Schlagwort-Archive: Mazaaki Suzuki – Dirigent

Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantaten-Beschreibung für den „7. Sonntag nach Trinitatis“


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Bachfenster in der Thomaskirche

Bachfenster in der Thomaskirche

Liebe Bach-Freunde/innen !

Eine Übersicht der Bach-Kantaten zum aktuellen Sonntag im Kirchenjahr steht zum Download bereit:

 Link: Bach-Kantaten im Kirchenjahr als PDF-Download

Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 22.07.2012 

begehen wir den

7. Sonntag   nach Trinitatis

Der 7. Sonntag nach Trinitatis geht nun auch auf die körperlichen Bedürfnisse des Menschen ein, wobei die Symbolhandlung des Abendmahls allerdings auch eine wichtige Rolle spielt. Jesu Handeln in unserem Leben macht uns frei von irdischen Bedürfnissen dadurch, dass wir sie immer erfüllt bekommen, indem wir teilhaben am Brot des Lebens. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als „Sakramentssonntage“ bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in ihrer Bedeutung für das Leben des Christen gedacht. Durch die Erzählung von der Speisung der 5000 erfahren wir am 7. Sonntag nach Trinitatis, wie wunderbar Gott für uns Menschen durch die Gaben seiner Schöpfung sorgt. So können wir auch getrost darauf sehen, dass unser Nächster genug zu essen hat, und von unserem Reichtum abgeben, weil wir wissen, dass der Herr uns speisen wird, wenn wir selbst einmal Not leiden.

Wochenspruch: 

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Eph 2, 19)

Wochenlied: 

Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen (EG 221) oder
Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (EG 326))

YouTube – Musikvideo zum Wochenlied von Miguel-Pascal Schaar

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 7. Sonntag  nach  ”Trinitatis

BWV 54  –   “Widerstehe doch der Sünde”

BWV 107 –  “Was willst du dich betrüben

BWV 186 –  “Ärgre dich, o Seele, nicht

BWV 187 –  “Es wartet alles auf dich

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Bach-Kantate 

WDR3 – Geistliche Musik

Sendung: 09:05 Uhr bis 10:00 Uhr.

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WDR3 – Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

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Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

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Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0.

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WDR3 – Auszüge aus dem Programm:.

Geistliche Musik – Sonntag: 09:05 bis 10:00 Uhr

 

Johann Sebastian Bach

BWV 107 „Was willst du dich betrüben“
Kantate am 7. Sonntag nach Trinitatis
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo

Yukari Nonoshita, Sopran
Makoto Sakurada, Tenor
Peter Kooij, Bass
Bach Collegium Japan

Leitung: Masaaki Suzuki 

Dietrich Buxtehude
 

„Nun danket alle Gott“ – Kantate 
für 2 Soprane, Alt, Tenor, Bass,
2 Violinen, 2 Hörner, 2 Trompeten,
Fagott und Basso continuo
Cantus Cölln

Leitung: Konrad Junghänel

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NDRkultur – (Kantate)

Sendung: 08:03 Uhr bis 08:40 Uhr

Livestream – Link:  

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/livestream243.html

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Programm – Link:

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/programmuebersichten/index.html

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Archiv zum Nachhören:

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/zum_nachhoeren/ndr2234.html

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.NDRKultur – Auszüge aus dem Programm:

.Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:40 Uhr

Johann Sebastian Bach:

BWV 107 „Was willst du dich betrüben“ 
Agnès Mellon, Sopran / Howard Crook, Tenor
Peter Kooy, Bass – Chor und Orchester des Collegium Vocale Gent

Ltg.: Philippe Herreweghe

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SWR2

Sendung: 08:03 Uhr bis 08:30 Uhr

Programm: 

http://www.swr.de/swr2/programm/-/id=661104/1rcmvqp/index.html

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Webradio:  

http://www.swr.de/swr2/-/id=7576/nid=7576/did=1586900/pv=mplayer/10idhq8/index.html

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SWR2 – Auszüge aus dem Programm:

Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:30 Uhr

.Johann Sebastian Bach: 

BWV 187 „Es wartet alles auf dich“ 

Sandrine Piau (Sopran)
Bogna Bartosz (Alt)
Klaus Mertens (Bass)
Amsterdamer Barockchor und Orchester

Leitung: Ton Koopman

.“Es wartet alles auf dich“ BWV 187
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rbb kulturradio

Sendung: 09:30 Uhr bis 10:00 Uhr

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Programm:  http://www.kulturradio.de/programm/index.html

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Livestream http://www.kulturradio.de/livestream/index.html

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rbb-kulturradio – Auszüge aus dem Programm:

Sonntag von 09:30 Uhr bis 10:00 Uhr

Johann Sebastian Bach

BWV 107 „Was willst du dich betrüben“

Kantate am 7. Sonntag nach Trinitatis
Agnès Mellon, Sopran
Howard Crook, Tenor
Peter Kooij, Bass
Chor und Orchester des Collegium Vocale Gent

Leitung: Philippe Herreweghe

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mdr-figaro

Sendung: 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr

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Kantate

Programm:  http://www.mdr.de/mdr-figaro/programm/.

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mdr-figaro Live: http://www.mdr.de/mdr-figaro/index.html .

