hatte man einfach das Gefühl, dass Gardiner und auch seine Ensembles nicht nur “einfach” technisch perfekt die Noten runterspielen und singen können, sondern deutlich näher zu Bach gefunden haben. Kein Wunder, nach der Bach Cantata Pilgrimage, die wohl alle Beteiligten nachhaltig musikalisch geprägt hat. Besonders die Choräle klangen viel sanfter und nicht so laut und gehetzt wie in der Aufnahme.

Gardiner setzte aber auch auf Effekte und es gab (positive) Schockmomente. Nach der lang wirkenden und sehr ruhigen Arie 49 “Aus Liebe will mein Heiland sterben” sprang Mark Padmore regelrecht auf (und hinter ihm die beiden Chöre) und rief laut und machtvoll “Sie schriiiien aber noch mehr und sprachen..!” und im selben Moment setzte der Chor fantastisch mächtig mit “Lasst ihn kreuzigen!!” ein. Es gibt nicht die richtigen Worte, um solche Momente in dieser Aufführung zu beschreiben. Vereinzelt hatte man gesehen, dass einige Köpfe im Publikum bei der Arie nach unten sanken. Der Einsatz war quasi der ultimative Wecker und alle schreckten nach oben.

Als der letzte sanfte Ton verklungen war und Gardiner die Hände sehr langsam sinken ließ, gab es für ungefähr eine Minute (gefühlte 10 Minuten) nicht einen einzigen Laut aus dem Publikum (ca 2000 Menschen). Absolute Ruhe!! Niemand hustete, niemand räusperte sich. Nach dieser ergreifenden Stille setzte erst zaghaft, dann aber mächtig Applaus ein, der in Standing Ovations fortgeführt wurde.
In einem Interview sagte Gardiner einmal, dass es sein Ziel ist, zu erreichen, dass die Menschem im Publikum in dem Moment der Aufführung glauben. Nach diesem Ereignis kann ich nur sagen: Ziel erfüllt! Danke!
Schöne Grüße,

Martin<

Archiv-Beitrag: LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE am 29.8.2004 / Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach


22.1.2007 von Volker /admin.

29.8.2004 Ludwigsburg, Gardiner mit der Messe h-Moll, von J.S. Bach

Nach Martins inhaltsreichen Bericht vom Gardiner-Konzert aus Ludwigsburg habe ich meine alte Rezension gefunden und stelle sie hier im Blog vollständigkeitshalber ebenfalls rein.

Foto: Gardiner im Forum Ludwigsburg am 29.8.2004

Rezension:

Mit meiner Frau saß ich in der ersten Reihe, Mitte, was meinem Gesamtvergnügen ein wenig abträglich war, da nach einer gewissen Zeit eine Genickstarre eintrat durch das ständige Hochsehen auf die Bühne, man sah immer auf die Schuhe des großen Meisters und musste den Kopf immer weiter nach oben anheben, um das ganze Geschehen auf der Bühne richtig mitzubekommen, die Sicht entsprach einem Kellerblick, leider.

Ich hatte nicht meine Partitur dabei, sonst hätte ich genau sagen können, was Gardiner aus der H-Moll-Messe ausgelassen hat, denn die Veranstaltung war nach ca. 80 Minuten beendet, wo das Werk üblicherweise eine Dauer von ca. 130 Minuten besitzt !?!. Hier kann Martin wahrscheinlich nähere Angaben zu geben!

Aber der Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter Sir John Eliot Gardiner musizierten im Forum am 29.8.2004 im Schlosspark in Ludwigsburg aufs Feinste, wer das Glück hatte, sich am Sonntagabend im Theatersaal im Forum am Schlosspark eingefunden zu haben, dürfte einer Aufführung beiwohnen die das Prädikat „Extraklasse“ verdient hat.

Die hohe Messe in h-Moll gehört zu den bedeutendsten Werken der Musikgeschichte überhaupt. Bach arbeitete die letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens, von 1733 bis 1749, an dem Werk. Das etwa 130-minütige Werk umfasst auch die besten Chöre und Arien aus Bachs früheren Kantaten.
Ursprünglich schrieb Bach 1733 eine Messe, die nur das Kyrie und das Gloria des lateinischen Messetextes umfasste. Die Komposition reichte Bach beim katholischen Dresdner Hof ein, mit der Bitte um Verleihung des Titels “Hof-Compositeur”, der ihm 1736 gewährt wurde. Er vervollständigte die Messe dann mit dem bereits 1724 entstandenem Sanctus und fügte Agnus Dei und Credo später hinzu. Eine Gesamtaufführung des Werkes erlebte Bach nicht mehr – erst 1834 – Bach ist bereits seit 84 Jahren tot – wird die Messe in Berlin aufgeführt.

Kaum jemand wäre besser für die musikalische Präsentation der h-Moll Messe geeignet, als Sir Eliot Gardiner und seine englischen Musiker. Der “Monteverdi Choir” und die “English Baroque Soloists” sind seit ihren Gründungen für bahnbrechende Aufführungen Alter Musik bekannt und international geschätzt.

Durch und durch klar und deutlich fährt Gardiner mit den beiden von ihm gegründeten Ensembles die Linien des Werks nach. Verzweigungen, Verästelungen und parallele Stränge verdichten sich zu einem filigranen Gefüge.

Die English Baroque Soloists, die aus dem von Gardiner 1968 gegründeten Monteverdi Orchestra hervorgegangen ist, spielen auf historischen Instrumenten. Seinem Bestreben folgend erzeugen die Instrumentalisten zusammen mit dem auffallend kleinen Chor einen weich fließenden Klangkörper, ohne Ecken und Kanten. Extreme Dynamik oder gar Brüche werden nicht zugelassen. Selbst die Übergänge zwischen den einzelnen Nummern sind so kurz gehalten, dass sie fast ineinander fließen.

