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Aufführungsstätte: St. Trinitatis Kirche, Wolfenbüttel
Nach dem Kommentar von @Martin, möchte ich meine Stellungnahme zum Geschehen rund um die gegebene „Johannes Passion“ von J.S. Bach, mit dem Monteverdi Choir, English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner, in der St. Trinitatis Kirche, Wolfenbüttel, am Karfreitag: 21.3.2008, abgeben.
Gesangs-Solisten:
Julia Doyle;
Sopran
David Bates, Richard Wyn Roberts, als
Altus
Jeremy Budd;
Tenor
Matthew Brook, Samuel Evans, Lawrence Wallington, als
Bass
Evangelist: Mark Padmore, Tenor
Christus: Dietrich Henschel, Bass
Pilatus:
Matthew Brook, Bass
Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, Leitung: J.E. Gardiner
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Aufführungsort: St. Trinitatis Kirche in Wolfenbüttel
Eine Überraschung bedeutete für mich das Anstehen zum Erwerb einer Eintrittskarte, da es im Vorfeld geheissen hat, das Konzert sei Ausverkauft.
Die Vorfreude auf das Konzert war riesengroß. Nachdem wir nach einigem Hin und Her unsere endgültigen Sitzplätze gefunden hatten, wurde meine Erwartung ziemlich gedämpft. Unser Sitzplatz in der 2. Reihe Mittelschiff, außen, (1. Kategorie) entpuppte sich als ein Reinfall. Wir starrten das Cembalo an und hatten keine weitere Sicht auf das übrige Geschehen.
Sobald die ersten Sätze des Chores „Herr, unser Herrscher“ erklangen, verflog unser Frust, und genossen die Vortreffliche Sanges-Kunst des Monteverdi Chores. Mich überrascht immer wieder die perfekte Intonation und ihre Deklamation, der Chor war mit neuen Sängerinnen und Sänger besetzt worden und wurde nur von einer Handvoll Altgedienten unterstützt, so mancher Chor würde bei so einer starken Neubesetzung Schiffbruch erleiden.
Nach Verklingen der 1. Strophe des Chorals „Wer hat dich so geschlagen“ mit Instrumentalbegleitung, wurde wie von Geisterhand gesteuert, die 2. Strophe „a-capella“ gesungen, ich konnte beobachten, wie Gardiner mit einer kurzen, heftigen Handbewegung zum Orchester hin, die Begleitung unterband. Das war wieder so eine Sternstunde des Gesanges mit einer spontanen Idee vom Sir, da ist er unvergleichlich, spontan ein weiteres Highlight zu setzen, einfach großartig…!!
Hier zeigt sich die Größe vom Sir, nur wirklich gut ausgebildete Sängerinnen und Sänger sich zuzumuten und in seinem Wunder-Chor zu integrieren. Die Probenarbeit im Vorfeld muss eine Knecht-Tour sein, denn als ein ehemaliger Mittstreiter eines solchen Passionswerkes weiß ich, wovon ich hier spreche.
Bei der Wiedergabe der Rezitativen und Arien tat mir der Organist und Cembalist „Silas Standage“ leid, vom Orgel-Positiv sich zu lösen und rechtzeitig am Cembalo zu erscheinen, war ein Unterfangen der Unmöglichkeit, die ersten Takte gingen voll daneben, eine Neuregistrierung an dem Orgelpositiv musste er während des Spiels vornehmen, das konnte auf die Dauer nicht gutgehen.

Silas Standage am Orgel-Positiv: Jennings-Orgel
Hier muss ich leider eine harsche Kritik loswerden, warum wurde das Cembalo nicht besetzt? Ist der Sir zum sparen gezwungen, das setzte sich fort mit dem Altus: „Richard Wynn Roberts“, was war mit ihm ?
So ein dünnes Stimmchen war eine Zumutung, hier müsste eine optimale Besetzung doch im Vorfeld möglich sein…!! Der Besucher, der so viel Eintritt zu bezahlen hat, kann eine optimale Besetzung verlangen!
Das sind aber auch schon die Kritischen Anmerkungen von mir, die sonstige Aufführung geriet wieder zu einer Glanzstunde. Der zweite Altus ( David Bates ), war großartig, der hätte den Part von dem indispunierten „R.W. Roberts“ übernehmen können.
Die Sopran-Arien von Julia Doyle waren ein Traumerlebnis, diese Stimme kommt einem Engelsgesang gleich, glasklar und im Volumen unübertrefflich, stand eine Künstlerin im Ensemble, die nicht vortrefflicher besetzt werden kann.
Die Jesusworte von Dietrich Henschel von der Kanzel gesungen, waren vernehmlich zu hören, es ist bekannt, dass sein Stimmvolumen nicht in Übermassen gesegnet ist. Sein Gesangsvortrag gelang ihm aber überzeugend und war gut zu hören. Diese Idee vom Sir fand ich gar nicht so schlecht, die Person mit Stehkragen von dort singen zu lassen, gab der Aufführung eine weitere Würze.
Die „Jesus-Kanzel“ von dort erklangen die Jesusworte von Dietrich Henschel.
Als Evangelist war einmal wieder der Tenor „Mark Padmore“ eine imposante Erscheinung. Wenngleich er mir in Königslutter, in der Matthäuspassion besser gefallen hat, kam sein markiger Gesang an diesem Abend entsprechend rüber, sehr verständlich seine Worte gepaart mit einem unwahrscheinlichem Pathos, den er an den Tag legte, war er nicht zu überhören.

