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Bach-Cantata Pilgrimage Konzert Leipzig 22.10.2000


Hallo,

mit dieser Rezension möchte ich mich einem weiteren Höhepunkt der Pilgrimage widmen, dem Konzert in der Leipziger Thomaskirche am 22.10.2000 (18. Sonntag nach Trinitatis). An diesem Abend kamen die Kantaten “Du Friedefürst, Herr Jesu Christ” BWV 116, “Gott soll allein mein Herze haben” BWV 169 für Alt-Solo, “Herr Christ, der ein’ge Gottessohn” BWV 96, die Motette “Der Gerechte kommt um” sowie der Choral “Vor deinen Thron tret ich hiermit” BWV 668a zur Aufführung.



Foto: Thomaskirche in Leipzig

Bei diesem Konzert hatte ich die Möglichkeit, bereits am Samstag anzureisen und das ganze Wochenende in der Nähe des Meisters zu verbringen und Bach’s Musik an “ihrem Ort” zu hören. Schon in den Proben spürte man Bach’s Geist am Ort und die Musiker waren merklich von Beginn an damit erfüllt und infiziert.

Das Konzert selbst geriet zu einer emotionalen Sternstunde. Allerdings machten sich auch Spuren der Leipziger Geistlichkeit bemerkbar, mit denen Bach sicherlich auch zu kämpfen hatte. Zunächst einmal gab es große Auseinandersetzungen und Diskussionen über die Probenzeit, in denen die Kirche geschlossen blieb. Im Konzert erschien dann zu Beginn der örtliche Pfarrer und mahnte, daß man bitteschön nicht klatschen dürfte, es sei schließlich geistliche Musik. Die treuen Gardinerfans, die sich flugs als des deutschen nicht mächtige Engländer ausgaben, ignorierten dies standhaft:). Allerdings gab es auch ein paar Sturköpfe, die sich strikt an den Befehl der angestaubten Geistlichkeit hielten…

Gardiner hatte das Programm so zusammengestellt, daß es schwungvoll begann und andächtig und anrührend enden sollte. Wiederum war die Kirche zum bersten gefüllt, als Chor und Orchester die Bühne betraten. Der Meister trat auf und es begann die hinreißende Orchestereinleitung zur Kantate 116. Wie immer bestach der Chor durch Kraft und unglaubliche Prägnanz in Sprache und Gesangskunst. Die Solisten waren Katherine Fuge, Natalie Stutzman, Christoph Genz und Gotthold Schwarz. Bis auf Nathalie Stutzman ließen auch diese keine Wünsche offen. Nathalie Stutzman jedoch war für meine Ohren zu opernhaft mit großem Vibrato, daß einfach nicht zu Bachs Musik paßt. Die Kantate endete mit dem schlichten Choral “Erleucht auch unser Sinn und Herz”.

Es folgte die Kantate 169 mit einer großangelegten Sinfonia, die eine Umbearbeitung des 1. Satzes vom E-Dur Cembalokonzert BWV 1053 darstellt. Hier gelang Organist Silas Standage eine Meisterleistung. Gekonnt und schwungvoll spielte er den z. T. haarsträubend schweren Orgelpart. Auch in dieser Kantate konnte Nathalie Stutzman nicht überzeugen, sie erwies sich leider auch hier als vibratoreiche Opernsängerin und wußte nicht zu überzeugen. Der Schlußchoral “Du süße Liebe, schenk uns deine Gunst” wurde andächtig un voller Überzeugungskraft vom Monteverdi Choir gesungen.

Die nun folgende Kantate 96 war für mich die schönste des Abends. Der Eingangschor beginnt hier mit einem großangelegten Orchesterpart über dem als Krönung eine Sopranino-Blockflöte in himmlischen Sphären spielt. Außerdem liegt der cantus firmus nicht, wie sonst eher üblich, im Sopran, sondern wird monumental vom Alt vorgetragen. Diese ganze Choralfantasie birgt so eine himmlische Ruhe aber auch einen solch wunderbaren Fluß, wie sie Christus als “Morgenstern” beschreibt. Mir gegenüber saß im ganzen Konzert ein älterer Herr aus England, der sich zuvor als guter Freund von John Eliot vorgestellt hatte und gerade bei dieser Kantate hatte ich den Eindruck er stand einem Zusammenbruch nah. Es war aber auch wirklich hart: Diese fantastische Musik an Bachs Arbeitsstätte… ich glaube, jeder hatte da ein bißchen mit seiner Fassung zu kämpfen. Besonders schlimm wurde dies dann bei den beiden letzten Werken des Konzertes “Der Gerechte kommt um” und Bach’s eigenem Sterbechoral “Vor deinen Thron tret ich hiermit” BWV 668a. “Der Gerechte kommt um” ist eine Bearbeitung der Kuhnau’schen Motette “Tristis est anima mea”. Es scheiden sich hier zwar die Geister, ob die Bearbeitung wirklich von Bach ist, aber die Motette ist auf so zauberhafte Weise instrumentiert, daß dies eigentlich nur aus der Hand Bach’s kommen kann.

Nach dieser Motette trat das Orchester ab und der Chor ging mit Gardiner hinter das Podium und versammelte sich um Bach’s Grab. Bei dem Gedanken daran wird mir jetzt beim Schreiben noch anders. Als Abschluß erklang dann von diesem Ort der Choral “Vor deinen Thron tret ich hiermit”. Es kann sich glaube ich niemand vorstellen, wie unser aller Gefühlswelt in diesem Augenblick aussah. Nach dem Choral stand Gardiner allein minutenlang an Bach’s Grab und betete und auch wir Zuschauer waren zum Großteil völlig fertig. Ich glaube ich habe noch nie so viele heulende Gäste und v.a. auch Musiker gesehen. Es war so unglaublich, was an dem Abend natürlich unter Einfluß der sehr anrührenden Musik passierte. Hinterher spielten sich sehr schöne menschliche Szenen ab, bei denen man Gardiner als “Patriarch” und Vater für seine Musiker erleben konnte.

Wiederum war ein unvergeßlich schönes Konzert zu Ende gegangen.

Viele Grüße,

Alex

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Grandioso – fantastico, die Bach-Tage 2007 mit Gardiner in Leipzig


Hallo,

in aller Kürze aus Zeitmangel schreibe ich kurz einmal in den Blog die wichtigsten Erlebnisse von den Bachtagen 2007 mit Gardiner in den Blog. Der absolute Höhepunkt waren die “Michaelis-Kantaten” in der Nikolaikirche am Freitag, 15. Juni 2007.

Foto: Nikolai-Kirche in Leipzig

Es war ein Traum, dieses Konzert mit Gardiner erleben zu können, die Besetzung der Gesangs-Solisten und Trompeten-Ensemble war von der Großartigkeit nicht mehr zu toppen, so erfüllt bin ich seit langem nicht mehr aus einem Konzert gekommen, mein Herz schwimmt über in einer Glückseeligkeit, die ich einfach nicht besser beschreiben kann, eben eine Sternstunde mit Bachscher Musik und einem Interpreten mit einer Besetzung, die alles perfekt umsetzte.

Am Vortag in der Thomaskirche die “Trauerkantaten” auch beeindruckend, aber die Jubel-Kantaten sind doch ein Highlight, die alles übertreffen.

Ein ausführlicher Bericht folgt in den den nächsten Tagen mit beeindruckenden Fotos, freut euch darauf.

@ Alexander, du bekommst heute noch eine ausführliche Mail von mir. An dem Freitag war alles wie verhext, es wollte nicht alles so klappen mit dem Treffen, wie wir uns das vorgestellt hatten, das Gewitter tat leider sein Übriges dazu. Dir möchte ich nochmals danken für deine Bemühung der Reservierung auch wenn es nicht geklappt hat mit dem Treffen. Deinen Flayer “Cantatafinder” im Programmheft fand ich sehr gelungen und toll.

@ Martin konnte ich am Donnerstag nach dem Konzert kennenlernen und hatten eine schöne nette Stunde zusammen zum Ausstauschen.

Dies nur als ein kurzer Zwischenbericht an alle.

Grüße und einen schönen Restsonntag wünscht euch

Volker

P.S. Ein Web-Album mit Fotos zum Bachfest Leipzig 2007 h i e r klicken!

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Impressionen vom Potsdamer Gardiner-Konzert


21.06.2007 von Barbara

Hallo!

Dies ist keine Rezension, sondern es sind ganz persönliche Eindrücke. Dies vorweg.


Foto: Erlöserkirche in Potsdam

Der erste von vielen Eindrücken des Abends war “Es ist warm!”. Meine Prognose “Zum Glück ist es in alten Kirchen immer schön kühl”, war schlicht und ergreifend falsch. Nicht nur den Musikern lief das Wasser in Strömen, sondern auch dem Publikum.

Aber von Anfang an:

Die Erlöserkirche liegt mitten in einem Wohngebiet mit engen Straßen und wenig Parkplätzen. D.h. auch rund um die Kirche gab es ein Riesengedränge. Zudem wurde die Kirche erst 10 min vor Konzertbeginn geöffnet (=1000 Leute wollen in die Kirche rein, 2 passen gleichzeitig durch die Tür!), sodass wir vor dem Konzert nicht einmal in Ruhe das Programm durchlesen konnten. Das war es dann aber schon mit dem Negativen. Als die ersten Töne (Nun ist das Heil …) mit Macht über uns hereinbrachen, war die Welt wieder in Ordnung. Die Kirche ist nicht so riesig groß, wenig Säulen und so schienen Orchester und Chor fast zu mächtig für den Raum sein.

Auch in den folgenden Kantaten wurden wir von der Kraft der Musik schier erdrückt. Das bekam auch Peter Harvey in der Arie “Der alte Drache brennt vor Neid” – BWV 130 “Herr Gott, dich loben wir” – zu spüren, er hatte schlicht und ergreifend keine Chance, gegen das Orchester und vor allem die Trompeten anzusingen. Da nutzte auch nicht der Platz auf der Kanzel. Welch wundervolle, ausdrucksstarke Stimme er hat, kam aber im Rest des Konzertes zur Geltung. Vielleicht wäre bei dieser Arie Matthew Brook die bessere Wahl gewesen. Zum Glück gab es zwischendurch diese wundervollen, stillen Arien zum Erholen.

Der wundervollste, magischste Moment des Konzertes war für mich die Arie “Bleibt, ihr Engel” aus BWV 19 – Es erhub sich ein Streit -, gesungen von James Gilchrist. Welch ein wundervoller Tenor. Er sang mit einer solchen Intensität, dass die Engel um uns herum bald greifbar wurden. Es war einfach ein magischer Moment, der mich tief berührt hat. Zum Weinen schön!

Auch Clare Wilkinson war sehr überzeugend. Hier ist für mich am stärksten das Duett mit James Gilchrist in BWV 149 “Man singt mit Freuden” in Erinnerung. Diese beiden Stimmen haben wunderbar harmoniert. Lediglich Julia Doyle fiel aus dem Rahmen. Sie wirkte stark überanstrengt, leicht heiser, die Stimme strahlte einfach nicht. Nun gut, wir wissen ja, dass sie singen kann. Chor und Orchester waren einfach überragend, auch wie sie sich ständig umgruppiert haben, und dies mit ganz viel Ruhe, auch wenn es dem Meister schon mal nicht schnell genug ging, trug zu dem positiven Gesamteindruck bei.

Das Orchester hatte aufgrund des Sonnenstandes zu Beginn riesige Probleme. Erst waren es die 1. Violinen, die kaum gucken konnten, dann waren es die Trompeten, die zu kämpfen hatten. In jeder Pause, die sie in ihren Noten hatten, mussten sie sich ein neues Plätzchen suchen, um nicht geblendet zu werden. Was auch beeindruckend war, mit welcher Freude der Chor gesungen hat. Ich bin mir nicht sicher, ob es Professionalität war, die, wenn sie sie von Freude singen, auch die Freude in ihren Gesichtern sehen lässt. Es war einfach zu schwungvoll.

Es war einfach ein unglaubliches Konzert und ich werde alles daransetzten, es mir im Herbst noch einmal in Braunschweig anhören zu können. Es hat mir viel Kraft gegeben. Gestern habe ich es ausprobiert: Nervige Kids, 1000 Aufgaben, aber keine Kraft dafür, ab ins Zimmer, rotes Stop-Schild davor, CD mit Engel-Arie in den CD-Player (auch in der Aufnahme hat James Gilchrist gesungen), auf den Boden legen und 8 Minuten totale Entspannung. Und der Zauber wurde wieder lebendig.

Sogar mein Mann mit seiner “Never Bach”-Einstellung war begeistert. Erst bei der letzten Kantate BWV 149 fiel ihm wieder ein, dass er die Musik von Bach nicht mag, alles andere hat auch ihn mitgerissen. Ein besseres Kompliment für die Mitwirkenden kann es gar nicht geben.

Grüße

Barbara

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Bachfest Leipzig 2007, Konzert von Sir J.E. Gardiner in der Thomaskirche Leipzig, am 14.6.2007


Hallo,

nachdem einige Tage vergangen sind und keiner einen Beitrag vom Bachfest Leipzig in den Blog gestellt hat, beginne ich mit den Rezensionen der Konzerte von Sir J.E. Gardiner, dem Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists während des Bachfestes 2007 in Leipzig, beginnend mit den Trauerkantaten in der Thomaskirche, vom Donnerstag, 14. Juni 2007, 20:00 Uhr.

Thomaskirche Leipzig

Ein absoulutes Highlight ist es jedesmal, ein Konzert mit Sir J.E. Gardiner, den Baroque Soloists, Monteverdi Choir und den ausgezeichneten Solisten, besuchen zu können.