Die einzelnen Stimmen des zwanzigköpfigen Chors, aus dem auch die Solisten nach und nach für die Soloparts hervortreten, sind einheitlich in ihrer Färbung, präzise und schlank in der Stimmführung.
Doch wird der manchmal allzu stetige Fluss unterbrochen von den allesamt hervorragenden Solisten sowohl auf Seiten der Instrumentalisten als auch der Sänger. Während die Traversflöte (Rachel Beckett) und die Oboi d”amore (Michael Niesemann, Molly Marsh) der menschlichen Stimme schmeicheln ohne mit ihr zu konkurrieren, liefert sich die Erste Violine (Alison Bury) einen wahren Verzierungswettstreit mit Sopranistin Angharad Gruffydd Jones. Fein ausgewogen auch das Naturhorn (Susan Dent) mit Michael Bundy (Bass).

Gardiner dirigiert ohne Dirigierstock und führt seine bestens aufeinander eingespielten Musiker mit zurückgenommener Gestik. Trotzdem wird der Ton klar und konturierter, ohne dabei jenen überirdischen Atem zu verlieren, den Gardiner der Musik einzuhauchen vermag.
Ein phänomenaler Bach-Interpret der Neuzeit mit einer fantastischen Sängerschar und seinem vortrefflichen Barockorchester überzeugte wiederum mit einer Gala-Interpretation bachscher Musik.
Das Publikum dankte allen Beteiligten für eine überzeugende Darbietung mit einem lang anhaltenden Applaus.

Volker

Archiv-Beitrag: Bericht über die Matthäus-Passion von J.S. Bach am 6. März 2005 im Kaiserdom in Königslutter.


6.2.2007 von Volker /admin.

Hallo,

hier möchte ich über meinen Besuch der Matthäus-Passion (J.S. Bach); von Gardiner am 6. März 2005 im Kaiserdom von Königslutter berichten.

Foto: Kaiserdom Königslutter (Foto Domgemeinde)

Als Problem erwies sich im Vorfeld die Meisterung der vorhanden schlechten Akustik in dem alterwürdigen Kaiserdom aus dem 11.Jahrhundert, viele Säulen, Nischen und Gänge, die ein ungetrübtes Klangbild behindern.

Foto: Gardiner am Vortag in der Probe in Königslutter (Foto: newsclick)

Gardiners Idee, in der Mitte des Hauptganges eine Bühne mit Resonanzboden aufstellen zu lassen, sodass die Akustik besser zu beherrschen war, erwies sich als einigermaßen gelungen. Die Besucher um die Bühne gruppiert, gab einen intimen Rahmen und der Kontakt zu den Aufführenden wurde dadurch enorm verbessert.

Die Aufführung der Matthäus-Passion erfolgte in der Fassung von 1736, in der Bach größere Eingriffe in der Substanz und Instrumentierung vorgenommen hatte.
Der erste Teil, den Cantus Firmus im Eingangssatz von den “Trinity Boys Choir” dargeboten, erwies sich als schöne Einstimmung auf das nun folgende – wohl gewaltigste christliche Meisterwerk – des Universums.

Hier hätte ich dem 1. Chor mehr an Klangvolumen gewünscht, was sicherlich auch an der problematischen Akustik gelegen haben mag. Die Gesangssolisten hatten ebenfalls große Mühe, verständlich den Text und mit ihrem Stimmvolumen den Raum zu füllen.

Die Instrumentierung der English Baroque Soloists war grandios, die unterschiedlichsten Nuancen wunderschön gespielt und umgesetzt, kein Piepser auf den alten Instrumenten, eine wahre berauschende Klangfülle, welches von diesem Orchester ausgeht.

Wie schön getragen und interpretiert die Choräle, ohne Hetze, wie schon so oft bei iGardiner kritisiert, wurden sie gesungen, eine absolute Meisterleistung von Könnern an Gesangskräften, die dieses hervorragend umsetzten. Hier erwies sich ein in Jahren gereifter Leiter und Dirigent J.E. Gardiner als eine wunderbare Offenbahrung.

Als eine Idealbesetzung erwies sich für den Part des Evangelisten der Tenor mit Mark Padmore besetzt, sein Stimmvolumen brachte keine akustischen Probleme, verständlich in der Textaussage war er eine vorzügliche Bereicherung für das gesamte Ensemble.

Foto: Tenor (Evangelist) Mark Padmore

Etwas dagegen abfallend, der Bassbariton Dietrich Henschel (Jesus,) der vom Gesangsvolumen in den tieferen Lagen überfordert erschien.

Foto: Bass-Bariton (Jesus) Dietrich Henschel

Nach einer dreiviertel Stunde Pause geriet der 2. Teil zum absoluten Höhepunkt des Konzertes.

Die Solopartien der Gesangssolisten, bestückt mit hervorragend geschulten Nachwuchs-Gesangskräften der vier Chöre, hier einmal herausgestellt der Counter-Tenor Mark Chambers, der die Altpartien Nr. 51 „Erbarm es Gott! Hier steht der Heiland angebunden“ und Nr. 52 „Können Tränen meiner Wangen Nichts erlangen“ in einer so beeindruckenden Weise gesanglich vortrug, die mich erschauern ließ, so manche Träne wurde von mir und im Publikum verstohlen weggewischt.

Wie überhaupt die Arien, Rezitative des zweiten Teils inniger, unter die Haut gehend, nicht musiziert werden können, ob gesanglich oder instrumental von allen Beteiligten dargeboten, war es für mich die bisher ergreifende und ungewöhnlichste Matthäus-Passion, die ich Live erleben durfte trotz mancher Abstriche, infolge der ungewöhnlichen Akustik.

