Konzert-Termine für die Passionszeit 2017 – Oratorien von Johann Sebastian Bach!
Liebe Bachfreunde(innen)
Wer in Deutschland einen Termin in 2017 für ein Oratorium in der Passionszeit von J. S. Bach sucht, kann unter dem nachstehenden Link exzellente Angaben mit Eintrittskarten bekommen.
J.S.Bach – Matthäus- Johannes Passion TICKETS, KONZERTKARTEN & EINTRITTSKARTEN J.S.Bach – Johannes- Matthäus Passion – Tickets jetzt im Vorverkauf sichern.
Eine sofortige Gesamt-Darstellung der Termine ist für Deutschland vorhanden.
Mit diesem Link von reservix ist eine spezielle Suche nach der „Johannes Passion“ für Deutschland möglich.
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Erstaunlich ist bereits die Aufführungsgeschichte dieser oratorischen Passion. 1727 in der Thomaskirche zu Leipzig uraufgeführt, geriet die Matthäuspassion nach Bachs Tod in nahezu hundertjährige Vergessenheit und wurde erst mit der durch Felix Mendelssohn-Bartholdy aufkommenden Bach-Renaissance 1829 – in gekürzter Version – wieder aufgeführt. Mit mehr als drei Stunden Aufführungsdauer und einer Besetzung von Solisten, zwei Chören und zwei Orchestern ist die Matthäus-Passion Bachs umfangreichstes und am stärksten besetztes Werk und stellt einen Höhepunkt protestantischer Kirchenmusik dar.
S.Nicolai Kirche Leipzig
Das prächtige episch-dramatische Werk entfaltet seine Breitenwirkung durch die doppelte Anlage von Chor und Orchester, bei der die Chöre vielfach miteinander einen Dialog führen. Eingerahmt werden die Teile des Werkes jeweils durch groß angelegte Eingangs- und Schlusschöre, von denen der überwältigende Eingangschor herausragt und ohne Parallele geblieben ist. Ein weiteres Element sind die vielfach kontemplativen Arien von überschaubarer Länge, die den Leidensweg Jesu veranschaulichen. Zwischen Rezitativen, Chören und Arien sind die Choräle eingebettet, die auf die dramatischen Höhepunkte der Handlung Bezug nehmen.
Am Samstag, 01. April 2017 wird um 18:00 Uhr in der Kirche St. Marien zu Lemgo die MatthäuspassionBWV 244 von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) erklingen.
Solisten, die Chöre der MarienKantorei Lemgo (mit den Kindern und Jugendlichen der großen Singschule), der Herforder Münsterchor (mit Kinder- und Jugendchor am Herforder Münster) und das Orchester „arcipelago“ auf historischen Instrumenten bringen diese mit Solisten, zwei Chören und zwei Orchestern am stärksten besetzte und mit über 150 Minuten Aufführungsdauer längste Passion von Johann Sebastian Bach unter der künstlerischen Leitung von Kantor Volker Jänig zur Aufführung.
Dirigent Volker Jaenig
Konzertkarten für die Matthäuspassion sind ab sofort unter
im Büro der MarienKantorei Lemgo, im Gemeindebüro St. Nicolai, in allen Geschäftsstellen der Lippischen Landeszeitung und bei Lemgo-Marketing erhältlich.
1. Aufführung unter der Leitung von Volker Jäning am 01.04.2017 um 18 Uhr in der Marienkirche Lemgo
Kategorie A (nur an der Abendkasse !):
Euro 12,–, Schüler, Studenten, Schwerbehinderte Euro 6,–
Rentner Euro 10,–
Kategorie B (auch im Vorverkauf, Restkarten an der Abendkasse):
Euro 13,– 20,– 25,– (Ermäßigung für
Schüler/Studenten/Schwerbehinderte um 5 €, Rentner um 3 €)
Eintrittskarten gibt es in vier verschiedenen Kategorien für 10, 18, 23 und 26 Euro (ermäßigt jeweils 3 Euro günstiger). Ermäßigungsberechtigt sind Schüler, Studenten und Erwerbslose (mit Nachweis, z.B. dem Bielefeld-Pass). Rollstuhlfahrer, die keinen Sitzplatz benötigen, sowie Menschen mit Behinderung (mit B im Ausweis) erhalten freien Eintritt. Die Begleitperson zahlt den vollen Preis.
Vorverkaufsstellen
Karten für unsere Konzerte gibt es auch an folgenden Vorverkaufsstellen
Tourist-Information im Neuen Rathaus
Niederwall 23, Telefon (0521) 51 69 99
Neue Westfälische
Niedernstraße 21-27, Telefon (0521) 555 444
Westfalenblatt
Oberntorwall 24, Telefon (0521) 529 9641
konTicket
Bahnhofstraße 15 (bei Karstadt im Erdgeschoss), Telefon (0521) 66100
sowie bei den Chormitgliedern.
Abendkasse
Restkarten können Sie ab 1 Stunde vor Konzertbeginn an der Abendkasse erwerben. Karten an der Abendkasse kosten jeweils 1 Euro mehr als im Vorverkauf.
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe, Radio-Programme mit Bach-Kantaten und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 19.02.2017 begehen wir den Sonntag “Oculi”
Der Name des Sonntags Okuli leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: “Okuli mei semper ad Dominum, quoniam ipse evellet de laqueo pedes meos” (Ps 25, 15;) Der Sonntag Okuli hat das Thema “Konsequente Nachfolge”. In diesem Thema klingt alles mit, was zum Thema Nachfolge von Bedeutung ist. Nicht unbedeutend ist in manchen Perikopen auch die Bereitschaft zum Verzicht auf weltliche Güter.
Der Sonntag Okuli steht im Mittelpunkt der Fastenzeit (die Heilige Woche ist hier ausgenommen), und als solcher sollte er auch begangen werden: es sollte eine Bekräftigung der Entscheidung zur Nachfolge stattfinden, und im Rahmen der Fastenzeit kann man vielleicht auch generell noch einmal auf verschiedene Möglichkeiten des Verzichtes eingehen. Die Stellung des Sonntags als Mittelpunkt der Fastenzeit vor der Heiligen Woche lädt auch dazu ein, das Leiden und Sterben Jesu, wodurch wir gerecht werden, vorweg zu erahnen. Denn dadurch ist ja auch unser Versuch, an diesem Leiden durch Verzicht auf etwas liebgewonnenes teilzuhaben, ohne Verpflichtung möglich. Der von uns geleistete Verzicht erfolgt aus freien Stücken und bringt uns keinen Gewinn bei Gott, aber für uns selbst.
Am Sonntag Okuli hören wir, dass die Nachfolge Jesu auch Verzicht auf die Reichtümer bedeutet, deren Gebrauch uns so selbstverständlich ist. Nachfolge bedeutet auch Einsamkeit, wenn das Wort, das wir befolgen, uns zwingt, gegen den Strom zu schwimmen. Das Blut Jesu Christi aber macht es uns leicht, auch diese Bürden der Nachfolge zu tragen.
Wochenspruch:
Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lk 9, 62)
Nikolaus Bruhns gehört zu einer Komponistengeneration in Deutschland, die zeitlich zwischen der Renaissance und dem Frühbarock im 17. Jahrhundert wirkte.
In diesem Spannungsfeld entstand eine Musik, die alt und neu sehr reizvoll zu verschmelzen wusste.
Die Kantate entstand als Trauermusik, wobei der genaue Anlass und die Entstehungszeit unklar sind. Textliche Basis sind die alttestamentlichen Psalmen 4 und 9. Besetzt ist die Kantate für Chor, Orchester und vier Solisten. Immer wieder taucht das musikalische Thema des ersten Satzes im Verlauf der gesamten Kantate auf.
Im ersten Satz wird zunächst der Tod als Schlaf dargestellt, doch die Todesruhe wird hoffnungsvoll aufgebrochen durch den Satz „Denn du allein, Herr, hilfest mir“ – der Chorpart ist an dieser Stelle viel lebendiger gestaltet. Der zentrale Gedanke der Kantate ist die Erlösung des Menschen….
Aufführungsort: Walpole St. Peter, Norfolkam 05.03.2000
BWV 54 – “Widerstehe doch der Sünde”
Kantaten für den Sonntag Oculi
Als nächstes folgte BWV 54“Widerstehe doch der Sünde”, eine Solokantate mit zwei Arien für tiefe Altstimme (der wunderbaren Nathalie Stutzmann geradezu auf den Leib geschrieben), vermutlich wie Himmelskönig im selben Jahr – oder ein Jahr später – für den Dritten Fastensonntag (Oculi) komponiert. Das Werk sieht ein fünfstimmiges Streicherensemble mit geteilten Bratschen vor und legt einen Text von Georg Christian Lehms zugrunde, der auf dem Brief an Jakobus basiert: ‚So seid nun Gott untertänig, widerstehet dem Teufel, so fliehet er vor euch’.
Die erste Arie ist überwältigend. Zweimal im Laufe eines Jahres beginnt Bach einen Satz mit einer schroffen Dissonanz, einem Dominantseptakkord über einem Orgelpunkt auf der Tonika (das zweite Mal in der Adventskantate BWV 61 Nun komm, der Heiden Heiland). Es ist ein Schocktaktik, die den Hörer aufhorchen lassen und warnen soll: ‚Widerstehe doch der Sünde, sonst ergreifet dich ihr Gift’. War das auch, so fragt man sich, seine Art, sich zwei Tage nach seiner Ernennung zum Concertmeister am Weimarer Hof einzuführen? Bach schafft eine Atmosphäre dringlichen, unbeirrbaren Widerstands gegen die verführerischen, beharrlichen Mächte des Bösen. Diese beschwört er in lyrischen Violinlinien herauf, die sich drehen und winden und ineinander 12verflechten, dann einen ganzen Takt lang in taumelnder Spannung verharren, bevor sie in eine scheinbare Ruhe taumeln, ein deutliches Symbol für die Gnadenfrist, die jenen gewährt wird, die sich der Sünde standhaft widersetzen.
Ein tödlicher Fluch (dargestellt durch zwei abrupte Neueinsätze der Bratschen auf der gleichen Dominantseptime) erwartet jene, die den Willen zum Widerstand verlieren. Und für den Fall, dass jemand nicht richtig aufgepasst hat, behält Bach das mächtige, hartnäckige Pulsieren des Akkords unverändert bei. Von den zweiunddreißig Achteln der vier Anfangstakte sind nur vier Konsonanzen, alle übrigen sind Dissonanzen, zwölf davon Akkorde aus fünf Noten!Das sich anschließende Rezitativ reißt der Sünde die Maske vom Gesicht, sie erweist sich bei näherem Hinsehen als ‚leerer Schatten’. Sie ist auch ‚als wie ein scharfes Schwert, das uns durch Leib und Seele fährt’.
