Danach war Welser-Möst in Winterthur und Lausanne in der Schweiz und in Norrköping in Schweden engagiert. Eine enge Beziehung verbindet ihn mit dem Brucknerfest in Linz, wo er regelmäßig dirigiert. International machte er 1986 auf sich aufmerksam bei einem Konzert mit dem London Philharmonic Orchestra. In der Folge wurde er von 1990 bis 1996 Musikdirektor dieses Orchesters. Er arbeitet weiterhin mit führenden Orchestern und Opernhäusern in Europa zusammen, u. a. in Berlin und Wien.
Von September 1995 bis 2002 war er Musikdirektor an der Oper Zürich. Anschließend übernahm er dort den Posten des Chefdirigenten bis 2005 sowie von 2005 -2008 den des Generalmusikdirektors. In dieser Zeit hat er in Zürich mehr als 40 verschiedene Opern dirigiert, von denen eine Vielzahl auch auf DVD veröffentlicht wurde. Mit dem Orchester des Opernhauses Zürich tritt Franz Welser-Möst in namhaften Konzertsälen und Opernhäusern in London, Paris, Tokio und weiteren Metropolen auf. Mit dem Orchester und Chor der Oper Zürich nahm Franz Welser-Möst im Mai 2006 an einem Pontifikalamt von Papst Benedikt XVI im Vatikan zur Feier des 500. Geburtstages der Schweizer Garde teil.
Seit 2002 ist er musikalischer Leiter des weltberühmten Cleveland Orchestra/USA, 2008 wurde sein Vertrag bis 2018 zur Jahrhundertfeier des Orchesters verlängert Das Orchester pflegt eine enge Zusammenarbeit mit der Carnegie Hall New York, dem Wiener Musikverein und dem Lucerne Festival in Form von regelmäßigen Residenzen. In 2008 hatten sie eine Residenz bei den Salzburger Festspielen inne, bei denen sie fünf ausverkaufte Aufführungen von Rusalka sowie drei Konzerte spielten. Das Jahr 2007 markierte den Beginn einer 10-Jahres Residenz in Miami. Die Saison 2010/11 beinhaltete Konzerte von Franz Welser-Möst und dem Cleveland Orchester in der Carnegie Hall und der Suntory Hall in Japan, und in 2011 beginnt eine zweijährige Residenz im New Yorker Lincoln Center Festival. Mit dem Cleveland Orchester hat er elf Uraufführungen und 14 amerikanische Erstaufführungen dirigiert. 2009 leitete er eine Produktion von Le nozze di Figaro, welche die Operntraditionen des Cleveland Orchester erneuerte. Die Serie der Mozart/ Da Ponte Opern wurde in 2009/10 mit Cosi fan tutte fortgesetzt und schloss in 2010/11 mit Don Giovanni ab.
Am 1. September 2010 trat Franz Welser-Möst, der bereits 2007 für diese Position designiert worden war, sein Amt als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper an. Seine lange Partnerschaft mit dem Haus beinhaltet gefeierte Aufführungen von Wagners Tristan und Isolde; während der Spielzeit 2007/8 und 2008/9 erarbeitet er eine Neuproduktion von Wagner’s Ring des Nibelungen mit dem Regisseur Sven-Eric Bechtholf. Seine erste Spielzeit als Generalmusikdirektor begann mit einer von Kritikern hochgelobten neuen Produktion von Hindemiths Cardillac – ebenfalls unter der Regie von Bechtholf – und setzt, neben anderen Aufführungen, mit einer neuen Produktion von Janaceks Katja Kabanowa fort.
In den letzten Jahren hat Franz Welser-Möst eine zunehmend enge Partnerschaft mit den Wiener Philharmonikern entwickelt. 2011 dirigierte er das gefeierte Neujahrskonzert des Orchesters, in 2010 leitete er das jährliche Sommernachtkonzert im Schloss Schönbrunn und dirigierte das Orchester in der Suntory Hall in Tokyo. In 2009 trat er mit den Wiener Philharmonikern bei den Salzburger Festspielen, dem Luzern Festival, bei den BBC Proms in London und bei einem Festkonzert im Wiener Musikvereinssaal zum 150. Jubiläums des Wiener Singvereins auf.
