Archiv der Kategorie: Vokalmusik

200 Jahre alte Kantaten-Sammlungen in Blankenburg entdeckt


200 Jahre alte Kantaten-Handschriften aufgefunden. Foto: S. Hübner

Wieder wurden 200 wertvolle handschriftliche Kantaten in Blankenburg entdeckt und der Klassik-Freund ist erfreut darüber.

Das Archiv der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig hat in seinen Beständen eine Sammlung von Kirchenkantaten aus der Zeit um 1800 entdeckt. Die sechs Kartons mit Notenblättern stammen aus der St. Bartholomäuskirche in Blankenburg am Harz und wurden erst jetzt umfassend untersucht, teilte das Archiv am 23. Juni mit. Bei den 95 Kantaten und Psalmvertonungen handelt es sich ausschließlich um Handschriften.

Die schiere Menge des Materials zeigt, dass die musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes vor rund 200 Jahren noch sehr viel üppiger war als heute“, sagte der Musikwissenschaftler Helmut Lauterwasser, der in den vergangenen drei Wochen das Material für eine internationale Musikdatenbank untersucht hat. „Während archivierte Drucke insgesamt bereits nahezu vollständig untersucht sind, bergen gerade Handschriften noch viele Geheimnisse und manchen Schatz.“

Unter anderem enthält der Archivfund mit allein 44 Kantaten von „Christian Gotthilf  Tag“ (1735-1811) die umfangreichste Werksammlung des Künstlers. Zudem wurden zwei bislang unbekannte Werke des Komponisten Johann Christoph Kellner (1736-1803) entdeckt. „Diese Kantoren-Komponisten gehören als kleine Mosaiksteine genauso zur Musikgeschichte wie große Künstler namens Brahms oder Bach“, sagte Lauterbach.

Der Fund soll nun nicht wieder einfach im Archiv verschwinden. „Es wäre wünschenswert, wenn wir Auszüge daraus auch zur Aufführung brächten“, sagte Landeskirchenmusikdirektor Claus-Eduard Hecker. Die Werke zeichneten sich durch einen empfindsamen Stil mit Einflüssen aus der Oper aus. Konkrete Planungen zu Aufführungen gebe es allerdings noch nicht.

Hörproben und mp3 Link: http://www.tagwerk.meine-hp.net/

Kurz-Biographie von Christian Gotthilf Tag (1735-1811)

Tag wurde 1735 als Sohn des Beierfelder Kantors und Schullehrers Christian Gottlob Tag geboren. Nach erster Schulbildung in seiner erzgebirgischen Heimat besuchte er als Freischüler die Dresdner Kreuzschule, wo er als Alumnus und Chorsänger unter Gottfried August Homilius Musikausbildung erhielt. Obwohl er sich an der Universität Leipzig als Student der Theologie immatrikulieren wollte, nahm er 1755 in der sächsischen Kleinstadt Hohenstein die Kantorenstelle an, der er bis 1808 treu blieb. Er zog zu seiner Tochter in Niederzwönitz, wo er 1811 starb.

Christian Gotthilf Tag gilt als einer der tüchtigsten Organisten, Orgelsachverständigen und Kantoren seiner Zeit. Er komponierte eine Fülle geistlicher Werke, die er ursächlich für seine Hohensteiner Kantorei schuf. Den Schwerpunkt seines Schaffens bilden Kantaten, in denen er an der Fugenform festhält und viele tonmalerische und tonsymbolische Elemente verwendet.

(Wikipedia)

Grüße
Wolfgang

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(Textangaben: Evangelischer Pressedienst)

Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig
Dietrich-Bonhoeffer-Straße 1 | 38300 Wolfenbüttel
Telefon: 05331/ 8 02-0 | Telefax: 05331/ 8 02-707

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den 1. Sonntag nach „Trinitatis“


Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 26.6.2011 begehen wir den – 1. „Sonntag nach Trinitatis“

Der 1. Sonntag nach Trinitatis hat die Apostel und Propheten zum Thema. Gott sendet und wählt einzelne Personen, die er mit einem Auftrag ausstattet. Diese Personen sollen Gottes Botschaft weitertragen. Oft ist diese nicht einfach, sondern anstössig, so dass die Personen immer wieder auf Widerstand stoßen. Dennoch oder eher gerade deswegen gehören Apostel und Propheten zum Gesamtbild des christlichen Glaubens, denn sie helfen, sich auf  Gottes Willen zu besinnen. Allerdings muss man sich hüten vor „falschen Propheten“, die den Glauben an die Existenz solcher Menschen mißbrauchen und schamlos ausnutzen.

Am 1. Sonntag nach Trinitatis hören wir im Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus den Hinweis auf die Propheten, die die Lebenden zu hören nicht bereit waren und auch heute oft nicht bereit sind. Auch wir verschließen oft unsere Ohren vor den wahren Propheten und neigen sie gern falschen Propheten zu. Aber das Wort Gottes läßt nicht zu, dass wir gänzlich abirren, sondern holt uns zurück und stellt uns in seinen Dienst. So sind auch wir Gesandte (= Apostel) des Herrn.

Dieser Sonntag hat die Apostel und Propheten zum Thema. Apostel und Propheten, das sind Menschen, die Gott berufen hat, damit sie seine Werkzeuge werden. Das macht sie aber nicht zu besonderen Menschen. Sie sind vielmehr Vorbilder, die uns den Weg zeigen, den Gott für uns bereitet hat; es ist der gleiche Weg, den diese Apostel und Propheten vor uns gegangen sind. Es ist der Weg Gottes, es ist der Weg des Lebens.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 1. Sonntag nach Trinitatis

BWV 20 – O Ewigkeit, du Donnerwort
BWV 39 – Brich dem Hungrigen dein Brot
BWV 75 – Die Elenden sollen essen

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Im Radio Live: 

„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 19.06.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-

Link: http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein Link: http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: Link: http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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Geistliche Musik – Programmauszüge:

Johann Christoph Bach

Fürchte dich nicht, Motette für 5 Stimmen und Basso continuo;

Monteverdi Choir, Leitung: John Eliot Gardiner

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Johann Sebastian Bach

Die Elenden sollen essen, BWV 75,

Kantate am 1. Sonntag nach Trinitatis

für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Carolyn Sampson,

Sopran; Daniel Taylor, Altus; Mark Padmore, Tenor; Peter Kooy, Bass;

Collegium Vocale Gent, Leitung: Philippe Herreweghe

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/ YouTube: BWV 20 – 

O Ewigkeit, du Donnerwort

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 20  und BWV 39, 75,

von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

Kantaten für den 1. Sonntag nach  „Trinitatis“ (Aufführungs-Ort: St Giles Cripplegate, London am 23. bis 26.6.2000)

Der erste Sonntag nach Trinitatis hatte für Bach während seiner Zeit in Leipzig besondere Bedeutung. An diesem Tag begannen seine ersten beiden Kantatenzyklen, die ihm Gelegenheit gaben, sich seiner neuen Gemeinde musikalisch vorzustellen (mit BWV 75) und, genau ein Jahr später, eine neue stilistische Richtung einzuschlagen (mit BWV 20). Mit dem Trinitatisfest begann auch die zweite Hälfte des lutherischen Kirchenjahres, ‚die Zeit der Kirche’ genannt, weil sie sich mit Grundfragen des Glaubens und der Lehre auseinandersetzt, im Gegensatz zu der als ‚Temporale’ bekannten ersten Hälfte vom ersten Adventssonntag bis Trinitatis, die sich auf das Leben Christi, seine Menschwerdung, seinen Tod und seine Auferstehung konzentriert. Die drei uns erhaltenen Kantaten für den ersten Sonntag nach Trinitatis sind höchster Qualität.

Alle drei entnehmen ihr Motto dem Evangelium des Tages, beziehen das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus ein, befassen sich mit dem Streben nach irdischen oder himmlischen Gütern und verwerten Texte aus den Apostelbriefen und der Apostelgeschichte, in denen von der Liebe Gottes und der Notwendigkeit brüderlicher Liebe die Rede ist. Bach behandelt diese Themen in jeder der Kantaten auf verschiedene Weise. Wenn wir sie hier gemeinsam aufführen, vermitteln wir einen faszinierenden Eindruck davon, wie er sich von seiner Phantasie leiten lässt, und zeigen, mit welch virtuoser Meisterschaft er seine facettenreiche musikalische Rhetorik darlegt.

Ausführungen zum BWV 20

Noch eindrucksvoller ist die ein Jahr später komponierte Kantate BWV 20 „O Ewigkeit, du Donnerwort.“

Konfrontiert mit dem verwirrenden und beunruhigenden Thema der Ewigkeit und vor allem der Ewigkeit der Hölle legt Bach ein Feuer an den Tag wie nie zuvor. Der Text erläutert das Paradoxon, dass wir nur auf unser Heil hinarbeiten können, indem wir uns mit dem Hier und Jetzt befassen. Johann Rists Choral von 1642, der insgesamt sechzehn Strophen enthält, ist hier auf zwölf verkürzt, von denen drei wörtlich beibehalten, die übrigen paraphrasiert werden. Das Werk eröffnet Bachs zweiten Jahrgang mit Kantaten, in deren Mittelpunkt ein Kirchenlied steht; das bedeutet eine radikale Veränderung, nicht nur des musikalischen Stils, sondern auch des theologischen Gewichts, das sich nun von der göttlichen Vergebung und Liebe, die in der Epistel angesprochen wird, auf die andere Seite verlagert und die Strenge des göttlichen Gerichts hervorhebt. Furcht – und nicht mehr Trost – ist jetzt das Thema, die Aussicht auf eine Ewigkeit voller Schmerz und Leiden soll den Menschen anspornen, seine Seele zu retten (Nr. 6), da noch in dieser Nacht der Sarg vor die Tür gebracht werden könnte (Nr. 9). Entnimmt Bach sein Stichwort den Apostelbriefen – ‚auf dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts’?

BWV 20 beginnt mit einer kunstvoll gearbeiteten Choralfantasie, die in der Form einer französischen Ouvertüre angelegt ist. Drei Oboen wenden sich gegen die Streicher – beide Gruppen arbeiten eine Taktlänge Sechzehntel heraus, die den Schrecken andeuten, der das Herz bis zum Hals schlagen lässt. Der Cantus firmus ‚O Ewigkeit’ mit aufsteigender Melodie, von der martialischen Tromba da tirarsi verdoppelt, trägt die drei tieferen Stimmen zu einem hohen F hinauf, bevor diese im doppelt punktierten Vortrag der Instrumente zersplittern (‚du Donnerwort’). Im Vivace vereinen sich Oboen und Streicher zu einer Doppelfuge, deren zweite chromatisch absteigt, wie es der Text nahe legt: ‚Ich weiß vor großer Traurigkeit / nicht, wo ich mich hinwende’. Die tieferen Stimmen sind jetzt weiter von der Melodie entfernt, die einige mächtige Gegenakzente aufweist und die Bässe in einer heftig ausladenden Bewegung bei dem Wort ‚Traurigkeit’ nach oben hebt. Unvermittelt kommt das Orchester auf einer verminderten Septime zum Stillstand. Aus der dramatischen Stille heraus werden knappe, Entsetzen erregende Fetzen von den Oboen zu den Streichern und zurück geschleudert, bis schließlich der Chor wieder einsetzt: ‚Mein ganz erschrocken Herz erbebt, / dass mir die Zung am Gaumen klebt’. Der in Fetzen zerrissene Vortrag kennt keine Kompromisse und lässt der Hoffnung keinen Raum. Wir scheinen ungefähr achtzig Jahre vorwärts geschleudert zu werden, in die Welt Beethovens. 

Der Tenor setzt die qualvolle Stimmung fort (Nr. 2 und 3) – ‚Ja, wie selbst Jesus spricht, / aus ihr ist kein Erlösung nicht’ – und führt die Angst, die Pein und das angesichts der Höllenqual bebende Herz mit gewaltiger Kraft vor Augen. Bach verwendet als thematisches Material ein buntes Arsenal: lange Noten und sich wellenförmig bewegende Achtel, die auf die Ewigkeit hindeuten, Appoggiaturen, die sich kettenartig über gewundene Figurationen erstrecken und die Angst erkennen lassen, wilde Läufe für die ‚Flammen, die auf ewig brennen’, aufgerissene Fetzen, chromatisch und synkopiert, für das bebende Herz. Jähe Pausen am Phrasenende betonen den Eindruck von Zerrissenheit und Schrecken. Doch diese ausschweifende dramatische Metaphorik ist völlig nahtlos in das Gesamtkonzept integriert.

Der Bass-Solist steigt für Rezitativ und Arie (Nr. 4 und 5) wieder hinauf in seine Kanzel – in unserer Aufführung im wahrsten Sinne des Wortes, da Dietrich Henschel von seinem Platz in der letzten Reihe des Chores mit entschlossenen Schritten auf sein Ziel zusteuerte –, um ein weiteres Mal über das Grauen nachzusinnen, das ‚tausend Millionen Jahr / mit allen Teufeln’ bereithalten. Plötzlich sind wir in der Welt der Opera buffa – besser gesagt, in einer Welt der Enten, davon drei (Oboen) und ein Fagott, die in liebenswürdigem Einvernehmen schnatternd seiner Feststellung ‚Gott ist gerecht’ zustimmen. Die Stimmung scheint entsetzlich aus den Fugen geraten. Haben uns Feuer und Schwefel bislang an der Nase herumgeführt? Oder war das eine List, in der Absicht ersonnen, die Düsternis zu vertreiben – wie bei der Entlüftung eines Heizkörpers, der unter zu hohem Druck steht – und der inzwischen übel zugerichteten Christenseele einen Schimmer Hoffnung zu geben? Dietrich Henschel meinte, Bach wolle hier betonen, dass es wirklich ‚kein Problem’ gebe: Der Gläubige brauche bloß Gott zu vertrauen. Wir könnten fast sehen, wie er sich in seinem Sessel zurücklehnt, seine Lieblingspfeife schmaucht und zufrieden Rauchringe vor sich hin bläst. Indessen lässt sich nur kurze Zeit erleichtert aufatmen. Die sonderbare Fortsetzung, eine Aria (Nr. 6) im Dreiertakt für Alt und Streicher, ‚O Mensch, errette deine Seele’, wird mit einer verstiegenen rhythmischen Verlagerung präsentiert, die zweifellos ‚Satans Sklaverei’ symbolisiert – regelmäßige 3/4-Takte wechseln mit einzelnen oder doppelten Hemiolen. Auf eine noch befremdlichere Weise lässt Bach die zweite Phrase des Sängers nur vom Orchester wiederholen – ein ‚Nachspiel’ mit schweigendem Sänger, dreiundzwanzig Takte lang von insgesamt vierundsechzig. Eine pessimistische, wenn nicht gar alle Hoffnung verneinende Strophe des Chors (Nr. 7) beschließt den ersten Teil: ‚Solang ein Gott im Himmel lebt…, wird solche Marter währen’.

© John Eliot Gardiner 2004 – Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch. – Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen:  h i e r  zum Download als PDF

  Künstler-Beitrag –  Link: Künstlerbeitrag Dietrich Hentschel, Bass 

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/ YouTube: BWV 39 – 

Brich dem Hungrigen dein Brot

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/ YouTube: BWV 75 – 

Die Elenden sollen essen

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CD für den 1. Sonntag nach „Trinitatis“ Link: zu den CD’s Bach-Kantaten:
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  Cover: CD’s – SDG 101 – Vol. 1
  .

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BWV 20 “O Ewigkeit du Donnerwort“

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 101 – Vol.  1 – CD  2

BWV 39 “Brich den Hungrigen dein Brot

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 101 –  Vol. 1 – CD 2

BWV 75 „O Ewigkeit, du Donnerwort“

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 101 –  Vol. 1 – CD 2

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Ich wünsche allen Besuchern einen schönen und besinnlichen „Trinitatis-Sonntag.“

Herzliche Grüße

Volker

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Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den Sonntag: „Trinitatis“


Bach-Fenster in der "Thomaskirche" (Leipzig)

Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 19.6.2011 begehen wir den Sonntag: „Trinitatis“

Das Wort Trinitatis ist zusammengesetzt aus den lateinischen Worten „Tri“ und „unitatis“, was so viel bedeutet wie „Drei in Einheit“. Es wird damit das theologische Dogma der Dreieinigkeit (die Personen von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist in einem Wesen) zum Ausdruck gebracht. Im Deutschen spricht man dann von der Trinität, die oftmals in Form eines Dreiecks, in dem ein Auge abgebildet ist, zur Darstellung kommt.
Das Trinitatisfest gibt es erst seit etwa 1000 Jahren, wobei es noch über eine längere Zeit Differenzen darüber gab, ob es überhaupt gefeiert werden solle.

Für die protestantische Kirche jedenfalls hat das Trinitatisfest eine größere Bedeutung gewonnen als für die römische Kirche. Es ist das Fest des Glaubensbekenntnisses, und so wurde an diesem Tag das Bekenntnis besonders geehrt durch Gesang und die Verlesung der zwei anderen Bekenntnisse, die nur noch in wenigen Gemeinden gesprochen werden, aber auch zu den Bekenntnisschriften der Lutherischen Kirche gehören: das sog. Nicänum und das Athanasianum.

Nach dem Trinitatisfest beginnt eine Zeit, die oft als die „festlose Zeit“ bezeichnet wird. Das aber trifft nicht zu, denken wir an die verschiedenen Feste wie Johannis, Michaelis, oder das Reformationsfest, ganz abgesehen von den zahlreichen Apostel- und Evangelistentagen in dieser Zeit. Mit dem Trinitatisfest erreicht das Kirchenjahr gewissermaßen einen ersten Abschluß. Während in der 1. Hälfte des Kirchenjahres über die bestimmten Offenbarungen Gottes in der Geschichte nachgedacht wurde, ist Trinitatis das Fest, an dem es um das Geheimnis der göttlichen Dreieinigkeit selbst geht. In der dem Fest folgenden Zeit denken wir darüber nach, wie die christliche Gemeinde den Glauben an diesen dreieinigen Gott in ihrem Leben umsetzt.

Das Trinitatisfest leitet die unberechtigterweise sogenannte „festlose Zeit“ ein. Selbst ist es jedoch ein sehr bedeutendes Fest, geht es bei der Trinität doch um die dogmatische Erklärung zu dem Phänomen der Gottheit Jesu und des Geistes. Während Geister sonst nur Untertanen der Götter sind, wird hier der Geist zur Gottheit erhoben. Viel problematischer für Nicht-Christen ist immer die Behauptung gewesen, dass Jesus Gottes Sohn und damit Gott ist, also keine Sohnschaft im üblichen Sinne. An diesem Sonntag soll diesem Problem nachgegangen werden, wobei freilich grundsätzlich zu sagen ist, dass die Predigt nicht in eine dogmatische Vorlesung verwandelt werden darf. Am Trinitatisfest geht es vielmehr ganz konkret darum, die Vielfältigkeit, in der Gott unter uns Menschen wirkt, zu feiern.

