Archiv der Kategorie: Konzertbesuche-Rezensionen

Gardiner mit einer überragenden Brahms-Interpretation in der Alten Oper, Frankfurt


@Iris sagt:

Hallo,
Barbaras Nachricht mit der 1. Rezension des Gardiner-Konzertes am 30.09.2008 in der Alten Oper Frankfurt liegt mir bereits vor. Aber diese Kritik ist so hervorragend dass sie auf das 2. Konzert am 1. 10.2008 ebenfalls Alte Oper, übertragen werden könnte.

Foto. Alte Oper Frankfurt

Es war ein sehr geballtes, großartiges Programm. In einer Stunde kamen Ouvertüre zu Coriolan op 62 von Beethoven zu Gehör.
Geistliches Lied op. 30 aus Brahms Sammlung von Motetten und Psalmen des 16. U. 17. Jhdts. Der Monteverdi Choir war traumhaft schön. Genau so später mit dem „Sanctus und Benedictus“ von G. Gabrieli.

J. Eccard mit „Übers Gebirg Maria ging“. Teilweise überirdisch schön. Der Sir hat`s hingekriegt, anschließend noch einen Bogen zu Orlando di Lasso und H. Schütz zu schlagen: der „Saul, Saul, was verfolgst Du mich“, war sehr bewegend.
Unser J.S. Bach hat auch nicht gefehlt, es wurde die Kantate: „Nach Dir Herr, verlanget mich“, BWV 150, aufgeführt – (in SDG-CD 131, 1.CD enthalten) – dieses Kantaten-Werk von J.S. Bach war der WEG-Bereiter der 4. Sinfonie e-Moll op.98., für Brahms.

SDG 131,Vol. 23. (Arnstadt), CD 1 mit dem BWV 150,

Bevor die 4. Brahms-Synphonie begann – nach der Pause – musste ich mich erst einmal sortieren. Das war so viel tolle Musik in 60 Minuten, soviel verschiedene Komponisten, die ich gar nicht so schnell verarbeiten konnte.
Dieser Brahms war eindeutig der Höhepunkt des Abends. Das „Orchestre Révolutionnaire et Romantique“ – alle sehr weit auseinandergestellt und natürlich stehend konzertierend – haben einen solchen transparenten, durchsichtigen Klang gehabt, dass jede Stimme einzeln zu hören und trotzdem im Gesamten eingebettet war. Es war ein Traum. Nun ist der Traum erst mal wieder zu Ende.

Nachstehend sind Zeitung-Links aus Frankfurt zu weiteren Rezensionen angefügt:

http://www.wiesbadener-kurier.de/feuilleton/objekt.php3?artikel_id=3459623

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1607704_Der-eingekreiste-Brahms.html

http://www.fnp.de/fnp/welt/kultur/rmn01.c.5202643.de.htm


Grüsse und einen schönen Sonntag
Iris

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P.S. Zusätze von Volker/admin am 06.10.2008, 18:10 h:

Ich stelle einmal Hörproben zur Gegenüberstellung zur Verfügung: J.S. Bach BWV 150, Satz 7 und J. Brahms, Symphonie Nr. 4, Satz 4, Ausschnitte !

Hörprobe: BWV 150, Satz 7

Hörprobe: J. Brahms, 4. Sinfonie, Satz 4

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Rezension-Gardiner mit der Johannes Passion in Grafenegg-Österreich


Hallo,

bei den Festspielen in Grafenegg, am 28. August 2008, führte J.E. Gardiner die Johannes Passion auf.
Ein kleiner Auszug aus der Rezension von EVOLVER:

….“Am Abend des 28. August 2008 bescherte Sir John Eliot Gardiner den Zuhörern eine Sternstunde mit Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“. Mit seinen English Baroque Soloists und dem unvergleichlichen Monteverdi Choir gaben die Künstler ihren Einstand in der niederösterreichischen Ortschaft am Wagram.

…..“Gardiners Ensembles sind weltweit einzigartig, wie sie auch an diesem Abend wieder beweisen. Es ist nahezu unglaublich, daß ein Chor mit bloß 24 Personen ein so enormes Klangvolumen erzeugen kann, das aber nie zu Lasten der Transparenz geht.“

oder etwas Kritik:

…..genauso müßten die hochgelobten Wiener Chöre sofort ihre Arbeit einstellen, wenn sie dem Monteverdi Choir lauschen könnten. Doch die Wiener Kulturmafia ist offenbar so stark und mächtig (gemeinsam mit dem Feuilleton), daß sie bisher Gardiner – auch als Dirigent – und sein Ensemble nach einigen brillanten Auftritten in Wien erfolgreich verhindert haben.

Link zur vollständigen Rezension von EVOLVER:

http://www.evolver.at/live/Grafenegg_John_Eliot_Gardiner_Johannes_Passion_2008/

Schönen Sonntag und Grüsse
Volker


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Teil 2, Besuch der Brandenburgische Konzerte I, III, IV, im Johann-Sebastian-Bach-Saal, Köthen am 5.9.2008


Hallo zusammen,

nach dem beeindruckenden Konzert vom Vormittag, das kaum noch zu toppen möglich erscheint, waren wir sehr gespannt, was sich in dem schönen neuen „Johann-Sebastian-Bach-Saal“ am Abend des gleichen Tages ergeben würde.

Flyer mit Programm im Johann-Sebastian-Bach-Saal am Abend

Foto: Der neue Johann-Sebastian-Saal in Köthen (© Copyright V.Hege)

Auch in dieser Veranstaltung wurde wiederum eine Programm-Änderung in der Abfolge vorgenommen. Es erklang zum Anfang das Brandenburgische Konzert Nr. II, F-Dur, BWV 1047. Wie bereits am Vormittag, saß Gardiner am Rand des Podiums und war als Hörer und nicht als Aktiver tätig.

Foto: Johann-Sebastian-Saal, Köthen, Blick auf das Podium vor Konzertbeginn (© Copyright V.Hege)

Dieses Werk lebt von der Spannung mit der Besetzung einer Trompete. Der erste Satz ist lebhaft und man hört sofort die Dominanz der Trompete. Der Satz ist nicht umsonst einer der beliebtesten Sätze der Barockmusik. Auf dieses Werk habe ich mich am meisten gefreut und wurde nicht enttäuscht, Im Gegenteil, es wurde eine Wiedergabe auf allerhöchstem Welt-Niveau, den Trompetenpart meisterte ein Juwel unter der Trompetengilde „Neil Brough“ absolut perfekt, was in seinen Lungen steckt, um diesen virtuosen Part vortragen zu können, grenzt fast ans menschenunmögliche, von der Statur her besitzt er alle Bedingungen um das umsetzen zu können und das meistert er mit Bravour; zumal Gardiner ihm hier ein sehr schnelles Tempi vorgegeben hat. Das gleiche Tempo wurde in den folgenden zwei Sätzen beibehalten und wurde zu einem glanzvollen Festtags-Schmaus.

Orchester und Trompeter bildeten eine perfekt Einheit und haben einen wunderschönen Konzertbeginn hingelegt, der den Besucher auf das Kommende erwartungsfroh einstimmte.
Nach den drei Sätzen brach tosender Jubel und Applaus aus und ein sichtlich erschöpfter Weltklasse-Trompeter und ein perfekt abgestimmtes und aufspielendes Orchester genossen in vollen Zügen den wohlverdienten Lohn. Der Sir stand enthusiastisch applaudierend am Rand des Podiums und grinste freudig über das ganze Gesicht.

Das ist Barock- (Bachmusik) vom Feinsten und bedeutete für mich ein vorweggenommener Höhepunkt des Abends. Schade, das hätte ich gerne als Schlusswerk gehört, – denn dazu komme ich noch, – dass Brandenburgische Konzert Nr. I war nicht der Rausschmeisser, wie es eigentlich angedacht gewesen war..!!


Foto: Frenetischer Jubel nach dem Brandenburgischen Konzert Nr. 2, BWV 1047, mit der überragenden Vorstellung des Trompeten-Virtuosen: „Neil Brough“, im Bild rechts außen. Links daneben Prof. Michael Niesemann, Oboe und Rachel Bekett, Flöte, im Brandenburgischen Konzert Nr. II, BWV 1047 (© Copyright V.Hege)

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Das Folge-Werk, Brandenburgische Konzert Nr. IV, G-Dur, BWV 1049 wurde zu einem Glanzpart für die Violonistin „Kati Debretzeni“ hier ist der Violine hochvirtuose Solo-Läufe zugewiesen. Was sie wunderbar technisch auf höchstem Level vortrug, klanglich habe ich etwas an ihrer Geige zu bemängeln, sie hat nicht den warmen barocken Klang, den ich sonst so bei den Baroque Soloists bewundere,

Foto: Die Streichergruppe, zweite von links: Kati Debretzeni wurde mit ihrem virtuosen Violin-Solo-Part gefeiert.
(© Copyright V.Hege)

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Ein weiterer Höhepunkt erfolgte anschließend mit dem „Lamento“ von Johann Chrisoph Bach (1642-1703), „Ach dass ich Wassers gnug hätte“ mit Clare Wilinson, Alt. Hier nahm der Sir wieder seinen Chefposten ein und spornte mit seinem Dirigat alle Beteiligten wieder zu einer Glanzleistung an.

Johann Christoph Bach, der Eisenacher Organist, Hof-Cembalist und Onkel zweiten Grades von Johann Sebastian, vertont den Propheten Jeremia mit schmerzlich-empfindsamen Lautmalereien. Mit Schlichtheit und mit einer mehr als bewundernswerten Gesangs-Ästhetik, vermag in diesem Lamento Clare Wilkinson restlos zu überzeugen. Das Wühlen von Geige, Bratschen und Continuo in den untersten Registern beim ach so grimmigen Zorn des Herrn – wird überwältigend dargeboten. Leichte Probleme bekommt die Mezzo-Sopranistin in den unteren Lagen, da könnte im Stimmvolumen zugelegt werden, aber die geringe Raumgrösse war hier ihr Vorteil, sie muss in den letzten Reihen mit ihrem Stimmvolumen angekommen sein.
Freudiger, frenetischer Schluss-Applaus bekundete wiederum, dass der Besucher mit dieser Aufführung mehr als zufrieden war.

Foto: Wiederum eine vortreffliche Vorstellung im Lamento durch Clare Wilkinson, Alt (© Copyright V.Hege)

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Das von mir mit Spannung erwartete Schlussspektakel mit dem wunderschönen Brandenburgischen Konzert Nr. I, F-Dur, BWV 1046, in der Besetzung mit Hörnern, wurde fast zum Fiasko. Schon nach dem Wiederbetreten des Podiums nach dem zuvor gehörten Lamento, geriet Sir Gardiner heftig ins Straucheln, er muss eine Stufe des Podiums verfehlt haben und konnte sich glücklicherweise am Cembalo schützend abstützen und einen heftigen Sturz vermeiden. Einmalig in seiner Art, überspielte er diese für ihn glücklich verlaufenen Situation, mit einer fast tänzerischen Schau-Sondereinlage und das Publikum dankte es ihm mit einem Sonderapplaus. Rührend konnte ich sehen, wie der Oboist Michael Niesemann sich sofort um den Sir kümmerte und nach seinem Befinden sich erkundigte.

Das war schon ein heftiger Beginn und setzte sich fort nach dem Einsetzen der ersten Tönen im Brandenburgischen Konzert Nr. I. Ungläubig schüttelte ich den Kopf, die Misstöne der Hörner waren zum Anfang unüberhörbar, was zum Teufel hat den Sir geritten, so eine für mich gesehene wundersame Interpretation der Hörner dem Publikum vorzusetzen? Für mich war die junge Anneke Scott und Gavin Edwards mit dem virtuosen und sensiblen Part für das Horn an diesem Abend überfordert. In dem weiteren Werk wurden sehr laute trompetenhafte Töne – das Orchester wurde schrecklich übertönt -, zum letzten Hallali geblasen, es war fast jazzige Musik. Ich konnte beobachten, dass die Geigerin Kati Debretzeni ob dieses Spektakels ein süss-säuerliches Gesicht bekam und das Publikum vor mir ungläubig darüber den Kopf schüttelten. Das grenzte fast an Jahrmarkts-Töne, leider, gerade dieses Werk bedarf eines sensiblen Spiels des Horns und dann so etwas…!!

Wenn dieses Konzert am Anfang zur Aufführung gestanden hätte, wäre ich dafür dankbar gewesen, es sollte wohl ein Highlight des Abends werden mit der Jazz-Einlage. So ist der sonst so wunderbare Gesamt-Eindruck des Abends ein wenig geschmälert worden und bekam einen faden Beigeschmack. Hier sehnte ich mich als Rausschmeisser-Musik nach dem Brandenburgischen Konzert Nr. II mit dem Star-Trompeter „Neil Brough“, da hätte die Halle Kopf gestanden, aber so..!!??

Foto: Gavin Edwards, Horn, links im Bild (© Copyright V.Hege)

Foto: links im Bild die junge Hornistin: Anneke Scott (© Copyright V.Hege)
Ich stelle hier allen Lesern einen Vidoe-Link von jpc zur Verfügung mit dem Anfang des Brandenburgischen Konzertes Nr. I, gespielt von dem Freiburger Barockorchster im Spiegelsaal Köthen, da hört sich das Waldhorn gediegener an. Zum Starten des Videos muss das seitenverkehrte Dreieck angeklickt werden, die Ladezeit dauert ein wenig, bitte Geduld !!

Link: http://www.jpc.de/jpcng/home/detail/-/hnum/6944511/iampartner/seinfo

Im Anhang füge ich ein Video vom 1. Brandenburgischen Konzert vom Label: solideogloria / monteverdi.co.uk bei, das während des Bachfestes 2008 in Köthen im Bachsaal entstanden ist.

© Videorechte: Label: http://www.solideogloria.co.uk/

Video: 1. Brandenburgische Konzert, Gardiner, Bachfest 2008 Köthen, Bachsaal

Trotz des für mich gesehenen Missgeschick mit dem Werk I, waren es zwei wunderbare Konzerte mit den Baroque Soloists und dem wunderbaren Gesang des Mezzo-Sopran: Clare Wilkinson. Der schönste Rahmen war einfach der Spiegelsaal, die Intimität des Raumes und Nähe zum stehenden Orchester, das umwerfende Zusammenspiel der großartig aufgelegten Instrumentalisten war einmalig und haftet weiterhin, was will man mehr…!!

Grüsse an alle

Volker

P-S. Wenn jeweils in das Foto geklickt wird, erscheint eine gesonderte Vergrößerung des Bildes !!

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Teil 1, Besuch der Brandenburgische Konzerte III, V, VI, im Spiegelsaal-Schloss-Köthen am 5.9.2008


Hallo,

nach dem Bericht von @Barbara, mit dem Besuch der Johannes Passion, welches wir bewusst ausgelassen haben, beginne ich mit Teil 1, den Brandenburgischen Konzerten im Spiegelsaal Köthen.

Nach der Aufführung der Johannes Passion als Eröffnungskonzert in St. Jakob am Mittwoch, 3.9.2008, im Rahmen der 22. Bachwoche Köthen, war für Gardiner ein freier Tag angesetzt, den wir zur Anfahrt genutzt haben.

Flyer vom Programm im Spiegelsaal

Foto: Das Köthener Schloss mit Spiegelsaal (© Copyright V.Hege)

Im Vorfeld war für mich die Splittung der zu hörenden Brandenburgischen Konzerte von Interesse, was mag Gardiner dazu bewogen haben, in seinem 1. Konzert die Werke III, V und VI im Spiegelsaal aufzuführen.

