Ein zwiespältiges Abendkonzert-Erlebnis mit Sir John Eliot Gardiner, der Sächsischen Staatskapelle in der Frauenkirche Dresden am Samstag, 23.6.2007.


Hallo,

nun komme ich zum zweiten Teil meiner Ausführungen, über die Konzertreihe in Dresden im Juni 2007.

Nach dem totalen Reinfall vom Vortage waren wir nun gespannt auf das Konzert mit Sir J.E. Gardiner, der Sächsischen Staatskapelle und dem Monteverdi Choir.

Nachstehend das Programm:

23.06.2007, 20.00 Uhr,

Frauenkirche Dresden
Monteverdi Choir und Solisten,
Sächsische Staatskapelle Dresden
Ltg. Sir John Eliot Gardiner

Jan Dismas Zelenka
«Miserere» c-Moll

Johann Sebastian Bach
Missa h-Moll BWV 232I

Joseph Haydn
Messe B-Dur HOB. XXII:14
(«Harmoniemesse»)

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Foto: Frauenkirche Dresden

Voller Spannung erwarteten wir nun nach dem enttäuschenden Orgel-Konzert vom Vortag eine filigrane Wiedergabe mit barocken Werken.

Beginnend mit dem “Miserere c-moll” von Jan Dismas Zelenka (1679-1745), wurde von Sir John Eliot Gardiner für den Abend eine Werksauswahl mit Dresdener Kompositionen ausgewählt. Zelenka war ein Zeitgenosse von J.S. Bach und stammte aus Böhmen, er war als Kontrabassist am Dresdener Hof verpflichtet, 1735 wurde Zelenka in Dresden zum Kirchen-Komponisten ernannt, und verstarb dort 1745.

Das Werk wird besetzt mit Sopran, Chor, 2 Oboen, Streicher und Basso continou und beginnt und endet mit einem Satz über den Text “Miserere mei Deus” (Herr sei mir gnädig). Für unsere Ohren gewöhnungsbedürftig die “Sächsische Staatskapelle” besetzt mit Modernen Instrumenten. Hier hätten wir uns lieber die Baroque Soloists gewünscht mit ihrem furiosen barocken Klang, aber Gardiner suchte die Herausforderung.

In seinem vorab gegebenen Interview sagte er:

Frage: Haben Sie bestimmte Vorgaben im Voraus gemacht, was die Aufführungspraxis oder Besetzung des Orchesters angeht?

Gardiner:
Nein, ich bin ein praktisch veranlagter Dirigent – ich höre zu, was gespielt wird und wir werden sehen, wie wir zusammenkommen. Nicht didaktisch, pädagogisch – ich bin kein Fanatiker und ich schätze das Orchester sehr. Der Zweck der Zusammenarbeit ist ja gerade die musikalische Begegnung, sonst hätte ich auch mein eigenes Orchester mitbringen können. Eigentlich ist das ja vergrößerte Kammermusik, man muss den Musikern einzeln respektvoll und mit Freude zuhören und sie zu dieser Musik einladen. So kann man zusammen musizieren ohne hierarchischen Dogmatismus.

Zitat-Ende!

Auf diese Herausforderung hätten wir gerne verzichtet und sein eigenes Orchester gehört. Da gefällt mir die Einspielung von Hermann Max, mit seinem Barockorchester bedeutend gefälliger. (Eine Hörprobe werde ich von H.M.zur Verfügung stellen).

-.-.-.-.


Foto: Konzertbeginn mit Zelenka, problematisch die Aufstellung der Gasangs-Solisten, Mitte hinten ! Eine Katastrophe war der Sopran-Part von der sonst so ausgezeichneten “Miriam Allan” in Satz drei “Gloria Patri”, sie vermochte mit ihrem Gesangs-Volumen bis zur Mitte des Kirchenschiffes in etwa hörbar gewesen sein, uns erreichte wegen der Größe der Frauenkirche, und sitzend, gegenüber dem Altar- und Aufführungsraum auf der 1. Empore, nur ein kaum hörbarer Gesang, leider.

Wie überhaupt vor der Pause eine problematische Akustik vorherrschte, wie mag die Probe am Vormittag verlaufen sein, die Hörbarkeit war für uns absolut mangelhaft, ein erträgliches Hörerlebnis erfuhren wir nur, wenn alle Beteiligten voll in das Werk integriert wurden! Wir sahen uns an und waren der Meinung: “Sollte es wieder ein nicht mundender Konzert-Abend werden!” Es war wie verhext, dieser Kirchenraum scheint wohl nur mit Problemen behaftet zu sein, oder täuschen wir uns?

Foto: Pausen-Applaus für Gardiner und die Sächsische Staatskapelle sowie dem Monteverdi Choir, Gesangs-Solisten: Miriam Allan (Sopran), Clare Wilkinson (Sopran II, Alt), Nicholas Mulroy (Tenor), Matthew Brook (Bass). Konzert am 23.6.2007 in der Frauenkirche Dresden.

Die Miserere-Messe wurde von dem Monteverdi Choir hervorragend vorgetragen, sie waren einschließlich Solisten, in einer 31-Sänger- (innn) Kopf- Anzahl vertreten, ( so einen Gewalt-Chor habe ich bei Gardiner noch nicht erlebt !), was bei der problematischen Akustik der Frauenkirche wohltuhend registriert werden konnte und sie waren fantastisch zu hören. Zelenkas Messe fließt in einer ruhigen und gleichmäßigen konzertanten Musik, ohne nennenswerte Höhepunkte.

Der Programmpunkt zwei beinhaltete die Missa in h-Moll, BWV 232I (in der Fassung von 1733, – ca. 60 Minuten Aufführungsdauer – , aus deren Kyrie und Gloria schließlich die berühmte h-Moll-Messe werden sollte, BWV 232, in der Fassung von 1749). Die Missa in h-Moll, BWV 232I war Bachs Bewerbungs-Komposition an den Dresdener Hof, 1733, zur Erlangung des Titels: “Königlicher Hof-Compositeur.”

Diese uns bekannte Messe in h-Moll, BWV 232, müssen wir bereits mit Gardiner in Ludwigsburg, im Jahre 2004 gehört haben, denn die dortige Aufführungszeit belief sich auf etwas über 60 Minuten und muss sich um die Kurzfassung (BWV 232I) gehandelt haben?

Die einzelnen Stimmen des einunddreißigköpfigen Chors, aus dem auch die Solisten nach und nach für die Soloparts hervortreten, sind einheitlich in ihrer Färbung, präzise und schlank in der Stimmführung.

Wenig heraushörbar die Gesangs-Solisten: Miriam Allan (Sopran) Clare Wilkinson (Sopran II, Alt), Nicholas Mulroy (Tenor), Matthew Brook (Bass), aufgrund der miserablen Akustik und ihre Plazierung in der Frauenkirche, wie bereits erwähnt, erreichte uns nicht der Gesang auf der 1. Empore, großartig und hörbar gelingen die Chor-Partien, das Orchester mit modernen Instrumenten bestückt, waren durchaus annehmbar und gaben der Bach-Messe gekonnt ein prägendes Musizier-Erlebnis.

Als eine Präferenz-Aufführung kann sie nicht unbedingt herhalten, da gefiel uns die Aufführung in Ludwigsburg, trotz der trockenen Akkustik dort, allemal gefälliger, das Broque Orchester wurde in Dresden absolut vermisst.

Foto: Wartendes Orchester, Chor und Gesangs-Solisten nach der Pause auf den Sir !

Was sich dann nach der Pause tat, kommt einem Wunder gleich. Draußen hielt ich mich in der Pause kurz auf und ging um die Frauenkirche, stoppte meine Schritte und bemerkte, dass sämtliche Gesangs-Solisten die Zeit nutzten, sich nochmals einzusingen, war das ein Schlüssel zum Erfolg für den 2. Teil des Konzertes?

Den Schlußpunkt setzte man mit Joseph Haydn. Messe B-Dur Hob. XXII:14 (Harmoniemesse), eines der Spätwerke von Joseph Haydn von 1796.

Man sah sich genötigt zu träumen, bist du in einem anderen Konzertsaal, wie gewandelt erklang das Orchester, die Gesangs-Solisten waren nun deutlich hörbar bis zur 1. Empore zu vernehmen, hier scheint es in der Pause wohl erregte Diskussionen gegeben zu haben, denn diese Aufführung war das “Non plus Ultra” des Abends. Eine nicht zu toppende und betörende Wiedergabe, alle waren bemüht, den Abend zu retten, hier scheint der Sir wieder in seinen Zauberkasten gegriffen zu haben, die Gesangs-Solisten platzierte er nach vorne an die Bühne, dass war mit ein Schlüssel zum Erfolg. Kräftig und Ausdrucksstark sangen sie nun ihren Part, der sich absolut wohltuhend von dem zuvor Gehörten, abhob, eine fantastische Leistung,

Die üblicherweise so ausdrucksstarken Sängerinnen (Miriam Allan; Clare Wilkinson) und Sänger (Mattew Brooks) boten nun eine Glanz-Vorstellung, das war genau die Musik, die wir vom Sir gewohnt sind, wortverständlich und in ihren unnachahmlichen Gesangs-Nuancen wurde wie selbstverständlich der Monteverdi Choir mitgerissen, wir erlebten eine Sternstunde mit Haydn-Musik.

Die B-Dur Messe enthält so viel an Feinheiten, die aber meinen schon so umfangreichen Bericht sprengen würde, romantische Anklänge der beginnenden Klassik-Zeit waren heraushörbar mit ebenso wunderbaren Barock-Klängen, ein vortreffliches Werk, das ich wärmstens empfehlen kann.

Foto: Schluss-Applaus in der Frauenkirche Dresden am 23.6.2007, im Vordergrund Die Gesangs-Solisten und Sir J. E. Gardiner.

Beglückt darüber, dass wir nun doch noch nach der Pause eine vortreffliche Darbietung erleben durften, verließen wir die Aufführungsstätte. Gedankenversunken sinnierten wir, wie wäre es gewesen, wenn der 1. Teil ebenso fantastisch abgelaufen wäre……….!!

Grüße

Volker

P.S.

*) Eine Anmerkung von der Misa in h-Moll, BWV 232I und der Bearbeitung von Bach zur berühmten h-Moll-Messe stelle ich im Nachgang den Interessierten zur Verfügung!

Bach arbeitete zu unterschiedlichen Zeiten an dieser Messe: Das Sanctus wurde bereits 1724 für den ersten Weihnachtstag komponiert.

1733 entstanden das Kyrie und das Gloria (Missa brevis). Diese erste Fassung war sowohl im lutherischen wie im katholischen Gottesdienst verwendbar. Die 21 Stimmen dieser Fassung reichte Bach mit einem Widmungsschreiben im Juli beim katholischen Dresdner Hof ein, verbunden mit der Bitte um Verleihung des Titels eines “Hof-Compositeurs”. Erst nach vielfachen Erinnerungen, weiteren Widmungen und zahlreichen Konzerten wurde ihm der Titel eines “Kurfürstlich-sächsischen und königlich-polnischen Hofcompositeurs” im November 1736 verliehen. (Aufführungsdauer; ca. bis 70 Minuten)

1748 entschloss sich Bach, die Messe um Credo, Sanctus, Osianna, Benedictus, Agnus-Dei und Dona nobis pacem zu erweitern, teils durch Neukompositionen, teils durch parodierende Umarbeitung vorhandener Sätze aus seinen Kantaten.

Zwar wurde die h-Moll-Messe BWV 232, in der Bach-Familie als „catholische Messe“ bezeichnet, dennoch unterscheidet sich der Text an zwei Stellen vom katholischen Messentext: Entsprechend der Fassung von Martin Luther ist im Gloria nach Domine, fili unigeniti, Jesu Christe das Wort altissime eingefügt. Im Sanctus steht statt Gloria tua entsprechend Jesaja 6,3 gloria ejus. (Aufführungsdauer: ca. bis 110 Minuten).

(Quelle: http://medienturm.ag-server.de/ und Christoph Wolff, Booklet, Gardiner h-moll-Messe, Archiv 1985


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Sinn oder Unsinn der Beifallskundgebung in Kantaten-Konzerten !


Hallo,

mich hat dieses Thema schon immer bewegt, wie verhalte ich mich als Besucher, wenn ich ein Konzert mit Bach-Kantaten von Sir John Eliot Gardiner besuche und meinen Beifall für seine überwältigende Darbietung kundtun möchte. Nach dem ersten aufgeführten Bach-Werk gerate ich in eine Zwickmühle, soll ich spontan Beifall spenden, verharre ich erst einmal, oder unterlasse ich prinzipiell eine Beifallsbekundung nach der ersten Kantatenaufführung.

Foto: Tosender Schlussapplaus nach den Michaelis-Kantaten in der Nikolaikirche, Bachfest Leipzig 2007

In Leipzig war es zu Bachs Zeiten Sitte, zu einer Aufführung mit “Geistlicher Musik” keinen Beifall zu spenden.

@Alex, erwähnte einmal in seinem Beitrag zur Probe der Kantaten im Bachjahr 2000 in der Thomaskirche von Leipzig, dass der örtliche Pfarrer Sir John Eloit Gardiner gebeten hat, auf das Gotteshaus Rücksicht zu nehmen und er auf Beifallsbezeugungen verzichten sollte.

In einem Gespräch meinerseits – in der Pause zu den Triumpf-Kantaten zum Bachfest 2007 in Leipzig, in der Nikolaikirche – kam ein Besucher auf mich zu und fragte mich, ob dieser spontane Applaus nicht unterlassen werden sollte, man sei von der Musik noch so ergriffen und sollte doch erst einmal alles richtig innerlich verarbeiten können. Er habe ein großes Problem damit, durch den spontanen Applaus sei so manches in ihm zerstört worden und eine Verinnerlichung der “Geistlichen Musik” nur noch bedingt möglich.

Was für einen Standpunkt vertreten die Blog-Teilnehmer, das würde mich brennend interessieren, ist die spontane Beifallsbezeugung eine moderne Unsitte geworden und sollte zu den Ursprungs-Zeiten zurückgekehrt werden und durch eine mehrminütige Stille und Sitzenbleiben dem Werk entsprechend gewürdigt werden.

Grüße

Volker

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Fantastische Michaelis-Kantaten erklangen im Braunschweiger Dom


Hallo,

was gestern Abend im Braunschweiger Dom zu erleben war, entsprach einer genialen Veranstaltung mit den Michaelis-Kantaten. Gardiner mit seinem Barockorchester und Monteverdi Choir sang vor dem Beginn der Pause das BWV 50 “Es ist das Heil und die Kraft” mit ca. 30 Sänger(innen).

Foto: Tosender Applaus für Sir J.E. Gardiner am 29.9.2009 im Braunschweiger Dom

(Fotorechte: V.Hege)

Foto: Barock-Trompeter der Extra-Klasse

Es war überwältigend, die Stimmung war wie in einem Pop-Konzert, die Besucher standen Kopf, das hat der alte Dom wohl noch nicht erlebt, einfach ein überwältigendes Erlebnis des ganzes Konzertes. Leipzig wurde getoppt….

Ausführliche Rezension folgt.

Grüße
Volker

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Ein Konzerterlebnis der Besonderheit mit J.E. Gardiner dem Monteverdi Choir und English Baroque Soloists in Braunschweig!


Hallo zusammen,

nun möchte ich meinen persönlichen Bericht des fantastischen Konzertes mit den Michaelis-Kantaten vom 29. September 2007, Aufführungsort: Braunschweiger Dom St. Blasii, wiedergeben.

