Archiv Beitrag: Diskussion über Solisten der BCP-Tour in 2000


3.8.2007 von Volker /admin.

Hallo,

einige im Blog hatten die Gelegenheit, zum Bachfest 2007 in Leipzig und anschließend in Potsdam in den Jubel-Kantaten – unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner – James Gilchrist persönlich erleben und singen zu hören, daraufhin stellt sich mir die Frage, ist er ein neuer Star als Tenor anzusehen?


Tenor James Gilchrist

Eine strahlende kräftige Stimme, wortverständlich und sein Gesang strahlt eine Innigkeit aus, die verblüffend ist, überzeugender kann das gesungene Wort dem Hörer nicht vermittelt werden. In der Bach Cantata Pilgrimage 2000 mit Gardiner, konnte er mich gesanglich immer überzeugen.

Mir fällt die Stelle wieder ein aus meiner Rezension zum BWV 66 “Erfreut euch ihr Herzen” (zum 2. Ostertag, SDG 128, CD 1, Eisenach), zu Satz 5 “Ich fürchte zwar des Grabes Finsternissen”

Ich zitiere daraus:

Wunderbar anzuhören – und eine Glanzkomposition von Bach in der musikalischen Ausführung ist in Satz 5 “die Schlussfolge”…. für Alt (Daniel Taylor), und Tenor (James Gilchrist): das Duett in Begleitung der Violine und Basso continuo “Ich fürchte zwar des Grabes Finsternissen”



Die beiden Gesangsolisten erreichen hier eine gesangliche Einheit von eindringlicher Schönheit die das Herz weit öffnet!!
Sie stellt einen absoluten Höhepunkt in dieser so fantastischen Kantate dar. Immer wieder habe ich mir dieses herzzerreißende „Gesangs-Duett“ anhören müssen und komme aus dem Schwärmen nicht heraus, einfach genial gelungen.

Zitat-Ende.

Gilchrist berührt und überzeugt mich immer wieder mit seinem innigen Gesang, er spricht mich total an, was ich bei anderen Gesangs-Solisten so oft vermisse.

Wie ergeht es Euch mit seinem Gesangs-Vortrag, ist er als ein neuer Stern im Fach Tenor anzusehen?

Neuerdings hat sogar Suzuki ihn für seine Cantaten-Einspielungen verpflichtet, das nur als eine Anmerkung.

Grüße

Volker

  • Ich denke, das Solistenproblem muss auch zwangsweise bei so einer “Mammuttour” entstehen. Auch T.Koopmann hat nicht nur ein glückliches Händchen bei der Solistenwahl. Z.B. Mertens als Dauerbass wird auch ziemlich eintönig. Gardiner hat nach meinem Empfinden mit W.Towers einen ganz hervorragenden Altus, während N.Stutzmann sehr, sehr unterschiedlich disponiert ist.

    Liebe Grüße

    Muriel

  • Rückantwort von „Martin“ zum Beitrag von „Muriel“

    Hallo Muriel,

    auch von mir herzlich Willkommen!

    Von Malin Hartelius bin ich auch nicht besonders begeistert. Ihre Stimme klingt mir zu opernhaft, was man ihr nicht vorwerfen kann, da sie meines Wissens auch hauptsächlich Opern aufführt…

    Allgemein sollte man zur Solistenbesetzung während der Bach Cantata Pilgrimage bedenken, dass es finanziell wie terminlich nicht möglich gewesen sein kann, für sämtliche Aufführungen Top- Solisten zu verpflichten. So musste auf Solisten ausgewichen (blödes Wort in dem Zusammenhang..) werden, die nicht so ganz in dieses Fach passen oder aber noch nicht so erfahren sind.

    Einige der absoluten Top- Solisten, die auch mehr als 10 Konzerte mitgemacht haben sind Joanne Lunn, Katharine Fuge (beide haben fast die gesamte BCP mitgemacht), Daniel Taylor, James Gilchrist, Peter Harvey.



    Kathariene Fuge (Sopran)



    Peter Harvey, Bass

    Was die Besetzung der Alt- Stimmen angeht, verstehe ich Gardiner nicht wirklich. Richard Wyn Roberts´ Stimme mag ich genauso wenig wie die von Robin Tyson. Ich kann mir das etliche Male anhören und es kommt einfach nicht der Punkt, an dem ich denke “Ja, das passt zusammen!”. Daniel Taylor hat, wie ich finde, eine sehr viel schönere und klangvollere Stimme und passt gut zu Bach´s Musik. Ebenso wie Claire Wilkinson, die leider erst nach der BCP zum Monteverdi Choir gestoßen ist.

    Die Besetzung der Tenöre ist meiner Meinung nach sehr gut geraten. Christoph Genz und Mark Padmore, sowie James Gilchrist wurden oft eingesetzt.

    Manchmal hat Gardiner auch auf “alte Bekannte” zurück gegriffen, die er für frühere Aufführungen bzw Aufnahmen benutzt hat. Zum Beispiel Stephen Varcoe (sein Bass ist mir zu dünn), Michael Chance (in Hamburg am 09.01. und Lüneburg am 09.12. brilliant) und Gerald Finley, der wie Gardiner schreibt sehr kurzfristig eingesprungen ist.

    Wie auch immer, ich denke, dass Gardiner und die Solisten für jedes Konzert alles aus sich herausgeholt haben und es ist absolut achtbar, solche Mühen zu unternehmen, um einen Komponisten zu würdigen. Gardiner hat das Projekt auch unter größter finanzieller Anspannung weitergeführt, als nicht klar war, ob das die Finanzierung überhaupt gesichert ist. Unter der Hand habe ich gehört, dass einige der Solisten auf ihre Gagen ziemlich lange gewartet haben, dies aber gerne, um das Projekt zu unterstützen. Ob das stimmt, weiß ich allerdings nicht mit Sicherheit.

    Schöne Grüße,

    Martin

    Hallo Muriel,

    deine Aussage: “Die Sopranistin Hartelius ist nach meinem Geschmack die Schwächste von allen Solisten. Schade, dass ausgerechnet mit ihr “Jauchzet Gott…” aufgenommen worden ist. Ein bisschen sehnsuchtsvoll denke ich bei den Tenorarien an Türk und Pregardien und hätte es gut gefunden, wenn Genz öfter zum Ton gekommen wäre.”

    —————————-





    Schwedische Sopranistin: Marlin Hartelius

    Ich habe mir gestern die SDG-104-CD eins aus der Kirche “Unser Lieben Frauen” in Bremen mit der schwedischen Sopranistin Marlin Hartelius mit der schwierig zu singende Solokantate “Jauchzet Gott in allen Landen” BWV 51 angehört. Von meiner Rezension der SDG 104 CD 1 fühlte ich mich nur bestätigt und finde ihren Part mehr als angemessen und gelungen. Gardiner schreibt in seinem Reisetagebuch über die Sopran-Besetzung sehr positiv!!

    Abfallend für mich in dieser CD die Trompeten-Besetzung mit Niklas Eklund, der diesem virtuosen und technischen Teil nicht gewachsen ist.

    Im Blog befinden sich ein Mitglied, das einige Konzert “Live” im Bachjahr 2000 besucht hat. Er könnte dazu aus seiner Sicht noch einiges beitragen. (@ Alex?)

    .

    Über die Tenöre lässt sich einiges aussagen. Wie bekannt ist, wurden während der Pilgrimage kurzfristige Umbesetzungen an Solisten und Aufführungsorte vorgenommen, da sich der Hauptsponsor (DG) aus dem Projekt zurückgezogen hatte. Aus dem vorgenannten Grund konnten nicht absolute Spitzensänger kurzfristig verpflichtet werden und Gardiner musste mit dem vorlieb nehmen, was der Markt hergab.



    Tenor: Gerd Türk

    Für mich ist der Tenor Gerd Türk nicht so überzeugend in der genannten Riege. Zu unterschiedlich gehen die Meinungen über seine Gesangskultur auseinander und gehört meiner Meinung nach nicht zu den ganz Großen. Aber hier streiten sich bekanntlich die Geister, von Vortrefflich bis es geht so… sind selbst die Aussagen von absoluten Fach-Spezies.



    Tenor: Christoph Genz

    Christoph Genz halte ich für einen guten Tenor. Seine Artikulation der Wortaussage und Stimmvolumen ist überzeugend. Ich Besitze die DVD mit dem Weihnachtsoratorium von J.S. Bach aus der Herderkirche in Weimar, die zum Beginn der Pilgrimage am 23.12.1999 aufgenommen wurde, hier singt Genz den Part des “Evangelisten” und überzeugt mich mit seinem warmherzigen Gesang und seine Wort-Artikulation ist vortrefflich. Gesangswettbewerbe in der Vergangenheit hat er als Sieger bestritten.







    Tenor: Christoph Prégardien

    Der Tenor Christoph Prégardien ist von den Vorgannten für mich absolut die Nummer eins. Er gilt als einer der herausragenden lyrischen Tenöre unserer Zeit, arbeitet u. a. mit den Dirigenten Barenboim, Chailly, Gardiner, Harnoncourt, Herreweghe, Luisi, Metzmacher, Nagano, Sawallisch und Thielemann zusammen. Zu seinem Repertoire gehören die großen Oratorien und Passionen aus Barock, Klassik und Romantik.

    Besonders hervorheben möchte ich noch die exzellente Leistung Christoph Prégardiens in der Rolle des Evangelisten in der Matthäuspassion mit Gustav Leonhardt. Selten habe ich soviel Tiefe der Empfindung und zugleich Gesanges-Kunst erlebt.

    Hier hätte ich mir gewünscht, dass es Mitschnitte von der Bach Cantata Pilgrimage von ihm gegeben hätte.

    Die vorgenannten Aussagen meinerseits sind subjektiv und sollten im Rahmen einer Diskussion abgehandelt werden, aus diesem Grund habe ich eine eigenständige Themenseite eröffnet und würde mich über weitere Stellungnahmen freuen.

    Grüsse

    Volker



    Ich bin total begeistert von dem, was Gardiner mit seinen Leuten schafft. Die Kantatenaufnahmen begleiten mich, dank eines MP3-Players fast überall hin.

    Diese Art von Bach’scher Musik, die Gardiner macht, ist so eine Art Neuschöpfung. Es gibt auch andere gute Aufnahmen, aber keine ist so neu wie dieses. Wenn ich Fragen habe, dann zu den Solisten.

    Die Sopranistin Hartelius ist nach meinem Geschmack die Schwächste von allen Solisten. Schade, dass ausgerechnet mit ihr “Jauchzet Gott…” aufgenommen worden ist. Ein bisschen sehnsuchtsvoll denke ich bei den Tenorarien an Türk und Pregardien und hätte es gut gefunden, wenn Genz öfter zum Ton gekommen wäre.

    Jetzt warte ich auf die neue CD

    und grüße herzlich

    Muriel

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    Archiv Beitrag "Ein begeisterndes Orgelkonzert" am 29. Juli 2007 in der St. Marien Kirche in Herford


    Herford, 31. Juli 2007


    Ein begeisterndes Orgelkonzert fand am 29. Juli 2007 in der St. Marien-Kirche Herford / OWL statt


    Foto: St. Marien-Kirche Stift Berg in Herford (Fotorechte @ V.Hege)


    ——————————————————–


    Das Programm

    Sonntag, 29. Juli. 2007, 18.00 Uhr
    St. Marien-Kirche Stift Berg, Herford /OWL
    2. ORGELKONZERT im Rahmen des „Herforder Orgelsommer 2007“
    Organist: Ewald Kooiman / Amsterdam NL

    HAUPTORGEL:
    Samuel Rousseau : Fantaisie pour Orgue ou Piano-pédalier, op.73
    (1852-1904) “`a la Mémoire de mon Cher Maître César Franck”
    [ Leduc, 1894]

    Jean Langlais : Thème avec variations (Huit Pièces modales no.5)
    (1907-1991) [Philippo]

    COLLON-ORGEL:


    Johann Sebastian Bach (1685-1750)

    Sarabande con Partite, BWV 990
    Drei Bearbeitungen von
    “Nun komm der Heiden Heiland“:
    BWV 659
    BWV 660
    BWV 661
    Toccata C-dur, BWV 564
    *Toccata
    *Adagio
    *Fuge

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    Ein Über-Organist der Alt-Gilde: „Ewald Kooiman“ stellte sich am 29. Juli 2007 in Herford vor. Eine Viertel-Stunde vor Konzertbeginn war die „Marien Kirche Stift-Berg“ bereits voll gefüllt und es bedurfte Ausschau zu halten, wo noch ein freier Platz eingenommen werden konnte. Für einen auswärtigen Besucher ist es immer wieder beeindruckend zu erleben, welch ein riesiger Besucher-Zuspruch an Klassischer Musik in dieser kunstfreudigen Stadt Herford vorherrscht.


