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Leonard Bernstein (1918-1990) „Waltz“ aus Divertiemento for Orchestra

Leonard Bernstein (1918-1990) „Waltz“ aus Divertiemento for Orchestra

Leonard „Lenny“ Bernstein (ˈbɜːrnstaɪn; geboren als Louis Bernstein am 25. August 1918 in Lawrence, Massachusetts; gestorben am 14. Oktober 1990 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer Komponist, Dirigent und Pianist.

Leonard Bernstein entstammte einer jüdischen Einwandererfamilie aus Riwne (Równo) in der heutigen Ukraine. Er wurde als Louis Bernstein geboren. Im Alter von 16 Jahren änderte er seinen Vornamen in Leonard, der bis dahin sein Rufname gewesen war.

Er studierte an der Harvard-Universität Klavier und Komposition. Bereits 1943 wurde er Assistant Conductor (2. Dirigent) des New York Philharmonic Orchestra unter Artur Rodziński, der ihn in Tanglewood als Assistenten von Serge Koussevitzky erlebt hatte. In ebendiesem Jahr konnte Bernstein seine Begabung unter Beweis stellen, als er kurzfristig für den erkrankten Bruno Walter einspringen musste. Die eindrucksvolle Aufführung von Schumanns Manfred-Ouvertüre und Strauss’ Don Quixote, welche über den Rundfunk landesweit übertragen wurde, verhalf ihm zum Durchbruch und war so Beginn einer beispiellosen Karriere.

Bernstein war hoch angesehen als Dirigent zahlreicher Konzerte weltbekannter Orchester, vor allem als (erster US-amerikanischer) Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra (1958–1969) und als regelmäßiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker sowie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks bis zu seinem Tod 1990. Sein Repertoire umfasste klassische wie avantgardistische Werke; vor allem das Werk Gustav Mahlers fand seine Beachtung und Bewunderung.

Angaben zum Werk: „Divertimento for Orchestra“

„Divertimento for Orchestra“ ist eine Komposition für großes Symphonieorchester von Leonard Bernstein und entstand 1980 als Auftragskomposition für die 100-Jahr-Feier des Boston Symphony Orchestra. Bernstein hatte zuvor an der Orchesterakademie in Tanglewood teilgenommen und dem damaligen Dirigenten Sergei Kussewizki assistiert. Das Stück ist gleichsam eine Hommage an das Orchester und an die Stadt Boston, in der Bernstein aufgewachsen war.

Das Werk besteht aus acht äußerst kurzen Sätzen, durch die sich die Tonfolge H-C, auf Englisch „B-C“ für Boston Centenary (Hundertjahrfeier) zieht. Die einzelnen Sätze beinhalten eine Vielzahl von Stilen von amerikanischer Popularmusik bis zu sinfonischem Repertoire verschiedener Epochen und sind mit zahlreichen Einzel- und Gruppensoli durchsetzt. Eine Aufführung des Werks dauert etwa 15 Minuten, die Uraufführung fand am 25. September 1980 in der Boston Symphony Hall unter Seiji Ozawa statt. 1983, 1987 und 1988 nahm der Komponist noch Korrekturen an dem Werk vor.

In Satz II II. ist der besonders bekannte „Waltz“ – Allegretto, con grazia steht, sehr unüblich für einen Walzer, im 7/8-Takt. Die Idee entstammt dem Walzer in Tschaikowskis 6. Sinfonie, der im 5/4-Takt steht. Die schöne, ruhige Melodie wird nur von den Streichern, angeführt von einem Solo-Streichquartett vorgetragen.

Ausführende:

MDR RUNDFUNKCHOR   MDR SINFONIEORCHESTER

Dirigent: Kristjan Järvi

Ausführungsort: Magedburger Dom  – MDR Musiksommer 2018 – am 30. Juni 2018

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Leonard Bernstein (1918-1990) „Chister Psalms für Chor Knabenstimme und Orchester“

Leonard Bernstein (1918-1990) „Chister Psalms für Chor Knabenstimme und Orchester“

Die Chichester Psalms sind ein dreiteiliges Chorwerk des amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein auf hebräische Psalmentexte.