Die Predigttexte gehen alle nicht direkt auf die Dreifaltigkeit ein, da diese erste dogmatisch wesentlich später entwickelt wurde. Nur trinitarische Formeln (wie „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“) tauchen im Neuen Testament schon auf. Am Trinitatisfest denken wir darüber nach, wie sich Gott uns in verschiedenen Gestalten, als Schöpfer im Vater, als Versöhner im Sohn und als Mittler im Geist, offenbart. Dieser Dreifaltigkeit des einen Gottes gehen wir auch im Glaubensbekenntnis nach, ohne recht das unergründliche Geheimnis verstehen zu können. Um so mehr danken wir Gott, dass er uns an diesem Offenbarungsgeschehen auf vielfache Weise teilhaben läßt.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für „Trinitatis“

BWV 129 – „Gelobet sei der Herr, mein Gott“
BWV 165 – „O heilges Geist- und Wasserbad“
BWV 176 – „Es ist ein trotzig und verzagt Ding“
BWV 194 – „Höchsterwünschtes Freudenfest“
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Im Radio Live: 

„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 19.06.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-

Link: http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein Link: http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: Link: http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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Geistliche Musik – Programmauszüge:

Johann Sebastian Bach

Höchsterwünschtes Freudenfest,

BWV 194, Teil 1 der Kantate für Soli,

Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;

Yukari Nonoshita, Sopran; Makoto Sakurada, Tenor;

Jochen Kupfer, Bariton; Bach Collegium Japan,

Leitung: Masaaki Suzuki

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Orgel: Fuge über den Namen B-A-C-H, BWV Anh. 107;

Felix Friedrich an der

Zacharias-Hildebrandt-Orgel der Kreuzkirche in Strömthal

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 Johann Sebastian Bach

Höchsterwünschtes Freudenfest,

BWV 194, Teil 2 der Kantate für Soli,

Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;

Yukari Nonoshita, Sopran; Makoto Sakurada, Tenor;

Jochen Kupfer, Bariton; Bach Collegium Japan,

Leitung: Masaaki Suzuki

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/ YouTube: BWV 194 – 

Höchsterwünschtes Freudenfest

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 194  und BWV 129, 165, 176, 

von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

BWV 194

Kantate für  „Trinitatis“ (Aufführungs-Ort: St. Magnus Cathedral, Kirkwall am 18.6.200)

Eine prächtige Ouvertüre im französischen Stil leitet BWV 194 „Höchsterwünschtes Freudenfest“ ein. Bach hatte die Kantate vermutlich irgendwann zwischen 1717 und 1723 als weltliches Werk für Köthen komponiert und danach für die Weihe der neuen Orgeln in Störmthal (2. November 1723) adaptiert. Im Jahr darauf verwendete er sie am Trinitatissonntag als Krönung seines ersten Leipziger Kantatenjahrgangs (und später noch einmal zu Trinitatis 1726 und 1731). Mit ihr gibt es ein gewichtiges Problem: die Höhe des Stimmtons. Die Störmthaler Orgel war offensichtlich auf den ‚tiefen Cammerton’ (A = +/–390) gestimmt, beträchtlich tiefer als die Leipziger Orgeln. Wie sonst hätten die Oberstimmen die hohen C im Anfangschor (einzigartig bei Bach) oder der Bass-Solist die zahlreichen Fis und G in seinem Eingangsrezitativ bewältigen sollen? Doch warum hat dann Bach die Kantate für seine Aufführungen in Leipzig nicht nach unten transponiert, so wie wir es tun mussten? Offensichtlich hat er nur ein paar der ganz hohen Noten des Bassisten tiefer gesetzt – und ging ansonsten dem ganzen Problem aus dem Wege.

Von den ursprünglichen zwölf Sätzen verwendete Bach für den Trinitatissonntag nur die ersten sechs. Wie in der Weihnachtskantate BWV 110, für die er die Ouvertüre zur Orchestersuite Nr. 4 benutzt, wartet er mit dem Einsatz des Chores bis zu dem schnellen Mittelteil im Dreiertakt. Statt dann das festliche Entree zu wiederholen – Rohrblattinstrumente zuerst (drei Oboen und Fagott), dann Streicher –, kehrt er den Ablauf um und weist den Oboen die Kaskaden aus Sechzehnteln zu, bevor der Chor zu den abschließenden Jubelklängen ausholt. Die erste der beiden Arien ist für Bass bestimmt und gehört zu jenen ausladenden, pastoralen Sätzen im 12/8-Takt (für Oboe und Streicher), die Bach von Zeit zu Zeit ersann, um seinen Hörern zu versichern, dass Gottes Schutz und Fürsorge (hier sein ‚Glanz’) allgegenwärtig sind; die andere Arie, für Sopran, eine lebhafte Gavotte für Streicher, feiert die reinigende Kraft des Pfingstfeuers.

© John Eliot Gardiner 2006 Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen:  h i e r  zum Download als PDF

  Künstler-Beitrag:  Künstlerbeitrag Paul Agnew, Tenor 

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/ YouTube: BWV 129 – 

Gelobet sei der Herr, mein Gott

 

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/ YouTube: BWV 165 – 

O heil’ges Geist- und Wasserbad

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Link: CD für den Sonntag – „Trinitatis“ Link: zu den CD’s Bach-Kantaten:

Cover: CD’s SDG 138 Vol. 27
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BWV 129 “Geleobet sei der Herr, mein Gott“

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 138 – Vol.  27 – CD  2

BWV 165 “O heil’ges Geist- und Wasserbad

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 138 –  Vol. 27 – CD 2

BWV 176 „Es ist ein trotzig und verzagt Ding“

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 138 –  Vol. 27 – CD 2

BWV 194 “Höchsterwünschtes Freudenfest“

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 138 –  Vol. 27 – CD 2

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Ich wünsche allen Besuchern einen sonnigen und musikalischen „Trinitatis-Sonntag.“

Herzliche Grüße

Volker

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Das vortreffliche Blog-Beisammensein in Bückeburg und OWL mit einem Konzert in Löhne-Mennighüffen Ev. Gemeindehaus „Siemshof“


Ihr lieben Blog-Freunde/innen!

Was haben wir an diesem Tag alles gemeinsam an schönen Stunden erleben dürfen. Die Wiedersehensfreude am Bückeburger Hubschraubermuseum war großartig. Erfreulich, dass fast alle der Einladung gefolgt sind und uns die Bückeburger Jäger musikalisch so topp empfangen haben. Die Wetterbedingungen an diesem Pfingst-Samstag waren für unsere Unternehmungen ideal mit viel Sonnenschein, Herz was begehrst du mehr.

Hubschrauber-Museum Bückeburg mit der Musik-Kapelle "Bückeburger Jäger" (Foto: VH)

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Nach einem einstündigen Rundgang im Hubschraubermuseum ging es dann auf den zitierten Weg: „Auf den Spuren des Bückeburger Bach“Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795) – der dort als „Hochgräflich Schaumburg-Lippischer Cammer-Musicus“ am Hof  in Bückeburg fast 46 Jahre angestellt war.

Nach einem 10 Minuten dauernden Fußmarsch erreichten wir den „Jetenburger Friedhof“ mit der Grabstätte von Johann Christoph Friedrich Bach, dem zweitjüngsten Sohn von J.S. Bach und konnten die historischen Daten dazu von dem Hinweisschild noch einmal verinnerlichen. Anschließend war als Programmpunkt die Stadtkirche von Bückeburg als Besichtigungsort vorgesehen die leider für uns verschlossen blieb, was ich sehr bedauert habe, das war wohl der einzige Lapsus, der mir an diesen Tag unterlief? Diese schöne barocke Kirche im Stil der Weserrenaissance erbaut ist mit ihrer herrlichen Compenius-Orgel für alle Orgel-Interessenten zum Besuch sehr zu empfehlen.

Compenius-Orgel in der Stadtkirche Bückeburg aus dem 17. Jahrhundert im Altarraum platziert (Foto: VH)

Außen an der Stadtkirche gab es noch geschichtliches zu entdecken: das Herder-Denkmal. Die Berufung Johann Gottfried Herder (1744-1803) als Hofprediger und Konsistorialrat nach Bückeburg im Jahre 1771 führte zu einer fruchtbarer Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen dem Dichter und dem Komponisten Johann Christoph Friedrich Bach.

Fürstlich ging es zu beim gemeinsamen Mittagessen am Bückeburger Schloss. Schon der Gang in dem herrlichen Schlosspark zum Park-Café war erfrischend und konnte mit persönlichen Begegnungs-Gesprächen intensiv genutzt werden.

Park-Café Bückeburg mit Schloss im Hintergrund (Foto: WernerK)

Nach dem ausgedehnten Mittagessen nahmen wir die Spuren des Bückeburger Bach wieder auf und besuchten seine ehemalige Wohnstätte – von 1752-1795 – das  „Renthaus.“

Renthaus Wohnstätte vom Bückeburger Bach (Foto: WernerK)

Das Renthaus – errichtet von Fürst Ernst zu Schaumburg-Lippe von 1610-1620 an der Nordseite des ehemaligen Marktes gelegen, war als Sitz der fürstlichen Rentkammer und vorübergehend als Hofbibliothek genutzt worden.

Danach hieß es von dem gastlichen Bückeburg Abschied zu nehmen und setzten uns nach Herford zum MARTa-Museum in Bewegung. Ich nehme an, dass die auswärtigen Blog-Teilnehmer die herrliche OWL-Landschaft genießen konnten mit dem Porta-Denkmal, Wiehengebirge, Weserbergland, Teutoburger Wald und als besondere Silhouette die Weser im Hintergrund.

MARTa-Muaeum Herford (Foto: VH)

Wir erreichen Herford und steuern das MARTa-Museum an. Die Namensnennung des Museums „MARTa“ ist als wörtliche Übersetzung wie folgt zu verstehen:

Im Dreiklang zwischen Möbel (M), Kunst (ART) und Ambiente (a)

Link: http://www.martaherford.de/

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/MARTa

Die riesige heimische Möbelindustrie in OWL hatte immer schon den Wunsch geäußert, ein Museum zur Darstellung der Entwicklung der Möbel-Kultur bauen zu können.

Das in 2005 fertig gestellte MARTa wurde regionaltypisch verklinkert. Das von einem Edelstahldach wellenförmig bedeckte Komplex des MARTa Herford besteht aus vier verschiedenen Bauteilen: Museum, Zentrum und Cafeteria in der speziellen skulpturalen Formensprache des Architekten. Diese Struktur brachte den damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, 1996 im Einklang mit Politikern und Unternehmern und Verwaltungschefs der Region auf die Idee, ein „Haus des Möbels“ einzurichten. Der heutige Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit regte Möbelindustrie und Zulieferer an, sich in exponierter Form in Herford zu präsentieren, um Synergieeffekte herzustellen. Das Projekt MARTa Herford setzt neue Impulse in Kunst, Design, Architektur und Wirtschaft – und dies nicht allein regional, sondern über die Grenzen hinaus. Im außergewöhnlichen Gebäudekomplex des Architekten Frank Gehry (Los Angeles) präsentiert sich eine neuartige Verbindung aus Museum, Kompetenzzentrum und Veranstaltungsforum.

Auf der gemütlichen Terrasse des MARTa-Café am Flüsschen Aa gelegen, gab es den ersehnten Cappuccino sonstige Erfrischungen und ungewöhnliche Rohkost – ganz nach der Art des Museums – zu genießen, wie Äpfel oder Möhren, wo wird so etwas schon geboten, MARTa macht es möglich.

Nach dieser ausgedehnten Ruhephase ging anschließend die Fahrt  weiter von Herford nach Löhne in das Ev. Gemeindehaus „Siemshof“ zum eigentlichen Highlight des Tages. Schon beim Betreten des Gemeindehauses war zu bemerken, dass helfende Hände die Tische so festlich hergerichtet hatten mit Blumen-Dekorationen, Getränken und Knabbergebäck. Bitte meinen besonderen Dank an Elsbeth und Co. ausrichten für diese nette Geste der Bewirtung.

Ev. Gemeindehaus Siemshof in Löhne-Mennighüffen-Ostscheid (Foto: VH)

Im Bild links Claudia von Felbert (Mezzosopran) Flügelbegleitung- Dmitri Grigoriev (Foto: VH)

Unser Blog besitzt in den eigenen Reihen eine gut ausgebildete Mezzosopranistin: „Claudia von Felbert“ die uns mit Auszügen von Schubert’s Winterreise und der Eingangs-Arie aus der Bach-Kantate, BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ den Tag musikalisch so wunderschön mit Flügelbegleitung bereicherte. Im Vorfeld der Planung gestaltete sich die Verpflichtung eines guten Flügelspielers als nicht so ganz einfach.

Nach langem Suchen konnte ich den genialen Kantor: „Dmitri Grigoriev“ aus Bielefeld-Sennestadt verpflichten, der spontan seine Zusage zu dem Konzert abgab, dafür meinen herzlichen Dank an Dimitri, der so einfühlsam am Flügel die wunderbare Musik und den bezaubernden Gesangs-Vortrag von Claudia begleitete. Diese Veranstaltung war öffentlich und wurde durch eine kleine Besucherschar im Gemeindehaus vom Siemshof zu einer sehr intimen Konzert-Stunde.

Der großartige Applaus am Schluss war ein Hinweis dafür, dass alle Anwesenden von dieser Darbietung beglückt waren. Eine Dame sagte mir am Konzert-Ende: „Schade, dass jetzt Schluss ist, ich hätte noch soooo gerne weiter zugehört!“ Also liebe @Claudia, nicht nur uns sondern auch die Besucher konntest Du mit deinem Gesang beglücken und das ist das Wesentliche, worauf es ankommt. Ich danke dir für deinen selbstlosen Einsatz, den Du schon am Übungs-Nachmittag im Mai mit Dmitri so überzeugend bewiesen hattest und sich in dieser Veranstaltung ebenso einstellte. Das hat Freude bereitet und sollte eine Überlegung wert sein, beim nächsten Treffen in 2012 so etwas noch einmal zu veranstalten. Ein Konzert, veranstaltet aus den eigenen Reihen, ist doch etwas ganz Besonderes..!!

Ja, was danach folgte, sprengt schon jede Gastfreundlichkeit der Normalität. Überragend der Einsatz von @Carla, uns mit brasilianischen Köstlichkeiten, im großen Garten gegrillt zu beköstigen, mir läuft noch heute das Wasser im Munde zusammen so großartig ist alles zum Abschluss des Treffens zubereitet worden. Das Auge konnte sich an dem großartig gepflegten Garten von Karl-Heinz nicht satt genug sehen und die Einladung zum Kirschenessen war schon ein Traum es schmeckte einfach alles köstlich. @Iris übernahm gekonnt die Regie für die hereinbrechenden Heerscharen und war die Mutter der Kompanie an diesem Abend. Euch allen drei noch einmal ganz herzlichen Dank für die überragende und herzliche Bewirtung. Das war ein krönender und gelungener Abschluss des Blog-Treffens und wird in den Blog-Analen seine festen Platz bekommen der fast nicht zu toppen sein wird.

Dank an Euch allen, da dieser Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde und ich werde noch lange davon zehren können und hoffe, dass es allen genau so ergeht..!! Eine DVD mit Film und Ton und Bildern geht allen Teilnehmern gesondert zu. Du liebe @Barbara, erhältst ebenso dieses Präsent, da Du durch unglückliche Umstände leider am Treffen verhindert wurdest wir im Gedenken aber bei dir waren..!!

Liebe Grüße

Volker

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für Pfingst-Sonntag und Pfingst-Montag:


Altarraum der Thomaskirche Leipzig

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Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 12.6. und 13.06.2011 begehen wir das „Pfingstfest“

Das Pfingstfest hat seinen Ursprung im jüdischen Festkalender, wo es zunächst das Fest der Darbringung der Erstlingsfrüchte (2. Mose 23, 16) war. Es wird später als „Wochenfest“ bezeichnet (2. Mose 34, 22) und (wohl erst in nachalttestamentlicher Zeit) 50 Tage (= Pentekoste = Pfingsten) nach dem Passah-Fest angeordnet.

Die Kirche feierte das Fest schon früh als Fest der Ausgießung des Geistes, und bald bekam es eine eigene Vigilfeier, in der nun neben Ostern ein zweiter Ort für Tauffeiern geschaffen war. Zeitweise wurde das Fest auf acht Tage ausgedehnt (Oktav), später dann auf vier bzw. drei Tage verkürzt.
Die protestantische Kirche übernahm dieses Fest, jedoch ohne Vigil. Es ist der Kirche als ein besonderes wichtiges Fest bis heute erhalten geblieben.

An diesem Tag wird zeichenhaft der Wille Gottes zur Versöhnung der Menschen mit ihm dadurch deutlich gemacht, dass die Sprachverwirrung, die in Babel aufgrund des Turmbaus erfolgte, nun durch die eine Sprache des Geistes überwunden ist.

Am Pfingstfest feiern wir die „Geburt der Kirche“. An diesem 50. Tag nach Ostern hat Gott seinen Geist auf die Gemeinde ausgegossen und seitdem nicht von ihr genommen. So denken wir nach über das, was in der Bibel vom Geist Gottes gesagt wird, und erkennen, wie der Geist Gottes auch heute unter uns wirkt.

Am Pfingstmontag hören wir von den vielfältigen Gaben, die Gott durch seinen Geist den einzelnen Glieder der Gemeinde gegeben hat. so verschieden diese Gaben auch sind, werden die einzelnen Glieder doch durch den Geist zusammengefügt zu einem Leib, in dem alle einander dienen.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für „Pfingsten“

BWV 34 – O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe

BWV 59 – Wer mich liebet, der wird mein Wort halten

BWV 68 – Also hat Gott die Welt geliebt

BWV 74 – Wer mich liebet, der wird mein Wort halten

BWV 172 – Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten

BWV 173 – Erhöhtes Fleisch und Blut

BWV 175 – Er rufet seinen Schafen mit Namen

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Im Radio Live: 

„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 12.06.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-

Link: http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.htmlAllgemein http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Allgemein http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

Geistliche Musik – Programmauszüge:

Johann Sebastian Bach

Wer mich liebet, der wird mein Wort halten, BWV 74, Kantate für den 1.

