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Rezension-Besprechung: CD’s von SDG 147 – Vol.5 – CD zwei – veröffentlicht vom Label: SDG – Monteverdi im Oktober 2008


Hallo,

meine Rezension von SDG 147, Vol. 5 / CD z w e i ; Aufführungsort: Dom „St. Blasii“ in Braunschweig


Cover: SDG 147, Vol. 5 / zwei CD’s Kantaten für den zehnten Sonntag nach Trinitatis

BWV 46 – Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei
BWV 101 – Nimm von uns Herr, du treuer Gott
BWV 102 – Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben!

(Aufführungsort: 27 / 08 / 2000 Braunschweig Dom)

Soloists: Joanne Lunn; Sopran | Daniel Taylor; Altus
Christoph Genz; Tenor | Gotthold Schwarz; Bass

Aufführungsort: Braunschweiger Dom St. Blasii

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von Jane Rogers, Bratsche
zur SDG 147 Vol. 5




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Rezension CD z w e i – SDG 147, Vol. 5 –

Kantate: BWV 46 „Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei“

(Kantate für den 10. Sonntag nach Trinitatis)

1) Bach hat diese Kantate in seinem ersten Leipziger Amtsjahr komponiert und am 1. August 1725 zum ersten Mal aufgeführt. Der Eingangschor ist ein gross angelegtes Klagelied, formal eine Kombination von motettischen und konzertanten Elementen. Motettisch ist daran die enge Beziehung zum gesungenen Text. Dem Satzbau des Bibelwortes entsprechend ist der gesamte Eingangschor in zwei grosse Teile gegliedert, einen freipolyphonen Satz und eine Fuge. Auch die Themenbildung ist in auffallender Weise textbezogen mit ihrer Anhebung betonter Wörter („Schauet“, „sehet“) und ihren dissonanten Halbtonschritten auf „Schmerz“ und „Jammers“. Motettisch ist auch das Prinzip der Chorfuge (zweiter Teil des Satzes), wobei die Instrumente meist mit den Singstimmen zusammengehen, während die Blockflöten als deren gleichberechtigte Partner selbst eine Fugenstimme übernehmen.

Eine einleitende, entzückende Sinfonia im 1. Satz wird durch einen anschließenden ausdrucksstarken Chor des „Jammers“ eindrucksvoll interpretiert.

Beeindruckend ist der 3. Satz: „Dein Wetter zog sich auf“. 1) Dieser Satz ist in ihrer barocken Bildlichkeit der dramatische Höhepunkt der Kantate. Zum Streichorchester tritt die Trompete als Sinnbild göttlicher Hoheit; punktierte Rhythmen markieren das Drohende des aufziehenden Wetters, abwärtsgleitende Skalenfiguren das Einbrechen des Rachstrahls. Der Bassist: Gotthold Schwarz punktet in einer fantastischen Art, dies entsprechend gesanglich umzusetzten.

Im 5. Satz: „Doch Jesus will auch bei der Strafe“ – glänzt der Altus Daniel Taylor. In diesem Satz dominieren die Flöten als Bassstimme, die das Bild eines Rache kündigen Propheten heraufbeschwören.

Satz 6; Schlusschoral: „O großer Gott“ ist nicht wie üblich in schlicht-vierstimmigem Satz gehalten, sondern mit Zeilenzwischenspielen der doppelt besetzten Blockflöten ausgestattet. Ausdrucksstark präsentiert sich hier der Monteverdi Chor mit seiner bewundernswerten Artikulation.

Kantate BWV 101 „Nimm von uns Herr, du treuer Gott“

(Kantate für den 10. Sonntag nach Trinitatis)

1) Das Werk ist eine Choralkantate und wurde am 13. August 1724 erstmals aufgeführt. In seiner Form unterscheidet sich der Eingangschor wenig vom Normaltyp der Choralkantaten. Die Singstimmen werden durch einen Posaunenchor verstärkt, dessen Oberstimme wie üblich vom Zink (Cornetto) gebildet wird; außerdem wird der Cantus firmus durch eine den Sopran oktavierende Querflöte mitgespielt. Der ganze Satz ist im Grunde eine großangelegte Cantus-firmus-Motette, deren Besonderheit im Mitwirken eines eigenthematischen Instrumentalparts besteht.