Gardiner hat sich mit den beiden Klangkörpern ein Instrumentarium geschaffen, das in seiner Vollkommenheit, Perfektion und Flexibilität seinesgleichen sucht. Mal besetzt er alle Instrumentenstimmen nur einfach und die Chorstimmen lediglich doppelt (mit ausgewiesenen Solisten), mal nutzt er eine Besetzung, die eine große barocke Wiedergabe ausstrahlen kann.….

Die Aufführung in der Thomaskirche mit frühbarocke Motetten, Kantaten, Arien und Lamenti, wie sie Bachs Verwandte: Johann Christoph Bach, Georg Christoph Bach und Johann Michael Bach in den letzten Jahrzehnten des 17.Jahrhunderts schufen, sind sehr sensible, fast zerbrechliche Werke zwischen poly- und homophoner Musik. Strenge Kompositions-Sätze wechseln mit nuancenreichen Improvisationen, und den Verzicht auf unnötige Verzierungen, sowie extravagante Eskapaden und aufgesetzte Phrasierungen machte das Konzert am Donnerstag zu einem unvergesslichen Erlebnis, diese Werke aus dem „Alt-Bachisches-Archiv“ sollten des Öfteren zu Gehör gebracht werden, zumal sicherlich noch manch unerforschter Schatz dieser Epoche gehoben werden kann.

Als ein wahrer Bach-Interpret, der diesen filigranen Werken mehr als gerecht wird, ist einfach Gardiner zu benennen mit seinem hervorragenden Klangkörper und Sängern. Wie durchdacht und in einem respektvollen Umgang er diese Werke darbot, war ein Erlebnis purer Größe und Einmaligkeit..-.In den Motettenwerken von Johann Christoph Bach, „Der Gerechte, ob er gleich zu zeitlich stirbt”, (5-stimmiger Chor und Basso continuo) und in der Motette: „Fürchte dich nicht“ erklangen ungewöhnlich zarte Werke, gesungen von erhabener Schönheit und entsprechender instrumentaler Bass-Begleitung von vollendeter Musizierpracht.

Herausragend die Sopranistin Julia Doyle und ebenbürtig die unvergleichlich klare Stimme der Altistin Claire Wilkinson, vermochten Glanzpunkte zu setzen. Ebenbürtig und in einem Atemzug sind die stimmlich hervorragenden Bassisten Peter Harvey, Mathew Brook und der Tenor von James Gilchrist zu nennen, die klar und wortverständlich einen ausgezeichneten Gesangspart lieferten.

Foto: Die Lautenisten Jakob Lindberg und Björn Colell

Wann hört man schon einmal so spärlich besetzte Instrumentalisten und Sänger, das Mittelalter des Minnegesangs erblühte zu neuem Glanz in der Thomaskirche, dank einer vorzüglichen Spielweise der beiden Lautenisten Jakob Lindberg und Björn Colell setzten sie Glanzpunkte in diesen filigranen Werken.Die ausgefeilte Spielweise der Geigensolistinnen, voran die Konzertmeisterin Maya Homburger, die Traversflöten (Rachel Beckett) und Oboe (Michael Niesemann), erheben die Darbietung zu einem waren Kunstgenuss.


Foto: Rachel Beckett, Traversflöte, Maja Homburger Violine, Michael Niesemann, Oboe.

Als Abschluss bildete das BWV 198 „Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl,” – (Trauer-Ode auf den Tod der Königin Christiane Eberhardine, Gattin August des Starken, die nicht dem Katholizismus beitrat, sondern Protestantin blieb) – einen krönenden Abschluss. Sie steigerten sich in einen wahren Musizier-Rausch, eine beeindruckende Wiedergabe beendete einen Konzertabend, der lange im Gedächtnis haften bleiben wird.

Foto: Tosender Schluss-Applaus nach einem fantastischen Konzert mit Trauerkantaten ! -.-Nach einem faszinierenden Konzertabend können sich Gardiner und seine Aufführenden nach einem tosenden und nicht endend wollenden Schlussapplaus nur durche eine Zugabe in den Abend retten.

Gruß Volker

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Ein zwiespältiges Abendkonzert-Erlebnis mit Sir John Eliot Gardiner, der Sächsischen Staatskapelle in der Frauenkirche Dresden am Samstag, 23.6.2007.


Hallo,

nun komme ich zum zweiten Teil meiner Ausführungen, über die Konzertreihe in Dresden im Juni 2007.

Nach dem totalen Reinfall vom Vortage waren wir nun gespannt auf das Konzert mit Sir J.E. Gardiner, der Sächsischen Staatskapelle und dem Monteverdi Choir.

Nachstehend das Programm:

23.06.2007, 20.00 Uhr,

Frauenkirche Dresden
Monteverdi Choir und Solisten,
Sächsische Staatskapelle Dresden
Ltg. Sir John Eliot Gardiner

Jan Dismas Zelenka
«Miserere» c-Moll

Johann Sebastian Bach
Missa h-Moll BWV 232I

Joseph Haydn
Messe B-Dur HOB. XXII:14
(«Harmoniemesse»)

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Foto: Frauenkirche Dresden

Voller Spannung erwarteten wir nun nach dem enttäuschenden Orgel-Konzert vom Vortag eine filigrane Wiedergabe mit barocken Werken.

Beginnend mit dem “Miserere c-moll” von Jan Dismas Zelenka (1679-1745), wurde von Sir John Eliot Gardiner für den Abend eine Werksauswahl mit Dresdener Kompositionen ausgewählt. Zelenka war ein Zeitgenosse von J.S. Bach und stammte aus Böhmen, er war als Kontrabassist am Dresdener Hof verpflichtet, 1735 wurde Zelenka in Dresden zum Kirchen-Komponisten ernannt, und verstarb dort 1745.

Das Werk wird besetzt mit Sopran, Chor, 2 Oboen, Streicher und Basso continou und beginnt und endet mit einem Satz über den Text “Miserere mei Deus” (Herr sei mir gnädig). Für unsere Ohren gewöhnungsbedürftig die “Sächsische Staatskapelle” besetzt mit Modernen Instrumenten. Hier hätten wir uns lieber die Baroque Soloists gewünscht mit ihrem furiosen barocken Klang, aber Gardiner suchte die Herausforderung.

In seinem vorab gegebenen Interview sagte er:

Frage: Haben Sie bestimmte Vorgaben im Voraus gemacht, was die Aufführungspraxis oder Besetzung des Orchesters angeht?

Gardiner:
Nein, ich bin ein praktisch veranlagter Dirigent – ich höre zu, was gespielt wird und wir werden sehen, wie wir zusammenkommen. Nicht didaktisch, pädagogisch – ich bin kein Fanatiker und ich schätze das Orchester sehr. Der Zweck der Zusammenarbeit ist ja gerade die musikalische Begegnung, sonst hätte ich auch mein eigenes Orchester mitbringen können. Eigentlich ist das ja vergrößerte Kammermusik, man muss den Musikern einzeln respektvoll und mit Freude zuhören und sie zu dieser Musik einladen. So kann man zusammen musizieren ohne hierarchischen Dogmatismus.

Zitat-Ende!

Auf diese Herausforderung hätten wir gerne verzichtet und sein eigenes Orchester gehört. Da gefällt mir die Einspielung von Hermann Max, mit seinem Barockorchester bedeutend gefälliger. (Eine Hörprobe werde ich von H.M.zur Verfügung stellen).

-.-.-.-.


Foto: Konzertbeginn mit Zelenka, problematisch die Aufstellung der Gasangs-Solisten, Mitte hinten ! Eine Katastrophe war der Sopran-Part von der sonst so ausgezeichneten “Miriam Allan” in Satz drei “Gloria Patri”, sie vermochte mit ihrem Gesangs-Volumen bis zur Mitte des Kirchenschiffes in etwa hörbar gewesen sein, uns erreichte wegen der Größe der Frauenkirche, und sitzend, gegenüber dem Altar- und Aufführungsraum auf der 1. Empore, nur ein kaum hörbarer Gesang, leider.

Wie überhaupt vor der Pause eine problematische Akustik vorherrschte, wie mag die Probe am Vormittag verlaufen sein, die Hörbarkeit war für uns absolut mangelhaft, ein erträgliches Hörerlebnis erfuhren wir nur, wenn alle Beteiligten voll in das Werk integriert wurden! Wir sahen uns an und waren der Meinung: “Sollte es wieder ein nicht mundender Konzert-Abend werden!” Es war wie verhext, dieser Kirchenraum scheint wohl nur mit Problemen behaftet zu sein, oder täuschen wir uns?

Foto: Pausen-Applaus für Gardiner und die Sächsische Staatskapelle sowie dem Monteverdi Choir, Gesangs-Solisten: Miriam Allan (Sopran), Clare Wilkinson (Sopran II, Alt), Nicholas Mulroy (Tenor), Matthew Brook (Bass). Konzert am 23.6.2007 in der Frauenkirche Dresden.

Die Miserere-Messe wurde von dem Monteverdi Choir hervorragend vorgetragen, sie waren einschließlich Solisten, in einer 31-Sänger- (innn) Kopf- Anzahl vertreten, ( so einen Gewalt-Chor habe ich bei Gardiner noch nicht erlebt !), was bei der problematischen Akustik der Frauenkirche wohltuhend registriert werden konnte und sie waren fantastisch zu hören. Zelenkas Messe fließt in einer ruhigen und gleichmäßigen konzertanten Musik, ohne nennenswerte Höhepunkte.

Der Programmpunkt zwei beinhaltete die Missa in h-Moll, BWV 232I (in der Fassung von 1733, – ca. 60 Minuten Aufführungsdauer – , aus deren Kyrie und Gloria schließlich die berühmte h-Moll-Messe werden sollte, BWV 232, in der Fassung von 1749). Die Missa in h-Moll, BWV 232I war Bachs Bewerbungs-Komposition an den Dresdener Hof, 1733, zur Erlangung des Titels: “Königlicher Hof-Compositeur.”

Diese uns bekannte Messe in h-Moll, BWV 232, müssen wir bereits mit Gardiner in Ludwigsburg, im Jahre 2004 gehört haben, denn die dortige Aufführungszeit belief sich auf etwas über 60 Minuten und muss sich um die Kurzfassung (BWV 232I) gehandelt haben?

Die einzelnen Stimmen des einunddreißigköpfigen Chors, aus dem auch die Solisten nach und nach für die Soloparts hervortreten, sind einheitlich in ihrer Färbung, präzise und schlank in der Stimmführung.

Wenig heraushörbar die Gesangs-Solisten: Miriam Allan (Sopran) Clare Wilkinson (Sopran II, Alt), Nicholas Mulroy (Tenor), Matthew Brook (Bass), aufgrund der miserablen Akustik und ihre Plazierung in der Frauenkirche, wie bereits erwähnt, erreichte uns nicht der Gesang auf der 1. Empore, großartig und hörbar gelingen die Chor-Partien, das Orchester mit modernen Instrumenten bestückt, waren durchaus annehmbar und gaben der Bach-Messe gekonnt ein prägendes Musizier-Erlebnis.

Als eine Präferenz-Aufführung kann sie nicht unbedingt herhalten, da gefiel uns die Aufführung in Ludwigsburg, trotz der trockenen Akkustik dort, allemal gefälliger, das Broque Orchester wurde in Dresden absolut vermisst.

Foto: Wartendes Orchester, Chor und Gesangs-Solisten nach der Pause auf den Sir !

Was sich dann nach der Pause tat, kommt einem Wunder gleich. Draußen hielt ich mich in der Pause kurz auf und ging um die Frauenkirche, stoppte meine Schritte und bemerkte, dass sämtliche Gesangs-Solisten die Zeit nutzten, sich nochmals einzusingen, war das ein Schlüssel zum Erfolg für den 2. Teil des Konzertes?

Den Schlußpunkt setzte man mit Joseph Haydn. Messe B-Dur Hob. XXII:14 (Harmoniemesse), eines der Spätwerke von Joseph Haydn von 1796.

Man sah sich genötigt zu träumen, bist du in einem anderen Konzertsaal, wie gewandelt erklang das Orchester, die Gesangs-Solisten waren nun deutlich hörbar bis zur 1. Empore zu vernehmen, hier scheint es in der Pause wohl erregte Diskussionen gegeben zu haben, denn diese Aufführung war das “Non plus Ultra” des Abends. Eine nicht zu toppende und betörende Wiedergabe, alle waren bemüht, den Abend zu retten, hier scheint der Sir wieder in seinen Zauberkasten gegriffen zu haben, die Gesangs-Solisten platzierte er nach vorne an die Bühne, dass war mit ein Schlüssel zum Erfolg. Kräftig und Ausdrucksstark sangen sie nun ihren Part, der sich absolut wohltuhend von dem zuvor Gehörten, abhob, eine fantastische Leistung,

Die üblicherweise so ausdrucksstarken Sängerinnen (Miriam Allan; Clare Wilkinson) und Sänger (Mattew Brooks) boten nun eine Glanz-Vorstellung, das war genau die Musik, die wir vom Sir gewohnt sind, wortverständlich und in ihren unnachahmlichen Gesangs-Nuancen wurde wie selbstverständlich der Monteverdi Choir mitgerissen, wir erlebten eine Sternstunde mit Haydn-Musik.

Die B-Dur Messe enthält so viel an Feinheiten, die aber meinen schon so umfangreichen Bericht sprengen würde, romantische Anklänge der beginnenden Klassik-Zeit waren heraushörbar mit ebenso wunderbaren Barock-Klängen, ein vortreffliches Werk, das ich wärmstens empfehlen kann.

