Archiv der Kategorie: Ruhrgebiet europäische Kulturhauptstadt 2010

RUHR2010 Teil XVII: Das Kantaten-Highlight in der Christuskirche in GE-Buer-Nun danket alle Gott BWV 192


Eines der bisher schönsten und musikalisch hochwertigsten Kantaten-Konzerte im Rahmen der Ruhr-Pilgrimage, konnten Wolfgang und ich am Sonntag, den 16.05.10 in der Christuskirche in Gelsenkirchen-Buer gemeinsam erleben. Das dies ausgerechnet zu unserem Treffen geschehen sollte, war warscheinlich von oben her bestimmt;-).

Auf Zollverein

Stilecht für Gelsenkirchen haben wir uns mit dem tiefer gelegten VW Jetta GT Baujahr ´87 auf breiten Schlappen und mit röhrendem Auspuff von Langenberg in Richtung Norden aufgemacht. Nach einem kleinen Foto-Abstecher auf Zollverein, habe ich mich erst mal verfahren, so dass wir nun von meinem Mann per Handy zur Kantate gelotst wurden. Vorbei an der Veltins Arena, über Autobahnbrücken, durch Baustellen, haben wir trotzdem noch die kleine Zufahrt zur Bergstr. verpasst. Kurz vor Beginn erreichen wir die kleine Kirche, neben mir sitzt – ihr kennt ihn alle – der Klimper-Tünnes aus der Matthäus-Passion in Essen…

Was hier geboten wird ist vom Allerfeinsten, das Programm ist auch schon nicht mehr als „Kantate“ zu bezeichnen, sondern ein ausgewachsenes Barock-Kammerkonzert:

Programm: Christuskirche GE-Buer - zur Vergrößerung in das Programm klicken..!!

Der Chor ist fast solistisch besetzt und besteht durchweg aus jungen Leuten, die ihre Sache wirklich super machen und auch so klingen. Dazu das passende Barockorchester „Le Chardon“ unter der Leitung von Hajo Wienroth, der selbst Traversflöte spielt. Mir wird ganz schwindelig, wenn ich die Biographien lese! Die Kantorin Christina Wienroth bietet ein Barock-Lebensfreudiges Dirigat, das wunderbar zum restlichen Konzert passt, Musik ist Energie, Medizin, Lebensbereicherung und einfach eine Herzensangelegenheit, ein verpasster Einsatz bei Samuel Scheidt wird denn so auch mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert. Damit wir wissen, welchem Choral Bachs Kantate BWV 192 zugrunde liegt, singen wir alle zusammen erst mal 3 Strophen und bereiten uns seelisch auf das, was da kommt, vor. Die Worte, die die Pastorin als Impuls zur Dankbarkeit spricht, sind berührend und sehr pragmatisch. Es ist Sitte bei „Momente der Ewigkeit“, dass der Eingangschor noch einmal wiederholt, oder am Schluss erneut gesungen wird.

BWV 192 ist ein kleines, unaufdringliches Werk, dass aus einem Eingangschor, einem Duett zwischen Sopran und Bass, sowie einem Schlusschoral besteht, eine Tenorarie soll verloren gegangen sein.

Die Solisten

Huch, es gibt eine Pause! Im Gemeindehaus direkt nebenan werden Getränke und ein kleiner Imbiss gereicht. Wer möchte, gibt eine Spende, ist ja Ehrensache, dass wir was in den Klingelbeutel geben. Wir spüren, dass man hier aufgehoben ist. Am Stehtisch kommen wir ins Gespräch mit einer Chorsängerin, der Kantorin und einer Besucherin und wir erfahren, dass die Idee der „Ruhrpottkantaten“ begeistert aufgenommen wurde und dass trotz des abgesprungenen Sponsors alle sich für die Realisierung stark gemacht haben. Wolfgang quatscht den „Klimper-Tünnes“ an…uaaah.

Der 2. Teil des Konzertes ist der Interessanteste: Heidrun Blase brilliert als Gesangssolistin  im technisch äußerst anspruchsvollen „Il Pensioroso“ (Die Nachtigall) zusammen mit dem Flötisten Hajo Wienroth, der gibt auch einige kurze Erläuterungen zu diesem wenig bekannten Stück und es macht einfach nur Spass, dem Dialog des Vogels und der Menschin zuzuhören. Anschliessend ein Konzert von Antoine Mahaut, der ähnlich wie Quantz eine Flötenschule verfasst hat.

Applaus für das Orchester

Hajo Wienroth: “ Zu dem 5. Brandenburgischen Konzert brauche ich jetzt, glaube ich, nichts sagen!“

Die Instrumente werden in diesem, sehr modernen Konzert à la Mode francaise ziemlich gleichberetigt eingesetzt, so dass jeder Instrumentalist seinen Part der Profilierung hat, in der letzten Hälfte des 3. Satzes, hat sich der Meister selbst ein Denkmal gesetzt, da die anderen Instrumente etwas in den Hintergrund gedrängt werden und das Cembalo die dominierende Rolle übernimmt. Überragend und unpretentiös: Pieter Dirksen. Handelt sich es doch warscheinlich um das erste Cembalokonzert der Geschichte! Bach soll ja mal gesagt haben, Clavierspielen wäre ganz einfach, man müßte nur zur rechten Zeit die richtigen Tasten treffen, dann würde das Instrument von ganz alleine spielen! Haha! Ohne Zögern steht die ganze Kirche zum Schlussapplaus auf und alle Musiker werden noch einmal mit einem Blumengruß bedacht. Ich bin froh, dass ich in etwas egoistischer Manier Wolfgang vom Ausharren bis zum Schluss überzeugen konnte und dass die Rückfahrt nach OWL trotz der verspäteten Abfahrt so reibungslos geklappt hat.

Biographie der Künstler-Solisten / Zur Vergrößerung in das Foto klicken..!!

Während ich mit offenen Fenstern und dem angenehmen Windzug aufs Gaspedal trete, bin ich dankbar für diesen super Tag, für das Treffen mit Wolfgang, den warmherzigen Umgang der Gemeinde mit ihren Konzertbesuchern, für die Sonne und auch die große Kunst. Danke auch an Volker für die Be- und Verarbeitung meiner E-Mails. Wir haben kräftig Werbung für unseren Blog gemacht.

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ Friedrich Schiller

TIPP: Im Rahmen der Ruhrpottkantaten tritt das Orchester „Le Chardon“ am 06.06.10 in der Petrikirche in Mülheim (Brich dem Hungrigen Dein Brot) auf.

„Momente der Ewigkeit“ Bach-Kantate BWV 192


Gewinnt der, der rast – oder:  Beachte, dass diese Dank-Kantate ‚per ogni tempo‘ geeignet ist.

Nomen est omen!!! Eine Kantate mit der Bestimmungsangabe ‚zu jeder Zeit geeignet‘ hat es nicht so eilig. So kommt erst jetzt mein Bericht der  Kantaten-Reise an die Ruhr und dem Treffen mit Claudia.

Sonntagmorgen stöberte ich im Bücherdorf :

Langenberg (bei Velbert) info@buecherstadt-langenberg.de

in den Kisten des Büchermarkts. Nachdem ich alle meine Bücher-Such-Rundgänge erledigt hatte, konnte ich mich wieder musikalischen Themen widmen. Wer kommt da mit dem Sportrad zum verabredeten Treff mit Adamo an‘s Bücher-Cafe gesaust:  Claudia-, allen blog-Teilnehmern bestens bekannt durch ihre spritzigen Berichte der Kultur-Events von der Ruhr. Natürlich tauschten wir uns zuerst über einige Themen unseres Gardiner-blogs aus. Doch dann wurde es für uns Zeit.

