Hallo,
enttäuschend das Finale im 2. Internationalen Orgelwettbewerb an der Collon-Orgel in der St. Marien-Kirche, Stift Berg, in Herford. Nach langer Beratung rang sich die siebenköpfige Jury eine Entscheidung ab, ein erster Platz wurde in dem Wettbewerb nicht vergeben, dafür wurden zwei „dritte Plätze“ vergeben.
Die Platzierung der Finalisten wurde von der Jury geheim gehalten, um die Besucher bei der Vergabe des Publikumpreises im Vorfeld nicht zu beeinflussen.
Obiges Foto: Der Erbauer der Collon-Orgel in St. Marien, Herford, Patrick Collon aus Brüssel / Belgien. Laudatio auf ihn durch die Vorsitzende der „Ernstmeier-Stiftung“ Frau Ute Blanke. (Fotorechte: V. Hege)
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Als erster Finalist war der russische Organist: Maxim Polijarkowski, mit dem Werk von J.G. Müthel (1728-1788), Fantasia in g-Moll zu hören. Müthel war Schüler von J.S. Bach was sich in dem Werk entsprechend aufspüren lässt. Der Aufbau gleicht dem eines Rondos und ist sehr freistimmig angelegt.
Durch eine geschickte Registrierung und eine verschiedenartige Klangfülle, konnte der russische Organist
bravourös punkten.
In dem anschließenden Orgelwerk des portogiesischen Komponisten: Pedro de Araujo (ca. 1635/40-1705?)
Batalha de 6 Tom, erklang eine Komposition in Bezug auf Qualität und Formenwelt, die sehr vielschichtig angelegt ist und an die spanische Orgelliteratur verweist. Verblüffend, wie Polijarkowski gekonnt ein iberischen Klangzauber an der Collon-Orgel veranstalteten konnte, da entwickelt sich ein großartiger Zukunfts-Organist, der auch jede technische Schwierigkeit mühelos bewältigte und zu überzeugen wusste, er war einer meiner engen Favoriten.
Der nachfolgende Jung-Organist aus Deutschland, Johannes Lang, entwickelte in dem Werk des englischen Komponisten: Henry Purcell (1659-1695), „A Voluntary for Double Organ“ ein barocke Klangwelt, die zufriedenstellend und bravurös ausfiel.
Mit dem anschließenden Werk des argentinischen Komponisten: Mauricio Kagel (1931-2008), „Drei Stücke aus Rrrrrrr…. Raga-Ragtime-Waltz-Rossignols enrhumes (Erkältete Nachtigallen)“ wurde an diesem Abend eines der modernsten Orgelwerke der Neuzeit zu Gehör gebracht.
Kagel versucht in seinen Werken, die Orgel aus seiner allzu rigiden Bindung an den Ritus und die Tradition zu lösen. Die Orgel soll von ihrem Thron herabsteigen und wird ein Instrument des Herkömmlichen. Wenn Kagel für diese Kompositionen viele Preisauszeichnungen erhielt, stellt sich für den Hörer die Frage, ob so Orgelmusik zu erklingen hat, man fühlt sich teilweise in den Weltraum versetzt wegen der entsprechenden Klangsprache und weiss sich diesen hilflos ausgesetzt. Umso erstaunlicher, wie perfekt und technisch der Jung-Organist: Johannes Lang, das meisterte, das war ein Orgelwerk, das den Hörer fassungslos und sprachlos macht sich damit anzufreunden, wahrscheinlich werden in den zukünftigen Generationen diese Musikart erst so richtig verstanden und genossen werden, ich hatte damit so meine Probleme……
Zum Schluss erklang wunderschöne Barockmusik und fand ihren Vortrags-Meister in Gestalt des italienischen Organisten: Felix Marangoni. Er stellte sich in dem Kurz-Werk des französichen Komponisten: Nicolas de Grigny (1672-1703), „aus 1er Kyrie: Plein jeu und Cromome en taille“ als ein künstlerisch, sehr gereifter Organist vor, er strotze vor Selbstbewusstsein und konnte das entsprechend auch in seinem künstlerischen Vortrag beweisen.
Der Glanzpunkt erfolgte von ihm mit dem Bach-Werk: BWV 564 „Toccata und Fuge und c-Dur.“
Leider wurde in der Programm-Ankündigung irrtümlich das BWV 546 als Werk angegeben…!!
Gerade mit Blick auf die Vielfalt der in dem Werk kompositorisch berücksichtigten Aspekte liegt die Vermutung nahe, in der Toccata spiegelt sich ein Teil von Bachs früh einsetzender und anhaltend reger Tätigkeit als Orgelgutachter wider – mit ihr könnte er die Abnahme eines Neu- oder Umbaus abgeschlossen haben (siehe Breig, in: Bach-Handbuch, Seite 661; siehe Literatur), um das Instrument nun auch musikalisch-künstlerisch zu erproben und der Gemeinde vorzuführen.