Das dritte und sechste Brandenburgische Konzert folgen der Form einer italienischen Ouvertüre aus Konzertsatz, langsamem Mittelsatz und Tanz, während das fünfte Brandenburgisch Konzert eine kleine Gruppe von Soloinstrumenten einem Streichorchester gegenübergestellt ist und repräsentieren damit die modernere Form eines „Concerto grosso“ hier ist der Schlusssatz ein Fugati mit einer voll ausgebauten Fuge.

Somit kann die Erklärung wohl auf der Hand liegen, das 3. Und 6. Brandenburgische Konzert sind in ihrer Kompositionsart identisch und bilden eine Einheit und wurden in einer Abänderung in der Programmabfolge als Schlusswerke nach der wiedergegebenen Kantate, aufgeführt.

Das 5. Brandenburgische Konzert weicht in der Kompositionsform von den vorgenannten Werken ab und ist als ein Kontrast-Werk in das Programm aufgenommen worden und als erstes Werk aufgeführt worden.

Als eine willkommene Bereicherung und Abrundung des Programms ist als ein „Juwel“ die Kantate, BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ für Alt-Solo, in das Programm integriert worden.

Diese drei Brandenburgischen Konzertveranstaltungen von Gardiner, Monteverdi Choir und English Baroque Soloists hatten einen immensen Zuspruch und waren nach kurzer Zeit restlos ausverkauft.

Voller Vorfreude betraten wir den historischen Spiegelsaal und waren glücklich, in der ersten Reihe, hautnah am Orchester unsere Plätze vorzufinden. Die Sicht und das unmittelbare Geschehen spielte sich direkt vor uns ab, etwas störend die Enge des Sitzens in den Bänken aber das wurde durch die optimalen Bedingungen des vorgenannten mehr als wett gemacht.

Foto: Der Spiegelsaal, Schloss Köthen, links die Büste von J.S. Bach (© Copyright V.Hege)

Es erklang Kammermusik der feinsten englischen Art, virtuoses Orchester untereinander anspornend und bestens aufeinander abgestimmt, war es ein fulminantes Erlebnis, diesem Ausnahme-Orchester zuzuhören und das unter den gestrengen Blicken von J.S. Bach als Büste im Hintergrund des Cembalos. Er hätte an der Musizierfreude und das großartige Können aller Beteiligten seine helle Freude gehabt.

Foto: J.S.Bach-Büste, eine Kopie, die 1895 vom Leipziger Bildhauer; Carl Seffner; geschaffen wurde.
(© Copyright V.Hege)


Verwundert nahmen wir zu Kenntnis, dass der Sir die Protagonisten alleine die Brandenburgischen Konzerte vortragen lies, er hatte in der 1. Reihe seinen Sitzplatz eingenommen und verfolgte anhand eines vor ihm stehenden – niedrig eingestellten Pultes mit der darauf liegenden Partitur -, schmunzelnd, den Kopf im Takte wiegend, das Geschehen. Nach dem ersten Schluss-Akkord sprang er überglücklich als erster auf und rief in den Raum: „Bravi“, so entfesselt, beseelt und begeistert habe ich Gardiner noch nie in einem Konzert erlebt.


Foto: Begeisterter Sir Gardiner sitzend und zuhörend..!! (© Copyright V.Hege)


Schon nach dem Einsetzen des ersten Taktes kam die Intimität des Spiegelsaales voll zur Geltung und übertrug sich spontan auf die Zuhörer. Das war überirdische Musik, die nicht mehr zu toppen war, die Hörer waren schier aus dem Häuschen und mehr als begeistert. Das Niveau aller zu Gehör gebrachten Brandenburgischen Konzerte war auf dem gleichen künstlerischen Level und entsprachen einem Kunstgenuss auf höchster Ebene und wusste den Zuhörer mehr als zu begeistern.

Foto: The English Baroque Soloists, am Cello der überragende Danny Yeadon. (© Copyright V.Hege)

Eine ebenso fantastische Wiedergabe erfolgte zwischendurch mit der Kantate, BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust.“ Hier lies es sich der Sir nicht nehmen und übernahm sein geliebtes Dirigat.

Das für Alt-Solo gespickte Werk wurde von einer Könnerin ersten Grades, mit Namen Clare Wilkinson, Mezzo-Sopran, vorgetragen. Ihr Stimmvolumen war optimal für diesen prächtigen Spiegelsaal, ihre Ausdrucksform und Gesangsvortrag war erhebend schön, in einem schönen roten langen Kleid war sie nicht zu übersehen und zu überhören, hier war sie der Mittelpunkt und wusste es durch ihre Gesangs-Kultur prächtig zu untermauern. Sie trug eine Perlenkette und so war es dementsprechend bildlich gesehen ein Perlengesang „per Excellence“ ein wunderschöner Kantaten-Vortrag, der sehr zu Herzen ging. Überglücklich nahm Gardiner sie am Ende an die Hand mit dem Bewusstsein, eine großartige Ausnahmesängerin in seinen Reihen zu haben.


Foto: Clare Wilkinson, Mezzo-Sopran, überzeugende Sangeskunst (© Copyright V.Hege)

Es gibt bei YouTube eine wunderbare Altus-Arie vom BWV 170 „Vergnügte Ruh“ von Andreas Scholl gesungen, sie ist unter Herreweghe veröffentlicht worden. Es ist ein fantastischer Altus-Gesang zu hören.

Link: http://de.youtube.com/profile_video_blog?sid=42B00DB5A1191AE6&id=FF04EBF8E01C6987


Der Schlussapplaus nach der Veranstaltung war entsprechend überwältigend, mit Standing Ovatione waren die Besucher überglücklich, es war eine Veranstaltung, die aufgrund der Intimität des Raumes und der Nähe zum grandiosen Orchester alle gepackt hatte. Es war ein Konzerterlebnis, wie man es in diesem Rahmen nur sehr selten erleben kann, so etwas bietet Köthen mit seinem rührigen Spiegelsaal und weiß alle in seinen Bann zu ziehen, hier ist der Geist von J.S. Bach spürbar, und das wurde von den Ausführenden in diesem Sinne entsprechend grandios umgesetzt.
Was will man als Hörer und Konzert-Besucher mehr verlangen…!!

Im Anhang füge ich zwei Videos von Brandenburgischen Konzerten vom Label: solideogloria / monteverdi.co.uk bei, die während des Bachfestes 2008 in Köthen-Spiegelsaal und Bachsaal entstanden sind.

© Videorechte: Label: http://www.solideogloria.co.uk/

Video: 3. Brandenburgische Konzert, Gardiner, Bachfest 2008 Köthen, Spiegelsaal

Video: 6. Brandenburgische Konzert, Gardiner, Bachfest 2008 Köthen, Spiegelsaal


Grüsse

Volker

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Bach Festtage Köthen – Impressionen zur Bach’s Johannes-Passion am 3.9.2008


@Barbara sagt:

Hallo,

Flyer zur Johannes Passion

Foto: Aufführungsstätte: St. Jakob Kirche in Köthen (© Copyright V.Hege)

Bach – Johannes-Passion im September – wie soll das gehen?
Das habe ich mich gefragt, als ich im Zug nach Köthen saß. Aber vielleicht ist es ja eine Chance, dieses Werk einmal nicht als „Gottesdienst“ zu hören, sondern als reines Konzert und die Musik von einer anderen Seite zu begreifen. Dachte ich, dachte ich aber falsch. John Eliot Gardiner hat es geschafft, vom ersten Takt an Chor und Orchester zu einem solch intensiven Musizieren zu motivieren, dass mir manchmal fast der Atem stockte. Ob es die leisen kontemplativen Stellen oder hochdramatische Stücke waren, egal, es war einfach fesselnd. Jedes Mal, wenn ich den Monteverdi Choir höre – und das gilt im selben Maße auch für die English Baroque Soloists -, bin ich verwundert, wie weit gesteckt die Grenzen dieses Chores sind. Sie singen einfach das Unmögliche – und es klingt und berührt.

Foto: Der Monteverdi Choir wartet auf seinen Auftritt. Während des Konzertes in der Jakobskirche galt striktes Fotografier-Verbot. (MZ-Foto: Heiko Rebsch) Genehmigung zur Veröffentlichung von der MZ am 8.9.2008 erteilt !

Es liegt nahe, dieses Konzert mit dem vom Karfreitag in Wolfenbüttel zu vergleichen. Aber das ist m.E. nicht richtig. Karfreitag dachte ich, dass diese Aufführung nicht zu toppen ist. Ich wurde eines besseren belehrt. Wobei ich nicht glaube, dass eines von beiden besser war, das Zweite jetzt habe ich einfach als viel intensiver empfunden. Die Solisten waren fast komplett ausgetauscht.

Einzig Nicholas Mulroy und Matthew Brook als Pilatus sangen in beiden Konzerten. Dieser hat mich wieder dazu gebracht, darüber nachzudenken, wieso ein so selbstbewusst polternder, dominant und aggresiv wirkender Pilatus zum Schluss so den Schwanz einzieht. Es ist halt so, wer am lautesten brüllt (nicht dass Matthew Brook gebrüllt hätte), hat am meisten Schiss. Und die „Eilt“-Arie – meine Güte – dieses Drängen, dieses Getriebensein, diese Verzweiflung waren fast nicht auszuhalten.

Katherine Fuge gelang der Spagat zwischen der tänzerisch leichten und der zweiten, tiefste Not ausdrückenden Arie sehr beeindruckend. Die Alt-Arien wurden von Claire Wilkinson gesungen, die für mich eine der besten Mezzo-Sopranistinnen und auf unnachahmliche Art und Weise Schmerz auszudrücken weiß. Allerdings verstehe ich jetzt unseren Kirchenmusiker, der nur für die Stelle „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ für die letzte Johannes-Passion, die ich mitgesungen habe, einen Altus engagiert hatte. Hier war das Orchester doch ein wenig zu stark für ihre sensible Stimme.

Foto: Mezzo-Sopran Claire Wilkinson (© Copyright V.Hege)

Die Tenorarien wurden aufgeteilt. Die 1. Arie sang James Gilchrist – zu ihm komme ich noch – , die Zweite „Erwäge“ Nicholas Mulroy. Einen so schönen, zarten Regenbogen habe ich noch nie gehört. Es war wirklich zum Luftanhalten. Weil – wenn ich geatmet hätte -, wäre der Regenbogen weg gewesen. Die letzte Arie für Tenor sang Jeremy Budd. Die Bass-Arien, wie schon erwähnt, sang Matthew Brook bis auf „Mein teurer Heiland“, wofür Peter Harvey – warum auch immer – von seiner Kanzel stieg, von der aus er den Christus wunderbar warm, sehr menschlich und sehr eindringlich sang. Mit einer solchen Wärme habe ich ihn noch nie singen hören.

Und zum Schluss der, der alles zusammenhielt – der Evangelist James Gilchrist. Er hat diese „Geschichte“ unglaublich persönlich erzählt. Er lebte diese Geschichte, aber es wurde nie theatralisch. Ich hatte das Gefühl, da nimmt mich einer an die Hand, führt mich durch eine unglaublich aufwühlende Geschichte, schont mich nicht, führt mir die ganze Angst und Wut und Dramatik und Brutalität höchst bewegend vor, geht absolut an die Grenzen des Machbaren und Ertragbaren, aber er hält meine Hand fest und lässt mich nicht damit allein. Und wenn jemand noch einmal etwas über blutleere, kraftlose englische Tenöre schreibt, der hat – sagen wir es einmal milde – dieses Konzert nicht gehört. Was ganz klar gemacht hat, dass Verallgemeinerungen schlicht und ergreifend unzutreffend sind. Ich gebe zu – ich kenne dieses Werk praktisch auswendig -, aber wenn die Veranstalter die Besucher nicht so eng in die Reihen gepackt hätten, hätte ich nicht nur einmal auf dem Boden gesessen. So habe ich mich ob der Kraft in der Stimme von James Gilchrist erschrocken.

Ja – dies war wirklich keine Gute-Nacht-Geschichte, ich habe in der Nacht danach kaum geschlafen. Aber es war ein Konzert – mehr als ein Konzert – von dem ich noch lange zehren werde und für das ich allen Mitwirkenden tiefsten Respekt zolle.

Fazit: Johannes-Passion im September geht, aber WO im Juli – das sollte mir lieber keiner anbieten.

Grüsse

Barbara


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Orgel-Konzert und Arien von Bach, Händel, Mozart in der Ev. Petri-Kirche, Herford


Hallo,

ich möchte es nicht versäumen, das gestern gehörte Orgelkonzert mit zusätzlichen Arien von J.S. Bach, G.F. Händel und W.A. Mozart, dem Forum vorzutragen.

Sonntag, 17. August 2008, 18.00 Uhr Ev. reform. Petri-Kirche, Herford, KONZERT für SOPRAN und ORGEL Brigitte und Burkhard Ascherl / Bad Kissingen
im Rahmen des Herforder-Orgelsommers 2008

Foto: Ev. reform. Petri-Kirche, Herford. (Fotorechte: V.Hege)

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Programm:

J. S. Bach BWV 593, 1. Satz aus dem Concerto a-Moll von A. Vivaldi

Sopran-Aria „Gottes Engel weichen nie“
aus der Kantate „Man singet mit Freuden vom Sieg“ BWV 149

G. F. Händel Orgelkonzert F-Dur op. 4, Nr. 4 (Bearbeitung: B. Ascherl)
Allegro – Andante – Adagio – Allegro

Sopran-Aria „O hätt’ ich Jubals Harf’“
aus „Josua“
Sopran-Aria „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“
aus „Messias“

W. A. Mozart Fantasie f-Moll für eine Flötenuhr KV 594
(Adagio – Allegro – Adagio)

Sopran-Arien „Dulcissimum convivium“ und „Agnus Dei“
aus „Litaniae de venerabili altaris sacramento” KV 243

J. S. Bach, BWV 29 / Orgel, Sinfonia aus Satz eins, aus der Ratswahlkantate:
„Wir danken dir, Gott“

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Foto: Steinmeier-Orgel von 1960 in der Ev.ref. Petri-Kirche Herford. (Fotorechte: V.Hege)

Der Besucherzuspruch für dieses ausgewogenen Konzert-Programm war übermächtig, nicht alle Anwesenden konnten einen Sitzplatz einnehmen und mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Bach, Händel, Mozart, ziehen einfach die Besucher in ihren Bann. Die sehr moderne Orgel-Literatur dagegen hat hier Probleme, die Kirchen füllen zu können.

Aus dem vergangenen Orgelsommer-Programm in 2007 ist der Organist: Ewald Kooiman, Amsterdam, noch in sehr guter Erinnerung haften geblieben, mit seinem umfangreichen Bach-Programm, in der St. Marien-Kirche, Stift Berg, die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, konnte er die Besucher mehr als zufrieden stellen, es war eine überragende Veranstaltung.

Link zur Rezension aus 2007 bitte klicken..!!

Hier sollten sich die Veranstalter einmal Gedanken darüber machen, solche Programminhalte für den Orgelsommer 2009 mit zu berücksichtigen, denn nicht jeder Orgel-Freund mag die sehr moderne Orgel-Literatur….!!

Die Kirche wurde im vergangenen Jahr umgebaut und modernisiert, die ehemalige Orgelempore wurde zu einem Veranstaltungsraum umgebaut und zum Kirchenraum verglast. Ihren neuen Standort erhielt die Orgel im ehemaligen Altarraum. Ob diese Lösung als vortrefflich anzusehen ist, darüber kann gezweifelt werden.

Als guter Standort dazu erwies sich der Platz für die gegebenen Sopran-Arien von Brigitte Ascherl, aufgrund ihrer guten und vernehmbaren Akustik.

