J.S. Bach – Kantaten zum Fest des Erzengels Michael am 29. September
Zu den eher unbekannteren Festen des Kirchenjahres gehört der „Tag des Erzengels Michael und aller Engel“, der immer am 29. September gefeiert wird.
Der Erzengel Michael, von Guido Reni, Santa Maria della Concezione, Rom, 1636
Der Michaelistag wurde durch Ludwig den Frommen auf dem Konzil von Mainz 813 eingeführt. Er erinnert die Menschen daran, dass sie auf ihrem Weg in die die dunklere Jahreszeit von Gott und seinen Engeln begleitet und beschützt werden.
Der Erzengel Michael, der Drachenbezwinger, hat diesem Tag seinen Namen gegeben. Es ist der Tag alle Engel: der Kämpfer, Wächter, Musiker, Beschützer. Sie alle sind eins: Erscheinungsweisen Gottes.
Predigttext: Lukas 10,17–20
Himmlische Boten
Sie sind klein und pummelig oder schlank mit langem blonden Haar, sie hängen in Autos oder am Schlüsselbund: Engel haben Hochkonjunktur.
Der Michaelistag, der Gedenktag des Erzengels Michael und aller Engel, wird in der evangelischen Kirche selten begangen. Dennoch spielen auch hier die Himmelswesen eine wichtige Rolle. Aber niedlich sind die biblischen Engel keineswegs. Als machtvolle Boten, die dem Bösen widerstehen, als Gottes „Heerscharen“ treten sie auf: Michael, der mit dem Teufel kämpft, der Engel, der aus dem Gefängnis führt, und der Gottesgesandte, der unsichtbar, aber gewaltig, vom falschen Weg abbringt. Auch von Schutzengeln weiß die Bibel zu berichten. Eines jedoch wird ganz deutlich. Die Engel haben keine eigene Macht. Sie sind Diener, die durch ihren Auftrag zu Himmelsboten werden.
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Johann Sebastian Bach hat vier Kantaten zum Michaelistag komponiert.
Ab Sonntag, 19. April 2020, um 10 Uhr (britischer Zeit) wird an jedem Sonntag eine neue Kantate aufgeführt, die von J.S. Bach und speziell von John Eliot Gardiner ausgewählt –
Kantate zum Michaelisfest
Wir freuen uns, Ihnen heute zwei weitere „Kantaten der Woche“ zum Fest des heiligen Michael und aller Engel vorstellen zu können
Hören Sie jetzt Bachs BWV 50„Nun ist das Heil und die Kraft“
Diese beiden Kantaten werden von EBS und dem ORR-Trompeter Michael Harrison vorgestellt, der im Jahr 2000 bei vielen Konzerten auf unserer Bach-Kantaten-Pilgerreise auftrat.
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CDs der Bach-Kantaten-Seriekönnen Sie nachstehend einsehen und kaufen!
In der Einspielung mit Bachkantaten zum Michaelistag ergänzt Thomaskantor Georg Christoph Biller die Michaeliskantaten BWV 19 „Es erhub sich ein Streit“ und die einsätzige Kantate BWV 50 „Nun ist das Heil und die Kraft“.
Lange ist es her, dass wir uns zum BachFest 2013 in Leipzig eingefunden hatten. Ich möchte nach dem Artikel von @Wolfgang, meine persönlichen Empfindungen zu den Konzerten von Sir John Eliot Gardiner wiedergeben.
I. J.E. Gardiner – Konzert vom Donnerstag, 20.6.2013, BWV 245 „Johannes Passion“ in der Thomaskirche Leipzig.
BachFest 2013 Leipzig Thomaskirche BWV 245 Johannes Passion Foto: Gert Mothes
Vor der Aufführung der Johannes Passion gab es ein großes Unwetter in Leipzig. Blitze und Donner und ein schwerer Regen erschwerten den Zugang in die Thomaskirche. Plötzlich stand Sir Gardiner im Eingang hinter mir und wir lächelten uns zu. Gerne überlies ich ihm den Vortritt, damit er schnell zur Konzert-Empore gehen konnte. Das war ein gutes Zeichen Sir Gardiner in der Nähe gesehen zu haben.