Bach-Kantate in der Christus-Kirche Gelsenkirchen-Buer-Beckhausen

In rasender Autofahrt erreichten wir-, dank den über Handy-Kontakt mit Claudias Mann gesteuerten Weg-Weisungen-,  rechtzeitig den Aufführungsort Christus-Kirche Gelsenkirchen – Buer. Zuvor stellte mir Claudia  noch  das futuristische Enseble der Zeche Zollverein vor. Gerne fuhr ich zum Ausblick über das Ruhrgebiet die gigantische Rolltreppe zur Zeche hoch. Wenn schon Ruhr, dann Ruhr kompakt. Ich schnupperte in eine längst vergangene Arbeitswelt.

Weiter ging‘s.  Stimmt es doch? Wer rast, sitzt vorne !!!  Könnte man meinen, denn wir bekamen noch Plätze in der ersten Kirchen-Bank.

Die Bach-Kantate BWV 192 war natürlich unser musikalisches Magnet. Das übrige Programm enthielt aber noch Überraschungen bereit:

Samuel Scheidt-Motette ‚Komm Heiliger Geist‘ zum Einsingen, Bach-Motette BWV 230 ‚Lobet den Herrn‘ als vorgeschaltetes Juwel, dann Bach-Kantate BWV 192, – Pause-  Danach Orchestermusik vom Feinsten: eine Händel Sopran-Solokantate vom ‚Gespräch einer Nachtigall mit einer Verehrerin im Mondschein‘ (genannt: Il Pensioroso); ein Flötenkonzert und als Krönung dann das 5.Brandenburgische Konzert BWV 1050.

Christus Kirche-Buer-Beckhausen Blick vom Eingangsbereich durch den Mittelgang bis in den Altarraum

Es war  nicht unbedingt ein Fauxpas, wenn die Kantorin nach dem furiosen Eingangschor der Kantate zunächst einmal Halt  machte. Dem erstaunten Publikum wurden von der Pfarrerin einige musikalische Aspekte und werkgeschichtliche Hintergründe aufgezeigt. Auch aus dem Orchester und von den Solisten (Sopran und Bass) hörte man verstehend einige Musikbeispiele, bevor es richtig los ging. Die gesamte Bach-Kantaten-Reihe firmiert ja unter dem Oberthema ‚Momente der Ewigkeit‘ So waren auch einige nachdenkenswerte Impulse zum Thema ‚Dankbarkeit‘ nicht fehl am Platze.

Wir bekamen den Eingangschor also zweimal geboten und verstanden einfach mehr:

Zu diesem Mehrwert gehörte:

Deutlicher konnte man  musikalische Themen und Aufbau verfolgen.

Das packte alles ein kleiner,  mit bis höchstens fünf SängerINNEN (nur 2 Tenöre) in jeder Stimme besetzter junger ad-hoc-Chor (Ensemble Lorica Vitae), der diszipliniert und mühelos mit klaren, reinen Stimmen das polyphone Gefüge beherrschte .

Eine handfeste, mitschwingende Kantorin, die ihrem Chor klare  Einsätze gab und einen abgerundeten Leitungs-Stil pflegte.

Ein sich steigerndes Programm, dass dem Chor Gelegenheit bot, viele Facetten seiner Möglichkeiten aufzuzeigen.

Ein Barockorchester Le Chardon, das eigene Akzente setzte.

Eine erfrischende Pause, in der man mit den Ausführenden in’s Gespräch kommen konnte und ein leckeres Büffet bereitstand. Dafür sangen wir in der Gemeinde auch gerne das der Kantate zu Grunde liegende Kirchenlied ‚Nun danket alle Gott‘ (Martin Rinckart um 1630) mit. Einfach köstlich-, Gott und sein Bodenpersonal in der Christuskirche versorgten uns an diesem Abend in  zuerst Seele und dann Leib.

Nach dem Konzert gings zurück ganzheitlich gesättigt zum Essener HBF, an dem mich Claudia absetzte. Und dank eines ICE, den mich  ein großzügiger Schaffner ohne Aufschlag benutzen ließ,  war ich ‚in rechter-guter Zeit‘ zu Hause.

Was hatte ich gelernt? An einer Bach-Kantate mit der Bezeichnung ‚ogni tempo‘ kann man sich gut ausrichten: man mag sich zwar verfahren und zur Kantate hinrasen, doch bekommt Platz noch in der ersten Reihe. Das Konzert dauert länger als eingeschätzt, aber in der Pause gibt’s zur Entschädigung Sekt und Gespräche. Unbezahlt fahr ich im ICE komfortabel, ohne in die Nacht zu kommen, bin ich zu Hause.

Darum heißt für mich ab  vergangenem Sonntag ‚Ogni tempo‘: keine Hetze,  klappt alles, erfülltes Wochenende.  Nomen est Omen

P.S. ‚Momente der Ewigkeit‘. Im Gespräch mit Claudia kam uns die Idee, anläßlich des Konzertes dieser Reihe in Hamm  am  27.6. 18 Uhr ein kleines blog-Treffen auf die Beine zu stellen. ‚Freue Dich, erlöste Schar‘ wäre dann unser Motto !!! (vgl. BWV 30).

Gruß Adamo

RUHR2010 Teil XVI: Babel-ein musikalisches Netzwerkprojekt


Der Turmbau zu Babel von P. Breughel

Bei meinem täglichen Brot, d.h. dem Surfen auf der Ruhr 2010-Seite, fällt mir das Babel Projekt ins Auge: Bis zum 23.05.2010 finden 8 Konzerte in den Ruhr-Hauptkirchen mit hochrangigen Künstlern an jedem Tag statt. Pate für dieses Projekt hat die biblische Geschichte von der Entstehung der Sprachen gestanden.  Da ja die Metropole Ruhr im Zeichen des hans werner henze „neue musik für eine metropole“ steht, findet sich im Programm auch eine bunte Mischung vom gregorianischen Choral über Bach-Kantaten, Händel-Oratorium, Stravinsky, bis zu zeitgenössischen Künstlern und natürlich Henze, die man im Glanze der Aureole der anderen Größen aber gut „ertragen“ kann. Daher bitte nicht abschrecken lassen.

Am 23.05.10 findet dann um 20.00 Uhr ein Simultankonzert in allen Hauptkirchen statt. Um 21.00 Uhr wird dann ein Film (ich habe bisher nur noch nicht entnehmen können welcher) gezeigt. Zum Abschluss „erklingt“ dann gleichzeitig in allen Kirchen gleichzeitig von John Cage „4.33“ *(haha). Der Eintritt für den Abschluss kostet 8,-Euro, je nach Veranstaltungsort sind sogar Speisen und Getränke enthalten.

LINK: www.babel2010.de

Babel-Abend 2: Dorothee Mields-Sopran, Almerija Delic-Mezzosopran, Eike Thiedemann-Alt, Knut Schoch-Tenor

Essener Kantorei+Essener Barockorchester, Institut für Computermusik und Elektronische Medien der Folkwang Universität Essen-Thomas Neuhaus, Dirk Reith, Roman Pfeifer

Na gut, in die Kreuzeskirche in Essen bin ich natürlich heute nur wegen der Kantaten“ Lobet Gott in seinen Reichen“; „Wer mich liebet, wird mein Wort halten“ und „O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe“ gegangen-und weil Dorothee Mields die Solo Sopranistin war. Zu den Kantaten sage ich jetzt auch gar nicht so viel, bis auf dass es eine sehr gute Aufführung war, mit tollen Solisten und einem wunderbaren, historischen Orchester, der einzige Negativpunkt war, dass die Kirche total hallig war und man immer das Gefühl hatte, Chor und Orchester sind nicht zusammen. Ein eher grenzwertiges Erlebnis ist dann ja die „neue Musik“. Die Stücke sind Einspielungen, diesmal nicht live. Das erste Stück „Idle Chatter“ von Paul Lansky passt noch super in den Kontext von Bachs polyphonen Gepflechten hinein, präsentiert es doch rhytmisch ein Puzzle aus Gesprächsfetzen, was durchaus Groove hat. Trevor Wishart mit „Vox 5“ hat dann für mich keinen Bezug mehr zum großen Meister, depressive Stimmungen, die apokalyptische Gefühle aufkeimen lassen, Rabengekrächze, Fliegen die um einen „Haufen“ oder totes Fleisch summen, bis alles von einem Gewitter gelöscht wird. Vielleicht kennt ja jemand noch Pink Floyds experimentelle Platten wie „Ummagumma“ (speziell „Sysiphos“) oder auch die 2. Seite der „Meddle“ . Dazu dann am besten was zu Rauchen und eine 2 vor ´m Komma (ich meine natürlich Promille), sonst läßt sich das nicht ergründen. Da gehts dann wie auf einer Stimmungsfahrt von einer absoluten klanglichen Unerträglichkeit zum völligen Spannungsabfall in vollkommene Harmonik.