Programm

Johann Christoph Bach (1642-1703) Kantate: „Es erhub sich ein Streit“
Johann Sebastian Bach (1685-1703) Motette: BWV Anhang 159 „Ich lasse dich nicht“
Johann Sebastian Bach Kantate: BWV 19 „Es erhub sich ein Streit
Johann Christoph Bach Motette: „Unsres Herzens Freude hat ein Ende“
Johann Sebastian Bach Kantate: BWV 50 „Nun ist das Heil und die Kraft“

Pause

Johann Sebastian Bach Kantate: BWV 130 „Herr Gott, dich loben alle wir“
Johann Christoph Bach Motette: „Lieber Herr Gott, wecke uns auf“
Johann Sebastian Bach Kantate: BWV 149 „Man singet mit Freuden von Sieg“

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Ausführende

Monteverdi Choir
English Baroque Soloists
Leitung: Sir John Eliot Gardiner

Gesangs-Solisten: Julia Doyle, Sopran; Clare Wilkinson, Alt; Nicholas Mulroy, Tenor; James Gilchrist, Tenor; Peter Harvey, Bass; Matthew Brook, Bass.

Trompete: Neil Brough, Michael Harrison, Robert Vanryne, Paul Sharp. Orgel: Silas Standage.
1. Geige: Maya Homburger; 2. Geige: Anne Schumann; Viola: Jane Rogers; Cello: David Watkin; Flöte: Rachel Beckett; Kontrabass: Valeri Botwright; Fagott: Györgyi Farkas; Oboe: Michael Niesemann; Pauke: Rober Kendell; Cembalo: Edmund Connolly.

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Die Anfahrt zum Konzert entpuppte sich zu einem Fiasko, A 2 mit 14 km und weiteren 4 km Stau, unheimlicher Regen zwang uns dazu, die Bundesstraße 65 zu benutzen. Nach drei Stunden erreichten wir Braunschweig und stärkten uns in der Nähe des Domes erst einmal mit einem Cappuciono.

Gefreut haben wir uns auf das Treffen mit einer Mini-Gruppe vom Blog – anderthalb Stunden vor Konzertbeginn – am Monument mit dem „Löwen“ vor dem „Dom St. Blasii“.
Es war ein schönes Kennenlernen mit Mitgliedern vom Blog und machte Spaß und Freude auf ein weiteres Wiedersehen.

Kleine Eingriffe in der Programmabfolge – im Gegensatz zu dem Konzert am 15. Juni 2007 in der Nikolaikirche in Leipzug – unternahm Gardiner in Braunschweig.

Das geistliche Konzert: „Der Herr ist König, darum toben die Heiden“ von Johann Michael Bach (1648-1694) wurde ganz ausgelassen, – mag es hier Urheberrechtliche Bestimmungen gegeben haben, (dieses Werk schlummerte unerkannt in Ansbach und wurde erst vor kurzem ans Licht der Öffentlichkeit gebracht), das Werk erklang nach 300 Jahren erstmals wieder in der Nikolaikirche am 15.6.2007 unter der Stabführung von Gardiner, – es wurde ersetzt mit der einstrophigen Motette aus dem „Altbachisches Archiv“ von Johann Christoph Bach (1642-1703) „Unsres Herzens Freude hat ein Ende“.

Nach einer viertelstündigen Verspätung, der altehrwürdige Dom war bis auf den letzten Platz besetzt mit ca. 2000 Besuchern, erklang die grandiose Kantate des Eisenacher Organisten von Johann Christoph Bach (1642-1703), „Es erhub sich ein Streit“. (Den besonderen Reiz dieses Werkes erkannte auch J.S. Bach und diente als Vorlage für seine Kantaten-Komposition BWV 19 mit dem gleichlautendem Titel: „Es erhub sich ein Streit“).

Mit den einsetzenden Trompeten, Pauke und Monteverdi Choirs war ich erstaunt über die Halligkeit des Domes und musste mich an diese Akustik erst einmal gewöhnen.
Glanzlichter dieser Kantate sind die festlichen Trompetenklänge und das außergewöhnliche Singen des Monteverdi Choirs, es entpuppte sich als Einstiegs-Droge für mehr….

Mit der darauf folgenden dreisätzigen Motette: BWV-Anhang 159, „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, offenbarte sich die prägnante Gesangs-Kulur des Chores.
Leider wurde der Choral, 2. Satz, „Lob, Ehr und Preis sei dir gesagt“, ausgelassen, warum das geschah, bedarf noch der Klärung….

Im Gegensatz zur Aufführung in der Nikolaikirche in Leipzig, im Juni 2007, wurde von J.S. Bach die Kantate: BWV 19 „Es erhub sich ein Streit“ im 1. Teil der Aufführung im Dom zu Gehör gebracht.

Im 1. Satz wurde prächtiger Streitgesang geboten die Trompeten und das Barockorchester liefen zur Höchstform auf, das ist Barockmusik zum Verlieben schön.
In dem Rezitativ für Bass „Gottlob der Drache liegt“ glänzte wieder einmal Peter Harvey mit seiner makellosen Stimme und überzeugenden Wortartikulation…..

Im 3. Satz; die Arie für Sopran: „Gott schick uns Mahanaim zu“ erklingt ein warmherziger Sopran, brillant im Stimmvolumen und überzeugend Julia Doyle, ein herrlicher Gesangsvortrag,

Überragend gelingt James Gilchrist die Arie für Tenor im 5. Satz: „Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir“, hier wird ein Gesang zelebriert, der mich aufgrund des innigen und perfekten Vortrages zutiefst zu berühren weiß, was ist das für ein Tenor, er beschwört förmlich die Engel zu bleiben wie es vortrefflicher nicht gesanglich geboten werden kann, er ist ein ganz Großer in der Tenor-Gilde, absolut ein Spitzenkönner…., wie überragend in der Zürückhaltung im Ton sehr gut disponiert die fantastische Trompetenbegleitung von Neil Brough, sowie herrlich und akzentuiert spielende Barocke Soloists, das ist „Göttliche Musik“ im wahrsten Sinne des Wortes, hier versteht es Gardiner einfach grandios, entsprechende Akzente zu setzen, absolute Höhepunkte gelingen allen Beteiligten in diesem fantastischen Kantatenwerk.

Beglückend erklingt am Ende der Kantate als ein krönender Abschluss der Choral: „Laß dein’ Engel mit mir fahren“, Getragen und zu Herzen gehend gesungen begeistert dieser großartige Chor die Zuhörer.

Im Anschluss erfolgte die einstrophige Motette von Johann Christoph Bach „Unsres Herzens Freude hat ein Ende“. Sie wurde großartig Schlank und nuancenreich gesungen.

Vor Beginn der Pause erklingt als ein zusätzliches Highlight an diesem Abend die Kantate von J.S. Bach als ein Fragment, BWV 50 „Nun ist das Heil und die Kraft“,
Für mich eines der großartigsten Kompositionen, die in der Barockzeit geschaffen wurde. Wenn auch die Autorenschaft zwiespältig erscheint, kann so eine großartige Komposition nur aus der Feder des Übervaters: “Johann Sebastian Bach“ stammen…

Was die Ausführenden an Genialität und Musizierfreude in diesem Vortrag zum Besten gaben, kann nicht mehr getoppt werden. Gardiner beweist wieder Gespür dafür, wie so ein kraftstrotzendes Werk zu interpretieren und vorzutragend ist, es mundete prächtig und ließ eine faszinierte Hörerschaft schier aus dem Häuschen geraten. Donnernder Applaus erschütterte den altehrwürdigen Dom, die Besucher entließen die Protagonisten nur ungern in die Pause. Dieses Fragment hätte ich gerne am Schluss der Veranstaltung gehört, es wäre der krönende Abschluss eines unvergesslichen Abends geworden.

Ich merke, dass durch mein schwärmen für diesen großartigen Bach-Abend mein Bericht darüber ins uferlose gerät, deshalb will ich nur kurz die Höhepunkte der Werke, die nach der Pause erklangen, wiedergeben.

Johann Sebastian Bach, BWV 130 „Herr Gott, dich loben alle wir“

Hier möchte ich die berauschende Arie in Satz 3 für Bass „Der alte Drache brennt vor Neid“, hervorheben, ein stimmlich perfekter Bass-Bariton, Peter Harvey, verleiht dieser Arie die entsprechenden gesanglichen Nuancen. Die prächtigen Trompeten wissen das entsprechend zu unterstützen…

Glücklich ist die Besetzung für das Duo (Sopran: Julia Doyle und Tenor: James Gilchrist) als Rezitativ „Wohl aber uns, dass Tag und Nacht“,

Ein weiterer Glanzpunkt der Satz 5 in Begleitung mit der Flöte singt der Tenor James Gilchrist eine zu Herzen gehende Arie „Laß o Fürst der Cherubinen“. Was dieser Sänger zustande bringt entspricht in der Tat einem Cherubinen-Gesang, bezaubernd seine gesanglichen Qualitäten, er überrascht mich immer wieder aufs Neue. Als eine vortreffliche Partnerin im Flötenspiel ist Rachel Beckett lobend zu erwähnen.

Ein prächtiger Schluss-Choral beschließt dieses hervorragende Kantatenwerk. „Darum wir billig loben dich“ wird in der bezaubernden Wiedergabe durch den Monteverdi Choir und durch eine entsprechende Dramaturgie und Akzente setzenden Gardiner zu einer mustergültigen Wiedergabe.

Die anschließende Motette von Johann Christoph Bach „Lieber Herr Gott wecke uns auf“ setzte den faszinierenden Gesang fort wie Eindrücklich der Chor agiert ist immer wieder zu bewundern…..

Den Schlusspunkt des Konzertes bildete die Kantate von J.S. Bach das BWV 149 „Man singet mit Freuden vom Sieg.“

Die einleitenden Trompeten schmettern das Thema hervorragend heraus, und wird grandios vom Chor gesanglich übernommen, es erklingt eine in sich überzeugende klangliche Einheit mit einer berauschenden Interpretation.

Der 2. Satz mit der Arie für Bass (Peter Harvey) „Kraft und Stärke sei gesungen“ ist ein bezauberndes Stück an Barock-Kultur. Das Fagottspiel untermalt genial den Gesang eines bestens aufgelegten Bassisten, der vor Kraft und Stärke sinngemäß des Textes eine Top-Besetzung darstellt.

Leicht abfallend erscheint mir im 3. Satz die sonst so überzeugende Altistin, Clare Wilkinson“, sie hatte nicht ihren besten Tag, dünnlich war ihre sonst so starke Stimme nur zu vernehmen in dem Rezitativ: „Ich fürchte mich vor tausend Feinden nicht.“ (in der CD 2; SDG 124, Vol. 7, singt diesen Part der Altus Richard Wyn Roberts, da passt meines Erachtens die vorgenannte Sängerin als Altistin hervorragender hin…).

An dem Abend ist einmal lobend der Soprangesang von Julia Doyle zu erwähnen, kraftvoll und gesanglich immer überzeugend singt sie in der anschließenden Arie: Gottes Engel weichen nie.“ absolut herzzereißend. Diese Arie, das BC und der Gesang bildeten eine geschlossene Einheit von vollendeter Schönheit, das war ein Engelgesang und Engelmusik der besonderen Art, das Herz öffnete sich und vernahm überirdische Musik….

Diese himmlische Musik ist im Arien-Duett des 6. Satzes für Alt und Tenor mit dem „Seid wachsam ihr heiligen Wächter“ wieder zu vernehmen. Das einsetzende beseelende Fagottspiel von Györgi Farkas und die herrlich zusammenpassenden Gesangspartner (Clare Wilkinson, Sopran und James Gilchrist, Tenor) erzeugen Traummusik, die einen erschauern lässt…..

Die wunderschöne Kantate schließt mit einem prächtigen Choral: „Ach Herr lass dein lieb Engelein.“ Es ist für mich eines der schönsten Bach-Choräle, ich genoss in vollen Zügen diesen fantastischen Gesang des Monteverdi Chores und konnte mich nicht satt hören, meine Rührung konnte ich nicht verbergen, die Tränen standen mir in den Augen, ob dieser fantastischen Wiedergabe. Es war der krönende Abschluss eines wiederum zu geniessenden und überragenden Konzertabends.

Meine Liebe zu Gardiner und seinen Protagonisten erfuhr hier wieder seine Bestätigung aufgrund der Großartigkeit, wie er Spannungen aufbaut und Nuancen in der Interpretation setzt, erzeugt bei mir immer ein Gänsehauterlebnis, was ich bei anderen Interpreten des öfteren so schmerzlich vermisse.
Ein schier ausgelassenes Publikum dankte den Aufführenden für ein unvergessliches Musizieren, wenn Gardiner seine Truppe nicht vom Podium geholt hätte, wären wir heute noch applaudierend zugegen…., einfach wunderbar, so etwas erleben zu dürfen!!!

Grüße

Volker
P.S. Hier ist der Link zum Picasa Webalbum “Gardiner-Konzert in Braunschweig am 29.9.2007

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Helmstedt, 28.9.2007 – Ein zutiefst beeindruckendes Konzert


11.10.2007 von Barbara.

Um das Ende gleich vorweg zu nehmen – ich bin nach diesem Konzert mit einem ganz tiefen Frieden in meinem Herzen zurück ins Hotel gegangen. Was eigentlich paradox klingt, da die meist gebrauchten Worte des Abends Tod, Tränen, Weinen usw. waren. Aber die Worte sind eins und die Musik das andere. Aber von Anfang an:

Das Konzert mit dem Programm ” Bach-Familie” fand in der Klosterkirche St. Marienberg statt. Diese Kirche ist eine romanische Pfeilerbasilika (sehr alt also) mit einer hölzernen Flachdecke, was ein wenig anheimelnd wirkte. Die Musiker waren im hinteren Altarraum postiert, während sich im vorderen Altarraum die “besten” (und teuersten) Zuschauerplätze befanden. Was die vielen Besucher im langen Kirchenschiff, mehrere Stufen tiefer gesehen und vor allem gehört haben, wage ich mir nicht vorzustellen. Aber für die Priviligierten in den oberen Reihen ergab sich, vor allem auch wegen der kleinen Besetzung, der Eindruck eines exzellenten intimen Kammerkonzertes.

Foto: Aufführungsstätte “Klosterkirche St. Marienberg” Helmstedt

Folgende Werke kamen zur Aufführung:

Johann Christoph Bach: Herr wende dich und sei mir gnädig
Johann Christoph Bach: Fürchte dich nicht
Johann Christoph Bach: Wie bist du denn, o Gott
Johann Christoph Bach: Aria: Mit Weinen hebt sich’s an
Johann Sebastian Bach: BWV 106 Actus Tragicus: Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit
Johann Christoph Bach: Der Gerechte ob er gleich zu zeitlich stirbt
Johann Christoph Bach: Ach, dass ich Wassers gnug hätte
Johann Christoph Bach: Es ist nun aus
Johann Sebastian Bach: BWV 198 Trauerode “Lass Fürstin”

Die Besetzung war absolut minimalistisch, oft nur solistisch besetzt. Deshalb führe ich hier einmal alle, durch die Bank exzellenten Musiker auf:

Miriam Allan, Julia Doyle, Sopran; Clare Wilkinson, Alt; Jeremy Budd, James Gilchrist, Nicholas Mulroy, Tenor; Matthew Brook, Peter Harvey, Bass

Maya Homburger, Kati Debretzini, Geige; Jane Rogers, Viola; David Watkin, Cello; William Carter, Lynda Sayce, Laute; Richard Campbell, Reiko Ichise, Viola da Gamba; Kate Latham, Blockflöte; Rachel Beckett, Christine Garratt, Traversflöte; Michael Niesemann, Molly Marsh, Oboe; Valerie Botwright, Kontrabass; Silas Standage, Orgel und Cembalo

Leider fand während des Schlussapplauses in Braunschweig, als es mich nicht mehr auf dem Stuhl hielt, wo ich mein Programmheft abgelegt hatte, jemand selbiges so interessant, dass er es an sich genommen hatte. Dort hatte ich zu jeden Stück die Interpreten (sehr spannend, wie unterschiedlich die Besetzungen waren) und meine Eindrücke (es wimmelte nur so von beeindruckend, ausdrucksvoll, eindringlich, intensiv und ähnlichen Adjektiven) notiert. Das fehlt mir jetzt leider, sodass ich ziemlich ungenau bleiben muss und nicht jedes Werk entsprechend würdigen kann.