    Desgleichen erlebten wir mit diesem Ausnahme-Orgelkonzert, die Kirche war berstend voll, – wo findet man so etwas noch in Deutschland oder Europa – wo die Kirchen nur noch schmählich von Besuchern besetzt sind. Hier scheint die Stadt Herford eine Insel der Glückseligkeit zu sein, und eine Ausnahmestellung zu besitzen!!

    Als ein wahrer Orgel-Virtuose stellte sich in der Person von Ewald Kooimann mit seinem ausgefeilten Programm vor.


    Foto: Organist Ewald Kooiman

    Das Konzertprogramm begann mit französischer Orgel-Literatur an der „Alten Groß-Orgel“ von St. Marien mit dem Werk eines Schülers von Cesar Franck, Samuel Russeau, Fantaisie pour Orgue ou Piano-pédalier, op.73, das sowohl auf der Orgel als auch auf dem Pedalklavier ausgeführt werden kann.


    Foto: Die Groß-Orgel (Steinmann) in der St. Marienkirche Herford (Fotorechte:@ V.Hege)


    Durch eine geschickte Registrierung und virtuose Gestaltung erklang das moderne Werk in fantastischen Klangfarben, beeindruckend, was an der alten Groß-Orgel an Klangvielfalt möglich ist.

    Der zweite Programmpunkt wurde an derselbigen Groß-Orgel von Jean Langlais, mit dem Werk: Thème avec variations (Huit Pièces modales no.5), fortgesetzt.

    Die Akustik für diese französischen Programme sind in der St. Marien-Kirche, Stift Berg, als hervorragend zu benennen, Raum und Klang ließen keine Wünsche offen, fantastisch, was dieser großartige Alt-Meister als Konzert-Organist den Besuchern bot, eine Orgel-Lehrstunde

    mit französischer Literatur, die als überwältigend zu benennen ist. Seine Kenntnisse über diese Orgel-Literatur und entsprechende Umsetzung dieser Werke gelangen ihm aufs Vortrefflichste.


    Foto: Die neue Collon-Orgel in St. Marienkirche Herford (Fotorechte: @ V.Hege)


    Ein weiterer Höhepunkt erfolgte mit Bach-Werken an der neuen Collon-Orgel, platziert an der Westwand im Mittelschiff von der St. Marien-Kirche, Stift Berg.


    Die nachfolgenden Bach-Werke:

    Sarabande con Partite, BWV 990,

    Drei Bearbeitungen von
    “Nun komm der Heiden Heiland“: BWV 659, BWV 660, BWV 661,
    Toccata C-dur, BWV 564, (Toccata, Adagio, Fuge).


    Hier hieße es, „Eulen nach Athen zu tragen!“ ein Bach-Kenner und Künstler von „Gottes Gnaden“, in der Person von Ewald Kooiman, (sämtliche Orgelwerke von Bach wurden von ihm an historischen Orgeln eingespielt) stelle sich vor, der die Besucher schier aus dem Häuschen zu locken vermag, ein großartig Organist und Bach-Interpret. Hier erwies sich die neue Collon-Orgel, fantastisch platziert, als ein ebenbürtiges Instrument zu der alten Groß-Orgel. Ein Wunder an Raum und Klang, diese Kirchengemeinde ist zu beneiden ob ihrer fantastischen Orgeln.


    Über die Wiedergabe und Besprechung der einzelnen Bach-Werke ist nur positives zu berichten, sie stellten für mich den Höhepunkt der Veranstaltung dar. Der niederländische Konzert-Organit Kooiman bot eine Lehrstunde mit der Wiedergabe von großartigen Bach-Werken. Die Nuancen ausgefeilt hörbar gemacht, eine Registrierung, die beeindruckte. Die virtuose Umsetzung, Interpretation und entsprechende Klangvielfalt kann nur von einem Groß-Meister als absoluter Bach-Kenner und Spitzen-Organist entwickelt und zu Gehör gebracht werden. Ein beseelendes Spiel, dass den Hörer emotional mitzunehmen und zu berühren weiß.


    Ein donnernder, nicht abebbender Applaus erfüllte die altehrwürdige Kirche, der Groß-Organist fühlte sich ehrbar gerührt und in so einer fantastischen Orgelgemeinde mehr als wohl aufgehoben.

    Als Dank spielte er als Zugabe eine rührige Choralfantasie „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr.“


    Ein Orgelabend wurde geboten, der die riesige Zuhörerschar mehr als befriedigte, es war ein Orgel-Niveau vom Feinsten, es ist erfreulich, solche Veranstaltungen nicht nur in Leipzig, Dresden, etc. erleben zu können, nein, die Provinz ermöglicht es ebenfalls und das ist das erfreuliche Fazit, dass auch hier großartige Veranstaltungen zu erleben sind und in der Großartigkeit und dem enormen Besucher-Zuspruch seinen entsprechenden Rahmen finden.

    Die Großstadt Bielefeld – in der Nähe von Herford gelegen – muss vor Neid erblassen, hier sind die Besucherzahlen nicht so erfreulich!!

    Der Herforder-Orgelsommer 2007 dauert bis September und wird mit internationalen Orgel-Größen fortgesetzt. Über den Link sind nähere Einzelheiten der Programmtage abrufbar.

    ARCHIV-BEITRAG: Zwei CDs von Johann Melchior Molter, ein Zeitgenosse Bach’s


    10.7.2007 von Muriel.

    Gestern fielen mir die Trompetenkonzerte von
    Melchior Wolter in die Hände, einem wohl badischen
    Zeitgenosse Bachs.

    Zwei CD 5,95 € bei j p c mit Hörprobe

    Solist ist der Trompeter Otto Sauter, mit dem es schon auf
    dem gleichen Level – Brillant – sämtliche Trompetenkonzerte
    von Telemann gibt.

    Ein wirklich brillanter(!) Solist.
    Und ich finde, Melchior Wolter ist ein beachtenswerter
    Komponist.

    Liebe Grüße
    muriel

    Archiv Beitrag: Ich höre zur Entspannung einer meiner Lieblings-Chöre aus Kantate ?


    Ich höre zur Entspannung einer meiner Lieblings-Chöre aus Kantate ?

    6.5.2007 von Volker /admin.

    Hallo zusammen,

    z.Zt. habe ich wieder einmal zur Entspannung den 6. Satz im Player, den ich so gerne mag und fantastisch von Gardiner eingespielt worden ist und wo und wann war das während der Pilgrimage in 2000.

    Wer kennt die die Bach-Kantate, Kenner werden es sofort herausfinden wo der 6. Satz zu finden ist.

    01-gardiner-monteverdi-choir-bwv-?-satz-6-wer erkennt diesen Satz-von-Kantate_140130.mp3

    Euch wünsche ich allen einen schönen Sonntag,

    Grüße

    Volker

    ———————–

    P.S. vom 07.05.2007

    Hallo,

    habe eben in meinem CD-Bestand eine Einspielung von 1994
    gefunden, die ich als Vergleich nicht vorenthalten möchte.

    Satz 6 aus BWV 71 “Du wollest dem Feinde” (Ratswahl-Kantate: “Gott ist mein König”)

    Hallo zusammen,

    immer wieder bewundere ich sehr gelungene und bisher veröffentliche Kantaten- Einspielungen vom Label “Monteverdi” (SDG 101 bis 128) von der BCP-Tour 2000.

    Als eine für mich gelungene Einspielung sehe ich in der SDG-Veröffentlichung Nr.107; das BWV 12 “Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen” aus Altenburg.

    SDG 107

    Die Einleitende Sinfonia mit der klagenden Oboe und dem anschließenden Chor im 2. Satz “Weinen, Klagen…” wirkt so erschütternd und tragisch musiziert, dass mein inneres Empfinden ungemein aufgewühlt wird. Grandios und freudig der Schlusschoral vom Monteverdi Chor erklingt das “Was Gott tut, dass ist wohlgetan.”

    Als eine weitere herrliche Kantaten-Einspielung auf dieser CD ist das BWV 146 “Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen” mit der einleitenden “Orgel-Sinfonia” – von über 8 Minuten Dauer -, gespielt auf der grandiosen “Trost-Orgel” in der Schlosskirche in Altenburg. Die Sinfonia ist ein verschollenes Violinkonzert was dann später das vortreffliche Cembalo-Konzert in d-moll BWV 1052a wurde.

    Die Trost-Orgel in der Schlosskirche Altenburg wurde im September 1739 von Bach abgenommen.

    —————————————-

    Als Orgel-Freund für Bach seine Orgel-Kompositionen kann ich mich daran ergötzen. Der Organist Silas John Standage zelebriert hier ein Feuerwerk der feinsten Orgel-Improvisation….”

    Das waren erst einmal für heute meine genannten Favoriten aus der SDG-Reihe, weitere werden in Zukunft folgen.

    Nun bin ich auf die Nennung eurer Favoriten von der BCP-Tour gespannt !!

    Einen schönen Sonntag und herzliche Grüsse an alle

    Volker

    Archiv-Beitrag: Nach welchen Kriterien bewertet ihr die Gesangs-Solisten!


    Hallo zusammen,

    durch unsere Allgemeinäußerungen zu den Tenören möchte ich diese Fragestellung einmal erörtert wissen nach welchen persönlichen Kriterien ihr die Gesangs-Kultur von Sängerinnen und Sängern bewertet.

    Ist es die Artikulation, Timbre, Volumen, Wortverständlichkeit……., etc.

    Diese Frage beschäftigt mich ungemein, da eine allgemeingültige Bewertung auch durch persönliche Einstellungen zur Person des Gesangs-Solisten im Unterbewusstsein eine Rolle spielen könnte, oder seid ihr davon ganz frei und unvoreingenommen?

    Grüße

    Volker

    Archiv-Beitrag: Tenöre bei der BCP-Tour u.a. James Gilchrist; Mark Padmore; Christoph Genz


    Volker: 27.03.2007

    Hallo,

    was haltet ihr von den Tenören während der Bach Cantata Pilgrimage Tour 2000.

    Meine Favoriten sind hier eindeutig James Gilchrist; Mark Padmore und Christoph Genz…….

    Engl. Tenor James Gilchrist

    Engl. Tenor Mark Padmore

    Deutscher Tenor: Christoph Genz

    In der SDG 128 Veröffentlichung aus der Georgenkirche in Eisenach singt James Gilchrist
    im BWV 134 „Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß“ im 2. Satz der Tenor-Arie: „Auf, Gläubige, singet die lieblichen Lieder“ einen ausdrucksstarken Part, er zelebriert in dieser Arie einen Jubel-Gesang von unglaublicher Intensität. Sein Stimmvolumen ist großartig und in der Wort-Artikulation beeindruckend. Seine Koloraturen singt er sauber aus und versteht es, Nuancen in seinem Bachvortrag trefflich zu setzen.

    In einem Atemzug möchte ich mit den gleichen Qualitätsmerkmalen ausgestattet Mark Padmore nennen, als Evangelist in der Matthäus-Passion erlebte ich ihn persönlich in Königslutter. Sein Gesangs-Vortrag war ein weiterer Glanzpunkt in dieser Aufführung, schmetternd kannte er keine akustischen Probleme und seine Wortverständlichkeit war in dieser riesigen Kirche fantastisch hörbar.