Von Hr. Bach mit BWV 74 wieder eingenordet, dann Roman Pfeifer „Studie über ein Lautgedicht“. Dieses Stück bewegt sich klanglich zwischen Herz-Lungen-Maschine, Intensivstation und einem vorgetäuschten Orgasmus. Zwischendurch höre ich das Pfeifen der Oberleitungen, bevor endlich meine verspätete S-Bahn einfährt, sowie ein Eckventil, das nach dem Abziehen den Wasserkasten wieder befüllt. Was für ein Schwachsinn!!! Aber warscheinlich fehlt mir der Background. Dann als letztes „neue Musik-Stück“ Dirk Reith „Sound Poem“ für Mezzo-Sopran und Sound Transducer. Ich ziehe den Hut vor der Künstlerin, die in dieser Vertonung als etwas verunglückte Walküre die Tiefen und die Höhen der Atonalität und die Abgründe von Melodik und Musikalität in kunstvollem Glissando auslotet , insgesamt war dieser Beitrag ein echter Höhepunkt. Der Komponist ist anwesend. Der Typ vor mir springt auf und schreit „Bravo“. Etwas übertrieben.

BWV 34 versöhnt mich wieder mit der Welt auch wenn das Auditorium heute auf den leider erkrankten Bass Christian Palm verzichten musste.  Insgesamt war es ein sehr interessantes Konzert, das jeden Cent wert war. Die ganze Rückfahrt kann ich mir von meiner besseren Hälfte das Lamento anhören, dass er deswegen eine neue Folge vom „Checker“ verpasst hat. Mein Musikgott hat allerdings weiterhin -wie der Allmächtige selbst – ganze 4 Buchstaben. Et in saecula saeculorum. Amen.

Gute Nacht und Friede über Israel,

Claudia

RUHR2010 Teil XV: Das Ruhr-Atoll


Gestern wurde also das mit Spannung erwartete Ruhratoll eingeweiht. Ort des Geschehens war die Stauwehr am Baldeneysee. Aufgrund des Wetters und des reichhaltigen Fußballprogramms hielt sich der Besucheransturm leider in Grenzen. Höhepunkt der Veranstaltung war dann um 21.30 Uhr ein phantastisches Feuerwerk, das mitten auf dem Baldeneysee entzündet wurde. Ebenso wurde die neue Wehrbeleuchtung mit wechselnden Farben der Essener Bevölkerung übergeben.

Feuerwerk zum Ruhratoll

Vom 12. Mai 2010 bis Ende September wird diese Kunst-Installation auf dem Baldeneysee und der Ruhr einen besonderen Akzent im Sommer der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 setzen. Sechs bis zu 300 m2 große Inseln werden vom Stauwehr des Ruhrverbandes und vom Ufer aus als ein zusammenhängendes Landschaftsbild zu sehen sein.

Der Sonnengeist

Naturgeister bevölkern die Ruhrwehr

Drei von ihnen sind für kleine Besuchergruppen von jeweils vier bzw. acht Personen begehbar. Um die Objekte aus der Nähe zu erschließen, werden sich die Kunstbesucher im Rahmen eines Bootsparcours den Zugang zu den Inseln unter Einsatz eigener Energie erarbeiten und so aktiv Teil des Projektes werden. Eine Reservierung der Boote ist wegen der begrenzten Zugänglichkeit der Inseln unbedingt empfohlen. Kostenpunkt: 7,-Euro p.P.

Das Kunstereignis auf dem Wasser

Jede der Inseln auf dem See und der Ruhr greift auf ihre Weise die Themenfelder Kunst− Wissenschaft / Energie − Ökologie auf:

Als kontemplatives Bild behandelt das Teehaus („Frosch und Teemeister“) von Kazuo Katase und Michael Wilkens die Grundbedürfnisse des Menschen: Fester Boden unter den Füßen, ein Dach über dem Kopf, Wasser, Nahrung.

Politisch-medial wechselt das U-Boot „Ich kann, weil ich will, was ich muss“ von Andreas M. Kaufmann und Hans-Ulrich Reck zwischen ­den ­Wahrnehmungsebenen: Von außen eine Kriegswaffe, von innen fast eine Kapelle mit Kirchenfenstern aus Hunderten von CNN-Nachrichtenbildern.

Einen naturwissenschaftlichen und dabei sinnlich-fühlbaren Akzent setzt der „ICEBERG“ des Künstlers Andreas Kaiser und des Polarforschers Lars Kindermann, der uns in die optische und akustische Wahrnehmung in eine Forschungsstation in den Südpolar entführt.

Kraftvoll-konturiert, und dennoch mit einer Anmutung von kippelnder Instabilität umschließt der Rettungsring „LOCAL | GLOBAL“ der Künstlerin C.U. Frank eine natürliche Schwemmlandinsel auf der Ruhr − Symbol für die Fragilität der Systeme. Das Kunstwerk kommt aufgrund von Hochwasser erst im Juni/Juli, soll dann aber dauerhaft dort verbleiben.

Als schwimmender Teppich aus roten und grünen Äpfeln wird die Installation „MARKING TIME“ von Norbert Francis Attard zum Nachdenken provozieren − nicht nur über die vermeintlich weit zurück liegende Ursünde sondern um den allgegenwätigen Frevel an der Natur. Diese Installation wird derzeit kontrovers diskutiert.

Ironisch-hintersinnig hält das tropfende, quietschende klappernde „Projekt zur Rettung der natürlichen Ressourcen“ von Ilya und Emilia Kabakov allem technischen Ehrgeiz und menschlichem Streben den Spiegel vor: Ein rostiges mechanisches Monstrum pumpt Wasser aus dem See von hier nach dort…

LINK: www.ruhr-atoll.de

Die neue Wehr-Beleuchtung

Es lohnt sich auf jeden Fall, die Atolle auch mit den Tretbooten zu besuchen, demnächst werden wir ihnen eine Besuch im hellen abstatten.

Gruß, Claudia


RUHR2010 Teil XIII: Die Ruhrtriennale und das Klavierfestival Ruhr


Damit auch über den Sommer keine Langeweile oder Kulturdurst aufkommt, gibt es im Ruhrgebiet zwei renommierte große Festivals, die ihre vielfältigen Spielorte (vom Industriedenkmal bis zum Renaissance-Schloß) über die ganze Ruhrregion ausdehnen und mit Künstlern von Weltrang aufwarten.

Die Ruhr - rechts hinter den Bäumen verläuft die B227

Das Klavier-Festival Ruhr – das “weltweit bedeutendste Klavierfestival“ (FonoForum) – präsentiert dieses Jahr vom 08. Mai bis 23. Juli in 70-80 Konzerten herausragende Künstler aus zahlreichen Nationen in einzigartiger Konzentration. Die großen Meister ihres Fachs (darunter Pierre-Laurent Aimard, Martha Argerich, Emanuel Ax, Daniel Barenboim, Tzimon Barto, Elena Bashkirova, Alfred Brendel, Michel Camilo, Chick Corea, Leon Fleisher, Nelson Freire, Irwin Gage, Hélène Grimaud, Herbie Hancock, Abdullah Ibrahim, Keith Jarrett, Katia & Marielle Labèque, Lang Lang, Elisabeth Leonskaja, Robert Levin, Radu Lupu, Gabriela Montero, Ivo Pogorelich, Maurizio Pollini, André Previn, András Schiff, Grigory Sokolov, Jean-Yves Thibaudet, Arcadi Volodos und Krystian Zimerman) folgen regelmäßig der Einladung des Festival-Intendanten Franz Xaver Ohnesorg, um facettenreiche Konzerte zu gestalten. Aber auch viel versprechende Nachwuchspianisten, Wettbewerbssieger und Debütanten, deren Förderung dem Festival ein besonderes Anliegen ist, werden Jahr für Jahr eingeladen.

