lange hat es gedauert diese historischen Filme über das Leben und sein Wirken von J.S. Bach zu erwerben. Es sind hervorragend gemachte Filme von 1985 aus der DDR-Produktion an Originalschauplätzen gedreht. Die Sendungen im DDR-Fernsehen waren ein Renner und können nun digitalisiert als DVD im ARD-Shop erworben werden, darauf habe ich lange gewartet und werde sie mir umgehend besorgen. Die Qualität dieser Filme stellt alles bisher da gewesene in den Schatten und wurden von den Kritikern und Besuchern in höchsten Tönen gelobt…!!
DVD von 1985 DDR-Film über J.S. Bach
Erscheinungsdatum: 20.11.2009
DVD GG 25 – Johann Sebastian Bach aus DDR TV-Archiv
EUR 22,95 – für eine Vorab-Bestellung
Laufzeit:ca. 415 Min.
Ausgezeichnet mit dem Kritikerpreis für den besten Fernsehfilm 1985
Das Genie J. S. Bach – ein lebensfroher, sinnenfreudiger und direkter Mann. Bachs Kompositionen sind ein unerschöpflicher Schatz. Seine Überlegenheit und sein freies Spiel riefen bei den Zeitgenossen Begeisterung, aber auch Verwirrung und Neid hervor.
Alle 4 Teile digital restauriert
FSK: ab 6 Jahren Erschienen bei: ARD ViDEO/SHDM Produktionsjahr: 1985 Tonformat: Dolby Digital 2.0 Mono Bildformat: 4:3 Regie: Lothar Bellag Darsteller: Ferenc Bács, Franziska Troegner, Hans-Jörn Weber, Arno Wyzniewski, Ulrich Thein, Jaroslav Satoransky, Ralf Lehm, Zoltán Gera, Gabor Sárosi, Wolfgang Dehler, Dana Vávrová, Wolfgang Greese, András Kozak, Horst Schulze u.a. Sprachen: deutsch Bonusmaterial: Interview mit Darstellerin Franziska Trögner (ca. 10 Min.), Dokumentation über J. S. Bach (ca. 45 Min.), umfangreiches Booklet Anzahl der Disc: 2
Der Artikel erscheint am 20. November 2009. Es besteht die Möglichkeit der Vorbestellung.
wer nach Königslutter im Kaiserdom das Gardiner-Konzert am 7. Mai 2010 um 20:00 Uhr mit der h-moll Messe von J.S. Bach – besuchen möchte, kann bereits Eintrittskarten erwerben. Die Buchung ist über einen Saalplan direkt möglich. Es gibt zwei Veranstalter, die Eintrittskarten ab s o f o r t vergeben. Des weiteren finden Gardiner-Konzerte in 2010 mit der Messe h-Moll, BWV 242 in Dortmund, Frankfurt und Leipzig statt.
Foto: Gardiner im Kaiserdom Königslutter – bei einer Probe…
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Radio-Tipp:
Der NDR-Kultur zeichnet das Konzert von Gardiner (J.S. Bach – h-moll-Messe) in Königslutter auf und sendet es an Himmelfahrt, 13.5.2010 um 20:00 Uhr.
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Wie bekannt, cm ticket.de (Konzertbüro Reimann in Berlin) mit moderateren Eintrittspreisen – aber ohne Saalplan-Buchung:
Mit dem Stand vom 10. Januar 2010 ist das Abschlusskonzert mit J.E. Gardiner (h-Moll-Messe) für den 20.6.2010 in der Thomaskirche Leipzig restlos ausverkauft…!!
ich komme noch einmal auf das bereits abgehandelte Thema „Sinn oder Unsinn der Beifallskundgebung in Kantaten-Konzerten“ zurück. Ich habe mir das Oratorium von Joseph Haydn „Die Schöpfung“ unter der Leitung von Leonard Bernstein in der Basilika Ottobeuren von 1986 angesehen. Was dort zum Schluss ablief, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Nach dem Schluss-Satz des „Amen“ war absolute Stille in der Basilika, der Dirigent und die Besucher verharrten ganz still, kein Applaus, nur die Glocken der Basilika waren zu hören. Danach verließen die Besucher die Kirche und ich war davon tief beeindruckt.
Was mag im Vorfeld abgesprochen sein, dass eine Beifallsbekundung unterblieb? Ich fand diese Art sehr sehr angemessen, es blieb genügend Zeit, alles während der Glockenschläge verinnerlichen zu können, diese Ruhe und Stille war beeindruckend und finde es nachahmenswert…!! Wahrscheinlich stehe ich mit dieser persönlichen Meinung allein auf weitem Feld und Flur…!! Einen Video-Ausschnitt von dem Konzert in der Basilika Ottobeuren von 1986 füge ich bei, hier geht es nur um den angesprochenen Schlussteil des Oratoriums von Joseph Haydn „Die Schöpfung“.
Lasst die Szenen einmal auf euch wirken und sagt mir dann einmal die persönliche Meinung dazu.
Zum Start in den Player klicken
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Als Konteks dazu Sir John Eliot Gardiner aus seinem Reisetagebuch von SDG 156 Vol. 4 – CD eins –
von der Pilgrimage 2000 -Tour aus der Kirche St Gumbertus, Ansbach wie folgt:
Foto: Frentischer Schluss-Applaus für den Sir in der Nikolaikirche Leipzig beim Bachfest 2007
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Das letzte Mal waren wir 1981 hier in Ansbach, als man uns eingeladen hatte, fünf verschiedene Programme mit Bachs Musik aufzuführen. Der Chor übertraf sich damals selbst, und dies zu einer Zeit, als wir als English Baroque Soloists immer noch damit beschäftigt waren, unseren Weg als ein Ensemble zu finden, das sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben hatte.
Neunzehn Jahrespäter wurde das erste Stück in unserem Programm, die Motette ‚Lobet den Herrn’, die mit einem überwältigenden ‚Hallelujah!’ endet, mit völliger Stille quittiert. Plötzlich fiel mir wieder ein, wie bestürzt ich damals war, als der zaghaft einsetzende Beifall mit lauten Pst!-Rufen erstickt wurde, 1981 und auch am Ende unseres ersten Auftritts 1979 hier.
Irgendwie wirkte es so, als würde der ganzen Sache der Reiz genommen – der Ehre, die man vermeintlich uns, den Ausländern, erwiesen hatte, als man uns auserwählte und einlud, an diesem führenden Bach-Fest teilzunehmen, fast einem Mekka (oder Bayreuth) der Bach-Feiern. Einige von uns hatten Mühe, nicht aufgebracht zu reagieren, nicht was die fehlende hörbare Zustimmung betraf, sondern die Einstellung, die hinter diesem kapriziösen Verzicht auf Applaus lag.
Der Grund dafür war nicht so sehr die (mangelnde) Qualität der Aufführung, jedoch vielmehr der pseudo-religiöse Respekt, den ein Publikum, das sich als wahrer Wächter der heiligen Bach-Flamme verstand, dieser Musik entgegenbrachte. Historisch nicht ganz stimmig an dieser exzessiven Bach-Huldigung ist, dass die Musik als ein statischer Gegenstand oder eine heilige Reliquie gesehen wird, während Bach eindeutig sehr großen Wert darauf legte, dass seine Musik aufgeführt wird, wie es uns im Laufe des Jahres immer wieder bestätigt worden war.
In gewisser Weise wird ihre Komposition erst während der Aufführung ‚vollendet’, und das ist der Grund, warum wir als Musiker so achtsam jeder Spur folgen, die uns in der Notation der Kantaten Hinweise auf Bachs eigene Aufführungspraxis gibt.
Wir sind auch bestrebt, ein produktives und dynamisches Dreiecksverhältnis zu schaffen, zwischen dem Komponisten Bach, der sein Werk selbst aufgeführt hat, uns als Musikern, die es neu erschaffen, und schließlich dem Publikum, das an diesem Prozess teilhat. So war es in allen ostdeutschen Städten gewesen, wo wir in diesem Jahr aufgetreten waren.
Doch wenn die Zuhörer als begeisterte Bach-Anhänger zu dem Schluss gelangt sind, das Gelände verteidigen zu müssen, kann diese lebenswichtige chemische Reaktion zwischen ihnen und uns nicht mehr stattfinden, und damit entfällt auch der ‚Auftrieb’, den ein reaktionswilliges Publikum einem auftretenden Ensemble geben könnte.
Diese Überlegungen traten in ein anderes Licht, als eine ältere Dame nach dem Konzert am Morgen nach vorn kam und mir ein Sträußchen mit Blumen aus ihrem Garten überreichte. Die letzte Spur Groll verschwand, als sie am Abend mit einem noch größeren Strauß wiederkam, diesmal aus wilden Wiesenblumen.
– Zitat – Ende –
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In einem Interview mit der NW vom 20.10.2009 nahm der englische Star-Violonist Daniel Hope zu dem Thema Applaus wie folgt Stellung:
Frage:
Herr Hope, ich habe in einem Benimmbuch aus den 50er Jahren gelesen, dass man den Künstler nach einem Konzert nicht mit allzu langem Beifall bedenken sollte, weil er vom Musizieren müde sei. Sagen Sie mir bitte, dass das nicht wahr ist.