Einleitend begann das Konzert mit dem Orgelprogramm von J.S. Bach, mit dem BWV 593, 1. Satz aus dem Concerto a-Moll von A. Vivaldi. Sicher, gefühlvoll registrierend, empfahl sich der Organist: Burkhard Ascherl, als ein Könner in dieser Orgel-Literatur an der kleinen Steinmeier-Orgel.

Die darauf folgende Sopran-Arie aus dem BWV 149 – (aus der Kantate: „Man singet mit Freuden vom Sieg) – mit dem 4. Satz: „Gottes Engel weichen nie“ wurde von der Orgel unterstützend, klar und deutlich vernehmbar von der Sopranistin vorgetragen. Leichte Unsicherheiten in den hohen Stimmlagen und gepresste Töne, vermochten dieser schönen Arie nicht den entsprechenden Glanz verleihen. Diese gleichen Schwierigkeiten besass sie in den Arien aus dem Messias von G.F. Händel. Als Nachteil ist die Dominanz der Orgel zu erwähnen, als vortrefflicher würde sich ein Cembalo in der Continuo-Begleitung anhören.


Foto: (Sopran) Brigitte Ascherl und Burkhard Ascherl (Orgel) aus Bad Kissingen. (Fotorechte: V.Hege)

mp3-Hörprobe: BWV 149, Sopran-Arie, 4. Satz: „Gottes Engel weichen nie…!!


Vortrefflich erklangen die Arien von W.A. Mozart, aus dem KV 243, „Dulcissimum convivium“ und dem „Agnus- Dei“ aus Litaniae de venerabili altaris sacramento. Hier erwies sich die Sopranistin „Brigitte Ascherl“ als eine vortreffliche Gesangs-Solistin, die voll zu überzeugen wusste und stimmlich ihren Glanzpart hatte.

Ein absoluter Höhepunkt wurde zum Schluss zu Gehör gebracht. Aus dem BWV 29, „Wir danken dir, Gott“, erklang die Sinfonia aus der Ratswahl-Kantate als Orgel-Solo. Hier kam die ganze Erfahrung des Organisten zur Geltung, fantastisch registriert und in herrlichen Klangfarben, verstand er es virtuos, aus dieser kleinen Orgel ein Klang-Spektrum hervor zu zaubern, dass beispiellos erscheint. Das war Orgelmusik aus anderen Sphären und beglückte die Zuhörer.

Link YouTube: zum Orgel-Solo aus dem BWV 29, bitte klicken !

Lang anhaltender Applaus dankte den Vortragenden für ein ausgewogenes und vielseitiges Konzert-Programm.

Grüsse
Volker

Mit dem – Dona nobis pacem – endete das Bachfest 2008 in Leipzig


Hallo zusammen,

hier meine persönlichen Eindrücke von den beiden letzten Aufführungen zum Bachfest 2008 in Leipzig am 21.6. 2008 mit dem „Freibuger BarockConsort“ in der Nikolaikirche und dem folgenden Konzert am Sonntag, 22.6.2008, als Schlussveranstaltung in der Thomaskirche und der dort aufgeführten obligaten h-Moll Messe von J.S. Bach mit der Kammerphilharmonie Bremen und dem RIAS-Kammerchor.

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Zu erst eine kleine Bilderauswahl von den Ereignissen am 1. Besuchstag:

Fotorechte: © V.Hege

Banner zum Bachfest 2008 am neuen Rathaus Leipzig empfingen die Besucher !

Fotorechte: © V.Hege
Samstag 21.6.2008, Konzert Freiburger BarockConsort in der Nikolaikirche Leipzig

Fotorechte: © V.Hege
Nikolaikirche am 21.6.2008, vorn links im Bild: Petra Müllejans, Violine und Leitung, Christa Kittel und Annette Schmidt (Violine, Viola), Cembalist: Torsten Johann, Ute Petersilge (Violincello).

Fotorechte: © V.Hege
Bachfest 2008 am 21.6. in der Nikolai Kirche Leipzig, Lee Santana (Laute).

Fotorechte: © V.Hege
vorne im Bild: Karl Kaiser (Traversflöte), im Konzert e-Moll von P.G. Buffardin ((1690-1768), im Hintergrund links außen der großartige Lauten-Spieler: Lee Santana.

Fotorechte: © V.Hege
im Bild: Karl Kaiser (Traversflöte)

Fotorechte: © V.Hege
21.6.2008 zum Bachfest 2008 in der Nikolaikirche in Leipzig, die vorzüglice „Hille Perl“ Viola da gamba und Basso continuo.

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Unser erster Besuch galt dem Instrumentalkonzert des Freiburger BarockConsort am 21.6.2008 in der Nikolaikirche. Dieses Programm bestach durch ein vorzüglich abgestimmtes Instrumental-Ensemble der Großartigkeit, hier die herausragende Viola da gamba-Solistin „Hille Perl“ besonders zu erwähnen, schmälert nicht den Gesamteindruck eines fantastischen Konzertabends.

Bedingt durch die gleichzeitig stattfindende „Soli Deo Gloria“ Veranstaltung in der Thomaskirche, u.a. mit dem grandiosen Fragment, BWV 50, „Nun ist das Heil und die Kraft“, aufgeführt von der „Akademie für Alte Musik Berlin und dem Thomaner Chor, Leitung Georg Christoph Biller, schrumpfte die Besucheranzahl auf ca. 400 bis 500 Zuhörer. Hier sollten sich die Planer in Zukunft etwas anderes einfallen lassen, denn einen größeren Zuspruch hätte dieses feine Ensemble mehr als verdient gehabt.

Zur Einführung erklang von J.S. Bach das BWV 1079, die Sonate c-Moll für Traversflöte, Violine und Basso continuo aus dem Musikalischen Opfer. Gut aufeinander abgestimmt erklang dieses wunderbare Werk in einer guten akustischen Atmosphäre in der Nicolaikirche.

Besonders gut gefielen uns die anschließenden Werke von Georg Philipp Teleman. Konzert A-Dur, TWV 51: A5 und die Suite D-Dur, TWV 55 D6. Hille Perl, positioniert ganz vorn vor dem Ensemble, zelebrierte eine Sternstunde im Viola da gamba-Spiel, Wann hört man solch eine großartige Künstlerin mit einem bewegendem Spiel, die warmen Klangfarben waren von diesem schönen Instrument deutlich heraushörbar und prägten eindeutig die Wiedergabe dieser wunderbaren Telemann-Werke. Das harmonische Miteinander im Spiel war begeisternd schön, was hat die Barockzeit doch für schöne Musikstücke zu bieten, es war ein Traum, das als Zuhörer einmal erleben zu dürfen.

Nach diesen Höhepunkten wurde noch etwas spektakuläres zu Gehör gebracht. Ein Meister der Traversflöte stellte sich mit „Karl Kaiser“ als ein Genie im Flöten-Spiel vor. Mit dem Konzert in e-Moll von Pierre-Gabriel Buffardin (1690-1768), der drei Jahrzehnte als Solo-Flötist an der Sächsischen Hofkapelle in Dresden gewirkt hatte, erklang ein Werk für Traversflöte, Streicher und Basso continuo, dass unter die Haut ging.
Inniger und herzergreifender kann ein solch großartiges Werk nicht vorgetragen werden, es stockte einem der Atem, so furios und besitzergreifend habe ich noch kein Flöten-Werk gehört, man wird direkt berauscht von der Schönheit dieser Musik. Die Werke dieses großartigen Komponisten sind fast alle verschollen, was für ein Verlust, leider, es existiert nur noch eine Trio-Sonate und ein Flöten-Konzert.

J.S. Bach hat bei seinem Dresden-Besuch im Jahr 1717 höchstwahrscheinlich diesen Ausnahmekünstler kennen gelernt und wurde durch ihn wohl angeregt, das virtuose Spiel und den Einsatz der Traversflöte in seinen Werken mit zu berücksichtigen.

Anzumerken ist ebenfalls das wunderbare Lautenspiel durch Lee Santana, er benutzte unterschiedliche Lauten-Instrumente und krönte damit eine unterstützende und fantastische Wiedergabe in den Barockwerken.

Eine zutiefst zufriedene Zuhörergemeinschaft dankte den großartigen Freiburger Instrumental-Solisten für einen wunderschönen Abend mit herrlicher Barockmusik, es bedeutete für uns eine herausgesuchte Perle im umfangreichen Gesamt-Programm des Bachjahres 2008 und machte uns neugierig auf den kommenden Sonntag mit dem Abschlusskonzert in der Thomaskirche mit der h-Moll Messe.

Eine weitere Rezension dazu von der Leipziger Volkszeitung vom 23.6.2008 nachstehend, in das Foto reinklicken, dann erfolgt eine Vergrößerung…!!

Obiges Bild: Rezension der Leipziger Volkszeitung vom 23.6.2008

Bach Magazin No. 11 erhältlich beim BachArchiv Leipzig
»Ich möchte nicht zurück«
INTERVIEW MIT HILLE PERL

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Bilder-Eindrücke vom 2. Besuchstag

Fotorechte: © V.Hege
Schlussveranstaltung am 22.6.2008 in der Thomaskirche Leipzig

Fotorechte: © V.Hege
Grosser Besucher-Andrang zum Beginn des Konzertes

Fotorechte: © V.Hege
J.S. Bach Denkmal vor der Thomaskirche, der immense Zuspruch wird ihn erfreuen….

Fotorechte: © V.Hege
Ausverkaufte Thomaskirche

Fotorechte: © V.Hege
Besucherplätze im Altarraum

Fotorechte: © V.Hege
Blick auf die Orgelempore mit den Mitwirkenden

Fotorechte: © V.Hege
Schluss-Applaus für die Mitwirkenden

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Am 2. Tag stand die Schlussveranstaltung mit der obligaten h-Moll Messe, BWV 232, in der Thomaskirche zum Besuch an.

Das Bachfest Leipzig 2008 endete mit einer Aufführung der h-Moll-Messe BWV 232,


für 2 Soprane, Alt, Tenor, Bass, vier-bis achtstimmigen Chor, 3 Trompeten, Pauken, Corno da caccia, 2 Traversflöten, 3 Oboen, 2 Oboen d’amore, 2 Fagotte, Streicher und Basso continuo,

in der restlos ausverkauften Thomaskirche Leipzig.

Mit Sir Roger Norrington, Leitung, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und dem RIAS Kammerchor Berlin sowie den Solisten Dominique Labelle (Sopran), Annette Markert (Alt), James Taylor (Tenor) und Yorck Felix Speer (Bass) gelangte das Bachfest 2008 zum abschließenden Höhepunkt.

Sagenhafte 35 Grad im Schatten setzten einem zu und waren froh, dass die Thomaskirche beim Betreten uns mit einer angenehmen Kühle überraschte. Das Gedränge vor einem geöffneten Eingang war mehr als gewöhnungsbedürftig, warum wird immer nur eine Kirchentür geöffnet, das wird wohl für immer ein Rätsel der Veranstalter sein.

Ich hatte mit einer Aufführung vom Altarraum aus gerechnet, wurde aber enttäuscht, das ganze spielte sich von uns weit entfernt auf der Orgelempore statt, meine Bedenken ob dieser ungünstigen Lage sollte sich noch als wahrhaftig im Konzert bestätigen.

Die Forschungen zur h-Moll-Messe dauern noch an. Wenn sich die Hypothese aber bestätigen sollte, dass die „Musicalische Congregation“ Bach zur Erstellung „Missa tota“ bewegte, würde nicht nur das 1790 aufgestellte Verzeichnis von Carl Philipp Emanuel Bachs Nachlass recht behalten, wo das Stück als die „große catholische Messe“ bezeichnet wird, sondern die h-Moll-Messe müsste dann im doppelten Sinne als das über den Konfessionsgrenzen schwebende kirchenmusikalische Vermächtnis ihres Schöpfers verstanden werden. *)

Als ein umsichtiger Leiter erwies sich in diesem Werk Sir Roger Norrington, sparsam im Dirigieren war er aber immer bemüht, die entsprechenden Nuancen klar und bewegend dem Hörer zu vermitteln. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen überzeugte in den Streichergruppen mit einem schönen barocken Klang. Abstriche muss bei den Bläsern gemacht werden, sie spielten auf modernen Instrumenten und brachten durch ihren gewaltigen Klang das Orchester klangmäßig in erhebliche Schwierigkeiten, die Töne brachen sich wegen der schlechten Platzierung akustisch im Kirchenraum und liessen ein zwiespältiges Hören nur zu, schade, eine feinere Abstimmung zum Orchester wäre klanglich vorteilhafter gewesen.

Ebenso ist zu bemängeln, dass die Gesangs-Solisten nicht im Vordergrund aufgetreten sind, hier wäre eine vordere Platzierung wünschenswert gewesen, die Solo-Stimmen hätten dadurch das Mittelschiff der Kirche vorteilhafter erreichen können.

Der aus 36 Mitgliedern bestehende RIAS-Kammerchor kann als ein homogenes und gesanglich gut ausgebildetes Ensemble herhalten, sie wussten vollauf zu überzeugen. Die Choreinstudierung lag bei Stefan Parkan.

Trotz dieser geübten Kritikpunkte erklang das grandiose Werk, geschrieben für das Universum, in einer klanglichen Atmosphäre, die mehr als zu berühren wusste und einem unter die Haut ging. Mit dem Schlusschor: „Dona nobis pacem“ lief dem Zuhörer an historischer Stätte, ein Schauer über den Rücken, was für eine grandiose Komposition von unserem J.S. Bach, das war der himmlische Schlusschoral in Perfektion, andächtig und mehr als bewegend und mitsummend war der Zuhörer gepackt von dieser Darbietung und entließ den Besucher in dem Bewusstsein, eine in sich vortrefflich gelungenen Schlussveranstaltung beigewohnt zu haben. und freuen uns auf das bevorstehende Bachfest 2009.

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Hörproben aus der h-Moll-Messe:

Hörprobe Alt-Arie „Agnus Dei“
mp3


Hörprobe vom Schlusschor: „Dona nobis pacem“

mp3

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Obiges Foto: Hinweis auf das kommende Bachjahr in 2009.

Weitere Fotos von diesen Konzerten können in meinem Picasa-Webalbum angesehen werden, in das unten stehende Foto reinklicken..!!

Bachfest Leipzig, 21.6.2008 und 22.6.2008

Von YouTube füge ich eine Einspielung des Collegium Vocale / Philippe Herreweghe, Bass: Peter Kooy bei.

Grüsse

Volker

*) Auszüge aus dem „Programm SDG zum Bachfest 2008“ von „Michael Maul.“
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Organistin Elisabeth Roloff überzeugte in Bielefeld-Ummeln mit einem ausgewogenen Orgelprogramm


Hallo,

über ein wunderschönes Orgel-Konzert-Programm durch die liebenswürdige und International anerkannte Organistin Elisabeth Roloff, veranstaltet in der Ev. Kirche in Bielefeld-Ummeln, am Sonntag 13.4.2008, möchte ich hier berichten.