In den Vereinigten Staaten hat er das New York Philharmonic, das Boston und das Chicago Symphony, das Philadelphia und das Cleveland Orchestra und das Los Angeles Philharmonic dirigiert. In Europa ist er mit dem Bayerischen Rundfunk, den Wiener Philharmonikern, dem Orchestra Filarmonica della Scala und dem Concertgebouw Amsterdam dem Gustav Mahler-Jugendorchester aufgetreten. Sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab er im Januar 2002. Bei den Proms 2000 dirigierte er eine Aufführung von Schmidt “Das Buch mit sieben Siegeln.”
Franz Welser-Möst hat mit EMI Classics einen Exklusivvertrag. Seine Aufnahmen, sowohl für CD als auch DVD, wurden mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter sind der Gramophone Award, der Diapason d’Or, der Japanese Record Academy Award und zwei Grammy Nominierungen. Die jüngste DVD Erscheinung ist Bruckners Symphonie Nr. 8 mit dem Cleveland Orchester, mit dem er schon Bruckners Symphonie Nr 5,7 und 9 aufgenommen hat. Weitere DVDs sind Der Rosenkavalier, La Bohème, Fierrabras, Don Giovanni und Peter Grimes vom Opernhaus Zürich. Jüngste CD Veröffentlichungen beinhalten eine Live Aufnahme von Beethovens Sinfonie Nr. 9 mit dem Cleveland Orchester und ein Wagneralbum mit Measha Brueggergosman.
Franz Welser-Möst ist ein Ehrenmitglied des Wiener Singvereins. Er wurde von der Zeitschrift Musical America im Jahre 2003 zum Dirigent des Jahres gewählt, und er ist der Co-Autor von Kadenzen: Notizen und Gespräche, erschienen 2007.
Vorab ist ein weiteres Konzert in St. Michaelis zu hören:
Donnerstag, 18. August 2011, 20 Uhr
„O quam Pulchra es“ Ensemble Marescotti
Werke von Monteverdi, Schütz u.a.
Eintrittspreise: 15 EUR (erm. 10 EUR)
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Alessandro Scarlatti (1660-1725)
Alessandro Scarlatti: Marienvesper:
Pietro Alessandro Gaspare Scarlatti (* 2. Mai 1660 in Sizilien (entweder Trapani oder Palermo); † 24. Oktober 1725 in Neapel) war ein Komponist des Barock mit vielfältigem Oeuvre und gilt als Erneuerer der Barockmusik. Er war Vater von neun Söhnen, darunter die ebenfalls als Komponisten bekannt gewordenen „Domenico Scarlatti“ und „Pietro Filippo Scarlatti.“
Das Material zum diesem einzigartigem Einblick in die Welt des Barocks, wie die „Marienvesper“ es bietet, vereint Kompositionen, die im neuen und alten Kompositionsstil der Zeit gehalten sind. Dabei ist Scarlatti ein Meister darin, den Psalmtexten des alten Testamentes ein ausdrucksstarkes musikalisches Gewand zu verleihen. Als berühmter Opernkomponist der Zeit verstand Scarlatti es besonders, einfühlsam und tonmalerisch den Psalmtexten nachzuspüren. Arien, Kanons und Ansätze der Doppelchörigkeit prägen das Werk.
Der gebürtige Frankfurter Andreas Martin, aufgewachsen in einer Familie von Musikern und Malern, begann seinen musikalischen Werdegang mit der Laute & Gitarre bei Prof. Dr. Mario Sicca an der Musikhochschule Stuttgart und bei Ruggero Chiesa am Konservatorium „Giuseppe Verdi“ in Mailand.
Ergänzend widmete er sich dem Studium der Anglistik, Romanistik und Philosophie an der Universität Heidelberg. Sein starkes Interesse an Renaissance- und Barockmusik führten ihn schließlich an eines der renommiertesten Institute für Alte Musik – die Schola Cantorum Basiliensis, wo er bei Eugen Dombois, Hopkinson Smith und Peter Croton das Studium der Laute aufnahm. Dort besucht er auch Meisterkurse bei Interpreten wie Emma Kirkby, Anthony Rooley und Nigel North.
