Aber eins ist sicher: Wenn ein Bach-Choral eine Antwort geben kann, ist das ein Geschenk!

Hallo Bachfreunde,

heute bekam ich ein Interview mit dem Dirigenten „Enoch zu Guttenberg“ zu lesen, das ungemein spannend und inhaltsreiche Aussagen zum Weihnachtsoratorium und J.S. Bach’s sonstige Werke – beinhaltet. Die Überschrift dieses Beitrages ist ein Zitat aus dem Interview. Weiterhin gibt es weitere Hinweise allgemeiner Art zu der Aufführungsform von Sakralen Werken in – Konzerthalle – Kirche – und der Zugang der Vermittlung zu dem gehörten Werk. Er äußert sich über Verdi – Haydn – Strauß – Harnoncourt u.s.w. Es ist ein Spitzen-Interview, das mich voll angesprochen hat, dafür danke an „kultiversum“ zur Veröffentlichung…!!

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Dirigent: Enoch zu Guttenberg

Dirigent Enoch zu Guttenberg

Oberster Festspieler auf Herrenchiemsee

Er ist verantwortlich für eine der schönsten Festspielorte in Bayern. Mit enthusiastischer Leidenschaft gestaltet er die Musikfestspiele auf Herrrenchiemsee und macht diese zu einem besonderen Erlebnis. Er ist aber nicht nur Festspielleiter, sondern auch Dirigent vom Orchester der Klangverwaltung-Neubeuern (Bayern), mit dem er zusammen im Oktober diesen Jahres einen ECHO Klassik verliehen bekommen hat. (1+)

Enoch zu Guttenberg ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Dirigenten: Als Mitbegründer des BUND, Umweltschützer und Politiker ist er ebenso bekannt wie als Musiker, sein Sohn bekleidet zur Zeit den Ministerposten im Verteidigungsministerium. Dabei machte er durchaus eine „klassische“ Karriere: Nach seinem Kompositions- und Dirigierstudium in München und Salzburg übernahm er 1967 die Leitung der Chorgemeinschaft Neubeuern, die er zu einem weltweit anerkannten Ensemble formte. Auch seine 1997 gegründete KlangVerwaltung zählt inzwischen, mit regelmäßigen Auftritten im Wiener Musikvereinssaal, der Berliner Philharmonie oder dem Festspielhaus Baden-Baden zu den besten deutschen Orchestern. 1999 gründete Guttenberg die Herrenchiemsee Festspiele, wo er für seine Auffassung von Musik ebenso streitet wie in seinen zahlreichen Vorträgen. (+2)

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Link zum Interview mit – Enoch zu Guttenberg – nachstehend:

http://www.kultiversum.de/Musik-Partituren/Interview-Enoch-zu-Guttenberg.html

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YouTube: Video Matthäuspassion

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(+1) Text: BR / (+2) Text: kultiversum

Gruß
Volker

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11 Gedanken zu „Aber eins ist sicher: Wenn ein Bach-Choral eine Antwort geben kann, ist das ein Geschenk!

  1. Stefan

    Lieber Volker,

    hab ganz herzlichen Dank für den wertvollen Hinweis auf dieses Interview! Ich habe selten so prägnat von einem Künstler das gehört, was zu Guttenberg hier sagt.Und es ist gerade dieser Ansatz, der Bachs Musik erst leben läßt, es ist diese Sichtweise auf seine Musik, die sie mir zum “ Brot der Seele“ hat werden lassen!

    Es grüßt Dich in herzlicher Verbundenheit

    Stefan aus Thüringen, der anderorts Oolong heißt

    Antworten
  2. Wolfgang

    Lieber Volker!

    Das war sehr weiterhelfend, was da von einem bewährten Praktiker über die Auffasung von einem Schlußchoral gesagt wurde.

    So ein Schlußchoral kann ja soviele Facetten haben: als Unterschrift zur Aussage der Kantate, als Bestätigung, Zusammenfassung, letzter Akzent und nicht zuletzt Trost.

    Seitdem Karl Richter mit seinen ‚langen Chorschlüssen‘ die 0815 Interpretation des Chorals aufgebrochen hat, versuchen viele Chöre aus Chorälen mehr rauszuholen.