Foto: Ev. Kirche Bielefeld-UmmelnProgramm

J.S. Bach (1685-1750) „Dorische“ Toccata und Fuge (BWV 538)

Jaromir Weinberger (1894-1967) Dedications, Five Preludes

J.S. Bach Sonata V in C-Dur (BWV 529)

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Sonata V in D-Dur

Charles Tournemire (1870-1939) Cantilene improvisee, Improvisation sur le „TE DEUM“

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Foto: Kleuker-Orgel, Ev. Kirche Bielefeld-Ummeln


Foto. International anerkannte Konzert-Organistin und Dozentin aus Jerusalem, Elisabeth Roloff an der Kleuker-Orgel. (Fotorechte: V.Hege)

Das Programm begann mit der „Dorische“ Toccata und Fuge (BWV 538) von J.S. Bach.Am 21. September 1732 reiste J.S. Bach mit Anna Magdalena nach Kassel. Nach der Orgelprüfung erfolgte am 28. September 1732 durch J.S. Bach das Einweihungskonzert in der St. Martins-Kirche. Es erklang höchst-wahrscheinlich J.S. Bachs „Dorische Toccata und Fuge in d-moll“, BWV 538, ein ungemein virtuoses Stück aus seiner Weimarer Zeit.

Der zwölfjährige Erbprinz Friedrich von Hessen-Cassel schenkte Bach aus Begeisterung einen edelsteingeschmückten Ring, da er die Kunst der Füße Bachs bewunderte, die so beflügelt über die Pedale eilten, dass die wuchtigsten Klänge wie Blitz und Donner in den Ohren der Hörer widerhallten.

So, wie in diesem zitierten Textteil erklang die „Dorische“ nicht in der Ev. Kirche von Ummeln, da hier eine trockene Akustik das leider unterband. Lobend ist das virtuose Spiel und geschickte Registrieren der erfahrenen Organistin anzumerken, sie verstand es großartig, die feinen Nuancen in diesem großartigen Bach-Werk dem Hörer näher zu bringen und das nach ihrer schweren Erkrankung in einer Art und Weise, die mehr als Bewundernswert erscheint.

Im Anschluss daran erfolgte das Orgelwerk: DEDICATIONS; Five Preludes von Jaromir Weinberger.
Der in Prag geborene Komponist erhielt ab 1915 in Leipzig Orgelunterricht von Reger und emigrierte 1939 in die USA und komponierte dort fünf Orgelwerke.
Weinberger bezeichnet seine kurze Zeit bei Reger als einen entscheidenden Einfluß in seinem Leben.

Die fünf Präludien der Dedications ist für jedes Stück einer biblischen Frauengestalt gewidmet, womit I Miriam (2. Mose, 4. Mose), II Rachel (1. Mose), III Ruth (Buch Ruth), IV Deborah (Buch der Richter 4, 5) und V Esther (Buch Esther) ihre jeweilige Rolle, deren Charakter und Atmosphäre zugewiesen bekommen; als Lieder ohne Worte erfahren sie eine Sonderbehandlung.
Diese moderne Tonsprache wurde spektakulär und gekonnt von der Organistin entsprechend umgesetzt.

Mit der späten Barockzeit erklang von J.S. Bach aus den Trio-Sonaten die Sonata V in C-Dur (BWV 529).
Diese Trio-Sonaten wurden höchstwahrscheinlich zu Beginn der Leipziger Zeit für die musikalische und technische Ausbildung des Sohnes Wilhelm Friedemann und anderer Schüler komponiert. Man kann von dieser Schönheit der Trio-Sonaten nicht genug bekommen.
Dem entsprechend war dieses Orgelwerk für mich ein besonderes Herzstück an diesem Orgelnachmittag.
Welche Fallstricke beinhalten diese Orgel-Sonaten, innig berührend und überzeugend verstand es die Organistin, diese wunderbare Orgelliteratur künstlerisch auszugestalten und wiederzugeben, das war purer Orgelhörgenuss vom Feinsten, der vortrefflicher nicht umgesetzt werden kann.

Die
Sonata V in D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy ist ein Herzstück der Romantik. Es ist kein Geheimnis, dass die Sonaten von Mendelssohn zur erfolgreichsten Gattung in der Orgelmusik des späten 19. Jahrhunderts wurden. Eine üppige Klangvielfalt mit romantischen Elementen bespickt erklang dieses wunderschöne Orgelwerk. Die Möglichkeit der Kleuker-Orgel, das entsprechend umzusetzen, wurde bravurös und excellent von einer Kennerin dieser Materie wiedergegeben, genial gelungen.

Zum Abschluss erklang französische Kathedralmusik von Charles-Arnaud Tournemire mit dem Cantilene improvisee und Improvisation sur le „TE DEUM.“

Erstaunt vernimmt der Hörer, dass an der Kleuker-Orgel so großartige Kathedralmusik möglich erscheint. Bewundernswert, wie die Originalsprache der französischen Orgelliteratur von einer Kennerin umgesetzt wurde. – Die Organistin verbrachte einen langjährigen Aufenthalt in Paris und studierte bei M.C. Alain und
von 1974 bis 1982 war sie „Organiste Titulaire“ an der Deutschen Kirche in Paris. –

Dieses Wissen und Können vermittelte Elisabeth Roloff dem Hörer unmittelbar und gekonnt, das war großartig gelungen und mehr als bewundernswert, was diese Organistin mit 71 Jahren an der Orgel zelebriert und zu leisten im Stande ist, Bravo, ein Wiedersehen und Hören wäre mehr als wünschenswert.
Für ihre anschließende Orgeltournee durch Deutschland und Europa wünsche ich ihr viel Kraft, Stehvermögen und vor allen Dingen Gesundheit.

Eine sehr gut gefüllte Kirche überbrachte dieser großartigen Künstlerin den wohlverdienten Applaus mit Standig Ovatione und erlebten eine Sternstunde mit Orgelmusik.

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Auf  YouTube gibt es ein Video mit Elisabeth Roloff BWV 654 „Schmücke dich, o liebe Seele“

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Rezension der NW vom 16.04.2008

Gruss
Volker

Rezensionen: Gardiner mit der "Johannes Passion" von J.S. Bach in St. Trinitatis, Wolfenbüttel


Hallo,

Anmerkung: mit dem 25.3.2008, habe ich alle bisher geposteten Rezensionen von der „Johannes Passion“ in einem Beitrag zusammen gefasst, von @Iris und heute von @Barbara, am Ende der Rezension auffindbar.

Die dazugehörenden Kommentare schiebe ich ebenfalls nach hier..!

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Aufführungsstätte: St. Trinitatis Kirche, Wolfenbüttel

Nach dem Kommentar von @Martin, möchte ich meine Stellungnahme zum Geschehen rund um die gegebene „Johannes Passion“ von J.S. Bach, mit dem Monteverdi Choir, English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner, in der St. Trinitatis Kirche, Wolfenbüttel, am Karfreitag: 21.3.2008, abgeben.

Gesangs-Solisten:

Julia Doyle; Sopran

David Bates, Richard Wyn Roberts, als Altus

Jeremy Budd; Tenor

Matthew Brook, Samuel Evans, Lawrence Wallington, als Bass

Evangelist: Mark Padmore, Tenor

Christus: Dietrich Henschel, Bass

Pilatus: Matthew Brook, Bass

Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, Leitung: J.E. Gardiner

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Aufführungsort: St. Trinitatis Kirche in Wolfenbüttel

Eine Überraschung bedeutete für mich das Anstehen zum Erwerb einer Eintrittskarte, da es im Vorfeld geheissen hat, das Konzert sei Ausverkauft.

Die Vorfreude auf das Konzert war riesengroß. Nachdem wir nach einigem Hin und Her unsere endgültigen Sitzplätze gefunden hatten, wurde meine Erwartung ziemlich gedämpft. Unser Sitzplatz in der 2. Reihe Mittelschiff, außen, (1. Kategorie) entpuppte sich als ein Reinfall. Wir starrten das Cembalo an und hatten keine weitere Sicht auf das übrige Geschehen.

Sobald die ersten Sätze des Chores „Herr, unser Herrscher“ erklangen, verflog unser Frust, und genossen die Vortreffliche Sanges-Kunst des Monteverdi Chores. Mich überrascht immer wieder die perfekte Intonation und ihre Deklamation, der Chor war mit neuen Sängerinnen und Sänger besetzt worden und wurde nur von einer Handvoll Altgedienten unterstützt, so mancher Chor würde bei so einer starken Neubesetzung Schiffbruch erleiden.

Nach Verklingen der 1. Strophe des Chorals „Wer hat dich so geschlagen“ mit Instrumentalbegleitung, wurde wie von Geisterhand gesteuert, die 2. Strophe „a-capella“ gesungen, ich konnte beobachten, wie Gardiner mit einer kurzen, heftigen Handbewegung zum Orchester hin, die Begleitung unterband. Das war wieder so eine Sternstunde des Gesanges mit einer spontanen Idee vom Sir, da ist er unvergleichlich, spontan ein weiteres Highlight zu setzen, einfach großartig…!!

Hier zeigt sich die Größe vom Sir, nur wirklich gut ausgebildete Sängerinnen und Sänger sich zuzumuten und in seinem Wunder-Chor zu integrieren. Die Probenarbeit im Vorfeld muss eine Knecht-Tour sein, denn als ein ehemaliger Mittstreiter eines solchen Passionswerkes weiß ich, wovon ich hier spreche.

Bei der Wiedergabe der Rezitativen und Arien tat mir der Organist und Cembalist „Silas Standage“ leid, vom Orgel-Positiv sich zu lösen und rechtzeitig am Cembalo zu erscheinen, war ein Unterfangen der Unmöglichkeit, die ersten Takte gingen voll daneben, eine Neuregistrierung an dem Orgelpositiv musste er während des Spiels vornehmen, das konnte auf die Dauer nicht gutgehen.

Silas Standage am Orgel-Positiv: Jennings-Orgel

Hier muss ich leider eine harsche Kritik loswerden, warum wurde das Cembalo nicht besetzt? Ist der Sir zum sparen gezwungen, das setzte sich fort mit dem Altus: „Richard Wynn Roberts“, was war mit ihm ?
So ein dünnes Stimmchen war eine Zumutung, hier müsste eine optimale Besetzung doch im Vorfeld möglich sein…!! Der Besucher, der so viel Eintritt zu bezahlen hat, kann eine optimale Besetzung verlangen!

Das sind aber auch schon die Kritischen Anmerkungen von mir, die sonstige Aufführung geriet wieder zu einer Glanzstunde. Der zweite Altus ( David Bates ), war großartig, der hätte den Part von dem indispunierten „R.W. Roberts“ übernehmen können.

Die Sopran-Arien von Julia Doyle waren ein Traumerlebnis, diese Stimme kommt einem Engelsgesang gleich, glasklar und im Volumen unübertrefflich, stand eine Künstlerin im Ensemble, die nicht vortrefflicher besetzt werden kann.

Die Jesusworte von Dietrich Henschel von der Kanzel gesungen, waren vernehmlich zu hören, es ist bekannt, dass sein Stimmvolumen nicht in Übermassen gesegnet ist. Sein Gesangsvortrag gelang ihm aber überzeugend und war gut zu hören. Diese Idee vom Sir fand ich gar nicht so schlecht, die Person mit Stehkragen von dort singen zu lassen, gab der Aufführung eine weitere Würze.
Die „Jesus-Kanzel“ von dort erklangen die Jesusworte von Dietrich Henschel.

Als Evangelist war einmal wieder der Tenor „Mark Padmore“ eine imposante Erscheinung. Wenngleich er mir in Königslutter, in der Matthäuspassion besser gefallen hat, kam sein markiger Gesang an diesem Abend entsprechend rüber, sehr verständlich seine Worte gepaart mit einem unwahrscheinlichem Pathos, den er an den Tag legte, war er nicht zu überhören.


Von rechts im Bild: Mark Padmore, Tenor, David Bates, Richard Wyn Roberts, als Altus

Mich überzeugen konnte als Bassist: „Matthew Brook“, fantastisch sein Stimmvolumen, sehr gut hörbar verstand er es, stimmlich gut artikuliert, das Passionsgeschehen dem Hörer vorzutragen.

Ob die Platzierung von Brooks, Henschel und Padmore, allen Besuchern gefallen hat, mag ich nicht zu beurteilen, ich hatte sie sehr verständlich und vortrefflich hören können, was anderen Besuchern nach einem Gespräch des Konzertes, nicht so optimal gelungen erschien, sie hatten Probleme mit der Akkustik und Hörbarkeit der erwähnten Gesangs-Solisten.


Der überragende „Monteverdi Choir, wiederum mehr als überzeugend!


Frentischer Schlussapplaus für die großartigen Mitwirkenden!!

Als ein Schlussresumme kann ich nur anmerken, es hatte sich wieder vollauf gelohnt, ein Konzert von Gardiner zu besuchen trotz meiner getätigten Kritikpunkte, die sollten in Zukunft nicht mehr Bestand haben, hoffe ich…?

Ein Hörerlebnis puren Vergnügens das Freude machte, auf ein Wiedersehen im September 2008 zum Bachfest in Köthen freue ich mich jetzt schon und hoffe auf ein wiederum großartiges Erlebnis.

Grüße
Volker

P.S. der Link zum öffentlichen Fotoalbum nachstehend, das untere Foto anklicken:

Johannes Passion Trinitatis Kirche Wolfenbüttel am 21.3.2008



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Weitere Rezensionen zur Johannes Passion in Wolfenbüttel nachstehend:
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@Birgit Niemeyer sagt: am 26. März 2008

Hallo Herr Hege,

bei der Lektüre Ihrer Einträge im Blog zur Johannespassion am Karfreitag in Wolfenbüttel ist mir aufgefallen, dass es dort keinen Verweis auf die Kritik in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (23.03.08) von Eleonore Büning gibt – in der Annahme, dass diese Sie interessieren könnte, sende ich Ihnen hier einen Scan.



Den unten stehenden Zeitungsausschnitt anklicken, dann wird das Format vergrößert:



© Rezension der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 23.3.2008


Mit freundlichen Grüßen

Birgit Niemeyer


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Weitere Rezensionen zur Johannes Passion in Wolfenbüttel nachstehend:

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@Barbara sagt: am 25. März 2008

Hallo,


Heute Morgen lohnte sich wieder das Aufschlagen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Im Kulturteil stand eine hervorragende Kritik, die sich im Wesentlichen mit meinen Eindrücken deckt. Mir fehlt hier eigentlich nur die Erwähnung des wirklich stark beeindruckenden Matthew Brook.


Den unten stehenden Zeitungsausschnitt anklicken, dann wird das Format vergrößert:

© Rezension der Hannoverschen Allgemeinen Zeitungvom 25.03.2008



Grüsse

Barbara

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Weitere Rezensionen zur Johannes Passion in Wolfenbüttel nachstehend:

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@Iris sagt: am 22. März 2008

Hallo,

die erste Rezension über die „Johannes Passion“ von J.S. Bach mit dem Monteverdi Choir, English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir J.E. Gardiner, aufgeführt am Karfreitag, 21. März 2008, in der St. Trinitatiskirche in Wolfenbüttel, liegt seit heute von der „Braunschweiger Zeitung / Land“ vor.

In die Rezension unten stehend reinklicken, danach erfolgt eine Vergrößerung..!!

© Rezension der Braunschweiger Zeitung / Land vom 22.03.2008

Viel Spass beim Lesen.

Wünsche allen ein schönes Osterfest.

Gruß
Iris


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Händels "Brockes-Passion" in der Kölner Philharmonie


Blogger Montanus hat gesagt…

Zum Thema: „Händels Brockes-Passion“

Bevor die Passionszeit und ihre Musik aus dem Blickfeld rückt, möchte ich doch noch ein paar Impressionen meines Konzertbesuchs in der Kölner Philharmonie loswerden.

