die J.S. Bach-Stiftung St. Gallen veröffentlicht auf YouTube ein weiteres Video vierter Satz (aria, duetto soprano e alto) aus der Kantate BWV 93 „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, aufgeführt durch die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Solisten: Miriam Feuersinger (Sopran) und Jan Börner (Altus). Musikalischer Leiter: Rudolf Lutz.
Die J. S. Bach-Stiftung führt innerhalb von rund 25 Jahren das gesamte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach auf. Jeden Monat wird im appenzellischen St. Gallen-Trogen (Schweiz) eine der über 200 Kantaten von Bach gespielt. Sämtliche Konzerte, Workshops und Reflexionen erscheinen auf DVD, die Texte auch in Buchform.
Nächste Aufführungen in St. Gallen-Trogen:.
12.08.2011
19:00 Uhr in St. Gallen-Trogen .BWV 136 „Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz“
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 03.07.2011 begehen wir den – 2. „Sonntag nach Trinitatis“
Der 2. Sonntag nach Trinitatis hat „die Einladung“ zum Thema. Es leitet sich ab vom Evangelium vom großen Abendmahl – der Einladung, die von den Wohlhabenden abgelehnt wird, woraufhin die Einladung an die Außenseiter und Ausgestoßenen ergeht, die sie freudig annehmen. Es geht an diesem Sonntag wohl mehr darum, darüber nachzudenken, wo Gottes Einladung an uns ergeht und wie wir darauf antworten. Die übrigen Perikopen nehmen das Thema in vielfältiger Weise auf.
Am 2. Sonntag nach Trinitatis hören wir die Einladung zum großen Abendmahl und danken Gott, dass er uns durch Jesus Christus teilhaben läßt an seinem Reich. Die Freude über die Einladung macht uns selbst zu Einladenden.
Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Siri Thornhill,
Sopran; Petra Noskaiová, Alt; Christoph Genz, Tenor; Jan van der
Crabben, Bass; La Petite Bande, Leitung: Sigiswald Kuijken
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/YouTube: BWV 10 –
„Meine Seel erhebt den Herrn“ (für Mariae Heimsuchung)
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 2, BWV10 und BWV 76
von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Kantaten für den 2. Sonntag nach „Trinitatis“ (Aufführungs-Ort: Basilique Saint-Denis, Paris, am 2. und 3. Juli 2000)
Gardiner – Ausführungen zum BWV 10 „Meine Seel erhebt den Herrn“ (für Mariae Heimsuchung)
Zwei Wochen nach der ersten Aufführung von BWV 2 am 18. Juni 1724 stellte Bach „Meine Seel erhebt den Herrn“ BWV 10 zum Fest Mariä Heimsuchung vor – das fünfte Werk in seinem zweiten Leipziger Kantatenjahrgang. Er schätzte es hoch genug, um es im Laufe der 1740er Jahre mindestens einmal zu wiederholen. Es war für die Liturgie des Vespergottesdienstes in Leipzig bestimmt, und sein unbekannter Librettist übernahm für die Sätze 1 und 5 das deutsche Magnificat unverändert, während es in den Sätzen 2, 3, 4 und 6 paraphrasiert wird und statt mit einem Choral mit einer Doxologie des Chors endet. Bach findet Mittel und Wege, bei dem unveränderten Text den tonus peregrinus einzuflechten, den in der lutherischen Tradition mit diesen Worten verbundenen Gemeindegesang. Dieser liefert einen faszinierenden Kontrast zu seinem lateinischen Magnificat (BWV 243), das im Jahr zuvor am Weihnachtstag (mit weihnachtlichen Einschüben) aufgeführt worden war.
Wenngleich die Kantate weniger üppig instrumentiert und nicht so offenkundig theatralisch ist, steht sie im Hinblick auf handwerkliches Können und eine umsichtige Ausdeutung der Worte dem Lobgesang in nichts nach. Bachs große Aufgabe besteht hier darin, zwischen dem modalen Charakter des Tonus peregrinus und der festlichen Stimmung des Textes und seinen Vorstellungen, wie sich dieser Überschwang durch Chor und Instrumente ausdrücken ließe, eine praktikable Synthese zu schaffen. Angemessenen rhythmischen Schwung erhält die einleitende (vivace überschriebene) Choralfantasie durch Arpeggien im Stil des italienischen Violinkonzerts in den hohen Streichern und die kraftvolle Deklamation der drei tiefen Chorstimmen. In der zweiten Verszeile wandert der Tonus peregrinus, der nun den Altstimmen übertragen ist, zur Subdominante, bevor Bach die einleitende Sinfonia auf typisch kunstreiche Weise mit den Chorstimmen verflechtet, diesmal jedoch auf den Cantus firmus verzichtet.
Der zweite Satz, eine festliche Sopran-Arie in B-dur im konzertanten Stil behält den rhythmischen Schwung bei und schildert den Herrn als ‚stark und mächtig’. Ein Vergleich der autographen Partitur mit den Originalstimmen lässt vermuten, dass Bach die unisono geführten Oboen, die den vierstimmigen Satz füllen, wenn die Sopranstimme pausiert, erst dann einfügte, als er die Stimmen ins Reine schrieb. Das Tenor-Rezitativ (Nr. 3) steigert sich zu einem Melisma aus sechsunddreißig Noten, um uns jene Leute vor Augen zu führen, ‚die voller Stolz und Hoffart sind’ und die Gottes Hand ‚wie Spreu zerstreun’ wird – was auf die Lippen der Gemeindemitglieder, die sich an das peitschende Motiv des Evangelisten in der Johannes- Passion erinnerten, die sie ungefähr vier Monate zuvor gehört hatten, ein wissendes Lächeln gebracht haben mag. Darauf folgt eine prachtvolle, unerbittliche Arie für Bass, die mit hämmerndem Continuo betont, wie ‚Gewaltige vom Stuhl hinunter in den Schwefelpfuhl’ gestoßen werden, und schließlich auf sinnige Weise schildert, wie Gott die Reichen ‚bloß – und – leer’ lässt. Hier bietet sich ein faszinierender Vergleich mit dem ‚Deposuit’ aus dem lateinischen Magnificat an. Wie im ‚Suscepit Israel’ jenes Werkes verwendet Bach jetzt den (der Trompete übertragenen) Tonus peregrinus als Hintergrund für ein überaus zärtliches und lyrisches Duett zwischen Alt und Tenor (Nr. 5).
Doch vielleicht spart er sich das Beste für den Schluss auf, ein Tenor-Rezitativ (Nr. 6), das secco beginnt und dann von den hohen Streichern mit plätschernden Sechzehnteln begleitet wird. Diese schildern, wie Gottes Same ‚sich so sehr wie Sand am Meer und Stern am Firmament ausbreiten’ musste, und eine Paraphrase der Anfangsworte des Johannesevangeliums (‚das ew’ge Wort ließ sich im Fleische sehen’) beschließt die Kantate mit dem wunderschönen und trostreichen Versprechen, ‚dass Gottes Wort voll Gnad und Wahrheit sei’. Die Doxologie erinnert in der Kraft, mit der Bach den Chor die Worte deklamieren lässt – auf eine Weise, bei der er den Wechsel zwischen betonten und unbetonten Silben im Deutschen besonders geschätzt haben mag – sehr stark an Heinrich Schütz.
Schütz (1585–1672) ist der unbesungene Held, der Monteverdi und Bach verbindet. Er war, so vermute ich, der Kanal für jenen reichen Strom musikalischen Ausdrucks und die nahezu wissenschaftliche Erkundung menschlicher Leidenschaften, der Monteverdi den Weg bereitet hatte, er sorgte dafür, dass sie über Schüler wie Jonas de Fletin an Johann Christoph Bach und von diesem an dessen berühmtem Großcousin weitergegeben wurde. Mehr als jeder andere Barockkomponist erkannte und würdigte Schütz die Rhythmik, die sinnlichen Muster und die rhetorische Kraft der gesungenen deutschen Sprache. Stellt man ihm Bach an die Seite und sieht man sich genauer an, wie dieser seine Texte vertonte, so wird deutlich, dass Bachs Methode nicht immer glücklich war, dem Text aber auch nicht sein Hauptaugenmerk gilt. Bei Bach herrschten andere Prioritäten, doch hatte er sich erst einmal entschlossen, dann bewies er, dass er seinen Text nicht nur sehr prägnant und einfühlsam vertonen konnte, sondern dass er auch ein meisterhafter Rhetoriker war.
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 26.6.2011 begehen wir den – 1. „Sonntag nach Trinitatis“
Der 1. Sonntag nach Trinitatis hat die Apostel und Propheten zum Thema. Gott sendet und wählt einzelne Personen, die er mit einem Auftrag ausstattet. Diese Personen sollen Gottes Botschaft weitertragen. Oft ist diese nicht einfach, sondern anstössig, so dass die Personen immer wieder auf Widerstand stoßen. Dennoch oder eher gerade deswegen gehören Apostel und Propheten zum Gesamtbild des christlichen Glaubens, denn sie helfen, sich auf Gottes Willen zu besinnen. Allerdings muss man sich hüten vor „falschen Propheten“, die den Glauben an die Existenz solcher Menschen mißbrauchen und schamlos ausnutzen.
Am 1. Sonntag nach Trinitatis hören wir im Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus den Hinweis auf die Propheten, die die Lebenden zu hören nicht bereit waren und auch heute oft nicht bereit sind. Auch wir verschließen oft unsere Ohren vor den wahren Propheten und neigen sie gern falschen Propheten zu. Aber das Wort Gottes läßt nicht zu, dass wir gänzlich abirren, sondern holt uns zurück und stellt uns in seinen Dienst. So sind auch wir Gesandte (= Apostel) des Herrn.
Dieser Sonntag hat die Apostel und Propheten zum Thema. Apostel und Propheten, das sind Menschen, die Gott berufen hat, damit sie seine Werkzeuge werden. Das macht sie aber nicht zu besonderen Menschen. Sie sind vielmehr Vorbilder, die uns den Weg zeigen, den Gott für uns bereitet hat; es ist der gleiche Weg, den diese Apostel und Propheten vor uns gegangen sind. Es ist der Weg Gottes, es ist der Weg des Lebens.
Fürchte dich nicht, Motette für 5 Stimmen und Basso continuo;
Monteverdi Choir, Leitung: John Eliot Gardiner
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Johann Sebastian Bach
Die Elenden sollen essen, BWV 75,
Kantate am 1. Sonntag nach Trinitatis
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Carolyn Sampson,
Sopran; Daniel Taylor, Altus; Mark Padmore, Tenor; Peter Kooy, Bass;
Collegium Vocale Gent, Leitung: Philippe Herreweghe
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/YouTube: BWV 20 –
„O Ewigkeit, du Donnerwort“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 20 und BWV 39, 75,
von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Kantaten für den 1. Sonntag nach „Trinitatis“ (Aufführungs-Ort: St Giles Cripplegate, London am 23. bis 26.6.2000)
Der erste Sonntag nach Trinitatis hatte für Bach während seiner Zeit in Leipzig besondere Bedeutung. An diesem Tag begannen seine ersten beiden Kantatenzyklen, die ihm Gelegenheit gaben, sich seiner neuen Gemeinde musikalisch vorzustellen (mit BWV 75) und, genau ein Jahr später, eine neue stilistische Richtung einzuschlagen (mit BWV 20). Mit dem Trinitatisfest begann auch die zweite Hälfte des lutherischen Kirchenjahres, ‚die Zeit der Kirche’ genannt, weil sie sich mit Grundfragen des Glaubens und der Lehre auseinandersetzt, im Gegensatz zu der als ‚Temporale’ bekannten ersten Hälfte vom ersten Adventssonntag bis Trinitatis, die sich auf das Leben Christi, seine Menschwerdung, seinen Tod und seine Auferstehung konzentriert. Die drei uns erhaltenen Kantaten für den ersten Sonntag nach Trinitatis sind höchster Qualität.
Alle drei entnehmen ihr Motto dem Evangelium des Tages, beziehen das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus ein, befassen sich mit dem Streben nach irdischen oder himmlischen Gütern und verwerten Texte aus den Apostelbriefen und der Apostelgeschichte, in denen von der Liebe Gottes und der Notwendigkeit brüderlicher Liebe die Rede ist. Bach behandelt diese Themen in jeder der Kantaten auf verschiedene Weise. Wenn wir sie hier gemeinsam aufführen, vermitteln wir einen faszinierenden Eindruck davon, wie er sich von seiner Phantasie leiten lässt, und zeigen, mit welch virtuoser Meisterschaft er seine facettenreiche musikalische Rhetorik darlegt.