Bernstein komponierte das Werk im Frühjahr 1965 in Connecticut (USA) im Auftrag von Walter Hussey, dem Dekan der Kathedrale von Chichester. Es sollte auf dem Southern Cathedrals Festival aufgeführt werden, das im jährlichen Wechsel an den Kathedralen von Chichester, Salisbury und Winchester in Südengland stattfindet. Der Text (die Psalmen Nr. 100, 23 und 131 vollständig, dazu Einzelverse aus den Psalmen Nr. 108, 2 und 133) wurde vom Komponisten selbst zusammengestellt.

Die Besetzung ist für Knabenalt (alternativ Countertenor), Soloquartett, Knaben- und Männerchor (alternativ gemischter Chor) und Orchester (drei Trompeten, drei Posaunen, Pauken, großes Schlagzeug, zwei Harfen und Streicher). Bernstein hat auch eine kammermusikalische Fassung erstellt, bei der das Instrumentarium auf Orgel, eine Harfe und Schlagzeug reduziert ist. Der Komponist legte fest, dass die Solorolle nur von einem Knabenalt oder einem Countertenor, aber nicht von einer Frauenstimme gesungen werden soll. Auch die Verwendung der hebräischen Sprache ist obligatorisch. Beide Vorgaben sollten den liturgischen Charakter des Werks unterstreichen.

 

MDR FERNSEHEN ERÖFFNUNGSKONZERT DES MDR MUSIKSOMMERS 2018, „aus dem Dom zu Magdeburg“
Die Chichester Psalms waren Bernsteins erste größere Komposition nach der 3. Sinfonie „Kaddish“ (Kaddisch = jüdisches Totengebet), ein Werk voller Trauer und Verzweiflung, das Bernstein zum Andenken an den 1963 ermordeten J. F. Kennedy komponiert hatte. Dem Kaddisch stellen die Psalmen trotz aller Konflikte eine zuversichtliche, versöhnliche und positive Grundtendenz gegenüber. Mit diesen beiden Werken nahm Bernstein am deutlichsten Bezug auf seine jüdische Herkunft und Religion.

Die Chichester Psalms gelten unter den Chorsängern als musikalisch schwierig, wobei die Einleitung oft als eine der härtesten Prüfungen für Chortenöre gilt, die je geschrieben wurde (extremer Tonumfang, rhythmische Komplexität, lang anhaltende verminderte Septimakkorde zur Bassstimme).

Die häufige Verwendung der Septime ist eine Anspielung auf die besondere Bedeutung der Zahl „7“ in der jüdisch-christlichen Tradition. So ist auch der Hauptteil des 1. Satzes im 7/4-Takt geschrieben, der des 3. Satzes im 10/4-Takt (10 = 7+3).

Wie in anderen Chorwerken Bernsteins wird auch in den Psalmen die Harfe besonders herausgestellt, die doppelt solistisch besetzt ist. Die Harfenparts wurden bereits vor der sonstigen Orchestrierung und auch vor der Komposition der Chöre vollendet, was ihre besondere Bedeutung herausstreicht. Bei Proben unter seiner Leitung bestand Bernstein darauf, dass sich Sänger und Orchestermusiker zunächst die Harfenparts anhörten.

Aufführung beim MDR-Musiksommer am 30.06.2018 im Dom zu Magdeburg.

Leonard Bernstein (1918-1990) US-ameriknaischer Komponist Dirigent und Pianist

Biographie: Leonard „Lenny“ Bernstein (ˈbɜːrnstaɪn; geboren als Louis Bernstein am 25. August 1918 in Lawrence, Massachusetts; gestorben am 14. Oktober 1990 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer Komponist, Dirigent und Pianist.

Leonard Bernstein entstammte einer jüdischen Einwandererfamilie aus Riwne (Równo) in der heutigen Ukraine. Er wurde als Louis Bernstein geboren. Im Alter von 16 Jahren änderte er seinen Vornamen in Leonard, der bis dahin sein Rufname gewesen war.