Heute wird Andreas Martin von der Fachpresse zu den renommiertesten Lautenisten gezählt. Seine Konzerttätigkeit führt ihn in viele Länder.
Neben Auftritten in der Londoner Wigmore Hall, beim Festival du Musique Baroque in Beaune oder im Théatre Chatelet Paris sind seine Solokonzerte beim Festival für Alte Musik in Barcelona, beim Europabachfestival der Neuen Bachgesellschaft Leipzig in Paris und bei BBC in Wales in der Reihe „A Bach Christmas“ hervorzuheben. Weitere Engagements führten ihn nach Kanada zu Solo – Rezitalen beim Bach – Festival Montréal unter der künstlerischen Leitung von Kent Nagano.
Ergänzende Projekte beinhalteten einen Konzertmitschnitt des Bayerischen Rundfunks anlässlich eines Rezitals der Reihe „Musica Antiqua“ im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und eine Tournée durch das Baltikum.
Aktuell sind Auftritte bei der Semana de Música Religiosa in Cuenca (Spanien), dem Musikfest Stuttgart und dem Festival des Musiques Sacrées de Québec (Kanada) hervorzuheben.
Martin ist regelmäßig Gast bei Fernseh- und Radiosendern wie SWR, HR, Bayern Klassik 4, BBC und ARTE.
Nach Jahren der intensiven künstlerischen Zusammenarbeit mit dem Countertenor Andreas Scholl, den Martin bei zahlreichen Rezitalen begleitete und mit dem er eine viel beachtete Aufnahme mit englischen Lautenliedern realisierte („English Folksongs and Lutesongs“, harmonia mundi france), widmet sich Martin nun seit einigen Jahren verstärkt dem Solo – Repertoire für die Laute.
Seine aktuelle CD, die den Werken Johann Sebastian Bachs gewidmet ist („J.S.Bach – Werke für Laute“, harmonia mundi france), wird von der internationalen Kritik als neue Referenzaufnahme der Bach – Lautensuiten gerühmt und wurde neben anderen Auszeichnungen mit der höchsten Bewertung der Zeitschrift „Goldberg“ prämiert.
Andreas Martins künstlerisches Anliegen ist es, im Rahmen von kommentierten Konzerten die klassische Barriere zwischen Künstler und Publikum abzubauen und die verschiedenen Rollen von Conférencier und Interpret in einer Person zu vereinen.
Kultursender der ARD bis auf BR-klassik
20-22:30
Bachwoche Ansbach Johann Sebastian Bach:
„Geist und Seele verwirret“, BWV 35;
„Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“, BWV 170;
Reinhard Keiser:
Concerto D-dur; Jan Dismas Zelenka: „Hipocondrie“
Freiburger Barockorchester
Violine und Leitung: Petra Müllejans
Solisten: Andreas Scholl, Countertenor; Karl Kaiser, Flöte; Wolfgang Zerer, Orgel
Aufnahme vom 2. August 2011
.
radio clásica, Spanien 20-22 Semana Bach de Ansbach. Transmisión directa desde la Iglesia de San Juan de Ansbach, Alemania. BACH: Ofrenda musical, BWV 1079. J. Savall (vla da gamba), Le Concert des Nations. Dir.: J. Savall. (auch 11.8. – Radio4 NL)
.
11.8.
. radio4-NL
19-23 Le Concert des Nations o.l.v. Jordi Savall, viola da gamba Bach – Das Musikalische Opfer BWV 1079 opname 4 augustus 2011 (Ansbach Bach Week) anschließend: Nicholas Angelich, piano
Liszt – Années de pèlerinage – troisième année: Italie
opname 7 augustus 2011 (La Roque d’Anthéron)
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Deutschlandfunk
21:05-22:00 A-Cappella-Festival 2011 „Gesang aus den Tiefen der Jahrhunderte“ Armenisch-liturgischer Gesang und traditionelle Lieder über das Licht, Liebesleid und dasLand der Steine
Ensemble LUYS
Aufnahme vom 23.6.11 aus der Evangelisch-reformiertenKirche, Leipzig
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12.8.