Ausführungen zum BWV 20
Noch eindrucksvoller ist die ein Jahr später komponierte Kantate BWV 20 „O Ewigkeit, du Donnerwort.“
Konfrontiert mit dem verwirrenden und beunruhigenden Thema der Ewigkeit und vor allem der Ewigkeit der Hölle legt Bach ein Feuer an den Tag wie nie zuvor. Der Text erläutert das Paradoxon, dass wir nur auf unser Heil hinarbeiten können, indem wir uns mit dem Hier und Jetzt befassen. Johann Rists Choral von 1642, der insgesamt sechzehn Strophen enthält, ist hier auf zwölf verkürzt, von denen drei wörtlich beibehalten, die übrigen paraphrasiert werden. Das Werk eröffnet Bachs zweiten Jahrgang mit Kantaten, in deren Mittelpunkt ein Kirchenlied steht; das bedeutet eine radikale Veränderung, nicht nur des musikalischen Stils, sondern auch des theologischen Gewichts, das sich nun von der göttlichen Vergebung und Liebe, die in der Epistel angesprochen wird, auf die andere Seite verlagert und die Strenge des göttlichen Gerichtshervorhebt. Furcht – und nicht mehr Trost – ist jetzt das Thema, die Aussicht auf eine Ewigkeit voller Schmerz und Leiden soll den Menschen anspornen, seine Seele zu retten (Nr. 6), da noch in dieser Nacht der Sarg vor die Tür gebracht werden könnte (Nr. 9). Entnimmt Bach sein Stichwort den Apostelbriefen – ‚auf dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts’?
BWV 20 beginnt mit einer kunstvoll gearbeiteten Choralfantasie, die in der Form einer französischen Ouvertüre angelegt ist. Drei Oboen wenden sich gegen die Streicher – beide Gruppen arbeiten eine Taktlänge Sechzehntel heraus, die den Schrecken andeuten, der das Herz bis zum Hals schlagen lässt. Der Cantus firmus ‚O Ewigkeit’ mit aufsteigender Melodie, von der martialischen Tromba da tirarsi verdoppelt, trägt die drei tieferen Stimmen zu einem hohen F hinauf, bevor diese im doppelt punktierten Vortrag der Instrumente zersplittern (‚du Donnerwort’). Im Vivace vereinen sich Oboen und Streicher zu einer Doppelfuge, deren zweite chromatisch absteigt, wie es der Text nahe legt: ‚Ich weiß vor großer Traurigkeit / nicht, wo ich mich hinwende’. Die tieferen Stimmen sind jetzt weiter von der Melodie entfernt, die einige mächtige Gegenakzente aufweist und die Bässe in einer heftig ausladenden Bewegung bei dem Wort ‚Traurigkeit’ nach oben hebt. Unvermittelt kommt das Orchester auf einer verminderten Septime zum Stillstand. Aus der dramatischen Stille heraus werden knappe, Entsetzen erregende Fetzen von den Oboen zu den Streichern und zurück geschleudert, bis schließlich der Chor wieder einsetzt: ‚Mein ganz erschrocken Herz erbebt, / dass mir die Zung am Gaumen klebt’. Der in Fetzen zerrissene Vortrag kennt keine Kompromisse und lässt der Hoffnung keinen Raum. Wir scheinen ungefähr achtzig Jahre vorwärts geschleudert zu werden, in die Welt Beethovens.
Der Tenor setzt die qualvolle Stimmung fort (Nr. 2 und 3) – ‚Ja, wie selbst Jesus spricht, / aus ihr ist kein Erlösung nicht’ – und führt die Angst, die Pein und das angesichts der Höllenqual bebende Herz mit gewaltiger Kraft vor Augen. Bach verwendet als thematisches Material ein buntes Arsenal: lange Noten und sich wellenförmig bewegende Achtel, die auf die Ewigkeit hindeuten, Appoggiaturen, die sich kettenartig über gewundene Figurationen erstrecken und die Angst erkennen lassen, wilde Läufe für die ‚Flammen, die auf ewig brennen’, aufgerissene Fetzen, chromatisch und synkopiert, für das bebende Herz. Jähe Pausen am Phrasenende betonen den Eindruck von Zerrissenheit und Schrecken. Doch diese ausschweifende dramatische Metaphorik ist völlig nahtlos in das Gesamtkonzept integriert.
Der Bass-Solist steigt für Rezitativ und Arie (Nr. 4 und 5) wieder hinauf in seine Kanzel – in unserer Aufführung im wahrsten Sinne des Wortes, da Dietrich Henschel von seinem Platz in der letzten Reihe des Chores mit entschlossenen Schritten auf sein Ziel zusteuerte –, um ein weiteres Mal über das Grauen nachzusinnen, das ‚tausend Millionen Jahr / mit allen Teufeln’ bereithalten. Plötzlich sind wir in der Welt der Opera buffa – besser gesagt, in einer Welt der Enten, davon drei (Oboen) und ein Fagott, die in liebenswürdigem Einvernehmen schnatternd seiner Feststellung ‚Gott ist gerecht’ zustimmen. Die Stimmung scheint entsetzlich aus den Fugen geraten. Haben uns Feuer und Schwefel bislang an der Nase herumgeführt? Oder war das eine List, in der Absicht ersonnen, die Düsternis zu vertreiben – wie bei der Entlüftung eines Heizkörpers, der unter zu hohem Druck steht – und der inzwischen übel zugerichteten Christenseele einen Schimmer Hoffnung zu geben? Dietrich Henschel meinte, Bach wolle hier betonen, dass es wirklich ‚kein Problem’ gebe: Der Gläubige brauche bloß Gott zu vertrauen. Wir könnten fast sehen, wie er sich in seinem Sessel zurücklehnt, seine Lieblingspfeife schmaucht und zufrieden Rauchringe vor sich hin bläst. Indessen lässt sich nur kurze Zeit erleichtert aufatmen. Die sonderbare Fortsetzung, eine Aria (Nr. 6) im Dreiertakt für Alt und Streicher, ‚O Mensch, errette deine Seele’, wird mit einer verstiegenen rhythmischen Verlagerung präsentiert, die zweifellos ‚Satans Sklaverei’ symbolisiert – regelmäßige 3/4-Takte wechseln mit einzelnen oder doppelten Hemiolen. Auf eine noch befremdlichere Weise lässt Bach die zweite Phrase des Sängers nur vom Orchester wiederholen – ein ‚Nachspiel’ mit schweigendem Sänger, dreiundzwanzig Takte lang von insgesamt vierundsechzig. Eine pessimistische, wenn nicht gar alle Hoffnung verneinende Strophe des Chors (Nr. 7) beschließt den ersten Teil: ‚Solang ein Gott im Himmel lebt…, wird solche Marter währen’.
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Am 19.6.2011 begehen wir den Sonntag: „Trinitatis“
Das Wort Trinitatis ist zusammengesetzt aus den lateinischen Worten „Tri“ und „unitatis“, was so viel bedeutet wie „Drei in Einheit“. Es wird damit das theologische Dogma der Dreieinigkeit (die Personen von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist in einem Wesen) zum Ausdruck gebracht. Im Deutschen spricht man dann von der Trinität, die oftmals in Form eines Dreiecks, in dem ein Auge abgebildet ist, zur Darstellung kommt.
Das Trinitatisfest gibt es erst seit etwa 1000 Jahren, wobei es noch über eine längere Zeit Differenzen darüber gab, ob es überhaupt gefeiert werden solle.
Für die protestantische Kirche jedenfalls hat das Trinitatisfest eine größere Bedeutung gewonnen als für die römische Kirche. Es ist das Fest des Glaubensbekenntnisses, und so wurde an diesem Tag das Bekenntnis besonders geehrt durch Gesang und die Verlesung der zwei anderen Bekenntnisse, die nur noch in wenigen Gemeinden gesprochen werden, aber auch zu den Bekenntnisschriften der Lutherischen Kirche gehören: das sog. Nicänum und das Athanasianum.
Nach dem Trinitatisfest beginnt eine Zeit, die oft als die „festlose Zeit“ bezeichnet wird. Das aber trifft nicht zu, denken wir an die verschiedenen Feste wie Johannis, Michaelis, oder das Reformationsfest, ganz abgesehen von den zahlreichen Apostel- und Evangelistentagen in dieser Zeit. Mit dem Trinitatisfest erreicht das Kirchenjahr gewissermaßen einen ersten Abschluß. Während in der 1. Hälfte des Kirchenjahres über die bestimmten Offenbarungen Gottes in der Geschichte nachgedacht wurde, ist Trinitatis das Fest, an dem es um das Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit selbst geht. In der dem Fest folgenden Zeit denken wir darüber nach, wie die christliche Gemeinde den Glauben an diesen dreieinigen Gott in ihrem Leben umsetzt.
Das Trinitatisfest leitet die unberechtigterweise sogenannte „festlose Zeit“ ein. Selbst ist es jedoch ein sehr bedeutendes Fest, geht es bei der Trinität doch um die dogmatische Erklärung zu dem Phänomen der Gottheit Jesu und des Geistes. Während Geister sonst nur Untertanen der Götter sind, wird hier der Geist zur Gottheit erhoben. Viel problematischer für Nicht-Christen ist immer die Behauptung gewesen, dass Jesus Gottes Sohn und damit Gott ist, also keine Sohnschaft im üblichen Sinne. An diesem Sonntag soll diesem Problem nachgegangen werden, wobei freilich grundsätzlich zu sagen ist, dass die Predigt nicht in eine dogmatische Vorlesung verwandelt werden darf. Am Trinitatisfest geht es vielmehr ganz konkret darum, die Vielfältigkeit, in der Gott unter uns Menschen wirkt, zu feiern.
Die Predigttexte gehen alle nicht direkt auf die Dreifaltigkeit ein, da diese erste dogmatisch wesentlich später entwickelt wurde. Nur trinitarische Formeln (wie „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“) tauchen im Neuen Testament schon auf. Am Trinitatisfest denken wir darüber nach, wie sich Gott uns in verschiedenen Gestalten, als Schöpfer im Vater, als Versöhner im Sohn und als Mittler im Geist, offenbart. Dieser Dreifaltigkeit des einen Gottes gehen wir auch im Glaubensbekenntnis nach, ohne recht das unergründliche Geheimnis verstehen zu können. Um so mehr danken wir Gott, dass er uns an diesem Offenbarungsgeschehen auf vielfache Weise teilhaben läßt.
Zacharias-Hildebrandt-Orgel der Kreuzkirche in Strömthal
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Johann Sebastian Bach
Höchsterwünschtes Freudenfest,
BWV 194, Teil 2 der Kantate für Soli,
Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;
Yukari Nonoshita, Sopran; Makoto Sakurada, Tenor;
Jochen Kupfer, Bariton; Bach Collegium Japan,
Leitung: Masaaki Suzuki
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/YouTube: BWV 194 –
„Höchsterwünschtes Freudenfest“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 194 und BWV 129, 165, 176,
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BWV 194
Kantate für „Trinitatis“ (Aufführungs-Ort: St. Magnus Cathedral, Kirkwall am 18.6.200)
Eine prächtige Ouvertüre im französischen Stil leitet BWV 194 „Höchsterwünschtes Freudenfest“ ein. Bach hatte die Kantate vermutlich irgendwann zwischen 1717 und 1723 als weltliches Werk für Köthen komponiert und danach für die Weihe der neuen Orgeln in Störmthal (2. November 1723) adaptiert. Im Jahr darauf verwendete er sie am Trinitatissonntag als Krönung seines ersten Leipziger Kantatenjahrgangs (und später noch einmal zu Trinitatis 1726 und 1731). Mit ihr gibt es ein gewichtiges Problem: die Höhe des Stimmtons. Die Störmthaler Orgel war offensichtlich auf den ‚tiefen Cammerton’ (A = +/–390) gestimmt, beträchtlich tiefer als die Leipziger Orgeln. Wie sonst hätten die Oberstimmen die hohen C im Anfangschor (einzigartig bei Bach) oder der Bass-Solist die zahlreichen Fis und G in seinem Eingangsrezitativ bewältigen sollen? Doch warum hat dann Bach die Kantate für seine Aufführungen in Leipzig nicht nach unten transponiert, so wie wir es tun mussten? Offensichtlich hat er nur ein paar der ganz hohen Noten des Bassisten tiefer gesetzt – und ging ansonsten dem ganzen Problem aus dem Wege.
Von den ursprünglichen zwölf Sätzen verwendete Bach für den Trinitatissonntag nur die ersten sechs. Wie in der Weihnachtskantate BWV 110, für die er die Ouvertüre zur Orchestersuite Nr. 4 benutzt, wartet er mit dem Einsatz des Chores bis zu dem schnellen Mittelteil im Dreiertakt. Statt dann das festliche Entree zu wiederholen – Rohrblattinstrumente zuerst (drei Oboen und Fagott), dann Streicher –, kehrt er den Ablauf um und weist den Oboen die Kaskaden aus Sechzehnteln zu, bevor der Chor zu den abschließenden Jubelklängen ausholt. Die erste der beiden Arien ist für Bass bestimmt und gehört zu jenen ausladenden, pastoralen Sätzen im 12/8-Takt (für Oboe und Streicher), die Bach von Zeit zu Zeit ersann, um seinen Hörern zu versichern, dass Gottes Schutz und Fürsorge (hier sein ‚Glanz’) allgegenwärtig sind; die andere Arie, für Sopran, eine lebhafte Gavotte für Streicher, feiert die reinigende Kraft des Pfingstfeuers.