    Ich hatte einen deutschen Tenor vergessen und trage es nach.

    Christoph Genz über den wir uns schon lobend in einem Beitrag über ihn geäußert haben, er ist für mich ein weiterer Favorit und möchte ich in diese Riege mit einreihen.

    Kennt ihr weitere Tenöre der BCP die den zwei gewachsen sind!

    Welche Alternativen besitzt Deutschland? Würde mich über Rückäußerungen freuen.

    Grüsse

    Volker

    P.S. In den anschließenden Kommentaren kommen die Tenöre zur Sprache. Fotos stelle ich in den Hauptbeitrag mit rein.

    Foto: Holländischer Tenor: Nico van der Meel

    Foto: Tenor: Gerd Türk

    Archiv Beitrag: Tonhalle Zürich, Trevor Pinnock führte sämtliche Brandenburgischen Konzerte auf


    Im Januar 2007 konnte ich in Zürich ein Extrakonzert der Tonhalle besuchen. Trevor Pinnock war mit seinem neuen Ensemble “European Brandenburg Ensemble” zu Besuch. Er feierte seinen 60. Geburtstag (geb. 16. Dez. 1946) und veranstaltete darum eine Tour durch die ganze Welt. Konzertthema: sämtliche Brandenburgische Konzerte. Das heisst, etwa 140 Min. Musik mit 20 Min. Pause.

    Die Tonhalle war fast bis zum letzten Platz besetzt. Da ich ein halbes Jahr im Voraus buchte, sass ich in der 5. Reihe direkt vis à vis von Pinnock. Sein Ensemble besteht aus vielen jungen Leuten, etwa die Hälfte davon Frauen. Nur wenige sind vom English Concert bei ihm geblieben, was ich sehr bedaure. Meines Erachtens machte Pinnock mit dem neuen Ensemble einen Rückschritt. Sie spielen deutlich weniger gut, was aber ganz und gar nicht der Fehler des Dirigenten ist.

    Ich besitze Pinnocks Aufnahme der Brandenburgischen aus den Jahren 1979, 1980, 1982. Nun will er alles neu aufnehmen und es wird demnächst sogar eine DVD von seiner Tour erscheinen! Zu meinem Erstaunen war die Interpretation genau gleich wie die frühen Aufnahmen. Ich erwartete schon gewisse Unterschiede, da er eine neue CD aufnimmt. Wie dem auch sei, Trevor Pinnock ist eine Garantie für ausgezeichnete Interpretation, Virtuosität und brillante Qualität. Das Konzert war in jeder Hinsicht ein Genuss.

    Das Concerto No.5 BWV 1050 beinhaltet im ersten Satz ein risiges und fast unspielbares Cembalosolo. Dadurch wird dieses Concerto von vielen Musikern gemieden. Doch Trevor spielte dieses Solo mit einer Leichtigkeit und dem wahren Können eines Meisters. Ich hatte das Gefühl, als würde ich in einen grossen Teppich voller Musik und höchster Kunst hinab tauchen! Pinnock war dermassen konzentriert, dass er immer wieder zackig mit dem Kopf bewegte und sein Gesicht war sehr angespannt. Ein unglaublich beeindruckendes Erlebnis, dieses Solo live zu hören, gespielt von einem Starcembalisten.

    Da jedes Brandenburgische eine andere Instrumentalisierung hat, musste viel Aufwand um die Notenständer und Besetzung getrieben werden. Nach jedem Concerto gingen die Musiker hinter die Bühne, die Orchesterwarte machten ihre Arbeit und im Publikum wurde geflüstert und gehustet. Dies fand ich sehr gut, denn so konnte man das Gehörte besser verarbeiten.

    Noch ein paar Worte zu seinem Musikern. Die Geigen enttäuschten mich sehr, da sie einen ziemlichen kratzigen Klang hatten, der mit der Zeit störte. Zudem machten sie viele Fehler. Die Cellisten und Bläser waren ausgezeichnet, da eben auch Musiker aus dem English Concert anwesend waren. Ich fand es hart, dass die Musiker (ausser den Celli und dem Cembalo) alle sechs Concerti stehend vorführten.

    Nach dem Konzert stellte sich Pinnock für Autogramme zur Verfügung. Er sass an einem Tischchen, während eine risige Menschenmenge um ihn herumstand. Ich liess zwei CDs signieren: Die Krönungsmesse von Mozart und die Nelson-Messe von Haydn. Fast mechanisch nahm er die Gegenstände entgegen, unterschrieb und gab sie wieder zurück. Darum konnte ich fast nicht glauben was ich dann erlebte. Als er mich sah, legte er seinen Stift zur Seite und umhüllte meine Hand mit beiden Händen! Schüchtern fragte ich ihn, ob er mich erkenne. “Natürlich erkenne ich dich, du warst an dem Konzert in Freiburg, dort hatten wir uns kennen gelernt”, antwortete er mir. Dabei strahlte er mich an und ein Murmeln des Erstaunens kam von den Leuten. Das Konzert in Freiburg liegt mehr als ein Jahr zurück. Seit dem hatte er eine Tour hinter sich. Und trotzdem wusste er noch, wer ich bin. Dies war noch das köstlichste Dessert dieses wundervollen Anlasses.

    Liebe Grüsse an alle

    Severine

    Archiv Beitrag: Diskussion über Solisten der BCP von @ Alex am 18.3.2007 verfasst!


    Hallo,

    eine sehr gute idee ist es, hier auch einmal die einzelnen Solisten zu besprechen.
    Die für mich herausragende Sopranistin der Tour ist Katherine Fuge. Zu dieser Zeit hatte Gardiner sicher keine Bessere (seitdem ich inzwischen Julia Doyle erleben durfte, sehe ich dies heute anders :)).

    Von Joanne Lunn war ich ehrlich gesagt nur sehr bedingt begeistert, ihre Sternstunde war sicher die Serie Berlin, Potsdam, Wittenberg, wo sie unschlagbar war. Ansonsten hatte man vielfach den Eindruck, sie war mit dem Programm restlos überfordert. Eine so dünne Stimme paßt für mich auch nicht in die Barockmusik, ein bißchen mehr Fundament sollte schon da sein.

    Zu den Alti fällt mir zu allererst auch der meist hervorragend disponierte William Towers ein. Sicher dicht gefolgt von Daniel Taylor. Nathalie Stutzmann erwähnte ich ja bereits in meiner Leipzig Rezension. Ihre etwas hausbackene Optik und das Riesenvibrato überzeugten mich zu keiner Zeit.

    Bei den Tenören war der Star der Tour der hier schon erwähnte James Gilchrist, dieser Meinung schließe ich mich restlos an. An zweiter Stelle für mich ganz klar Christoph Genz, der im Weihnachtsoratorium einen umwerfenden Evangelisten gibt.

    Zu den Bässen fällt mir immer nur ein Name ein: Peter Harvey; Stephen Varcoe habe ich nicht live erlebt, auf den CDs macht er keine schlechte Figur. Live erlebt habe ich auf der Tour Gotthold Schwarz und Dietrich Henschel. Gerade bei letzterem hatte ich oftmals den Eindruck, er wolle unbedingt zeigen, daß er Schüler von Fischer-Dieskau war. Sein Dauerforte war vielfach einfach unpassend und an der Musik vorbei.

    Peter Harvey ist und bleibt für mich die Topbesetzung für Bach. Eine solche Innigkeit und Wärme habe ich bei keinem anderen Bass je gehört. Ganz deutlich wird das in der Liveaufnahme der Kantate “Ich habe genug” BWV 82 von DG. Wer diese CD noch nicht hat, osllte sie sich dringend kaufen. Sie ist ein weiteres Juwel der Serie.

    Viele herzliche Grüße,
    Alex

    P.S. Volker /admin, diesen Kommentar von @ Alex habe ich am 19.3.2007 in eine neue Kategorie als einen eingenständigen Beitrag verschoben, hier hat @ Alex ganz spezifisch die Solisten der BCP angesprochen und das sollte zu einer regen Diskussion führen. Danke für euer Verständnis! Volker /admin

    Archiv Beitrag: Brillantaufnahmen der Bachkantaten von Pieter Jan Leusink


    Muriel sagt:

    15.3.2007 bei 14:40

    Zu den anderen Interpreten. Ich denke an die Brillantaufnahme der Bachkantaten. M.E. ist der Knabenchor einfach überfordert.

    Complete Cantatas (Brilliant Classics)

    Unwillkürlich empfindet man die unglaubliche Leistung, die darin besteht in relativ kurzer Zeit alle Kantaten aufgenommen zu haben. als Dressurakt. Das ändert jedoch nichts daran, dass es einige hervorragende Solisten gibt. Zuerst R.Holton, es gibt für mich keine Bessere, auf eben solchem Level der Bass, ganz vorzüglich und auch NJico van der Meel bravourös.

    Liebe Grüße
    Muriel

    P.S. Dieser Kommentar wurde von Volker /admin (am 17.3.2007) mit einer neuen Überschrift versehen und in diese Kategorie verschoben und ein Cover zur Verständlichkeit hinzugefügt!

    Archiv-Beitrag: CD aus Gardiners Altbestand BWV 140 “Wachet auf ruft uns die Stimme”


    10.03.2007

    Hallo Carmen,

    wir haben lange nichts mehr von Dir gehört.

    Ich möchte in Sachen CD-Käufe von Gardiner Dir folgende Einspielung von dem BWV 140 “Wachet auf ruft uns die Stimme”

    und BWV 147 “Herz und Mund und Tat und Leben” sehr empfehlen, es sind großartige Kantaten und zu einem Spottpreis

    zu beziehen bei amazon für 7,97 €.

    Hörproben kannst Du bei amazon entnehmen und beziehen!

    Schau einmal bei amazon vorbei und höre Dir Auszüge daraus einmal an. Über eine Rückäußerung würde ich mich freuen.

    Herzliche Grüsse und ein sonniges Wochenende

    wünscht

    Volker

    "Archiv-Beitrag Star-Pianist "Alfred Brendel in der Oetkerhalle in Bielefeld


    Bielefeld, 16.02.2007

    Der Star-Pianist Alfred Brendel in der Oetkerhalle, Bielefeld am 16.02.2007

    Eine ausverkaufte Konzerthalle begleitete den 76-järigen Welt- und Altstar-Pianisten Alfred Brendel in sein großartiges Klavierkonzert-Programm.




    Foto: Alfred Brendel in der Oetkerhalle in Bielefeld
    (Foto: Copyright. V.Hege)


    Programm

    Joseph Haydn (1732-1809) Klaviersonate Nr.20 c-Moll Hob. XVI

    Ludwig van Beethoven (1770-1827) Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110

    Franz Schubert (1797-1828) Impromptu Nr. 1 f-Moll D 935 und Impromptu Nr. 3 B-Dur D 935

    Wolfgang Amadeus Mozart (1756 -1791) Klaviersonate c-Moll KV 457

    ——————————————–

    Was dieser Ausnahme-Pianist von der Jungpianisten-Garde unterscheidet ist seine Langlebigkeit auf den Konzertpodien in aller Welt und seinem immensen Besucher-Zuspruch. Sein Spiel ist hinreißend er versteht es vorzüglich, der Musik den gewissen Atem zu verleihen gepaart mit einer vorzüglichen Anschlagstechnik und Virtuosität, professionell sein Handwerk spielte er das ganze Programm ohne Noten, als Hilfsmittel lagen vorn auf dem Flügel kleine Anmerkungen ansonsten geschah die gesamte Wiedergabe aus dem Kopf. Mitbrummend und summend mit heftigen Kinnbewegungen und einer deutenden Körpersprache lässt er das Werk an seinem Steinway-Flügelverinnerlicht mitfühlend vortragen. Berauscht und Ergriffen lauscht der Hörer zwei Stunden einem Spiel, dass in ihrer vollendeten Klarheit, Entschlossenheit und rhythmischen Bewegtheit nicht zu überbieten ist. Ein in den Jahren gekommener Ausnahme-Pianist hat nichts von seiner großartigen Kunstfertigkeit eingebüßt.

