DVD aus der Reihe "Great Composers" – Johann Sebastian Bach erschienen !


Hallo,

ich möchte auf eine DVD aufmerksam machen, die in der Reihe
Great Composers – Johann Sebastian Bach (NTSC)“
erschienen ist.

DVD Johann Sebastian Bach
Produktinformation:

Regisseur(e): James Runcie
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch
Bildseitenformat: 4:3
Anzahl Disks: 1
BBFC: Keine Altersbeschränkung
Studio: WMG Central Europe
DVD-Erscheinungstermin: 29. September 2006
Spieldauer: 59 Minuten
Nähere Einzelheiten zu der DVD können nachstehend eingesehen werden.

Grüsse
Volker


showme=’y‘; st=’img‘


Bluecounter Website Statistics

Bluecounter Website Statistics

Besprechung: CD’s von SDG 141 Vol.3 veröffentlicht vom Label: "Monteverdi" im Februar 2008


Hallo,

nach Erhalt der neuen CD’s vom Label „Monteverdi“ beginne ich mit meiner Rezension der ersten CD“ von SDG 141 / Vol. 3 für den 4. Sonntag nach Trinitatis.

SDG 141 Volume 3 (2 CD’s) Kantaten für den 4. Sonntag nach Trinitatis

Aufführungsort: am 16. Juli 2000 in „Tewkesbury Abbey“ und

am 23. Juli 2000 in Mühlhausen / Thüringen, „Divi Blasii Kirche“


Click here „Gardiners-Reisetagebuch for a German Translation of the sleeve notes.
Hier klicken zur „Meinungsäußerung“ von Nicolas Robertson
zur SDG 141 Vol.3

———————————————————————–

BWV 24 – Ein ungefärbt Gemüte
BWV 185 – Barmherziges Herze der ewigen Liebe
BWV 177 – Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ

Gesangs-Solisten: Magdalena Kozená, Sopran | Nathalie Stutzmann, Alt
Paul Agnew, Tenor | Nicolas Teste, Bass
—————————————————————————


Die Kantate: BWV 24 „Ein ungefärbt Gemüte“ für den 4. Sonntag nach Trinitatis entstand zum 20. Juni 1723 in Leipzig und wurde höchstwahrscheinlich in dem gleichen Gottesdienst aufgeführt.
Diese Komposition betont die zentrale Stellung des Bibelwortes durch eine geringstimmige Instrumentierung. In der Eingangsarie bilden die geführten Violinen und Viola eine Obligatstimme; in dem Alt und Continuo zu einem einheitlichen Trio verschmelzen.

Hervorheben möchte ich die großartige Rhytmik der Violinen im Eingangssatz, eine Altistin; Nathalie Stutzmann, die zu überzeugen weiss.

Das anschließende Tenor-Rezetativ: „Die Redlichkeit ist eine von den Gottesgaben“ von Paul Agnew gesungen, wird wortverständliche und mit einem guten Timbre ausgestattet, anschaulich vorgetragen.

Der 3. Satz mit dem Choral: „Alles nun, das ihr wollet“ wird vom Monteverdi Choir mustergültig ausgesungen eine prächtige Unterstützung erfährt der Chor durch das Orchester und mit dem prächtig agierenden Clarino über der vollen Streichergruppe. Dieser Satz strotzt voller Musikalität und gelingt allen Beteiligten aufs vortrefflichste, sie bedeutet für mich ein besonderes Herzstück in dieser Kantate.

Im 4. Satz des Bass-Rezitativs: „Die Heuchelei ist eine Brut“ singt ein Bassist (Nicolas Teste) diesen Part stimmlich perfekt, ausgestattet mit einem Volumen an Sangeskraft, die in diesem schönen Rezitativ voll zur Geltung kommt und entsprechende Gesangs-Nuancen zu setzen weiss.

In der Tenor-Arie: „Treu und Wahrheit sei der Grund“ (Paul Agnew), Mustergültig und stark im Ausdruck weiss mich dieser Tenor zu überzeugen.

Den Schlusspunkt setzt ein wunderbarer Choral: „O Gott, du frommer Gott.“
In würdevoller und bedächtiger Schönheit singt der Monteverdi Choir diesen prächtigen Choral und der Hörer wird durch den Chor geradezu animiert, summend in den Lobpreis „Gottes“ mit einzustimmen…!!

Die Kantate: BWV 185 „Barmherziges Herze der ewigen Liebe“ für den 4. Sonntag nach Trinitatis wird der Weimarer Zeit zum 14. Juli 1715 zugeordnet.
Bei ihrer Wiederaufführung in Leipzig am 20. Juni 1723 hat Bach einiges verändert, insbesondere das für Weimarer Chorton-Aufführung verfasste Werk endgültig in die Kammertonart g-Moll umgeschrieben, da fis-Moll ungewöhnlich tief gelegen hatte.

Hierzu bemerkt Gardiner in seinem Reisetagebuch folgendes:

Unserer eigenen Aufführung legte wir die letzten Überarbeitungen zugrunde. Whittakers Analyse verfängt sich in dem ‚Dornenrosen des Franck’schen Textes, die in so reichem Maße dem jungen Komponisten auf den Weg gestreut werden, während Albert Schweitzer der Meinung ist, die Schönheit dieser Kantate werde „durch den trockenen moralisierenden Text etwas beeinträchtigt“. Ich bin mir nicht so sicher. Bach findet geeignete Mittel, Francks harmlose Paraphrase der Weisung des Evangeliums „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ auf überzeugende Weise wiederzugeben.

Im 1. Satz: Duett für Sopran: (Magdalena Kozená) und Tenor: (Paul Agnew) mit dem „Barmherziges Herze“
agieren zwei vortreffliche Gesangspartner. Welch eine göttliche Stimme des Soprans dazu als ein ebenbürtiger Partner der Tenor, sie passen stimmlich perfekt zueinander. Das Cello und Clarino unterstützen den Gesang perfekt und wissen den Hörer zu berühren.

Im 2. Satz das Rezitativ für Alt (Natalie Stutzmann), „Ihr Herzen, die ihr euch“ scheint mir die Stimme der Altistin ein wenig zu stark in ihrem Timbre zu klingen, während das Orchester in warmen Klangfarben sich wohltuhend davon abhebend agiert und erklingt.

Ansprechender agiert die Altistin im 3. Satz mit der Alt-Arie „Sei bemüht in dieser Zeit“, eine fantastische orchestrale Musik erklingt in diesem schönen Satz, ein Genuss für den Hörenden…!

Das Bass-Rezitativ (Nicolas Teste), „Die Eigenliebe schmeichelt sich!“ Ein hervorragender Bass weiss sich hier gekonnt zu artikulieren und findet seine entsprechende perfekte gesangliche Fortsetzung im 5. Satz mit dem „Das ist der Christen Kunst.“

Der Schlusspunkt wird gesetzt mit dem Choral: „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ.“
Der Chor ist überwältigend und rundet eine wunderschöne Kantate mit ihrer Sangeskunst zu einer gekonnten Wiedergabe entsprechend ab.

Kantate: BWV 177 „Ich ruf zu dir, Herr Herr Jesu Christ“ für den 4. Sonntag nach Trinitats wurde am 6. Juli 1732 in Leipzig aufgeführt. Es ist eine Choral-Kantate und verzichtet auf Rezitative.

Der 1. Satz, mit dem Eingangs-Choral „Ich Ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ hebt sich in von dem zuvor gehörten einfachen Choral als Schluss-Satz des BWV 185 in seiner Vielseitigkeit und kompositorischen Größe absolut von dem vorgenannten ab. Was Bach hier an Komponier-Kunst an den Tag legt, lässt seine Genialität wiederum bewundern. Schon die Eingangs-Sinfonia der Streicher ist erwärmend zu hören und erfährt mit den danach einsetzenden Einzelstimmen des Chores und im weiteren Verlauf einen weiteren Höhepunkt im Eingangs-Satz.

Die im 2. Satz anschließende Alt-Arie (Natalie Stutzmann), – „Ihr Herzen, die ihr euch“ – erklingt in Verbindung mit dem BC durchaus wohltuhend, hier überzeugt N. Stutzmann mit ihrem Gesangs-Stil.

Der 3. Satz mit der Sopran-Arie: „Verleih, dass ich aus Herzensgrund“ ist eine bewundernswerte Sopranistin zu hören, Magdalena Kozená mit ihrem Engels-Gesang ist betörend schön, vortrefflicher kann diese zu Herzen gehende Arie nicht zu Gehör gebracht werden, dieser Perlen-Gesang ist ein weiterer Höhepunkt in dieser Kantate, dazu das BC und Fagott, das ist für mich himmlische Musik, die Gardiner so perfekt umzusetzen in der Lage ist, genial gelungen…!

Nicht minder schön gelungen im 4. Satz die anschließende Tenor-Arie: „Lass mich kein Lust“ durch Paul Agnew. Die Gesangs-Solisten sind in dieser CD einmal als gelungene Interpreten besonders zu vermerken, hier standen Gardiner Top-Sängerinnen und Sänger zur Verfügung. Die Violinen, BC und Fagotte zaubern in diesem Satz eine beschwingende Musik der Genialität, die Ausarbeitung eines weiteren Höhepunktes durch den Sir, einfach perfekt gelungen eine weitere Akzentuierung zu setzen.

Betörend erklingt der Schluss-Choral mit dem „Ich lieg im Streit und widerstreb“ die Gesangs-Kultur und Wiedergabe ist in sich eine geschlossene Einheit, das Singen dieser Wunder-Sängerschar lässt einen erschauern und beglückend miterleben, welch großartige Mitwirkende Gardiner in dieser Einspielung zur Verfügung standen.

Im Anschluss daran als Aufführungsort: am 23. Juli 2000 „Divi Blasii Kirche“ in Mühlhausen.

Die Mitwirkenden: Joanne Lunn (Sopran), William Towers (Alto), Kobie van Rensburg (Tenor), Peter Harvey (Bass).

Zum Ratswechsel in Mühlhausen BWV 71 „Gott ist mein König“

J. S. Bach war als Organist von 1707 bis 1708 in der Freien Reichsstadt Mühlhausen/Thüringen an der Kirche „Divi Blasii“ beschäftigt. Ihm oblag in der Reichsstadt die gesamte Kirchenmusik. Aus Anlass des Ratssherrenwechsel am 4. Februar 1708 erteilte ihm der Rat der Reichsstadt den Auftrag, zum Gottesdienst diesen Ratsherrenwechsel mit einer eigenen Komposition mit Festmusik auszugestalten.
Die Instrumentierung ist dem Anlass entsprechend üppig von Bach besetzt worden. Vier Instrumental-Chöre, 3 Trompeten, Pauken, 2 Blockflöten, Violoncello, 2 Oboen, Fagott, 2 Violinen, Viola. Diese Komposition ist in Mühlhausen erhalten geblieben und liegt dort zur Einsicht aus.

Jubelnd ertönen die Pauken und Trompeten im 1. Satz: „Gott ist mein König von altersher“ es ist ein höchst wechselvolles, dynamisch differenziertes Klanggebilde zu vernehmen, reizvoll die im Wechsel einsetzenden Vokal-Stimmen die als Unterstützung des Wortes mit einem großen Chor dies untermauern. In meisterlicher Manier setzt der Monteverdi Choir die entsprechenden Akzente in diesem großartigen Satz.