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Am 12.6. und 13.06.2011 begehen wir das „Pfingstfest“
Das Pfingstfest hat seinen Ursprung im jüdischen Festkalender, wo es zunächst das Fest der Darbringung der Erstlingsfrüchte (2. Mose 23, 16) war. Es wird später als „Wochenfest“ bezeichnet (2. Mose 34, 22) und (wohl erst in nachalttestamentlicher Zeit) 50 Tage (= Pentekoste = Pfingsten) nach dem Passah-Fest angeordnet.
Die Kirche feierte das Fest schon früh als Fest der Ausgießung des Geistes, und bald bekam es eine eigene Vigilfeier, in der nun neben Ostern ein zweiter Ort für Tauffeiern geschaffen war. Zeitweise wurde das Fest auf acht Tage ausgedehnt (Oktav), später dann auf vier bzw. drei Tage verkürzt.
Die protestantische Kirche übernahm dieses Fest, jedoch ohne Vigil. Es ist der Kirche als ein besonderes wichtiges Fest bis heute erhalten geblieben.
An diesem Tag wird zeichenhaft der Wille Gottes zur Versöhnung der Menschen mit ihm dadurch deutlich gemacht, dass die Sprachverwirrung, die in Babel aufgrund des Turmbaus erfolgte, nun durch die eine Sprache des Geistes überwunden ist.
Am Pfingstfest feiern wir die „Geburt der Kirche“. An diesem 50. Tag nach Ostern hat Gott seinen Geist auf die Gemeinde ausgegossen und seitdem nicht von ihr genommen. So denken wir nach über das, was in der Bibel vom Geist Gottes gesagt wird, und erkennen, wie der Geist Gottes auch heute unter uns wirkt.
Am Pfingstmontag hören wir von den vielfältigen Gaben, die Gott durch seinen Geist den einzelnen Glieder der Gemeinde gegeben hat. so verschieden diese Gaben auch sind, werden die einzelnen Glieder doch durch den Geist zusammengefügt zu einem Leib, in dem alle einander dienen.
Wer mich liebet, der wird mein Wort halten, BWV 74, Kantate für den 1.
Pfingsttag für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Deborah
York, Sopran; Bogna Bartosz, Alt; Jörg Dürmüller, Tenor; Klaus Mertens,
Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman
Johann Ludwig Krebs
Zeuch ein zu deinen Toren; Felix Friedrich an der Trost-Orgel der
Schlosskirche zu Altenburg
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Pfingstmontag, 13.6.2011von 09:05 – 10:00 Uhr
Georg Philipp Telemann
Daran ist erschienen die Liebe Gottes, Kantate zum 2. Pfingsttag für
Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Stefanie Wüst, Sopran;
Georg Poplutz, Tenor; Jens Hamann, Bass; Bachchor Siegen; Hannoversche
Hofkapelle, Leitung: Ulrich Stötzel
Heinrich Ignaz Franz Biber
Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat, Sonata Nr. 13 d-moll, aus
den „Rosenkranz-Sonaten“ für Violine und Basso continuo; Musica Antiqua
Köln, Violine und Leitung: Reinhard Goebel
Heinrich Schütz
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, Geistliches Konzert für Soli, Chor,
Instrumente und Basso continuo; Monika Frimmer, Sopran; Maria Zedelius,
Mezzosopran; John Elwes und Christoph Prégardien, Tenor; David Thomas,
Bass; Stuttgarter Kammerchor; Musica Fiata, Leitung: Frieder Bernius
Johann Sebastian Bach
Er rufet seinen Schafen mit Namen, BWV 175, Kantate am 3. Pfingstfesttag
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Nathalie
Stutzmann, Alt; Christoph Genz, Tenor; Stephen Loges, Bass;
Monteverdi Choir; English Baroque Soloists, Leitung: John Eliot Gardiner
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/YouTube: BWV 172 –
„Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 172 und BWV 59, 74, 34, 173, 68, 174
von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
BWV 172
Kantaten für „Pfingsten“ (Aufführungs-Ort: Holy Trinity, Long Melford)
Zu diesem Zeitpunkt des Jahres liegen die Feiertage dicht beieinander. Wir sind am Ende der Proben in einer der bisher arbeitsreichsten Wochen angelangt, in denen wir alle neun der erhaltenen Pfingstkantaten Bachs vorbereitet haben. Mir ist klar geworden, dass Pfingsten im lutherischen Kirchenjahr eine ähnlich große Bedeutung wie Weihnachten und Ostern hatte: Jedes Fest wird an drei aufeinander folgenden Tagen gefeiert, und das bedeutete, dass Bach nicht nur eine riesige schöpferische Leistung zu vollbringen hatte, sondern dass die Aufgabe für ihn und seine Musiker auch eine kolossale Arbeitsbelastung mit sich brachte.
Von London aus fahren wir jetzt Richtung Long Melford, ein Dorf in Suffolk, das sich einer der eindrucksvollsten und üppigsten Kirchen der englischen Spätgotik (Perpendikularstil) rühmt, Ende des 15. Jahrhunderts erbaut, als der englische Wollhandel blühte. Pfingsten ist der Höhepunkt jener ‚großen fünfzig Tage’, die auf die Auferstehung folgen, eine Grenzscheide, die besagt, dass Jesus sein Werk auf der Erde vollendet hat und der Heilige Geist herab kommt. Ich finde es faszinierend, dass es ursprünglich ein Fest der Landbevölkerung war, ein Abkömmling jener kanaanäischen Feste, die von den Israeliten übernommen wurden, als sie im gelobten Land ankamen. So scheint der Apostel Paulus, wenn er von Christus als ‚Erstling’ spricht (1. Korinther 15, 20 & 23), auf das jüdische Fest Shawuoth anzuspielen, als am ‚fünfzigsten Tag’ (nach Passah) die Erstlinge der Ernte als Opfer dargebracht wurden. Natürlich findet die Ernte in Sachsen (und Suffolk) ein paar Monate später statt als in Palästina, doch ist es trotzdem eine Zeit des zunehmenden Lichts und der Verheißung, für die Kirche ein geeigneter Augenblick, über die Bedeutung der Menschwerdung Christi und der Erneuerung des alten Bundes nachzudenken. Luther schließt sich dem Gedanken seines Lieblingsevangelisten Johannes an, dass der Heilige Geist, der als Vater und Sohn den Gläubigen ‚innewohnt’, den Menschen ein neues Leben in Liebe und Brüderlichkeit bringen wird und sie die Welt ‚überwinden’ lässt.
Durch die jahrelange Erforschung seiner Kantaten in ihrem jahreszeitlichen Kontext gelange ich zu dem Schluss, dass Bach oft vorchristliche Aspekte und vergessene Bezüge an die Oberfläche bringt, die im landwirtschaftlichen Jahr eine Wende bezeichnen. Da sich nun der Mittsommer nähert, liefert der Komponist zur Feier der ersten Gaben der wiedererwachten Natur sowie des göttlichen Funkens, der zu Pfingsten entzündet wird und die Menschen in allen Zungen reden lässt, Musik von ungetrübtem Optimismus und Überschwang. Die bei weitem frühste der vier Kantaten für diesen Tag, BWV 172 Erschallet, ihr Lieder, erklinget ihr Saiten! entstand 1714 in Weimar, gerade einmal zwei Wochen nach Bachs Ernennung zum Konzertmeister bei Hofe. Sie ist offensichtlich ein Werk, das er besonders schätzte, sich in Köthen wieder vornahm und (vermutlich) einmal, in Leipzig noch dreimal aufführte und sich dabei ein Modell schuf für seinen späteren Umgang mit dem Pfingstthema.
Da die autographe Partitur nicht vorhanden ist, beschlossen wir, die Fassung in D-dur zu nehmen, die in der ersten der drei Leipziger Aufführungen am 28. Mai 1724 verwendet worden war (wir hatten eine Rekonstruktion der Version in C-dur von 1731 versucht, als wir das Werk 1999 für die Deutsche Grammophon aufnahmen). Der Anfangssatz ist sonnig und überschäumend, das Ensemble in drei ‚Chöre’ geteilt, der eine mit Trompeten, der andere mit Streichern (mit einem Fagott als Bass) und der dritte mit einem vierstimmigen Chor. Der Verzicht auf hohe Blasinstrumente lässt die Textur ungewöhnlich offen wirken, und wunderbar ist das spannungsvolle Aufbranden, wenn die Stimmen zweimal auf einem Septakkord pausieren, um ‚seligste Zeiten’ zu verheißen. Für den Mittelteil, wenn die Trompetenverstummen, gestaltet Bach ein hinreißendes Stück imitierender Polyphonie, eine Fuge, die keinen richtigen Kontrapunkt enthält, sondern die Stimmen im Abstand von drei, zwei, drei und zwei Takten einsetzen lässt. Zweimal webt er ein verschlungenes Netz aus Klängen – eine vierfache, über die Taktstriche hinaus gedehnte Engführung – und lässt vor unserem geistigen Auge das elegante Maßwerk jener ‚Tempel’ erstehen, zu denen Gott unsere Seelen bereiten will.
Jesu Abschiedsworte aus dem Tagesevangelium (Johannes 14, 23) sind als Rezitativ für Bass gesetzt (Nr. 2) und leiten zu einer Arie über, die wie eine Fanfare zu Ehren der Heiligen Dreieinigkeit wirkt: drei Trompeten, eine dreiteilige Form, ein Thema, das sich in Terzschritten voranbewegt, und eine dreifache Anrufung des ‚großen Gottes der Ehren’, alles ausgesprochen passend in dieser herrlichen, der Heiligen Dreieinigkeit gewidmeten Kirche, mit ihrem Rundfenster mit den drei Hasen, deren Ohren sich zu einem Dreieck formieren, weil das linke Ohr eines Tieres sich mit dem jeweils rechten des Nachbarn deckt. Es ist auch ein überwältigendes Paradestück für die erste Trompete, von der verlangt wird, fünfundvierzig aufeinander folgende Sechzehntel zu bewältigen, dreimal natürlich und in hohem Tempo. Wenn damit beabsichtigt war, das ‚Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes’ oder ‚die Zungen zerteilet, als wären sie feurig’ der Lesung für den Tag (Apostel 2, 1–13) darzustellen, so findet die im Text enthaltene Anspielung auf Pfingsten noch deutlicher in der sich anschließenden zarten Tenorarie Ausdruck, die aus einer sanften, nahtlosen Melodie für unisono geführte Violinen und Bratschen ohne offenkundige Anziehungskraft erwächst und träumerisch auf das ‚Seelenparadies, das Gottes Geist durchwehet’ verweist. Im Gegensatz zum Brausen des gewaltigen Pfingstwindes wird uns hier der Augenblick gegenwärtig, als Gott ‚machte den Menschen und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nasen’. Wieder sind Symbole für die Dreieinigkeit vorhanden: eine dreiteilige Form, ein Dreiertakt, eine arpeggierte Basslinie, die in Terzschritten ansteigt, und schließlich die dreifache Wiederholung einer wogenden Figur, die Gottes schöpferischen Atem zum Ausdruck bringt.
Trug der Ton dieser Kantate in dem festlichen Eingangschor noch ‚öffentlichen’ Charakter, so wird er mit jedem Satz persönlicher, definiert Etappen (gekennzeichnet durch eine in Terzschritten absteigende Modulation) in der Beziehung, die sich zwischen Gott und Mensch entwickelt und schildert seinen Einzug in unsere ‚Herzenshütten’. Der Tröster, dessen Nahen der Tenor ankündigt, nimmt nun mit der Seele das Gespräch auf, und ihr Dialog (Nr. 5), abgefasst in einer unverhohlen erotischen/pietistischen Sprache, ist ein musikalisches Symbol für das ‚Innewohnen’ und die Führung, die der Gläubige in seiner Seele erfährt. Es ist ein reich verziertes und sinnliches Stück, die beiden Stimmen umschlingen einander über dem ostinatoartigen Part des obligaten Cellos, dem Bach eine vierte Stimme hinzufügt, und die Oboe spielt eine verzierte Version des Pfingstchorals ‚Komm, heiliger Geist’. Dieser ist so tief in das Stimmgefüge eingebettet, mit den Melodielinien der beiden Sänger so stark verflochten und durch Bachs Fiorituren so sehr verändert, dass nur der aufmerksamste Zuhörer imstande gewesen wäre, ihn zu herauszuhören und seinen Spuren zu folgen. Dennoch ist dieses, mit seiner filigranen Polyphonie und ornamentverkrusteten Choralmelodie so komplex erscheinende Duett recht geradlinig angelegt (dreiteilig natürlich!). Auf einen Appell an den ‚sanften Himmelswind’ folgt eine Modulation in die Molldominante, die diese Vereinigung mit der Aufforderung besiegelt, den ‚Gnadenkuss’ entgegenzunehmen, und dann noch einmal im dritten Abschnitt, wenn er vollzogen ist: ‚Ich bin dein, und du bist mein!’. Die vierte Strophe von Philipp Nicolais herrlichem Choral ‚Wie schön leuchtet der Morgenstern’, mit einem aufstrebenden Fauxbourdon der ersten Violine, und die Rückkehr zum Anfangschor beschließen die Kantate.