Besonders beeindruckend, wie innerlich bewegend die gesamten Solisten, ob Chor oder Orchester sowie J.E. Gardiner, bei den Gesangspartien des Evangelisten, die Augen geschlossen und die Hände gefaltet, den Worten und der Musik lauschend zuhörten.
Das Publikum wurde dermaßen von diesen Passagen des Werkes eingenommen, dass selbst das Husten unterblieb. Nach dem Schluss-Ton geriet man in einen Trancezustand, absolute Stille umgab die Aufführungsstätte, Gardiner verharrte in sich gekehrt und entschwand kurze Zeit später von der Bühne um nicht wieder zurückzukehren.

Ein riesiges Dankeschön für diese unvergleichliche Passionsmusik, die ein Bachkenner von Gottesgnaden in der Person von J.E. Gardiner mit seinen Gesangssolisten, Chören und seinem betörenden Barockorchester den Besuchern zu vermitteln vermag. Dermaßen ergriffen und aufgewühlt endete eine Bach’sche Aufführung, die mir ewig im Gedächtnis haften bleiben wird.

Herzliche Grüsse

Volker

Archiv-Beitrag: DVD / J.S. Bach “Markus-Passion nach BWV 247″ Rekonstruktion von Ton Koopmann


DVD Markus-Passion Ton Koopman

1.4.2007 von Volker /admin.

Hallo zusammen,

wer kennt die Rekonstruktion der Markus-Passion von Ton Koopman oder eine CD von ihm, würde mich über eine Rückmeldung freuen.

DVD “Markus-Passion nach BWV 247″
(Rekonstruktion von Ton Koopman)

Pregardien, Kooy, York, Landauer, Agnew, Mertens,
Amsterdam Baroque Choir & Orchestra, Koopman (125 Min.)
Sound:DSS 5.1;Bild:WS;Sub:D, E,F, NL

Sonderpreis gültig bis 30.4.2007 “EUR 14,99″
danach EUR 22,99

Bestellung: bei j p c

Grüße
Volker

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Es gibt zur „Markus Passion“ einen weiteren Hauptbeitrag, nachstehenden Link anklicken:

LINK hier klicken

Archiv-Beitrag: Ansbacher Bachwoche 2007, M. Suzuki mit der Matthäus Passion in St. Gumbertus


Foto: St. Gumbertus, Ansbach (Foto: Bachwoche Ansbach)

7.9.2007 von Muriel.

Hallo,

eine Aufführung der Matthäus Passion von J.S. Bach fand unter der Leitung von Masaaki Suzuki in St. Gumbertus in Ansbach im Rahmen der Ansbacher Bachwoche 2007 – am 4. August 2007, 20:00 Uhr – statt.

Mitwirkende:

Carolyn Sampson, Sopran
Robin Blaze, Altus
Gerd Türk, Tenor (Evangelist)
Peter Kooij, Bass (Jesus)
Dominik Wörner, Bass-Bariton
Bach Collegium Japan

Leitung: Masaaki Suzuki

Ich komme eben aus Franken zurück, wo ich in Ansbach die “Matthäuspassion” mit dem japanischen Wunderchor hörte. Der Chor ist wirklich sehr beeindruckend. Trotz vieler Schweißausbrüche auf der Orgelempore – ich sah nichts, wenn ich nicht aufstand – es war ein Erlebnis. Gerd Türk ein vorzüglicher Evangelist, gegen den alle englischen hochdramatischen Tenöre einpacken können, Carolyn Sampson in toler Steigerung und als Jesus Koy, ein Mann aus Belgien.

Es wurden auch japanische Solisten eingesetzt, deren Singen für uns festgelegten Europäerinnen gewöhnungsbedürftig ist. Neu für mich auch, dass Evangelist und “Jesus” auch jeder eine Arie sangen. Ich bin davon überzeugt, dass Bach in Japan eine gute Stellung bekommen hat und die Zukunft seiner Musik nicht auf die Europäer festgelegt ist.

Liebe Grüße
muriel<

Archiv-Beitrag: Weihnachtsoratorium-Einspielung von Diego Fasolis


Falls jemand sich mal wieder jemand mit einer neue WO-Einspielung verwöhnen möchte – Jene von Diego Fasolis wäre eine echte Wahl mit Lynn Dawson, Bernhard Landauer, Charles Daniels und Klaus Mertens, der von Ton Koopman für diese Aufnahme dankenswerter Weise frei bekommen hat.

Der Coro della Radio Svizerra macht eine ordentliche Figur, wenn er sich auch nicht mit dem Monteverdi Choir messen kann; vom Feinsten sind die I Barocchisti und wirklich frappierend gut die Orchesterarbeit Fasolis, vom Klangbild bis zur Phrasiologie und Artikulation. Erwähnt sei auch die sehr gute Tonqualität dieser Aufnahme (technisch), ein Leckerbissen für Besitzer guter Kopfhörer!!!

Wer ähnliches erleben will, muss schon bei Gardiner in der ersten Reihe sitzen 🙂 So ein sonor-seidiger Klang bei den Streichern und Holzbläsern, keine Spur des manchmal bei Originalinstrumenten durchkommenden Säbelklangs bei den Violinen. Auch gemeinste Trompetenpartien (Herr wenn die stolzen Feinde, Nun seid ihr wohl gerochen) sind derart souverän hingelegt, dass alle Schwierigkeit einem großen Glanz weicht.

Überfordert zu sein scheint die Solistin Lynn Dawson mit der Partie. Die gute Nachricht: sie kommt überall durch; aber mich lässt beim Hören irgendwie die Angst nicht los, sie könnte jeden Moment rauskommen. Ihr Timbre ist ebenfalls nur schwer zu ertragen, der Vortrag wirkt auf mich hasenfüßig und konzeptlos. Auch der Altus hat ein leicht blechernes Timbre, aber im Zusammenspiel mit dem gesamten Klangapparat ergibt er einen wirklich interessantes Bild. Seine Phraseologie ist unspektakulär aber gut vorbereitet und sehr kantabel. Es ist das erste Mal, dass mich die Arie „Schließe mein Herze“ nicht langweilt – so gesanglich und klanglich wirklich partnerschaftlich mit der Solovioline.