Der 2. Satz mit der Arie“ Ich bin nun 80 Jahr“ für Tenor (Kobie van Rensburg) und Sopran (Joanne Lunn) harmonieren prächtig zusammen und bezaubern durch ihren Gesang.

Aus diesem üppigen Werk möchte ich noch den 5. Satz für Alt-Arie (William Towers) mit dem „Alt durch mächtige Kraft“ erwähnen, klar verständlich und in seiner Gesangs-Artikulation durchaus akzeptabel meistert er mit Unterstützung der Trompeten diesen Part.

Der 6. Satz mit dem „Du wollest dem Feinde“ erscheint mir in seiner polyphonen Ausarbeitung ein besonderes Highlight zu sein, diesen Satz kann ich mir immer wieder anhören so schön ist er bis in die kleinste Nuance von Gardiner interpretiert und ausgefeilt von allen Beteiligten dargeboten worden… eine Traummusik, wo man ins Schwärmen gerät, großartig … !!

Die prächtige volle Instrumentierung mit Pauken und Trompeten beenden im Schluss-Satz mit dem „Das neue Regiment“ ein Früh-Werk von J.S. Bach, das fast nicht wiederholbar erscheint, so ungezwungen und gefüllt mit einer Vielseitigkeit an Musik erlebt man ein Werk von Bach selten.

Den Ausführenden, ob Monteverdi-Choir, Baroque Soloists oder Gesangs-Solisten gelingen eine außergewöhnliche Wiedergabe eines Früh-Werkes von J.S. Bach, an dem sich der Hörer ergötzen kann. Gardiner sei dafür gedankt, dass er diese wunderschöne Komposition mit in seine Cantata Pilgrimage Tour aufgenommen hat.


showme=’y‘; st=’img‘


Bluecounter Website Statistics

Bluecounter Website Statistics

Bekehrung zu Ton Koopmann


Lieber Volker, lieber Blogger,

ich hatte eine Bekehrung. Ton Koopman und seine Bachkantaten haben mich völlig zu sich gezogen. Hätte ich nur Zeit. 

Foto: Ton Koopman
Am Wochenende hörte ich Ausschnitte von JPC und sah(!)
bei www.you tube.com 
Ausschnitte aus Kantaten und der Matthäuspassion. 
Ganz unbeschreiblich. Mertens, Pregardien, Lisa Larsson, Cornelia Samuelis, Deborah York…ich bin mit fliegenden Fahnen übergelaufen. Kein Harvey mehr mit Zitterstimme, keine englischen Dramatiker im Tenorfach…Entschuldigt, Ihr wisst, Konvertiten sind ganz abscheulich, eine Pest für die Menschheit…und ich bin eine Konvertitin. 
Foto: Amsterdamer Barock-Orchester
Was für ein Orchester, was für ein Chor…vielleicht ist es doch nicht so toll mit Originalmitschnitten. Ach, den (neuen)Meister vergaß ich. Wie der dirigiert und vor allem, was er aus seinen Orgelparts macht, das ist sensationell. Sehr und hört euch mal was aus dem Fundus der Amsterdamer an.

Liebe Grüße

von muriel, die freiwillig auf den Scheiterhaufen steigt, wenn es verlangt wird.

Eine Wiederveröffentlichung einer legendären Matthäus-Passion mit Fritz Wunderlich


3 CD’s J.S. Bach „Matthäus-Passion, BWV 244“

Peter Pears, Hermann Prey, Elly Ameling, Fritz, Wunderlich,
Marga Höffgen, Tom Krause, Stuttgarter Hymnus-Chorknaben,
Kammerorchester Stuttgart,
Leitung: Karl Münchinger

22,99 € bei jpc

Neuveröffentlichung im Februar 2008 mit

H i e r Hörproben einer genialen Gesangs-Riege“

der Unsterblichkeit.
——————————————–

Die Matthäus-Passion BWV 244″ wurde mit der Crème der deutschen Sängergilde präsentierte. Die Aufnahme entstand in der Kirche von Schloss Ludwigsburg bei Stuttgart und brachte unter anderem

Fritz Wunderlich (Tenor), Peter Pears (Evangelist), Herrmann Prey (Jesus), Elly Amening (Sopran), Marga Höffgen (Alt), Tom Krause (Bass), Heinz Blankenburg (Petrus) und August Messthaler (Judas) zusammen.

Für den orchestralen Rahmen sorgte das Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Karl Münchinger und die Chorpassagen sangen die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben. Besondere Sorgfalt wurde auch auf die räumliche Verteilung der Stimmen während der Aufnahme gelegt, so dass ein Meisterwerk der geistlichen Musik unter idealen Bedingungen für die Nachwelt festgehalten werden konnte.

Für den unvergessenen Fritz Wunderlich blieb das Vokal-Werk von Johann Sebastian Bach, dessen numinose Schönheit faszinierende Möglichkeiten der Interpretation bot sein beliebtes Betätigungsfeld, er war ein Bewunderer der Bach’schen Vokalwelt.


Fritz Wunderlich, Tenor

In der vorliegenden Einspielung glänzen überragende und unvergessene Sängerinnen und Sänger der 60-er Jahre, die tiefe Verbundenheit mit der erschütternden Passions-Musik von J.S. Bach ist prägnant und gehört mit in die Archiv-Aufnahmen des Jahrhunderts, die Faszination und packende Wiedergabe ist mehr als berührend, eine Aufnahme, die ich wärmstens empfehlen kann, sie sollte in keinem Archiv fehlen…!!

Grüße
Volker


showme=’y‘; st=’img‘


Bluecounter Website Statistics

Bluecounter Website Statistics

Interview in der TIMES ONLINE: mit Mark Padmore und Ian Bostridge zur Johannes-Passion


(Fotorechte:

@Barbara sagt:

Hallo,

eine kleine Einstimmung auf die Johannes Passion am 21.3.2008 um 20:00 Uhr, in der Trinitatiskirche in Wolfenbüttel:

Interview in der TIMES ONLINE mit Mark Padmore versus Ian Bostridge in St John’s Passions

Mark Padmore and Ian Bostridge, both about to sing the same part in rival St John Passions in London, compare notes.

Link: englische Original-Seite „Times Online“

http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/stage/opera/article3370176.ece

Gruß Barbara

P.S. Eine deutsche Google-Übersetzung ist unter Kommentare von mir hinterlegt, einsehbar !
@Volker

Bach Digital: Kooperation des BachArchiv Leipzig und Staatsbibliothek Berlin


Hallo allerseits!

Das Bach-Archiv Leipzig will zusammen u. a. mit der Staatsbibliothek zu Berlin und dem Rechenzentrum der Universität Leipzig alle weltweit existierenden Bach-Autographe digitalisieren und online zur Verfügung stellen.

Hier geht es zum Artikel des Bach-Archivs.

Gruß von Alexander

Eine Legende: "Herbert von Karajan" Eine Kurzbiographie zum 100. Geburtstag


Hallo,

eine Legende als Dirigent wäre am 5. April 2008 100 Jahre alt geworden.

Meine Kurz-Biographie eines Genies, der mit Widerspruch zu leben hatte, geliebt, gemieden und doch ein Interpret, der die Massen für die Klassische Musik zu sensibilisieren verstand. Ich unternehme einmal den Versuch, wie Ihr diese Person vernommen habt, besitzt ihr CD’s, DVD’s von ihm, oder wird er rundherum abgelehnt. Ich wurde mit ihm groß und Karajan war in meiner Jugend das Nonplusultra in der Klassikszene.

Ein Konzert von ihm besuchte ich in den 60-er Jahren in der Kieler-Ostseehalle und war von der Persönlichkeit fasziniert, das Konzert mit einem Beethoven-Programm in dieser riesigen Sporthalle dagegen war für mich ein Flop, schon allein aus akustischen Gründen.

Viele Einspielungen besitze ich von ihm als DVD und seine Bach-Einspielungen als CD mit einer Ausnahme, eine DVD mit dem BWV 1042 Violinkonzert in E-Dur von J.S. Bach und der jungen Violonistin „Anne-Sophie Mutter“ und das BWV 243 „Magnificat.“

——————————————–

DVD: BWV 1042 und BWV 243 bei BMG erhältlich!


———————————————

Kurz-Biographie:

Herbert von Karajan (1908-1989)
Dirigent

5. April 2008: 100. Geburtstag

Herbert von Karajan, ein Salzburger, begann mit vier Jahren Klavier zu spielen und besuchte schon während der Schulzeit das Mozarteum. Mit 18 studierte er an der Wiener Musikhochschule, 1928 war er Chorleiter und Dirigent am Stadttheater Ulm.

Als Deutschlands jüngster Dirigent und Generalmusikdirektor stand er ab 1935 der Aachener Oper vor. Die Wiener Oper feierte ihn erstmals 1937, im Jahr darauf debütierte er mit Beethovens „Fidelio“ an der Berliner Staatsoper und begann dort bald mit umfassenden Plattenaufnahmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er ab 1946 mit den Wiener Philharmonikern, und eine lebenslange Allianz begann. 1948 stellte er sich bei den Salzburger Festspielen und an der Mailänder Scala vor. Die Berliner Philharmoniker, deren Leitung er nach dem Tode Wilhelm Furtwänglers 1955 übernommen hatte, entwickelten sich zu einem Orchester von Weltruhm. Daneben dirigierte er als Nachfolger von Karl Böhm 1957-1965 an der Wiener Oper.

1968 gründete Karajan eine Stiftung seines Namens, die sich um medizinische Forschung und auch die Förderung des musikalischen Nachwuchses kümmerte. Ein dreijähriges französisches Gastspiel gab er als Leiter der Pariser Oper (1969-1971).

Nach einem Schlaganfall (1979) konnte er kaum noch dirigieren, arbeitete aber in reduziertem Umfang weiter, bis 1987 als Leiter der Salzburger Festspiele, bis 1989 mit den Berliner Philharmonikern. Im Frühjahr dieses Jahres feierte er noch ein umjubeltes Gastspiel in New York.

Karajan, der Perfektionist am Dirigierpult, der Hunderte von Plattenaufnahmen mit zahlreichen renommierten Orchestern eingespielt hatte, starb am 16. Juli 1989 während einer Probe zum „Maskenball“ in seiner Geburtsstadt Salzburg an Herzversagen.

(Quelle: KlassikAkzente)

Passend dazu ist ein sehr interessantes Interview in der FAZ mit „Anne-Sophie Mutter“ erschienen,

Link: hier klicken !!

sowie vorhandene Beiträge im Diskussionsforum:

Link: h i e r klicken !!

Die Diskussion ist eröffnet und bitte um Eure Meinung…!

Grüße
Volker

Archiv-Beitrag: Brahms Gesänge mit der Gächinger Kantorei


16.4.2007 von Alexander Behrens.

Hallo liebe Blog-Leser,

ich möchte gerne diese Kategorie für eine Nicht-Bach-nicht-Gardiner-CD-Empfehlung nutzen: Brahms-Gesänge mit der Gächinger Kantorei und Helmut Rilling.