Das erste Stück des Konzertes – Johann Christoph Bach: Herr wende dich und sei mir gnädig – war ein sehr eindrücklicher Klagegesang (Clare Wilkinson, Nicholas Mulroy, James Gilchrist), der von einer Vox Dei (Matthew Brook) in steigender Intensität unterbrochen wurde. So wurde die tröstende Kraft Gottes (Lass dich an meiner Gnade begnügen) sehr deutlich hörbar. Der abschließende Choral “Frisch auf mein Seel und zage nicht” war wirklich sehr frisch gesungen und musiziert, vor allem die Violine mit ihren scharfen Punktierungen sorgte für reichlich Bewegung. Die Intensität, mit der musiziert wurde, war sehr beeindruckend.

Johann Christoph Bach: Fürchte dich nicht wurde auch in sehr kleiner Besetzung musiziert. Hier ist mir besonders der Choral “O Jesu du, mein Hilf und Ruh” in Erinnerung, der von Miriam Allan mit ihrer klaren und durchdringenden Stimme aus dem Hintergrund sehr zu Herzen gehend gesungen wurde.

Welcher der beiden Bässe das folgende Lamento gesungen hat, weiß ich nicht mehr. Ich glaube es war Peter Harvey. Wer auch immer, es war sehr eindruckvoll. Vor allem die fulminante Solovioline (Maya Homburger), die im Gegensatz zu dem klagenden Bass sehr lebhafte Melodien hatte. Hier war ich überrascht, wie viele Farben ein einzelner Ton haben kann. Unglaublich.

Nach dem homophonen “Mit Weinen hebt sich’s an” – sehr eindringlich – wurde der erste Teil mit dem Actus Tragicus beschlossen. Vor allem Clare Wilkinson beeindruckte in ihrer Arie mit einer tiefen Innigkeit. Aber eigentlich ist es nicht fair, gerade hier einzelne Sänger heraus zu stellen, da das ganze Werk sehr zu Herzen gehend war.

Foto: Klosterkirche St. Marienberg, von links: J.E. Gardiner, James Gilchrist,

Jeremy Budd, Miriam Allan, Julia Doyle

Nach der Pause war für mich das beeindruckendste Stück das Lamento ” Ach, dass ich Wassers gnug hätte” für Alt. Ein klein wenig Ironie am Rande: Clare Wilkinson, die an diesem Abend praktisch ständig beschäftigt war, kämpfte vor dieser Arie mit ihrer Wasserflasche. die sich nicht öffnen ließ. Das Orchester stimmte und stimmte, sie kämpfte tapfer weiter, die Tenöre und Bässe, die auch an der Seite saßen, schauten interessiert zu, das Orchester stimmte weiter, bis sich Katherine Adams erbarmte und ihr eine andere Wasserflasche öffnete. Sie nahm einen tiefen Schluck, ging auf die Bühne und klagte verzweifelt nach Wasser. So viel Verzweiflung in der Stimme war fast nicht zu ertragen. Eine Sternstunde. Ich war so beeindruckt, dass ich über von der folgenden Trauerarie (von allen Sängern gesungen) nur noch weiß, wie beeindruckend das jede Strophe beendende “Welt gute Nacht” immer intensiver, aber auch ruhiger wurde. Ein Widerspruch, ich weiß, aber das ist hängen geblieben. Die das Konzert beendende Trauerode hat mich nur noch träumend erreicht, es war einfach nur schön.

Allen Stücken gemeinsam ist, ich wiederhole mich, dass unglaublich einfühlsam, ausdrucksstark und zu Herzen gehend musiziert wurde. Manches Mal waren die Töne jenseits aller Schönheit, sie waren nur noch ganz tief empfunden, voller Schmerz oder voller Mitleid. Auch wenn ich nicht jeden Sänger gewürdigt habe, jeder einzelne verdient und vor allem John Eliot Gardiner, der diese unglaubliche Intensität auf seine Musiker übertragen hat, die größte Bewunderung und alle zusammen als Team sowieso. So niederdrückend die Texte auch waren, die Musik war voller Trost und Schönheit. Ich denke, dies ist die größte Botschaft des Abends: Ganz egal, wie besch…eiden vieles in diesem Leben ist, was alles schief geht, wo eigentlich nur noch Verzweiflung pur ist, über allem ist etwas, was größer ist und alles leichter macht. So wie an diesem Abend die Musik über die Worte triumphiert hat. Gekrönt wurde dies am nächsten Abend mit der Arie “Bleibt ihr Engel”, mit der James Gilchrist mitten in diesem lauten, pompösen Konzert einen Bogen zu dem Helmstedter Konzert geschlagen hat. Aber dies war ein anderes Konzert…

Foto: Klosterkirche St. Marienberg, Schluss-Applaus

Der Applaus sprach für sich – Standing Ovations – und eine traumhafte Zugabe, die noch einmal die Eindringlichkeit dieses Konzertes vertiefte. Ein richtiges “Geh nach Hause in Frieden – Stück”. Allerdings ging es nicht nur mir so. Beim Ausgang im Kirchenportal hörte ich die Fragen “Was war denn das?” und “Welche Sprache war das eigentlich?” Mittlerweile habe ich erfahren, dass es sich die Motette “Der Gerechte kommt um” von J.S.Bach handelte. Eigentlich ist das Stück von Kuhnau (Tristis est anima mea), das Bach mit einer Begleitung für Streicher und 2 Oboen versehen hat. Ein wunderbares Stück und ein wunderbarer Abschluss für einen Abend, der lange bei mir nachklingen wird.

Viele Grüße
Barbara

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Mein Kurzbericht vom Gardiner-Konzert


Hallo,

Ich hatte schon Sorge, dass die vielen Karnevalsmusikgruppen in der Philharmonie noch zu hören wären. Dem war natürlich nicht so.

Foto: Konzert von Monteverdi in der Kölner Philharmonie

Gardiner hat ein berauschendes Konzert hingelegt, so außer “Rand und Band” wie beim Requiem habe ich ihn noch nie erlebt. Ein ganz ausgesuchtes Programm führte über Schütz, J. Rudolf Ahle, J. S. Bach Heinricht Schütz und Christopf Bach bis zur Musik Brahms. Gardiner hat für mich die Wurzeln, aus denen Brahms kommt, in den ausgewählten Stücken fantastisch dargestellt. Aufgeführt in einer so subtieln und beeindruckend Art und Weise: Minibesetzung des Chores (8 Sänger/innen – vielleicht waren es auch 10.) und Minimalsbesetzung des Orchesters.

Bei dem “Es ist genug” von Ahle und J. S. Bach, Schlußchoral aus “o Ewigkeit du Donnerwort (BWV 60), war der Chor von solcher Weichheit und Zartheit und hauchte dieses “Es ist genug” wirklich aus. Ich hab` den Atem angehalten, weil ´diese Stücke wirklich überirdisch schön klangen. Dieses “überirdisch schön” wurde auch in der Pause immer wieder hervorgehoben; einfach eine großartige chorische und natülich Gardiner-Leistung.

Beim Requiem waren Monteverdichoir und l`orchestre révolutionaire et romantique in voller Besetzung zu erleben. Über 40 Sängerinnen und Sänger und ein riesen Orchester, das wirklich mit Pauken und Trompeten ein großartiges Feuerwerk veranstaltete. Gardiner hat auch an diesen fortissimo Stellen mit großartiger Sicherheit geführt und erst recht bei den Traumstellen, wie z. B. “Wie lieblich sind Deine Wohnungen”, in denen Chor und Orchester bis ins Pianissimo geführt wurden.

Die beiden Solisten, Camilla Tilling, Sopran und Matthew Brook, Bariton wirkten gegenüber dem Chor etwas schwach, sie haben mich nicht ganz überzeugen können. Und noch etwas ist mir aufgefallen: Gardiner hat im Frack dirigiert – ein ganz fremder Anblick. Das Konzert hat natürlich nicht darunter gelitten, es war einfach großartig. Von überirdisch schön bis zum rauschenden Feuerwerk war alles drin.

Jetzt muss ich erst wieder sehr lange bis auf das nächste Highlight warten.

Grüße

Iris

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Im Interview Violonist J. Pramsohler: An Gott glauben nicht alle Musiker, an Bach schon !


Hallo,

vermehrt entdecke ich unter Klassik so manch Interessantes, was ich dem Forum nicht vorenthalten möchte.

„An Gott glauben nicht alle Musiker, an Bach schon“

Er ist Ende zwanzig, spricht fünf Sprachen und ist ein Weltenbummler. Als Barockmusiker pendelt Johannes Pramsohler zwischen London und Paris, auf seinen Tourneen bereist er ganz Europa. Südtirol Online hat mit dem Geiger und Konzertmeister – unmittelbar nach einer Tournee – über brotlose Jobs, MTV, seine Lebensphilosophie, Südtiroler Speckknödel und Johann Sebastian Bach gesprochen.

© 2008 STOL
Johannes Pramsohler Foto: Nephi Niven Stogner

“Auszüge aus dem Interview mit Südtirol Online

Südtirol Online: Sie kommen soeben von einer Tournee zurück?

Johannes Pramsohler: Ja, ich bin nach einer fünfwöchigen Tournee wieder nach Paris zurückgekommen. Drei Tage bleiben mir, um ein bisschen aufzuräumen, dann geht es wieder los. Im Moment ist es schon ein bisschen heftig.

STOL: Anstrengend, das Leben aus dem Koffer?

Pramsohler: Ja, schon, aber man gewöhnt sich daran. Anstrengend ist es immer dann, wenn die Tourneezeiten nur ganz kurz sind. Die fünf Wochen waren jetzt okay: Wenn ich für längere Zeit unterwegs bin, gewöhne ich mich schnell an das Leben aus dem Koffer und den ständigen Hotelwechsel.

STOL: Werden Sie für die Konzerte über Agenturen gebucht?

Pramsohler: Agenturen sind bei mir noch keine im Spiel. Zurzeit läuft alles über Auditions und Empfehlungen. Die Barockszene ist eine sehr kleine Szene innerhalb der klassischen Musik, in der beinahe jeder jeden kennt. Somit trifft man immer wieder auf die gleichen Personen, die einen dann auch kennen und weiterempfehlen, was einen Wechsel zwischen den Orchestern erleichtert. Wenn man als Musiker aber noch ganz neu in der Szene ist, dann bewirbt man sich bei diversen Orchestern durch Probespiele. Damit fängt alles an. Später gelangt man irgendwann auf die Reserveliste, bis man dann vielleicht irgendwann Mitglied ist. Manchmal kann das schon anstrengend sein, vor allem, da die Barockorchester sehr klein sind und manchmal nur aus sechs bis sieben Musikern bestehen, also nicht so viel Bedarf an neuen Mitgliedern besteht.

STOL: Eine Zukunft mit Fragezeichen. Beunruhigt Sie das nicht?

Pramsohler: Ja, das mit dem Fragezeichen stimmt. Beunruhigt bin ich eigentlich nicht, denn die Orchester buchen die Musiker bereits längere Zeit im Voraus. Mein Konzertkalender ist bis 2009 abgedeckt, 2008 werde ich dann die Termine für 2010 erhalten.

STOL: Sie spielen eine Barock-Violine. Was ist daran besonders?

Pramsohler: Ich spiele Barockmusik auf Originalinstrumenten, d. h. ich versuche mich einer Klangvorstellung anzunähern, die uns heute als ‚authentisch’ erscheint. Ich möchte meine Idee, wie diese Musik im 17. und 18. Jahrhundert geklungen haben könnte und vom Komponisten gedacht wurde, verwirklichen. Eine Barockgeige ist ein wenig anders gebaut und mit Darmsaiten bespannt. ‚Moderne’ Violinen besitzen hingegen Kunststoff- oder Stahlsaiten. Auch der Bogen unterscheidet sich vom modernen, er hat eine gänzlich andere Form – die Spannung wird dadurch anders verteilt und das erlaubt mehr Artikulation und ein viel detailreicheres Spiel.

STOL: Ist das Interesse an der Alten Musik heutzutage eigentlich noch groß?

Pramsohler: Die Szene ist klein, das Interesse steigt jedoch zunehmend. Es gibt immer mehr Barockmusiker, insbesondere da in den vergangenen 20 bis 30 Jahren die Barockmusik neu entdeckt wurde. Zuvor spielte man sie auf modernen Instrumenten, ohne näher zu überlegen, was sich der Komponist bei seinem Werk wohl gedacht haben mag bzw. ohne zu überlegen, was die Barockmusik für eine Aufgabe hat, wie sie funktioniert. Das kommt heute Gott sei Dank immer seltener vor.

STOL: Wie sind Sie zur Barockmusik gekommen?

Pramsohler: Das Interesse dafür ist langsam in mir gewachsen. Obwohl mir sowohl meine Eltern als auch meine Professoren am Konservatorium immer wieder sagten, dass ich ein Talent für Barockmusik hätte, sträubte ich mich zunächst dagegen. Der Barockmusiker war für mich kein erstrebenswertes Idealbild: Vor zwanzig Jahren waren diese meistens Gesundheitstypen, Müslifresser mit Vollbart in Birkenstock, die recht wenig draufhatten und im Studium oder mit ‚späterem’ Repertoire nicht sehr erfolgreich waren. Deshalb war der Ratschlag zunächst alles andere als schmeichelhaft für mich.

STOL: Warum glauben Sie kam er dann?

Pramsohler: Nicht, weil ich so schlecht war (lacht). Am Bozner Konservatorium müssen alle Epochen gespielt werden und ich hatte eben immer den leichtesten Zugang zu Bach oder Mozart. Ich habe mich schnell in diese Musik hineinfühlen und die musikalische Rhetorik wie verlangt wiedergeben können. Trotzdem hat mich die Barockmusik lange Zeit nicht sonderlich interessiert. Erst als ich nach London ging, wurde mir sehr bald klar, dass die Barockmusik tatsächlich das Richtige für mich ist.

STOL: Was war ausschlaggebend für die Karriere: Kindheitstraum Musiker oder ein einschneidendes Erlebnis?

Pramsohler: Weder noch, es war vielmehr ein Lauf der Dinge: Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie, in der jeder entweder singt oder ein Instrument spielt. Musik hat somit immer schon eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Es war dann aber nicht so, dass ich mit fünf Jahren lautstark verkündete, Geige spielen zu wollen. So wie andere Kinder in den Fußballverein geschickt werden, haben mich meine Eltern mit sechs Jahren für den Geigenkurs in der Musikschule angemeldet.

STOL: Warum ausgerechnet Geige?

Pramsohler: Mein Vater spielt Klarinette und er hat zu uns Kindern immer wieder gesagt: „Wenn ihr ein Instrument lernt, dann bitte kein Blasinstrument“. Ihn haben Streichinstrumente, besonders die Geige, seit jeher fasziniert und vor allem hat er bei seinen Orchestertouren des Öfteren beobachten können „dass die Geiger nach den Aufführungen sehr schnell weg sind, wir Klarinettisten aber immer noch dasitzen und eine halbe Stunde ihr Instrument putzen müssen“. Vor dem wollte er mich wohl bewahren…

STOL: Und dann?

Pramsohler: Und dann habe ich über mehrere Jahre hinweg die Musikschule besucht. Während für meine Freunde in der Musikschule bereits damals feststand, dass ich einmal auf dem Bozner Konservatorium landen würde, war das für mich völlig abwegig und ich erklärte sie für verrückt. Musik war für mich lange Zeit eine angenehme Begleiterscheinung, aber sicher nicht mein Hauptinteresse. Nach der Mittelschule habe ich für zwei Jahre die Gewerbeoberschule in Brixen besucht und bin dann mit 16 Jahren nach Bozen, um dort die Gewerbeoberschule mit Fachrichtung Elektronik zu besuchen. In Bozen habe ich mich dann auch, mehr oder weniger nebenher, am Konservatorium angemeldet. Erst im Maturajahr interessierte mich die Schule immer weniger, dafür aber die Musik umso mehr. Es hat sich dann also umgedreht: Die Matura habe ich so nebenher gemacht, während mein Hauptaugenmerk auf dem Musikstudium lag, das ich zwei Jahre später abschloss.