DANIEL HOPE:
(lacht) Ich würde sehr traurig sein, wenn das wahr wäre. Natürlich kann man sehr müde sein nach einem Konzert, aber für mich persönlich ist Applaus das schönste Geräusch nach der Musik. Es ist das Signal des Publikums an den Künstler, dass die Botschaft angekommen ist.
Frage:
Sie sind gerade in Aix-en-Provence gemeinsam mit Anne-Sophie von Otter aufgetreten mit Liedern aus dem KZ Theresienstadt. Wenn man um den Hintergrund dieser Musik weiß, kann da Applaus nicht auch fehl am Platze wirken?
HOPE:
Ja, das kann es. Wir haben gerade mit diesem Programm unterschiedlichste Reaktionen erlebt. Bei den Kabarettliedern, die im KZ zur Ablenkung geschrieben wurden, hat sich manches Publikum richtig in den Applaus hinein gesteigert, ein anderes Publikum hat eher zurückhaltend reagiert, weil es spürte, zu viel Applaus wäre fehl am Platz. In Frankreich haben die Leute sehr schnell und sehr stark nach allem applaudiert. Das war für uns Musiker nicht ganz einfach, weil das zum Teil sehr traurige Lieder sind und sich eine gewisse Spannung aufgebaut hat. Man will als Musiker manchmal ein paar Sekunden der Stille genießen, und das ist dann nicht möglich.
– Zitat – Ende –
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Die gegensächlichen Aussagen von Daniel Hope und J.E. Gardiner zum Thema „Applaus“ können nicht unterschiedlicher ausfallen. Ich kann mich noch sehr gut an die Aufführung von Sir John Eliot Gardiner – mit der Matthäus-Passion am 6. März 2005 – im Kaiserdom von Königslutter erinnern. In diesem Beitrag hatte ich folgende Aussage zum Konzert getätigt:
Besonders beeindruckend, wie innerlich bewegend die gesamten Solisten, ob Chor oder Orchester sowie J.E. Gardiner, bei den Gesangspartien des Evangelisten, die Augen geschlossen und die Hände gefaltet, den Worten und der Musik lauschend zuhörten.
Das Publikum wurde dermaßen von diesen Passagen des Werkes eingenommen, dass selbst das Husten unterblieb. Nach dem Schluss-Ton geriet man in einen Trancezustand, absolute Stille umgab die Aufführungsstätte, Gardiner verharrte in sich gekehrt und entschwand kurze Zeit später von der Bühne um nicht wieder zurückzukehren.
Mein Umkehrschluss zur Aussage von Sir Gardiner aus dem Jahre 2000 zu Ansbach und zur Aufführung in Königslutter. Es lagen mittlerweile 5 Jahre dazwischen, hat Sir Gardiner eine neue Sicht auf diese Thematik bekommen – dass in einem sakralen Raum beim Erklingen einer Passions-Musik auf eine Beifallsbekundung zu verzichten ist, anders kann ich sein Verhalten in Königslutter nicht deuten und bin der Meinung, dass dieses Verhalten sich als richtig erweist.
Sicherlich vertritt subjektiv jeder eine andere Meinung, aber mir hat diese Schluss-Art von Königslutter und aus der Basilika Ottobeuren – auf Applaus zu verzichten sehr gut gefallen und wünschte, das würde weiterhin Bestand haben…!!
Eine weitere Ergänzung zu dem Thema gab es in der Semperoper Dresden durch den Dirigenten Christian Thielemann am 14.2.2010 in 3Sat mit dem Beethovenkonzert mit der Missa-Solemnis:
“Wenn von einem schönen Brauch Abstand genommen wird, nämlich zu Applaudieren, es gibt keinen Applaus weder für den Auftritt noch nach dem Stück und ich finde sowieso eigentlich bei geistlichen Stücken ist das keine schlechte Idee.”
Dieses Aussage ist hier nachzuhören:
Ich fand das am Ende sehr beeindruckend, als die Besucher und das Orchester sich erhoben und schweigend eine Minute regungslos verharrten und an das Bombendrama auf Dresden durch ihre Haltung entsprechend so zum Ausdruck brachten – ein nachahmenswerter Stil..!!
Ein kleines Konzert-Schnipzel mit dem beeindruckenden Konzert-Ende- nachstehend:
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Link zum alten Beitrag: „Sinn oder Unsinn der Beifallskundgebung in Kantaten-Konzerten“
eine eindrückliche BBC-Produktion von 2008 u.a. über Martin Luther und Johann Sebastian Bach wurde im Oktober 2009 nochmals ausgestrahlt. Der englische Autor Simon Russell Beale untersucht die geistliche Musik in der westlichen Welt und stellt fest, dass Martin Luther selbst ein Komponist gewesen ist und eine tiefgreifende Wirkung auf die sakrale Musik ausgeübt hat. Von ihm inspiriert ist J.S. Bach der größte Komponist – der das Luther-Vermächtnis in seiner sakralen Musik umgesetzt hat.
Beeindruckende 6 Videos von der BBC-Sendung – mit fantastischen Bildern – authentischen Bach-Luther-Örtlichkeiten und eindrücklichen Bach-Werken – sind bei YouTube erschienen und stelle sie hier interessierten Besuchern zur Verfügung – ein richtiges Highlight für den heutigen Reformationstag.
dieser Tage wurde folgender Kommentar ins Forum gestellt:
Mir würde es gefallen, wenn wir wieder zu unseren Kantaten zurückkehren und eher nach positiven und heilenden Aspekten suchen. Wie vielen Leuten eröffnen Bach’s Kantaten neue Zugänge…..!!
Greife ich diesen Hinweis einmal auf und beginne mit den anstehenden Reformations-Kantaten.
Welche Kantaten sind dafür von J.S. Bach komponiert worden? Weiss es ein jeder auf Anhieb? Mir fällt spontan das BWV 80 „Ein feste Burg ist unser Gott“ – ein. Ein prächtiges monumentales Werk mit einem großartigen Eingangs-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“. Eine eindeutige Zuordnung als ein Bachwerk – in der heutigen Aufführungspraxis – ist nur bedingt aussagefähig und zweifelhaft geblieben. Bach hat eine Erstfassung 1715 in Weimar – BWV 80a „Alles was von Gott geboren“ als Oculi-Kantate – komponiert und aus mangelnden Zeitgründen 1728 / 1731 in Leipzig überarbeitet als Kantate zum Reformationstag: „Ein feste Burg ist unser Gott“ . Man vermutet, dass Wilhelm Friedemann Bach nach dem Tode des Vaters in Halle a.d.Saale Änderungen an dem BWV 80 vorgenommen hat.
Foto: Der Kirchenturm der Schloss-Kirche Wittenberg mit dem Luther-Text: „Ein feste Burg ist unser Gott“ (Fotorechte: V. Hege)
Dazu ein passendes Foto mit Luthers 95 Thesen an der Kirchentür eingearbeitet
Schloss-Kirche Wittenberg. (Fotorechte: V. Hege)
Bei unserem Besuch 2008 von Wittenberg waren wir beeindruckt von dieser trutzigen Schlosskirche die ehemals zu einer Burg-Schloss-Anlage gehörte. Der in 1768 erneuerten Türflügel wurden zur Erinnerung an den Thesenanschlag 1858 ersetzt durch bronzene Türflügel mit dem Text der 95 Thesen Luthers und mit musizierenden Knaben auf den Türkämpfern.
Schon von weitem ist der beeindruckende Luther-Text am Turm der Schlosskirche zu sehen. Spontan fällt man in das Luther-Lied ein und erlebt einen bewegenden Moment. Wie mag Luther zumute gewesen sein, als er seine Thesen an die Schlosskirchen-Tür anbrachte, er war nicht am Zweifeln, dass es Unrecht war, was er tat. So sehe ich ebenfalls das Kantaten-Werk von Bach und werde immer wieder mit dieser Luther-Tat konfrontiert und eingenommen. Der Cantus firmus in höchster und tiefster Lage ist als Symbol der weltumspannenden Geltung dessen, was gesagt wird zu verstehen: Gottes Machtbereich umfasst den gesamten Kosmos. In Satz sieben ist besonders erwähnenswert die kämpferische Vertonung „Es bleibet unbesiegt und kann die Feinde schlagen“ und wirkt als ein fantastischer Kontrast zu den übrigen anmutigen Abschnitte in dem Duett für Alt und Tenor.
Aufgewühlt und beeindruckt bin ich immer von dem Schluss-Choral „Das Wort sie sollen lassen stahn“ – das lässt sich unmittelbar wunderbar auf die heutige Wirklichkeit der Finanzgebaren und Mauscheleien interpretieren, „lass fahren dahin, sie haben kein‘ Gewinn; das Reich muss uns doch bleiben.“
Es ist das erhebende Werk zum Reformationsfest für uns Protestanten, diese Eindringlichkeit der Worte und kraftvollen Musik kann sich keiner entziehen und verinnerlicht es in der Gewissheit – in der festen Burg wohl geborgen zu sein…..!!