Der Tenor Charles Daniels gehört zu den für mich großen Entdeckungen der Aufnahme. Mich wundert, diesen Namen woanders noch nicht gesehen zu haben. Er ist ein begabter Evangelist.

Diego Fasolis hat da wirklich eine gute Aufnahme gemacht, finde ich, in manchen Details vielleicht etwas verwegen bis originalitätssüchtig (Koloratur, Striche, Tempi), aber immer wieder auch überzeugend. Empfohlen!

Alex

Archiv-Beitrag: Zweifelhafte Autorenschaft für die Motette: BWV Anhang 159


Hallo zusammen,

@Alex hat eine interessante Anfrage an mich gerichtet, die ich hier wiedergeben möchte, es wird sicherlich auf großes Interesse stoßen, diese Motette von J.S. Bach: BWV Anhang 159; wurde nur teilweise in dem Braunschweiger Konzert vom Monteverdi Chor gesungen.

Die Anfrage lautet:

Hallo Volker,

wer steht denn im Programm als Komponist von Anh. III 159? Schmieder schwankt zwischen Johann Christoph Bach und Johann Christian Bach.
——————

Hierzu möchte ich der Allgemeinheit folgende Hinweise geben:

Im Programheft von Braunschweig sind folgende Angaben:

Johann Sebastian Bach, Motette: BWV Anhang 159

ich habe einmal bei Dürr nachgeschlagen, da ist leider eine Motetten-Angabe nicht aufgeführt, im Blog wird die Kantate BWV 157 “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” genannt,

was ich für sehr problematisch halte, hier werden wohl Äpfel mit Birnen verglichen, die erste Strophe hat zwar den Text-Inhalt “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” wie in der 1. Strophe der Motette BWV Anhang 159, aber die Kantate 157 wurde von Bach zu einem ganz anderen Anlass komponiert. Dass Bach auf bestehende Texte zurückgriff und kopierte ist bekannt.

Die Kantate BWV 157 wurde am 6. Februar 1727 in einem feierlichen Gedächtnisgottesdienst in der Pomßener Kirche, aus Anlass des verstorbenen Hof- und Appellationsrat “Johann Christoph von Ponickau”, aufgeführt. Die Texte der Kantate BWV 157 finden sich wieder in Picanders Gedichtsammlung. Ein ausgedehntes Trauergedicht auf (Picanders) eigenen Tod und unmittelbar anschließend den Text der Kantate: “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn…

Im Internet fand ich folgenden Hinweis: Die Apokryphen Motetten BWV Anhang 159-165

hier wird nur die 1. Strophe eingespielt “Ich lass dich nicht….

Die Motette könnte als Autorenschaft: Johann Sebastian Bach oder Johann Christoph Bach: “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn “Motette BWV Anhang 159″ zugeordnet werden können..

Der Autor Klaus Hofmann veröffentlichte in 2003 ein Buch über:

Johann Sebastian Bach. Die Motetten; Kassel , (Bärenreiter-Verlag) 2003

Der Hauptteil des Buches ist der ausführlichen Analyse von acht Motetten Bachs gewidmet. Zu den sechs bekannten zählt der Verfasser noch „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ (BWV Anh. 159) und „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ (BWV Anh. 160). Diese Einbeziehung begründet er ausführlich und überzeugend.

Das Buch ist bei amazon erhältlich für 17,95 €

Ein PDF-Dokument füge ich zur weiteren Information bei:

Link: Informationen zum_BWV 225_ff

Diese vorgenannten Angaben sind Diskussionswürdig und bitte um Eure Kommentare ….

Grüße

Volker

Archiv-Beitrag: Begriff: Bach’s “Totenglocken-Kantaten” wo auffindbar ?


17.10.2007 von Iris.Budde.

Hallo,

ich beschäftige mich schon sehr lange mit Bachs “Totenglockenkanaten.” Ich weiß nicht, wo ich diesen Ausdruck gelesen haben; könnte bei Rilling gewesen sein. Im Internet (Google und co auch Wikipedia) ist dieser Ausdruck nicht bekannt.

Für mich gehören dazu, jetzt mehr oder weniger nach Gefühl, weil ich`s eben nicht mehr finde, folgende Kantaten: Komm` du süße Todesstunde”, “Wer weiß, wie nahe mir mein Ende (mit der tollen Arie: Willkommen will ich sagen, wenn der Tod ans Bette tritt)”. Und dann noch eine – Namen weiß ich jetzt natürlich wieder nicht “nun schlage doch, schlage doch du letzte Stunde schlage doch”. Dies ist jetzt frei übersetzt. Kann jemand mir weiterhelfen………,

Oder ist der Ausdruck “Totenglockenkantaten” meiner Phanasie entsprungen?

Über helfende Kommentare würde ich mich freuen….

Gruß

Iris

Archiv-Beitrag: Fritz Wunderlich & Hermann Prey – “Eine Weihnachtsmusik” Neuauflage für Historiker-Fans


.12.2007 von Volker /admin.

Hallo,

hier stelle ich etwas für Nostalgiger vor, es wurde eine Wiederveröffentlichung der legendären “Weihnachtsmusik” mit den Sängern Fritz Wunderlich und Hermann Prey, vorgenommen.



  • Erscheinungstermin: 30.11.2007

Detailinformationen

Fritz Wunderlich & Hermann Prey singen Weihnachtslieder:

Maria durch den Dornwald ging; Es kommt ein Schiff geladen;

Es ist ein Ros entsprungen; Was soll das bedeuten;

O Freude über Freude; Vom Himmel hoch o Englein kommt;

Ich steh an deiner Krippen hier

+Musik von Albinoni & Telemann

Will Quadflieg liest die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium!