Es handelt sich hierbei um eine Wiederauflage einer aus den siebziger Jahren stammenden Einspielung der Liebeslieder-Walzer op. 52, der neuen Liebeslieder-Walzer op. 65, der Sechs Chöre op. 93 und der Fünf Chöre op. 104.

Die Aufnahmen waren mir noch in guter Erinnerung aus der damaligen Zeit. Damals galt die Gächinger Kantorei als einer der weltbesten Chöre, und ich bin erstaunt über die Frische dieser Aufnahme und ihre choristische Qualität – hätte ich doch erwartet, dass nach soviel Verwöhnung durch Gardiner und so vielen Jahren, in denen sich die Chorkultur immens weiter entwickelt hat, manches von damals verstaubt klingt. Aber die Wahrheit ist, dass sich die Aufnahme von 1977 vor der bestehenden Einspielung von John Eliot Gardiner und dem Monteverdi Choir keineswegs zu verstecken braucht.

Herausragend ist die Wortkultur des Gesangs dieser Einspielung. Man spürt die Dieskau-Ära. Was mir aber vor allem an dieser Einspielung auffällt, ist der rhythmisch packende Vortrag Rillings. Während Gardiners Aufnahme eher mit weitem Gewande getanzt scheint (ich bin gerade bei den Walzern) und von großer Grazie und unsagbarem Edelmut, ist jene Rillings vor allem eines: mitreißend, aufrüttelnd.

Chorisch kann die Gächinger Kantorei dem Monteverdi Choir nicht ganz das Wasser reichen (was besagt, dass sie ein ausgezeichneter Chor ist 🙂 und kommt oft etwas unbedarfter rüber, was dem romatischen Pathos aber auf natürliche Weise Nachdruck verleiht. Es steckt gegenüber der Gardiner-Einspielung mehr Naivität, ja vielleicht sogar Glaubwürdigkeit dahinter.

Hier Hörbeispiele der Gächinger-Kantorei und bei amazon zu erwerben:

Überzeugend ist die Gardiner-Aufnahme durch die hohe Chorqualität vor allem der anderen dann, wenn es um Klang geht. Lieder wie Im Herbst (op. 104) leben vom Klingen, und da beweist sich einmal wieder Gardiners choristische Klasse.

Hier Gardiner – Hörbeispiele bei amazon und dort zu erwerben

Insgesamt sei die neu herausgekommene Rilling-Aufnahme allen im Forum wärmstens empfohlen!!

Alexander Behrens

Archiv-Beitrag: Geistliche Chormusik des Dresdner Barock: Jan Dismas Zelenka (1679-1745) “Miserere c-Moll” ZWV 57


18.4.2007 von Volker /admin.

Hallo,

als einen weiteren Beitrag im Blog über “Andere Interpreten im Gegensatz zu J.E. Gardiner” berichte ich über eine CD-Einspielung von “Jan Dismas Zelenka” (böhmisch-österreichischer Komponist). Es sind Aufnahmen: “Geistliche Chormusik des Dresdener Barock” die vom WDR aufgenommen wurden in den Jahren 1983 / 1993 und von Capriccio 1996 veröffentlicht worden ist.

Die CD enthält folgende Einspielungen:

Psalm 50 (Miserere c-moll); Komponist: Jan Dismas Zelenka (1679-1745)

Miserere c-moll; Komponist: Johann Adolf Hasse (1699-1783)

Magnificat A-dur; Komponist: Johann David Heinichen (1683-1729)

Verwundrung, Mitleid, Furcht und Schrecken; Komponist: Gottfried August Homilius (1714-1785)

Aufführende: Rheinische Kantorei; Dormagener Jugendkantorei; Das Kleine Konzert; Sopran: Maria Zadori; Barbara Schlick; Altus: Kai Wessel; Tenor: Wilfried Jochens; Hein Meens; Bass: Stephan Schreckenberger; Stephen Varcoe.

Hier zu den Hörproben bei amazon:

Leitung: Hermann Max

Unter den Kurfürsten Friedrich August I., genannt August der Starke (Regierungszeit 1694-1733), und Friedrich August II. (1733-1763), dem einzigen legitimen Sohn Augusts des Starken, erblühte die Residenzstadt Dresden zu einer der schönsten Städte Europas.

Zwar war Sachsen als das Stammland der Reformation ein durch und durch lutherisches Territorium. Aus machtpolitischen Gründen war jedoch August der Starke im Jahre 1697 zum Katholizismus konvertiert, denn dies war eine Voraussetzung für die Wahl zum König von Polen. Auch Friedrich August II. hat diese Krone erlangt.

Daher kommt es, dass in der kursächsischen Handelsstadt Leipzig der Lutheraner J.S. Bach seine Kirchenkantaten schrieb, während einige Kilometer weiter östlich in der Residenzstadt Dresden Messen, Psalmen, und andere liturgische Werke für den katholischen Gottesdienst entstanden.

Die zweifellos bedeutendsten Dresdener Komponisten dieser Zeit waren der aus Böhmen stammende Jan Dismas Zelenka, der Sachse Johann David Heinichen und der Hamburger (Bergedorf) Johann Adolf Hasse.

Zelenka war vom Hause aus ein Vertreter der älteren böhmisch-österreichischen Tradition; er nahm erst spät die Elemente des neuen Stils der italienischen Oper auf. Jan Dismas Zelenka wurde 1679 in dem böhmischen Dorf Launowitz (heute: Lounovice) geboren. Er besuchte das Jesuitengymnasium in Prag. Um 1710 wurde Zelenka als Kontrabassist an den Dresdener Hof verpflichtet. Als Kirchen-Compositeur starb er 35 Jahre später am 23.12.1745.

Das Miserere in c-Moll (ZWV 57) ist ein Spätwerk des Meisters und ist datiert auf den 11.3.1738. Das Werk beginnt und endet mit einem Satz über den Text “Miserere mei Deus” (”Herr, sei mir gnädig”); dies darf durchaus persönlich verstanden werden. Denn es ist lithurgisch nicht vorgesehen, geht also auf ein bewußtes Arrangement Zelenkas zurück, daß dieser Vers am Schluß des Psalms wiederholt wird.

Im zweiten Satz hat Zelenka ein Werk von Girolamo Frescobaldi (1571-1643), dem berühmtesten italienischen Organisten des 17. Jahrhunderts, mit dem vollständigen Psalmtext versehen. Das Stück stammt aus der “Messa delli Apostoli” (für Orgel), die in Frescobaldis “Fiori Musicali” 1635 gedruckt worden war. Die Zusammenstellung eigener und fremder Kompositionen zu einem persönlichen Gesamtwerk ist für Zelenka durchaus untypisch.

(Textauszüge: CAPRICCIO)

————————————

Meine Bewertung:

Im barocken Klangfarben erklingt das “Adagio” durch das Barockorchester als sinfonische Einleitung des 1. Satzes (Miserere I) mit dem nachfolgenden “Miserere” durch den schlanken Chor. Mir scheint, dass die Tenöre lauter vernehmbar sind, als die die weitere Sängerschar.

Der 2. Satz (Miserere II) erklingt singend verhaltener durch einen gut durchhörbaren Chor.

Im 3. Satz (Gloria Patri I) beginnt wieder mit einer Sinfonia durch das Orchester, etwas schrill im Ton, keine Darmseiten des Orchesters? Die Sopran-Solistin (Maria Zadori) singt sehr verständlich und Aussagekräftig das “Gloria Patri I.”

Der 4. Satz besticht durch einen recht gut besetzten mehrstimmigen Chor in dem “Gloria Patri II” und mit voller Orchesterbegleitung.

Das “Sicut erat” im 5. Satz erklingt in der gleichen Form der Besetzung wie im 4. Satz.

Das “Miserere III” im 6. Satz wird durch eine kleine Orchester-Sinfonia eingeleitet. Ein anschließender kraftvoller Gesang beeendet diese Psalmvertonung.

Als Kritikpunkt zum Orchester ist zu bemerken, dass die barocke Eleganz und Stimmigkeit nicht unbedingt vorhanden ist, wie ganz anders erzeugen Top-Orchester ein Klangvolumen, das den vorgenannten Kriterien überzeugender nachkommen. Die gesangliche Qualität des Chores ist durchaus beachtlich und angemessen.

Zelenkas Psalmvertonung ist in ihrer Gleichförmigkeit und ohne große Spannungsmomente besitzend als ein einfaches Werk anzusehen. Eine gewisse Faszination kann dem Werk nicht abgesprochen werden und wurde durch eine gute Interpretation des Leiters Hermann Max und der Rheinischen Kantorei entsprechend ordentlich umgesetzt.

Die gleiche Werkswiedergabe erfolgt durch J.E. Gardiner am 23.6.2007 in der Frauenkirche in Dresden mit der Sächsischen Staatskapelle und dem Monteverdi Choir. Nach dem Besuch des Konzertes an dortiger Stätte, werde ich einen Vergleich der Interpretation von Hermann Max zu J.E. Gardiner im Blog als Nachtrags-Kommentar abhandeln.

Grüsse

Volker

Archiv-Beitrag: Phänomenaler Auftakt der SDG-Reihe "Soli Deo Gloria, Feste Alter Musik im Braunschweiger Land."


Braunschweig, 15.12.2006 Volker

Phänomenaler Auftakt der SDG-Reihe „Soli Deo Gloria, Feste Alter Musik im Braunschweiger Land.“

Sir John Eliot Gardiner überzeugte und begeisterte mit den Advents-Kantaten von J.S. Bach in seiner unnachahmlichen Art mit dem Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists in der St. Martini-Kirche in Braunschweig.

Foto: Banner an der St. Martini-Kirche Braunschweig (Foto: Copyright. V.Hege)

Foto: Aufführungsstätte der Bachkantaten St. Martini-Kirche in Braunschweig (Foto: Copyright. V.Hege)

Veranstaltungsort: St. Martini-Kirche / Altstadtmarkt 38100 Braunschweig

Johann Sebastin Bach: Kantatenwerke zu Advent

Programm:

BWV 61 „Nun kommt der Heiden Heiland“ BWV 70 „Wachet! Betet! Betet! Wachet“ BWV 140 „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“

Ausführende:

The English Baroque Soloists; Monteverdi Choir; Sopran: Julia Doyle; Altus: William Towers
Tenor: Nicholas Mulroy; Bass: Matthew Brook; Oboe: Michael Niesemann; Horn: Gawin Edwards; Trompete: Neil Brough;

Leitung: Sir John Eliot Gardiner

Foto: Pausenapplaus nach 2 großartigen Bachkantaten in der St. Martini-Kirche Braunschweig (Foto: Copyright: V.Hege)

Foto: Sir John Eliot Gardiner nach dem gelungenen Auftaktkonzert am 15.12.2006 in der St. Martini-Kirche Braunschweig (Foto: Copyright V.Hege)

Foto: Der deutsche Oboist Prof. Michael Niesemann mit einer Glanzvorstellung (Foto: Copyright V.Hege)

Als ein fantastischer Auftakt von „Soli Deo Gloria, Feste Alter Musik“ konnte in der St. Martini-Kirche in Braunschweig diese Konzert bewundert werden. Durch eine glanzvolle Interpretation und einem engelhaften Gesang des Monteverdi Choirs und prächtigen barocken Klangfarben durch The English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir J.E. Gardiner – wurde mit herrlichen Advents-Kantaten von J.S. Bach – der Hörer mit traumhafter Musik beglückt.

