Daniel Taylor, Exklusivkünstler von Sony Classical/BMG Masterworks ist einer der gefragtesten Countertenöre der Welt. Er ist auf mehr als 80 Aufnahmen zu hören, wie z.B. Bach Cantatas/Monteverdi Choir/Gardiner (Deutsche Grammophone Archiv und SDG); Renaissance duets mit Bowman/Schauspieler Ralph Fiennes (BIS); Händels Rinaldo mit Bartoli /AAM/Hogwood (Decca); Cantatas „Before Bach“ mit Collegium Vocale/Herrewege (Harmonia Mundi); Sakamotos pop-opera „Life“ mit dem Dalai Lama und Salman Rushdie (Sony); Bach Kantaten mit Bach Collegium Japan (BIS); Bach Solo-Aufnahme mit Theatre of Early Music (Sony); Vivaldi Gloria mit dem Bethlehem Bach Choir/Fumfgeld (Analekta); Vivaldis Stabat Mater (BIS); 4 Aufnahmen von Händels Messiah: mit dem Kammerchor Stuttgart/Bernius (Carus), den American Bach Soloists (Koch), gerade erschienen als CD/DVD mit Tafelmusik (Bravo Television) und live mit New York Philharmonic. Außerdem erschien Bachs h-moll Messe auf CD/DVD mit dem Ensemble Orchestral Paris/Nelson (EMI Virgin) sowie mit dem Kammerchor Stuttgart/Bernius (Carus).
Unmittelbar auf sein Operndebut in Händels Rodelinda in einer Produktion von Jonathan Miller (Aufzeichnung durch EMI) folgte sein für Erato eingespieltes gefeiertes Debut in Glyndebourne (Händel Theodora). Sein nordamerikanisches Operndebüt gab er in Händels Giulio Cesare an der Metropolitan Opera New York. Außerdem war er an der Bayerischen Staatsoper (Goffredo in Händels Rinaldo), in Edinburgh (Titelrolle in Glucks Orfeo), an der Welsh National Opera (Hamor in Händels Jephta) und an der Canadian Opera (Tolomeo in Händels Tolomeo) zu erleben.
Er konzertiert mit dem Academy of Ancient Music, Gabrieli Consort, Internationalen Bachakademie Stuttgart, Les Arts Florissants, Akademie für Alte Musik, Orchestra of the Age of Enlightenment, King’s Consort und mit den Symponieorchestern von Cleveland, St. Louis, Lissabon, Philadelphia, Tonhalle Zürich, München (Rundfunkorchester), San Francisco, Madrid, Toronto, Göteborg, Rotterdam, Montreal, Israel, Philadelphia und Rotterdam.
Als Liedsänger war er im Konzerthaus Wien, bei der Frick Collection New York, in der Forbidden Concert Hall Beijing, beim Lufthansa Barock Festival und in der Wigmore Hall London zu hören. Er wirkte in Podeswas preisgekröntem Film Five Senses for Fineline mit.
Daniel Taylor ist Professor of Voice am Conservatoire de musique in Montreal, Professor of Voice an der University of Ottawa, Adjunct Professor an der McGill University und Visiting Scholar an der University of Victoria.
Er ist Artistic Director und Leiter des Choir and Orchestra of the Theatre of Early Music. Das Ensemble gibt mehr als 30 Konzerte pro Jahr in der ganzen Welt.
Auch Daniel Taylor wird den vielgestaltigen Anforderungen deutlich gerecht, zeichnet in den lyrischen Teilen feine Linien, entfaltet in dramatischen Abschnitten auch das nötige Feuer – so vor allem in den Arien ‚But who may abide‘ und ‚He was despised‘. Klassik.com, März 2010
Sehr expressiv ist die Stimme Daniel Taylors, die in ihrer Weichheit ein fast weibliches Timbre hat. Das Altsolo im ‚Et incarnatus est‘ ist ein Höhepunkt an Ausdrucksintensität in dieser Messe. Zum einen, weil Zelenka hier mit der Tradition des pastoral-versöhnlichen Gestus‘ zur Darstellung der Menschwerdung Christi bricht und in einem düsteren Lamento die unmittelbare Verbindung des Ereignisses zum späteren Kreuztod herstellt, das ‚Crucifixus‘ antizipierend. Zum anderen, weil Taylor das Solo in seinem erschütternden Klageton regelrecht zu leben scheint. Die kurzen Phrasen erfüllt er mit einer bedeutungsvollen Schwere, ohne dabei über die Stränge zu schlagen und den Satz zu einem emotionalen Ausbruch, einem Drama zu verdrehen. Taylors Gesang bettet sich ganz selbstverständlich in den sonoren Klang des Orchesters und formt die Szene zu einer ganz intimen, tief empfundenen Lamento, das einem Schauer über den Rücken jagt. Klassik.com, Oktober 2010
Durch seine zahlreichen internationalen Engagements hatte der gebürtige Kanadier bisher schon häufig die Möglichkeit mit den besten Barockorchestern zusammenzuarbeiten. Besonders klangschön wird seine Stimme durch die sehr gut überblendeten und daher kaum auffallenden Registerwechsel. Seine warme, in der Höhe wie in der Tiefe äußerst kultiviert geführte und nie zur Schärfe neigende Altstimme ergänzt sich mit Kirkbys Sopran perfekt. Klassik.com, April,2006
Besondere Erwähnung verdient der schöne Countertenor von Daniel Taylor. Ist es eine Gabe, wenn Countertenöre feminin klingen, dann ist Taylor diese auf betörende Weise eigen. Er besitzt einen geraden Ton, der noch über ausreichend Vibrato verfügt, um nicht stumpf zu klingen, das Timbre leuchtet, nur die Tiefe ist etwas schwach. Hörenswert. Klassik.com, September 2004
Joanne Lunn (Sopran) studierte am Royal College of Music in London und gewann dort die renommierte Tagore Goldmedaille. Als Solistin konzertiert sie regelmäßig mit Ensembles wie den English Baroque Soloists, der Akademie of Ancient Music, dem Hilliard Ensemble, Philipp Herreweghes Collegium Vocale Gent, dem King’s Consort oder dem Gabrieli Consort. Auch war sie u.a. oft gehörter Gast in der „Bach Cantata Pilgrimage“ von John Eliot Gardiner und dem Monteverdi Choir. Ihr Operndebut gab Joanne Lunn an der English National Opera in Monteverdis „L’Incoronazione di Poppea“ unter Harry Christophers. Sie sang in Venedig die Helena in Brittens „A Midsummer Night’s Dream“ unter John Eliot Gardiner und wirkte in Paris und Peking in Jonathan Millers Inszenierung von Monteverdis „Orfeo“ unter der Leitung von Philip Pickett mit. Im Rahmen von oratorischen Partien von Bach, Händel und Haydn arbeitet sie mit Dirigenten wie Roger Norrington, Frieder Bernius, Mark Minkowski und Masaaki Suzuki und gastierte z.B. bei den Händelfestspielen in Göttingen und Halle, bei den Proms der BBC in London und den Salzburger Festspielen.
Ihre Discographie umfasst Vivaldi Laudate Pueri mit The King’s Consort (Hyperion), Haydn Messen mit Sir John Eliot Gardiner und dem Monteverdi Choir (Philips), John Rutter Mass of the Children mit der City of London Sinfonia unter der Leitung des Komponisten (Collegium), Sir John Eliot Gardiners Bach-Kantaten-Zyklus, der während der Bach-Cantata Pilgrimage im Jahr 2000 aufgenommen wurde (Deutsche Grammophon / Soli Deo Gloria), Bachs Oster-Oratorium mit Frieder Bernius und dem Kammerchor Stuttgart (Carus), Bach-Motetten mit dem Hilliard Ensemble (ECM) und mit dem Messias RPO mit John Rutter.
[…]Joanne Lunns geschmeidiger Sopran, der besonders in der Höhe glockenrein klingt und mit einer an die Stimme eines Knaben erinnernden, anrührenden Naivität (‚Qui tollis‘) besticht, evoziert geradezu das Bild der betenden Jungfrau. […] Klassik.com, Oktober 2010
Die Gründung des Monteverdi Choir durch John Eliot Gardiner erfolgte 1964 in Cambridge anlässlich einer Aufführung der »Marienvesper« von Claudio Monteverdi. Ziel war es damals, sich ausgehend von der Musik des Barock ein breit gefächertes Repertoire zu erarbeiten. Das Ensemble wurde bald bekannt für sein leidenschaftliches Musikantentum, gepaart mit rhythmischer Vitalität und der Fähigkeit, Werke ganz unterschiedlicher Komponisten in verschiedenen Sprachen und Ausdrucksformen stilistisch überzeugend zu präsentieren.
Monteverdi Choir
Im Jahr des 400. Geburtstages von Claudio Monteverdi gelang John Eliot Gardiner der internationale Durchbruch. Zusammen mit dem von ihm gegründeten Monteverdi Choir führte er 1967 in der “Kathedrale Ely” Monteverdis “Versperae Mariae Virginis” in einer von ihm selbst revidierten Fassung auf und wurde durch den großen Erfolg der Veranstaltung ermutigt, die Arbeit in dieser Richtung fortzusetzen und zu erweitern.
Seit seiner Gründung hat der Monteverdi Choir besonders jungen Nachwuchs-Solisten die Möglichkeit geboten, hochwertige musikalische Erfahrungen zu sammeln sowie Auftrittspraxis zu erwerben, die am Beginn einer Laufbahn besonders wertvoll ist.
Der Chor unternahm zahlreiche vielbeachtete Tourneen, unter denen die »Bach-Kantaten-Pilgerfahrt« im Jahr 2000 eine absolute Sonderstellung einnimmt: Anlässlich des 250. Todestages von J. S. Bach führte der Chor gemeinsam mit den English Baroque Soloists 186 geistliche Kantaten in 63 Kirchen in Europa und den USA auf.
Im Sommer 2004 führte der Chor eine weitere »Pilgerfahrt« mit vierzehn Konzerten in Kirchen entlang des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela/ Spanien durch. Die Pilgerfahrt und die Konzerte wurden von der spanischen Zeitung El Pais zu den »Besten Konzerten des Jahres 2004« gewählt.
Eine höchst erfolgreiche Partnerschaft verbindet den Chor mit dem Théâtre du Châtelet in Paris, an dem er in Produktionen von Verdis Falstaff (2001) sowie Webers Oberon (2002) auftrat. 2003 wirkte er an der ersten kompletten Aufführung in Frankreich von Berlioz’ Oper Les Troyens mit, die den Grand Prix des Französischen Journalistenverbandes gewann. Im November und Dezember 2005 unternahm der Chor mit Stücken von Purcell eine höchst erfolgreiche Tournee in Europa und Asien.
Der Chor hat mittlerweile mehr als 100 Einspielungen aufzuweisen, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden, darunter mehrere Gramophone-Awards.
Foto: Sir John Eliot Gardiner, Engl. Dirigent (Fotorechte: V. Hege)
Der Meisterdirigent, Sir John Eliot Gardiner, Chor- und Orchestergründer mit dem Hang zur Barockmusik wurde am 20. April 1943 in Fontmell Magna in der englischen Grafschaft Dorset geboren. Schon zu Studentenzeiten an der Universität von Cambridge nahm er den Taktstock in die Hand und dirigierte die Chöre der Universitäten Cambridge und Oxford, unter anderem auf einer Tournee durch den Nahen Osten als Nichtgraduierter im Alter von 15 Jahren. Zunächst ging er an das King’s College in Cambridge und schloss sein Studium mit Diplomen in Geschichte und Arabistik ab. Ein Stipendium ermöglichte ihm zwei Jahre intensiven Unterricht bei der großen Nadia Boulanger in Paris. Weiterhin studierte Gardiner bei Thurston Dart, in London, einem der einflussreichsten Fürsprecher für eine historische Aufführungspraxis der frühen Musik.