Grüße

Volker

Archiv-Beitrag: Eine überzeugende Wiedergabe mit Weihnachts-Kantaten von J. S. Bach durch die Barock-Akademie Detmold in Kloster Corvey. / OWL


Hallo zusammen,

„Gloria in excelsis Deo“ unter diesem Motto erklang in der Abtei-Kirche „Kloster Corvey“ in Ostwestfalen, am 16.12.2007, ein festliches Weihnachtskonzert, ausgeführt durch die Barockakademie und dem Vokal-Ensemble der Hochschule für Musik aus Detmold.

Bild: Die Abtei-Kirche “Kloster Corvey”

Programm

J.S. Bach, Kantate BWV 110 „Unser Mund sei voll Lachens“
Kantate zum 1. Weihnachtstag für Soli, Chor und Orchester

Gerog Friedrich Händel „Gloria in excelsis Deo“
für Sopran, Streicher und Basso continuo

Weihnachtslieder für Chor A Capella

„Vom Himmel hoch“, Satz: Johannes Eccard

„Es ist ein Ros’ entsprungen“ (vierstimmig) Satz: Michael Pretorius

„O Jesulein zart“ (vierstimmig) Satz: Samuel Scheidt

„Freu dich, Erd und Sternenzelt“ (vier- bis sechsstimmig)
Satz: Gerhard Weinberger

„O Bethlehem, du kleine Stadt“ (vierstimmig) Satz: G. Weinberger

„Still, wer Gott erkennen will“ (vier bis fünfstimmig)
Satz: Gerhard Weinberger, (Sopransolo: Hee-Suk Han)

„O du fröhliche“ (achtstimmig) Satz: Georg Ratzinger
(Bruder von Papst Benedikt XVI.)

J.S. Bach, Kantate BWV 63 „Christen, ätzet diesen Tag“
Kantate zum 1. Weihnachtsfeiertag für Soli, Chor und Orchester.

———————————

Schon in der Werksauswahl zeigte sich ein großer Barock- und Bach-Spezialist mit Namen: Prof. Gerhard Weinberger, hiesiger Dozent für Kirchenmusik und Orgel an der Hochschule für Musik in Detmold.

Im Bild Prof. Gerhard Weinberger, künstlerischer Leiter !

Als bekennender und bekannter Bach-Interpret gelang ihm zum Auftakt mit dem BWV 110 „Unser Mund sei voll Lachens“ ein überwältigender Einstieg. Wunderschön erklingen zum Auftakt die Streicher, Pauken und Trompetenklänge, sie erzeugen sofort das „Gänsehaut-Erlebnis“ pur.

Ein 22-stimmiges Vokalensemble berührte anschließend mit einem gekonnten, nuancierten und erfrischenden Gesangsvortrag. Dieses Ensemble besitzt Potential, man spürt ihre Selbstsicherheit und ihr Wissen, als ein mehrfacher 1. Preisträger mit Lobeshymnen in Athen, Griechenland, bedacht worden zu sein.

In dem dortigen Europäischen Gesangs-Wettbewerb, welcher vor ca. einem Monat dort statt fand, überzeugten sie in allen Altersklassen als das Spitzen-Vokalensemble in Europa.
Wunderbar, was die Hochschule für Musik in Detmold hier an Gesangs-Kultur und Ausbildung leistet, wir Ostwestfalen können Stolz auf sie sein.

Im Bild: das vortreffliche Vokal-Ensemble !

Als ein wahres Juwel entpuppte sich das „Gloria in excelsis Deo“ von Georg Friedrich Händel, für Sopran, Streicher und Basso continuo.

Für die leider kurzfristig erkrankte Sopranistin: Meike Leluschko. übernahm Gunhild Alsvik den Sopranpart

Die Ersatz-Sopranistin, Gunhild Alsvik, bot eine Glanzvorstellung. Vortrefflich ausgestattet mit einem Stimmvolumen per excellence, gelangen ihr die Koloraturen und der Gesangsvortrag mehr als vortrefflich. Stimmig die zwei Violinen, Orgelpositiv und Basso continuo als Begleitung, hierbei erklang eine wunderschöne Darbietung an Barockmusik, die allen Beteiligten großartig gelang.

Im Bild 1. und 2. Violine mit Orgelpositiv und verdeckt die Sopranistin Gunhild Alsvik.

Auf dem gleichen hohen Niveau standen die vorgetragenen Weihnachtslieder, gesungen von dem von mir bereits gelobten Athener-Preisträger, das Vokalensemble der HfM aus Detmold.
Die Gesangs-Kultur ist vortrefflich, stimmlich sehr gut ausgebildet, erklangen wunderschöne Sätze an Weihnachtsliedern

Hervorheben möchte ich den achtstimmigen Satz von Georg Ratzinger, (Bruder des jetzigen Papstes und ehemaliger Kantor am Dom in Regensburg), „O du fröhliche.“
Was sie an Gesangskultur zu bieten haben, lässt einen verblüffen, es ist mehr als erfreulich, dass sich nun auch in Deutschland in dieser Beziehung etwas mehr für die Nachwuchs-Gesangskultur getan wird.

Wunderbar austaxiert und homogen erklingt dieser achtstimmige Satz, leicht mitsummend falle ich in dieses schöne Weihnachtslied mit ein, so schön gelang dem Vokalensemble dieser mehrstimmige Choralsatz.
Als Besucher in der 3. Reihe vorne sitzend, bekommt man die Feinheiten des Gesangsvortrages unmittelbar und genau mit, ich weiß nicht, wie es im Mittelschiff der Abteikirche vom Gehör zu vernehmen war, so wie mir @Iris, nach dem Konzert berichtete, gab es da doch sehr mannigfaltige Probleme mit der Akustik, leider …!!