Er studierte an der Harvard-Universität Klavier und Komposition. Bereits 1943 wurde er Assistant Conductor (2. Dirigent) des New York Philharmonic Orchestra unter Artur Rodziński.

Leonard Bernsteins dirigierte sein erstes Konzert in Deutschland bereits im Jahr 1948. Leonard Bernstein hat im Alter von 29 Jahren, auf Einladung von Generalmusikdirektor Georg Solti, als erster amerikanischer Dirigent nach dem Zweiten Weltkrieg das Bayerische Staatsorchester im Prinzregententheater in München geleitet.

Bernstein war hoch angesehen als Dirigent zahlreicher Konzerte weltbekannter Orchester, vor allem als (erster US-amerikanischer) Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra (1958–1969) und als regelmäßiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker sowie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks bis zu seinem Tod 1990. Sein Repertoire umfasste klassische wie avantgardistische Werke; vor allem das Werk Gustav Mahlers fand seine Beachtung und Bewunderung.

             Grabstätte von Leonard Bernstein in Brooklyn – New York

Leonard Bernsteins erstes Konzert in Berlin dirigierte er im Rahmen der Berliner Festwochen im Jahr 1959.

Bernstein sagte von sich, er sei in erster Linie ein Komponist ernster Musik. Am 14. Oktober 1990 starb er 72-jährig an akutem Herzversagen in Folge eines Emphysems und einer Krebserkrankung.

Ausführende:

MDR RUNDFUNKCHOR   MDR SINFONIEORCHESTER

Leo Weiske (Knabensopran)
(Mitglied des MDR KINDERCHORS)

Mai Kato (Sopran)
Karina Schoenbeck-Götz (Alt)
Sebastian Reim (Tenor)
Felix Plock  (Bariton)

Dirigent: Kristjan Järvi

Ausführungsort: Magedburger Dom  – MDR Musiksommer 2018

https://www.presseportal.de/pm/7880/3980938

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Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Der Psalm 114 op. 51 – „Da Israel aus Ägypten zog“

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Der Psalm 114 op. 51 – „Da Israel aus Ägypten zog“

Der 114. Psalm, für achtstimmigen Chor und Orchester, Tonart: G-Dur
Psalm 114, nach der Übersetzung von Martin Luther (1483-1546)

Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy (* 3. Februar 1809 in Hamburg; † 4. November 1847 in Leipzig) war ein deutscher Komponist, Pianist und Organist. Er gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik und setzte als Dirigent neue Standards, die das Selbstverständnis des Dirigierens bis heute maßgeblich mitprägen.

Daneben setzte sich Felix Mendelssohn Bartholdy für die Aufführung von Werken Händels und Johann Sebastian Bachs ein. Damit trug er wesentlich zu ihrer Wiederentdeckung und zur Herausbildung eines Verständnisses für die „klassische“ Epoche der deutschen Musik bei. Er gilt als Mitbegründer der historischen Musikpflege und gründete das erste Konservatorium in Deutschland.

Mendelssohn gründete einen Chor zum Studium der Chorwerke Johann Sebastian Bachs (der große Thomaskantor war damals der Öffentlichkeit nahezu unbekannt); bereits 1823 hatte er von seiner Großmutter Bella Salomon eine Abschrift der Matthäus-Passion nach dem Autograph Pölchaus geschenkt bekommen. Vor allem Carl Friedrich Zelter hatte Mendelssohn das bachsche Opus mit seinem Unterricht und der Probenarbeit in der Sing-Akademie zu Berlin nahegebracht. Gemeinsam mit Eduard Devrient setzte Mendelssohn gegen Zelters anfänglichen Widerstand 1829 bei der Sing-Akademie eine öffentliche Aufführung der gekürzten und für diesen Anlass bearbeiteten Matthäus-Passion unter seiner Leitung durch, mit einem 158-köpfigen Sing-Akademie-Chor. Es war die erste Wiederaufführung der Passion seit Bachs Tod. Zelter hatte früher schon mit der Sing-Akademie einzelne Teile der Passion einstudiert, hatte eine Gesamtaufführung jedoch für undurchführbar gehalten. Die Aufführung war so erfolgreich, dass sie noch zweimal wiederholt werden musste.