Die zweite Arie ist als vierstimmige Fuge angelegt, deren einschmeichelndes chromatisches Thema und ein langes, verzerrtes Gegenthema die listigen Fesseln des Bösen beschreiben. War das wirklich der Schluss des Stückes oder haben wir irgendwo unterwegs einen Choral verloren, wenn nicht ganz am Ende, dann vielleicht als Cantus firmus, als musikalische Überschrift der Fuge? Mir fällt auf, dass Bach genau einen solchen Kunstgriff (Strophen von Paul Gerhardts Choral ‚Warum sollt’ ich mich denn grämen’) in seiner doppelchörigen Motette BWV 228 Fürchte dich nicht einsetzt, die offensichtlich auch um diese Zeit entstanden ist. Beide Fugen überraschen mit einer absteigenden chromatischen Figur zu Beginn. Noch erstaunlicher ist die Ähnlichkeit des Gegenthemas mit dem Thema im letzten Satz von BWV 63 Christen, ätzet diesen Tag, das für Weihnachten 1714 in Weimar geschrieben wurde. Nehmen wir einen Augenblick an (und hier will sich selbst der große Alfred Dürr nicht festlegen), Widerstehe sei im folgenden Jahr entstanden; könnte es sein, dass Bach sein weihnachtliches Flehen um Gnade (‚Höchster, schau in Gnaden an diese Glut gebückter Seelen!’ ) in der Kantate der Fastenzeit wiederholt, um die verführerische Schönheit der Sünde (‚von außen wunderschön’), die eine Erfindung des Teufels ist, für null und nichtig zu erklären?
Das Bachfest 2017 steht unter dem Motto ““EIN SCHÖN NEW LIED” – MUSIK UND REFORMATION
Martin Luther sah in „Frau Musica“ eine göttliche Kunst, da sie den Teufeln zuwider sei. Entsprechend stellte er die Musik in eine Reihe mit der Theologie, erhob das deutschsprachige geistliche Lied zu einem festen Bestandteil des reformatorischen Programms und hielt ließ es Eingang in den Gottesdienst finden. Häufig als „schöne newe Lieder“ betitelt, verbreitete sich das neue reformatorische Liedrepertoire rasant….
Der Ticketverkauf für das Bachfest Leipzig 2017 beginnt seit dem 14. Oktober 2016.
J.S. Bach Cantata – BWV 54 “Widerstehe doch der Sünde” zum Sonntag Okuli für Altus, Sreicher und Continuo.
Die DVD enthält die Filmaufnahmen der kompletten Kantate, den Einführungsworkshop sowie die Reflexion des Referenten. Zudem beinhaltet die DVD das Filmportrait der J. S. Bach-Stiftung.
Die Achtzehn Choräle von verschiedener Art, auch Leipziger Choräle stellte Johann Sebastian Bach in seinen letzten Lebensjahren zusammen mit der Absicht, sie zu drucken. Diese Sammlung enthält Choralbearbeitungen für Orgel mit zwei Manualen und Pedal.
Bach wählte Sätze aus ganz verschiedenen Lebensperioden aus – die meisten dürften bereits in Weimar entstanden sein. In vielen Fällen gibt es mehrere ältere Lesarten, beispielsweise sind die beiden letzten Sätze auch im Orgelbüchlein enthalten; nicht immer weichen diese Frühformen so weit von der Endfassung ab, dass sie eigene BWV-Nummern erhielten.
Wie immer schrieb Bach nicht nur ab, sondern nutzte die Gelegenheit zu zahllosen Detailverbesserungen. Das Manuskript beginnt in fester, sicherer Schrift, die aber – wohl wegen Bachs Augenleiden – zunehmend unsicher und zittrig wird. Die letzten drei Sätze wurden von Bachs Schwiegersohn Johann Christoph Altnikolgeschrieben; laut der Vorrede der Kunst der Fuge nach Diktat.
Der letzte Choral, Vor deinen Thron tret’ ich hiermit ist wohl am bekanntesten; er wurde unter dem Namen Wenn wir in höchsten Nöten sein von den Herausgebern in die Kunst der Fuge integriert und wird bis heute manchmal als deren Abschluss gespielt.
J. S. Bach BWV 656 Orgel-Choral „O Lamm Gottes, unschuldig“
Diese Orgelanordnung ist ein Spiel der Wiederholung und Unterbrechung, für die die Struktur des Chorals selbst hervorragend geeignet ist. „O Lamm Gottes, unschuldig“ ist eine deutsche Paraphrase des Agnus Dei, der letzte Abschnitt der lateinischen Messe. In drei Strophen erzählen die Worte, wie Christus am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist.
an jährlich vier Bach-Wochenenden (Donnerstag, Freitag & Sonntag) und in ergänzenden Sonderkonzerten das gesamte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach auf. Die geistlichen Kantaten erklingen dabei im Zusammenhang mit ihrer ursprünglichen Bestimmung im Kirchenjahr.
Auf der Webseite zum Projekt finden Sie alle Informationen rund um Termine, Karten, Künstler:
Professionelle Qualität in Bild und Ton: Jede Woche kommt ein Chorsatz, eine Arie oder ein Choral hinzu! So können Sie mit Bach:vokal verbunden bleiben, auch wenn gerade kein Konzert ansteht.
Unter dem nachstehenden Link sind veröffentlichte Videos auf YouTube einsehbar..!!
ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er schrieb sie in Leipzig für den zweiten Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 18. Juni 1724 zum ersten Mal auf.
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“Ich wünsche allen Besuchern einen schönen Sonntag”
ALL OF BACH veröffentlicht – Präludium und Fuge b-Moll BWV 867 (Das Wohltemperierte Klavier, I. Teil)
Präludium und Fuge b-Moll, BWV 867, bilden ein Werkpaar im 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers, einer Sammlung von Präludien und Fugen für Tasteninstrumente von Johann Sebastian Bach.
Orgelpunkte, frei einsetzende Dissonanzen, ostinater Rhythmus und vollstimmiger Satz kulminieren im drittletzten Takt auf einer Fermate mit neunstimmig gesetztem vermindertem Septakkord. Dies alles summiert sich zum Affekt gewichtigen Ernstes und pathetischer Würde. Das Präludium wird üblicherweise in sehr langsamem Zeitmaß, piano und in weich konturiertem Rhythmus gespielt. Möglich und vertretbar, vor allem auf dem Klavier, ist aber auch ein Vortrag in ruhigem Viertelpuls und im Forte, verbunden mit rhythmischer Strenge.
Das Stück enthält 24 Takte; die Mitte wird durch die dünnstimmig gesetzten Takte 13 bis 15 deutlich hervorgehoben. Nach dem ersten Achtel in Takt 20 setzt ein intendiertes Crescendo ein, das Bach vor allem durch zunehmende Stimmenzahl realisiert.
Diese Fuge und diejenige in cis-Moll aus dem 1. Teil sind die einzigen fünfstimmigen Beispiele aus dem Wohltemperierten Klavier. Das Notenbild suggeriert hier eine Nähe zum stile antico, die allerdings durch den nach einer Pause eintretenden Nonensprung innerhalb des Themas relativiert wird. Das Thema endet nicht beim Einsatz des Comes, sondern reicht über diesen hinweg, bis zum Beginn von Takt 4.
In der Exposition wird das Thema in fünf Stimmen von oben (Sopran) nach unten (Bass) bis Takt 18 eingeführt. Nachdem in Takt 25 die Paralleltonart Des-Dur erreicht ist, folgt eine Durchführung mit vier dicht aufeinander folgenden Themeneinsätzen; der fünfte Themeneinsatz erfolgt bei der Kadenz nach As-Dur in Takt 37, in der Mitte der Fuge. Die Takte 50 bis 53 suggerieren wiederum eine mehrfache Engführung; doch auch diese ist nur vorgetäuscht, da jeweils nur der Themenbeginn wiederholt wird. Erst ab Takt 67 erklingt als Höhepunkt eine tatsächlich fünffache Engführung – vermutlich einzigartig in Bachs gesamtem Fugenschaffen.
ALL OF Bach veröffentlichte das Orgelwerk BWV 527 „Trio-Sonate 3 d-Moll“
„Einfache Konversation“
Bachs einfachste Trio-Sonate ist ein großartiges Duett.
Sätze
Andante 2/4 d-Moll
Adagio e dolce 6/8 F-Dur
Vivace 3/8 d-Moll
Bach verwendete den langsamen Satz später als Mittelsatz für sein Tripelkonzert (BWV 1044) und fügte dazu eine vierte Stimme hinzu. Unabhängig davon bearbeitete Wolfgang Amadeus Mozart später den gleichen Satz für Streichtrio.
Zu den Ohren des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts – Komponisten wie Mattheson, Rousseau und Schubart, der Schlüssel von d-Moll vertreten Melancholie, Hingabe, Feierlichkeit und Ernst. Und Bach mußte ähnliche Ideen haben, da die Eröffnung dieser Sonate in d-Moll einen unsicheren und nachdrücklich andanten Klang hat. Nach diesem vorläufigen Start startet Bach ins Experimentieren, indem er fast immer die Motive jongliert und nach neuen Schlüsseln sucht.
Das ganze Stück ist wie ein einfaches Gespräch zwischen den beiden Oberteilen aufgebaut, begleitet von einem Kontinuums Bass. Die Adagio (die Komposition wurde später Adagio e dolce) scheint ein elegantes, unkompliziertes Flötenduett zu sein. Bach verwendete es selbst in seinem Konzert in a-Moll, BWV 1044, und Mozart benutzte es in seinem String-Trio, KV 405a.
Der letzte Satz, ein üppiger Vivace, macht auf jeden Fall mehr technische Anforderungen an den Organisten. In ihrer Form ähnelt diese zweiteilige Fuge einem Rondo, mit einem Katalog von Nachahmung von Triplet-Figuren, die von Teil zu Teil springen, zwischen den Wiederholungen des Themas.
Orgel Diese Aufnahme wurde auf der berühmten Müller-Orgel im Dom von Saint Bavo in Haarlem gemacht. Es ist ein ganz besonderes Instrument von 1738. Sowohl Georg Friedrich Händel als auch Wolfgang Amadeus Mozart reisten nach Haarlem, um diese Orgel zu spielen! Händel freute sich besonders über das ungewöhnliche Vox Humana Register. Die Orgel hat über 5000 Pfeifen, geteilt über 64 Register, mit drei Handbüchern und einem Pedal.
Um 1727-1730 führte Bach ein neues Orgel-Genre ein: die Trio-Sonate. Diese Art von Sonate – mit zwei melodischen Instrumenten und Bass, oder Solist und Keyboard – war schon lange in der barocken Kammermusik, aber die drei Teile waren noch nie zuvor auf einem Instrument zu hören. Durch eine schlaue Registrierung ist es möglich, eine Fülle von Klängen auf der Orgel zu erreichen, aber das ist nur der Anfang, da die sechs Sonaten als äußerst schwierig angesehen werden. Schweitzer sagt zum Beispiel, dass „diejenigen, die diese Sonaten gründlich praktiziert haben, in der alten oder der modernen Orgelliteratur keine Probleme mehr haben werden. […] Er hat absolute Präzision in seinem Spiel erreicht – der ultimative Zustand der wahren Orgelkunst. In diesem komplizierten Trio-Stück ist auch die kleinste Unregelmäßigkeit mit schrecklicher Klarheit zu hören. „
Biograph Forkel bemerkte, dass Bach die Sammlung (oder aus dem früheren Material transkribiert) für die Studien von Wilhelm Friedemann, die er „so trainiert, und er wurde später der große Organist“. Vielleicht ist dieser Kontext auch der Grund dafür, dass er hier und da den italienischen Konzertstil galantisch berührt, inspiriert von den Opern in Dresden, von denen Friedemann anscheinend ein großer Fan war. Die Sonaten blieben für eine lange Zeit einflussreich, auch auf dem jungen Mendelssohn zum Beispiel. Ungeachtet seiner Kammermusik Ursprünge, ist dies Out-and-out-Keyboard-Musik, mit einer einzigartigen Interaktion zwischen beiden Händen. Die fast endlose Variation der Form macht die Kollektion zu einer eigenen Welt.