. france musique
20-23
Mozart’s La Finta Giardiniera Rosemary Joshua Sandrina
Klara Ek Arminda
Elizabeth Watts Serpetta
Daniela Lehner Ramiro James Gilchrist Contino Belfiore
Andrew Kennedy Don Anchise
Andrew Foster-Williams Nardo
Richard Egarr director & harpsichord
Konzertaufnahme vom 28.6.2011aus dem Theatre de Champs Elysées, Paris, France
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Deutschland Radio Kultur;
12. August 2011; 20:00 – 22:00 Uhr
Johann Sebastian Bach – wiederaufgefunden, wiederhergestellt live aus der Oberkirche Arnstadt
Johann Sebastian Bach
Ouverture D-dur BWV 1068a – hypothetische Urfassung der 3. Orchestersuite
Konzert für Oboe d“amore A-dur – rekonstruierte Urfassung des Cembalokonzerts BWV 1055
ca. 21.00 Konzertpause mit Nachrichten
Johann Sebastian Bach
„O! angenehme Melodei“, Kantate BWV 210a – rekonstruierte Huldigungskantate
Gabriele Hierdeis, Sopran
The Bach Ensemble
Leitung: Joshua Rifkin
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14.8.
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NDR kultur
11-13 Johann Bernhard Bach: Orchestersuite Nr. 4 D-Dur für Streicher und Basso continuo
Johann Joachim Quantz: Flötenkonzert D-Dur
Johann Sebastian Bach:
Violinkonzert E-Dur BWV 1042
Schweigt stille, plaudert nicht, Kantate BWV 211 – Kaffee-Kantate –
Anke Briegel, Sopran / Florian Lohmann, Tenor
Albrecht Pöhl, Bass / Brian Berryman, Traversflöte
Hannoversche Hofkapelle
Konzertmeisterin: Anne Röhrig
Aufzeichnung vom 1. Juli 2011 im Galeriegebäude Herrenhausen
Zum ersten Mal ist die Hannoversche Hofkapelle in diesem Jahr beim Ring Barock des NDR zu Gast.
Anne Röhrig, die langjährige Konzertmeisterin der Hannoverschen Hofkapelle, wird das Konzert vom Konzertmeisterpult leiten und übernimmt den Solopart in Johann Sebastian Bachs Konzert E–Dur für Violine, Streicher und Basso continuo.
Der „Coffee“ ist nichts für kleine Mädchen? Albrecht Pöhl (Bariton), Anke Briegel (Sopran) und Florian Lohmann (Tenor) beweisen in der sogenannten „Kaffee–Kantate“ von Johann Sebastian Bach, dass schon vor 300 Jahren ein gewisser Starrsinn und ein koketter Augenaufschlag der Töchter die Autorität der Väter zum Schmelzen brachte.
Ein Cousin 2. Grades von Johann Sebastian Bach, Johann Bernhard Bach der Ältere, muss sich vor dem Genius seines Anverwandten mit seinen vier Orchestersuiten durchaus nicht verstecken. In diesem Konzert wird die Orchestersuite Nr. 4 in D–Dur zu hören sein.
Als „Hannoversche Erstaufführung“ könnte man das Konzert D-Dur für Flöte, Streicher und Basso continuo von Johann Joachim Quantz bezeichnen. Er schrieb als Hofkomponist und Flötenlehrer Friedrichs des Großen eine große Zahl dieser hochvirtuosen Konzerte: Brian Berryman, Traversflöte, ist der Solist in diesem Feuerwerk der Flötenkunst.
Ich habe das Konzert „in natura“ gehört – große Klasse. ich hoffe, das kommt bei der Sendung auch zum Ausdruck.
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 07.08.2011 begehen wir den – 7. „Sonntag nach Trinitatis“
Der 7. Sonntag nach Trinitatis geht nun auch auf die körperlichen Bedürfnisse des Menschen ein, wobei die Symbolhandlung des Abendmahls allerdings auch eine wichtige Rolle spielt. Jesu Handeln in unserem Leben macht uns frei von irdischen Bedürfnissen dadurch, dass wir sie immer erfüllt bekommen, indem wir teilhaben am Brot des Lebens. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als „Sakramentssonntage“ bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in ihrer Bedeutung für das Leben des Christen gedacht. Durch die Erzählung von der Speisung der 5000 erfahren wir am 7. Sonntag nach Trinitatis, wie wunderbar Gott für uns Menschen durch die Gaben seiner Schöpfung sorgt. So können wir auch getrost darauf sehen, dass unser Nächster genug zu essen hat, und von unserem Reichtum abgeben, weil wir wissen, dass der Herr uns speisen wird, wenn wir selbst einmal Not leiden.
