Rezension BWV 248 Weihnachtsoratorium in der Frauenkirche Dresden

Liebe WO-Fans,

nachstehend meine Rezension zum Weihnachtsoratorium, BWV 248, in der Frauenkirche Dresden.

J.S. Bach Weihnachtsoratorium

am 18. Dezember 2009 um 20:00 Uhr

WO Frauenkirche Dresden am 18.12.2009

Zusatzkonzert wegen hoher Nachfrage.

Leitung: Ludwig Güttler

Weihnachtsoratorium, Kantaten I und II
Kantate: „Süßer Trost mein Jesus kommt“ BWV 151
Weihnachtsoratorium, Kantate V
Eingangschor Kantate I da capo

Solisten:
Barbara Christina Steude
, Sopran
Susanne Langner, Alt
Uwe Stickert, Tenor
Matthias Weichert, Bass
Sächsisches Vocalensemble
Einstudierung: Matthias Jung

Basso continuo:
Friedwart Dittmann
, Violoncello
Bernd Haubold, Kontrabass
Uwe Zimmermann, Cembalo
Friedrich Kircheis, Orgel

Virtuosi Saxoniae (Mitglieder der sächs. Staatskapelle)
Leitung Ludwig Güttler

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Es ist schon etwas Besonderes, in der Frauenkirche das WO zu hören.

Leider kommen nicht nur musikalisch-weihnachtliche Gefühle auf:

  1. Die schmalen Kirchenbänke sind rückengewöhnungsbedürftig; nach einer halben Stunde war ich steif,
  2. die Eintrittspreise sind nicht gerade zivil,
  3. wir hatten ungünstige Plätze neben einer Eingangstür – sie stand bis zum Konzertbeginn bei -17 Grad (Außentemperatur) offen;
  4. die Akustik in dieser Kuppelkirche ist unberechenbar und hat schon so manches Konzert zum Kippen gebracht.

Fast wäre die Kantate I auch gekippt. Chor und Orchester hatten Schwierigkeiten, gerade beim Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ sich aufeinander einzulassen. Es hat auch eine Weile gedauert, bis beide ihren Platz gefunden hatten. Die Solisten hatten es bei den akustischen Gegebenheiten sehr schwer. Standen sie links vorm Orchester waren sie nicht zu verstehen; standen sie rechts, hatten sie plötzlich großartige Stimmen. Bis ich mich richtig eingehört hatte, waren die Kantaten I und II vorbei und dann kam mein Highlight: „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“. Bach hat diese Solokantate BWV 151 1725 für den 3. Weihnachtstag geschrieben, um seine Thomaner zu entlasten. Die Solisten  – allen voran Sopran und Tenor – liefen zur Höchstform auf; das Orchester hatte sich den Sänger/innen angepasst und auch Güttler ließ etwas Raum zur freien Gestaltung.

Die Kantate V kam viel zu schnell. Geschmunzelt haben wir, als am Ende der
5. Weihnachtskantate „Jauchzet, frohlocket … „ aus der 1. wiederholt wurde. Aber uns sollte wohl noch mal so richtig eingeheizt werden; bei inzwischen -19 Grad (Außentemperatur) keine schlechte Idee.

Herzl. WO-Weihnachtsgrüße

Iris

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3 Gedanken zu „Rezension BWV 248 Weihnachtsoratorium in der Frauenkirche Dresden

  1. Alexander

    Hallo Iris – also erstmal Respekt für deine Leidensfähigkeit!!! Dass Ludwig Güttler noch aktiv Musik macht, freut mich hingegen sehr. Güttler hat immer ziemlichen Wind in den miefigen Musikbetrieb Leipzigs der Achtziger gebracht, wenn er mal kam. Gerade letzte Woche musste ich an diesen tollen Trompeter denken und habe mal wieder in eine alte DDR-Aufnahme (http://www.amazon.de/dp/B001FZGEBS/?tag=cantatafinder-21) reingehört, vor allem aus Neugierde, weil ich wissen wollte, ob ich ihn immer noch so unfassbar gut finde wie damals. Und ja, es hat sich nichts geändert. Was muss dieser Mann für Kräfte haben. Sorry für den Cantatafinder-Link, aber der hauseigene von amazon ist verdächtig lang. Jedenfalls sehr zu empfehlen. Alex

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  2. Claudia

    Liebe Iris!
    Mir scheint, dass Konzerte an magischen Orten immer eine gewisse Leidensfähigkeit voraussetzen oder fordert die Kunst ihren Tribut? Mit Matthias Weichert habe ich im Solistenensemble auch einen alten Bekannten wiederentdeckt.
    Ich finde es immer sehr interessant, dass hier Berichte aus ganz Deutschland zusammenkommen. Iris, danke dafür.

    Gruß aus Essen, Claudia

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  3. Jean Sauter

    Hallo ,und schöne Grüße aus Amsterdam. Ich habe die CD mit Güttler und dem WO. Ich glaube ganz bestimmt, das es nicht so einfach ist in der Frauenkirche Kirchenmusik zu machen. Da sollte man wirklich gut mit der Akustik bekannt sein. Aber dies Problem ergibt sich beinahe in jeder Kirche ausser dennen, wo auch CD Aufnahmen gemacht werden. Ich habe vor Jahren in der Christuskirche in Berlin Oberschöneweide ein Konzert gehört und zwei Tage später eine Aufnahme einer Hayden-Sinfonie mit gehört, fantastisch. Könnte mir gut vorstellen dies auch in Dresden in der Lukaskirche machen zu können.

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