BWV 527 Titel Sonate Nr. 3 in d-Moll Genre-Orgel-Arbeit (Trio-Sonate) Serie sechs Sonaten Jahr 1727-1732 Stadt Weimar / Leipzig
Besonderer Hinweis: Bach arrangierte den zweiten Satz für das Konzert in a-Moll für Flöte, Violine und Cembalo, BWV 1044.
Raphaël Pichon & Ensemble Pygmalion gelingt eine überragende Aufführung der „Matthäus Passion“ BWV 244 von J.S. Bach
Die Matthäus-Passion, BWV 244, ist eine oratorische Passion von Johann Sebastian Bach. Der Bericht vom Leiden und Sterben Jesu Christi nach dem Evangelium nach Matthäus bildet das Rückgrat. Ergänzt wird er um eingestreute Passionschoräle und erbauliche Dichtungen von Picander in freien Chören und Arien. Die Matthäus-Passion und die Johannes-Passion sind die beiden einzigen vollständig erhaltenen authentischen Passionswerke von Bach. Mit über 150 Minuten Aufführungsdauer und einer Besetzung von Solisten, zwei Chören und zwei Orchestern ist die Matthäus-Passion Bachs umfangreichstes und am stärksten besetztes Werk und stellt einen Höhepunkt protestantischer Kirchenmusik dar. Die Uraufführung fand am 11. April 1727 in der Thomaskirche in Leipzig statt. Nach Bachs Tod geriet das Werk in Vergessenheit. Die Wiederaufführung in einer gekürzten Version unter Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1829 leitete die Bach-Renaissance ein.
Dieses Konzert würdigt die Opfer der Brüsseler Terrorangriffe vom 22. März 2016. Raphaël Pichon leitet Bachs Matthäus Passion, eines der ikonischsten und monumentalen Werke des westlichen heiligen Repertoires an der Chapelle Royale du Château de Versailles. Diese Veranstaltung enthält Julian Prégardien, Stéphane Degout, Sabine Devieilhe und das Ensemble Pygmalion.
Raphael Pichon(30) stammt aus Paris. Foto: Jean Baptiste Millot
Bachs Heilige Matthäus-Passion ist ein monumentales musikalisches Werk: zwei Chöre, zwei Orchester, vier Solisten und ein Erzähler, der Matthäus den Evangelisten verkörpert. Aber jenseits der außerordentlichen Massen-Klangfülle ist es die dramatische Spannung der Erzählung der Passion, die die Zuschauer während dieses dreistündigen Oratoriums festhält.
Die Heilige Matthäus-Passion erforscht das ganze Spektrum der menschlichen Leidenschaften und scheint sie in einem archetypischen musikalischen Ausdruck zu sublimieren, wie die Arie „Erbarme dich“ zeigt. Wahrscheinlich die bekannteste Arie der ganzen Partitur, „Erbarme dich“ drückt bewundernswert die Reue und Trauer des Petrus, des Apostels aus, als er sich an das Wort Jesu erinnerte, das zu ihm gesagt hatte: „Bevor der Hahn kräht, wirst du mich drei verleugnen mal.‘ So ging er hinaus und weinte bitterlich „(Matthäus 26:75). Die melodischen Linien des Duetts, die sich aus der Violine und dem Solisten zusammensetzten, deutete Petrus plötzliche Vergebung und schließlich seine Hoffnung auf Erlösung.
J. S. Bach BWV 244 Matthäus Passion, Raphael Pichon, Recording from 26. März 2016 Chapelle royale du Château de Versailles.
Zwischen dem ersten Teil und dem zweiten Teil der Matthäuspassion klingt eine Vokalwerk von Jacobus Gallus (1550-1591) „Ecce quomodo moritur justus“
Es ist eine neue Aufnahme von dem jungen französischen Dirigenten, Raphaël Pichon, die mich sofort gefesselt und inspiriert hat. Sie strahlt „Frische und Eleganz“ aus. Es ist wunderbar, dass wieder ein junger Bach-Interpret die Bühne betritt und für Furore sorgt. Diese Leichtigkeit, Beschwingtheit der Chöre begeistert. Hier ist keine Steifheit zu bemerken wie sie bei manchen Interpreten oft vorkommt. Ein so selten befreiter Chor verdiente dafür allein schon die würdigende Höchstwertung. Das Orchester, bestückt mit „Historischen Instrumenten“, spielen in einer Eindringlichkeit und Beseeltheit, die fesselt und bewundernswert ist.
Hier erscheint ein neue Stern am Horizont der Bach-Interpreten. Ich prophezeie dem Jung-Interpreten Raphaël Pichon eine großartige Zukunft!
ALL OF Bach veröffentlicht die Solo-Kantate für Alt – BWV 170 „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“
„Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“(BWV 170) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, eine Solokantate für Alt.
Nehmen Sie jede CD von gesammelten Alt-Arien und – Sie finden die erste Arie von „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ darauf. Bei einer ersten Anhörung ist es ein ‚Classic FM‘ Stück, und es singt von angenehmer Ruhe. „Allerdings“, sagt Alt-Solist Alex Potter, „Bach ist mehr als das. Er zeigt, wie dieser himmlische Frieden mehr ein Ehrgeiz ist als eine Leistung. Sie hören es zum Beispiel in der Aufregung der Sechzehnteln, die zeigt, dass Adams Fluch noch wahr ist: die Sündhaftigkeit des Fleisches ist immer vorhanden. Es ist kein Zufall, dass diese Kantate wahrscheinlich um die Kommunion herumgeführt wurde; Der Teil des Gottesdienstes, der die Verbindung zwischen Christus und der Gemeinde erneuert „.
In der zweiten Arie wird die Sängerin – (Countertenor) von einer Solo-Orgel begleitet, die eine Seltenheit in den Bach-Kantaten ist. Hier identifiziert sich der Sänger mit dem Verehrer und beklagt die vielen bösen Herzen in der Welt. Die Orgel unterstützt ihn mit kurzen Seufzern. „Es gibt zahlreiche Herausforderungen. Ich muss meine Koloraturen (lange, virtuose Linien auf einer Silbe) im Tempo mit dem Organisten halten und gleichzeitig den richtigen Ausdruck finden. Und ich muss es tun, ohne in sinnlose Virtuosität zu verfallen. „Rach und Hass“ sind Worte, die du nicht einfach nett singen kannst „.
Die abschließende Arie, ‚Mir ekelt mehr zu leben‘, sollte metaphorisch eher als buchstäblich interpretiert werden, laut Alex Potter. „Es geht nicht um einen direkten Wunsch zu sterben, sondern um den Wunsch, das Fleisch sterben zu lassen, um Gott näher zu kommen. Die eher falsche Orgelbegleitung könnte die Eitelkeit der Welt darstellen. Bedeutend wählte Bach hier für die rhythmische Struktur des Bourree – ein höfischer Tanz“.
Lage und Orgel
Diese Aufnahme wurde in der Wallonischen Kircheim Herzen von Amsterdam gemacht. Nicht nur die Kirche hat eine gute Akustik, sondern auch eine Wallfahrtsstätte für Organisten wegen ihrer Müller-Orgel aus dem Jahre 1739.
Organist Leo van Doeselaar: „Dies ist eines der schönsten kleinen Barock-Orgeln in den Niederlanden. Gustav Leonhardt war der Organist an der Wallonischen Kirche von 1959 bis 1982. Er hatte die Orgel in den ursprünglichen Zustand schon in den 60er Jahren wiederhergestellt. Es ist eine echte Pionier-Orgel „. Für diese Aufführung verwenden wir eigentlich diese „große“ Orgel. Eine Kastenorgel ist ein Anachronismus, der in Bachs Tag nie benutzt wurde.
„In Bachs Kirchenmusik spielte die große Kirchenorgel immer die Continuo-Parts. Grundsätzlich hatte es die gleiche weiche Anmeldung wie eine Kastenorgel, aber die viel breiteren skalierten Pfeifen der Kirchenorgel bilden einen bedeutungsvolleren Bestandteil des Timbre eines barocken Ensembles. Für Choräle und Chöre der Barockzeit wurden stärkere Register benutzt und die Bassline auf dem Pedal gespielt, mit einem 16-Fuß-Kontrabassregister. Die Tatsache, dass es noch nie so gemacht wurde, ist eigentlich eine der unbeabsichtigten Verfälschungen des historischen Klangansatzes „, sagt Organist Leo van Doeselaar.
Die Kantate gliedert sich in fünf Teile:
Arie: Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust
Recitativo: Die Welt, das Sündenhaus
Arie: Wie jammern mich doch die verkehrten Herzen
Recitativo: Wer sollte sich demnach wohl hier zu leben wünschen
ALL OF BACH veröffentlicht am 24.02.2017 die Motette – BWV 159 Anhang „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“
„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ – BWV Anh. 159, ist eine Motette für den Doppelchor. Das jüngste Stipendium nimmt Johann Sebastian Bach als Komponist an, der ihn während seiner Weimarer Zeit um 1712 schrieb.
Das Stück, wie es seit der Wiederentdeckung der Sammlung Altbachisches Archiv im Jahr 1999 bekannt ist, enthält zwei Bewegungen, eine für den Doppelchor auf der Grundlage eines Textes aus dem Buch Genesis, in dem der Patriarch Jakob Gott um einen Segen bittet, gefolgt von einem schließenden Chor . Der erste Satz ist bekannt als eine Partitur ohne Autor, teils in J. S. Bachs Handschrift.Das Werk wurde Johann Christoph Bach seit dem 19. Jahrhundert zugeschrieben, während andere mit Philipp Spitta diese Attribution bezweifelten.Der Choral ist von J. S. Bach und wurde im Jahre 1802 hinzugefügt, als die Motette zuerst gedruckt wurde.
Aber ist es Bach?
„Eines der schönsten Stücke deutscher Kirchenmusik“ ist für uns immer noch ein Rätsel.
Das ist die traurige Sache über das Zählen, oder darüber, wie eine Katalognummer unsere musikalische Wahrnehmung beeinflusst. Wie schön, die Motette Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn schmachtet in der kompletten Liste von Bachs Werken unter den „falsch zugeschriebenen Werken“. Der Kandidatenkomponist in dieser Liste ist Johann Christoph Bach (1642-1703). Schade, aber nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass auch Carl Philipp Emanuel, der kurz nach dem Tod seines Vaters ein Inventar machte, das Holz nicht mehr für die Bäume sehen konnte. Ihm zufolge hatte sein Vater „einige Motetten für Doppelchor“ geschrieben. Es scheint, dass er seine Liste kompiliert hat, ohne genau zu wissen, welche Motetten sie waren. Die folgenden Jahrzehnte führten noch mehr Verwirrung. Trotz seiner Zweifel wollte ein Fachmann noch die feine Arbeit, die als „Bach“ veröffentlicht wurde, neben den sechs Motetten, die von allen als authentisch angenommen wurden, sehen. Was auch immer der Fall ist, die beiden Quellen für „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ sind zweifellos zweideutig, also lohnt es sich, die Notizen genau zu betrachten.