Pfingsttag für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Deborah

York, Sopran; Bogna Bartosz, Alt; Jörg Dürmüller, Tenor; Klaus Mertens,

Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman

Johann Ludwig Krebs

Zeuch ein zu deinen Toren; Felix Friedrich an der Trost-Orgel der

Schlosskirche zu Altenburg

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Pfingstmontag, 13.6.2011 von 09:05 – 10:00 Uhr

Georg Philipp Telemann

Daran ist erschienen die Liebe Gottes, Kantate zum 2. Pfingsttag für

Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Stefanie Wüst, Sopran;

Georg Poplutz, Tenor; Jens Hamann, Bass; Bachchor Siegen; Hannoversche

Hofkapelle, Leitung: Ulrich Stötzel

Heinrich Ignaz Franz Biber

Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat, Sonata Nr. 13 d-moll, aus

den „Rosenkranz-Sonaten“ für Violine und Basso continuo; Musica Antiqua

Köln, Violine und Leitung: Reinhard Goebel

Heinrich Schütz

Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, Geistliches Konzert für Soli, Chor,

Instrumente und Basso continuo; Monika Frimmer, Sopran; Maria Zedelius,

Mezzosopran; John Elwes und Christoph Prégardien, Tenor; David Thomas,

Bass; Stuttgarter Kammerchor; Musica Fiata, Leitung: Frieder Bernius

 Johann Sebastian Bach

Er rufet seinen Schafen mit Namen, BWV 175, Kantate am 3. Pfingstfesttag

für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Nathalie

Stutzmann, Alt; Christoph Genz, Tenor; Stephen Loges, Bass;

Monteverdi Choir; English Baroque Soloists, Leitung: John Eliot Gardiner

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/ YouTube: BWV 172 – 

Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 172  und BWV 59, 74, 34, 173, 68, 174

von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

BWV 172

Kantaten für  „Pfingsten“ (Aufführungs-Ort: Holy Trinity, Long Melford)

Zu diesem Zeitpunkt des Jahres liegen die Feiertage dicht beieinander. Wir sind am Ende der Proben in einer der bisher arbeitsreichsten Wochen angelangt, in denen wir alle neun der erhaltenen Pfingstkantaten Bachs vorbereitet haben. Mir ist klar geworden, dass Pfingsten im lutherischen Kirchenjahr eine ähnlich große Bedeutung wie Weihnachten und Ostern hatte: Jedes Fest wird an drei aufeinander folgenden Tagen gefeiert, und das bedeutete, dass Bach nicht nur eine riesige schöpferische Leistung zu vollbringen hatte, sondern dass die Aufgabe für ihn und seine Musiker auch eine kolossale Arbeitsbelastung mit sich brachte.

Von London aus fahren wir jetzt Richtung Long Melford, ein Dorf in Suffolk, das sich einer der eindrucksvollsten und üppigsten Kirchen der englischen Spätgotik (Perpendikularstil) rühmt, Ende des 15. Jahrhunderts erbaut, als der englische Wollhandel blühte. Pfingsten ist der Höhepunkt jener ‚großen fünfzig Tage’, die auf die Auferstehung folgen, eine Grenzscheide, die besagt, dass Jesus sein Werk auf der Erde vollendet hat und der Heilige Geist herab kommt. Ich finde es faszinierend, dass es ursprünglich ein Fest der Landbevölkerung war, ein Abkömmling jener kanaanäischen Feste, die von den Israeliten übernommen wurden, als sie im gelobten Land ankamen. So scheint der Apostel Paulus, wenn er von Christus als ‚Erstling’ spricht (1. Korinther 15, 20 & 23), auf das jüdische Fest Shawuoth anzuspielen, als am ‚fünfzigsten Tag’ (nach Passah) die Erstlinge der Ernte als Opfer dargebracht wurden. Natürlich findet die Ernte in Sachsen (und Suffolk) ein paar Monate später statt als in Palästina, doch ist es trotzdem eine Zeit des zunehmenden Lichts und der Verheißung, für die Kirche ein geeigneter Augenblick, über die Bedeutung der Menschwerdung Christi und der Erneuerung des alten Bundes nachzudenken. Luther schließt sich dem Gedanken seines Lieblingsevangelisten Johannes an, dass der Heilige Geist, der als Vater und Sohn den Gläubigen ‚innewohnt’, den Menschen ein neues Leben in Liebe und Brüderlichkeit bringen wird und sie die Welt ‚überwinden’ lässt.

Durch die jahrelange Erforschung seiner Kantaten in ihrem jahreszeitlichen Kontext gelange ich zu dem Schluss, dass Bach oft vorchristliche Aspekte und vergessene Bezüge an die Oberfläche bringt, die im landwirtschaftlichen Jahr eine Wende bezeichnen. Da sich nun der Mittsommer nähert, liefert der Komponist zur Feier der ersten Gaben der wiedererwachten Natur sowie des göttlichen Funkens, der zu Pfingsten entzündet wird und die Menschen in allen Zungen reden lässt, Musik von ungetrübtem Optimismus und Überschwang. Die bei weitem frühste der vier Kantaten für diesen Tag, BWV 172 Erschallet, ihr Lieder, erklinget ihr Saiten! entstand 1714 in Weimar, gerade einmal zwei Wochen nach Bachs Ernennung zum Konzertmeister bei Hofe. Sie ist offensichtlich ein Werk, das er besonders schätzte, sich in Köthen wieder vornahm und (vermutlich) einmal, in Leipzig noch dreimal aufführte und sich dabei ein Modell schuf für seinen späteren Umgang mit dem Pfingstthema.

Da die autographe Partitur nicht vorhanden ist, beschlossen wir, die Fassung in D-dur zu nehmen, die in der ersten der drei Leipziger Aufführungen am 28. Mai 1724 verwendet worden war (wir hatten eine Rekonstruktion der Version in C-dur von 1731 versucht, als wir das Werk 1999 für die Deutsche Grammophon aufnahmen). Der Anfangssatz ist sonnig und überschäumend, das Ensemble in drei ‚Chöre’ geteilt, der eine mit Trompeten, der andere mit Streichern (mit einem Fagott als Bass) und der dritte mit einem vierstimmigen Chor. Der Verzicht auf hohe Blasinstrumente lässt die Textur ungewöhnlich offen wirken, und wunderbar ist das spannungsvolle Aufbranden, wenn die Stimmen zweimal auf einem Septakkord pausieren, um ‚seligste Zeiten’ zu verheißen. Für den Mittelteil, wenn die Trompetenverstummen, gestaltet Bach ein hinreißendes Stück imitierender Polyphonie, eine Fuge, die keinen richtigen Kontrapunkt enthält, sondern die Stimmen im Abstand von drei, zwei, drei und zwei Takten einsetzen lässt. Zweimal webt er ein verschlungenes Netz aus Klängen – eine vierfache, über die Taktstriche hinaus gedehnte Engführung – und lässt vor unserem geistigen Auge das elegante Maßwerk jener ‚Tempel’ erstehen, zu denen Gott unsere Seelen bereiten will.

Jesu Abschiedsworte aus dem Tagesevangelium (Johannes 14, 23) sind als Rezitativ für Bass gesetzt (Nr. 2) und leiten zu einer Arie über, die wie eine Fanfare zu Ehren der Heiligen Dreieinigkeit wirkt: drei Trompeten, eine dreiteilige Form, ein Thema, das sich in Terzschritten voranbewegt, und eine dreifache Anrufung des ‚großen Gottes der Ehren’, alles ausgesprochen passend in dieser herrlichen, der Heiligen Dreieinigkeit gewidmeten Kirche, mit ihrem Rundfenster mit den drei Hasen, deren Ohren sich zu einem Dreieck formieren, weil das linke Ohr eines Tieres sich mit dem jeweils rechten des Nachbarn deckt. Es ist auch ein überwältigendes Paradestück für die erste Trompete, von der verlangt wird, fünfundvierzig aufeinander folgende Sechzehntel zu bewältigen, dreimal natürlich und in hohem Tempo. Wenn damit beabsichtigt war, das ‚Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes’ oder ‚die Zungen zerteilet, als wären sie feurig’ der Lesung für den Tag (Apostel 2, 1–13) darzustellen, so findet die im Text enthaltene Anspielung auf Pfingsten noch deutlicher in der sich anschließenden zarten Tenorarie Ausdruck, die aus einer sanften, nahtlosen Melodie für unisono geführte Violinen und Bratschen ohne offenkundige Anziehungskraft erwächst und träumerisch auf das ‚Seelenparadies, das Gottes Geist durchwehet’ verweist. Im Gegensatz zum Brausen des gewaltigen Pfingstwindes wird uns hier der Augenblick gegenwärtig, als Gott ‚machte den Menschen und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nasen’. Wieder sind Symbole für die Dreieinigkeit vorhanden: eine dreiteilige Form, ein Dreiertakt, eine arpeggierte Basslinie, die in Terzschritten ansteigt, und schließlich die dreifache Wiederholung einer wogenden Figur, die Gottes schöpferischen Atem zum Ausdruck bringt.

Trug der Ton dieser Kantate in dem festlichen Eingangschor noch ‚öffentlichen’ Charakter, so wird er mit jedem Satz persönlicher, definiert Etappen (gekennzeichnet durch eine in Terzschritten absteigende Modulation) in der Beziehung, die sich zwischen Gott und Mensch entwickelt und schildert seinen Einzug in unsere ‚Herzenshütten’. Der Tröster, dessen Nahen der Tenor ankündigt, nimmt nun mit der Seele das Gespräch auf, und ihr Dialog (Nr. 5), abgefasst in einer unverhohlen erotischen/pietistischen Sprache, ist ein musikalisches Symbol für das ‚Innewohnen’ und die Führung, die der Gläubige in seiner Seele erfährt. Es ist ein reich verziertes und sinnliches Stück, die beiden Stimmen umschlingen einander über dem ostinatoartigen Part des obligaten Cellos, dem Bach eine vierte Stimme hinzufügt, und die Oboe spielt eine verzierte Version des Pfingstchorals ‚Komm, heiliger Geist’. Dieser ist so tief in das Stimmgefüge eingebettet, mit den Melodielinien der beiden Sänger so stark verflochten und durch Bachs Fiorituren so sehr verändert, dass nur der aufmerksamste Zuhörer imstande gewesen wäre, ihn zu herauszuhören und seinen Spuren zu folgen. Dennoch ist dieses, mit seiner filigranen Polyphonie und ornamentverkrusteten Choralmelodie so komplex erscheinende Duett recht geradlinig angelegt (dreiteilig natürlich!). Auf einen Appell an den ‚sanften Himmelswind’ folgt eine Modulation in die Molldominante, die diese Vereinigung mit der Aufforderung besiegelt, den ‚Gnadenkuss’ entgegenzunehmen, und dann noch einmal im dritten Abschnitt, wenn er vollzogen ist: ‚Ich bin dein, und du bist mein!’. Die vierte Strophe von Philipp Nicolais herrlichem Choral ‚Wie schön leuchtet der Morgenstern’, mit einem aufstrebenden Fauxbourdon der ersten Violine, und die Rückkehr zum Anfangschor beschließen die Kantate.

© John Eliot Gardiner 2006 Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners weitere Kantaten-Beschreibungen:   h i e r  zum Download als PDF

  Künstler-Beitrag:  Künstlerbeitrag Christoph Genz Tenor

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/ YouTube: BWV 59 – 

Wer mich liebet, der wird mein Wort halten

Link: http://www.youtube.com/watch?v=EV_GNXi6MHA

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/ YouTube: BWV 68 – 

Also hat Gott die Welt geliebt

Link: http://www.youtube.com/watch?v=kvqBYWmok-o

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Link: CD für – Pfingst-Sonntag: Bach-Kantaten:

Cover: SDG 121 Vol. 26

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BWV 172 “Erschallet ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten“

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 121 – Vol.  26 – CD  1

BWV 59 “Wer mich liebet, der wird mein Wort halten

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 74 –  Vol. 26 – CD 1

BWV 150 „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 121 –  Vol. 26 – CD 1

BWV 34 „O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe“

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 121 –  Vol. 26 – CD 1

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Link: CD für – Pfingst-Montag: Bach-Kantaten:

Cover: SDG 121
Vol. 26

BWV 173 „Erhöhtes Fleisch und Blut“

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 121 – Vol.  26 – CD  2

BWV 68 „Also hat Gott die Welt geliebt“

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 121 – Vol.  26 – CD  2

BWV 174 „Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte“

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 121 – Vol.  26 – CD  2

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Ich wünsche allen Besuchern ein erholsames und „schönes Pfingstfest“ und für unser Blog-Treffen am Samstag in Bückeburg-OWL schöne Stunden des Beisammenseins und zum Abschluss des Tages mit Claudia und Dimitri als Vortragende – ein erlebnisreiches Konzert im Ev. Gemeindehaus Siemshof, Löhne-Mennighüffen.

Liebe Grüße

Volker


Blog-Treffen in Bückeburg und OWL mit einem Konzert in Löhne-Mennighüffen Ev. Gemeindehaus „Siemshof“


Liebe Blog-Mitglieder!

Johann Christoph Friedrich Bach

Das nächste Treffen ist für den Samstag, 11. Juni 2011 nach Bückeburg und OWL vereinbart. Dort begeben wir uns auf die Spuren des „Bückeburger Bach“ Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795) der dort 45 Jahre als
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„Hochgräflich Schaumburg-Lippischer Cammer-Musicus“ am Hof  in Bückeburg
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in Diensten stand.
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Nach einer umfangreichen Besichtigungs-Tour in Bückeburg setzen wir die Fahrt am Nachmittag nach Heford zum Museum „MARTa“ fort.
Als krönender Abschluss des Tages erfolgt im Ev. Gemeindehaus Siemshof, Mennighüffen-Ostscheid, um 18 Uhr ein Konzert mit Auszügen aus Schuberts-Winterreise und von J.S. Bach die Eingangs-Arie für Alt aus der Kantate BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“  mit Flügel-Begleitung.
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Konzert am 11. Juni um 18.00 Uhr im Ev. Gemeindehaus Siemshof in Löhne-Mennighüffen

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Ev. Gemeindehaus Siemshof Löhne-Mennighüffen

Ein Treffen / eine Begegnung besonderer Art erwartet uns am 11. Juni 2011. Das J.S. Bach-Forum „Volkers Klassikseiten J. S. Bach“ http://meinhardo.wordpress.com/ war zunächst ausschließlich ein Internetforum zum Meinungsaustauschüber die Musik von Johann Sebastian Bach. Das Interesse konzentrierte sich dabei auf Aufführungen unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner mit seinem Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists. Inzwischen sind die Mitglieder aus ihrer Anonymität herausgetreten. Sie treffen sich zu Konzerten während der Bachfeste in Leipzig, Köthen und Arnstadt, sowie zu Konzerten andernorts in ganz Deutschland.

Einmal im Jahr trifft man sich an einem ausgewählten Ort aus einem besonderen Interesse und Anlass. In diesem Jahr wird der Bückeburger-Bach besucht. Dazu führen die Wege aus Leipzig, Dresden, Münster, Hannover, der Schweiz, Holland, Herford, Spenge, Velbert und Löhne zunächst nach Bückeburg und dann nach Löhne-Mennighüffen bzw. Siemshof. Dort soll der Abschluss dann abends um 18.00 Uhr  im Ev. Gemeindehaus sein mit einem kleinen Konzert. Claudia von Felbert wird für uns singen und Sie sind alle ganz herzlich eingeladen, u.a. Teile aus Schuberts Winterreise im Sommer zu erleben. Aber der große Meister fehlt natürlich auch nicht: der Eingangssatz aus J. S. Bach, BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ wird ein wunderschöner Ausklang sein.

Besuch des Museum's "MARTa" in Herford

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Programm:

Auszüge aus Schubert’s Winterreise Arie für Alt:

Eingangs-Satz aus der Kantate BWV 170

„Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“

Ausführende:

Claudia von Felbert, MezzoSopran

Dmitri Grigoriev, Flügel-Begleitung

Eintritt: frei am Ausgang wird um eine Spende für das Konzert gebeten.

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Folgende Auszüge aus der Winterreise von Franz Schubert  werden vortragen:
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Programm:
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Franz Schubert „Die Winterreise op. 89“
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1.   „Gute Nacht“ (Fremd bin ich eingezogen) D 911,1 / Tonart: d-Moll

5.   „Der Lindenbaum“ (Am Brunnen vor dem Thore) / Tonart: D 911,5  E-Dur

7.   „Auf dem Flusse“ (Der du so lustig rauschtest) D 911,7 / Tonart: e-Moll

11. „Frühlingstraum“ (Ich träumte von bunten Blumen) D 911,11 / Tonart: A-Dur

15. „Die Krähe“ (Eine Krähe war mit mir) D 911,15 / Tonart: c-Moll

20. „Der Wegweiser“ (Was vermeid’ ich denn die Wege) D 911,20 / Tonart: g-Moll

21. „Das Wirtshaus“ (Auf einen Todtenacker) D 911,21 / Tonart: F-Dur

22. „Muth!“ (Fliegt der Schnee mir in’s Gesicht) D 911,22 / Tonart: g-Moll

24. „Der Leiermann“ (Drüben hinterm Dorfe) D 911,24 / Tonart: a-Moll

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Anmerkung zum Inhalt von Schubert’s Winterreise:

Winterreise ist ein Liederzyklus bestehend aus 24 Liedern für Singstimme und Klavier, den Franz Schubert im Herbst 1827, ein Jahr vor seinem Tod, vollendete. Der vollständige Titel des Liederzyklus lautet: Winterreise. Ein Cyclus von Liedern von Wilhelm Müller. Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte komponiert von Franz Schubert. Op. 89.
.Der Zyklus wurde von nahezu allen bedeutenden Liedsängern (Bass, Bariton, Tenor), aber auch von Sängerinnen (Mezzosopran, Alt, Sopran) interpretiert. Das Werk gilt neben dem Zyklus „Die schöne Müllerin“ als Höhepunkt der Gattung Liederzyklus und des Kunstliedes. Es gilt sowohl technisch als auch interpretatorisch als große Herausforderung für Sänger und Pianisten. 
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Innerhalb des Zyklus lässt sich kein durchgehender Handlungsstrang erkennen. Es handelt sich eher um einzelne Eindrücke eines jungen Wanderers. Auf den 24 Stationen seines passionsgleichen Weges ist er zunächst starken Stimmungsgegensätzen von überschwänglicher Freude bis hin zu hoffnungsloser Verzweiflung ausgesetzt – von Schubert durch den häufigen Wechsel des  Tongeschlechts verdeutlicht –, bevor sich allmählich eine einheitliche, jedoch vielfältig schattierte, düstere Stimmung durchsetzt.
Im Ausklang des Zyklus trifft der Wanderer auf den Leiermann, der frierend seine Leier dreht, aber von niemandem gehört wird. Die Melodie erstarrt hier zur banalen Formel, das musikalische Leben hat sich verflüchtigt und das Gefühl scheint aus einem verloschenen Herzen entwichen zu sein – und doch gelingt Schubert in dieser Szenerie unendlicher Hoffnungslosigkeit hier eines seiner anrührendsten und gleichzeitig schlichtesten Lieder.
Mit der Frage „Willst zu meinen Liedern deine Leier dreh’n?“ endet die „Winterreise“. Manche sehen in diesem Lied die Kunst als letzte Zuflucht dargestellt, andererseits wird der Leiermann, dem der Wanderer sich anschließen will, auch als Tod gedeutet.
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Kurz-Biographien von den Mitwirkenden:

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Dmitri Grigoriev - Piano - Bild: Traum

Dmitri Grigoriev (Piano) studierte in St. Petersburg und schloss dort mit dem Orgelkonzert-Examen ab. Seit 2004 studierte er in Herford an der Hochschule für Kirchenmusik. Sein C-Studium wurde in Deutschland anerkannt und so konnte er das B- und schließlich das A-Studium beginnen. In 2010 beendete Dimitri Grigoriev sein A-Studium mit Erfolg. Er ist voraussichtlich bis Ende 2011 als Kirchen-Kantor – in Vertretung – in der Ev. Kirchen-Gemeinde Bielefeld-Sennestadt tätig.