Foto: Luther-Relief in der Schlosskirche Wittenberg (Foto: V. Hege)
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Es gibt so hervorragende Einspielungen vom BWV 80, sicherlich ist für mich Gardiner einer der Favoriten, aber verstecken brauchen sich Suzuki, Koopman, Herreweghe, Rilling, Richter, Thomaner unter Rotzsch, Rifkin… etc. nicht, die Auswahl ist gewaltig und das ist das erfreuliche an diesem Bachwerk.
Etwas zu Unrecht im Abseits dazu steht die Bach-Kantate: BWV 79 „Der Herr ist Sonn und Schild“ die ebenfalls durch einen gewaltigen Eingangs-Choral sehr einprägsam imponiert.
Der Eröffnungssatz ist als eine Art feierlicher Aufzug gestaltet – ein bewegendes Bild aufmarschierender Lutheraner. Doch ihr Kampfgeist wirkt in keiner Weise grimmig und verbissen: Die 62-taktige Einleitung schafft eine Atmosphäre geselliger Freude und Gutmütigkeit. Die Fanfaren der hohen Hörner werden von einem beharrlichen Trommelschlag untermauert, der – mit ein bisschen Phantasie interpretiert – das Geräusch des Hammers nachahmt, mit dem Luther seine Thesen an die Eichentür auf der Rückseite der Kirche schlug.
Gardiner sagt dazu in seinem Reisetagebuch:
Gillies Whittaker, der Bachs Kirchenkantaten umfangreiche Analysen gewidmet und alle nach dem Ersten Weltkrieg über mehrere Jahre in Newcastle dirigiert hat, bekannte, er habe „selten eine so überirdische Glückseligkeit empfunden wie beim Dirigieren dieses herrlichen Chores“. Ich selbst erinnere mich, dass ich ungeheuer aufgewühlt war, als ich ihn 1972 dirigierte, aber dieses Mal, hier in Wittenberg, war seine Wirkung überwältigend.“
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Hörprobe: mp3 BWV 79 Gott der Herr ist Sonne und Schild“
Bei der kleinen dreisätzigen Kantate Nun danket alle Gott BWV 192 besteht die Gefahr, dass sie im Schatten der beiden riesigen Reformations-Kantaten (BWV 79 und 80) verkümmert. Mit ihrer bescheidenen Instrumentierung bietet sie jedoch einen reizvollen Kontrast, eine Möglichkeit, das Fest auf eine alternative und weniger bombastische Weise zu feiern….!!
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Alle oben genannten Kantaten sind in CD zwei von SDG 110 enthalten.
Ich bin gespannt auf weitere Wortmeldungen zu diesen einprägsamen Reformations-Kantaten und welcher Interpret mag euer Favorit sein, der diese Werke beispielhaft zu interpretieren weiss.
Foto: Gewandhaus Leipzig „Jubiläumskonzert 10 Jahre Calmus-Ensemble“
So hätten wir uns das nicht träumen lassen. Es fing sehr besinnlich an. Eine Hommage an die „Alten“ Schütz und Bach bildete die Einleitung; („Also hat Gott die Welt geliebt“; Dir, Dir Jehova will ich singen“) so hätte es den ganzen Abend weiter gehen können. Lupenreine Intonation, Klangschönheit, ein Dahinschweben, ein sich tragen lassen von diesen exzellenten Stimmen, von der Faszination des Klangbildes. Für mich war`s schon „Jenseits von Eden“.
Foto: Programm: Jubiläumskonzert 10 Jahre Calmus-Ensemble im Gewandhaus mit Autogramm der Calmus-Mitglieder
Doch dann kam alles anders. Das Calmus Ensemble brachte eine Auftragskomposition von Buchberg zu Gehör: „Lobe den Herrn“. Diese Uraufführung war eine tolle Klangwelt; weit weg von unseren „Barockohren“, aber wunderschön. Nach zwei noch sehr moderaten Mozarts trat das Raschèr Saxophone Quartett mit einer „Science-Fiction-Kantate – The Big Rip“ auf. Damit wurde die Geburtstagsfete endzeitlich. Bizarre Klangbilder, Wortmalereien, Klangmalereien stellte der Komponist Mathew Rosenblum – der auch selbst anwesend war – vor. „Kam, kam. Kam ein Wort, kam. Kam durch die Nacht. Wollt leuchten, wollt leuchten. Asche, Asche, Asche.“ Dunkle Energien überziehen die Erde. „Lift up your Eyes up to the heavens, and glance down at the earth below. The heavens will disappear like smoke”.
Foto: Das Calmus-Ensemble im Gewandhaus Leipzig
Wie Ihr seht, mussten wir auch unser etwas verstaubtes Endzeit-Englisch wieder aus der Tasche holen. Es half nur nicht viel. Die Saxofonisten mit ihren wunderschönen Instrumenten und ihren wahnwitzigen Spiel liessen uns die Sprachwelten vergessen. Bei mir blieb zwischendurch kein Auge trocken. Die Urlaute der Saxofone, verwoben mit den Stimmen der fünf Solisten liessen einen Klangteppich erahnen, zu dem nur ein bisschen Mut gehört, ihn zu beschreiten. Ich hab` mir zwischendurch ein Taschentuch vor den Mund gehalten, weil es einfach aberwitzig war und habe mich einfach mitnehmen lassen.
Foto: Mitwirkende im Jubiläumskonzert 10 Jahre Calmus-Ensemble
Mit „den dunklen Energien“ ist das so ein Sache. Ich zitiere aus dem Textheft: „Der Bogen, den der Komponist des Stückes schlägt, ist nun so gewagt wie genial: die metaphorische Brücke führt ihn an dieser Stelle zu einem völlig anderen Thema, das aber ebenfalls sehr viel mit Chaos und Auflösung zu tun hat: zur weltweitenFinanz- und Wirtschaftkrise, unter Benutzung von Zitaten aus einem Internet-Chatroom, in dem sich Opfer jener Krise austauschten…“. Vielleicht gehört so ein Werk wirklich zu einer Geburtstagsfete; und wenn es uns nur erinnert, dass wir „wach“ bleiben sollen.
Foto: Raschèr Saxophone Quartett im Gewandhaus
Im 2. Teil des Konzerts kamen schließlich noch der MDR-Kinderchor, aus dem die Sopranistin Anja Lipfert stammt, das Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium, mit dem die fünf Solisten musikalische Aufbauarbeit leisten und noch drei ehemalige Sänger aus den Gründerzeiten des Calmus Ensembles auf die Bühne.
Leider hatte der Liedermache Hans-Eckardt Wenzel absagen müssen. Das Calmus Ensemble brachte stattdesse die „Galgenlieder“ von Christain Morgenstern zu Gehör. Ich hab` mich vor lachen bald weggerollt – mir sind Tränen gekommen bei soviel perfekt-schwarzem Humor. Es war ein großer bunter Blumenstrauss, ein so aufregender Abend, das mein Herz (unsere Herzen) noch mehr für Calmus schlägt als vorher. Angefangen von der Hotelreservierung, über ein liebevoll vorbereitetes Textheft bis zur Durchführung ist den Fünfen das so gelungen, dass wir drauf und dran sind, am 12. 12. 2009 wieder nach Leipzig – diesmal zum Weihnachtskonzert – dieser excelleten Gruppe zu fahren.
Sie haben übrigens in New York wieder einen Preis ergattert; deshalb waren sie nicht persönlich zur Echo-Verleihung in der Semper-Oper in Dresden anwesend.
… und ab sofort freue ich mich jetzt auf den 5. 12. in Hamburg.
Als wir Dezember 1999 in Weimar unser Auftaktkonzert zu dieser außergewöhnlichen Reise gaben, wusste ich zugegebenermaßen noch nicht sehr viel von Bach und seiner Musik, und so wirkte sich die Erschließung seines Werks im wöchentlichen Rhythmus unmittelbar auf mein Leben aus. Der kirchliche Dienst war mir (zunächst als Tochter eines Vikars, später als Ehefrau eines Organisten) vertraut; entsprechende Faszination hatte es für mich, dem liturgischen Jahreslauf aus dem Blickwinkel des lutheranischen Kirchenmusikers und Thüringers, der Bach war, zu folgen.
Woche für Woche erhielten wir zusammen mit unseren Stimmen auch die Lesung für den betreffenden Sonntag sowie Informationen über den persönlichen Lebenskontext, in dem die betreffenden Kantaten jeweils entstanden waren. So erfuhren wir etwa, dass sich zu einer Zeit ein besonders versierter Trompeter in der Stadt aufhielt, ein anderes Mal hatte Bach gerade den Tod eines seiner Kinder zu verkraften. Als etwas Besonderes fühlte es sich an, in Gebäuden und Städten Musik zu machen, die Bach schon gesehen hatte, und unvergessen blieb unser erster Leipzig-Aufenthalt im Januar 2000, als wir zwei Kantaten aus dem Weihnachtsoratorium in der Nikolaikirche sangen, genau an jener Stelle, wo Teile hieraus erstmals erklungen waren.