Klassik und Jazz, Recitals, Kammer- und Orchesterkonzerte, Meisterkurse und Liederabende spiegeln das außerordentlich facettenreiche Konzertangebot des Klavier-Festivals Ruhr, das durch den Initiativkreis Ruhr, eine Vereinigung von rund 60 Unternehmen aus der Metropole Ruhr und den Eintrittsgeldern, getragen wird. Das Festival vergibt in jedem Jahr Kompositionsaufträge, über 60 neue Werke wurden so in den letzten Jahren uraufgeführt.

Schwerpunkte bilden auch die Förderung des Klaviernachwuchses, die „Little Piano School“ für Kinder von 2 bis 6 Jahren, die „Encounters“ (hier vermitteln große Künstler ihre außerordentlichen Fähigkeiten und ihr enormes Wissen an „normale“ Klavierschüler) und die „Discovery Projects“, die die kreativen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichstem sozialen Hintergrund nachhaltig fördert.

LINK: http://www.klavierfestival.de

Die Ruhrtriennale, ominöser Name, aber was verbirgt sich dahinter?

1999: Die Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA) unter der Leitung von Prof. Karl Ganser endet nach zehnjähriger Entwicklungsarbeit und stellt die Frage nach den Perspektiven der von ihr für die Kultur entdeckten Industriedenkmäler. Gleichzeitig arbeitet die Nordrhein-Westfälische Landesregierung an Plänen, die der nachhaltigen internationalen Profilierung NRWs dienen. Die Diskussion umfasst den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Strukturwandel. Eine wesentliche Anregung der IBA, ein dezentrales Kunstfest für das Ruhrgebiet zu schaffen, eröffnet die historische Chance: Die faszinierenden, vor dem Verfall geretteten und ins ästhetische Bewusstsein gerückten Hallen, stillgelegten Zechen und Kraftwerke erweisen sich als prädestiniert für neue Formen künstlerischer Auseinandersetzung.

Einer der interessanten Aufführungsort, die Jahrhunderhalle in BO

Gründungsintendant Gerard Mortier stellt die Kreationen ins Zentrum – Produktionen, die spartenübergreifend den Dialog mit ihren Aufführungsorten suchen: Schauspiel, Oper und Tanz verbinden sich mit innovativen Entwicklungen der bildenden Kunst, der Pop- und Konzertmusik, sowie einem hochkarätigen Literaturprogramm.  Das Festival 2010 steht in dieser Saison unter dem Motto Aus der Fremde. Unter der Intendanz von Willy Decker erforscht die Ruhrtriennale das Spannungsfeld zwischen Kunst und Kreativität und dem Urmoment des Religiösen. 2009 richtete sich ihr Blick auf den jüdischen Kulturkreis, 2010 auf die islamische und schließlich 2011 auf die buddhistische Kultur. Die Ruhrtriennale findet dieses Jahr vom 15. August bis zum 10. Oktober 2010 statt.     

2 Highlights habe ich euch mal rausgesucht, natürlich musikalischer Art:

17/18/19. September 2010, Jahrhunderthalle Bochum 20.00 Uhr: Passio-Compassio, Eine musikalische Suche auf den Spuren von J.S. Bach zu der Sufi Musik. Es wird Bach auf orientalischen Instrumenten gespielt.

08/09. Oktober 2010, Gebläsehalle Landschaftspark Duisburg 20.00 Uhr: Amo-Ich bin ein Liebender;  Countertenor Philippe Jaroussky inszeniert eine barocke Jazz-Jam Session, ebenso treffen eine Barock-, eine Jazz- und eine Peru-Harfenistin aufeinander.       

LINK: www.ruhrtriennale.de

RUHR2010 Teil XII: La Fura dels Baus


Ich kanns auch nicht aussprechen…
„La Fura dels Baus“ – so etwa „das Frettchen der Müllhalde“, eine inzwischen weltberühmte katalanische Theatergruppe, die bereits bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1992 begeisterte, ist der Eigentümer des bereits seit Juni vergangenen Jahres im Ruhrorter Hafen vor Anker gegangenen Theaterschiffes mit dem Namen „Naumon“.
Die Künstlergruppe wird im Rahmen der Local Hero Woche und gleichzeitig zum Auftakt der Duisburger Akzente 2010 am 21. Mai 2010 um 21.00 Uhr eine spektakuläre Inszenierung als Hommage an Wagner und Mercator darbieten. 2007  waren sie an der Wagner Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ unter Zubin Mehta in Valencia beteiligt. Ort dieses Spektakels ist die Naumon an der bis dahin eigens umgestalteten Mercatorinsel in Duisburg Ruhrort. Zu diesem Highlight im Hafen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 werden tausende Menschen erwartet und dürfen sich dabei auf Großes gefasst machen.

Ruhr 2010 – Hanielprojekt Brückenschlag gestartet!
„Herzstück der Kulturhauptstadt 2010 in Duisburg ist die LOCAL HEROES Woche im Mai 2010 – Herzstück dieser Woche ist Ruhrort mit der „Mercatorinsel“ stellt Kulturdezernent Karl Janssen heraus. Die Mercatorinsel, einstige Lagerfläche für Schüttgüter am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr, liegt zum Teil brach. Doch das soll sich ändern. Ziel ist es, an der Inselspitze einen fast sechs Hektar großen Park anzulegen, der Raum für Kunst und Kultur bietet. Über die neue Treppe können Besucher das Gelände bequem zu Fuß erreichen. Zudem gibt es auf 16 Metern Höhe eine Aussichts-plattform. Bis zum 30. April 2010 soll die Treppenanlage fertig sein.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH, Fritz Pleitgen, sieht in der neuen Nutzung der Inselspitze ein große Chance für die Kunst: „Duisburg hat mit dem neuen Freizeitkonzept die Möglichkeit, zu einem Bregenz am Rhein zu werden. Ein hochgestecktes Ziel, wie ich zugebe. Aber: warum nicht?! Der Platz ist ideal. Musik, Schauspiel und viele andere Dinge können sich zukünftig in einer stimmungsvollen Open-Air-Atmosphäre umschlungen vom Rhein in neuer Art den Menschen präsentieren.
Einen Vorgeschmack darauf gibt es am 21. Mai 2010 am Hafeneingang in der Nähe der Mercatorinsel: Haniel präsentiert als Hauptsponsor der Kulturhauptstadt RUHR.2010 eine spektakuläre Show – mit einem Schiff als Bühne. Die spanisch-katalanische Theatergruppe „La Fura dels Baus“ wird mit 60 Trapez-künstlern das Stück „Das globale Rheingold“ aufführen. Dazu spielt ein Orchester live Musik von Richard Wagner und eine Neu-Komposition, die vom Kartografen und Wahl-Duisburger Gerhard Mercator inspiriert ist.  Beim grandiosen Finale verschwindet dann die Naumon im Feuerwerk. Der Eintritt zu dem ganzen Spektakel ist frei.

Grüße aus dem RUHR2010-Pott, Claudia

RUHR2010 Teil XI: !Sing 05. Juni 2010 Day of Song


Dass das Singen eine bodenständige Angelegenheit ist, die nicht nur den Künstlern vorbehalten ist, oder sich gar nur in den Top-Konzerthäusern dieser Welt abspielt, hat sich dieser von Steven Sloane ins Leben gerufene Motto-Tag zur Aufgabe gemacht. Es ist eine Urkraft, dessen sich viele Menschen leider nicht mehr bewußt sind. Singen kann jeder, lediglich 5 % der Menschen sind tatsächlich völlig amusisch. Die Chorlandschaft Ruhr Region hat alleine mit seinen 300.000 Laiensängern die Kultur und damit die Folkwang Idee „Kultur für jeden“ nachhaltig geprägt.