/ Gardiner Pilgrimage CD – SDG 121 – Vol. 26 – CD 2
BWV 68 „Also hat Gott die Welt geliebt“
/ Gardiner Pilgrimage CD – SDG 121 – Vol. 26 – CD 2
BWV 174 „Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte“
/ Gardiner Pilgrimage CD – SDG 121 – Vol. 26 – CD 2
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Ich wünsche allen Besuchern ein erholsames und „schönes Pfingstfest“ und für unser Blog-Treffen am Samstag in Bückeburg-OWL schöne Stunden des Beisammenseins und zum Abschluss des Tages mit Claudia und Dimitri als Vortragende – ein erlebnisreiches Konzert im Ev. Gemeindehaus Siemshof, Löhne-Mennighüffen.
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 05.06.2011 begehen wir den Sonntag: „Exaudi“
Der Name dieses Sonntags leitet sich ab von dem Beginn der lateinischen Antiphon: Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te; miserere mei, et exaudi me! (Ps 27,7;). Der Sonntag ist schon deutlich auf Pfingsten bezogen dadurch, dass er die wartende Haltung der Gemeinde und damit ihre Abhängigkeit vom Heilswirken Gottes herausstreicht, und von daher eigentlich nicht mehr Bestandteil des Osterfestkreises, der mit Christi Himmelfahrt abschloss.
Der Sonntag Exaudi spiegelt die Spannung wider, in der die Jünger sich befanden, nachdem ihr Herr gen Himmel aufgefahren war. Sie wissen um die Verheißung des Geistes, haben ihn aber noch nicht erfahren. Sie leben in einer kaum erträglichen Spannung, denn das Vergangene hat nun keine Bedeutung mehr, und das Zukünftige hat keine Kraft. Die Gegenwart, in der sie machtlos sind, wird übermächtig und scheint sie zu fesseln. In diese Spannung hinein erklingt als Erinnerungsruf die Rede Jesu, in der er den Tröster, seinen Geist, verheißt.Am Sonntag Exaudi hören wir die Verheißungen des Geistes und beten, dass dieser Geist unter uns sei und wirke. Wohl wissen wir von Pfingsten her, dass der Geist Gottes schon ausgegossen ist auf alles Fleisch, aber oft erkennen wir unsere eigene Trägheit, die dem Wirken des Geistes keinen Platz gewährt. Aufgrund der Verheißungen aber glauben wir, dass der Geist uns erfüllt und unsere Trägheit von uns nimmt.
Bachs Kantaten BWV 44 und 183 werden desselben Anfangs wegen oft als 1. Komposition bzw. 2. Komposition bezeichnet; doch haben beide außer dem Sonntag ihrer Bestimmung nur den Text des einleitenden Bibelworts gemein; weitere textliche oder musikalische Beziehungen bestehen nicht. Das BWV 44 ist in Bachs erstem Leipziger Amtsjahr zum 21. Mai 1724 entstanden.
Das BWV 183 komponierte J.S. Bach zum 13. Mai 1725 in Leipzig.
„Sie werden euch in den Bann tun“BWV 44 Kantate zum Sonntag Exaudi
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für Soli, Chor, 2 Oboen, Streicher und Basso continuo; Yukari Nonoshita, Sopran; Mutsumi Hatano, Alt;
Gerd Türk, Tenor; Peter Kooij, Bass; Bach Collegium Japan,
Leitung: Masaaki Suzuki
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/YouTube: BWV 44 –
„Sie werden euch in den Bann tun“ (Aufführungs-Ort: Sherborne Abbey)
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Kantaten-Beschreibung zum BWV44 und BWV 183
von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Kantaten für den Sonntag „Exaudi“ (Aufführungs-Ort: Sherborne Abbey)
BWV 44
Die zwei Leipziger Kantaten, die Bach für Exaudi schrieb, haben den Titel „Sie werden euch in den Bann tun“ gemeinsam, Jesu Warnung an seine Jünger aus dem Johannes-Evangelium (16, 2). Beide schildern auf ihre eigene, voneinander unabhängige Weise eine irdische Reise, die mit der Prophezeiung drohender Verfolgung beginnt und für alle die Notwendigkeit beinhaltet, sich dem Heiligen Geist anzuvertrauen. Doch hier hört schon die Ähnlichkeit auf. Bach hatte BWV 44 1724 als Teil seines ersten Leipziger Kantantenjahrgangs komponiert.
Das Werk beginnt mit einem Präludium in g-moll, einer Triosonate für zwei Oboen und Fagott als Continuoinstrument, die als eindringliche Klage angelegt ist und sich zu einem Quintett auffächert, das den Einsatz der Vox Domini enthält. Denn hier, ungewöhnlich für13Bach und eher typisch für Schütz, ist die Stimme Christi für zwei Stimmen (Tenor und Bass) und nicht nur eine bestimmt. In einer Weise, die eher typisch für Telemann ist, leitet sie in einen detonierenden Turba-Chor über: ‚Es kömmt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran’. Er ist von überwältigender Wucht, unvermittelt leiser werdend bei ‚wer euch tötet’, und mit seinen gerade einmal fünfunddreißig Takten ein gewaltiger Edelstein, eine schockierende Verfolgungsszene, wie sie die Welt seit der Zeit der frühen Christen immer wieder erlebt hat. Mit seiner Figura corta und der Chromatisierung durch Melismen bei dem Wort ‚tötet’ hat dieser Chor eine große Ähnlichkeit mit den ‚Kreuzige’-Chören der Johannes- Passion, die gerade einmal sechs Wochen zuvor uraufgeführt worden war.
Dürr bemerkt, diese Kantate beinhalte in ihrer Disposition und der Art und Weise, wie auf das Leiden der Christen in dieser Welt Nachdruck gelegt wird, Parallelen zu drei anderen nachösterlichen Kantaten des folgenden Jahrgangs (BWV 6, 42 und 85). Daraus ließe sich der Schluss ziehen, dass Bach möglicherweise geplant hatte, diese drei Kantaten gemeinsam mit BWV 44 in seinen ersten Kantatenjahrgang aufzunehmen, sie aber bis zum nächsten Jahr zurückstellen musste, weil er sich mit der Komposition und Vorbereitung der Johannes-Passion im März 1724 übernommen hatte. Weil ihm nicht sehr viel Zeit und Energie für eine neue Komposition für seinen ersten Leipziger Zyklus blieben, griff er auf frühere Kantaten zurück (BWV 131, 12, 172 und 194) und verwertete Material aus weltlichen Werken seiner Köthener Zeit (BWV 66, 134, 104, 173 und 184).Bach lässt auf diesen Eingangschor eine getragene, elegische Arie in c-moll für Alt mit Oboe folgen, ‚Christen müssen auf der Erden Christi wahre Jünger sein’, in der selbst die unvermeidlichen Heimsuchungen ‚Marter, Bann und schwere Pein’ im B-Teil so präsentiert werden, als wären sie von kurzer Dauer und würden bald ‚selig überwunden’.
Danach kehren wir zu einem Choral zurück, dem wir bereits zweimal Anfang Januar begegnet waren, ‚Ach Gott, wie manches Herzeleid’, und der den ‚trübsalvollen, schmalen Weg zum Himmel’ beschreibt. Diesmal wird er vom Tenor vorgetragen, über einer Basslinie, die in der Manier, wie sie sich matt und in Halbtonschritten voranschleppt, möglicherweise nach dem Muster der Orgelchoräle Georg Böhms, Bachs Lehrer in Lüneburg, gearbeitet ist, und doch bewegt sie sich immer noch doppelt so schnell voran wie die vokale Melodie, die sie ankündigt (Nr. 4). Dreh- und Angelpunkt der ganzen Kantate wird das kernige Rezitativ für den Bass (Nr. 5), das die Heimtücke des Antichristen schildert. Es verwendet das in der Barockzeit gängige Bild, das die Christen mit Palmenzweigen vergleicht, ‚die durch die Last nur desto höher steigen’, und leitet über zu einer kunstreich gestalteten Arie für Sopran mit zwei Oboen und Streichern, ‚Es ist und bleibt der Christen Trost’.
Hier verschmilzt Bach Tanz- und Liedelemente miteinander, um mittels einer arkadischen Metapher darzulegen, wie ‚doch nach den Trübsalstürmen die Freudensonne bald gelacht’. Die mit triolisierten Melismen verzierte Gesangslinie weist auf das Gelächter hin, mit dem die Sängerin die ohnmächtige Wut der Elemente quittiert (das Signal, das dräuende Sturmwolken aufziehen lässt, Symbol für die Heimsuchung). Um diese Reise durch die irdische Drangsal zu vollenden, greift Bach im Abschlusschoral noch einmal auf Heinrich Isaacs wunderbare ‚Innsbruck’-Melodie zurück und erinnert daran, dass sie unlängst in der Johannes-Passion zu hören war, wo sie die schmerzerfüllte Reaktion der Christengemeinde auf den ‚Backenstreich’ zum Ausdruck brachte, den Jesus bei seiner Gerichtsverhandlung vor dem Hohen Rat erhielt.
stelle ich für jeden Feiertag und Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
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eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 02.06.2011 begehen wir den Feiertag: „Himmelfahrt“
Das Fest Christi Himmelfahrt ist als selbständiges Fest erst im 4. Jahrhundert bezeugt, wurde aber schnell zu einem Fest von großem Ansehen, an dem Prozessionen begangen wurden und die Himmelfahrt durch Hochziehen einer Christusfigur veranschaulicht wurde. Später trat noch eine Vigil hinzu und endlich auch eine Oktav.
Die protestantische Kirche übernahm dieses Fest und behielt teilweise die bildliche Darstellung der Himmelfahrt bei. Erst in der Aufklärung wurde das Fest regelrecht gefährdet, aber es kam höchstens zu Verlegungen auf den Sonntag Exaudi, nicht aber zur Abschaffung des Festtages.
Das Wort Jesu: „Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Joh 20, 17) ist nun verwirklicht. Er, der Auferstandene, erfüllt mit seiner Herrschaft Himmel und Erde, er umspannt alles Sichtbare und Unsichtbare.
Christi Himmelfahrt ist das Fest der Thronbesteigung Christi. Er tritt seine Herrschaft an zur rechten Hand Gottes, ist einerseits mitten in seiner Kirche, der er sich in Brot und Wein gibt, und andererseits kann er nicht mit der Größe des Weltalls erfaßt werden.
Der Tag wird aber erst vollständig mit der Verheißung in Apg 1, 11: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ – Wir sehen nicht hinter dem fortgehenden Jesus her, sondern können und sollen dem kommenden Jesus entgegensehen!
Im Gottesdienst wird die Osterkerze, die Zeichen für die Gegenwart des Auferstandenen unter den Menschen ist, nach der Verlesung der Himmelfahrtsgeschichte gelöscht. Die Jünger verharren ängstlich und unwissend über das Kommende in ihren Behausungen. Sie warten auf den ihnen verheißenen Geist; diese Erwartung wird auch in den Gebeten dieses Tages und des kommenden Sonntags Exaudi ausgesprochen. Noch 10 Tage dauert es, bis diese Erwartung erfüllt wird. Der Feiertag Christi Himmelfahrt ist die Thronbesteigung Jesu und damit ein äußerst großartiges Fest.
Bach-Kantaten für den Feiertag / Sonntag: „Himmelfahrt“
BWV 11 – „Lobet Gott in seinen Reichen“ (Himmelfahrts-Oratorium)
BWV 37 – „Wer da gläubet und getauft wird“ / BWV 43 – „Gott fähret auf mit Jauchzen“ BWV 128 – „Auf Christi Himmelfahrt allein“
„Wer da gläubet und getauft wird“ BWV 37, Kantate zu Christi Himmelfahrt
für Soli, Chor, Oboe d´amore, Streicher und Basso continuo; Christoph Prégardien, Tenor; Klaus Mertens, Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman.
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Giovanni Pierluigi da Palestrina
Credo, aus der „Missa Viri Galilaei“, aus „Missarum … Liber
Duodecimus“; La Chapelle Royale; Ensemble Organum, Leitung: Philippe
Herreweghe und Marcel Pérès
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Giovanni Gabrieli
Sonate Nr. 19 zu 15 Stimmen; Mitglieder der Gabrieli Players, Leitung:
Paul McCreesh
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Johann Rosenmüller
Ascendit Christus in altum, geistliches Konzert für Alt, Streicher und
Basso continuo; Robin Blaze, Countertenor; Parley of Instruments,
Leitung: Peter Holman
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Georg Philipp Telemann
Gott fähret auf mit Jauchzen, Kantate; Stefanie Wüst, Sopran; Angela
Froemer, Mezzosopran; Georg Poplutz, Tenor; Jens Hamann, Bariton; Bach
Fantastische Einspielungen auf dieser CD von Sir J.E. Gardiner zu „Himmelfahrt“ sind zu bewundern!
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CD’s – DG – Archiv 463 583-2 (von 1993/99)
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BWV 11 – BWV 37 – BWV 43 – BWV 123
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Ich wünsche allen Besuchern einen schönen Himmelfahrtstag – ungekürzte Pracht-Kantaten zu Himmelfahrt sind in meinem Beitrag von YouTube zu genießen..!!