Im August 1835 ging Mendelssohn nach Leipzig und gab am 4. Oktober – offiziell als Kapellmeister, aber erstmals schon im Stil eines modernen Dirigenten – das erste Konzert im Gewandhaus mit seiner Ouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt, die verglichen mit seinen anderen Ouvertüren heute weniger oft aufgeführt wird. Mendelssohns Gewandhauskonzerte wurden begeistert aufgenommen.

Im August 1835 ging Mendelssohn nach Leipzig und gab am 4. Oktober – offiziell als Kapellmeister, aber erstmals schon im Stil eines modernen Dirigenten – das erste Konzert im Gewandhaus mit seiner Ouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt, die verglichen mit seinen anderen Ouvertüren heute weniger oft aufgeführt wird. Mendelssohns Gewandhauskonzerte wurden begeistert aufgenommen.

1843 gründete Mendelssohn in Leipzig das Conservatorium – die erste Musikhochschule Deutschlands – und eröffnete es am 3. April in den Gebäuden des Gewandhauses. Im selben Jahr wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Leipzig ernannt.

Wie ein Schock wirkte nach der Rückkehr die Nachricht vom Tod seiner Schwester Fanny am 14. Mai 1847. Er zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück und machte mehrere Monate Urlaub in der Schweiz und in Süddeutschland. In Leipzig erlitt er am 9. Oktober 1847 einen ersten Schlaganfall. Nach weiteren Schlaganfällen am 25. Oktober und 3. November verlor er das Bewusstsein und verstarb am 4. November 1847 um 21:24 Uhr.

Bei Klassikliebhabern waren Werke wie sein: Sommernachtstraum, die Italienische Sinfonie sowie Schottische Sinfonie, das Violinkonzert – Konzert für Violine & Orchester e Moll op.64, oder die Lieder ohne Worte immer sehr populär.

Zum Werk:

Mendelssohns 114. Psalm „Da Israel aus Ägypten zog“

Entstehungszeit: Ende Juli 1839 bis 9. August 1839, Revision 1840
Widmung: Widmung des deutschen Erstdrucks: Johann Wilhelm Schirmer
Erste bekannte Aufführung: 1. Januar 1840 Leipzig, Gewandhaus
Leitung: Felix Mendelssohn Bartholdy

„Mir war das Stück gerade besonders ans Herz gewachsen, obwohl es schwerlich für das sogenannte Publikum was ist; aber mir war’s lieb …“ schrieb Mendelssohn über seine Vertonung des 114. Psalms.

Mendelssohns 114. Psalm „Da Israel aus Ägypten zog“ beeindruckte durch den achtstimmigen Chorgesang, den die MDR-Sängerinnen und Sänger in gewohnter Klangqualität zum MDR-Musikfest 2018 im Dom zu Magedburg darboten.

4 Sätze:

1. Da Israel aus Aegypten zog
2. Das Meer sah und floh
3. Was war dir, du Meer
4. Vor dem Herrn bebte die Erde

Jahr der Komposition: 1839

Besetzung: SS AA TT BB Chor, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten in C, 2 Fagotte, 4 Hörner in C, G, 2 Trompeten in C, 3 Posaunen, Pauken, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass

Link: https://www.mendelssohn-stiftung.de/digitale-bibliothek/mwv/opera/17/MWV-A-17

Ausführende:

MDR RUNDFUNKCHOR

MDR SINFONIEORCHESTER

Dirigent: Kristjan Järvi

Ausführungsort: Magedburger Dom  – MDR Musiksommer 2018 am 30. Juni 2018

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J.S. Bach – Chaconne aus Partita II d-Moll BWV 1004 – Orchestriert von Arman Tigranyan