Die Wahl fiel nicht leicht: Gleichzeitig wurde Bachs Matthäus-Passion mit den Chören des Kölner Doms in einer schönen Barockkirche dargeboten.
Ich entschied mich für Händel, weil ich sein Werk (den Empfehlungen in unserem Forum folgend) kennen lernen wollte – und weil Händels Musik mir momentan besonders nahe steht, bin ich doch am Ostermontag Chorsänger in seinem „Messias“. Außerdem weckte der Besuch der Brockes-Passion von Fasch (wenig vorher in einer Kölner Kirche) mein Interesse für die Händelsche Version – in gleicher Weise wie 2007 Reinhart Keisers Brockes-Passion unter Leitung des fulminanten Christophe Rousset.
Kurz gesagt: Ich wurde ganz und gar nicht enttäuscht!

Trotz prominenter Interpreten, die eine hochkarätige Aufführung versprachen, war der Konzertsaal bedauerlicherweise nur gut zur Hälfte gefüllt. Es muss für die aktuellen Konzertbesucher wohl immer BACH sein, den kennt man, der gehört seit Generationen zur Saison, und dafür sprechen etwa zehn Passionsaufführungen dieses Jahr in Kölner Kirchen und Konzertsälen (und unendlich viele Aufnahmen).

Die Protagonisten der Aufführung schienen in dieser Kombination zunächst überraschend:
Herreweghes Collegium Vocale Gent, die Akademie für Alte Musik Berlin, Dirigent: Marcus Creed. Doch das Ergebnis war überzeugend, wie aus einem Guss.
Der Chor (4 Damen im Sopran, je 3 Herren in Alt, Tenor und Bass) sang flexibel, leicht und ausdrucksvoll, das Orchester (Streicher, 2 Oboen, 2 Fagotte und B.c.) spielte auf „Period Instruments“ auf höchstem Niveau.
Aus der Solistenriege mit Hans Jörg Mammel (Evangelist), Brigitte Geller und Christine Landshamer (S), Alexander Schneider (A), Sebastian Noack (B) ragte James Gilchrist hervor, der hochdramatische wie lyrische Arien mit Leidenschaft interpretierte.

Und das Werk? Zunächst hatte ich Befürchtungen, der Abend könnte lang(weilig) werden. Doch hatte Creed das über dreistündige Opus geschickt auf zwei Stunden gekürzt: Einige Nummern entfielen ganz, von verschiedenen Arien brachte er nur den A-Teil (mit Ritornell-Abschluss). Brockes’ Text mag drastisch bis kitschig sein, aber er inspirierte Händel (und nicht nur ihn) zu überaus abwechslungsreicher Musik. (Und ist uns diese barocke Sprache nicht schon aus Bachs Vokalmusik vertraut?)

Fazit: Ein unvergessliches Musikerlebnis!

Ein frohes Osterfest wünscht
Montanus.

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P.S.
Diese Konzert-Rezension ist so vortrefflich von @Montanus, erstellt worden, dass ich mich genötigt sah, dass als einen eigenständigen Beitrag ins Forum zu stellen, es nur unter Kommentare zu belassen, wäre zu schade. Ich hoffe, das Einverständnis von Dir lieber Montanus zu haben.

Allen ein schönes Osterfest und Grüße

Volker


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Eine postwendende Rezension auf die Johannes Passion in Wolfenbüttel von der Braunschweiger Zeitung


@Iris sagt:

Hallo,

die erste Rezension über die „Johannes Passion“ von J.S. Bach mit dem Monteverdi Choir, English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir J.E. Gardiner, aufgeführt am Karfreitag, 21. März 2008, in der St. Trinitatiskirche in Wolfenbüttel, liegt seit heute von der „Braunschweiger Zeitung / Land“ vor.

In die Rezension reinklicken, danach erfolgt eine Vergrößerung..!!

Viel Spass beim Lesen.

Wünsche allen ein schönes Osterfest.

Gruß
Iris


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Archiv-Beitrag: Phänomenaler Auftakt der SDG-Reihe "Soli Deo Gloria, Feste Alter Musik im Braunschweiger Land."


Braunschweig, 15.12.2006 Volker

Phänomenaler Auftakt der SDG-Reihe „Soli Deo Gloria, Feste Alter Musik im Braunschweiger Land.“

Sir John Eliot Gardiner überzeugte und begeisterte mit den Advents-Kantaten von J.S. Bach in seiner unnachahmlichen Art mit dem Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists in der St. Martini-Kirche in Braunschweig.

Foto: Banner an der St. Martini-Kirche Braunschweig (Foto: Copyright. V.Hege)

Foto: Aufführungsstätte der Bachkantaten St. Martini-Kirche in Braunschweig (Foto: Copyright. V.Hege)

Veranstaltungsort: St. Martini-Kirche / Altstadtmarkt 38100 Braunschweig

Johann Sebastin Bach: Kantatenwerke zu Advent

Programm:

BWV 61 „Nun kommt der Heiden Heiland“ BWV 70 „Wachet! Betet! Betet! Wachet“ BWV 140 „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“

Ausführende:

The English Baroque Soloists; Monteverdi Choir; Sopran: Julia Doyle; Altus: William Towers
Tenor: Nicholas Mulroy; Bass: Matthew Brook; Oboe: Michael Niesemann; Horn: Gawin Edwards; Trompete: Neil Brough;

Leitung: Sir John Eliot Gardiner

Foto: Pausenapplaus nach 2 großartigen Bachkantaten in der St. Martini-Kirche Braunschweig (Foto: Copyright: V.Hege)

Foto: Sir John Eliot Gardiner nach dem gelungenen Auftaktkonzert am 15.12.2006 in der St. Martini-Kirche Braunschweig (Foto: Copyright V.Hege)

Foto: Der deutsche Oboist Prof. Michael Niesemann mit einer Glanzvorstellung (Foto: Copyright V.Hege)

Als ein fantastischer Auftakt von „Soli Deo Gloria, Feste Alter Musik“ konnte in der St. Martini-Kirche in Braunschweig diese Konzert bewundert werden. Durch eine glanzvolle Interpretation und einem engelhaften Gesang des Monteverdi Choirs und prächtigen barocken Klangfarben durch The English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir J.E. Gardiner – wurde mit herrlichen Advents-Kantaten von J.S. Bach – der Hörer mit traumhafter Musik beglückt.

Zu Beginn erklang die Kantate: BWV 61 „Nun kommt der Heiden Heiland“, die für den 1. Advent 1714 in Weimar entstand nach einem Text von Erdmann Neumeister. Die Ouvertüre als vierstimmiger Choralsatz “Nun komm der Heiden Heiland“ (Choral von Martin Luther) wurde stimmig prägnant durch sechs Sopranistinnen, sowie zu je vier Alt, Tenor und Bässen vortrefflich ausdrucksstark vorgetragen.

In dem Rezitativ und Arie für Tenor wurde durch Nicholas Mulroy – Solisten-Besetzung aus dem Vokalensemble – eine vortreffliche Wiedergabe geboten. Ausdrucksstark im Text und in seiner Stimme.

Ein Höhepunkt dieser Kantate im Bass-Rezitativ: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ Gesungen wird das Rezitativo von Matthew Brook (ebenfalls eine Solisten-Besetzung aus dem vorzüglichen Vokalensemble). Ausgestattet mit einem unwahrscheinlichen Timbre und Volumen an Stimmeskraft wusste er hier zu gefallen. Unvergleichlich schön gelang den Streichern das Pianozupfen als ein Klopfen mit dem Hinweis auf den Text: ….ich stehe vor der Tür und klopfe an.

Im Abschlusschoral: „Amen, amen“! Konnte das Vokalensemble seine stimmlich ausgebildeten Qualitäten überzeugend einbringen.

Anschließend erklang die zweiteilige Kantate: BWV 70 „Wachet! Betet! Betet! Wachet!“ Es ist eine Grundfassung der Weimarer Kantate für den 2. Advent, die in Leipzig am 21. November 1723 für den 26. Sonntag nach Trinitatis, umgearbeitet wurde. Der Text ist von Salomon Franck und handelt vom Ende der Welt und der Erwartung der Wiederkunft Christi.

Hier gelang dem Trompeter (Neil Brough) mit einer „Tromba da tirarsi“, einer tiefen Zugtrompete, eine künstlerische Glanzleistung. Ansatzlos und Einfühlsam im Cantus firmus erklingt sein beispielhaftes Spiel in dem Choral: „Es ist gewisslich an der Zeit“ und sich bei den Chorälen ideal mit der menschlichen Stimme im tonalen Verhalten einbringt. Ein begnadeter Trompetenkünstler mit Weltniveau.

In den Rezitativen und Arien dieser Kantate ist das Solistenquartett von erhebender Qualität aus den Reihen des Vokalensembles besetzt. Ob Sopran: (Julia Doyle), Altus: (William Towers), Tenor: (Nicholas Mulroy) und Bass: (Matthew Brook), überzeugen durch einen sensiblen und ausdrucksstarken Gesang. Die Choräle wurden wunderbar natürlich fließend in einem transparenten Gesangsstiel überzeugend vorgetragen, die in der Diktion und wörtlichen Ausdrucksform ein Genuss des Gesanges darstellt.

Foto: Die Gesangssolisten: Matthew Brook (Bass); Nicholas Mulroy (Tenor); William Towers (Altus); Julia Doyle (Sopran) (Copyright: V.Hege)

Nach einer Kurzpause wurde eine kleine Programmänderung in der Konzertabfolge vorgenommen. Für die vorgesehene Kantate BWV 140 „Wachet auf“ wurde die zweiteilige Kantate BWV 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“ vorgezogen.

Diese Kantate ist für das Fest Mariae Heimsuchung am 2. Juli 1723 in Leipzig komponiert. Bach verwendet Teile eines Textes von Salomon Franck, der ursprünglich für den 4. Advent gedacht war. Durch Hinzufügung eines unbekannten Autors wurde er dem Marienfest angepasst. Dieses Kantatenwerk ist aufgrund seiner Innigkeit an Klangfarben und wunderschönen Rezitativen und Arien – davon drei unterschiedlich instrumentierte Rezitative und vier Arien, die ersten drei geringstimmig, die vierte vollstimmig – ein Kleinod und erfreuen sich einer großen Publikumsgunst.

Hervorheben möchte ich hier die herrliche Sopran-Arie (Julia Doyle) des fünften Satzes: „Bereite dir, Jesu, nach itzo die Bahn“ Inniger und warmherziger kann ein Gesangsvortrag von diesem Format nicht erklingen, das Violinsolospiel dazu erfüllt das Herz mit einem überschäumenden Glücksgefühl. Zum Abschluss erklingt der Schlusschoral: „Jesus bleibet meine Freude“ in überschwänglicher Klangespracht. Bemerkenswert hierbei das prägnante und bezaubernde Oboenspiel (Prof. Michael Niesemann), das aufhorchen lässt, hier ist ein Spitzenspieler, von dem in Zukunft noch mehr zu hören sein wird.

Hier erweisen sich alle Beteiligten als die vorzüglichen Interpreten. Gardiner war auf einen nuancenreichen Ton bedacht immer wieder erzielt er raffinierte Klangeffekte. Die Ungereimtheiten so manch anderer Ensembles in der Aufführungsform der Alten Musik gelingt ihm im Gegensatz dazu vortrefflich. Seine Auffassung von bachscher Musik ist prägnant in seiner persönlichen Art und Wiedergabe. Sein Empfinden zu Bach strahlt Wärme und Glaubenszuversicht aus und lässt den Hörer diese Wesensart beeindruckend miterleben.

Der Schluss erfolgte mit der Kantate BWV 140 „Wachet auf ruft uns die Stimme“ diese komponierte Bach für den 27. Sonntag nach Trinitatis, den 25. November 1731 in Leipzig. Der unbekannte Textdichter behielt alle drei Strophen des berühmten Liedes von Philipp Nicolai bei, die Bach im Eingangschor, in der Choralbearbeitung für Streicher Tenor und Basso continuo in der Mitte sowie im Schlußchoral verwendet.

Im Duett zwischen Jesus (Baß) und der Seele (Sopran) setzt Bach als obligates Instrument einen Violino Piccolo (Terzgeige) ein, welche in himmlischen Höhen jubiliert. Diese Nuance wird von Bach in dem vierstimmigen schlichten Schlußchoral nochmals mit eingesetzt, ein Kunstgriff, durch die hohe Lage der Liedweise und die Oktavierung der Terzgeige untermauert er die Seligkeit im himmlischen Jerusalem musikalisch.

Eine Kantate die gespickt ist mit herrlichen und bekannten Chorälen. Eingangschoral: “Wachet auf ruft uns die Stimme“, im vierten Satz: „Zion hört die Wächter singen“, sowie der grandiose Schlusschoral: „Gloria sei dir gesungen.“ In diesen Chorälen findet die Sangeskunst ihre Darbietungskünstler in Form des Monteverdi Choirs. Die gesangliche Mitteilung, das Können der Wortartikulation lässt den Hörer nur staunen, dieses Vokalensemble, bestehend aus 18 Mitwirkenden erzielt mühelos alle Nuancen des Singen aufs Vortrefflichste, ob im Piano oder kraftvoll eingefordert wie im Abschlusschoral „Gloria sei dir gesungen“, für sie bestehen keine unüberwindbare Hürden, einfach perfekte Gesangskultur auf höchstem Niveau. Auf dem gleichen Level liegend ein spielendes Barockorchester in seiner unnachahmlichen Art die grandiose Barockmusik klanglich und vortrefflich interpretieren zu können.

Ein fantastischer Abend neigt sich dem Ende und entlässt die Besucher beglückend und beschwingt in die Weihnachtszeit. Nicht endend wollender Applaus beschließt ein Konzerterlebnis, dass von überragenden Mitwirkenden und einer genialen Musik gekennzeichnet war.

Volker

Archiv-Beitrag: Adventskantaten am 16.Dezember 2006 in der Paulskirche zu Frankfurt


18.1.2007 von Martin.

Beitrag von Martin | Verfasst am Jan 18, 9:55 AM

Adventskantaten am am 16.Dezember 2006 in der Paulskirche zu Frankfurt.

 

Programm: 

BWV 70 Wachet, betet, wachet!
BWV 147 Herz und Mund und Tat und Leben
BWV 61 Nun komm der Heiden Heiland
BWV 140 Wachet auf ruft uns die Stimme


Aufführende:
Monteverdi Choir
Sopran
Miriam Allen
Donna Deam
Julia Doyle (auch Solistin)
Kirsty Hopkins
Cecilia Osmond
Belinda Yates 

Alt (Countertenor)
Peter Crawford
William Missin
William Towers (auch Solist)
Richard Wyn Roberts

Tenor
Stephen Jeffes
Nicholas Mulroy (auch Solist)
Paul Tindall
William Unwin

Bass
Matthew G. Brook (auch Solist)
Julian Clarkson
Samuel Evans
Lawrence Wallington
The English Baroque Solists:

Erste Violinen:
Maya Homburger (Konzertmeisterin und auch Violine piccolo) Nicolette Moonen (auch Viola)
Anne Schumann
Sarah Bealby- Wright

Zweite Violinen:
Roy Mowatt
Sophie Barber
Jane Gillie
Hildburg Williams

Violas:
Lisa Cochrane
Tom Dunn
Rosemary Nalden

Celli:
David Watkin
Ruth Alford
Kontrabass:
Valerie Botwright

Oboe:
Michael Niesemann (auch Oboe d´amore)
Molly Marsh (auch Oboe da caccia)
Mark Baigent (auch Oboe da caccia)

Fagott: Jane Gower
Horn: Gavin Edwards

Trompete und romba da tirarsi (Zugtrompete): Neil Brough

Orgel: Silas Standage Cembalo: Howard Moody

Leitung: Sir John Eliot Gardiner


Die Akustik

Bereits beim Betreten des Innenraums der geschichtsträchtigen Paulskirche kamen Zweifel auf, ob die Akustik wohl einigermaßen akzeptabel sein würde.
Als dann kurz nach 20Uhr die Instrumente gestimmt wurden (wie immer bei den EBS kein großes Durcheinander, sondern dezente Einstimmung zu Orgel-Akkorden) war klar, dass der Abend nicht halten würde, was wir uns davon versprochen hatten: Das sonst so schön klingende Orgelpositiv dröhnte bei tiefen Tönen regelrecht und im Publikum ging ein erstes Raunen um. Es war auch absolut nicht die geringste Spur von Hall vorhanden. Sänger und Spieler hatten während des gesamten Konzerts allergrößte Mühe, die Töne in den Raum zu bringen. Es ist wohl nur ihres besonderen Könnens zu verdanken, dass das Konzert nicht ein totaler Reinfall wurde.
Die Kommentare von Künstlern und Dirigent zur Akustik des Raumes reichten nach dem Konzert denn auch von „tricky“ über „terrible“ bis „schei..“.