Viele Besucher kamen zu spät zum Konzert. Öffentliche Verkehrsmittel konnten wegen Wasserüberflutungen und Stromstörungen nicht fahren. Nach über dreißig Minuten Verspätung kamen noch zahlreiche Besucher in die Thomaskirche. Ein Blog-Mitglied von WordPress „Volkers Klassikseiten“ konnte aufgrund der Wetterkapriolen, die Johannes Passion nicht hören. Sämtliche verfügbaren Taxen waren im Dauereinsatz.
Das Gewitter mit Blitze und Donner war in den zwei Stunden immer Gegenwärtig. Das gab dem Konzert eine überirdische Würze. Der Himmel gab zu der Johannes Passion sein Statement ab. Dramaturgischer konnte das Konzert nicht untermauert werden.
Gardiners Johannes Passion BWV 245 in der Thomaskirche war eine Aufführung in einer sehr hohen Qualität. Meine Fassung habe ich in dem Konzert kaum halten können.Sir J.E. Gardiner konzertierte so wunderschön, dass meine Seelenverfassung auf das äusserste angespannt war. Der Monteverdi Choirund English Baroque Soloists sangen und spielten überirdisch schön.
BachFest 2013 Leipzig Thomaskirche BWV 245 Johannes Passion Foto: Gert Mothes
Es ist eine Seelenverwandtschaft zwischen Gardiner, Chor und Orchester zu erkennen. Sie reagieren auf Gardiners Handzeichen mit einer Bravour der Einmaligkeit. Hier stimmt das Timing und die Übereinstimmung. Große Feinheiten in der Nuancierung und Wiedergabe der Johannes Passion BWV 245 – gelangen überwältigend. Die Begeisterung des Musizierens von Gesangs-Solisten, Chor und Orchester waren immer gegenwärtig. Alle stellen sie sich in den Dienst der Sache, der auch Sir John Eliot Gardiner dient: „Bachs Musik zum Lobe Gottes.“
Sir J. E. Gardiner mit der Johannes Passion am 20.06.2013 in der Thomaskirche Leipzig Foto: Gert Mothes
Die zwei Stunden gingen viel zu schnell zu Ende. Gerne hätte ich diesen Protagonisten weiter zugehört. Es war eine Aufführung von absoluter Spitze und getragen von der Überzeugung aller Beteiligten, Bach’s großes Passions-Oratorium in den Herzen der Besucher zu manifestieren. Sehr bemerkenswert, dass Gardiner beim Schlussakkord die Hände lange oben hielt. Nach einer stillen Minute durfte dann erst der wohlverdiente und stürmische Applaus in der vollbesetzten Thomaskirche vorgenommen werden. Das hat mir sehr gut gefallen nach diesem wunderbaren Osteroratorium. Die persönlichen Gedanken und Eindrücke des Gehörten konnten so zur Besinnung und Verinnerlichung kommen.
Ein Oratorienabend in der ehrwürdigen Thomaskirche gelang vortrefflich und schwingt in mir heute noch so fantastisch nach.
II. Meine Eindrücke vom Gardiner-Kantaten-Konzert, Samstag, 22.6.2013, in der Nikolaikirche Leipzig.
Eine restlos ausverkaufte Nikolaikirche erwartete großartige und festliche Kantaten. Das Oster-Oratorium, BWV 249 und das Himmelfahrts-Oratorium, BWV 11 wurden zu einem Highlight des BachFestes Leipzig 2013.
BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt mit Hannah Morrison Sopran Meg Bragle Mezzosopran Nicholas Mulroy Tenor Peter Harvey Bass Foto: Gert Mothes
Sir Gardiner machte einen frischen und gut gelaunten Eindruck. Die Temperaturen waren erträglicher als im Konzert am 20.6. mit der Johannes Passion. Meine drei beliebten Star-Trompeter von Gardiner standen direkt vor unserer Kirchenbank. Meine Trompeten-Favoriten sind: Neil Brough, Robert Vanryneund Michael Harrison. Sie spielten überwältigend auf Natur-Trompeten und waren ein besonderes Herzstück des Konzertes.
BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt mit Naturtrompeten links: Robert Vanryne und Michael Harrison Foto: Gert Mothes
Die unnachahmliche Art des Dirigierens von Gardiner war überwältigend. Kurze Handzeichen, Zeigefinger hoch, der ganze Körper Gardiners zeigte den Aufführenden den Weg, den sie zu beschreiten haben. Gardiners Seelenverwandschaft zu J.S. Bach ist für jederman zu erkennen. Seine überschäumende Freude zu den aufzuführenden Pracht-Kantaten ist sofort zu bemerken. Harmonisch und nahtlos reagieren alle Protagonisten seinen vorgezeichneten Weg.
