Archiv der Kategorie: Orgel-Konzertbesuche

Spanische Trompeten an der Collon-Orgel erobern den Herforder Stiftberg


Hallo,

eine perfekte und bemerkenswerte Orgeleinführung und ein dazu gegebenes Orgelkonzert spielte sich in St. Marien, Herford ab.


Foto: St. Marien Herford, (Fotorechte: V. Hege)

Im Rahmen einer Orgelreise nach Westfalen, durchgeführt von dem Verein “Musikfreunde St. Cosmae e. V.” Stade, in Zusammenarbeit mit der Orgelakademie Stade, wurde am 11. und 12. Oktober 2008 eine Zwischenstation in Herford eingelegt. Hier galt das besondere Interesse für das außergewöhnliche, an südeuropäischen Vorbildern orientierte Instrument der Kirche St. Marien in Herford, die „Collon-Orgel.“ Der Referent Martin Böcker, Stade, erwies sich an den zwei Tagen als ein perfekter Kenner mit der Aufführungspraxis alter Musik für Tasteninstrumente.

Collon-Orgel in St. Marien, Herford (Fotorechte: V. Hege)
Am Samstag gab es durch den Orgel-Sachverständigen und Experten für „Alte Musik“ Martin Böcker, auch für den Orgel-Laien sehr verständlich nachzuvollziehen, eine Einführung in die unterschiedlichsten Orgelarten der Barockzeit aus Frankreich, Spanien, Italien, Süd- und Mitteldeutschland. Alle Werke der Barockzeit aus den vorgenannten Ländern lassen sich an der wunderbaren Collon-Orgel wiedergeben. Seine Ausführungen zu den Spanischen Trompeten an der Collon-Orgel sorgten für Erheiterung und Bewunderung. Nach einer 1 1/2 -stündigen Erläuterung der unterschiedlichsten Facetten der Orgel mit Klangbeispielen, wurde der Besucher mit neuen Erkenntnissen und Wissen durch einen vorzüglichen Referenten und Orgelkenner – vertraut gemacht.
Das am Folgetag, Sonntag, 12.10.2008, gegebene Orgelkonzert durch Martin Böcker, Stade, untermauerten die erlangten Kenntnisse über die Klänge der Orgeln aus den genannten Ländern durch eine geschickte Werks-Auswahl.

Beginnend mit dem französischen Orgelkomponisten Nicolas de Grigny (1672-1703), wurde das

„Ave maris stella“ (Plein jeu mit c.f. im Tenor))
Fugue a 4,
Duo Dialogue sur les Grand jeux
aus „Les Hymnes des Principal Fetes de I ‚ annee“ (1699)
zu Gehör gebracht, es wurde traumhafter französischer Barockklang erzeugt, das war meisterlich und gekonnt vorgetragen worden.
Im Anschluss daran erklangen Werke spanischer Orgelkomponisten, die die St. Marien-Kirche fast erschüttern liessen.
Pablo Bruna (1611-1679)
„Tiento de segundo tono sobre la letania de la Virgen“
Mit diesem Abschnitt begann feurige spanische Orgelmusik der feinsten Art. Die ungewöhnlichen spanischen Trompeten-Klänge erbrachten eine ganz neue Sicht auf ungewöhnliche Orgelliteratur, – für uns Mitteleuropäer schmunzelnd zur Kenntnis nehmende Musik, – die begeisternd wirkt. Da wird aus der Collon-Orgel ein Spektakulum fabriziert, die den Hörer begeistert mitreisst.
Noch eins darauf gesetzt wurde mit dem anschließenden Werk des Komponisten

Juan Bautista Jose Cabanilles (1644-1712)
Tiento de Batalla de 5″ tono
Was hier zu Gehör gebracht wurde, lässt Händel mit seiner Feuerwerksmusik vor Neid erblassen. Man sieht geistig vor Augen die Batallione durch die Trompetenstösse animiert – Stellung zu beziehen, die Heerscharen werden durch diese trompetenhafte Orgelmusik ermuntert, den Angriff zu beginnen. Feuriger und grandioser kann dieses Werk dem Hörer nicht näher gebracht werden. hier erweist sich der Organist als ein Kenner der iberischen Musik und weiss das fantastisch an der hierfür hervorragend geeigneten Collon-Orgel entsprechend umzusetzten. Die Kirche bebt, der „Herforder Stiftberg“ ist bildlich im Sturm genommen worden, Dank dem hervorragenden Orgel-Interpreten „Martin Böcker“ aus Stade.
Wer mehr davon hören möchte mit dem gleichen Interpreten: „Martin Böcker“, sollte sich am

Dienstag, 4. November 2008, um 20:00 Uhr
auf den Weg machen, um diesen großartigen Orgel-Interpreten mit
„Iberische Orgelmusik aus drei Jahrhunderten“
nochmals hören und erleben zu können. Das Konzert, gegeben zum 2. Internationalen Orgelwettbewerb, in St. Marien, Herford, sollte ein weiterer Höhepunkt und Highlight sein.
Nach diesem Feuerzauber erklang Süddeutsche Musik der besonneren Art.
Georg Muffat (1653-1704), aus dem Elsass stammend. Er war Komponist und Organist in Straßburg, Wien, Salzburg und Passau tätig und schrieb das Werk:
Toccata sexta
aus „Apparatus musico organisticus“ (1699)
und von Johann Kaspar Ferdinand Fischer (1656-1746), geboren in Karlsbad/Egerland und tätig als Hofkapellmeister in Rastatt-Württemberg. Erklang die
„Passacaglia in d“
Diese süddeutschen Interpreten wurden wunderbar registrierend und mit einer brocken Klangfülle ausgestattet, prägend wiedergegeben.
Ein kleiner Ausflug nach England erfolgte mit John Blow (1649-1708)
Voluntary for single organ
A Verse for the Double Organ
Ein weiterer Höhepunkt erschloss sich anschließend mit den Werken von Johann Sebastian Bach.
„Meine Seele erhebet den Herrn“ (Magnificat)
a 2 Clav. et Pedal, BWV 648 aus den „Schübler-Chorälen“
Fuge über das Magnificat pro organo Pleno BWV 733
„Suscepit Israel“ aus dem BWV 243, Magnificat, Satz 10, Arie, Terzett für Sopran I & II, Alt,
in einer Bearbeitung für Orgel
Herausgreifen möchte ich das BWV 243, Satz 10, aus dem Magnificat als eine Orgelbearbeitung. In dem normalen Vokal-Werk ist ein zartes, ruhig fließenden Frauen-Terzett „Suscepit Israel“ zu hören hier greift der Thomaskantor in der Oboenstimme auf eine gregorianische Weise des Magnificat zurück; ebenso wie sich der Hörer an diese altvertraute Melodie erinnern mag, so entsinnt sich Gott seines bereits zugesicherten Erbarmens („recordatus misericordiae suae“).
Dieser Orgelsatz berührte mich ungemein, fantastisch wie der Interpret innig und zu Herzen gehend diese Umarbeitung als ein Orgelstück vorzutragen weiss, das war wieder die berühmte Stelle, die als ein Gänsehauterlebnis einem die Gewissheit gibt, Bach ist der „Große“, egal wie seine Musik zu Gehör gebracht wird, er ist immer stimmig und weiss die Besucher in seinen Bann zu ziehen.
Dieser Dank muss weitergegeben werden an einen fantastischen Orgel-Interpreten. Martin Böcker weiss die Barockepoche und Marienverehrung künstlerisch hervorragend vorzutragen, es war eine anderthalb-stündige Aufführung mit bewegender Orgelmusik. Die zahlreichen Besucher waren ihm zu Dank verpflichtet und spendeten enthusiastischen Schlussapplaus, was mit einer Zugabe durch den Künstler honoriert wurde.

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Hier geht es nachstehend zur Hörprobe aus dem BWV 243, Satz 10 aus dem Magnificat von J.S. Bach

mit dem „Suscepit Israel“ das linke Dreieck links vom Banner betätigen, ein wenig Geduld, das Hörbeispiel wird geladen..!!

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Hier nochmals ein Hinweis auf den 2. Internationalen Orgelwettbewerb in St. Marien in Herford im November 2008..!!
Flyer zum 2. Internationalen Orgelwettbewerb, in Herford im November 2008

An dieser Stelle gilt nochmals mein Dank an @Wolfgang, der uns diesen schönen Tipp gegeben hatte und die OWL-Orgeltruppe daraufhin in Marsch gesetzt hat. Es waren zwei ausgiebige und inhaltsreiche Tage die wir in Herford miteinander erleben durften.

Grüsse

Volker

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Organistin Elisabeth Roloff überzeugte in Bielefeld-Ummeln mit einem ausgewogenen Orgelprogramm


Hallo,

über ein wunderschönes Orgel-Konzert-Programm durch die liebenswürdige und International anerkannte Organistin Elisabeth Roloff, veranstaltet in der Ev. Kirche in Bielefeld-Ummeln, am Sonntag 13.4.2008, möchte ich hier berichten.


Foto: Ev. Kirche Bielefeld-UmmelnProgramm

J.S. Bach (1685-1750) „Dorische“ Toccata und Fuge (BWV 538)

Jaromir Weinberger (1894-1967) Dedications, Five Preludes

J.S. Bach Sonata V in C-Dur (BWV 529)

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Sonata V in D-Dur

Charles Tournemire (1870-1939) Cantilene improvisee, Improvisation sur le „TE DEUM“

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Foto: Kleuker-Orgel, Ev. Kirche Bielefeld-Ummeln


Foto. International anerkannte Konzert-Organistin und Dozentin aus Jerusalem, Elisabeth Roloff an der Kleuker-Orgel. (Fotorechte: V.Hege)

Das Programm begann mit der „Dorische“ Toccata und Fuge (BWV 538) von J.S. Bach.Am 21. September 1732 reiste J.S. Bach mit Anna Magdalena nach Kassel. Nach der Orgelprüfung erfolgte am 28. September 1732 durch J.S. Bach das Einweihungskonzert in der St. Martins-Kirche. Es erklang höchst-wahrscheinlich J.S. Bachs „Dorische Toccata und Fuge in d-moll“, BWV 538, ein ungemein virtuoses Stück aus seiner Weimarer Zeit.