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
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Am 29.05.2011 begehen wir den Sonntag: „Rogate“
Der Name dieses Sonntags rührt von den Bittumgängen her, die in vergangener Zeit (und manchenorts noch heute) auf den Feldern für eine gute Ernte vollzogen wurden. Diese Bittumgänge begannen am Sonntag Rogate (= Betet!) und wurden in der damit beginnenden Woche fortgeführt.
Der Sonntag „Rogate“ wird in der evangelischen Kirche als Missionssonntagbegangen. Mit ihm beginnt die „Missionsopferwoche“.
Der Sonntag Rogate ist der Betsonntag. Dieses Thema wird in den Perikopen vielfach beleuchtet. Auch dieses Thema ist eine Antwort auf das Ostergeschehen: Die Gemeinde ist nun frei durch Jesus Christus, Gott direkt zu bitten, ohne jeglichen Mittler, wie es zuvor notwendig gewesen war. Die Perikopen beleuchten das Thema Gebet nur von dem Aspekt des „Bittens“ her, was wohl angemessen ist. Wir sollten aber nicht vergessen, dass zum Gebet auch Dank gehört!
Das Gebet für Singstimme und Klavier; Dorothee Mields, Sopran; Ludger
Rémy, Klavier
Johann Sebastian Bach
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, BWV 86, Kantate zum Sonntag Rogate
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Siri Thornhill,
Sopran; Petra Noskaiová, Alt; Christoph Genz, Tenor; Jan van der
Crabben, Bass; La Petite Bande, Leitung: Sigiswald Kuijken
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/ YouTube: BWV 86 – „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 86 und BWV 87 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Kantaten für den fünften Sonntag nach Ostern (Rogate) Annenkirche Dresden
Bachs erste Kantate für Rogate, BWV 86 „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“ (1724), beginnt mit einem Zitat aus Jesu Abschiedsrede an seine Jünger (Johannes 16), das der Bass in seiner Eigenschaft als Vox Domini vorträgt, von Streichern und Oboen begleitet: ‚Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er’s euch geben’. Im Kontext dessen, wer wir waren, wo wir waren und für wen wir sangen und spielten, hatte diese erste Kantate eine besondere Brisanz. Bei fast jedem anderen Komponisten hätte die Behandlung dieses Themas leicht als schroff, gar anmaßend aufgefasst werden können, denn sie fordert die Hörer dazu auf, sich die Frage zu stellen, wie sich diese Worte Jesu mit ihrer persönlichen Erfahrung vereinbaren lassen. Indem Bach ehrerbietig und klar erkennbar drei fugierte Motive in der Einleitung präsentiert, die der Bass bald übernehmen wird, bietet er die Gewähr, dass sie als vokale Elemente verstanden werden (wie Dürr bemerkt, ließe sich der ganze Satz leicht als vierstimmige Motette singen, nur vom Continuo begleitet).
Bachs anonymer Librettist erweitert nun sein Thema: Wir würden alle liebend gern Rosen brechen, auch auf die Gefahr hin, von den Dornen gestochen zu werden, denn wir sind zuversichtlich, dass unsere flehentlichen Bitten bei Gott Gehör finden werden (Nr. 2); er hält sein Wort (Nr. 3 und 4), auch wenn seine Hilfe auf sich warten lassen sollte (Nr. 5); Gott setzt kein Datum dafür fest, er weiß, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist (Nr. 6). Bach betont den Optimismus, der im Text der Kantate angelegt ist, indem er einen abwärts gerichteten modulatorischen Bogen beschreibt, der in E-dur beginnt und endet, einer Tonart, die an der obersten Grenze seines tonalen Spektrums angesiedelt ist und daher positive Assoziationen und Empfindungen aufblitzen lässt. Die auf der obligaten Violine virtuos vorgetragenen gebrochenen Akkorde in der Alt-Arie (Nr. 2) symbolisieren natürlich die Rosenzweige, die gebrochen werden sollen.
Die Arie schildert das gewagte Unterfangen, die Dornen zu überwinden, um zur Blüte vorzudringen (eine Metapher für spirituelle Freude und Schönheit). Das Brechen der Rose ist hier nicht einfach nur ein Schnitt mit der Gartenschere, sondern eine sich drehende, zerrende Figur bei dem Wort ‚brechen’, und die Dissonanz kennzeichnet die ‚stechenden’ Dornen. Die behutsam in die Erinnerung verweisende Stimmung des B- Teils nimmt bei den Worten ‚dass mein Bitten und Flehen Gott gewiss zu Herzen gehen’ mit wilden rhapsodischen Aufschreien der Solovioline in fünf scharf dissonanten Takten über einem Orgelpunkt auf E unvermittelt einen heftigen Ton an. Doch plötzlich heben sich die Wolken, die Violine schweigt, und die Altstimme (jetzt nur mit Continuo) singt: ‚weil es mir sein Wort verspricht’. Auf diese unnachahmliche Weise lässt Bach deutlich werden, dass unsere Bitten ihr Ziel erreicht haben und wirklich zu gegebener Zeit in Erfüllung gehen werden.
Darauf folgt eine Choralvertonung für Sopran mit zwei Oboen d’amore und Continuo (wir entschieden uns für Fagott), die Gottes Versprechen bestätigt. Dieser Satz, der das Bedürfnis der beiden Oboisten, frische Luft zu schöpfen (an einer Stelle werden der ersten Oboe zweiundsiebzig Sechzehntel hintereinander zugemutet!), so offensichtlich missachtet, legt die Vermutung nahe, dass er als Orgelchoral geplant war. Doch den Oboisten kommt die Aufgabe zu, die Illusion eines anmutigen Tanzes zu wecken (der die Verwendung von notes inégales nahelegt), vielleicht gar des himmlischen Reigens ‚der Engel Schar’, auf die sich Georg Grünwald in seinem Text bezieht.
Ein kurzes Seccorezitativ (Nr. 4), das die Gepflogenheiten der Welt, ‚die viel verspricht und wenig hält’, Gottes Gewohnheit gegenüberstellt, uns zu unserer Lust und Freude das zu gewähren, was er zugesagt hat, zeigt im Kleinformat Bachs Kunstfertigkeit, steife, dissonante Intervalle dort zu setzen, wo sie dem Text und seiner Bedeutung besonderes Gewicht verleihen. Die Rückkehr zu E-dur erfolgt schließlich mit vollem Streichersatz in der Tenor-Arie, einem robusten Stück in der Art einer Bourrée, der dem Sänger nur ein Fragment (gerade einmal anderthalb Takte) des einleitenden Motivs zuweist. Trotz ihres instrumentalen Ursprungs ist diese Phrase prägnant genug und – auf fast skurrile Weise – lapidar, um den Sänger in den Stand zu versetzen, die Botschaft in das Bewusstsein der Hörer einzumeißeln: ‚Gott hilft gewiss!’, ein Glaubensbekenntnis, das zusätzlich vom abschließenden Choral bekräftigt wird.
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Am 22.05.2011 begehen wir den Sonntag:„Cantate“
Der Name des Sonntags Cantate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Cantate Domino canticum novum, quia mirabilia fecit!. (Ps 98, 1a;).
Der Sonntag „Cantate“ ist der Singesonntag, was allerdings nicht durch das Evangelium deutlich wird. Andere Perikopen gehen schon eher auf die singende Antwort der Gemeinde auf Gottes Taten ein, d.h. sie berichten vom Lobpreis der Gemeinde. Der Sonntag Cantate befasst sich, so wie schon der Sonntag Jubilate, mit einer Form der Antwort der Gemeinde.
Am Sonntag Cantate erfahren wir, dass das Lied wesentlicher Bestandteil des gemeindlichen Lebens ist. Das lobpreisende Lied kann nicht nur die Herzen fröhlich machen, sondern auch Türen aufschließen; das Klagelied hilft nicht nur, Not und Sorgen abzulegen, sondern vermag auch neue Hoffnung zu geben. Der Liederschatz der Kirche ist unermüdlich groß, und es ist gut, dass das „Gesangbuch“ des jüdischen Volkes, der Psalter, darin eine wichtige Rolle spielt, denn die Psalmen sprechen wie nur wenige andere Lieder tief aus dem Herzen des Beters.
Claudio Monteverdi – Cantate Domino für 2 Singstimmen und Basso continuo; Charles Daniels und James Gilchrist, Tenor; King´s Consort, Leitung: Robert King
Johann Sebastian Bach
BWV 108, „Es ist euch gut, daß ich hingehe“
Kantate am Sonntag Cantate für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Bogna Bartosz, Alt; Jörg Dürmüller, Tenor; Klaus Mertens, Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman
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/ YouTube: BWV 108 – „Es ist euch gut, dass ich hingehe“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 108 und BWV 166 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Kantaten für den vierten Sonntag nach Ostern (Cantate) St Mary’s, Warwick
Jene drei überwältigenden Werke, die wir am Sonntag Jubilate in Altenburg aufgeführt hatten, klangen uns noch in den Ohren, und nun wollten wir eigentlich unsere Reise in östlicher Richtung fortsetzen; da es jedoch in letzter Minute Probleme mit der Organisation in Polen gab, fanden wir uns statt in Warschau in Warwick wieder! Letzten Endes bot die Stiftskirche St Mary’s – sicher eine der eindrucksvollsten Pfarrkirchen Englands – einen schönen und ansprechenden Rahmen für unser Programm. Sie war im 12. Jahrhundert von der Familie Beauchamp (den Earls of Warwick) errichtet und nach zwei gewaltigen Bränden, dem ersten 1394 und dem zweiten genau dreihundert Jahre später, wieder aufgebaut worden.
Nach dem Pathos und der emotionalen Tiefe der Werke der vergangenen Woche kamen uns die beiden Kantaten für Cantate, BWV 166 und 108, zunächst sanfter und intimer vor, wie mit zarten Pastelltönen gezeichnet. Aber dieser Eindruck war, wie sich bald erweisen würde, nur oberflächlich. Je weiter man in diese Werke eindringt, desto mehr erlebt man noch einmal die ungewöhnlich tiefe Wirkung der Kantaten, die Bach für die Sonntage nach Ostern geschrieben hat und die eine so breite Skala von Stilen und Stimmungen umfassen. Bach fordert seine Hörer ständig dazu heraus, darüber nachzudenken, was es heißt, zu leben, und benutzt seine Musik dazu, den Texten des Evangeliums neue Bedeutungen zu entlocken.
Wenn wir uns aus Bachs erstem Kantatenzyklus in seinen zweiten Leipziger Jahrgang begeben, die sich beide dem gleichen theologischen Grundgedanken widmen, sind wir inzwischen nur zu sehr daran gewöhnt, in der Art und Weise, wie er sich seinem Thema nähert und die Metaphorik einsetzt, erstaunlichen Gegensätzen zu begegnen.Darum trifft es uns wie ein Schock, wenn wir nun feststellen müssen, dass er zweimal hintereinander das gleiche formale Gerüst verwendet.
BWV 108
Ich möchte wetten, dass aufgeschlagen auf seinem Notenpult, als er sich im April 1725 hinsetzte, um BWV 108 Es ist euch gut, dass ich hingehe zu komponieren, Wo gehest du hin? aus dem Vorjahr lag: Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Kantaten sind einfach zu groß, um zufällig sein zu können. Beide beginnen nicht mit dem üblichen Chor, sondern mit einem Bass-Solo (vox Christi) und sparen den Chor für das Ende (BWV 166) oder die Mitte und das Ende (BWV 108) auf. Keines der beiden Werke enthält ein Sopran-Solo (kann es sein, dass die Knaben in zwei aufeinander folgenden Jahren an Windpocken erkrankt waren, oder hatte es irgendeinen unerfindlichen theologischen Grund?).
Beide Kantaten haben als zweiten Satz eine gewichtige Tenorarie, jede mit einer ausgehaltenen Note, die besonders betont wird: ‚stehe’ in BWV 166, ‚glaube’ in BWV 108. Beide Werke sind auf einer Art arpeggierten Tonleitertreppe errichtet, deren Stufen darauf hindeuten, dass der Heilige Geist zu Pfingsten herabsteigen wird (in BWV 166 abwärts führend von B nach g, c, D, B und g, in BWV 108 von A nach fis, D nach h). Es ist bezeichnend, dass sich BWV 108 der zentralen Frage, die in BWV 166 knapp abgehandelt wurde, ausführlicher widmet. ‚Wo gehest du hin?’ bringt im folgenden Jahr eine Erklärung: ‚Es ist euch gut, dass ich hingehe…’.
Zu den Sätzen, die auf mich den tiefsten Eindruck gemacht haben, gehört zunächst einmal die Tenor-Arie mit obligater Violine, ‚Mich kann kein Zweifel stören’ (Nr. 2) – eine mächtige Nummer, die recht verschachtelt angelegt, aber wunderbar ausgearbeitet ist und ein bisschen an Brahms’ ungarische Zigeunerweisen erinnert; dann die strenge Chorpolyphonie von Nr. 4, ‚Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird’ – drei dicht gedrängte Fugen im Motettenstil. Sie wirken widerspenstig auf dem Papier, bringen jedoch in der Aufführung ihren Geist überzeugend zur Geltung. Und schließlich die herrliche Arie für Alt und Streicher, ‚Was mein Herz von dir begehrt’ (Nr. 5), die mit ihrer gebrochenen Melodielinie und ihrem durchscheinenden Satz für die erste Violine eine tiefe Sehnsucht erkennen lässt, wie sie der Psalmist in Psalm 42 besingt: ‚Wie der Hirsch dürstet nach frischem Wasser…’.