Zu Beginn erklang die Kantate: BWV 61 „Nun kommt der Heiden Heiland“, die für den 1. Advent 1714 in Weimar entstand nach einem Text von Erdmann Neumeister. Die Ouvertüre als vierstimmiger Choralsatz “Nun komm der Heiden Heiland“ (Choral von Martin Luther) wurde stimmig prägnant durch sechs Sopranistinnen, sowie zu je vier Alt, Tenor und Bässen vortrefflich ausdrucksstark vorgetragen.

In dem Rezitativ und Arie für Tenor wurde durch Nicholas Mulroy – Solisten-Besetzung aus dem Vokalensemble – eine vortreffliche Wiedergabe geboten. Ausdrucksstark im Text und in seiner Stimme.

Ein Höhepunkt dieser Kantate im Bass-Rezitativ: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ Gesungen wird das Rezitativo von Matthew Brook (ebenfalls eine Solisten-Besetzung aus dem vorzüglichen Vokalensemble). Ausgestattet mit einem unwahrscheinlichen Timbre und Volumen an Stimmeskraft wusste er hier zu gefallen. Unvergleichlich schön gelang den Streichern das Pianozupfen als ein Klopfen mit dem Hinweis auf den Text: ….ich stehe vor der Tür und klopfe an.

Im Abschlusschoral: „Amen, amen“! Konnte das Vokalensemble seine stimmlich ausgebildeten Qualitäten überzeugend einbringen.

Anschließend erklang die zweiteilige Kantate: BWV 70 „Wachet! Betet! Betet! Wachet!“ Es ist eine Grundfassung der Weimarer Kantate für den 2. Advent, die in Leipzig am 21. November 1723 für den 26. Sonntag nach Trinitatis, umgearbeitet wurde. Der Text ist von Salomon Franck und handelt vom Ende der Welt und der Erwartung der Wiederkunft Christi.

Hier gelang dem Trompeter (Neil Brough) mit einer „Tromba da tirarsi“, einer tiefen Zugtrompete, eine künstlerische Glanzleistung. Ansatzlos und Einfühlsam im Cantus firmus erklingt sein beispielhaftes Spiel in dem Choral: „Es ist gewisslich an der Zeit“ und sich bei den Chorälen ideal mit der menschlichen Stimme im tonalen Verhalten einbringt. Ein begnadeter Trompetenkünstler mit Weltniveau.

In den Rezitativen und Arien dieser Kantate ist das Solistenquartett von erhebender Qualität aus den Reihen des Vokalensembles besetzt. Ob Sopran: (Julia Doyle), Altus: (William Towers), Tenor: (Nicholas Mulroy) und Bass: (Matthew Brook), überzeugen durch einen sensiblen und ausdrucksstarken Gesang. Die Choräle wurden wunderbar natürlich fließend in einem transparenten Gesangsstiel überzeugend vorgetragen, die in der Diktion und wörtlichen Ausdrucksform ein Genuss des Gesanges darstellt.

Foto: Die Gesangssolisten: Matthew Brook (Bass); Nicholas Mulroy (Tenor); William Towers (Altus); Julia Doyle (Sopran) (Copyright: V.Hege)

Nach einer Kurzpause wurde eine kleine Programmänderung in der Konzertabfolge vorgenommen. Für die vorgesehene Kantate BWV 140 „Wachet auf“ wurde die zweiteilige Kantate BWV 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“ vorgezogen.

Diese Kantate ist für das Fest Mariae Heimsuchung am 2. Juli 1723 in Leipzig komponiert. Bach verwendet Teile eines Textes von Salomon Franck, der ursprünglich für den 4. Advent gedacht war. Durch Hinzufügung eines unbekannten Autors wurde er dem Marienfest angepasst. Dieses Kantatenwerk ist aufgrund seiner Innigkeit an Klangfarben und wunderschönen Rezitativen und Arien – davon drei unterschiedlich instrumentierte Rezitative und vier Arien, die ersten drei geringstimmig, die vierte vollstimmig – ein Kleinod und erfreuen sich einer großen Publikumsgunst.

Hervorheben möchte ich hier die herrliche Sopran-Arie (Julia Doyle) des fünften Satzes: „Bereite dir, Jesu, nach itzo die Bahn“ Inniger und warmherziger kann ein Gesangsvortrag von diesem Format nicht erklingen, das Violinsolospiel dazu erfüllt das Herz mit einem überschäumenden Glücksgefühl. Zum Abschluss erklingt der Schlusschoral: „Jesus bleibet meine Freude“ in überschwänglicher Klangespracht. Bemerkenswert hierbei das prägnante und bezaubernde Oboenspiel (Prof. Michael Niesemann), das aufhorchen lässt, hier ist ein Spitzenspieler, von dem in Zukunft noch mehr zu hören sein wird.

Hier erweisen sich alle Beteiligten als die vorzüglichen Interpreten. Gardiner war auf einen nuancenreichen Ton bedacht immer wieder erzielt er raffinierte Klangeffekte. Die Ungereimtheiten so manch anderer Ensembles in der Aufführungsform der Alten Musik gelingt ihm im Gegensatz dazu vortrefflich. Seine Auffassung von bachscher Musik ist prägnant in seiner persönlichen Art und Wiedergabe. Sein Empfinden zu Bach strahlt Wärme und Glaubenszuversicht aus und lässt den Hörer diese Wesensart beeindruckend miterleben.

Der Schluss erfolgte mit der Kantate BWV 140 „Wachet auf ruft uns die Stimme“ diese komponierte Bach für den 27. Sonntag nach Trinitatis, den 25. November 1731 in Leipzig. Der unbekannte Textdichter behielt alle drei Strophen des berühmten Liedes von Philipp Nicolai bei, die Bach im Eingangschor, in der Choralbearbeitung für Streicher Tenor und Basso continuo in der Mitte sowie im Schlußchoral verwendet.

Im Duett zwischen Jesus (Baß) und der Seele (Sopran) setzt Bach als obligates Instrument einen Violino Piccolo (Terzgeige) ein, welche in himmlischen Höhen jubiliert. Diese Nuance wird von Bach in dem vierstimmigen schlichten Schlußchoral nochmals mit eingesetzt, ein Kunstgriff, durch die hohe Lage der Liedweise und die Oktavierung der Terzgeige untermauert er die Seligkeit im himmlischen Jerusalem musikalisch.

Eine Kantate die gespickt ist mit herrlichen und bekannten Chorälen. Eingangschoral: “Wachet auf ruft uns die Stimme“, im vierten Satz: „Zion hört die Wächter singen“, sowie der grandiose Schlusschoral: „Gloria sei dir gesungen.“ In diesen Chorälen findet die Sangeskunst ihre Darbietungskünstler in Form des Monteverdi Choirs. Die gesangliche Mitteilung, das Können der Wortartikulation lässt den Hörer nur staunen, dieses Vokalensemble, bestehend aus 18 Mitwirkenden erzielt mühelos alle Nuancen des Singen aufs Vortrefflichste, ob im Piano oder kraftvoll eingefordert wie im Abschlusschoral „Gloria sei dir gesungen“, für sie bestehen keine unüberwindbare Hürden, einfach perfekte Gesangskultur auf höchstem Niveau. Auf dem gleichen Level liegend ein spielendes Barockorchester in seiner unnachahmlichen Art die grandiose Barockmusik klanglich und vortrefflich interpretieren zu können.

Ein fantastischer Abend neigt sich dem Ende und entlässt die Besucher beglückend und beschwingt in die Weihnachtszeit. Nicht endend wollender Applaus beschließt ein Konzerterlebnis, dass von überragenden Mitwirkenden und einer genialen Musik gekennzeichnet war.

Volker

Archiv-Beitrag: Besuch der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein in der Frauenkirche Dresden am 22.06.2007 um 23:00 Uhr


Dresden, 22.06.2007 Volker

Besuch der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein in der Frauenkirche Dresden am 22.06.2007 um 23:00 Uhr

Foto: Frauenkirche Dresden (Fotorechte: V.Hege)

Mit großen Erwartungen und voller Vorfreude, eine wunderschöne Orgel-Nachtmusik bei Kerzenschein an der neuen Kern-Orgel in der großartigen Frauenkirche erleben zu können, lenkten wir unsere Schritte auf die uns zugewiesene Eingangstür. Nach einem längeren Aufstieg gelangten wir auf die erste Empore links, hier angekommen schnappten wir erst einmal nach Luft, so stickig und schwül war der kleine Raum.

Schnell wurde in das zuvor gekaufte Programmheft geschaut, um uns schlau zu machen, was denn für Orgelwerke an dem Konzertabend anstehend würden. Der erste Blick galt in dem Programmheft dem ausführenden Organisten, die Mine hellte sich auf, nichts Geringeres als der Dom-Organist aus Erfurt „Silvius von Kessel“ wurde angekündigt, ein Großer seiner Gilde, da schien der Abend schon einmal Verheißungsvolles anzukündigen.


Foto: Stimmungsbild von der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein

Weiterlesend verzog sich das Minenspiel mit Längen nach unten, angekündigt in den Programm-Zeilen wurden Texte und Musik – Gottesfragen – Menschenworte von „Annette von Droste Hülshoff“ mit Orgel-Improvisationen des ausführenden Organisten.

Der eingenommene Sitzplatz auf der 1. Empore links erwies sich schon als eine Zumutung, 9,80 € als Eintritt war ganz schön happig und dann das ständige Knattern der Holzbänke und des Fußbodens während der Lesung und Orgelmusik, keine Sicht in das Frauenkirchen-Mittelschiff, kippte unsere Stimmung ins Gegenteil um. Hier fühlten wir uns verschaukelt, unser Wunsch, ein tolles Orgelkonzert zu erleben, erwies sich als Trugschluss, wie groß war die Werbung auf eine Orgel-Nachtmusik bei Kerzenschein ausgerichtet, und dann wird man so in die Irre geleitet.

Foto: Beetstuben darüber die erste Empore

Die Lesungen, vorgetragen von Mitgliedern des Staatsschauspiels Dresden, waren allesamt sehr verständlich vorgetragen aber hatten eine Länge, die dem erschöpften Angereisten nur ein müdes Interesse hervorzulocken vermochten.

Nach insgesamt acht Themen Lesungen wurde dazwischen als Übergang zu der folgenden Lesung eine spezifische Orgel-Improvisation des Dom-Organisten zu dem vorangegangenen Thema zu Gehör gebracht.

Diese Orgel-Improvisationen waren so schrecklich für unsere barocken Ohren anzuhören, dass wir in Erwägung gezogen hatten, zur Halbzeit die Kirche zu verlassen. In Scharen verließen zuvor die angelockten Besucher die Frauenkirche, wir aber harrten aus, und erlebten weiter ermüdende Lesungen und nicht erträgliche Orgelmusik, diese Musik strapazierte nur unsere Ohren. Die Improvisationen an der Orgel dauerten zwar nur ca. 20 bis 25 Minuten, aber auch das war schon des Guten zuviel.