„Es wartet alles auf dic“, BWV 187, Kantate zum 7. Sonntag nach Trinitatis für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;
Sandrine Piau, Sopran; Bogna Bartosz, Alt; Klaus Mertens, Bass;
Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman
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/YouTube: BWV 186 –
„Ärgre dich, o Seele, nicht“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 107 – BWV 186 und BWV 187
von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Kantaten für den 7. Sonntag nach „Trinitatis“
(Aufführungs-Ort: St. Mary’s Haddington am 5. und 6. August 2000)
Gardiner – Ausführungen zum BWV 186 – „Ärgre dich, o Seele, nicht“
Kantaten für den siebten Sonntag nach Trinitatis:
Alle drei Bach-Kantaten für diesen Tag (BWV 186, 187 und 107) haben meisterhafte Anfangssätze. Keiner ist besonders bombastisch oder festlich, doch jeder auf seine ganz eigene Weise ausdrucksvoll. Diesmal verwendet Bach Pastelltöne statt Grundfarben. Kernstück von
BWV 186 „Ärgre dich, o Seele, nicht“ – ist die Anweisung an die Seele, nicht ärgerlich zu sein, wenn sie sieht, dass das ‚allerhöchste Licht (…) sich in Knechtsgestalt verhüllt’. Das war im 18. Jahrhundert der Kernpunkt in der Kritik der Rationalisten am Christentum: Die Vorstellung von einem Christus als Schöpfer und einem Christus in majestätischem Glanz konnte man tolerieren, doch Christus gedemütigt und erniedrigt durch Armut und Leid – das war für sie offenbar unbefriedigend und in Wahrheit ja auch lächerlich. Das mag uns heute merkwürdig erscheinen, aber zu Bachs Zeiten war es eine lebenswichtige Frage. Bach vertrat natürlich die lutherische Richtung, und schon in den einleitenden Worten des Chors geht er daran, uns durch eine Reihe sich steigernder Dissonanzen einen Eindruck davon zu vermitteln, auf welche Weise die verärgerte Christenseele mit sich zu Rate geht. Doch wie so oft in den Kantaten, die wir bisher aufgeführt haben, gewinnt man den Eindruck, dass das zusätzliche Verständnis, das uns Bachs Musik von den Texten verschafft, ein ganzes Stück über das verbal Geäußerte hinausgreift und seinen eigenen Weg geht.
Nehmen wir zum Beispiel, wie er dieses einleitende Motto des Chores fortführt, wie er abwechselnd jede Stimme zu demselben Text durch einen einfachen Kunstgriff, drei aufsteigende Noten im Sprechrhythmus, deren dritte ein Vorhalt auf dem Dominantakkord ist, mit einem Fugenthema in Führung gehen lässt. Das gibt der Musik die genau richtige, vorwärts treibende Kraft, wobei die harmonische Spannung des dreinotigen Incipits innerhalb eines längeren achttaktigen Absatzes hin und her wogt. Es lässt sich schwer sagen, was der tröstenden Stimmung mehr Eloquenz gibt, die instrumentalen Linien (Streicher durch Rohrblattinstrumente verdoppelt) oder die Chorstimmen. Formal gesehen ist dieser Satz unkonventionell – in der Weise, wie zum Beispiel die Verschachtelung der fugierten Abschnitte des Chors wie ein Gegenthema zu dem teilweise wiederkehrenden Hauptthema wirkt, das stets vom Orchester gespielt wird. In einem ABABA-Schema weist Bach den zweiten Teil (B) seinem Chor zu (‚Gottes Glanz und Ebenbild, sich in Knechtsgestalt verhüllt’), wobei den zuerst einsetzenden Sopranstimmen die drei übrigen, homophon geführten Stimmen antworten, die als Stütze nur ein Continuo haben – der erste deutliche Hinweis darauf, dass diese Musik als eines der früheren Werke in Bachs Weimarer Jahren entstanden ist.