Der zwölfjährige Erbprinz Friedrich von Hessen-Cassel schenkte Bach aus Begeisterung einen edelsteingeschmückten Ring, da er die Kunst der Füße Bachs bewunderte, die so beflügelt über die Pedale eilten, dass die wuchtigsten Klänge wie Blitz und Donner in den Ohren der Hörer widerhallten.

So, wie in diesem zitierten Textteil erklang die „Dorische“ nicht in der Ev. Kirche von Ummeln, da hier eine trockene Akustik das leider unterband. Lobend ist das virtuose Spiel und geschickte Registrieren der erfahrenen Organistin anzumerken, sie verstand es großartig, die feinen Nuancen in diesem großartigen Bach-Werk dem Hörer näher zu bringen und das nach ihrer schweren Erkrankung in einer Art und Weise, die mehr als Bewundernswert erscheint.

Im Anschluss daran erfolgte das Orgelwerk: DEDICATIONS; Five Preludes von Jaromir Weinberger.
Der in Prag geborene Komponist erhielt ab 1915 in Leipzig Orgelunterricht von Reger und emigrierte 1939 in die USA und komponierte dort fünf Orgelwerke.
Weinberger bezeichnet seine kurze Zeit bei Reger als einen entscheidenden Einfluß in seinem Leben.

Die fünf Präludien der Dedications ist für jedes Stück einer biblischen Frauengestalt gewidmet, womit I Miriam (2. Mose, 4. Mose), II Rachel (1. Mose), III Ruth (Buch Ruth), IV Deborah (Buch der Richter 4, 5) und V Esther (Buch Esther) ihre jeweilige Rolle, deren Charakter und Atmosphäre zugewiesen bekommen; als Lieder ohne Worte erfahren sie eine Sonderbehandlung.
Diese moderne Tonsprache wurde spektakulär und gekonnt von der Organistin entsprechend umgesetzt.

Mit der späten Barockzeit erklang von J.S. Bach aus den Trio-Sonaten die Sonata V in C-Dur (BWV 529).
Diese Trio-Sonaten wurden höchstwahrscheinlich zu Beginn der Leipziger Zeit für die musikalische und technische Ausbildung des Sohnes Wilhelm Friedemann und anderer Schüler komponiert. Man kann von dieser Schönheit der Trio-Sonaten nicht genug bekommen.
Dem entsprechend war dieses Orgelwerk für mich ein besonderes Herzstück an diesem Orgelnachmittag.
Welche Fallstricke beinhalten diese Orgel-Sonaten, innig berührend und überzeugend verstand es die Organistin, diese wunderbare Orgelliteratur künstlerisch auszugestalten und wiederzugeben, das war purer Orgelhörgenuss vom Feinsten, der vortrefflicher nicht umgesetzt werden kann.

Die
Sonata V in D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy ist ein Herzstück der Romantik. Es ist kein Geheimnis, dass die Sonaten von Mendelssohn zur erfolgreichsten Gattung in der Orgelmusik des späten 19. Jahrhunderts wurden. Eine üppige Klangvielfalt mit romantischen Elementen bespickt erklang dieses wunderschöne Orgelwerk. Die Möglichkeit der Kleuker-Orgel, das entsprechend umzusetzen, wurde bravurös und excellent von einer Kennerin dieser Materie wiedergegeben, genial gelungen.

Zum Abschluss erklang französische Kathedralmusik von Charles-Arnaud Tournemire mit dem Cantilene improvisee und Improvisation sur le „TE DEUM.“

Erstaunt vernimmt der Hörer, dass an der Kleuker-Orgel so großartige Kathedralmusik möglich erscheint. Bewundernswert, wie die Originalsprache der französischen Orgelliteratur von einer Kennerin umgesetzt wurde. – Die Organistin verbrachte einen langjährigen Aufenthalt in Paris und studierte bei M.C. Alain und
von 1974 bis 1982 war sie „Organiste Titulaire“ an der Deutschen Kirche in Paris. –

Dieses Wissen und Können vermittelte Elisabeth Roloff dem Hörer unmittelbar und gekonnt, das war großartig gelungen und mehr als bewundernswert, was diese Organistin mit 71 Jahren an der Orgel zelebriert und zu leisten im Stande ist, Bravo, ein Wiedersehen und Hören wäre mehr als wünschenswert.
Für ihre anschließende Orgeltournee durch Deutschland und Europa wünsche ich ihr viel Kraft, Stehvermögen und vor allen Dingen Gesundheit.

Eine sehr gut gefüllte Kirche überbrachte dieser großartigen Künstlerin den wohlverdienten Applaus mit Standig Ovatione und erlebten eine Sternstunde mit Orgelmusik.

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Auf  YouTube gibt es ein Video mit Elisabeth Roloff BWV 654 „Schmücke dich, o liebe Seele“

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Rezension der NW vom 16.04.2008

Gruss
Volker

Archiv-Beitrag: Besuch der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein in der Frauenkirche Dresden am 22.06.2007 um 23:00 Uhr


Dresden, 22.06.2007 Volker

Besuch der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein in der Frauenkirche Dresden am 22.06.2007 um 23:00 Uhr

Foto: Frauenkirche Dresden (Fotorechte: V.Hege)

Mit großen Erwartungen und voller Vorfreude, eine wunderschöne Orgel-Nachtmusik bei Kerzenschein an der neuen Kern-Orgel in der großartigen Frauenkirche erleben zu können, lenkten wir unsere Schritte auf die uns zugewiesene Eingangstür. Nach einem längeren Aufstieg gelangten wir auf die erste Empore links, hier angekommen schnappten wir erst einmal nach Luft, so stickig und schwül war der kleine Raum.

Schnell wurde in das zuvor gekaufte Programmheft geschaut, um uns schlau zu machen, was denn für Orgelwerke an dem Konzertabend anstehend würden. Der erste Blick galt in dem Programmheft dem ausführenden Organisten, die Mine hellte sich auf, nichts Geringeres als der Dom-Organist aus Erfurt „Silvius von Kessel“ wurde angekündigt, ein Großer seiner Gilde, da schien der Abend schon einmal Verheißungsvolles anzukündigen.


Foto: Stimmungsbild von der Orgel-Nacht-Musik bei Kerzenschein

Weiterlesend verzog sich das Minenspiel mit Längen nach unten, angekündigt in den Programm-Zeilen wurden Texte und Musik – Gottesfragen – Menschenworte von „Annette von Droste Hülshoff“ mit Orgel-Improvisationen des ausführenden Organisten.

Der eingenommene Sitzplatz auf der 1. Empore links erwies sich schon als eine Zumutung, 9,80 € als Eintritt war ganz schön happig und dann das ständige Knattern der Holzbänke und des Fußbodens während der Lesung und Orgelmusik, keine Sicht in das Frauenkirchen-Mittelschiff, kippte unsere Stimmung ins Gegenteil um. Hier fühlten wir uns verschaukelt, unser Wunsch, ein tolles Orgelkonzert zu erleben, erwies sich als Trugschluss, wie groß war die Werbung auf eine Orgel-Nachtmusik bei Kerzenschein ausgerichtet, und dann wird man so in die Irre geleitet.

Foto: Beetstuben darüber die erste Empore

Die Lesungen, vorgetragen von Mitgliedern des Staatsschauspiels Dresden, waren allesamt sehr verständlich vorgetragen aber hatten eine Länge, die dem erschöpften Angereisten nur ein müdes Interesse hervorzulocken vermochten.

Nach insgesamt acht Themen Lesungen wurde dazwischen als Übergang zu der folgenden Lesung eine spezifische Orgel-Improvisation des Dom-Organisten zu dem vorangegangenen Thema zu Gehör gebracht.

Diese Orgel-Improvisationen waren so schrecklich für unsere barocken Ohren anzuhören, dass wir in Erwägung gezogen hatten, zur Halbzeit die Kirche zu verlassen. In Scharen verließen zuvor die angelockten Besucher die Frauenkirche, wir aber harrten aus, und erlebten weiter ermüdende Lesungen und nicht erträgliche Orgelmusik, diese Musik strapazierte nur unsere Ohren. Die Improvisationen an der Orgel dauerten zwar nur ca. 20 bis 25 Minuten, aber auch das war schon des Guten zuviel.

Foto: die Kern-Orgel der Frauenkirche in Dresden

Frustriert strebten wir dem Ausgang zu und waren von dem Gebotenen total enttäuscht, es erhebt sich die Frage, muss der Besucher so etwas angeboten bekommen, eine Programmgestaltung mit klassischer Orgel-Literatur wäre empfehlenswerter, hier sollten sich die Veranstalter der Orgel-Nacht einmal Gedanken darüber machen…..