Claudia von Felbert - Mezzosopran

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Claudia von Felbert – Mezzosopran

Wohnhaft in Velbert – hat seit 1992 als Chorsängerin im Vokalensemble Hamm-Herringen und in Ehingen/Donau unter der Leitung von Christoph Mehner mitgewirkt.

Seit 2005 erhält sie Gesangsunterricht bei Christina Michel in Essen und hat seit 2000 regelmäßige Soloauftritte bei verschiedenen Veranstaltungen.

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Ich wünsche allen Blog-Teilnehmern ein wunderbares Treffen und den Besuchern des Konzertes im Ev. Gemeindehaus Siemshof eine schöne Konzert-Stunde.

Herzliche Grüße

Volker

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den Sonntag: „Exaudi“


J.S. Bach (1685-1750)

Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 05.06.2011 begehen wir den Sonntag: „Exaudi“

Der Name dieses Sonntags leitet sich ab von dem Beginn der lateinischen Antiphon: Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te; miserere mei, et exaudi me! (Ps 27,7;). Der Sonntag ist schon deutlich auf Pfingsten bezogen dadurch, dass er die wartende Haltung der Gemeinde und damit ihre Abhängigkeit vom Heilswirken Gottes herausstreicht, und von daher eigentlich nicht mehr Bestandteil des Osterfestkreises, der mit Christi Himmelfahrt abschloss. 

Der Sonntag Exaudi spiegelt die Spannung wider, in der die Jünger sich befanden, nachdem ihr Herr gen Himmel aufgefahren war. Sie wissen um die Verheißung des Geistes, haben ihn aber noch nicht erfahren. Sie leben in einer kaum erträglichen Spannung, denn das Vergangene hat nun keine Bedeutung mehr, und das Zukünftige hat keine Kraft. Die Gegenwart, in der sie machtlos sind, wird übermächtig und scheint sie zu fesseln. In diese Spannung hinein erklingt als Erinnerungsruf die Rede Jesu, in der er den Tröster, seinen Geist, verheißt. Am Sonntag Exaudi hören wir die Verheißungen des Geistes und beten, dass dieser Geist unter uns sei und wirke. Wohl wissen wir von Pfingsten her, dass der Geist Gottes schon ausgegossen ist auf alles Fleisch, aber oft erkennen wir unsere eigene Trägheit, die dem Wirken des Geistes keinen Platz gewährt. Aufgrund der Verheißungen aber glauben wir, dass der Geist uns erfüllt und unsere Trägheit von uns nimmt.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den Sonntag: „Exaudi“

BWV    44  –  „Sie werden euch in den Bann tun“

BWV 183  –  „Sie werden euch in den Bann tun“

Anmerkung zur Textgleichheit der zwei Kantaten:

Bachs Kantaten BWV 44 und 183 werden desselben Anfangs wegen oft als 1. Komposition bzw. 2. Komposition bezeichnet; doch haben beide außer dem Sonntag ihrer Bestimmung nur den Text des einleitenden Bibelworts gemein; weitere textliche oder musikalische Beziehungen bestehen nicht. Das BWV 44 ist in Bachs erstem Leipziger Amtsjahr zum 21. Mai 1724 entstanden.

Das BWV 183 komponierte J.S. Bach zum 13. Mai 1725 in Leipzig.

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Im Radio Live: 

„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 29.05.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html Allgemein http://www.wdr.de/radio/wdr3/ Programm http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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Programm-Auszug vom WDR3
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Johann Christian Bach
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Konzert B-dur für Orgel, 2 Violinen und Bass;
Ensemble In Ore Mel, Leitung: Olivier Vernet
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Johann Sebastian Bach
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„Sie werden euch in den Bann tun“  BWV 44 Kantate zum Sonntag Exaudi
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für Soli, Chor, 2 Oboen, Streicher und Basso continuo; Yukari Nonoshita, Sopran; Mutsumi Hatano, Alt;
Gerd Türk, Tenor; Peter Kooij, Bass; Bach Collegium Japan,
Leitung: Masaaki Suzuki

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/ YouTube: BWV 44 –

Sie werden euch in den Bann tun“ (Aufführungs-Ort: Sherborne Abbey)

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 44 und BWV 183

von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

Kantaten für den Sonntag  „Exaudi“ (Aufführungs-Ort: Sherborne Abbey)

BWV 44

Die zwei Leipziger Kantaten, die Bach für Exaudi schrieb, haben den Titel „Sie werden euch in den Bann tun“ gemeinsam, Jesu Warnung an seine Jünger aus dem Johannes-Evangelium (16, 2). Beide schildern auf ihre eigene, voneinander unabhängige Weise eine irdische Reise, die mit der Prophezeiung drohender Verfolgung beginnt und für alle die Notwendigkeit beinhaltet, sich dem Heiligen Geist anzuvertrauen. Doch hier hört schon die Ähnlichkeit auf. Bach hatte BWV 44 1724 als Teil seines ersten Leipziger Kantantenjahrgangs komponiert.

Das Werk beginnt mit einem Präludium in g-moll, einer Triosonate für zwei Oboen und Fagott als Continuoinstrument, die als eindringliche Klage angelegt ist und sich zu einem Quintett auffächert, das den Einsatz der Vox Domini enthält. Denn hier, ungewöhnlich für 13Bach und eher typisch für Schütz, ist die Stimme Christi für zwei Stimmen (Tenor und Bass) und nicht nur eine bestimmt. In einer Weise, die eher typisch für Telemann ist, leitet sie in einen detonierenden Turba-Chor über: ‚Es kömmt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran’. Er ist von überwältigender Wucht, unvermittelt leiser werdend bei ‚wer euch tötet’, und mit seinen gerade einmal fünfunddreißig Takten ein gewaltiger Edelstein, eine schockierende Verfolgungsszene, wie sie die Welt seit der Zeit der frühen Christen immer wieder erlebt hat. Mit seiner Figura corta und der Chromatisierung durch Melismen bei dem Wort ‚tötet’ hat dieser Chor eine große Ähnlichkeit mit den ‚Kreuzige’-Chören der Johannes- Passion, die gerade einmal sechs Wochen zuvor uraufgeführt worden war.

Dürr bemerkt, diese Kantate beinhalte in ihrer Disposition und der Art und Weise, wie auf das Leiden der Christen in dieser Welt Nachdruck gelegt wird, Parallelen zu drei anderen nachösterlichen Kantaten des folgenden Jahrgangs (BWV 6, 42 und 85). Daraus ließe sich der Schluss ziehen, dass Bach möglicherweise geplant hatte, diese drei Kantaten gemeinsam mit BWV 44 in seinen ersten Kantatenjahrgang aufzunehmen, sie aber bis zum nächsten Jahr zurückstellen musste, weil er sich mit der Komposition und Vorbereitung der Johannes-Passion im März 1724 übernommen hatte. Weil ihm nicht sehr viel Zeit und Energie für eine neue Komposition für seinen ersten Leipziger Zyklus blieben, griff er auf frühere Kantaten zurück (BWV 131, 12, 172 und 194) und verwertete Material aus weltlichen Werken seiner Köthener Zeit (BWV 66, 134, 104, 173 und 184). Bach lässt auf diesen Eingangschor eine getragene, elegische Arie in c-moll für Alt mit Oboe folgen, ‚Christen müssen auf der Erden Christi wahre Jünger sein’, in der selbst die unvermeidlichen Heimsuchungen ‚Marter, Bann und schwere Pein’ im B-Teil so präsentiert werden, als wären sie von kurzer Dauer und würden bald ‚selig überwunden’.

Danach kehren wir zu einem Choral zurück, dem wir bereits zweimal Anfang Januar begegnet waren, ‚Ach Gott, wie manches Herzeleid’, und der den ‚trübsalvollen, schmalen Weg zum Himmel’ beschreibt. Diesmal wird er vom Tenor vorgetragen, über einer Basslinie, die in der Manier, wie sie sich matt und in Halbtonschritten voranschleppt, möglicherweise nach dem Muster der Orgelchoräle Georg Böhms, Bachs Lehrer in Lüneburg, gearbeitet ist, und doch bewegt sie sich immer noch doppelt so schnell voran wie die vokale Melodie, die sie ankündigt (Nr. 4). Dreh- und Angelpunkt der ganzen Kantate wird das kernige Rezitativ für den Bass (Nr. 5), das die Heimtücke des Antichristen schildert. Es verwendet das in der Barockzeit gängige Bild, das die Christen mit Palmenzweigen vergleicht, ‚die durch die Last nur desto höher steigen’, und leitet über zu einer kunstreich gestalteten Arie für Sopran mit zwei Oboen und Streichern, ‚Es ist und bleibt der Christen Trost’.

Hier verschmilzt Bach Tanz- und Liedelemente miteinander, um mittels einer arkadischen Metapher darzulegen, wie ‚doch nach den Trübsalstürmen die Freudensonne bald gelacht’. Die mit triolisierten Melismen verzierte Gesangslinie weist auf das Gelächter hin, mit dem die Sängerin die ohnmächtige Wut der Elemente quittiert (das Signal, das dräuende Sturmwolken aufziehen lässt, Symbol für die Heimsuchung). Um diese Reise durch die irdische Drangsal zu vollenden, greift Bach im Abschlusschoral noch einmal auf Heinrich Isaacs wunderbare ‚Innsbruck’-Melodie zurück und erinnert daran, dass sie unlängst in der Johannes-Passion zu hören war, wo sie die schmerzerfüllte Reaktion der Christengemeinde auf den ‚Backenstreich’ zum Ausdruck brachte, den Jesus bei seiner Gerichtsverhandlung vor dem Hohen Rat erhielt.

© John Eliot Gardiner 2007. Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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/ YouTube: BWV 183 –  Sie werden euch in den Bann tun“

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  Sir Gardiners weitere Kantaten-Beschreibungen:   h i e r  zum Download als PDF

  Künstler-Beitrag: David Watkin – Violincelli – als PDF 

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Link: Bach-Kantaten:

 
 Cover: SDG 144 Vol. 25

BWV 44 “Sie werden euch in den Bann tun

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 144 – Vol.  25 – CD  2

BWV 183 “Sie werden euch in den Bann tun

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 144 –  Vol. 25 – CD 2

BWV 150 „Nach dir Herr, verlanget mich“

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 144 –  Vol. 25 – CD 2

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Ich wünsche allen Besuchern einen sonnigen und musikalischen Sonntag „Exaudi.“

Herzliche Grüße

Volker

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Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den Feiertag: „Himmelfahrt“


J.S. Bach Kantaten zu "Himmelfahrt"

Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Feiertag und Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 02.06.2011 begehen wir den Feiertag: „Himmelfahrt“

Das Fest Christi Himmelfahrt ist als selbständiges Fest erst im 4. Jahrhundert bezeugt, wurde aber schnell zu einem Fest von großem Ansehen, an dem Prozessionen begangen wurden und die Himmelfahrt durch Hochziehen einer Christusfigur veranschaulicht wurde. Später trat noch eine Vigil hinzu und endlich auch eine Oktav.

Die protestantische Kirche übernahm dieses Fest und behielt teilweise die bildliche Darstellung der Himmelfahrt bei. Erst in der Aufklärung wurde das Fest regelrecht gefährdet, aber es kam höchstens zu Verlegungen auf den Sonntag Exaudi, nicht aber zur Abschaffung des Festtages.
Das Wort Jesu: „Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Joh 20, 17) ist nun verwirklicht. Er, der Auferstandene, erfüllt mit seiner Herrschaft Himmel und Erde, er umspannt alles Sichtbare und Unsichtbare.

Christi Himmelfahrt ist das Fest der Thronbesteigung Christi. Er tritt seine Herrschaft an zur rechten Hand Gottes, ist einerseits mitten in seiner Kirche, der er sich in Brot und Wein gibt, und andererseits kann er nicht mit der Größe des Weltalls erfaßt werden.
Der Tag wird aber erst vollständig mit der Verheißung in Apg 1, 11: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ – Wir sehen nicht hinter dem fortgehenden Jesus her, sondern können und sollen dem kommenden Jesus entgegensehen!

Im Gottesdienst wird die Osterkerze, die Zeichen für die Gegenwart des Auferstandenen unter den Menschen ist, nach der Verlesung der Himmelfahrtsgeschichte gelöscht. Die Jünger verharren ängstlich und unwissend über das Kommende in ihren Behausungen. Sie warten auf den ihnen verheißenen Geist; diese Erwartung wird auch in den Gebeten dieses Tages und des kommenden Sonntags Exaudi ausgesprochen. Noch 10 Tage dauert es, bis diese Erwartung erfüllt wird. Der Feiertag Christi Himmelfahrt ist die Thronbesteigung Jesu und damit ein äußerst großartiges Fest.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den Feiertag / Sonntag: „Himmelfahrt“

BWV 11 – „Lobet Gott in seinen Reichen“ (Himmelfahrts-Oratorium)
BWV 37 – „
Wer da gläubet und getauft wird“ /  BWV 43 – „Gott fähret auf mit Jauchzen“
BWV 128 – „Auf Christi Himmelfahrt allein“

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Im Radio Live: „Bach-Kantate“

WDR3 – Geistliche Musik

Donnerstag, 02.06.2011

von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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Programm-Übersicht WDR3 für  09:05  – 10:00 Uhr

Johann Sebastian Bach

„Wer da gläubet und getauft wird“ BWV 37, Kantate zu Christi Himmelfahrt

für Soli, Chor, Oboe d´amore, Streicher und Basso continuo; Christoph Prégardien, Tenor; Klaus Mertens, Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman.

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Giovanni Pierluigi da Palestrina

Credo, aus der „Missa Viri Galilaei“, aus „Missarum … Liber

Duodecimus“; La Chapelle Royale; Ensemble Organum, Leitung: Philippe

Herreweghe und Marcel Pérès

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Giovanni Gabrieli

Sonate Nr. 19 zu 15 Stimmen; Mitglieder der Gabrieli Players, Leitung:

Paul McCreesh

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Johann Rosenmüller

Ascendit Christus in altum, geistliches Konzert für Alt, Streicher und

Basso continuo; Robin Blaze, Countertenor; Parley of Instruments,

Leitung: Peter Holman

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Georg Philipp Telemann

Gott fähret auf mit Jauchzen, Kantate; Stefanie Wüst, Sopran; Angela

Froemer, Mezzosopran; Georg Poplutz, Tenor; Jens Hamann, Bariton; Bach

Chor Siegen; Hannoversche Hofkapelle, Leitung: Ulrich Stötzel

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/ YouTube: BWV 11 – „Lobet Gott in seinen Reichen“ (Himmelfahrts-Oratorium)

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Kantaten-Beschreibung von Sir Gardiner zu Himmelfahrt – entfällt  !! –

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/ YouTube: BWV 37 – „Wer da gläubet und getauft wird“

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/ YouTube: BWV 43 – „Gott fähret auf mit Jauchzen“

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/ YouTube: BWV 128 – „Auf Christ Himmelfahrt allein“

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen:    entfällt für Himmelfahrt ! –

  Künstler-Beitrag: – entfällt für Himmelfahrt ! –

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Link: Bach-Kantaten:

Cover DG-Archiv 463 583-2 (1993:99)

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Fantastische Einspielungen auf dieser CD von Sir J.E. Gardiner zu „Himmelfahrt“ sind zu bewundern!
CD’s – DG – Archiv 463 583-2 (von 1993/99)
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BWV 11 – BWV  37  –   BWV 43 – BWV 123

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Ich wünsche allen Besuchern einen schönen Himmelfahrtstag – ungekürzte Pracht-Kantaten zu Himmelfahrt sind in meinem Beitrag von YouTube zu genießen..!!

Grüße

Volker

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Ein berührendes Abschieds-Konzert im Konzerthaus der HfM-Detmold am 28.5.2011 mit der h-Moll-Messe von Prof. Gerhard Weinberger


Liebe Bachfreunde!

Programmheft Abschiedskonzert 28. Mai 2011 Prof. Weinberger HfM Detmold

Ein großer Bach-Interpret als Organist und Dirigent: „Professor Gerhard Weinberger“ verabschiedete sich am Samstag, 28. Mai 2011, mit einem berührenden Vokal-Konzertabend im Konzerthaus der HfM Detmold mit der h-Moll-Messe, BWV 232, von Johann Sebastian Bach.

Als Vorab-Information war in der Zeitung: LT in Detmold folgendes veröffentlicht worden:

Ein 28 Jahre langer Spagat über 600 Kilometer geht zu  Ende. Mit Applaus? Bestimmt. Vor allem aber mit großer Musik. Gerhard  Weinberger dirigiert in seinem Abschiedskonzert Bachs h-Moll-Messe.