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mdr-figaro – Auszüge aus dem Programm:

Sendung: Sonntag: um 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr

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Johann Sebastian Bach:

6:25 Uhr – Einführung zur Kantate

800 Jahre Thomana

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06:30 Uhr Kantate

Johann Sebastian Bach

BWV 107 „Was willst du dich betrüben“ 

Ulrike Fulde, Sopran; Nico Eckert, Renor; Markus Krause, Bariton

Leipziger Vocalensemble, La Stravaganza,

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Bayern-Klassik
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Sendung: 08:05 Uhr bis 08:39 Uhr
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Live-Stream:  (Hier ist ein wenig Geduld gefordert bis der Player erscheint..!!)
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oder
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Bayern-Klassik – Auszüge aus dem Programm:
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Sendung: Sonntag um 08:05 Uhr bis 08:30 Uhr
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Die Bach-Kantate:
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Johann Sebastian Bach:
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BWV 187 „Es wartet alles auf dich“
Kantate zum 7. Sonntag nach Trinitatis,
Michael Emmermann, Knabensopran; Paul Esswood, Countertenor;
Max van Egmond, Bass;
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Collegium Vocale Orchester:
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Videos mit Bach-Kantaten zum 7. Sonntag nach Trinitatis
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BWV 54  –  Widerstehe doch der Sünde
BWV 107 – Was willst du dich betrüben
BWV 186 – Ärgre dich, o Seele, nicht
BWV 187 – Es wartet alles auf dich
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/ YouTube: BWV 54 –  “Widerstehe doch der Sünde”  –  (Interpret: Herreweghe)

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/ YouTube: BWV 107 –  “Was willst du dich betrüben”   –  (Interpret: aus Ungarn, Kamp Salamon,Leitung)
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/ YouTube: BWV 186 –  “Ärgre dich, o Seele, nicht   –  (Interpret: Harnoncourt)
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/ YouTube: BWV 187 –  “Es wartet alles auf dich   –  (Interpret: Leonhardt )

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In loser Reihenfolge stelle ich bemerkenswerte Instrumentalmusik, Arien, Rezitative, Duette, etc.

aus Bach-Kantaten vor..!!

Heute aus der Bachkantate

BWV 49 „Ich geh und suche mit Verlangen“ (für den 20. So. nach Trinitatis)

die „Eingangs-Sinfonie E-dur“

mit den Berliner Barock Solisten.

Anmerkungen zur Eingangs-Sinfonia BWV 49:

Vorangestellt ist der Textvertonung eine großangelegte Sinfonia mit konzertierender Orgel, ein Satz, der ursprünglich das Finale eines dreisätzigen Instrumentalkonzerts, vermutlich aus Bach’s Köthener Zeit, gebildet hatte.Es ist dasselbe Konzert – die Urform zu BWV 1011 – dem Bach für die nur 14 Tage zuvor aufgeführte Kantate 169 „Gott soll allein mein Herze haben“ – die beiden vorangehenden Sätze entnommen hatte. Den  so erweiterten Kantaten haftet durch ihre groß dimensionierten Konzertsätze ein ausgesprochenen virtuos-dekorativer Zug an, der der Kantate als „Predigtmusik“ von Natur aus nicht eigen ist. Vielleicht wollte Bach mit ihm das Fehlen eines Chores ausgleichen; in dieser Kantate entsteht überdies der Eindruck einer Hochzeitsmusik, die die späteren Worte des Bräutigams „Mein Mahl ist zubereite‘ und meine Hochzeitstafel fertig“ illustrieren hilf. Nicht zuletzt ist dieser konzertante Charakter aber auch ein Beweis für jene Freiheit des Luthertums, die in der Ausübung des von Gott aufgetragenen Amtes – hier des kunstreichen Musikers – eine legitime Form des Gottesdienstes sieht.

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Link:  ?media=77355

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(Textauszüge von Alfred Dürr; S.660/661)

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CDs – Bach-Kantaten:  für den  6. und 7. Sonntag nach Trinitatis“    

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Cover:  SDG 156 –  Vol. 4

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CD-Bestellung  zum  Link:   CD  Bach-Kantaten – SDG 156 – Vol. 4

Aufführungsorte:

Kantaten für den „6. und 7. Sonntag nach Trinitatis“ 

St. Gumbertus, Ansbach am 30. Juli 2000

St. Mary’s Haddington am 5. und 6.  August 2000

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CD –  e i n s  – Inhalte:

Kantaten für den „6. Sonntag nach Trinitatis“ 

BWV 9 – Es ist das Heil uns kommen her   

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4 

BWV 170 – Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust  

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4

Kuhnau / Bach (attrib.)  – Der Gerechte kommt um

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4

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CD –  z w e i  – Inhalte:

Kantaten für den „7. Sonntag nach Trinitatis“ 

BWV 107 – Was willst du dich betrüben    

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4 

BWV 186 – Ärgre dich, o Seele, nicht

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4

BWV 187 – Es wartet alles auf dich

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4

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Kantaten für den 7. Sonntag nach Trinitatis 

St. Mary’s Haddington am 5. und 6.  August 2000

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Kantaten-Beschreibung: BWV 186 Ärgre dich, o Seele, nicht“ 