Es ist immer bewundernswert, was für hervorragende junge Gesangs-Solisten Gardiner eine Chance gibt, sich in seinen Konzerten qualifizieren zu können. Sie haben erstaunlich viel Qualität und Potenzial des Singens und werden eine großartige Zukunft besitzen. Hannah Morrison; Sopran und Meg Bragle, Mezzosopran, waren ein Genuss, sie in den Rezitaitven und Arien hören zu können. Über Peter Harvey, Bass-Bariton, braucht nicht mehr gesprochen zu werden. Ein großartiger Sänger mit einer überragenden Wortverständlichkeit und einem herrlichen Timbre in seiner Stimme.
BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt J.E. Gardiner Monteverdi Choir EBS Foto: Gert Mothes
Etwas abfallend der Tenor, Nicholas Mulroy. Seine Stimme gefällt mir nur bedingt und klingt ein wenig gequält. Hier hätte ich gerne meinen Favoriten James Gilchrist gehört. Das war der einzige Abstrich an den Protagonisten. Die Aufführenden waren eine Einheit der Superlative und glänzten mit einer überragenden Wiedergabe.
Genial sind Gardiners Einfälle in den Bachwerken etwas Besonderes zu interpretieren. Ich greife einmal den Choral Nr, 6 aus dem BWV 11 Himmelfahrts Oratoium, heraus:
Nun lieget alles unter dir, dich selbst nur ausgenommen; die Engel müssen für und für dir auf zuwarten kommen.
In einer absoluten pianomissimo Stimme des Monteverid Choirs lässt er nur ganz leise vernehmbar diesen wunderschönen Choral erklingen. Mir viel ein Schauer nach dem anderern über den Rücken. Das war himmlische Musik die alle Hörer in ihren Bann zog.
BachFest 2013 Leipzig Nikolaikirche Auferstehung und Himmelfahrt – Sir Gardiner im Einsatz Foto: Gert Mothes
Mit einem schwungvollen Drive des Orchsesters und prächtig tönenden Trompeten ging es viel zu schnell dem Ende entgegen. Die Besucher in der Kirche standen Kopf. Standing ovations, nicht endend wollender Applaus veranlassten Gardiner zu zwei Zugaben. Darunter wieder der Choral aus dem BWV 11 Nr. 6 in ganz leiser Stimmenwiedergabe.
Danach gab es kein Halten mehr. Die Kirche bebte in ihren Grundfesten. Die Besucher wichen nicht von Gardiners Seite. Nach über 20 Minuten Applaus waren die Besucher erst zu bewegen, diese historische Konzert-Stätte von Gardiner zu verlassen. Ich habe schon großartige Wiedergaben von Gardiner erlebt. Diese zwei Bach-Oratorienen waren etwas Einmaliges.
Die Emotionen gingen mit mir durch und war der Meinung, die Engel des Himmels mit ihrem Himmel-Orchester sind auf die Erde gekommen um uns diese Bach-Musik überirdisch zu zelebrieren. Es war ein Traum, das miterlebt haben zu können.
Diese Aufführung wird in meinen Gardiner-Analen einen gesonderten Platz einnehmen und für immer im Herzen gegenwärtig bleiben. Danke an den großartigen Sir Gardiner, der uns diese Sternstunde bereitet hat. Ein großartiger Abschluss für unser BachFest 2013 in Leipzig. Mit dieser Wunderstimmung traten wir unsere lange Heimreise an….
Für all diejenigen, die in diesem Jahr keine Möglichkeit haben, das Bachfest vor Ort mitzuerleben, gibt es weiterhin für dasEröffnungs-Konzert vom 14.6.2013 einen besonderen Service. Sie können das Konzert des Thomanerchors und des Gewandhaus-Orchester unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller unter:
Ebenso können Sie dasAbschluss-Konzert vom 23. Juni 2013weiterhin für 80 Tage auf ARTE-Onlie-Webansehen. Mit der traditionellen Aufführung von J. S. Bachs Messe in h-Moll, BWV 232 das Bachfest endet.