Seit 1983 ist Gerhard Weinberger Professor für Orgel und Leiter der Abteilung Kirchenmusik an der Detmolder Hochschule für Musik – jetzt geht er in den Ruhestand. Seit 28 Jahren pendelt er zwischen Detmold und München, wo er seinen Wohnsitz behalten hat. Eine anstrengende Übung, klar – andererseits hält so ein Spagat ja auch beweglich. „Ich habe das immer als künstlerisch und menschlich bereichernd empfunden“, sagt Weinberger. 

Johann Sebastian Bach ist eine zentrale Größe im Leben des Organisten. „Für mich sind Bachs Kompositionen das Non plus ultra“, da stimmt jede Note. Seine Musik hat Größe, Drive, Innigkeit, Virtuosität“, schwärmt Gerhard Weinberger. „Gerade die h-Moll-Messe ist so ein wahnsinniges Stück.“

Konzerthaus HfM Detmold

Bereits eine halbe Stunde vor Konzert-Beginn waren die Parkplätze vor dem Konzerthaus der HfM Detmold fast vollständig belegt und galt als ein Hinweis, dass sich an diesem Abend etwas Grossartiges ereignen wird. Überragend der Zuspruch an jungen Besucher-Gruppen sowie viele Honoratioren waren in den Gängen auszumachen, die bei diesem 1. Weinberger Verabschiedungs-Konzert unbedingt ihre Referenz erweisen wollten.

Barock-Orchester und Vokal-Chor HfM Detmold

Der Besucher-Zuspuch war überragend und das Konzerthaus war fast vollständig ausverkauft. Bemerkenswert was @Wolfgang und mir sofort auffiel, das jugendliche Studenten-Barock-Orchester und der junge studentische Vokal-Chor, wann gibt es das einmal zu bestaunen. Die Einstudierung für das Studenten-Barock-Orchester lag in den Händen von der Dozentin an der HfM Detmold: Ulrike-Anima Mathé und für den Studenten-Vokal-Chor bei „Benno Schachtner“ einem ehemaligen Schüler von Prof. Gerhard Weinberger und seit 2007 sein Assistent. Benno Schachtner fungierte in dem Konzert als Gesangs-Solist in den Alt-Partien als „Altus.“

Von links die Gesangs-Solisten: Klaus Mertens (Bass) Sebastian Kohlhepp (Tenor) Benno Schachtner (Altus) Catalina Bertucci (Sopran)

Das Barock-Orchester spielte teilweise mit historischen Instrumenten und fungierte sehr selbstsicher und in einer gekonnten Interpretation des Bach’schen Werkes und wusste in ihrer barocken Klangpracht sehr zu gefallen. Der junge 39-köpfige Vokal-Chor (Studenten/innen für Sologesang) bestach durch ein stimmlich profundes Singen und war ein erhebender Genuss, diese frische Gesangs-Kunst war eine Offenbarung und entpuppte sich für die h-Moll-Messe als eine ideale Besetzung. Hierzu prägnant  die akustischen Möglichkeiten im Konzerthaus der HfM Detmold – (*Wellenfeld-Synthese, Bildung von virtueller Klangräume) – war optimal und ein beeindruckendes Erlebnis, ein kleiner Nachhall am Ende eines Satzes war unverkennbar zu bemerken. Die Gesangs-Solisten reihten sich prächtig in den großartigen Konzertabend mit ein und machten dieses 1. Abschieds-Konzert von Prof. Weinberger zu einem bezaubernden Konzert-Erlebnis für OWL (Ostwestfalen-Lippe).  Nicht endend wollender Applaus bezeugt davon, dass es eine überragende Aufführung gewesen war, die von dieser jungen Studenten-Riege so überzeugend dargeboten wurde, es war ein pures Hörvergnügen und hoffe, dass das Konzert mitgeschnitten wurde und als ein Meilenstein in der Aufführungsgeschichte der HfM Detmold auf einer CD als ein Nachklang erhalten und angeboten wird.

Mit Bedauern nimmt der Protagonist Abschied von einem großartigen Bach-Interpreten, der so schnell nicht zu ersetzten sein wird. Prof. Weinberger ist bekannt als ein bekennender Bach-Interpret und wusste durch seine Konzerte in Höxter (Closter Corveyer-Musikwochen) und in Detmold immer zu überzeugen. Weinberger setzte in seinem Bereich mit der Alten Musik Akzente und gründete 2003 an der HfM Detmold mit der Professorin: Ulrike-Anima Mathé die Barockakademie  um den Studenten eine Möglichkeit zu schaffen, die Erarbeitung der Alten Werke  in einer historisch orientierten und fundierten Aufführungspraxis kennen zu lernen die für die berufsbezogenen Zukunft des Studierenden von unschätzbaren Wert ist. Geprobt wird immer projektbezogen für zwei oder drei Konzerte im Jahr.  Prof. Mathé zuständig für das Instrumentalsolisten-Ensemble und Prof. Weinberger mit der Leitung des Vokalsolisten-Ensembles betraut ergänzten sich in harmonischer und überzeugender Weise.

Verabschiedungs-Konzert HfM Detmold Prof. Gerhard Weinberger

Wehmut komm auf, dass dieser großartige Bach-Kenner als Organist und Dirigent uns für immer verlässt, was wird uns in Zukunft für ein Nachfolger präsentiert, ich kann nur inständig hoffen, dass es ebenfalls ein Barock-Bach-Bekennender sein wird und die begonnene Arbeit im Sinne von Prof. Weinberger an der hiesigen HfM fortsetzen wird…!!

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*) Anmerkung zur Wellenfeldsynthese im Konzerthaus der HfM Detmold:

Das System umfasst 360 unabhängige Lautsprecherkanäle verteilt auf ein durchgehendes Lautsprecherarray rund um das Publikum (500 Plätze) sowie Deckenlautsprecher. Da der Saal für ein breites Repertoire genutzt wird (Kammermusik, Orchesterbesetzungen, zeitgenössische Musik, Big Band etc.) kann das System auch eine variable Raumakustik zur Verfügung stellen.

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Zur Biographie von Prof. Gerhard Weinberger

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Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den Sonntag: „Rogate“


Die Titelseite der "Calov-Bibel" mit J.S. Bach's Signatur rechts unten!

Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 29.05.2011 begehen wir den Sonntag: „Rogate“

Der Name dieses Sonntags rührt von den Bittumgängen her, die in vergangener Zeit (und manchenorts noch heute) auf den Feldern für eine gute Ernte vollzogen wurden. Diese Bittumgänge begannen am Sonntag Rogate (= Betet!) und wurden in der damit beginnenden Woche fortgeführt.

Der Sonntag „Rogate“ wird in der evangelischen Kirche als Missionssonntagbegangen. Mit ihm beginnt die „Missionsopferwoche“.
Der Sonntag Rogate ist der Betsonntag. Dieses Thema wird in den Perikopen vielfach beleuchtet. Auch dieses Thema ist eine Antwort auf das Ostergeschehen: Die Gemeinde ist nun frei durch Jesus Christus, Gott direkt zu bitten, ohne jeglichen Mittler, wie es zuvor notwendig gewesen war. Die Perikopen beleuchten das Thema Gebet nur von dem Aspekt des „Bittens“ her, was wohl angemessen ist. Wir sollten aber nicht vergessen, dass zum Gebet auch Dank gehört!

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den Sonntag: „Rogate“

BWV 86 – Wahrlich, wahrlich, ich sage euch
BWV 87 –
Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen

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Im Radio Live: „Bach-Kantate“

WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 29.05.2011

von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

Carl Philipp Emanuel Bach

Das Gebet für Singstimme und Klavier; Dorothee Mields, Sopran; Ludger

Rémy, Klavier

Johann Sebastian Bach

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, BWV 86, Kantate zum Sonntag Rogate

für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Siri Thornhill,

Sopran; Petra Noskaiová, Alt; Christoph Genz, Tenor; Jan van der

Crabben, Bass; La Petite Bande, Leitung: Sigiswald Kuijken

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/ YouTube: BWV 86 – „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 86 und BWV 87 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

Kantaten für den fünften Sonntag nach Ostern (Rogate) Annenkirche Dresden

Bachs erste Kantate für Rogate, BWV 86 „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“ (1724), beginnt mit einem Zitat aus Jesu Abschiedsrede an seine Jünger (Johannes 16), das der Bass in seiner Eigenschaft als Vox Domini vorträgt, von Streichern und Oboen begleitet: ‚Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er’s euch geben’. Im Kontext dessen, wer wir waren, wo wir waren und für wen wir sangen und spielten, hatte diese erste Kantate eine besondere Brisanz. Bei fast jedem anderen Komponisten hätte die Behandlung dieses Themas leicht als schroff, gar anmaßend aufgefasst werden können, denn sie fordert die Hörer dazu auf, sich die Frage zu stellen, wie sich diese Worte Jesu mit ihrer persönlichen Erfahrung vereinbaren lassen. Indem Bach ehrerbietig und klar erkennbar drei fugierte Motive in der Einleitung präsentiert, die der Bass bald übernehmen wird, bietet er die Gewähr, dass sie als vokale Elemente verstanden werden (wie Dürr bemerkt, ließe sich der ganze Satz leicht als vierstimmige Motette singen, nur vom Continuo begleitet).

Bachs anonymer Librettist erweitert nun sein Thema: Wir würden alle liebend gern Rosen brechen, auch auf die Gefahr hin, von den Dornen gestochen zu werden, denn wir sind zuversichtlich, dass unsere flehentlichen Bitten bei Gott Gehör finden werden (Nr. 2); er hält sein Wort (Nr. 3 und 4), auch wenn seine Hilfe auf sich warten lassen sollte (Nr. 5); Gott setzt kein Datum dafür fest, er weiß, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist (Nr. 6). Bach betont den Optimismus, der im Text der Kantate angelegt ist, indem er einen abwärts gerichteten modulatorischen Bogen beschreibt, der in E-dur beginnt und endet, einer Tonart, die an der obersten Grenze seines tonalen Spektrums angesiedelt ist und daher positive Assoziationen und Empfindungen aufblitzen lässt. Die auf der obligaten Violine virtuos vorgetragenen gebrochenen Akkorde in der Alt-Arie (Nr. 2) symbolisieren natürlich die Rosenzweige, die gebrochen werden sollen.

Die Arie schildert das gewagte Unterfangen, die Dornen zu überwinden, um zur Blüte vorzudringen (eine Metapher für spirituelle Freude und Schönheit). Das Brechen der Rose ist hier nicht einfach nur ein Schnitt mit der Gartenschere, sondern eine sich drehende, zerrende Figur bei dem Wort ‚brechen’, und die Dissonanz kennzeichnet die ‚stechenden’ Dornen. Die behutsam in die Erinnerung verweisende Stimmung des B- Teils nimmt bei den Worten ‚dass mein Bitten und Flehen Gott gewiss zu Herzen gehen’ mit wilden rhapsodischen Aufschreien der Solovioline in fünf scharf dissonanten Takten über einem Orgelpunkt auf E unvermittelt einen heftigen Ton an. Doch plötzlich heben sich die Wolken, die Violine schweigt, und die Altstimme (jetzt nur mit Continuo) singt: ‚weil es mir sein Wort verspricht’. Auf diese unnachahmliche Weise lässt Bach deutlich werden, dass unsere Bitten ihr Ziel erreicht haben und wirklich zu gegebener Zeit in Erfüllung gehen werden.

Darauf folgt eine Choralvertonung für Sopran mit zwei Oboen d’amore und Continuo (wir entschieden uns für Fagott), die Gottes Versprechen bestätigt. Dieser Satz, der das Bedürfnis der beiden Oboisten, frische Luft zu schöpfen (an einer Stelle werden der ersten Oboe zweiundsiebzig Sechzehntel hintereinander zugemutet!), so offensichtlich missachtet, legt die Vermutung nahe, dass er als Orgelchoral geplant war. Doch den Oboisten kommt die Aufgabe zu, die Illusion eines anmutigen Tanzes zu wecken (der die Verwendung von notes inégales nahelegt), vielleicht gar des himmlischen Reigens ‚der Engel Schar’, auf die sich Georg Grünwald in seinem Text bezieht.

Ein kurzes Seccorezitativ (Nr. 4), das die Gepflogenheiten der Welt, ‚die viel verspricht und wenig hält’, Gottes Gewohnheit gegenüberstellt, uns zu unserer Lust und Freude das zu gewähren, was er zugesagt hat, zeigt im Kleinformat Bachs Kunstfertigkeit, steife, dissonante Intervalle dort zu setzen, wo sie dem Text und seiner Bedeutung besonderes Gewicht verleihen. Die Rückkehr zu E-dur erfolgt schließlich mit vollem Streichersatz in der Tenor-Arie, einem robusten Stück in der Art einer Bourrée, der dem Sänger nur ein Fragment (gerade einmal anderthalb Takte) des einleitenden Motivs zuweist. Trotz ihres instrumentalen Ursprungs ist diese Phrase prägnant genug und – auf fast skurrile Weise – lapidar, um den Sänger in den Stand zu versetzen, die Botschaft in das Bewusstsein der Hörer einzumeißeln: ‚Gott hilft gewiss!’, ein Glaubensbekenntnis, das zusätzlich vom abschließenden Choral bekräftigt wird.

© John Eliot Gardiner 2007. Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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/ YouTube: BWV 87 – „Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen“

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  Sir Gardiners weitere Kantaten-Beschreibungen:   h i e r  zum Download als PDF

  Künstler-Beitrag: David Watkin – Violincello – als PDF 

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Link: Bach-Kantaten:

 
 Cover: SDG 144 Vol. 25

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CDs – SDG 144– Vol. 25

BWV 86 “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“
Gardiner Pilgrimage CD – SDG 144 – Vol.  25 – CD  1

BWV 87 “Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen“
Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 144 –  Vol. 25 – CD 1

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Ich wünsche allen Besuchern einen schönen Sonntag Rogate.

Grüße

Volker

Ludwigsburger Festspiele 2011 mit einem Schwerpunkt „Bach“


Ludwigsburger Schloss

Hallo Bachfreunde,

wer im Süden (Schwaben) wohnt wird sicherlich die Gelegenheit wahrnehmen und die diesjährigen Schlossfestspiele in Ludwigsburg vom 20. Mai bis zum 28. Juli 2011 besuchen. Die Ludwigsburger Festspiele besitzen ihren eigenen Scharm und konnte es persönlich erleben mit einem Gardiner-Konzert im Jahr 2004.

Der Artikel von 2004 kann – h i e r – nachgelesen werden.

Schlosstheater Residenzschloss Ludwigsburg Fotorechte: Ludwigsburger-Festspiele

Ein Programmschwerpunkt wird mit J.S. Bach gesetzt. Neben der Aufführung der Brandenburgischen Konzert II, III und V in der Schlosskirche Haigerloch (28.05.2011) und dem Rittersaal in Wolfegg (10.09.2011), widmet sich der Pianist David Fray in einem Konzert (03.07.2011) im Forum am Schlosspark neben Bach auch noch den Komponisten Mozart und Beethoven. Der Thorbe-Spieler Hopkinson Smith bringt in »Quinta essentia« (19.06.2011) Bach’s Cello-Suiten, bearbeitet für deutsche Theorbe, zur Aufführung. Einen weiteren Höhepunkt bildet das Konzert »Süßer Friede, stille Ruh« mit dem gefeierten Bariton Christian Gerhaher und dem Oboisten Heinz Holliger, die Kantaten von J.S. Bach den Lamentationen von Dismas Zelenka (1679-1745) gegenüberstellen.

Ein umfangreiches PDF-Bach-Programm ist für die Ludwigsburger-Festspiele zum Download bereitgestellt mit allen wissenswerten Angaben versehen.

    PDF-Link:    Schlossfestspiele_Bach_Schwerpunkt

Weitere Informationen – Eintrittskarten-Veranstaltungen-Pogramm können auf der Seite des Veranstalters im Internet aufgerufen werden:

Link: http://www.schlossfestspiele.de/

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den Sonntag: „Jubilate“


Johann Sebastian Bach

Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 15.05.2011 begehen wir den Sonntag: „Jubilate“

Der Name des Sonntags Jubilate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Jubilate Deo, omnis terra!. (Ps 66, 1;).
Am Sonntag Jubilate“ wird das Evangelium von Jesus als dem Weinstock gelesen. Das Thema „Die neue Schöpfung“ wird jedoch nicht ohne weiteres in diesem Evangelium deutlich, sondern in den anderen Lesungen, worin auf die Veränderungen hingewiesen wird, die durch Jesu Auferstehung bewirkt wurden und werden. Interessant ist die Wahl der priesterlichen Schöpfungsgeschichte als alttestamentlicher Lesung: hier wird das, was das Volk Israel schon lange erkannt hat, aufgegriffen: Gott hat die Schöpfung gut geschaffen, ohne Fehl und Tadel. Das zahreiche Elend ist auf das Versagen des Menschen zurückzuführen, den Willen Gottes auszuführen. Durch Christus sind wir nun dazu befähigt.

Am Sonntag Jubilate werden wir ermahnt, am rechten Weinstock zu bleiben, der Christus ist. Nur dann werden wir auch den Tod überwinden, weil Christus ihn überwunden hat. Dankbar hören wir die Verheißung von Jesu Wiederkunft. Durch seine Auferstehung haben auch wir teil an der neuen Schöpfung, die schon jetzt anbricht und bei seinem Kommen vollends heraufgeführt wird.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den Sonntag: „Jubilate“

BWV 12 „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“

BWV 103 „Ihr werdet weinen und heulen“

BWV 146 „Wir müssen durch viel Trübsal“

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Im Radio Live: „Bach-Kantate“

WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 08.05.2011

von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

Johann Sebastian Bach 

Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen
BWV 146, Kantate zum Sonntag Jubilate
für Soli, Chor, Bläser, Streicher, obligate Orgel und Basso continuo

Solisten: Rachel Nicholls, Sopran
Robin Blaze, Altus
Gerd Türk, Tenor
Peter Kooij, Bass
Bach Collegium Japan
Leitung: Masaaki Suzuki

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/ YouTube: BWV 146 – „Wir müssen durch viel Trübsal“


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Kantaten-Beschreibung zum BWV 12  – BWV 103 und BWV 146 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

Kantaten für den dritten Sonntag nach Ostern (Jubilate) Schlosskirche, Altenburg

Es stand auf Messers Schneide, ob wir Altenburg, rund fünfzig Kilometer südlich von Leipzig, ein gutes Stück abseits der üblichen Bach-Pilgerroute gelegen, in unserem Reiseprogramm würden unterbringen können. Wir kamen von Görlitz, an der Ostgrenze zu Polen, und fuhren durch das südliche Thüringen, eine mit Schlackenhalden und den Überbleibseln von Uranminen übersäte Landschaft. Wir schlängelten uns durch die mittelalterlichen Gassen und stiegen zum herzoglichen Schloss hinauf, das auf einem Felsen die Stadt überragt. Dort steht, in wunderbar erhaltenem Zustand, die alte Schlosskapelle aus dem 15. Jahrhundert, mit einer L-förmigen (der Felsformation angepassten) Einwölbung im Mittelschiff und der berühmten, gegen die Nordwand gedrückten Orgel, die den Innenraum der Kirche beherrscht. Was mag sich Herzog Friedrich II. (dessen Hauptresidenz und Hofkapelle sich in Gotha befanden, hundertfünfzig Kilometer westlich) gedacht haben, als er bei Tobias Heinrich Gottfried Trost diese Orgel bestellte – mit siebenunddreißig Registern und auf dem neusten Stand der Technik? Bach besuchte Altenburg 1739 ungefähr zur Zeit ihrer Fertigstellung und spielte diese ‚mächtige Wurlitzer’ der Barockzeit, die seinen Idealen von Ton und Klang, wie Experten sagen, vermutlich am nächsten kam.