Nicht jeder wächst unter den kritischen Augen von Johann Sebastian Bach auf. Sir John Eliot Gardiner schon. Im Haus seiner Eltern hing während der Kriegsjahre das berühmte Bach-Porträt von Haußmann zur sicheren Aufbewahrung – und der kleine John Eliot fand, wie er erzählt, Meister Bach “ziemlich gespenstisch. Aber wenn man den Blick von der Nase beginnend nach unten wandern lässt, sieht man einen sehr verständnisvollen, einfühlsamen Mann; ganz anders als Augen, Nase und Perücke des seriösen Thomaskantors vermuten lassen.” In Bachs Musik sieht Gardiner einen ganz ähnlichen Gegensatz: “Zwei unterschiedliche Ebenen durchdringen sich: eine Horizontale aus Melodie und Kontrapunkt und auf der vertikalen Ebene der tanzende Rhythmus von unglaublicher Bewegtheit und Schwung. Für mich liegt Bachs Seele in den Kantaten, die er jede Woche im Dienst der Kirche schrieb.”
Im Jahr 1964 gründete er mit gleich gesinnten Studenten aus Cambridge den Monteverdi Choir für eine denkwürdige Aufführung der Marienvesper von Claudio Monteverdi am 5. März 1964 in der King’s College Chapel. Bereits 2 Jahre später traten sie in der Wigmore Hall in London auf.
Mit der Aufführung von Mozarts “Die Zauberflöte” gab er 1969 an der English National Opera in London sein Debut als Operndirigent und führte 1973 im Londoner Covent Garden erstmals Christoph Willibald Glucks “Iphigenie auf Tauris” auf.
Sir John Eliot Gardiner
Sir John Eliot Gardiner ist einer der vielseitigsten Dirigenten unserer Zeit. Er ist eine der Schlüsselfiguren in der Wiederbelebung der Alten Musik und der Gründer und Künstlerische Leiter des Monteverdi Choir, der English Baroque Soloists und des Orchestre Révolutionnaire et Romantique. Neben Auftritten als Leiter seiner Ensembles tritt er regelmäßig als Gastdirigent der bedeutendsten europäischen Symphonieorchester auf, darunter die Wiener und Berliner Philharmoniker sowie das London Symphony Orchestra.
1968 gründete John Eliot Gardiner das Monteverdi Orchestra und trat mit dem neuen Ensemble im gleichen Jahr bei den Henry Wood Promenade Concerts (PROMS) in London auf. Knapp zehn Jahre später wurde das Orchester in „English Baroque Soloists“ umbenannt und musizierte nun ausschließlich auf historischen Instrumenten. Es ist heute eines der herausragenden Orchester mit historischen Instrumenten. Sie debütierten 1977 beim Festspiel Alter Musik (Innsbruck) mit Händels Acis und Galatea. Die Einspielung dieses Werkes wurde 1978 von der englischen Musikzeitschrift Gramophone als “Beste Aufnahme Alter Musik” ausgezeichnet. Als Verfechter der historischen Aufführungspraxis setzte sich Gardiner in der Folgezeit intensiv mit historischer Aufführungspraxis auseinander. Sein Hauptaugenmerk galt schon damals Bach, Händel und Mozarts Opern. Sein Ziel war, die Musik dieser Komponisten so wiederzugeben, wie sie in ihrer Entstehungszeit geklungen haben muss. In den 80ern und 90ern Jahren gelangen Gardiner und seinen Klangkörpern herausragende Aufnahmen. Hervorzuheben sind vor allem die Einspielungen von Bachs großer Vokalwerke wie Matthäuspassion, Johannespassion, h-moll-Messe und Weihnachtsoratorium. Viele von ihnen wurden mit Preisen ausgezeichnet.
Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre wandte sich Gardiner mehr und mehr dem klassischen und romantischen Repertoire zu. Um auch diese Werke authentisch wiedergeben zu können, gründete der Dirigent 1990 das Orchestre Révolutionnaire et Romantique, das ebenfalls auf historischen Instrumenten spielt.
John Eliot Gardiner wurde zunehmend von Orchestern, Opernhäusern und Festspielen mit wichtigen Positionen betraut. Er war von 1980 bis 1983 Chefdirigent des Vancouver Orchestra. Während der folgenden fünf Jahre an der Opéra de Lyon baute er als Musikdirektor das Orchester neu auf. Dieses gilt heute als eines der Besten in Frankreich.
Als künstlerischer Leiter der Göttinger Händel-Festspiele (1981-1990) setzte John Eliot Gardiner mit zahlreichen Aufführungen und Aufnahmen neue Maßstäbe.
1991 wurde er Chefdirigent des NDR-Symphonieorchesters in Hamburg, eine Position, die er bis 1994 innehatte. Mit diesem trat er auch mehrfach in vom Rundfunk und Fernsehen übertragenen Konzerten beim Schleswig-Holstein-Musikfestival auf. John Eliot Gardiner hat als Gastdirigent mit großen internationalen Symphonieorchestern, u.a. dem Philharmonia Orchestra, dem Cleveland Orchestra, dem Concertgebouw Orkest und den Wiener Philharmonikern erfolgreich zusammengearbeitet. Mit dem Dallas Symphony Orchestra trat er 1979 erstmals in Amerika auf.
Anläßlich des 25jährigen Bestehens des Monteverdi Choir unternahm er 1989 eine Welttournee mit Aufführungen von Monteverdis Vespro della Beata Vergine, die für Film, Video und Aufnahmen der Archiv Produktion dokumentiert wurden.
Bei den Salzburger Festspielen 1990 debütierte er mit dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists innerhalb eines Orfeo-Zyklus (Monteverdi und Gluck) sowie im Rahmen der Serenaden-Konzerte. John Eliot Gardiner hat bereits zahlreiche Tourneen mit dem Monteverdi Choir und dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique unternommen. 1995 dirigierte er erstmals die Wiener Philharmoniker bei den Salzburger Festspielen.
1997 fand John Eliot Gardiners Schumann-Festival im Barbican Centre in London und in der Cité de la musique in Paris statt. Nachdem er sich in den letzten Jahren ausführlich mit den Werken Beethovens und der Nach-Beethoven-Ära auseinandergesetzt hat, standen nun Bachs Kirchenkantaten im Zentrum seiner Arbeit. Insbesondere im Jahr 2000 hat er sich ausschließlich mit diesem Thema im Rahmen seiner Bach-Pilgrimage 2000 (anlässlich des 250. Todesjahres von J.S. Bach) befasst.
Unter der Schirmherrschaft des Prinzen von Wales verwirklichte Sir John Eliot Gardiner ein Unternehmen von titanischen Ausmaßen. Am Weihnachtsfest, 23. Dezember 1999 in Weimar, begann er mit einer musikalischen Wallfahrt, (Bach-Pilgrimage 2000); in deren Rahmen er überlieferten Bach-Kantaten aufführte. Sie erklangen an den der Liturgie entsprechenden Tagen, für die Bach sie komponierte. Die Konzertreise führt quer durch Europa und in die USA. Zusammen mit The English Baroque Soloists und dem Monteverdi Choir anlässlich des 250. Todestages von J. S. Bach im Jahr 2000 fand die Aufführung von 198 geistlichen Bach-Kantaten in über sechzig Kirchen, in 15 Ländern von Europa und Übersee statt.
Das Jahr 2004 begann mit einer höchst erfolgreichen Tournee durch die USA mit Werken von Händel, Haydn und Mozart. Am Ende des Jahres stand eine ebenso erfolgreiche Reise nach Asien gemeinsam mit dem Monteverdi Choir und einem Programm mit Werken von Purcell.
2005 führte das Ensemble Bachs Matthäus-Passion auf. Im Januar und Februar 2006 standen die Symphonien Nr. 39, 40 und 41 sowie das Requiem und die c-moll Messe von Mozart auf dem Konzertkalender.
CD-Einspielungen
Seit seiner ersten Aufnahme mit den English Baroque Soloists für die Archiv Produktion (Acis und Galatea) sind zahlreiche preisgekrönte Einspielungen entstanden: Monteverdis Vespro della Beata Vergine, Orfeo, Buxtehudes Membra Jesu Nostri, Purcells Fairy Queen, Bachs Weihnachtsoratorium, Matthäus-Passion und Haydns Jahreszeiten.
Ein besonderes Projekt war sein Aufnahmezyklus der großen Mozart-Opern: Idomeneo, La clemenza di Tito , Die Entführung aus dem Serail, Così fan tutte, Le nozze di Figaro, Don Giovanni und die Zauberflöte. Für seine vielbeachtete Aufnahmeserie der Mozart-Opern und seine erfolgreichen konzertanten Aufführungen, u.a. beim Holland-Festival, erhielt John Eliot Gardiner den Edison Extraordinaire. Eine weitere Operneinspielung mit den English Baroque Soloists, Monteverdis Poppea, und seine Aufnahme mit Haydns Schöpfung wurden 1996 veröffentlicht.
Zusammen mit dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique spielte er Beethovens Missa solemnis, einen vollständigen Beethoven-Symphonien-Zyklus, Leonore sowie einen Beethoven Klavierkonzert-Zyklus mit Robert Levin ein, den er 1998 mit Veröffentlichung der Aufnahme des Dritten und Vierten Konzertes abschloss, sowie einen Schumann-Symphonien-Zyklus, der ebenfalls 1998 auf den Markt kam.
CD Cover Bach Cantata Pilgrimage
Im Jahr 2004 erfolgte die Gründung seines eigenen CD-Labels „Soli Deo Gloria“ der Monteverdi Productions für seine Veröffentlichungen. Hier erscheinen seine Aufnahmen mit dem Monteverdi-Choir, den English Baroque Soloists und dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique . Den Anfang machten die Aufnahmen, die im Zusammenhang mit der ausgedehnten Konzert-Tour “Bach Cantata Pilgrimage ” im Bach-Jahr 2000 entstand, als Gardiner an die 198 Bach-Werke an den Orten ihrer Entstehung und anderen spirituellen Orten in ganz Europa und als Abschluss der Pilgerreise in New York aufführte. Die ersten Veröffentlichungen des neuen Labels sind Anfang Januar 2005 erschienen. Gleich die erste CD des Labels SDG mit Bach-Kantaten wurde mit dem Gramophone 2005 Award „Record of the Year“ ausgezeichnet
Auszeichnungen
Neben zahllosen Auszeichnungen für seine Einspielungen wurde John Eliot Gardiner u.a. als “Künstler des Jahres 1994″ (Gramophone Award und Deutsche Schallplattenkritik), “Dirigent des Jahres” (Klassik Echo-Verleihung 1995), “Bester Dirigent” (Cannes Classical Award 1995) und 1995 als erster Dirigent mit dem Dietrich-Buxtehude-Preis geehrt.
John Eliot Gardiner erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität in Lyon (1987), die Ernennung zum “Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres” (1988) und zum “Commander of the British Empire” (1990). Seit 1992 ist er Ehrenmitglied des Londoner King’s College und der Royal Academy of Music.
1998 wurde John Eliot Gardiner von Königin Elisabeth II anlässlich der “June Birthday Honours” in den Adelsstand erhoben.
Foto: Preisübergabe: “Robert Schumann-Preis 2001″
Im Jahr 2001 erhielt er von der Stadt Zwickau den Robert-Schumann-Preis 2001 verliehen sowie im Rahmen der Händelfestspiele den Händelpreis der Stadt Halle.
Foto: Bach-Medaillenübergabe durch den Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, Leipzig
Im Mai 2005 wurde ihm zum Bachfest in Leipzig die “Bachmedaille” für sein Lebenswerk verliehen!