Bereits am Freitag 04.06.2010 starten Begegnungskonzerte  der Partnerstädte in 11 Ruhrstädten, die öffentlich sind. Um 18.00 beginnt der Auftakt mit Chören der fünf Ruhrgebietshochschulen, die Wandelkonzerte in Werden zwischen Basilika, Haus Fuhr und der ev. Kirche veranstalten. Mit dem Sonnenaufgang um 5.08 Uhr am 05.06.210 wird das ChorWerk Ruhr mit einem Schiff singend den Nordsternpark in Gelsenkirchen erreichen. Um 10.00 Uhr beginnt dann das öffentliche Singen an besonderen Orten, in Einkaufzentren, Innenstädten, Krankenhäusern oder auch im Knast. Keine Angst, Textzettel werden verteilt…

Um 12.10 Uhr stimmen alle Chöre parallel das Steigerlied und dann die Ruhrhymne von Grönemeyer an. Um 13.00 Uhr das offene Singen in sakralen Räumen. Insgesamt wird es an diesem Tag rund 400 Gelegenheiten im ganzen Ruhrgebiet zum Mitsingen geben. Die Aktion kulminiert mit dem Abschlusskonzert in der Veltins Arena auf Schalke. Steven SloaneDort treten auf dem Spielfeld 230 Chöre mit 8000 Sängern auf, dazu Bobby McFerrin, Vesselina Kasarova, Chöre aus Pecs, Istanbul sowie ein Gebärdenchor mit einer besonderen Choreographie. Durch den Abend führt Steven Sloane mit seinen Bochumer Symphonikern.

Wer das Programm für den 05. Juni 2010 über www.ruhr2010.de googelt, stößt alleine an diesem Tag auf 205 Veranstaltungen, die ab Mai mit Programm versehen sind. Wer sich für diesen Thementag interessiert, sucht sich am besten seine Veranstaltungen selbst heraus. Soviel sei hier gesagt: Für jeden ist etwas dabei. Ob Oper, Kirchenmusik, Operette, Volkslied, Jazz, Gospel…, es lohnt sich bestimmt für einen Besuch in der Ruhrmetropole und seinen Trabanten! 

Highlights / Tipps:

Fr. 04.06.10 / 19.00  Uhr Wandelkonzert: Chormusik im Wandel der Zeit an verschiedenen Orten in 45239 Essen

Sa. 05.06.10 / 0.00 Uhr Spem in Alium / Thomas Tallis:  Mitternachtskonzert im Gasometer Oberhausen unter dem künstlichen Riesenmond (mein Favorit). Die Ausstellung des Sonnensystems kann vorher besichtigt werden, von der Aussichtsplattform des Gasometers hat man dann einen spektakulären Blick auf das nächtliche Ruhrgebiet.

Sa 05.06.10 / 20.30 Veltins Arena Gelsenkirchen: Abschlusskonzert mit Steven Sloane + BoSys, Vesselina Kasarova (Mezzosopran), Wiseguys, Bobby McFerrin u.a. 

 LINK: http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/sing/presse/pressemitteilungen.html

Klassik-Termine in der Kulturhauptstadt Essen2010


Visitatio sepulchri – Das Essener Osterspiel

Samstag 24. April 2010 und Sonntag 25.04.2010 | 20.00 Uhr | Essen | Hoher Dom zu Essen

Hoher Dom zu Essen

  • Musica enchiriadis – Die Entdeckung der Mehrstimmigkeit
  • Ensemble VOX WERDENSIS (Schola der Folkwang Universität)
  • Leitung: KMD Prof. Dr. Stefan Klöckner
  • weiterer Termin: So 25.04.2010
  • Karten & Informationen: TicketCenter Theater und Philharmonie Essen, Fon 0201 8122 200
  • ein Projekt der Essener Domschatzkammer, der Folkwang Universität, der Katholischen Akademie DIE WOLFSBURG, der Philharmonie Essen und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

———————————————————

Monteverdis „Marien-Vesper“

23. Mai 2010 | 17.00 Uhr | Essen | Basilika St. Ludgerus

Abtei Basilika St. Ludgerus Essen-Werden

Musica enchiriadis – Die Entdeckung der Mehrstimmigkeit
Schola der Folkwang Universität
Knabenchor Hannover (Leitung: Prof. Jörg Breiding)
Himmlische Cantorey
Concerto Palatino

Karten & Informationen: TicketCenter Theater und Philharmonie Essen,

Fon 0201 8122 200
ein Projekt der Essener Domschatzkammer, der Folkwang Universität, der Katholischen Akademie DIE WOLFSBURG, der Philharmonie Essen und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

———————————————————

Grüße

Volker

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

RUHR2010 Teil X: Musiktempel der Extraklasse


Aalto Theater

Das Aalto Theater ist das architektonische Werk des finnischen Architekten Alvar Aalto. Bereits 1959 wurde sein Entwurf einstimmig angenommen, doch erst 1983, also sieben Jahre nach seinem Tod wurde mit dem Bau begonnen. Am 25.09.1988 wurde es mit Richard Wagners „Die Meistersänger von Nürnberg“ feierlich eröffnet.

Die Asymmetrie des etwa 1.120 Personen fassenden, in tiefem Indigoblau gehaltenen Zuschauerraums sollte nach Aaltos Vorstellungen auch bei spärlichem Besuch des Theaters jeden störenden Eindruck vermeiden. Intendant und Generalmusikdirektor ist seit der Spielzeit 1997/98 Stefan Soltesz,  dessen Strauss-Zyklus in Essen große Beachtung fand.

Im September 2008 wurde das Aalto-Theater in der Fachzeitschrift Opernwelt nach einer Umfrage unter 50 unabhängigen Kritikern aus verschiedenen Ländern als bestes Opernhaus im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet und trägt nun den Titel Opernhaus des Jahres 2008. In der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift theater pur konnte das Aalto-Theater seinen ersten Preis 2009 behaupten und hat somit den langjährigen Spitzenreiter, die Schwabenmetropole Stuttgart, abgelöst. Das absolute Highlight dieses Jahres ist für mich der „Ring des Nibelungen“-Zyklus, vor der Sommerpause gelangen „Das Rheingold“, „Die Walküre“ und der „Siegfried“ zur Aufführung, im Herbst erfolgt dann die Premiere der „Götterdämmerung“. Dieses momumentale Werk vom Zyklus des Werdens und Vergehens soziokultureller Ordnungen ist stets für jede Generation aktuell. Hierzu ein interessantes Zitat des Wagner Enkels Franz Wilhelm Beidler passend zur diesjährigen Ruhr2010 oder allgemein zur Wirtschafts- und Bankenkrise:

„Die komplizierten Schachtanlagen und Hüttenwerke des Ruhrgebietes etwa vereinfachen sich zu den Werkstätten Nibelheims, die Anonymität des Kapitals, die Unsicherheit des Aktionärs enthüllt sich im verschleierten Tarnhelm. Die dämonische Kraft des Ringes, d. h. des kapitalistischen Macht- und Profitstrebens, durchdringt alle Beziehungen, löst alle Bindungen, Rechte und Sitten auf. Die von altersher herrschenden Gewalten – hier heißen sie Götter – verstricken sich im kapitalistischen Gestrüpp, und die Welt wartet auf den Menschen. Auf den Menschen, der durch Verzicht auf Besitz und Gewinn die Kraft zur befreienden Tat findet und Götter und Zwerge ablöst.“

Richard Wagner- verstrahltes Genie mit sozialistischen Visionen, heute eher linksradikal

Überflüssig zu erwähnen, dass alles zu humanen Preisen erlebt werden kann und man hierfür nicht die langen Wartezeiten und aristokratischen Preise von Bayreuth in Kauf nehmen muss. Ursprünglich wollte Richard Wagner ja seine Festspiele ganz umsonst bieten. Das kann auch Essen nicht realisieren. Aber es gibt für Sparfüchse und Kulturjunkies die THEATERCARD, die jährlich 60,-Euro kostet, man kann dann ab 10 Tage vor der Vorstellung die Karte zu 50% Ermäßigung erwerben. Dies gilt für das Aalto Theater, das Grillo und die Philharmonie Essen. Und überhaupt, im Aalto sitzt man eh bequemer als im Festspielhaus auf der „Holzklasse“.