STOL: Sind Sie sofort nach London?

Pramsohler: London war immer schon mein großer Traum, nicht einmal so sehr wegen der Musik. Nachdem ich das Bozner Konservatorium beendet hatte, habe ich mich an der „Guilhall School of Music and Drama“ bei Jack Glickman beworben und wurde aufgenommen. Damit war der Weg nach London geebnet. Ich muss sagen, diese Stadt hat mir die Augen geöffnet und gezeigt, wie die Welt eigentlich so funktioniert. Denn plötzlich musste ich alleine zurechtkommen, ohne immer gleich auf die Basis „Daheim“ zurückgreifen zu können. Nach zweieinhalb Jahren bin ich dann aus Studiengründen nach Paris.

STOL: Welche Eindrücke haben Sie von London mitgenommen?

Pramsohler: London war super. Wenn diese Stadt nicht so extrem teuer wäre, würde ich gerne irgendwann zurückkehren. In London brodelt alles nur so von neuen Ideen, alles pulsiert und bewegt sich. Jeden Tag bekommt man Neues präsentiert. Auch die Leute sind immens interessant. Jeder arbeitet an sich, versucht sich weiter zu entwickeln und sich zu profilieren. Das ist in Paris ziemlich anders: Dort zählen Life-Style, gutes Essen, schicke Kleidung, das Sehen und Gesehen werden. Die Stadt brodelt aber nicht. Auch was das multikulturelle Leben betrifft, hinkt Paris ziemlich nach. In London sind Ausländer integriert, in Paris hingegen immer noch isoliert. Ich wohne hier in Paris in einem Viertel mit ziemlich vielen Indern und Schwarzen zusammen und die nehmen am gewöhnlichen französischen Leben kaum teil. Es ist mehr ein Nebeneinander als ein Miteinander, was ich persönlich als sehr schade empfinde. Auch wenn ich jetzt in Paris wohne, ist es nach London nur ein Katzensprung. Wenn ich für Konzerte oder um Unterricht zu nehmen nach London muss, setze mich am Morgen in den Zug, und kehre am Abend wieder zurück nach Paris. Es sind ja nur zwei Stunden Fahrt.

STOL: Sie waren Anfang 20, als Sie Südtirol verlassen haben. Ist Ihnen die Umstellung auf das Ausland schwer gefallen?

Pramsohler: Nein, eigentlich nicht. Ich habe mich relativ schnell zurecht gefunden und wohl gefühlt. Ein paar Hürden gab es trotzdem, das stimmt: London kann extrem bürokratisch sein. So hat es unglaublich lange gedauert, bis ich endlich ein Bankkonto und einen Telefonvertrag erhielt. Willst du ein Bankkonto, brauchst du einen Telefonvertrag. Willst du einen Telefonanschluss, brauchst du ein Bankkonto. Das war schon absurd. Damals hat es mich gestresst, heute schmunzle ich darüber. Auch der Einstieg in die Hochschule war einschneidend bzw. eine ziemlich große Umstellung im Vergleich zum Bozner Konservatorium: Die Hochschule in London ist wahnsinnig professionell organisiert und verlangt den Musikern einiges ab. Alles funktioniert wie an einem Arbeitsplatz: Unpünktlichkeit, fehlender Fleiß, schlechte Leistung werden bestraft und zwischen den Studenten herrscht große Konkurrenz. Aha-Erlebnisse hatte ich zu Beginn auch mit der Sprache: Eigentlich war ich davon überzeugt, ziemlich gut Englisch zu sprechen. Dem war dann nicht immer so, einige Mal war es nur Gestammel (lacht) und Grübel, Grübel…

STOL: Auf Ihrer Homepage ist nachzulesen, dass Sie bereits Konzertmeister sind. Eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Pramsohler: Ja, das ist sie. Besonders weil der Konzertmeister im Barockorchester nicht nur zwischen Dirigent und Orchester kommunizieren muss, sondern oft auch das Orchester eigenständig leitet. Viele Barockorchester musizieren ohne Dirigent. Um Konzertmeister zu werden, muss man sich jedoch nicht unbedingt hocharbeiten, sondern eher der Typ dafür sein. Nicht jedem liegt diese Rolle.

STOL: Wie muss ein Konzertmeister denn sein?

Pramsohler: Er muss gut kommunizieren können und sich mit den Orchestermitgliedern und dem Dirigenten gut verstehen. Ein bisschen Psychologe sein schadet auch nicht, denn der Konzertmeister ist verantwortlich dafür, dass sich jedes Orchestermitglied wohl fühlt. Wichtig ist auch eine klare Körpersprache, damit jeder im Orchester sofort weiß, was er zu tun hat. Er muss auch immer eine klare Vorstellung vom Musikstück haben und das Werk in allen Details kennen.

STOL: Wird das Orchester eigentlich zu einer Art Ersatzfamilie oder versucht man in der Freizeit bewusst Abstand von seinen Orchesterkollegen zu halten?

Pramsohler: Eher Abstand zu halten, ich jedenfalls. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit unterschiedlichen Orchestern unterwegs bin und damit immer wieder auf andere Kollegen treffe. Aber mir fällt schon auf, dass ich ganz bewusst versuche – auch auf Tourneen – mein eigenes Leben weiterzuleben und mich nicht zu fest an die Orchesterkollegen zu binden. Ansonsten würde ich das wahrscheinlich nicht aushalten, weil es mir zuviel werden würde. Da ich ja mit vielfach jungen Orchestern unterwegs bin, sehe ich viele meiner Kollegen jeden Tag on tour. Für sie zählt vor allem der Spaß. Spaß ist wichtig, keine Frage, ich klinke mich dann aber irgendwann aus und gehe meine eigenen Wege.

STOL: Wie viele Stunden verbringen Sie mit dem Orchester auf einer Tournee?

Pramsohler: Ungefähr sechs Stunden zwischen Orchesterprobe und Konzert. Das eigenständige Üben kommt dann noch hinzu.

STOL: Wie viele Stunden am Tag üben Sie eigenständig?

Pramsohler: Kommt drauf an, wie viel Zeit ich habe. Auf einer Tournee muss mindestens eine Stunde drin sein. Wenn ich zu Hause bin, übe ich dann mindestens vier Stunden, die rasend schnell vergehen. Eine Stunde ist nichts. Ich teile mir die Probezeit dann meistens in Abschnitte ein: zuerst Technik (Finger- und Bogenübungen), dann Solostücke, dann Werke, die ich gerne spielen würde oder eben meine Hausaufgaben, da ich ja noch privaten Unterricht in London nehme. Einen großen Teil meiner Zeit verbringe ich auch mit dem absolut notwendigen Studium von Quellen und dem Lesen von Büchern und Traktaten über die Werke, die ich spiele oder die Epoche, die mich zurzeit interessiert.

STOL: Ist es ein lebenslanges Lernen, oder ist man irgendwann perfekt?

Pramsohler: Was ist perfekt? (lacht) Wenn man sich auf lebenslanges Lernen einstellt und sich für einen nicht endenden Lernprozess öffnet, dann ist das sicher in jedem Beruf von Vorteil. Man muss als Musiker schon immer ‚am Ball bleiben’ und seine Technik erhalten, damit man sich immer auf seine Finger und das Gehirn verlassen kann. Als junger Musiker hat man meistens noch ein Vorbild, dessen Niveau man gerne erreichen würde. Dies nur zu wollen ist aber zu wenig, da hilft eben nur üben, üben, üben… Diese Vorbilder sind wie ein Energiekick und super für die Motivation.

STOL: Wer ist Ihr Vorbild?

Pramsohler: Ein Vorbild ist mir sicherlich meine Lehrerin Rachel Podger, bei der ich zur Zeit Privatunterricht nehme. Sie ist eine der gefragtesten und berühmtesten Barockgeigerinnen. Sie besitzt eine unglaublich brillante Technik und eine wunderbar natürliche Musikalität. Ein weiteres ganz großes Vorbild ist Reinhard Goebel. Wenn jemand einen Barockgeiger kennt, dann ihn. Er ist der ganz große Vorreiter, Bezugspunkt und Autorität in der Barockmusikszene. Mit ihm bin ich seit ein paar Monaten in persönlichem Kontakt. Seit November habe ich die Ehre, auf seiner Geige zu spielen.

STOL: Und wer ist Ihr Lieblingskomponist?

Pramsohler: Johann Sebastian Bach. Mich fasziniert, wie er sein Leben unbeirrt einer Idee unterwarf: musikalische Vollkommenheit zu erreichen und die Grundlagen aller Musik zu schaffen. Bach war unglaublich kühn, nie akzeptierte er Beschränkungen, er reizte die technischen Möglichkeiten aller Instrumente und der menschlichen Stimme bis ins nahezu Unmögliche aus. Und dabei fließt seine Musik immer mit einer Selbstverständlichkeit, die Geist und Seele im Innersten anspricht. In unseren Kreisen sagt man oft: „An Gott glauben nicht alle Musiker, an Bach schon“.

STOL: Wie ist das Musikbusiness in der Barockbranche: hart, aber herzlich oder doch knallhart?

Pramsohler: Konkurrenz gibt es, aber gesunde. Während sich die einzelnen Musiker im Bereich der Klassik oft gegenseitig auszuschalten versuchen, ist es bei uns Barockmusikern noch so, dass wir uns gegenseitig versuchen zu pushen. Konkurrenz gibt es auch bei uns, natürlich, dennoch ist es meistens ein Miteinander statt einem Gegeneinander. Ich hoffe, dass es so bleibt, denn der Barock-CD-Markt boomt zur Zeit, im Gegensatz zum Klassik-Markt, der bereits seit einigen Jahren stagniert.

STOL: Boomt der Barock-CD-Markt nur in Insiderkreisen, oder spricht er auch die breite Masse an?

Pramsohler: Die ganz große Nachfrage gibt es in den Liebhaberkreisen, aber Sängerinnen wie Cecilia Bartoli oder der Barockgeiger Andrew Manze finden auch bei Otto Normalkäufer steigenden Absatz. Sie sind mittlerweile so etwas wie Pop-Ikonen der Barockbranche. Die Tendenz ist generell dahingehend, Barockmusik zu kaufen, die auf Originalinstrumenten gespielt und aufgenommen wird, was für uns natürlich sehr erfreulich ist. Ich mache mir im Moment keine Sorgen, dass es schwierig werden könnte.

STOL: Was macht die Barockmusik eigentlich so besonders?

Pramsohler: Die Barockmusik hat eine ganz besondere Aufgabe: Während ein Großteil davon Tanzmusik ist, ist der Rest ganz eng mit Sprache verbunden. Vor 1600 sah man Musik als sozusagen komponierte Poesie an: Man vertonte Texte so, dass sich die Stimmung und die Atmosphäre in der Musik widerspiegeln kann. Im Barockzeitalter kam man dann auf die Idee, die Sprache selbst zur Grundlage zu machen und den Text nahezu Wort für Wort mit Musik genau auszudeuten. Barockmusik imitiert also Sprache, sie drückt musikalisch das aus, was in einem Text steht. Kommt darin Schmerz vor, dann wird ein Akkord gespielt, der sehr schmerzvoll klingt; wird hingegen der Himmel beschrieben, dann wählt die Barockmusik helle, fröhlich klingende Töne und eine nach oben steigende Melodie. Es ist eine sprechende Musik, die eine imaginäre Geschichte erzählt.

STOL: …und sehr gefühlvoll ist?

Pramsohler: Ja, eigentlich schon. Die Barockmusik ruht auf einem enormen Regelsystem von Figuren, das genauestens festlegt, welches Gefühl z. B. mit welcher Tonart ausgedrückt wird. Ich spiele letztlich musikalische Rhetorik, die ganz eng an Affekte gekoppelt ist, um menschliche Gemütszustände aufzuzeigen. Und diese Musik wechselt irrsinnig schnell zwischen Fröhlichkeit, Trauer und Schmerz, weshalb der Barockmusiker immer ganz schnell zwischen den einzelnen Gefühlen umdenken muss.

STOL: Verarbeiten Sie dabei auch eigene Gefühle?

Pramsohler: Nein. Ich beschränke mich darauf, die Musik so zu interpretieren, wie es sich der Komponist gedacht hat, also die in der Musik verarbeiteten Gefühle und Affekte wiederzugeben. Eigene Gefühle versuche ich außen vor zu lassen. Schlussendlich ist das dann aber immer eine Verbindung von vielen Faktoren: eigene Gefühle und Erfahrungen, die geschriebene Musik, die Mitspieler und deren Gefühle und Auffassung vom Musikstück…

STOL: Zumindest früher ist der Beruf des Musikers als brotloser Job beschrieben worden. Hat sich das geändert?

Pramsohler: Er kann auch heute noch brotlos sein, vor allem dann, wenn man noch nicht Teil jenes Kreises ist, in dem sich Vieles verselbstständigt. Das Schwierige ist, in diesen Kreis zu hineinzukommen. In meinem Fall ist es so, dass ich für eine Tournee von ein bis zwei Wochen relativ gut verdiene, dann aber mit diesem Geld auch Pausen überbrücken muss, denn ich arbeite nun mal nicht jede Woche im Jahr. Das Wort Tournee klingt für die meisten Menschen spannend, abwechslungsreich und bewegt. Kaum jemand kann sich aber vorstellen, dass Tourneen auch unheimlich zehren. Deshalb sind Auszeiten unbedingt notwendig, an denen Nichtstun, nur Proben und wenig Stress auf der Tagesordnung stehen.

STOL: Waren Sie nie auf Studentenjobs angewiesen, um zu „überleben“?

Pramsohler: Ich habe Super-Eltern, die mich wahnsinnig unterstützen, auch finanziell. Als ich nach London gegangen bin, habe ich vom Land und von der EU ein Arbeitsstipendium erhalten. Ohne wäre es niemals gegangen: Die Kostenvoranschläge, die ich damals einreichen musste, schwankten zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Englands Schulen sind unvorstellbar teuer. Allein die Studiengebühren betrugen in meinem Fall 15.000 Euro im Jahr. Ohne Unterstützung hätte ich das niemals geschafft.

STOL: Wie viel kostet eine Barockvioline?

Pramsohler: Viel, sehr viel – eigentlich zu viel, bedenkt man, dass Musiker ja im Allgemeinen längst nicht so viel verdienen wie Leute in anderen Berufen. Ich habe mich vor einigen Tagen zum Kauf von Reinhard Goebels Geige entschieden. Es handelt sich dabei um ein ganz außergewöhnliches Instrument von Pietro Giacomo Rogeri, 1713 in Brescia gebaut. Ungefähr 150.000 Euro muss ich dafür hinblättern – bezahlen kann ich das nicht, weshalb ich zur Zeit auf fieberhafter Suche nach Gönnern und Sponsoren bin, die sich für Musik begeistern und an mich glauben.

STOL: Was ist für einen Berufsmusiker wichtiger: Disziplin oder Talent?

Pramsohler: Disziplin ist das Wichtigste. Auch wenn jemand noch soviel Talent hat, wird er es ohne Üben nie soweit bringen wie mit Disziplin. Ich kenne einige, die zwar nicht so musikalisch sind, aber durch diszipliniertes Üben sehr weit gekommen sind. Andere wiederum, die ein außergewöhnliches Talent haben, glauben, nicht üben zu müssen und bleiben dann stecken. Gleichzeitig ist es nicht leicht, diese Disziplin immer aufzubringen – auch für mich nicht. Seit ich die Entscheidung für die Barockmusik getroffen und ein konkretes Ziel habe, ist das Üben keine Last mehr, sondern mein Beruf, mein Hobby und meine Leidenschaft. Denn mit dem was ich eigentlich am liebsten tue, verdiene ich nun auch mein Geld.

STOL: Ist Paris mittlerweile so etwas wie eine zweite Heimat für Sie geworden?