Volker

Archiv Beitrag "Ein begeisterndes Orgelkonzert" am 29. Juli 2007 in der St. Marien Kirche in Herford


Herford, 31. Juli 2007


Ein begeisterndes Orgelkonzert fand am 29. Juli 2007 in der St. Marien-Kirche Herford / OWL statt


Foto: St. Marien-Kirche Stift Berg in Herford (Fotorechte @ V.Hege)


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Das Programm

Sonntag, 29. Juli. 2007, 18.00 Uhr
St. Marien-Kirche Stift Berg, Herford /OWL
2. ORGELKONZERT im Rahmen des „Herforder Orgelsommer 2007“
Organist: Ewald Kooiman / Amsterdam NL

HAUPTORGEL:
Samuel Rousseau : Fantaisie pour Orgue ou Piano-pédalier, op.73
(1852-1904) “`a la Mémoire de mon Cher Maître César Franck”
[ Leduc, 1894]

Jean Langlais : Thème avec variations (Huit Pièces modales no.5)
(1907-1991) [Philippo]

COLLON-ORGEL:


Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Sarabande con Partite, BWV 990
Drei Bearbeitungen von
“Nun komm der Heiden Heiland“:
BWV 659
BWV 660
BWV 661
Toccata C-dur, BWV 564
*Toccata
*Adagio
*Fuge

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Ein Über-Organist der Alt-Gilde: „Ewald Kooiman“ stellte sich am 29. Juli 2007 in Herford vor. Eine Viertel-Stunde vor Konzertbeginn war die „Marien Kirche Stift-Berg“ bereits voll gefüllt und es bedurfte Ausschau zu halten, wo noch ein freier Platz eingenommen werden konnte. Für einen auswärtigen Besucher ist es immer wieder beeindruckend zu erleben, welch ein riesiger Besucher-Zuspruch an Klassischer Musik in dieser kunstfreudigen Stadt Herford vorherrscht.


Desgleichen erlebten wir mit diesem Ausnahme-Orgelkonzert, die Kirche war berstend voll, – wo findet man so etwas noch in Deutschland oder Europa – wo die Kirchen nur noch schmählich von Besuchern besetzt sind. Hier scheint die Stadt Herford eine Insel der Glückseligkeit zu sein, und eine Ausnahmestellung zu besitzen!!

Als ein wahrer Orgel-Virtuose stellte sich in der Person von Ewald Kooimann mit seinem ausgefeilten Programm vor.


Foto: Organist Ewald Kooiman

Das Konzertprogramm begann mit französischer Orgel-Literatur an der „Alten Groß-Orgel“ von St. Marien mit dem Werk eines Schülers von Cesar Franck, Samuel Russeau, Fantaisie pour Orgue ou Piano-pédalier, op.73, das sowohl auf der Orgel als auch auf dem Pedalklavier ausgeführt werden kann.


Foto: Die Groß-Orgel (Steinmann) in der St. Marienkirche Herford (Fotorechte:@ V.Hege)


Durch eine geschickte Registrierung und virtuose Gestaltung erklang das moderne Werk in fantastischen Klangfarben, beeindruckend, was an der alten Groß-Orgel an Klangvielfalt möglich ist.

Der zweite Programmpunkt wurde an derselbigen Groß-Orgel von Jean Langlais, mit dem Werk: Thème avec variations (Huit Pièces modales no.5), fortgesetzt.

Die Akustik für diese französischen Programme sind in der St. Marien-Kirche, Stift Berg, als hervorragend zu benennen, Raum und Klang ließen keine Wünsche offen, fantastisch, was dieser großartige Alt-Meister als Konzert-Organist den Besuchern bot, eine Orgel-Lehrstunde

mit französischer Literatur, die als überwältigend zu benennen ist. Seine Kenntnisse über diese Orgel-Literatur und entsprechende Umsetzung dieser Werke gelangen ihm aufs Vortrefflichste.


Foto: Die neue Collon-Orgel in St. Marienkirche Herford (Fotorechte: @ V.Hege)


Ein weiterer Höhepunkt erfolgte mit Bach-Werken an der neuen Collon-Orgel, platziert an der Westwand im Mittelschiff von der St. Marien-Kirche, Stift Berg.


Die nachfolgenden Bach-Werke:

Sarabande con Partite, BWV 990,

Drei Bearbeitungen von
“Nun komm der Heiden Heiland“: BWV 659, BWV 660, BWV 661,
Toccata C-dur, BWV 564, (Toccata, Adagio, Fuge).


Hier hieße es, „Eulen nach Athen zu tragen!“ ein Bach-Kenner und Künstler von „Gottes Gnaden“, in der Person von Ewald Kooiman, (sämtliche Orgelwerke von Bach wurden von ihm an historischen Orgeln eingespielt) stelle sich vor, der die Besucher schier aus dem Häuschen zu locken vermag, ein großartig Organist und Bach-Interpret. Hier erwies sich die neue Collon-Orgel, fantastisch platziert, als ein ebenbürtiges Instrument zu der alten Groß-Orgel. Ein Wunder an Raum und Klang, diese Kirchengemeinde ist zu beneiden ob ihrer fantastischen Orgeln.


Über die Wiedergabe und Besprechung der einzelnen Bach-Werke ist nur positives zu berichten, sie stellten für mich den Höhepunkt der Veranstaltung dar. Der niederländische Konzert-Organit Kooiman bot eine Lehrstunde mit der Wiedergabe von großartigen Bach-Werken. Die Nuancen ausgefeilt hörbar gemacht, eine Registrierung, die beeindruckte. Die virtuose Umsetzung, Interpretation und entsprechende Klangvielfalt kann nur von einem Groß-Meister als absoluter Bach-Kenner und Spitzen-Organist entwickelt und zu Gehör gebracht werden. Ein beseelendes Spiel, dass den Hörer emotional mitzunehmen und zu berühren weiß.


Ein donnernder, nicht abebbender Applaus erfüllte die altehrwürdige Kirche, der Groß-Organist fühlte sich ehrbar gerührt und in so einer fantastischen Orgelgemeinde mehr als wohl aufgehoben.

Als Dank spielte er als Zugabe eine rührige Choralfantasie „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr.“


Ein Orgelabend wurde geboten, der die riesige Zuhörerschar mehr als befriedigte, es war ein Orgel-Niveau vom Feinsten, es ist erfreulich, solche Veranstaltungen nicht nur in Leipzig, Dresden, etc. erleben zu können, nein, die Provinz ermöglicht es ebenfalls und das ist das erfreuliche Fazit, dass auch hier großartige Veranstaltungen zu erleben sind und in der Großartigkeit und dem enormen Besucher-Zuspruch seinen entsprechenden Rahmen finden.

Die Großstadt Bielefeld – in der Nähe von Herford gelegen – muss vor Neid erblassen, hier sind die Besucherzahlen nicht so erfreulich!!

Der Herforder-Orgelsommer 2007 dauert bis September und wird mit internationalen Orgel-Größen fortgesetzt. Über den Link sind nähere Einzelheiten der Programmtage abrufbar.

Archiv Beitrag: Daniel Roth zu Besuch in Bielefeld


Bielefeld, 11.01.2007

Meister-Organist „Daniel Roth“ begeisterte in der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld am 11.01.2007


Meister-Organist Daniel Roth (Bild: Homepage Daniel Roth)

Programm:

J.S. Bach (1685-1750)

Praeludium und Fuge in C – Dur BWV 547
Partita „Sei gegrüßet Jesu Gütig“ BWV 768

Cesar Franck (1822 – 1890)

Interlude symphonique aus Rédemption,
Orgelbearbeitung: Daniel Roth
Eugène Gigout – (1844 – 1925)
Scherzo in E – Dur

Daniel Roth (* 31.10.1942)

Eigenkomposition:
Artizarra, Fantasie über ein baskisches Lied für
das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias)

Charles Marie Widor (1844 – 1937)

Finale aus der 7. Symphonie

In der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld wurde im Rahmen der Albert Schweitzer Tage ein hochrangiger Organist in Person von Daniel Roth – tätig an der Kirchengemeinde St. Sulpice in Paris – verpflichtet. Meister-Organist Roth steht als eine weitere Größe in der Nachfolgeschaft seiner bekannten Vorgänger wie Charles-Marie Widor und Marcel Dupré für die Cavaillé-Coll-Orgel an St. Sulpice in Paris zur Verfügung.


Foto: Altstädter Nicolaikirche Bielefeld (Fotos: Altst.Kirchengemeinde)

Beratend in der Planung und Disposition stand Albert Schweitzer für die in 1944 vollständig zerstörte Orgel für den Neubau der „Kleinen Beckerath-Orgel“ zur Verfügung die er auch persönlich einweihte. Zwei Orgelkonzerte fanden von Albert Schweitzer in der Nicolaikirche statt. Aus diesem Anlass veranstaltet die Nicolaikirchengemeinde jährlich zu seinem Geburtstag (14.Januar), die Albert Schweitzer Tage. Hieran orientierte sich entsprechend das Programm mit Werken von J.S. Bach und französischer Orgelliteratur.


Foto: Grosse Beckerath-Orgel, Neubau von 1965 in der Nicolaikirche Bielefeld

Als ein Genius an der Orgel war der gebürtige Elsässer nur zu bewundern. Eine überragende Spielkultur und Interpretation, in der künstlerischen Ausführung und Registrierung merkte der Besucher sofort, hier stellt sich ein Konzert-Organist der Sonderklasse vor.

Im Auftakt des BWV 547 in Präludium und Fuge C-Dur brillierte sein Spiel in den Fugen. Er verstand es meisterlich eine entsprechende Akzentuierung seinem Spiel mitzugeben.

Das BWV 768 ( Partite diverse sopra il corale) „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ gehört zu den frühen Werken Bachs und ist in ihrer 11-sätzigen Struktur formal an seinen norddeutschen Lehrmeister Georg Böhm angelehnt, es nimmt als reifstes Werk dieser Frühperiode eine Sonderstellung ein. Ganz im Sinne Schweitzers erfolgte seine Interpretierung und entwickelte im weiteren Verlauf des Variationszyklus sowie in der abschließenden fünfstimmigen Variation eine berauschende Wiedergabe in barocker Klangpracht, die er dieser fantastischen Orgel zu entlocken vermochte.

In dem Orgelwerk von Cesar Franck „Interlude symphonique aus Rédemption“, hat Daniel Roth eine Bearbeitung des „Interlude symphonique“ aus dem Oratorium „Die Erlösung“ hinzugefügt. Eine Orgelsinfonie in orchestraler Ausprägung und prägnanten Klangfarben. Hier bezeugte Roth seine überragende Kunstfertigkeit an der Orgel, dem Hörer ein Klangideal vorzuführen, dass bewegend einzuwirken vermochte.