Zum Zeitpunkt unserer Rückkehr nach Leipzig im Oktober hatte die Pilgrimage uns mittlerweile nach Eisenach geführt, wo Bach geboren und getauft wurde, nach Arnstadt, Halle, Mülhausen und schließlich Köthen, wo er als Kapellmeister wirkte. Beim Spazieren durch die Straßen Leipzigs erschien vor meinen Augen das Bild eines tüchtigen Kantors, wie er mit fliegender Robe von Kirche zu Kirche eilt, jemand, der einfach seinen Dienst verrichtet. Besonders ergriffen hat mich der Moment, in dem wir um das Grab des Meister versammelt den Sterbebettchoral sangen. In dem Maße, wie das Jahr voranschritt, wuchs auch unsere Vertrautheit mit der musikalischen Sprache Bachs, mit den Tücken und Freuden, die das Deutsche für uns Sänger bereithielt und mit der tiefen Spiritualität und Menschlichkeit dieses außergewöhnlichen Menschen.
ich habe wieder etwas für Euch. Der Vollständigkeit halber auch das Konzert, was schon erwähnt wurde.
25.10.2009
Rbb 7-8 Uhr Georg Friedrich Händel:
Gloria für Sopran, Streicher und Basso continuo B-Dur
Gillian Keith
English Baroque Soloists
Leitung: John Eliot Gardiner
NDRkultur
11-13 Uhr Barocke Temperamente
Johann Sebastian Bach:
Violinkonzert a-Moll BWV 1041
Konzert d-Moll für 2 Violinen, Streicher und Basso continuo BWV 1043
Konzert d-Moll für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo BWV 1060 R
Violinkonzert E-Dur BWV 1042
Musiker des Festivalorchesters, Violine
Musiker des Festivalorchesters, Oboe
Schleswig-Holstein Festival Kammerorchester
Violine und Ltg.: Frank Peter Zimmermann
Aufzeichnung vom 22. August in der Konzertscheune Salzau
Der Geiger Frank Peter Zimmermann, selbst ein leidenschaftlicher Interpret von Johann Sebastian Bachs Violinwerken, erarbeitete in diesem Sommer mit den jungen Musikern des Schleswig-Holstein Festival Kammerorchesters Instrumentalkonzerte des Thomaskantors. Frank Peter Zimmermann leitete das von Musikern aus acht Nationen gebildete Orchester der Schleswig-Holstein Musik Festival-Akademie und war bei allen Werken des Abends als Solist zu hören.
Er brillierte im Salzauer Konzert unter dem Motto „Barocke Temperamente“ mit den Bachschen Violinkonzerten E-Dur und a-Moll. Gemeinsam mit dem Oboisten Marc Lachat spielte er das aus dem Doppelkonzert für zwei Cembali BWV 1060 rekonstruierte Doppelkonzert für Violine und Oboe.
Außerdem stand Frank Peter Zimmermann bei dem Doppelkonzert für zwei Violinen BWV 1043 mit seinem Sohn, dem jungen Geiger Serge Zimmermann, auf der Bühne. Frank Peter Zimmermann widmet sich neben seinen zahlreichen Orchesterengagements regelmäßig der Kammermusik und ist weltweit auf den großen Bühnen zu hören. Sein Sohn Serge Zimmermann hatte 2007 beim Kissinger Sommer sowie bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern bereits für Aufsehen gesorgt und trat mit dem Münchner Kammerorchester und dem Helsinki Philharmonic Orchestra wiederholte Male auf. Der Franzose Marc Lachat ist ein nicht weniger vielversprechender junger Musiker und zeichnet sich durch einen außergewöhnlich geschmeidigen und weichen, niemals näselnden Oboenton aus.
Dkultur
15-17 Uhr Interpretationen
»Dialoge im Kaffeehaus«
Johann Sebastian Bachs Konzerte für zwei Klaviere
Gast: Michael Stegemann
Moderation: Olaf Wilhelmer
Dkultur 20-22 Uhr Konzert Nachklang Johannische Kirche ,Blankensee/Brandenburg
Aufzeichnung vom 5.9.09
»Mysterium Bach«
Johann Sebastian Bach
Messe in a-moll für Chor und Orchester, BWV Anh. 24
Messe in G-dur für 23 Stimmen in 2 Chören, BWV Anh. 167
Magnificat in C-dur für Soli, 8-stimmigen Doppelchor, Trompeten, Pauken und Streicher, BWV Anh. 30
»Sanctus G-dur, BWV 240 • Sanctus d-moll, BWV 239 • Sanctus C-dur, BWV 237«, drei Sanctus-Vertonungen für Chor und Orchester
ca. 20.50 Konzertpause mit Nachrichten
»Nach dir, Herr, verlanget mich«, Kantate für Soli, Chor undOrchester, BWV 150
»Erschallet, ihr Lieder«, Kantate für Soli, Chor und Orchester, BWV 172
Gesualdo Consort
Alsfelder Vokalensemble
Hannoversche Hofkappelle
Leitung: Wolfgang Helbich
Eine schöne Woche
Barbara
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Generell noch einmal der Link, wo eigentliche ALLE Radiostationen mit Websites und Direktlinks zu Livestreams zu finden sind:
für alle Fernsehzuschauer die eine ZDF-Live-Übertragung aus der Semperoper Dresden vom Sonntag 18.10.2009 nicht wahrnehmen konnten besteht die Möglichkeit, bis zum kommenden Sonntag, 25. Oktober 2009, in der ZDF-Mediathek diese Sendung nochmals per Internet aufrufen und ansehen zu können.
ZDF - Echo der Stars - Semperoper Dresden 2009
Blick in die Semperoper Dresden 2009
Ich war und bin immer noch begeistert von diesem Querschnitt aus der Musik-Kultur-Szene. Großartige Ensemble und hochrangige Gesangs- und Instrumental-Solisten prägten diese ZDF-Sendung, hautnah sind die Künstler zu erleben, der Ton ist exzellent und die Bildführung genial gelungen, die eineinhalb Stunden sind ein Erlebnis und vollendeter Kunstgenuss. Möchte es nur wärmstens empfehlen, Internet aufrufen, Link anklicken und sich der Musik hingeben – das ist pure Entspannung…!!
Einige Künstler des Abends:
Wolfgang Bauer-Trompete
Elina Garanca-Mezzosopran
Philippe Jaroussky-Countertenor
Pianist David Fray
Angaben zu der ZDF-Sendung „ECHO Klassik“
Die „Sänger des Jahres“ die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca und der deutsche Bariton Christian Gerhaher führen das Feld der Preisträger, die in der Semperoper live aufgetreten sind. Als „Instrumentalisten des Jahres“ wurden ausgezeichnet: der französiche Pianist David Fray, die deutsche Geigerin Anne-Sophie Mutter, der französische Harfenist Xavier de Maistre und der deutsche Trompeter Wolfgang Bauer. Er trat gemeinsam mit dem „Kammermusikensemble des Jahres“ Sax Allemande auf. Das kubanische Quintett in der Besetzung mit der deutschen Flötistin Anette Maiburg, „Classica Cubana„ erhielt einen ECHO in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“, mit dem auch Christina Pluhar und L’Arpeggiata ausgezeichnet wurden.
Der französische Star-Countertenor Philippe Jaroussky begleitet ECHO-Preisträgerin Christina Pluhar.
Die spanische Sopranistin Nuria Rial wurde als „Nachwuchskünstlerin des Jahres“ geehrt, die argentinische Cellistin Sol Gabetta für die „Konzerteinspielung des Jahres“. Der spanische Startenor Plácido Domingo erhielt einen ECHO Klassik für sein Lebenswerk.
Vokalgruppen galten früher in der Konzertszene als ungewöhnlich, fast exotisch. Dass sich das geändert hat, beweist das Calmus Ensemble Leipzig. Für Ihre Einspielung „Lied: gut! – Die schönsten Volkslieder“ wird das fünfköpfige Ensemble von Anja Lipfert (Sopran), Sebastian Krause (Countertenor), Tobias Pöche (Tenor), Ludwig Böhme (Bariton) und Joe Roesler (Bass) mit einem ECHO belohnt.
Orchester des Jahres
Orchester des Abends ist die „Sächsische Staatskapelle Dresden“ unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Fabio Luisi, die außerdem mit einem ECHO Klassik als „Orchester des Jahres“ ausgezeichnet wurden.
Meine Gesangskarriere begann im Chor der Niederländischen Bachvereinigung. In der schönen Naarden-Vesting erlebte ich mit ihm meine erste Aufführung der Bach’schen Matthäuspassion als Chor-Alt. Die in der monumentalen Festungsstadt errichtete Grote Kerk mit dem Weihnamen St. Vitus bietet seit 1922 jeden Karfreitag die Kulisse für eine (abgesehen von einer zweistündigen Mittagspause ganztätig zelebrierte) Matthäuspassionsaufführung, zu der traditionell die niederländische Regierung vollzählig anwesend ist.