Foto: die Kern-Orgel der Frauenkirche in Dresden

Frustriert strebten wir dem Ausgang zu und waren von dem Gebotenen total enttäuscht, es erhebt sich die Frage, muss der Besucher so etwas angeboten bekommen, eine Programmgestaltung mit klassischer Orgel-Literatur wäre empfehlenswerter, hier sollten sich die Veranstalter der Orgel-Nacht einmal Gedanken darüber machen…..

Volker

Cantatafinder – Vokalsolisten


Hallo allerseits, es ist soweit: ab sofort kann im Cantatafinder nach Vokalsolisten gesucht werden, z. B.
sowas
Alex

Archiv-Beitrag: "Lutherische Messen" von J.S. Bach


23.4.2007 von Volker /admin.

Hallo,

wer besitzt diese herrliche Messen von J.S. Bach und kann nähres dazu sagen:

Johann Sebastian Bach:

Missa in g-Moll
“6. Cum Sancto Spiritu BWV 235″ (4:05)
Johann Sebastian Bach: Missa in F-Dur BWV 233
“1. Kyrie” (3:35)
Johann Sebastian Bach: Missa in F-Dur BWV 233
“2. Gloria” (4:57)
Johann Sebastian Bach: Missa in F-Dur BWV 233
“3. Domine Deus” (3:26)
Johann Sebastian Bach: Missa in F-Dur BWV 233
“4. Qui tollis” (4:59)
Johann Sebastian Bach: Missa in F-Dur BWV 233
“5. Quoniam” (3:50)
Johann Sebastian Bach: Missa in F-Dur BWV 233
“6.Cum Sancto Spiritu” (2:30)
———
Johann Sebastian Bach: Missa in A-Dur BWV 234
“1. Kyrie” (3:05)
Johann Sebastian Bach: Missa in A-Dur BWV 234
“Christe eleison” (1:54)
Johann Sebastian Bach: Missa in A-Dur BWV 234
“Kyrie II” (1:34)
Johann Sebastian Bach: Missa in A-Dur BWV 234
“2. Gloria” (5:22)
Johann Sebastian Bach: Missa in A-Dur BWV 234
“3. Domine Deus” (5:57)
Johann Sebastian Bach: Missa in A-Dur BWV 234
“4. Qui tollis peccata mundi” (6:42)
Johann Sebastian Bach: Missa in A-Dur BWV 234
“5. Quoniam tu solus” (3:49)
Johann Sebastian Bach: Missa in A-Dur BWV 234
“6. Cum Sancto Spiritu” (3:18)
———–

Johann Sebastian Bach: Missa in g-Moll BWV 235
“1. Kyrie” (7:29)
Johann Sebastian Bach: Missa in g-Moll BWV 235
“2. Gloria” (2:51)
Johann Sebastian Bach: Missa in g-Moll BWV 235
“3. Gratias” (3:18)
Johann Sebastian Bach: Missa in g-Moll BWV 235
“4. Domine Fili” (5:52)
Johann Sebastian Bach: Missa in g-Moll BWV 235
“5. Qui tollis” (4:13)
Johann Sebastian Bach: Missa in g-Moll
“6. Cum Sancto Spiritu BWV 235″ (4:05)
———-
Johann Sebastian Bach: Missa in G-Dur BWV 236
“1. Kyrie” (3:27)
Johann Sebastian Bach: Missa in G-Dur BWV 236
“2. Gloria” (4:48)
Johann Sebastian Bach: Missa in G-Dur BWV 236
“3. Gratias” (4:40)
Johann Sebastian Bach: Missa in G-Dur BWV 236
“4. Domine Deus” (4:39)
Johann Sebastian Bach: Missa in G-Dur BWV 236
“5. Quoniam ” (5:28)
Johann Sebastian Bach: Missa in G-Dur BWV 236
“6. Cum Sancto Spiritus” (3:50)

———————
Es handelt sich hier um “Lateinische Kurzmessen” von Bach, laut Martin Geck, in seiner Buchausgabe “Bach”, Seite 205, wie folgt:

“Einerseits ist es von Bach wohlüberlegt, daß er dem katholischen Fürsten keine Kantate, sondern eine aus Kyrie und Gloria bestehende Kurzmesse widmet.” (Für den Dresdener Hof, Kompositionen um 1733,1738, 1739).

Es sind fantastische Kurzmessen von Bach, die meiner Meinung nach viel zu wenig gespielt werden !!

Eine Neuausgabe mit 2 CD’s erfolgt von Junghänel im Mai 2007 bei jpc.

Gruß

Volker

Archiv-Beitrag: Cantus Cölln Konrad Junghänel; J.S. Bach; Messen BWV 233-236


Hallo,

zu dem Thema: J.S. Bach, ”Lutherische Messen” passt auch diese Neuveröffentlichung ab 15. Mai 2007, die “ bei jpc “ erworben werden kann.

J.S. Bach: Messen BWV 233-236
Cantus Cölln, Konrad Junghänel
2 CD’s 29,99 Euro bei j p c
————————————
Ein anerkannt homogenes Spitzenensemble für “Alte Musik”, verspricht mit dieser Neuveröffentlichung eine Einspielung, die den hohen selbstgestellten Ansprüchen mehr als gerecht werden wird. Darauf bin ich einmal gespannt und freue mich auf diese Einspielung.
Gruß

Volker

Archiv-Beitrag: DVD; Leitung: Sigiswald Kuijken / C.P.E. Bach: Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu,


Hallo,

eine neue Einspielung auf DVD von C.P.E. Bach (1714-1788) und J.S. Bach (1685-1750)
die Himmelfahrtsoratorien:

C.P.E. Bach: Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, Wq 240
J.S. Bach: Lobet Gott in seinen Reichen, BWV 11

aufgenommen zum Bachjahr 2004 in der Nicolaikirche in Leipzig.

“Die Vorfeude auf das Bachfest Leipzig 2007 und Gardiner wächst von Tag zu Tag !”

Erwähnenswert die Brüder: bekannt aus der SDG-Reihe: Christoph Genz / Tenor und sein Bruder als Bass-Bariton: Stephan Genz, der einen vorzüglichen Gesangs-Part liefert.

Stephan Genz, Bass-Bariton; Bruder von Christoph Genz

DVD zu beziehen bei j p c 22,99 €

es sind Filmausschnitte/Videotrailer von j p c

einsehbar, die Bildqualität ist im Original top in dieser Version nicht sehr berauschend!

Ausführende:

Sophie Karthäuser, Sopran
Patrizia Hardt, Alt
Christoph Genz, Tenor
Christoph Einhorn, Tenor
Stephan Genz, Bass
Jan van der Crabben, Bass-Bariton
Ex Tempore / La Petite Bande
Leitung: Sigiswald Kuijken

Ein absoluter Hör- und Sehgenuss der Vergleich der Himmelsfahrtsoratorien vom Vater: J.S. Bach und seinem Sohn: Carl Philipp Emanuel Bach.

1735 komponierte J.S. Bach das Himmelfahrtsoratorium das aber wegen der Kürze 1852 in der Gesamtausgabe der Bach-Gesellschaft unter dem Titel “Lobet Gott in seinen Reichen” als Kantate Nr.11 veröffentlicht wurde.
Doch Bach hatte gute Gründe, sein Stück als Oratorium zu bezeichnen, folgt es doch der Tradition des deutschen Oratoriums, wie sie Heinrich Schütz begründet hatte.

Knapp vierzig Jahre liegen zwischen dem Himmelfahrtsoratorium von Vater Bach und der
“Auferstehung und Himmelfahrt Jesu” vom Sohn C.P.E. Bach komponiert und am Ostersamstag 1774 ihre Erstaufführung im Konzertsaal erlebte.
1767 hatte C.P.E. Bach die Nachfolge seines Paten Georg Philipp Telemanns als Musikdirektor in Hamburg angetreten, nachdem er 25 Dienstjahre zuvor als Kammercembalist des preußischen Königs Friedrich II tätig gewesen war.
Im liberaleren Klima Hamburgs konnte er sich freier entwickeln und zu einem der führenden Komponisten in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts werden. Man sprach zu der damaligen Zeit in erster Linie von den “Berliner” bzw. “Hamburger” Bach, der Thomaskantor J.S. Bach war nicht mehr zeitgemäss und geriet zusehends in Vergessenheit.

Von seinem Oratorium “Auferstehung und Himmelfahrt Jesu” hatte Carl Pilipp Emanuel Bach selbst eine hohe Meinung; er rechnete das Werk zu seinen am stärksten gearbeiteten Stücken und war fest davon überzeugt, dass es ihm auch nach seinem Tode noch Ruhm bescheren würde.

Eine Hörprobe C.P.E. Bach aus dem 2. Satz und Anfang des 3. Satzes (3 Min.) mit dem Bass-Bariton “Stephan Genz.”

Ein Vergleich der beiden Oratorien vom Vater und Sohn macht die fundamentalen Veränderungen deutlich, die diese Gattung in den vierzig Jahren zwischen der Entstehung der beiden Werke durchgemacht hatte.
C.P.E. Bach verwendete einen Text von Karl Wilhelm Ramler aus dem Jahre 1760, der damals ein hohes Ansehen genoss und bereits von Telemann und Graun vertont worden war.
Anzeichen der musikalischen Entwicklung in das 19. Jahrhundert sind in diesem Werk von C.P.E. Bach heraushörbar.

Demgegenüber gestellt die barocke Klangpracht und virtousität der Gesangssolisten des Himmelfahrtsoratoriums seines Vaters.
Ein absoluter Genuss, diesen Vergleich einmal in einer Aufführung anstellen zu können, der immens einen begeistern kann, hier die verschiedenartige Kompositionen vergleichen und hören zu können.
Von der Innigkeit und zu Herzen gehenden Musik bin ich immer noch auf der Seite des Vaters……

Diese DVD kann ich nur wärmstens empfehlen bei diesen großartigen Gesangssolisten, dem Chor: Ex Tempore und dem Barockorchester: La Petite Bande, unter dem gekonnten Dirigat und der Interpretation von Sigiswald Kuijken.
Leider etwas schwächelnd in dem Osteroratorium von C.P.E. Bach die barocken Trompeten, wo die saubere Intonation zu kurz kommt, und kleine Unreinheiten im Barockorchester leider heraushörbar.

Hier ist wieder einmal unerreicht zu benennen ein J.E. Gardiner mit seinem – Monteverdi-Choir und seinen The English Baroque Soloists – aus heutiger Sicht anzusehen.

Trotz kleiner Schwächen, wie oben erwähnt, ein absoluter Hör- und Sehgenuss aufgrund der Interpretation und der barocken Klangpracht sowie seiner hervorragenden Wiedergabe, unbedingt als eine Spitzeneinspielung anzusehen.
Wo bleiben die deutschen Interpreten mit ihren Orchestern und Sängern, meiner Ansicht nach nur noch 2. Wahl, das Ausland hat uns leider den Rang abgelaufen……

Grüße

Volker

Archiv-Beitrag: Adventskantaten am 16.Dezember 2006 in der Paulskirche zu Frankfurt


18.1.2007 von Martin.

Beitrag von Martin | Verfasst am Jan 18, 9:55 AM

Adventskantaten am am 16.Dezember 2006 in der Paulskirche zu Frankfurt.