Nun ist der erste Gesangs-Solist von Sir Gardiner in der Schweiz angekommen und verpflichtet worden und wird in einem Konzert im Mai 2011 bei der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen-Trogen mitwirken. Sein Name ist uns allen wohl bekannt: „Peter Harvey“ englischer Bass-Bariton ist als „Musiker der Woche“ von der J.S. Bach-Stiftung benannt worden.
Dazu heisst es auf der Webseite der J.S. Bach-Stiftung:
MUSIKER DER WOCHE: PETER HARVEY
Der englische Bass Peter Harvey ist im Mai 2011 erstmals in Trogen zu hören. Als Solist in Gardiners Bach Cantata Pilgrimage und in der künstlerischen Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten hat er sich einen bekannten Namen in der Musik vor allem des Hochbarock erarbeitet.
Ausbildung / Werdegang
– Oxford University, Magdalen College
– Guildhall School of Music and Drama (Opernkurs)
Mittlerweile sind zwei neue Bach-Kantaten von der J.S. Bach-Stiftung auf YouTube veröffentlicht worden und stelle sie hier mit ein und wünsche viel Spass..!!
(Aria duetto e corale) aus der Kantate BWV 185 („Barmherziges Herze der ewigen Liebe „), aufgeführt durch die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Solisten: Regina Kabis (Sopran) und Jens Weber (Tenor). Musikalischer Leiter: Rudolf Lutz.
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Dritter Satz (aria alto) aus der Kantate BWV 42 („Am Abend aber des selbigen Sabbats“), aufgeführt durch die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Solistin: Irène Friedli. Musikalischer Leiter: Rudolf Lutz.
Wirkungsstätte von J.S. Bach "Thomaskirche in Leipzig"
Liebe Bach-Freunde !
Nach den Veröffentlichungen der BWV als PDF-Download im Blogstelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung. Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf “YouTube“ sind sehr ergiebig.
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Am 22.4.2011 Karfreitag am 24. und 25. April 2011 begehen wir das „Osterfest“
Der Karfreitag (früher Parasceve genannt) wurde vermutlich schon von den ersten Christen begangen als ein Tag des Fastens und der Trauer. Er behielt diesen Charakter über die Jahrhunderte bei. Schon Tertullian (Ende des 2. Jahrhunderts) bezeugte die Einhaltung dieses Tages als großen Fastentag.
Die protestantische Kirchen aber haben zunächst nur teilweise den Karfreitag als Feiertag übernommen. Im 17. Jahrhundert erlebte er als Bußtag eine Renaissance, wobei er freilich seinen ursprünglichen Character verlor. Entgegen der früheren Praxis, an diesem Tag (als dem einzigen des Jahres) keinAbendmahl zu feiern, stand nun das Abendmahl im Vordergrund. Heute entwickelt sich die Feier des Tages wieder zu einer dem ursprünglichen Sinn angemessenen Praxis.
Am Karfreitag hören wir, wie der Sohn Gottes gekreuzigt und zu Tode gebracht wurde. Die christliche Gemeinde verstummt, läßt nur noch das Wort Gottes reden. Dies findet seinen Ausdruck darin, dass die Vesper nach der Todesstunde Jesu einzig aus der Lesung besteht, zu der das Psalmgebet tritt.
Am Karfreitag verlöschen die Kerzen, die bis dahin Zeichen für das lebendige Licht, das Jesus Christus selbst ist, gewesen sind, um erst in der Osternacht wieder am Osterlicht entzündet zu werden. Der Karfreitagsgottesdienst wird in der Regel um die Sterbestunde Jesu gefeiert.
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3, 16)
Bach-Kantaten entfallen für den Karfreitag. Musik zum Anhören: BWV 244 Matthäus Passion / BWV 245 Johannes Passion.
Fernsehsendung am Karfreitag:
WDR3.Fernsehen:
07:15 – 10:00 Uhr Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244
Aufzeichnung aus der Philharmonie Köln vom 28.03.2010
Am Ostersonntag freuen wir uns über die Auferstehung Jesu von den Toten. Er ist der Erstling der Auferstehung, dem wir nachfolgen werden, wenn er kommen wird. Aber die Auferweckung gibt uns nicht nur Hoffnung für die Zukunft – auch heute, in unserer Welt, können wir nicht schweigen von unserer Freude und beten, dass das Evangelium unter uns wirksam werde und diese Welt verändere.
Predigttext steht in Johannes 20, Verse 19-23: Am Abend aber dieses Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den HERRN sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Der Ostermontag nimmt Bezug auf die Ereignisse unmittelbar nach der Auferstehung. Die Reaktion der Jünger und die ersten Erscheinungen Jesu stehen nun im Mittellpunkt, wobei auch die Konsequenzen der Auferstehung schon deutlich werden.
BWV 4 – Christ lag in Todesbanden / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 1
BWV 6 – Bleib bei uns, denn es will Abend werden / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2
BWV 31 – Der Himmel lacht! die Erde jubilieret / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 1
BWV 66 – Erfreut euch, ihr Herzen / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2
BWV 134 – Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2
BWV 145 – Ich lebe, mein Herze, zu deinem Ergötzen / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2
Wer diese – „Gardiner SDG-CDs Vol. 22“ – besitzt sollte sie sich unbedingt anhören, diese Bachwerke an historischer Stätte in Eisenach in der Georgenkirche Ostern 2000 aufgenommen, besitzen ein überragendes und emotionales Format.
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Kantaten-Beschreibungen zu den BWV von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Johann Sebastian Bach
„Der Himmel lacht, die Erde jubilieret“, Kantate für Soli, Chor und Orchester, BWV 31
(Kantate am ersten Osterfesttage, BWV 31)
Paul Esswood, Countertenor
Kurt Equiluz, Tenor
Max van Egmond, Bass
Wiener Sängerknaben
Chorus Viennensis
Concentus musicus Wien
Leitung: Nikolaus Harnoncourt
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WDR3 um 09:05-10:00 Uhr
Johann Sebastian Bach
Der Himmel lacht, die Erde jubilieret, BWV 31
Kantate zum ersten Osterfesttag
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo
Monika Frimmer, Sopran
Gerd Türk, Tenor
Peter Kooij, Bass
Bach Collegium Japan
Leitung: Masaaki Suzuki
Nach den Veröffentlichungen der BWV als PDF-Download im Blogstelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung. Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf “YouTube“ sind sehr ergiebig.
Eine inhaltliche Kantaten-Beschreibung zum BWV 182 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist im Beitrag hinterlegt!
Am 17. April 2011 begehen wir den Sonntag „Palmarum / Palmsonntag“
Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der sich am Kreuz offenbaren würde. Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger? Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer und Schriftgelehrten, die letztlch Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.
Am Sonntag Palmarum hören wir die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Er wurde von der Menge jubelnd begrüßt, sie schwangen Palmzweige und sangen ihm Psalmen. Aber wir wissen auch, dass Jesus erst durch das Kreuz zum König wurde, aber nun zum König über alle Gewalten und Mächte. Da er gehorsam ward bis zum Tod, empfangen wir durch ihn das Leben und freuen uns, einem solchen Herrn und König zu dienen, der sein Leben für die Seinen hingibt.
Himmelskönig, sei willkommen, BWV 182, Kantate zum Palmsonntag für Alt, Tenor, Bass, Chor, Flöte, Streicher und Basso continuo; Kai Wessel, Altus; Christoph Prégardien, Tenor; Klaus Mertens, Bass;
Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman
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/ YouTube: BWV 182„Himmelskönig sei willkommen“
1. Sonata
2. Coro: Himmelskönig, sei willkommen
3. Coro: So lasset uns gehen in Salem der Freuden
American Bach Soloists
Christine Brandes, soprano
Judith Malafronte, alto
Jeffrey Thomas, tenor
James Weaver, bass
Aldo Abreu, recorder
Katherine Kyme, violin
Lisa Weiss, violin
Anthony Martin, viola
George Thomson, viola
Sarah Freiberg, cello
Steven Lehning, violone
Michael Eagan, archlute
John Butt, organ
Jeffrey Thomas, Music Director
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Dazu ein Auszug aus Sir J.E. Gardiner’s Reisetagebuch „Palmsonntag“
zum BWV 182
……. Der Prince stellte sich pünktlich ein, und wir begrüßten ihn mit Thomas Arnes Arrangement für das Drury Lane Theatre von God Save the King (1745), das nicht in der üblichen schwerfälligen, trübsinnigen Manier gespielt wurde, sondern als luftiger, leichtfüßiger Passepied.
Das Stück war ein passendes Präludium zu der eleganten Sonate, mit der
Bach BWV 182 „Himmelskönig, sei willkommen“
eröffnet, das 1714 komponiert wurde, als Palmsonntag und Mariä Verkündigung zusammenfielen. Die Sonate wirkt wie die Miniaturausgabe einer französischen Ouvertüre, Solovioline und Blockflöte dialogisieren mit einer Pizzicato-Begleitung, die ein wenig an Jesu Eselritt nach Jerusalem erinnert. In dem magischen Augenblick, wenn die Streicher zum ersten Mal wieder coll’arco spielen und der Ton aufschwillt, spürt man noch einmal, was für eine Offenbarung die Begegnung mit der Musik seiner Zeitgenossen – Corelli, Vivaldi u.a. – für Bach gewesen sein muss.
Ein madrigalähnliches Willkommenslied für Chor (Nr. 2) – und, wie ich finde, eine idiomatische Verwendung von concertisten und ripienisten, wenn die Streicher und die Blockflöte einsetzen – deutet auf eine wachsende Menge hin, die sich einstellt, um Christus als Gottes Vertreterauf Erden willkommen zu heißen. Selten ist Bach auf eine so frische Weise unbeschwert. Die kammermusikähnlichen Proportionen des Werkes, seine Fröhlichkeit und Unbekümmertheit schienen für das Gebäude wie geschaffen. Nur ein Rezitativ ist vorhanden (Nr. 3), und es ähnelt eher einem Arioso, dafür gibt es drei aufeinander folgende und im Charakter gegensätzliche Arien, in der die Leidenszeit, die Christus bevorsteht, als Quelle geistlicher Inspiration behandelt wird, vom Bass (Nr. 4) und Tenor (Nr. 6), die Christus direkt ansprechen, vom Alt (Nr. 5), der alle Christen aufruft, den Heiland in der Weise zu begrüßen, wie es im Evangelium berichtet wird: ‚Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg. Die anderen hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg’.
Bach setzt in dieser langsamen und ausgedehnten Dacapo-Arie (mit geringfügig schnellerem B-Teil), deren sich windende, absteigende Phrasen andeuten, wie sich die Zweige neigen und die Menschen vor dem Heiland niederknien, eine einzelne Blockflöte gegen das Alt-Solo. Auf mich wirkte das wie eine musikalische Pietà, die Alt-Marienfigur, die den Heiland in ihren Armen wiegt – und wir fanden in der Nordwestecke der Kirche tatsächlich eine Pietà der englischen Bildhauerkunst. Die Tenor-Arie, von einer regen, zuweilen gequälten Continuolinie unterlegt (cis-moll in dieser transponierten Leipziger Fassung!) verweist auf eine Stimmung zu einem späteren Zeitpunkt während der Passion. Immer wieder abrupter Stillstand und Neubeginn – diese Abfolge deutet an, wie Jesus unter der Last des Kreuzes stolpert, während ihm seine Jünger auf dem langen Weg ‚durch Wohl und Weh’ nicht folgen können.
Die Kantate endet mit zwei Chören, der erste eine motettenähnliche Choralfantasie, die um Vulpius’ schöne Melodie (1609) des für Palmsonntag bestimmten Liedes gebaut ist, der zweite ein munterer Chortanz, der auf direktem Wege einer heiteren Oper dieser Zeit hätte entnommen sein können (und auch im Ersten Akt von TschaikowskysEugen Onegin nicht völlig fehl am Platze gewesen wäre). Dieser Tanz verlangt die Ausgeglichenheit eines Trapezkünstlers im Verbund mit der Agilität eines Madrigalgymnasten – und ist einfach faszinierend. In einer Kirche, die bis auf den letzten Platz mit einem so bunt gemischten Publikum besetzt war – der Prince of Wales, seine Stallmeister, sein Leibwächter, die Mimen seiner House-Party, Bach-‚Pilger’ aus London und Oxford, sogar jemand aus Japan –, spürte man noch mehr als sonst das Geheimnis einer Live-Aufführung von Bachs Musik, die offensichtlich Interpret wie Hörer gleichermaßen Nahrung gibt. Die erhebende Stimmung war zu fühlen.
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung. Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf “YouTube“ sind sehr ergiebig.
Eine inhaltliche Kantaten-Beschreibung von „Sir John Eliot Gardiner“ ist in seinem Reisetagebuch als PDF einsehbar und steht als Download zur Verfügung!