Die großartige Akustik und die wunderbar heitere Atmosphäre berührten mich tief und weckten in mir den Wunsch, eines Tages hier als Solistin zurückzukehren. Mit der Solokarriere kamen neue Träume; einer von ihnen war, unter John Eliot singen zu können, dessen Arbeit ich so sehr bewunderte. Wie glücklich ich war, als dieser mich zur Bach Cantata Pilgrimage einlud! Plötzlich war es so weit, ich sah mich in Naarden unter seinem inspirierenden Dirigat eine Bachkantate singen. Was für eine Erfahrung!
Die Interpretation von John Eliot fügte sich mit ihrer Tiefe, Intensität, Inspiration und ihrem Traditionsgeist so gut in die Schönheit der Kirche ein. Alles diente dem Text und der Musik. Und als sollte das noch nicht genug sein, erhielten wir für eine weitere Kantatenaufführung im Londoner St. Giles Cripplegate den Gramophone Record of the Year 2005 – für mich wurde ein Traum wahr.
für alle unvergessen der Orgelvirtuose und Dirigent Karl Richter würde heute seinen 83. Geburtstag feiern. In den 60-er und 70-er Jahren waren seine Einspielungen von J.S. Bach das Highlight und werden heute aus Nostalgie immer wieder gerne angesehen bzw. angehört.
Dirigent und Organist Karl Richter
Aus diesem Anlass wurde einige Videos zusätzlich auf YouTube von Karl Richter veröffentlicht.
Wer gezielt weitere Informationen über Karl Richter in Erfahrung bringen möchte, dem empfehle ich folgende Blog-Seite.
Ein kleines Bach-Fest findet immer wieder als sonntägliches Kantate-Hören statt. Dieses ZURKENNTNISNEHMEN von Bachs allsonntaglichem Allgemeingut scheint mir hier oft zu kurz zu kommen!
Heute morgen stellen sich-, mit einer überraschenden Perspektive, die beiden Kantaten zum 18.So nach Trinitatis BWV 169 und BWV96 vor.
Zuerst: Die Macht des Eingangschorals von BWV 96, die bereits ein wenig Christ-Geburts-Atmosphäre anmoduliert. Später-, das individuelle Festlegen meiner Selbstsicherheit auf Gott in der Alt-Solokantate BWV 169
Der Cantus firmus des Eingangschors – in langen Notenwerten vorgetragen – ist wirklich ein in den Alltag tragendes Fundament, das durch ein Horn verstärkt wird.
Hört, hört bereits !!!-, die Figuration des Morgensterns mit seinem glänzenden Flimmern..
Majestätisch und dennoch bescheiden in ihrer Abbildung der vollen, prallen Tonmacht die Rilling-Aufnahme. Leider liegt mir die Gardiner Aufnahme in SDG 9 nicht vor. Hätte beide gerne verglichen!
Ich wünsche Euch allen im Forum, das ihr die Macht des sonntäglichen Kantaten-Hörens vorneanstellt.
Gruß
@Wolfgang
Einen gesegneten 18.So nach Trinitatis
Gruß @Wolfgang
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Hier Hörproben von SDG
Nachstehend die Hörporben „Stream Audio“ anklicken
SDG 159 Vol. 9 disc 1 –
1. Bringet dem Herrn Ehre seines Namens BWV 148
– no. 1 Coro
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Cantatas for the for the Seventeenth Sunday after Trinity
BWV 148 – Bringet dem Herrn Ehre seines Namens
BWV 114 – Ach, lieben Christen, seid getrost
BWV 47 – Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden
BWV 226 – Motet: Der Geist hilft unser Schwachheit auf
(recorded: Allhelgonakyrkan, Lund)
Soloists: Katharine Fuge | Frances Bourne
Robin Tyson | Charles Humphries
Mark Padmore | Stephen Loges
Cantatas for the Eighteenth Sunday after Trinity
BWV 96 – Herr Christ, der ein’ge Gottessohn
BWV 169 – Gott soll allein mein Herze haben
BWV 116 – Du Friedefürst, Herr Jesu Christ
BWV 668 – Chorale: Vor deinen Thron tret’ ich hiermit
für die nächste Woche habe ich wieder 2 Tipps für Euch:
12.10.2009 NDR 13-14 Uhr In der Sendung „Klassik à la carte“ spricht Friederike Westerhaus mit Ton Koopman über Alte und Neue Musik, über Bach und Buxtehude sowie über die Schönheit von Orgel und Cembalo.
Ab 13 Uhr auf NDR Kultur.
13.10.2009 SWR2 13-14:30 Uhr SWR2 Mittagskonzert
Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd
Gillian Keith (Sopran)
London Baroque
Werke von Arcangelo Corelli, G.F. Händel, J.S. Bach und Marin Marais
(Konzert vom 30. Juli in der Augustinuskirche)
Am 03.10.09, der ja dieses Jahr unpraktischerweise auf einen Samstag gefallen ist, mache ich mich aus dem bergischen Land auf in die charmante Kleinstadt Bocholt, nahe der holländischen Grenze. Meine Freundin singt dort seit einiger Zeit in einem guten Chor, von dem sie ziemlich begeistert ist. Ehrensache, dass wir zum Konzert fahren um sie zu unterstützen, wir sind natürlich auch neugierig, auf den Chor, den Chorleiter Max Kuon, die Literatur und die Sängerschar.
Wenn man moderne Literatur singt, warum muss man sich immer dafür entschuldigen? Meine Freundin kündigt das Ganze im Vorfeld etwas negativ als eine Kitschorgie (das sind meine eigenen Worte) an und auch der Vorredner, der die Konzerteinführung hält, möchte dem Publikum die Angst vor einem im Kopf verhafteten atonalen Desaster nehmen. Dabei ist gerade moderne Chorliteratur oft sehr bereichernd und öffnet neue Türen für das Altbekannte.
Englischer Komponist John Rutter in 2006
Der Hauptschwerpunkt liegt auf John Rutter, der mit Stücken aus dem Magnificat, Gloria , Requiem und dem Psalmfest vertreten ist. Rutter wurde 1945 geboren und wenn man Wikipedia Glauben schenken darf, lebt er auch noch. Er sieht so ein bisschen aus wie Kurt Masur nur ohne Bart aber mit Ganzkörperbrille. Selbst wenn man ihm vorwirft, Kaufhausmusik gemacht zu haben, auf diese geistlichen Gesänge mit Klavierbegleitung trifft das auf keinen Fall zu. Es ist rythmisch absolut anspruchsvoll und verlangt konsequentes Durchzählen. Der Chor, der Kammerchor Westfalen (warum haben gute Chöre immer so nichtssagende Namen?) ist wirklich eine Klasse für sich, er klingt sehr homogen, reagiert gekonnt auf das präzise Dirigat von Max Kuon und ist immer präsent. Die Sänger sind erfahren, ein das Alter betreffend recht gemischter Haufe. Lediglich in schwindelerregender Höhe hört man im Sopran mal einen Hauch von Giesskanne (schepper). Besonders genossen habe ich die wahnsinnig spannungsgeladenen Pianissimo-Stellen, die einfach fantastisch diszipliniert und schwergewichtig waren. Im Piano offenbart sich halt die wahre Qualität.
Die Stücke aus dem Requiem sind zuckersüß und haben nichts von der Finsternis anderer Vertonungen, sondern ihr zarter Lichtglanz ist ein freudiges Loslassen der Seele in die andere Welt, während man selbst im Diesseits auf ihr Wohlergehen ein leckeres Sektchen trinkt und Streuselkuchen isst. Was mag Herr Kuon dabei empfunden haben, er, der selbst eine schwere Erkrankung hinter sich gelassen hat?
Die anderen Stücke der anderen Kollegen wie Ravel, Fauré, Langlais und Whitlock, versprühen eine ähnliche Stimmung wie Rutter, bedienen sich aber weniger Divertiermelodien, sondern verwenden Stilelemente vergangener Epochen und beschwören so eine Art modernen Mystizismus herauf. Absoluter Höhepunkt ist auch leider das letzte Stück, „Totus tuus“ von Górecki. Der Chor trägt das Stück in 2 aneinander gereihten Zirkeln ähnlich einer 8 vor, oder sollte diese Aufstellung das mathematische „Unendlichkeitszeichen“ symbolisieren? Draußen stürmt es, während die getragenen Klänge und die Rufe nach Maria in der warm erleuchteten, modernen Kirche St. Paul mit der Stille verschmelzen und das wohlige Gefühl vermitteln, dass man im Herbst angekommen ist.
Dass die Bedenken am Anfang für diese Musik überflüssig waren, zeigt der begeisterte Applaus für ein ungeheuer berührendes und persönliches Konzert. Wir sind froh, in Bocholt dabei gewesen zu sein, anstatt in Saarbrücken oder am Brandenburger Tor.