Ob es unterschrieben ist oder nicht, diese Arbeit ist von höchster Qualität. Nehmen Sie die außergewöhnliche Wirtschaft des Stückes zum Beispiel. Ein einziger Satz entsteht ein einzigartiges und abwechslungsreiches Stück für Doppelchor in zwei Abschnitten. Zuerst hören wir ein Anruf- und Response-Spiel auf einem siciliano-Rhythmus, der jeden Aspekt des Textes aussortiert. Hören Sie die harmonische Spannung bei der Betonung der vorangegangenen und konsequenten Phrase, auf die Art und Weise „mein Jesu“ manchmal klingt wie eine Dekoration und manchmal wie ein Ausruf (vor allem die letzteren), oder auf die Art und Weise ’nicht‘ wird ein fast flehentliches Echo gegeben Wirkung, wie die Diskussion fortschreitet.
Im zweiten Abschnitt überspannt der Komponist seine Zeitgenossen weit. Obwohl es in Thüringen populär war, einen „cantus firmus“ zu dekorierten in den unteren Stimmen zu präsentieren, wissen wir eigentlich nur ein weiteres Beispiel einer kompletten polyphonen Begleitung zu einem solchen „cantus firmus“: Bachs Motette „Fürchte dich nicht“, BWV 228. Nur die Motive „Ich lasse dich nicht, nicht“ und eine ausgedehnte „sehnlichste“ dienen als transparente Fundament unterhalb der Hymne ‚Weil du mein Gott und Vater bist“; These und Beweis in einem. Das war eines der größten Hits von Bach.
Motetten, BWV 225-231, 118 und Anhang BWV 159
Kantaten waren Bachs tägliches Brot und ein regelmäßiger Teil seiner wöchentlichen Aufgaben als Cantor von St. Thomas. Seine Motetten waren ganz anders. Abgesehen von der Kantate wurde in Leipzig kaum eine neue Musik gespielt (stattdessen wurde die Musik aus der Motettsammlung Florilegium Portense ausgewählt). Dies gab Bach Umfang für schriftliche Auftragsarbeiten für private Anlässe, oft Beerdigungen. Leider sind wahrscheinlich Dutzende dieser Werke verloren gegangen. Die Stücke, die überlebt haben, sind seit ihrer Komposition im Repertoire geblieben, im Gegensatz zu Bachs anderen Vokalwerken.
Die überlebenden authentischen Motetten – neun Werke, obwohl die Forschung weiter – bauen auf einem Genre mit einem beeindruckenden Stammbaum. Vor dem Hintergrund der strengen Renaissance-Polyphonie entlehnte die Generation von Schütz (1585-1672) Elemente aus den opulenten, polychoralen Werken von Giovanni Gabrieli und gab ihnen eine mitteldeutsche, lutherische Torsion. Auch in Bachs Fall konzentrierte sich der Inhalt auf Choräle und biblische Passagen, wobei der weltliche Madrigalismus (oder einfach nur die Darstellung der Worte) nur den Ausdruck des religiösen Genres verstärkte.
BWV Anhang 159
Titel
„Ich lasse dich nicht“
Genre:
Motette
Jahr
Vor 1713
Stadt
Weimar?
Texter
Genesis 32:27, Chor von Erasmus Alber (1557)
Orlanda Velez Isidro, Klaartje van Veldhoven, Griet de Geyter, Aleksandra Lewandowska, Marjon Strijk, Hilde van Ruymbeke, Stephanie Pfeffer, Marta Paklar
Alto
Barabás Hegyi, Gemma Jansen, Elena Pozhidaeva, Bernadett Nagy, Marine Fribourg, Victoria Cassano McDonald
Tenor
Adriaan de Koster, Wolfgang Frisch, Guy Cutting, Diederik Rooker, Immo Schröder, Ronald Threels
Bass
Matthew Baker, Sebastian Myrus, Pierre-Guy Le Gall White, Martijn de Graaf Bierbrauwer, Michiel Meijer, Jelle Draijer
In Memoriam Karl Richter, gestorben am 15. Februar 1981 in München!
Karl Richter * 15. Oktober 1926 in Plauen; † 15. Februar 1981 in München – war ein deutscher Dirigent, Chorleiter, Organist und Cembalist.
Von 1953 bis zu seinem Tod war Karl Richter einer der weltweit bekanntesten Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels.
Karl-Richter (1926-1981) Bach-Interpret in München!
Weniger bekannt ist, dass Richter auch Werke anderer Komponisten aufgeführt und eingespielt hat, beispielsweise von Joseph Haydn, Johannes Brahms, Anton Bruckner oder Antonín Dvořák. Sein Stil war geprägt von Expressivität und impulsiver Musizierfreude. Die Musikkritiker bemängelten gelegentlich Richters „romantisierende“ Bach-Interpretationen oder den Einsatz stark besetzter Chöre. Die gleichzeitig aufkommende historische Aufführungspraxis mit Originalinstrumenten interessierte Richter nicht besonders, auch wenn er sich gelegentlich daran versuchte. Letztlich blieb er seinem Stil bis zu seinem Tod treu.
Schon im Alter von 30 Jahren wurde Karl Richter das Amt als Thomaskantor in Leipzig angeboten. Doch Richter lehnte ab. Er sagte dazu später: „Es wäre die Krönung meiner Karriere gewesen.“ Aber ich habe in München etwas aufgebaut, was ich nicht mehr aufgeben kann.
Karl Richter ist es zu verdanken, dass in den 1950er-Jahren Schallplattenaufnahmen mit klassischer Musik einem breiten Publikum bekannt gemacht wurden. Die erstmalige Einspielung der Matthäus-Passion bei der „Archiv“-Produktion 1958 erlangte unter Verwendung eines mächtigen Chores viel Aufmerksamkeit. Diese Aufnahme auf einer LP-Kassette wurde in den folgenden sieben Jahren 50.000 Mal verkauft. 1964 folgte die Einspielung von Bachs Johannes-Passion. 1980 kam eine weitere Einspielung der Matthäus-Passion mit dem Münchener Bach-Chor und dem Schallplatten-Label „Deutsche Grammophon“ heraus.
Richter hatte zu seinen Lebzeiten bei seinen Hörern zahlreiche Fans. John F. Kennedy war einer von ihnen. Am 22. November 1965 gab Richter in der Philharmonic Hall in New York das offizielle Kennedy-Gedächtnis-Konzert, exakt zwei Jahre nach der Ermordung des US-Präsidenten. Richter leitete 1968 in Moskau und Leningrad Aufführungen der Johannes-Passion und der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Seine Interpretation des 2. Brandenburgischen Konzertes führt den musikalischen Teil der Schallplatte Voyager Golden Record an, die als Botschaft der Menschheit an Bord der Sonden Voyager 1 und Voyager 2 unser Sonnensystem verlassen hat.
Richter starb 1981 im Alter von 54 Jahren an Herzversagen in einem Hotel in München. Er wurde auf dem Friedhof Enzenbühl (FG 81163) in Zürich beerdigt. Im Gedächtniskonzert für Karl Richter am 3. Mai 1981 dirigierte sein Freund Leonard Bernstein den Münchener Bach-Chor und das Bach-Orchester im Herkules-Saal der Münchener Residenz.
The Legacy of Karl Richter 1
The Legacy of Karl Richter 8
Karl Richter in München – Zeitzeugen erinnern sich!
ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach die Kantate – BWV 75 „Die Elenden sollen essen“
„Die Elenden sollen essen“(BWV 75) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie für den 1. Sonntag nach Trinitatis und führte sie in Leipzig in der Nikolaikirche am 30. Mai 1723 zum ersten Mal auf. Bach trat damit seinen Dienst als Kantor in Leipzig an und begann seinen ersten Jahreszyklus von Kantaten.
Bach komponierte die Kantate für seinen Amtsantritt als Kantor in Leipzig am 1. Sonntag nach Trinitatis, dem 30. Mai 1723. Er begann damit ein Projekt, für alle Anlässe des Kirchenjahres neue Kantaten zu komponieren.
Die Partitur ist besonders säuberlich auf Papier geschrieben, das nicht aus Leipzig stammt, daher ist anzunehmen, dass Bach das komplexe Werk in 14 Sätzen bereits in Köthen komponierte.
Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren 1 Joh 4,16–21 LUT, „Gott ist Liebe“, und Lk 16,19–31 LUT, das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus. Der unbekannte Dichter nimmt einen Psalmvers, Ps 22,27 LUT, der das Bild des Essens anspricht, zum Ausgangspunkt und verknüpft dadurch das Evangelium mit dem Alten Testament, wie später auch die Kantate Brich dem Hungrigen dein Brot, BWV 39, mit einem Zitat aus dem Alten Testament beginnt. Der Dichter geht im ersten Teil des Werkes, der aus sieben Sätzen besteht, auf den Gegensatz von Reichtum und Armut ein. In einem symmetrisch gebauten zweiten Teil aus ebenfalls sieben Sätzen, nach der Predigt zu musizieren, vertieft er das Thema zu Gedanken über geistliche Armut und geistlichen Reichtum: „Jesus macht mich geistlich reich“ und „O Armut, der kein Reichtum gleicht!“. Beide Teile werden mit je einer Strophe des Chorals Was Gott tut, das ist wohlgetan von Samuel Rodigast beschlossen, der erste Teil mit der zweiten, der zweite Teil mit der sechsten Strophe.
Eine Leipziger Chronik, „Acta Lipsiensium academica“, berichtete über das auch soziale Ereignis: „… führte … Hr. Joh. Sebastian Bach … mit gutem applauso seine erste Music auf“.
Den Satz des Schlusschorals verwendete Bach in erweiterter Form nochmals in der Kantate „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (BWV 100).
Die Kantate ist besetzt mit vier Solisten, Sopran, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigem Chor, Trompete, zwei Oboen, Oboe d’amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo mit Fagott.
Teil I
1. Coro: Die Elenden sollen essen 2. Recitativo (Bass): Was hilft des Purpurs Majestät 3. Aria (Tenor): Mein Jesus soll mein alles sein 4. Recitativo (Tenor): Gott stürzet und erhöhet 5. Aria (Sopran): Ich nehme mein Leiden mit Freuden auf mich 6. Recitativo (Sopran): Indes schenkt Gott ein gut Gewissen 7. Choral: Was Gott tut, das ist wohlgetan
Teil II
8. Sinfonia 9. Recitativo (Alt): Nur eines kränkt 10. Aria (Alt): Jesus macht mich geistlich reich 11. Recitativo (Bass): Wer nur in Jesu bleibt 12. Aria (Bass): Mein Herze glaubt und liebt 13. Recitativo (Tenor): O Armut, der kein Reichtum gleicht! 14. Choral: Was Gott tut, das ist wohlgetan
In beiden Teilen wechseln Rezitative und Arien ab und werden mit einem Choral beschlossen, nur beginnt Teil II nicht mit einem Chorsatz, sondern mit einer instrumentalen Choralphantasie.