– Entfällt für die Fastenzeit ! –
Am 10. April 2011 begehen wir den Sonntag „Judika“
Der Name des Sonntags Judika leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: „Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta“ (Ps 43, 1; ), Von diesem Sonntag an bis zum Karsamstag wird auch die Gloria-Patri-Strophe, die üblicherweise an jeden Psalm angefügt wird, nicht mehr gesungen, weil mit diesem Sonntag nach altem Brauch die eigentliche Passionszeit beginnt. Das wird in der neuen Agende (dem EGb) nicht mehr so gesehen. Dort schweigt Gloria Patri erst ab dem Sonntag Palmarum. Nach dem Sonntag Laetare, an dem die Hingabe Jesu bedacht wurde, betont nun der Sonntag Judika den Gehorsam Christi genauso wie unseren Gehorsam. Es geht also um unsere Antwort auf Gottes Handeln und Gebot, die unaufgebbare Dualistik der Gnade Gottes: wenn sie nicht angenommen wird, kann sie auch nicht wirken. Es ist die Freiheit der Selbstentscheidung, von Gott geschenkt, die uns auch das Verderben bringen kann. Die Texte zeigen uns in teilweise grausamer Härte, wie Gehorsam immer auch zum Segen führt.
Auf dem Weg zum Kreuz erkennen wir den Gehorsam, mit dem Jesus alle Schmach, die ihm zugefügt wurde, geduldig getragen hat. Im Evangelium dieser Woche wird deutlich, dass, wenn wir Anspruch auf einen Platz an Jesu Seite erheben wollen, von uns der gleiche Gehorsam gefordert wird. Aber wir erfahren immer wieder, dass wir zu solchem Gehorsam nicht fähig sind, und sind dankbar, dass Jesus Christus durch seinen Gehorsam unser aller Heil bewirkt hat.
Während der Passionszeit hatte in Leipzig die Figuralmusik in den Kirchen zu schweigen. J.S. Bach hatte somit genügend Zeit, sich den äußerst anspruchsvollen Kompositionen seiner Passionsmusiken für den Karfreitag zu widmen – z.B. Matthäus- Johannes Passion.
Zwischen dem heutigen Fastensonntag „Reminiszere“ und dem „Karsamstag“ wurde in den Gottesdiensten in Leipzig keine Musik aufgeführt.
Aus diesem Grund ist von J.S. Bach keine Kantate für diesen Zeitraum speziell komponiert worden.
Für den Sonntag “Judika“ sind folgende Bach-Kantaten zum Anhören geeignet:
Dass wir am heutigen Fastensonntag Judika nicht auf eine Kantate verzichten müssen liegt daran, dass Bach zahlreiche Kantaten komponiert hat, ohne ihnen einen bestimmten Sonntag im Kirchenjahr zuzuordnen.
BWV 5 – „Wo soll ich fliehen hin“
Zugrunde liegt dieser Kantate das 11-strophige Lied von Johann Herrmann, der es 1630 komponiert hat. Anfangs- und Endstrophe wurden unverändert beibehalten, die anderen Strophe in recht freier Weise umgedichtet. Das Jesuswort zu dem Gichtbrüchigen „deine Sünden sind dir vergeben“ bildet den Anknüpfungspunkt. Es weckt das eigene Sündenbewusstsein und mündet in der Zuversicht, dass Jesus nicht nur dem Gichtbrüchigen, sondern mit seinem Opfertod allen Menschen die Sünden weggenommen hat. So wenden die ersten drei Sätze allmählich den Blick von der ausweglosen Lage des Sünders auf den Sühnetod Jesu. So heißt es zum Beispiel im dritten Satz, der Arie des Tenor: Ergieße dich reichlich, du göttliche Quelle, ach walle mit blutigen Strömen auf mich!„ Unüberhörbar die Anspielung auf den Kreuzestod. Ein viertöniger, abwärtsgerichteter Tonleiterausschnitt dient zur Charakterisierung dieser reichlich fließenden Quelle.
stelle ich für jedem Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
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eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf “YouTube“ sind sehr ergiebig.
Eine inhaltliche Kantaten-Beschreibung von „Sir John Eliot Gardiner“ ist in seinem Reisetagebuch als PDF einsehbar und steht als Download zur Verfügung! – Entfällt für die Fastenzeit ! –
Am 03. April 2011 begehen wir den Sonntag „Laetare“
Der Name des Sonntags „Laetare“ leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: „Laetare cum Jerusalem, et exsultate in ea, omnes qui diligitis eam“ (Jes 66, 10;).
Der Sonntag Laetare steht in der Mitte der Fastenzeit und wird deshalb auch „Mittfasten“ genannt. Ein anderer Name für diesen Sonntag aufgrund des Evangeliums von der Brotvermehrung ist „Brotsonntag“. In der römischen Kirche wird der Sonntag auch als „Rosensonntag“ bezeichnet, weil an ihm der Papst eine goldene Rose weihte, die angesehenen Persönlichkeiten oder Instituten, die sich um die römische Kirche verdient gemacht hatten, verliehen wurde. Dieser Brauch wird heute nicht mehr wahrgenommen.
Deswegen ist es auch befremdlich, dass das neue Evangelische Gottesdienstbuch für den Sonntag Laetare die liturgische Farbe „rosa“ vorschlägt, die nur in der römischen Kirche zur Anwendung kam aufgrund dieses Brauches.
Nachdem bisher der Aspekt unserer Schuld gegenüber Gott stärker in den Vordergrund getreten ist, tritt nun am Sonntag Laetare Gottes Handeln an uns in den Vordergrund als Antwort auf unsere Verfehlungen. Dadurch wird der wichtige Aspekt des Evangeliums deutlich, dass wir eben in erster Linie durch Gottes Hilfe frei werden von unseren Verfehlungen, und nicht durch unsere eigenen Werke. Damit gewinnt die Fastenzeit nun einen gewissen fröhlichen Charakter, obgleich wir natürlich weiterhin betrübt sind darüber, dass ein solches Opfer um unseretwillen nötig ist. Dass Gott es aber aus freien Stücken gibt, um uns zu erlösen, ist die große Freude des Evangeliums, das auch in der Fastenzeit uns durchträgt!
Während der Passionszeit hatte in Leipzig die Figuralmusik in den Kirchen zu schweigen. J.S. Bach hatte somit genügend Zeit, sich den äußerst anspruchsvollen Kompositionen seiner Passionsmusiken für den Karfreitag zu widmen – z.B. Matthäus- Johannes Passion.
Zwischen dem heutigen Fastensonntag „Reminiszere“ und dem „Karsamstag“ wurde in den Gottesdiensten in Leipzig keine Musik aufgeführt.
Aus diesem Grund ist von J.S. Bach keine Kantate für diesen Zeitraum speziell komponiert worden.
Für den Sonntag “Laetare“ sind folgende Bach-Kantaten zum Anhören geeignet:
Dass wir am heutigen Fastensonntag Laetare nicht auf eine Kantate verzichten müssen liegt daran, dass Bach zahlreiche Kantaten komponiert hat, ohne ihnen einen bestimmten Sonntag im Kirchenjahr zuzuordnen.
BWV 97 – „Johann Sebastian Bach
In allen meinen Taten, BWV 97,
Kantate
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo
Katharine Fuge, Sopran
Robin Tyson, Altus
Steve Davislim, Tenor
Stephen Loges, Bass
Monteverdi Choir
English Baroque Soloists
Leitung: John Eliot Gardiner“
In allen meinen Taten, BWV 97, Kantate
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo
Katharine Fuge, Sopran
Robin Tyson, Altus
Steve Davislim, Tenor
Stephen Loges, Bass Monteverdi Choir English Baroque Soloists Leitung: John Eliot Gardiner
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BWV 192 „Nun danket alle Gott“
Entstanden ist die Kantate vermutlich im Jahr 1730. Und der Titel verrät es schon: Bei diesem Werk handelt es sich um eine sogenannte Choralkantate, das heißt Bach nimmt einen Choral zur Grundlage seines Werkes. Und zwar den Choral: „Nun danket alle Gott“, der ja noch heute im aktuellen Gesangbuch „Gotteslob“ zu finden ist und nach wie vor zu einem der beliebtesten Kirchenlieder gehört. Bach übernimmt die drei Strophen des Liedes unverändert und ohne jede Ergänzung, was dazu führt, dass diese Kantate zu den kürzesten Kantaten Bachs gehört.
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Kantaten für Mariä Verkündigung, Palmsonntag und Oculi Walpole St Peter, Norfolk
Auszug aus dem Gardiner-Reisetagebuch zum Sonntag Oculi:
Ein einzelnes Konzert – am dritten Sonntag in der Fastenzeit (am 26. März in diesem Jahr), bei dem wir uns mit einer einzigen Kantate begnügen müssen, Mariä Verkündigung in unmittelbarer Nähe (25. März) und eine abgelegene Kirche in den Marshlands, vielleicht eine der schönsten Kirchen Englands im frühen Perpendikularstil: Bei diesem Konzert gab es immer eine Überraschung, sogar bei der Planung……
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Am 27. März 2011 begehen wir den Sonntag „Oculi“
Der Name des Sonntags Okuli- (Oculie) – leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: „Okuli mei semper ad Dominum, quoniam ipse evellet de laqueo pedes meos“ (Ps 25, 15; ). Der Sonntag Okuli hat das Thema „Konsequente Nachfolge“. In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht auf weltliche Güter.
Der Sonntag Oculi – (Okuli) – steht im Mittelpunkt der Fastenzeit (die Heilige Woche ist hier ausgenommen), und als solcher sollte er auch begangen werden: es sollte eine Bekräftigung der Entscheidung zur Nachfolge stattfinden, und im Rahmen der Fastenzeit kann man vielleicht auch generell noch einmal auf verschiedene Möglichkeiten des Verzichtes eingehen. Die Stellung des Sonntags als Mittelpunkt der Fastenzeit vor der Heiligen Woche lädt auch dazu ein, das Leiden und Sterben Jesu, wodurch wir gerecht werden, vorweg zu erahnen. Denn dadurch ist ja auch unser Versuch, an diesem Leiden durch Verzicht auf etwas liebgewonnenes teilzuhaben, ohne Verpflichtung möglich. Der von uns geleistete Verzicht erfolgt aus freien Stücken und bringt uns keinen Gewinn bei Gott, aber für uns selbst.
Am Sonntag Okuli hören wir, dass die Nachfolge Jesu auch Verzicht auf die Reichtümer bedeutet, deren Gebrauch uns so sebstverständlich ist. Nachfolge bedeutet auch Einsamkeit, wenn das Wort, das wir befolgen, uns zwingt, gegen den Strom zu schwimmen. Das Blut Jesu Christi aber macht es uns leicht, auch diese Bürden der Nachfolge zu tragen.
In der Fastenzeit gibt es in der Liturgie kein Gloria und kein Halleluja. Oft wird auch nicht mit vollem Geläut zum Gottesdienst gerufen. Die liturgische Farbe ist Violett.
Während der Passionszeit hatte in Leipzig die Figuralmusik in den Kirchen zu schweigen. J.S. Bach hatte somit genügend Zeit, sich den äußerst anspruchsvollen Kompositionen seiner Passionsmusiken für den Karfreitag zu widmen – z.B. Matthäus- Johannes Passion.
Zwischen dem heutigen Fastensonntag „Reminiszere“ und dem „Karsamstag“ wurde in den Gottesdiensten in Leipzig keine Musik aufgeführt.
Aus diesem Grund ist von J.S. Bach keine Kantate für diesen Zeitraum speziell komponiert worden.
Johann Sebastian Bach Widerstehe doch der Sünde, BWV 54
Kantate zum Sonntag Oculi
für Alt, Streicher und Basso continuo
Yoshikazu Mera, Alt
Bach Collegium Japan
Leitung: Masaaki Suzuki
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Ich wünsche allen Besuchern einen schönen Fasten-Sonntag Oculi!
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Entfällt für die Fastenzeit..!! –
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Am 20. März 2011 begehen wir den Sonntag „Reminiscere“
Der Name des Sonntags „Reminiszere“ leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: „Reminiscere miserationum tuarum, Domine, et misericordiarum tuarum quae e saeculo sunt.“ (Ps 25, 6; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von „Reminiszere“ hervorgehoben)
Der Sonntag Reminiszere hat das Gleichnis von den bösen Weingärtnern zum Thema. Es geht dabei um das Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Wohl wissend, was sie tun, bringen die Weingärtner den Sohn des Besitzers um, hoffend, dass sie dann den ganzen Besitz für sich einstreichen können. Ganz offensichtlich soll das Gleichnis darauf hindeuten, dass die Menschen, die eine Verantwortung von Gott übertragen bekommen haben (jeder), das ihnen Anvertraute lieber als ihr Eigentum ansehen wollen und dabei die Rechte Gottes zu mißachten (und damit auch seine Macht).