Es bedarf nicht sehr großer Phantasie, hier das Flehen der Viertausend in der Wüste zu entdecken, die nach körperlicher und geistlicher Nahrung verlangen, was das Thema des hier vertonten Textes aus dem Evangelium ist (Markus 8, 1–9). Diese flehenden Gesten finden erneut Ausdruck in dem Arioso, mit dem das erste Bass- Rezitativ endet: ‚Ach Herr, wie lange willst du mein vergessen?’ Es könnte fast ein Entwurf sein für eine der großen Vertonungen der Passion. Der Bass erweitert diesen Hilfeschrei in seiner Arie mit Continuo (Nr. 3), wo er die zweifelnde Seele auffordert, sich nicht von der Vernunft ‚bestricken’ zu lassen, denn: ‚Deinen Helfer, Jakobs Licht, kannst du in der Schrift erblicken’. Wiederum in einem Rezitativ, das einem Arioso Raum gibt, verbreitet sich der Tenor über den Wert des heiligen Mannas: ‚Drum, wenn der Kummer gleich das Herze nagt und frisst, so schmeckt und sehet doch, wie freundlich Jesus ist’.
Es erweitert sich zu einer Arie, in der von den ‚Gnadenwerken’ des Heilands die Rede ist, die kraftvoll genug sind, ‚den schwachen Geist zu lehren’, und ‚dies sättigt Leib und Geist’. Wir haben Beweise, dass diese Kantate tatsächlich als sechssätziges Werk (BWV 186a) für den Dritten Adventssonntag 1716, auf einen Text von Salomo Franck, in Weimar entstanden ist. Da Bach sie wegen des Tempus clausum, der Zeit vom zweiten bis vierten Adventssonntag, in der nicht gesungen werden durfte, nicht verwenden konnte, beschloss er, sie früh in seinen ersten Leipziger Kantatenjahrgang aufzunehmen, und zwar als zweiteilige Kantate in elf Sätzen für den Siebenten Sonntag nach Trinitatis. Das bedeutete, dass wegen der veränderten Position des Werkes in der Liturgie des Kirchenjahres im Hinblick auf die Form einige wesentliche Änderungen notwendig wurden: Anpassungen der Arientexte und drei neue Rezitative (die vier Arien folgten vorher direkt aufeinander). Außerdem beschloss Bach, beide Teile mit jeweils einem Chor zu beenden, bei deren Komposition er auf die Verse 12 und 11 des Chorals ‚Es ist das Heil uns kommen her’ von Paul Speratus aus dem Jahr 1523 zurückgriff, die er bereits einer der Kantaten der letzten Woche zugrunde gelegt hatte (BWV 9).
Wenn Teil I dieser Kantate betont, dass die wahre Quelle des Glaubens in der Schrift zu finden sei, so wird in Teil II, wie Eric Chafe sagt, ‚der Gedanke der Glaubensbahn um die Vorstellung ergänzt, wie der Glauben zu leben sei – als Leben unter dem Kreuz gewissermaßen’. Wie in BWV 170 Nr. 3 in der vergangenen Woche beginnen wir unseren Weg in einer Welt, in der alles auf den Kopf gestellt ist, diesmal mit einem mächtigen Bass-Accompagnato, das die Welt als ‚große Wüstenei’ beschreibt (‚der Himmel wird zu Erz, die Erde wird zu Eisen’). Dieser Welt wird als scharfer Kontrast ‚Christi Wort’ entgegengestellt, das ‚ihr [der Christen] größter Reichtum’ ist (Salomo Franck war in Weimar Leiter des herzöglichen Münzkabinetts und Numismatiker, was eine Erklärung für seine Vorliebe für Vergleiche mit Münzen und Metallen ist). Bach hält, in Anlehnung an Franck, diese Antithese den ganzen zweiten Teil hindurch aufrecht, zwischen dem ‚Jammertal’ des gegenwärtigen Lebens und der Freude und Erfüllung im Leben ‚nach vollbrachtem Lauf’.