Bach eröffnet die Kantate bedeutungsvoll im Stil einer französischen Ouvertüre. Ein Jahr später wählte er eine ähnliche Form, um seinen zweiten Kantatenzyklus von Choralkantaten mit „O Ewigkeit, du Donnerwort“, BWV 20, zu beginnen. Wie Alfred Dürr beobachtet, kann die Folge eines langsamen Teils in scharf punktiertem Rhythmus und einer lebhaften Fuge auch als Präludium und Fuge angesehen werden. Der erste Teil behandelt in der Art einer Motette zwei Textabschnitte unterschiedlich, durch ein Zwischenspiel getrennt. In der Titelzeile wird das Wort die Elénden nach alter Art auf der zweiten Silbe betont. Die Fuge behandelt in drei Durchführungen, wieder durch Zwischenspiele unterteilt, den Text „Euer Herz soll ewiglich leben“.
Vier der Rezitative sind secco, nur vom continuo begleitet, aber jeweils das erste Rezitativ eines Teils ist accompagnato, zusätzlich begleitet von den Streichern. In den Arien teilen sich Stimme und Instrumente meist dasselbe musikalische Material. Die vier Arien können als eine Tanzsuite angesehen werden, die Tenorarie als Polonaise, die Sopranarie als Minuet, die Altarie als Passepied und die Bassaria als Gigue. In der letzten Arie beginnt die Trompete den Satz und begleitet dann den Bass in virtuoser Figuration, um den Worten „Mein Herze glaubt und liebt“ Glanz zu verleihen.
Die Musik der beiden Choralstrophen ist identisch. Der Satz ist nicht einfach vierstimmig, wie in den meisten späteren Kantaten Bachs, sondern die Singstimmen sind in ein Concerto des Orchesters eingebaut, das von Violine I und Oboe I angeführt wird. Die Motivik des Concerto ist von der ersten Choralzeile abgeleitet.
Die Sinfonia am Anfang von Teil II, ungewöhnlich in Bachs Kantaten, ist besonders bemerkenswert, da sie eine Choralphantasie über dieselbe Choralmelodie darstellt. Die Trompete, die im ersten Teil geschwiegen hat, spielt den Cantus firmus gegen einen polyphonen Streichersatz und betont damit noch einmal „Was Gott tut, das ist wohlgetan“.
BWV 75
„Die Elenden sollen essen“ Genres Kantate Jahr 1723
Stadt Leipzig
Texter Unbekannt, Choral von Samuel Rodigast
Gelegenheit Erster Sonntag nach Trinity
Uraufführung
30. Mai 1723
Besetzung & Stab Veröffentlichungsdatum 10. Februar 2017 Aufnahmedatum 23. April 2016 Ort Waalse Kerk, Amsterdam
ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach – das Orgelwerk BWV 864 „Präludium und Fuge A-Dur“ (Wohltemeprierte Klavier)
„Präludium und Fuge – A-Dur“ BWV 864(Das Wohltemperierte Klavier)
In diesem überraschenden Duo zeigt Bach-der oft so streng ist-eine andere Seite von sich.
HARPSICHORDIST – Pierre Hantaï– spielt das BWV 864 „Präludium und Fuge A-Dur“
Präludium und Fuge sind ein praktisch untrennbares Paar, besonders bei Bach. Doch hier, tief im ersten Buch des Wohltemperierten Klaviers, taucht ein anderes Duo auf. Dieses Vorspiel ist eigentlich auch eine Fuge und ein dreiteiliges zu booten. Die „echte“ Fuge hält sich an die Regeln, bleibt aber trotzdem ein wahres Rätsel. Die klare Fuge als Prelude dagegen betrügt ein wenig, indem sie gleichzeitig das Thema und Gegenthema einführt. Durch diese Kombination unterstreicht Bach den zweideutigen Charakter des Schlüssels von A-Dur. Das Gegenthema im Baß mit absteigender chromatischer Linie kann als düster interpretiert werden, während das Thema in der rechten Hand ein fröhlicheres Gefühl dazu hat, mit eleganter Verzierung (die bald ein eigenständiges Motiv wird) und eine angespannte Pause Durch die Freigabe einer langen Zeichenkette von Noten. Der Helder-Skelter der Läufe übernimmt allmählich das Präludium, macht einen Umweg zu kleinem und wieder zurück und endet, wie es begann.
Aber dann kommt eine Note wie ein Ausruf, und Schweigen! Um uns noch mehr zu verwirren, folgt Bach dem Fugusthema mit einer Reihe von unmelodischen Sprüngen, so daß unsere Ohren den Schlüssel kaum unterscheiden können. Wie gesagt, alles über diese atypische Fuge ist richtig – es ist sogar ein äußerst reines Musikinstrument -, aber das neugierige Thema, nicht mehr als Sprung und Rhythmus, setzt den Zuhörer ständig auf den falschen Weg. Innerhalb eines einzigen Taktes von neun Schlägen schreibt Bach das musikalische Äquivalent einer optischen Täuschung. So wie Sie sich an eine regelmäßige Bewegung in vier gewöhnt haben, ruft Ihnen ein starker Ausruf des Themas plötzlich Aufmerksamkeit zu. Die Fuge geht auch über die Linien, zum Beispiel, wenn die Themen frühzeitig unterbrechen (diese spannungserhöhende Stretto-Technik kommt meist erst am Ende einer Fuge). Es tut dies auch am Anfang, wenn Bach kühl einen vierten Teil vorschlägt, indem er ein zusätzliches Thema einführt.
Das Wohltemperierte Clavier, BWV 846-893
Das Komponieren von 48 Tastenstücken in allen 24 Tasten war die Art von Herausforderung, die Bach genoss. In jedem der beiden Teile des Wohltemperierten Klaviers brachte er das musikalische Paar Präludium und Fuge 24 mal zusammen; Zwölf in Moll-Tasten und zwölf in Dur. In den Präludien gab er der Phantasie freien Lauf und zeigte in den Fugen mathematische Touren. Im Gegensatz zu der eisernen Disziplin musste sich Bach auf seine kirchlichen Kompositionen anwenden, hier konnte er sich auf die intellektuelle Spielerei verlassen, ohne sich um Fristen zu kümmern.
Der erste Teil des Wohltemperierten Claviers stammt aus dem Jahre 1722, obwohl er einige Musik enthält, die in den letzten fünf Jahren geschrieben wurde. Es gibt weniger Klarheit über die Geschichte des zweiten Teils. Bach kompilierte diese zweite Manuskript nur um 1740, obwohl wieder einmal einige der Präludien und Fugen es enthält Datum aus einer viel früheren Zeit. Bach beschrieb die Zielgruppe für diese Stücksammlung wie folgt: „Zum Nutzen und Gebrauch der Lehr-Begierigen Musikalischen Jugend, auch hier in diesem Studio schon habil seyenden besonderem Zeitvertreib“ (Für die Ausbildung des fleißigen musikalischen Jugendlichen und des Genusses von denen, die in diesem Material vertraut sind).
In diesem vielgespielten Standardwerk hat Bach zu einer Sicherheit und Konzentration der Gesamtformung, zu einer präzisen Geschmeidigkeit und Plausibilität im einzelnen gefunden, die lange dazu verführte, eine spätere Entstehungszeit als die tatsächliche anzunehmen – so sehr tritt hier uns das entgegen, was wir als den typisch “klassischen” Bach ansehen. Es ist ja besonders der sich hier abrundende Bachsche “C-Dur-Stil” gewesen, der nachfolgenden Generationen als zeitlos-beispielhaft erschienen ist. Nicht von ungefähr begeistert sich etwa ein Mendelssohn gerade für die Fuge aus BWV 545, deren Schluß er sich – wie er in seinen “Reisebriefen” schildert – immer und immer wieder vorspielt: es sind die klassisch-romantischem Empfinden so entgegenkommende harmonische Auffassung (mit für die Entstehungszeit moderner Betonung des authentisch-dominantischen Elements) und die perfekte, von spezifisch barocker Kräuselung freie Glätte, die ihn so für das Stück eingenommen haben mögen.
Die Musikwissenschaft hat inzwischen nachgewiesen, daß das Werk in einer ersten Endfassung bereits vor 1717, also in Weimar fertig vorgelegen hat (Abschrift des in Weimar wirkenden Bachvetters Johann Gottfried Walther, 1684-1748). Darüber hinaus sind zwei Weimarer Frühfassungen belegbar (545a, vollständig erstmalig 1964 veröffentlicht) bzw. aus einer wahrscheinlich auf den Weimarer Bachschüler Johann Tobias Krebs zurückgehenden, nach B-Dur transponierten Version (545b, Erstveröffentlichung 1959) erschließbar.
Diese Frühfassungen fordern dazu heraus, eine Arnstädter/Mühlhausener Urfassung anzunehmen, in der Präludium wie Fuge (noch ohne das unabhängig entstandene, erst der Weimarer Endfassung beigegebene a-moll-Trio) in allen wesentlichen Zügen bereits existierte. Nur so sind derzeit Eigentümlichkeiten des Präludiums in beiden Frühfassungen erklärbar. Während die dreitaktige Introduktion der Endfassung hier noch grundsätzlich fehlt, ist die Situation hinsichtlich der dreitaktigen Schlußcoda unterschiedlich: in 545a fehlt sie ganz, in 545b lautet sie anders als in der Endfassung.
Die Lösung ergibt sich aus einer Rücktransposition von 545b nach C-Dur: die Codatakte reichen nunmehr bis zum hohen d′′′ hinauf. Dieser Ton war auf der Weimarer Schlossorgel nicht vorhanden, wohl aber auf den Orgeln zu Arnstadt und Mühlhausen. Um das Stück in Weimar spielbar zu machen griff man zu verschiedenen Mitteln: (wohl) Bach selbst strich einfach die unspielbare Coda und beließ es im übrigen zunächst bei der Urfassung. Das wäre die uns überlieferte Fassung 545a. (Wohl) J.T. Krebs wählte einen anderen Weg; er transponierte die Urfassung, deren Fuge Bach mittlerweile zur Form der späteren Endfassung revidiert hatte, nach B-Dur hinunter.
Dadurch wurde das d′′′ zu einem c′′′, das die Weimarer Orgel zu bieten hatte. (Weitere Eigentümlichkeiten von 545b in der uns überkommenen Gestalt siehe Schlußbemerkung). Zur endgültigen Lösung des Problems schritt dann wieder Bach selbst, indem er eine neue, den Weimarer Orgelverhältnissen Rechnung tragende Coda komponierte und gleichzeitig dem Präludium eine inhaltlich mit der Coda korrespondierende Introduktion voranstellte; dazu fügte er als Mittelsatz zwischen Präludium und Fuge die Frühfassung des a-moll-Trios bei. Eine in Leipzig nach 1730 entstandene Fassung letzter Hand unterscheidet sich in Präludium und Fuge kaum von der Weimarer Endfassung (verbesserte Lesarten); das Trio hingegen wurde eliminiert und in revidierter Fassung der Orgeltriosonate Nr.5 (BWV 529) als langsamer Satz zugewiesen.