In dem Eingangssatz agiert der Monteverdi Choir in seiner bekannt gekonnten Art ich kann mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass der Tenor und Bass zeitweise zu dominant Auftritt und die Flöten erscheinen etwas unrein und piepsig zu klingen.

Satz 2 ursprünglich mit obligater Flöte geplant, dann aber mit Solovioline besetzt, verhilft nun dem konzertanten Element in dieser Arie zu seinem Recht und wird von Christoph Genz (Tenor) in seiner bekannten Art vorgetragen.

Der Satz 4 ist von ungewöhnlicher Art, die ihre Ursache in Bachs Bestreben hat, eine leidenschaftlich- dramatische, konzertante Arie zu präsentieren. Hier ist Gotthold Schwarz (Bass) diesem Part großartig gewachsen.

Als musikalischer Höhepunkt der Kantate ist wohl in Satz 6 das Duett für Sopran (Joanne Lunn) und Altus (Daniel Taylor) – mit obligater Flöte und Oboe da caccia anzusehen. Traumhaft passen die zwei Gesangs-Solisten zusammnen und lassen ein herrliches Duett erklingen

.Englische Sopranistin Joanne Lunn

Englische Sopranistin Joanne Lunn
Englischer Altus: Daniel Taylor

Englischer Altus: Daniel Taylor

In Satz 7 endet die Kantate mit einer schlichten vierstmimigen Schluss-Strophe des Liedes mit: „Leit uns mit deiner rechten Hand.“ Getragen, ruhig aussingend erklingt fein nuanciert der Monteverdi Choir.

Kantate BWV 102Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben!

(Kantate für den 10. Sonntag nach Trinitatis)

1) Die Kantate, von Bach zum 25. August 1726 komponiert, gehört zu jenen, die demselben Textjahrgang entnommen sind wie die von Bach aufgeführten Kantaten des Johann Ludwig Bach. Auffällig ist dabei, dass Bach diesmal den II. Teil der Kantate mit Satz 5 beginnen lässt. Der Eingangschor gehört zu den grossen Leistungen des reifen Bach und zeigt in seiner formalen Vielgliedrigkeit steten Wechsel zwischen Dominanz des Orchestersatztes bei häufigem Choreinbau und des Chorsatzes mit eigenständiger überaus sprachgerechter, textgezeugter Thematik. Eingeleitet wird der Satz durch eine Instrumentalsinfonie von 2 Oboen, Streichern und Continuo.

Was hier abgeht ist atemberaubend grossartig, die Sopranistin „Joanne Lunn“ brilliert, der Monteverdi Choir in Glanzform – da kann nur angemerkt werden – „Weltklasse“, einmalig, so etwas bekommt man nicht alle Tage geboten, was muss Gardiner da wieder gefeilt haben, das Orchester stimmig, Gesangssolisten ebenbürtig und ein Chor, der wieder einmal brilliert, das ist wieder eine Kantatenstelle, die bei mir auf „da Capo“ gestellt ist und die berühmte Gänsehaut erzeugt….

Dieses Klangerlebnis möchte ich den Besuchern des Forums nicht vorenthalten und stelle den Eingangs-Satz der Kantate – BWV 102 – als Hörprobe zur Verfügung.

Hörprobe: „BWV 102 Satz 1“, den L i n k – nachstehend kräftig anklicken:

2-14-bwv-102-herr-deine-augen-sehen-nach-dem-glauben-part-i-coro1

1) Der Satz 3 ist ein schlichtes Alt-Seccorezetativ – (Daniel Taylor, Altus), deren Gestik an eindringlicher Wirkung wohl nicht zu überbieten ist. Mit einem langanhaltenden, dissonanten „des“ einsetzend, scheint die obligaten Oboe ein „Weh!“ über die unbußfertige Seele auszurufen, und die gesamte Melodik des Satzes mit ihren Querständen und ungewöhnlichen Intervallschritten ist ein einziges, höchst anschauliches Abbild der Seele. Hier ist der Altus Daniel Taylor ein vortrefflicher Gesangs-Solist der dieses Abbild der zerrissenen Seele berührend zu interpretieren weiss.