Video – Link: Abschluss-Konzert BachFest 2013 Leipzig – Thomaner
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe, Radio-Programme mit Bach-Kantaten und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 16.06.2013 begehen wir den 3. Sonntag nach „Trinitatis“
Der 3. Sonntag nach Trinitatis stellt in gewisser Weise die Fortsetzung des 2. Sonntags nach Trinitatis dar, denn nun geht es um die offenen Arme, die den empfangen, der schon lange eingeladen ist. Die Gleichnisse vom „Verlorenen“ oder die Geschichte vom Zachäus unterstreichen dies sehr deutlich. Gott will die Sünder selig machen, darum geht es, und er hindert keinen einzelnen, zu ihm zu kommen.
Das Gleichnis vom verlorenen Schaf zeigt uns am 3. Sonntag nach Trinitatis, dass Gott gerade dem nachgeht, der in seiner Sünde gefangen ist. Wir freuen uns darüber, dass auf diese Weise auch Menschen zu seiner Gemeinde hinzukommen, die uns erst fremd und unbehaglich waren. Durch die Liebe Gottes, die in gleicher Weise uns wie ihnen gilt, werden wir fähig, diesen Menschen liebend zu begegnen. oder Gott geht dem Sünder nach – das sagt uns das Gleichnis vom Verlorenen Schaf. Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn deutet auf die vergebende Liebe Gottes hin. In allem erleben wir: Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe(Ez 33, 11). Dazu hat er seinen Sohn in die Welt gesandt, damit wir seine Gnade erfahren und durch seine Barmherzigkeit zum Leben gelangen.
Wochenspruch:
Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lk 19, 10)
Aufnahme vom 14. April 2013 im Sommersaal des Bach-Museums Leipzig.
Klaus Mertens, Bass-Bariton
Thomas Fritzsch, Viola da gamba, Violoncello & Basse de Violon
Stefan Maass, Barocklaute
Michael Schönheit, Orgel, Cembalo
Georg Philipp Telemann: Fast allgemeines Evangelisch-Musicalisches Lieder-Buch
– Praeludium / GOTT des Himmels und der Erden
– Mit Ernst o Menschen-Kinder
– Freuet euch ihr Christen alle
– Nun laßt uns gehn und treten
– Allemande par M[onsieu]r E.T. Baron
aus: Der getreue Music-Meister
– Herr nun läß’st du deinen Diener im Friede fahren
– O Lamm Gottes unschuldig
– O Haupt voll Blut und Wunden
– Jesus meine Zuversicht
– Komm Heiliger Geist Herre GOTT
– Ein feste Burg
– Wenn dich Unglück hat betreten
– Aus tiefer Noth schrey ich zu dir
– Befiehl du deine Wege
– Jesu, meine Freude meines Hertzens Weyde
– Wer weiß wie nahe mir mein Ende?
– Auf meinen lieben GOTT
– Nun lob mein Seel den HErren
– Ach wie nichtig ach wie flüchtig
– Courante par M[onsieu]r E.T. Baron
aus: Der getreue Music-Meister
– Wach’t auf ruf’t uns die Stimme / Auf auf! und laßt uns wachsam seyn
– O Wonn‘ o Freud‘ o Herrlichkeit
– Wie der Hirsch im großen Dürsten
– Nun dancket alle Gott
Kantaten-Beschreibung: BWV 135 “Ach Herr, ich armer Sünder“
Bachs einzige andere Kantate für diesen Sonntag, BWV 135 “Ach Herr, mich armen Sünder”, wurde im Juni 1724 komponiert und vermutlich einstudiert, bevor er nach Gera reiste, um dort die Orgel zu prüfen, und das bedeutet, dass er das Werk eigentlich nie beaufsichtigte oder selbst aufführte. Diese kurze, kernige Bußkantate ist die vierte in seinem zweiten Leipziger Zyklus, Teil einer eindrucksvollen Folge, von BWV 7, mit einer einleitenden Fantasia, die einem Concerto für Violine ähnelt, und dem Cantus firmus im Tenor, über BWV 20, mit einer französischen Ouvertüre am Anfang und dem Cantus firmus im Sopran, bis hin zu BWV 2 der vergangenen Woche, die im alten Motettenstil anfängt und den Cantus firmus in der Altstimme hat. Diese Werke fügen sich zu einem faszinierenden und kontrastvollen Portfolio einleitender Chorfantasien.