    Das Programm begann mit Haydns Klaviersonate 20 c-Moll. Dieses lange Werk lebt von seinen überraschenden Wendungen und Wiederholungen. Brendel weiß es Gestalterisch und in der Struktur schlank überzeugend vorzutragen. Haydn war kein Pianist. Die Spielformen sind daher einfacher und weniger entwickelt als bei Mozart, der als konzertierender Virtuose seinen Klavierwerken jede technische Brillanz geben konnte. Erst später entwickelte Haydn in seinen Klavierstücken eine reichere Ausgestaltung und pianistischen Glanz. Über den Reichtum an Einfällen und mancher kühnen Wendung, zu sprunghaftem Wechsel zwischen hoher und tiefer Lage findet man auch in dem Spätwerk Haydns der Klaviersonate 20 c-Moll entsprechend wieder.

    Elektrisierende Spannung erfolgte in den ersten Takten in Beethovens vorletzte Sonate op. 110. Die Anfangssätze weisen auf das zurückliegende Barock und vorausweisend auf die Romantik. Mit großem Gespür und Elan bewältigt Brendel furios den Auftakt. Das anschließende Arioso und Fuge pendelt Brendel gekonnt in einer aufwühlenden Derbheit und Wucht aus, um den Ausdrucksgehalt dieser Sätze die mögliche Dramaturgie – Glücksgefühl und Resignation – mitzugeben.

    Während Schuberts Sonaten vielen Musikfreunden noch immer weitgehend unbekannt geblieben sind, nimmt sich Brendel ihrer an und verhilft ihnen zu einer weiteren Bekanntheit und genießen seitdem eine hohe Popularität. Die vier Impromptus entstanden innerhalb einer Gruppe im Dezember 1827, ein knappes Jahr vor Schuberts Tod. Ein fantastisches Werk ist das Impromptu Nummer 1 in f-Moll, D 935 „Allegro moderato.“ Die sinfonisch der Romantik eines anhaftenden Zuschnittes sind in lyrische dunkle harmonische Abläufe komponiert. Hier verleiht Brendel dem Werk die angemessene Spannung und Virtuosität mit einer beseelenden Wiedergabe, dass dem Besucher der Atem stockt.

    Ebenbürtig erklingt Impromptu Nr. 3 B-Dur, D 935 das Andante in 5 Variationen. Dieser Variationssatz bezieht das Thema aus der Musik zu „Rosamunde“, das Schubert in seinem Streichquartett a-Moll verwendet hat. Tänzerisch spielend ein polterndes Forte und die leidenschaftliche Moll-Variation in Triolen eingebettet gelingt Brendel in seiner unnachahmlichen Art, perfekt, sinniger und leidenschaftlicher kann dieser Vortrag des Pianisten nicht erklingen, die Herzen wurden weit geöffnet und staunend lauschten andächtig die Besucher einem fast überirdischen Spiel.

    Der krönende Abschluss fand mit der Sonate c-Moll KV 457 von Wolfgang Amadeus Mozart statt. Dieses Spät-Werk aus seiner Wiener Zeit zeugt von einer ungemein hohen Ausdrucksstärke, eine Komposition der Trostlosigkeit und Verzweiflung. Das Werk ist vorausschauend in das folgende Jahrhundert mit romantischen Leiden und Leidenschaften behaftet. Eine tragische Tonart, sein stürmisches Temperament, sein sinnender Ernst und kämpferische Bejahung des Schmerzes verleiht dieser Komposition eine außergewöhnliches Format mit Kompositionstechniken, die Hinweise besitzen auf Beethovens zukünftige Werke.

    All diesen Nuancen wurde Brendel mehr als gerecht. Angefeindet wurde er in grauer Vorzeit wegen seiner Mozart-Interpretation, die er auch selber als schrecklich empfand und seine Aussage bestand hatte: Ich werde noch viel übern müssen, um Mozart richtig spielen zu können. In die Jahre gekommen erzielt er nunmehr eine traumwandlerische Perfektion in seinem Vortrag, so ist mir Mozart in der musikalischen Interpretation und pianistisch noch nicht begegnet, hier offenbarte sich ein Pianist von „Gottes Gnaden!“ Herz und Schmerz verstand er genial zu erzeugen. Sein Gefühls-Spiel erzeugte bei den Hörern einen Schmerzzustand, dass die persönliche Seelenlage zum zerreißend gespannt war. Sie entwich erst in langsamen Schritten nach dem erfolgten Schlussakkord. Er versteht es meisterhaft, als Vortragender seine Hörerschaft als eine lebendige Einheit und Gemeinschaft zu bilden, aus dem ein Entrinnen nicht möglich ist. Dass ist die unwiederbringliche Größe von Brendel, die man bei den jungen Zeitgenossen sehr oft vermisst.

    Nur mit einer Zugabe aus dem „Impromtu“ von Schubert konnte Brendel nach einem unglaublichen Begeisterungssturm und einem staunendem und beglückten Besucherschar vom Podium gelassen werden. Ein großer Alt-Pianist verabschiedete sich von seinem Publikum, der wahrscheinlich so schnell nicht wieder zu hören sein wird, es war eine Sternstunde der Klaviermusik, die man als Zeitzeuge miterleben durfte, einfach grandios!

    Stifterkonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie in St. Marien, Herford


    Herford, 10.02.2007

    Stifterkonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie in St. Marien, Herford

    Im Rahmen der jährlich stattfindenden Stifterkonzerte für die Nordwestdeutsche Philharmonie wurde am Samstag, 10.2.2007, in der St Marienkirche Stift Berg in Herford ein hochkarätiges Sinfoniekonzert mit Werken von Beethoven und Schumann geboten. Diese Veranstaltung wurde zum vierten Mal ausgetragen und wird hauptsächlich durch die „Dieter Ernstmeier Stiftung, Herford“ getragen.

    Das Programm:

    Ludwig van Beethoven (1770-1827) Konzert D-Dur op. 61 für Violine und Orchester

    Robert Schumann (1810-1856) Sinfonie Nr.4 D-Moll op. 120

    Solist Violine: Eduardo Zosi

    Leitung: Frank Beermann

    Foto: NW

    Als ein Juwel erwies sich der erst 18-jährige italienische Solist für Violine Edoardo Zosi in der Sinfonie für Violine und Orchester, D-Dur, op. 61. von Ludwig van Beethoven.

    Der junge Solist überzeugte in den zu begleiteten Partien in einer angemessenen Zurückhaltung und wusste in seinen Kadenzen voll zu überzeugen, blieb immer mit einem tragenden und ausgeglichenen Ton deutlich präsent. Hier erwies sich die hallige Akustik der Kirche als ein vorzüglicher Aufführungsort.

    Dementsprechend agierte der Dirigent Frank Beermann mit seinem Klangkörper, gelassen ließ er in einem treffenden Spannungsbogen des Orchesters musizieren, mal kräftig zupackend dann wieder im Ton verhalten, ließ er die Bläser kräftiger im Ton erstrahlen. Im ersten Satz „Allegro ma non troppo“ wurde ein heiterer ruhiger Spannungsbogen aufgebaut, um dann aber kräftiger dem Satz tonal die Würze zu verleihen. Genau dort setzte er die gleiche Linie im zweiten Satz „Larghetto“ fort.

    Im dritten Satz „Rondo Allegro“ wurde mal ein zügigeres dann wieder ein ruhigeres Tempi vorgegeben, die Artikulation der Wiedergabe passte sich den Gegebenheiten des Aufführungsortes an, die Strukturen und Linien klar erkennbar erstrahlte dieser Satz in einer wunderbaren Wiedergabe. Beermann verstand es vorzüglich, den jungen Violinisten Edoardo Zosi in der Wiedergabe entsprechen mit einzubinden.

    Ein ineinander harmonisches Geflecht verband das Orchester mit dem jungen Violin- Solisten, die Kadenzen wurde von ihm so harmonisch, klanglich und innig berührend gespielt, dass es den Besuchern den Atem anhielt, künstlerisch perfekt vorgetragen, bewusst die Spannung aufbauend verstand es der Solist ebenso perfekt die piano gespielte Kadenz in der hervorragenden Akustik noch hörbar gespielt einen weiteren Glanzpunkt darauf zu setzten. Technisch und künstlerisch durch sein perfektes Spiel verlieh er diesem Werk das Format Extraklasse, hier entwickelt sich ein Künstler mit hohem Potenzial.

    Umso schwungvoller und emotionaler aufgeladen erklang die anschließende 4. Sinfonie von Robert Schumann. Die verschiedenartigen Tempi, von langsam bis zum schnellen „Presto“ erklangen in voller Orchesterlautstärke, dass die Marienkirche in ihren Grundfesten zu beben begann. Hier gab Beermann seine zuvor gegebene Zurückhaltung vollends auf und führte den Klangkörper über auch noch so große Klippen souverän und meisterlich in ein grandioses Schlussfinale.

    Mit einem Beifallssturm und Bravorufen wurden die Aufführenden für ihre gekonnte Wiedergabe belohnt.

    Archiv-Beitrag: Schnäppchenerwerb einer CD Karl Richter, Bachkantaten: BWV 106 “Actus tragicus” BWV 56 “Ich will den Kreustab” BWV 80 “Ein feste Burg”


    Hallo,

    aufgrund einer Rezension von Alex über das Pilgrimage-Konzert in Wittenberg bin ich auf diese Idee gekommen und habe unseren “admin” gebeten, diese Kategorie zu erstellen.

    Unter dieser Rubrik (Kategorie) sollen DVD’s oder CD’s vorgestellt werden, die man gerade erworben hat oder man sich aus seinen persönlichen Beständen anhört.

    Eine kleine Beschreibung des entsprechenden Tonträgers mit Titelangabe und Angabe des Interpreten und eine kleine Bewertung sollte vorhanden sein.

    Ich mache den Anfang mit der CD von Karl Richter, mit Bachkantaten….

    Freitag schlenderte ich durch die Musikalienabteilung eines Kaufhauses und fand die obige CD mit Kantatenwerken von J.S. Bach mit dem Interpreten Karl Richter zum Schnäppchenpreis von 4,99 €.


    J.S. Bach Kantaten: Actus tragicus; Kreuzstab-Kantate;

    Ein feste Burg…., 5,23 € mit Hörprobe bei amazon zu beziehen !


    Wegen des Titels BWV 106 “Actus tragicus” habe ich sie mir gekauft, da ich diese Kantate noch nicht besitze.

    Ein wahrlich massiges Volumen besitzt diese CD, in der Chor-, Orchesterbesetzung, Instrumentierung, einfach alles sehr gewöhnungsbedürftig zu unserer heutigen Hörweise einer historischen Aufführungspraxis. Das waren die Karl Richter Zeiten und entsprachen genau dem damaligen Zeitgeist, alles grossvolumiger und massiger hörbar zu gestalten.

    Hier hat sich glücklicherweise eine fantastischere Aufführungspraxis entwickelt, schlanker, in den Nuancen bedeutend hörbarer in der Artikulation und uniso die herrlichen alten Instrumente mit ihrem warmen Klang. Aber aufgrund des Spottpreises langte ich zu.

    Jetzt die einzelnen Kantaten aufgrund dieser altehrwürdigen Auffführungsform zu rezensieren betrachte ich nicht als fair, wir wissen alle, dass unsere heutigen Interpreten der Historischen Aufführungspraxis mehr als gewachsen sind und uns mehr zu begeistern vermögen.

    Mein Urteil:

    man kann, muss die CD aber nicht besitzen, es ist etwas für Musikliebhaber, die diese Epoche nicht missen mögen und der heutigen Aufführungsform nicht unbedingt etwas abgewinnen können und mögen.