Anmerkung zu BWV 545b:
BWV 545b ist ein Arrangement, dessen Echtheit bis in jüngste Zeit sehr in Zweifel wurde und darum zunächst keine Aufnahme in die NBA gefunden hat. Inzwischen wird es aber demjenigen Bestand an bisher angezweifelten Werken zugerechnet, “für die […]” – so heißt es im Vorwort zu NBA IV/11 (S. V) – “Bachs Autorschaft nach heutigem Wissen entweder als gesichert gilt oder zumindest ernsthaft in Betracht zu ziehen bleibt”; dementsprechend ist BWV 545b in diesen Band der NBA mit einbezogen worden. Die Quelle für BWV 545b wurde 1959 in London erstmals veröffentlicht; sie stammt aus dem 18. Jahrhundert (England vor 1772). Da sie den Tonumfängen nach in England damals auf keiner Orgel gespielt werden konnte, muß ihre Vorlage aus Kontinentaleuropa stammen. Sie enthält das Präludium in Urfassung nach B-Dur transponiert, ein 14taktiges Adagio unbekannter Herkunft, dann einen spieltechnisch sehr anspruchsvollen und langwierigen Triosatz in g-moll, der auf eine Frühform des 3. Satzes der Gambensonate BWV 1029 (für Streichtrio) zurückgehen muß, sodann ein viertaktiges Tutti unbekannter Provenienz und die Fuge in der revidierten Fassung nach B-Dur transponiert. Über den Weg dieser Version nach England gibt es nur interessante Vermutungen. Ob dieses kuriose Konglomerat jemals Eingang in ein Programm mit Bachscher Orgelmusik finden wird, bleibt dahingestellt.
Wilhelm Friedrich Ernst Bach (1759-1845) war der letzte Enkel von J.S. Bach !
Wilhelm Friedrich Ernst Bach, auch William Bach (* 24. Mai 1759 in Bückeburg; † 25. Dezember 1845 in Berlin) war ein deutscher Komponist aus der Familie Bach.
Der älteste Sohn des „Bückeburger Bach“ Johann Christoph Friedrich Bach wurde von seinem Vater und seit 1778 von seinem Onkel Johann Christian Bach in London unterrichtet, wo er sich einen Namen als Solist und Klavierlehrer machte. Nach dem Tod des Onkels 1782 reiste er nach Paris und in die Niederlande und wurde schließlich Musikdirektor in Minden. 1789 wurde er von König Friedrich Wilhelm II. nach Berlin berufen, wo er Cembalist der Königin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt wurde. Nach deren Tod 1805 war er Cembalist und Hofkapellmeister der Königin Luise von Mecklenburg-Strelitzund Musiklehrer der preußischen Prinzen. Er zog sich 1811, nach dem Tod der Königin Luise, von allen Ämtern zurück. Prinz Heinrich, Bruder von Friedrich Wilhelm III. von Preußen, setzte eine lebenslange Pension in Höhe von 300 Reichstalern für den J. S. Bach-Enkel aus.
Von Bach sind Klaviermusik (drei Klavierkonzerte, ein Konzert für zwei Klaviere u. a.), zwei Sinfonien, zwei Orchestersuiten, ein Divertimento, ein Sextett, eine Triosonate für 2 Flöten und Viola sowie Lieder und Kantaten überliefert. Eine der bemerkenswertesten Kompositionen war Dreyblatt in F-dur, ein Klavierstück für sechs Hände, bei dem der in der Mitte sitzende Pianist seine beiden Begleiterinnen umfasst und die Außenstimmen spielt, während die außen sitzenden Pianistinnen in der Mitte der Klaviatur spielen.
Bach heiratete zweimal und hatte drei Töchter und einen Sohn, der bereits als Säugling starb.
Grabstätte von Wilhelm Friedrich Ernst Bach (1759-1845) in Berlin-Mitte, Sophien-Friedhof.
Wilhelm Bach wurde auf dem II. Sophien-Friedhof in Berlin-Mitte beerdigt. Sein Grab war bis zum Jahr 2015 als Ehrengrab in Berlin gewidmet.
Der WDR ließ 1997/98 Ersteinspielungen mit Hermann Max, der Rheinischen Kantorei und dem Kleinen Konzert einspielen: je eine Sinfonie in G-Durund C-Dur, ein festliches Vater unser und zwei große weltliche Kantaten („Westphalens Freude“ und „Columbus oder die Entdeckung Americas“).
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Wilhelm Friedrich Ernst Bach – (Grandson of Johann Sebastian Bach)
Recorded in 1998 by Westdeutscher Rundfunk, Germany
Wilhelm Friedrich Ernst Bach. „Sextett.“
Performed by Ensemble „Wind Consort Moscow“.
Museum „Arkhangelskoe“, „Gonzago“ theatre. 18-th May 2012.
Art director of ensemble Paul Struck.
Die 54. Haller Bach-Tage 2017 finden vom 27. JANUAR bis zum 12. FEBRUAR 2017 statt.
Seit 1963 bietet die Stadt Halle (Westf.) – in Zusammenarbeit mit der Johanniskantorei der evangelischen Kirchengemeinde – im Februar 10 Tage konzentrierten Musik-und Kunstgenuss.
Unser Repertoire umfasst Musik aus den Bereichen: Barock – Kammermusik – Chorwerke – Modernes und Experimentelles – Kinderkonzert – Orgelmusik – Orchesterkonzert – Geistliches und Atmosphärisches.
Halle in Westfalen gehört nicht eben zu den großen Kulturmetropolen dieser Welt. Aber, einmal im Jahr blickt die Musikwelt dennoch beneidenswert auf das 21.000-Einwohner-Städtchen in der Nähe von Bielefeld so bezaubernd am Teutoburger Wald gelegen.
Hauptveranstaltungsort: St. Johanniskirche Halle (Westf.)
ERÖFFNUNGSKONZERT
Fr, 27.01.2017, 20:00 Uhr
Viele Pfeifen – eine Flöte Musik für Flöte und Orgel
Johann Sebastian Bach (1685—1750) Sonate E-Dur BWV 1035
für Flöte und Basso continuo
Adagio ma non tanto – Allegro – Siciliano – Allegro assai
Kazuo Fukushima (*1930) Mei für Flöte solo
Jean-Marie Leclair (1697—1764) Sonate e-moll op. 9, Nr. 2
für Flöte und Basso continuo
Dolce – Allemanda – Sarabanda – Minuetto
Johann Sebastian Bach Zwei Choralbearbeitungen aus den Leipziger Chorälen für Orgel Herr Jesu Christ, dich zu uns wend’ BWV 655 Von Gott will ich nicht lassen BWV 658
Frank Gerhardt (*1967) Musik für Flöte und Orgel (2014/2015)
Engl. Anonymus um 1700 Greensleeves to a Ground für Flöte und Basso continuo
Sigfrid Karg-Elert (1877—1935) Ciacona f-moll aus: 30 Capricen op. 107 für Flöte solo
Max Reger (1873—1916) Introduktion und Passacaglia d-moll ohne op.
Franz Lachner (1803—1890) Elegie für Flöte und Orgel
Wolfgang Amadeus Mozart (1756—1791) Andante C-Dur KV 315, Fassung für Flöte und Orgel
Ausführende : Sebastian Wittiber, Flöte ; Martin Lücker, Orgel
Flötist: Sebastian Wittiber
geboren in Frankfurt am Main. Mitglied des Hessischen Landesjugendorchesters und des Jugendorchesters der Europäischen Gemeinschaft unter Claudio Abbado, studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main bei Vladislav Brunner und wurde u. a. 1. Preisträger beim Wettbewerb Jugend musiziert.
1989 Mitglied des Sinfonie-Orchesters beim Hessischen Rundfunk, seit 1999 als 1. Solo-Flötist. Solokonzerte, CD-Einspielungen. Mitglied im Antares-Ensemble. Seit 2006/2007 musiziert er regelmäßig mit dem Dirigenten, Harfenisten und Pianisten Erik Nielsen zusammen sowie mit Martin Lücker (Orgel). Zusammenarbeitet mit Jota-Bläser-Quintett, Maalot-Bläser-Quintett und als Solo-Flöte zur Aushilfe in den Sinfonie-Orchestern des WDR, des BR, des NDR Hamburg, der Staatskapelle Dresden, der Deutschen Oper Berlin, des Mahler Chamber Orchestra und bei den Berliner Philharmonikern. Seit 2007 ist er Mitglied des Orchesters der Bayreuther Festspiele, seit 2014 Leitung der Flötengruppe. Seit 1999 ist Sebastian Wittiber Lehrbeauftragter für Flöte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main. Dort wurde er 2013 für den Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre nominiert und beurkundet.
Organist Martin Lücker
Wenige Organisten werden ein dermaßen großes Orgelrepertoire dauerhaft präsent haben wie er. Denn seit September 1983 spielt der Organist der Frankfurter St. Katharinenkirche 30 Minuten Orgelmusik. Mitten in Frankfurts turbulentem Herzen gibt er den Zuhörern zweimal wöchentlich die Möglichkeit, in geistreich konzipierten Programmen einen Überblick über die gesamte Breite der Orgelmusik zu gewinnen. Geboren 1953, wurde Lücker ausgebildet u. a. in Hannover bei Volker Gwinner und in Wien durch den legendären Anton Heiller. Umfassende Karriere als Konzertorganist, Juror, Lehrer bei Meisterkursen und Herausgeber.
Orgelkonzerte führten ihn in viele europäische Länder und nach Nordamerika. Seine künstlerischen Erfahrungen, sein großes Wissen und seine Liebe zur Musik gab Martin Lücker von 1983 bis 2016 im Rahmen einer Orgelprofessur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main weiter.
Zwischen Dezember 2016 und Juli 2017 wird Martin Lücker zum dritten Mal – nach Aufführungen 1985 und 1995 – in St. Katharinen an 17 Abenden das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach spielen.
Karten zum Preis von 11 € ermäßigt 6,- Euro sind erhältlich imBürgerbüro der Stadt Halle (Westf.),
Tel.: 05201/183152
Auf eine besondere Veranstaltung zu den Haller Bachtagen möchte ich Aufmerksam machen !
Das „Duo Ex Anima“
lädt herzlich ein zum Erzählkonzert:„Aus derSeele muß man spielen“
mit Werken von Johann Sebastian, Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel Bach im Rahmen der 54. Haller Bach-Tage am 31. Januar 2017 um 20:00 Uhr im Martin-Luther-Haus in Halle / Westf.
ALL OF BACH veröffentlichte am 20.01.2017 die Kantate – BWV 58 „Ach Gott, wie manches Herzeleid“
„Ach Gott, wie manches Herzeleid“ (BWV 58) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bachs für den Sonntag nach Neujahr.
Die Kantate entstand vermutlich 1727 in Leipzig und wurde 1734 oder 1735 umgearbeitet. Die Uraufführung fiel auf den 5. Januar 1727.
Im ersten Satz wird die erste Strophe des Lieds „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ von Martin Moller (1587) verwendet, der letzte enthält die zweite Strophe von Martin Behms Choral „O Jesu Christ, mein’s Lebens Licht“ von 1610, der auch die Grundlage für die gleichnamige Trauerkantate (BWV 118) ist. Die Binnensätze werden dem Theologen und Bachschüler Christoph Birkmann (1703–1771) zugeschrieben.
Das Evangelium des Sonntags nach Neujahr erzählt von der Flucht der Heiligen Familie vor Herodes nach Ägypten (Mt 2,13-15 LUT). Die Kantate legt diese Geschichte als Kampf der Welt gegen den Glauben aus. Dabei wird in der Regel, analog zu anderen Dialogkantaten, der Sopran als Stimme der „gläubigen Seele“, der Bass als Stimme Gottes bzw. Christi interpretiert. Die dramatische und kontrastreiche musikalische Gestaltung Bachs stützt diese Deutung.
Besetzung:
Gesangsstimmen: Sopran, Bass, nicht genauer als solistisch oder chorisch gekennzeichnet
Instrumente: Violine I/II, Violine solo, Viola, Oboe I/II und Oboe da caccia (colla parte mit den Streichern), Basso continuo.