Foto: Bach-Medaillenübergabe durch den Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, Leipzig
Am 29.11.2005 wurde Sir John Eliot Gardiner durch den deutschen Botschafter in London, Thomas Matussek , das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse überreicht.
Foto: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse durch den Botschafter in London an Sir John Eliot Gardiner!
Laudatio: (Übersetzung aus dem Englischen)
Foto: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse durch den Botschafter in London an Sir John Eliot Gardiner!
Eine Konstante in Ihrer Arbeit ist immer die Musik von Bach gewesen. Eines Ihrer Projekte fand ein enthusiastisches Publikum auf der ganzen Erde: Im Jahr 2000 dem Bachjahr, führten Sie jedes einzelne von den Kirchencantatas J.S. Bachs – ca. 200 – mit dem Chor Monteverdi und dem englischen barocken Soloists entsprechend ihren unterschiedlichen Themen und entsprechend dem Kirchekalender durch. Mit dieser “Pilgrimage Bach Cantata”, führten Sie mit Ihren Musikern in über 60 Kirchen und in 14 europäischen Ländern die Kantaten-Werke von Bach auf.
Auf diese Art haben Sie einer weiten Öffentlichkeit die Musik Bachs bekannt gemacht. Sie haben uns eine neue Welt von Musik begründet und eine dauerhafte Tradition gegeben. Einer ausdehnten Nicht-Deutschen Öffentlichkeit haben Sie die großen deutschen barocken Komponisten wie Bach und Händel sowie z.B. den romantischen Komponisten Felix Mendelssohn zugänglich gemacht………
Universität Cremona
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Sir John Eliot Gardiner ist am 21. Oktober 2006 die Ehrendoktorwürde in Musicology durch die Universität von Cremona / Italien, dem Geburtsort von Claudio Monteverdi, verliehen worden.
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Am 18.4.2011 ist er in Paris der französischer Verdienstorden „Chevalier de la Légion d’Honneur“ geehrt worden. Diese 1802 gestiftete Ehrung ist die höchste Auszeichnung des französischen Staates.
Am 13. Februar 2014 übernahm Gardiner das Amt des Präsidenten der Stiftung Bach-Archiv Leipzig
Buchveröffentlichung:
Im Oktober 2016 ist von J.E. Gardiner sein Bach-Buch für Deutschland erschienen.
Neben seiner Arbeit als Dirigent bewirtschaftet Gardiner eine Öko-Farm, die er von seinem Großonkel, dem Komponisten Henry Balfour Gardiner, geerbt hat. Seit 2001 ist er mit der Musikproduzentin Isabella de Sabata verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit der Violinistin Elizabeth Wilcock (1981 bis 1997), hat er drei Töchter.
Deutschlandfunk
21-55:50 Grundton D 2010
Konzert und Denkmalschutz für die östlichen Bundesländer
Vokalmusik aus 6 Jahrhunderten – Kompositionen von William Byrd, Thomas Tallis, Johannes Brahms, FelixMendelssohn Bartholdy und Malcolm Williamson
The King’s Singers
Aufnahme vom 25.7.10 aus der Klosterkirche Doberlug/Brandenburg
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18.5.
France musique
9-11 Salle Pleyel/Beethoven/London Symphony Orchestra,Gardiner
Concert donné le 10 février 2009, Salle Pleyel à Paris
Ludwig van Beethoven
Ouverture Namesfeier
Symphonie n°4 en si bémol Majeur op.60
Symphonie n°7 en la Majeur op.92
London Symphony Orchestra
Direction : Sir John Eliot Gardiner
HR2
Notenschlüssel Bach: die Kunst der Fuge
Aufgeschlüsselt von Paul Bartholomäi
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22.5.
DRS 16-18
Parlando
Der Balthasar-Neumann-Chor – berührend schön
Wenn der Balthasar-Neumann-Chor singt, gehen die Töne unter die Haut und berühren die Seele. Ein Portrait von Elke Kamprad zum 20. Geburtstag des Weltklasse-Chores aus Freiburg im Breisgau.
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 15.05.2011 begehen wir den Sonntag: „Jubilate“
Der Name des Sonntags Jubilate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Jubilate Deo, omnis terra!. (Ps 66, 1;). Am Sonntag „Jubilate“ wird das Evangelium von Jesus als dem Weinstock gelesen. Das Thema „Die neue Schöpfung“ wird jedoch nicht ohne weiteres in diesem Evangelium deutlich, sondern in den anderen Lesungen, worin auf die Veränderungen hingewiesen wird, die durch Jesu Auferstehung bewirkt wurden und werden. Interessant ist die Wahl der priesterlichen Schöpfungsgeschichte als alttestamentlicher Lesung: hier wird das, was das Volk Israel schon lange erkannt hat, aufgegriffen: Gott hat die Schöpfung gut geschaffen, ohne Fehl und Tadel. Das zahreiche Elend ist auf das Versagen des Menschen zurückzuführen, den Willen Gottes auszuführen. Durch Christus sind wir nun dazu befähigt.
Am Sonntag Jubilate werden wir ermahnt, am rechten Weinstock zu bleiben, der Christus ist. Nur dann werden wir auch den Tod überwinden, weil Christus ihn überwunden hat. Dankbar hören wir die Verheißung von Jesu Wiederkunft. Durch seine Auferstehung haben auch wir teil an der neuen Schöpfung, die schon jetzt anbricht und bei seinem Kommen vollends heraufgeführt wird.
Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen
BWV 146, Kantate zum Sonntag Jubilate
für Soli, Chor, Bläser, Streicher, obligate Orgel und Basso continuo
Solisten: Rachel Nicholls, Sopran
Robin Blaze, Altus
Gerd Türk, Tenor
Peter Kooij, Bass
Bach Collegium Japan
Leitung: Masaaki Suzuki
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/ YouTube: BWV 146 – „Wir müssen durch viel Trübsal“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 12 – BWV 103 und BWV 146 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Kantaten für den dritten Sonntag nach Ostern (Jubilate) Schlosskirche, Altenburg
Es stand auf Messers Schneide, ob wir Altenburg, rund fünfzig Kilometer südlich von Leipzig, ein gutes Stück abseits der üblichen Bach-Pilgerroute gelegen, in unserem Reiseprogramm würden unterbringen können. Wir kamen von Görlitz, an der Ostgrenze zu Polen, und fuhren durch das südliche Thüringen, eine mit Schlackenhalden und den Überbleibseln von Uranminen übersäte Landschaft. Wir schlängelten uns durch die mittelalterlichen Gassen und stiegen zum herzoglichen Schloss hinauf, das auf einem Felsen die Stadt überragt. Dort steht, in wunderbar erhaltenem Zustand, die alte Schlosskapelle aus dem 15. Jahrhundert, mit einer L-förmigen (der Felsformation angepassten) Einwölbung im Mittelschiff und der berühmten, gegen die Nordwand gedrückten Orgel, die den Innenraum der Kirche beherrscht. Was mag sich Herzog Friedrich II. (dessen Hauptresidenz und Hofkapelle sich in Gotha befanden, hundertfünfzig Kilometer westlich) gedacht haben, als er bei Tobias Heinrich Gottfried Trost diese Orgel bestellte – mit siebenunddreißig Registern und auf dem neusten Stand der Technik? Bach besuchte Altenburg 1739 ungefähr zur Zeit ihrer Fertigstellung und spielte diese ‚mächtige Wurlitzer’ der Barockzeit, die seinen Idealen von Ton und Klang, wie Experten sagen, vermutlich am nächsten kam.
Spuren von Bachs eigenem Musizieren sind an Orten wie diesem in gewisser Weise lebendiger geblieben als in den berühmteren Hochburgen. Als wir in der Mitte der Schlosskapelle standen, den majestätischen Klängen der Trost-Orgel lauschten, von der die konzertartige Einleitung zu BWV 146 erklang, und spürten, wie begeistert sich das Publikum von Bachs Musik tragen ließ, waren plötzlich alle Zweifel zerstreut, ob es sich angesichts der logistischen Schwierigkeiten gelohnt hatte, zum Sonntag Jubilate nach Altenburg zu kommen.
Alle drei Kantaten Bachs für Jubilate befassen sich mit der Sorge um Jesu Abschied von seinen Jüngern, mit den Anfechtungen, die sie in seiner Abwesenheit zu gewärtigen haben, und mit der Vorfreude, ihn wieder zu sehen. Jede Kantate ist eine Reise, eine theologische und musikalische Entwicklung.
Aus Gardiner seinem Reisetagebuch zum BWV 146
Bachs dritte Kantate für Jubilate, die uns erhalten ist, BWV 146 „Wir müssen durch viel Trübsal“ stammt entweder aus dem Jahr 1726 oder 1728. Was ursprünglich ein (inzwischen verloren gegangenes) Violinkonzert war und später das berühmte Cembalokonzert in d-moll (BWV 1052a) wurde, taucht hier wieder auf als die zwei einleitenden Sätze der Kantate, beide mit obligater Orgel, der zweite zusätzlich mit vierstimmigem Chor. Letzterer wäre eindrucksvoll genug als unglaublich klug aufgepfropftes Stück, wenn es das gewesen war. Wir werden nie mit Sicherheit wissen, ob Bach von Anfang an genau diese Lösung im Sinn hatte oder ob er, mit der Spürnase eines Großmeisters im Schach, so viele mögliche Veränderungen und Konstellationen späterer Züge voraussehen konnte – zum Beispiel dass die vier Gesangslinien an gewissen Stellen leicht einander überschneiden und gleichzeitig zu dem schon vorhandenen adagio-Satz des Violin-(jetzt Orgel-)Konzertes passen würden. Zugegeben, das Gerüst, das Bach liefert – eine ostinate Basslinie, die im Laufe des Satzes sechsmal zu hören ist –, ergibt eine wunderbar solide Grundlage für den doppelten Prozess des Erfindens und Ausfeilens, worin er brillierte. Das ist alles reine Spekulation; unstreitig ist allerdings, dass die Sänger und Instrumentalisten eine ungeheure Kontrolle und Selbstbeherrschung aufzubieten haben müssen, um die gedrückte, sorgenvolle Stimmung dieses Satzes über siebenundachtzig Takte durchhalten zu können.
Jeder der folgenden Sätze ist ein Kleinod: Die Alt-Arie mit einer strahlenden obligaten Violine, die dem ‚schnöden Sodom’ ihre Abkehr verkündet, dann ein qualerfülltes accompagnato für Sopran und Streicher, worin jede einzelne Zählzeit der insgesamt neunzehn Takte eine affektive Funktion erfüllt. Diesem folgt eine Arie im galanten Stil für Sopran mit Flöte, zwei Oboen d’amore und Continuo (Nr. 5), in der sich zum ersten Mal in dieser überwältigenden Kantate die gedrückte Stimmung aufhellt – zu einem Text, der auf dem Psalmvers ‚Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten’ basiert. Ein schönes Tenor- Rezitativ leitet zu dem mitreißenden Duett ‚Wie will ich mich freuen’ zwischen Tenor und Bass über, das von Oboen und Streichern begleitet wird und wie ein passepied angelegt ist, jene Art weltlicher Musik, wie sie Bach während seiner Zeit in Köthen so wunderbar komponierte. Das Stück weist einen kräftigen und unwiderstehlichen Schwung auf, der genau zum richtigen Zeitpunkt kommt auf dieser Reise von der Trübsal zur Vorfreude auf die Ewigkeit.