Das Aalto-Musiktheater beherbergt das Opernhaus, das Theater und auch das Aalto Ballett Theater. Der aktuelle Spielplan für alle 4 Kultursparten kann untenstehend eingesehen werden.

LINK:   http://www.theater-essen.de

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen vom Haupteingang

Im Juni 2004 wurde die neue Philharmonie Essen mit einem großen Festkonzert eingeweiht. In den ersten beiden Monaten wohnten über 50.000 Zuschauer dem „Eröffnungszauber“ bei, während dem sich die internationale Konzertszene die Klinke in die Hand drückte. Von den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle, Frank Peter Zimmermann oder dem Alban Berg Quartett hin zu Jazz-Größen wie Herbie Hancock oder Wayne Shorter, Größen des internationalen Konzertbetriebs die man in Essen bisher nicht zu Gesicht bekam.

Die eigentliche Geschichte der Philharmonie beginnt 100 Jahre früher, 1904 mit der Eröffnung des Saalbaus. Richard Strauss dirigierte zur Premiere und Gustav Mahler leitete wenig später die Uraufführung seiner 6. Sinfonie. Bis in die 1990er Jahre war der Saalbau die Heimstadt der Essener Philharmoniker, wurde aber auch als Mehrzweckhalle von Bällen bis hin zum Flohmarkt genutzt.

Philharmonie Interieur vom 1. Rang

Mit knapp 2000 Plätzen ist die Philharmonie die größte (und wie ich finde, die Schönste) des Ruhrgebiets. Nach anfänglichen Kritiken, da Dortmund ungefährt zeitgleich mit dem Bau des Konzerthauses begann, hat sie ihren Platz unter den besten Musiktempeln der Republik behauptet. Stets sind hochkarätige Künstler zu Gast, die ein internationales Niveau garantieren. Für kleinere Veranstaltungen steht neben dem großzügigen Alfried-Krupp-Saal (Die Alfried Krupp-von Bohlen und Halbach-Stifung war auch sehr generös…) der RWE Pavillion zur Verfügung.

Link: www.philharmonie-essen.de

Im Übrigen werden sowohl für das Aalto, als auch für die Philharmonie Architekturführungen angeboten. Alles ist vom HBF zu Fuß oder per U-Bahn schnell zu erreichen. Das Musik-Ensemble ist von einem kleinen Park umgeben, der -wie die Musik selbst- den Alltag kurz ausschaltet.

Allerseits einen schönen Mittwoch, Claudia

RUHR2010 Teil IX: Kunst auf Halde


Auch wenn jetzt alle mit der Abarbeitung der gigantischen Ostermusik-Highlights beschäftigt sind, störe ich Euch einmal aktuell mit der RUHR2010.

Auf der Drachenbrücke

Trotz der mäßigen Wetteransage fahren wir heute mit unserem Hamburger Freund zu einer „Landmarke“. Landmarken sind im Ruhrgebiet frühere „Bergehalden“, also das taube Gestein, was von der Kohle getrennt wurde. Viele sind begrünt und auf ihrem Gipfel findet sich eine weithin sichtbare Skulptur. Die Bekannteste ist vielleicht der Tetraeder in Bottrop oder die Himmelstreppe in GE-Uecker. Bei der letzten Führung Dienstag auf Zollverein hat der Führer auf der Aussichtsplattform unser Interesse für das neue Horizont-Observatorium „Hoheward“ in Herten geweckt. Wir betreten die Halde über die neue „Drachenbrücke“.

Der Drache der Drachenbrücke

Wir lassen die „Baumgrenze“ hinter uns. Als erstes begegnen wir der Horizontal-Sonnenuhr mit dem neun Meter hohem Obelisken als Zeiger und Schattenwerfer. Das Panorama entlockt uns Frank Goosens Zitate: „Nee, schön iss das nich“ oder „Weisse, woanders ist auch Scheisse“. Im Hintergrund qualmen die Schlote eines großen Kraftwerkes in GE. Wir sind umzingelt von Fabriken, die Schalke Arena sieht wie ein weisser Riesenpilz aus. Das spektakuläre „Horizont-Observatorium“ ist das neue Highlight des Landschaftsparks. Für weitere Informationen und mehr zur prähistorischen Sternenkunde (toller 360° Umblick):

LINK: http://de.wikipedia.org/wiki/Halde_Hoheward

Das moderne Stonehenge

Hier oben ist es wirklich ziemlich windig, schade, dass jetzt gerade so ein Mist-Wetter ist.

Der westliche Teil der Halde ist noch nicht begrünt. Rund um die ehemalige Zeche Ewald ist dort ein neues Gewerbegebiet entstanden. Im Gegensatz zu Zollverein, die ja wirklich top restauriert ist, hat diese Zeche morbiden Charme. Mittlerweile ist wieder strahlender Sonnenschein. Geheimtipp für Café und Kuchen: Das Café auf Ewald, mit moderaten Preisen und XXL-Obstkuchen.

Zeche Ewald

In Herten gibt es auch ein Renaissance-Wasserschloß, das wollen wir auf jeden Fall mitnehmen, es bildet ausserdem einen schönen Kontrast zu dem bisherigen Programm.

Inmitten eines alten englischen Landschaftsparks, direkt am Rande der Hertener Innenstadt, liegt das 1376 erstmals urkundlich erwähnte Wasserschloss Herten. Das Schloss Herten zu den schönsten Baudenkmälern in Nordrhein-Westfalen.

Schloss und Schlosspark dienen seither als Kulisse für verschiedene bedeutende Kulturveranstaltungen der Region, so für das Kulturfestival Ruhr, die Hertener Schlosskonzerte und den Pfingst-Kunstmarkt. Die Hauptburg des Wasserschlosses ist ein rundum von einer Gräfte umgebener Ziegelbau. Sie verrät heute noch ihre Bedeutung als Beispielarchitektur aus der Zeit der Spätgotik.
Noch immer zeugen Relikte eines massiven Bergfrieds im östlichen Teil des Nordflügels in Form einer Säule mit gotischem Kreuzgewölbe von dem Wehrcharakter der ehemals kleinen Burganlage. 1529 kam die Burg durch Heirat in den Besitz des Bertram von Nesselrode, Erbkämmerer des Herzogtums Berg.

Blick in die Gräfte

Um 1650 wurde das Schloss umgebaut. Während dieser Zeit entstand im Ostflügel der große Saal, dessen Decke perspektivisch ausgemalt wurde. Diese bei den Restaurierungsarbeiten wiederentdeckte Malerei ist in Westfalen ohne Beispiel.

Schloss Herten Perspektive vom Schlosspark

Diese Perspektive war einmal auf dem Programm für das Klavierfestival Ruhr vertreten. Am 03. und 04.06.10 finden im Rahmen des Sing!-Projektes hier 2 Kammerkonzerte statt.