Das bringt er in einer Reihe lebhafter musikalischer Gesten zum Ausdruck – zum Beispiel den absteigenden Tetrachord-Arpeggien des Continuos in der Sopran-Arie (Nr. 8), stellvertretend für ‚die Armen’, die Gott ‚umarmen’ will, während die Violinen einen ausgedehnten chromatischen Aufstieg bewältigen. Eine in verschiedene Richtungen verlaufende Bewegung kennzeichnet auch die instrumentalen Linien in den identischen Chorälen, die beide Teile beschließen (Nr. 6 und 11), mit aufsteigenden Oboen und absteigenden Violinen in plänkelndem Wechselspiel, ein musikalisches Äquivalent zu der Antithese zwischen Drangsal und Hoffnung, die im Text zum Ausdruck kommt. Wie so oft spielt sich sehr viel mehr unter der Oberfläche der Musik ab, als es auf den ersten Blick scheinen mag – eine (absichtliche?) Spannung zwischen musikalischen Figuren und dem zugrunde liegenden ‚Affekt’ und, ebenfalls ohne Zweifel, auch ein numerologischer Aspekt, wie zum Beispiel die merkwürdige dreizehntaktige Form des Duetts für Sopran und Alt (Nr. 10) zeigt, eine Gigue in c-moll mit vollständiger Oboen- und Violinengruppe, in der die entscheidende Anweisung (‚Sei, Seele, getreu!’) bis zu den letzten beiden Takten aufgespart wird.
Da die neuen Leipziger Stimmen (seit 1906) dieser überarbeiteten Kantate verloren sind, ergeben sich verschiedene Probleme, zum Beispiel was die tiefen B in der Continuobegleitung von Nr. 9 betrifft: War das ursprünglich der Part eines basse de violon, dessen tiefe Saite auf B gestimmt war? Dann die Tonlage und Instrumentierung der Tenor-Arie (Nr. 5) – Oboe da caccia in der Weimarer Version, doch in der autographen Partitur für die Leipziger Wiederaufführung als ‚Oboe und Violinen I & II’ ausgewiesen. Dürr und Kubik empfahlen beide eine Transposition um eine Oktave nach oben, was unwahrscheinlich und unbefriedigend erscheint: Sie schiebt die Oboe an ihre Obergrenze (Es) und trennt Singstimme (Tenor) und Obligato durch eine sehr viel größere Folge von Intervallen, als sie uns bisher begegnet sind. Daher haben wir die ursprüngliche Tonlage beibehalten und die Oboe da caccia mit Violinen und Bratschen verdoppelt, und das Ergebnis war recht schön.
Jochen Kowalski wurde am 30. Januar 1954 in Nauen/Brandenburg geboren und wuchs Wachow / Brandenburg auf. Nach dem Abitur begann er seine Karriere im Requisitenkeller der Deutschen Staatsoper Unter den Linden. Als Requisiteur lernte er hier von der Pike an, was Oper bedeutet.
1977 bis 1983 besuchte er die Musikhochschule Hanns Eisler Berlin, Fach Tenor. Noch als Student wirkte er 1981 in der damaligen ersten Inszenierung des neuen Chefregisseurs Harry Kupfer an der Komischen Oper, Berlin, – Die Meistersinger von Nürnberg – mit. Seit dieser Zeit arbeitet er mit der Gesangslehrerin Marianne Fischer-Kupfer, die die Begabung für das männliche Altusfach entdeckte und förderte.
“Entdeckt” wurde er während des Gesangstudiums (als Tenor) an der Ostberliner Musikhochschule, als er für eine Kommilitonin beim Vortrag der für eine Alt-Stimme geschriebene Orpheus-Arie “Ach, ich habe sie verloren” von Christoph Willibald Gluck einsprang. Nach der Ausbildung gelang ihm an der Komischen Oper Berlin der Durchbruch mit der Titelrolle in Georg Friedrich Händels “Giustino”.
Nach seinem Wiener Debüt in der Rolle des Prinzen Orlowsky in Johann Strauß’ Operette “Die Fledermaus” äußerte Brigitte Faßbaender als vielleicht bedeutendste Darstellerin dieser Hosenrolle: “Jetzt möchte ich den Orlowsky nie wieder singen.”