Der abschließende Choral endet mit den Worten: ‚Er ist in der festen Stadt, da Gott seine Wohnung hat; er ist in das Schloss geführet, das kein Unglück nie berühret’. Genau an dieser Stelle während des Konzertes war es, dass Silas Standage, unser junger Organist, und ich Blicke tauschten. Wir schmunzelten beide. Denn kurz bevor er mit dem gewaltigen Orgelsolo zu Anfang dieser Kantate (selbst eine Allegorie auf die weltliche ‚Trübsal’) beginnen wollte, hatte der arme Silas auf dem oberen Manual der berühmten Trost-Orgel einen Heuler entdeckt. Wir waren gezwungen, um eine Unterbrechung zu bitten, um die möglicherweise notwendige Reparatur durchzuführen. Werkzeug wurde ausgepackt, Expertenrat eingeholt, und nach vielen Hämmern und Klopfen konnten wir fortfahren. Ich erinnerte mich an eine Stelle in Bachs Handexemplar der Calov-Bibel, die er unterstrichen hatte: ‚Herr, ich walte meins Ampts – und thuer was du mir besehen hast – und will gerne alles arbeiten und thun – was du haben willt – allein hilff du mir auch haushalten – hilff du mir auch regieren – e.c.’
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 08.05.2011 begehen wir den Sonntag: „Misericordias Domini“
Der Name des Sonntags „Misericordias Domini“ leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab: Misericordias Domini plena est terra. (Ps 33, 5;).
Der Sonntag Misericordias Domini wird durch das Evangelium vom Guten Hirten bestimmt. Der Hirte sorgt für seine Schafe, die ihm treu folgen. Gleichzeitig wird aber auch der Hinweis laut auf die „falschen Hirten“, die nur an ihren eigenen Vorteil denken. Entscheidend ist jedoch die Zusage Jesu, dass er als der gute Hirte sein Leben hingibt für die Schafe. Das bedeutet, dass wir umfassenden Schutz genießen und uns vor nichts zu fürchten brauchen, auch wenn es dunkel um uns wird.
Ich bin ein guter Hirt, BWV 85
Kantate zum Sonntag Misericordias Domini
für Soli, Chor, 2 Oboen, Violoncello piccolo, Streicher und Basso continuo
Gerlinde Sämann, Sopran / Petra Noskaiová, Alt / Christoph Genz, Tenor /
Jan van der Crabben, Bass
La Petite Bande
Leitung: Sigiswald Kuijken
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/ YouTube: BWV 85 – „Ich bin ein guter Hirt“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 85 – BWV 104 und BWV 112 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Bach nähert sich 1725 dem gleichen pastoralen Gelände auf einem anderen Weg. BWV 85Ich bin ein guter Hirt ist die dritte von drei Kantaten an aufeinander folgenden Festtagen (die anderen sind BWV 6 und 42), die eine in sich geschlossene Folge bilden, und jede ist eine neue Antwort auf die wachsende Sorge der Jünger, damals und heute, wie das Leben in einer Welt ohne die körperliche Präsenz Jesu zu bewerkstelligen sei. Allen drei Kantaten liegen zeitgenössische, Themen aus dem Johannesevangelium verarbeitende und vermutlich von einem einzigen Autor stammende Texte zugrunde, die Bach im Jahr zuvor zusammengestellt und für seinen ersten Leipziger Jahrgang 1723/24 vorgesehen hatte.
Diesen Zyklus musste er zurückstellen, vielleicht weil die Vollendung der Johannespassion für Karfreitag 1724 seine Kräfte übermäßig beanspruchte und ihn nötigte, bei einigen der in diesem Jahr für die Zeit nach Ostern bestimmten Kantaten auf bereits vorhandenes Material zurückzugreifen. Die Kantate BWV 85 ist der Höhepunkt dieser Untergruppe, die Jesus als guten Hirten in den Mittelpunkt stellt und die Macht des Beschützers mit der Freundlichkeit des Freundes vereint. ‚Ich bin ein guter Hirte, ein guter Hirt lässt sein Leben für die Schafe’, dieses berühmte Zitat aus dem Johannesevangelium, leitet das Werk ein, als Arioso für Bass gesetzt.
Die vierundvierzig Takte erweitern auf faszinierende Weise zwei im Keim angelegte Themen, die beide im allerersten Takt zu hören sind, und während das eine zu einer versonnenen, lyrisch gestalteten Oboenmelodie erblüht, erscheint das andere zunächst im Continuo, später in der ersten Phrase des Sängers. In der Weise, wie die gehaltene Note der Oboe sich ihrer selbst besinnt und dann aufblüht, die Violinen zu einer Antwort auffordernd, verweisen melodische Gestaltung und Tonart auf den langsamen Satz in Bachs Doppelkonzert BWV 1060 in c-moll. Die vorherrschende Stimmung ist kontemplativ, nicht bukolisch im eigentlichen Sinne, eher die musikalische Entsprechung zu einer Umarmung, doch von Traurigkeit umhaucht.
In der Meditation über Christus als guten Hirten ist das Violoncello piccolo, das Bach als obligates Instrument für die sich anschließende Alt- Arie in g-moll (Nr. 2) vorschreibt, eine geniale Entscheidung. Man wüsste so gern, ob er dieses spezielle, kleinere Cello (mit E als oberster Saite) einsetzte, weil das Instrument und/oder einer seiner besonders talentierten Exponenten zufällig vorhanden war(en), oder ob er selbst die Initiative ergriff und es in voller Absicht als zentralen poetischen Bedeutungsträger seiner Ausdeutung der für dieses Frühjahr 1725 vorgesehenen Kantaten zugrunde legte (er verwendet es fünfmal in den fünfzig Tagen zwischen Ostern und Pfingsten).
Wie es auch immer gewesen sein mag, dieses besondere Instrument scheint mit seinem wehmütigen Tenorklang die Herzen der Hörer so zu bewegen, wie es sonst nur zwei anderen Lieblingsinstrumenten Bachs und in nicht unähnlichen Situationen gelingt, der Viola d’amore und der Oboe da caccia. Man spürt, dass dieser mantraähnliche Klang den ‚Schafen’ die Zuversicht gibt, gegen jeden Viehdieb, Wolf, Fuchs oder Menschen gerüstet zu sein. Wie in BWV 6, das dreizehn Tage zuvor zu hören war, verwendet Bach die viersaitige Version des Violoncello piccolo mit seinem besonderen ‚Schein’, um zwischen Vokalsolisten und Continuo sowohl im Tonbereich als auch harmonisch zu vermitteln. In diesen beiden Kantaten scheint das Instrument die persönliche Beziehung des Gläubigen zu Jesus theologisch auszudeuten, es liefert ein Element der Stabilität in einer Welt zunehmender Dunkelheit (BWV 6) und fungiert als Symbol für die liebenden, schützenden ‚Arme’ des guten Hirten (BWV 85).
Als nächstes folgt eine Choralvertonung des 23. Psalms in der Übersetzung von Cornelius Becker, in der sich die Stimmen zweier Oboen zu einer kunstvoll gestalteten Invention verweben – in der Wirkung die Textur einer Triosonate, da der Continuo die behutsam ornamentierte Melodie des Soprans umfängt. Im einzigen Rezitativ der Kantate (Nr. 4) wendet sich der Tenor an Jesus als den Oberhirten, der eingreifen muss, ‚wenn die Mietlinge schlafen’, um seine Herde zu retten – das Stichwort für abrupte Streicherarpeggien in Gegenbewegung, während der ‚Höllenwolf’ (oder Satan) einzudringen sucht. Es nimmt bereits das Rezitativ der Matthäuspassion vorweg, wo Jesus, mit seinen Jüngern am Ölberg angekommen, an die Prophezeiung erinnert, in der es hieß: ‚Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen’.
Der seelenvollste Satz der Kantate ist die sich anschließende Tenor- Arie in Es, ‚Seht, was die Liebe tut’, ein weiterer Hinweis auf die Matthäuspassion und die wunderbare Alt-Arie ‚Sehet, Jesus hat die Hand’ in der gleichen Tonart, Inbegriff der Liebe des Hirten, die sich am Kreuz offenbart, wenn Jesus mit seinen ausgestreckten Armen den Sündern eine Zuflucht bereithält, um die Gläubigen wie ‚verlass’ne Küchlein’ bei sich aufzunehmen. Mit ihrer reichen, fließenden Melodie und dem sanft wiegenden Rhythmus bietet diese Arie, in der die ersten vier Silben mit einer einzelnen wiederholten Note vom Sänger ‚festgenagelt’ werden, das komplementäre Bild von Schafen, die ‚fest eingeschlossen’ und ‚in zarter Hut’ des Hirten sind, der ‚am Kreuzesstamm für sie vergossen sein teures Blut’.
Diese thematischen Bezüge zur Matthäuspassion sind zu eng, um zufällig zu sein: Ihre Musik, die er zwar nicht rechtzeitig bis Karfreitag vollendete, war in der Vorosterzeit 1725 Bachs Gedanken nie fern, hatte er doch ursprünglich geplant, sie als Juwel in die Mitte seines zweiten Kantatenjahrgangs zu stellen, als Pendant zu seiner Johannespassion des vorangegangenen Jahres.
Diesmal mit richtiger Kalenderwoche – letzte Woche hatte ich wohl die falsche Brille auf.
11.5.
Kulturradio rbb
20-21 Klangwelt der Renaissance (27)
„Vokalpolyphonie – made in Germany“ – Jahrzehnte lang war die geistliche Musik des 15. und 16. Jahrhunderts fest „in den Händen“ der Engländer und Flamen. Jetzt liefern viele deutsche Ensembles ebenso überzeugende Interpretationen.
HR2
20-21:30 Notenschlüssel
Telemann: Donner-Ode
Aufgeschlüsselt von Paul Bartholomäi
Am Morgen des Allerheiligentages 1755 – die Kirchen waren voll – zerstörte ein Erdbeben der Stärke 8,5 bis 9 und die darauffolgende Flutwelle die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Mit fast 100.000 Todesopfern gehörte es zu den verheerendsten Naturkatastrophen in Europa. Diese Katastrophe löste nicht nur eine heftige Glaubensdiskussion aus, sondern wurde auch von vielen zeitgenössischen Künstlern in ihren Werken verarbeitet. So auch von Georg Philipp Telemann. Er komponierte auf Texte, die dem 8. und dem 29. Psalm entnommen waren, ein zweiteiliges Oratorium, das den Namen „Donner-Ode“ erhielt. Uraufgeführt wurde es am 11. März 1756 in der Kirche St. Jakobi in Hamburg. Namensgebend mag das eindrucksvolle Bass-Duett „Er donnert, dass er verherrlichet werde“ sein. Näheres über Telemanns „Donner-Ode“ erzählt Paul Bartholomäi in seinem „Notenschlüssel“.
12.5.
SWR2
20-22:30 Schwetzinger SWR Festspiele 2011 – SWR2 Abendkonzert – LIVE Meilensteine der Sakralmusik
Johann Sebastian Bach:
„Johannes-Passion“ für Soli, Chor und Orchester BWV 245
Gabrieli Consort & Players
Leitung: Paul Mc Creesh
(Direktübertragung aus dem Speyrer Dom)
Es gibt keine anderen Angaben zur Besetzung. Hier diejenige des Soli Gloria DeiFestivals mit einer Aufführung einige Tage eher:
Mhairi Lawson, Sopran
Barbara Kozelj, Alt
Nicholas Mulroy, Tenor
Marcus Farnsworth, Bass
13.5.
kulturradio rbb
18-18:50 Wie be- oder ersetzt man heute die Kastratenpartien des Barock?
Kantaten und Arien für und von Carlo Broschi Farinelli, gesungen von Nella Anfuso, Vivica Genaux, Derek Lee Ragin u. a.
14.5.
BBC 13-14 (14-15 MESZ)
The Early Music Show Catherine Bott talks to conductor Sir John Eliot Gardiner about his illustrious career in the music industry, and includes recordings by his own Monteverdi Choir, English Baroque Soloists and Orchestra Revolutionnaire et Romantique, as well as performances from the Göttingen Handelfest and Opera de Lyon – both of which he has been an integral part of. Sir John Eliot also reflects on his achievements with the Bach Cantata pilgrimage from the year 2000 and the Monteverdi Choir’s amazing musical journey along the Camino de Santiago de Compostela. http://www.bbc.co.uk/programmes/b0112crp
Radio-Tipps mit Klassischer Musik in der KW 18 in 2011:
3.5.