Die Ensembles

Wie gewohnt waren beide Ensembles in Topform und sichtbar hochmotiviert, aus der miserablen und für sie unwürdigen Situation das Allerbeste heraus zu holen, was zum Ergebnis führte, dass man den Abend mit geminderten Erwartungen an Klang und Atmosphäre letztlich als eingefleischter Gardiner- und MVCO- / EBS-Fan doch ein wenig genießen konnte.

Die Präzision und Detailverliebtheit dieser hervorragenden Musiker sind bestechend und immer wieder erfrischend. Michael Niesemann und Neil Brough wechselten mehrere Male ihre Sitz- bzw Stehplätze im Orchester. Im Eingangschor von BWV 70 gaben sie sich ein Echo von rechts außen nach links außen und umgekehrt. Bei BWV 140 stand Gavin Edwards mit seinem im Trichter bunt beklebten Horn neben den Countertenören außen beim Chor. Wie schon bei vorigen Konzerten zu beobachten war, scheint Gardiner ein Klangbild im Kopf zu haben, dass so präzise ist, dass er die Musiker während dem Konzert gerne quer durch den Raum schickt, um sie bei ihren Einsätzen genau da zu haben, wo sie einen Tick besser klingen, als woanders.
Zum Continuo fällt einem nichts ein, was verbesserungswürdig wäre.


Foto: Cembalo Baroque Soloists

Zwar teilen die meisten anderen Dirigenten leider nicht Gardiners Auffassung, das ein Cembalo benutzt werden sollte. Es passt aber abolut ins Klangbild der EBS und wird schön dezent gespielt (nicht wie bei Masaaki Suzuki, wo es oft das restliche Orchester übertönt). Statt der vielfach in anderen Ensembles benutzten Truhenorgeln mit meistens nur zwei Registern hat Silas Standage die Auswahl zwischen Principal 8´,Gedackt 8´, Oktave 4´, Rohrflöte 4´, Superoktave 2´, Sifflöte 1´ und Quinte 1 1/3´, was dem Basso Continuo und dem Orchester an sich mehr Möglichkeiten gibt, Akzente zu setzen. Die Orgel wurde von Robin Jennings extra für die Bach Cantata Pilgrimage hergestellt und war seitdem bei allen Konzerten (außer denen in New York) dabei.

Foto: Jennings-Orgelpositiv English Baroque Soloists

Die Solisten Julia Doyle sang absolut brilliant. Sie verfügt über eine schöne, kristallklare Stimme und ist mit Sicherheit die Beste der in den letzten Jahren von Gardiner ausprobierten Sopranistinnen (von K. Fuge und J. Lunn abgesehen). Ihr gesungenes Deutsch ist akzentfrei. Darüber hinaus ist sie auch nett anzuschauen:-)
William Towers gehörte ja schon vor der Bach Cantata Pilgrimage zum harten Kern der immer wieder gebuchten Monteverdi Choir- Sänger und war oft als Solist zu hören. Diesmal hat mich gewundert, dass er seine Stimme viel schwingen ließ. Das sei aber ohne jede Wertung geschrieben. Von den Countertenören, die im Barock- Fach unterwegs sind, ist er momentan einer der Besten. Auch sein Deutsch ist akzentfrei. Trotzdem würde ich gerne mal wieder Clare Wilkinson hören…und sehen:-)

Nicholas Mulroy hat eine sehr schön und voll klingende Stimme. Er sang präzise und mit leicht britischem Akzent.
Matthew Brook ist bereits zum mehrfachen Mal mit Gardiner auf Tour (u.a. vorher mit der Matthäuspassion) und ist ein allgemein vielgebuchter Solist. Nach meiner persönlichen Meinung kommt er bei weitem nicht an die Stimmen und den Ausdruck von z.B. Peter Harvey oder Dietrich Henschel heran und singt auch mit hörbarem britischem Akzent.

Sir John Eliot Gardiner

Es ist schlicht überirdisch und alle Grammys dieser Welt wert, was dieser Mann an Einfühlungsvermögen für Bach´s Musik besitzt. Das Dirigat ist typisch mit vielen liegenden Achten und energisch ausgetreckten Zeigefingern in Richtung der einsetzenden Stimmen oder Instrumentengruppen.
Mal ruhig mit kaum wahrnehmbaren Bewegungen (BWV 61 / Rezitativ „Siehe, siehe“), mal von energischem Zittern durchfahren (BWV 70 / 10 „Seligster Erquickungstag“ ab Takt 26 „Schalle, knalle, letzter Schlag!“) zeigt er die Musik so an, wie sie nicht besser klingen kann. Dabei findet er von Aufführung zu Aufführung immer wieder andere Wege, die Musik neu erscheinen zu lassen. So lässt er das Rezitativ „Der Heiland ist gekommen“ in BWV 61 nicht, wie in der Partitur angegeben (und in der DG Aufnahme praktiziert) vom Tenor, sondern abwechselnd von Tenor und Bass vortragen.
Gardiner schien absolut entspannt und gut gelaunt. Man hatte das Gefühl, dass er sich bei Bach sehr zuhause fühlt. Nach der einjährigen Cantata Pilgrimage auch kein Wunder…

Beobachtungen am Rande

Nach der ersten Kantate BWV 70 stimmte das Orchester die Instrumente, war fertig zur nächsten Kantate, als sich plötzlich Gardiner zum Publikum umdrehte und sagte: „Kleine Programmänderung. Wir spielen jetzt Herz und Mund und Tat und Leben, danach kommt äh, äh, Nun komm der Heiden Heiland.“ Noch quasi in der Umdrehbewegung zu Chor und Orchester gibt er den Auftakt und es ging los.
Schön zu sehen, wie Organist Silas Standage bei den Chorälen lauthals mitzusingen schien.

Als bei BWV 140 / „Mein Freund ist mein“ hinter dem Chor eine Tür vermutlich vom Wind langsam immer weiter aufgemacht wurde, um kurz später mit lautem Knall zuzuschlagen, grinsten Dirigent und Aufführende breit. Das erinnerte mich an das Konzert während der Cantata Pilgrimage in Neviges, wo während dem zusätzlich musizierten Violinen-Doppelkonzert BWV 1043 die Kirchenglocke laut ertönte und hörbar nicht auf den selben Ton gestimmt war…

Nach dem Konzert hatte ich Gelegenheit, mit einigen der Chor- und Orchestermitglieder und auch mit Gardiner ein paar Worte zu tauschen. Wie schon oben erwähnt war man sehr unzufrieden mit der Akustik. Es wäre aber einen Versuch wert gewesen und man wird das Konzert unter „Erfahrung gesammelt“ abhaken. Weiterhin waren alle sehr überrascht über das ruhige und wenig applaudierende Publikum. Wie auch schon nach Aufführungen der Johannes- und Matthäuspassion in Frankfurt erlebt, ließen es sich etliche Banausen (auch in den ersten Reihen) nicht nehmen, direkt nach Einsetzen des Schlussapplauses aufzustehen und rauszugehen, um ja nicht im Abfahrt- Stau stehen zu müssen oder warum auch immer.

Gruß
Martin

Archiv-Beitrag: Sir John Eliot Gardiner” begeistert mit seinem Mozart-Programm in Weimar, 26.08.2006


20.2.2007 von Volker /admin.

Hallo,

hier berichte ich über mein Konzerterlebnis aus der Weimarhalle, Weimar, am 26. August 2006, mit dem Mozartprogramm zum Mozartjahr von Gardiner und English Baroque Soloists.

“Sir John Eliot Gardiner” begeistert Weimar mit seinem Mozart-Programm!

Nach einem ereignisreichen Vortag in Weimar mit Besichtigungen der wichtigsten Museen und Kirchen, Bachdenkmal, Schloss, das Wohnhaus von Bach während seiner Weimarer Zeit, dass leider nur noch durch eine Gedenktafel darauf hinweist – und mit viel Regen – gab es für uns dann den krönenden Abschluss mit dem Mozart-Konzert in der Weimarhalle.

Vormittags stand noch ein Besuch der Bachstätte in Naumburg in der St. Wenzelskirche mit der grandiosen Hildebrand-Orgel auf dem Programm. Mit dem Orgelkonzert “Orgelpunkt um 12″ wurden wir grandios auf den kommenden Abend eingestimmt. Diese Orgel wurde von Bach in der Gegenwart von Silbermann persönlich abgenommen, dort trafen sie nur einmal in ihrem Leben zusammen. Eine wunderbare Altstadt besitzt Naumburg mit dem Naumburger Dom und den Stifter-Figuren. Der Marktplatz und die Altstadt war von einem Markttreffen mit Buden und Musikanten nur so gefüllt, wir fühlten uns in das Mittelalter zurückversetzt, so bunt und schön war das Treiben anzusehen.

In Weimar wieder angekommen stärkten wir uns vor dem Konzert ein wenig mit einem kleinen Imbiss und lernten einen weiteren Besucher aus Wien kennen, der sämtliche Strapazen auf sich genommen hatte, um Gardiners Konzert in Weimar besuchen zu können.

Foto: Weimar-Konzerthalle (Weimarhalle)

Als ein Universalgenie eines Dirigenten entpuppte sich mit seinem Mozart-Programm wiederum Sir John Eliot Gardiner in Weimar.

Mozart-Programm:

Konzert für Klavier und Orchester, C-Dur, KV 503

Arie für Sopran und Orchester, KV 583 (Vado, ma dove? Oh Die)

Solistin: Mezzosopran: Bernarda Fink

Konzert für Klavier, Violine und Orchester, D-Dur, KV Anh.56 (= KV 315f) – Allegro (Von Robert Levin, 1968 ergänztes Fragment des ersten Satzes)

Solisten: 1. Violine: Kati Debretzeni; Klavier: Robert Levin

Rezitativ und Arie (Rondo) für Sopran, obligates Klavier und Orchester, KV 505

(Ch’io mi scordi di te?; Non temer, amato bene)

Solistin: Mezzosopran: Bernarda Fink

Sinfonie C-Dur, KV 425; Linzer

Sonstige Ausführende: The English Baroque Soloists, Leitung Sir John Eliot Gardiner

Heftig zupackend; in seinem bekannten Stil erfischend und in einem anmutenden Tempi überzeugte Gardiner mit seinem Dirigat und seiner Werkswiedergabe. Aufgrund einer sehr hohen Saalwärme erklangen die Barockinstrumente zum Teil in sehr schrillen Klangnuancen und im Einzelsolo bisweilen ein wenig verstimmt. Dies tat dem Programm aber keinen Abbruch, zumal das Orchester und die Solisten voll zu überzeugen wussten.

Foto: Dirigent Gardiner und Solisten, links vorne: 1. Violine: Kati Debretzeni

Als ein wahrer Tastenlöwe entpuppte sich in den Klavierkonzerten, KV 503 und KV 315 f, Robert Levin zu jener Zeit am zeitgemäßen Tafelflügel als ein wahrer Klaviervirtuose ersten Ranges. Sein ständiges Lächeln zeigte seine Freude am Klavierspiel und der Musik von Mozart. Er war der Star des Abends und präsentierte Klaviermusik vom anderen Stern, die Besucher waren so entzückt dass sie trommelten und pfiffen dass es eine wahre Freude war. Nur durch eine Zugabe konnte er sich dem frenetischen Beifall danach entziehen.

Foto: Gardiner und Robert Levin (Foto: TLZ)

Foto: Am Englischen Tafel-Klavier (Hammer-Klavier) spielte Robert Levin, Mozart

Als eine ebenbürtige Partnerin im Solo-Violinspiel überzeugte die Konzertmeisterin Kati Debretzeni von den Baroque Soloists mit beherzt schwingendem Geigenton in einer beseeligenden Heiterkeit.

Die Arien “”Vado, ma dove? Oh Dei!”“ KV 583 und “”Ch´io mi scordi di te?”“ KV 505; gesungen von Bernarda Fink, wurde überzeugend schwerelos bewältigt. Ihr Mezzosopran, die melodischen und rezitativischen Elemente und gesangliche Feinheit in allen Lagen ihrer Stimme versetzten den Hörer in eine musikalische andere Welt.

Als krönender Abschluss erklang die Sinfonie C-Dur KV 425 „Linzer“.

Hier erwiesen sich die in der Pause gestimmten historischen Instrumente – Violoncelli, Holzflöten, Naturhörner etc. – als eine wahrhaftig stimmige und werksgetreue Mozart-Wiedergabe als ein Idealfall. Der barocke Klang, die beseelende und betörende musikalische Strahlkraft die von dem Orchester ausgeht macht einen sprachlos und entsprach wieder genau dem Klangerlebnis, worauf wir gehofft hatten, sie sind einfach die Meister ihres Faches und können wirklich von keinem anderen Orchester noch getoppt werden.

Das Ohr hörte Musik von Mozart, dass den Hörer um 230 Jahre zurückversetzte so fantastisch versteht es Gardiner, dem Hörer eine Klangwelt dieser Epoche entsprechend musiklisch und klanglich vorzuführen. Ein grandioses Finale des Orchesters beinhaltete ein vollends aus dem Häuschen geratendes Publikum, Gardiners Schwung riss alle Mitwirkenden und Besucher in einen Trancezustand, die Konzerthalle bebte nach dem Schlussakkord, welches mit Standing Ovation und einem nicht endend wollenden tosenden Schlussapplaus die Darbietenden in einen beglückenden Abend entließ.

Grüsse

Volker

Archiv-Beitrag: Matthäuspassion in Frankfurt März 2005


11.3.2007 von Martin.

Hallo zusammen,

nachdem ich in letzter Zeit sehr ruhig gewesen bin, hier mein Bericht von der Matthäuspassion 2005:

Die Matthäuspassionstour im Frühjahr 2005 beinhaltete folgende Konzerte:
Stiftskirche (Kaiserdom), Königslutter
Alte Oper, Frankfurt,
Cadogan Hall, London
Madrid, Spanien und
Valencia, Spanien.

Aufgeführt wurde die Matthäuspassion in der Version von 1736.

Ich habe die Konzerte in Königslutter und Frankfurt besucht.

Foto: Alte Oper Frankfurt (Foto: Alte Oper)

Die Entscheidung, nach Königslutter zu fahren, fiel erst am selben Tag, weil wir zufällig in der Gegend waren und spontan noch diesen Extra- Trip unternahmen. Die Tickets für Frankfurt waren dagegen schon seit Monaten gebucht.

Die Sitzplätze in Königslutter waren dann auch im Seitenschiff, von dem aus man so gut wie nichts sehen konnte. Einige meiner Sitznachbarn sind dann aufgestanden und zur nächsten Säule gegangen. Nach dem Eingangschor habe ich das auch gemacht und hatte einen ganz guten Seitenblick auf die Bühne.