Von rechts im Bild: Mark Padmore, Tenor, David Bates, Richard Wyn Roberts, als Altus
Mich überzeugen konnte als Bassist: „Matthew Brook“, fantastisch sein Stimmvolumen, sehr gut hörbar verstand er es, stimmlich gut artikuliert, das Passionsgeschehen dem Hörer vorzutragen.
Ob die Platzierung von Brooks, Henschel und Padmore, allen Besuchern gefallen hat, mag ich nicht zu beurteilen, ich hatte sie sehr verständlich und vortrefflich hören können, was anderen Besuchern nach einem Gespräch des Konzertes, nicht so optimal gelungen erschien, sie hatten Probleme mit der Akkustik und Hörbarkeit der erwähnten Gesangs-Solisten.

Der überragende „Monteverdi Choir, wiederum mehr als überzeugend!

Frentischer Schlussapplaus für die großartigen Mitwirkenden!!
Als ein Schlussresumme kann ich nur anmerken, es hatte sich wieder vollauf gelohnt, ein Konzert von Gardiner zu besuchen trotz meiner getätigten Kritikpunkte, die sollten in Zukunft nicht mehr Bestand haben, hoffe ich…?
Ein Hörerlebnis puren Vergnügens das Freude machte, auf ein Wiedersehen im September 2008 zum Bachfest in Köthen freue ich mich jetzt schon und hoffe auf ein wiederum großartiges Erlebnis.
Grüße
Volker
P.S. der Link zum öffentlichen Fotoalbum nachstehend, das untere Foto anklicken:
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Weitere Rezensionen zur Johannes Passion in Wolfenbüttel nachstehend:
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@Birgit Niemeyer sagt: am 26. März 2008
Hallo Herr Hege,
bei der Lektüre Ihrer Einträge im Blog zur Johannespassion am Karfreitag in Wolfenbüttel ist mir aufgefallen, dass es dort keinen Verweis auf die Kritik in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (23.03.08) von Eleonore Büning gibt – in der Annahme, dass diese Sie interessieren könnte, sende ich Ihnen hier einen Scan.
Den unten stehenden Zeitungsausschnitt anklicken, dann wird das Format vergrößert:
Mit freundlichen Grüßen
Birgit Niemeyer
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Weitere Rezensionen zur Johannes Passion in Wolfenbüttel nachstehend:
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@Barbara sagt: am 25. März 2008
Hallo,
Heute Morgen lohnte sich wieder das Aufschlagen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Im Kulturteil stand eine hervorragende Kritik, die sich im Wesentlichen mit meinen Eindrücken deckt. Mir fehlt hier eigentlich nur die Erwähnung des wirklich stark beeindruckenden Matthew Brook.
Den unten stehenden Zeitungsausschnitt anklicken, dann wird das Format vergrößert:
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Weitere Rezensionen zur Johannes Passion in Wolfenbüttel nachstehend:
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@Iris sagt: am 22. März 2008
Hallo,
die erste Rezension über die
„Johannes Passion“ von J.S. Bach mit dem
Monteverdi Choir, English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir J.E. Gardiner, aufgeführt am Karfreitag, 21. März 2008, in der St. Trinitatiskirche in Wolfenbüttel, liegt seit heute von der „
Braunschweiger Zeitung / Land“ vor.
In die Rezension unten stehend reinklicken, danach erfolgt eine Vergrößerung..!!

© Rezension der „Braunschweiger Zeitung / Land„ vom 22.03.2008
Viel Spass beim Lesen.
Wünsche allen ein schönes Osterfest.
Gruß
Iris
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