Pramsohler: Ja, Paris ist meine zweite Heimat geworden bzw. zur Zeit meine Heimat. In den Tourneepausen reise ich beispielsweise immer nach Paris und nicht mehr nach Südtirol zu meinen Eltern. In Paris habe ich meine Wohnung, mein Zuhause. In London hatte alles WG-Charakter. London war meine Studentenstadt. Obwohl ich zur Stadt einen besonderen Bezug habe, bin ich als Musiker in Paris besser aufgehoben. In London ist ein Musiker nämlich schlechter angesehen als ein Busfahrer. Das ist mitunter ein Grund dafür, warum die meisten Musiker in London am Rande der Existenz leben. Paris besitzt hingegen ein soziales System, das eine Unterstützung für Musiker in „Ruhephasen“ vorsieht: also für Zeiträume, in denen Musiker nichts verdienen, weil sie nicht auf Tournee sind und zu Hause üben müssen.

STOL: Hat Paris noch weitere Vorteile im Vergleich zu London?

Pramsohler: Paris ist viel ruhiger als London, viel dörflicher, was jetzt sicherlich im Vergleich zu Südtirol etwas merkwürdig klingt. Man kann fast alles zu Fuß zurücklegen, das Essen ist viel besser als in London. Unmittelbar neben meinem Haus gibt es einen Markt, wo ich täglich frisches Gemüse finde. Das sind kleine Details, die mir aber sehr viel geben. Alles ist viel „nationaler“, französischer eben. Man findet Käse- und Weingeschäfte, typische Bäckereien. In London gibt es nur mehr Einkaufszentren. London ist international, Paris ist national. Unglaublich schön sind Spaziergänge an der Seine. Jedes Mal wenn ich von einer Tournee zurück nach Paris komme und an der Seine spazieren gehe, an Notre Dame und am Eiffelturm vorbei, spüre ich wieder, wie toll es ist, in einer so faszinierenden Stadt zu leben.

STOL: Haben Sie einen Geheimtyp für Paris-Touristen?

Pramsohler: Jeder, der sich in Paris aufhält und sich auch nur ein bisschen für Musik interessiert, sollte in die Oper gehen. Die Aufführungen sind sensationell, die Inszenierungen sehr modern.

STOL: Für Popmusiker ist Werbung das halbe Leben. Wie wichtig ist die „Vermarktung“ für Barockmusiker?

Pramsohler: Eigentlich das Um und Auf, vor allem wenn man sich (noch) keinen Agenten leisten kann. Meine Homepage ist meine Visitenkarte. Am Anfang bin ich mir fast ein bisschen überheblich vorgekommen: Eigentlich war ich noch so gut wie unbekannt, hatte aber schon eine professionelle Homepage. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass das so richtig ist. Will man gebucht werden, braucht es auch einen guten Auftritt. Viele Agenten oder Konzertbesucher schauen mehr auf die Homepage bzw. auf die Eigenvermarktung des Musikers, als auf die Musik, die er spielt. Diese „Eigenvermarktung“ kostet auch Zeit: Ich verbringe Stunden am Computer, um E-Mails zu beantworten, Termine auszumachen usw. Eine Sekretärin wäre nicht schlecht (lacht).

STOL: Was hat Ihnen die Musik bisher gegeben?

Pramsohler: Wenn ich übe, entfliehe ich in einen eigenen Raum, fern des Alltages. Ich schalte dann einfach ab und lebe in der Traumwelt der Musik. Nichts anderes ist dann mehr wichtig. Das ist wunderbar.

STOL: Welche Art von Musik hören Sie privat?

Pramsohler: Ich höre meist das, was ich spiele, also Barockmusik und klassische Musik im Allgemeinen. Ich stöbere oft in Musikgeschäften nach alten Aufnahmen, die 20 oder 30 Jahre alt sind, um dann aber auch nach klassischen CD’s zu greifen, die neu sind.

STOL: Können Sie sich an ein besonders tolles Erlebnis in Ihrer bisherigen Karriere erinnern?

Pramsohler: Ich hab soviel Schönes erlebt, an das ich mich gern zurückerinnere. Da ich grundsätzlich positiv eingestellt bin, fällt es mir auch nicht schwer das Schöne zu sehen. Sicherlich gehört aber mein „Auswandern“ nach London zu einer der schönsten Erfahrungen: Ich kann mich noch gut an mein Ankommen erinnern: Es war Herbst, in London herrschte wunderbares Wetter und ich fühlte mich in der Stadt sofort wohl und heimisch. Es war der Aufbruch in ein neues Leben, der mich bisher nicht enttäuscht hat.

STOL: Hat Sie das Ausland verändert?

Pramsohler: Ich bin sicherlich offener und erfahrener geworden. Das Leben im Ausland hat meinen Blick auf Südtirol verändert…

STOL: Was sagen Sie zum Südtiroler Musikangebot?

Pramsohler: Es ist sicherlich nicht schlecht, aber es könnte vielschichtiger sein. In Südtirol ist alles ein bisschen festgefahren, sowohl was die Politik als auch die Kultur betrifft, denn wenige Leute regeln alles. Was mich ein bisschen stört, ist, dass einige Prestigeprojekte tatkräftig unterstützt werden, obwohl sie eigentlich keinen großen Beitrag für eine echte Kultur in Südtirol leisten. Kleinere, einheimische Unternehmungen ziehen dann manchmal den Kürzeren und das ist schade.

STOL: Bereitet das Bozner Konservatorium gut auf eine Musikerkarriere vor?

Pramsohler: Es kommt auf den Lehrer drauf an. Einige bereiten gut vor und einige kümmern sich kaum um ihre Studenten. Das Bozner Konservatorium hat noch nicht verstanden, dass es sich viel besser vermarkten könnte, sprich ähnlich wie die Uni Bozen mit einem Super-Standort, der zwei Kulturen in sich birgt – einerseits die italienische Lebenslust, andererseits die deutsche Organisation.

STOL: Fällt Ihren Orchestermitgliedern dieser Mix an Ihnen auf?

Pramsohler: (lacht) Sie werden sich wundern, aber ich werde tatsächlich andauernd gefragt, woher ich denn nun komme. Ich sage dann immer: „Hast du ein wenig Zeit, denn die Antwort könnte etwas länger ausfallen“. Denjenigen, den es dann wirklich interessiert, erkläre ich die Südtiroler Geschichte gerne etwas genauer. Vor allem die italienischen Musikerkollegen kommen immer auf mich zu und sagen „sei italiano!“ Als Italiener gebe ich mich aber nicht aus. Ich sage immer, dass ich zwar einen italienischen Pass habe, letztlich aber Südtiroler sei. Also weder Italiener noch Österreicher oder Deutscher, sondern Südtiroler.

STOL: Welchen Ratschlag würden Sie jungen Musikern geben, die einen ähnlichen Weg einschlagen möchten?

Pramsohler: Sich ein Ziel zu setzen und dieses mit aller Willensstärke zu verfolgen, denn dann sind die Chancen groß, das Ziel zu erreichen. Das klingt jetzt natürlich einfach, vor allem wenn man bereits ein Ziel hat. Aber ich rate jedem, so schnell wie möglich heraus zu finden, was er will, was er anstrebt in seinem Leben, um dann daraufhin zu arbeiten. Jeder sollte sich selbstständig in Frage stellen und immer für eine Verbesserung offen sein. Was ich auch immer wieder mache, ist, über den bisherigen Lebensweg zu reflektieren: Ob das was man bisher erreicht hat, auch das ist, was man angestrebt hat. Jeder sollte den Mut haben evtl. auch mal bereits Begonnenes abzubrechen, sich zu ändern – vor allem dann, wenn man nicht mehr zufrieden oder glücklich ist.

STOL Ist das auch Ihre Lebensphilosophie?

Pramsohler: Ja, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass wir uns manchmal in Details verlieren, die letztlich überhaupt nicht wichtig sind und damit das Wesentliche aus den Augen verlieren. Das gilt für alle Lebensbereiche: egal ob in einer Beziehung oder im Beruf.

Interview: © Johanna Gasser

(Dieses Interview wurde mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung im “Blog Diskussionsforum J.S. Bach und Cantata Pilgrimage 2000″ durch Südtirol Online am 10.01.2008, dem Betreiber erteilt, womit ich an dieser Stelle nochmals meinen Dank an “Südtirol Online” ausspreche!)

Grüße

Volker

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Bereits abgegebene Kommentare:

Download Shop für klassische Musik startet bei DG – Deutsche Grammophon


Hallo,

Die Deutsche Grammophon (DG) stellt ihr einmaliges Archiv an klassischer Musik ins Netz und bietet dieses zum Download an. Die DG ist damit laut Presse-Mitteilung das erste grosse Klassiklabel, das seinen Kunden einen derartigen Service anbietet.

Link: http://www2.ham.deutschegrammophon.com/home

Mit dieser “Musik-Boutique” erfülle die DG den Wunsch der Konsumenten nach einem Online-Portal mit Full-Service-Angebot. Zur Auswahl stehen “2.400 komplette Alben in maximaler MP3-Qualität. Mit einer Bitrate von 320 Kilobit pro Sekunde (kbps) ist die Audioqualität nicht von der einer CD zu unterscheiden und übertrifft bei weitem den üblichen Download-Standard von 128 – 192 kbps”, rührt die Deutsche Grammophon die Werbetrommel in eigener Sache.

Alle Titel werden ohne Digital Rights Management (DRM) angeboten. Die heruntergeladenen Dateien lassen sich auf allen MP3-Playern abspielen. Das Herunterladen eines Einzeltitels kostet rund 1,29 Euro, ein ganzes Album zwischen 10,99 Euro und 11,99 Euro.

(Quelle: http://www.boerse-express.com)

Ich habe einmal ein Beispiel rausgesucht:

Dialogue Cantatas
Selig ist der Mann, der die Anfechtung
erduldet, BWV 57
Tritt auf die Glaubensbahn, BWV 152
Ich geh und suche mit Verlangen, BWV 49
Thomas Quasthoff
Dorothea Röschmann
Mitglieder des RIAS-Kammerchor
Berlin · Berliner Barock Solisten
Rainer Kussmaul

CD Thomas Quasthoff; “Dialog Bach” bei jpc 17,99 €

Als Download bei der Deutschen Grammophon als Album 11,99 €

Link zum Download:

http://www2.ham.deutschegrammophon.com/cat/result?ART_ID=QUATH

Grüße

Volker

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Ab sofort im Internet Blog Gardiner-Monteverdi “themonteverdi.blogspot” und im Blog aufrufbar!


9.11.2007 von Volker /admin.

Hallo,

@Martin, sei gedankt für diese aktuelle Neuigkeit, seit Oktober 2007 ist unter diesem nachstehenden Link http://themonteverdi.blogspot.com/ der Monteverdi-Blog aufrufbar !!

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Here you can find out what is going on on tour from members of the ensembles.

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Dieser Gardiner-Monteverdi-Blog ist von mir im Blog auf der rechten Seite unter der Rubrik:

J.E. Gardiner, Links, Beiträge und das Reisetagebuch + Meinungen zur Bach Cantata Pilgrimage 2000 angegeben worden.

einmal in einer Deutschen Fassung (Google-Übersetzung)

und als Originalseite in Englisch hinterlegt worden.

Viel Spaß beim Lesen…….

Grüße

Volker

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CD-Einspielungen der Gesamt-Werke von J.S. Bach


Hallo, die Weihnachtszeit steht vor der Tür und möchte mit dem Thema beginnen, was kann auf dem hiesigen CD-Markt von J. S. Bach an Gesamt-Einspielungen als ein Weihnachtsgeschenk erworben werden. Ich stelle mir bekannte Einspielungen einmal zur Diskussion und würde mich über Statements zu den Einspielungen freuen……..

(obige Abbildung: Gesamt-Werke Bach von Pieter Jan Leusink)

amazon: Bestellnummer: 635 599 / 155 CD’s statt 399 Euro für 99 Euro zuzüglich 3,99 Euro Versandkosten, erhältlich bei Amazon ! Die Einspielung sämtlicher Werke von J.S. Bach in einer Edition. Das Mitwirken weltbekannter Künstler wie Emma Kirkby, Michael Chance, Annelies Burmeister, Peter Schreier, Emmy Verhey dem Dresdner Kreuzchor, Amsterdam Bach Soloists, und Dresdner Philharmonie garantieren einmalige Qualität auf höchstem künstlerischen Niveau. Mitwirkende: Emma Kirkby, Michael Chance, Annelies Burmeister, Peter Schreier, Theo Adam, Edith Mathis, Lucia Popp u.a. Mark Lubotsky, Emmy Verhey, Thomas Hengelbrock/Violine, Trevor Pinnock, P.-J. Belder, Bob van Asperen/Cembalo, Marieke Schneemann/Flöte, Hans Fagius/Orgel u.a. Choir Of King’s College Cambridge, Holland Boys Choir, Nordic Chamber Choir, Dresdner Kreuzchor, Amsterdam Bach Soloists, Netherlands Bach Ensemble, Dresdner Philharmonie, Südwestdeutsches Kammerorchester, Kammerorchester Berlin/Stephen Cleobury, Michel Corboz, Harry Christophers, Burkhard Glaetzner u.a. Pressestimme: „Der Preis – dermaßen gering, dass es fast peinlich ist, sich dazu zu äußern – ist kein Gegenstand der Überlegung. Eine einzigartige Edition. Die Instrumentalteile sind wunderschön konzipiert. Der Holland Boys Choir glänzt und funkelt mit einem unwiderstehlichen, mitreißenden, ungekünstelten Bach” (Grammophone).

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Ton Koopman

Es ist eines der ehrgeizigsten Unternehmen der Schallplattengeschichte: Die Einspielung sämtlicher geistlicher und weltlicher Kantaten Johann Sebastian Bachs, die der niederländische Spezialist für alte Musik, Ton Koopman 1994 begann, und die nun abgeschlossen wurde. Gerade eben ist die zwanzigste und letzte Kantaten-Box auf den Markt gekommen……..

Detailinformationen: 67 CDs 699,99 Euro

Kantaten BWV 1-14, 16, 18-30, 30a, 31-69, 69a, 70-89, 89a,

90-120, 120a, 121-134, 134a, 135-140, 143-159, 161-173, 173a,

174-195, 197-206, 207a, 208-215;Kantaten BWV App. 63 & 162;

Quodlibet BWV 524;Sinfonia BWV 1045;Aria BWV 1127 “Alles mit

Gott und nichts ohn ihn”;Messen BWV 233-236

+Bonus: DVD; Matthäus-Passion (Dürmüller, Agnew,

Mertens, Amsterdam Baroque Orchestra & Choir,

Koopman. Sound:stereo / DSS 5.1;Bild:WS (NTSC);Sub:D, E,

F, NL, I,Sp, Jap)

Schlick, Wessel, Mey, Mertens, Pregardien, Scholl,

Magnus, Larsson, Rubens, Ziesak, Agnew, Stam, Chance,

Piau, Stutzman, Türk, Dürmüller,

Amsterdam Baroque Orchestra & Choir, Ton Koopman

Bestellnummer: 8485456 bei jpc

Auf 67 CDs ist das kompromißlose Bach-Projekt Ton Koopmans angewachsen. Ursprünglich startete das Unternehmen 1994 beim Label Erato. Das Label Channel Classics hat das Projekt fortgesetzt und nun auch abgeschlossen: ein diskographisches Jahrhundertunternehmen, das kon-kurrenzlos ist, denn sowohl Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt haben in ihren vorliegenden Einspielungen der Bach-Kantaten den Anspruch auf Vollständigkeit gar nicht erst gestellt.

Und die weltlichen Kantaten ohnehin ausgeklammert. Was die Interpretation angeht, über die man sich natur gemäß streiten kann: Natürlich kann man Bach, wie Harnoncourt, auch etwas opernhafter, sinnlicher, drastischer spielen und singen. Warum nicht? Ton Koopman hat den mittleren Weg gewählt zwischen philologischer Vorsichtigkeit und phantasievollem Leichtsinn.

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Pieter Jan Leusink

Bach-Kantatenwerke von Pieter Jan Leusink veröffentlicht im Oktober 2005 beim Label “Brillant.”