LINK: http://www.herten.de/tourismus/sehenswertes/schloss-herten/index.html

Gesegnete Ostern, Claudia

Herreweghe mit Bachs Matthäus-Passion in der Philharmonie Essen


Es gibt Werke, die begleiten uns jahrelang und sie werden umso größer, je mehr sich durch eigene Lebenserfahrung und Reflektionen darin lesen läßt. Anfänglich erscheint sie wie ein übermächtiges, komplexes Konstrukt zu dem man aufschaut wie der mittelalterliche Mensch zu einer gotischen Kathedrale, man staunt, aber es läßt sich nicht durchdringen. Mit der Zeit öffnet sich das Werk, es treten erste Strukturen zu Tage. Einige Teile rühren uns zu Tränen, andere sind in ihrer Machart und Aussage schroff, schonungslos, grausam. Geht es hier nur um das Leiden und Sterben Jesu? Nein, es geht um mehr. Es geht auch uns selbst, um unsere eigene Matthäus Passion, um Bachs eigene erlebte Matthäus Passion, Grundzüge der menschlichen Philosophie, die Auffächerung menschlicher Gefühle mit derartiger Differenziertheit und Präzision, wie ich sie vorher noch nie erlebt und gefühlt habe und für sie auch niemals Worte fände, die ihren Sinn treffen könnten; ein Kosmos voller existenzieller Grundmuster.  Angesichts dieser Größe des Werkes fällt es mir nicht einfach, darüber zu schreiben.

Philharmonie Essen: Collegium Vocale Gent – Herreweghe

Vom 25. zum 26.03.2010 schlafe ich vor Aufregung wieder schlecht, Bach und Herreweghe mit der Matthäus Passion ist eine prickelnde, aufregende Mischung in der Passionszeit, die den Adrenalinspiegel steigen läßt und mich in einen Dauerrauschzustand der Vorfreude versetzt. Am 26. stirbt der Freund meiner Begleitung und ich entgehe um wenige Minuten einem Wildunfall. Das Reh liegt mit abgetrennten Hinterläufen auf der Ruhrallee.

Besetzung:

Solisten Chor 1:

Dorothee Mields, Damien Guillon, Colin Balzer, Stephan MacLeod

Solisten Chor 2:

Hana Blazikova, Robin Blaze, Hans Jörg Mammel, Matthew Brook

Die Philharmonie in Essen ist fast ausverkauft, das Publikum ist überregional. Philippe Herreweghes Chöre stellen sich im Halbkreis auf, in der Mitte der Cantus firmus Chor. Die Solisten sind Teil des Chores, Christus (Simon Kirkbride) und der Evangelist Christoph Prégardien nehmen zwischen Chor 1 und dem Orchester Platz. Philippe Herreweghe selbst ist eher unspektakulär, ohne große Gesten, allerdings mit einer ziemlichen Maestro-Mähne.

Philharmonie Essen: Dirigent Philippe Herreweghe

Der erste Chor „Kommt ihr Töchter, helft mir klagen“ legt den Schalter des Alltags um, seine düstere, sog-artige Stimmung mit Bachs Stereo- und 3 D Effekten wirft uns mitten ins Geschehen, Herreweghe dirigiert seinen Top Chor mühelos durch die unwegsamen Todesabgründe, es klingt fast duftig, samtig, alle Stimmen sind gleichberechtigt, jede Stimmgruppe hat je 3 Sänger, das Tempo während der ganzen Passion niemals überstürzt oder gehetzt, es ist alles von reifer, in sich ruhender Abgeklärtheit. Eine intime Atmosphäre, in der ich es geniesse, in der ersten Reihe zu sitzen. Von Weltklasseformat auch das Gros der Solisten, besonders bemerkenswert die beiden Sopranistinnen Hana Blazikova und Dorothée Mields in den ersten kontemplativen Arien „Blute nur“ und „Ich will Dir mein Herze schenken“. Das Tempo ist langsamer als mir gewohnt, jedoch wunderbar innig gestaltet, Hana Blazikova singt trotz der hohen Lage mit warmen Mezzo-Timbre, Ihre Stimme läuft wie dunkelrotes Blut kontrastierend auf Jesus´totenbleicher Haut (ohne zu gerinnen). Dorothée Mields zelebriert mit der eigentlichen Liebesarie Sex nach Noten ohne Körperkontakt (ihr hättet die Mimik der Sopranistin sehen müssen!) und läßt einen Lichtstrahl in die düsteren Geschehnisse. Ist das Stück überhaupt ursprünglich für die MP konzepiert gewesen oder hat Bach hierfür nur „Heil“ gegen ein anderes Wort getauscht??? Sehr charismatische Stimme mit Brillianz, schlank, ohne körperlos zu wirken. Christoph Prégardien ist ein Spitzenevangelist, der auch in Sachen Gestaltung noch viel Neues zu bieten hat. Leider fällt der Christus-Sprecher etwas ab, ob er einfach indisponiert ist oder generell in der Tiefe nicht so richtig klar kommt, kann ich nicht beurteilen, vielleicht liegt es auch an der Platzierung, der Evangelist wird nur vom Continuo begleitet, während Christus gegen die Streicherbegleitung „ansingen“ muss. Bevor ich es später vergesse, möchte ich hervorheben, dass die beiden Solo-Tenöre Colin Balzer und Hans Jörg Mammel mir sehr gut gefallen haben.

Philharmonie Essen: Collegium Vocale Gent - Herreweghe

Im Garten Gethsemane begegnet uns dann der zweifelnde Jesus. Haben wir das nicht auch schon erlebt? Plötzlich ist man ganz alleine und verlassen, am liebsten würden wir jetzt einen Rückzieher machen. Das Ringen mit dem Für und Wider, welchen Weg gehen wir? Aber um irgendetwas zu erreichen, müssen wir unseren eigenen Weg gehen und uns den Schwierigkeiten stellen. Die Arie mit vorgeschaltetem Rezitativ „Gerne will ich mich bequemen“ ist für mich eines der phänomenalsten Stücke der Matthäus Passion. Es klingt noch sehr trotzig und wenig einsichtig, der gottgewollten Bestimmung zu folgen. Es ist der Punkt, der die Wende aus der mentalen Talsohle markiert.

Was Bach lautmalerich im nächsten Duett „So ist mein Jesus nun gefangen“ mit direkt anschliessendem Chor „Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden“ uns an Bildern bietet, ist an Dramatik und Energie kaum zu überbieten. Herreweghes Collegium Vocale singt uns Naturgewalten, die sonst nur das Filmzeitraffa eines Wolkenbruchs am Ende der Trockenzeit einer Wüstenregion festhalten kann. Wir bekommen die Blitze direkt ins Publikum geschleudert und hoffentlich wird dieser Typ hinter mir getroffen, der ständig mit seinem Armband nervig herumklimpert und laut Bonbons auspackt! –  Schade, knapp daneben.

Der 2. Teil beginnt gleich mit einem solistischen Stolperstein, der Arie und Chor „Ach! Nun ist mein Jesus hin“. Der Altus Robin Blaze hat dann doch ein paar Probleme die stimmlichen Fallen zu bewältigen, auch ist alles weniger geschmeidig und klingt etwas blechern, Entschädigung ist jedoch im Anmarsch. Nachdem sich Chor und Solisten in der weiterführenden Handlung einen Schlagabtausch mit Turbaechören, Chorälen, handlungschwangeren Rezitativen und Arien um Petrus´Verrat liefern, gipfelt die Szenerie in „Erbarme Dich“. So schön sphärisch und innig habe ich diese Arie selten gehört, hier passt das Androgyne des Altus Damien Guillon perfekt, es darf aber auf keinen Fall das grandiose Violinsolo unerwähnt bleiben, das ist ein absolutes Endprodukt und läßt sich schon nicht mehr verbessern. Annähernd exemplarischen Charakter hat auch die  Arie “ Komm süßes Kreuz“, phantastisch der Gambist, der mit seinem Solopart auch „ein Kreuz hat“, ich höre bis vorne sein angestrengtes Stöhnen.

Philharmonie Essen: Collegium Vocale Gent - Herreweghe

Die Begeisterung der Wissenschaft für die Arie mit Rezitativ „Jesus hat die Hand“ konnte ich nie nachvollziehen, ich bekam nie Zugang,  ist ziemlich abgehoben, hatte der Meister vielleicht beim Komponieren bewußtseinserweiternde Drogen genommen, weil der gesamte Charakter des Stücks irgendwie nicht zu dem eher menschlich-bodenständigen Rest passen will?  Bei dieser Aufführung habe ich das erste Mal gefühlt, ich erahne die Bedeutung, Jesus könnte bereits in einer Zwischenwelt sein! Nach Jesu Tod hustet jemand leidenschaflich in die kontemplative Stille, so dass sogar das Orchester peinlich berührt herüberschaut.