    Nicht nur Gardiner, sondern auch die Neuaufnahme von H.Max mit der Rheinischen Kantorei ließ mich da aufhorchen: vielmehr Deklamation und Aussagekraft.

    Dadurch hat auch der Hörer viel mehr und nimmt für sich was mit.

    Ich freue mich auch, dass Oolong aus Thüringen in Deinen blog eine Meinung schreibt. Oolong-, herzlich willkommen!

    Gruß Wolfgang

    Antworten
  3. Claudia

    wirklich ein ganz tolles Interview.
    Mich würde mal weiterführend interessieren, wie Harnoncourt den „Geist aus der Flasche“ gelassen hat. Das war vor meiner Zeit.
    Claudia

    Antworten
  4. Stefan

    Hallo Claudia,

    ich denke, Harnoncourt hat eine ganze Reihe von Geistern aus den Flaschen gelassen. Hier verstehe ich es so, dass er das “ vom Wort herkommende“ bei Bachs Musik wieder ins Zentrum rückte. Der Klang, das Erhabene und Weihevolle bleiben eben hohl, wenn man sich nicht dafür interessiert, welche Verkündigung, welche Theologie Bach transportieren wollte. Wir sehen Bach heute oft als Musik- Handwerker und werden seiner immensen theologischen Gelehrsamkeit dabei nicht mal im Ansatz gerecht. Ich bin theologisch wahrlich nicht unbeleckt, bekomme ich aber anhand von Bachs Werken die hineinkomponierte Theologie erklärt, bleibt mir oft der Mund offen stehen. Was hatte dieser Bach für ein Wissen- und war kein theologisch verkniffener Frömmler sondern ein tiefgläubiger, weitherziger Seelsorger, der sich gerade den Themen widmete, die heute in unseren Kirchen nur noch mit angezogener Handbremse leise murmelnd gepredigt werden: den Fragen von Leben und Tod. Niemand hat mir mehr über die größte Kunst des Menschen – in Gnaden zu sterben- erklärt als der alte Bach.Dass dieses Thema uns so gänzlich aus dem Blick kam, ist meiner Ansicht nach eine der folgenreichsten Tragödien des modernen Menschen…!

    Sorry, Claudia – war sicher nicht ganz die Antwort, die Du erbeten hast, aber das bewegt mich wirklich mit Blick auf o.g. Artikel.

    Herzliche Grüße
    Stefan

    Antworten
  5. Claudia

    Lieber Stefan, danke für deine emotionalen Zeilen, ok, meine Frage hats wirklich nicht richtig beantwortet, aber ich erkenne eine klare Seelenverwandtschaft. Religiosität, Spiritualität, ganz einfach menschliche Philosophie und positives Denken, das ist mir durch Meister Bach greifbar gemacht worden, durch keinen anderen sonst. Vieles von dem was er an Gefühlen aufwirft, kann ich gar nciht ausdrücken, noch bin ich theologisch nennenswert befleckt, aber -wie v. Guttenberg sagt- man kann es auch einfach erspüren, ohne zu wissen.
    (ich muss es mal wieder sagen, wie froh ich bin auf diesen Blog gestoßen zu sein-schwärm)
    Gruß nach Thüringen aus dem Ruhrpott
    Claudia

    Antworten
  6. muriel

    Ein wirklich erfrischendes und wie ich finde kantiges Gespräch mit dem Maestro zu Guttenberg. Der Sir würde dazu mit Sicherheit einiges sagen können, zumal er wohl zu denen gehört, die durchaus meinen, ob Oratorium oder Oper ist ziemlich „wurscht“, Hauptsache Bach. Auch mein Schwarm aus Zwolle hat immer eifrig betont, er glaube natürlich nicht wie die Kirche glaubt. Tja, die Gretchenfrage ist nicht tot zu kriegen. Natürlich begrüße ich die Ausführungen von Guttenbergs, aber zumindest in einem liegt er richtig falsch. Er schreibt: Diesen Choral (Ich steh an deiner Krippen hier…) hat Dietrich Bonhoeffer aus der Gestapohaft in seinem Brief an seine Kinder behandelt“. Nun hatte Bonhoeffer leider keine Kinder, nur eine Verlobte, die er durch Briefe kennenlernte und den Freund Bethge, dem wir Bonhoeffers Nachlass verdanken. Aber so ist es eben (vgl. t’haart) wo die Gefühle zu reden beginnen, sind die Fakten erledigt. Ich muss sagen, ich schätze Fakten sehr.