Complete Cantatas (Brilliant Classics)Kantaten BWV 1-10, 12-14, 16-52, 54-117,119-140, 143-159, 161-188, 192, 194-199

Ruth Holton, Nico van der Meel, Knut Schoch,Marjon Strijk, Syste Buwalda, Marcel Beekman,Hollands Boy Choir, Netherlands Bach Collegium, Leitung: Pieter Jan Leusink

Das 208-seitige Booklet enthält sämtlicheKantatentexte (deutsch),sowie kurze Einführungstexte (englisch) bei jpc sind 60 CD’s für 99,99 € erhältlich.

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Helmuth Rilling

Unter dem Logo “extra Klassik” wirbt der Hänssler-Versand zu Weihnachten mit einer Box mit 172 CDs mit dem Gesamt-Werk von J.S. Bach, Einspielung von Prof. Dr. Helmuth Rilling + 12 CDs als Zusatzbonus mit weiteren Einspielungen von Rilling mit anderen Werks-Komponisten zum Preis von 999,00 Euro als einen einmaligen Preis an.

Bestellungen beim Hänssler-Versand unter Telefon: 07031 / 7414-177

oder per EMail: bestellen@haenssler.de

sowie im Internet unter www.haenssler.de

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Über die Preisgestaltung, angefangen von ca. 100 Euro bis zum Superpreis von bis zu 1000,00 Euro kann ich kaum nachvollziehen, das sind in meinen Augen absolute Festtagspreise, die sich der Käufer sehr gut überlegen sollte, solche Summen für eine Gesamt-Box auszugeben……….. !!!

Weitere Gesamt-Einspielungen der Bach-Kantaten wird zur Zeit von dem Japaner Masaaki Suzuki vorgenommen, bedingt ist auch Sir John Eliot Gardiner zu benennen, der durch seine Bach Cantata Pilgrimage 2000 in etwa Bachs Kantatenwerke als eine Gesamt-Einspielung veröffentlichen wird.

Hier hat der Käufer die Qual der Wahl, die Auswahl ist beeindruckend und kann dem Bachfreund nur recht sein, welchen Interpret er nun den Vorzug gewährt, ist eine persönliche Geschmacksfrage, die jeder für sich alleine zu entscheiden hat. Muss es immer eine Gewalt-Box eines Interpreten sein?

Eine Einzel-CD von unterschiedlichen Interpreten könnten manchmal das Salz in der Suppe sein………!!

Grüße

Volker

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Haben die kleinen Plattengeschäfte noch eine Chance ?


@Martin 15.01.2008

Hallo zusammen,

Wie von @Iris erwähnt, gibt es die guten alten Plattenläden, die natürlich sehr unter der Möglichkeit leiden, zu jeder Tages- und Nachtzeit bequem im Internet bestellen zu können. Dafür verzichtet man auf die Mitarbeiter, die sich oft bestens in der gesamten Branche auskennen und mit viel Einsatz Einspielungen auftreiben können, die eigentlich schon vergriffen sind. Und das haben sie auch schon getan, bevor es das Internet gab. Eigentlich undankbar, sie jetzt zu übergehen… Was denkt Ihr?

Schöne Grüße, Martin

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Konzert von John Eliot Gardiner, am Karfreitag, 21. März 2008, mit der Johannespassion in Wolfenbüttel, St. Trinitatis


Hallo,

da mittlerweile alle von dem Gardiner-Konzert in 2008 reden, stelle ich den Konzert-Termin mit J.E. Gardiner dem Monteverdi Choir und Baroque Soloists in den Blog.

Zur Aufführung gelangt von J.S. Bach das BWV 245; die “Johannespassion”.
Aufführungsort ist die St. Trinitatis-Kirche in Wolfenbüttel am Karfreitag, 21. März 2008, um 20:00 Uhr.

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(Foto: Ansicht der St. Trinitatis-Kirche Wolfenbüttel)

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Monteverdi Choir
Baroque Soloists
Evangelist: Mark Padmore
Jesus: Dietrich Henschel
Leitung: Sir John Eliot Gardiner

Informationen sind erhältlich im Internet:

http://www.soli-deo-gloria.info

http://www.cm-reimann.com

E-Mail: niemeyer@cm-reimann.com

Telefon: 0180/55 44 888 oder
Tel.: +49 (0) 30 / 67 80 111

Kartenpreise:

Preisgruppe 1 85,00 €
Preisgruppe 2 60,00 €
Preisgruppe 3 50,00 €
Preisgruppe 4 30,00 €
Preisgruppe 5 15,00 €

Da ich bereits von vielen weiß, dass sie an dem Konzert teilnehmen möchten, ist eine zeitige Reservierung anzuraten, der Vorverkauf beginnt in Kürze…..

Grüße

Volker

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J.E. Gardiner am 28. August 2008 in Grafenegg/Österreich


Hallo,

wer einen Urlaub in der lieblichen Wachau – Niederösterreich für 2008 plant, dem gebe ich einen Gardiner-Termin für dort bekannt:

Schlosspark Grafenegg (Foto: http://www.Grafenegg.at)

ORIGINALKLANG mit J. E. Gardiner in Grafenegg / Niederösterreich am Donnerstag, 28.8.2008

Ab 2008 wird dem Festival zusätzlich der neue Konzertsaal «Auditorium» zur Verfügung stehen mit ca. 1250 Sitzplätzen.

Konzertsaal Auditorium Grafenegg, Eröffnung 2008 (Foto: http://www.grafenegg.at)

Ab 2008 werden die Tonkünstler darüber hinaus jeweils für die Sommermonate Juli und August ihre Residenz in Grafenegg beziehen und jede Woche ein Konzert spielen.

Das internationale Musik-Festival Grafenegg wird dann den krönenden Abschluss einer beschwingten musikalischen Sommersaison bilden.

Do. 28.08.2008 / 19 Uhr, Auditorium

The English Baroque Soloists, The Monteverdi Choir

Sir John Eliot Gardiner Dirigent

Baroque Soloists / Monteverdi Choir / Mark Padmore,Tenor

Peter Harvey,Bass

Gesangs-Solisten:

Mark Padmore Evangelist, Peter Harvey Christus

Solisten des Monteverdi Choir

JOHANN SEBASTIAN BACH; Johannes-Passion BWV 245

EINFÜHRUNG am Donnerstag, 28.8.2008 / 18 Uhr, Reitschule Grafenegg, Michael White Moderation.

Donnerstag, 28.August 2008

«Es ist vollbracht!» wird zum triumphalen Ausruf des Gottessohnes, der wie sein Vater ewig lebt und außerhalb irdischer Begreifbarkeit steht. So verkündet es die «Johannes-Passion» in der Vertonung von Johann Sebastian Bach, die ebenfalls überirdisch scheint. Der Thomaskantor schuf eine nahe gehende musikalische Schilderung von Jesu Weg zum Kreuz, der bei diesem Evangelisten Teil des göttlichen Plans ist.

Um Sir John Eliot Gardiners inniges Verhältnis zu Musik des Glaubens und um die bestechend klingende Musizierweise seiner Ensembles weiß man in der Musikwelt seit vielen Jahren bestens Bescheid. Umso mehr darf sich das Festival-Publikum freuen, dass es nun in Grafenegg zur Passion mit den English Baroque Soloists und dem Monteverdi Choir kommt.

Information & Tickets

Schloss Grafenegg,
Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H., A 3485 Grafenegg 10, T: +43 (0)2735 5500

www.grafenegg.at

Mo. bis Do 9 – 17. 30 Uhr, Festivalkassa an Konzerttagen:12 Uhr bis nach dem Konzert

Tonkünstler-Kartenbüro: MuseumsQuartier Wien,Museumsplatz 1/e-1.2., A 1070 Wien

T: +43 (0)1 586 83 83, F: +43 (0)1 587 64 92

tickets@tonkuenstler.at

Mo bis Fr 9 – 17.30 Uhr

Preise für: The English Baroque Soloists, Monteverdi Choir, J. E. Gardiner

Normalpreis: € 89 / € 76 / € 61 / € 45 / € 29 / € 15

Mitglieder € 80,10 € 68,40 € 54,90 € 40,50 € 26,10 € 13,50

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Konzert-Termine von John Eliot Gardiner und Monteverdi Choir für 2008


9.11.2007 von Volker /admin.

Hallo,

hier sind die Konzert-Termine von J.E. Gardiner, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists und London Symphony Orchestra für den Zeitraum von Januar 2008 bis September 2008.

Foto: Dirigent Sir John Eliot Gardiner im Konzert

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München, 29.01.2008

(Philharmonie im Gasteig) Infos hier !

Maria Joáo Pires, London Symphony Orchestra, John Eliot Gardiner
Beethoven

Frankfurt, (Alte Oper ) Inos hier !

30.01.2008
Maria Joáo Pires, London Symphony Orchestra, John Eliot Gardiner
Beethoven

Frankfurt, Alte Oper
31.01.2008
London Symphony Orchestra, John Eliot Gardiner
Beethoven

Hamburg 05.02.2008 (Laeiszhalle) Infos hier !

Maria Joáo Pires, London Symphony Orchestra, John Eliot Gardiner
Beethoven

Valladolid – Spanien – 16 Mar 2008

J.S.Bach Johannes Passion BWV 245
more information

Cuenca – Spanien – 18 Mar 2008
J.S.Bach Johannes Passion BWV 245
more information

Concertgebouw, Amsterdam – The Netherlands – 20 Mar 2008
J.S.Bach Johannes Passion BWV 245
more information

St Trinitatis, Wolfenbüttel – Germany – 21 März 2008; 20:00 Uhr
J.S. Bach Johannes Passion BWV 245
more information

Budapest (Ungarn)
23. März 2008
Palast der Künste – Béla Bartók Nationaler Konzertsaal, 19:00 Uhr

English Baroque Soloists und Montervedi Choir

Bach: Johannespassion

Dirigent: Sir John Eliot Gardiner
Mit: Mark Padmore (Evangelist), Dietrich Henschel (Jesus)

Auditorio nacional de musica, Madrid – Spanien – 5 Jun 2008
Duruflé’s Requiem with choral works by Messiaen, Bruckner and Poulenc
more information

Abbaye de St Denis, Paris – France – 6 Jun 2008
Duruflé’s Requiem with motets by Messiaen and Poulenc
more information

Abbaye de San Martin Pinario, Santiago de Compostela – Spain – 4 Jul 2008
Duruflé’s Requiem with motets by Messiaen, Bruckner and Poulenc
more information

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Soeben aktuell erfahren, Stand 8. Dezember 2007, 19:20 Uhr !!

Gardiner feiert Bach in Köthen

Vier Konzerte der English Baroque Soloists unter Leitung von John Eliot Gardiner bilden das musikalische Zentrum der 22. Köthener Bach-Festtage.

Die vom 3. bis zum 7. September 2008 an der einstigen Wirkungsstätte des Barock-Komponisten stattfinden sollen. Wie der Festival-Intendant Hans-Georg Schäfer am Freitag mitteilte, wird das Ensemble gemeinsam mit dem Monteverdi Choir zur Eröffnung die Johannespassion aufführen.

Die Bach-Tage für Köthen / Sachsen-Anhalt, stehen fest, Termin: 3. September bis 7. September 2008 unter der Mitwirkung für vier Konzerte von J.E. Gardiner, Monteverdi Choir und English Baroque Soloists.

Die Programmangaben für Gardiner habe ich der Internetseite;

http://www.bach-in-koethen.de/bft_22/22bftprog.htm

entnommen, dort können auch weitere Einzelheiten eingesehen werden.

Eintrittspreise, Übernachtungsmöglichkeiten, etc.

Grüße

Volker

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Rezension CD eins von SDG 128 Vol. 22, Gardiner, Kantaten für Ostern


SDG 128 Vol. 22

CD bei jpc zu beziehen !

Hallo,

hier beginne ich mit einer Rezension aus der SDG-Reihe mit der Nr. 128; Vol. 22 aus Eisenach mit den Kantaten zum Osterfest!

Sie wird in Zukunft fortlaufend aktualisiert!


Rezension CD 1

BWV 4 – Christ lag in Todes Banden; (zum 1. Osterfesttag), BWV 31 – Der Himmel lacht! Die Erde jublilieret (zum 1. Osterfesttag), BWV 66 – Erfreuet euch, ihr Herzen (zum 2. Osterfesttag). Gesangssolisten: Gilian Keith, (Sopran) Daniel Taylor, ( Alto) James Gilchrist, (Tenor) Stephen Varcoe, (Bass). Trompeten: Niklas Eklund, Marc Ulrich, Frode Jakobsen. Aufführungsort: Georgenkirche in Eisenach am 23-24. April 2000.



Foto: Aufführungsstätte der Oster-Kantaten die Georgenkirche in Eisenach / Thüringen

SDG 128; Vol. 22; Ostern-Kantaten, Aufführungsort: Georgenkirche, Eisenach / Thüringen, am 23. bis 25. April 2000.

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Foto: Innenansicht der Georgenkirche in Eisenach / Thüringen


BWV 4 „Christ lag in Todesbanden“ zum 1. Osterfeiertag


Die Kantate:
BWV 4 „Christ lag in Todesbanden“ ist eines der frühen Werke Bachs und dürfte um 1707 / Mühlhausen oder 1708 / Weimar entstanden sein. Formal repräsentiert die Kantate das Choralkonzert, wie es sich am Ende des 17. Jahrhunderts herausgebildet hatte. Die Instrumentierung basiert auf dem althergebrachten vollen, fünfstimmigen Streicherklang (mit geteilten Bratschen) ohne Oboen und Flöten; der mit den Singstimmen gehende Posaunenchor scheint erst bei der Wiederaufführung im Jahre 1725 hinzugekommen sein. Als Vorbild könnte Johann Pachelbels gleichnamige Osterkantate gewesen sein. Den Text bildet durchgängig Martin Luthers sieben Strophen umfassendes Osterlied von 1524 „Christ ist erstanden.“

Die Kantate: ist eines der frühen Werke Bachs und dürfte um 1707 / Mühlhausen oder 1708 / Weimar entstanden sein. Formal repräsentiert die Kantate das Choralkonzert, wie es sich am Ende des 17. Jahrhunderts herausgebildet hatte. Die Instrumentierung basiert auf dem althergebrachten vollen, fünfstimmigen Streicherklang (mit geteilten Bratschen) ohne Oboen und Flöten; der mit den Singstimmen gehende Posaunenchor scheint erst bei der Wiederaufführung im Jahre 1725 hinzugekommen sein. Als Vorbild könnte Johann Pachelbels gleichnamige Osterkantate gewesen sein. Den Text bildet durchgängig Martin Luthers sieben Strophen umfassendes Osterlied von 1524 „Christ ist erstanden.“
In Gardiners Reisetagebuch schwärmt er von diesem historischen Aufführungsort von Luther und Bach. Ich zitiere: „war niemals so stark oder so bewegend wie hier bei unserer Aufführung in Eisenach!“


Ergreifend erklingt die Eingangs-Sinfonia im 1. Satz und wird im 2. Satz durch den schwungvollen Einsatz vom Chorsatz „Christ lag in Todes Banden“ prägnant in Szene gesetzt, die wörtliche Artikulation und stimmliche Phrasierung in 16.tel Noten
bleibt absolut verständlich und gesanglich perfekt umgesetzt. Am Ende des Satzes erklingt
vom Monteverdi Choir ein „Halleluja“ in eindrucksvoller Symbolkraft, die zu Herzen geht.
Gardiner sagte aus, dass er dieses Bachwerk öfters als jede andere Kantate aufgeführt hat und sie ihm sehr vertraut ist. Genauso setzt er die hohe Qualität der Akzentierung in den folgenden Sätzen in der gleichen Qualität weiter und führt das Barockorchester und den Chor in ungeahnte Sphären einer musikalischen Wiedergabe, die zu berühren weiß.