Daniel Roth, seine Eigenkomposition: „Artizarra, Fantasie über ein baskisches Lied für das Fest der Erscheinung des Herrn“ (Epiphanias), trägt unverkennbar die Züge einer französischen Komposition. Feinfühlig, elegant in seinem Spiel versteht er es vortrefflich, dem Hörer Tonal die „Heiligen Drei Könige“ auf der Orgel vorzuführen.

Den grandiosen Schlusspunkt setzte er mit dem Werk von Charles Marie Widor „Finale aus der 7. Symphonie.“ Virtuoses Können, geschmeidig ausformend und in der entsprechenden Klangwucht präsentierte sich ein großartiger Kenner und Meister in diesem französischen Orgelwerk.

Ein überragender Orgelabend wurde mit nicht endend wollendem Beifall durch die Besucher entsprechend honoriert.

Die Besucherresonanz blieb leider hinter den Erwartungen zurück und sollte zu neuen Denkanstößen des Veranstalters führen. Aufwand und Ertrag steht in keinem Verhältnis, Anfahrt des Meister-Organisten am Vortag aus Paris um dann am Folgetag eine überschaubare Kleinst-Hörerschaft vorzufinden, muss frustrierend wirken und wirft ein schlechtes Bild auf die sonst so konzertfreudige und besucherfreundliche Stadt Bielefeld.

Kritik übe ich an der Form als Kleinstankündigung in den Bielefelder Tageszeitungen. Hier sollte in Zukunft aufgrund eines so großartigen Kunstereignisses auch überregional und in einem größeren Beitrag daraufhingewiesen werden müssen.

1. Internationaler Orgelwettbewerb an der „Collon Orgel“ St. Marien in Herford


Herford, 05.11.2006

1. Internationaler Orgelwettbewerb an der „Collon Orgel“ St. Marien in Herford wurde nach einem großartigen Finale am 5.11.2006 die Sieger gekürt.

Die Collon-Orgel der Kirche St. Marien zu Herford ist ein Vermächtnis des Unternehmers Dieter Ernstmeier (1939 – 2002). Auf ihn geht auch die „Dieter-Ernstmeier-Stiftung“ zurück, die Träger des Internationalen Orgelwettbewerbs in der Kirche St. Marien zu Herford ist.


St. Marienkirche Stift Berg, Herford / OWL

Foto: Collon-Orgel in St. Marien, Herford (Foto: Collon)

Der Wettbewerb ist offen für Organisten aller Nationalitäten, die nach dem 1. Januar 1972 geboren sind.

Von 54 Mitbewerbern aus 16 Nationen – ab Jahrgang 1972 – wurden in einer Vorauswahl die letzten 18 Finalisten aus 10 Nationen von einer Jury mit Michael Radulescu; Vorsitzender der Jury; (Wien), Jacques van Oortmerssen (Amsterdam), dem Schweden Hans-Ola EricssonMartin Böcker (Stade), Professor Bernhard KlapprottJörg-Neithardt KellerProfessor Dr. Helmut Fleinghaus (beide Herford) ausgewählt worden. (Professor in Bremen) sowie den deutschen (Weimar), und

Alle Beteiligten waren voll des Lobes über den überragenden Besucherzuspruch ( ausgebuchte Kirche an 3 Tagen !!!!), die überdurchschnittliche Qualität der Bewerber und einer grandiosen Collon Orgel mit ihren klangtechnischen Möglichkeiten – eine adäquate Interpretation der Orgelmusik Italiens, Spaniens, Frankreichs, Flanderns, Süddeutschlands sowie der mitteldeutschen Schule, ausgehend von J. S. Bach – hierauf wiedergeben zu können. Eine absolute Meisterleistung des heutigen Orgelbaus gelang Collon aus Brüssel, Raum und Klang vereinen sich zu einer Symbiose, die großartiger nicht ausfallen kann. Erstmals wurde ein Extra-Preis durch das Votum der Besucher vergeben, was der Veranstaltung seinen besonderen Reiz verlieh.

Grussworte des Jury – Vorsitzenden Michael Radulescu:
An dieser Orgel hätten die jungen Musiker nicht gegeneinander gekämpft, sondern miteinander musiziert, stellte der Vorsitzende der Jury dankbar fest: „In diesem prächtigen Raum war das Niveau der Darbietungen erstaunlich hoch.“ Die Organisten hätten sich intensiv mit der Vielfalt europäischer Musik auseinander gesetzt.

„Seit Jahren hatte ich von einem solchen Wettbewerb geträumt“, bekannte Radulescu: „Nun ist der Traum Wirklichkeit geworden.“

Die drei Finalisten für das Abschluss-Konzert der Preisträger am 3. Tag: Sonntag, 05.11.2006 wie folgt:

Philippe Oliver Salandini / Frankreich

Der Franzose Olivier Salandini studiert wie Gritter in Amsterdam. Er gewann im vergangenen Jahr den Internationalen Cembalo-Wettbewerb in Bologna und tritt häufig als Cembalist hervor.

Seine vorgetragenes Orgelwerk: Nicolas de Grigny (1672-1703) – franz. Orgelkomponist in Paris und Reims – mit dem Werk: Hymnus „Veni creator“ En Taille – Fugue – Duo – Recit de Cromorne – Dialogue sur les Grands Jeux.

In diesem französischen Orgelwerk gelang ihm eine ausgezeichnete Wiedergabe, technisch profund und in der Registrierung wunderbar wiedergegeben, doch ohne Pedalbenutzung disqualifizierte er sich selbsttätig für eine bessere Platzierung?

Mit dem BWV 655 von J.S. Bach (1685-1750) Choraltrio „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ gelang ihm eine Wiedergabe im Pedal vortrefflich, sowie in der Registrierung fein ausnuanciert und einem beseelten Spiel, so muss Bach klingen, ergriffen lauschten die Zuhörer seines Spiels und spendeten einen wohlwollenden Begeisterungsapplaus für seinen vorzüglichen Bachvortrag. Wegen des vorgenannten Mankos (ohne Pedalspiel?) reichte es für die Jury nur für den dritten Platz, das Publikum wählte ihn auf Platz zwei.

Gerben Gritter / Holland

Gerben Gritter (geboren 1979) studiert Orgel bei Jacques van Oortmerssen am Conservatorium Amsterdam sowie Musikwissenschaft an der Universität Utrecht.

Oortmerssen war ebenfalls einer der Juroren beim Herforder Wettbewerb. Gerben Gritter nahm an Meisterkursen von Jean Boyer, dem Juror Hans-Ola Ericsson, Andrea Marcon, Jan Raas, Stef Tuinstra und Harald Vogel teil.

Er errang beim Internationalen Schnitger-Orgelwettbewerb 2003 Alkmaar den 2. Preis. Im vergangenen Jahr gehörte er zu den Finalisten des Internationalen Sweelinck-Orgelwettbewerbes in Amsterdam. Gerben Gritter ist Organist an der Nederlands Hervormde Kerk zu Westerbork und Assistent-Organist an der Waalse Kerk in Amsterdam.

Seine vorgetragenen Orgelwerke: J.S. Bach; BWV 541 „Präludium und Fuge“ G-Dur; und BWV 659 Choralbearbeitung über „Nun komm, der Heiden Heiland.“

Groß in der Statur so entpuppte sich auch ein großartiger Bachkenner. Es wurde fein registriert und ein wohlfeiles mitteltöniges Klangvolumen von ihm vorgetragen. Hier wächst ein großartiger Bachinterpret der jungen Orgelgeneration heran, dem alle Türen der Konzertsäle und Kirchen weit geöffnet scheinen. Ein Manko muss er ablegen, sein Spiel wirkt ein wenig zu pastoral vorgetragen, wenn er das ablegt, wird er ein ganz „Großer“ in der Orgelszene als Bachinterpret. Die Jury platzierte ihn auf Platz zwei, die Besucher auf Platz drei.

Magdalena Hasibeder / Österreich

Magdalena Hasibeder, geboren 1982 in Linz, erhielt ihren ersten musikalischen Unterricht in Klavier an der Landesmusikschule St. Georgen bei Frau Kathan und ihren ersten Orgelunterricht mit 12 Jahren. Sie besuchte das Linzer Musikgymnasium und absolvierte gleichzeitig ein künstlerisches Basis-Studi­um am Linzer Bruckner-Konservatorium bei Prof. Mitterschiffthaler. Im Jahr 2000 erhielt sie den 1. Preis beim Wettbewerb „Prima la Musica“ in Feldkirch. Sie besuchte mehrere Meisterkurse, u.a. bei Wolfgang Zehrer, Ludger Lohmann, Tini Mathot u.a. und studiert seit 4 Jahren an der Wiener Musikuniversität (Cembalo bei Wolfgang Glüxam, Orgel bei Michael Radulescu). Sie konzertiert und ist mehrfache Preisträgerin von „Prima la musica“.

Ihre vorgetragenen Orgelwerke: Francisco Correa de Arauxo (Araujo) (1575?-1654) – spanischer Orgelkomponist in San Salvador und Segovia – mit dem Werk; „Tiento de septimo tono“ Nr. 27;
sowie von Jacques Boyvin (1649-1706) – französischer Orgelkomponist in Paris und Rouen – mit dem Werk: „Suite du Troisieme ton Plein jeu“ – Fugue – Dessus de tierce – Cromhorne en taille – Grand Dialogue.

Magdalena Hasibeder klein in der Statur aber als eine überragende Könnerin an der Orgel erwies sich von Anbeginn ihres Vortrages diese famose Organistin aus Österreich. Hier spürte man sofort, da ist eine gewiefte Künstlerin am Werkeln, die ihr Orgelhandwerk versteht. Für diesen Wettbewerb großartig disputiert in ihrer Werksauswahl und schöpfend aus ihren Erfahrungen aus zahlreichen Konzerttätigkeiten, konnte sie dieses Wissen und Können entsprechend mit einbringen und umsetzen. Ob spanische oder französische Orgelliteratur, sie verstand es geradezu meisterlich, in ihrem Vortrag alle zu berücksichtigenden Facetten gewinnbringend darzustellen.