Ein Festkonzert wird am 9.10.2009 vom MDR aus der Nikolaikirche Leipzig gesendet.
Kurt Masur dirigiert das Festkonzert in der Nikolaikirche
Fest zum 20. Jahrestag – MDR-FIGARO feiert mit
20 Jahre später, am 9. Oktober 2009 feiert FIGARO den endgültigen Durchbruch der Friedlichen Revolution mit einem Radiotag. Den ganzen Tag über werden Geschichten der Wendezeit erzählt, Historiker schildern die Ereignisse aus ihrer Fachsicht und Protagonisten von 1989 berichten von ihren Erlebnissen bei den bewegten Tagen.
MDR-FIGARO ist auch beim 18:00 Uhr beginnenden Lichtfest vor Ort dabei, wenn sich der Innenstadtring in ein Lichtermeer aus zehntausenden Kerzen und künstlerischen Lichtinstallationen verwandeln soll. Weitere Höhepunkte des Tages sind der offizielle Festakt ab 11:00 Uhr im Leipziger Gewandhaus, das Friedensgebet um 17:00 Uhr in der Nikolaikirche sowie das Festkonzert ab 20:30 Uhr in der Nikolaikirche mit dem Gewandhausorchester unter Leitung von Kurt Masur und dem Thomanerchor unter Georg Christoph Biller.
Konzert-Programm: Freitag, 9.10.2009 – 20:30 Uhr bis 23:00 Uhr
Konzert
Ludwig van Beethoven: – Egmont-Ouvertüre f-moll op. 84 – Romanze für Violine und Orchester G-Dur op. 40 – Romanze für Violine und Orchester F-Dur op. 50
– Johann Sebastian Bach: „Fürchte dich nicht“, Motette BWV 228 – Felix Mendelssohn Bartholdy: „Denn er hat seinen Engel befohlen über dir“ – Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73
Thomanerchor Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig Leitung: Kurt Masur und Georg Christoph Biller Live-Übertragung des Festkonzerts „20 Jahre Friedliche Revolution“ aus der Nikolaikirche Leipzig
die Radio-Tipps mit „Klassischer Musik“ für die 40. KW in 2009. Hervorheben möchte ich die Sendung auf MDR-Figaro am Montag, 28. September 2009 um 20:00 Uhr. Es ist ein Konzert-Mittschnitt vom „Magdalena Consort“ in der Bachkirche in Arnstadt vom 23.7.2009 im Rahmen des MDR-Musiksommers 2009 „Bach und seine Städte“.
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Generell noch einmal der Link, wo eigentliche ALLE Radiostationen mit Websites und Direktlinks zu Livestreams zu finden sind:
Samstag, 26.9.2009
WDR
19-20 Uhr
Vesper – Erzengel Michael
Hieronymus Praetorius
Dum praeliaretur Michael
Weser-Renaissance Bremen
Leitung: Manfred Cordes
Johann Caspar Ferdinand Fischer
Gloria aus: Missa Sancti Michaelis Archangeli
Veronika Winter und Jenny Haecker, Sopran,
Henning Voss, Altus
Nils Giebelhausen, Tenor
Matthias Gerchen, Bass
Kammerchor der MarienKantorei Lemgo
Handel’s Company
Leitung: Rainer Johannes Homburg
Georg Philipp Telemann
Siehe, es hat überwunden der Löwe
Susanne Gorzny, Sopran
Henning Voß, Altus
Ralph Eschrig, Tenor
Matthias Vieweg, Bass
Weimarer Barockensemble
Leitung: Michael Scholl
Matthias Weckmann
Es erhub sich ein Streit
Greta de Reyghere und Jill Feldman, Sopran
James Bowman, Countertenor
Guy de Mey, Tenor
Max van Egmond, Bass
Johan Huys, Orgel
Capella Sancti Michaelis
Ricercar Consort
Leitung: Erik van Nevel
Johann Adolf Scheibe Der Engel des Herrn
Kantate zum Michaelisfest
Ann Monoyios, Sopran
David Cordier, Altus
Wilfried Jochens, Tenor
Harry van der Kamp, Bass
Rheinische Kantorei
Das Kleine Konzert
Max, Hermann
Sonntag, 27.9.2009
DKultur
15-17 Uhr Interpretationen
»Welt und Geist«
Felix Mendelssohn Bartholdys Reformationssinfonie und »Lobgesang«
»Die erste Walpurgisnacht«, Ballade für Soli, Chor und Orchester op. 60
Laia, Cortés, Maximilian, Schmitt, Florian Boesch, Matthew Brook
Collegium Vocale Gent
Coro dell’Accademia Chigiana
Orchestre des Champs-Élyssées
Leitung: Philippe Herreweghe
HR2
20-22 Uhr
Weilburger Schlosskonzerte: Concerti di Flauti
Virtuose barocke Kammerkonzerte für vier Blockflöten und Basso continuo
Werke von Vivaldi, Telemann, Bach, Schickhardt, Loeillet u.a.
(Aufnahme vom 19. Juli 2009 aus der Oberen Orangerie) Die vier renommierte Blockflötisten der jüngeren Generation Daniel Koschitzki, Dorothee Oberlinger, Andrea Ritter und Maurice Steger hauchen dem selten gehörten barocken Repertoire für vier Blockflöten und Basso continuo ihren ganz persönlichen Atem ein. Glanzvoller Prunk und virtuose Brillanz stehen im Mittelpunkt dieses Programms, in dem die vier Blockflötenvirtuosen die musikalischen Zentren des barocken Europas bereisen. So ergänzen sich die Meisterschaft deutscher Kontrapunktik, französische Süffisanz und italienische Tiraden zu einem prächtigen Klanggemälde. Ist jeder der vier Musiker bereits als Solist ein besonderes Erlebnis, so entfacht sich in den vierstimmigen Barockkonzerten ein Feuerwerk an spritzigen Dialogen, aberwitzigen Kaskaden, wagemutigen Girlanden und spannenden Überraschungsmomenten. Mit dem Cembalisten Alfred Gross und dem Gambisten Michael Spengler stehen ihnen zwei äußerst versierte Barockspezialisten internationalen Renommees zur Seite.
Montag, 28.9.2009
MDR-Figaro
20:00-22:00 Uhr
MDR Musiksommer – Bach und seine Städte Johann Sebastian Bach:
– „Wer da gläubet und getauft wird“, Kantate BWV 37
– „Christ unser Herr zum Jordan kam“, Kantate BWV 7
– Missa G-Dur BWV 236
Gillian Keith, Sopran
Robin Blaze, Altus
James Gilchrist, Tenor
Peter Harvey, Bass Magdalena Consort
(Aufzeichnung vom 23.07.2009, Bachkirche Arnstadt)
Dienstag, 30.9.2009 BBC
19-21:15 Uhr Performance
In a concert given at Kings Place in London, Kati Debretzeni directs the Orchestra of the Age of Enlightenment with Lorna Anderson (soprano) and Richard Lester (cello) in Baroque concertos and Vivaldi’s hauntingly beautiful motet Nulla in mundo pax.
Lorna Anderson (soprano)
Richard Lester (cello)
Orchestra of the Age of Enlightenment
Kati Debretzeni (director/violin)
Corelli: Concerto grosso in D, Op 6 No 4
Handel: Arias (Il trionfo del tempo e del disinganno)
Vivaldi: Violin Concerto in D (Il grosso Moghul)
Torelli: Concerto grosso in C minor, Op 6
Vivaldi: Cello Concerto in A minor, RV420
Locatelli: Introduzione teatreale in G, Op 4 No 4
Vivaldi: Nulla in mundo pax, RV630
WDR3
Konzert
Dienstag, 29. September 2009 um 20:05 Uhr
Konzert live vom Beethovenfest Bonn 2009
Pierre-Laurent Aimard
Klavierwerke von Beethoven Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 4 G-dur, op. 58 / Klavierkonzert Nr. 5 Es-dur, op. 73
Chamber Orchestra of Europe, Solist und Leitung:
Übertragung aus der Beethovenhalle
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Nicht vergessen, Montag, 28.9.2009 ab 20:00 Uhr, – das Highlight – MDR-Figaro einschalten mit dem Magdalena Consort…!!
aus meiner Reihe: „Auf den Spuren von Johann Sebastian Bach“ möchte ich die Sichtweite ergänzen auf seinen zweitjüngsten Sohn „Johann Christoph Friedrich Bach“ ( genannt der „Bückeburger Bach“) – geboren am 21. Juni 1732 in Leipzig, gestorben am: 26. Januar 1795 im Fürstentum Schaumburg-Lippe in „Bückeburg“ – Niedersachsen.