BR-Klassik
13 – 14 Concertino
Musik im Originalklang
Am Pult: John Eliot Gardiner
Johann Sebastian Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 2 F-dur (English Baroque Soloists);
Ludwig van Beethoven: „Meeresstille und glückliche Fahrt“, op. 112 (Monteverdi Choir); Johannes Brahms: Symphonie Nr. 3 F-dur (Orchestre Révolutionnaire et Romantique)
4.5.
HR2
20-21:30 Notenschlüssel
Schütz: Musikalische Exequien
aufgeschlüsselt von Paul Bartholomäi
SR2
20-22_30 BACHkantaten in Saarbrücken
Himlische Cantorey: Veronika Winter, Sopran Margot Oitzinger, Alt Georg Poplutz, Tenor Ralf Grobe, Bass Musica Alta Ripa
Johann Sebastian Bach
Aus der Tiefen, Herr, rufe ich zu dir‘, Kantate BWV 131
Himmelskönig, sei willkommen‘, Kantate BWV 182
Aufnahme vom 3. April 2011 aus der Stiftskirche St. Arnual
anschließend, gegen 21 Uhr: Orgelkonzert Rolf Müller, Orgel Werke von Josef Gabriel Rheinberger. Johann Sebastian Bach, Sigfrid Karg-Elert, Josef Renner jun. und Felix Alexandre Guilmant sowie eine Improvisation von Rolf Müller Aufnahme vom 3. April 2011 aus der Pfarrkirche St. Katharina in Wallerfangen
stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
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„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
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eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.
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Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf “YouTube“ sind sehr ergiebig.
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Am 01.05.2011 begehen wir den Sonntag „Quasimodogeniti“
Der Name des Sonntags Quasimodogeniti leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab: Quasi modo geniti infantes, Halleluja, rationabile, sine dolo lac concupiscite. (1. Petr 2, 2; deutsch: Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch).
Der Sonntag Quasimodogeniti erinnert uns an die neue Geburt, die wir „durch Wasser und Geist“ erfahren, d.h. den Anfang eines neuen Lebens in Christus, nach unserer physischen Geburt. Die Perikopen haben aber, mit Ausnahme der Epistellesungen, nur wenig damit zu tun. Die Evangelien erzählen weiter von dem Geschehen nach Ostern.
Auch der Sonntag Quasimodogeniti steht ganz unter dem Zeichen des Osterfestes. Die Geschichte von Thomas führt uns unseren eigenen Wunsch vor Augen, Jesus zu sehen. Aber: selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Die große Gnade ist, dass wir durch Jesus Christus völlig neu geboren sind und die Verantwortung, die Gott uns Menschen übertragen hat, selbst wahrnehmen können, ohne von unserer Schuld erneut gefangengenommen zu werden.
„Halt im Gedächtnis Jesum Christ“, BWV 67, Kantate am Sonntag Quasimodogeniti für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Elisabeth von Magnus, Alt; Gerd Türk, Tenor; Klaus Mertens, Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman
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/ YouTube: BWV 42„Am Abend aber desselbigen Sabbats“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 42 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Im folgenden Jahr, 1725, fand Bach in der Kantate BWV 42
„Am Abend aber desselbigen Sabbats“ zu einer völlig anderen Lösung. Er gab den Anfang des Textes aus dem Johannesevangelium nicht dem erschöpften Chor, sondern einem Tenor – als Evangelisten. Seiner Lesung geht eine ausgedehnte Sinfonia voraus, die einem concerto a due cori ähnelt – Streicher sind gegen Holzbläser gesetzt (zwei Oboen und Fagott). Es mag zwar verlockend sein, hinter Bachs Entscheidung für eine instrumentale Ouvertüre eine ausdeutende theologische Absicht zu sehen – Eric Chafe ist zum Beispiel der Meinung, sie lege die Interpretation nahe, der auferstandene Christus erscheine inmitten seiner besorgten Jünger –, sie stammt jedoch in Wahrheit aus einer verschollenen Serenata zum Geburtstag des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen (BWV 66a). Sie ist ein weiteres Beispiel für jene Stücke, in denen Bach vorhandenes weltliches Material parodiert, und man stellt sich die Frage, ob er die doppelte Zweckbestimmung von Anfang berücksichtigt hatte oder ob er sie, da er genau erkannte, auf welch vielfältige, doch durchaus geeignete Weise sich vorrätiges Material verwerten ließ, aus der untersten Schublade hervorholte, als ihm der Gedanke kam, dass sie für die geplante Kantate zu gebrauchen sein könnte.
Freie Instrumentalmusik ist jedoch die eine Sache: Ob sie einen subjektiven Stempel trägt, der eine bestimmte Interpretation nahe legt, lässt sich weder beweisen noch widerlegen. Eine andere Sache ist Musik, der ein Text unterlegt ist. Ich konnte keinerlei Anzeichen dafür entdecken, dass sich in der Alt-Arie Nr. 3 ‚Jesus ́inmitten’ einer aufgewühlten Welt’ befindet (wieder Chafe), und hätte es auch nicht in einer Musik erwartet, deren Originaltext (ebenfalls aus der Köthener Serenata) mit den Worten beginnt: ‚Beglücktes Land von süsser Ruh und Stille! / In deiner Brust wallt nur ein Freuden-Meer’. Doch fand ich sie, manchen pastoralen Stücke Rameaus vergleichbar, bei unserer ersten Aufführung unerträglich qualvoll und traurig, sehr viel heiterer und trostreicher bei der zweiten. Vielleicht sind diese beiden subjektiven Eindrücke weniger widersprüchlich, als es zunächst den Anschein haben mag. Könnte es sein, dass Bachs eigene schmerzvollen Erfahrungen und enttäuschenden Erlebnisse dieser Gelassenheit zugrunde liegen, mit der er die Macht des Gebetes und der Vergebung akzeptiert: ‚Wo zwei und drei versammlet sind’ und (im B-Teil) ‚Denn was aus Lieb und Not geschicht, / das bricht des Höchsten Ordnung nicht’?
Bach setzt in die Mitte dieser Kantate einen Choral, um die Verletzlichkeit des ‚Häuflein klein’ in einer feindlich gesinnten Welt zu betonen, verbirgt ihn jedoch fast vollständig in den instrumentalen (und gelegentlich vokalen) Linien. C. H. Terry hat einmal die Vermutung geäußert, das merkwürdig bukolisch klingende Fagottobligato sei dazu bestimmt, eine Choralmelodie zu begleiten, ‚die eigentlich überhaupt nicht erklingt’, was zu der Vermutung führen könnte, dieser Kunstgriff drücke das ‚Verborgensein’ der Kirche in der Welt aus. Ein solcher Eindruck scheint sich im Bass-Rezitativ (Nr. 5) zu bestätigen, wo mitgeteilt wird, Jesus sei seinen Jüngern ‚zum Zeugnis, dass er seiner Kirche sein will’,plötzlich erschienen.
Bach leitet in den letzten wenigen Takten zu einem animoso über, wo die gesamte Continuogruppe (Cello, Violone, Fagott, Cembalo und Orgel) die Absicht zu haben scheint, den wütenden Feind in den unergründlichen Schlund zu stoßen –, und dies ebenso über eine weite Strecke der abschließenden Arie in A-dur (Nr. 6). Der Bass-Solist feiert unterdessen die Macht des Lichts, das die Finsternis überwindet: Jesus als ‚ein Schild der Seinen, wenn sie die Verfolgung trifft’, ist der Garant dafür, dass ihnen ‚die Sonne scheinen’ wird. Whittaker verwies auf die ‚in Terzen leuchtenden’ Violinen, die uns diese Sonne ‚mit der güldnen Überschrift’ schildern, und sie lenkten meinen Blick auf das mit Gold verzierte ‚SDG’ auf der Kanzel.
Bach hat diesen Abschnitt für zwei Violinstimmen vorgesehen, in die sich die vier ersten Violinen teilen, zwei pro Part. Nach außen hin schien er so wenig überzeugend, dass wir ihn als ganz normale Triosonate aufzuführen versuchten (zwei Violinen pro Part lassen sich viel schwieriger harmonisch verbinden als eine oder drei). Es klang gut, aber nicht mehr; daher experimentierten wir mit drei Instrumenten pro Part, die wir antiphonal gegeneinander setzten. Schließlich kehrten wir wieder zu der ursprünglichen Aufteilung zwei Stimmen pro Part zurück – und diese beweist natürlich, dass Bach genau wusste, was er wollte. Der abschließende Choral enthält Luthers Version von Da Pacem, Domine, die dieser Johann Walthers Gebet um ‚Fried und gut Regiment’ geschickt aufgepfropft hat.
/ YouTube: BWV 67 „Halt im Gedächtnis Jesum Christ“
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Kantaten-Beschreibung zum BWV 67 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Zwanzig Jahre sind ins Land gegangen, und wir betreten mit BWV 67
„Halt im Gedächtnis Jesum Christ“ eine andere Welt. Schon in der wunderbaren Choralfantasie mit corno da tirarsi, Flöte und zwei Oboen d’amore, die das Werk einleitet, durchpulst rhythmische Kraft die an Einfällen überreiche Musik. Offensichtlich machte sich Bach viele Gedanken über die Anlage dieser eindrucksvollen Kantate, die erste einer Folge von fünf bis hin zum Pfingstsonntag – fast ein Minizyklus innerhalb seines ersten Leipziger Jahrgangs 1723/24, den er zweifellos in aller Eile zusammenstellte, nachdem ihn die Komposition der gewaltigen Johannespassion über die Maßen beansprucht hatte. Seine Absicht ist es, die Verwirrung und den Wankelmut der Jünger Jesu zu schildern, ihre Hoffnungen, die mit der Kreuzigung zunichte gemacht worden waren, und die Spannung aufrechtzuerhalten zwischen Thomas’ berechtigten Zweifeln und der unerlässlichen Notwendigkeit, am Glauben festzuhalten (‚halt’, fordert das Horn in einer lange gehaltenen Note im Anfangschor, ‚im Gedächtnis Jesum Christ’).
So wie sich selbst eine ausgeglichene, vergnügte Gavotte für Tenor, Oboe d’amore und Streicher (Nr. 2) bereits in ihrem zweiten Takt aufsplittert – ‚Allein, was schreckt mich noch?’ – , wird Bachs Absicht deutlich, diese gegensätzlichen ‚Affekte’ nebeneinander zu stellen: hier der Zweifel, dort die Gewissheit, das Jesus auferstanden ist. Bach hält die Gemütsverfassung des verängstigten und verstörten Christen in einem Triptychon Rezitativ-Choral-Rezitativ (Nr. 3, 4 und 5) fest, wo der Soloalt den Chor auffordert, guten Mutes zu sein und den ikonenhaften Osterchoral ‚Erschienen ist der herrlich Tag’ anzustimmen. Als Höhepunkt der Kantate folgt eine dramatische scena, in der die Streicher einen Sturm entfachen, um das Wüten der Feinde zu schildern, die noch immer die Seele bedrängen. Mit einem Trick, ähnlich einer Überblendung im Film, lässt sie Bach in eine langsamere, behutsam punktierte Sequenz im Dreiertakt für die drei Holzbläser zerfließen.