Zurückgekehrt aus Ansbach und wieder in Schottland eine Woche nach dem Gedächtniskonzert auf Iona, machten wir uns nun auf nach Haddington, einem bescheidenen Marktflecken in East Lothian, ungefähr dreißig Kilometer östlich von Edinburgh. Die Stiftskirche St Mary ist die längste und laut Pevsner, einem englischsprachigen Standardwerk der Architekturgeschichte, ‚die eindrucksvollste spätmittelalterliche piktische Kirche’ in Schottland. Anfang der 1970er Jahre wurde ein Projekt in Angriff genommen, das den zerstörten, dachlosen Altarraum der im 14. Jahrhundert erbauten Franziskanerkirche durch Abriss der falschen Wand am Ende des Schiffes unter der Vierung wieder eingliedern sollte. Das blassrosa gefärbte Mauerwerk des Chors und Altarraums hatte in den Regen- und Hagelstürmen von über drei Jahrhunderten eine beachtliche Patina angesetzt. Jetzt ist es von einem modernen Fiberglasdach umschlossen, welches das ursprüngliche Steingewölbe ersetzt. Die Organisatoren der Lamp of Lothian-Konzerte hatten für unsere Aufführung den Bereich unter der Vierung vorgesehen, wo ein rundes, mit dickem Teppich ausgelegtes Podium aufgestellt war. Selbst mit einem Holzfußboden bedeckt, glaubte ich, würde sich nie ein für das Publikum befriedigender Klang ergeben, und daher ging ich mit einer kleinen Gruppe ans östliche Ende, um dort die Akustik zu testen. Traumhaft! Wir zogen also um – Chor, Orchester, Orgel und Cembalo – , während die Toningenieure, ohne zu maulen, ihre Mikrophone neu ausrichteten.

Alle drei Bach-Kantaten für diesen Tag (BWV 186, 187 und 107) haben meisterhafte Anfangssätze. Keiner ist besonders bombastisch oder festlich, doch jeder auf seine ganz eigene Weise ausdrucksvoll. Diesmal verwendet Bach Pastelltöne statt Grundfarben. Kernstück von

BWV 186 „Ärgre dich, o Seele, nicht“ ist die Anweisung an die Seele, nicht ärgerlich zu sein, wenn sie sieht, dass das ‚allerhöchste Licht (…) sich in Knechtsgestalt verhüllt’. Das war im 18. Jahrhundert der Kernpunkt in der Kritik der Rationalisten am Christentum: Die Vorstellung von einem Christus als Schöpfer und einem Christus in majestätischem Glanz konnte man tolerieren, doch Christus gedemütigt und erniedrigt durch Armut und Leid – das war für sie offenbar unbefriedigend und in Wahrheit ja auch lächerlich. Das mag uns heute merkwürdig erscheinen, aber zu Bachs Zeiten war es eine lebenswichtige Frage. Bach vertrat natürlich die lutherische Richtung, und schon in den einleitenden Worten des Chors geht er daran, uns durch eine Reihe sich steigernder Dissonanzen einen Eindruck davon zu vermitteln, auf welche Weise die verärgerte Christenseele mit sich zu Rate geht. Doch wie so oft in den Kantaten, die wir bisher aufgeführt haben, gewinnt man den Eindruck, dass das zusätzliche Verständnis, das uns Bachs Musik von den Texten verschafft, ein ganzes Stück über das verbal Geäußerte hinausgreift und seinen eigenen Weg geht. Nehmen wir zum Beispiel, wie er dieses einleitende Motto des Chores fortführt, wie er abwechselnd jede Stimme zu demselben Text durch einen einfachen Kunstgriff, drei aufsteigende Noten im Sprechrhythmus, deren dritte ein Vorhalt auf dem Dominantakkord ist, mit einem Fugenthema in Führung gehen lässt. Das gibt der Musik die genau richtige, vorwärts treibende Kraft, wobei die harmonische Spannung des dreinotigen Incipits innerhalb eines längeren achttaktigen Absatzes hin und her wogt.

Es lässt sich schwer sagen, was der tröstenden Stimmung mehr Eloquenz gibt, die instrumentalen Linien (Streicher durch Rohrblattinstrumente verdoppelt) oder die Chorstimmen. Formal gesehen ist dieser Satz unkonventionell – in der Weise, wie zum Beispiel die Verschachtelung der fugierten Abschnitte des Chors wie ein Gegenthema zu dem teilweise wiederkehrenden Hauptthema wirkt, das stets vom Orchester gespielt wird. In einem ABABA-Schema weist Bach den zweiten Teil (B) seinem Chor zu (‚Gottes Glanz und Ebenbild, sich in Knechtsgestalt verhüllt’), wobei den zuerst einsetzenden Sopranstimmen die drei übrigen, homophon geführten Stimmen antworten, die als Stütze nur ein Continuo haben – der erste deutliche Hinweis darauf, dass diese Musik als eines der früheren Werke in Bachs Weimarer Jahren entstanden ist.

Es bedarf nicht sehr großer Phantasie, hier das Flehen der Viertausend in der Wüste zu entdecken, die nach körperlicher und geistlicher Nahrung verlangen, was das Thema des hier vertonten Textes aus dem Evangelium ist (Markus 8, 1–9). Diese flehenden Gesten finden erneut Ausdruck in dem Arioso, mit dem das erste Bass- Rezitativ endet: ‚Ach Herr, wie lange willst du mein vergessen?’ Es könnte fast ein Entwurf sein für eine der großen Vertonungen der Passion. Der Bass erweitert diesen Hilfeschrei in seiner Arie mit Continuo (Nr. 3), wo er die zweifelnde Seele auffordert, sich nicht von der Vernunft ‚bestricken’ zu lassen, denn: ‚Deinen Helfer, Jakobs Licht, kannst du in der Schrift erblicken’. Wiederum in einem Rezitativ, das einem Arioso Raum gibt, verbreitet sich der Tenor über den Wert des heiligen Mannas: ‚Drum, wenn der Kummer gleich das Herze nagt und frisst, so schmeckt und sehet doch, wie freundlich Jesus ist’.