    Liebe Grüße
    muriel

    Antworten
  7. Volker

    Hallo an alle Kommentargeber..!!

    ich greife als erstes einmal die Folgende Aussage von @Claudia, auf:

    „Mich würde mal weiterführend interessieren, wie Harnoncourt den “Geist aus der Flasche” gelassen hat. Das war vor meiner Zeit.“

    Ich kann diese Aussage von Guttenberg nur so interpretieren, dass es Harnoncourt’s absoluter Verdienst ist, die „Historische Aufführungspraxis“ als erster eingeführt zu haben.

    Historische Aufführungspraxis, auch „historisch informierte Aufführungspraxis“, nennt man die Bemühung, die Musik vergangener Epochen mit authentischem Instrumentarium, historischer Spieltechnik und im Wissen um die künstlerischen Gestaltungsmittel der jeweiligen Zeit wiederzugeben.

    Was wurde er dafür angefeindet, die Instrumente entsprachen teilweise nicht der Historie und ergaben einen abscheulichen Klang. Er setzte sich mit der Zeit aber damit durch und das entsprach ganz seiner Doktrin, sich von dem Althergebrachten zu lösen und die „Historische Aufführungsform“ aufleben zu lassen. In den Oratorien setzte er den Tölzer Knabenchor ein und ein glühender Mitstreiter in dieser Phase war der Dirigent des Tölzer Knabenchores „Schmidt-Gaaden“ – die mit diesen spektakulären Neueinspielungen für Furore sorgen sollten. (Ab Mitte der 1960-er Jahre).

    Zu diesem Zeitpunkt stand Karl Richter im Zenit seines Könnens und galt als das non plus ultra in der modernen Werkswiedergabe. Dadurch hatte Harnoncuort eine schweren Stand sich durchzusetzen.

    Mit der Zeit verfeinerten sich die alten Instrumente und neue Mitstreiter folgten Harnoncourt’s eingeschlagenen Weg mit großem Erfolg.

    In Kreisen der historischen Aufführungspraxis besteht heute eine pragmatische Übereinkunft darin, mitteleuropäische Barockmusik zwischen etwa 1650 und 1750 mit einem einheitlichen Kammerton von a1 = 415 Hz zu musizieren.

    Heute verfährt fast jeder Dirigent bei der Wiedergabe von barocken Werke nach dieser eingeführten Praxis…!!

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    @Muriel, das ist mir noch nicht einmal aufgefallen, aber Du hast ja vollends Recht, Dietrich Bonhoeffer hatte weitere 7 Geschwister, denen er und seiner Familie aus dem KZ Nachrichten zukommen ließ – dann könnte das Wort Geschwister anstatt Kinder gesetzt werden. Ob das Interview richtig zitiert worden ist, bleibt dahingestellt somit könnte es auch eine Fehlerquelle sein..??

    Grüße
    Volker

    Antworten
  8. Claudia

    Ich wollte euch in Bezug auf meine Harnoncourt-Recherchen mal ein tolles Zitat nicht vorenthalten:

    Wir Musiker – ja alle Künstler – haben eine machtvolle, ja heilige Sprache zu verwalten. Wir müssen alles tun, dass sie nicht verloren geht im Sog der materialistischen Entwicklung. Es ist nicht mehr viel Zeit, wenn es nicht gar schon zu spät ist, denn die Beschränkung auf das Denken und die Sprache der Vernunft, der Logik, und die Faszination durch die damit erzielten Fortschritte in Wissenschaft und Zivilisation entfernen uns immer weiter von unserem eigentlichen Menschentum. Es ist wohl kein Zufall, dass diese Entfernung mit der Austrocknung des Religiösen Hand in Hand geht: die Technokratie, der Materialismus und das Wohlstandsdenken brauchen keine Religion, kennen keine Religion, ja nicht einmal Moral.
    Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.