    Grüsse

    meinhardo

    Archiv Beitrag: Daniel Roth zu Besuch in Bielefeld


    Bielefeld, 11.01.2007

    Meister-Organist „Daniel Roth“ begeisterte in der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld am 11.01.2007


    Meister-Organist Daniel Roth (Bild: Homepage Daniel Roth)

    Programm:

    J.S. Bach (1685-1750)

    Praeludium und Fuge in C – Dur BWV 547
    Partita „Sei gegrüßet Jesu Gütig“ BWV 768

    Cesar Franck (1822 – 1890)

    Interlude symphonique aus Rédemption,
    Orgelbearbeitung: Daniel Roth
    Eugène Gigout – (1844 – 1925)
    Scherzo in E – Dur

    Daniel Roth (* 31.10.1942)

    Eigenkomposition:
    Artizarra, Fantasie über ein baskisches Lied für
    das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias)

    Charles Marie Widor (1844 – 1937)

    Finale aus der 7. Symphonie

    In der Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld wurde im Rahmen der Albert Schweitzer Tage ein hochrangiger Organist in Person von Daniel Roth – tätig an der Kirchengemeinde St. Sulpice in Paris – verpflichtet. Meister-Organist Roth steht als eine weitere Größe in der Nachfolgeschaft seiner bekannten Vorgänger wie Charles-Marie Widor und Marcel Dupré für die Cavaillé-Coll-Orgel an St. Sulpice in Paris zur Verfügung.


    Foto: Altstädter Nicolaikirche Bielefeld (Fotos: Altst.Kirchengemeinde)

    Beratend in der Planung und Disposition stand Albert Schweitzer für die in 1944 vollständig zerstörte Orgel für den Neubau der „Kleinen Beckerath-Orgel“ zur Verfügung die er auch persönlich einweihte. Zwei Orgelkonzerte fanden von Albert Schweitzer in der Nicolaikirche statt. Aus diesem Anlass veranstaltet die Nicolaikirchengemeinde jährlich zu seinem Geburtstag (14.Januar), die Albert Schweitzer Tage. Hieran orientierte sich entsprechend das Programm mit Werken von J.S. Bach und französischer Orgelliteratur.


    Foto: Grosse Beckerath-Orgel, Neubau von 1965 in der Nicolaikirche Bielefeld

    Als ein Genius an der Orgel war der gebürtige Elsässer nur zu bewundern. Eine überragende Spielkultur und Interpretation, in der künstlerischen Ausführung und Registrierung merkte der Besucher sofort, hier stellt sich ein Konzert-Organist der Sonderklasse vor.

    Im Auftakt des BWV 547 in Präludium und Fuge C-Dur brillierte sein Spiel in den Fugen. Er verstand es meisterlich eine entsprechende Akzentuierung seinem Spiel mitzugeben.

    Das BWV 768 ( Partite diverse sopra il corale) „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ gehört zu den frühen Werken Bachs und ist in ihrer 11-sätzigen Struktur formal an seinen norddeutschen Lehrmeister Georg Böhm angelehnt, es nimmt als reifstes Werk dieser Frühperiode eine Sonderstellung ein. Ganz im Sinne Schweitzers erfolgte seine Interpretierung und entwickelte im weiteren Verlauf des Variationszyklus sowie in der abschließenden fünfstimmigen Variation eine berauschende Wiedergabe in barocker Klangpracht, die er dieser fantastischen Orgel zu entlocken vermochte.

    In dem Orgelwerk von Cesar Franck „Interlude symphonique aus Rédemption“, hat Daniel Roth eine Bearbeitung des „Interlude symphonique“ aus dem Oratorium „Die Erlösung“ hinzugefügt. Eine Orgelsinfonie in orchestraler Ausprägung und prägnanten Klangfarben. Hier bezeugte Roth seine überragende Kunstfertigkeit an der Orgel, dem Hörer ein Klangideal vorzuführen, dass bewegend einzuwirken vermochte.

    Daniel Roth, seine Eigenkomposition: „Artizarra, Fantasie über ein baskisches Lied für das Fest der Erscheinung des Herrn“ (Epiphanias), trägt unverkennbar die Züge einer französischen Komposition. Feinfühlig, elegant in seinem Spiel versteht er es vortrefflich, dem Hörer Tonal die „Heiligen Drei Könige“ auf der Orgel vorzuführen.

    Den grandiosen Schlusspunkt setzte er mit dem Werk von Charles Marie Widor „Finale aus der 7. Symphonie.“ Virtuoses Können, geschmeidig ausformend und in der entsprechenden Klangwucht präsentierte sich ein großartiger Kenner und Meister in diesem französischen Orgelwerk.

    Ein überragender Orgelabend wurde mit nicht endend wollendem Beifall durch die Besucher entsprechend honoriert.

    Die Besucherresonanz blieb leider hinter den Erwartungen zurück und sollte zu neuen Denkanstößen des Veranstalters führen. Aufwand und Ertrag steht in keinem Verhältnis, Anfahrt des Meister-Organisten am Vortag aus Paris um dann am Folgetag eine überschaubare Kleinst-Hörerschaft vorzufinden, muss frustrierend wirken und wirft ein schlechtes Bild auf die sonst so konzertfreudige und besucherfreundliche Stadt Bielefeld.

    Kritik übe ich an der Form als Kleinstankündigung in den Bielefelder Tageszeitungen. Hier sollte in Zukunft aufgrund eines so großartigen Kunstereignisses auch überregional und in einem größeren Beitrag daraufhingewiesen werden müssen.

    Archiv-Beitrag: Weihnachtskantaten Braunschweiger Dom Dez. 2005


    Braunschweig, 15.12.2005

    Weihnachtskantaten erklangen unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner im Braunschweiger Dom.

    Am Donnerstagabend, 15.12.2005, um 21:00 Uhr erklangen Weihnachtskantaten von Johann Sebastian Bach im altehrwürdigen Dom zu Braunschweig.

    Braunschweiger Dom

    Aufgeführt vom Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner.

    Folgenden Kantaten wurden aufgeführt:

    „Unser Mund sei voll Lachens“ BWV 110; „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“ BWV 151; „Magnificat“ BWV 243a ( in der Frühfassung von 1723); Als Zugabe: Die wiederentdeckte Arie in der Anna Amalia Bibliothek im Juni 2005 in Weimar; „Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn“ BWV 1127

    Man kennt nur wenige Bachinterpreten, die über Jahrzehnte auf so einheitlich und hohem technischen Niveau ihr musikalisches Können unter Beweis stellen. Gardiners typische Art der Eleganz und schwungvollen Geschmeidigkeit in seiner Interpretation zu Gehör zu bringen ist immer wieder beeindruckend. In seinen schönsten Momenten entfaltete dieser Abend alles, was man von einer hochrangigen Bach-Interpretation erwarten durfte. Dass aus seinen Reihen sämtliche Vokalsolisten dem Monteverdi Choir entstammen unterstreicht einmal mehr, aus welch hochrangigen, professionell und stimmlich ausgebildeten Reservoiar er schöpfen kann. Ein Chor aus höchst präzisen Solostimmen, der die Choräle in den Kantaten zu voluminös strahlenden Glaubensbekenntnissen machte.

    In den Koloraturen des Eingangslieds vergoss sich die Freude über die Christgeburt in wahren Lach-Kaskaden über die Zuhörer. Ruhiger und inniger strömte der Choral “Heut’ schleußt er wieder auf die Tür” in der zweiten Weihnachtskantate “Süßer Trost, mein Jesus kömmt” (BWV 151). Vortrefflich disponiert in ihrer gesanglichen Darstellung ist die Sopranistin Elin Manahan Thomas zu erwähnen. Mit der gleichnamigen Eingangs-Arie gelang ihr auch das eindruckvollste Solo des Abends: Elin Manahan Thomas sang mit wahrhaft engelsgleich reinem, vibratolosem Sopran diese Botschaft wie aus einer anderen Welt. Inniger kann eine Arie nicht umgesetzt werden hier hat Bach einen Ton der Innigkeit gefunden, in dem sich der silbrige Glanz der Traversflöte mit dem der Sopran-Stimme zu einer Einigkeit verband, die in der Musikliteratur einmalig erscheint.

    Nicht alle Solisten vermochten gleich, aber alle hochkarätig zu überzeugen. Bassist Matthew Brook überzeugte ob seiner Stimmeskraft und Volumen und zeigte sich den Anforderungen mehr als gewachsen. William Towers konnte mit seinem klaren Altus natürlich nicht die weiche Fülle einer Altistin bieten, sang aber im “Magnificat” mit schöner Linie. Gardiner hatte für das Marienlob die D-Dur-Fassung von 1733 mit den weihnachtlichen Einlagen der Frühfassung von 1723 gewählt. Seidenfein spannte er die verweilenden Arien, gestaltete das “Deposuit potentes”, das vom Sturz der Mächtigen handelt, scharf und energisch.

    Der Schluss des Magnificats (BWV 243) erklang ebenso wie der Eingangssatz mit den hochrangig besetzten Trompeten zu einem grandiosen Klangfinale. Stürmisch wurde der Chor im Finalsatz „Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto“ gesanglich von Gardiner im Dirigat durchgezogen, es war beeindruckend, wie mühelos das Orchester und der Monteverdi Choir diese Tempo-Klippe meisterten.

    Die English Baroque Soloists gehören zu den wenigen Spitzenensembles, die auch auf historischen Instrumenten absolut perfekte Töne erzeugen.

    Ein schmetternden Glanz der unfassbar sicheren Trompeten-Trias zu Beginn der Weihnachtskantate “Unser Mund sei voll Lachens”, (BWV 110) und in dem Magnificat (BWV 243), überzeugender kann der Part nicht erklingen sowie die weich und warm klingenden Flöten bis zum wohlig harmonierenden Basso continuo ein perfektes Klangerlebnis, die mehr als das Herz berührten.

    In der Zugabe, der erst jüngst aufgefundenen Arie “Alles mit Gott”, die durch Zufall durch den Musikwissenschaftler Michael Maul im Juni 2005 in den Beständen der Anna Amalia Bibliothek im Weimar entdeckt wurde, ist die Komposition 1713 von Bach anlässlich des 53. Geburtstages von Wilhelm Ernst, Herzog von Sachsen-Weimar komponiert worden. In dieser Sopran-Arie brillierten die Sopranistinnen Elin Manahan Thomas, Charlotte Mobbs und Katherine Fuge ohne Dirigent mit einer zart erfüllten Interpretation. Als ein Juwel für die Zukunft ist die engl. Sopranistin “Elin Manahan Thomas” zu erwähnen!

    engl. Sopranistin Elin Manahan Thomas!

    Sir John Eliot Gardiner erhielt die ehrenvolle Aufgabe, die Arie „Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn“ als erster aufzunehmen. Den Sopranpart sang dabei Elin Manahan Thomas; erschienen ist die CD kürzlich auf Gardiners Label „Soli Deo Gloria.“

    Riesiger Applaus im weiten Rund des voll besetzten Domes bezeugten wiederum davon, dass die Besucher zwei Stunden einer Bach-Aufführung mit Weltniveau erleben konnten.

    1. Internationaler Orgelwettbewerb an der „Collon Orgel“ St. Marien in Herford


    Herford, 05.11.2006

    1. Internationaler Orgelwettbewerb an der „Collon Orgel“ St. Marien in Herford wurde nach einem großartigen Finale am 5.11.2006 die Sieger gekürt.

    Die Collon-Orgel der Kirche St. Marien zu Herford ist ein Vermächtnis des Unternehmers Dieter Ernstmeier (1939 – 2002). Auf ihn geht auch die „Dieter-Ernstmeier-Stiftung“ zurück, die Träger des Internationalen Orgelwettbewerbs in der Kirche St. Marien zu Herford ist.