Foto: Schluss-Applaus in der Frauenkirche Dresden am 23.6.2007, im Vordergrund Die Gesangs-Solisten und Sir J. E. Gardiner.

Beglückt darüber, dass wir nun doch noch nach der Pause eine vortreffliche Darbietung erleben durften, verließen wir die Aufführungsstätte. Gedankenversunken sinnierten wir, wie wäre es gewesen, wenn der 1. Teil ebenso fantastisch abgelaufen wäre……….!!

Grüße

Volker

P.S.

*) Eine Anmerkung von der Misa in h-Moll, BWV 232I und der Bearbeitung von Bach zur berühmten h-Moll-Messe stelle ich im Nachgang den Interessierten zur Verfügung!

Bach arbeitete zu unterschiedlichen Zeiten an dieser Messe: Das Sanctus wurde bereits 1724 für den ersten Weihnachtstag komponiert.

1733 entstanden das Kyrie und das Gloria (Missa brevis). Diese erste Fassung war sowohl im lutherischen wie im katholischen Gottesdienst verwendbar. Die 21 Stimmen dieser Fassung reichte Bach mit einem Widmungsschreiben im Juli beim katholischen Dresdner Hof ein, verbunden mit der Bitte um Verleihung des Titels eines “Hof-Compositeurs”. Erst nach vielfachen Erinnerungen, weiteren Widmungen und zahlreichen Konzerten wurde ihm der Titel eines “Kurfürstlich-sächsischen und königlich-polnischen Hofcompositeurs” im November 1736 verliehen. (Aufführungsdauer; ca. bis 70 Minuten)

1748 entschloss sich Bach, die Messe um Credo, Sanctus, Osianna, Benedictus, Agnus-Dei und Dona nobis pacem zu erweitern, teils durch Neukompositionen, teils durch parodierende Umarbeitung vorhandener Sätze aus seinen Kantaten.

Zwar wurde die h-Moll-Messe BWV 232, in der Bach-Familie als „catholische Messe“ bezeichnet, dennoch unterscheidet sich der Text an zwei Stellen vom katholischen Messentext: Entsprechend der Fassung von Martin Luther ist im Gloria nach Domine, fili unigeniti, Jesu Christe das Wort altissime eingefügt. Im Sanctus steht statt Gloria tua entsprechend Jesaja 6,3 gloria ejus. (Aufführungsdauer: ca. bis 110 Minuten).

(Quelle: http://medienturm.ag-server.de/ und Christoph Wolff, Booklet, Gardiner h-moll-Messe, Archiv 1985


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Fantastische Michaelis-Kantaten erklangen im Braunschweiger Dom


Hallo,

was gestern Abend im Braunschweiger Dom zu erleben war, entsprach einer genialen Veranstaltung mit den Michaelis-Kantaten. Gardiner mit seinem Barockorchester und Monteverdi Choir sang vor dem Beginn der Pause das BWV 50 “Es ist das Heil und die Kraft” mit ca. 30 Sänger(innen).

Foto: Tosender Applaus für Sir J.E. Gardiner am 29.9.2009 im Braunschweiger Dom

(Fotorechte: V.Hege)

Foto: Barock-Trompeter der Extra-Klasse

Es war überwältigend, die Stimmung war wie in einem Pop-Konzert, die Besucher standen Kopf, das hat der alte Dom wohl noch nicht erlebt, einfach ein überwältigendes Erlebnis des ganzes Konzertes. Leipzig wurde getoppt….

Ausführliche Rezension folgt.

Grüße
Volker

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Ein Konzerterlebnis der Besonderheit mit J.E. Gardiner dem Monteverdi Choir und English Baroque Soloists in Braunschweig!


Hallo zusammen,

nun möchte ich meinen persönlichen Bericht des fantastischen Konzertes mit den Michaelis-Kantaten vom 29. September 2007, Aufführungsort: Braunschweiger Dom St. Blasii, wiedergeben.

Programm

Johann Christoph Bach (1642-1703) Kantate: „Es erhub sich ein Streit“
Johann Sebastian Bach (1685-1703) Motette: BWV Anhang 159 „Ich lasse dich nicht“
Johann Sebastian Bach Kantate: BWV 19 „Es erhub sich ein Streit
Johann Christoph Bach Motette: „Unsres Herzens Freude hat ein Ende“
Johann Sebastian Bach Kantate: BWV 50 „Nun ist das Heil und die Kraft“

Pause

Johann Sebastian Bach Kantate: BWV 130 „Herr Gott, dich loben alle wir“
Johann Christoph Bach Motette: „Lieber Herr Gott, wecke uns auf“
Johann Sebastian Bach Kantate: BWV 149 „Man singet mit Freuden von Sieg“

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Ausführende

Monteverdi Choir
English Baroque Soloists
Leitung: Sir John Eliot Gardiner

Gesangs-Solisten: Julia Doyle, Sopran; Clare Wilkinson, Alt; Nicholas Mulroy, Tenor; James Gilchrist, Tenor; Peter Harvey, Bass; Matthew Brook, Bass.

Trompete: Neil Brough, Michael Harrison, Robert Vanryne, Paul Sharp. Orgel: Silas Standage.
1. Geige: Maya Homburger; 2. Geige: Anne Schumann; Viola: Jane Rogers; Cello: David Watkin; Flöte: Rachel Beckett; Kontrabass: Valeri Botwright; Fagott: Györgyi Farkas; Oboe: Michael Niesemann; Pauke: Rober Kendell; Cembalo: Edmund Connolly.

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Die Anfahrt zum Konzert entpuppte sich zu einem Fiasko, A 2 mit 14 km und weiteren 4 km Stau, unheimlicher Regen zwang uns dazu, die Bundesstraße 65 zu benutzen. Nach drei Stunden erreichten wir Braunschweig und stärkten uns in der Nähe des Domes erst einmal mit einem Cappuciono.

Gefreut haben wir uns auf das Treffen mit einer Mini-Gruppe vom Blog – anderthalb Stunden vor Konzertbeginn – am Monument mit dem „Löwen“ vor dem „Dom St. Blasii“.
Es war ein schönes Kennenlernen mit Mitgliedern vom Blog und machte Spaß und Freude auf ein weiteres Wiedersehen.

Kleine Eingriffe in der Programmabfolge – im Gegensatz zu dem Konzert am 15. Juni 2007 in der Nikolaikirche in Leipzug – unternahm Gardiner in Braunschweig.

Das geistliche Konzert: „Der Herr ist König, darum toben die Heiden“ von Johann Michael Bach (1648-1694) wurde ganz ausgelassen, – mag es hier Urheberrechtliche Bestimmungen gegeben haben, (dieses Werk schlummerte unerkannt in Ansbach und wurde erst vor kurzem ans Licht der Öffentlichkeit gebracht), das Werk erklang nach 300 Jahren erstmals wieder in der Nikolaikirche am 15.6.2007 unter der Stabführung von Gardiner, – es wurde ersetzt mit der einstrophigen Motette aus dem „Altbachisches Archiv“ von Johann Christoph Bach (1642-1703) „Unsres Herzens Freude hat ein Ende“.

Nach einer viertelstündigen Verspätung, der altehrwürdige Dom war bis auf den letzten Platz besetzt mit ca. 2000 Besuchern, erklang die grandiose Kantate des Eisenacher Organisten von Johann Christoph Bach (1642-1703), „Es erhub sich ein Streit“. (Den besonderen Reiz dieses Werkes erkannte auch J.S. Bach und diente als Vorlage für seine Kantaten-Komposition BWV 19 mit dem gleichlautendem Titel: „Es erhub sich ein Streit“).

Mit den einsetzenden Trompeten, Pauke und Monteverdi Choirs war ich erstaunt über die Halligkeit des Domes und musste mich an diese Akustik erst einmal gewöhnen.
Glanzlichter dieser Kantate sind die festlichen Trompetenklänge und das außergewöhnliche Singen des Monteverdi Choirs, es entpuppte sich als Einstiegs-Droge für mehr….

Mit der darauf folgenden dreisätzigen Motette: BWV-Anhang 159, „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, offenbarte sich die prägnante Gesangs-Kulur des Chores.
Leider wurde der Choral, 2. Satz, „Lob, Ehr und Preis sei dir gesagt“, ausgelassen, warum das geschah, bedarf noch der Klärung….

Im Gegensatz zur Aufführung in der Nikolaikirche in Leipzig, im Juni 2007, wurde von J.S. Bach die Kantate: BWV 19 „Es erhub sich ein Streit“ im 1. Teil der Aufführung im Dom zu Gehör gebracht.

Im 1. Satz wurde prächtiger Streitgesang geboten die Trompeten und das Barockorchester liefen zur Höchstform auf, das ist Barockmusik zum Verlieben schön.
In dem Rezitativ für Bass „Gottlob der Drache liegt“ glänzte wieder einmal Peter Harvey mit seiner makellosen Stimme und überzeugenden Wortartikulation…..

Im 3. Satz; die Arie für Sopran: „Gott schick uns Mahanaim zu“ erklingt ein warmherziger Sopran, brillant im Stimmvolumen und überzeugend Julia Doyle, ein herrlicher Gesangsvortrag,

Überragend gelingt James Gilchrist die Arie für Tenor im 5. Satz: „Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir“, hier wird ein Gesang zelebriert, der mich aufgrund des innigen und perfekten Vortrages zutiefst zu berühren weiß, was ist das für ein Tenor, er beschwört förmlich die Engel zu bleiben wie es vortrefflicher nicht gesanglich geboten werden kann, er ist ein ganz Großer in der Tenor-Gilde, absolut ein Spitzenkönner…., wie überragend in der Zürückhaltung im Ton sehr gut disponiert die fantastische Trompetenbegleitung von Neil Brough, sowie herrlich und akzentuiert spielende Barocke Soloists, das ist „Göttliche Musik“ im wahrsten Sinne des Wortes, hier versteht es Gardiner einfach grandios, entsprechende Akzente zu setzen, absolute Höhepunkte gelingen allen Beteiligten in diesem fantastischen Kantatenwerk.

Beglückend erklingt am Ende der Kantate als ein krönender Abschluss der Choral: „Laß dein’ Engel mit mir fahren“, Getragen und zu Herzen gehend gesungen begeistert dieser großartige Chor die Zuhörer.

Im Anschluss erfolgte die einstrophige Motette von Johann Christoph Bach „Unsres Herzens Freude hat ein Ende“. Sie wurde großartig Schlank und nuancenreich gesungen.

Vor Beginn der Pause erklingt als ein zusätzliches Highlight an diesem Abend die Kantate von J.S. Bach als ein Fragment, BWV 50 „Nun ist das Heil und die Kraft“,
Für mich eines der großartigsten Kompositionen, die in der Barockzeit geschaffen wurde. Wenn auch die Autorenschaft zwiespältig erscheint, kann so eine großartige Komposition nur aus der Feder des Übervaters: “Johann Sebastian Bach“ stammen…

Was die Ausführenden an Genialität und Musizierfreude in diesem Vortrag zum Besten gaben, kann nicht mehr getoppt werden. Gardiner beweist wieder Gespür dafür, wie so ein kraftstrotzendes Werk zu interpretieren und vorzutragend ist, es mundete prächtig und ließ eine faszinierte Hörerschaft schier aus dem Häuschen geraten. Donnernder Applaus erschütterte den altehrwürdigen Dom, die Besucher entließen die Protagonisten nur ungern in die Pause. Dieses Fragment hätte ich gerne am Schluss der Veranstaltung gehört, es wäre der krönende Abschluss eines unvergesslichen Abends geworden.

Ich merke, dass durch mein schwärmen für diesen großartigen Bach-Abend mein Bericht darüber ins uferlose gerät, deshalb will ich nur kurz die Höhepunkte der Werke, die nach der Pause erklangen, wiedergeben.

Johann Sebastian Bach, BWV 130 „Herr Gott, dich loben alle wir“

Hier möchte ich die berauschende Arie in Satz 3 für Bass „Der alte Drache brennt vor Neid“, hervorheben, ein stimmlich perfekter Bass-Bariton, Peter Harvey, verleiht dieser Arie die entsprechenden gesanglichen Nuancen. Die prächtigen Trompeten wissen das entsprechend zu unterstützen…

Glücklich ist die Besetzung für das Duo (Sopran: Julia Doyle und Tenor: James Gilchrist) als Rezitativ „Wohl aber uns, dass Tag und Nacht“,

Ein weiterer Glanzpunkt der Satz 5 in Begleitung mit der Flöte singt der Tenor James Gilchrist eine zu Herzen gehende Arie „Laß o Fürst der Cherubinen“. Was dieser Sänger zustande bringt entspricht in der Tat einem Cherubinen-Gesang, bezaubernd seine gesanglichen Qualitäten, er überrascht mich immer wieder aufs Neue. Als eine vortreffliche Partnerin im Flötenspiel ist Rachel Beckett lobend zu erwähnen.

Ein prächtiger Schluss-Choral beschließt dieses hervorragende Kantatenwerk. „Darum wir billig loben dich“ wird in der bezaubernden Wiedergabe durch den Monteverdi Choir und durch eine entsprechende Dramaturgie und Akzente setzenden Gardiner zu einer mustergültigen Wiedergabe.

Die anschließende Motette von Johann Christoph Bach „Lieber Herr Gott wecke uns auf“ setzte den faszinierenden Gesang fort wie Eindrücklich der Chor agiert ist immer wieder zu bewundern…..

Den Schlusspunkt des Konzertes bildete die Kantate von J.S. Bach das BWV 149 „Man singet mit Freuden vom Sieg.“

Die einleitenden Trompeten schmettern das Thema hervorragend heraus, und wird grandios vom Chor gesanglich übernommen, es erklingt eine in sich überzeugende klangliche Einheit mit einer berauschenden Interpretation.