Kantate: BWV 31 „Der Himmel lacht! Die Erde jubilieret“ zum 1. Osterfeiertag


Bach hat die Kantate innerhalb seines vierwöchigen Turnus in Weimar zum 21. April 1715 auf einen Text aus Salomon Francks Jahrgang – Evangelisches-Andachts-Opfer – komponiert. Die drei ersten Sätze feiern die Auferstehung Jesus, mit dem 4. und 5. Satz wendet sich der Dichter an die Christen, im 6. und 7. Satz muss der Christ mit Jesus leiden, im 8. Satz dem Schlusschoral bezeugt der Dichter die Auferstehung.
Die vollstimmige Festtagsbesetzung dieser Kantate hat in den Jahren 1724, 1731 und 1735 in Leipzig mancherlei Änderungen erhalten.


Der prächtige Eingangssatz mit drei Trompeten (Niklas Eklund, Marc Ulrich, Frode Jakobsen) und Pauke besetzt erzeugt eine festliche Oster-Jubelarie. Mit der einleitenden konzertierenden Sonata ist schon ein Juwel in der Kantate von Bach gesetzt worden, der Hörer lauscht ergriffen diesem grandiosen Anfang. Überzeugend präsentieren sich die schmetternden Trompeten mit einem grandios aufspielenden Barockorchester, welches in den herrlichsten Klangfarben dieser fantastischen Ouvertüre Prunk und Glanz verleiht. Gardiner versteht es einfach genial eine Einheit eines Klangkörpers zu bilden, der diesem fantastischen Auftakt mehr als gerecht wird. Hier erweist sich die hervorragende Akustik der Georgenkirche als ein Verbündeter, der den jubelnden Beteiligten die entsprechende Klangvollkommenheit mitliefert.


Ebenso prägnant ist er zweite Satz mit dem einfallenden Chor „Der Himmel lacht!” Die Erde jubilieret“ mit den begleitenden Trompeten, Ein Chor im Jubelgesang, der den Rahmen des herkömmlichen zu sprengen weiß und die richtige Akzentuierung zu setzen in der Lage ist und eine Vollkommenheit an den Tag legt, die ihresgleichen sucht.


Im 3. Satz dem Rezitativ für Bass (Stephen Varcoe), „Erwünschter Tag! Sei, Seele wieder froh!“ präsentiert sich in der stimmlichen Aussage ein großartiger Sänger.
In der anschließenden Bass-Arie „Fürst des Lebens“ fällt die fantastische Stakkatoform des Cellisten mit dem Orgel-Positiv besonders auf, die den Bassisten begleiten. Hier erweist sich wieder die Großartigkeit des Komponierens von Bach, auch dieser Arie eine wunderschöne Begleitung zuzuweisen.


Im 5. Satz des Rezitativs für Tenor (James Gilchrist), „So stehe dann, du gottergebene Seele“ ist ein großartiger Künstler zu hören, der in der wörtlichen Verständlichkeit und stimmlichen Wiedergabe ein Juwel darstellt.


Im 6. Satz in der Arie für Tenor „Adam muss in uns verwesen“ setzt ein sinfonisch spektakulärer Auftakt ein, die musikalische Ausdrucksform des Orchesters sprüht vor Spielfreude und bindet den Sänger großartig mit ein. Berührend das barocke Spiel und die gesangliche Qualität erhebt diese Arie zu einem weiteren Glanzpunkt.


Im 7. und 8. Satz, Rezitativ und Arie für Sopran (Gillian Keith), erweist sich die Sopranistin stimmlich allen Anforderungen mehr als gewachsen, ein Juwel in der Gesangsbesetzung. Vortrefflich erklingt ihr Part in der prächtigen Arie „Letzte Stunde, brich herein“ in der Begleitung der klagenden Flöte und den zupfenden Cellos und Geigen, eine aufwühlende Arie, die den Seelenzustand des Hörenden zu treffen vermag.


Im 9. Satz erklingt der Chor „So fahr ich hin zu Jesu Christ“ in dezenter Begleitung der Trompeten. Ein überragender Abschluss gelingt hier allen Beteiligten. In diesem Finalsatz erweist sich die Halligkeit der Georgenkirche als ein vortrefflicher Aufführungsort, Bach hätte seine hellste Freude gehabt, an dieser perfekten Kantatenwiedergabe sein Ausruf könnte nur gelautet haben: „Bravo – pravissimo.“

Kantate: BWV 66 „Erfreuet euch, ihr Herzen“ zum 2. Osterfeiertag


Diese Kantate wurde am 10. April 1724 und 26. März 1731 in Leipzig aufgeführt. Als eine Urfassung diente eine Köthener Glückwunschkantate zum Geburtstag von Leopold von Anhalt-Köthen von 1718 – BWV 66 a -. Den Eingang bildet ein ausgedehnter Chorsatz mit konzertierenden Orchesterritornell. Den Streichern ist ein Bläsertrio von 2 Oboen und Fagott gegenübergestellt, beide Gruppen konzertieren im Wechsel miteinander. Eine Trompete verstärkt meist nur die höchstgelegene Melodielinie.


Beschwingt in überschäumender Klangpracht präsentiert sich der erste Satz, schwungvoll setzt das Orchester die Trompete, anschließend der Chor und die Gesangs-Solisten in das Geschehen ein. Heiterkeit und überschäumende Freude strahlt dieser Satz aus, wieder zu nennen die großartige Halligkeit und Akustik der Georgenkirche die dieser Aufführung Glanz und Pracht verleiht. Ein Fundus, dass dieser Satz in da capo noch einmal zu hören ist. Fantastisch und Ausdrucksstark der Monteverdi Choir, ein Perlgesang allerfeinster Qualität.


Auf ein kurzes, streicherbegleitetes Rezitativ folgt eine prächtige Bass-Arie (Stephen Varcoe) mit einem kräftigen Stimmvolumen ausgestattet. Hervorragend besetzt und anzuhören.


In der gleichen Qualität erklingt die Bass-Arie des 3. Satzes: „Lasset dem Höchsten.“


Mit Satz 4 beginnt der Dialog zwischen Furcht und Hoffnung in einem Rezitativ für Alt (Daniel Taylor) und Tenor (James Gilchrist) „Bei Jesu Leben freudig sei.“ Ein überragender Tenor ist James Gilchrist, die Wortverständlichkeit und musikalische Artikulation ist vom Feinsten, Hier wird der Alto im schwungvollen Singen mitgenommen und erreicht ebenfalls eine gute gesangliche Qualität.


Wunderbar anzuhören – und eine Glanzkomposition von Bach – in der musikalischen Ausführung ist in Satz 5 “die Schlussfolge”…. für Alt und Tenor: das Duett in Begleitung der Violine und Basso continuo “Ich fürchte zwar des Grabes Finsternissen.”

Die beiden Gesangsolisten erreichen hier eine gesangliche Einheit von eindringlicher Schönheit die das Herz weit öffnet!!

Sie stellt einen absoluten Höhepunkt in dieser sonst so fantastischen Kantate dar. Immer wieder habe ich mir dieses herzzerreißende „Gesangs-Duett“ anhören müssen und komme aus dem Schwärmen nicht heraus, einfach genial gelungen.


Im 6. Satz erklingt der Choral aus dem Osterlied „Christ ist erstanden“ mit der Strophe: „ Alleluja! Alleluja! Alleluja! Des solln wir alle froh sein“ in einem schlichten Choralsatz gesungen, den der Monteverdi Choir in seiner unnachahmlichen Art entsprechend gesanglich umzusetzen weiß.

Damit endet eine freudig strahlende prachtvolle Kantate mit vielen musikalischen Leckerbissen behaftet, die immer wieder angehört werden kann, diesen Schwung und Drive – den Gardiner so perfekt umsetzt – verhilft dieser Aufführung mit der überragenden Akustik der Georgenkirche zu einem weiteren Glanzpunkt seiner Kantateneinspielungen der SDG-Reihe „Bach Cantata Pilgrimage.“

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Ende der Rezension CD 1 / SDG 128; Vol. 22.

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Die Rezension der CD 2 SDG 128; Vol. 22 folgt in Kürze!!

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Grüsse

Volker

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Rezension CD zwei von SDG 128 Vol. 22, Gardiner, Kantaten für Ostern


CD’s zu beziehen: bei jpc zu beziehen !

Hallo,

hier erfolgt nachstehend die Rezension der CD „zwei“ von SDG 128; Vol. 22.

SDG 128; Vol. 22; „CD zwei“
Oster-Kantaten, Aufführungsort: Georgenkirche, Eisenach,
am 24. und 25. April 2000.


CD 2

BWV 6 – Bleib bei uns, denn es will Abend werden (zum 2. Osterfesttag), BWV 134 Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß (zum 3. Osterfesttag), BWV 145 –Ich lebe, mein Herze, zu deinem Ergötzen (zum 3. Osterfesttag).


Gesangssolisten: Angharad Gruffydd Jones, (Sopran) Daniel Taylor, (Alto) James Gilchrist, (Tenor) Stephen Varcoe, (Bass), Trompete: Niklas Eklund


Aufführungsort: Georgenkirche in Eisenach am 24. – 25. April 2000.



Foto: Geburtsstadt von J.S. Bach; Eisenach / Thüringen; Stadtansicht


Rezension CD 2


Kantate:
BWV 6 „Bleib bei uns denn es will Abend werden“ zum 2. Osterfeiertag

Diese Kantate wurde am Ostermontag 2.4.1725 in Leipzig uraufgeführt. Der Text zum Eingangssatz, Lukas 24, 29 ist dem Ostermontagsevangelium entnommen.


Der Eingangschor ist von imponierender Großartigkeit. Eine verkürzte Wiederholung des Anfangsteils beschließt den 1. Satz. Imponierende flehende Flötenstimmen erklingen zum Beginn des Satzes, bevor der Chor einsetzt mit „“Bleib bei uns, denn es will Abend werden.“ Eine vortreffliche gesangliche Wiedergabe gelingt dem Monteverdi Choir, flehend, bittend, dazu das Orchester unterstützend eingreifend, erklingt dieser großartige Eingangs-Satz.


Im 2. Satz erklingt die Alt-Arie (Daniel Taylor) „Hochgelobter Gottessohn“ in Begleitung der wunderbar anzuhörenden Flöten eine gelungene Wiedergabe.


Der 3. Satz enthält den Sopran-Choral „Ach bleib bei uns Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist.“ Den Auftakt bildet ein wunderschönes Cello-Solo was sich in der dezenten Formatierung beim einsetzenden Sopran fortsetzt. Aus dem Hintergrund erklingt ein Engelchor als Sopran, so fantastisch artikuliert sich die Sängerschar.


Das Rezitativ im 4. Satz für Bass (Stephen Varcoe) „Es hat die Dunkelheit an vielen Orten überhand genommen“ wird durch den Bassisten berührend innig gesungen.


Mit der Tenor-Arie (James Gilchrist) des 5. Satzes „Jesu, lass uns auf dich sehen“ erklingt ein aufwühlender orchestraler Auftakt durch die Streicher, die Artikulation der Wortaussage wird durch einen glänzend singenden Tenor vorgetragen.


Zum Abschluss erklingt im 6. Satz der schöne Choral „Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ“ in einer ruhigen getragenen und besinnlichen Ausführung durch den Monteverdi Choir.


Kantate: BWV 134 „Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß“ zum 3. Osterfeiertag


Das Urbild entstand als Neujahrskantate zum 1. Januar 1719 in Köthen.
Im ersten Leipziger Amtsjahr, am 11. April 1724 nahm Bach die Gelegenheit wahr, die Urfassung – ohne deren Sätze 5 und 6 – auf einen geistlichen Text im Gottesdienst aufzuführen. 1731 erfolge eine umfassende Neubearbeitung dieser Kantate durch Bach.


Beginnend mit dem Rezitativ für Tenor „Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß“ wird abgelöst durch den Schlussgesang des Alt mit: „Wie freuet sich ein gläubiges Gemüte.“


Der Auftakt im 2. Satz der Tenor-Arie: „Auf, Gläubige, singet die lieblichen Lieder“ ist fantastisch. Im einfallenden jubelnden Orchesterklang – durch Einleitung einer kleinen Sinfonia – präsentiert sich ein Jubelgesang eines hervorragenden Tenor-Solisten, swingend und tänzerisch vom Orchester unterstützt gelingt ihm vortrefflich gesanglich dieser Part.


Das Rezitativ im 3. Satz für Tenor und Alt „Wohl dir, Gott hat an dich gedacht“ wir durch Orgelpositiv und Bc einleitend begleitet. Die gleiche Struktur setzt sich in der Partie für Alt fort und zieht sich wie ein Faden bis zum Ende fort.


Herrlicher Orchester-Klang leitet dass Arien-Duett für Alt und Tenor im 4. Satz mit dem „Wir danken und wir preisen dein brünstiges Lieben“ ein. Der Dankesgesang der Gesangssolisten ist vortrefflich, die Begleitung durch die herrlich swingenden und musizierenden Streicher erfüllt den Hörer durch eine glanzvolle Musik. Es gibt glücklicherweise ein „Da capo“ für dieses fantastische Duett.
Dieser Satz ist ein Höhepunkt in dieser Kantate durch den unwiderstehlichen Gesangs- und Orchesterpart. Diese barocke Klangpracht und Genialität durch die Baroque Soloists verführt den Hörer gerade dazu, diesen 4, Satz noch einmal aufzurufen.


Sinniger erklingt das Rezitativ für Tenor und Alt im 5. Satz beginnend mit dem „Doch würke selbst den Dank in unserem Munde“ durch eine Orgelpositiv Begleitung.

Der 6. Satz wird swingend und überschwänglich eingeleitet durch das Orchester mit dem anschließend einfallenden Tenor, Alt und Chor mit dem „Erschallet ihr Himmel, erfreue dich, Erde.“ Prägnant das Singen vom Chor „du glaubende Schar“ in dieser gesanglichen Ausdrucksform unnachahmlich durch einen Klasse-Chor vorgetragen, eine Ausdrucksstärke in der Artikulation die Atemberaubend ist. Dieser fantastische Schluss ist nochmals in Da capo zu hören.


Kantate: BWV 145 „Ich lebe, mein Herze, zu deinem Ergötzen“ zum 3. Osterfeiertag


Da dieses Werk nur durch Abschriften überliefert ist, kann eine eindeutige Zuweisung der Entstehungszeit nur bedingt erfolgen. Die Texte von Satz 1-5 entstammen Picanders Jahrgang von 1728. Es wird vermutet, dass Bach diese Kantate vielleicht zum 19. April 1729 komponiert haben könnte.


Der 1. Satz beginnt mit einem rührseligen Geigensolo in Begleitung des Bc. Das anschließende Rezitativ für Tenor und Sopran „Ich lebe, mein Herze“ ist schon ein Glanzpunkt in diesem Kantatenwerk. Die Sopranistin Angharad Gruffydd Jones wird durch den Tenor James Gilchrist hervorragend ergänzt, bestechend als Duett erklingt das Rezitativ in ergreifender Weise. Die Violin-Begleitung unterstreicht dieses herrliche Duett mit einem nahe gehendem Spiel.


Der 2. Satz als Rezitativ für Tenor „Nun fordre, Moses, wie du willt“ ausdrucksstark präsentiert sich ein vortrefflicher Tenor James Gilchrist.


Mit einem Trompetensolo und Streicher erklingt der 3. Satz in der Bass-Arie „Merke, mein Herze, beständig nur dies“ als eine wunderbare konzertierende Einleitung. Der Bassist Ausdrucksstark und ausgestattet mit einem wunderbaren Stimmvolumen verleiht diesem Satz die gewisse Würze.


Der 4. Satz mit dem Rezitativ für Sopran „Mein Jesus lebt“ ist durch eine vortreffliche Solistin besetzt und verleiht dem Rezitativ einen weiteren Glanzpunkt.


Der kurze und schlichte Schlusschoral im 5. Satz „Drum wir auch billig fröhlich sein“ ist die 14. Strophe aus dem Osterlied „Erschienen ist der herrlich Tag“ von Nikolaus Herman (1560).
Fröhlich beschwingt erklingt dieser wunderschöne Choral ohne Hetze durch den Monteverdi Choir. Es ist ein vortrefflicher und krönender Abschluss.