Berauschend ihre virtuose Spielweise ob Pedal, Klaviatur oder Registrierung, alles gelang ihr an diesem Abend vor einer riesigen Zuhörerschaft aufs Allerprächtigste. Was für ein Organistinnen-Juwel bildet sich hier heran, unterstützt von einem großartigen Musik-Professor „Michael Radulescu“ aus Wien, der ihr das gewisse Rüstzeug für die Zukunft mitgeben wird. Zu Recht von der Jury und den Besuchern mit überwältigender Mehrheit auf Platz eins gestimmt, ist sie als die vortrefflichste Siegerin gekürt worden.

Magdalena Hasibeder konnte als Mitgift: 1. Preis der Jury: 8.000,00 € – 1. Preis durch das Besuchervotum: 1.500,00 € – als ein vortreffliches Honorar mit nach Österreich überführen. Mit diesem Preisgeld erhielt eine großartige Nachwuchs-Organistin eine entsprechende Würdigung.


Foto: Magdalena Hasibeder 1.Preisträgerin im Collon-Orgelwettbewerb Herford (Quelle: NW)

Riesiger, nicht endend wollender Applaus galt allen Beteiligten für einen großartigen Orgelabend. In OWL (Ostwestfalen-Lippe) ist durch diesen 1. Internationalen Orgelwettbewerb eine neue Orgel-Ära angebrochen, die positive Spuren hinterlassen wird.


(Foto NW) „Die drei Preisträger“ von links:

Magdalena Hasibeder / Österreich, Gerben Gritter / Holland, Philippe Oliver Salandini / Frankreich


1. Preis 8.000,-€
2. Preis 5.500,- €
3. Preis 3.000,-€
Improvisations-Preis 3.000,- €
Publikums-Preis 1.500,- €

.





Die Disposition der Collon-Orgel

Hauptwerk: Bourdon 16′ Unterwerk: Gedeckt 8′ Pedal: Subbass 16′

Prinzipal 8′
Traversflöte 8′
Principalbass 8′

Gedeckt 8′
Principal 4′
Gedecktbass 8′

Salicional 8′
Fugara 4′
Oktavbass 4′

Oktave 4′
Nasat 2 2/3′
Posaunenbass 16′

Flöte 4′
Oktave 2′
Trompetenbass 8′

Quinte 2 2/3′
Flageolet 2′


Oktave 2′
Terz 1 1/3′
Manualkoppel

Terz 1 3/5′
Larigot 11/3′
Kurze Oktavkoppel HW

Quinte 1 1/3′
Mixtur III
Pedalkoppel HW

Mixtur IV
Cromorne 8′
Pedalkoppel UW

Cornet V
Vox Humana 8′
Tremulant

Trompete 8′




Chamade 4’/8′



Quelle: Musikschule Herford

Ergreifende Orgelmusik erklang zum Beginn des Sommerzyklus in der Kollegiumskirche Brig-Schweiz


Brig-Wallis, Schweiz, 03.09.2006

Ergreifende Orgelmusik erklang zum Beginn des Sommerzyklus 2006 in der Kollegiumskirche Brig.


Ansicht der Kollegiumskirche Brig / Wallis-Schweiz (Copyrigth: V. Hege)



Ansicht der Flüglister-Orgel in der Kollegiumskirche Brig / Wallis-Schweiz (Copyrigth: V. Hege)

Programm:

J.S. Bach Toccata und Fuge in D-Moll, BWV 565

Wolfgang Amadeus Mozart Adagio-Allegro-Adagio in F, KV 594

Franz Liszt Evocation a la Chapelle Sixtine

(mit Zitat „Ave Verum“ von Mozart, KV 618)

Robert Schumann Zwei Fugen über B-A-C-H op.60

Nr.3 in G-Moll (mit sanfter Stimme)

Nr.2 in B-Dur (Lebhaft)

An der Flüglister-Orgel: Hilmar Gertschen, Naters

Titularorganist der Kollegiumskirche Brig / Schweiz

Als ein wahrer Meister seines Faches erwies sich Hilmar Gertschen an der vielseitigen Flüglister-Orgel in der Kollegiumskirche Brig / Wallis. Die Programmauswahl reichte vom Spätbarock bis zur Romantik und wurde Interpretatorisch und gekonnt wiedergegeben.

Über Toccata und Fuge in D-Moll, BWV 565, von J.S. Bach ist laut der Überlieferung erst mit der Abschrift aus der Feder von dem Kellner-Schüler Johannes Ringk (1717-1778) das Werk bekannt geworden. Über die Probleme ihrer Überlieferung und Autorenschaft ist hinweislich viel geforscht und geschrieben worden.

Ein phänomenaler Spannungsbogen gelang dem Organisten in der Registrierung und Klangwiedergabe in der Einleitung des 1.Satzes, im Mittelsatz der Fuge kontrastiert er wunderschön die Sechzentel als fugiertes Zwischenspiel und im Schlusssatz gelingt ihm die Harmonik der überschriebenen Kadenz im Tempo und Bewegungswechsel vortrefflich. Eine in sich kaum zu überbietende Wiedergabe dieses grandiosen Orgelwerkes durch einen profunden Bachkenner.

Zum Mozartjahr erklingt die kleine Fantasie f-Moll, KV 594; W .A. Mozart benennt es „Ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr“. Zur Ehre von Feldmarschall v. Laudon, Sieger von Belgrad in den Türkenkriegen, dürfte dieses Werk als Trauermusik für das Mausoleum in Wien entstanden sein. Das Adagio leitet das Werk ein, im Mittelteil in F-Dur erklingt eine kleine Sonatensatzform. Die beiden Themen werden sehr prägnant durchgeführt sodass ein klangliches Kabinettstück entsteht. Das Anfangs-Adagio beschließt das Werk. Hier erweist die Flüglister-Orgel ihre Vielseitigkeit und wurde durch Gertschen gekonnt und in einer wahren Innigkeit im Klangspiel und einer bewegenden Registrierung zu Gehör gebracht.

Durch einleitende Worte zum Anfang des Konzertes machte Gertschen die Besucher mit dem Werk von

Franz Liszt: Evocation a la Chapelle Sixtine, (mit Zitat „Ave Verum“ KV 618 von W.A. Mozart) vertraut. Folglich soll Mozart während seines Italienaufenthaltes (1770) in Rom in der Sixtinischen Kapelle ein Vokal-Werk eines italienischen. Meisters gehört und abgekupfert haben. Als Hommage an Mozart angedacht, komponierte Liszt dieses Orgelwerk. Im 2. Satz war vortrefflich das „Ave Verum“ von Mozart zu hören. Eine gekonnt historische Wiedergabe in all ihren klanglichen Facetten gelang hier dem Organisten vortrefflich.

Zum Abschluss erklang von Robert Schumann: Zwei Fugen über B-A-C-H op.60;

Nr.3 in G-Moll (mit sanften Stimmen); sowie Nr.2 in B-Dur (Lebhaft).

Das op. 60, besteht aus sechs Fugen über den Namen B A C H. Schon früh setzte sich Schumann mit “Der Kunst der Fuge” von Bach auseinander und bezeichnete sein op.60 als ein wahrhaft poetisches Gebilde. Gertschen spielte aus diesem op.60 – beginnend mit Nr.3 in G-Moll (mit sanften Stimmen) -. In einer andachtsvollen Meditation wurde diese Fuge sehr gekonnt vom Organisten umgesetzt. Die zweite Fuge Nr.2 in B-Dur besticht durch Ihr motorisch-bewegliches und energisches Hauptthema und steht dem Typus einer Toccata nahe. Der Schlussteil entspricht wieder dem beweglichen Motiv des Hauptteiles und setzt so wieder den Glanz der virtuosen Fuge frei. Auch in dieser Interpretation des großen und einzigen komponierten Orgelwerkes von Robert Schumann erweist sich der Organist als ein Kenner der Materie und wusste in der Registrierung und der Klanggestaltung zu gefallen.

Eine gut gefüllte Kirche von Zuhörern – im Gegensatz zum Vorjahr – dankten dem Organisten Hilmar Gertschen mit einem nicht enden wollenden Applaus für eine großartige Orgelstunde.

Evgl. Kirche in Bielefeld-Ummeln, Orgelkonzert mit Elisabeth Roloff, 06.08.2006


Evgl. Kirche in Bielefeld-Ummeln, Orgelkonzert mit Elisabeth Roloff, 06.08.2006


Foto: Ev. Kirche Bielefeld-Ummeln


Elisabeth Roloff
gehört zu den bekanntesten und gefragten Konzertorganistinnen der Welt,geboren am 18.02.1937 in Bielefeld_ Ostwestfalen. Elisabeth Roloff studierte an den Hochschulen für Musik in Berlin und Köln. Im Fach Orgel legte sie die Reifeprüfung ab. Von 1974 bis 1982 war sie „Organiste Titulaire“ an der Deutschen Kirche in Paris und studierte französische Orgelmusik mit Marie-Claire Alain.


Organistin Elisabeth Roloff an der Kleucker-Orgel der Evgl. Kirche Bielefeld-Ummeln (Copyright: V.Hege)

Seit 1982 ist die Kirchenmusikerin Dozentin an der Rubin Academy of Music in Jerusalem. Außerdem wirkt sie als Organistin an der Erlöserkirche in Jerusalem / Israel. Mit ihren Konzerten in den meisten Ländern Europas, den USA und in Südamerika hat sie internationales Renommee und Anerkennung gewonnen. Neben vielen Rundfunkauftritten und Schallplattenaufnahmen hat die Künstlerin mit der bekannten Firma Dabringhaus und Grimm in Detmold zahlreiche CDs herausgebracht.