Der Bass Stephan MacLeod, der bereits den Hohepriester und Judas gesungen hat, war mir stimmlich vorher gar nicht so sehr aufgefallen, aber in Arie und Rezitativ „Mache Dich mein Herze rein“ ist er großartig, alles mutiert zu einem am liebsten niemals endenden Wiegenlied. Alle vorherigen Spannungen fallen ab, das Kämpfen um das irdische Leben weicht einer (scheinbar) unumkehrlichen Tatsache, Jesus ist gestorben. Bach ist aktuell, der Tod Jesu kann für viele Tiefpunkte in unserem Leben stehen, aber in einer Welt, wo jemand den Tod überwindet, da ist alles möglich. Danke für diesen phantastischen Abend Herr Herreweghe. In diesem Sinne:

Per Aspera ad Astra

mit österlichen Grüßen, Claudia

P.S. Die vertonte Version wird morgen, am Karfreitag, 02.04.2010 um 21.00 Uhr aus der Philharmonie Köln auf 3SAT ausgestrahlt, Barbara danke für den Hinweis.

RUHR2010 Teil VIII: Ruhrpott aktiv und hautnah


 

Unterwegs im Ruhrpott kann man natürlich sein Programm mit dem Auto abarbeiten, aber dabei geht ein für mich besonders wichtiger Aspekt verloren: Natur und Ökologie im Ruhrgebiet, die mir auch sehr am Herzen liegt. Durch die Reoccupation der ehemaligen Industrieareale durch die Natur, entsteht ein weiterer Reiz dieser Region, der auch immer wieder unterschätzt wird.

Von den Naturfreunden Wuppertal unter der Leitung von Wolfgang Weil, der ein guter Freund von mir ist, werden verschiedene Radtouren angeboten, die durch wirklich schöne Landschaften des Ruhrgebiets führen und somit den Teilnehmer mit allen Sinnen an dieser Kulturlandschaft teilnehmen läßt. Es ist ein Rundumkulturprogramm, das keine Wünsche offen läßt: Neben Besichtigungen historischer Bauwerke, Industriekultur und Ergebnissen des Strukturwandels werden auch soziologische und ökologische Aspekte behandelt. Immer liegen am Wegesrand Burgen, Schlösser oder neue moderne Bauten, die ins Staunen versetzen. Dazu kommen wirklich nette Leute, die alle sehr aufgeschlossen sind. Die Touren sind auch für ungeübte Radfahrer relativ gut zu bewältigen, da die Besichtigungen reichlich Pausen bieten, dazu kommt der unschlagbare Unkostenbeitrag von 12,- Euro pro Person (für Naturfreunde 3,-Euro).

Nachstehend kann das PDF-Programm für die Ruhrtouren und die Touren zur Renaturierung der Emscher runtergeladen werden.

 

Exemplarisch stelle ich Euch hier eine Tour von Herne nach Dortmund vor:

Akademie Mont Cenis (Stadt der Zukunft – ganz unter Glas): Sitz der Fortbildungsakademie des dt. Innenministeriums. Bis 1978 wurde hier fast 100 Jahre Kohle abgebaut, die Zeche wurde danach jedoch abgebrochen. Entstanden ist hier ein Wohn- und Bildungsprojekt, das energetisch völlig autark ist. Es herrscht im Innern eine gleichbleibende Temperatur, die Energie liefert ausschliesslich die Sonne. Der Park um Mont Cenis ist nicht ein importiertes Forum Romanum, sondern eine bewußte Gestaltung mit Elementen des Schwerindustriezeitalters. Die Ähnlichkeit mit antiken Ruinen und die Ehrfurcht davor ist vorhanden und sicherlich gewollt.

Akademie Mont Cenis

Siedlung Teutoburgia: Die Zeche Teutoburgia wurde 1925 wegen Unwirtschaftlichkeit stillgelegt.

Im Ortsteil Börnig findet man heute die unter Denkmalschutz stehende und komplett im Originalstil restaurierte Siedlung Teutoburgia. Keines der 136 Gebäude gleicht dem anderen, und doch bilden sie alle zusammen eine harmonische Komposition.
Als Werkssiedlung für die Zeche Teutoburgia zwischen 1909 und 1923 gebaut, schien die Zukunft ähnlich trist wie die der bereits 1925 stillgelegten Zeche. 1988 begann die VEBA, die Siedlung in Schuss zu bringen und die Fassaden detailgetreu zu rekonstruieren. 1998 erstrahlten die Häuser mit ihren rund 530 Wohneinheiten im neuen Glanz. Teutoburgia hat den Aufstieg zur Villengegend geschafft.
 

Siedlung Teutoburgia

Kunstwald Teutoburgia: Auf dem Hauptplatz dehnt sich neben einer alten Platanenreihe eine mit Wegen durchschnittene Grünfläche aus, eine Art Blumenbeet. Im „klingenden Duftgarten“ verströmen Minze, Kamille, Lavendel und heimische Wildstauden einen angenehmen Geruch. Zum optischen und olfaktorischen Erlebnis kommt noch ein akustisches: Aus vier Holzpodesten erklingt sphärische Musik, die „Windmelodie aus der Tiefe“.

Das Foto zeigt einen Wanderer, der eine Mauer überschreitet. Sinnbild für den Aufbruch der Region.

Zeche und Gewerbepark Erin: Von 1867-1983 förderte diese Zeche, ihr Name rührt vom Gründer, der irischer Landsmann war, ERIN ist die lateinisierte Form von Irland. Zu der Zeche gehört heute eine renaturierte Landschaft mit einem Gewerbepark und es vermittelt den Eindruck von harmonischem Miteinander. Die Aufgabenstellung für Harmonie von Wachstum, Kapitalismus und der Natur bleibt weiter aktuell.

Gewerbepark und Zeche Erin

Zeche Zollern II (schönste Zeche des Ruhrgebietes, das ist wieder was für Iris)Prunkvolle Backsteinfassaden und opulente Giebel mit Zinnenkranz und Ecktürmchen rund um den grünen Ehrenhof erinnern auf den ersten Blick eher an eine Adelsresidenz als an eine Schachtanlage, auf der Kohle gefördert wurde. Genau dies war Teil der Bauidee. Heute ist das „Schloss der Arbeit“ im Westen Dortmunds zweifellos eines der schönsten und außergewöhnlichsten Zeugnisse der industriellen Vergangenheit in Deutschland. Kaum vorstellbar, dass der Bau in den 60er Jahren für den Bau einer Schnellstrasse abgerissen werden sollte. Eindrucksvoll das Konzept der Anlage, sowie ein Jugendstiltor (war mal auf einer Briefmarke). Der Erhalt von Zeche Zollern markiert den Startschuss für die Denkmalpflege der Industriekultur in Deutschland.

Zeche Zollern II

Das Haus Bodelschwingh ist ein Wasserschloss und wurde im 13. Jahrhundert von der Familie von Bodelschwingh errichtet und befindet sich bis heute im ursprünglichen Familienbesitz.Das Schloss Bodelschwingh ist neben dem Wasserschloss Haus Dellwig und dem Wasserschloss Haus Rodenberg die größte und bedeutendste Wasserburg in Dortmund. Die gesamte Schlossanlage ruht auf Eichenholzpfählen.

Schloss Bodelschwingh im Dortmunder Norden

Kokerei Hansa (Führung: ein Highlight der Industriekultur): Die Kokerei besteht hauptsächlich aus dem Bestand von 1928 und der besondere Reiz liegt in der Ökologie,  verschiedene, auch geschützte Pflanzen siedeln sich hier an. Ein gefluteter Lagerraum mutiert zum Feuchtbiotop.

Führung auf der Kokerei Hansa

Bis bald und Fortsetzung folgt. Claudia