In Satz 4, Rezetativ für Bass (Gotthold Schwarz), präsentiert sich ein ausdrucksstarker Bassist mit dem „Verachtest du den Reichtum seiner Gnaden.“

Deutscher Bassist: Gotthold Schwarz

Deutscher Bassist: Gotthold Schwarz

1) Mit dem Satz 5 beginnt der zweite Teil der Kantate mit der Alt-Arie: „Erschrecke doch, Du allzu sichere Seele!“ Hier wird versucht, den Sünder wachzurütteln. Die musikalischen Mittel sind weiträumige Melodik – zumal in der obligaten Flöte, aber auch in der Singstimme – und lebhaften Bewegung. Hier punktet der Altus Robin Tysson mit seiner klaren und wortverständlichen Aussage des „Erschreckens..!“ Das Flötenspiel ist ebenso im gleichen Atemzug als vorrtrefflich anzumerken.

Ein zweistrophiger schlichter Choralsatz mit dem „Heut lebst du, heut bekehre dich“ mit der Melodie von: „Vater unser im Himmelreich“ – beschliesst dieser Choral eine wunderschöne Kantate. Mich beeindruckt hier der Monteverdi Chor, wie hinreissend und innig dieser wunderbare Choral vorgetragen wird, ruhig, getragen ein in sich gekehrter Gesang – damit ist die Seele gesanglich gerettet und der Hörer wird davon berührt und eingenommen. Das ist Bachgesang pur und wiederum ein Verdienst von Gardiner, der in diesem Kantatenwerk die gewissen Akzente zum richtigen Zeitpunkt zu setzen weiss, Danke, grandios..!!

Die Kantate BWV 102 ist als das Highlight der gesamten SDG 147 – Einspielung anzusehen, diese Werk hat mich ungemein berührt und wie bereits erwähnt, bei mir das entsprechende Gänsehaut-Erlebnis erzeugt und ich wurde bis zum letzten Schlusston ungemein gefesselt. Und das ist es, was wir immer so an Gardiner, seinem Orchester, seinem Monteverdi-Choir so schätzen und bewundern.

Grüße

Volker

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1) Textauszüge: Alfred Dürr, die Kantaten

Rezension-Besprechung: CD’s von SDG 147 – Vol.5 veröffentlicht vom Label: SDG – Monteverdi im Oktober 2008


Hallo,

meine Rezension von SDG 147, Vol. 5 / CD eins; Aufführungsort: Christkirche in Rendsburg

Cover: SDG 147, Vol. 5 / zwei CD’s

Kantaten für den achten Sonntag nach Trinitatis

BWV 178 – Wo Gott der Herr nicht bei uns hält
BWV 136 – Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz
BWV 45 – Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist

(Aufführungsort: 13/08/2000 Christkirche, Rendsburg)

Soloists: Robin Tyson; Altus
Christoph Genz; Tenor | Brindley Sherratt; Bass


Aufführungsort: Christkirche Rendsburg (Fotorechte: http://www.die-netzwerkstatt.de)

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Rezension
CD eins SDG 147, Vol. 5

Kantate: BWV 178„Wo Gott der Herr nicht bei uns hält“ (für den 8. Sonntag nach Trinitatis)

Das Werk ist eine Choral-Kantate und erfuhr am 20. Juli 1724 seine erste Aufführung. Das zugrunde gelegte Kirchenlied ist eine Nachgliederung des 124. Psalms durch Justus Jonas (1524).

Der Eingangschor: „Wo Gott der Herr nicht bei uns hält“ des 1. Satzes verkörpert den von Bach bevorzugten Typus des eröffnenden Choralchorsatzes: In einen thematisch selbständigen Orchestersatz ist der vom Chor vorgetragene Choral zeilenweise eingefügt. Die Liedweise liegt im Sopran verstärkt durch ein Horn.

Ein kontropunktisches Meisterwerk ist der Choral, Satz 2, „Was Menschenkraft und -witz anfäht“, dieses gelingt dem Monteverdi Choir entsprechend umzusetzten.

Der 3. Satz lebt von dem beschwingt herrlich anzuhörenden BC und Violinen – der Bassist Brindley Sherratt glänzt durch ein starkes Stimmvolumen mit der Bass-Arie: „Gleichwie die wilden Meereswellen“ ein vortrefflicher Bass, der die Wellenbewegung gesanglich vortrefflich umzusetzen weiß.


Bass: Brindley Sherratt (Fotorechte Staatsoper Hamburg)

Gut anzuhören ist das Orchester im 6. Satz für Tenor als Arie: „Schweig, schweig nur, taumelnde Vernunft!“ ebenso präsentiert sich der Tenor: Christoph Genz.