 

Programm: 

BWV 70 Wachet, betet, wachet!
BWV 147 Herz und Mund und Tat und Leben
BWV 61 Nun komm der Heiden Heiland
BWV 140 Wachet auf ruft uns die Stimme


Aufführende:
Monteverdi Choir
Sopran
Miriam Allen
Donna Deam
Julia Doyle (auch Solistin)
Kirsty Hopkins
Cecilia Osmond
Belinda Yates 

Alt (Countertenor)
Peter Crawford
William Missin
William Towers (auch Solist)
Richard Wyn Roberts

Tenor
Stephen Jeffes
Nicholas Mulroy (auch Solist)
Paul Tindall
William Unwin

Bass
Matthew G. Brook (auch Solist)
Julian Clarkson
Samuel Evans
Lawrence Wallington
The English Baroque Solists:

Erste Violinen:
Maya Homburger (Konzertmeisterin und auch Violine piccolo) Nicolette Moonen (auch Viola)
Anne Schumann
Sarah Bealby- Wright

Zweite Violinen:
Roy Mowatt
Sophie Barber
Jane Gillie
Hildburg Williams

Violas:
Lisa Cochrane
Tom Dunn
Rosemary Nalden

Celli:
David Watkin
Ruth Alford
Kontrabass:
Valerie Botwright

Oboe:
Michael Niesemann (auch Oboe d´amore)
Molly Marsh (auch Oboe da caccia)
Mark Baigent (auch Oboe da caccia)

Fagott: Jane Gower
Horn: Gavin Edwards

Trompete und romba da tirarsi (Zugtrompete): Neil Brough

Orgel: Silas Standage Cembalo: Howard Moody

Leitung: Sir John Eliot Gardiner


Die Akustik

Bereits beim Betreten des Innenraums der geschichtsträchtigen Paulskirche kamen Zweifel auf, ob die Akustik wohl einigermaßen akzeptabel sein würde.
Als dann kurz nach 20Uhr die Instrumente gestimmt wurden (wie immer bei den EBS kein großes Durcheinander, sondern dezente Einstimmung zu Orgel-Akkorden) war klar, dass der Abend nicht halten würde, was wir uns davon versprochen hatten: Das sonst so schön klingende Orgelpositiv dröhnte bei tiefen Tönen regelrecht und im Publikum ging ein erstes Raunen um. Es war auch absolut nicht die geringste Spur von Hall vorhanden. Sänger und Spieler hatten während des gesamten Konzerts allergrößte Mühe, die Töne in den Raum zu bringen. Es ist wohl nur ihres besonderen Könnens zu verdanken, dass das Konzert nicht ein totaler Reinfall wurde.
Die Kommentare von Künstlern und Dirigent zur Akustik des Raumes reichten nach dem Konzert denn auch von „tricky“ über „terrible“ bis „schei..“.

Die Ensembles

Wie gewohnt waren beide Ensembles in Topform und sichtbar hochmotiviert, aus der miserablen und für sie unwürdigen Situation das Allerbeste heraus zu holen, was zum Ergebnis führte, dass man den Abend mit geminderten Erwartungen an Klang und Atmosphäre letztlich als eingefleischter Gardiner- und MVCO- / EBS-Fan doch ein wenig genießen konnte.

Die Präzision und Detailverliebtheit dieser hervorragenden Musiker sind bestechend und immer wieder erfrischend. Michael Niesemann und Neil Brough wechselten mehrere Male ihre Sitz- bzw Stehplätze im Orchester. Im Eingangschor von BWV 70 gaben sie sich ein Echo von rechts außen nach links außen und umgekehrt. Bei BWV 140 stand Gavin Edwards mit seinem im Trichter bunt beklebten Horn neben den Countertenören außen beim Chor. Wie schon bei vorigen Konzerten zu beobachten war, scheint Gardiner ein Klangbild im Kopf zu haben, dass so präzise ist, dass er die Musiker während dem Konzert gerne quer durch den Raum schickt, um sie bei ihren Einsätzen genau da zu haben, wo sie einen Tick besser klingen, als woanders.
Zum Continuo fällt einem nichts ein, was verbesserungswürdig wäre.


Foto: Cembalo Baroque Soloists

Zwar teilen die meisten anderen Dirigenten leider nicht Gardiners Auffassung, das ein Cembalo benutzt werden sollte. Es passt aber abolut ins Klangbild der EBS und wird schön dezent gespielt (nicht wie bei Masaaki Suzuki, wo es oft das restliche Orchester übertönt). Statt der vielfach in anderen Ensembles benutzten Truhenorgeln mit meistens nur zwei Registern hat Silas Standage die Auswahl zwischen Principal 8´,Gedackt 8´, Oktave 4´, Rohrflöte 4´, Superoktave 2´, Sifflöte 1´ und Quinte 1 1/3´, was dem Basso Continuo und dem Orchester an sich mehr Möglichkeiten gibt, Akzente zu setzen. Die Orgel wurde von Robin Jennings extra für die Bach Cantata Pilgrimage hergestellt und war seitdem bei allen Konzerten (außer denen in New York) dabei.

Foto: Jennings-Orgelpositiv English Baroque Soloists

Die Solisten Julia Doyle sang absolut brilliant. Sie verfügt über eine schöne, kristallklare Stimme und ist mit Sicherheit die Beste der in den letzten Jahren von Gardiner ausprobierten Sopranistinnen (von K. Fuge und J. Lunn abgesehen). Ihr gesungenes Deutsch ist akzentfrei. Darüber hinaus ist sie auch nett anzuschauen:-)
William Towers gehörte ja schon vor der Bach Cantata Pilgrimage zum harten Kern der immer wieder gebuchten Monteverdi Choir- Sänger und war oft als Solist zu hören. Diesmal hat mich gewundert, dass er seine Stimme viel schwingen ließ. Das sei aber ohne jede Wertung geschrieben. Von den Countertenören, die im Barock- Fach unterwegs sind, ist er momentan einer der Besten. Auch sein Deutsch ist akzentfrei. Trotzdem würde ich gerne mal wieder Clare Wilkinson hören…und sehen:-)

Nicholas Mulroy hat eine sehr schön und voll klingende Stimme. Er sang präzise und mit leicht britischem Akzent.
Matthew Brook ist bereits zum mehrfachen Mal mit Gardiner auf Tour (u.a. vorher mit der Matthäuspassion) und ist ein allgemein vielgebuchter Solist. Nach meiner persönlichen Meinung kommt er bei weitem nicht an die Stimmen und den Ausdruck von z.B. Peter Harvey oder Dietrich Henschel heran und singt auch mit hörbarem britischem Akzent.

Sir John Eliot Gardiner

Es ist schlicht überirdisch und alle Grammys dieser Welt wert, was dieser Mann an Einfühlungsvermögen für Bach´s Musik besitzt. Das Dirigat ist typisch mit vielen liegenden Achten und energisch ausgetreckten Zeigefingern in Richtung der einsetzenden Stimmen oder Instrumentengruppen.
Mal ruhig mit kaum wahrnehmbaren Bewegungen (BWV 61 / Rezitativ „Siehe, siehe“), mal von energischem Zittern durchfahren (BWV 70 / 10 „Seligster Erquickungstag“ ab Takt 26 „Schalle, knalle, letzter Schlag!“) zeigt er die Musik so an, wie sie nicht besser klingen kann. Dabei findet er von Aufführung zu Aufführung immer wieder andere Wege, die Musik neu erscheinen zu lassen. So lässt er das Rezitativ „Der Heiland ist gekommen“ in BWV 61 nicht, wie in der Partitur angegeben (und in der DG Aufnahme praktiziert) vom Tenor, sondern abwechselnd von Tenor und Bass vortragen.
Gardiner schien absolut entspannt und gut gelaunt. Man hatte das Gefühl, dass er sich bei Bach sehr zuhause fühlt. Nach der einjährigen Cantata Pilgrimage auch kein Wunder…

Beobachtungen am Rande

Nach der ersten Kantate BWV 70 stimmte das Orchester die Instrumente, war fertig zur nächsten Kantate, als sich plötzlich Gardiner zum Publikum umdrehte und sagte: „Kleine Programmänderung. Wir spielen jetzt Herz und Mund und Tat und Leben, danach kommt äh, äh, Nun komm der Heiden Heiland.“ Noch quasi in der Umdrehbewegung zu Chor und Orchester gibt er den Auftakt und es ging los.
Schön zu sehen, wie Organist Silas Standage bei den Chorälen lauthals mitzusingen schien.

Als bei BWV 140 / „Mein Freund ist mein“ hinter dem Chor eine Tür vermutlich vom Wind langsam immer weiter aufgemacht wurde, um kurz später mit lautem Knall zuzuschlagen, grinsten Dirigent und Aufführende breit. Das erinnerte mich an das Konzert während der Cantata Pilgrimage in Neviges, wo während dem zusätzlich musizierten Violinen-Doppelkonzert BWV 1043 die Kirchenglocke laut ertönte und hörbar nicht auf den selben Ton gestimmt war…

Nach dem Konzert hatte ich Gelegenheit, mit einigen der Chor- und Orchestermitglieder und auch mit Gardiner ein paar Worte zu tauschen. Wie schon oben erwähnt war man sehr unzufrieden mit der Akustik. Es wäre aber einen Versuch wert gewesen und man wird das Konzert unter „Erfahrung gesammelt“ abhaken. Weiterhin waren alle sehr überrascht über das ruhige und wenig applaudierende Publikum. Wie auch schon nach Aufführungen der Johannes- und Matthäuspassion in Frankfurt erlebt, ließen es sich etliche Banausen (auch in den ersten Reihen) nicht nehmen, direkt nach Einsetzen des Schlussapplauses aufzustehen und rauszugehen, um ja nicht im Abfahrt- Stau stehen zu müssen oder warum auch immer.

Gruß
Martin

Archiv-Beitrag: Sir John Eliot Gardiner” begeistert mit seinem Mozart-Programm in Weimar, 26.08.2006


20.2.2007 von Volker /admin.

Hallo,

hier berichte ich über mein Konzerterlebnis aus der Weimarhalle, Weimar, am 26. August 2006, mit dem Mozartprogramm zum Mozartjahr von Gardiner und English Baroque Soloists.

“Sir John Eliot Gardiner” begeistert Weimar mit seinem Mozart-Programm!

Nach einem ereignisreichen Vortag in Weimar mit Besichtigungen der wichtigsten Museen und Kirchen, Bachdenkmal, Schloss, das Wohnhaus von Bach während seiner Weimarer Zeit, dass leider nur noch durch eine Gedenktafel darauf hinweist – und mit viel Regen – gab es für uns dann den krönenden Abschluss mit dem Mozart-Konzert in der Weimarhalle.

Vormittags stand noch ein Besuch der Bachstätte in Naumburg in der St. Wenzelskirche mit der grandiosen Hildebrand-Orgel auf dem Programm. Mit dem Orgelkonzert “Orgelpunkt um 12″ wurden wir grandios auf den kommenden Abend eingestimmt. Diese Orgel wurde von Bach in der Gegenwart von Silbermann persönlich abgenommen, dort trafen sie nur einmal in ihrem Leben zusammen. Eine wunderbare Altstadt besitzt Naumburg mit dem Naumburger Dom und den Stifter-Figuren. Der Marktplatz und die Altstadt war von einem Markttreffen mit Buden und Musikanten nur so gefüllt, wir fühlten uns in das Mittelalter zurückversetzt, so bunt und schön war das Treiben anzusehen.