Es erweitert sich zu einer Arie, in der von den ‚Gnadenwerken’ des Heilands die Rede ist, die kraftvoll genug sind, ‚den schwachen Geist zu lehren’, und ‚dies sättigt Leib und Geist’. Wir haben Beweise, dass diese Kantate tatsächlich als sechssätziges Werk (BWV 186a) für den Dritten Adventssonntag 1716, auf einen Text von Salomo Franck, in Weimar entstanden ist. Da Bach sie wegen des Tempus clausum, der Zeit vom zweiten bis vierten Adventssonntag, in der nicht gesungen werden durfte, nicht verwenden konnte, beschloss er, sie früh in seinen ersten Leipziger Kantatenjahrgang aufzunehmen, und zwar als zweiteilige Kantate in elf Sätzen für den Siebenten Sonntag nach Trinitatis. Das bedeutete, dass wegen der veränderten Position des Werkes in der Liturgie des Kirchenjahres im Hinblick auf die Form einige wesentliche Änderungen notwendig wurden: Anpassungen der Arientexte und drei neue Rezitative (die vier Arien folgten vorher direkt aufeinander). Außerdem beschloss Bach, beide Teile mit jeweils einem Chor zu beenden, bei deren Komposition er auf die Verse 12 und 11 des Chorals ‚Es ist das Heil uns kommen her’ von Paul Speratus aus dem Jahr 1523 zurückgriff, die er bereits einer der Kantaten der letzten Woche zugrunde gelegt hatte (BWV 9).

Wenn Teil I dieser Kantate betont, dass die wahre Quelle des Glaubens in der Schrift zu finden sei, so wird in Teil II, wie Eric Chafe sagt, ‚der Gedanke der Glaubensbahn um die Vorstellung ergänzt, wie der Glauben zu leben sei – als Leben unter dem Kreuz gewissermaßen’. Wie in BWV 170 Nr. 3 in der vergangenen Woche beginnen wir unseren Weg in einer Welt, in der alles auf den Kopf gestellt ist, diesmal mit einem mächtigen Bass-Accompagnato, das die Welt als ‚große Wüstenei’ beschreibt (‚der Himmel wird zu Erz, die Erde wird zu Eisen’). Dieser Welt wird als scharfer Kontrast ‚Christi Wort’ entgegengestellt, das ‚ihr [der Christen] größter Reichtum’ ist (Salomo Franck war in Weimar Leiter des herzöglichen Münzkabinetts und Numismatiker, was eine Erklärung für seine Vorliebe für Vergleiche mit Münzen und Metallen ist).

Bach hält, in Anlehnung an Franck, diese Antithese den ganzen zweiten Teil hindurch aufrecht, zwischen dem ‚Jammertal’ des gegenwärtigen Lebens und der Freude und Erfüllung im Leben ‚nach vollbrachtem Lauf’. Das bringt er in einer Reihe lebhafter musikalischer Gesten zum Ausdruck – zum Beispiel den absteigenden Tetrachord-Arpeggien des Continuos in der Sopran-Arie (Nr. 8), stellvertretend für ‚die Armen’, die Gott ‚umarmen’ will, während die Violinen einen ausgedehnten chromatischen Aufstieg bewältigen. Eine in verschiedene Richtungen verlaufende Bewegung kennzeichnet auch die instrumentalen Linien in den identischen Chorälen, die beide Teile beschließen (Nr. 6 und 11), mit aufsteigenden Oboen und absteigenden Violinen in plänkelndem Wechselspiel, ein musikalisches Äquivalent zu der Antithese zwischen Drangsal und Hoffnung, die im Text zum Ausdruck kommt. Wie so oft spielt sich sehr viel mehr unter der Oberfläche der Musik ab, als es auf den ersten Blick scheinen mag – eine (absichtliche?) Spannung zwischen musikalischen Figuren und dem zugrunde liegenden ‚Affekt’ und, ebenfalls ohne Zweifel, auch ein numerologischer Aspekt, wie zum Beispiel die merkwürdige dreizehntaktige Form des Duetts für Sopran und Alt (Nr. 10) zeigt, eine Gigue in c-moll mit vollständiger Oboen- und Violinengruppe, in der die entscheidende Anweisung (‚Sei, Seele, getreu!’) bis zu den letzten beiden Takten aufgespart wird.

Da die neuen Leipziger Stimmen (seit 1906) dieser überarbeiteten Kantate verloren sind, ergeben sich verschiedene Probleme, zum Beispiel was die tiefen B in der Continuobegleitung von Nr. 9 betrifft: War das ursprünglich der Part eines basse de violon, dessen tiefe Saite auf B gestimmt war? Dann die Tonlage und Instrumentierung der Tenor-Arie (Nr. 5) – Oboe da caccia in der Weimarer Version, doch in der autographen Partitur für die Leipziger Wiederaufführung als ‚Oboe und Violinen I & II’ ausgewiesen. Dürr und Kubik empfahlen beide eine Transposition um eine Oktave nach oben, was unwahrscheinlich und unbefriedigend erscheint: Sie schiebt die Oboe an ihre Obergrenze (Es) und trennt Singstimme (Tenor) und Obligato durch eine sehr viel größere Folge von Intervallen, als sie uns bisher begegnet sind. Daher haben wir die ursprüngliche Tonlage beibehalten und die Oboe da caccia mit Violinen und Bratschen verdoppelt, und das Ergebnis war recht schön. 

© John Eliot Gardiner 2009

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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Kantaten-Beschreibungen von „Sir John Eliot Gardiner“ 

ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt !

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen zum „6. und 7. Sonntag nach Trinitatis“

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                   Gardiner Reisetagebuch SDG 156 zum Download als PDF

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  Künstler-Beitrag:  Maya Homburger  – Violine, zum Download  als PDF 

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……………..Link:  >> Wissenswertes vom  – Klangquartier Leipzig <<
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Bachfest Leipzig 2013 – „Vita Christi“
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vom 14.06.2013 – 23.06.2013 
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Erstmals wagt sich ein Veranstalter daran, die theologischen, dramaturgischen und kompositionstechnischen Verbindungslinien der großen oratorischen Kompositionen Bachs in eine unmittelbare Beziehung zu setzen: Weihnachts-Oratorium, Johannespassion, Oster- und Himmelfahrts-Oratorium fügen sich zu einem inhaltlich wie musikalisch bestimmten Großprojekt zusammen. Unter Leitung von Trevor Pinnock, Thomas Hengelbrock und Sir John Eliot Gardiner werden die entscheidenden Stationen der Vita Christi an insgesamt drei Konzertabenden zu einem einzigartigen Musikerlebnis.
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Umrahmt werden die Aufführungen von den Magnificat-Kompositionen  von Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach im Eröffnungs- sowie der h-Moll-Messe im Abschlusskonzert.
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Die Thematik für das Bachfest 2013 wird Vita Christi sein.
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Sir J.E. Gardiner wird mit dem Monteverdi Choir am Donnerstag, 20.6.2013 in der Thomaskirche die „Johannes-Passion“ aufführen.
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Am Samstag, 22.6.2013 erfolgt dann  mit Sir J.E. Gardiner in der Nikolaikirche ein Kantatenkonzert u.a. mit den Bach-Werken:
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BWV 249 „Kommt eilet und laufet“ und BWV 11 „Lobet Gott in seinen Reichen.“
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Weitere Informationen nachstehend:
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Ich wünsche allen einen schönen „Trinitatis-Sonntag !“
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Herzliche Grüße
Volker
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Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantaten-Beschreibung für den „6. Sonntag nach Trinitatis“


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The Monteverdi Choir, London

The Monteverdi Choir, London

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Liebe Bach-Freunde/innen !

Eine Übersicht der Bach-Kantaten zum aktuellen Sonntag im Kirchenjahr steht zum Download bereit:

 Link: Bach-Kantaten im Kirchenjahr als PDF-Download

Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 15.07.2012 

begehen wir den

6. Sonntag   nach Trinitatis

Der 6. Sonntag nach Trinitatis konzentriert sich diesmal auf die Taufe als dem Beginn eines neuen Lebens. In diesem Zusammenhang wird auch der Gedanke eines „lebenslangen Bundes“ aufgenommen. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als „Sakramentssonntage“ bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in seiner Bedeutung für das Leben des Christen gedacht. Am 6. Sonntag nach Trinitatis hören wir von der Taufe, dass wir durch sie zu Gottes Volk hinzuberufen sind. Die Taufe läßt uns teilhaben an dem Tod und der Auferstehung Jesu, und so haben wir auch Teil an dem wunderbaren Licht, das mit Jesus in diese Welt leuchtet.

Wochenspruch: 

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. (Jes 43, 1)

Wochenlied: 

Ich bin getauft auf deinen Namen (EG 200)

Musikvideo zum Wochenlied von Miguel-Pascal Schaar

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 6. Sonntag  nach  ”Trinitatis

BWV 9  –     Es ist das Heil uns kommen her

BWV 170Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust

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Bach-Kantate 

WDR3 – Geistliche Musik

Sendung: 09:05 Uhr bis 10:00 Uhr.

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WDR3 – Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

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Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

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Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0.

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WDR3 – Auszüge aus dem Programm:.

Geistliche Musik – Sonntag: 09:05 bis 10:00 Uhr

Johann Sebastian Bach

BWV 228 „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“
Motette für 2 vierstimmige Chöre und Basso continuo
Collegium Vocale Gent

Leitung: Philippe Herreweghe

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Johann Christoph Bach 

Fürchte dich nicht, denn ich hab dich erlöset
Motette für 5 Stimmen und Basso continuo
Monteverdi Choir London / English Baroque Soloists

Leitung: Sir John Eliot Gardiner

Georg Böhm 

Präludium und Fuge C-dur für Orgel
Friedhelm Flamme an der Creutzburg-Orgel 
von St. Cyriakus in Duderstadt 

Johann Sebastian Bach

BWV 9 „Es ist das Heil uns kommen her“
Kantate zum 6. Sonntag nach Trinitatis
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo
Sandrine Piau, Sopran
Bogna Bartosz, Alt
James Gilchrist, Tenor
Klaus Mertens, Bass
Amsterdam Baroque Choir and Orchestra

Leitung: Ton Koopman

Joseph Haydn 

Missa brevis F-dur
für 2 Soprane, gemischten Chor, Streicher und Orgel
Julie Liston und Ann Hoyt, Sopran
Choir of Trinity Church, Wall Street
REBEL Baroque Orchestra

Leitung: Owen Burdick

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NDRkultur – (Kantate)

Sendung: 08:03 Uhr bis 08:40 Uhr

Livestream – Link:  

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/livestream243.html

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Programm – Link:

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/programmuebersichten/index.html

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Archiv zum Nachhören:

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/zum_nachhoeren/ndr2234.html

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.NDRKultur – Auszüge aus dem Programm:

.Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:40 Uhr

Johann Sebastian Bach:

BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“
Andreas Scholl, Altus / NDR Radiophilharmonie

Ltg.: Martin Haselböck

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SWR2

Sendung: 08:03 Uhr bis 08:30 Uhr

Programm: 

http://www.swr.de/swr2/programm/-/id=661104/1rcmvqp/index.html

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Webradio:  

http://www.swr.de/swr2/-/id=7576/nid=7576/did=1586900/pv=mplayer/10idhq8/index.html