Nuanciert gesungen wird der schlichte vierstimmige Schluss-Choral im 7. Satz: „Die Feind sind in all in deiner Hand.“


Kantate:
BWV 136 – „Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz“ (für den 8. Sonntag nach Trinitatis)

In der überlieferten Fassung entstammt dieses Werk dem ersten Leipziger Kantatenjahrgang Bachs und wurde am 18. Juli 1725 erstmals aufgeführt. Verschiedene Anzeichen des Quellenbefundes lassen jedoch vermuten, dass Bach dabei auf früher Komponiertes zurückgegriffen hat.

Der Eingangschor „Erforsche mich Gott“ hat die Form einer weitläufigen Fuge. Zwei gleichthematische Chorfugenkomplexe werden durch Instrumentalpartien umrahmt und voneinander abgegrenzt. Ein Horn präsentiert zu Beginn des Ritornells das Hauptthema und ist auch im weiteren Verlauf des Satzes selbständig geführt. Beschwingt in seiner unnachahmlicher Art singt der Monteverdi Choir den 1. Satz.

Der 3. Satz mit der Alt-Arie „Es kommt ein Tag“, gesungen von Robin Tyson, wird mit obligater Oboe d’amore begleitet, und besitzt eine ausdrucksvolle Figuration, die mich sehr angesprochen hat.

Der 5. Satz „Uns treffen zwar der Sünden Flecken“ mit dem Arien-Duett für Tenor: (Christoph Genz); und Bass: (Brindley Sherratt); überzeugen in dem Duett mit einem harmonischen Gesang und werden durch ein beeindruckendes Violinspiel unterstützt.

Im 6. Satz „Dein Blut der edle Saft“, ein schlichter vierstimmiger Schlußchoral nach der Melodie „Auf meinen lieben Gott“, beschließt dieses Kantatenwerk.

Kantate: BWV 45 – „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“ (für den 8. Sonntag nach Trinitatis)

Diese Prunk-Kantate wurde für den 11. August 1726 geschrieben und gehört zu jenen Werken, deren Texte demselben Jahrgang entstammen wie die Kantaten des Vetters von J.S. Bach, dem Meininger Kapellmeister „Johann Ludwig Bach.“

Der großartige Eingangs-Choral – „Es ist dir gesagt, Mensch“, ist wieder eines jener Beispiele, wie Bach vielgestaltig und beeindruckend aus einem einzigen Thema ein gewaltiges Klangvolumen entwickeln hat. Es ist für mich das Herzstück dieser Kantate und wird von dem fantastischen Monteverdi Choir entsprechend umgesetzt, die Beschwingtheit und Freude des Musizierens und Singens überträgt sich spontan auf den Zuhörer, das ist reine Bach-Kultur vom Feinsten..!!

Diese überschwengliche Musizierform setzt sich im 3. Satz mit der Arie für Tenor: (Christoph Genz) – „Weiß ich Gottes Rechte“, entsprechend fort. Ein vortreffliches Orchester weiß klanglich zu überzeugen und hat in dem Tenor einen vorzüglichen Vortragenden.

Ein orchestrales Feuerwerk wird am Anfang von Satz 4„Es werden viel zu mir sagen“ – zu Gehör gebracht, spritzig, beschwingt phrasierend, präsentiert sich das Spitzenorchester und finden mit dem Bass-Vortrag – ((Brindley Sherratt); einen genialen Partner.

Es folgt ein inniger 5. Satz – Arie für Alt: (Robin Tyson) „Wer Gott bekennt aus wahrem Herzensgrund“ wird in Begleitung der Flöte und BC zu einem weiteren Prunkstück. Der Altus-Gesang gelingt entsprechend der trostvollen Text-Aussage in bewundernswerter Weise – perfekt.

Der gelöst klingende Schlusschoral im 7. Satz: – „Gib dass ich tu mit Fleiß“ – beendet ein großartig zu bennendes Kantatenwerk. Ruhig und getragen singt der Monteverdi-Choir in bewegender Manier diesen wunderbaren Choral.

Fazit:
Die Kantate BWV 45 ist der Höhepunkt dieser SDG-Veröffentlichung von CD eins. Wieder zu bewundern, wie Gardiner in diesem Bach-Werk die entsprechenden Akzente zu setzen weiß, Orchester, Sänger und Gesangs-Solisten werden von ihm dementsprechend herausgefordert und erzielen so gemeinsam eine vortreffliche Werks-Wiedergabe.

Grüsse
Volker

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