    St. Marienkirche Stift Berg, Herford / OWL

    Foto: Collon-Orgel in St. Marien, Herford (Foto: Collon)

    Der Wettbewerb ist offen für Organisten aller Nationalitäten, die nach dem 1. Januar 1972 geboren sind.

    Von 54 Mitbewerbern aus 16 Nationen – ab Jahrgang 1972 – wurden in einer Vorauswahl die letzten 18 Finalisten aus 10 Nationen von einer Jury mit Michael Radulescu; Vorsitzender der Jury; (Wien), Jacques van Oortmerssen (Amsterdam), dem Schweden Hans-Ola EricssonMartin Böcker (Stade), Professor Bernhard KlapprottJörg-Neithardt KellerProfessor Dr. Helmut Fleinghaus (beide Herford) ausgewählt worden. (Professor in Bremen) sowie den deutschen (Weimar), und

    Alle Beteiligten waren voll des Lobes über den überragenden Besucherzuspruch ( ausgebuchte Kirche an 3 Tagen !!!!), die überdurchschnittliche Qualität der Bewerber und einer grandiosen Collon Orgel mit ihren klangtechnischen Möglichkeiten – eine adäquate Interpretation der Orgelmusik Italiens, Spaniens, Frankreichs, Flanderns, Süddeutschlands sowie der mitteldeutschen Schule, ausgehend von J. S. Bach – hierauf wiedergeben zu können. Eine absolute Meisterleistung des heutigen Orgelbaus gelang Collon aus Brüssel, Raum und Klang vereinen sich zu einer Symbiose, die großartiger nicht ausfallen kann. Erstmals wurde ein Extra-Preis durch das Votum der Besucher vergeben, was der Veranstaltung seinen besonderen Reiz verlieh.

    Grussworte des Jury – Vorsitzenden Michael Radulescu:
    An dieser Orgel hätten die jungen Musiker nicht gegeneinander gekämpft, sondern miteinander musiziert, stellte der Vorsitzende der Jury dankbar fest: „In diesem prächtigen Raum war das Niveau der Darbietungen erstaunlich hoch.“ Die Organisten hätten sich intensiv mit der Vielfalt europäischer Musik auseinander gesetzt.

    „Seit Jahren hatte ich von einem solchen Wettbewerb geträumt“, bekannte Radulescu: „Nun ist der Traum Wirklichkeit geworden.“

    Die drei Finalisten für das Abschluss-Konzert der Preisträger am 3. Tag: Sonntag, 05.11.2006 wie folgt:

    Philippe Oliver Salandini / Frankreich

    Der Franzose Olivier Salandini studiert wie Gritter in Amsterdam. Er gewann im vergangenen Jahr den Internationalen Cembalo-Wettbewerb in Bologna und tritt häufig als Cembalist hervor.

    Seine vorgetragenes Orgelwerk: Nicolas de Grigny (1672-1703) – franz. Orgelkomponist in Paris und Reims – mit dem Werk: Hymnus „Veni creator“ En Taille – Fugue – Duo – Recit de Cromorne – Dialogue sur les Grands Jeux.

    In diesem französischen Orgelwerk gelang ihm eine ausgezeichnete Wiedergabe, technisch profund und in der Registrierung wunderbar wiedergegeben, doch ohne Pedalbenutzung disqualifizierte er sich selbsttätig für eine bessere Platzierung?

    Mit dem BWV 655 von J.S. Bach (1685-1750) Choraltrio „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ gelang ihm eine Wiedergabe im Pedal vortrefflich, sowie in der Registrierung fein ausnuanciert und einem beseelten Spiel, so muss Bach klingen, ergriffen lauschten die Zuhörer seines Spiels und spendeten einen wohlwollenden Begeisterungsapplaus für seinen vorzüglichen Bachvortrag. Wegen des vorgenannten Mankos (ohne Pedalspiel?) reichte es für die Jury nur für den dritten Platz, das Publikum wählte ihn auf Platz zwei.

    Gerben Gritter / Holland

    Gerben Gritter (geboren 1979) studiert Orgel bei Jacques van Oortmerssen am Conservatorium Amsterdam sowie Musikwissenschaft an der Universität Utrecht.

    Oortmerssen war ebenfalls einer der Juroren beim Herforder Wettbewerb. Gerben Gritter nahm an Meisterkursen von Jean Boyer, dem Juror Hans-Ola Ericsson, Andrea Marcon, Jan Raas, Stef Tuinstra und Harald Vogel teil.

    Er errang beim Internationalen Schnitger-Orgelwettbewerb 2003 Alkmaar den 2. Preis. Im vergangenen Jahr gehörte er zu den Finalisten des Internationalen Sweelinck-Orgelwettbewerbes in Amsterdam. Gerben Gritter ist Organist an der Nederlands Hervormde Kerk zu Westerbork und Assistent-Organist an der Waalse Kerk in Amsterdam.

    Seine vorgetragenen Orgelwerke: J.S. Bach; BWV 541 „Präludium und Fuge“ G-Dur; und BWV 659 Choralbearbeitung über „Nun komm, der Heiden Heiland.“

    Groß in der Statur so entpuppte sich auch ein großartiger Bachkenner. Es wurde fein registriert und ein wohlfeiles mitteltöniges Klangvolumen von ihm vorgetragen. Hier wächst ein großartiger Bachinterpret der jungen Orgelgeneration heran, dem alle Türen der Konzertsäle und Kirchen weit geöffnet scheinen. Ein Manko muss er ablegen, sein Spiel wirkt ein wenig zu pastoral vorgetragen, wenn er das ablegt, wird er ein ganz „Großer“ in der Orgelszene als Bachinterpret. Die Jury platzierte ihn auf Platz zwei, die Besucher auf Platz drei.

    Magdalena Hasibeder / Österreich

    Magdalena Hasibeder, geboren 1982 in Linz, erhielt ihren ersten musikalischen Unterricht in Klavier an der Landesmusikschule St. Georgen bei Frau Kathan und ihren ersten Orgelunterricht mit 12 Jahren. Sie besuchte das Linzer Musikgymnasium und absolvierte gleichzeitig ein künstlerisches Basis-Studi­um am Linzer Bruckner-Konservatorium bei Prof. Mitterschiffthaler. Im Jahr 2000 erhielt sie den 1. Preis beim Wettbewerb „Prima la Musica“ in Feldkirch. Sie besuchte mehrere Meisterkurse, u.a. bei Wolfgang Zehrer, Ludger Lohmann, Tini Mathot u.a. und studiert seit 4 Jahren an der Wiener Musikuniversität (Cembalo bei Wolfgang Glüxam, Orgel bei Michael Radulescu). Sie konzertiert und ist mehrfache Preisträgerin von „Prima la musica“.

    Ihre vorgetragenen Orgelwerke: Francisco Correa de Arauxo (Araujo) (1575?-1654) – spanischer Orgelkomponist in San Salvador und Segovia – mit dem Werk; „Tiento de septimo tono“ Nr. 27;
    sowie von Jacques Boyvin (1649-1706) – französischer Orgelkomponist in Paris und Rouen – mit dem Werk: „Suite du Troisieme ton Plein jeu“ – Fugue – Dessus de tierce – Cromhorne en taille – Grand Dialogue.

    Magdalena Hasibeder klein in der Statur aber als eine überragende Könnerin an der Orgel erwies sich von Anbeginn ihres Vortrages diese famose Organistin aus Österreich. Hier spürte man sofort, da ist eine gewiefte Künstlerin am Werkeln, die ihr Orgelhandwerk versteht. Für diesen Wettbewerb großartig disputiert in ihrer Werksauswahl und schöpfend aus ihren Erfahrungen aus zahlreichen Konzerttätigkeiten, konnte sie dieses Wissen und Können entsprechend mit einbringen und umsetzen. Ob spanische oder französische Orgelliteratur, sie verstand es geradezu meisterlich, in ihrem Vortrag alle zu berücksichtigenden Facetten gewinnbringend darzustellen.

    Berauschend ihre virtuose Spielweise ob Pedal, Klaviatur oder Registrierung, alles gelang ihr an diesem Abend vor einer riesigen Zuhörerschaft aufs Allerprächtigste. Was für ein Organistinnen-Juwel bildet sich hier heran, unterstützt von einem großartigen Musik-Professor „Michael Radulescu“ aus Wien, der ihr das gewisse Rüstzeug für die Zukunft mitgeben wird. Zu Recht von der Jury und den Besuchern mit überwältigender Mehrheit auf Platz eins gestimmt, ist sie als die vortrefflichste Siegerin gekürt worden.

    Magdalena Hasibeder konnte als Mitgift: 1. Preis der Jury: 8.000,00 € – 1. Preis durch das Besuchervotum: 1.500,00 € – als ein vortreffliches Honorar mit nach Österreich überführen. Mit diesem Preisgeld erhielt eine großartige Nachwuchs-Organistin eine entsprechende Würdigung.


    Foto: Magdalena Hasibeder 1.Preisträgerin im Collon-Orgelwettbewerb Herford (Quelle: NW)

    Riesiger, nicht endend wollender Applaus galt allen Beteiligten für einen großartigen Orgelabend. In OWL (Ostwestfalen-Lippe) ist durch diesen 1. Internationalen Orgelwettbewerb eine neue Orgel-Ära angebrochen, die positive Spuren hinterlassen wird.


    (Foto NW) „Die drei Preisträger“ von links:

    Magdalena Hasibeder / Österreich, Gerben Gritter / Holland, Philippe Oliver Salandini / Frankreich


    1. Preis 8.000,-€
    2. Preis 5.500,- €
    3. Preis 3.000,-€
    Improvisations-Preis 3.000,- €
    Publikums-Preis 1.500,- €

    .





    Die Disposition der Collon-Orgel

    Hauptwerk: Bourdon 16′ Unterwerk: Gedeckt 8′ Pedal: Subbass 16′

    Prinzipal 8′
    Traversflöte 8′
    Principalbass 8′

    Gedeckt 8′
    Principal 4′
    Gedecktbass 8′

    Salicional 8′
    Fugara 4′
    Oktavbass 4′

    Oktave 4′
    Nasat 2 2/3′
    Posaunenbass 16′

    Flöte 4′
    Oktave 2′
    Trompetenbass 8′

    Quinte 2 2/3′
    Flageolet 2′


    Oktave 2′
    Terz 1 1/3′
    Manualkoppel

    Terz 1 3/5′
    Larigot 11/3′
    Kurze Oktavkoppel HW

    Quinte 1 1/3′
    Mixtur III
    Pedalkoppel HW

    Mixtur IV
    Cromorne 8′
    Pedalkoppel UW

    Cornet V
    Vox Humana 8′
    Tremulant

    Trompete 8′




    Chamade 4’/8′



    Quelle: Musikschule Herford

    Mozart – Gala beim "Mozartwirt" in Langwaid / Bayern


    Langwaid / Bayern, 16.09.2006


    Mozart-Gala beim „Mozartwirt“ Langwaid / Bayern am 16.09.2006

    Seit mehr als sieben Jahren veranstalten die rührigen „Mozartwirte“ Bettina Mittelstaedt und Wilfried Alt in Langwaid – Bayern, ein schönes Mozart-Konzept !


    Mozart-Gastlichkeit in Langwaid / Bayern (Copyrigth: V. Hege)

    Mozart-Gala beim Mozartwirt Langwaid am 16.9.2006, die Instrumentalisten des Konzertes von links: Ludwig Müllritter (Clarinette), Ulrich Blees, (Komponist des Mozartstückes: Müllritter-Quintett, B-Dur, für Flöte, Oboe,Clarinette, Horn und Fagott), Arnulf Mallach (Oboe), Jakob Wurm (Horn), Heike Kindermann (Querflöte), Gerlinde Kneitzl (Fagott).

    Ihr Motto: Unser Ziel ist immer Mozart alle Ehre zu machen, sein Name steht für uns für höchste Qualität !“ Diesem Anspruch werden sie mehr als gerecht.