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SWR2 – Auszüge aus dem Programm:

Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:30 Uhr

.Johann Sebastian Bach:

.BWV 170 „Vergnügte Ruh‘, beliebte Seelenlust“

Bernarda Fink (Mezzosopran)
Freiburger Barockorchester

Leitung: Petra Müllejans

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rbb kulturradio

Sendung: 09:30 Uhr bis 10:00 Uhr

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Programm:  http://www.kulturradio.de/programm/index.html

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Livestream http://www.kulturradio.de/livestream/index.html

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rbb-kulturradio – Auszüge aus dem Programm:

Sonntag von 09:30 Uhr bis 10:00 Uhr

.Bach-

Johann Sebastian Bach

BWV 170 „Vergnügte Ruh‘, beliebte Seelenlust“

Kantate am 6. Sonntag nach Trinitatis
Magdalena Kozena, Mezzosopran
Musica Antiqua Köln

Leitung: Reinhard Goebel


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mdr-figaro

Sendung: 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr

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Kantate

Programm:  http://www.mdr.de/mdr-figaro/programm/.

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mdr-figaro Live: http://www.mdr.de/mdr-figaro/index.html .

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mdr-figaro – Auszüge aus dem Programm:

Sendung: Sonntag: um 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr

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Johann Sebastian Bach:

6:25 Uhr – Einführung zur Kantate

800 Jahre Thomana

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06:30 Uhr Kantate

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Johann Sebastian Bach

BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“

Anke Vondung, Alt
Gewandhausorchester Leipzig,

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Bayern-Klassik
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Sendung: 08:05 Uhr bis 08:39 Uhr
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Live-Stream:  (Hier ist ein wenig Geduld gefordert bis der Player erscheint..!!)
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oder
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Bayern-Klassik – Auszüge aus dem Programm:
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Sendung: Sonntag um 08:05 Uhr bis 08:30 Uhr
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Die Bach-Kantate:
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Johann Sebastian Bach:
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BWV 170 „Vergnügte Ruh‘, beliebte Seelenlust“

Kantate zum 6. Sonntag nach Trinitatis,

Robin Blaze, Countertenor;

Bach Collegium Japan:

Leitung: Mazaaki Suzuki

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Sonstige Konzerte im Rundfunk

Dkultur am Sonntag, 15. Juli 2012

20.03 – 22.00 Uhr 

ca. 21.20 Konzertpause
mit Nachrichten

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Deutschlandradio Kultur

im Internet:

Allgemein http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/konzert/

Programm http://www.dradio.de/dkultur/vorschau/

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Festspiele
Mecklenburg-Vorpommern
Theater Stralsund
Aufzeichnung vom 15.7.12

Alfred Schnittke
Konzert zu Dritt‹ für Violine,
Viola, Violoncello
und Streichorchester

Béla Bartók
Divertimento für Streicher

ca. 21.00 Konzertpause
mit Nachrichten

Wolfgang Amadeus
Mozart
Sinfonia Concertante Es-Dur
für Violine, Viola und Orchester
KV 364
Veronika Eberle, Violine
Antoine Tamestit, Viola
Julian Steckel, Violoncello
Münchener Kammerorchester
Leitung: Christoph Poppen

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Videos mit Bach-Kantaten zum 6. Sonntag nach Trinitatis
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BWV      9  –     Es ist das Heil uns kommen her
BWV 170  –     Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust
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/ YouTube: BWV 9 –  Es ist das Heil uns kommen her   –  (Interpret: Leonhardt )

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/ YouTube: BWV 170 –  Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust  ”   –  (Interpret: SDG )
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/ YouTube: Kuhnau/Bach (Trauer-Motette) –  Der Gerechte kommt um”   –  (Interpret: SDG)
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In loser Reihenfolge stelle ich ergreifende Instrumentalmusik, Arien, Rezitative, Duette, etc.

aus Bach-Kantaten vor..!!

In dieser Woche wurde im Internet viel über die Kantate zu Mariae Reinigung – BWV 82 „Ich habe genug“ der Satz 3 (Schlummer-Arie) „Schlummert ein, ihr matten Augen“ besprochen. Dieser dritte Satz zählt zu den beliebtesten Schöpfungen Bach’s die durch ihren Erfindungsreichtum und ihre Ausdrucksfülle dem Hörer sehr zu Herzen geht.

YouTube Video – BWV 82 – Satz 3

Live recording
Martin Cooke, Bariton

Eine Einspielung gibt es von der DGG mit Peter Harvey, die mir besonders gut gefällt in ihrer Ausdrucksstärke und gesanglichen Interpretation.

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Peter Harvey:

Video Satz 3 BWV 82 (Schlummer-Arie)

Link zum Video:   ?media=311254

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CDs – Bach-Kantaten:  für den  6. und 7. Sonntag nach Trinitatis“    

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Cover:  SDG 156 –  Vol. 4

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CD-Bestellung  zum  Link:   CD  Bach-Kantaten – SDG 156 – Vol. 4

Aufführungsorte:

Kantaten für den „6. und 7. Sonntag nach Trinitatis“ 

St. Gumbertus, Ansbach am 30. Juli 2000

St. Mary’s Haddington am 5. und 6.  August 2000

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CD –  e i n s  – Inhalte:

Kantaten für den „6. Sonntag nach Trinitatis“ 

BWV 9 – Es ist das Heil uns kommen her   

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4 

BWV 170 – Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust  

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4

Kuhnau / Bach (attrib.)  – Der Gerechte kommt um

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4

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CD –  z w e i  – Inhalte:

Kantaten für den „7. Sonntag nach Trinitatis“ 

BWV 107 – Was willst du dich betrüben    

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4 

BWV 186 – Ärgre dich, o Seele, nicht

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4

BWV 187 – Es wartet alles auf dich

Gardiner Pilgrimage CD 156 Vol. 4

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Kantaten für den 6. Sonntag nach Trinitatis 

St. Gumbertus, Ansbach am 30. Juli 2000

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Kantaten-Beschreibung: BWV 170 Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ 

Der Wechsel von der zauberhaften schottischen Insel Iona, wo einige von uns aus Anlass des 250. Todestages Bachs aufgetreten waren, auf direktem Wege nach Ansbach in Franken war zwangsläufig unangenehm krass. Für die Feier in der alten Iona Abbey hatten wir ein Programm zusammengestellt, das einige der intimsten und bewegendsten Stücke enthielt und das wir an einem milden Sonnentag aufführten, mit den Schreien der Seemöwen und dem Blöken der Schafe im Hintergrund. Unser Programm für die Bach-Woche in Ansbach enthielt, neben der Wiederholung der Kantate Aus der Tiefen vom vergangenen Wochenende in Mühlhausen und zwei Motetten, die beiden Kantaten Bachs, die für den Sechsten Sonntag nach Trinitatis erhalten sind: BWV 170 Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust, eine Kantate für Alt und obligate Orgel, Oboe d’amore und Streicher, und BWV 9 „Es ist das Heil uns kommen her“, eine Choralkantate aus der Zeit um 1732.

BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ ist die erste der beiden Solokantanten für Alt, die Bach im Sommer 1726 auf fünfzehn Jahre vorher veröffentlichte Texte des Darmstädter Hofbibliothekars Georg Christian Lehms schrieb. In diesem Jahr hatte Bach offenbar einen hervorragenden Sänger zur Verfügung, vielleicht Carl Gotthelf Gerlach, der damals an der Universität studierte und unter Johann Kuhnau bei den Thomanern gesungen hatte, und war begierig, aus seinem Talent einen möglichst großen Nutzen zu ziehen. Oberflächlich gesehen vertonte Bach einen kernigen, wenn auch ausgesprochen altmodischen, an barocker Symbolik reichen Text zu einer Zeit, als der galante Stil in Mode kam und sich sogar schon auf seine eigene Kirchenmusik auszuwirken begann. Faszinierend ist, auf welche Weise es ihm gelingt, aus diesen völlig konträren Ausdrucksformen eine überzeugende Synthese zu schaffen.

Die Anfangsarie ist reines Entzücken, ein warmer, üppiger Tanz im 6/8-Takt in D-dur. Man fühlt förmlich Bachs liebevolles Lächeln über dieser Musik schweben, die uns den Weg zur ‚Himmelseintracht’ weist. Eine jener unbeschreiblich schönen Melodien des Komponisten, die sich in unserem Hörgedächtnis einnisten, sie braucht einen ganzen Takt, um in Gang zu kommen, doch sobald das geschafft ist, erweckt sie den Anschein, als würde sie nie aufhören können (sie ist zwar nur acht Takte lang, wirkt jedoch endlos). Doch erhält diese ausladende, der Oboe d’amore und der ersten Violine anvertraute Melodie ihre Schönheit und heitere pastorale Stimmung erst durch ihr harmonisches Gerüst. Die sanft plätschernden Achtel in den tiefen Streichern werden zu Dreiergruppen verschleift und erinnern an das ‚Bogenvibrato’ oder was die Franzosen balancement nannten, während die abwärts gerichtete Basslinie klingt, als deute sich hier ein Ostinato an – mit anderen Worten der Beginn eines Musters, das sich schleifenartig wiederholen wird. Nun ja, es kommt tatsächlich wieder, aber nicht konsequent oder so, dass es in irgendeiner Weise vorhersagbar wäre. Mit Lehms’ Text vor Augen sucht Bach nach Möglichkeiten, wie er als Lebensziel den Frieden der Seele herausarbeiten kann, und nach Mustern, die ihm gestatten, hin und wieder auf die Sünde und die Schwäche des Fleisches zu verweisen.

Lehms, ein wortgewaltiger und leidenschaftlicher Verseschmied, kommt schon von Nr. 2 an (einem Rezitativ) richtig in Fahrt, wo er das Tagesevangelium (aus der Bergpredigt in Matthäus 5, 20–26) und die Epistel (Paulus an die Römer, 6, 3–11) paraphrasiert und zusammenfasst. Demnach, erklärt er, sei die Welt ein ‚Sündenhaus’, deren Mund ‚voller Ottergift’ den unschuldigen Nächsten als Dummkopf und Narr beschimpfe. Bach liefert erwartungsgemäß die entsprechenden deklamatorischen Gesten und Ausdrucksnuancen und wechselt bei dieser Gelegenheit zu der entfernten Tonart fis-moll. In dieser Welt, in der das Unterste zuoberst gekehrt ist, folgt nun eine ungewöhnliche, recht umfangreiche Arie in A-dur, die für eine zweimanualige obligate Orgel vorgesehen ist. Allerdings haben wir, wie es Bach offenbar bei der Uraufführung der Kantate gehandhabt hatte, zwei Orgeln verwendet, eine für jedes Manual, die eine im Chorton notiert, die andere im Kammerton. Diesen Stimmen fügt Bach in der mittleren Lage nur eine Linie mit unisono geführten Violinen und Bratschen hinzu. Dieser besonderen, ‚Bassettchen’ genannten Verfahrensweise sind wir in diesem Jahr schon verschiedentlich immer dann begegnet, wenn Bach der Meinung ist, eine besondere Stimmung müsse geschaffen werden, und auf die übliche Stütze durch den Basso continuo verzichtet. Er verwendet sie symbolisch mit Bezug auf Jesus (der keine ‚Stütze’ braucht), der die Gläubigen vor den Folgen der Sünde beschützt (wie in der Sopran-Arie ‚Aus Liebe’ in der Matthäus- Passion), und, am anderen Ende, auf die Menschen, die immer wieder in Sünde verfallen, wie in jener wunderbaren Sopran-Arie ‚Wir zittern und wanken’ aus BWV 105, oder (so wie hier) bezogen auf die ‚verkehrten Herzen’, die (im wahrsten Sinne des Wortes) den Boden unter den Füßen verloren haben, weil sie sich von Gott abwenden.