Link: Für eine CD-Bestellung bei jpc:

Starker Besucherstrom vor der Kirchentür lässt das Konzert verspätet beginnen, das Interesse an diesem Orgelkonzert ob dieser großartigen Künstlerin ist riesengroß. Ein sehr ausgewogenes Konzertprogramm beginnt mit Präludium und Fuge d-Moll (BWV 539) von J.S. Bach das Werk erklingt in schönen Klangfarben auf der schmucken Kleuker-Orgel


Die Kleuker-Orgel in der Evang. Kirche Bielefeld-Ummeln (Foto: Copyright. V.Hege)

Herleitend aus der 1. Violinsonate g-moll, 2. Satz (BWV 1001) aus der Köthener Zeit, (1720) komponiert Bach es als eine Geigenfuge mit reich figurierten, spielerischen Elementen zwischen den drei einzelnen themengebundenen Teilen. Einfühlsam registrierend und als eine profunde Bachinterpretin erweist sich hier die Organistin.

Zum Mozartjahr erklingt die kleine Fantasie f-Moll, KV 594; W .A. Mozart benennt es „Ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr“. Zur Ehre von Feldmarschall v. Laudon, Sieger von Belgrad in den Türkenkriegen, dürfte dieses Werk als Trauermusik für das Mausoleum in Wien entstanden sein. Das Adagio leitet das Werk ein, im Mittelteil in F-Dur erklingt eine kleine Sonatensatzform. Die beiden Themen werden sehr prägnant durchgeführt sodass ein klangliches Kabinettstück entsteht. Das Anfangs-Adagio beschließt das Werk. Hier erweist sich die Orgel und Organistin geradezu prädestiniert, dieses schöne Orgelwerk zu Gehör zu bringen.

Die Orgelsonate c-Moll, op. 65 Nr .2; von Felix Mendelssohn Bartholdy, wurden in der orgelfeindlichen Zeit zwar geduldet aber als belächeltes Relikt angesehen. Seine Orgel-Werke werden erst seit neuerer Zeit anerkannt und richtungsweisend zwischen Barock und Romantik als großartige Kompositionswerke angesehen. In diesem Werk werden vom Künstler hohe Ansprüche in der Spieltechnik eingefordert. Hier konnte die Organistin virtuos und überzeugend in der Registrierung und Klangfarbe dem Werk mehr als gerecht werden.

Als ein Ohrwurm in mozartischen Charme und Klangfarben wurde die Trio-Sonate Nr. 1, Es-Dur (BWV 525) von J.S. Bach zu Gehör gebracht. Bach komponierte die 6 Triosonaten als musikalische und technische Übungsstücke zu Beginn der Leipziger Zeit für seinen Sohn Wilhelm Friedemann und seinen Schülern. In der Anlage völlig gleich, umschließen zwei schnelle Sätze einen langsamen Mittel-Satz. Man kann von dieser Schönheit an Kompositionsform und Klangfarben nur immer wieder ins Schwärmen kommen. Genial in der klanglichen und technischen Ausführung und Wiedergabe in den einzelnen Satzteilen war hier wirklich eine großartige Organistin als Bachinterpretin zu bewundern.

Anschließend erklang das Adagio und Rondo, c-Moll, C-Dur, KV 617 von W. A. Mozart.

Dies Werk hatte Mozart im Mai 1791 für die damals 21-jährige, seit ihrer Jugend erblindete Glasharmonika-Virtuosin Marianne Kirchgäßner geschrieben. Aufgrund des Glasharmonika- Klanges lassen sich die verschiedenen Farb- und Klangflächen auf einer mehrmanualigen Orgel sehr reizvoll wiedergeben. Was ist uns da leider für ein Orgel-Genie verloren gegangen, wenn er weitere Kompositionen für die Orgel geschrieben hätte, gehörte Mozart mit zu den Größten in der Orgelgeschichte und wäre ein geeigneter und profunder Nachfolger von Bach gewesen. So muss sich die Nachwelt leider fast nur mit Transkriptionen zufrieden geben.

Aber auch in diesem Werk bestach die Organistin durch ihre Interpretation als eine wahrhaft großartige Künstlerin, die in der Registrierung und den Klangnuancen vollends zu überzeugen wusste.

Zum Abschluss erklang die Sonate I, f-Moll, op. 65 I, von Felix Mendelssohn Bartholdy . Im 1. Satz sind Überlagerungen von lauten und leisen Klängen vornehmlich anzutreffen und üben einen gewissen Reiz an diesem großartigen Werk aus. Vielstimmiger Konzertsatz mit akkordischen Einleitungstakten. Erst im Mittelteil ist der Choral „Was mein Gott will“ als Umrahmung zu erkennen. Der 2. Satz “Adagio“ ist ein liedhafter Satz mit Echowirkungen. Im 3. Satz „Andante Recitativo“ ist ein klanglicher Wechsel von einstimmigen zu polyphonen Takten erkennbar. Der 4. Satz „Allegro assai vivace“ ist mit virtuosen Läufen und gebrochenen Akkorden versehen, der diesem Schlussatz ein grandioses Finale beschert. Auch hier überzeugte in der Darbietungsform und Interpretation die Organistin vollendends.

Die riesige Zuhörerschaft in der Kirche bewunderte einen Orgelnachmittag von einer außergewöhnlichen Qualität und dankte mit einem lang anhaltenden Applaus einer Künstlerin, die Orgelmusik auf höchstem Niveau zelebrierte.

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Auf YouTube ist ein Video von Elisabeth Roloff mit dem BWV 654 „Schmücke dich, o liebe Seele“ anzusehen.

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Link: CD-Bestellung bei jpc


Orgelkonzert am 19.02.2006 in der St. Jodokus-Kirche Bielefeld


Bielefeld, 19.02.2006

Orgelkonzert am 19.02.2006 in der St. Jodokus-Kirche Bielefeld

Die ursprünglich 1653 von der Bielefelder Orgelbaufirma Reinking erbaute Orgel wurde im Laufe der Jahrhunderte erweitert. Das heutige Orgelwerk mit 42 Registern stammt aus den Werkstätten der Fa. Kreienbrink in Osnabrück (1974).

Erweitert im Jahre 1988 von der Orgelbauwerkstatt Fischer & Krämer in Endingen a. K. Mechanische Schleifladen mit elektrischer Registertraktur, sechs Setzerkombinationen, zwei Pedalkombinationen, Pleno, Tutti, Cymbelstern; Koppeln (elektrisch) I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P.Orgelpositiv der Orgelbauwerkstatt Claus Sebastian, Geesthacht, mit der Disposition: Metallgedackt 8‘, Rohrflöte 4‘, Prinzipal 2‘ und Quinte 1 1/3‘.Orgelpositiv der Orgelbauwerkstatt Klop, Garderen, mit der Disposition: Principal 8‘, Gedackt 8‘, Rohrflöte 4‘, Oktave 2‘ und Quinte 2 2/3


Kreienbrink-Orgel, St.Jodukus, Bielefeld von 1973, überholte Reinke-Orgel von 1653

Programm:

Wofgang Amadeus Mozart (1756-1791) Fantasie in f-Moll, KV 608

Jehan Alain (1911-1940) Variations sur un theme, de Clement

Jannequin Giroloma Frescobaldi (1583-1643 Toccata nona, aus dem 2.Buch der Toccaten, Canzonen

Jehan Alain ,Deux danses a Agni Yavishta, Allegro, Pas vite

Samuel Scheidt (1587-1654) Passamezzo, 12 Variationen über einen gleichbl. Tanzbass

Max Reger (1873-1916) 1. Sonate fis-Moll, op.33, Phantasie, Intermezzo, Passacaglia

Organist: Georg Gusia, Bielefeld

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Das von Mozart, in März 1791, in seinem Todesjahr, komponierte Orgelwerk, veranlasste ihn, sich von dem vollen Klang einer großen Orgel inspizieren zu lassen, lediglich im Bass, durch Vermeidung der gesamten untersten Oktave, sich zu beschränken. Es wird angenommen, dass Mozart eine Vorahnung seines Todes besaß, um mit dieser großen Fantasie für Orgel (Orgelwalze) sich ein Denkmal setzen zu wollen. Es ist sein bedeutendste Orgelwerk (für eine Orgelwalze), das immer wieder in der Orgelliteratur zu finden ist, da es zu den größten Orgelwerken, die unmittelbar nach Bach komponiert wurde, zuzurechnen ist. Eine gekonnte Interpretation und vorzügliche Registrierung erfuhr dieses Werk durch den Organisten Gusia, es war ein Highlight des Orgel-Programms.

Moderne Orgelmusik von Jehan Alain, Variations und Deux danses a Agni, erfuhr ebenso eine gekonnte und ansprechende Wiedergabe an dieser prächtigen Kreienbrink-Orgel.

Das Orgelwerk von Samuel Scheidt, Passamezzo, war ein absoluter Höhepunkt. Hier wurde farbenprächtige Barockmusik geboten. Die zwölf Variationen über einem gleich bleibenden Tanzbass, erlaubt einen Einblick in die Klangmöglichkeiten dieser Orgel. Ob in Terzen, colorierter Discant, colorierter Bass, Imitato Violistica, 3-oder 4-Stimmen oder der Dudelsack, dies alles gelang Gusia gleichermaßen erstaunlich gut mit einer feinen Kunstfertigkeit, die Beherrschung des Orgelspiels, die Fähigkeit, diese Vorgaben des Komponisten zu erspüren und dem Hörer nahezubringen, wurde gekonnt gemeistert und interpretiert.