Jesuserscheint plötzlich seinen Jüngern, die sich ‚aus Furcht für denen Jüden’ hinter verschlossener Tür verschanzt haben. Zwei gegensätzliche Stimmungen und Texturen wechseln einander ab. Der Chor aus Sopran-, Alt- und Tenorstimmen wird von den furioso ausladenden Streichern aufgesogen und lässt spüren, wie fremd sich die christliche Gemeinde in der gegenwärtigen Welt fühlt. Dreimal zügelt Jesus ihre Angst durch seinen Segensspruch ‚Friede sei mit euch!’. Bei seinem vierten und letzten Erscheinen verzichten die Streicher symbolisch auf ihre Funktion, Sturm auszulösen, und gleiten in die sanft wiegenden Rhythmen der Holzbläser, und so endet die scena friedlich. Der abschließende Choral von Jakob Ebert, ‚Du Friedefürst, Herr Jesu Christ’, würdigt den Erlöser als ‚starken Nothelfer im Leben und im Tod’.
Sir John Eliot Gardiner in Frankreich ausgezeichnet.
Der Dirigent wird
„Chevalier de la Légion d’Honneur“
Wieder eine persönliche Auszeichnung für Sir Gardiner, wie viele Auszeichnungen hat er mittlerweile in seinem Besitz, mir scheint, er ist der bestdekorierte Dirigent der Gegenwart.
Paris, 18.04.2011. Der Dirigent John Eliot Gardiner ist mit dem französischen Verdienstorden „Chevalier de la Légion d’Honneur“ geehrt worden. Diese 1802 gestiftete Ehrung ist die höchste Auszeichnung des französischen Staates. Gardiner werde für seine Verdienste um die französische Musik und seine Arbeit in Frankreich ausgezeichnet, wie der ehemalige Kultusminister Jean-Jacques Aillagon bei der Verleihung in Versailles bekannt gab. Im Zuge der Zeremonie wurde in Gardiners Namen auch ein Baum in den Schlossgarten gepflanzt. Gardiner hielt sich derzeit für eine Reihe von Aufführungen von Webers „Freischütz“ an der Opéra Comique in Paris auf.
Sir J.E. Gardiner war von 1983-88 Musikdirektor an der Opéra de Lyon, und ist ein großer Bewunderer der Französischen Musik ausgehend von Lully, Charpentier und Rameau über Berlioz zu Debussy, Fauré, Poulenc und Lili Boulanger (bei dessen Schwester Nadia studierte er als junger Mann in Paris).
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YouTube: Interview mit Sir Gardiner
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Video-Schätze auf YouTube mit Sir Gardiner:
Schubert The Great -1M (1/4) J.E.Gardiner Vienna Philharmonic
Nun ist der erste Gesangs-Solist von Sir Gardiner in der Schweiz angekommen und verpflichtet worden und wird in einem Konzert im Mai 2011 bei der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen-Trogen mitwirken. Sein Name ist uns allen wohl bekannt: „Peter Harvey“ englischer Bass-Bariton ist als „Musiker der Woche“ von der J.S. Bach-Stiftung benannt worden.
Dazu heisst es auf der Webseite der J.S. Bach-Stiftung:
MUSIKER DER WOCHE: PETER HARVEY
Der englische Bass Peter Harvey ist im Mai 2011 erstmals in Trogen zu hören. Als Solist in Gardiners Bach Cantata Pilgrimage und in der künstlerischen Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten hat er sich einen bekannten Namen in der Musik vor allem des Hochbarock erarbeitet.
Ausbildung / Werdegang
– Oxford University, Magdalen College
– Guildhall School of Music and Drama (Opernkurs)
Mittlerweile sind zwei neue Bach-Kantaten von der J.S. Bach-Stiftung auf YouTube veröffentlicht worden und stelle sie hier mit ein und wünsche viel Spass..!!
(Aria duetto e corale) aus der Kantate BWV 185 („Barmherziges Herze der ewigen Liebe „), aufgeführt durch die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Solisten: Regina Kabis (Sopran) und Jens Weber (Tenor). Musikalischer Leiter: Rudolf Lutz.
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Dritter Satz (aria alto) aus der Kantate BWV 42 („Am Abend aber des selbigen Sabbats“), aufgeführt durch die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Solistin: Irène Friedli. Musikalischer Leiter: Rudolf Lutz.
Die Radioliste mit Sendern, die überwiegend klassische Musik senden, habe ich vollständig überarbeitet. Die Sender senden in der Regel mit 128 kbps, so werde ich nur Ausnahmen angeben, soweit mir das bekannt ist. Der Livestream ist über die Hauptseite bzw die Programmseite aufrufbar, ich gebe nur noch Ausnahmen an.
Eine sehr komfortable Übersicht gibt auf dieser Website, wo sich Sender aus ganz Europa mit Livestreams und Websites finden lassen: http://www.listenlive.eu/
Domradio Köln Allgemein http://www.domradio.de/ Programm http://www.domradio.de/programm/
Bach-Kantaten zum jeweiligen Sonntag im Kirchenjahr mit Kantaten-Beschreibung;
Sonntags um 06:33 Uhr Wiederholung am Sonntag um 22:33 Uhr
Philharmonia Chor Stuttgart und Orchester SINFONIA 02 – musikalische Leitung Johannes Knecht
So isch´s Lähbe, Karfreitag bin ich diesmal in Stuttgart zur Johannes-Passion, die in der Liederhalle im Zentrum stattfindet. Die Johannes-Passion wurde am 07. April 1724 in der Nicolaikirche unter Leitung des Komponisten uraufgeführt und Bach hat sich mit ihr Zeit seines Lebens immer wieder musikalisch auseinander gesetzt, so hat er für jede der 4 Aufführungen während seines Thomaskantorats eine neue Fassung bereitgestellt. Ob dies aus einem äußeren Zwang oder aus eigenem Anliegen geschah, kann sicher nicht mit Gewissheit geklärt werden. Das Libretto stammte bei dieser Passion aus verschiedenen Quellen, so auch aus dem Passionsoratorium „Der für die Sünde der Welt Gemarterte und Sterbende Jesus“ von Barthold Hinrich Brockes, die sich auch in einer Händel´schen und Telemann´schen Vertonung finden.
Schade, dass auch die heutige Passions-Aufführung recht schlecht besucht ist, einziger Pluspunkt daran, ich schleiche mit meinen Freunden von Reihe 18 in die zweite Reihe.
Liederhalle Stuttgart / Perspektive vom Berliner Platz
Man ist ja verwöhnt, die historische Aufführungspraxis würde ich heute schon als Standard bezeichnen. Als der Chor mit ca. 60 Ausführenden und ein „normales“ Orchester das Podest betritt, habe ich doch einige Vorbehalte. Zu intensiv sind die Erinnerungen an „um-die Wette-brüll-Aufführungen“ und solche, wo das filigrane Tongepflecht von Orchester und Chor im Brei versinkt. Alles ist völlig unbegründet.
Beim ersten Chor „Herr, unser Herrscher“ tritt der Chor souverän und diszipliniert auf, trotz der großen Menge der Sänger bleibt alles transparent und bremst nicht. Mit diesem Chor assoziiere ich immer ein planetarisches oder kosmisches Chaos das mit den „Herr, Herr“ Einwürfen ein neues Gravitationsfeld bekommt und dadurch seine Melodik zurück erlangt, somit sieht er das österliche Wunder schon voraus.
Auch der Evangelist Daniel Johannsen ist ein solches Wunder, nicht nur, dass er den Evangelisten aus seiner piefigen Erzählerrolle befreit, man wird Zeuge dieser Verhandlung in tiefer Anteilnahme. Er holt aus dem Text alles raus, selbst Stellen, die mich sonst kalt gelassen haben, lassen mich erschaudern. Die tiefgründigste Stelle, Petrus´Verrat gestaltet er so nuancenreich und in so wechselnden Farben, dass ich jedem Einsatz des Evangelisten entgegenfiebere.
Inneres des Beethovensaals
Die Johannespassion ist ein kühnes, energiegeladenes, vielleicht auch wütendes Werk, das sich von der Matthäus-Passion unterscheidet. Die Turbaechöre peitschen immer wieder, besonders im zweiten Teil, die Handlung voran und lassen deutlich, die Aggressionen einer aufgebrachten Menge spüren, die damals wie heute vieles zur Eskalation bringen (aktuell: S21). Sie ist extrovertierter und frecher. Jesus wird hier nicht als leidendes, geopfertes Lämmchen dargestellt, sondern tritt mit großem Selbstbewußtsein, ja schon fast Arroganz, vor die Opportunisten, Denunzianten, Verräter und Gegner („Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben“). Niemals stirbt er erhabener in Schönheit als in der Johannespassion.
Solisten, Orchester und Chor
Etwas enttäuscht bin ich von den Chorälen, die teilweise etwas ungestaltet und undifferenziert abgesungen werden. Gerade in der Johannes-Passion sind ja solche Perlen dabei, die (für meine Begriffe) ruhig ein wenig schmelzig herübergebracht werden dürfen (Ach, großer König), bilden sie doch im Zusammenhang mit Rezitativ und Arie eine stabile Dreierfigur für eine bestimmte Szene, die auch der Choral mitgestaltet.
Die Solisten beneide ich nicht, die Arien in der J-Passion sind teilweise nicht sehr eingängig und in der Manier des großen Meisters stets mit Schwierigkeiten gespickt. Ditte Andersen (Sopran) weiss durch eine solide Gesangstechnik und brilliante, glockenreine Töne zu überzeugen, Annelie-Sophie Müller (Alt) bringt durch ihre warme Stimme das nötige Ruhepotenzial als Kontrapunkt zu Tenor und Baß, wenngleich ich das Gefühl nicht loswerde, dass sie sich in diesem Genre nicht so ganz zuhause fühlt.
Solisten, Orchester und Chor II
Angekommen im letzten Chor „Ruhet wohl“ nehmen wir Abschied. Alles liegt nah beieinander, der Tod, das Leben, Liebe und Hass, Winter und Frühling, der Karfreitag und die Auferstehung. Es geht weiter, wir müssen nur in eine andere Richtung schauen.
Ich dachte, nach Ostern beruhigt es sich…
Leider war meine geniale Radiozeitung für die nächste Woche noch nicht im Briefkasten. So habe ich erst einmal bis Dienstag im Internet geschaut und schon wieder ein paar Perlen gefunden, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.
Frohe Ostern
Barbara
25.4.
NDR
11:00 – 13:00 Konzert Ring Barock – Herrenhausen
Carl Philipp Emanuel Bach: Sinfonie Es-Dur Wq 179,
Cembalokonzert E-Dur Wq 14
Johann Christoph Friedrich Bach: Sinfonie d-Moll für Streicher
Wilhelm Friedemann Bach: Cembalokonzert D-Dur
Johann Christian Bach: Sinfonie g-Moll op. 6 Nr. 6
Christine Schornsheim, Cembalo
NDR Radiophilharmonie / Ltg.: Bernard Labadie
Aufzeichnung vom 15.4.2011 im Galeriegebäude Herrenhausen
„Bach – die nächste Generation“ steht als Motto über dem 3.Konzert im Ring Barock der NDR Radiophilharmonie am 15. April. Im Mittelpunkt des Abends im Galeriegebäude der Herrenhäuser Gärten standen die vier komponierenden Söhne des großen Johann Sebastian Bach: der „Hamburger“ Carl Philipp Emanuel, der „Bückeburger“ Johann Christoph Friedrich, der „Berliner“ Wilhelm Friedemann und der „Londoner“ Johann Christian. Ihre Werke stehen am Beginn einer neuen Epoche, alle vier Bach-Söhne prägten mit ihrem Schaffen das musikalische Europa – und läuteten auf ihre je eigene Weise das klassische Zeitalter ein. Wenn sich für dieses Programm dann noch Kanadas „Exportschlager“ in Sachen Alter Musik, der Dirigent Bernard Labadie, mit der Cembalo- und Hammerklavierspezialistin Christine Schornsheim zusammentut, ist ein hochkarätiges Konzert garantiert.