Auffällig sind in jedem Fall die weitläufig rauschenden Tonleiterpassagen, die sich aus einer zögernden Geste heraus entwickelt, bevor mit ihnen nahezu der gesamt Tastenumfang des Manuals durchmessen wird (nur diatonisch auf C-Dur bezogen). Im anschließenden gewichtigen Pedalsolo (ab T. 13) steht hingegen ein Terzmotiv im Vordergrund, das sogleich bis zum d_1 aufsteigt. (aus Handbuch Orgelmusik, Faber-Hartmann, S. 76).
Das Pedal-Solo ist eines der großartigsten Pedalpassagen der gesamten Orgelliteratur…!!
Das Adagio, eine verzierte Melodie mit gleichbleibender Begleitung der linken Hand und des Pedals, von italienischer Klangsinnlichkeit wie ein langsamer Satz Vivaldis, mündet in ein harmonisch aufregendes Grave: überleitende, oft vorhaltbildende Akkordhäufungen, die schließlich nach C-Dur modulieren.
Hier entwickelte der italienische Jung-Organist Marangoni sein ganzes künstlerisches Können und überzeugte vollends in der Registrierung und der barocken Klangsprache, es war für den Hörer ein Genuss, 1/4 Stunde vollendete Bach-Musik zu hören. Aus diesem Grunde wurde er nicht zu unrecht als Sieger mit dem 2. Platz gekürt und konnte den wohlverdienten Preis mit nach Italien nehmen.
Zur Homepage von Felix Marangoni:
http://www.felixmarangoni.com/Felix_Marangoni_Deutsch/Lebenslauf.html
Zu erwähnen ist noch der Preisträger für Improvisation: Sebastian Küchler-Blessing aus Deutschland.
mit der Improvisation „Der Stille“ konnte er die Juroren überzeugen und fand in seinem Spiel ein andächtiges und lauschendes Publikum, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, das beweist, dass die Hörer fasziniert seinem Vortrag folgten und er es genial umzusetzten verstand.
Als eine Überraschung war die Entscheidung des Publikumpreises, die Besucher wählten den Jung-Organisten aus Deutschland: Johannes Lang, der mit einer 1.500 € – Prämie entsprechend ausgezeichnet wurde.
Als Fazit kann zu dieser 2. Veranstaltung nur gezogen werden, es lebt von den zur Verfügung stehenden Jung-Organisten, die sich diesem Wettbewerb stellen, das Niveau meines Erachtens war in der 1. Veranstaltung im Jahr 2006 entschieden höher anzusiedeln, was waren das für Finalisten vom 1. bis zum 3. Platz, unvergessen die aparte Siegerin aus Österreich: Magdalena Hasibeder, sie wird man nicht so schnell vergessen, das war eine Ausnahmekünstlerin, die schwer zu toppen ist.
Dem entsprechend taten sich auch die Juroren so schwer und konnten keinen 1. Platz vergeben und das sagt schon alles aus…..!!
Kritik müssen sich die Veranstalter über die Mikrofon-Anlage gefallen lassen, diese Anlage ist mehr als Verbesserungswürdig, die gesprochenen Worte verhallten teilweise unverständlich in der Weite des Kirchenraumes.
Vergrößerte Ansicht in das Bild unten k l i c k e n..!!
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Foto: Das Bild aller Preisträger: von links: 3. Platz Johannes Lang,Deutschland, 2. Platz und Sieger: Felix Marangonie, Italien, 3. Platz: Maxim Polijakowski, Russland, Sieger in der Improvisation: rechts im Bild, Sebastian Küchler-Blessing aus Deutschland, daneben die Vorsitzende der „Dieter Ernstmeier Stiftung“, Träger des Orgelwettbewerbes: Ute Blanke. Copyright: von 2. Internationaler Orgelwettbewerb an der Collon-Orgel,St. Marien, Herford, am 09.11.08 / 20:00 Uhr |
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Zu meinem Bericht vom 1. Internationalen Orgelwettbewerb an der Collon-Orgel im November 2006, gebe ich noch einmal den Direkt-Link zu diesem Beitrag an:
Link: http://blogjsbachcantatapilgrimage2000.blogspot.com/2006/11/1-internationaler-orgelwettbewerb-der.html
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Umfangreiche Fotos von der Veranstaltung sind auf der Picasa-Web-Seite einsehbar, dazu den unten angezeigten Flyer anklicken..!!
Foto-Copyright: V. Hege
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Anbei die Rezensionen, bzw Interviews der NW vom 11.11.2008,
zur Vergrößerung in das Bild k l i c k e n !!

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Nähere Angaben zu dem Organisten: „Johannes Lang“ sind auf der Web-Seite
„düsseldorfer Orgelfestival“ einsehbar..!!
Link: http://www.ido-festival.de/Johannes-Lang.html
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Nähere Angaben – (Lebenslauf) – vom Organisten: Sebastian Küchler-Blessing sind auf der
folgenden Web-Seite der Deutschen Stiftung Musikleben erhältlich.
Link: http://www.deutsche-stiftung-musikleben.de/stipendiaten/solistenMaske.html?TID=20060919181336
Weitere Informationen zu dem Orgelwettbewerb und den Preisträgern sind bei der Hochschule für Musik Herford auf der Web-Seite erhältlich.
Link: http://www.hochschule-herford.de/html/orgelwettbewerb.html
Grüsse
Volker

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