Der 2. Satz mit der Arie für Bass (Peter Harvey) „Kraft und Stärke sei gesungen“ ist ein bezauberndes Stück an Barock-Kultur. Das Fagottspiel untermalt genial den Gesang eines bestens aufgelegten Bassisten, der vor Kraft und Stärke sinngemäß des Textes eine Top-Besetzung darstellt.

Leicht abfallend erscheint mir im 3. Satz die sonst so überzeugende Altistin, Clare Wilkinson“, sie hatte nicht ihren besten Tag, dünnlich war ihre sonst so starke Stimme nur zu vernehmen in dem Rezitativ: „Ich fürchte mich vor tausend Feinden nicht.“ (in der CD 2; SDG 124, Vol. 7, singt diesen Part der Altus Richard Wyn Roberts, da passt meines Erachtens die vorgenannte Sängerin als Altistin hervorragender hin…).

An dem Abend ist einmal lobend der Soprangesang von Julia Doyle zu erwähnen, kraftvoll und gesanglich immer überzeugend singt sie in der anschließenden Arie: Gottes Engel weichen nie.“ absolut herzzereißend. Diese Arie, das BC und der Gesang bildeten eine geschlossene Einheit von vollendeter Schönheit, das war ein Engelgesang und Engelmusik der besonderen Art, das Herz öffnete sich und vernahm überirdische Musik….

Diese himmlische Musik ist im Arien-Duett des 6. Satzes für Alt und Tenor mit dem „Seid wachsam ihr heiligen Wächter“ wieder zu vernehmen. Das einsetzende beseelende Fagottspiel von Györgi Farkas und die herrlich zusammenpassenden Gesangspartner (Clare Wilkinson, Sopran und James Gilchrist, Tenor) erzeugen Traummusik, die einen erschauern lässt…..

Die wunderschöne Kantate schließt mit einem prächtigen Choral: „Ach Herr lass dein lieb Engelein.“ Es ist für mich eines der schönsten Bach-Choräle, ich genoss in vollen Zügen diesen fantastischen Gesang des Monteverdi Chores und konnte mich nicht satt hören, meine Rührung konnte ich nicht verbergen, die Tränen standen mir in den Augen, ob dieser fantastischen Wiedergabe. Es war der krönende Abschluss eines wiederum zu geniessenden und überragenden Konzertabends.

Meine Liebe zu Gardiner und seinen Protagonisten erfuhr hier wieder seine Bestätigung aufgrund der Großartigkeit, wie er Spannungen aufbaut und Nuancen in der Interpretation setzt, erzeugt bei mir immer ein Gänsehauterlebnis, was ich bei anderen Interpreten des öfteren so schmerzlich vermisse.
Ein schier ausgelassenes Publikum dankte den Aufführenden für ein unvergessliches Musizieren, wenn Gardiner seine Truppe nicht vom Podium geholt hätte, wären wir heute noch applaudierend zugegen…., einfach wunderbar, so etwas erleben zu dürfen!!!

Grüße

Volker
P.S. Hier ist der Link zum Picasa Webalbum “Gardiner-Konzert in Braunschweig am 29.9.2007

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Helmstedt, 28.9.2007 – Ein zutiefst beeindruckendes Konzert


11.10.2007 von Barbara.

Um das Ende gleich vorweg zu nehmen – ich bin nach diesem Konzert mit einem ganz tiefen Frieden in meinem Herzen zurück ins Hotel gegangen. Was eigentlich paradox klingt, da die meist gebrauchten Worte des Abends Tod, Tränen, Weinen usw. waren. Aber die Worte sind eins und die Musik das andere. Aber von Anfang an:

Das Konzert mit dem Programm ” Bach-Familie” fand in der Klosterkirche St. Marienberg statt. Diese Kirche ist eine romanische Pfeilerbasilika (sehr alt also) mit einer hölzernen Flachdecke, was ein wenig anheimelnd wirkte. Die Musiker waren im hinteren Altarraum postiert, während sich im vorderen Altarraum die “besten” (und teuersten) Zuschauerplätze befanden. Was die vielen Besucher im langen Kirchenschiff, mehrere Stufen tiefer gesehen und vor allem gehört haben, wage ich mir nicht vorzustellen. Aber für die Priviligierten in den oberen Reihen ergab sich, vor allem auch wegen der kleinen Besetzung, der Eindruck eines exzellenten intimen Kammerkonzertes.

Foto: Aufführungsstätte “Klosterkirche St. Marienberg” Helmstedt

Folgende Werke kamen zur Aufführung:

Johann Christoph Bach: Herr wende dich und sei mir gnädig
Johann Christoph Bach: Fürchte dich nicht
Johann Christoph Bach: Wie bist du denn, o Gott
Johann Christoph Bach: Aria: Mit Weinen hebt sich’s an
Johann Sebastian Bach: BWV 106 Actus Tragicus: Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit
Johann Christoph Bach: Der Gerechte ob er gleich zu zeitlich stirbt
Johann Christoph Bach: Ach, dass ich Wassers gnug hätte
Johann Christoph Bach: Es ist nun aus
Johann Sebastian Bach: BWV 198 Trauerode “Lass Fürstin”

Die Besetzung war absolut minimalistisch, oft nur solistisch besetzt. Deshalb führe ich hier einmal alle, durch die Bank exzellenten Musiker auf:

Miriam Allan, Julia Doyle, Sopran; Clare Wilkinson, Alt; Jeremy Budd, James Gilchrist, Nicholas Mulroy, Tenor; Matthew Brook, Peter Harvey, Bass

Maya Homburger, Kati Debretzini, Geige; Jane Rogers, Viola; David Watkin, Cello; William Carter, Lynda Sayce, Laute; Richard Campbell, Reiko Ichise, Viola da Gamba; Kate Latham, Blockflöte; Rachel Beckett, Christine Garratt, Traversflöte; Michael Niesemann, Molly Marsh, Oboe; Valerie Botwright, Kontrabass; Silas Standage, Orgel und Cembalo

Leider fand während des Schlussapplauses in Braunschweig, als es mich nicht mehr auf dem Stuhl hielt, wo ich mein Programmheft abgelegt hatte, jemand selbiges so interessant, dass er es an sich genommen hatte. Dort hatte ich zu jeden Stück die Interpreten (sehr spannend, wie unterschiedlich die Besetzungen waren) und meine Eindrücke (es wimmelte nur so von beeindruckend, ausdrucksvoll, eindringlich, intensiv und ähnlichen Adjektiven) notiert. Das fehlt mir jetzt leider, sodass ich ziemlich ungenau bleiben muss und nicht jedes Werk entsprechend würdigen kann.

Das erste Stück des Konzertes – Johann Christoph Bach: Herr wende dich und sei mir gnädig – war ein sehr eindrücklicher Klagegesang (Clare Wilkinson, Nicholas Mulroy, James Gilchrist), der von einer Vox Dei (Matthew Brook) in steigender Intensität unterbrochen wurde. So wurde die tröstende Kraft Gottes (Lass dich an meiner Gnade begnügen) sehr deutlich hörbar. Der abschließende Choral “Frisch auf mein Seel und zage nicht” war wirklich sehr frisch gesungen und musiziert, vor allem die Violine mit ihren scharfen Punktierungen sorgte für reichlich Bewegung. Die Intensität, mit der musiziert wurde, war sehr beeindruckend.

Johann Christoph Bach: Fürchte dich nicht wurde auch in sehr kleiner Besetzung musiziert. Hier ist mir besonders der Choral “O Jesu du, mein Hilf und Ruh” in Erinnerung, der von Miriam Allan mit ihrer klaren und durchdringenden Stimme aus dem Hintergrund sehr zu Herzen gehend gesungen wurde.

Welcher der beiden Bässe das folgende Lamento gesungen hat, weiß ich nicht mehr. Ich glaube es war Peter Harvey. Wer auch immer, es war sehr eindruckvoll. Vor allem die fulminante Solovioline (Maya Homburger), die im Gegensatz zu dem klagenden Bass sehr lebhafte Melodien hatte. Hier war ich überrascht, wie viele Farben ein einzelner Ton haben kann. Unglaublich.

Nach dem homophonen “Mit Weinen hebt sich’s an” – sehr eindringlich – wurde der erste Teil mit dem Actus Tragicus beschlossen. Vor allem Clare Wilkinson beeindruckte in ihrer Arie mit einer tiefen Innigkeit. Aber eigentlich ist es nicht fair, gerade hier einzelne Sänger heraus zu stellen, da das ganze Werk sehr zu Herzen gehend war.

Foto: Klosterkirche St. Marienberg, von links: J.E. Gardiner, James Gilchrist,

Jeremy Budd, Miriam Allan, Julia Doyle

Nach der Pause war für mich das beeindruckendste Stück das Lamento ” Ach, dass ich Wassers gnug hätte” für Alt. Ein klein wenig Ironie am Rande: Clare Wilkinson, die an diesem Abend praktisch ständig beschäftigt war, kämpfte vor dieser Arie mit ihrer Wasserflasche. die sich nicht öffnen ließ. Das Orchester stimmte und stimmte, sie kämpfte tapfer weiter, die Tenöre und Bässe, die auch an der Seite saßen, schauten interessiert zu, das Orchester stimmte weiter, bis sich Katherine Adams erbarmte und ihr eine andere Wasserflasche öffnete. Sie nahm einen tiefen Schluck, ging auf die Bühne und klagte verzweifelt nach Wasser. So viel Verzweiflung in der Stimme war fast nicht zu ertragen. Eine Sternstunde. Ich war so beeindruckt, dass ich über von der folgenden Trauerarie (von allen Sängern gesungen) nur noch weiß, wie beeindruckend das jede Strophe beendende “Welt gute Nacht” immer intensiver, aber auch ruhiger wurde. Ein Widerspruch, ich weiß, aber das ist hängen geblieben. Die das Konzert beendende Trauerode hat mich nur noch träumend erreicht, es war einfach nur schön.

Allen Stücken gemeinsam ist, ich wiederhole mich, dass unglaublich einfühlsam, ausdrucksstark und zu Herzen gehend musiziert wurde. Manches Mal waren die Töne jenseits aller Schönheit, sie waren nur noch ganz tief empfunden, voller Schmerz oder voller Mitleid. Auch wenn ich nicht jeden Sänger gewürdigt habe, jeder einzelne verdient und vor allem John Eliot Gardiner, der diese unglaubliche Intensität auf seine Musiker übertragen hat, die größte Bewunderung und alle zusammen als Team sowieso. So niederdrückend die Texte auch waren, die Musik war voller Trost und Schönheit. Ich denke, dies ist die größte Botschaft des Abends: Ganz egal, wie besch…eiden vieles in diesem Leben ist, was alles schief geht, wo eigentlich nur noch Verzweiflung pur ist, über allem ist etwas, was größer ist und alles leichter macht. So wie an diesem Abend die Musik über die Worte triumphiert hat. Gekrönt wurde dies am nächsten Abend mit der Arie “Bleibt ihr Engel”, mit der James Gilchrist mitten in diesem lauten, pompösen Konzert einen Bogen zu dem Helmstedter Konzert geschlagen hat. Aber dies war ein anderes Konzert…

Foto: Klosterkirche St. Marienberg, Schluss-Applaus

Der Applaus sprach für sich – Standing Ovations – und eine traumhafte Zugabe, die noch einmal die Eindringlichkeit dieses Konzertes vertiefte. Ein richtiges “Geh nach Hause in Frieden – Stück”. Allerdings ging es nicht nur mir so. Beim Ausgang im Kirchenportal hörte ich die Fragen “Was war denn das?” und “Welche Sprache war das eigentlich?” Mittlerweile habe ich erfahren, dass es sich die Motette “Der Gerechte kommt um” von J.S.Bach handelte. Eigentlich ist das Stück von Kuhnau (Tristis est anima mea), das Bach mit einer Begleitung für Streicher und 2 Oboen versehen hat. Ein wunderbares Stück und ein wunderbarer Abschluss für einen Abend, der lange bei mir nachklingen wird.

Viele Grüße
Barbara

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Mein Kurzbericht vom Gardiner-Konzert


Hallo,

Ich hatte schon Sorge, dass die vielen Karnevalsmusikgruppen in der Philharmonie noch zu hören wären. Dem war natürlich nicht so.

Foto: Konzert von Monteverdi in der Kölner Philharmonie

Gardiner hat ein berauschendes Konzert hingelegt, so außer “Rand und Band” wie beim Requiem habe ich ihn noch nie erlebt. Ein ganz ausgesuchtes Programm führte über Schütz, J. Rudolf Ahle, J. S. Bach Heinricht Schütz und Christopf Bach bis zur Musik Brahms. Gardiner hat für mich die Wurzeln, aus denen Brahms kommt, in den ausgewählten Stücken fantastisch dargestellt. Aufgeführt in einer so subtieln und beeindruckend Art und Weise: Minibesetzung des Chores (8 Sänger/innen – vielleicht waren es auch 10.) und Minimalsbesetzung des Orchesters.

Bei dem “Es ist genug” von Ahle und J. S. Bach, Schlußchoral aus “o Ewigkeit du Donnerwort (BWV 60), war der Chor von solcher Weichheit und Zartheit und hauchte dieses “Es ist genug” wirklich aus. Ich hab` den Atem angehalten, weil ´diese Stücke wirklich überirdisch schön klangen. Dieses “überirdisch schön” wurde auch in der Pause immer wieder hervorgehoben; einfach eine großartige chorische und natülich Gardiner-Leistung.