1994 wurde Jochen Kowalski zum Berliner Kammersänger ernannt. Gastspiele führen ihn durch ganz Europa und in den fernen Osten nach Taiwan und vor allem Japan. Kowalski ist sehr populär in Japan und hat dort inzwischen wohl seine größte und treueste Fangemeinde.
Sein Mitwirken in Oberon; Brittens “A Midsummer Nights Dream” in der Saison 1996/97 an der Met New York war ein weiterer Meilenstein in Kowalskis Karriere
Kowalski ist Mitglied der Komischen Oper Berlin. Von Händel über Schubert bis zu Filmschlagern der 30er Jahre ist Kowalskis Wandlungsfähigkeit zu bewundern.
Im April 2007 trat er mit Partie des Evangelisten in der “Lukas Passion” von C. Ph. E. Bach in der Philharmonie Berlin auf.
Auf vielen Schallplatten-, CD- und DVD-Aufnahmen ist das künstlerisches Schaffen von Jochen Kowalski in seinen unterschiedlichen Facetten dokumentiert, die Inszenierungen von Orpheus und Eurydike, Giustino, Belsazar und die Covent Garden Produktionen von Fledermaus mit Sutherland; Horne und Pavarotti und Mitridate, Re die Ponto wurden im Fernsehen ausgestrahlt.
Für sein künstlerisches Schaffen wurde er mit dem Kulturpreis 1992,1994 mit dem Titel Berliner Kammersänger und 2004 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin geehrt.
Seine Aufnahmen mit Arien von Händel und Mozart sowie die Gesamtaufnahme von Glucks Orfeo ed Euridice erhielten 1988 und 1989 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Die Inszenierung von Orpheus und Eurydike der Komischen Oper wurde in London mit dem Laurence Olivier Award ausgezeichnet.
Hierzu möchte ich auf die von @Barbara angegebene Rundfunksendung hinweisen, die sich mit dem gleichen Thema:
„Mizler ist der große Unbekannte in J.S. Bachs Leben“ befasst.
Sendetermin am 7. August 2011 in Bayern-Klassik um ca. 18:50 Uhr bis 19:15 Uhr im Rahmen der Bach-Übertragung aus Ansbach mit der h-Moll Messe BWV 232 von J.S. Bach.
Ca. 18.50 – 19.15 Uhr: PausenZeichen *) Bachs schillerndster Schüler – der Musiktheoretiker, Philosoph und Arzt Lorenz Christoph Mizler Von Wolfgang Schicker *) Als Podcast verfügbar
Lorenz Christoph Mizler von Kolof (* 26. Juli 1711 in Heidenheim (Mittelfranken); † 8. Mai 1778 in Warschau) war ein deutscher philosophischer Gelehrter, Schriftsteller, Mediziner, Buchhändler, Buchdrucker, Musiktheoretiker, und Musikwissenschaftler.
Lorenz Christoph Mizler hat im Jahre 1738 die
„Correspondierende Societät der musikalischen Wissenschaften“
in Leipzig gegründet, der auch Bach 1747 beigetreten ist. Ihr gehörten u.a. Händel, Telemann und Graun an.
BR-Klassik:
Mizler ist der große Unbekannte in Bachs Leben– und doch von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Einige der von ihm komponierten Oden werden in dieser Veranstaltung exklusiv vorgetragen. In Mizler lernen wir nicht zuletzt eine weitere wichtige und direkte Verbindung zwischen Bach und Ansbach kennen!
Ein spannender und inhaltsreichen Artikel zu dem Thema erschien – wie bereits angemerkt – in der SZ am 26.7.2011. Diesen Artikel füge ich nachstehend bei und möchte ihn zum Lesen sehr empfehlen:
Dir liebe Barbara und lieber Wolfgang herzlichen Dank für Eure Informationen zu Bach-Mizler, eine spannende Geschichte über den großen Unbekannten in J.S. Bach’s Leben. Dieser Artikel und die BR-Sendung werden jeden Bach-Freund erhellendes über „Lorenz Christoph Mizler“ eröffnen..!!