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Johann Adolph Hasse (1699 1783) „Der Traum des Scipio“

Johann Adolph Hasse (1699 1783) „Der Traum des Scipio“

Johann Adolph Hasse wurde 1699 in Bergedorf bei Hamburg geboren und ging nach Studienaufenthalten in Hamburg und Braunschweig 1722/23 nach Neapel, um bei Alessandro Scarlatti die zeitgenössische Oper zu lernen. Reisen des schon bald zu musikalischem Ansehen gelangten Komponisten führten ihn unter anderem nach Venedig. Dort heiratete er 1730 die berühmte Mezzosopranistin Faustina Bordoni. 1731 führte sich das Ehepaar Hasse in Dresden mit der überaus erfolgreichen Oper Cleofide ein.

Johann Adolph Hasse (1699-1783)

Darauf erhielt Hasse die frei gewordene Stelle des Hofkapellmeisters, um die sich auch J.S. Bach beworben hatte. In den folgenden knapp 30 Jahren, bis 1760 brachte Hasse das höfische Musikleben zu höchster Blüte. Die Dresdner Hofkapelle wurde zu einem der besten Orchester Europas. Hasses Opern, Intermezzi, Messen und Oratorien wurden in ganz Europa aufgeführt.

Er war Lieblingskomponist der Kaiserin Maria Theresia und häufiger Gast in Wien. In Italien nannten sie ihn „Il Caro Sassone“. Zusammen mit dem Librettisten Pietro Metastasio hat Hasse fast 40 Jahre europäische Musikgeschichte geschrieben. Er starb 1783 in Venedig; er fand in der Kirche San Marcuola seine letzte Ruhestätte.

Angaben zum Werk:

Johann Adolf Hasse (1699-1783)

„Il sogno di Scipione“ Serenata, Zum Geburtstag von August III – Kurfürst von Sachsen und König von Polen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Il_sogno_di_Scipione_(Metastasio)

Die Serenata von Johann Adolf Hasse wurde erst vor wenigen Jahren in Warschau wiederentdeckt, wo sie vor genau 360 Jahren auch uraufgeführt wurde. Grund genug, die erfolgreiche sächsisch-polnische Zusammenarbeit des Musikfestes Erzgebirge mit dem aufstrebenden Barockorchester Wroclaw 2018 fortzusetzen.

                                                                Barockorchester Wroclaw

Im Zeitalter des Absolutismus wurde man noch als Herrscher geboren. Entsprechend wichtig war die Fürstenerziehung, denn eine ungnädige und unweise Herrschaft hatte natürlich verheerende Konsequenzen für die Bevölkerung. Auch die Opernkomponisten versuchten, ihren Beitrag dazu zu leisten, die Staatsmänner in die richtige Richtung zu lenken.

Im Jahr 1758 im Oktober, wurde Johann Adolf Hasses Oper „Il sogno die Scipione“ (Der Traum des Scipio) in Warschau uraufgeführt. Das Werk war August dem III. gewidmet, dem Kurfürsten von Sachsen und König von Polen. Für seine Musik hatte er auf einen Text von Pietro Metastasio zurückgegriffen, den 1771 auch Mozart vertonen sollte. Die Handlung erzählt davon, dass der römische Feldherr Scipio im Schlaf zwischen Beständigkeit und Glück als Lebensratgeber wählen soll. Beide sind als Allegorien verkörpert und erzählen von ihren Eigenschaften.

Die Oper weiß zu vermitteln, dass die Glücksgöttin launisch und wechselhaft ist. Die Beständigkeit indessen treu und in der Lage, ihren Schützlingen dabei zu helfen, Schicksalsschläge besser zu ertragen. Scipio entscheidet weise und nimmt dafür einen kurzlebigen Wutausbruch Fortunas in Kauf.