Beim Requiem waren Monteverdichoir und l`orchestre révolutionaire et romantique in voller Besetzung zu erleben. Über 40 Sängerinnen und Sänger und ein riesen Orchester, das wirklich mit Pauken und Trompeten ein großartiges Feuerwerk veranstaltete. Gardiner hat auch an diesen fortissimo Stellen mit großartiger Sicherheit geführt und erst recht bei den Traumstellen, wie z. B. “Wie lieblich sind Deine Wohnungen”, in denen Chor und Orchester bis ins Pianissimo geführt wurden.

Die beiden Solisten, Camilla Tilling, Sopran und Matthew Brook, Bariton wirkten gegenüber dem Chor etwas schwach, sie haben mich nicht ganz überzeugen können. Und noch etwas ist mir aufgefallen: Gardiner hat im Frack dirigiert – ein ganz fremder Anblick. Das Konzert hat natürlich nicht darunter gelitten, es war einfach großartig. Von überirdisch schön bis zum rauschenden Feuerwerk war alles drin.

Jetzt muss ich erst wieder sehr lange bis auf das nächste Highlight warten.

Grüße

Iris

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ARCHIV-BEITRAG: Weinen in perfekter Harmonie in der Klosterkirche St. Marienberg Helmstedt


Weinen in perfekter Harmonie

„Festival Soli Deo Gloria gestern in Helmstedt eröffnet“

Das Festival Alter Musik im Braunschweiger Land gleitet mit den hohen christlichen Festen und den entsprechenden Bach-Kantaten durchs Jahr. Der künstlerische Leiter John Eliot Gardiner nimmt aber jeweils noch andere Werke der Zeit dazu.

In diesem Jahr hat er Kantaten rund um St. Michaelis ausgesucht – von Johann Sebastian Bach und seiner Familie. Eröffnung war gestern in der Klosterkirche St. Marienberg in Helmstedt.

Hier stand die Wiederentdeckung von Johann Sebastians Vorfahr Johann Christian (1642-1703) im Mittelpunkt. Groß und rührend ist er besonders im Klagen. Eindringlich gestaltete der Solist mit fast dramatischem Crescendo das Lamento „Wie bist du denn, o Gott“. Atemberaubend die Präzision und weiche Klanglichkeit der schlanken, fast vibratolosen Stimmen des Monteverdi Choirs in der Motette „Mit Weinen hebt sich’s an“: Das war perfekte Harmonie.

Unter Gardiners sanft zelebrierenden Gesten formte sich die Motette „Es ist nun aus“ mit dem Refrain „Welt gute Nacht“ zu einem heiter bewegten Weltabschied.

Von dieser Stimmung mochte Johann Sebastian gelernt haben, als er seinen Actus Tragicus schrieb. Gardiner und die Solisten bestachen auch hier durch eine so schwebend-feine, fast beschwingte Interpretation, dass man wirklich „mit Fried und Freud“ dahinfahren zu können glaubte. Grandios allein schon das Blockflötenduett der ohnehin fabelhaften English Baroque Soloists.

Mit Johann Sebastian Bachs Trauerode „Lass Fürstin“ endete dieses außerordentliche, gleichwohl leider nicht ausverkaufte Konzert. Langer, herzlicher Applaus.

Samstag, 29.09.2007

Artikel von: @Andreas Berger, Braunschweiger Zeitung

Archiv Beitrag: Tonhalle Zürich, Trevor Pinnock führte sämtliche Brandenburgischen Konzerte auf


Im Januar 2007 konnte ich in Zürich ein Extrakonzert der Tonhalle besuchen. Trevor Pinnock war mit seinem neuen Ensemble “European Brandenburg Ensemble” zu Besuch. Er feierte seinen 60. Geburtstag (geb. 16. Dez. 1946) und veranstaltete darum eine Tour durch die ganze Welt. Konzertthema: sämtliche Brandenburgische Konzerte. Das heisst, etwa 140 Min. Musik mit 20 Min. Pause.

Die Tonhalle war fast bis zum letzten Platz besetzt. Da ich ein halbes Jahr im Voraus buchte, sass ich in der 5. Reihe direkt vis à vis von Pinnock. Sein Ensemble besteht aus vielen jungen Leuten, etwa die Hälfte davon Frauen. Nur wenige sind vom English Concert bei ihm geblieben, was ich sehr bedaure. Meines Erachtens machte Pinnock mit dem neuen Ensemble einen Rückschritt. Sie spielen deutlich weniger gut, was aber ganz und gar nicht der Fehler des Dirigenten ist.

Ich besitze Pinnocks Aufnahme der Brandenburgischen aus den Jahren 1979, 1980, 1982. Nun will er alles neu aufnehmen und es wird demnächst sogar eine DVD von seiner Tour erscheinen! Zu meinem Erstaunen war die Interpretation genau gleich wie die frühen Aufnahmen. Ich erwartete schon gewisse Unterschiede, da er eine neue CD aufnimmt. Wie dem auch sei, Trevor Pinnock ist eine Garantie für ausgezeichnete Interpretation, Virtuosität und brillante Qualität. Das Konzert war in jeder Hinsicht ein Genuss.

Das Concerto No.5 BWV 1050 beinhaltet im ersten Satz ein risiges und fast unspielbares Cembalosolo. Dadurch wird dieses Concerto von vielen Musikern gemieden. Doch Trevor spielte dieses Solo mit einer Leichtigkeit und dem wahren Können eines Meisters. Ich hatte das Gefühl, als würde ich in einen grossen Teppich voller Musik und höchster Kunst hinab tauchen! Pinnock war dermassen konzentriert, dass er immer wieder zackig mit dem Kopf bewegte und sein Gesicht war sehr angespannt. Ein unglaublich beeindruckendes Erlebnis, dieses Solo live zu hören, gespielt von einem Starcembalisten.

Da jedes Brandenburgische eine andere Instrumentalisierung hat, musste viel Aufwand um die Notenständer und Besetzung getrieben werden. Nach jedem Concerto gingen die Musiker hinter die Bühne, die Orchesterwarte machten ihre Arbeit und im Publikum wurde geflüstert und gehustet. Dies fand ich sehr gut, denn so konnte man das Gehörte besser verarbeiten.

Noch ein paar Worte zu seinem Musikern. Die Geigen enttäuschten mich sehr, da sie einen ziemlichen kratzigen Klang hatten, der mit der Zeit störte. Zudem machten sie viele Fehler. Die Cellisten und Bläser waren ausgezeichnet, da eben auch Musiker aus dem English Concert anwesend waren. Ich fand es hart, dass die Musiker (ausser den Celli und dem Cembalo) alle sechs Concerti stehend vorführten.

Nach dem Konzert stellte sich Pinnock für Autogramme zur Verfügung. Er sass an einem Tischchen, während eine risige Menschenmenge um ihn herumstand. Ich liess zwei CDs signieren: Die Krönungsmesse von Mozart und die Nelson-Messe von Haydn. Fast mechanisch nahm er die Gegenstände entgegen, unterschrieb und gab sie wieder zurück. Darum konnte ich fast nicht glauben was ich dann erlebte. Als er mich sah, legte er seinen Stift zur Seite und umhüllte meine Hand mit beiden Händen! Schüchtern fragte ich ihn, ob er mich erkenne. “Natürlich erkenne ich dich, du warst an dem Konzert in Freiburg, dort hatten wir uns kennen gelernt”, antwortete er mir. Dabei strahlte er mich an und ein Murmeln des Erstaunens kam von den Leuten. Das Konzert in Freiburg liegt mehr als ein Jahr zurück. Seit dem hatte er eine Tour hinter sich. Und trotzdem wusste er noch, wer ich bin. Dies war noch das köstlichste Dessert dieses wundervollen Anlasses.

Liebe Grüsse an alle

Severine

"Archiv-Beitrag Star-Pianist "Alfred Brendel in der Oetkerhalle in Bielefeld


Bielefeld, 16.02.2007

Der Star-Pianist Alfred Brendel in der Oetkerhalle, Bielefeld am 16.02.2007

Eine ausverkaufte Konzerthalle begleitete den 76-järigen Welt- und Altstar-Pianisten Alfred Brendel in sein großartiges Klavierkonzert-Programm.




Foto: Alfred Brendel in der Oetkerhalle in Bielefeld
(Foto: Copyright. V.Hege)


Programm

Joseph Haydn (1732-1809) Klaviersonate Nr.20 c-Moll Hob. XVI

Ludwig van Beethoven (1770-1827) Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110

Franz Schubert (1797-1828) Impromptu Nr. 1 f-Moll D 935 und Impromptu Nr. 3 B-Dur D 935

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 -1791) Klaviersonate c-Moll KV 457

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Was dieser Ausnahme-Pianist von der Jungpianisten-Garde unterscheidet ist seine Langlebigkeit auf den Konzertpodien in aller Welt und seinem immensen Besucher-Zuspruch. Sein Spiel ist hinreißend er versteht es vorzüglich, der Musik den gewissen Atem zu verleihen gepaart mit einer vorzüglichen Anschlagstechnik und Virtuosität, professionell sein Handwerk spielte er das ganze Programm ohne Noten, als Hilfsmittel lagen vorn auf dem Flügel kleine Anmerkungen ansonsten geschah die gesamte Wiedergabe aus dem Kopf. Mitbrummend und summend mit heftigen Kinnbewegungen und einer deutenden Körpersprache lässt er das Werk an seinem Steinway-Flügelverinnerlicht mitfühlend vortragen. Berauscht und Ergriffen lauscht der Hörer zwei Stunden einem Spiel, dass in ihrer vollendeten Klarheit, Entschlossenheit und rhythmischen Bewegtheit nicht zu überbieten ist. Ein in den Jahren gekommener Ausnahme-Pianist hat nichts von seiner großartigen Kunstfertigkeit eingebüßt.

Das Programm begann mit Haydns Klaviersonate 20 c-Moll. Dieses lange Werk lebt von seinen überraschenden Wendungen und Wiederholungen. Brendel weiß es Gestalterisch und in der Struktur schlank überzeugend vorzutragen. Haydn war kein Pianist. Die Spielformen sind daher einfacher und weniger entwickelt als bei Mozart, der als konzertierender Virtuose seinen Klavierwerken jede technische Brillanz geben konnte. Erst später entwickelte Haydn in seinen Klavierstücken eine reichere Ausgestaltung und pianistischen Glanz. Über den Reichtum an Einfällen und mancher kühnen Wendung, zu sprunghaftem Wechsel zwischen hoher und tiefer Lage findet man auch in dem Spätwerk Haydns der Klaviersonate 20 c-Moll entsprechend wieder.

Elektrisierende Spannung erfolgte in den ersten Takten in Beethovens vorletzte Sonate op. 110. Die Anfangssätze weisen auf das zurückliegende Barock und vorausweisend auf die Romantik. Mit großem Gespür und Elan bewältigt Brendel furios den Auftakt. Das anschließende Arioso und Fuge pendelt Brendel gekonnt in einer aufwühlenden Derbheit und Wucht aus, um den Ausdrucksgehalt dieser Sätze die mögliche Dramaturgie – Glücksgefühl und Resignation – mitzugeben.

Während Schuberts Sonaten vielen Musikfreunden noch immer weitgehend unbekannt geblieben sind, nimmt sich Brendel ihrer an und verhilft ihnen zu einer weiteren Bekanntheit und genießen seitdem eine hohe Popularität. Die vier Impromptus entstanden innerhalb einer Gruppe im Dezember 1827, ein knappes Jahr vor Schuberts Tod. Ein fantastisches Werk ist das Impromptu Nummer 1 in f-Moll, D 935 „Allegro moderato.“ Die sinfonisch der Romantik eines anhaftenden Zuschnittes sind in lyrische dunkle harmonische Abläufe komponiert. Hier verleiht Brendel dem Werk die angemessene Spannung und Virtuosität mit einer beseelenden Wiedergabe, dass dem Besucher der Atem stockt.

Ebenbürtig erklingt Impromptu Nr. 3 B-Dur, D 935 das Andante in 5 Variationen. Dieser Variationssatz bezieht das Thema aus der Musik zu „Rosamunde“, das Schubert in seinem Streichquartett a-Moll verwendet hat. Tänzerisch spielend ein polterndes Forte und die leidenschaftliche Moll-Variation in Triolen eingebettet gelingt Brendel in seiner unnachahmlichen Art, perfekt, sinniger und leidenschaftlicher kann dieser Vortrag des Pianisten nicht erklingen, die Herzen wurden weit geöffnet und staunend lauschten andächtig die Besucher einem fast überirdischen Spiel.

Der krönende Abschluss fand mit der Sonate c-Moll KV 457 von Wolfgang Amadeus Mozart statt. Dieses Spät-Werk aus seiner Wiener Zeit zeugt von einer ungemein hohen Ausdrucksstärke, eine Komposition der Trostlosigkeit und Verzweiflung. Das Werk ist vorausschauend in das folgende Jahrhundert mit romantischen Leiden und Leidenschaften behaftet. Eine tragische Tonart, sein stürmisches Temperament, sein sinnender Ernst und kämpferische Bejahung des Schmerzes verleiht dieser Komposition eine außergewöhnliches Format mit Kompositionstechniken, die Hinweise besitzen auf Beethovens zukünftige Werke.