Die Kantate besitzt 5 Sätze:
1.Choral e Aria S, B (Ob I/II, Oc, Vl I/II, Va, Bc): Ach Gott, wie manches Herzeleid
2.Recitativo B (Bc): Verfolgt dich gleich die arge Welt
3.Aria S (Vs, Bc): Ich bin vergnügt in meinem Leiden
4.Recitativo S (Bc): Kann es die Welt nicht lassen
5.Choral e Aria S, B (Ob I/II, Oc, Vl I/II, Va, Bc): Ich hab für mir ein schwere Reis
Bach veranschaulicht Einsamkeit sehr effektiv mit einer strengen Instrumentierung.
Gleich zu Beginn dieses Stückes, macht Bach ein abruptes Ende der festlichen Geist der Weihnachten mit einer herzzerreißenden Arie. Es ist der erste Sonntag nach Neujahr und die Predigt um die Geschichte des Massakers der Unschuldigen. Herodes, der fürchtete, er würde seinen Thron an Jesus verlieren, befahl das Massaker aller Kinder von Bethlehem. Joseph aber hatte eine Warnung erhalten und entfloh mit Maria und Jesus nach Ägypten. Alle anderen Kinder wurden getötet.
Dieses große Leiden drückt sich in der Eröffnungsarie aus: eine ausgezogene Sarabande mit strenger Instrumentierung. Die leidende Seele, eine Sopranistin, singt die heiteren Worte des ersten Verses des Chorals „Ach Gott, wie manches Herzeleid“, begleitet von einer absteigenden klagenden Basslinie. Der Bass, Jesus, unterbricht etwas fröhlicher, empfiehlt Geduld, da der Weg zur Rettung nicht mit Rosen bestreut ist.
Der Wendepunkt dieser arbeitsbedingten Kantate kommt in die außerordentlich schöne Sopranarie, in der die gequälte Seele – unterstützt durch einen strahlenden Geigenteil und in dem Wissen, dass Jesus gerettet wurde – sich mit ihrem Leiden auseinandersetzt. Am Ende dieser völlig symmetrischen Kantate, wenn das Duo wieder in den Dialog tritt, hören wir die zweite Strophe eines anderen Chorals: „Jesu Christ, meines Lebens Licht“. Eine festliche Fanfare erregt, wie die Sopranistin ihre Hingabe angenommen hat und freut sich auf den ewigen Trost Jesu.
Die außergewöhnliche Schönheit dieses Edelsteins von 1727 liegt in der Kombination der begrenzten Mittel und der Einsamkeit, die durch das Leiden verursacht wird. Sogar als Bach ein Trio von zwei Oboen und eine Alt-Oboe den äußeren Bewegungen hinzufügte, setzte er für eine spätere Aufführung um 1733 noch keine Solo-Windpassagen ein. Nur am Ende ist das Trio erlaubt, einen festlichen Hinweis auf die Hoffnung des Paradieses zu geben. Und es war natürlich an Bach gedacht, an seine Musiker zu denken, die nach der geschäftigen Weihnachtszeit und kurz vor den Dreikönigsfestlichkeiten am 6. Januar sicherlich mit einer Verschnaufpause fertig werden konnten.
VIOLINE 1
Shunske Sato, Annabelle Ferdinand, Anneke van Haaften, Annelies van der Vegt
VIOLINE 2
Sayuri Yamagata, Pieter Affourtit, Paulien Kostense
VIOLA
Staas Swierstra, Deirdre Dowling
CELLO
Lucia Swarts, Richte van der Meer
KONTRABASS
Robert Franenberg
OBOE
Martin Stadler
OBOE 2
Peter Frankenberg
TAILLE
Hanna Lindeijer
FAGOTT
Benny Aghassi
ORGAN
Leo van Doeselaar
CEMBALO
Siebe Henstra
ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach – Orgelchoral BWV 612„Wir Christenleut“ in g-Moll
Die Stiftskirche St. Georg ist eine bedeutende Barockkirche im Goslarer Ortsteil Grauhof.
Das Orgelbüchlein von Johann Sebastian Bach ist eine Sammlung choralgebundener Orgelstücke (Choralvorspiele), die er vor allem während seiner Amtszeit in den Jahren 1712 bis 1717 in Weimar komponierte (BWV 599–644).
Die Einzelsätze der Sammlung verbindet ein hoher künstlerischer Anspruch und der Gedanke der Verwendbarkeit sowohl im Gottesdienst als auch im Instrumental- und Kompositionsunterricht. Kennzeichnend für Bachs Choralsätze im Orgelbüchlein sind laut Christoph Wolff: „Dichte motivische Struktur und kontrapunktisches Raffinement (bis hin zum strengen Kanon) in Verbindung mit einer kühnen und ausdrucksstarken musikalischen Sprache sowie subtiler musikalisch-theologischer Textausdeutung. Jeder Satz erzielt proportionales Gleichgewicht, indem sich Manual- und Pedalstimmen elegant zu einer mustergültigen Orgelpartitur verbinden.“
Bach legte das neunzigseitige querformatige Buch wohl zu Beginn seiner Weimarer Zeit, also schon etwa 1708, an und trug bereits alle Titel der 164 geplanten Choräle ein. Damit legte er nicht nur fest, welche Chorale er hier einkopieren oder neuvertonen wollte, sondern auch, ob sie jeweils eine oder zwei Seiten à sechs Zeilen umfassen würden. Die Reihenfolge der Sätze ist, wie in Gesangbüchern bis heute üblich, die des Kirchenjahres. Etwa die Hälfte der Eintragungen sind Reinschriften, also Kopien bereits bestehender Werke.
Den ersten Teil, von Weihnachten bis Ostern, füllte er fast vollständig, danach treten allmählich immer größere Lücken auf – offenbar ist das doch sehr ehrgeizige Projekt nach und nach in den Hintergrund getreten, so dass er nach 1726 nur noch eine einzige vollständige Vertonung hinzufügte. Damit umfasst das Orgelbüchlein heute „46 ausgeführte Choralvorspiele“, wie ein unbekannter Schreiber zu Bachs Titel ergänzte.
Bach setzte den Titel erst um 1720 hinzu; er lautet:
Orgel = Büchlein
Worinne einem anfahenden Organisten
Anleitung gegeben wird, auff allerhand
Arth einen Choral durchzuführen, an-
bey auch sich im Pedal studio zu habi-
litiren, indem in solchen darinne
befindlichen Choralen das Pedal
gantz obligat tractiret wird.
1739, zur Zeit der Entstehung des Dritten Teils der Clavierübung, waren diese Sätze offenbar schon zu historisch, um darauf noch einmal zurückzugreifen; Bachs Choralbearbeitungen aus der späteren Zeit haben auch meist einen wesentlich größeren Umfang.
13. Bachfestival Arnstadt vom 17.03. bis 21.03.2017 in Thüringen!
Erfolgreiche Veranstaltungsreihe geht „Modern – Vielseitig – Weltklasse“ in die 13. Auflage
Der Kartenvorverkauf für das Bachfestival Arnstadt, welches im kommenden Jahr in der 13. Auflage vom 17. bis 21. März 2017 in der Bachstadt Arnstadt stattfindet, hat begonnen.
Die Eintrittskarten für die hochkarätig besetzten Konzerte, wie dem Eröffnungskonzert „Cantate Domino“ mit dem Vokalensemble I Vocalisti, der Obertonsängerin Anna Maria Hefeleund dem Vokalensemble Quartonal (17. März, Johann-Sebastian-Bach-Kirche) oder dem Saxophonquartett „Meier’s Clan“ mit dem Konzert „Von Bach bis Bernstein“ (18. März, Johann-Sebastian-Bach-Kirche) sind ab sofort erhältlich. Mit Hille Perl (Viola da Gamba) konnte in diesem Jahr wieder eine Echo-Klassik-Preisträgerin für das Bachfestival Arnstadt gewonnen werden. Das gemeinsam mit dem Ensemble La Ninfea aufgeführte Konzert mit dem Titel „Ecce quam bonum“ findet am 19. März in der Traukirche Johann Sebastian Bach in Dornheim statt. Zum Abschluss des Festivals am 21. März erobern die jungen PreisträgerLiv Heym(Telemannpreisträgerin 2015, Barockvioline) und Sebastian Heindl (Bachpreisträger 2016, Orgel) die Johann-Sebastian-Bach-Kirche.
Video: G.Ph. Telemann – Trio g-moll: 1. Suave ma non adagio
Ensemble: La Ninfea
Barbara Heindlmeier – Blockflöte
Christian Heim – Viola da Gamba
Simon Linné – Theorbe
Alina Rotaru – Cembalo
Aufnahme vom 21.10.2012 Berliner Tage für Alte Musik
Weiterhin können die Eintrittskarten für alle weiteren Veranstaltungen des sehr vielfältigen Programms rund um das Thema „Bach in Arnstadt“ erworben werden. Dazu zählen die Jazz-Nacht mit dem Saxophonquartett „Meier’s Clan“ (17. März, Münzkeller Prinzenhof), die Matinee mit Aleksandra und Alexander Grychtolik („Barocke Improvisationskunst“, 18. März, historischer Rathaussaal), die Orgeltour mit Kirchenmusikdirektor i.R. Gottfried Preller (18. März), das Kinderprogramm „Der gestiefelte Kater“ (20. März, 9.00 & 11.00 Uhr, Theater im Schlossgarten) und das Musikschulkonzert „Junge Schüler, alte Meister“ (20. März, historischer Rathaussaal). Die weiteren Veranstaltungen wie der Handwerkermarkt (18. März, Glasverbinder), die geistlichen Mittagsmusiken (18. März, 20. März und 21. März), der Kantatengottesdienst(19. März) und die abschließende Bach-Ehrungkönnen kostenfrei besucht werden.
Ausführliche Informationen zu allen Künstlern und Konzerten sind auf
VISUALISIERUNGEN BACH-HAUS WEIMAR – VOM ARCHITEKTURBÜRO HUMMEL
Wir danken unserem Förderer und Ehrenmitglied, Nobelpreisträger Prof. Dr. Günter Blobel, und den „Friends of Dresden“ für das Sponsoring der Visualisierungen des Architekturbüro Hummel.
UM 1700
Diese Visualisierungen zeigen, wie Bachs Wohnhaus zu seiner Zeit ausgesehen haben könnte. Da bislang keine historischen, authentischen Abbildungen hiervon aufgefunden wurden, orientiert es sich an typischen Gebäuden/Wohnhäusern der Zeit, wie diese etwa auch in unmittelbarer Nachbarschaft, am Weimarer Marktplatz, heute noch stehen. Das Fachwerk-Eckhaus links ist nach einer historischen Abbildung visualisiert……
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe, Radio-Programme mit Bach-Kantaten und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 08.01.2017 begehen wir den 1. Sonntag nach Epiphanias
Am 1. Sonntag nach Epiphanias steht die Taufe Jesu im Mittelpunkt, die früher auch am Epiphaniastag selbst gefeiert wurde. Hiermit wird Jesus aus seinem einfachen Menschsein herausgenommen und von Gott berufen. Es ist Teil des großen Geheimnisses der Gottheit und Menschheit in Jesus Christus, dass diese Berufung und Taufe mach Jesu eigenen Worten notwendig ist. Jedoch ist eigentlich nur das Evangelium dieses Sonntages mit der Taufe Jesu „beschäftigt“. Die anderen Texte haben die Botschaft im Mittelpunkt, die durch Jesus die Welt veränderte: Tut Buße, kehrt um, wendet euch Gott zu, der durch Jesus eure Sünden getilgt hat.