Begeisternd fand ich die feierliche Atmosphäre vor dem Konzert. Die ganze Gegend schien auf den Beinen zu sein und man hatte im Gegensatz zum hektischen und reizüberfluteten Frankfurt wirklich das Gefühl, dass sich alle 1200 Menschen im Dom bewusst sind, was das Großes ansteht. In Königslutter waren sogar Banner über den Strassen aufgehängt, die auf das Ereignis hindeuteten.
Die Bühne stand in der Mitte der Kirche und quer zum Kirchenschiff, was die Akustik nicht gerade besser werden ließ. Dennoch war sie beeindruckend.

Die Idee mit der Bühne stammte wohl von Gardiner selbst, weil er mehr Menschen ermöglichen wollte, nah an der Bühne zu sitzen. Allerdings gab es in der Pause auch etliche, die sich beschwerten, dass sie teilweise 80Euro bezahlt hatten und nun eine Säule direkt vor der Nase hatten.

Da war ich mit meinem 14 Euro Ticket und Seh- Stehplatz besser dran…

Die Aufführung selbst war wirklich etwas besonderes und sehr stimmungsintensiv.

Bereits beim Eingangschor merkte man, dass Gardiner nicht mehr so durch die Partitur rast, wie auf der Aufnahme von Deutsche Grammophon. Vielmehr legte er deutlich Wert auf gefühlvollen Ausdruck beider Ensembles.

Die beiden Chöre waren durch die bereits von der BCP bekannten schönen Jennings- Orgel (hervorragend von Silas Standage gespielt) getrennt. Sie gehörte auch zum Basso Continuo von Orchester I, welches von Maya Homburger geführt wurde. Leaderin im Orchester II war Kati Debretzeni. Im Orchester II wurde die Continuo- Orgel (und gleichzeitig das Cembalo!) von Howard Moody betastet.

Beide Orchester hatten zusammen 34 Spieler.

Es ist schwer, jemanden als besonderes Glanzlicht herausszustellen. Es waren einfach so viele Highlights.
Angefangen bei dem fantastisch auftretenden Mark Padmore, der für die Rolle des Evangelisten einfach der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
Wie zwei Jahre zuvor bei der Johannespassion (die ich auch in der Alten Oper erleben durfte), nahm er sich Zeit und sang seine Partien klangschön und ausdrucksstark.
Andere Highlights waren Elin Manahan Thomas mit ihrem kristallklaren Sopran und Clare Wilkinson, deren Stimme und leidenschaftlicher Ausdruck einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.
Zu Katharine Fuge braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen. Sie hat in den Einspielungen der BCP bewiesen, dass sie das richtige Gespür für Bach hat und hervorragend in die Aufführungen Gardiners passt.
Dietrich Henschel schien sich seine Rolle als Christus auch enorm verinnerlicht zu haben. Es war bewegend, wie er die Traurigkeit Christus´ vor dem nahenden Tod in Worte und Töne verpackt hat. Im Publikum saßen Etliche, die sich Tränen aus den Augen wischen mussten. Und auch Gardiner schien an einigen Stellen sehr ergriffen zu sein und schüttelte kaum merklich den Kopf, wie auch einige Orchestermitglieder.

Neben den “Alten Hasen” im Monteverdi Choir wie Suzanne Flowers, Donna Deam und Julian Clarkson hatte Gardiner für die Tour auch etliche junge Sänger mitgenommen von denen ich zum ersten Mal hörte.
Teils traten sie auch als Solisten auf. Ich habe gehört, dass Gardiner von Aufführung zu Aufführung entschieden hat, wer welchen Part singt. So wurden die zwei Arien, die in Königslutter von Andrew Staples gesungen wurde, einen Tag später in Frankfurt von Mark Padmore gesungen.

Foto: Innenraum “Alte Oper” (Foto: Alte Oper)

Die gesamte Auffühung unterschied sich stark von Gardiners DG- Einspielung von 1988.
Dieses Mal hatte man einfach das Gefühl, dass Gardiner und auch seine Ensembles nicht nur “einfach” technisch perfekt die Noten runterspielen und singen können, sondern deutlich näher zu Bach gefunden haben. Kein Wunder, nach der Bach Cantata Pilgrimage, die wohl alle Beteiligten nachhaltig musikalisch geprägt hat. Besonders die Choräle klangen viel sanfter und nicht so laut und gehetzt wie in der Aufnahme.

Gardiner setzte aber auch auf Effekte und es gab (positive) Schockmomente. Nach der lang wirkenden und sehr ruhigen Arie 49 “Aus Liebe will mein Heiland sterben” sprang Mark Padmore regelrecht auf (und hinter ihm die beiden Chöre) und rief laut und machtvoll “Sie schriiiien aber noch mehr und sprachen..!” und im selben Moment setzte der Chor fantastisch mächtig mit “Lasst ihn kreuzigen!!” ein. Es gibt nicht die richtigen Worte, um solche Momente in dieser Aufführung zu beschreiben. Vereinzelt hatte man gesehen, dass einige Köpfe im Publikum bei der Arie nach unten sanken. Der Einsatz war quasi der ultimative Wecker und alle schreckten nach oben.

Als der letzte sanfte Ton verklungen war und Gardiner die Hände sehr langsam sinken ließ, gab es für ungefähr eine Minute (gefühlte 10 Minuten) nicht einen einzigen Laut aus dem Publikum (ca 2000 Menschen). Absolute Ruhe!! Niemand hustete, niemand räusperte sich. Nach dieser ergreifenden Stille setzte erst zaghaft, dann aber mächtig Applaus ein, der in Standing Ovations fortgeführt wurde.
In einem Interview sagte Gardiner einmal, dass es sein Ziel ist, zu erreichen, dass die Menschem im Publikum in dem Moment der Aufführung glauben. Nach diesem Ereignis kann ich nur sagen: Ziel erfüllt! Danke!
Schöne Grüße,

Martin<

Archiv-Beitrag: LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE am 29.8.2004 / Messe h-Moll von Johann Sebastian Bach


22.1.2007 von Volker /admin.

29.8.2004 Ludwigsburg, Gardiner mit der Messe h-Moll, von J.S. Bach

Nach Martins inhaltsreichen Bericht vom Gardiner-Konzert aus Ludwigsburg habe ich meine alte Rezension gefunden und stelle sie hier im Blog vollständigkeitshalber ebenfalls rein.

Foto: Gardiner im Forum Ludwigsburg am 29.8.2004

Rezension:

Mit meiner Frau saß ich in der ersten Reihe, Mitte, was meinem Gesamtvergnügen ein wenig abträglich war, da nach einer gewissen Zeit eine Genickstarre eintrat durch das ständige Hochsehen auf die Bühne, man sah immer auf die Schuhe des großen Meisters und musste den Kopf immer weiter nach oben anheben, um das ganze Geschehen auf der Bühne richtig mitzubekommen, die Sicht entsprach einem Kellerblick, leider.

Ich hatte nicht meine Partitur dabei, sonst hätte ich genau sagen können, was Gardiner aus der H-Moll-Messe ausgelassen hat, denn die Veranstaltung war nach ca. 80 Minuten beendet, wo das Werk üblicherweise eine Dauer von ca. 130 Minuten besitzt !?!. Hier kann Martin wahrscheinlich nähere Angaben zu geben!

Aber der Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter Sir John Eliot Gardiner musizierten im Forum am 29.8.2004 im Schlosspark in Ludwigsburg aufs Feinste, wer das Glück hatte, sich am Sonntagabend im Theatersaal im Forum am Schlosspark eingefunden zu haben, dürfte einer Aufführung beiwohnen die das Prädikat „Extraklasse“ verdient hat.

Die hohe Messe in h-Moll gehört zu den bedeutendsten Werken der Musikgeschichte überhaupt. Bach arbeitete die letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens, von 1733 bis 1749, an dem Werk. Das etwa 130-minütige Werk umfasst auch die besten Chöre und Arien aus Bachs früheren Kantaten.
Ursprünglich schrieb Bach 1733 eine Messe, die nur das Kyrie und das Gloria des lateinischen Messetextes umfasste. Die Komposition reichte Bach beim katholischen Dresdner Hof ein, mit der Bitte um Verleihung des Titels “Hof-Compositeur”, der ihm 1736 gewährt wurde. Er vervollständigte die Messe dann mit dem bereits 1724 entstandenem Sanctus und fügte Agnus Dei und Credo später hinzu. Eine Gesamtaufführung des Werkes erlebte Bach nicht mehr – erst 1834 – Bach ist bereits seit 84 Jahren tot – wird die Messe in Berlin aufgeführt.

Kaum jemand wäre besser für die musikalische Präsentation der h-Moll Messe geeignet, als Sir Eliot Gardiner und seine englischen Musiker. Der “Monteverdi Choir” und die “English Baroque Soloists” sind seit ihren Gründungen für bahnbrechende Aufführungen Alter Musik bekannt und international geschätzt.

Durch und durch klar und deutlich fährt Gardiner mit den beiden von ihm gegründeten Ensembles die Linien des Werks nach. Verzweigungen, Verästelungen und parallele Stränge verdichten sich zu einem filigranen Gefüge.

Die English Baroque Soloists, die aus dem von Gardiner 1968 gegründeten Monteverdi Orchestra hervorgegangen ist, spielen auf historischen Instrumenten. Seinem Bestreben folgend erzeugen die Instrumentalisten zusammen mit dem auffallend kleinen Chor einen weich fließenden Klangkörper, ohne Ecken und Kanten. Extreme Dynamik oder gar Brüche werden nicht zugelassen. Selbst die Übergänge zwischen den einzelnen Nummern sind so kurz gehalten, dass sie fast ineinander fließen.

Die einzelnen Stimmen des zwanzigköpfigen Chors, aus dem auch die Solisten nach und nach für die Soloparts hervortreten, sind einheitlich in ihrer Färbung, präzise und schlank in der Stimmführung.
Doch wird der manchmal allzu stetige Fluss unterbrochen von den allesamt hervorragenden Solisten sowohl auf Seiten der Instrumentalisten als auch der Sänger. Während die Traversflöte (Rachel Beckett) und die Oboi d”amore (Michael Niesemann, Molly Marsh) der menschlichen Stimme schmeicheln ohne mit ihr zu konkurrieren, liefert sich die Erste Violine (Alison Bury) einen wahren Verzierungswettstreit mit Sopranistin Angharad Gruffydd Jones. Fein ausgewogen auch das Naturhorn (Susan Dent) mit Michael Bundy (Bass).

Gardiner dirigiert ohne Dirigierstock und führt seine bestens aufeinander eingespielten Musiker mit zurückgenommener Gestik. Trotzdem wird der Ton klar und konturierter, ohne dabei jenen überirdischen Atem zu verlieren, den Gardiner der Musik einzuhauchen vermag.
Ein phänomenaler Bach-Interpret der Neuzeit mit einer fantastischen Sängerschar und seinem vortrefflichen Barockorchester überzeugte wiederum mit einer Gala-Interpretation bachscher Musik.
Das Publikum dankte allen Beteiligten für eine überzeugende Darbietung mit einem lang anhaltenden Applaus.

Volker

Archiv-Beitrag: Bericht über die Matthäus-Passion von J.S. Bach am 6. März 2005 im Kaiserdom in Königslutter.


6.2.2007 von Volker /admin.

Hallo,

hier möchte ich über meinen Besuch der Matthäus-Passion (J.S. Bach); von Gardiner am 6. März 2005 im Kaiserdom von Königslutter berichten.

Foto: Kaiserdom Königslutter (Foto Domgemeinde)

Als Problem erwies sich im Vorfeld die Meisterung der vorhanden schlechten Akustik in dem alterwürdigen Kaiserdom aus dem 11.Jahrhundert, viele Säulen, Nischen und Gänge, die ein ungetrübtes Klangbild behindern.

Foto: Gardiner am Vortag in der Probe in Königslutter (Foto: newsclick)

Gardiners Idee, in der Mitte des Hauptganges eine Bühne mit Resonanzboden aufstellen zu lassen, sodass die Akustik besser zu beherrschen war, erwies sich als einigermaßen gelungen. Die Besucher um die Bühne gruppiert, gab einen intimen Rahmen und der Kontakt zu den Aufführenden wurde dadurch enorm verbessert.

Die Aufführung der Matthäus-Passion erfolgte in der Fassung von 1736, in der Bach größere Eingriffe in der Substanz und Instrumentierung vorgenommen hatte.
Der erste Teil, den Cantus Firmus im Eingangssatz von den “Trinity Boys Choir” dargeboten, erwies sich als schöne Einstimmung auf das nun folgende – wohl gewaltigste christliche Meisterwerk – des Universums.

Hier hätte ich dem 1. Chor mehr an Klangvolumen gewünscht, was sicherlich auch an der problematischen Akustik gelegen haben mag. Die Gesangssolisten hatten ebenfalls große Mühe, verständlich den Text und mit ihrem Stimmvolumen den Raum zu füllen.

Die Instrumentierung der English Baroque Soloists war grandios, die unterschiedlichsten Nuancen wunderschön gespielt und umgesetzt, kein Piepser auf den alten Instrumenten, eine wahre berauschende Klangfülle, welches von diesem Orchester ausgeht.

Wie schön getragen und interpretiert die Choräle, ohne Hetze, wie schon so oft bei iGardiner kritisiert, wurden sie gesungen, eine absolute Meisterleistung von Könnern an Gesangskräften, die dieses hervorragend umsetzten. Hier erwies sich ein in Jahren gereifter Leiter und Dirigent J.E. Gardiner als eine wunderbare Offenbahrung.

Als eine Idealbesetzung erwies sich für den Part des Evangelisten der Tenor mit Mark Padmore besetzt, sein Stimmvolumen brachte keine akustischen Probleme, verständlich in der Textaussage war er eine vorzügliche Bereicherung für das gesamte Ensemble.

Foto: Tenor (Evangelist) Mark Padmore

Etwas dagegen abfallend, der Bassbariton Dietrich Henschel (Jesus,) der vom Gesangsvolumen in den tieferen Lagen überfordert erschien.

Foto: Bass-Bariton (Jesus) Dietrich Henschel

Nach einer dreiviertel Stunde Pause geriet der 2. Teil zum absoluten Höhepunkt des Konzertes.

Die Solopartien der Gesangssolisten, bestückt mit hervorragend geschulten Nachwuchs-Gesangskräften der vier Chöre, hier einmal herausgestellt der Counter-Tenor Mark Chambers, der die Altpartien Nr. 51 „Erbarm es Gott! Hier steht der Heiland angebunden“ und Nr. 52 „Können Tränen meiner Wangen Nichts erlangen“ in einer so beeindruckenden Weise gesanglich vortrug, die mich erschauern ließ, so manche Träne wurde von mir und im Publikum verstohlen weggewischt.

Wie überhaupt die Arien, Rezitative des zweiten Teils inniger, unter die Haut gehend, nicht musiziert werden können, ob gesanglich oder instrumental von allen Beteiligten dargeboten, war es für mich die bisher ergreifende und ungewöhnlichste Matthäus-Passion, die ich Live erleben durfte trotz mancher Abstriche, infolge der ungewöhnlichen Akustik.

Besonders beeindruckend, wie innerlich bewegend die gesamten Solisten, ob Chor oder Orchester sowie J.E. Gardiner, bei den Gesangspartien des Evangelisten, die Augen geschlossen und die Hände gefaltet, den Worten und der Musik lauschend zuhörten.
Das Publikum wurde dermaßen von diesen Passagen des Werkes eingenommen, dass selbst das Husten unterblieb. Nach dem Schluss-Ton geriet man in einen Trancezustand, absolute Stille umgab die Aufführungsstätte, Gardiner verharrte in sich gekehrt und entschwand kurze Zeit später von der Bühne um nicht wieder zurückzukehren.