Im ersten Tableau verflechtet Bach zwei Oboen über einem schlichten Unisonovortrag der Melodie des Passionschorals in den hohen Streichern (bis jetzt noch keine Basslinie!), bevor auch diese sich im Flechtwerk der Oboe verfangen. Dann setzen die Bässe ein, Cello, Bass, Fagott und Bassposaune spielen das Thema in diminuierter Form. All das fügt sich zu einem langsamen, ritualhaften Porträt eines büßenden, Gnade suchenden Sünders zusammen und ist sehr bewegend, vor allem dort, wo Bach den Schmerz durch eine Folge selbstbezichtigender erster Umkehrungen übersteigert: ‚Mein Sünd, mein Sünd, mein Sünd…’.
Diese Stimmung bleibt im Tenor-Rezitativ (Nr. 2) erhalten, wo der ‚Arzt der Seelen’ angefleht wird, den kranken und schwachen Sünder zu heilen. Trost liefert die Tenor-Arie mit zwei Oboen, indem sie schildert, wie im Tod ‚alles stille… stille… stille’ ist. Ein Alt-Rezitativ beginnt adagio, wie eine Arie, ‚Ich bin von Seufzen müde’, und fährt fort: ,mein Geist hat weder Kraft noch Macht, weil ich die ganze Nacht … in großem Schweiß und Tränen liege. Ich gräme mich fast tot und bin vor Trauern alt’ – Worte, die mich im Hinblick auf unser gegenwärtiges Finanzproblem besonders schmerzlich berührten. Und ich konnte mich mit der wunderbar trotzigen Bass-Arie identifizieren, wo sich die ersten Violinen gerieren wie virtuose Sturmschwalben: ‚Weicht, all ihr Übeltäter!’. Das ist herrrlich zornige Musik, und man kann sich vorstellen, wie Bach gegen schändliche Bösewichte wütete (von denen ihm in seinem Berufsleben genug begegneten). Er schließt mit einem erhebenden ‚Ehr sei ins Himmels Throne’ zu demselben Passionschoral von Cyriakus Schneegaß (1597), mit dem er begann.
Kantaten für den “2. und 3. Sonntag nach Trinitatis”
Basilique Saint-Denis, Paris am 2. & 3. Juli 2000
Fraumünster, Zürich 8. und 9. Juli 2000
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CD- eins – Inhalte für den 2. Sonntag nach Trinitatis
BWV 2 – Ach Gott, vom Himmel sieh darein
Gardiner Pilgrimage CD 165 Vol. 2
BWV 10 – Meine Seel erhebt den Herren
Gardiner Pilgrimage CD 165 Vol. 2
BWV 76 – Die Himmel erzählen die Ehre Gottes
Gardiner Pilgrimage CD 165 Vol. 2
swv 386 – Die Himmel erzählen die Ehre Gottes (von Heinrich Schütz)
Gardiner Pilgrimage CD 165 Vol. 2
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CD – zwei – Inhalte:
Kantaten für den “3. Sonntag nach Trinitatis”
BWV 21 – Ich hatte viel Bekümmernis
Gardiner Pilgrimage CD 165 Vol. 2
BWV 135 – Ach Herr, ich armer Sünder
Gardiner Pilgrimage CD 165 Vol. 2
BWV 1044 – Konzert für Flöte, Violine und Cembalo
Gardiner Pilgrimage CD 165 Vol. 2
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Bachfest Leipzig 2013 – “Vita Christi”
vom 14.06.2013 – 23.06.2013
Für all diejenigen, die in diesem Jahr keine Möglichkeit haben, das Bachfest vor Ort mitzuerleben, bieten wir mit dem Live-Stream des Eröffnungs- und des Abschlusskonzertes einen besonderen Service. Am 14. Juni 2013 ab 17 Uhr können Sie das Konzert des Thomanerchors und des Gewandhausorchesters Leipzig unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller unter:
Ebenso können Sie am 23. Juni 2013 um 20 Uhr live dabei sein, wenn mit der traditionellen Aufführung von J. S. Bachs Messe in h-Moll, BWV 232 das Bachfest endet.