Den großartigen Schlusspunkt setzt Prof. Weinberger mit der Kantate, BWV 63, „Christen, ätzet diesen Tag.“

Hier habe ich immer die DVD von Gardiner mit der Probenarbeit zu dieser Kantate vor Augen. (Habe sie gerade auf dem Bildschirm und sehe Gardiners Statement zu dieser Kantaten-Probe).

Diese jubelnde und grandiose Weihnachts-Kantate mit Pauken und Trompeten versetzt mich immer in die Stimmung der Glückseligkeit. Was die Vortragenden, Orchester, Gesangs-Solisten, und das Vokal-Ensemble vollauf zu erreichen in der Lage waren, eine meisterliche Darbietung, die mein Seelenleben zutiefst berührte.

Im Bild das vortreffliche Trompetenensemble mit neuzeitlichen Instrumenten !

Erwähnen möchte ich aus einer homogenen Ensembleleistung den überragenden Gesangs-Solisten „Felix Plock“ als Bass, was hier für ein Nachwuchs-Sänger herangebildet wird, lässt die Musikwelt aufhorchen, endlich wieder ein Deutscher Bass-Solist, der von Hause aus alles mitbringt, was für eine glanzvolle Karriere verspricht.

Ebenso der Altus „Benno Schachtner“, der mich voll zu überzeugen wusste, (habe ich doch sonst meine Probleme mit dieser Gesangs-Gattung), hier muss ich Abbitte leisten für eine gehörte und überragende Gesangs-Kultur, die mich voll überzeugte und eine Altistin nicht vermissen lies, für die Zukunft scheint sich hier Großes anzukündigen…!!

Im Bild von Links: Leitung: Gerhard Weinberger, Gesangs-Solisten: Felix Plock a.G. (Bass), Bo Hyeoun Mun (Tenor), Benno Schachtner (Altus).

In dem Weihnachtskonzert erweisen sich alle Beteiligten als vorzügliche Interpreten. PROF. WEINBERGER war auf einen nuancenreichen Ton bedacht immer wieder erzielt er raffinierte Klangeffekte. Die Interpretation und die Aufführungsform gelingt ihm vortrefflich.

Seine Auffassung von Bach’scher Musik ist prägnant in seiner persönlichen Art und Wiedergabe. Sein Empfinden für Bach und seinen Kantatenwerken strahlt Wärme und Überzeugungskraft aus und ließ den Hörer diese Wesensart beeindruckend miterleben, ein Konzerterlebnis mit Weihnachtsmusik, die auf einem hohen Niveau allen Ansprüchen gerecht wurde und das Herz mehr als zu beglücken wusste.

Beglückt und stimmig wurde der Hörer in die Weihnachtszeit hinübergeleitet, dank eines prächtigen Konzertabends.

Meinen Dank möchte ich @Iris, noch aussprechen, die mir den Fotoapparat zur Verfügung gestellt hat, da ich meinen im Auto liegen gelassen hatte, es war schön, sich einmal wieder zu einem Konzert verabredet zu haben.

Der Link zu weiteren Fotos in Picasa mit weiteren Angaben zum Konzert nachstehend:

http://picasaweb.google.de/meinharderich/KlosterCorveyBachKantatenZurWeihnachtAm16122007ProfWeinbergerHfMDetmold

Grüße

Volker

Archiv-Beitrag: Bach-Tage 2008 in Köthen mit vier Konzerten von Gardiner !


Hallo zusammen,

die Bach-Tage für Köthen / Sachsen-Anhalt, stehen fest, Termin: 3. September bis 7. September 2008 unter der Mitwirkung für vier Konzerte von J.E. Gardiner, Monteverdi Choir und English Baroque Soloists.

Die Programmangaben für Gardiner habe ich der Internetseite: http://www.bach-in-koethen.de/bft_22/22bftprog.htm

entnommen, dort können auch weitere Einzelheiten eingesehen werden.

Eintrittspreise, Übernachtungsmöglichkeiten, etc.


Fotos: Schloss Köthen / Sachsen Anhalt

Foto: Schloss Köthen, Spiegelsaal

Foto: St. Jakobs-Kirche, Veranstaltungsort der Johannes-Passion, als Eröffnungskonzert !

Die Programme für fünf Tage sind mit fantastischen Künstlern und Orchestern besetzt worden, da ist eine gezielte Auswahl sehr schwierig zu treffen, klar, Gardiner-Fans wissen schon, was sie besuchen werden aber als Zubrot möchte man auch andere Künstler-Größen hören und erleben……!!

Am Freitag, 5.September 2008 wird Gardiner am Vormittag, 11 Uhr im Spiegelsaal mit dem Brandenburgischen Konzert-Programm (1), und am Abend um 19:30 Uhr im Schloss (Bach-Saal) mit dem Brandenburgischen Konzert-Programm (2) auftreten.Das Brandenburgische Konzertprogramm (1) wird nochmals von Gardiner am Folgetag, Samstag, 6. September 2008 um 11 Uhr im Spiegelsaal wiederholt.

Foto: Der neue Bach-Saal am Schloss Köthen, Einweihung in 2008

(Fotorechte: http://www.bach-in-koethen.de/bft_22/obachsaal.htm)

Dann wünsche ich Euch viel Spaß bei der Durchsicht und Auswahl der tollen Programme, die in Köthen angeboten werden.

Grüße

Volker

(Alle Angaben von: http://www.bach-in-koethen.de/bft_22/22bftprog.html)

Archiv-Beitrag Frage nach dem BWV 160 “Ich weiß, daß mein Erlöser lebt !”


Hallo,

mir brennt seit gestern folgende Frage unter den Nägeln – ausgelöst durch eine Beerdigung, in Arnsberg. Vor der Traueransprache wurde von einer Sopranistin “Ich weiß, dass mein Erlöser lebt” – eine Händel-Fassung – gesungen, (grauslich, ein metallener Sopran und eine verstimmte Orgel).