Die Arie ist aus der Warte eines passiven Zeugen aufgezeichnet, der sieht, wie die rückfälligen Sünder ‚mit rechten Satansränken’ Gottes Strafgericht verlachen und ‚sich nur an Rach und Hass erfreun’, und das Unbehagen des Sängers auf seinem Beobachtungsposten ist im zerklüfteten Rhythmus der Bassettchen-Linie zu spüren. Bach weicht an zwei Stellen von der chromatischen, fugierten Verflechtung der beiden Orgellinien ab und liefert stattdessen einen schnelleren, diatonischen Austausch zwischen den Stimmen, der so angelegt ist, dass er im A- Teil mit der in Lehms’ Text erwähnten ‚Rach und Hass’ und im B-Teil mit den Worten ‚frech verlacht’ zur Deckung gelangt. Mir als Nicht- Organisten erscheint das alles ein wenig merkwürdig und unpersönlich. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Arie, mit wendigeren, klagender klingenden Instrumenten gespielt, wie zum Beispiel den Unisono-Violinen in ‚Et incarnatus’ der h-moll-Messe, mehr zu Herzen gehen würde.

Offensichtlich war Bach knapp mit der Zeit, nachdem er beschlossen hatte, dieses Werk am 28. Juli 1726 mit der Kantate seines Meiningener Cousins Johann Ludwig (Ich will meinen Geist in euch geben) zu koppeln; diese wurde vor der Predigt aufgeführt, und Vergnügte Ruh während der Verteilung des Abendmahls. Mir erscheint die Orgel als Soloinstrument in der stolz einherschreitenden Da-Capo- Arie in D-dur (Nr. 5), die das Werk beschließt, sinnvoller eingesetzt, wenngleich auch dies eine Entscheidung gewesen sein mag, die in letzter Minute unter Zeitdruck zustande kam und Bach nötigte, das Orgelsolo selbst zu spielen. Ursprünglich mochte er für diesen Satz ein melodisches Blasinstrument vorgesehen haben – vielleicht eine Oboe d’amore –, und dann, als er Vergnügte Ruh in seinen letzten Jahren, um 1746/47, wieder aufführte, wählte er für diesem Satz sicher eine obligate Flöte, was die in der Uraufführung verwendete zweite Orgel entbehrlich machte. Das erklärt, warum sein ältester Sohn, Wilhelm Friedemann, 1750 in Halle unbedingt die erste Arie wieder aufführen wollte, nicht jedoch den restlichen Teil der Kantate. 

© John Eliot Gardiner 2009

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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Kantaten-Beschreibungen von „Sir John Eliot Gardiner“ 

ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt !

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen zum „6. und 7. Sonntag nach Trinitatis“

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                   Gardiner Reisetagebuch SDG 156 zum Download als PDF

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  Künstler-Beitrag:  Maya Homburger  – Violine, zum Download  als PDF 

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……………..Link:  >> Wissenswertes vom  – Klangquartier Leipzig <<
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Bachfest Leipzig 2013 – „Vita Christi“
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vom 14.06.2013 – 23.06.2013 
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Erstmals wagt sich ein Veranstalter daran, die theologischen, dramaturgischen und kompositionstechnischen Verbindungslinien der großen oratorischen Kompositionen Bachs in eine unmittelbare Beziehung zu setzen: Weihnachts-Oratorium, Johannespassion, Oster- und Himmelfahrts-Oratorium fügen sich zu einem inhaltlich wie musikalisch bestimmten Großprojekt zusammen. Unter Leitung von Trevor Pinnock, Thomas Hengelbrock und Sir John Eliot Gardiner werden die entscheidenden Stationen der Vita Christi an insgesamt drei Konzertabenden zu einem einzigartigen Musikerlebnis.
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Umrahmt werden die Aufführungen von den Magnificat-Kompositionen  von Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach im Eröffnungs- sowie der h-Moll-Messe im Abschlusskonzert.
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Die Thematik für das Bachfest 2013 wird Vita Christi sein.
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Sir J.E. Gardiner wird mit dem Monteverdi Choir am Donnerstag, 20.6.2013 in der Thomaskirche die „Johannes-Passion“ aufführen.
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Am Samstag, 22.6.2013 erfolgt dann  mit Sir J.E. Gardiner in der Nikolaikirche ein Kantatenkonzert u.a. mit den Bach-Werken:
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BWV 249 „Kommt eilet und laufet“ und BWV 11 „Lobet Gott in seinen Reichen.“
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Weitere Informationen nachstehend:
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Ich wünsche allen einen schönen „Trinitatis-Sonntag !“
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Herzliche Grüße
Volker
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