Erstmals wagt sich ein Veranstalter daran, die theologischen, dramaturgischen und kompositionstechnischen Verbindungslinien der großen oratorischen Kompositionen Bachs in eine unmittelbare Beziehung zu setzen:
am 21.6.2013, in der Nikolaikirche, Leipzig um 20 Uhr
werden die entscheidenden Stationen der Vita Christi an diesen Konzertabenden zu einem einzigartigen Musikerlebnis. Umrahmt werden die Aufführungen von den Magnificat -Kompositionen von
Bach-Archiv Leipzig – Talk zur “Vita Christi”,Part II
Teil II der Gesprächsreihe zur “Vita Christi“ ist jetzt online und über unseren youtube-Kanal zu sehen. Eine Version mit englischen Untertiteln folgt in den kommenden Tagen. Schon kommenden Samstag findet die nächste Talkrunde statt.
Veröffentlicht am 19.03.2013
Der »angewandte Bach« :J. S. Bachs Oratorienzyklus im Bachfest Leipzig 2013.
Peter Korfmacher (Leipziger Volkszeitung) im Gespräch mit Universitätsmusikdirektor
Die DVD enthält die Filmaufnahmen der kompletten Kantate, den Einführungsworkshop sowie die Reflexion des Referenten. Zudem beinhaltet die DVD das Filmportrait der J. S. Bach-Stiftung.
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 03.07.2011 begehen wir den – 2. „Sonntag nach Trinitatis“
Der 2. Sonntag nach Trinitatis hat „die Einladung“ zum Thema. Es leitet sich ab vom Evangelium vom großen Abendmahl – der Einladung, die von den Wohlhabenden abgelehnt wird, woraufhin die Einladung an die Außenseiter und Ausgestoßenen ergeht, die sie freudig annehmen. Es geht an diesem Sonntag wohl mehr darum, darüber nachzudenken, wo Gottes Einladung an uns ergeht und wie wir darauf antworten. Die übrigen Perikopen nehmen das Thema in vielfältiger Weise auf.
Am 2. Sonntag nach Trinitatis hören wir die Einladung zum großen Abendmahl und danken Gott, dass er uns durch Jesus Christus teilhaben läßt an seinem Reich. Die Freude über die Einladung macht uns selbst zu Einladenden.
Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Siri Thornhill,
Sopran; Petra Noskaiová, Alt; Christoph Genz, Tenor; Jan van der
Crabben, Bass; La Petite Bande, Leitung: Sigiswald Kuijken
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/YouTube: BWV 10 –
„Meine Seel erhebt den Herrn“ (für Mariae Heimsuchung)
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 2, BWV10 und BWV 76
von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Kantaten für den 2. Sonntag nach „Trinitatis“ (Aufführungs-Ort: Basilique Saint-Denis, Paris, am 2. und 3. Juli 2000)
Gardiner – Ausführungen zum BWV 10 „Meine Seel erhebt den Herrn“ (für Mariae Heimsuchung)
Zwei Wochen nach der ersten Aufführung von BWV 2 am 18. Juni 1724 stellte Bach „Meine Seel erhebt den Herrn“ BWV 10 zum Fest Mariä Heimsuchung vor – das fünfte Werk in seinem zweiten Leipziger Kantatenjahrgang. Er schätzte es hoch genug, um es im Laufe der 1740er Jahre mindestens einmal zu wiederholen. Es war für die Liturgie des Vespergottesdienstes in Leipzig bestimmt, und sein unbekannter Librettist übernahm für die Sätze 1 und 5 das deutsche Magnificat unverändert, während es in den Sätzen 2, 3, 4 und 6 paraphrasiert wird und statt mit einem Choral mit einer Doxologie des Chors endet. Bach findet Mittel und Wege, bei dem unveränderten Text den tonus peregrinus einzuflechten, den in der lutherischen Tradition mit diesen Worten verbundenen Gemeindegesang. Dieser liefert einen faszinierenden Kontrast zu seinem lateinischen Magnificat (BWV 243), das im Jahr zuvor am Weihnachtstag (mit weihnachtlichen Einschüben) aufgeführt worden war.
Wenngleich die Kantate weniger üppig instrumentiert und nicht so offenkundig theatralisch ist, steht sie im Hinblick auf handwerkliches Können und eine umsichtige Ausdeutung der Worte dem Lobgesang in nichts nach. Bachs große Aufgabe besteht hier darin, zwischen dem modalen Charakter des Tonus peregrinus und der festlichen Stimmung des Textes und seinen Vorstellungen, wie sich dieser Überschwang durch Chor und Instrumente ausdrücken ließe, eine praktikable Synthese zu schaffen. Angemessenen rhythmischen Schwung erhält die einleitende (vivace überschriebene) Choralfantasie durch Arpeggien im Stil des italienischen Violinkonzerts in den hohen Streichern und die kraftvolle Deklamation der drei tiefen Chorstimmen. In der zweiten Verszeile wandert der Tonus peregrinus, der nun den Altstimmen übertragen ist, zur Subdominante, bevor Bach die einleitende Sinfonia auf typisch kunstreiche Weise mit den Chorstimmen verflechtet, diesmal jedoch auf den Cantus firmus verzichtet.