Gestern abend hab` ích mir im Internet die verschiedenen Textfassungen von “Ich weiß, dass mein Erlöser lebt” angesehen. Dabei bin ich auf den Hinweis gestoßen: Bach-Kantate BWV 160; “Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.”

In meiner Rilling-Gesamtausgabe ist sie anscheinend nicht vorhanden. Die Zählung bei Rilling geht an der Stelle von BWZ 156-159 und dann ab 161-164 weiter. BWZ 160 fehlt. Gibt es diese Kantate nicht und keine Einspielung davon?

Liebe Grüße

Iris

Archiv-Beitrag: Haben die kleinen Plattengeschäfte noch eine Chance ?


Hallo zusammen,

Wie von @Iris erwähnt, gibt es die guten alten Plattenläden, die natürlich sehr unter der Möglichkeit leiden, zu jeder Tages- und Nachtzeit bequem im Internet bestellen zu können. Dafür verzichtet man auf die Mitarbeiter, die sich oft bestens in der gesamten Branche auskennen und mit viel Einsatz Einspielungen auftreiben können, die eigentlich schon vergriffen sind. Und das haben sie auch schon getan, bevor es das Internet gab. Eigentlich undankbar, sie jetzt zu übergehen… Was denkt Ihr?

Schöne Grüße, Martin

Archiv-Beitrag: Britische Violonistin “Tasmin Little” stellt neues Album gratis ins Netz !


Hallo,

passend als ein Widerspruch zu dem vorgenannten Thema: “Haben die kleinen Plattengeschäfte noch eine Chance” bekomme ich diesen News-Letter bei mir auf den Bildschirm:

Britische Violonistin “Tasmin Little” stellt neues Album gratis ins Netz !

Die britische Musikerin Tasmin Little will die Verbreitung klassischer Musik fördern und bietet Gratis-Downloads an. Das Vorbild für die Aktion ist ganz und gar nicht klassisch.

Reuters Ob es nun eine Marketingstrategie ist oder wahre Liebe zur Musik, Klassik-Liebhaber dürfen sich jedenfalls freuen: Die britische Violinistin Tasmin Little bietet ihr neues Album „Naked Violin” ab Montag zum kostenlosen Download auf ihrer Internetseite an. Damit wolle sie die Verbreitung klassischer Musik fördern, sagte Little der Tageszeitung “The Guardian”.

Sie wolle ihr Werk so einem Publikum zugänglich machen, das diese Musik sonst möglicherweise nicht hören würde. Ziel der Musikerin ist demnach, die klassische Musik von ihrem elitären Image zu befreien.

Soweit der Textinhalt !

(Quellangaben von http://diepresse.com/home/kultur/klassik/354014/index.do?_vl_backlink=/home/kultur/klassik/index.do)

———————————————————————

Hierbei beschleicht mich ein ungutes Gefühl, ist es eine hervorragend gemachte Eigenstrategie, sich im umworbenen Klassik-Geschäft sich zu profilieren und aufzufallen?

Viele Künstler / Orchester gehen in die Schulen oder geben kostenlose Konzerte an die junge Schülerschar, um gezielt diesen jungen Nachwuchs mit Klassischer Musik vertraut zu machen, das ist meiner Meinung nach der richtige Weg.

Bei der britischen Violinistin habe ich den großen Verdacht, dass es sich hier um eine gezielte persönlich inizierte Marketing-Strategie handelt, um sich in der Klassik-Welt einen Namen zu machen. Ihre gemachte Aussage: “die klassische Musik von ihrem elitären Image zu befreien” halte ich für sehr abenteuerlich und mit ihrem Vorhaben nicht vereinbar..!!

Wie seht Ihr das und welche Meinung habt Ihr dazu….!!

Grüße

Volker

Hörprobe BWV 77 Gott ist mein König, Eingangssatz


Hallo,

für alle, die noch nicht die neuen CD’s von SDG erhalten haben ist hier ein kleines Schmankerl als Kostprobe von Barbara dankenswerter weise hinterlegt worden der Eingangs-Satz vom BWV 77 „Gott ist mein König“ mit Pauken und Trompeten…!!

Zur Hörprobe bei jpc den unten angeführten Link anklicken!

Disk 1 „Track 18“ P l a y anklicken !

Viel Spass beim Hören.

Gruss
Volker

Johann Sebastian Bach der Superstar


Hallo,

ein interessanter Artikel über den „Superstar J.S. Bach“ in © DIE ZEIT verfasst, möchte ich dem Forum nicht vorenthalten.

“ Johann Sebastian Superstar „

Bach-Noten aus Deutschland – krisenfest und wertbeständig

Wie muss das geklungen haben! Jetzt entdeckt Japan den Originalklang, junge Ensembles spielen Barockmusik auf Instrumenten des 18. Jahrhunderts. Pioniere, Außenseiter, die noch viel vor sich haben. Der Bus zum Flughafen fährt vor. Koffer werden eingeladen, Pauken, der Kontrabass. Vierzig Musiker, Sänger und Helfer reisen weiter durch Europa, nach Amsterdam, Leipzig, Nürnberg und London, um dort vor ausverkauften Häusern zu spielen. Bach boomt.

Als letztes Großereignis vor der Fußballweltmeisterschaft sorgte das Bachfest Leipzig mit 72 Konzerten und Veranstaltungen für Hochstimmung. Und die 60. Bachwoche Greifswald klingt gerade aus. Im Juli folgt die Bachwoche in Ansbach, dem Bayreuth der Bach-Liebhaber. Als AnsBACH hat es den Komponisten in den eigenen Namen gestochen – ein hochkulturelles Tattoo. Auch Sulzbach, Amorbach und vielleicht sogar Miesbach steht es frei, es zu tragen. Es ist kein deutsches, es ist ein Weltphänomen.