J.S. Bach – Chaconne aus Partita II d-Moll BWV 1004 – Orchestriert von Arman Tigranyan

J.S. Bach – Chaconne aus der Partita BWV 1004

Im Juli 1720 kehrt Bach von einer dreimonatigen Dienstreise zurück. Als er sein Haus betritt, empfängt ihn die Nachricht, dass seine Frau vor einer Woche gestorben ist. Man zeigt ihm das Grab. Wenig später komponiert er die Partita für Violine Solo in d-Moll. Haben diese biographischen Fakten etwas miteinander zu tun? Vor einigen Jahren entdeckte die Musikwissenschaftlerin Helga Thoene, daß in der Chaconne Choräle versteckt sind, die um das Thema Tod und Auferstehung kreisen.

Nach der Entdeckung der verborgenen Choralzitate durch Helga Thoene war der Geiger Christoph Poppen sofort von der These überzeugt, daß die Chaconne so etwas wie ein musikalischer Grabstein für Bachs verstorbene Frau sein musste.

Dass die Melodie eines Kirchenliedes bei Bach als Grundlage eines Violinwerkes dienen kann, war ihr schon Jahre zuvor klar geworden. Im Jahr 1991 hatte Helga Thoene zwei Knaben des Dresdner Kreuzchores die Melodie zu „Christ lag in Todesbanden“ in die berühmte Ciaccona d-moll hineinsingen lassen. Damals hörte die Fachwelt erstmals auf. Doch nun sprang ihr die Technik auch in anderen Sätzen ins Auge und ins Ohr. Die Choralzitate waren in diese Wunderwerke der Violinliteratur verstrickt wie ein Pilzgeflecht in den Waldboden. Das klingt ganz einfach – und doch war Helga Thoene manchmal der Verzweiflung nahe: „Man glaubt, ein geübtes Auge zu haben und sieht dennoch nichts.“ Jahrelang habe sie vergeblich in der Sonate a-moll nach Choralzeilen gesucht und sei stets auf Vertuschungsmanöver des Herrn Bach hereingefallen.

Wo doch gerade diese a-moll-Sonate das dritte, letzte fehlende Beweisstück war, ein Beweis dafür, dass Bach diese drei Sonaten und später auch drei Partiten für sich selbst geschrieben habe – „als sein ganz privates Andachtsbrevier“, wie Helga Thoene glaubt. In diese große, kühne, schöne These mündet nun die jahrzehntelange Arbeit: Johann Sebastian Bach, ein gläubiger Lutheraner, der im Jahr 1717 Hofkapellmeister in Köthen wird und dort keine Kirchenmusik mehr zu schreiben braucht, komponiert Sonaten, in denen er für den spirituellen Eigenbedarf die großen Feiertage mitsamt den zugehörigen Liedern in Töne setzt: eine Sonate für Weihnachten, eine für Ostern und eine für das Pfingstfest. Dies zu zeigen und hörbar zu machen, sagt Helga Thoene, „könnte der Abschluss meiner Forschung sein“. Auch wenn damit noch lange kein Ende erreicht sei – „nicht bei einem solchen Jahrtausendgenie an Kombinatorik“.

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Mit einem feierlichen Konzert von MDR RUNDFUNKCHOR, MDR SINFONIEORCHESTER und Kristjan Järvi im Magdeburger Dom hat der MDR MUSIKSOMMER 2018 am Samstag, 30. Juni 2018 begonnen.

Eingeleitet hatten Järvi und die MDR-Musiker das Konzert mit Bachs „Chaconne“ aus der Partita II d-Moll BWV 1004 für Violine solo, die an diesem Abend in der monumentalen Orchesterfassung von Arman Tigranyan erklang.