Der zweite Satz, eine festliche Sopran-Arie in B-dur im konzertanten Stil behält den rhythmischen Schwung bei und schildert den Herrn als ‚stark und mächtig’. Ein Vergleich der autographen Partitur mit den Originalstimmen lässt vermuten, dass Bach die unisono geführten Oboen, die den vierstimmigen Satz füllen, wenn die Sopranstimme pausiert, erst dann einfügte, als er die Stimmen ins Reine schrieb. Das Tenor-Rezitativ (Nr. 3) steigert sich zu einem Melisma aus sechsunddreißig Noten, um uns jene Leute vor Augen zu führen, ‚die voller Stolz und Hoffart sind’ und die Gottes Hand ‚wie Spreu zerstreun’ wird – was auf die Lippen der Gemeindemitglieder, die sich an das peitschende Motiv des Evangelisten in der Johannes- Passion erinnerten, die sie ungefähr vier Monate zuvor gehört hatten, ein wissendes Lächeln gebracht haben mag. Darauf folgt eine prachtvolle, unerbittliche Arie für Bass, die mit hämmerndem Continuo betont, wie ‚Gewaltige vom Stuhl hinunter in den Schwefelpfuhl’ gestoßen werden, und schließlich auf sinnige Weise schildert, wie Gott die Reichen ‚bloß – und – leer’ lässt. Hier bietet sich ein faszinierender Vergleich mit dem ‚Deposuit’ aus dem lateinischen Magnificat an. Wie im ‚Suscepit Israel’ jenes Werkes verwendet Bach jetzt den (der Trompete übertragenen) Tonus peregrinus als Hintergrund für ein überaus zärtliches und lyrisches Duett zwischen Alt und Tenor (Nr. 5).
Doch vielleicht spart er sich das Beste für den Schluss auf, ein Tenor-Rezitativ (Nr. 6), das secco beginnt und dann von den hohen Streichern mit plätschernden Sechzehnteln begleitet wird. Diese schildern, wie Gottes Same ‚sich so sehr wie Sand am Meer und Stern am Firmament ausbreiten’ musste, und eine Paraphrase der Anfangsworte des Johannesevangeliums (‚das ew’ge Wort ließ sich im Fleische sehen’) beschließt die Kantate mit dem wunderschönen und trostreichen Versprechen, ‚dass Gottes Wort voll Gnad und Wahrheit sei’. Die Doxologie erinnert in der Kraft, mit der Bach den Chor die Worte deklamieren lässt – auf eine Weise, bei der er den Wechsel zwischen betonten und unbetonten Silben im Deutschen besonders geschätzt haben mag – sehr stark an Heinrich Schütz.
Schütz (1585–1672) ist der unbesungene Held, der Monteverdi und Bach verbindet. Er war, so vermute ich, der Kanal für jenen reichen Strom musikalischen Ausdrucks und die nahezu wissenschaftliche Erkundung menschlicher Leidenschaften, der Monteverdi den Weg bereitet hatte, er sorgte dafür, dass sie über Schüler wie Jonas de Fletin an Johann Christoph Bach und von diesem an dessen berühmtem Großcousin weitergegeben wurde. Mehr als jeder andere Barockkomponist erkannte und würdigte Schütz die Rhythmik, die sinnlichen Muster und die rhetorische Kraft der gesungenen deutschen Sprache. Stellt man ihm Bach an die Seite und sieht man sich genauer an, wie dieser seine Texte vertonte, so wird deutlich, dass Bachs Methode nicht immer glücklich war, dem Text aber auch nicht sein Hauptaugenmerk gilt. Bei Bach herrschten andere Prioritäten, doch hatte er sich erst einmal entschlossen, dann bewies er, dass er seinen Text nicht nur sehr prägnant und einfühlsam vertonen konnte, sondern dass er auch ein meisterhafter Rhetoriker war.