    Durch ein Fremdforum bin ich auf diese Veranstaltung am 16.9.2006 im Rahmen des Mozartjahres 2006 aufmerksam gemacht worden, es beinhaltet ein Mozart-Gala-Menue in 5-Gängen und einer musikalischen Umrahmung mit Werken von W.A. Mozart, Frank Xaver Süßmayr sowie einer Uraufführung der Neukomposition „Müllritter – Quintett, B-Dur“ des Komponisten Ulrich Blees. Hier litt die Instrumentalische Darbietungform ein wenig unter einem ausgewogenen Zusammenspiel, da die Besetzung in dieser Formation wenig Gelegenheit des Einübens besaß.

    Hervorzuheben und zu bewundern ist die Kreativität und künstlerische Gestaltung des Abends durch die Mozartwirte. Das grandiose 5-Gänge-Menue und das bezaubernde Ambiente der Räumlichkeiten trugen dazu bei, dem Anspruch einer Mozart-Gala mehr als gerecht zu werden. Nicht nur ein Blickfang sind die einzelnen Menue-Gänge die das Auge erfreute, sondern auch der Magen bekam neben der musischen Seite das großartige Seinige zu spüren. Als eine vorzügliche Eigenkration des Hauses muss die „Zanderweißwurs(ch)t „, angereichert mit Honig und Senfsauce, dazu Blattspinat und Kartoffeln als ein vortrefflicher Menue-Gang hervorgehoben werden. Ein Sonder-Lob dem Veranstalter, der dieses Konzept meisterlich versteht, es entsprechend umzusetzten.

    Nachfolgend einige bebilderte Ansichten von der Mozart-Gala:

    Programmübersicht des Gala-Abends


    Begrüßung durch den Gastgeber!







    Übersicht des 5-Gänge-Menues






    Ansicht des 1. Menue-Ganges (Melonen-Saltimbocca mit Oliven, Cocktailtomaten und frischen Kräutern dazu Bruschette mit Rucolapesto)

    Ansicht des 4. Menue-Ganges (Hirschnüsschen on feiner Steinpilz-Reherlsauce dazu Kartoffel – Maronenpüree (Copyrigth: V. Hege)


    „Nun Angaben zu dem musikalischen Programm“

    1. Teil: Franz Xaver Süßmayr; Ave Verum, Arie Nr.6 aus der Kantate SmWV 302,

    2. Teil: W.A. Mozart; Overtüre zu die Zauberflöte KV 620, Kantate die Maurerfreude,

    3. Teil: Ulrich Blees; * 1974, Eigenkomposition: Müllritter-Quintett B-Dur

    Vorstellung des zeitgenössischen Komponisten Ulrich Blees, geb. 1974, mit seiner Eigenkomposition: Müllritter-Quintett B-Dur



    Foto: Mozart-Gala beim Mozartwirt Langwaid am 16.9.2006,
    die Instrumentalisten des Konzertes
    von links:
    Ludwig Müllritter (Clarinette), Ulrich Blees, (Komponist des Mozartstückes: Müllritter-Quintett, B-Dur, für Flöte, Oboe,Clarinette, Horn und Fagott),
    Arnulf Mallach (Oboe), Jakob Wurm (Horn), Heike Kindermann (Querflöte), Gerlinde Kneitzl (Fagott).


    Foto: Fagott: Gerlinde Kneitzl, Horn: Jakob Wurm, Clarinette: Ludwig Müllritter




    Das Folgende Foto beinhaltet:

    Der Autor bei der Vorstellung des Buches: „Soll die Empfindung Liebe sein?“

    (Joachim Schroetter,„Die Reise in die kleine Residenz“ (Mozart in Kirchheimbolanden-Rheinland-Pfalz)„Soll die Empfindung Liebe sein?“

    aus Idar-Oberstein) liest Auszüge aus: sowie aus der Neuveröffentlichng seines Buches: Erscheinung Ende 2006 im Novum-Verlag, A7312 Haritschon-Oesterreich.




    Foto: Buchautor
    Joachim Schroetter

    Obiges Foto:

    Im Gespräch während der Mozart-Konzert-Pause, der rührige und kreative Mozartwirt: „Wilfried Alt“ mit dem Komponisten „Ulrich Blees“

    Als ein Schlussfazit kann angemerkt werden, daß hier Mozart-Kenner zu Werke gehen, die in der Liebe zum Detail einen außerordentlichen Abend zu gestalten wissen.

    Die nächste Mozart-Gala in Langwaid ist für Anfang Dezember 2006 geplant. Informationen sind im Internet unter:

    www.mozartwirt.de

    E-Mail: mozartwirt@t-online.de

    Ergreifende Orgelmusik erklang zum Beginn des Sommerzyklus in der Kollegiumskirche Brig-Schweiz


    Brig-Wallis, Schweiz, 03.09.2006

    Ergreifende Orgelmusik erklang zum Beginn des Sommerzyklus 2006 in der Kollegiumskirche Brig.


    Ansicht der Kollegiumskirche Brig / Wallis-Schweiz (Copyrigth: V. Hege)



    Ansicht der Flüglister-Orgel in der Kollegiumskirche Brig / Wallis-Schweiz (Copyrigth: V. Hege)

    Programm:

    J.S. Bach Toccata und Fuge in D-Moll, BWV 565

    Wolfgang Amadeus Mozart Adagio-Allegro-Adagio in F, KV 594

    Franz Liszt Evocation a la Chapelle Sixtine

    (mit Zitat „Ave Verum“ von Mozart, KV 618)

    Robert Schumann Zwei Fugen über B-A-C-H op.60

    Nr.3 in G-Moll (mit sanfter Stimme)

    Nr.2 in B-Dur (Lebhaft)

    An der Flüglister-Orgel: Hilmar Gertschen, Naters

    Titularorganist der Kollegiumskirche Brig / Schweiz

    Als ein wahrer Meister seines Faches erwies sich Hilmar Gertschen an der vielseitigen Flüglister-Orgel in der Kollegiumskirche Brig / Wallis. Die Programmauswahl reichte vom Spätbarock bis zur Romantik und wurde Interpretatorisch und gekonnt wiedergegeben.

    Über Toccata und Fuge in D-Moll, BWV 565, von J.S. Bach ist laut der Überlieferung erst mit der Abschrift aus der Feder von dem Kellner-Schüler Johannes Ringk (1717-1778) das Werk bekannt geworden. Über die Probleme ihrer Überlieferung und Autorenschaft ist hinweislich viel geforscht und geschrieben worden.

    Ein phänomenaler Spannungsbogen gelang dem Organisten in der Registrierung und Klangwiedergabe in der Einleitung des 1.Satzes, im Mittelsatz der Fuge kontrastiert er wunderschön die Sechzentel als fugiertes Zwischenspiel und im Schlusssatz gelingt ihm die Harmonik der überschriebenen Kadenz im Tempo und Bewegungswechsel vortrefflich. Eine in sich kaum zu überbietende Wiedergabe dieses grandiosen Orgelwerkes durch einen profunden Bachkenner.

    Zum Mozartjahr erklingt die kleine Fantasie f-Moll, KV 594; W .A. Mozart benennt es „Ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr“. Zur Ehre von Feldmarschall v. Laudon, Sieger von Belgrad in den Türkenkriegen, dürfte dieses Werk als Trauermusik für das Mausoleum in Wien entstanden sein. Das Adagio leitet das Werk ein, im Mittelteil in F-Dur erklingt eine kleine Sonatensatzform. Die beiden Themen werden sehr prägnant durchgeführt sodass ein klangliches Kabinettstück entsteht. Das Anfangs-Adagio beschließt das Werk. Hier erweist die Flüglister-Orgel ihre Vielseitigkeit und wurde durch Gertschen gekonnt und in einer wahren Innigkeit im Klangspiel und einer bewegenden Registrierung zu Gehör gebracht.

    Durch einleitende Worte zum Anfang des Konzertes machte Gertschen die Besucher mit dem Werk von

    Franz Liszt: Evocation a la Chapelle Sixtine, (mit Zitat „Ave Verum“ KV 618 von W.A. Mozart) vertraut. Folglich soll Mozart während seines Italienaufenthaltes (1770) in Rom in der Sixtinischen Kapelle ein Vokal-Werk eines italienischen. Meisters gehört und abgekupfert haben. Als Hommage an Mozart angedacht, komponierte Liszt dieses Orgelwerk. Im 2. Satz war vortrefflich das „Ave Verum“ von Mozart zu hören. Eine gekonnt historische Wiedergabe in all ihren klanglichen Facetten gelang hier dem Organisten vortrefflich.

    Zum Abschluss erklang von Robert Schumann: Zwei Fugen über B-A-C-H op.60;

    Nr.3 in G-Moll (mit sanften Stimmen); sowie Nr.2 in B-Dur (Lebhaft).

    Das op. 60, besteht aus sechs Fugen über den Namen B A C H. Schon früh setzte sich Schumann mit “Der Kunst der Fuge” von Bach auseinander und bezeichnete sein op.60 als ein wahrhaft poetisches Gebilde. Gertschen spielte aus diesem op.60 – beginnend mit Nr.3 in G-Moll (mit sanften Stimmen) -. In einer andachtsvollen Meditation wurde diese Fuge sehr gekonnt vom Organisten umgesetzt. Die zweite Fuge Nr.2 in B-Dur besticht durch Ihr motorisch-bewegliches und energisches Hauptthema und steht dem Typus einer Toccata nahe. Der Schlussteil entspricht wieder dem beweglichen Motiv des Hauptteiles und setzt so wieder den Glanz der virtuosen Fuge frei. Auch in dieser Interpretation des großen und einzigen komponierten Orgelwerkes von Robert Schumann erweist sich der Organist als ein Kenner der Materie und wusste in der Registrierung und der Klanggestaltung zu gefallen.

    Eine gut gefüllte Kirche von Zuhörern – im Gegensatz zum Vorjahr – dankten dem Organisten Hilmar Gertschen mit einem nicht enden wollenden Applaus für eine großartige Orgelstunde.

    Evgl. Kirche in Bielefeld-Ummeln, Orgelkonzert mit Elisabeth Roloff, 06.08.2006


    Evgl. Kirche in Bielefeld-Ummeln, Orgelkonzert mit Elisabeth Roloff, 06.08.2006


    Foto: Ev. Kirche Bielefeld-Ummeln


    Elisabeth Roloff
    gehört zu den bekanntesten und gefragten Konzertorganistinnen der Welt,geboren am 18.02.1937 in Bielefeld_ Ostwestfalen. Elisabeth Roloff studierte an den Hochschulen für Musik in Berlin und Köln. Im Fach Orgel legte sie die Reifeprüfung ab. Von 1974 bis 1982 war sie „Organiste Titulaire“ an der Deutschen Kirche in Paris und studierte französische Orgelmusik mit Marie-Claire Alain.


    Organistin Elisabeth Roloff an der Kleucker-Orgel der Evgl. Kirche Bielefeld-Ummeln (Copyright: V.Hege)

    Seit 1982 ist die Kirchenmusikerin Dozentin an der Rubin Academy of Music in Jerusalem. Außerdem wirkt sie als Organistin an der Erlöserkirche in Jerusalem / Israel. Mit ihren Konzerten in den meisten Ländern Europas, den USA und in Südamerika hat sie internationales Renommee und Anerkennung gewonnen. Neben vielen Rundfunkauftritten und Schallplattenaufnahmen hat die Künstlerin mit der bekannten Firma Dabringhaus und Grimm in Detmold zahlreiche CDs herausgebracht.