All diesen Nuancen wurde Brendel mehr als gerecht. Angefeindet wurde er in grauer Vorzeit wegen seiner Mozart-Interpretation, die er auch selber als schrecklich empfand und seine Aussage bestand hatte: Ich werde noch viel übern müssen, um Mozart richtig spielen zu können. In die Jahre gekommen erzielt er nunmehr eine traumwandlerische Perfektion in seinem Vortrag, so ist mir Mozart in der musikalischen Interpretation und pianistisch noch nicht begegnet, hier offenbarte sich ein Pianist von „Gottes Gnaden!“ Herz und Schmerz verstand er genial zu erzeugen. Sein Gefühls-Spiel erzeugte bei den Hörern einen Schmerzzustand, dass die persönliche Seelenlage zum zerreißend gespannt war. Sie entwich erst in langsamen Schritten nach dem erfolgten Schlussakkord. Er versteht es meisterhaft, als Vortragender seine Hörerschaft als eine lebendige Einheit und Gemeinschaft zu bilden, aus dem ein Entrinnen nicht möglich ist. Dass ist die unwiederbringliche Größe von Brendel, die man bei den jungen Zeitgenossen sehr oft vermisst.

Nur mit einer Zugabe aus dem „Impromtu“ von Schubert konnte Brendel nach einem unglaublichen Begeisterungssturm und einem staunendem und beglückten Besucherschar vom Podium gelassen werden. Ein großer Alt-Pianist verabschiedete sich von seinem Publikum, der wahrscheinlich so schnell nicht wieder zu hören sein wird, es war eine Sternstunde der Klaviermusik, die man als Zeitzeuge miterleben durfte, einfach grandios!

Stifterkonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie in St. Marien, Herford


Herford, 10.02.2007

Stifterkonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie in St. Marien, Herford

Im Rahmen der jährlich stattfindenden Stifterkonzerte für die Nordwestdeutsche Philharmonie wurde am Samstag, 10.2.2007, in der St Marienkirche Stift Berg in Herford ein hochkarätiges Sinfoniekonzert mit Werken von Beethoven und Schumann geboten. Diese Veranstaltung wurde zum vierten Mal ausgetragen und wird hauptsächlich durch die „Dieter Ernstmeier Stiftung, Herford“ getragen.

Das Programm:

Ludwig van Beethoven (1770-1827) Konzert D-Dur op. 61 für Violine und Orchester

Robert Schumann (1810-1856) Sinfonie Nr.4 D-Moll op. 120

Solist Violine: Eduardo Zosi

Leitung: Frank Beermann

Foto: NW

Als ein Juwel erwies sich der erst 18-jährige italienische Solist für Violine Edoardo Zosi in der Sinfonie für Violine und Orchester, D-Dur, op. 61. von Ludwig van Beethoven.

Der junge Solist überzeugte in den zu begleiteten Partien in einer angemessenen Zurückhaltung und wusste in seinen Kadenzen voll zu überzeugen, blieb immer mit einem tragenden und ausgeglichenen Ton deutlich präsent. Hier erwies sich die hallige Akustik der Kirche als ein vorzüglicher Aufführungsort.

Dementsprechend agierte der Dirigent Frank Beermann mit seinem Klangkörper, gelassen ließ er in einem treffenden Spannungsbogen des Orchesters musizieren, mal kräftig zupackend dann wieder im Ton verhalten, ließ er die Bläser kräftiger im Ton erstrahlen. Im ersten Satz „Allegro ma non troppo“ wurde ein heiterer ruhiger Spannungsbogen aufgebaut, um dann aber kräftiger dem Satz tonal die Würze zu verleihen. Genau dort setzte er die gleiche Linie im zweiten Satz „Larghetto“ fort.

Im dritten Satz „Rondo Allegro“ wurde mal ein zügigeres dann wieder ein ruhigeres Tempi vorgegeben, die Artikulation der Wiedergabe passte sich den Gegebenheiten des Aufführungsortes an, die Strukturen und Linien klar erkennbar erstrahlte dieser Satz in einer wunderbaren Wiedergabe. Beermann verstand es vorzüglich, den jungen Violinisten Edoardo Zosi in der Wiedergabe entsprechen mit einzubinden.

Ein ineinander harmonisches Geflecht verband das Orchester mit dem jungen Violin- Solisten, die Kadenzen wurde von ihm so harmonisch, klanglich und innig berührend gespielt, dass es den Besuchern den Atem anhielt, künstlerisch perfekt vorgetragen, bewusst die Spannung aufbauend verstand es der Solist ebenso perfekt die piano gespielte Kadenz in der hervorragenden Akustik noch hörbar gespielt einen weiteren Glanzpunkt darauf zu setzten. Technisch und künstlerisch durch sein perfektes Spiel verlieh er diesem Werk das Format Extraklasse, hier entwickelt sich ein Künstler mit hohem Potenzial.

Umso schwungvoller und emotionaler aufgeladen erklang die anschließende 4. Sinfonie von Robert Schumann. Die verschiedenartigen Tempi, von langsam bis zum schnellen „Presto“ erklangen in voller Orchesterlautstärke, dass die Marienkirche in ihren Grundfesten zu beben begann. Hier gab Beermann seine zuvor gegebene Zurückhaltung vollends auf und führte den Klangkörper über auch noch so große Klippen souverän und meisterlich in ein grandioses Schlussfinale.

Mit einem Beifallssturm und Bravorufen wurden die Aufführenden für ihre gekonnte Wiedergabe belohnt.

Archiv-Beitrag: Weihnachtskantaten Braunschweiger Dom Dez. 2005


Braunschweig, 15.12.2005

Weihnachtskantaten erklangen unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner im Braunschweiger Dom.

Am Donnerstagabend, 15.12.2005, um 21:00 Uhr erklangen Weihnachtskantaten von Johann Sebastian Bach im altehrwürdigen Dom zu Braunschweig.

Braunschweiger Dom

Aufgeführt vom Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner.

Folgenden Kantaten wurden aufgeführt:

„Unser Mund sei voll Lachens“ BWV 110; „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“ BWV 151; „Magnificat“ BWV 243a ( in der Frühfassung von 1723); Als Zugabe: Die wiederentdeckte Arie in der Anna Amalia Bibliothek im Juni 2005 in Weimar; „Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn“ BWV 1127

Man kennt nur wenige Bachinterpreten, die über Jahrzehnte auf so einheitlich und hohem technischen Niveau ihr musikalisches Können unter Beweis stellen. Gardiners typische Art der Eleganz und schwungvollen Geschmeidigkeit in seiner Interpretation zu Gehör zu bringen ist immer wieder beeindruckend. In seinen schönsten Momenten entfaltete dieser Abend alles, was man von einer hochrangigen Bach-Interpretation erwarten durfte. Dass aus seinen Reihen sämtliche Vokalsolisten dem Monteverdi Choir entstammen unterstreicht einmal mehr, aus welch hochrangigen, professionell und stimmlich ausgebildeten Reservoiar er schöpfen kann. Ein Chor aus höchst präzisen Solostimmen, der die Choräle in den Kantaten zu voluminös strahlenden Glaubensbekenntnissen machte.

In den Koloraturen des Eingangslieds vergoss sich die Freude über die Christgeburt in wahren Lach-Kaskaden über die Zuhörer. Ruhiger und inniger strömte der Choral “Heut’ schleußt er wieder auf die Tür” in der zweiten Weihnachtskantate “Süßer Trost, mein Jesus kömmt” (BWV 151). Vortrefflich disponiert in ihrer gesanglichen Darstellung ist die Sopranistin Elin Manahan Thomas zu erwähnen. Mit der gleichnamigen Eingangs-Arie gelang ihr auch das eindruckvollste Solo des Abends: Elin Manahan Thomas sang mit wahrhaft engelsgleich reinem, vibratolosem Sopran diese Botschaft wie aus einer anderen Welt. Inniger kann eine Arie nicht umgesetzt werden hier hat Bach einen Ton der Innigkeit gefunden, in dem sich der silbrige Glanz der Traversflöte mit dem der Sopran-Stimme zu einer Einigkeit verband, die in der Musikliteratur einmalig erscheint.

Nicht alle Solisten vermochten gleich, aber alle hochkarätig zu überzeugen. Bassist Matthew Brook überzeugte ob seiner Stimmeskraft und Volumen und zeigte sich den Anforderungen mehr als gewachsen. William Towers konnte mit seinem klaren Altus natürlich nicht die weiche Fülle einer Altistin bieten, sang aber im “Magnificat” mit schöner Linie. Gardiner hatte für das Marienlob die D-Dur-Fassung von 1733 mit den weihnachtlichen Einlagen der Frühfassung von 1723 gewählt. Seidenfein spannte er die verweilenden Arien, gestaltete das “Deposuit potentes”, das vom Sturz der Mächtigen handelt, scharf und energisch.

Der Schluss des Magnificats (BWV 243) erklang ebenso wie der Eingangssatz mit den hochrangig besetzten Trompeten zu einem grandiosen Klangfinale. Stürmisch wurde der Chor im Finalsatz „Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto“ gesanglich von Gardiner im Dirigat durchgezogen, es war beeindruckend, wie mühelos das Orchester und der Monteverdi Choir diese Tempo-Klippe meisterten.

Die English Baroque Soloists gehören zu den wenigen Spitzenensembles, die auch auf historischen Instrumenten absolut perfekte Töne erzeugen.

Ein schmetternden Glanz der unfassbar sicheren Trompeten-Trias zu Beginn der Weihnachtskantate “Unser Mund sei voll Lachens”, (BWV 110) und in dem Magnificat (BWV 243), überzeugender kann der Part nicht erklingen sowie die weich und warm klingenden Flöten bis zum wohlig harmonierenden Basso continuo ein perfektes Klangerlebnis, die mehr als das Herz berührten.

In der Zugabe, der erst jüngst aufgefundenen Arie “Alles mit Gott”, die durch Zufall durch den Musikwissenschaftler Michael Maul im Juni 2005 in den Beständen der Anna Amalia Bibliothek im Weimar entdeckt wurde, ist die Komposition 1713 von Bach anlässlich des 53. Geburtstages von Wilhelm Ernst, Herzog von Sachsen-Weimar komponiert worden. In dieser Sopran-Arie brillierten die Sopranistinnen Elin Manahan Thomas, Charlotte Mobbs und Katherine Fuge ohne Dirigent mit einer zart erfüllten Interpretation. Als ein Juwel für die Zukunft ist die engl. Sopranistin “Elin Manahan Thomas” zu erwähnen!

engl. Sopranistin Elin Manahan Thomas!

Sir John Eliot Gardiner erhielt die ehrenvolle Aufgabe, die Arie „Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn“ als erster aufzunehmen. Den Sopranpart sang dabei Elin Manahan Thomas; erschienen ist die CD kürzlich auf Gardiners Label „Soli Deo Gloria.“

Riesiger Applaus im weiten Rund des voll besetzten Domes bezeugten wiederum davon, dass die Besucher zwei Stunden einer Bach-Aufführung mit Weltniveau erleben konnten.

Mozart – Gala beim "Mozartwirt" in Langwaid / Bayern


Langwaid / Bayern, 16.09.2006


Mozart-Gala beim „Mozartwirt“ Langwaid / Bayern am 16.09.2006

Seit mehr als sieben Jahren veranstalten die rührigen „Mozartwirte“ Bettina Mittelstaedt und Wilfried Alt in Langwaid – Bayern, ein schönes Mozart-Konzept !


Mozart-Gastlichkeit in Langwaid / Bayern (Copyrigth: V. Hege)

Mozart-Gala beim Mozartwirt Langwaid am 16.9.2006, die Instrumentalisten des Konzertes von links: Ludwig Müllritter (Clarinette), Ulrich Blees, (Komponist des Mozartstückes: Müllritter-Quintett, B-Dur, für Flöte, Oboe,Clarinette, Horn und Fagott), Arnulf Mallach (Oboe), Jakob Wurm (Horn), Heike Kindermann (Querflöte), Gerlinde Kneitzl (Fagott).

Ihr Motto: Unser Ziel ist immer Mozart alle Ehre zu machen, sein Name steht für uns für höchste Qualität !“ Diesem Anspruch werden sie mehr als gerecht.

Durch ein Fremdforum bin ich auf diese Veranstaltung am 16.9.2006 im Rahmen des Mozartjahres 2006 aufmerksam gemacht worden, es beinhaltet ein Mozart-Gala-Menue in 5-Gängen und einer musikalischen Umrahmung mit Werken von W.A. Mozart, Frank Xaver Süßmayr sowie einer Uraufführung der Neukomposition „Müllritter – Quintett, B-Dur“ des Komponisten Ulrich Blees. Hier litt die Instrumentalische Darbietungform ein wenig unter einem ausgewogenen Zusammenspiel, da die Besetzung in dieser Formation wenig Gelegenheit des Einübens besaß.

Hervorzuheben und zu bewundern ist die Kreativität und künstlerische Gestaltung des Abends durch die Mozartwirte. Das grandiose 5-Gänge-Menue und das bezaubernde Ambiente der Räumlichkeiten trugen dazu bei, dem Anspruch einer Mozart-Gala mehr als gerecht zu werden. Nicht nur ein Blickfang sind die einzelnen Menue-Gänge die das Auge erfreute, sondern auch der Magen bekam neben der musischen Seite das großartige Seinige zu spüren. Als eine vorzügliche Eigenkration des Hauses muss die „Zanderweißwurs(ch)t „, angereichert mit Honig und Senfsauce, dazu Blattspinat und Kartoffeln als ein vortrefflicher Menue-Gang hervorgehoben werden. Ein Sonder-Lob dem Veranstalter, der dieses Konzept meisterlich versteht, es entsprechend umzusetzten.

Nachfolgend einige bebilderte Ansichten von der Mozart-Gala:

Programmübersicht des Gala-Abends


Begrüßung durch den Gastgeber!