In Weimar wieder angekommen stärkten wir uns vor dem Konzert ein wenig mit einem kleinen Imbiss und lernten einen weiteren Besucher aus Wien kennen, der sämtliche Strapazen auf sich genommen hatte, um Gardiners Konzert in Weimar besuchen zu können.

Foto: Weimar-Konzerthalle (Weimarhalle)

Als ein Universalgenie eines Dirigenten entpuppte sich mit seinem Mozart-Programm wiederum Sir John Eliot Gardiner in Weimar.

Mozart-Programm:

Konzert für Klavier und Orchester, C-Dur, KV 503

Arie für Sopran und Orchester, KV 583 (Vado, ma dove? Oh Die)

Solistin: Mezzosopran: Bernarda Fink

Konzert für Klavier, Violine und Orchester, D-Dur, KV Anh.56 (= KV 315f) – Allegro (Von Robert Levin, 1968 ergänztes Fragment des ersten Satzes)

Solisten: 1. Violine: Kati Debretzeni; Klavier: Robert Levin

Rezitativ und Arie (Rondo) für Sopran, obligates Klavier und Orchester, KV 505

(Ch’io mi scordi di te?; Non temer, amato bene)

Solistin: Mezzosopran: Bernarda Fink

Sinfonie C-Dur, KV 425; Linzer

Sonstige Ausführende: The English Baroque Soloists, Leitung Sir John Eliot Gardiner

Heftig zupackend; in seinem bekannten Stil erfischend und in einem anmutenden Tempi überzeugte Gardiner mit seinem Dirigat und seiner Werkswiedergabe. Aufgrund einer sehr hohen Saalwärme erklangen die Barockinstrumente zum Teil in sehr schrillen Klangnuancen und im Einzelsolo bisweilen ein wenig verstimmt. Dies tat dem Programm aber keinen Abbruch, zumal das Orchester und die Solisten voll zu überzeugen wussten.

Foto: Dirigent Gardiner und Solisten, links vorne: 1. Violine: Kati Debretzeni

Als ein wahrer Tastenlöwe entpuppte sich in den Klavierkonzerten, KV 503 und KV 315 f, Robert Levin zu jener Zeit am zeitgemäßen Tafelflügel als ein wahrer Klaviervirtuose ersten Ranges. Sein ständiges Lächeln zeigte seine Freude am Klavierspiel und der Musik von Mozart. Er war der Star des Abends und präsentierte Klaviermusik vom anderen Stern, die Besucher waren so entzückt dass sie trommelten und pfiffen dass es eine wahre Freude war. Nur durch eine Zugabe konnte er sich dem frenetischen Beifall danach entziehen.

Foto: Gardiner und Robert Levin (Foto: TLZ)

Foto: Am Englischen Tafel-Klavier (Hammer-Klavier) spielte Robert Levin, Mozart

Als eine ebenbürtige Partnerin im Solo-Violinspiel überzeugte die Konzertmeisterin Kati Debretzeni von den Baroque Soloists mit beherzt schwingendem Geigenton in einer beseeligenden Heiterkeit.

Die Arien “”Vado, ma dove? Oh Dei!”“ KV 583 und “”Ch´io mi scordi di te?”“ KV 505; gesungen von Bernarda Fink, wurde überzeugend schwerelos bewältigt. Ihr Mezzosopran, die melodischen und rezitativischen Elemente und gesangliche Feinheit in allen Lagen ihrer Stimme versetzten den Hörer in eine musikalische andere Welt.

Als krönender Abschluss erklang die Sinfonie C-Dur KV 425 „Linzer“.

Hier erwiesen sich die in der Pause gestimmten historischen Instrumente – Violoncelli, Holzflöten, Naturhörner etc. – als eine wahrhaftig stimmige und werksgetreue Mozart-Wiedergabe als ein Idealfall. Der barocke Klang, die beseelende und betörende musikalische Strahlkraft die von dem Orchester ausgeht macht einen sprachlos und entsprach wieder genau dem Klangerlebnis, worauf wir gehofft hatten, sie sind einfach die Meister ihres Faches und können wirklich von keinem anderen Orchester noch getoppt werden.

Das Ohr hörte Musik von Mozart, dass den Hörer um 230 Jahre zurückversetzte so fantastisch versteht es Gardiner, dem Hörer eine Klangwelt dieser Epoche entsprechend musiklisch und klanglich vorzuführen. Ein grandioses Finale des Orchesters beinhaltete ein vollends aus dem Häuschen geratendes Publikum, Gardiners Schwung riss alle Mitwirkenden und Besucher in einen Trancezustand, die Konzerthalle bebte nach dem Schlussakkord, welches mit Standing Ovation und einem nicht endend wollenden tosenden Schlussapplaus die Darbietenden in einen beglückenden Abend entließ.

Grüsse

Volker

Archiv-Beitrag: Matthäuspassion in Frankfurt März 2005


11.3.2007 von Martin.

Hallo zusammen,

nachdem ich in letzter Zeit sehr ruhig gewesen bin, hier mein Bericht von der Matthäuspassion 2005:

Die Matthäuspassionstour im Frühjahr 2005 beinhaltete folgende Konzerte:
Stiftskirche (Kaiserdom), Königslutter
Alte Oper, Frankfurt,
Cadogan Hall, London
Madrid, Spanien und
Valencia, Spanien.

Aufgeführt wurde die Matthäuspassion in der Version von 1736.

Ich habe die Konzerte in Königslutter und Frankfurt besucht.

Foto: Alte Oper Frankfurt (Foto: Alte Oper)

Die Entscheidung, nach Königslutter zu fahren, fiel erst am selben Tag, weil wir zufällig in der Gegend waren und spontan noch diesen Extra- Trip unternahmen. Die Tickets für Frankfurt waren dagegen schon seit Monaten gebucht.

Die Sitzplätze in Königslutter waren dann auch im Seitenschiff, von dem aus man so gut wie nichts sehen konnte. Einige meiner Sitznachbarn sind dann aufgestanden und zur nächsten Säule gegangen. Nach dem Eingangschor habe ich das auch gemacht und hatte einen ganz guten Seitenblick auf die Bühne.

Begeisternd fand ich die feierliche Atmosphäre vor dem Konzert. Die ganze Gegend schien auf den Beinen zu sein und man hatte im Gegensatz zum hektischen und reizüberfluteten Frankfurt wirklich das Gefühl, dass sich alle 1200 Menschen im Dom bewusst sind, was das Großes ansteht. In Königslutter waren sogar Banner über den Strassen aufgehängt, die auf das Ereignis hindeuteten.
Die Bühne stand in der Mitte der Kirche und quer zum Kirchenschiff, was die Akustik nicht gerade besser werden ließ. Dennoch war sie beeindruckend.

Die Idee mit der Bühne stammte wohl von Gardiner selbst, weil er mehr Menschen ermöglichen wollte, nah an der Bühne zu sitzen. Allerdings gab es in der Pause auch etliche, die sich beschwerten, dass sie teilweise 80Euro bezahlt hatten und nun eine Säule direkt vor der Nase hatten.

Da war ich mit meinem 14 Euro Ticket und Seh- Stehplatz besser dran…

Die Aufführung selbst war wirklich etwas besonderes und sehr stimmungsintensiv.

Bereits beim Eingangschor merkte man, dass Gardiner nicht mehr so durch die Partitur rast, wie auf der Aufnahme von Deutsche Grammophon. Vielmehr legte er deutlich Wert auf gefühlvollen Ausdruck beider Ensembles.

Die beiden Chöre waren durch die bereits von der BCP bekannten schönen Jennings- Orgel (hervorragend von Silas Standage gespielt) getrennt. Sie gehörte auch zum Basso Continuo von Orchester I, welches von Maya Homburger geführt wurde. Leaderin im Orchester II war Kati Debretzeni. Im Orchester II wurde die Continuo- Orgel (und gleichzeitig das Cembalo!) von Howard Moody betastet.

Beide Orchester hatten zusammen 34 Spieler.

Es ist schwer, jemanden als besonderes Glanzlicht herausszustellen. Es waren einfach so viele Highlights.
Angefangen bei dem fantastisch auftretenden Mark Padmore, der für die Rolle des Evangelisten einfach der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
Wie zwei Jahre zuvor bei der Johannespassion (die ich auch in der Alten Oper erleben durfte), nahm er sich Zeit und sang seine Partien klangschön und ausdrucksstark.
Andere Highlights waren Elin Manahan Thomas mit ihrem kristallklaren Sopran und Clare Wilkinson, deren Stimme und leidenschaftlicher Ausdruck einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.
Zu Katharine Fuge braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen. Sie hat in den Einspielungen der BCP bewiesen, dass sie das richtige Gespür für Bach hat und hervorragend in die Aufführungen Gardiners passt.
Dietrich Henschel schien sich seine Rolle als Christus auch enorm verinnerlicht zu haben. Es war bewegend, wie er die Traurigkeit Christus´ vor dem nahenden Tod in Worte und Töne verpackt hat. Im Publikum saßen Etliche, die sich Tränen aus den Augen wischen mussten. Und auch Gardiner schien an einigen Stellen sehr ergriffen zu sein und schüttelte kaum merklich den Kopf, wie auch einige Orchestermitglieder.

Neben den “Alten Hasen” im Monteverdi Choir wie Suzanne Flowers, Donna Deam und Julian Clarkson hatte Gardiner für die Tour auch etliche junge Sänger mitgenommen von denen ich zum ersten Mal hörte.
Teils traten sie auch als Solisten auf. Ich habe gehört, dass Gardiner von Aufführung zu Aufführung entschieden hat, wer welchen Part singt. So wurden die zwei Arien, die in Königslutter von Andrew Staples gesungen wurde, einen Tag später in Frankfurt von Mark Padmore gesungen.

Foto: Innenraum “Alte Oper” (Foto: Alte Oper)

Die gesamte Auffühung unterschied sich stark von Gardiners DG- Einspielung von 1988.
Dieses Mal hatte man einfach das Gefühl, dass Gardiner und auch seine Ensembles nicht nur “einfach” technisch perfekt die Noten runterspielen und singen können, sondern deutlich näher zu Bach gefunden haben. Kein Wunder, nach der Bach Cantata Pilgrimage, die wohl alle Beteiligten nachhaltig musikalisch geprägt hat. Besonders die Choräle klangen viel sanfter und nicht so laut und gehetzt wie in der Aufnahme.

Gardiner setzte aber auch auf Effekte und es gab (positive) Schockmomente. Nach der lang wirkenden und sehr ruhigen Arie 49 “Aus Liebe will mein Heiland sterben” sprang Mark Padmore regelrecht auf (und hinter ihm die beiden Chöre) und rief laut und machtvoll “Sie schriiiien aber noch mehr und sprachen..!” und im selben Moment setzte der Chor fantastisch mächtig mit “Lasst ihn kreuzigen!!” ein. Es gibt nicht die richtigen Worte, um solche Momente in dieser Aufführung zu beschreiben. Vereinzelt hatte man gesehen, dass einige Köpfe im Publikum bei der Arie nach unten sanken. Der Einsatz war quasi der ultimative Wecker und alle schreckten nach oben.