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    Starker Besucherstrom vor der Kirchentür lässt das Konzert verspätet beginnen, das Interesse an diesem Orgelkonzert ob dieser großartigen Künstlerin ist riesengroß. Ein sehr ausgewogenes Konzertprogramm beginnt mit Präludium und Fuge d-Moll (BWV 539) von J.S. Bach das Werk erklingt in schönen Klangfarben auf der schmucken Kleuker-Orgel


    Die Kleuker-Orgel in der Evang. Kirche Bielefeld-Ummeln (Foto: Copyright. V.Hege)

    Herleitend aus der 1. Violinsonate g-moll, 2. Satz (BWV 1001) aus der Köthener Zeit, (1720) komponiert Bach es als eine Geigenfuge mit reich figurierten, spielerischen Elementen zwischen den drei einzelnen themengebundenen Teilen. Einfühlsam registrierend und als eine profunde Bachinterpretin erweist sich hier die Organistin.

    Zum Mozartjahr erklingt die kleine Fantasie f-Moll, KV 594; W .A. Mozart benennt es „Ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr“. Zur Ehre von Feldmarschall v. Laudon, Sieger von Belgrad in den Türkenkriegen, dürfte dieses Werk als Trauermusik für das Mausoleum in Wien entstanden sein. Das Adagio leitet das Werk ein, im Mittelteil in F-Dur erklingt eine kleine Sonatensatzform. Die beiden Themen werden sehr prägnant durchgeführt sodass ein klangliches Kabinettstück entsteht. Das Anfangs-Adagio beschließt das Werk. Hier erweist sich die Orgel und Organistin geradezu prädestiniert, dieses schöne Orgelwerk zu Gehör zu bringen.

    Die Orgelsonate c-Moll, op. 65 Nr .2; von Felix Mendelssohn Bartholdy, wurden in der orgelfeindlichen Zeit zwar geduldet aber als belächeltes Relikt angesehen. Seine Orgel-Werke werden erst seit neuerer Zeit anerkannt und richtungsweisend zwischen Barock und Romantik als großartige Kompositionswerke angesehen. In diesem Werk werden vom Künstler hohe Ansprüche in der Spieltechnik eingefordert. Hier konnte die Organistin virtuos und überzeugend in der Registrierung und Klangfarbe dem Werk mehr als gerecht werden.

    Als ein Ohrwurm in mozartischen Charme und Klangfarben wurde die Trio-Sonate Nr. 1, Es-Dur (BWV 525) von J.S. Bach zu Gehör gebracht. Bach komponierte die 6 Triosonaten als musikalische und technische Übungsstücke zu Beginn der Leipziger Zeit für seinen Sohn Wilhelm Friedemann und seinen Schülern. In der Anlage völlig gleich, umschließen zwei schnelle Sätze einen langsamen Mittel-Satz. Man kann von dieser Schönheit an Kompositionsform und Klangfarben nur immer wieder ins Schwärmen kommen. Genial in der klanglichen und technischen Ausführung und Wiedergabe in den einzelnen Satzteilen war hier wirklich eine großartige Organistin als Bachinterpretin zu bewundern.

    Anschließend erklang das Adagio und Rondo, c-Moll, C-Dur, KV 617 von W. A. Mozart.

    Dies Werk hatte Mozart im Mai 1791 für die damals 21-jährige, seit ihrer Jugend erblindete Glasharmonika-Virtuosin Marianne Kirchgäßner geschrieben. Aufgrund des Glasharmonika- Klanges lassen sich die verschiedenen Farb- und Klangflächen auf einer mehrmanualigen Orgel sehr reizvoll wiedergeben. Was ist uns da leider für ein Orgel-Genie verloren gegangen, wenn er weitere Kompositionen für die Orgel geschrieben hätte, gehörte Mozart mit zu den Größten in der Orgelgeschichte und wäre ein geeigneter und profunder Nachfolger von Bach gewesen. So muss sich die Nachwelt leider fast nur mit Transkriptionen zufrieden geben.

    Aber auch in diesem Werk bestach die Organistin durch ihre Interpretation als eine wahrhaft großartige Künstlerin, die in der Registrierung und den Klangnuancen vollends zu überzeugen wusste.

    Zum Abschluss erklang die Sonate I, f-Moll, op. 65 I, von Felix Mendelssohn Bartholdy . Im 1. Satz sind Überlagerungen von lauten und leisen Klängen vornehmlich anzutreffen und üben einen gewissen Reiz an diesem großartigen Werk aus. Vielstimmiger Konzertsatz mit akkordischen Einleitungstakten. Erst im Mittelteil ist der Choral „Was mein Gott will“ als Umrahmung zu erkennen. Der 2. Satz “Adagio“ ist ein liedhafter Satz mit Echowirkungen. Im 3. Satz „Andante Recitativo“ ist ein klanglicher Wechsel von einstimmigen zu polyphonen Takten erkennbar. Der 4. Satz „Allegro assai vivace“ ist mit virtuosen Läufen und gebrochenen Akkorden versehen, der diesem Schlussatz ein grandioses Finale beschert. Auch hier überzeugte in der Darbietungsform und Interpretation die Organistin vollendends.

    Die riesige Zuhörerschaft in der Kirche bewunderte einen Orgelnachmittag von einer außergewöhnlichen Qualität und dankte mit einem lang anhaltenden Applaus einer Künstlerin, die Orgelmusik auf höchstem Niveau zelebrierte.

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    Auf YouTube ist ein Video von Elisabeth Roloff mit dem BWV 654 „Schmücke dich, o liebe Seele“ anzusehen.

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    Link: CD-Bestellung bei jpc


    Archiv Beitrag: AD FESTUM II "Festkonzert zum Mozartjahr Kloster Corvey


    Abtei-Kirche, Schloss Corvey, 14. Mai 2006

    AD FESTUM II

    Festkonzert zum Mozartjahr 2006 17.00 Uhr


    Abteikirche, Schloss Corvey (Copyright: V.Hege)

    Programm:

    Johann Sebastian Bach (1685-1750)

    Suite Nr. 2 für Violoncello solo in d-Moll, BWV 1008

    Suite Nr. 4 für Violoncello solo in Es-Dur, BWV 1010

    Wolfgang Amadeus Mozart (1765-1791)

    Missa da Requiem in d-Moll, KV 626 (1791) (vervollständigt von Franz Xaver Süßmayr)

    Ausführende:

    Peter Bruns, Violoncello solo (J.S. Bach)

    Detmolder Kammerorchester (W.A. Mozart; Requiem)

    Chor und Solisten der Hochschule für Musik, Detmold (W.A. Mozart; Requiem)

    Leitung: Prof. Gerhard Weinberger (W.A. Mozart; Requiem)

    Auch Ostwestfalen möchte in einem würdigen Rahmen das Mozartjahr mit einem AD-Festum begehen, dass in der alt-ehrwürdigen Abteikirche des Klosters Corvey einen angemessenen Rahmen besitzt und in Folge II – am Sonntag, 14.Mai 2006 – veranstaltet wurde. Für den 1. Programmpunkt, Violincello solo von J.S. Bach, konnte eine Koryphae in der Person von Peter Bruns, Professor und Dozent an der Musikhochschule in Leipzig, verpflichtet werden. Peter Bruns spielt auf einem Cello von Carlo Tononi, Venedig 1730, das sich im Besitz des legendären spanischen Cellisten Pablo Casals befand.

    Peter Bruns , Cello (Copyright: V.Hege)

    J.S. Bach schrieb 6 Suiten für Violincello solo, es wird vermutet, dass sie in zeitlicher Nähe zu den Sechs Sonaten und Partiten für Violine solo komponiert wurden. Die Entstehungszeit wird auf den Zeitraum der Köthener Jahre von 1717 bis 1720 datiert. In diesen schwierigen solo Werken von J.S. Bach beherrschte ein hochrangiger Künstler sein Instrument mit aller dazugehörenden technischen und künstlerischen Perfektion. Die Akustik war phänomenal und perfekt, der Solist wurde auf einem erhöhten Podest in den Altarraum der Abtei-Kirche platziert. Ohne Partitur diese zwei Solostücke in einem Zeitrahmen von ca. vierzig Minuten den Besuchern zu Gehör zu bringen, ohne einer großen Pausenunterbrechung, bezeugt von einer absoluten Spitzenklasse an Konzentrationsfähigkeit, die nur zu bewundern ist. Das Cello erwies sich in den Resonanzbögen als das „Non plus Ultra“ für eine perfekte und gekonnt erklingende Wiedergabe Bachscher Violincello Solo-Musik. Stürmischer und verdienter Applaus für einen Künstler, der das Publikum zu begeistern wusste.

    Der anschließende Höhepunkt wurde mit dem Mozart-Werk „Missa da Requiem in d-moll, KV 626“,(Süßmayr-Fassung) geboten. Hier wurde Spät-Barockmusik in einer feinen und kleinen Besetzung wiedergegeben, die den baulichen Gegebenheiten perfekt angepasst wurden. Das Detmolder Kammer-Orchester (ca. 40 Mitwirkende) sowie der Chor (25 Sängerinnen und Sänger) nebst den vier Gesangssolisten, erfüllten vollends den Erwartungen, die man von dieser hochrangigen Musikhochschule bereits in der Vergangenheit her erleben durfte. Das Kammerorchester wusste zu überzeugen durch ein virtuoses Spiel, und perfekte Ausstrahlung, Sensibilität, Temperament, Beweglichkeit und falls erforderlich die Leichtigkeit und Eleganz als Attribut mit einzubringen.


    Die vier Gesang-Solisten (ehemalige Studierte der Hochschule), Sabine Ritterbusch (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Wolfgang Tiemann (Tenor) und Markus Köhler (Bariton), sangen ihren Part gekonnt und perfekt auch in der stimmlichen Artikulation und Wortaussage.

    Gesangssolisten: Markus Köhler,Wolfgang Tiemann,Gerhild Romberger,Sabine Ritterbusch, (Foto: NW)

    Zu bewundern ist der kleine Hochschul-Vokal-Chor, (bestehend aus 25 Mitgliedern und Studenten der Musik-Hochschule Detmold) der restlos zu überzeugen wusste. In den einzelnen Stimmlagen gut ausgebildete Sängerinnen und Sänger, die diesem Requiem mehr als gewachsen waren. Hier erklang das Mozart-Werk in einer kleinen und feinen Besetzung, wie man sie nicht alle Tage zu Gehör bekommt. Wie wohltuend ist so ein kleiner Besetzungskreis, einmal losgelöst von einer sonstigen Aufführungspraxis des Größenwahns (Orchesterbesetzung von 60-80 Mitstreitern, Chöre von 100 und mehr Mitgliedern), erklingt dieses großartige Werk in ganz anderen Dimensionen.

    Das Empfinden für die klangliche Wiedergabe durch das Orchester und Gesangsdarbietung erlebt der Hörer viel intensiver, nuancenreicher und in einer viel innigeren Form.

    Auf forciertes Pathos verzichtend, verlieh Weinberger Mozarts so ganz und gar nicht depressiv wirkender, gleichwohl abgründiger Vertonung der Totenliturgie Transparenz. Plastisch formende Führung feuerte zu glühenden Steigerungen an und erzwang mit jähem Piano suggestiv Zartheit. Kraftvoll gelang der Einsatz der gewaltigen Doppelfuge im Kyrie. Erregt wogende Stimmen erweckten die Vorahnung kommender Schrecken, bevor das Jüngste Gericht mit Wucht hereinbrach. Herrlich leuchtete das „lux aeterna“. Diese Aufführungsform ist dem Leiter Prof. Gerhard Weinberger mehr als zu danken, zumal er durch sein umsichtiges und gekonntes Dirigat zu dieser Aufführung das Wesentliche mit beizutragen im Stande war. In Zukunft sollte diese Aufführungspraxis Bestand haben und die Form einer Mammut-Veranstaltung von „Gestern“ sein.

    Eine musikmeisterliche Sternstunde in der Abteikirche. Ehrfurchtsvolles verharren der Besucher nach dem Schlussakkord um dann von dem entzückt Erlebten mit einem stürmischen und lang anhaltenden Applaus den Vortragenden für ein Konzert der absoluten Spitzenklasse zu danken.

    Detmolder Mitwirkende und Dirigent Gerhard Weinberger (Copyright: V.Hege)

    Link für Orgel-CD’s von Prof. Weinberger bei j p c !