Die 1. Sonate fis-Moll, op.33, im Jahre 1899 von Max Reger komponiert. Reger schrieb 1900 an Rheinberger, dieses Werk ist ein neues Verbrechen gegen Harmonie und Kontrapunkte. Fernab aller Sonatentradition heißt der 1, Satz Fantasie, der formal alles offen lässt. Fugenprinzip und passacagl. Reihungen lassen hier alle Möglichkeiten zu. Der 2.-Satz harmonisch reizvoll aber musikalisch recht zerquält anhörbar. Im Schlusssatz weist die Passacaglia alle Vorzüge und Schwächen des frühen Reger auf, harmonischer Reichtum, originelle Figurationsmuster und gelegentliche Aufhebung der Harmonik lassen dieses Werk nicht gerade als ein Optimum von Reger erklingen. Trotz dieser kompositorischen Unzulänglichkeiten erklang ein modernes Werk, in dem Gusia dieses Werk der Hörerschaft nicht vorenthalten wollte und die Möglichkeiten einer Orgel für das „Moderne“ den Besuchern aufzeigen wollte, was ihm auch zufrieden stellend gelang.

Herzlicher Applaus an den Organisten, für diese ungewöhnliche Werksauswahl, bekundete trotz alledem einen nicht unzufriedenen Besucher.


Link: CD-Einspielung St.Jodukus Bielefeld bei jpc

Erstklassiger Interpret gab ein Orgelkonzert in der " Zionskirche Bielefeld-Bethel" im November 2005


Bielefeld-Bethel, 25.11.2005

Rezension über ein Orgelkonzert in der “ Zionskirche Bielefeld-Bethel“ im November 2005

mit dem französich-Libanesischen Star-Organisten Naji Hakim,

1998/99 wurde die Zionskirche zuletzt umfassend renoviert und wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.


Foto: Zionskirche Bielefeld-Bethel

Sie erhielt zugleich eine große Schuke-Orgel mit drei Manualen und 45 Registern und 3.268 Pfeiffen.


Foto:
Schuke-Orgel, der Zionskirche Bielefeld-Bethel

Ein Orgel – Standort profiliert sich. So jung die Konzertreihe an der neuen Schuke – Orgel in der Zionskirche ist, so hervorragend präsentierte sie sich, als am Sonntag der liebenswürdige französisch- libanesische Star-Organist: Naji Hakim, zu einem Gastkonzert verpflichtet werden konnte.



Foto: Najim Hakin, Organist

Seit nunmehr 20 Jahren ist Naji Hakim einer der bedeutendsten Repräsentanten der großen französischen Tradition von Organisten, Komponisten und Improvisatoren. Geboren wurde er 1955 in Beirut (Libanon). Er studierte Orgel und Improvisation bei Jean Langlais und absolvierte ein Examen für Orgelunterricht am Trinity College of Music in London. Anschließend studierte er am Conservatoire National Supérieur in Paris in den Klassen von Roger Boutry, Jean-Claude Henry, Marcel Bitsch, Rolande Falcinelli, Jaques Castérède und Serge Nigg und erzielte dort sieben Erste Preise in den Kategorien Harmonielehre, Kontrapunkt, Fuge, Orgel, Improvisation, Analyse, Instrumentation und Orchestration.

Darüber hinaus erhielt er Preise bei internationalen Orgelwettbewerben in Haarlem, Beauvais, Lyon, Nürnberg, St. Albans, Straßburg und Rennes. Von 1985 bis 1993 war Naji Hakim Organist der Basilika Sacre Coeur in Paris, bevor er Olivier Messiaen als Organist der Église de la Trinité nachfolgte. Er ist sehr gefragt als Solokünstler, Improvisator und Lehrer; seine Engagements für Konzerte und Meisterklassen führen ihn rund um den Globus.

Vom Orgelwettbewerb 2005 in Bochum kommend, als Jurymitglied bestellt, gab Hakim ein grandioses Orgelkonzert auf der in 1999 neuerbauten Schuke-Orgel in der Zionskirche.

Sein Programm enthielt folgende Werke:

Naji Hakim: Le Bien-Alme (Eigenkomposition);

Naji Hakim: Salve Regina (Eigenkomposition);

J.S.Bach: Toccata und Fuge in F;

Cesar Franck: Priere;

Naji Hakim: Bach’orama-Improvisation (Eigenkomposition über Bachs-Orgelwerke);

Naji Hakim: Freie Improvisation über den Choral: „Ein feste Burg ist unser Gott“

Mit der Eigenkomposition „Le Bien-Alme“ beginnend, wurde eine mächtige neue französische Orgelmusik von Hakim an der Schuke-Orgel geboten. Nicht nur in der Interpretation, sondern auch beim Registrieren war deutlich spürbar, daß die Schuke-Orgel der Zionskirche trotz ihrer Klangkraft den interpretatorischen Ansprüchen eines an französische Kathedralenorgeln gewöhnten Organisten nicht gerecht wurde. Trotz dieser technischen Mängel wurde eine beeindruckende und virtuose Vorstellung durch einen großen Organisten geboten, der durch seine technischen und künstlerischen Fähigkeiten seines Spiels dieses Manko mehr als nur auszugleichen wusste. Eine grandiose Eigenkomposition, die er uns zu Gehör brachte; verspielt, fröhlich, leicht, bis hin zu gewaltig und das gesamte Klangreservoir der Orgel ausnutzend, bot er einen souveränen Umgang mit diesem wohl anspruchsvollsten „aller Musikinstrumente.“

Seine folgende Eigenkomposition „Salve Regina“ wurde in zarten pastellfarbenen und einer dezenten barocken Klangfülle ausgeführt. Hier konnte die Schuke-Orgel ihre barocke Klangpracht einmal ungehindert zur Geltung bringen.

In der Toccata und Fuge in F von J.S. Bach, sowie in dem Orgelstück von Cesar Franck „Priere“ gelang Hakim ein sehr ausgewogenes, wunderschön registrierendes in ein farbenprächtiges Klangbild verpackter Vortrag. Hier beherrscht Naji Hakim neben den eigenen Kompositionen selbstverständlich auch die Klassiker der Orgelmusik wie die mächtige Toccata und Fuge von Bach. Sie präsentierte er in Bielefeld mehr als nur perfekt, hier stellte sich ein absoluter Spitzenorganist vor, der seine künstlerische und ungemein virtose Art mehr als beweisen konnte.

Seine anschließende Eigenkomposition: „Bach’orama-Improvisation“, mit musikalischen Themen von J.S.Bach – wie u.a. aus der H-moll Messe; den Brandenburgischen Konzerten verpackt; – nicht allzu modern, aber in der Improvisation und der Harmonik ein unübertroffendes Orgelstück. Hier gibt sich der große Meister des Improvisierens zu erkennen, zumal sein virtuoses, künstlerisch auf hohem Niveau stehendes Spiel und seine Registrierung unübertroffen ist.

Das gleiche Kunststück gelang ihm in der freien Improvisation über den Choral: „Ein feste Burg ist unser Gott.“ Wunderschön ausnuanciert und facettiert im Thema; einmal in barocker Klangvielfalt, dann etwas moderner, aber im Klangbild entsprechend zurücknehmend, dann wiederum dem Wortlaut des Chorals entsprechend: Ein feste Burg“ mit wuchtigen Klangfarben untermauert, gelang ihm hier eine beispielhafte Interpretation- und Improvisationskunst der allersten Qualität. Hakim entwickelt hier seine ganz eigene musikalische und klangliche Sprache und formte aus dem Stegreif ein ausdrucksstarkes und geschlossenes Klanggemälde.

Die Zuhörer waren hingerissen, ob seines grandiosen Spiels, mit Standing Ovatione entließen sie diesen großartigen und liebenswürdigen Künstler in einen glückseligen Abend.

Link: Homepage von Najim Hakim, Einsicht in persönl. eingespielte Orgelwerke


Orgelkonzert des polnischen Organisten Witold Zalewski in Brig / Walls


Brig / Wallis-Schweiz, im August 2005

nach erlebnisreichen Urlaubstagen im Wallis/Schweiz, besuchte ich ein Orgelkonzert in der Kollegiumskirche Brig/Wallis.



Kollegiumskirche in Brig / Wallis-Schweiz! (Copyright: V.Hege)


Die neue Barockorgel entstand aus der schweizer Orgelwerkstatt Hans-J. Füglister, Grimisuat, im Jahre 1994. Das Gehäuse der Orgel wurde bewusst im Stil und in der Tradition alter Walliser Orgelprospekte nachgebaut. Für die klangliche Seite des Instrumentes stand die französische Orgelbaukunst Pate. Orgelklänge aus der „Periode dassique“ und der romantischen Epoche in Frankreich wurden in der Orgel vereint. Der hallige Kirchenraum tut ein weiteres dazu, französische Kathedralakustik in der Kollegiumskirche erleben zu können.


Füglister-Orgel, Kollegiumskirche Brig – Wallis – Schweiz (Copyright: V.Hege)

Durch die Disposition mit 40 Registern auf drei Manualen und Pedal (2960 Pfeiffen) wurde so eingerichtet, dass französische Orgelmusik der Romantik getreu den Registerangaben realisiert werden kann. Zur vielseitigen Verwendbarkeit wurden gegenüber dem franz. Stil einige Kompromisse eingegangen. Die Zungenpfeiffen des Pedals sind weicher und zurückhaltender in der Lautstärke, ebenso die Trompeten des Positivs. Die Register und das Positiv haben einen leichten

barocken und silberne Klangfarbe.

Das Konzert wurde durch den polnischen Organisten Witold Zalewski aus Krakau veranstaltet. Seit 1996 ist er an der Wawel-Kathredale als Organist angestellt. Gleichzeitig unterrichtet er an der Erzdiözesan- schule für Organisten und der Päpstlichen Theologischen Akademi in Krakau. Er ist Urheber und Direktor des Internationalen Festivals der Orgelmusik in Zakopane und des Festivals der Orgelmusik in Rabka Zdroj und wurde mehrmals ausgezeichnet für die Verbreitung der Orgelmusik mit Orgelwerken von Buxtehude, Bach, Mendelssohn-Bartholdy und Vierne.