Die Frage dieses Sonntags und dieser Woche ist daher die nach unserem Verhältnis zu Gott. Sie wird allerdings schwierig zu beantworten sein, denn wie mißt man ein solches Verhältnis? Sobald man zu messen beginnt, ist man ja nicht mehr Betroffener, sondern „Richter“, und stellt sich damit jenseits dessen, was einen zutiefst persönlich angeht. Und das kann nicht gut gehen. Soll man andere den Maßstab anlegen lassen? Auch das ist nicht im Sinne des Evangeliums. Bleibt nur das „Innewerden“, das „Auf-Sich-Besinnen“, als Möglichkeit, über das eigene Verhältnis zu Gott nachzudenken und, falls nötig, Konsequenzen zu ziehen.
In der Fastenzeit gibt es in der Liturgie kein Gloria und kein Halleluja. Oft wird auch nicht mit vollem Geläut zum Gottesdienst gerufen. Die liturgische Farbe ist Violett.
Während der Passionszeit hatte in Leipzig die Figuralmusik in den Kirchen zu schweigen. J.S. Bach hatte somit genügend Zeit, sich den äußerst anspruchsvollen Kompositionen seiner Passionsmusiken für den Karfreitag zu widmen – z.B. Matthäus- Johannes Passion.
Zwischen dem heutigen Fastensonntag „Reminiszere“ und dem „Karsamstag“ wurde in den Gottesdiensten in Leipzig keine Musik aufgeführt. Aus diesem Grund ist von J.S. Bach keine Kantate für diesen Zeitraum speziell komponiert worden.
Für den Sonntag “Reminiszere“ sind folgende Bach-Kantaten zum Anhören geeignet:
BWV 5 – „Wo soll ich fliehen hin“
Gardiner Pilgrimage Vol. 10 – CD 1
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/ YouTube: BWV 5
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BWV 100 – „Was Gott tut, das ist wohlgetan“
Gardiner Pilgrimage Vol. 8 – CD 1
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/ YouTube: BWV 100
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BWV 157 – „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“
Gardiner Pilgrimage Vol. – entfällt –
J.S. Bach komponierte dieses Werk zum bes. Anlass als „Trauerkantate“
Am 31. Oktober 1726 war der Kammerherr Johann Christoph von Ponickau im Alter von 75 Jahren gestorben. Er war eine hochangesehene Persönlichkeit gewesen und hatte sich um Sachsen vielerlei Verdienste erworben. Ob er unmittelbare Beziehungen zu Bach gehabt hat, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall hat der Textdichter Christian Friedrich Henrici, besser bekannt unter dem Pseudonym Picander, ein Trauergedicht auf seinen Tod geschrieben und unmittelbar anschließend den Text der Bachkantate „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Uraufführung war der 6. Februar 1727.
Johann Sebastian Bach „Was Gott tut, das ist wohlgetan“
BWV 100, Kantate
für Soli, Chor, Bläser, Streicher, Pauken und Basso continuo
Sandrine Piau, Sopran
Bogna Bartosz, Alt
James Gilchrist, Tenor
Klaus Mertens, Bass
Amsterdam Baroque Choir and Orchestra
Leitung: Ton Koopman
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Reisetagebuch Sir Gardiner – für die Sonntage der Fastenzeit e n t f ä l l t ! –
Künstler Meinung-Beitrag – für die Sonntage der Fastenzeit e n t f ä l l t ! –
Alle Welt spricht von „Franz Schubert’s Winterreise“ doch keiner weiß Näheres zu den Textquellen, die Franz Schubert dazu veranlasste, diese Texte 1823 zu vertonen.
Textdichter: Johann Ludwig Wilhelm Müller
Johann Ludwig Wilhelm Müller geboren am 7.10.1794 in Dessau, gestorben 1.10.1827 in Dessau wurde als Dichter von Volksliedern bekannt. Insbesondere „Das Wandern ist des Müllers Lust“ und das mit der Zeile „Am Brunnen vor dem Tore“ beginnende Lied „Der Lindenbaum“ haben ihn bekannt gemacht.
Müller besuchte zur Vorbereitung auf die Universität die Dessauer Hauptschule, bevor er mit 18 Jahren 1812 nach Berlin ging um dort sein Studium in klassischer Philologie und Germanistik anzutreten. Bereits im Februar unterbrach er jedoch sein Studium und trat als Freiwilliger in das preußische Heer ein und nahm an den Befreiungskämpfen gegen Napoleon teil. Ein Jahr später wurde er zum Leutnant ernannt und führte seinen Militär-Dienst in Brüssel / Belgien weiter.
In dieser seiner Brüsseler Dienstzeit lernte J.L.W. Müller seine große Liebe kennen. Aus dienstrechtlichen Gründen blieb es ihm aber versagt, eine Verbindung mit ihr einzugehen. Es wird vermutet, dass Müller nach seiner Beendigung der Dienstzeit in Brüssel auf der Zugrückreise im Winter nach Berlin die ersten Strophen der Winterreise aus seinen frischen und traumatischen Erlebnissen der unerfüllten „Großen Liebe“, die nicht zustande kommen konnte, niedergeschrieben hat. 1818 erschuf er den Gedichtzyklus „Die schöne Müllerin“, in dem er die unerfüllte Liebe eines Müllerburschen zur Müllerin behandelt.
Ab 1818 besuchte er den literarischen Salon in Berlin, wo er die Bekanntschaft von Gustav Schwab, Achim von Arnim, Clemens Brentano und Ludwig Tieck machte. In dieser Zeit unternahm Müller auch eine Bildungsreise nach Italien. Im April 1819 wurde er Gymnasiallehrer, später auch Herzoglicher Bibliothekar in seiner Heimatstadt Dessau, 1824 erfolgte die Ernennung zum Hofrat. Von einer Erkrankung am Keuchhusten 1826 konnte er sich nicht mehr richtig erholen, er starb im Alter von 33 Jahren am 1. Oktober 1827 an einem Herzschlag in Dessau.
Müller schrieb viele Gedichte, die zu Volksliedern wurden. Er wurde allerdings oft als mittelmäßiger Autor der Romantik abgewertet. Bekannt, und berühmt bis heute, wurde er hauptsächlich durch die Vertonungen seiner Lieder durch Franz Schubert. Der Zyklus ,,Die Winterreise“ ist nur eines von vielen Werken, die in den letzten acht Jahren seines Lebens erschienen.
Die Form des Zyklus ,,Die Winterreise“ umfasst 24 Gedichte mit meist jambischen oder trochäischem Versmass. Es erschien zunächst nicht als Einheit, sondern wurde erst nach und nach zusammengesetzt, wobei sich die Anordnung der Gedichte veränderte. ,,Die Winterreise“ erschien einheitlich erst im Jahr 1824.
Franz Schubert (1797-1828)
Franz Schubert (1797-1828), österreichischer Komponist, vertonte die Gedichte. Schubert lernte Müllers Gedichte zuerst im Almanach Urania Taschenbuch im Jahr 1823 kennen und vertonte so die ersten Gedichte. 1827, im Todesjahr Müllers, las Schubert dann die Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten, die den kompletten Gedichtszyklus Müllers beinhalteten. Nachträglich vertonte er auch die restlichen Gedichte und fasste sie mit den anderen zur heute bekannten ,,Winterreise“ zusammen. Schubert komponierte die Winterreise 1827, ein Jahr vor seinem Tod, wobei er Müllers Gedichtzyklus erst nur zur Hälfte kennenlernte, so komponierte er im Februar 1827 nur 12 Lieder, mit der anderen Hälfte kam er wohl erst im Spätsommer des gleichen Jahres in Berührung.
1828 wurde der Liederzyklus von Schubert vollendet, ein Jahr vor seinem Tod. Neben den bekanntesten Liedern Schuberts gehört die Winterreise, der Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ sowie seine Vertonungen einiger Gedichte Goethes zu seinen bekanntesten Liedervertonungen. Müller als Textgeber und Schubert als Komponist sind sich in ihrem Leben nie begegnet.
Eine konkrete Handlung im dramatischen Sinn besitzt die Winterreise nur in einem sehr geringen Maße; geschildert wird das Schicksal eines Mannes, der aus enttäuschter Liebe zu einer Wanderung in die Winternacht aufbricht (Nr. 1: Gute Nacht). Auf seinem Weg, der im zunehmenden Maße in Einsamkeit und Verzweiflung führt, wird der Wanderer mit verschiedenen Empfindungen konfrontiert, die vom Ausnutzen der Gefühle (Nr. 2: Die Wetterfahne), über wilden Trotz (Nr. 22: Mut) bis hin zu Selbstmordgedanken (Nr. 5. Der Lindenbaum) reichen. Diese 24 Stationen eines Weges ins nicht bilden sozusagen Schlaglichter auf dem Pfad in die innere Emigration. Auf seiner Reise trifft der Wanderer auf keine weiteren Personen, lediglich Hunde und Krähen sind seine Begleiter, erst am Ende trifft er auf einen Gefährten (Nr. 24: Der Leiermann), der, genau wie er, ein Außenseiter ist, der sogar von den Hunden gemieden wird. Darüber hinaus kann die Gestalt des Leiermannes auch als Todessymbol gedeutet werden (der Tod als Spielmann).
Da die Winterreise sowohl aufgrund ihrer technischen Anforderungen als auch durch ihre inhaltliche Tiefe als der wohl wichtigste Beitrag zur Gattung des Kunstliedes gilt, ist es nicht verwunderlich, dass sie für jeden Musiker, der sich mit Kunstliedern beschäftigt, zum Pflichtprogramm gehört. Kein anderer Liederzyklus ist so oft auf Schallplatte eingespielt oder bearbeitet worden. Alleine der Bariton Dietrich Fischer-Dieskau nahm dieses Werk ein Dutzendmal auf, zu den weiteren bedeutenden Interpreten gehören Hans Hotter, Peter Anders, Hermann Prey und Thomas Quasthoff.
Vielfach bildete die Winterreise auch eine Vorlage für diverse Bearbeitungen: 1993 schuf der deutsche Komponist Hans Zender mit Schuberts Winterreise – eine kompositorische Interpretation eine Version für Tenor und kleines Orchester, bei denen bestimmte Details durch Effekte hervorgehoben, manchmal aber auch umgedeutet werden. Weitere Fassungen entstanden für Singstimme, Sprecher und Gitarre, für Singstimme und Kammerorchester, für Singstimme und Streichquartett sowie für Singstimme und Drehleier.
Eine inhaltsreiche Seite mit Gedanken zu Schuberts-Winterreise nachstehend:
stelle ich für jedem Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf “YouTube“ sind schier unerschöpflich. Eine inhaltliche Kantaten-Beschreibung von „Sir John Eliot Gardiner“ ist in seinem Reisetagebuch als PDF einsehbar und steht als Download zur Verfügung! – *) Entfällt für die Fastenzeit..!! –
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Am 13. März 2011 begehen wir den Sonntag „Invocavit“
Der Name des Sonntags „Invokavit“ leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Invocavit me, et ergo exaudiam eum“ (Ps 91, 15;) „Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören“ (Ps 91,15 EU). Am Sonntag Invokavit hören wir die Erzählung von der Versuchung Jesu und danken Gott, dass wir in ihm einen Hohenpriester haben, der – ohne Sünde – durch sein Opfer für uns die Erlösung gewirkt hat. Nur im Blick auf diesen Hohenpriester können wir, die wir immer die Macht der Versuchung erfahren und ihr unterliegen, getrost leben.
Invocavit, Invokavit, der 6. Sonntag vor Ostern; in der katholischen Kirche der 1. Sonntag der Fastenzeit; in den evangelischen Kirchen der 1. Sonntag der Passionszeit. Der Sonntag Invokavit hat die Geschichte der Versuchung Jesu zum Thema. Versuchung ist inzwischen zu einem altertümlichen Begriff geworden, vor allem deshalb, weil die Frage nach dem Versuchenden immer deutlicher gestellt wurde und wird.
Im ordentlichen Ritus der Liturgie der römisch-katholischen Kirche lautet der Introitus des 2. Fastensonntags jetzt Tibi dixit cor meum, quaesivi vultum tuum, „Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht!“ (Ps 27,8 EU)
In der Fastenzeit gibt es in der Liturgie kein Gloria und kein Halleluja. Oft wird auch nicht mit vollem Geläut zum Gottesdienst gerufen. Die liturgische Farbe ist Violett.
Während der Passionszeit hatte in Leipzig die Figuralmusik in den Kirchen zu schweigen. J.S. Bach hatte somit genügend Zeit, sich den äußerst anspruchsvollen Kompositionen seiner Passionsmusiken für den Karfreitag zu widmen – z.B. Matthäus- Johannes Passion.
Mit dem Sonntag Invocavit sind in der evangelischen Theologie untrennbar die Invokavitpredigten Martin Luthers 1522 in Wittenberg verbunden.
*) Zwischen dem heutigen Fastensonntag „Invocavit“ und dem „Karsamstag“ wurde in den Gottesdiensten in Leipzig keine Musik aufgeführt. Aus diesem Grund ist von J.S. Bach keine Kantate für diesen Zeitraum speziell komponiert worden.
Für den Sonntag „Invocavit“ sind folgende Bach-Kantaten zum Anhören geeignet:
BWV 40 Satz 1 – „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes“ / Audio: Satz 1