Dkultur
22:00-22:30 Musikfeulleton
Das Herrlichste: eine Kantate von Bach
Johannes Brahms als Bach-kenner und -interpret
Von Andreas Glöckner
Brahms hat sich nicht nur kompositorisch mit dem Schaffen Johann Sebastian Bachs auseinander gesetzt, sondern auch viel zu seiner wissenschaftlichen und aufführungspraktischen Erschließung beigetragen. 1879 wurde ihm vom Leipziger Rat sogar das Amt des Thomaskantors angetragen.
26.4.
france musique
9-11 Concert
William Byrd
The Silken Tent, Pavan & Galliard
Where the blind
Fantasy in 6 parts
Turn our captivity
Orlando Gibbons
Two Fantasies in 6 parts
O Lord, in thy wrath
William Lawes
Six part Consort Sett in C major
Fantazy, Fantazy, Air
William Lawes
Six part Consort Sett in F major
Air, Fantazy, Air, Fantazy, Air
Orlando Gibbons
The Silver Swan
Two Fantasies in 6 parts
Now each flowery bank
What is our life
Henry Purcell
Fantazia in four parts
Music for a while
Fantazia upon one note
O Solitude
In Nomine in 7 parts
Clare Wilkinson, mezzo-soprano Ensemble Fretwork :
Liam Byrne, Asako Morikawa, Richard Campbell, Reiko Ichise, Richard Tunnicliffe, Richard Boothby, violes
Concert donné le 2 avril 2011, Salle 400 – Le Centquatre à Paris
Deutschlandradio kultur
22:00-22:30 Alte Musik
Johann Adolf Scheibes Bach- Kritik und ihre Folgen
Enigma – „ein geschickter Musicant“ auf Reisen (1/2)
Von Michael Maul
2. Teil: 26.4.
Wirkungsstätte von J.S. Bach "Thomaskirche in Leipzig"
Liebe Bach-Freunde !
Nach den Veröffentlichungen der BWV als PDF-Download im Blogstelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung. Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf “YouTube“ sind sehr ergiebig.
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Am 22.4.2011 Karfreitag am 24. und 25. April 2011 begehen wir das „Osterfest“
Der Karfreitag (früher Parasceve genannt) wurde vermutlich schon von den ersten Christen begangen als ein Tag des Fastens und der Trauer. Er behielt diesen Charakter über die Jahrhunderte bei. Schon Tertullian (Ende des 2. Jahrhunderts) bezeugte die Einhaltung dieses Tages als großen Fastentag.
Die protestantische Kirchen aber haben zunächst nur teilweise den Karfreitag als Feiertag übernommen. Im 17. Jahrhundert erlebte er als Bußtag eine Renaissance, wobei er freilich seinen ursprünglichen Character verlor. Entgegen der früheren Praxis, an diesem Tag (als dem einzigen des Jahres) keinAbendmahl zu feiern, stand nun das Abendmahl im Vordergrund. Heute entwickelt sich die Feier des Tages wieder zu einer dem ursprünglichen Sinn angemessenen Praxis.
Am Karfreitag hören wir, wie der Sohn Gottes gekreuzigt und zu Tode gebracht wurde. Die christliche Gemeinde verstummt, läßt nur noch das Wort Gottes reden. Dies findet seinen Ausdruck darin, dass die Vesper nach der Todesstunde Jesu einzig aus der Lesung besteht, zu der das Psalmgebet tritt.
Am Karfreitag verlöschen die Kerzen, die bis dahin Zeichen für das lebendige Licht, das Jesus Christus selbst ist, gewesen sind, um erst in der Osternacht wieder am Osterlicht entzündet zu werden. Der Karfreitagsgottesdienst wird in der Regel um die Sterbestunde Jesu gefeiert.
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3, 16)
Bach-Kantaten entfallen für den Karfreitag. Musik zum Anhören: BWV 244 Matthäus Passion / BWV 245 Johannes Passion.
Fernsehsendung am Karfreitag:
WDR3.Fernsehen:
07:15 – 10:00 Uhr Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244
Aufzeichnung aus der Philharmonie Köln vom 28.03.2010
Am Ostersonntag freuen wir uns über die Auferstehung Jesu von den Toten. Er ist der Erstling der Auferstehung, dem wir nachfolgen werden, wenn er kommen wird. Aber die Auferweckung gibt uns nicht nur Hoffnung für die Zukunft – auch heute, in unserer Welt, können wir nicht schweigen von unserer Freude und beten, dass das Evangelium unter uns wirksam werde und diese Welt verändere.
Predigttext steht in Johannes 20, Verse 19-23: Am Abend aber dieses Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den HERRN sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Der Ostermontag nimmt Bezug auf die Ereignisse unmittelbar nach der Auferstehung. Die Reaktion der Jünger und die ersten Erscheinungen Jesu stehen nun im Mittellpunkt, wobei auch die Konsequenzen der Auferstehung schon deutlich werden.
BWV 4 – Christ lag in Todesbanden / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 1
BWV 6 – Bleib bei uns, denn es will Abend werden / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2
BWV 31 – Der Himmel lacht! die Erde jubilieret / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 1
BWV 66 – Erfreut euch, ihr Herzen / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2
BWV 134 – Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2
BWV 145 – Ich lebe, mein Herze, zu deinem Ergötzen / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2
Wer diese – „Gardiner SDG-CDs Vol. 22“ – besitzt sollte sie sich unbedingt anhören, diese Bachwerke an historischer Stätte in Eisenach in der Georgenkirche Ostern 2000 aufgenommen, besitzen ein überragendes und emotionales Format.
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Kantaten-Beschreibungen zu den BWV von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!
Johann Sebastian Bach
„Der Himmel lacht, die Erde jubilieret“, Kantate für Soli, Chor und Orchester, BWV 31
(Kantate am ersten Osterfesttage, BWV 31)
Paul Esswood, Countertenor
Kurt Equiluz, Tenor
Max van Egmond, Bass
Wiener Sängerknaben
Chorus Viennensis
Concentus musicus Wien
Leitung: Nikolaus Harnoncourt
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WDR3 um 09:05-10:00 Uhr
Johann Sebastian Bach
Der Himmel lacht, die Erde jubilieret, BWV 31
Kantate zum ersten Osterfesttag
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo
Monika Frimmer, Sopran
Gerd Türk, Tenor
Peter Kooij, Bass
Bach Collegium Japan
Leitung: Masaaki Suzuki
Es kam mir vor, als wäre ich in einer Thüringer Dorfkirche eingekehrt und hätte einem engagierten Bach-Chor zugehört, der das Bach-Erbe vor Ort pflegt. Doch der Chor-Bass-Sänger, der mit kernigen, bloßen Füßen nach dem Konzert neben mir stand, berichtete, daß er am vormittag am Herrmanns-Lauf (31km) teilgenommen hätte und jetzt am Nachmittag gerade mal ein außergewöhnliches Konzertprogramm absolviert habe. Also war ich doch in OWL-, auf einem Bergplateau hinter Bad Salzuflen waren Massen von Fahrrad-, Autofahrern und Wanderern zur Konzertkirche Bergkirchen gepilgert.
Es war ja auch ein außergewöhliches Passions- und Osterprogramm, daß Kantor Begemann umsichtig leitete. Im Orchester waren Mitglieder der NWD integriert, der Tenor-Solist war ein ehemaliger Thomaner, während die Altsolistin in OWL öfters zu hören ist.
Der Innenraum der Kirche, die ja 1850 erbaut wurde, ist von der Decke über die Emporen mit Holzarbeiten verkleidet, so daß die Akustik den Klang glasklar herüberbrachte, was ja manchmal nicht gerade von Vorteil ist.
Aber in der Programm-Auswahl zeigte sich eine durchdachte Komposition, die vom Chor, Orchester und Solisten überzeugend umgesetzt wurde:
Aus klanglich fast Alt-Bachischen-Archiven heraus (Kuhnau-Motette: “Der Gerechte kommt um“)wurde der Hörer über den Passions-Teil des Messias zu der inhaltlich schmerzlichen Bach-Kantaten (Komm, du süße Todestunde!) zur Auferstehungshoffnung (besonders BWV 111, 4.Duett „So geh ich mit beherzten Schritten, auch wenn mich Gott zum Grabe führt!“) bis zum Licht geführt, das des Christen Leben bescheint ( Bach-Motette BWV 118 „O Jesu Christ, meins Herzens Licht“).
Chor in der Kirche zu Bergkirchen bei Bad Salzuflen "Bach-Trauerkantaten"
Diesem ganzen Gedankenstrang wurde wie als ein „Weckruf“ zu verstehen der Palmsonntags-Ruf „Hoch tut Euch auf, ihr Tore der Welt.“ (aus Messias Nr.31) noch zu Anfang eingefügt. Dazu verlaß ein Sprecher Passions-und Auferstehungsevangelium.
Warum wohl? Sollte jeder Hörer vielleicht aufmerken, daß hier überlegt ein Weg durchlitten und von uns gedanklich mitgegangen werden soll, der uns allen noch blüht und auf den wir uns mithilfe der Musik vorbereiten können.
Doch nun zu dem sonnigen Erlebnis, das mir diesem Palmsonntag so wertvoll macht.
Orchester mit Mitgliedern von der NWD Herford in der Kirche zu Bergkirchen bei Bad Salzuflen
Zuerst: ich war mutig, und hatte Kantor Begemann in der Woche vorher gefragt, ob er noch Tenöre braucht und ich den Messias-Teil mitsingen darf. So war ich in der letzten Probe und der Generalprobe dabei-, erlebte die Chorgesellschaft gewissermaßen „von innen“ mit. Nochmals wurde mir deutlich, wieviel Engagement gerade im Aufbau eines solchen Events von Allen und den den Helfern notwendig ist. Der Ort Bergkirchen besteht ja nur aus ca.6 Höfen und Häusern. Alles muß herangeschafft werden, viele Hände sind beteilligt. Einer regelte den Autoverkehr, andere sorgten für die Verköstigung des Orchesters.
Der Besucher erhielt ein ausführliches Programm-Heft, das auf die Überlieferung und instrumentalen Besonderheiten z.B. der beiden Bach-Motteten, die mich ja so an die Eigenarten des „Alt-Bachischen-Archivs“ erinnerten, aufmerksam machte.
Eine geruhsame und erfüllte Karwoche wünscht Euch allen und „Buona Pasqua“
Adamo
Um solch einen Gedankenfaden auch deutlich werden zu lassen, wurde die Bach-Kantate BWV 111 nur zur Hälfte (Nr.4-6) aufgeführt.
Natürlich war die selten aufgeführte Solo-Kantate BWV 161 „Komm, du süße Todesstunde.“ vor allem wegen der beiden Blockflöten-Begleitung ein außergewöhlicher Höhepunkt. Hier sollen ja Totenglöcklein imitiert werden, aber ich wurde dabei hellwach.
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*)Nach dem Orgel-Foto Video-Ausschnitte von YouTube: BWV 111 und BWV 161 Satz 4 Aria
Die Orgel in der Kirche zu Bergkirchen bei Bad Salzuflen
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YouTube-Video vom BWV 111
4.Duet-Alto,Tenor: So geh ich mit beherzten Schritten,
5.Recitative-Soprano: Drum wenn der Tod zuletzt den Geist
6.Choral: Noch eins, Herr, will ich bitten dich,
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YouTube-Video vom BWV 161 „Aria: Komm,du susse Todesstunde“
Komm, du süße Todesstunde, da mein Geist Honig speist aus des Löwen Munde; Mache meinen Abschied süße, Säume nicht, Letztes Licht, Dass ich meinen Heiland küsse.