Ausführende:

MDR-Rundfunkchor

MDR Sinfonieorchester

Dirigent: Kristjan Järvi

Live-Aufnahme aus dem Magdeburger Dom vom MDR-Musiksommer 2018

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Johannes Brahms: „Ein deutsches Requiem op. 45“

Johannes Brahms: „Ein deutsches Requiem op. 45“

 

Johannes Brahms:  – „Ein deutsches Requiem op. 45

Johannes Brahms: (* 7. Mai 1833 in Hamburg; † 3. April 1897 in Wien) war ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent. Seine Kompositionen werden vorwiegend der Hochromantik zugeordnet; durch die Einbeziehung barocker und klassischer Formen gehen sie aber über diese hinaus. Brahms gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte.

Unter einem Requiem versteht man gemeinhin die Liturgie der Totenmesse der katholischen Kirche bzw. kirchenmusikalische Kompositionen zum Totengedenken. Der im evangelisch-lutherischen Hamburg groß gewordene Brahms orientierte sich bei der Auswahl seiner Texte nicht am traditionellen Kanon des Requiems als Totenmesse, sondern wählte aus Texten des Alten und Neuen Testamentes in der Fassung der Lutherbibel vor allem solche aus, in denen der Trost der Hinterbliebenen im Mittelpunkt steht.

Brahms zeigte dabei, wie vertraut er mit den Bibeltexten und Psalmen war, und gestaltete sein Deutsches Requiem nicht als Trauermusik, sondern zum Trost derer, „die da Leid tragen“, also als eine von Ernst, Würde und Zuversicht getragene Musik für die Lebenden. Der kirchenmusikalischen Gattung des Requiems kann und soll das Werk deshalb nicht gerecht werden; von der Anlage – vor allem der Besetzung – her kann man es eher als Oratorium bezeichnen, wenn auch die dramatische Komponente fehlt. In der Textabfolge knüpft es am ehesten an die evangelische Motette früherer Zeiten an. Einer genauen Einordnung in eine musikalische Gattung verschließt sich das Werk, ähnlich wie Händels Messiah, mit dem es auch die Textauswahl zur Auferstehung der Toten gemeinsam hat.

Besetzung:

Gesang: Solo-Sopran, Solo-Bariton und vierstimmiger Chor.

Orchester: zwei Flöten, Piccoloflöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten in A und B, zwei Fagotte, Kontrafagott ad libitum, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Pauken, zwei Harfen (unisono), Streicher, Orgel ad libitum.

Als das Deutsche Requiem am Karfreitag des Jahres 1868 im Bremer Dom uraufgeführt wird, ist Johannes Brahms 35 Jahre alt. Die Aufführung wird ein bahnbrechender Erfolg für den jungen Komponisten.

Mit dem Gedanken, eine Trauermusik zu komponieren, trug sich Brahms bereits seit 1859. In dieser Zeit steht er noch unter dem Eindruck des Todes seines väterlichen Freundes und künstlerischen Mentors Robert Schumann, der nach schwerer Geisteskrankheit 1856 in Bonn verstarb. Schumann verkörperte für Brahms das Bild des genialen Künstlers schlechthin. Doch erst der Tod der geliebten Mutter im Jahre 1865 wurde zum direkten Auslöser für die Komposition des Werks.

Doch ist das Deutsche Requiem keine Totenmesse im Sinne der lateinischen kirchenmusikalischen Tradition. Ihm geht es nicht um ein Komponieren entlang der katholischen Liturgie, wie das bei den großen Requiemvertonungen des 19. Jahrhunderts der Fall war, wie etwa bei Verdi oder Dvorak. Brahms nahm sich die Freiheit, die ihm entsprechenden Texte aus dem Alten und Neuen Testament selbst auszuwählen. Einer kirchlichen Dogmatik, auch einer protestantischen, wollte er sich nicht unterwerfen. Brahms verzichtet auf die traditionellen Bilder von der Erlösung durch Christus am Tag des Jüngsten Gerichts. Anstelle dessen setzt er den zentralen Gedanken von Trauer, Trost und Hoffnung – eine Hinwendung zum Diesseits. Es gilt, der Toten zu gedenken und die Lebenden zu trösten. „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ – der erste Satz nach Worten aus der Bergpredigt ist gleichsam das Motto, das über dem ganzen Werk steht.