Spuren von Bachs eigenem Musizieren sind an Orten wie diesem in gewisser Weise lebendiger geblieben als in den berühmteren Hochburgen. Als wir in der Mitte der Schlosskapelle standen, den majestätischen Klängen der Trost-Orgel lauschten, von der die konzertartige Einleitung zu BWV 146 erklang, und spürten, wie begeistert sich das Publikum von Bachs Musik tragen ließ, waren plötzlich alle Zweifel zerstreut, ob es sich angesichts der logistischen Schwierigkeiten gelohnt hatte, zum Sonntag Jubilate nach Altenburg zu kommen.

Alle drei Kantaten Bachs für Jubilate befassen sich mit der Sorge um Jesu Abschied von seinen Jüngern, mit den Anfechtungen, die sie in seiner Abwesenheit zu gewärtigen haben, und mit der Vorfreude, ihn wieder zu sehen. Jede Kantate ist eine Reise, eine theologische und musikalische Entwicklung.

Aus Gardiner seinem Reisetagebuch zum BWV 146

Bachs dritte Kantate für Jubilate, die uns erhalten ist, BWV 146 „Wir müssen durch viel Trübsal“ stammt entweder aus dem Jahr 1726 oder 1728. Was ursprünglich ein (inzwischen verloren gegangenes) Violinkonzert war und später das berühmte Cembalokonzert in d-moll (BWV 1052a) wurde, taucht hier wieder auf als die zwei einleitenden Sätze der Kantate, beide mit obligater Orgel, der zweite zusätzlich mit vierstimmigem Chor. Letzterer wäre eindrucksvoll genug als unglaublich klug aufgepfropftes Stück, wenn es das gewesen war. Wir werden nie mit Sicherheit wissen, ob Bach von Anfang an genau diese Lösung im Sinn hatte oder ob er, mit der Spürnase eines Großmeisters im Schach, so viele mögliche Veränderungen und Konstellationen späterer Züge voraussehen konnte – zum Beispiel dass die vier Gesangslinien an gewissen Stellen leicht einander überschneiden und gleichzeitig zu dem schon vorhandenen adagio-Satz des Violin-(jetzt Orgel-)Konzertes passen würden. Zugegeben, das Gerüst, das Bach liefert – eine ostinate Basslinie, die im Laufe des Satzes sechsmal zu hören ist –, ergibt eine wunderbar solide Grundlage für den doppelten Prozess des Erfindens und Ausfeilens, worin er brillierte. Das ist alles reine Spekulation; unstreitig ist allerdings, dass die Sänger und Instrumentalisten eine ungeheure Kontrolle und Selbstbeherrschung aufzubieten haben müssen, um die gedrückte, sorgenvolle Stimmung dieses Satzes über siebenundachtzig Takte durchhalten zu können.

Jeder der folgenden Sätze ist ein Kleinod: Die Alt-Arie mit einer strahlenden obligaten Violine, die dem ‚schnöden Sodom’ ihre Abkehr verkündet, dann ein qualerfülltes accompagnato für Sopran und Streicher, worin jede einzelne Zählzeit der insgesamt neunzehn Takte eine affektive Funktion erfüllt. Diesem folgt eine Arie im galanten Stil für Sopran mit Flöte, zwei Oboen d’amore und Continuo (Nr. 5), in der sich zum ersten Mal in dieser überwältigenden Kantate die gedrückte Stimmung aufhellt – zu einem Text, der auf dem Psalmvers ‚Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten’ basiert. Ein schönes Tenor- Rezitativ leitet zu dem mitreißenden Duett ‚Wie will ich mich freuen’ zwischen Tenor und Bass über, das von Oboen und Streichern begleitet wird und wie ein passepied angelegt ist, jene Art weltlicher Musik, wie sie Bach während seiner Zeit in Köthen so wunderbar komponierte. Das Stück weist einen kräftigen und unwiderstehlichen Schwung auf, der genau zum richtigen Zeitpunkt kommt auf dieser Reise von der Trübsal zur Vorfreude auf die Ewigkeit.

Der abschließende Choral endet mit den Worten: ‚Er ist in der festen Stadt, da Gott seine Wohnung hat; er ist in das Schloss geführet, das kein Unglück nie berühret’. Genau an dieser Stelle während des Konzertes war es, dass Silas Standage, unser junger Organist, und ich Blicke tauschten. Wir schmunzelten beide. Denn kurz bevor er mit dem gewaltigen Orgelsolo zu Anfang dieser Kantate (selbst eine Allegorie auf die weltliche ‚Trübsal’) beginnen wollte, hatte der arme Silas auf dem oberen Manual der berühmten Trost-Orgel einen Heuler entdeckt. Wir waren gezwungen, um eine Unterbrechung zu bitten, um die möglicherweise notwendige Reparatur durchzuführen. Werkzeug wurde ausgepackt, Expertenrat eingeholt, und nach vielen Hämmern und Klopfen konnten wir fortfahren. Ich erinnerte mich an eine Stelle in Bachs Handexemplar der Calov-Bibel, die er unterstrichen hatte: ‚Herr, ich walte meins Ampts – und thuer was du mir besehen hast – und will gerne alles arbeiten und thun – was du haben willt – allein hilff du mir auch haushalten – hilff du mir auch regieren – e.c.’

© John Eliot Gardiner 2007. Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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/ YouTube: BWV 12 „Weinen, Klagen, sorgen, Zagen“


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/ YouTube: BWV 103 „Ihr werdet weinen und heulen“


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  Sir Gardiners weitere Kantaten-Beschreibungen:   h i e r  zum Download als PDF 

  Künstler-Beitrag: Silas John Standage Orgel als PDF

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Link: Bach-Kantaten:

SDG 107 Vol. 24

CDs – SDG 107 – Vol. 24

BWV 12 „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“
Gardiner Pilgrimage CD 107 – Vol.  24 – CD  1

BWV 103 „Ihr werdet weinen und heulen“
Gardiner Pilgrimage CD 107 –  Vol. 24 – CD 1

                           BWV 146 „Wir müssen durch viel Trübsal“
                          / Gardiner Pilgrimage – Vol. 24 – CD 1

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Ich wünschen allen Besuchern einen schönen Bach-Sonntag.

Grüße Volker

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den Sonntag: „Misericordias Domini“



In 1750 erstellt das Volbach Portrait J.S. Bach in seinem Sterbejahr 1750

Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 08.05.2011 begehen wir den Sonntag: „Misericordias Domini“ 

Der Name des Sonntags „Misericordias Domini“ leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab: Misericordias Domini plena est terra. (Ps 33, 5;).
Der Sonntag Misericordias Domini wird durch das Evangelium vom Guten Hirten bestimmt. Der Hirte sorgt für seine Schafe, die ihm treu folgen. Gleichzeitig wird aber auch der Hinweis laut auf die „falschen Hirten“, die nur an ihren eigenen Vorteil denken. Entscheidend ist jedoch die Zusage Jesu, dass er als der gute Hirte sein Leben hingibt für die Schafe. Das bedeutet, dass wir umfassenden Schutz genießen und uns vor nichts zu fürchten brauchen, auch wenn es dunkel um uns wird.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den Sonntag: Misericordias Domini

BWV 85   – „Ich bin ein guter Hirt“
BWV 104 – „Du Hirte Israel, höre“
BWV 112 – „Der Her ist mein getreuer Hirt“
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Im Radio Live: „Bach-Kantate“

WDR3

Sonntag, 08.05.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

Johann Sebastian Bach 

Ich bin ein guter Hirt, BWV 85
Kantate zum Sonntag Misericordias Domini
für Soli, Chor, 2 Oboen, Violoncello piccolo, Streicher und Basso continuo
Gerlinde Sämann, Sopran / Petra Noskaiová, Alt / Christoph Genz, Tenor /
Jan van der Crabben, Bass
La Petite Bande
Leitung: Sigiswald Kuijken
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/ YouTube: BWV 85 – „Ich bin ein guter Hirt“


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Kantaten-Beschreibung zum BWV 85  – BWV 104 und BWV 112 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

Bach nähert sich 1725 dem gleichen pastoralen Gelände auf einem anderen Weg. BWV 85 Ich bin ein guter Hirt ist die dritte von drei Kantaten an aufeinander folgenden Festtagen (die anderen sind BWV 6 und 42), die eine in sich geschlossene Folge bilden, und jede ist eine neue Antwort auf die wachsende Sorge der Jünger, damals und heute, wie das Leben in einer Welt ohne die körperliche Präsenz Jesu zu bewerkstelligen sei. Allen drei Kantaten liegen zeitgenössische, Themen aus dem Johannesevangelium verarbeitende und vermutlich von einem einzigen Autor stammende Texte zugrunde, die Bach im Jahr zuvor zusammengestellt und für seinen ersten Leipziger Jahrgang 1723/24 vorgesehen hatte.

Diesen Zyklus musste er zurückstellen, vielleicht weil die Vollendung der Johannespassion für Karfreitag 1724 seine Kräfte übermäßig beanspruchte und ihn nötigte, bei einigen der in diesem Jahr für die Zeit nach Ostern bestimmten Kantaten auf bereits vorhandenes Material zurückzugreifen. Die Kantate BWV 85 ist der Höhepunkt dieser Untergruppe, die Jesus als guten Hirten in den Mittelpunkt stellt und die Macht des Beschützers mit der Freundlichkeit des Freundes vereint. ‚Ich bin ein guter Hirte, ein guter Hirt lässt sein Leben für die Schafe’, dieses berühmte Zitat aus dem Johannesevangelium, leitet das Werk ein, als Arioso für Bass gesetzt.

Die vierundvierzig Takte erweitern auf faszinierende Weise zwei im Keim angelegte Themen, die beide im allerersten Takt zu hören sind, und während das eine zu einer versonnenen, lyrisch gestalteten Oboenmelodie erblüht, erscheint das andere zunächst im Continuo, später in der ersten Phrase des Sängers. In der Weise, wie die gehaltene Note der Oboe sich ihrer selbst besinnt und dann aufblüht, die Violinen zu einer Antwort auffordernd, verweisen melodische Gestaltung und Tonart auf den langsamen Satz in Bachs Doppelkonzert BWV 1060 in c-moll. Die vorherrschende Stimmung ist kontemplativ, nicht bukolisch im eigentlichen Sinne, eher die musikalische Entsprechung zu einer Umarmung, doch von Traurigkeit umhaucht.

In der Meditation über Christus als guten Hirten ist das Violoncello piccolo, das Bach als obligates Instrument für die sich anschließende Alt- Arie in g-moll (Nr. 2) vorschreibt, eine geniale Entscheidung. Man wüsste so gern, ob er dieses spezielle, kleinere Cello (mit E als oberster Saite) einsetzte, weil das Instrument und/oder einer seiner besonders talentierten Exponenten zufällig vorhanden war(en), oder ob er selbst die Initiative ergriff und es in voller Absicht als zentralen poetischen Bedeutungsträger seiner Ausdeutung der für dieses Frühjahr 1725 vorgesehenen Kantaten zugrunde legte (er verwendet es fünfmal in den fünfzig Tagen zwischen Ostern und Pfingsten).

Wie es auch immer gewesen sein mag, dieses besondere Instrument scheint mit seinem wehmütigen Tenorklang die Herzen der Hörer so zu bewegen, wie es sonst nur zwei anderen Lieblingsinstrumenten Bachs und in nicht unähnlichen Situationen gelingt, der Viola d’amore und der Oboe da caccia. Man spürt, dass dieser mantraähnliche Klang den ‚Schafen’ die Zuversicht gibt, gegen jeden Viehdieb, Wolf, Fuchs oder Menschen gerüstet zu sein. Wie in BWV 6, das dreizehn Tage zuvor zu hören war, verwendet Bach die viersaitige Version des Violoncello piccolo mit seinem besonderen ‚Schein’, um zwischen Vokalsolisten und Continuo sowohl im Tonbereich als auch harmonisch zu vermitteln. In diesen beiden Kantaten scheint das Instrument die persönliche Beziehung des Gläubigen zu Jesus theologisch auszudeuten, es liefert ein Element der Stabilität in einer Welt zunehmender Dunkelheit (BWV 6) und fungiert als Symbol für die liebenden, schützenden ‚Arme’ des guten Hirten (BWV 85).

Als nächstes folgt eine Choralvertonung des 23. Psalms in der Übersetzung von Cornelius Becker, in der sich die Stimmen zweier Oboen zu einer kunstvoll gestalteten Invention verweben – in der Wirkung die Textur einer Triosonate, da der Continuo die behutsam ornamentierte Melodie des Soprans umfängt. Im einzigen Rezitativ der Kantate (Nr. 4) wendet sich der Tenor an Jesus als den Oberhirten, der eingreifen muss, ‚wenn die Mietlinge schlafen’, um seine Herde zu retten – das Stichwort für abrupte Streicherarpeggien in Gegenbewegung, während der ‚Höllenwolf’ (oder Satan) einzudringen sucht. Es nimmt bereits das Rezitativ der Matthäuspassion vorweg, wo Jesus, mit seinen Jüngern am Ölberg angekommen, an die Prophezeiung erinnert, in der es hieß: ‚Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen’.

Der seelenvollste Satz der Kantate ist die sich anschließende Tenor- Arie in Es, ‚Seht, was die Liebe tut’, ein weiterer Hinweis auf die Matthäuspassion und die wunderbare Alt-Arie ‚Sehet, Jesus hat die Hand’ in der gleichen Tonart, Inbegriff der Liebe des Hirten, die sich am Kreuz offenbart, wenn Jesus mit seinen ausgestreckten Armen den Sündern eine Zuflucht bereithält, um die Gläubigen wie ‚verlass’ne Küchlein’ bei sich aufzunehmen. Mit ihrer reichen, fließenden Melodie und dem sanft wiegenden Rhythmus bietet diese Arie, in der die ersten vier Silben mit einer einzelnen wiederholten Note vom Sänger ‚festgenagelt’ werden, das komplementäre Bild von Schafen, die ‚fest eingeschlossen’ und ‚in zarter Hut’ des Hirten sind, der ‚am Kreuzesstamm für sie vergossen sein teures Blut’.

Diese thematischen Bezüge zur Matthäuspassion sind zu eng, um zufällig zu sein: Ihre Musik, die er zwar nicht rechtzeitig bis Karfreitag vollendete, war in der Vorosterzeit 1725 Bachs Gedanken nie fern, hatte er doch ursprünglich geplant, sie als Juwel in die Mitte seines zweiten Kantatenjahrgangs zu stellen, als Pendant zu seiner Johannespassion des vorangegangenen Jahres.

© John Eliot Gardiner 2007 Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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/ YouTube: BWV 104 – „Du Hirte Israel, höre“


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/ YouTube: BWV 112 – „Der Herr ist mein getreuer Hirt“


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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen:  h i e r  zum Download als PDF 

  Künstler-Beitrag: Katharina Arfken, Oboe  / Künstler-Beitrag Katharina Arfken  als PDF

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Link: Bach-Kantaten:

CDs – SDG 131 Vol. 23

BWV 85 – „Ich bin ein guter Hirt“ Gardiner Pilgrimage CD 131

Vol.  23 – CD  2

BWV 104 – „Du Hirte Israel, höre / Gardiner Pilgrimage CD 131

Vol. 23 – CD 2

BWV 112 – „Der Herr ist mein getreuer Hirt / Gardiner Pilgrimage CD 131

Vol. 23 – CD 2

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Ich wünsche allen Besuchern einen sonnenreichen Sonntag!

Grüsse

Volker

Radiotipps KW 19


Diesmal mit richtiger Kalenderwoche – letzte Woche hatte ich wohl die falsche Brille auf.

11.5.

Kulturradio rbb
20-21
Klangwelt der Renaissance (27)
„Vokalpolyphonie – made in Germany“ – Jahrzehnte lang war die geistliche Musik des 15. und 16. Jahrhunderts fest „in den Händen“ der Engländer und Flamen. Jetzt liefern viele deutsche Ensembles ebenso überzeugende Interpretationen.

HR2
20-21:30
Notenschlüssel
Telemann: Donner-Ode
Aufgeschlüsselt von Paul Bartholomäi
Am Morgen des Allerheiligentages 1755 – die Kirchen waren voll – zerstörte ein Erdbeben der Stärke 8,5 bis 9 und die darauffolgende Flutwelle die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Mit fast 100.000 Todesopfern gehörte es zu den verheerendsten Naturkatastrophen in Europa. Diese Katastrophe löste nicht nur eine heftige Glaubensdiskussion aus, sondern wurde auch von vielen zeitgenössischen Künstlern in ihren Werken verarbeitet. So auch von Georg Philipp Telemann. Er komponierte auf Texte, die dem 8. und dem 29. Psalm entnommen waren, ein zweiteiliges Oratorium, das den Namen „Donner-Ode“ erhielt. Uraufgeführt wurde es am 11. März 1756 in der Kirche St. Jakobi in Hamburg. Namensgebend mag das eindrucksvolle Bass-Duett „Er donnert, dass er verherrlichet werde“ sein. Näheres über Telemanns „Donner-Ode“ erzählt Paul Bartholomäi in seinem „Notenschlüssel“.

12.5.