              Musikfest Erzgebirge 2018 Eröffnungskonzert aus der St. Martinskirche, Zschopau

Johann Adolf Hasse ist ein unterschätzter Komponist, dessen Vermächtnis erfreulicherweise gerade wiederentdeckt wird.

Ausführende:

Barockorchester Wroclaw

Lydia Teuscher (Sopran); Isabel Jantschek (Sopran)

Franziska Gottwald (Alt); Julia Böhme (Alt)

Sebastian Kohlhepp (Tenor)

Martin Schicketanz (Bass)

Leitung: Jaroslav Thiel

(Liveübertragung am 7.9.2018 – Eröffnungskonzert vom Musikfest Erzgebirge aus der St. Martinskirche, Zschopau)

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Ein berührendes Abschieds-Konzert im Konzerthaus der HfM-Detmold am 28.5.2011 mit der h-Moll-Messe von Prof. Gerhard Weinberger

Liebe Bachfreunde!

Programmheft Abschiedskonzert 28. Mai 2011 Prof. Weinberger HfM Detmold

Ein großer Bach-Interpret als Organist und Dirigent: „Professor Gerhard Weinberger“ verabschiedete sich am Samstag, 28. Mai 2011, mit einem berührenden Vokal-Konzertabend im Konzerthaus der HfM Detmold mit der h-Moll-Messe, BWV 232, von Johann Sebastian Bach.

Als Vorab-Information war in der Zeitung: LT in Detmold folgendes veröffentlicht worden:

Ein 28 Jahre langer Spagat über 600 Kilometer geht zu  Ende. Mit Applaus? Bestimmt. Vor allem aber mit großer Musik. Gerhard  Weinberger dirigiert in seinem Abschiedskonzert Bachs h-Moll-Messe.

Seit 1983 ist Gerhard Weinberger Professor für Orgel und Leiter der Abteilung Kirchenmusik an der Detmolder Hochschule für Musik – jetzt geht er in den Ruhestand. Seit 28 Jahren pendelt er zwischen Detmold und München, wo er seinen Wohnsitz behalten hat. Eine anstrengende Übung, klar – andererseits hält so ein Spagat ja auch beweglich. „Ich habe das immer als künstlerisch und menschlich bereichernd empfunden“, sagt Weinberger. 

Johann Sebastian Bach ist eine zentrale Größe im Leben des Organisten. „Für mich sind Bachs Kompositionen das Non plus ultra“, da stimmt jede Note. Seine Musik hat Größe, Drive, Innigkeit, Virtuosität“, schwärmt Gerhard Weinberger. „Gerade die h-Moll-Messe ist so ein wahnsinniges Stück.“

Konzerthaus HfM Detmold

Bereits eine halbe Stunde vor Konzert-Beginn waren die Parkplätze vor dem Konzerthaus der HfM Detmold fast vollständig belegt und galt als ein Hinweis, dass sich an diesem Abend etwas Grossartiges ereignen wird. Überragend der Zuspruch an jungen Besucher-Gruppen sowie viele Honoratioren waren in den Gängen auszumachen, die bei diesem 1. Weinberger Verabschiedungs-Konzert unbedingt ihre Referenz erweisen wollten.

Barock-Orchester und Vokal-Chor HfM Detmold

Der Besucher-Zuspuch war überragend und das Konzerthaus war fast vollständig ausverkauft. Bemerkenswert was @Wolfgang und mir sofort auffiel, das jugendliche Studenten-Barock-Orchester und der junge studentische Vokal-Chor, wann gibt es das einmal zu bestaunen. Die Einstudierung für das Studenten-Barock-Orchester lag in den Händen von der Dozentin an der HfM Detmold: Ulrike-Anima Mathé und für den Studenten-Vokal-Chor bei „Benno Schachtner“ einem ehemaligen Schüler von Prof. Gerhard Weinberger und seit 2007 sein Assistent. Benno Schachtner fungierte in dem Konzert als Gesangs-Solist in den Alt-Partien als „Altus.“