Johann Christoph Friedrich Bach (Bückeburger Bach) 1732-1795
Biographie: „Johann Christoph Friedrich Bach“ *)
Johann Christoph Friedrich Bach sein Lebenslauf begann wie der seiner Brüder: Er erhielt eine Ausbildung an der Leipziger Thomasschule sowie musikalischen Unterricht durch seinen Vater. Wilhelm Friedemann Bach, der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs, hielt (nach der Aussage von Nikolaus Forkel) den Halbbruder für den „stärksten Spieler“ unter den vier Brüdern, der „seines Vaters Claviercompositionen am fertigsten vorgetragen“ habe. Mit siebzehn Jahren begann Friedrich ein Jurastudium an der Leipziger Universität, brach dieses aber bald darauf, noch vor dem Tod des Vaters, wieder ab und folgte um die Jahreswende 1749/50 als gerade Achtzehnjähriger dem Ruf, als „Hochgräflich Schaumburg-Lippischer Cammer-Musicus“ am Hof in Bückeburg in Dienste zu treten. Der aufgrund seines 45-jährigen Wirkens in der Stadt wurde Johann Christoph Friedrich Bach (auch der „Bückeburger Bach“) – genannt.
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Gastliche Einkaufsstrasse in Bückeburg-Niedersachsen (Foto: V.Hege)
Der Fürst von Schaumburg-Lippe, hatte sich von der königlichen Hofmusik am Hofe Friedrich „Friedrichs II“. in Potsdam stark beeindruckt gezeigt und feste Pläne gefasst, in seiner Residenz diesem Vorbild nachzueifern.
Am Bückeburger Hof waren derzeit die beiden Italiener Angelo Colonna als Konzertmeister und Giovanni Battista Serini als Kapellmeister und Komponist tätig. Bach lernte hier den Stil der italienischen Oper und Kantate kennen, da in den mindestens zweimal wöchentlich stattfindenden Concerten, die in der Regel spätnachmittags gegeben wurden, vor allem Vokalmusik aufgeführt wurde. Dazu unterhielt die Hofkapelle eine Sängerin, Lucia Elisabeth Münchhausen, Tochter des Hofmusikers Ludolf Andreas Münchhausen, die durch den Unterricht des Konzertmeisters Serini in die italienische Gesangskultur eingeführt wurde. Am 8. Januar 1755 heiratete Bach die Hofsängerin Münchhausen, die bald darauf ihren Unterricht bei Serini einstellte.
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(Unterbrechung der Biographie aufgrund eingefügter Fotos..!!)
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Stadtkirche Bückeburg. Erbaut 1611-1615 im Stil der Weserrenaissance (Foto: V. Hege)
Graf Ernst von Schaumburg beauftragte im Jahr 1608 Giovanni Maria Nosseni mit dem Bau einer Stadtkirche in Bückeburg. Ab 1611 wurde mit dem Bau begonnen, der 1615 abgeschlossen wurde. Dieses Gotteshaus gilt als das erste bedeutende Kirchenbauwerk des frühen Protestantismus in Deutschland. Graf Ernst wollte mit dem Bau ein Exempel bieten, daher ließ er über der Fassade die Inschrift „EXEMPLUM RELIGIONIS NON STRUCTURAE“ anbringen, die auch als Akronym seine Inizialen bilden. Der Bau wurde aus Obernkirchner Sandstein erbaut. Einen ursprünglich vorgesehenen Kirchturm ließ die Statik nicht zu. Bekanntester Prediger an der Kirche war Johann Gottfried Herder (1771-1776). Im Advent 1962 wurde der Altar zum größten Teil durch Brandstiftung zerstört. *)
Compenius-Orgel in der Stadtkirche Bückeburg aus dem 17. Jahrhundert im Altarraum platziert. (Foto: V. Hege)
Die ursprüngliche Orgel stammte von dem Wolfenbütteler Orgelbaumeister Compenius. Auch sie wurde Advent 1962 ein Opfer des Brandes. Der Neubau stammt von dem Orgelbaumeister Janke aus Göttingen (1997). *)
Nachstehend eine Hörprobe von der neuerstellten Janke-Orgel in der Stadtkirche in Bückeburg: J.S. Bach – „BWV 553 Präludium in C“
Fortsetzung der „Johann Christoph Friedrich Bach“ – Biographie..!!
Bach wurde 1756 mit der Leitung der Hofkapelle betraut und bekam 1759 offiziell die Stelle des Hofkapellmeisters. Der einzige Versuch Johann Christoph Friedrichs, diese Anstellung gegen eine andere einzutauschen, war seine Bewerbung als Musikdirektor in Hamburg (1767). Da die Wahl jedoch auf seinen Bruder Carl Philipp Emanuel fiel, blieb er weiterhin in Bückeburg. Unter seiner Leitung wurde die Bückeburger Hofkapelle zu einer der besten an den fürstlichen Höfen Deutschlands. Er betreute die Kapelle bis zu seinem Tod am 26. Januar 1795. Hinsichtlich seines kompositorischen Schaffens steht Johann Christoph Friedrich Bach bis heute im Schatten seiner Brüder. Während seiner 45-jährigen Beschäftigung am Bückeburger Hof schrieb er jedoch eine beachtliche Anzahl von Oratorien, Kantaten und später etliche Sinfonien und Klavierkonzerte. Viele seiner Werke gelten als verschollen oder man vermutet sie noch als Kriegsbeute in Russland . Seine Werke wurden während des 2. Weltkrieges aus Sicherheitsgründen nach Berlin ausgelagert. *)
Herder-Denkmal an der Stadtkirche Bückeburg (Foto: V. Hege)
Die Berufung Johann Gottfried Herder (1744-1803) als Hofprediger und Konsistorialrat nach Bückeburg im Jahre 1771 führte zu fruchtbarer Zusammenarbeit und einer Freundschaft zwischen dem Dichter und dem Komponisten Johann Christoph Friedrich Bach.
Aus ihrem gemeinsamen Schaffen- (Herder) – stammen die Oratorien Die Kindheit Jesuund Die Auferweckung des Lazarus (1773) sowie einige Kantaten und die dramatische Werke Brutus und Philoktetes (beide 1774), wobei der kritische Herder offenbar in der engen Zusammenarbeit mit Bach seine musikästhetischen Ansichten in die Praxis umgesetzt sah. Diese Phase, die für Bach eine geistig anregende Zeit war, endete 1776 mit der Berufung Herders nach Weimar.
Während seiner einzigen größeren Reise im Frühsommer 1778, auf der er gemeinsam mit seinem Sohn – über eine Zwischenstation in Hamburg zu Carl Philipp Emmanuel – zu Johann Christian Bach nach London fuhr, wo der junge Wilhelm seine weitere Ausbildung erhalten sollte. In London lernte Friedrich in den Konzerten seines Bruders u. a. Werke Glucks und Mozarts kennen, die ihn von da an stark interessierten und beeinflussten. Jüngere Forschungen seit Hansdieter Wohlfahrth und Ulrich Leisinger sehen in Friedrich Bach einen Brückenbauer zwischen dem ausklingenden Barock und der sich herausbildenden Klassik.
Am 26. Januar 1795 starb Johann Christoph Friedrich Bach „an einem hefftigen Brust-Fieber“ in Bückeburg, wo er am 31. Januar auf dem Jetenburger Friedhof in Bückeburg begraben wurde. Dort wurde 1803 auch Bachs Witwe beigesetzt.
Sein Sohn Wilhelm Friedrich Ernst Bach führte die Komponistentradition in der Familie fort. *)
CD-Einspielung von „Johann Christoph Friedrich Bach“
Cover: Johann Christoph Bach – Oratorium Die Kindheit Jesu – Rheinische Kantorei
Eine empfehlenswerte Einspielung des Oratoriums von J.Chr.Fr. Bach „Die Kindheit Jesu“von der Rheinischen Kantorei von Herrmann Max – bei amazon – mit Hörprobe – zu erhalten über meine Partner-Seite:
Bei herrlichem Sonnenschein unternahmen wir die schon lange geplante Anfahrt in das Fürstentum Schaumburg-Lippe nach Bückeburg-Niedersachsen, das fast vor unserer Haustür liegt – (zwischen Bielefeld und Hannover liegender Ort) – Es war eine Reise „auf den Spuren von den Söhnen von J.S. Bach“ und fanden sehr interessante Spuren in der Fürstenstadt Bückeburg – vor. Diese möchte ich mit Bildern und kleinen Textbeiträgen darstellen. Bückeburg ist eine urgemütliche und einheimelige Stadt, der Baustil der „Weserrenaissance“ ist überall sichtbar und wunderbar erhalten geblieben. Dazu das von den Nachfahren bewohnte Fürstliche Schloss mit seinem weitläufigen Park lädt direkt zum Besuch ein.
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Das Eingangstor zum Bückeburger Schloss (Foto: V. Hege)
Johann Christoph Friedrich Bach seine Wirkungsstätte: Fürstliche Schloss von Schaumburg-Lippe in Bückeburg.(Foto: V.Hege)
Gegenüber liegend vom Schloss ist die ehemalige Wohnstätte „Renthaus“ – von Johann Christoph Friedrich Bach zu finden. Das Gebäude befindet sich in einem großartigen Zustand, dort ist eine Erinnerungstafel auf Bach’s Wohnsitz angebracht worden.