Bach lieben alle. Im vergangenen Jahr erlebte die Ile de France das erste Europa-Bachfestival mit rund zweihundert Veranstaltungen in Paris und Umgebung, angeregt von der Neuen Bachgesellschaft mit Sitz in Leipzig, die seit bald hundert Jahren wandernde Bach-Feste ausrichtet. Dieses Jahr ist mit Aschaffenburg wieder eine deutsche Stadt an der Reihe. In Amerika sind Bach-Festivals längst etabliert, ob in Winter Park in Florida, Carmel-by-the-Sea in Kalifornien oder North Conway, New Hampshire, ob in Oregon, Philadelphia oder im kanadischen Toronto. Aus Korea wird das erste Internationale Bach-Festival gemeldet, und unter bach-concert meldet sich im Internet die Universität von Auckland, Neuseeland.

Bach im Konzertsaal, Bach im Kuhstall, Bach on the beach, Bach on air. WBachradio versorgt die Ostküste der USA mit Klassik auf vier Kanälen. Die BBC bescherte ihren Hörern zur Weihnachtszeit zehn Tage lang Bach rund um die Uhr, das Gesamtwerk aller Kantaten und Motetten, Orgelwerke und Konzerte, Partiten und Passionen ohne Pause, ein Fest. Manchen ging es auch auf den Sender (Sublime Folter, ZEIT Nr. 1/06).

Das Bach-Business als höchste Form deutscher Wertarbeit: weit über tausend Erzeugnisse aus einer Hand, Qualitätsprodukte ohne die geringsten Schwankungen, ein Longseller, krisenfest und wertbeständig – Bach-Noten. Noten sind das Geschäft des Bärenreiter-Verlages. »Unser Auslandsgeschäft beträgt über 50 Prozent. Bei Noten ist es leicht, international zu operieren. Man braucht keinen Übersetzer.« Von ihrem Büro in Kassel-Wilhelmshöhe aus hat Barbara Scheuch-Vötterle, Tochter des Gründers und Geschäftsführerin, die Welt im Blick. »Wir haben Zuwächse in Südostasien, Japan und Korea, Hongkong und Taiwan. In Japan gehört es zum guten Ton, ein Klavier im Haus zu haben. China blüht auf. In Nanjing wird eine Bach-Gesellschaft gegründet. Dort wurde vor anderthalb Jahren zum ersten Mal die Matthäus-Passion aufgeführt. Und jetzt beginnt das Geschäft in der Russischen Föderation. Ein interessanter Zukunftsmarkt.«

Seit 1954 gibt Bärenreiter die Neue Ausgabe sämtlicher Werke heraus. Bisher sind 110 Bände erschienen. Weil die Edition sich möglichst nahe am Urtext orientieren soll, sind das Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen und das Bach-Archiv in Leipzig für den Inhalt verantwortlich. Erst wenn die Wissenschaft ihr Einverständnis gegeben hat, werden die Noten zum Stechen gegeben, wie es immer noch heißt. Aber die Wissenschaft nimmt sich Zeit. Bach-Forschung ist ein Geduldsspiel, über vielen Funden liegen Zweifel, weil es keine Autografen sind; in Abschriften können sich Fehler eingeschlichen haben. Die Herkunft vieler Werke ist nicht gesichert. Die berühmte d-Moll-Orgel-Toccata, die jeder im Ohr hat, und sei es als Klingelton im Handy, ist möglicherweise gar nicht von Bach. Andererseits hat Bach vermutlich sehr viel mehr komponiert als die 1127 Werke, die im Bach-Werke-Verzeichnis registriert sind.

Bach ist ein Universum. Und ein Rätsel. Seit 255 Jahren tot, ist er lebendig wie nie. Sein Lebenswerk ist ohne Vergleich. »Er schuf die gelehrteste und zugleich am tiefsten durchseelte Musik«, erkannte Ernst Bloch. Für Pablo Casals war Bach die Quintessenz, für Max Reger Anfang und Ende aller Musik. Dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler erschien der Unsterbliche wie der waltende Weltgeist, der Weltenbaumeister selbst. »Er steht für etwas Größeres in uns«, spürte Yehudi Menuhin, und Hermann Hesse schrieb: »Diese Musik ist Tao.«

Sein Werk türmt sich himmelwärts. Kaum fassbar die zeitlose Frische des Weihnachtsoratoriums in der Aufnahme – sagen wir, mit dem Münchner Bach-Chor unter Karl Richter von 1965. Ungezählt die Einspielungen der Goldberg-Variationen. Kein Ensemble der historischen Aufführungspraxis, das Bach nicht in die Mitte der Welt gestellt hätte, allen voran Sir John Eliot Gardiner, der im Bach-Jahr 2000 mit dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists eine spektakuläre Pilgerfahrt in 14 Länder unternahm, um das Gesamtwerk der Kantaten jeweils an ihrem Platz im Kirchenkalender aufzuführen.

Bach nährt alle und wird nicht müde dabei, ein ewig sprudelnder Quell der Improvisation. Popgruppen lassen ihn grooven, Jazzer nehmen ihn auseinander und setzen ihn neu zusammen, wie Jacques Loussier (Play Bach) oder George Gruntz (Jazz Goes Baroque). Uri Caine trägt die Goldberg-Variationen nach Dixieland, Bobby McFerrin verwandelt Bach in Lautmalerei, Ornette Coleman lässt ihn im Kosmos des Free Jazz schweben. Und das Seltsame ist, das alles nutzt ihn nicht ab. Es kann ihm nichts anhaben. Er leuchtet für und für.

Der vollständige Artikel kann über diesen Link nachgelesen werden!

Gruß

Volker

(Die Genehmigung zur Veröffentlichung wurde mir von © DIE ZEIT erteilt!)