Ein riesiges Dankeschön für diese unvergleichliche Passionsmusik, die ein Bachkenner von Gottesgnaden in der Person von J.E. Gardiner mit seinen Gesangssolisten, Chören und seinem betörenden Barockorchester den Besuchern zu vermitteln vermag. Dermaßen ergriffen und aufgewühlt endete eine Bach’sche Aufführung, die mir ewig im Gedächtnis haften bleiben wird.

Herzliche Grüsse

Volker

Archiv-Beitrag: Ansbacher Bachwoche 2007, M. Suzuki mit der Matthäus Passion in St. Gumbertus


Foto: St. Gumbertus, Ansbach (Foto: Bachwoche Ansbach)

7.9.2007 von Muriel.

Hallo,

eine Aufführung der Matthäus Passion von J.S. Bach fand unter der Leitung von Masaaki Suzuki in St. Gumbertus in Ansbach im Rahmen der Ansbacher Bachwoche 2007 – am 4. August 2007, 20:00 Uhr – statt.

Mitwirkende:

Carolyn Sampson, Sopran
Robin Blaze, Altus
Gerd Türk, Tenor (Evangelist)
Peter Kooij, Bass (Jesus)
Dominik Wörner, Bass-Bariton
Bach Collegium Japan

Leitung: Masaaki Suzuki

Ich komme eben aus Franken zurück, wo ich in Ansbach die “Matthäuspassion” mit dem japanischen Wunderchor hörte. Der Chor ist wirklich sehr beeindruckend. Trotz vieler Schweißausbrüche auf der Orgelempore – ich sah nichts, wenn ich nicht aufstand – es war ein Erlebnis. Gerd Türk ein vorzüglicher Evangelist, gegen den alle englischen hochdramatischen Tenöre einpacken können, Carolyn Sampson in toler Steigerung und als Jesus Koy, ein Mann aus Belgien.

Es wurden auch japanische Solisten eingesetzt, deren Singen für uns festgelegten Europäerinnen gewöhnungsbedürftig ist. Neu für mich auch, dass Evangelist und “Jesus” auch jeder eine Arie sangen. Ich bin davon überzeugt, dass Bach in Japan eine gute Stellung bekommen hat und die Zukunft seiner Musik nicht auf die Europäer festgelegt ist.

Liebe Grüße
muriel<

Archiv-Beitrag: Eine überzeugende Wiedergabe mit Weihnachts-Kantaten von J. S. Bach durch die Barock-Akademie Detmold in Kloster Corvey. / OWL


Hallo zusammen,

„Gloria in excelsis Deo“ unter diesem Motto erklang in der Abtei-Kirche „Kloster Corvey“ in Ostwestfalen, am 16.12.2007, ein festliches Weihnachtskonzert, ausgeführt durch die Barockakademie und dem Vokal-Ensemble der Hochschule für Musik aus Detmold.

Bild: Die Abtei-Kirche “Kloster Corvey”

Programm

J.S. Bach, Kantate BWV 110 „Unser Mund sei voll Lachens“
Kantate zum 1. Weihnachtstag für Soli, Chor und Orchester

Gerog Friedrich Händel „Gloria in excelsis Deo“
für Sopran, Streicher und Basso continuo

Weihnachtslieder für Chor A Capella

„Vom Himmel hoch“, Satz: Johannes Eccard

„Es ist ein Ros’ entsprungen“ (vierstimmig) Satz: Michael Pretorius

„O Jesulein zart“ (vierstimmig) Satz: Samuel Scheidt

„Freu dich, Erd und Sternenzelt“ (vier- bis sechsstimmig)
Satz: Gerhard Weinberger

„O Bethlehem, du kleine Stadt“ (vierstimmig) Satz: G. Weinberger

„Still, wer Gott erkennen will“ (vier bis fünfstimmig)
Satz: Gerhard Weinberger, (Sopransolo: Hee-Suk Han)

„O du fröhliche“ (achtstimmig) Satz: Georg Ratzinger
(Bruder von Papst Benedikt XVI.)

J.S. Bach, Kantate BWV 63 „Christen, ätzet diesen Tag“
Kantate zum 1. Weihnachtsfeiertag für Soli, Chor und Orchester.

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Schon in der Werksauswahl zeigte sich ein großer Barock- und Bach-Spezialist mit Namen: Prof. Gerhard Weinberger, hiesiger Dozent für Kirchenmusik und Orgel an der Hochschule für Musik in Detmold.

Im Bild Prof. Gerhard Weinberger, künstlerischer Leiter !

Als bekennender und bekannter Bach-Interpret gelang ihm zum Auftakt mit dem BWV 110 „Unser Mund sei voll Lachens“ ein überwältigender Einstieg. Wunderschön erklingen zum Auftakt die Streicher, Pauken und Trompetenklänge, sie erzeugen sofort das „Gänsehaut-Erlebnis“ pur.

Ein 22-stimmiges Vokalensemble berührte anschließend mit einem gekonnten, nuancierten und erfrischenden Gesangsvortrag. Dieses Ensemble besitzt Potential, man spürt ihre Selbstsicherheit und ihr Wissen, als ein mehrfacher 1. Preisträger mit Lobeshymnen in Athen, Griechenland, bedacht worden zu sein.

In dem dortigen Europäischen Gesangs-Wettbewerb, welcher vor ca. einem Monat dort statt fand, überzeugten sie in allen Altersklassen als das Spitzen-Vokalensemble in Europa.
Wunderbar, was die Hochschule für Musik in Detmold hier an Gesangs-Kultur und Ausbildung leistet, wir Ostwestfalen können Stolz auf sie sein.

Im Bild: das vortreffliche Vokal-Ensemble !

Als ein wahres Juwel entpuppte sich das „Gloria in excelsis Deo“ von Georg Friedrich Händel, für Sopran, Streicher und Basso continuo.

Für die leider kurzfristig erkrankte Sopranistin: Meike Leluschko. übernahm Gunhild Alsvik den Sopranpart

Die Ersatz-Sopranistin, Gunhild Alsvik, bot eine Glanzvorstellung. Vortrefflich ausgestattet mit einem Stimmvolumen per excellence, gelangen ihr die Koloraturen und der Gesangsvortrag mehr als vortrefflich. Stimmig die zwei Violinen, Orgelpositiv und Basso continuo als Begleitung, hierbei erklang eine wunderschöne Darbietung an Barockmusik, die allen Beteiligten großartig gelang.

Im Bild 1. und 2. Violine mit Orgelpositiv und verdeckt die Sopranistin Gunhild Alsvik.

Auf dem gleichen hohen Niveau standen die vorgetragenen Weihnachtslieder, gesungen von dem von mir bereits gelobten Athener-Preisträger, das Vokalensemble der HfM aus Detmold.
Die Gesangs-Kultur ist vortrefflich, stimmlich sehr gut ausgebildet, erklangen wunderschöne Sätze an Weihnachtsliedern

Hervorheben möchte ich den achtstimmigen Satz von Georg Ratzinger, (Bruder des jetzigen Papstes und ehemaliger Kantor am Dom in Regensburg), „O du fröhliche.“
Was sie an Gesangskultur zu bieten haben, lässt einen verblüffen, es ist mehr als erfreulich, dass sich nun auch in Deutschland in dieser Beziehung etwas mehr für die Nachwuchs-Gesangskultur getan wird.

Wunderbar austaxiert und homogen erklingt dieser achtstimmige Satz, leicht mitsummend falle ich in dieses schöne Weihnachtslied mit ein, so schön gelang dem Vokalensemble dieser mehrstimmige Choralsatz.
Als Besucher in der 3. Reihe vorne sitzend, bekommt man die Feinheiten des Gesangsvortrages unmittelbar und genau mit, ich weiß nicht, wie es im Mittelschiff der Abteikirche vom Gehör zu vernehmen war, so wie mir @Iris, nach dem Konzert berichtete, gab es da doch sehr mannigfaltige Probleme mit der Akustik, leider …!!

Den großartigen Schlusspunkt setzt Prof. Weinberger mit der Kantate, BWV 63, „Christen, ätzet diesen Tag.“

Hier habe ich immer die DVD von Gardiner mit der Probenarbeit zu dieser Kantate vor Augen. (Habe sie gerade auf dem Bildschirm und sehe Gardiners Statement zu dieser Kantaten-Probe).

Diese jubelnde und grandiose Weihnachts-Kantate mit Pauken und Trompeten versetzt mich immer in die Stimmung der Glückseligkeit. Was die Vortragenden, Orchester, Gesangs-Solisten, und das Vokal-Ensemble vollauf zu erreichen in der Lage waren, eine meisterliche Darbietung, die mein Seelenleben zutiefst berührte.

Im Bild das vortreffliche Trompetenensemble mit neuzeitlichen Instrumenten !

Erwähnen möchte ich aus einer homogenen Ensembleleistung den überragenden Gesangs-Solisten „Felix Plock“ als Bass, was hier für ein Nachwuchs-Sänger herangebildet wird, lässt die Musikwelt aufhorchen, endlich wieder ein Deutscher Bass-Solist, der von Hause aus alles mitbringt, was für eine glanzvolle Karriere verspricht.

Ebenso der Altus „Benno Schachtner“, der mich voll zu überzeugen wusste, (habe ich doch sonst meine Probleme mit dieser Gesangs-Gattung), hier muss ich Abbitte leisten für eine gehörte und überragende Gesangs-Kultur, die mich voll überzeugte und eine Altistin nicht vermissen lies, für die Zukunft scheint sich hier Großes anzukündigen…!!

Im Bild von Links: Leitung: Gerhard Weinberger, Gesangs-Solisten: Felix Plock a.G. (Bass), Bo Hyeoun Mun (Tenor), Benno Schachtner (Altus).

In dem Weihnachtskonzert erweisen sich alle Beteiligten als vorzügliche Interpreten. PROF. WEINBERGER war auf einen nuancenreichen Ton bedacht immer wieder erzielt er raffinierte Klangeffekte. Die Interpretation und die Aufführungsform gelingt ihm vortrefflich.

Seine Auffassung von Bach’scher Musik ist prägnant in seiner persönlichen Art und Wiedergabe. Sein Empfinden für Bach und seinen Kantatenwerken strahlt Wärme und Überzeugungskraft aus und ließ den Hörer diese Wesensart beeindruckend miterleben, ein Konzerterlebnis mit Weihnachtsmusik, die auf einem hohen Niveau allen Ansprüchen gerecht wurde und das Herz mehr als zu beglücken wusste.

Beglückt und stimmig wurde der Hörer in die Weihnachtszeit hinübergeleitet, dank eines prächtigen Konzertabends.

Meinen Dank möchte ich @Iris, noch aussprechen, die mir den Fotoapparat zur Verfügung gestellt hat, da ich meinen im Auto liegen gelassen hatte, es war schön, sich einmal wieder zu einem Konzert verabredet zu haben.

Der Link zu weiteren Fotos in Picasa mit weiteren Angaben zum Konzert nachstehend:

http://picasaweb.google.de/meinharderich/KlosterCorveyBachKantatenZurWeihnachtAm16122007ProfWeinbergerHfMDetmold

Grüße

Volker

Impressionen von der Mozart Gala am 15. Oktober 2006 in der Royal Opera London


4.2.2007 von Barbara.

Hallo,

mein Konzerterlebnis in London:

Szenen aus Idomeneo, Entführung aus dem Serail, Zauberflöte, La Clemenza di Tito, osi fan Tutte, Le Nozze di Figaro und Don Giovanni.

Sir John Eliot Gardiner, Conductor

The Monteverdi Choir
The English Baroque Soloists
Alison Bury, Leader
Stephen Medcalf, Director

Anna Chierichetti, soprano
Elin Manahan Thomas, soprano
Camilla Tilling, soprano
Lina Markeby, mezzo-soprano
Anne Mason, mezzo-soprano

Kurt Streit, tenor

Christopher Maltman, baritone
Kyle Ketelsen, bass-baritone
Matthew Brook, bass
Julian Clarkson, bass
Brindley Sherratt, bass

Wie es der Zufall wollte, fand genau zu der Zeit, als wir in den Herbstferien mit unserer Tochter ein paar Tage in London waren, dieses Konzert statt. Bach, Händel oder Haydn wäre mir zwar lieber gewesen, aber wenn es sein muss, tue ich mir auch mal für einen ganzen Abend Mozart an. Ich bekam netterweise frei, dazu das nötige Kleingeld, um mir eine ordentliche Karte zu kaufen und hatte einen wunderschönen Abend.


Foto: Aufführungsstätte: Royal Opera in London (Fotorechte bei: sauter.de)

Schon in das Opernhaus zu kommen, war überwältigend. Leider wurde der Zuschauerraum erst 10 Minuten vor Beginn geöffnet, so konnte ich die plüschige Pracht nur kurz genießen. Dafür erkundete ich das hohe großzügige Foyer, Pausenraum, was auch immer mit seinem Covent Garden entsprechenden Glasdach. Sehr beeindruckend

Wegen der Ankündigung als halbszenisches Konzert erwartete ich ein “Konzert” mit dem Orchester auf der Bühne und im engen Rahmen agierenden Sängern. Nun – dem war nicht so. Das Orchester war, wo es hingehörte – im Orchestergraben und Chor und Solisten agierten aufs munterste auf der spartanischen Bühne. Hier wurde mit minimalem Einsatz von Requisiten eine stimmige Atmosphäre für die einzelnen Opernausschnitte geschaffen, wobei die Übergange fließend waren und es recht hilfreich war, die einzelnen Opern zu kennen. Ganz nett am Rande: jeder Sitz hatte einen kleinen Bildschirm, auf dem die – englische- Übersetzung des Textes mitlief. Meinen habe ich sofort ausgeschaltet, aber die der Reihen vor mir lagen genau in meinem Blickfeld beim Blick auf die Bühne. Und eine Arie aus der Zauberflöte auf Deutsch zu hören und auf Englisch mitzulesen, hat schon seinen besonderen Reiz.

Immer wieder gab es überraschende Moment, sei es im Figaro, als Julian Clarkson in Frack und Gummistiefeln über die Bühne stolperte oder in der Zauberflöte die 3 Knaben (natürlich Mädels) derart flegelhaft um Papageno und Papagena herumwirbelten, dass eigentlich nur noch die Kaugummis gefehlt hatten. Und um mich herum wurden all diese Kleinigkeiten von den Zuschauern lautstark kommentiert. Nichts von englischer Zurückhaltung… Da die Bühne anscheinend nicht groß genug war, wurde auch der Zuschauerraum mit ins Geschehen mit einbezogen. Einiges spielte sich direkt vor meinen Augen ab. Am beeindruckendsten war die Schlussszene des Don Giovanni, gleichzeitig der Schluss des Konzertes. Die Posaunen kamen buchstäblich aus der Tiefe hinter dem Parkett und trieben Don Giovanni vor sich her durch die Zuschauer bis auf die Bühne. Eine Gänsehautszene, die die Spannung bis zum Schluss hielt.

Und musikalisch? Irgendwann zwischendurch hatte ich den Gedanken: So muss das sein, es geht gar nicht anders. Jeder einzelne Ton kam, als wäre er in diesem Augenblick erfunden worden, so spontan und frisch. Deshalb möchte ich auch keinen einzelnen der Sänger besonders herausheben. Es war ein absolut perfekter Abend. So mag ich auch Mozart.

Grüße
Barbara