SWR2
20-22:30
Schwetzinger SWR Festspiele 2011 – SWR2 Abendkonzert – LIVE Meilensteine der Sakralmusik

Johann Sebastian Bach:
„Johannes-Passion“ für Soli, Chor und Orchester BWV 245
Gabrieli Consort & Players
Leitung: Paul Mc Creesh
(Direktübertragung aus dem Speyrer Dom)

Es gibt keine anderen Angaben zur Besetzung. Hier diejenige des Soli Gloria DeiFestivals mit einer Aufführung einige Tage eher:
Mhairi Lawson, Sopran
Barbara Kozelj, Alt
Nicholas Mulroy, Tenor
Marcus Farnsworth, Bass

13.5.

kulturradio rbb
18-18:50
Wie be- oder ersetzt man heute die Kastratenpartien des Barock?

Kantaten und Arien für und von Carlo Broschi Farinelli, gesungen von Nella Anfuso, Vivica Genaux, Derek Lee Ragin u. a.

14.5.

BBC
13-14 (14-15 MESZ)
The Early Music Show
Catherine Bott talks to conductor Sir John Eliot Gardiner about his illustrious career in the music industry, and includes recordings by his own Monteverdi Choir, English Baroque Soloists and Orchestra Revolutionnaire et Romantique, as well as performances from the Göttingen Handelfest and Opera de Lyon – both of which he has been an integral part of. Sir John Eliot also reflects on his achievements with the Bach Cantata pilgrimage from the year 2000 and the Monteverdi Choir’s amazing musical journey along the Camino de Santiago de Compostela.
http://www.bbc.co.uk/programmes/b0112crp

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den Sonntag: Quasimodogeniti


J.S. Bach-Denkmalin Eisenach

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Liebe Bach-Freunde !

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Nach den Veröffentlichungen der

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BWV als PDF-Download im Blog 

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stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

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„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

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eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

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Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf  “YouTube“ sind sehr ergiebig.

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Am 01.05.2011 begehen wir den Sonntag „Quasimodogeniti“ 

Der Name des Sonntags Quasimodogeniti leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab: Quasi modo geniti infantes, Halleluja, rationabile, sine dolo lac concupiscite. (1. Petr 2, 2; deutsch: Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch).
Der Sonntag Quasimodogeniti erinnert uns an die neue Geburt, die wir „durch Wasser und Geist“ erfahren, d.h. den Anfang eines neuen Lebens in Christus, nach unserer physischen Geburt. Die Perikopen haben aber, mit Ausnahme der Epistellesungen, nur wenig damit zu tun. Die Evangelien erzählen weiter von dem Geschehen nach Ostern.

Auch der Sonntag Quasimodogeniti steht ganz unter dem Zeichen des Osterfestes. Die Geschichte von Thomas führt uns unseren eigenen Wunsch vor Augen, Jesus zu sehen. Aber: selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Die große Gnade ist, dass wir durch Jesus Christus völlig neu geboren sind und die Verantwortung, die Gott uns Menschen übertragen hat, selbst wahrnehmen können, ohne von unserer Schuld erneut gefangengenommen zu werden.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den Sonntag „Quasimodogeniti“

 BWV 42 – „Am Abend aber desselbigen Sabbats“ / 

BWV 67 – „Halt im Gedächtnis Jesum Christ“

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Im Radio Live: „Bach-Kantate“

WDR3

Sonntag, 01.05.2011 von 09:05  – 10:oo Uhr

Live-Stream: http://www.wdr.de/wdrlive/media/wdr3.asx

oder: http://www.wdr.de/wdrlive/media/wdr3.m3u


Johann Sebastian Bach:

„Halt im Gedächtnis Jesum Christ“, BWV 67, Kantate am Sonntag Quasimodogeniti für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo; Elisabeth von Magnus, Alt; Gerd Türk, Tenor; Klaus Mertens, Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman

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/ YouTube: BWV 42 Am Abend aber desselbigen Sabbats“

 

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 42  von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

Im folgenden Jahr, 1725, fand Bach in der Kantate BWV 42

„Am Abend aber desselbigen Sabbats“ zu einer völlig anderen Lösung. Er gab den Anfang des Textes aus dem Johannesevangelium nicht dem erschöpften Chor, sondern einem Tenor – als Evangelisten. Seiner Lesung geht eine ausgedehnte Sinfonia voraus, die einem concerto a due cori ähnelt – Streicher sind gegen Holzbläser gesetzt (zwei Oboen und Fagott). Es mag zwar verlockend sein, hinter Bachs Entscheidung für eine instrumentale Ouvertüre eine ausdeutende theologische Absicht zu sehen – Eric Chafe ist zum Beispiel der Meinung, sie lege die Interpretation nahe, der auferstandene Christus erscheine inmitten seiner besorgten Jünger –, sie stammt jedoch in Wahrheit aus einer verschollenen Serenata zum Geburtstag des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen (BWV 66a). Sie ist ein weiteres Beispiel für jene Stücke, in denen Bach vorhandenes weltliches Material parodiert, und man stellt sich die Frage, ob er die doppelte Zweckbestimmung von Anfang berücksichtigt hatte oder ob er sie, da er genau erkannte, auf welch vielfältige, doch durchaus geeignete Weise sich vorrätiges Material verwerten ließ, aus der untersten Schublade hervorholte, als ihm der Gedanke kam, dass sie für die geplante Kantate zu gebrauchen sein könnte.

Freie Instrumentalmusik ist jedoch die eine Sache: Ob sie einen subjektiven Stempel trägt, der eine bestimmte Interpretation nahe legt, lässt sich weder beweisen noch widerlegen. Eine andere Sache ist Musik, der ein Text unterlegt ist. Ich konnte keinerlei Anzeichen dafür entdecken, dass sich in der Alt-Arie Nr. 3 ‚Jesus  ́inmitten’ einer aufgewühlten Welt’ befindet (wieder Chafe), und hätte es auch nicht in einer Musik erwartet, deren Originaltext (ebenfalls aus der Köthener Serenata) mit den Worten beginnt: ‚Beglücktes Land von süsser Ruh und Stille! / In deiner Brust wallt nur ein Freuden-Meer’. Doch fand ich sie, manchen pastoralen Stücke Rameaus vergleichbar, bei unserer ersten Aufführung unerträglich qualvoll und traurig, sehr viel heiterer und trostreicher bei der zweiten. Vielleicht sind diese beiden subjektiven Eindrücke weniger widersprüchlich, als es zunächst den Anschein haben mag. Könnte es sein, dass Bachs eigene schmerzvollen Erfahrungen und enttäuschenden Erlebnisse dieser Gelassenheit zugrunde liegen, mit der er die Macht des Gebetes und der Vergebung akzeptiert: ‚Wo zwei und drei versammlet sind’ und (im B-Teil) ‚Denn was aus Lieb und Not geschicht, / das bricht des Höchsten Ordnung nicht’?

Bach setzt in die Mitte dieser Kantate einen Choral, um die Verletzlichkeit des ‚Häuflein klein’ in einer feindlich gesinnten Welt zu betonen, verbirgt ihn jedoch fast vollständig in den instrumentalen (und gelegentlich vokalen) Linien. C. H. Terry hat einmal die Vermutung geäußert, das merkwürdig bukolisch klingende Fagottobligato sei dazu bestimmt, eine Choralmelodie zu begleiten, ‚die eigentlich überhaupt nicht erklingt’, was zu der Vermutung führen könnte, dieser Kunstgriff drücke das ‚Verborgensein’ der Kirche in der Welt aus. Ein solcher Eindruck scheint sich im Bass-Rezitativ (Nr. 5) zu bestätigen, wo mitgeteilt wird, Jesus sei seinen Jüngern ‚zum Zeugnis, dass er seiner Kirche sein will’,plötzlich erschienen.

Bach leitet in den letzten wenigen Takten zu einem animoso über, wo die gesamte Continuogruppe (Cello, Violone, Fagott, Cembalo und Orgel) die Absicht zu haben scheint, den wütenden Feind in den unergründlichen Schlund zu stoßen –, und dies ebenso über eine weite Strecke der abschließenden Arie in A-dur (Nr. 6). Der Bass-Solist feiert unterdessen die Macht des Lichts, das die Finsternis überwindet: Jesus als ‚ein Schild der Seinen, wenn sie die Verfolgung trifft’, ist der Garant dafür, dass ihnen ‚die Sonne scheinen’ wird. Whittaker verwies auf die ‚in Terzen leuchtenden’ Violinen, die uns diese Sonne ‚mit der güldnen Überschrift’ schildern, und sie lenkten meinen Blick auf das mit Gold verzierte ‚SDG’ auf der Kanzel.

Bach hat diesen Abschnitt für zwei Violinstimmen vorgesehen, in die sich die vier ersten Violinen teilen, zwei pro Part. Nach außen hin schien er so wenig überzeugend, dass wir ihn als ganz normale Triosonate aufzuführen versuchten (zwei Violinen pro Part lassen sich viel schwieriger harmonisch verbinden als eine oder drei). Es klang gut, aber nicht mehr; daher experimentierten wir mit drei Instrumenten pro Part, die wir antiphonal gegeneinander setzten. Schließlich kehrten wir wieder zu der ursprünglichen Aufteilung zwei Stimmen pro Part zurück – und diese beweist natürlich, dass Bach genau wusste, was er wollte. Der abschließende Choral enthält Luthers Version von Da Pacem, Domine, die dieser Johann Walthers Gebet um ‚Fried und gut Regiment’ geschickt aufgepfropft hat.

© John Eliot Gardiner 2007 Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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/ YouTube: BWV 67 „Halt im Gedächtnis Jesum Christ“


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Kantaten-Beschreibung zum BWV 67  von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

Zwanzig Jahre sind ins Land gegangen, und wir betreten mit BWV 67

„Halt im Gedächtnis Jesum Christ“ eine andere Welt. Schon in der wunderbaren Choralfantasie mit corno da tirarsi, Flöte und zwei Oboen d’amore, die das Werk einleitet, durchpulst rhythmische Kraft die an Einfällen überreiche Musik. Offensichtlich machte sich Bach viele Gedanken über die Anlage dieser eindrucksvollen Kantate, die erste einer Folge von fünf bis hin zum Pfingstsonntag – fast ein Minizyklus innerhalb seines ersten Leipziger Jahrgangs 1723/24, den er zweifellos in aller Eile zusammenstellte, nachdem ihn die Komposition der gewaltigen Johannespassion über die Maßen beansprucht hatte. Seine Absicht ist es, die Verwirrung und den Wankelmut der Jünger Jesu zu schildern, ihre Hoffnungen, die mit der Kreuzigung zunichte gemacht worden waren, und die Spannung aufrechtzuerhalten zwischen Thomas’ berechtigten Zweifeln und der unerlässlichen Notwendigkeit, am Glauben festzuhalten (‚halt’, fordert das Horn in einer lange gehaltenen Note im Anfangschor, ‚im Gedächtnis Jesum Christ’).

So wie sich selbst eine ausgeglichene, vergnügte Gavotte für Tenor, Oboe d’amore und Streicher (Nr. 2) bereits in ihrem zweiten Takt aufsplittert – ‚Allein, was schreckt mich noch?’ – , wird Bachs Absicht deutlich, diese gegensätzlichen ‚Affekte’ nebeneinander zu stellen: hier der Zweifel, dort die Gewissheit, das Jesus auferstanden ist. Bach hält die Gemütsverfassung des verängstigten und verstörten Christen in einem Triptychon Rezitativ-Choral-Rezitativ (Nr. 3, 4 und 5) fest, wo der Soloalt den Chor auffordert, guten Mutes zu sein und den ikonenhaften Osterchoral ‚Erschienen ist der herrlich Tag’ anzustimmen. Als Höhepunkt der Kantate folgt eine dramatische scena, in der die Streicher einen Sturm entfachen, um das Wüten der Feinde zu schildern, die noch immer die Seele bedrängen. Mit einem Trick, ähnlich einer Überblendung im Film, lässt sie Bach in eine langsamere, behutsam punktierte Sequenz im Dreiertakt für die drei Holzbläser zerfließen.

Jesus erscheint plötzlich seinen Jüngern, die sich ‚aus Furcht für denen Jüden’ hinter verschlossener Tür verschanzt haben. Zwei gegensätzliche Stimmungen und Texturen wechseln einander ab. Der Chor aus Sopran-, Alt- und Tenorstimmen wird von den furioso ausladenden Streichern aufgesogen und lässt spüren, wie fremd sich die christliche Gemeinde in der gegenwärtigen Welt fühlt. Dreimal zügelt Jesus ihre Angst durch seinen Segensspruch ‚Friede sei mit euch!’. Bei seinem vierten und letzten Erscheinen verzichten die Streicher symbolisch auf ihre Funktion, Sturm auszulösen, und gleiten in die sanft wiegenden Rhythmen der Holzbläser, und so endet die scena friedlich. Der abschließende Choral von Jakob Ebert, ‚Du Friedefürst, Herr Jesu Christ’, würdigt den Erlöser als ‚starken Nothelfer im Leben und im Tod’.

© John Eliot Gardiner 2007 Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen:  h i e r  zum Download als PDF 

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  Künstler-Beitrag: Katharina Arfken, Oboe  / Künstler-Beitrag Katharina Arfken  als PDF


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Bach-Kantaten:

SDG 131 Vol. 23

CDs – SDG 131 Vol. 23

BWV 42 – „Am Abend aber desselbigen Sabbats“ Gardiner Pilgrimage CD 131 Vol.  23 – CD  1

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BWV 67 – „Halt im Gedächtnis Jesum Christ“ / Gardiner Pilgrimage CD 131 Vol. 23 – CD 1

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Wünsche allen Besuchern einen schönen erholsamen Sonntag !

Grüße

Volker

J.S. Bach-Stiftung St. Gallen: Musiker der Woche – Peter Harvey


Liebe Gardiner-Freunde!

Peter Harvey, englischer Bass-Bariton

Nun ist der erste Gesangs-Solist von Sir Gardiner in der Schweiz angekommen und verpflichtet worden und wird in einem Konzert im Mai 2011 bei der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen-Trogen mitwirken. Sein Name ist uns allen wohl bekannt: „Peter Harvey“ englischer Bass-Bariton ist als „Musiker der Woche“ von der J.S. Bach-Stiftung benannt worden.

Dazu heisst es auf der Webseite der J.S. Bach-Stiftung:

http://www.bachstiftung.ch/

MUSIKER DER WOCHE: PETER HARVEY
Der englische Bass Peter Harvey ist im Mai 2011 erstmals in Trogen zu hören.  Als Solist in Gardiners Bach Cantata Pilgrimage und in der künstlerischen Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten hat er sich einen bekannten Namen in der Musik vor allem des Hochbarock erarbeitet.  

Ausbildung / Werdegang

– Oxford University, Magdalen College
– Guildhall School of Music and Drama (Opernkurs)

Musikalische Höhepunkte

– Bach Cantata Pilgrimage 2000 (Sir J.E. Gardiner)
– Aufnahme: Winterreise (Linn Records)

Aktuelle Tätigkeiten

– Dirigent des Magdalena Consorts
– Internationale Auftritte als Bass-Solist mit weltberühmten Originalklang-Ensembles

Tonträger

– Aufnahme von mehr als 100 CDs

Internetseite www.peterharvey.com

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Mittlerweile sind zwei neue Bach-Kantaten von der J.S. Bach-Stiftung auf YouTube veröffentlicht worden und stelle sie hier mit ein und wünsche viel Spass..!!

(Aria duetto e corale) aus der Kantate BWV 185 („Barmherziges Herze der ewigen Liebe „), aufgeführt durch die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Solisten: Regina Kabis (Sopran) und Jens Weber (Tenor). Musikalischer Leiter: Rudolf Lutz.

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Dritter Satz (aria alto) aus der Kantate BWV 42 („Am Abend aber des selbigen Sabbats“), aufgeführt durch die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Solistin: Irène Friedli. Musikalischer Leiter: Rudolf Lutz.

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Grüße Volker

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für „Karfreitag“ und „Ostern“


Wirkungsstätte von J.S. Bach "Thomaskirche in Leipzig"

Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen der BWV als PDF-Download im Blog stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung. Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf  “YouTube“ sind sehr ergiebig.

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Am 22.4.2011 Karfreitag am 24. und 25. April 2011 begehen wir das „Osterfest“

Der Karfreitag (früher Parasceve genannt) wurde vermutlich schon von den ersten Christen begangen als ein Tag des Fastens und der Trauer. Er behielt diesen Charakter über die Jahrhunderte bei. Schon Tertullian (Ende des 2. Jahrhunderts) bezeugte die Einhaltung dieses Tages als großen Fastentag.
Die protestantische Kirchen aber haben zunächst nur teilweise den Karfreitag als Feiertag übernommen. Im 17. Jahrhundert erlebte er als Bußtag eine Renaissance, wobei er freilich seinen ursprünglichen Character verlor. Entgegen der früheren Praxis, an diesem Tag (als dem einzigen des Jahres) keinAbendmahl zu feiern, stand nun das Abendmahl im Vordergrund. Heute entwickelt sich die Feier des Tages wieder zu einer dem ursprünglichen Sinn angemessenen Praxis.

Am Karfreitag hören wir, wie der Sohn Gottes gekreuzigt und zu Tode gebracht wurde. Die christliche Gemeinde verstummt, läßt nur noch das Wort Gottes reden. Dies findet seinen Ausdruck darin, dass die Vesper nach der Todesstunde Jesu einzig aus der Lesung besteht, zu der das Psalmgebet tritt.
Am Karfreitag verlöschen die Kerzen, die bis dahin Zeichen für das lebendige Licht, das Jesus Christus selbst ist, gewesen sind, um erst in der Osternacht wieder am Osterlicht entzündet zu werden. Der Karfreitagsgottesdienst wird in der Regel um die Sterbestunde Jesu gefeiert. 

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3, 16)

Bach-Kantaten entfallen für den Karfreitag. Musik zum Anhören: BWV 244 Matthäus Passion / BWV 245 Johannes Passion.

Fernsehsendung am Karfreitag:

WDR3.Fernsehen:
07:15 – 10:00 Uhr
Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244
Aufzeichnung aus der Philharmonie Köln vom 28.03.2010

Radio-Sendungen am Karfreitag:

Link: https://meinhardo.wordpress.com/2011/04/10/radiotipps-mit-passionen-2011/

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Am Ostersonntag freuen wir uns über die Auferstehung Jesu von den Toten. Er ist der Erstling der Auferstehung, dem wir nachfolgen werden, wenn er kommen wird. Aber die Auferweckung gibt uns nicht nur Hoffnung für die Zukunft – auch heute, in unserer Welt, können wir nicht schweigen von unserer Freude und beten, dass das Evangelium unter uns wirksam werde und diese Welt verändere.