Nicht zuletzt der Blick des Komponisten über konfessionelle Grenzen hinaus auf den Ernst der letzten Dinge, auf das menschlich Wesentliche, hat bewirkt, dass das Deutsche Requiem seinen Weg in die Herzen der Menschen gefunden hat und einen festen Platz in unserer Musikkultur einnimmt.

Ausführende:

Iwona Sobotka (Sopran) und Andrè Schuen (Bariton).
MDR SINFONIEORCHESTER

MDR-Rundfunkchor
Dirigent Risto Joost
Aufzeichnung aus der Frauenkirche in Dresden am 25.11.2017
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Johannes Brahms: „A German Requiem op. 45“

Johannes Brahms (born May 7, 1833 in Hamburg, † April 3, 1897 in Vienna) was a German composer, pianist and conductor. His compositions are mainly attributed to the high romantic; but by incorporating baroque and classical forms, they go beyond them. Brahms is considered one of the most important composers in music history.

A requiem is commonly understood to mean the liturgy of the funeral mass of the Catholic Church or church music compositions to commemorate the dead. Brahms, who had grown up in Protestant-Lutheran Hamburg, did not follow the traditional canon of the requiem as the funeral mass when choosing his texts, but selected texts from the Old and New Testaments in the version of the Luther Bible especially those in which the comfort of the bereaved the focus is on.

Brahms showed how familiar he was with the Bible texts and psalms, and designed his German Requiem not as funeral music, but as a consolation for those who „suffer because of it“, that is, a music carried by gravity, dignity and confidence for the living. Therefore, the work can not and should not do justice to the church music genre of the Requiem; From the plant – above all the occupation – one can call it rather oratorio, although the dramatic component is missing. In the text sequence, it most closely resembles the evangelical motet of former times. An exact classification into a musical genre closes the work, similar to Handel’s Messiah, with which it also has the text selection for the resurrection of the dead in common.

Occupation:

Vocals: solo soprano, solo baritone and four-part choir.

Orchestra: two flutes, piccolo, two oboes, two clarinets in A and B, two bassoons, contrabassoon ad libitum, four horns, two trumpets, three trombones, tuba, timpani, two harps (unison), strings, organ ad libitum.

When the German Requiem premieres on Good Friday of 1868 in the Bremen Cathedral, Johannes Brahms is 35 years old. The performance will be a groundbreaking success for the young composer.

Brahms had been involved with the idea of ​​composing a funeral music since 1859. During this time he is still under the impression of the death of his paternal friend and artistic mentor Robert Schumann, who died after severe mental illness in 1856 in Bonn. Schumann embodied for Brahms the image of the ingenious artist par excellence. But it was only the death of her beloved mother in 1865 that became the direct trigger for the composition of the work.

But the German Requiem is not a funeral mass in the sense of the Latin church music tradition. He is not concerned with composing along the Catholic liturgy, as was the case with the great requiem settings of the nineteenth century, such as Verdi or Dvorak. Brahms took the liberty to select the texts corresponding to him from the Old and New Testament. He did not want to submit to ecclesiastical dogmatics, even Protestant ones. Brahms abandons the traditional images of Christ’s redemption on the Day of Judgment. Instead, he sets the central idea of ​​grief, consolation and hope – a turn to this world. It is important to remember the dead and comfort the living. „Blessed are they that bear grief, for they are to be comforted“ – the first sentence of words from the Sermon on the Mount is, as it were, the motto that stands above the whole work.

Last but not least, the composer’s view beyond denominational boundaries to the seriousness of the last things, to the human essentials, has caused the German Requiem to find its way into people’s hearts and occupy a firm place in our musical culture.

Performed by:

Iwona Sobotka (soprano) and Andrè Schuen (baritone).
MDR SINFONIE ORCHESTRA
Conductor Risto Joost
Recording from the Frauenkirche in Dresden on 25.11.2017
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