    Grüße, Claudia

    Antworten
  9. Wolfgang

    Lieber Gesprächskreis!

    … als sitzen wir in einer vertrauten Runde, in der wir uns einem bisher übersehenem Thema widmen.
    So vertraut ist mir manchmal unser blog und ich freue mich, dass Stefan mich anregende Worte zur ‚wahren Tragödie des modernen Menschen‘ gefunden hat. Claudia und Volker haben das Thema weitergeführt. Dafür vielen Dank!

    Auch ich bin immer wieder erstaunt, dass die sonntägliche Kantate zu den Lebensfragen des modernen Menschen Tiefgründiges beiträgt. Jedenfalls wünsche ich mir von meinen Angehörigen, dass in meiner letzten Stunde Bach-Kantaten aufgelegt werden.

    Aber nicht nur ‚die letzten Dinge‘, sondern aktuelle Fragen können wir im Nachhinein mit Bach und seinen Textern mal angehen. Bach war hauptsächlich Anhänger der sog.lutherischen Orthodoxie (im Gegensatz zum Pietismus oder der Mystik), in der es bei aller Eindeutikeit immer wieder eine abschließende Freude und eben keine Kargheit und Rigorosentum gibt.

    So gehe ich spätestens am Donnerstag zu meinen Bach-Texten und schaue nach, was am Sonntag dran ist.
    Ah-, Septuagesimä ( heißt 70 Tage vor Ostern):
    3 Bach-Kantatas BWV 144; 84; 92.

    Bleib ich hängen bei der Ersten:’NIMM WAS DEIN IST UND GEHE HIN‘. In WIKIPEDIA kann man leicht rauskriegen, was diesen Worten zugrundeliegt: ein Evangelium (heißt ja GUTE NACHRICHT), dass gerade in der jetzigen Diskussion von Mindestlohn und ‚Mit-Hartz 4-lieber ausruhen‘ Entscheidendes anspricht:

    die Frage des gerechten Lohns, notwendige Motivation durch den Arbeitgeber, Zufriedenheit trotz unerfüllter Wünsche. Einfach mal Genug-haben.

    Negativ muß ich aber auch bemerken, dass mir ein Rat ‚Was Gott tut, das ist wohlgetan‘ und ‚halt still‘ nicht gefällt!

    Unsere Aufgabe als Bach-Liebhaber sollte es dann sein, diese Bach-Ethik aufzunehmen und weiterzuempfehlen. Bach’s Ethik ist ja kein ‚Diktat‘, sondern wird mit einer lautmalerisch gut nachzuvollziehenden Tonlinie an die Frau/Mann gebracht. Diese Musik belehrt nicht, sondern beruhigt und heilt.

    Schade-, dass so viele gerade der gebeutelten Menschen zu einer Bach-Kantate wenig Zugang finden.

    Gruß

    Wolfgang

    Antworten
  10. Stefan

    Lieber Wolfgang,

    hab Dank für Deine vertiefenden Gedanken. Wenn Du schreibst, bei Bach gibt es immer wieder eine „abschließende Freude“ – so trifft das den Nagel auf den Kopf! Gerade auch in Fragen der “ Sterbekunst“ schlägt Bach nie einen lamoryant- depressiven Ton an. Vielmehr redet er in der getrosten Klarheit eines getragenen Menschen von der Dunkelheit. Doch das Licht scheint bei ihm stets hindurch…!

    Gruß
    Stefan

    Antworten
  11. Claudia

    Lieber Wolfgang,
    ich wollte noch unbedingt einen Aspekt Deiner mir ebenfalls vertrauten Gedankengänge aufansprechen. Das vermeintliche Stillehalten habe ich früher auch als Untätigkeit verstanden, sehe es heute aber mit Augen. Für mich kommt es aus einem vergeblichen Abmühen und Kämpfen, dass dich verzweifeln läßt. Daraus kommt für mich das Stillehalten, das Kräftesammeln für eine neue Richtung. Klar geworden ist mir das damals beim „Elias/2. Teil“ und auch beim Choral „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ (… man halte nur ein wenig stille und sei dabei in sich vergnügt…)
    Schöne Woche
    Claudia

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