Übersicht des 5-Gänge-Menues






Ansicht des 1. Menue-Ganges (Melonen-Saltimbocca mit Oliven, Cocktailtomaten und frischen Kräutern dazu Bruschette mit Rucolapesto)

Ansicht des 4. Menue-Ganges (Hirschnüsschen on feiner Steinpilz-Reherlsauce dazu Kartoffel – Maronenpüree (Copyrigth: V. Hege)


„Nun Angaben zu dem musikalischen Programm“

1. Teil: Franz Xaver Süßmayr; Ave Verum, Arie Nr.6 aus der Kantate SmWV 302,

2. Teil: W.A. Mozart; Overtüre zu die Zauberflöte KV 620, Kantate die Maurerfreude,

3. Teil: Ulrich Blees; * 1974, Eigenkomposition: Müllritter-Quintett B-Dur

Vorstellung des zeitgenössischen Komponisten Ulrich Blees, geb. 1974, mit seiner Eigenkomposition: Müllritter-Quintett B-Dur



Foto: Mozart-Gala beim Mozartwirt Langwaid am 16.9.2006,
die Instrumentalisten des Konzertes
von links:
Ludwig Müllritter (Clarinette), Ulrich Blees, (Komponist des Mozartstückes: Müllritter-Quintett, B-Dur, für Flöte, Oboe,Clarinette, Horn und Fagott),
Arnulf Mallach (Oboe), Jakob Wurm (Horn), Heike Kindermann (Querflöte), Gerlinde Kneitzl (Fagott).


Foto: Fagott: Gerlinde Kneitzl, Horn: Jakob Wurm, Clarinette: Ludwig Müllritter




Das Folgende Foto beinhaltet:

Der Autor bei der Vorstellung des Buches: „Soll die Empfindung Liebe sein?“

(Joachim Schroetter,„Die Reise in die kleine Residenz“ (Mozart in Kirchheimbolanden-Rheinland-Pfalz)„Soll die Empfindung Liebe sein?“

aus Idar-Oberstein) liest Auszüge aus: sowie aus der Neuveröffentlichng seines Buches: Erscheinung Ende 2006 im Novum-Verlag, A7312 Haritschon-Oesterreich.




Foto: Buchautor
Joachim Schroetter

Obiges Foto:

Im Gespräch während der Mozart-Konzert-Pause, der rührige und kreative Mozartwirt: „Wilfried Alt“ mit dem Komponisten „Ulrich Blees“

Als ein Schlussfazit kann angemerkt werden, daß hier Mozart-Kenner zu Werke gehen, die in der Liebe zum Detail einen außerordentlichen Abend zu gestalten wissen.

Die nächste Mozart-Gala in Langwaid ist für Anfang Dezember 2006 geplant. Informationen sind im Internet unter:

www.mozartwirt.de

E-Mail: mozartwirt@t-online.de

Evgl. Kirche in Bielefeld-Ummeln, Orgelkonzert mit Elisabeth Roloff, 06.08.2006


Evgl. Kirche in Bielefeld-Ummeln, Orgelkonzert mit Elisabeth Roloff, 06.08.2006


Foto: Ev. Kirche Bielefeld-Ummeln


Elisabeth Roloff
gehört zu den bekanntesten und gefragten Konzertorganistinnen der Welt,geboren am 18.02.1937 in Bielefeld_ Ostwestfalen. Elisabeth Roloff studierte an den Hochschulen für Musik in Berlin und Köln. Im Fach Orgel legte sie die Reifeprüfung ab. Von 1974 bis 1982 war sie „Organiste Titulaire“ an der Deutschen Kirche in Paris und studierte französische Orgelmusik mit Marie-Claire Alain.


Organistin Elisabeth Roloff an der Kleucker-Orgel der Evgl. Kirche Bielefeld-Ummeln (Copyright: V.Hege)

Seit 1982 ist die Kirchenmusikerin Dozentin an der Rubin Academy of Music in Jerusalem. Außerdem wirkt sie als Organistin an der Erlöserkirche in Jerusalem / Israel. Mit ihren Konzerten in den meisten Ländern Europas, den USA und in Südamerika hat sie internationales Renommee und Anerkennung gewonnen. Neben vielen Rundfunkauftritten und Schallplattenaufnahmen hat die Künstlerin mit der bekannten Firma Dabringhaus und Grimm in Detmold zahlreiche CDs herausgebracht.

Link: Für eine CD-Bestellung bei jpc:

Starker Besucherstrom vor der Kirchentür lässt das Konzert verspätet beginnen, das Interesse an diesem Orgelkonzert ob dieser großartigen Künstlerin ist riesengroß. Ein sehr ausgewogenes Konzertprogramm beginnt mit Präludium und Fuge d-Moll (BWV 539) von J.S. Bach das Werk erklingt in schönen Klangfarben auf der schmucken Kleuker-Orgel


Die Kleuker-Orgel in der Evang. Kirche Bielefeld-Ummeln (Foto: Copyright. V.Hege)

Herleitend aus der 1. Violinsonate g-moll, 2. Satz (BWV 1001) aus der Köthener Zeit, (1720) komponiert Bach es als eine Geigenfuge mit reich figurierten, spielerischen Elementen zwischen den drei einzelnen themengebundenen Teilen. Einfühlsam registrierend und als eine profunde Bachinterpretin erweist sich hier die Organistin.

Zum Mozartjahr erklingt die kleine Fantasie f-Moll, KV 594; W .A. Mozart benennt es „Ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr“. Zur Ehre von Feldmarschall v. Laudon, Sieger von Belgrad in den Türkenkriegen, dürfte dieses Werk als Trauermusik für das Mausoleum in Wien entstanden sein. Das Adagio leitet das Werk ein, im Mittelteil in F-Dur erklingt eine kleine Sonatensatzform. Die beiden Themen werden sehr prägnant durchgeführt sodass ein klangliches Kabinettstück entsteht. Das Anfangs-Adagio beschließt das Werk. Hier erweist sich die Orgel und Organistin geradezu prädestiniert, dieses schöne Orgelwerk zu Gehör zu bringen.

Die Orgelsonate c-Moll, op. 65 Nr .2; von Felix Mendelssohn Bartholdy, wurden in der orgelfeindlichen Zeit zwar geduldet aber als belächeltes Relikt angesehen. Seine Orgel-Werke werden erst seit neuerer Zeit anerkannt und richtungsweisend zwischen Barock und Romantik als großartige Kompositionswerke angesehen. In diesem Werk werden vom Künstler hohe Ansprüche in der Spieltechnik eingefordert. Hier konnte die Organistin virtuos und überzeugend in der Registrierung und Klangfarbe dem Werk mehr als gerecht werden.

Als ein Ohrwurm in mozartischen Charme und Klangfarben wurde die Trio-Sonate Nr. 1, Es-Dur (BWV 525) von J.S. Bach zu Gehör gebracht. Bach komponierte die 6 Triosonaten als musikalische und technische Übungsstücke zu Beginn der Leipziger Zeit für seinen Sohn Wilhelm Friedemann und seinen Schülern. In der Anlage völlig gleich, umschließen zwei schnelle Sätze einen langsamen Mittel-Satz. Man kann von dieser Schönheit an Kompositionsform und Klangfarben nur immer wieder ins Schwärmen kommen. Genial in der klanglichen und technischen Ausführung und Wiedergabe in den einzelnen Satzteilen war hier wirklich eine großartige Organistin als Bachinterpretin zu bewundern.

Anschließend erklang das Adagio und Rondo, c-Moll, C-Dur, KV 617 von W. A. Mozart.

Dies Werk hatte Mozart im Mai 1791 für die damals 21-jährige, seit ihrer Jugend erblindete Glasharmonika-Virtuosin Marianne Kirchgäßner geschrieben. Aufgrund des Glasharmonika- Klanges lassen sich die verschiedenen Farb- und Klangflächen auf einer mehrmanualigen Orgel sehr reizvoll wiedergeben. Was ist uns da leider für ein Orgel-Genie verloren gegangen, wenn er weitere Kompositionen für die Orgel geschrieben hätte, gehörte Mozart mit zu den Größten in der Orgelgeschichte und wäre ein geeigneter und profunder Nachfolger von Bach gewesen. So muss sich die Nachwelt leider fast nur mit Transkriptionen zufrieden geben.

Aber auch in diesem Werk bestach die Organistin durch ihre Interpretation als eine wahrhaft großartige Künstlerin, die in der Registrierung und den Klangnuancen vollends zu überzeugen wusste.

Zum Abschluss erklang die Sonate I, f-Moll, op. 65 I, von Felix Mendelssohn Bartholdy . Im 1. Satz sind Überlagerungen von lauten und leisen Klängen vornehmlich anzutreffen und üben einen gewissen Reiz an diesem großartigen Werk aus. Vielstimmiger Konzertsatz mit akkordischen Einleitungstakten. Erst im Mittelteil ist der Choral „Was mein Gott will“ als Umrahmung zu erkennen. Der 2. Satz “Adagio“ ist ein liedhafter Satz mit Echowirkungen. Im 3. Satz „Andante Recitativo“ ist ein klanglicher Wechsel von einstimmigen zu polyphonen Takten erkennbar. Der 4. Satz „Allegro assai vivace“ ist mit virtuosen Läufen und gebrochenen Akkorden versehen, der diesem Schlussatz ein grandioses Finale beschert. Auch hier überzeugte in der Darbietungsform und Interpretation die Organistin vollendends.

Die riesige Zuhörerschaft in der Kirche bewunderte einen Orgelnachmittag von einer außergewöhnlichen Qualität und dankte mit einem lang anhaltenden Applaus einer Künstlerin, die Orgelmusik auf höchstem Niveau zelebrierte.

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Auf YouTube ist ein Video von Elisabeth Roloff mit dem BWV 654 „Schmücke dich, o liebe Seele“ anzusehen.

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Link: CD-Bestellung bei jpc


Archiv Beitrag: AD FESTUM II "Festkonzert zum Mozartjahr Kloster Corvey


Abtei-Kirche, Schloss Corvey, 14. Mai 2006

AD FESTUM II

Festkonzert zum Mozartjahr 2006 17.00 Uhr


Abteikirche, Schloss Corvey (Copyright: V.Hege)

Programm:

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Suite Nr. 2 für Violoncello solo in d-Moll, BWV 1008

Suite Nr. 4 für Violoncello solo in Es-Dur, BWV 1010

Wolfgang Amadeus Mozart (1765-1791)

Missa da Requiem in d-Moll, KV 626 (1791) (vervollständigt von Franz Xaver Süßmayr)

Ausführende:

Peter Bruns, Violoncello solo (J.S. Bach)

Detmolder Kammerorchester (W.A. Mozart; Requiem)

Chor und Solisten der Hochschule für Musik, Detmold (W.A. Mozart; Requiem)

Leitung: Prof. Gerhard Weinberger (W.A. Mozart; Requiem)

Auch Ostwestfalen möchte in einem würdigen Rahmen das Mozartjahr mit einem AD-Festum begehen, dass in der alt-ehrwürdigen Abteikirche des Klosters Corvey einen angemessenen Rahmen besitzt und in Folge II – am Sonntag, 14.Mai 2006 – veranstaltet wurde. Für den 1. Programmpunkt, Violincello solo von J.S. Bach, konnte eine Koryphae in der Person von Peter Bruns, Professor und Dozent an der Musikhochschule in Leipzig, verpflichtet werden. Peter Bruns spielt auf einem Cello von Carlo Tononi, Venedig 1730, das sich im Besitz des legendären spanischen Cellisten Pablo Casals befand.

Peter Bruns , Cello (Copyright: V.Hege)

J.S. Bach schrieb 6 Suiten für Violincello solo, es wird vermutet, dass sie in zeitlicher Nähe zu den Sechs Sonaten und Partiten für Violine solo komponiert wurden. Die Entstehungszeit wird auf den Zeitraum der Köthener Jahre von 1717 bis 1720 datiert. In diesen schwierigen solo Werken von J.S. Bach beherrschte ein hochrangiger Künstler sein Instrument mit aller dazugehörenden technischen und künstlerischen Perfektion. Die Akustik war phänomenal und perfekt, der Solist wurde auf einem erhöhten Podest in den Altarraum der Abtei-Kirche platziert. Ohne Partitur diese zwei Solostücke in einem Zeitrahmen von ca. vierzig Minuten den Besuchern zu Gehör zu bringen, ohne einer großen Pausenunterbrechung, bezeugt von einer absoluten Spitzenklasse an Konzentrationsfähigkeit, die nur zu bewundern ist. Das Cello erwies sich in den Resonanzbögen als das „Non plus Ultra“ für eine perfekte und gekonnt erklingende Wiedergabe Bachscher Violincello Solo-Musik. Stürmischer und verdienter Applaus für einen Künstler, der das Publikum zu begeistern wusste.

Der anschließende Höhepunkt wurde mit dem Mozart-Werk „Missa da Requiem in d-moll, KV 626“,(Süßmayr-Fassung) geboten. Hier wurde Spät-Barockmusik in einer feinen und kleinen Besetzung wiedergegeben, die den baulichen Gegebenheiten perfekt angepasst wurden. Das Detmolder Kammer-Orchester (ca. 40 Mitwirkende) sowie der Chor (25 Sängerinnen und Sänger) nebst den vier Gesangssolisten, erfüllten vollends den Erwartungen, die man von dieser hochrangigen Musikhochschule bereits in der Vergangenheit her erleben durfte. Das Kammerorchester wusste zu überzeugen durch ein virtuoses Spiel, und perfekte Ausstrahlung, Sensibilität, Temperament, Beweglichkeit und falls erforderlich die Leichtigkeit und Eleganz als Attribut mit einzubringen.