Von links die Gesangs-Solisten: Klaus Mertens (Bass) Sebastian Kohlhepp (Tenor) Benno Schachtner (Altus) Catalina Bertucci (Sopran)

Das Barock-Orchester spielte teilweise mit historischen Instrumenten und fungierte sehr selbstsicher und in einer gekonnten Interpretation des Bach’schen Werkes und wusste in ihrer barocken Klangpracht sehr zu gefallen. Der junge 39-köpfige Vokal-Chor (Studenten/innen für Sologesang) bestach durch ein stimmlich profundes Singen und war ein erhebender Genuss, diese frische Gesangs-Kunst war eine Offenbarung und entpuppte sich für die h-Moll-Messe als eine ideale Besetzung. Hierzu prägnant  die akustischen Möglichkeiten im Konzerthaus der HfM Detmold – (*Wellenfeld-Synthese, Bildung von virtueller Klangräume) – war optimal und ein beeindruckendes Erlebnis, ein kleiner Nachhall am Ende eines Satzes war unverkennbar zu bemerken. Die Gesangs-Solisten reihten sich prächtig in den großartigen Konzertabend mit ein und machten dieses 1. Abschieds-Konzert von Prof. Weinberger zu einem bezaubernden Konzert-Erlebnis für OWL (Ostwestfalen-Lippe).  Nicht endend wollender Applaus bezeugt davon, dass es eine überragende Aufführung gewesen war, die von dieser jungen Studenten-Riege so überzeugend dargeboten wurde, es war ein pures Hörvergnügen und hoffe, dass das Konzert mitgeschnitten wurde und als ein Meilenstein in der Aufführungsgeschichte der HfM Detmold auf einer CD als ein Nachklang erhalten und angeboten wird.

Mit Bedauern nimmt der Protagonist Abschied von einem großartigen Bach-Interpreten, der so schnell nicht zu ersetzten sein wird. Prof. Weinberger ist bekannt als ein bekennender Bach-Interpret und wusste durch seine Konzerte in Höxter (Closter Corveyer-Musikwochen) und in Detmold immer zu überzeugen. Weinberger setzte in seinem Bereich mit der Alten Musik Akzente und gründete 2003 an der HfM Detmold mit der Professorin: Ulrike-Anima Mathé die Barockakademie  um den Studenten eine Möglichkeit zu schaffen, die Erarbeitung der Alten Werke  in einer historisch orientierten und fundierten Aufführungspraxis kennen zu lernen die für die berufsbezogenen Zukunft des Studierenden von unschätzbaren Wert ist. Geprobt wird immer projektbezogen für zwei oder drei Konzerte im Jahr.  Prof. Mathé zuständig für das Instrumentalsolisten-Ensemble und Prof. Weinberger mit der Leitung des Vokalsolisten-Ensembles betraut ergänzten sich in harmonischer und überzeugender Weise.

Verabschiedungs-Konzert HfM Detmold Prof. Gerhard Weinberger

Wehmut komm auf, dass dieser großartige Bach-Kenner als Organist und Dirigent uns für immer verlässt, was wird uns in Zukunft für ein Nachfolger präsentiert, ich kann nur inständig hoffen, dass es ebenfalls ein Barock-Bach-Bekennender sein wird und die begonnene Arbeit im Sinne von Prof. Weinberger an der hiesigen HfM fortsetzen wird…!!

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*) Anmerkung zur Wellenfeldsynthese im Konzerthaus der HfM Detmold:

Das System umfasst 360 unabhängige Lautsprecherkanäle verteilt auf ein durchgehendes Lautsprecherarray rund um das Publikum (500 Plätze) sowie Deckenlautsprecher. Da der Saal für ein breites Repertoire genutzt wird (Kammermusik, Orchesterbesetzungen, zeitgenössische Musik, Big Band etc.) kann das System auch eine variable Raumakustik zur Verfügung stellen.

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Zur Biographie von Prof. Gerhard Weinberger

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