Als der letzte sanfte Ton verklungen war und Gardiner die Hände sehr langsam sinken ließ, gab es für ungefähr eine Minute (gefühlte 10 Minuten) nicht einen einzigen Laut aus dem Publikum (ca 2000 Menschen). Absolute Ruhe!! Niemand hustete, niemand räusperte sich. Nach dieser ergreifenden Stille setzte erst zaghaft, dann aber mächtig Applaus ein, der in Standing Ovations fortgeführt wurde.
In einem Interview sagte Gardiner einmal, dass es sein Ziel ist, zu erreichen, dass die Menschem im Publikum in dem Moment der Aufführung glauben. Nach diesem Ereignis kann ich nur sagen: Ziel erfüllt! Danke!
Schöne Grüße,

Martin<

Archiv-Beitrag: LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE am 29.8.2004 / Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach


22.1.2007 von Volker /admin.

29.8.2004 Ludwigsburg, Gardiner mit der Messe h-Moll, von J.S. Bach

Nach Martins inhaltsreichen Bericht vom Gardiner-Konzert aus Ludwigsburg habe ich meine alte Rezension gefunden und stelle sie hier im Blog vollständigkeitshalber ebenfalls rein.

Foto: Gardiner im Forum Ludwigsburg am 29.8.2004

Rezension:

Mit meiner Frau saß ich in der ersten Reihe, Mitte, was meinem Gesamtvergnügen ein wenig abträglich war, da nach einer gewissen Zeit eine Genickstarre eintrat durch das ständige Hochsehen auf die Bühne, man sah immer auf die Schuhe des großen Meisters und musste den Kopf immer weiter nach oben anheben, um das ganze Geschehen auf der Bühne richtig mitzubekommen, die Sicht entsprach einem Kellerblick, leider.

Ich hatte nicht meine Partitur dabei, sonst hätte ich genau sagen können, was Gardiner aus der H-Moll-Messe ausgelassen hat, denn die Veranstaltung war nach ca. 80 Minuten beendet, wo das Werk üblicherweise eine Dauer von ca. 130 Minuten besitzt !?!. Hier kann Martin wahrscheinlich nähere Angaben zu geben!

Aber der Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter Sir John Eliot Gardiner musizierten im Forum am 29.8.2004 im Schlosspark in Ludwigsburg aufs Feinste, wer das Glück hatte, sich am Sonntagabend im Theatersaal im Forum am Schlosspark eingefunden zu haben, dürfte einer Aufführung beiwohnen die das Prädikat „Extraklasse“ verdient hat.

Die hohe Messe in h-Moll gehört zu den bedeutendsten Werken der Musikgeschichte überhaupt. Bach arbeitete die letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens, von 1733 bis 1749, an dem Werk. Das etwa 130-minütige Werk umfasst auch die besten Chöre und Arien aus Bachs früheren Kantaten.
Ursprünglich schrieb Bach 1733 eine Messe, die nur das Kyrie und das Gloria des lateinischen Messetextes umfasste. Die Komposition reichte Bach beim katholischen Dresdner Hof ein, mit der Bitte um Verleihung des Titels “Hof-Compositeur”, der ihm 1736 gewährt wurde. Er vervollständigte die Messe dann mit dem bereits 1724 entstandenem Sanctus und fügte Agnus Dei und Credo später hinzu. Eine Gesamtaufführung des Werkes erlebte Bach nicht mehr – erst 1834 – Bach ist bereits seit 84 Jahren tot – wird die Messe in Berlin aufgeführt.

Kaum jemand wäre besser für die musikalische Präsentation der h-Moll Messe geeignet, als Sir Eliot Gardiner und seine englischen Musiker. Der “Monteverdi Choir” und die “English Baroque Soloists” sind seit ihren Gründungen für bahnbrechende Aufführungen Alter Musik bekannt und international geschätzt.

Durch und durch klar und deutlich fährt Gardiner mit den beiden von ihm gegründeten Ensembles die Linien des Werks nach. Verzweigungen, Verästelungen und parallele Stränge verdichten sich zu einem filigranen Gefüge.

Die English Baroque Soloists, die aus dem von Gardiner 1968 gegründeten Monteverdi Orchestra hervorgegangen ist, spielen auf historischen Instrumenten. Seinem Bestreben folgend erzeugen die Instrumentalisten zusammen mit dem auffallend kleinen Chor einen weich fließenden Klangkörper, ohne Ecken und Kanten. Extreme Dynamik oder gar Brüche werden nicht zugelassen. Selbst die Übergänge zwischen den einzelnen Nummern sind so kurz gehalten, dass sie fast ineinander fließen.

Die einzelnen Stimmen des zwanzigköpfigen Chors, aus dem auch die Solisten nach und nach für die Soloparts hervortreten, sind einheitlich in ihrer Färbung, präzise und schlank in der Stimmführung.
Doch wird der manchmal allzu stetige Fluss unterbrochen von den allesamt hervorragenden Solisten sowohl auf Seiten der Instrumentalisten als auch der Sänger. Während die Traversflöte (Rachel Beckett) und die Oboi d”amore (Michael Niesemann, Molly Marsh) der menschlichen Stimme schmeicheln ohne mit ihr zu konkurrieren, liefert sich die Erste Violine (Alison Bury) einen wahren Verzierungswettstreit mit Sopranistin Angharad Gruffydd Jones. Fein ausgewogen auch das Naturhorn (Susan Dent) mit Michael Bundy (Bass).

Gardiner dirigiert ohne Dirigierstock und führt seine bestens aufeinander eingespielten Musiker mit zurückgenommener Gestik. Trotzdem wird der Ton klar und konturierter, ohne dabei jenen überirdischen Atem zu verlieren, den Gardiner der Musik einzuhauchen vermag.
Ein phänomenaler Bach-Interpret der Neuzeit mit einer fantastischen Sängerschar und seinem vortrefflichen Barockorchester überzeugte wiederum mit einer Gala-Interpretation bachscher Musik.
Das Publikum dankte allen Beteiligten für eine überzeugende Darbietung mit einem lang anhaltenden Applaus.

Volker

Archiv-Beitrag: Bericht über die Matthäus-Passion von J.S. Bach am 6. März 2005 im Kaiserdom in Königslutter.


6.2.2007 von Volker /admin.

Hallo,

hier möchte ich über meinen Besuch der Matthäus-Passion (J.S. Bach); von Gardiner am 6. März 2005 im Kaiserdom von Königslutter berichten.

Foto: Kaiserdom Königslutter (Foto Domgemeinde)

Als Problem erwies sich im Vorfeld die Meisterung der vorhanden schlechten Akustik in dem alterwürdigen Kaiserdom aus dem 11.Jahrhundert, viele Säulen, Nischen und Gänge, die ein ungetrübtes Klangbild behindern.

Foto: Gardiner am Vortag in der Probe in Königslutter (Foto: newsclick)

Gardiners Idee, in der Mitte des Hauptganges eine Bühne mit Resonanzboden aufstellen zu lassen, sodass die Akustik besser zu beherrschen war, erwies sich als einigermaßen gelungen. Die Besucher um die Bühne gruppiert, gab einen intimen Rahmen und der Kontakt zu den Aufführenden wurde dadurch enorm verbessert.

Die Aufführung der Matthäus-Passion erfolgte in der Fassung von 1736, in der Bach größere Eingriffe in der Substanz und Instrumentierung vorgenommen hatte.
Der erste Teil, den Cantus Firmus im Eingangssatz von den “Trinity Boys Choir” dargeboten, erwies sich als schöne Einstimmung auf das nun folgende – wohl gewaltigste christliche Meisterwerk – des Universums.

Hier hätte ich dem 1. Chor mehr an Klangvolumen gewünscht, was sicherlich auch an der problematischen Akustik gelegen haben mag. Die Gesangssolisten hatten ebenfalls große Mühe, verständlich den Text und mit ihrem Stimmvolumen den Raum zu füllen.

Die Instrumentierung der English Baroque Soloists war grandios, die unterschiedlichsten Nuancen wunderschön gespielt und umgesetzt, kein Piepser auf den alten Instrumenten, eine wahre berauschende Klangfülle, welches von diesem Orchester ausgeht.

Wie schön getragen und interpretiert die Choräle, ohne Hetze, wie schon so oft bei iGardiner kritisiert, wurden sie gesungen, eine absolute Meisterleistung von Könnern an Gesangskräften, die dieses hervorragend umsetzten. Hier erwies sich ein in Jahren gereifter Leiter und Dirigent J.E. Gardiner als eine wunderbare Offenbahrung.

Als eine Idealbesetzung erwies sich für den Part des Evangelisten der Tenor mit Mark Padmore besetzt, sein Stimmvolumen brachte keine akustischen Probleme, verständlich in der Textaussage war er eine vorzügliche Bereicherung für das gesamte Ensemble.

Foto: Tenor (Evangelist) Mark Padmore

Etwas dagegen abfallend, der Bassbariton Dietrich Henschel (Jesus,) der vom Gesangsvolumen in den tieferen Lagen überfordert erschien.

Foto: Bass-Bariton (Jesus) Dietrich Henschel

Nach einer dreiviertel Stunde Pause geriet der 2. Teil zum absoluten Höhepunkt des Konzertes.

Die Solopartien der Gesangssolisten, bestückt mit hervorragend geschulten Nachwuchs-Gesangskräften der vier Chöre, hier einmal herausgestellt der Counter-Tenor Mark Chambers, der die Altpartien Nr. 51 „Erbarm es Gott! Hier steht der Heiland angebunden“ und Nr. 52 „Können Tränen meiner Wangen Nichts erlangen“ in einer so beeindruckenden Weise gesanglich vortrug, die mich erschauern ließ, so manche Träne wurde von mir und im Publikum verstohlen weggewischt.

Wie überhaupt die Arien, Rezitative des zweiten Teils inniger, unter die Haut gehend, nicht musiziert werden können, ob gesanglich oder instrumental von allen Beteiligten dargeboten, war es für mich die bisher ergreifende und ungewöhnlichste Matthäus-Passion, die ich Live erleben durfte trotz mancher Abstriche, infolge der ungewöhnlichen Akustik.

Besonders beeindruckend, wie innerlich bewegend die gesamten Solisten, ob Chor oder Orchester sowie J.E. Gardiner, bei den Gesangspartien des Evangelisten, die Augen geschlossen und die Hände gefaltet, den Worten und der Musik lauschend zuhörten.
Das Publikum wurde dermaßen von diesen Passagen des Werkes eingenommen, dass selbst das Husten unterblieb. Nach dem Schluss-Ton geriet man in einen Trancezustand, absolute Stille umgab die Aufführungsstätte, Gardiner verharrte in sich gekehrt und entschwand kurze Zeit später von der Bühne um nicht wieder zurückzukehren.

Ein riesiges Dankeschön für diese unvergleichliche Passionsmusik, die ein Bachkenner von Gottesgnaden in der Person von J.E. Gardiner mit seinen Gesangssolisten, Chören und seinem betörenden Barockorchester den Besuchern zu vermitteln vermag. Dermaßen ergriffen und aufgewühlt endete eine Bach’sche Aufführung, die mir ewig im Gedächtnis haften bleiben wird.

Herzliche Grüsse

Volker