Folgende Orgelkompositionen wurden zu Gehör gebracht:

Mieczyslaw Surzynski (polnischer Organist, 1866-1924) Swiety Boze op.38 (Improvisation über ein altes polnisches Kirchenlied „Heiliger Gott“)

Surzynski war Polens bedeutenster Orgelvirtuose und Komponist in den des späten 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhundertes. Witold Zalewski verstand es hier ausgezeichnet, diese schöne polnische Kirchenkomposition gekonnt registrierend und virtuos klanglich umgesetzt den Besuchern vorzuführen.

Cesar Auguste Franck (belgisch-franz. Organist, 1822-1890) Prelude, Fugue et Variation op.18

Der absolute Höhepunkt des Orgelkonzertes war die Darbietung des op. 18. Zalewski verstand es hier ausgezeichnet, die französisch romantische Orgelkomposition gekonnt an der für fanz. Orgelmusik konzipierte Füglister-Orgel umzusetzen. Grandios klangfarblich registrierend dargeboten dieses schöne Orgelstück zu Gehör zu bringen. Die dynamischen Möglichkeiten, die Eigenschaften des Einsetzens, die akkustischen Effekte in den Stimmlagen wurden hervorragend interpretiert und umgesetzt. Hier erwies er sich als großer Könner und Interpret der franz. Orgelmusik.

Felix Alexandre Guilmant (französischer Orgelkomponist (1837-1911) Orgelsonate in d-moll op.42

So wie Zalewski es in dem Orgelstück op.18 von Franck verstand erweist er sich hier ebenfals als ein hervorragender Registrator und schafft mit unauffälliger Virtuosität die für diesen Komponisten typische Atmosphäre eines warmtönigen Klanges der allerersten Güte. Ein grossartiger polnischer Organist verstand es, den zahlreichen Zuhörern die polnische und französiche Orgelmusik näher zu bringen und sie bedankten sich mit langanhaltendem Applaus.

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Disposition der Füglister-Orgel

Orgel der Kollegiumskirche in Brig

Orgelbau Hans-J. Füglister, Grimisuat ob Sion 1994


Grand-orgue I C – a‘‘‘

Montre 16‘
Montre 8‘
Flûte harmonique 8‘
Bourdon 8‘
Gambe 8‘
Prestant* 4‘
Doublette* 2‘
Fourniture* 5 rgs 22/3‘
Cornet* 5 rgs 8‘
Trompette* 8‘
Clairon 4‘

Récit expressif III C – a‘‘‘
Flûte harmonique 8‘
Viole de gambe 8‘
Voix céleste 8‘
Flûte octaviante 4‘
Octavin* 2‘
Trompette harmonique* 8‘
Basson-Hautbois 8‘
Voix humaine 8‘
Clairon harmonique* 4‘
Tremblant fort

Positif II C – a‘‘‘
Bourdon 16‘
Montre 8‘
Cor de nuit 8‘
Salicional 8‘
Prestant 4‘
Flûte 4‘
Nasard* 22/3‘
Doublette* 2‘
Tierce* 13/5‘
Plein-jeu 4 rgs* 11/3‘
Cromorne* 8‘
Trompette* 8‘
Tremblant doux

Pédale C – f‘
Flûte ouverte 32‘
Flûte 16‘
Soubasse 16‘
Basse 8‘

Octave 4‘
Bombarde* 16‘
Trompette* 8‘
*=jeux de combinaison


Koppeln:
II/I, III/I, III/II; I/P, II/P, III/P

(Angaben von Vox_07_11_2000.pdf)

Klagenfurter Dom ein Orgelkonzert des Sommerzyklus 2005 am 23.7.2005.


Klagenfurt, 23. Juli 2005

Aufgrund meiner Urlaubstage in Kärnten besuchte ich im Klagenfurter Dom ein Orgelkonzert des Sommerzyklus 2005 am 23.7.2005.


Foto: Dom in Klagenfurt / Österreich (Foto: Domgemeinde Klagenfurt)

Der Klagenfurter-Dom besitzt eine Mathis-Orgel (Schweizer Orgelbaufirma) erbaut im Jahr 1986 mit 45 Register und 9 eingebaute Zungenstimmen nach französischer Bauart.

Dom in Klagenfurt mit Sicht auf die Mathis-Orgel (Foto: Domgemeinde Klagenfurt)

Das Programm des Konzertes wurde sommerlich zusammengestellt: Organist Konstantin Reymaier, Trompete: Gerald Zaminer.

Foto: Organist: Konstantin Reymaier

Programm:

Claude Gervaise (italien.Meister um 1550) Renaissance-Tänze; Pavane, Galliarde, Branie de Bourgogne, Branle Gai, Allemande

Charles Marie Widor (franz.Meister 1844 – 1937) Aus Symphonie Nr. 5 in f – Moll, Allegro – Vivace

Arcangelo Corelli (italien.Meister 1653 – 1713) Sonate in e-Moll; Prelude – Largo, Allemande – Allegro, Sarabande – Largo, Gigue – Allegro

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Präludium in a – Moll, BWV 551

Georg Friedrich Kauffmann (1679 – 1735) Choralvorspiele: Herr Christ, der einnig Gottssohn, Herr Gott, dich loben wir

Konstantin Reymaier (geb. 1967 österr. Organist) Improvisation über einen vom Publikum genannten Choral

Leopold Mozart (1719 – 1787) Concerto in D-Dur, Andante, Allegro

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In den einzelnen Programmpunkten entwickelte der Organist Konstantin Reymaier spezifische persönliche Empfindsamkeiten die Werke entsprechend den Komponisten und ihrer Zeitepoche künstlerisch und in der Registrierung klangfarblich umzusetzen. Hier erweist er sich als ein wahrer Könner die Orgelkomponisten der Renaissance bis zum Barock fundiert umgesetzt zu Gehör zu bringen. Grandios gelang es ihm von Charles Marie Widor die Symphonie Nr. 5 in f – Moll, Allegro – Vivace, absolut meisterlich in der Registrierung und Klangfülle diese Werk virtuos umsusetzen. Ungewöhnlich im Konzert, hierauf erfolgte langanhaltender Beifall für einen Organisten, der dieses großartige Werk vortrefflich vortagen konnte.

Ebenso ist seine Improvisationskunst über einen genannten Choral (benannt aus dem Besucherkreis, der mir leider aber entfallen ist) zu bewundern. Diese Improvisationskunst von Reymaier entspricht einer allerersten Qualität, so wie er sie vollendet vorgeführt hat. Ob feinfühlig, brutal, alle Register gezogen, oder stimmlich wieder zurückhaltend, die Umsetzung war als Grossartig zu benennen.

Hier erweist sich die Mathis-Orgel als ein herrliches Instrument, die entsprechend der Raumfülle des Domes als gekonnt erbaut und stimmlich angepasst worden ist. Hier ist ein Meister seines Faches zu bewundern.

Als nicht ganz so geglückt ist die Trompetenbegleitung in den Stücken von Arangelo Corelli zu bewerten, da die Akustik des Domes eine strahlende Trompete nicht zulässt. Nach schwachem Beginn merkte der Trompeter, Gerald Zaminer, mit welchen Tücken er zu kämpfen hat, und nahm seinen Ton entsprechend zurück, so dass das Zusammenspiel mit der Orgel feiner abgestimmt umgesetzt wurde.

Als Programmabschlusspunkt von Leopold Mozart das Concerto in D-Dur. Diese Leichtigkeit des Stückes und wiederum stimmlich und gekonnt registrierend vom Organisten Reymaier umgesetzt, entließ den Besucher beschwingt in den Sommerabend mit dem Empfinden, ein wunderbares zusammengestelltes Orgelprogramm mit einem großartigen Künstler an der Orgel erlebt zu haben.

DISPOSITION

der Mathis-Orgel im Dom zu St. Peter und Paul/Klagenfurt Baujahr: 1986

Schwellwerk: 45 Diapason 8′ 44 Gambe 8′ 55 Flûte 8′ 54 Voix célèste ab c° 8′ 43 Principal 4′ 53 Flute traversière 4′ 52 Nasard 2 2/3′ 42 Cor de nuit 2′ 51 Tierce 1 3/5′ 41 Plein jeu 5 fach 2′ 65 Basson 16′ 64 Trompette harmonique 8′ 63 Hautbois 8′ 62 Clairon 4′ 75

Tremulant Pedal: 38 Principalbaß 16′ 28 Subbaß 16′ 18 Quinte 10 2/3′ 37 Octave 8′ 27 Gedacktflöte 8′ 36 Choralbaß 4′ 26 Mixtur 4 fach 2 2/3′ 17 Posaune 16′ 16 Zink 8′

Hauptwerk: 25 Bourdon 16′ 35 Principal ab c1 doppelt 8′ 24 Flauto 8′ 14 Viola 8′ 13 Voce umana ab g° 8′ 34 Octave 4′ 23 Spitzflöte 4′ 22 Quinte 2 2/3′ 33 Octave 2′ 32 Mixtur 5 fach 2′ 31 Cymbel 3 fach 1′ 12 Cornet 5 fach ab fo 8′ 15 Trompete 8′

Rückpositiv : 58 Gedackt 8′ 48 Praestant 4′ 75 Rohrflöte 4′ 47 Octave 2′ 57 Larigot 1 1/3′ 66 Sesquialtera 2 fach 2 2/3′ + 1 3/5′ 46 Scharff 5 fach 1 1/3′ 68 Krummhorn 8′ 67 Holzregal 8′ 78 Tremulant

Spielhilfen: Koppeln: 3 RP/P , 4 SW/P, 5 HW/P, 6 SW/RP, 7 SW/HW, 8 RP/HW – als Handregister und Fußtritt Plenotritt: AN/AB – je ein Tritt – aktiviert/deaktiviert die Prinzipale de. HW und P (31-38, 26) Registertritte: Trompete 8’ und Posaune 16’ – wird über Fußtritt aktiviert/deaktiviert. Sperrventil: für das Großpedal – wird über Fußtritt aktiviert/deaktiviert (26, 17, 18, 38)

(Quelle: Domgemeinde Klagenfurt)