Schlussresümee zu den Kantateneinspielungen „CD eins“ und „CD zwei.“


Überrascht wird der Hörer durch den ausgezeichneten Raumklang der Georgenkirche in Eisenach die den prächtigen Kantaten-Werken eine besondere Note verleihen.


Als Grandios kann die CD 1 aus meiner Sicht betrachtet werden, da hier prachtvolle Jubelkantaten zum Osterfest zu hören sind. Die CD 2 ist mit Kantaten-Einspielungen vertreten, die durch innige Feinheiten den Hörenden beglückt.


Grüsse
Volker

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Kurzfassung zur CD eins von SDG 128 Vol. 22, BWV 4;Gardiner, Ostern-Kantaten von @muriel


Ich schwöre, in den nächsten 24 Stunden keinen Beitrag mehr zu schreiben, aber was Gardiner und sein Superensemble mit der Einspielung dieser Kantate leistet ist unbeschreibbar.


Übrigens, auffällig im Beiheft die Länge von Gardiners Ausführungen genau zu dieser Kantate. Erinnere ich mich recht, so sagt er, dass die Kantate natürlich nur vom Chor gesungen werden soll. Gut gesagt, aber den Chor, der das singen kann, den gibt es nur einmal: Den Monteverdichor und die Bachsolisten natürlich, die sich so diszipliniert zurückhalten können. Was würde Bach dazu sagen? Genau das meinte ich in einer meiner früheren Auslassungen mit dem Wort “Neuschöpfung”. Die ganze Kantate ist unerhört neu, brandneu, also genau Bach.

Seid alle lieb gegrüßt von einer begeisterten
Muriel

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J.E. Gardiner; SDG 131; Vol. 23 Besprechung von @muriel


Heute kam die neue CD, ich bin hocherfreut! BWV 150, eine ganz außergewöhnliche Kantate. Irgendwie erinnert sie mich an “Christ lag….” Der Meister macht folgende Anmerkung: “Die gelegendlich vorhandenen technischen Entgleisungen können wir vergessen…”(S20).

Was meint er damit, kann jemand dazu etwas sagen? Ein kleiner Schatten fällt auf meine Freude, der Bass, Stephen Varcoe, kann mich nicht erfreuen. Weshalb wird der dauernd angespannt? Die Sinfonia – CDI Nr.15 – wird in einem Tempo gespielt, dass man dann doch Zweifel bekommt, ob das so sein müsste, Aber sonst, wie immer, ganz Unerhörtes, Einmaliges.

Liebe Grüße

muriel

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Rezension CD eins von SDG 131 Vol. 23, Gardiner, Kantaten für Ostern


Hallo,

nun erfolgt nach langer Zeit von mir die Rezension der CD Nr. 1 von SDG 131; Vol.23

CD bei a m a z o n ” zu beziehen !

CD 1 Kantaten für den ersten Sonntag nach Ostern:

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BWV 150 –
Nach dir, Herr, verlanget mich, BWV 67 – Halt im Gedächtnis Jesum Christ, BWV 42 Am Abend aber desselbigen Sabbats, BWV 158 Der Friede sei mit dir.
Gesangssolisten: Gillian Keith (Sopran), Daniel Taylor (Alto), Charles Daniels (Tenor), Stephen Varcoe (Bass).

Aufführungsort: Bachkirche in Arnstadt am 29 und 30. April 2000.



Foto: Bachkirche Arnstadt




Foto: Bachkirche Arnstadt, Innenansicht



Foto: Die neue Wender-Orgel in der Bachkirche Arnstadt

Rezension CD 1

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BWV 150 “Nach dir, Herr, verlanget mich”
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Dieses nur in Sekundarquellen überlieferte Werk hat sich viel Kritik und Echtheitszweifel gefallen lassen müssen. „Dürr“ schreibt dazu: Die Kantate wirkt in vielen Teilen unreif und verhält sich zu den frühen Weimarer Kantaten Bachs wie eine Skizze zur Ausführung.

Die Instrumentalbesetzung besteht lediglich aus 2 Violinen, Continuo sowie Fagott. Aus den vier Singstimmen tritt nur der Sopran solistisch hervor, die drei übrigen werden in Satz 5 zum Terzett zusammengefasst. Wahrscheinlich war ihre künstlerische Leistungsfähigkeit beschränkt.
Es wird vermutet, dass unter tätiger Mithilfe Bachs, ein Bachschüler die Kantate komponiert haben könnte und in die Weimarer Zeit um 1708/1709 datiert wird.


Der 1. Satz des BWV 150 beginnt mit einer kurzen „Sinfonia für Violine I und II, Fagott und Basso-Continuo.“ Sehr verhaltend und getragen gespielt von den Baroque Soloists erklingt dieser kurze Eingangssatz.
Im 2. Satz erklingt der Chorsatz “Nach die, Herr verlanget mich”, überzeugend vorgetragen durch den Monteverdi Choir.

Der 3. Satz, Arie für Sopran, (Gillian Keith), „Doch bin und bleibe ich vergnügt.“ Mit gut artikulierter Stimme ausgestattet gelingt ihr ein respektabler Gesangs-Vortrag.

Die Sätze 4 bis 7 sind mehrstimmige Chorsätze. Zu Bewundern das Singen des Monteverdi Chors und das Spiel des Orchesters, die gekonnt Akzente in dieser einfältigen Komposition zu setzen vermögen.

BWV 67 “Halt im Gedächtnis Jesum Christ”
Diese Kantate zum 1. Sonntag nach Ostern, komponierte Bach in seinem 1. Amtsjahr in Leipzig und wurde am 16. April 1724 erstmals aufgeführt und gehört mit zu den großartigen Kantatenwerken.

Der erste Satz beginnt mit dem prächtig vorgetragenen Choral: “Halt im Gedächtnis Jesum Christ” mit Hörnern, Querflöte. Oboe d’ amore, Streichern und Continuo-Begleitung.


Der zweite Satz, “Mein Jesus ist erstanden”, als Rezitativ für Tenor (Charles Daniels), beginnt mit einer vuriosen beschwingten Einleitung durch die Streichergruppe. Wortverständlich gelingt ein respektabler Tenorvortrag.


Im dritten Satz erklingt ein Kurz-Rezitativ für Alt, vorzüglich gesungen vom Counter: Daniel Taylor.

Der Kurz-Choral des 4. Satzes: “Erschienen ist der herrlich Tag”, erklingt erfrischend vorgetragen durch den Monteverdi Choir.


Das Rezitativ für Alt im 5. Satz, “Doch scheinet fast”, wird sehr wortverständlich und akzentuiert gesungen.


Der 6. Eingangs-Satz besticht durch die Sechzehntelbewegung und Tumultmotivik des Orchesters, die durch die heftige Bewegung den Ansturm des Feindes abbildet.
Die Bass-Arie, (Stephen Varcoe), “Friede sei mit euch”, wird sehr verhalten und einem nicht üppigen Gesangs-Volumen ausgestattet, gesungen, hier wünschte ich mir mehr an Volumen, umso prächtiger gelingt die entsprechende Akzentuierung durch den Chor “O! Herr, hilf und laß gelingen.”

Im siebten Satz beschließt ein schlichter Choral-Satz; “Du Friedefürst, Herr Jesu Christ” die Kantate.
In einer unnachahmlicher Art und Weise singt der Monteverdi Choir diesen schönen Choral und verleiht der Kantate nochmals einen Glanzpunkt in der Wiedergabe.


BWV 42 “Am Abend aber desselbigen Sabbats”.


Diese Kantate zum 1. Sonntag nach Ostern, wurde von Bach zum 8. April 1725 komponiert.
Die einleitende Sinfonia ist möglicherweise ein bereits früher komponierter Satz aus einem Instrumental-Konzert. Dem Streicher-Tutti steht ein Concertino von 2 Oboen und Fagott gegenüber.
Virtuos lässt Gardiner sein Barock-Orchester agieren, in einem Da-Capo erklingt diese Sinfonia noch einmal zum Genießen.


Im 2. Satz erklingt das Rezitativ für Tenor: (Charles Daniels); “Am Abend aber desselbigen Sabbats.”
Wortverständlich und Aussagekräftig wird der Tenor-Part vorgetragen.


Die Arie für Alt im 3. Satz (Counter: Daniel Taylor); “Wo zwei oder drei versammelt sind”, wird mit einer klagenden Oboe und Continuo eingeleitet. Eine wunderschöne Wiedergabe erklingt mit der folgenden Alt-Arie. Daniel Taylor singt sie wunderbar aus und setzt die richtige Phrasierung in seinem Gesangs-Vortrag, ein Juwel Bach’scher Kompositionen. Hier vermisse ich einmal keine Altistin, so fantastisch singt der Counter. In einem Da-Capo wird diese Wunder-Arie nochmals zu Gehör gebracht.


Im Choral-Duett: “Verzage nicht, o Häuflein klein”, im 4 Satz für Sopran: (Gillian Keith) und Tenor: (Charles Daniels); erklingt ein fantastisches Duett. Beide Gesangs-Interpreten überzeugen durch eine
gekonnte Wiedergabe. Das begleitende Fagott, in seinem Staccato-Spiel finde ich dazu eine herrliche Kompositionsform.


In dem folgenden Rezitativ im 5. Satz für Bass: (Stephen Varcoe); “Mann kann hiervon ein schön Exempel sehen”, erklingt wortverständlich das Rezitativ.


Mit der Arie im 6. Satz für Bass: “Jesus ist ein Schild der Seinen”, wird nochmals ein Glanzpunkt in diesem Kantatenwerk gesetzt. Ein furioser Auftakt gelingt der Streicher-Gruppe und Basso-Continuo am Anfang des Satzes, mit dem einsetzenden Bassgesang wird leider das Nievoe nicht gehalten, anstelle von Stephen Varcoe wäre eine anderweitige Besetzung optimaler gewesen, sein Gesang erreicht nicht das zum Ausdruck bringende “Jesus ist ein Schild”, verschluckende Worte und Töne, für mich nicht überzeugend sein Interpretations-Stil, somit wird diese sonst so wunderbare Arie nicht zu dem Höhepunkt, was man sonst normalerweise erwartet.
Das Barockorchester spielt vom Feinsten, Ausdrucksstark läßt Gardiner sie gewähren, sie bringen die Arie zum Leuchten…….


Einen genialen Schlusspunkt im 7. Satz setzt Gardiner mit dem doppelstrophigen Choral: “Verleih uns Frieden gnädiglich”, was für ein bezaubernder Vortrag des Monteverdi Chores, ruhig, getragen mit einer Innigkeit gesungen, die zu begeistern weiß.


BWV 158 “Der Friede sei mit dir”.


Diese Kantate ist durch ihre mangelhafte Quellenüberlieferung ein Rätsel, sie erscheint zerstückelt oder gar ein Fragment zu sein, vorherrschend und bemerkenswert sind die Bass-Arien in diesem Fragment. Die Entstehungszeit könnte Bachs Weimarer Zeit zugeordnet werden.


Der 1. Satz beginnt mit dem Rezitativ für Bass: (Stephen Varcoe); “Der Friede sei mit dir.”
Mit Basso-Continuo-Begleitung gelingt ein eingermaßen erträglicher Bass-Vortrag.


Im 2. Satz “Welt, ade, ich bin dein müde”, beinhaltet einleitend ein wunderbares Solo-Violinspiel und eine Continuo-Begleitung.
Im Wechsel ist der Bassist und der einsetzende Chor vorzüglich abgestimmt heraushörbar, Diese Passagen gelingt den Interpreten vorzüglich, ein bemerkenswerter Satz in der Kompositionsform, fantastisch…


Den Schlusspunkt des Fragments setzt der Monteverdi Choir mit einem vorzüglich vorgetragenen Choral: “Hier ist das rechte Osterlamm”, beeindruckend und beglückend wiederum ihr Gesang….


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Eine bemerkenswerte Schlussbetrachtung zieht Gardiner zu den Konzerten in Thüringen in seinem Reisetagebuch, ich zitiere wie folgt:


Über die Ostertage fünf Konzerte innerhalb einer Woche und in zwei Städten, die mit Bachs Leben und Familie so eng verknüpft sind – insgesamt zehn Kantaten, einige von ihnen in der Thüringer Landschaft verwurzelt –, hatten uns in Bachs Arbeitrhythmus und das Wirken seiner schöpferischen Phantasie Einblick gewinnen lassen. .

Bei ihm war es nicht die Inspiration eines gedankenvoll die Natur durchstreifenden Wanderers, nicht das Tagträumen des Romantikers am plätschernden Bach auf der Suche nach seinem Selbst: Er komponierte in einem weltzugewandten, disziplinierten Rhythmus, wenn er montags oder dienstags die Order bekam, die Predigt des folgenden Sonntags mit seiner Musik zu untermauern.


Man ist sprachlos angesichts der beispiellosen Kunstfertigkeit dieser wöchentlichen, auf die Jahreszeit abgestimmten Produktion, aber noch mehr erstaunt diese unendliche Fülle an Einfällen, die Raffinesse und Komplexität dieser unübertroffenen Höhenflüge seiner Schöpferkraft.


– Zitat-Ende –

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Kurz-Kritik zu Gardiners SDG 134, Vol. 6


Hallo zusammen,

der bereits in der amazon-Kritik beschriebene Altus (Counter-Tenor) in der Gestalt von Robin Tyson, er singt in dem BWV 69a “Lobe den Herrn, meine Seele” in Satz 4 der Kantate das Rezitativ für Alt; “Gedenk ich nur zurück.” (1:23 Min. Dauer)hier sollte man einfach wegklicken, braucht man sich nicht anhören

Schlimmer im BWV 35 “Geist und Seele wird verwirret” im 2. Satz: Arie für Alt, singt Tyson als Altus den Part: “Geist und Seele wird verwirret” und setzt sich mit ihm im 3. – 4. sowie 6. und 7. Satz als Altus fort….. leider, Gesamt-Dauer mit Tyson als Altus – ca. 15 Minuten, er offenbart Schwäche in der “Deutschwörtlichen Aussprache” und in der Intonation , daran krankt diese Kantateneinspielung, hier hätte ich sehr gerne Nathalie Stutzmann als Besetzung gehabt, die diesen Part famoser rübergebracht hätte, sie überzeugte in den bisherigen Pilgrimage-Einspielungen als eine fantastische Altistin.

In der Kantate BWV 137 “Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren” ist Tyson wiederum im 2. Satz zu hören.

Als Fazit kann für die CD 1 nur gezogen werden, bis auf die Altus-Partien kann wiederum mit schönen Kantaten-Passagen durch den überragenden Monteverdi Chor und das vorzügliche Barock-Orchester, sowie mit den sonstigen Gesangs-Solisten – absolut als eine gelungen Einspielung herhalten.

Die Aufführenden in der CD 1 Aufführungsort: Jakobskirche Köthen; sind:

Katharine Fuge (Sopran)
Robin Tyson (Altus)
Christoph Genz (Tenor)
Peter Harvey (Bass)

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Ein Volltreffer ist die CD 2; Aufführungsort: Dreikönigskirche in Frankfurt/Main,

mit den Kantaten:
BWV 77 “Du sollst Gott, deinen Herren, lieben”
BWV 164 “Ihr, die ihr euch von Christo nennet”
und BWV 33 “Allein zu dir, Herr Jesu Christ”

Was hier von allen Beteiligten geboten wird, entspricht allerhöchstes Niveau, hier kann sich der Hörer genüßlich zurücklehnen und den Aufführenden für die überragende Einspielungen nur Respekt zollen.

Diese CD m u s s ein Bach-Freund im Besitz haben, hier wird überirdische Musik zelebriert….., kein störender Altus sondern hervorragende Gesangs-Solisten sind zu hören.

Was hier vom glänzend aufspielenden Barock-Orchester und dem in Weltklasse-Format singenden Monteverdi Choir geboten wird, berührt und läßt den Mithörer mitsummen, so schön und erfrischende Musik ist einfach himmlisch….

Gesangs-Solisten in CD 2
Gilian Keith (Sopran)
Nathalie Stutzmann (Alt)
Christoph Genz (Tenor)
Jonathan Brown (Bass)

Grüße
Volker

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