Die vier Gesang-Solisten (ehemalige Studierte der Hochschule), Sabine Ritterbusch (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Wolfgang Tiemann (Tenor) und Markus Köhler (Bariton), sangen ihren Part gekonnt und perfekt auch in der stimmlichen Artikulation und Wortaussage.

Gesangssolisten: Markus Köhler,Wolfgang Tiemann,Gerhild Romberger,Sabine Ritterbusch, (Foto: NW)

Zu bewundern ist der kleine Hochschul-Vokal-Chor, (bestehend aus 25 Mitgliedern und Studenten der Musik-Hochschule Detmold) der restlos zu überzeugen wusste. In den einzelnen Stimmlagen gut ausgebildete Sängerinnen und Sänger, die diesem Requiem mehr als gewachsen waren. Hier erklang das Mozart-Werk in einer kleinen und feinen Besetzung, wie man sie nicht alle Tage zu Gehör bekommt. Wie wohltuend ist so ein kleiner Besetzungskreis, einmal losgelöst von einer sonstigen Aufführungspraxis des Größenwahns (Orchesterbesetzung von 60-80 Mitstreitern, Chöre von 100 und mehr Mitgliedern), erklingt dieses großartige Werk in ganz anderen Dimensionen.

Das Empfinden für die klangliche Wiedergabe durch das Orchester und Gesangsdarbietung erlebt der Hörer viel intensiver, nuancenreicher und in einer viel innigeren Form.

Auf forciertes Pathos verzichtend, verlieh Weinberger Mozarts so ganz und gar nicht depressiv wirkender, gleichwohl abgründiger Vertonung der Totenliturgie Transparenz. Plastisch formende Führung feuerte zu glühenden Steigerungen an und erzwang mit jähem Piano suggestiv Zartheit. Kraftvoll gelang der Einsatz der gewaltigen Doppelfuge im Kyrie. Erregt wogende Stimmen erweckten die Vorahnung kommender Schrecken, bevor das Jüngste Gericht mit Wucht hereinbrach. Herrlich leuchtete das „lux aeterna“. Diese Aufführungsform ist dem Leiter Prof. Gerhard Weinberger mehr als zu danken, zumal er durch sein umsichtiges und gekonntes Dirigat zu dieser Aufführung das Wesentliche mit beizutragen im Stande war. In Zukunft sollte diese Aufführungspraxis Bestand haben und die Form einer Mammut-Veranstaltung von „Gestern“ sein.

Eine musikmeisterliche Sternstunde in der Abteikirche. Ehrfurchtsvolles verharren der Besucher nach dem Schlussakkord um dann von dem entzückt Erlebten mit einem stürmischen und lang anhaltenden Applaus den Vortragenden für ein Konzert der absoluten Spitzenklasse zu danken.

Detmolder Mitwirkende und Dirigent Gerhard Weinberger (Copyright: V.Hege)

Link für Orgel-CD’s von Prof. Weinberger bei j p c !

Archiv Beitrag: Haller Bachtage klingen in der Nicolaikirche Bielefeld aus !


Bielefeld, 12.02.2006

Chorkonzert II; Sonntag 12. Februar 2006; 17:00 Uhr Altstädter Nicolai-Kirche, Bielefeld, im Rahmen der 43. „Haller Bachtage“.

Foto: Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld (Foto: Nicolaigem.)

Programm:

Johann Sebastian Bach (1685-1750) „Sanctus“ aus der „Messe h-moll“ BWV 242

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) „Lobgesang“ op. 52 Sinfonie-Kantate nach Worten der heiligen Schrift.

Ausführende: Cornelie Isenbürger, Sopran; Victoria Biehal, Sopran; Luca Martin, Tenor; Bach-Orchester Hannover; Christof Pülsch, Orgel; Bach-Chor Halle;

Leitung: KMD Martin Rieker

„Die Haller Bachtage“ 1961 von Prof. KMD Burghard Schloemann gegründet, seit 1988 leitet ihn KMD Martin Rieker. Mit der Einführung der „Haller Bach-Tage“ 1964 wuchs sein Auftrag, den jährlichen Höhepunkt bildet das „Chorkonzert II“. Hier wurden u.a. sämtliche bachschen Oratorien, Mendelssohn Bartholdys „Elias“ und „Das Buch mit sieben Siegeln“ aufgeführt.

Besucherschlangen an der Kasse vor Konzertbeginn ließen den Anfang des Konzertes etwas hinauszögern, die Kirche war randvoll besetzt, zumal das Abschlusskonzert das erste Mal in Bielefeld stattfand.


Foto: Innenansicht der Altstätter Nicolaikirche in Bielefeld

Zu Beginn ertönte das „Sanctus“ aus der „Messe h-moll“ BWV 242 von dem Massenchor (ca.100 Sänger/innen vorgetragen in einer nicht gerade berauschenden Kirchen-Akustik. Wie wohltuender würde hier ein „A-Capella-Chor“ dem Werk gerechter werden, die Artikulation des Chores verhallte in dem Kirchenschiff und war in der Gesamtausführung diesem grandiosen Werk von Bach einfach nicht gewachsen. Jammerschade, aber so manche Interpreten fallen wieder in die Praxis der Richter-Zeit zurück und müssen daraus eine Mammut-Veranstaltung kreieren.

Der nachfolgende Programmpunkt von: Felix Mendelssohn Bartholdy (1808-1847),

Lobgesang. Eine Symphonie-Kantate nach Worten der Hei ligen Schrift für Soli, Chor, Orchester und Orgel op. 52, wurde vortrefflich wiedergegeben. Mendelssohn bemühte sich in seiner Zweiten Sinfonie, die 1840 in Leipzig uraufgeführt wurde, sich von der barocken Kompositionsform loszusagen und seinen eigenen Stil zu finden. Er dachte zunächst an „eine Art von kleinerem Oratorium oder größerem Psalm“. Dann entschloss er sich zu einer ungewöhnlichen Lösung: einer „Symphonie-Kantate nach Worten der Heiligen Schrift.

Herausgekommen ist ein Kompositionsform die zwischen Beethovens Neunter und Mahlers Achter einzuordnen ist. Wohllaut und feinsinnige Lyrik, aber auch eine gewisse Unverbindlichkeit in der melodischen Form, sowie mitreißender, hymnischer Schwung, große, sich kontrapunktisch aufbauende Steigerungen enthalten dieses mitreißende Werk.

Das Bachorchester Hannover bestach durch seine Größe und sein exelentes Spiel in einer großartigen romantischen Klangwiedergabe. Die Gesangssolisten lieferten eine bravoröse Leistung; ob im Sopran-Duett oder im Solopart, mit einer einfühlsamen Stimme verstanden sie es, diese Aufführung zu bereichern.

In diesem großen Opus-Werk ist der „Massige Bachchor“ aus Halle wesentlich angebrachter anzusehen. Die Mendelssohnsche Mischung von Triumphmarsch und sensibler Klangsinnlichkeit wurde von ihnen wirklich hervorragend interpretiert und gesanglich gekonnt dargeboten, die einzelnen Stimmlagen des Chores waren hervorragend besetzt und wussten in diesem Werk makellos zu überzeugen.

KMD Martin Rieker war in diesem Programmteil ein vortrefflicher Leiter und führte das Orchester und den Chor gekonnt durch dieses große Werk. Herzlicher Applaus der Besucher dankten den Ausführenden und hoffen auf ein Wiedersehen in 2007.

Konzert der Prüflinge der Aufbaustudiengänge Kirchenmusik A und künstlerische Ausbildung, Chor- und Orchesterleitung in Herford.


Herford, 22. Januar 2006

Heute erstelle ich einen Bericht über ein Konzert der Prüflinge der Aufbaustudiengänge Kirchenmusik A und künstlerische Ausbildung, Chor- und Orchesterleitung in Herford.

Sonntag, 22. Januar 2006, 20:00 Uhr

Marienkirche Stift Berg Herford

im Rahmen der Aufbaustudiengänge Kirchenmusik A und künstlerische Ausbildung, Chor- und Orchesterleitung.

St. Marienkirche Herford (Foto: V.Hege)

Zum Programm :

Johann Sebastian Bach (1685-1750) Kantate BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“

Bara Grimsdottir, Isländ.Komponistin „Eg vil lofa eina ba“ (geb. 1960)

Wolfgang Amadeus Mozart „Laurentische Litanei KV 195“ (1756-1791)

Ausführende: Jutta Potthoff (Sopran), Wolfgang Tiemann (Tenor), Dorothea Ohly (Alt), Hartmut Ernst (Bass) KMD Jörg-Neithardt (Orgel-Positiv) Kammerorchester (Konzertmeister Burghard Schmilgun) Chor der Hochschule für Kirchenmusik Herford, Leitung: Benjamin Dippel (Bach), Annette Petrick (Mendelssohn) Sonja Lehmann (Grimsdottir, Mozart) Künstlerische Gesamtleitung: Hildebrand Haake

Für das Programm zeichneten die Prüfungskanditaten in Selbstauswahl der aufgeführten Werke. Das Programmheft, mit einleitenden persönlichen Textbeiträgen über die aufgeführten Werke oblag den Prüflingen. Optimale Bedingungen für die Kandidaten erwies sich das professionelle Orchester sowie der halbprofessionelle Chor, gebildet aus Studenten und Gastsängern.

Die Gesangs-Solisten waren aus den Reihen der ehemaligen Studentenschaft verpflichtet worden. Die Prüfungsbedingungen für die A-Examinanten sind so optimal wie sie sicher lange nicht mehr sein werden. Der Alltag eines Kirchenmusikers sieht entsprechend in der rauen Wirklichkeit anders aus.



St. Marienkirche Herford, Innenansicht (Foto: V. Hege)

Das ruhige Dirigat und die Umsetzung der Kantate BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“ von Benjamin Dippel geleitet, erfuhr eine schöne Interpretation und Wiedergabe. Im Fugato des Eingangschores mit hervorragend lockeren Unter-und Mittelstimmen des Chores zeigte sich das Problem des Abends – der Konflikt zwischen dem Wunschtempo und dem des Kirchenraumklanges zu meistern – gelang ihm vortrefflich. Die Tenorarie (Satz 6) als Menuett, beginnt mit einer ungewöhnlich langen Orchesterein-leitung, die sehr schön in ihrer Klangpracht umgesetzt wurde, sowie im Dirigat und in der Interpreatation ohne Fehl und Tadel wirkte.

Die Aufführung der Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Mendelssohn-Bartholdy oblag der Kandidatin Annette Petrick. Diese Kantate wurde erst 1970 wieder Entdeckt. Ihr Dirigat schien ganz auf Sicherheit abgestellt zu sein. Ihr stetiger Blick in die Noten ohne grossen Kontakt aufnehmend zum Orchester sonder nur bei den Einsätzen des Chores den Blickkontakt aufzunehmen, erwies sich als Hemmschuh, zumal sie ein großräumiges Dirigat bei einem Mezzoforte bevorzugte. Hier wird sich ihr ein Problem stellen, wenn ein Fortissiomo entsprechend umzusetzen sein wird. Hier trat das Kammerorchester als ein hilfreicher Partner im Tempi und in der Wiedergabe auf. Eine faszinierende Art des Musizierens ergab sich mit einem Chor, der sich klanglich ausgeglichen und strahlend zeigte.

Die weitere Kandidatin Sonja Lehmann suchte losgelöst vom Notentext den Kontakt zum Chor und verstellte das Pult direkt vor ihnen. Bei ihrem A-Capella Stück der isländischen Komponistin Bara Grimsdotti;r „Eg vil lofa eina ba“ erklang im Zweier- und Dreiertakt sowie wechselnden Rhytmen eine sehr moderne Werksfassung der in 1960 geborenen Komponistin. Hier überzeugte sie mit einem gekonnten Dirigat und einer glücklichen Hand in der Chorführung. Sehr gewöhnungsbedürftig diese moderne Art des Musikerklingens nach der Wiedergabe der schönen Kantaten unserer grossen Komponisten wie Bach und Mendelssohn.

Einen schweren Stand hatte sie mit ihrer „Litaniae Lauretanae de Beata Maria Virgine“ KV 195 von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Solisten wechselten ständig ihren Platz, die Musik erklang im Wechsel zwischen den Chor und den einzelnen Solopartien, Solistenpaaren oder Quartett. Und alles in so rasantem Tempo das einige herrliche Streicherfiguren einfach hinwegmusiziert wurden. Die Dirigentin hatte den Chor fest im Griff, weniger den Solotenor, der seine Tonleitern im „Regina angelorum“ nicht immer stimmlich gekonnt ablieferte.

Stimmlich zueinanderpassend waren die Gesangssolisten der Grösse des Werkes nicht immer gewachsen, eine Ausnahme bildete hier die großartige Sopranistin Jutta Potthoff. Die vier Gesangs-Solisten sowie der Chor und Orchester reagierten flexibel und elegant, aber der eigentliche Höhepunkt wurde erst im „Agnus Dei“ erzielt. Hier wurde erfrischend und klanglich von allen Musizierenden ein gekonnter Abschluss gefunden.

Trotz gelegentlicher Schwächen kann den Prüflingen ein gutes handwerkliches Können bescheinigt werden was auch in einem grossen Beifall der Zuhörer zum Ausdruck bekundet wurde. Um unseren kirchlichen musikalischen Nachwuchs braucht uns nicht bange zu werden, das nötige künstlerische Können und Rüstzeug ist vorhanden nur ein anderes Problemfeld tut sich auf, wo werden sie unterkommen und ihr Können zu vervollständigen suchen, ob der rigiden Sparpolitik in der Kirche und den unzulänglichen Verdienstmöglichkeiten dort?