Auch abseits der Passionen gibt es interessante Sendungen in der nächsten Woche. Und dann kommt da ja auch noch Ostern… Eine spannende Aufnahme des Osteroratoriums hat Volker uns ja gerade vorgestellt. Sie wird das Erste sein, was ich Ostern hören werde, wenn die ganzen Passionen weggepackt habe. Aber der Vergleich mit der Aufnahme von Suzuki ist sicher ganz interessant. Hier eine Auswahl interessanter Sendungen:
19.4.
Deutschlandradio kultur 22:00-22:30 Alte Musik Johann Adolf Scheibes Bach- Kritik und ihre Folgen
Enigma – „ein geschickter Musicant“ auf Reisen (1/2)
Von Michael Maul
1737 veröffentlichte Johann Adolph Scheibe in seiner Zeitschrift „Der critische Musicus“ einen Brief, in dem er zehn zeitgenössische Komponisten, ohne deren Namen zu nennen, teils massiv kritisierte – auch Johann Sebastian Bach, der sich daraufhin auf eine ausufernde Debatte um seinen Kompositionsstil einließ.
Neue Dokumentenfunde erlauben es, alle zehn Adressaten des berühmten Briefes zu entschlüsseln. Und dabei zeigt sich, dass die Debatte auf ganz unterschiedlichen Schauplätzen geführt und Bachs Position in Leipzig sehr viel mehr Schaden zufügte, als bislang angenommen wurde.
2. Teil: 26.4.
20.4.
Ö1
15-16
Abenteuer Interpretationen
Bachs Orchestersuiten:
Das Concerto Köln hat vergangenen Herbst zu seinem 25-jährigen Jubiläum eine Aufnahme dieser Hits der Barockmusik herausgebracht. Abenteuer Interpretation stellt nun – nachdem die Glückwünsche und Feuerwerke verraucht sind – diese Aufnahme anderen gegenüber
Bach tanzt – und, so könnte man hinzufügen, er tanzt französisch in seinen Orchestersuiten (BWV 1066 bis 1069). Dass diese Suiten nach französischem Vorbild (z. B. der großen Suiten Lullys) komponiert sind, verraten nicht nur die französischen Satzbezeichnungen der einzelnen Tänze, sondern auch der französische Stil der majestätischen Ouvertüren zu Beginn jeder Suite. Das Concerto Köln hat vergangenen Herbst zu seinem 25-jährigen Jubiläum eine Aufnahme dieser Hits der Barockmusik herausgebracht. Abenteuer Interpretation stellt nun diese Aufnahme anderen gegenüber.
mit Hans Georg Nicklaus.
BR-klassik
21-22
Feature Jesu Mutter unterm Kreuz
Das Stabat Mater in der Musik
Von Andreas Pehl
24.4.
DRS II
13:45-15:00 Johann Sebastian Bach: Kommt, eilet und laufet. Kantate zum Osterfest BWV 249, „Osteroratorium“
(Patrick van Goethem, Kontratenor; Jan Kobow, Tenor; Chiyuki Urano, Bass; Yukari Nonoshita, Sopran; Bach Collegium Japan; Ltg: Masaaki Suzuki)
DRS II
16-18
Parlando
Die legendäre Dame mit dem Cembalo Wanda Landowska hat 1908 die erste Cembalo-Aufnahme überhaupt gemacht, und sie hat mit ihrer Leidenschaft für dieses Instrument der Wiederbelebung der Alten Musik einen ganz entscheidenden Anstoss gegeben. Und das, obwohl ihr Pleyel-Cembalo ziemlich wenig mit einem Originalinstrument zu tun hatte und auch ihr Spiel in der Romantik zu Hause war. Der Instrumentenkundler, Schallplatten-Forscher und Landowska-Spezialist Martin Elste gibt Auskunft über die legendäre Musikerin.
WDR3
18-20
WDR 3 Vesper spezial
Ostern in San Marco Rekonstruktion einer Ostermesse, wie sie um 1600 im Markusdom in Venedig aufgeführt worden sein könnte
Mit Musik von Orlando di Lasso, Andrea und Giovanni Gabrieli, Claudio Merulo sowie österlichen liturgischen Gesängen
Gabrieli Consort & Players, Leitung: Paul McCreesh
Durch einen Insider-Tipp bin ich aus der Blog-Gemeinschaft auf eine CD aus England aufmerksam gemacht worden und möchte sie wärmstens weiterempfehlen..!!
Pure Freude kommt auf, wenn man sich diese CD-Neueinspielung aus England anhört..! Die Sprache ist von der Neuveröffentlichung der Oratorien zu Ostern – BWV 249 und Himmelfahrt – BWV 11 von J.S. Bach durch das
„Retrospect Ensemble“
Leitung: Matthews Halls.
Als Gesang-Solisten wirken mit: Carolyn Sampson, Iestyn Davies, James Gilchrist, (Tenor)Peter Harvey, (Bass-Bariton) vom Label: Linn !
Eine brilliante Aufnahme die von den großartigen Gesangs-Interpreten lebt und das barocke Orchester weiss den Hörer sofort mit seiner brillanten Interpretation und Musizierfreude einzunehmen und zu begeistern. Es ist immer wieder Erstaunenswert, was aus England an großartigen Einspielungen aus der Barockzeit zu bewundern gibt. Nach den besinnlichen Oratorien der Passionszeit ergibt sich für den Hörer wieder die Gelegenheit, zwei prächtige Jubel-Oratorien mit Pauken und Trompeten von J.S. Bach zu genießen. Eine kleine Hörprobe ist nachstehend beigefügt.
Nach den Veröffentlichungen der BWV als PDF-Download im Blogstelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung. Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf “YouTube“ sind sehr ergiebig.
Eine inhaltliche Kantaten-Beschreibung zum BWV 182 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist im Beitrag hinterlegt!
Am 17. April 2011 begehen wir den Sonntag „Palmarum / Palmsonntag“
Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der sich am Kreuz offenbaren würde. Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger? Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer und Schriftgelehrten, die letztlch Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.
Am Sonntag Palmarum hören wir die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Er wurde von der Menge jubelnd begrüßt, sie schwangen Palmzweige und sangen ihm Psalmen. Aber wir wissen auch, dass Jesus erst durch das Kreuz zum König wurde, aber nun zum König über alle Gewalten und Mächte. Da er gehorsam ward bis zum Tod, empfangen wir durch ihn das Leben und freuen uns, einem solchen Herrn und König zu dienen, der sein Leben für die Seinen hingibt.
Himmelskönig, sei willkommen, BWV 182, Kantate zum Palmsonntag für Alt, Tenor, Bass, Chor, Flöte, Streicher und Basso continuo; Kai Wessel, Altus; Christoph Prégardien, Tenor; Klaus Mertens, Bass;
Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman
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/ YouTube: BWV 182„Himmelskönig sei willkommen“
1. Sonata
2. Coro: Himmelskönig, sei willkommen
3. Coro: So lasset uns gehen in Salem der Freuden
American Bach Soloists
Christine Brandes, soprano
Judith Malafronte, alto
Jeffrey Thomas, tenor
James Weaver, bass
Aldo Abreu, recorder
Katherine Kyme, violin
Lisa Weiss, violin
Anthony Martin, viola
George Thomson, viola
Sarah Freiberg, cello
Steven Lehning, violone
Michael Eagan, archlute
John Butt, organ
Jeffrey Thomas, Music Director
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Dazu ein Auszug aus Sir J.E. Gardiner’s Reisetagebuch „Palmsonntag“
zum BWV 182
……. Der Prince stellte sich pünktlich ein, und wir begrüßten ihn mit Thomas Arnes Arrangement für das Drury Lane Theatre von God Save the King (1745), das nicht in der üblichen schwerfälligen, trübsinnigen Manier gespielt wurde, sondern als luftiger, leichtfüßiger Passepied.
Das Stück war ein passendes Präludium zu der eleganten Sonate, mit der
Bach BWV 182 „Himmelskönig, sei willkommen“
eröffnet, das 1714 komponiert wurde, als Palmsonntag und Mariä Verkündigung zusammenfielen. Die Sonate wirkt wie die Miniaturausgabe einer französischen Ouvertüre, Solovioline und Blockflöte dialogisieren mit einer Pizzicato-Begleitung, die ein wenig an Jesu Eselritt nach Jerusalem erinnert. In dem magischen Augenblick, wenn die Streicher zum ersten Mal wieder coll’arco spielen und der Ton aufschwillt, spürt man noch einmal, was für eine Offenbarung die Begegnung mit der Musik seiner Zeitgenossen – Corelli, Vivaldi u.a. – für Bach gewesen sein muss.
Ein madrigalähnliches Willkommenslied für Chor (Nr. 2) – und, wie ich finde, eine idiomatische Verwendung von concertisten und ripienisten, wenn die Streicher und die Blockflöte einsetzen – deutet auf eine wachsende Menge hin, die sich einstellt, um Christus als Gottes Vertreterauf Erden willkommen zu heißen. Selten ist Bach auf eine so frische Weise unbeschwert. Die kammermusikähnlichen Proportionen des Werkes, seine Fröhlichkeit und Unbekümmertheit schienen für das Gebäude wie geschaffen. Nur ein Rezitativ ist vorhanden (Nr. 3), und es ähnelt eher einem Arioso, dafür gibt es drei aufeinander folgende und im Charakter gegensätzliche Arien, in der die Leidenszeit, die Christus bevorsteht, als Quelle geistlicher Inspiration behandelt wird, vom Bass (Nr. 4) und Tenor (Nr. 6), die Christus direkt ansprechen, vom Alt (Nr. 5), der alle Christen aufruft, den Heiland in der Weise zu begrüßen, wie es im Evangelium berichtet wird: ‚Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg. Die anderen hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg’.
Bach setzt in dieser langsamen und ausgedehnten Dacapo-Arie (mit geringfügig schnellerem B-Teil), deren sich windende, absteigende Phrasen andeuten, wie sich die Zweige neigen und die Menschen vor dem Heiland niederknien, eine einzelne Blockflöte gegen das Alt-Solo. Auf mich wirkte das wie eine musikalische Pietà, die Alt-Marienfigur, die den Heiland in ihren Armen wiegt – und wir fanden in der Nordwestecke der Kirche tatsächlich eine Pietà der englischen Bildhauerkunst. Die Tenor-Arie, von einer regen, zuweilen gequälten Continuolinie unterlegt (cis-moll in dieser transponierten Leipziger Fassung!) verweist auf eine Stimmung zu einem späteren Zeitpunkt während der Passion. Immer wieder abrupter Stillstand und Neubeginn – diese Abfolge deutet an, wie Jesus unter der Last des Kreuzes stolpert, während ihm seine Jünger auf dem langen Weg ‚durch Wohl und Weh’ nicht folgen können.
Die Kantate endet mit zwei Chören, der erste eine motettenähnliche Choralfantasie, die um Vulpius’ schöne Melodie (1609) des für Palmsonntag bestimmten Liedes gebaut ist, der zweite ein munterer Chortanz, der auf direktem Wege einer heiteren Oper dieser Zeit hätte entnommen sein können (und auch im Ersten Akt von TschaikowskysEugen Onegin nicht völlig fehl am Platze gewesen wäre). Dieser Tanz verlangt die Ausgeglichenheit eines Trapezkünstlers im Verbund mit der Agilität eines Madrigalgymnasten – und ist einfach faszinierend. In einer Kirche, die bis auf den letzten Platz mit einem so bunt gemischten Publikum besetzt war – der Prince of Wales, seine Stallmeister, sein Leibwächter, die Mimen seiner House-Party, Bach-‚Pilger’ aus London und Oxford, sogar jemand aus Japan –, spürte man noch mehr als sonst das Geheimnis einer Live-Aufführung von Bachs Musik, die offensichtlich Interpret wie Hörer gleichermaßen Nahrung gibt. Die erhebende Stimmung war zu fühlen.