Predigttext steht in Johannes 20, Verse 19-23:   Am Abend aber dieses Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!  Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den HERRN sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Der Ostermontag nimmt Bezug auf die Ereignisse unmittelbar nach der Auferstehung. Die Reaktion der Jünger und die ersten Erscheinungen Jesu stehen nun im Mittellpunkt, wobei auch die Konsequenzen der Auferstehung schon deutlich werden.

Predigttext steht in Lukas 24, Verse 13-35:

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Für  das Osterfest:

Bach-Kantaten:

SDG 128 Vol. 22

BWV 4 – Christ lag in Todesbanden / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol.  22 – CD  1

BWV 6 – Bleib bei uns, denn es will Abend werden / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2

BWV 31 – Der Himmel lacht! die Erde jubilieret / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 1 

BWV 66 – Erfreut euch, ihr Herzen / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2

BWV 134 – Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2

BWV 145 – Ich lebe, mein Herze, zu deinem Ergötzen / Gardiner Pilgrimage CD 128 Vol. 22 – CD 2

Wer diese – „Gardiner SDG-CDs Vol. 22“ –  besitzt sollte sie sich unbedingt anhören, diese Bachwerke an historischer Stätte in Eisenach in der Georgenkirche Ostern 2000 aufgenommen, besitzen ein überragendes und emotionales Format.

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Kantaten-Beschreibungen zu den BWV  von „Sir John Eliot Gardiner“ ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt!

  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen zu Ostern:  h i e r  zum Download als PDF 

  Künstler-Beitrag: Katharina Arfken, Oboe  / Künstler-Beitrag Katharina Arfken  als PDF
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Radio-Sendungen zum Osterfest:

Link: https://meinhardo.wordpress.com/2011/04/10/radiotipps-mit-passionen-2011/

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D-Radio-Kultur am 24.4.2011 um 06:05 Uhr

Link-Livestream: http://www.dradio.de/streaming/dkultur.m3u

Johann Sebastian Bach
„Der Himmel lacht, die Erde jubilieret“, Kantate für Soli, Chor und Orchester, BWV 31

(Kantate am ersten Osterfesttage, BWV 31)
Paul Esswood, Countertenor
Kurt Equiluz, Tenor
Max van Egmond, Bass
Wiener Sängerknaben
Chorus Viennensis
Concentus musicus Wien
Leitung: Nikolaus Harnoncourt

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WDR3 um 09:05-10:00 Uhr

Johann Sebastian Bach 
Der Himmel lacht, die Erde jubilieret, BWV 31
Kantate zum ersten Osterfesttag
für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo
Monika Frimmer, Sopran
Gerd Türk, Tenor
Peter Kooij, Bass
Bach Collegium Japan
Leitung: Masaaki Suzuki

Live-Stream: http://www.wdr.de/wdrlive/media/wdr3.asx

oder: http://www.wdr.de/wdrlive/media/wdr3.m3u

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Nachstehend Videos von YouTube zur Osterzeit:

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/ YouTube: BWV 4  – „Christ lag in Todesbanden“

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/ YouTube: BWV 6 – „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“


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/ YouTube: BWV 31 – „Der Himmel lacht! die Erde jubilieret“


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/ YouTube: BWV 66  – „Erfreut euch, ihr Herzen“


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/ YouTube: BWV 134 – „Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß“

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YouTube: BWV 145 – „Ich lebe, mein Herze, zu deinem Ergötzen“



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            Ich wünsche allen Blog-Mitgliedern

           und Besuchern ein schönes  Osterfest !

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Liebe Oster-Grüße

Volker

Trauer-Kantaten von J.S. Bach erklangen in der Kirche zu Bergkirchen-Bad Salzuflen am 17.4.2011 zum Palmsonntag


Kirche zu Bergkirchen-Bad Salzuflen

Liebe Bach-FreundINNEN!

Es kam mir vor, als wäre ich in einer Thüringer Dorfkirche eingekehrt und hätte einem engagierten Bach-Chor zugehört, der das Bach-Erbe vor Ort pflegt. Doch der Chor-Bass-Sänger, der mit kernigen, bloßen Füßen nach dem Konzert neben mir stand, berichtete, daß er am vormittag am Herrmanns-Lauf (31km) teilgenommen hätte und jetzt am Nachmittag gerade mal ein außergewöhnliches Konzertprogramm absolviert habe. Also war ich doch in OWL-, auf einem Bergplateau hinter Bad Salzuflen waren Massen von Fahrrad-, Autofahrern und Wanderern zur Konzertkirche Bergkirchen gepilgert.

Es war ja auch ein außergewöhliches Passions- und Osterprogramm, daß Kantor Begemann umsichtig leitete. Im Orchester waren Mitglieder der NWD integriert, der Tenor-Solist war ein ehemaliger Thomaner, während die Altsolistin in OWL öfters zu hören ist.

Der Innenraum der Kirche, die ja 1850 erbaut wurde, ist von der Decke über die Emporen mit Holzarbeiten verkleidet, so daß die Akustik den Klang glasklar herüberbrachte, was ja manchmal nicht gerade von Vorteil ist.

Aber in der Programm-Auswahl zeigte sich eine durchdachte Komposition, die vom Chor, Orchester und Solisten überzeugend umgesetzt wurde:

Aus klanglich fast Alt-Bachischen-Archiven heraus (Kuhnau-Motette: “Der Gerechte kommt um“)wurde der Hörer über den Passions-Teil des Messias zu der inhaltlich schmerzlichen Bach-Kantaten (Komm, du süße Todestunde!) zur Auferstehungshoffnung (besonders BWV 111,  4.Duett „So geh ich mit beherzten Schritten, auch wenn mich Gott zum Grabe führt!“) bis zum Licht geführt, das des Christen Leben bescheint ( Bach-Motette BWV 118 „O Jesu Christ, meins Herzens Licht“).

Chor in der Kirche zu Bergkirchen bei Bad Salzuflen "Bach-Trauerkantaten"

Diesem ganzen Gedankenstrang wurde wie als ein „Weckruf“ zu verstehen der Palmsonntags-Ruf „Hoch tut Euch auf, ihr Tore der Welt.“ (aus Messias Nr.31) noch zu Anfang eingefügt. Dazu verlaß ein Sprecher Passions-und Auferstehungsevangelium.

Warum wohl? Sollte jeder Hörer vielleicht aufmerken, daß hier überlegt ein Weg durchlitten und von uns gedanklich mitgegangen werden soll, der uns allen noch blüht und auf den wir uns mithilfe der Musik vorbereiten können.

Doch nun zu dem sonnigen Erlebnis, das mir diesem Palmsonntag so wertvoll macht.

Orchester mit Mitgliedern von der NWD Herford in der Kirche zu Bergkirchen bei Bad Salzuflen

Zuerst: ich war mutig, und hatte Kantor Begemann in der Woche vorher gefragt, ob er noch Tenöre braucht und ich den Messias-Teil mitsingen darf. So war ich in der letzten Probe und der Generalprobe dabei-, erlebte die Chorgesellschaft gewissermaßen „von innen“ mit. Nochmals wurde mir deutlich, wieviel Engagement gerade im Aufbau eines solchen Events von Allen und den den Helfern notwendig ist. Der Ort Bergkirchen besteht ja nur aus ca.6 Höfen und Häusern. Alles muß herangeschafft werden, viele Hände sind beteilligt. Einer regelte den Autoverkehr, andere sorgten für die Verköstigung des Orchesters.
Der Besucher erhielt ein ausführliches Programm-Heft, das auf die Überlieferung und instrumentalen Besonderheiten z.B. der beiden Bach-Motteten, die mich ja so an die Eigenarten des „Alt-Bachischen-Archivs“ erinnerten, aufmerksam machte.

Weitere Infos unter:  http://www.lipische-landeskirche.de/bergkirchen

Eine geruhsame und erfüllte Karwoche wünscht Euch allen und „Buona Pasqua“

Adamo

Um solch einen Gedankenfaden auch deutlich werden zu lassen, wurde die Bach-Kantate BWV 111 nur zur Hälfte (Nr.4-6) aufgeführt.

Natürlich war die selten aufgeführte Solo-Kantate BWV 161 „Komm, du süße Todesstunde.“ vor allem wegen der beiden Blockflöten-Begleitung ein außergewöhlicher Höhepunkt. Hier sollen ja Totenglöcklein imitiert werden, aber ich wurde dabei hellwach.

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*)Nach dem Orgel-Foto  Video-Ausschnitte von YouTube: BWV 111 und BWV 161 Satz 4 Aria

Die Orgel in der Kirche zu Bergkirchen bei Bad Salzuflen

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YouTube-Video vom BWV 111

4.Duet-Alto,Tenor: So geh ich mit beherzten Schritten,
5.Recitative-Soprano: Drum wenn der Tod zuletzt den Geist
6.Choral: Noch eins, Herr, will ich bitten dich,

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YouTube-Video vom BWV 161 „Aria: Komm,du susse Todesstunde“

Komm, du süße Todesstunde, da mein Geist Honig speist aus des Löwen Munde; Mache meinen Abschied süße, Säume nicht, Letztes Licht, Dass ich meinen Heiland küsse.

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CD-Neuerscheinung: J.S. Bach BWV 249 Oster-Oratorium und BWV 11 Himmelfahrts-Oratorium


Cover: J.S. Bach Easter and Ascension Oratorios BWV 249 + BWV 11

Liebe Bachfreunde!

Durch einen Insider-Tipp bin ich aus der Blog-Gemeinschaft auf eine CD aus England aufmerksam gemacht worden und möchte sie wärmstens weiterempfehlen..!!

Pure Freude kommt auf, wenn man sich diese CD-Neueinspielung aus England anhört..! Die Sprache ist von der Neuveröffentlichung der Oratorien zu OsternBWV 249 und HimmelfahrtBWV 11 von J.S. Bach durch das

Retrospect Ensemble“  

Leitung: Matthews Halls.

Als Gesang-Solisten wirken mit: Carolyn Sampson, Iestyn Davies, James Gilchrist, (Tenor) Peter Harvey, (Bass-Bariton) vom Label: Linn !

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Die CD ist bei jpc für 15,99 € erhältlich!

Link:  – H i e r  bitte  k l i c k e n !!  (mit Hörproben!!)

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Bei amazon als mp3 Download für 8,99 €

Link:  – H i e r  bitte  k l i c k e n !! 

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Eine brilliante Aufnahme die von den großartigen Gesangs-Interpreten lebt und das barocke Orchester weiss den Hörer sofort mit seiner brillanten Interpretation und Musizierfreude einzunehmen und zu begeistern. Es ist immer wieder Erstaunenswert, was aus England an großartigen Einspielungen aus der Barockzeit zu bewundern gibt. Nach den besinnlichen Oratorien der Passionszeit ergibt sich für den Hörer wieder die Gelegenheit, zwei prächtige Jubel-Oratorien mit Pauken und Trompeten von J.S. Bach zu genießen. Eine kleine Hörprobe ist nachstehend beigefügt.

  Link:  Hörprobe BWV 249 – Part 3 Chor & Duett – Kommt, eilet und laufet

Bitte ein wenig Geduld aufbringen auf der Folgeseite, die Datei wird heruntergeladen!!

Wer diese CD erwerben wird, bekommt eine begeisternden Aufnahme in einer exzellenten Qualität.

Grüße

Volker

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den Sonntag: Palmarum/Palmsonntag


J.S. Bach-Büste im Schloss Köthen

Liebe Bach-Freunde !

Nach den Veröffentlichungen der BWV als PDF-Download im Blog stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung. Die Quellenangaben mit Musikbeispielen auf  “YouTube“ sind sehr ergiebig.

Eine inhaltliche Kantaten-Beschreibung zum BWV 182 von „Sir John Eliot Gardiner“ ist im Beitrag hinterlegt!

Am 17. April 2011 begehen wir den Sonntag „Palmarum / Palmsonntag“

Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der sich am Kreuz offenbaren würde.
Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger? Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer und Schriftgelehrten, die letztlch Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.

Am Sonntag Palmarum hören wir die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Er wurde von der Menge jubelnd begrüßt, sie schwangen Palmzweige und sangen ihm Psalmen. Aber wir wissen auch, dass Jesus erst durch das Kreuz zum König wurde, aber nun zum König über alle Gewalten und Mächte. Da er gehorsam ward bis zum Tod, empfangen wir durch ihn das Leben und freuen uns, einem solchen Herrn und König zu dienen, der sein Leben für die Seinen hingibt.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Für  den Sonntag  “Palmarum / Palmsonntag“ 

J.S. Bach – Kantate BWV 182 – „Himmelskönig sei willkommen“

Kantate für Soli, Chor und Orchester, BWV 182 (Palmsonntag oder zum Fest Mariä Verkündigung)

Gardiner Pilgrimage CD Vol.  21 – CD 2 

SDG 118 Vol.21

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Im Radio Live: „Bach-Kantate“

WDR3

Sonntag, 17.04.2011 von 09:05  – 10:oo Uhr

Live-Stream: http://www.wdr.de/wdrlive/media/wdr3.asx

oder: http://www.wdr.de/wdrlive/media/wdr3.m3u

Himmelskönig, sei willkommen, BWV 182, Kantate zum Palmsonntag für Alt, Tenor, Bass, Chor, Flöte, Streicher und Basso continuo; Kai Wessel, Altus; Christoph Prégardien, Tenor; Klaus Mertens, Bass;

Amsterdam Baroque Choir and Orchestra, Leitung: Ton Koopman

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/ YouTube: BWV 182 „Himmelskönig sei willkommen

1. Sonata
2. Coro: Himmelskönig, sei willkommen
3. Coro: So lasset uns gehen in Salem der Freuden

American Bach Soloists
Christine Brandes, soprano
Judith Malafronte, alto
Jeffrey Thomas, tenor
James Weaver, bass

Aldo Abreu, recorder
Katherine Kyme, violin
Lisa Weiss, violin
Anthony Martin, viola
George Thomson, viola
Sarah Freiberg, cello
Steven Lehning, violone
Michael Eagan, archlute
John Butt, organ

Jeffrey Thomas, Music Director

 

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Dazu ein Auszug aus Sir J.E. Gardiner’s Reisetagebuch „Palmsonntag“

zum BWV 182

……. Der Prince stellte sich pünktlich ein, und wir begrüßten ihn mit Thomas Arnes Arrangement für das Drury Lane Theatre von God Save the King (1745), das nicht in der üblichen schwerfälligen, trübsinnigen Manier gespielt wurde, sondern als luftiger, leichtfüßiger Passepied.

Das Stück war ein passendes Präludium zu der eleganten Sonate, mit der

Bach BWV 182 „Himmelskönig, sei willkommen“

eröffnet, das 1714 komponiert wurde, als Palmsonntag und Mariä Verkündigung zusammenfielen. Die Sonate wirkt wie die Miniaturausgabe einer französischen Ouvertüre, Solovioline und Blockflöte dialogisieren mit einer Pizzicato-Begleitung, die ein wenig an Jesu Eselritt nach Jerusalem erinnert. In dem magischen Augenblick, wenn die Streicher zum ersten Mal wieder coll’arco spielen und der Ton aufschwillt, spürt man noch einmal, was für eine Offenbarung die Begegnung mit der Musik seiner Zeitgenossen – Corelli, Vivaldi u.a. – für Bach gewesen sein muss.

Ein madrigalähnliches Willkommenslied für Chor (Nr. 2) – und, wie ich finde, eine idiomatische Verwendung von concertisten und ripienisten, wenn die Streicher und die Blockflöte einsetzen – deutet auf eine wachsende Menge hin, die sich einstellt, um Christus als Gottes Vertreterauf Erden willkommen zu heißen. Selten ist Bach auf eine so frische Weise unbeschwert. Die kammermusikähnlichen Proportionen des Werkes, seine Fröhlichkeit und Unbekümmertheit schienen für das Gebäude wie geschaffen. Nur ein Rezitativ ist vorhanden (Nr. 3), und es ähnelt eher einem Arioso, dafür gibt es drei aufeinander folgende und im Charakter gegensätzliche Arien, in der die Leidenszeit, die Christus bevorsteht, als Quelle geistlicher Inspiration behandelt wird, vom Bass (Nr. 4) und Tenor (Nr. 6), die Christus direkt ansprechen, vom Alt (Nr. 5), der alle Christen aufruft, den Heiland in der Weise zu begrüßen, wie es im Evangelium berichtet wird: ‚Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg. Die anderen hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg’.

Bach setzt in dieser langsamen und ausgedehnten Dacapo-Arie (mit geringfügig schnellerem B-Teil), deren sich windende, absteigende Phrasen andeuten, wie sich die Zweige neigen und die Menschen vor dem Heiland niederknien, eine einzelne Blockflöte gegen das Alt-Solo. Auf mich wirkte das wie eine musikalische Pietà, die Alt-Marienfigur, die den Heiland in ihren Armen wiegt – und wir fanden in der Nordwestecke der Kirche tatsächlich eine Pietà der englischen Bildhauerkunst. Die Tenor-Arie, von einer regen, zuweilen gequälten Continuolinie unterlegt (cis-moll in dieser transponierten Leipziger Fassung!) verweist auf eine Stimmung zu einem späteren Zeitpunkt während der Passion. Immer wieder abrupter Stillstand und Neubeginn – diese Abfolge deutet an, wie Jesus unter der Last des Kreuzes stolpert, während ihm seine Jünger auf dem langen Weg ‚durch Wohl und Weh’ nicht folgen können.

Die Kantate endet mit zwei Chören, der erste eine motettenähnliche Choralfantasie, die um Vulpius’ schöne Melodie (1609) des für Palmsonntag bestimmten Liedes gebaut ist, der zweite ein munterer Chortanz, der auf direktem Wege einer heiteren Oper dieser Zeit hätte entnommen sein können (und auch im Ersten Akt von TschaikowskysEugen Onegin nicht völlig fehl am Platze gewesen wäre). Dieser Tanz verlangt die Ausgeglichenheit eines Trapezkünstlers im Verbund mit der Agilität eines Madrigalgymnasten – und ist einfach faszinierend. In einer Kirche, die bis auf den letzten Platz mit einem so bunt gemischten Publikum besetzt war – der Prince of Wales, seine Stallmeister, sein Leibwächter, die Mimen seiner House-Party, Bach-‚Pilger’ aus London und Oxford, sogar jemand aus Japan –, spürte man noch mehr als sonst das Geheimnis einer Live-Aufführung von Bachs Musik, die offensichtlich Interpret wie Hörer gleichermaßen Nahrung gibt. Die erhebende Stimmung war zu fühlen.

© John Eliot Gardiner 2006

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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Wünsche allen Besuchern einen schönen Palmsonntag!

Grüße Volker