Das "Renthaus", Wohnsitz von Johann Christoph Friedrich Bach (Foto: V. Hege)
Das "Renthaus" Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, Wohnsitz von "Johann Christoph Friedrich Bach" in Bückeburg (Foto: V. Hege)
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Anschließend begaben wir uns auf eine weitere Spurensuche „auf dem Wege von Johann Christoph Friedrich Bach“ zum Jetenburger Friedhof, seine letzte Ruhestätte.
Der Jetenburger Friedhof wird heute nicht mehr genutzt. Die Wegstrecke von der Stadtkirche Bückeburg dorthin kann von der Fußgängerzone zu Fuß in ca. 10-15 Minuten erreicht werden. Der Friedhof liegt an der Jetenburger Straße – ist gut gepflegt und am Friedhofeingang – an der linken Seite – befindet sich ein Hinweisschild zu der Grabstätte von Bach.
Zur größeren Ansicht jeweils in das einzelne Foto klicken..!!
Sicht auf die Grabstätte mit Hinweisen - von Johann Christoph Friedrich Bach.(Foto: V.Hege)
Letzte Ruhestätte von "Johann Christoph Friedrich Bach" auf dem Jetenburger Friedhof. (Foto: V.Hege)
Hinweise mit fam. Daten und sein Wirken in Bückeburg (Foto: V. Hege)
Die Jetenburger Kirche aus dem 16. Jahrhundert auf dem gleichnamigen Friedhof in Bückeburg-Niedersachsen. (Foto: V.Hege)
Die Jetenburger Kirche ist eine kleine evangelisch-lutherische Kirche in Bückeburg, Landkreis Schaumburg, Niedersachsen. Diese auf den ersten Blick einfach erscheinende Feldstein-Dorfkirche stammt von 1573, jedoch befand sich hier schon seit dem 12. Jahrhundert eine Kirche. Jetenburg ist der älteste Stadtteil von Bückeburg (entlang der Jetenburger Straße). Früher handelte es sich hierbei um eine eigenständige Orts- und Kirchengemeinde. Bis zur Fertigstellung der Bückeburger Stadtkirche gingen auch die Bückeburger nach Jetenburg in die Kirche. Das Gelände um die Jetenburger Kirche besteht aus einem alten Friedhof, der heute nicht mehr als solcher genutzt wird. *)
Als Schlussfazit möchte ich anmerken, das die hinterlassenen Spuren von „Johann ChristophFriedrich Bach“ in Bückeburg sich in einem fantastischen Zustand befinden. Ein Besuch der historischen Stadt Bückeburg kann ich wärmsten empfehlen, großartige Weserrenaissance-Gebäude – Bückeburger Stadtkirche – Janke-Orgel – Fürstliches Schloss Schaumburg-Lippe – Historisches Rathaus – das Renthaus – der historische Jetenburger Friedhof …. – urige und gemütliche Gastronomie mit Strassenwirtschaft – das Hubschraubermuseum – und und… es gibt so Vielfältiges zu entdecken und die Umgebung und Landschaft von Bückeburg und das Fürstentum Schaumburg-Lippe ist wunderschön und kann den Besuch sehr empfehlen. Zum Abschluss dieser Spurensuche empfehle ich zur Stärkung und Entspannung die Außengastronomie im Schlosspark von Bückeburg, herrlich und ruhig gelegen mit zivilen Preisen – aufzusuchen.
Aussengastronomie im Schlosspark Bückeburg. (Foto: V.Hege)
Den vorgenannten Artikel werde ich in Zukunft ergänzen mit einem weiteren Beitrag unter dem Motto. „Auf den Orgelspuren von J.S. Bach und seine Söhne“.
Weitere Informationen zu der Stadt Bückeburg über die nachstehenden Links:
nun will ich nach meinem Kommentar doch einen offiziellen Beitrag ins Forum stellen. Unter dem Kürzel „sdgrecordings“ hat das Label: Soli Deo Gloria eine eigene Präsentationsseite seit dem 23. September 2009 bei You Tube eingerichtet. Dort wird als erster Video-Beitrag das Brandenburgische Konzert, aufgenommen während des Bachfestes 2008 in Köthen, dem Besucher angeboten.
VIDEO: Brandenburg Concertos / Gardiner project – Part 1
VIDEO: Brandenburg Concertos / Gardiner project Part 2
VIDEO: Brandenburg Concertos / Gardiner project Part 3
Das ist eine schöne Möglichkeit für die Zukunft, von Soli Deo Gloria Videos bei YouTube präsentiert zu bekommen.
Label – Soli Deo Gloria – veröffentlicht bereits die Advents-Weihnachts-CD SDG 162 Vol. 13 mit Aufnahmen aus der Kirche St. Maria im Kapitol, Köln und der Michaeliskirche in Lüneburg von der Bach Cantata Pilgrimage 2000-Tour. Lieferbar ab Oktober 2009.
NEW RELEASE DUE LATE OCTOBER 2009
Previous releases in both series have received phenomenal press coverage and tremendous reviews for performance, sound quality and packaging.
SDG 162 Volume 13 (2 cds) contains:
Cantatas for the for the First Sunday in Advent
BWV 61 – Nun Komm, der Heiden Heiland I BWV 62 – Nun Komm, der Heiden Heiland II BWV 36 – Schwingt freudig euch empor (recorded: St. Maria im Kapitol, Köln) Soloists: Joanne Lunn | William Towers Jan Kabow | Dietrich Henschel Cantatas for the Fourth Sunday in Advent BWV 70 – Wachet! betet! betet! wachet! BWV 132 – Bereitet die Wege, bereitet die Bahn! BWV 147 – Herz und Mund und Tat und Leben (recorded: Michaeliskirche, Lüneburg) Soloists: Brigitte Geller | Michael Chance Jan Kabow | Dietrich Henschel The Monteverdi Choir | The English Baroque Soloists | John Eliot Gardiner
The illustrious, multi-award winning Bach Cantatas series on SDG continues with volume 13 in the series. It features Cantatas for the first and fourth Sunday in Advent and was recorded live in December 2000.
We join John Eliot Gardiner, the Monteverdi Choir and English Baroque Soloists on their Bach Cantata pilgrimage for a concert of Bach’s Advent cantatas, performed in the largest of the Romanesque churches in Cologne, St. Maria im Kapitol (St. Mary in the Capital). Besides the festive allure they have in common, all three of Bach’s surviving cantatas for Advent (BWV 61, 62 and 36) display a sense of excitement at the onset of the Advent season. This is a time of anticipation and waiting, and an opportunity for congregations to turn away from all those self-absorbed feelings of guilt, fear, damnation and hellfire that dominated the final Sunday of the Trinity season.
This sense of having at last turned a corner is summed up in the radiantly benignaccompagnato for soprano and alto ‘Wir ehren diese Herrlickkeit’, the penultimate movement of BWV 62 Nun Komm, der Heiden Heiland II (Come now, Saviour of the Gentiles). The successive stages of Advent and the different perspectives these give on Jesus’ incarnation are perhaps most clearly marked in Bach’s early version of BWV 61Nun komm, der Heiden Heiland I . The programme ends with BWV 36 Schwingt freudig euch empor (Soar joyfully aloft), a large-scale work divided into two parts, the first of which would have been performed before the sermon, the second afterwards. The opening chorus, as befits the season, is joyous, and is described by Gardiner as a spiritual madrigal – “capricious, light-textured and deeply satisfying”.
The final European leg of the year-long pilgrimage takes us to the atmospheric Michaeliskirche in Lüneburg where we join John Eliot and his musical forces in a concert of three of Bach’s most gripping church cantatas. The programme begins with BWV 70 Wachet! betet! betet! wachet! (Watch! pray! pray! watch!) in the musical form in which this cantatas has survived – the expansion that Bach made for performance in Leipzig on 21 November 1723 of the shorter, six-movement Advent piece composed seven years earlier in Weimar (BWV70a), of which only three upper parts survive. We then hear one of Bach’s earliest cantatas, BWV 132 Bereitet die Wege, bereitet die Bahn! (Prepare the way, prepare the path), an intimate work scored for four voices, oboe, bassoon, strings and continuo consisting of two recitatives, three arias and a final chorale. The concert ends with BWV 147 Herz und Mund und Tat und Leben (Heart and Mouth, Deeds and Life), the best known of Bach’s reworkings of an earlier Weimar cantata. The pre-Christmas excitement is captured in the glorious opening chorus by the fanfare-like opening section for orchestra.
Hörproben SDG 162
DG 162 disc 1 –
1. Nun komm, der Heiden Heiland BWV 61
– no. 1 Coro (Ouverture)
Es gibt seit dem 23.9.2009 eine offizielle Präsentation vom Label Soli Deo Gloria auf YouTube. (sdgrecordings) Die erste Veröffentlichung ist das Video vom Bachfest 2008 aus Köthen mit dem Brandenburgischen Konzert.