Am 1. Sonntag nach Epiphanias denken wir besonders an die Taufe Jesu, bei der die Herrlichkeit Jesu deutlich wurde durch das Wort Gottes. Angesichts der Gestalt Johannes des Täufers sind wir gehalten, uns selbst in den Dienst Jesu zu stellen mit den Gaben, die Gott uns gegeben hat. Im Vertrauen auf den, der durch das Kreuz und die Auferstehung unsere Befreiung erwirkt hat, können wir getrost in dieser Welt für ihn Zeugnis ablegen.
Wochenspruch:
Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Röm 8, 14)
Sendung: „Cantica“ am Sonntag 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr
Wiederholung: um 23:00 – 23:30 Uhr
Johann Sebastian Bach
Musik von J. S. Bach zu Epiphanie
Alttestamentliche Verheißungen
Kantate BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“
so heißt das Werk, das Johann Sebastian Bach seinerzeit 1724 für den Dreikönigstag am 6. Januar schrieb. Nicht nur durch die ungewöhnlichen Klangfarben im Orchester und die abweichende Satzfolge ist die Kantate ein besonders gelungenes Werk des Thomaskantors.
Das Kantatenschreiben für den Sonntagsgottesdienst in Leipzig war so etwas wie das Alltagsgeschäft des Thomaskantors, der mit dem Thomanerchor einen leistungsfähigen Chor zur Verfügung hatte. Über 400 dieser geistlichen Werke schrieb er. In der Regel dauern sie etwa 20 Minuten. Die Besetzung umfasst meistens vier Solo-Sänger, Chor und kleines Orchester. Die heutige Kantate weicht nicht nur in dieser Hinsicht erheblich ab. Die Struktur und Satzabfolge ist verändert, es kommen nur zwei Solisten zum Einsatz. Auch die instrumentale Besetzung ist überraschend: zwei Hörner, zwei Blockflöten, zwei Oboen da caccia werden zusammen mit Streichern eingesetzt. Vor allem der Eingangschor erhält so eine besondere Klangfarbe, die Bach sonst nur bei seinem Weihnachtsoratorium und einer anderen Weihnachtskantate einsetzt.
Inhaltlich geht es in der Kantate um die heiligen Drei Könige, die zum Jesuskind im Stall von Betlehem kommen und ihre Geschenke mitbringen – Gold, Weihrauch und Myrre. Darauf nimmt der Anfangschor Bezug mit einem Zitat aus dem Buch Jesaja im Alten Testament. Dies kündigt im christlichen Verständnis die Ankunft von Jesus Christus an Weihnachten in der Krippe an. „Sie werden aus Saba alle kommen“, so heißt es dort und so singt der Chor zu Beginn der Kantate und drückt damit aus, dass nicht nur die Heiligen Drei Könige kommen, sondern im übertragenen Sinn alle gläubigen Menschen…….
Christoph Graupner (* 13. Januar 1683 in Kirchberg; † 10. Mai 1760 in Darmstadt) war ein deutscher Komponist.
Bei seinem Onkel, dem Organisten Nicolaus Küster, bekam Christoph Graupner seinen ersten Musikunterricht. Er folgte diesem nach Reichenbach im Vogtland. In Leipzig besuchte er die Thomasschule und studierte Jura und danach Musik bei dem Thomaskantor Johann Schelle und unter dessen Nachfolger Johann Kuhnau. 1705 ging er als Cembalist zum Hamburger Opernorchester, das von Reinhard Keiser geleitet wurde. In dieser Zeit komponierte er mehrere Opern, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden.
Der Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt hörte seine Werke und bot ihm 1709 einen Posten an seinem Hof an. Bereits 1711 stieg er zum Hofkapellmeister auf. In diesem Jahr heiratete er die Pfarrerstochter Elisabeth Eckardt.
1722 bewarb er sich auf Empfehlung Telemanns um die bereits durch diesen abgelehnte Stelle des Thomaskantors in Leipzig.
Auf Geheiß seines Herrn musste er die Berufung als Nachfolger von Johann Kuhnau ablehnen, allerdings unter Aufbesserung seines ohnehin bereits hohen Verdienstes. So konnte Johann Sebastian Bach die Stelle erhalten. Graupner blieb bis zu seinem Tod am Hof des Landgrafen. Im Laufe der Zeit holte er eine Reihe von Musikern nach Darmstadt, die er aus seiner Zeit als Leipziger Thomasschüler kannte: den Vizekapellmeister Gottfried Grünewald, seinen späteren Nachfolger Johann Samuel Endler sowie den Kammermusikus Michael Boehm.
Graupners umfangreiches, fast vollständig erhaltenes Werk befindet sich zum größten Teil in der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt. Es ist in großen Teilen noch unveröffentlicht und harrt der Entdeckung durch Musiker und Musikwissenschaftler. Vielfach betrachteten die Landesherren die Werke ihrer Komponisten als ihr persönliches Eigentum und im schnellen Wandel der Modeströmungen wurden die Kompositionen vernichtet. Graupners Familie wehrte sich gegen dieses Vorgehen und strengte einen Prozess an, der erst fast 80 Jahre nach Graupners Tod zu Gunsten der Familie entschieden wurde. Diesem Umstand und der Auslagerung der Bestände während des Zweiten Weltkrieges ist die Erhaltung dieses umfangreichen Werkes zu verdanken.
Christoph Graupner’s umfangreiches Vokalwerk ist diskographisch nach wie vor nur wenig erschlossen, und so macht auch diese Neuproduktion mit Hans Michael Beuerle, dem Anton-Webern-Chor Freiburg sowie dem Ensemble Concerto Grosso mit einfallsreicher barocker Vokalmusik bekannt. Für CARUS wurde aus dem riesigen Kantatenwerk Graupners (insgesamt 1414 überlieferte geistliche Kantaten im Rahmen von 46 Kantatenjahrgängen!) ein Zyklus mit vier Passionskantaten zusammengestellt. Selbstverständlich handelt es sich dabei durchweg um Ersteinspielungen, so dass Liebhaber barocker geistlicher Vokalmusik eine ganze Menge an interessanter Musik entdecken können.
Ausführende:
Gunhild Lang-Alsvik, die Sopranistin aus Norwegen singt nicht nur dies Stück, sondern mit ihrer Einfühlsamen Stimme.
Christoph Graupner – Passionskantate „Wie bald hast du gelitten“
Wie bald hast Du gelitten Deel 1, in de Geerteskerk in Kloetinge.
„Door Te Deum Laudamus“.
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Video II
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YouTube-Video
Cantata von Christoph Graupner (1683- 1760)
Cantate „Ach Gott und Herr“
I. Kantate „Ach Gott und Herr“ GWV 1144/11: Choral „Ach Gott und Herr“
II. Kantate „Angst und Jammer“ GWV 1145/11: Arie „Angst und Jammer“
III Kantate „Furcht und Zagen“ GWV 1102/11b: Arie „Verstosse doch“
Kantaten für den Ersten Sonntag nach Epiphanias Hauptkirche St. Jacobi, Hamburg
Nach der aufgeheizten Atmosphäre in Leipzig und der Intensität des Dreikönigskonzertes in der Nikolaikirche hatten wir wirklich eine lange Bahnfahrt nötig, um den Geist zu klären und den Körper den Übergang von unserem letzten Bestimmungsort zum nächsten Ziel bewältigen zu lassen. Auf der Reise legten wir noch einmal in Gedanken unsere Wege durch die Berliner Stadtviertel zurück (wo wir das neue Jahrtausend mit zwei Aufführungen von Bachs Neujahrskantaten begrüßt hatten) und kamen schließlich in der feineren Gegend Hamburgs an. Unser Ziel war die Jacobikirche, wo Bach 1720 sehr gut den Posten als Organist hätte bekommen können, wenn er nicht – verständlicherweise – die Bedingungen eines Vertrags abgelehnt hätte, demzufolge der Organist den Kirchenchor aus seiner eigenen Tasche subventionieren sollte.
St. Jacobi, eine der fünf Hauptkirchen der Hansestadt, wurde im 14. Jahrhundert erbaut, die gotische Innenausstattung mit ihrem nüchternen weißen Rippengewölbe und das Mauerwerk aus Backstein hatten die Bomben des Zweiten Weltkriegs zum größten Teil überstanden. Wir fanden den langen Nachhall in der leeren Kirche anfangs ein wenig bedenklich, aber als der Raum mit Publikum gefüllt war, wurde die Akustik klar. Man braucht kein Orgelfan zu sein, um Arp Schnitgers prachtvolles Instrument (1693 errichtet und genau dreihundert Jahre später restauriert) mit seinen sechzig Registern und 4.000 Pfeifen, mit dem Bach bestens vertraut war, zu würdigen. Der amtierende Organist Rudolf Kelber lieferte uns nicht nur den Beweis für die außergewöhnliche Vielfalt an Klangfarben, sondern zeigte auch Sportsgeist, indem er sich bereit erklärte, bei unserer einzigen Chorprobe das Klavier zu spielen und es einen Halbton tiefer auf ‚Barockton’ zu stimmen.
Als Heranwachsender unternahm Bach verschiedene Fußreisen von Lüneburg nach Hamburg, vor allem mit dem Ziel, wie sein erster Biograph Johann Nikolaus Forkel befand, ‚alles zu thun, zu sehen und zu hören, was ihn nach seinen damaligen Begriffen immer weiter darin bringen könnte’. Allgemein wird angenommen, damit sei gemeint, er habe Johann Adam Reinken, dem Nestor der Norddeutschen Orgelschule, zu Füßen gesessen. Doch daraus lässt sich nicht unbedingt schließen, Bach habe seine Besuche in Hamburg auf die Kirchen beschränkt, das neue Theater am Gänsemarkt jedoch bewusst gemieden, wo das stattfand, was ein konservativer Kirchenmann ‚die krumme Operen Schlange’ nannte. Auf einen aufstrebenden Musiker von Bachs Generation wirkte die Hamburger Oper wie ein Lichtsignal der Gelegenheiten und Beschäftigungsmöglichkeiten.
Für Johann Mattheson war sie eine ‚musikalische Universität’, ein Laboratorium, in dem sich als ausführender Musiker wie als Komponist gut experimentieren ließ. Für Händel war sie ein Sprungbrett zum Ruhm im Ausland, die Basis für beruflichen Aufstieg – riskant, aber mit hohem Gewinn. Da Bach Leute wie Reinken und Georg Böhm gut kannte, die beide enge Verbindungen zur Hamburger Oper unterhielten, können wir mutmaßen, dass ihn seine natürliche Neugier zumindest als Zuhörer in die Nähe dieser Örtlichkeit zog, selbst wenn ihn, so er denn drin war, eine natürliche Schüchternheit davon abhielt, die für einen Erfolg nötigen Kontakte in einer Welt zu knüpfen und auszubauen, die darauf angelegt war, die Eitelkeit einzelner Interpreten zu befriedigen. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit, die Dinge zu sehen: Bach stippt seinen Zeh in dieses Gewässer und schreckt zurück, nicht aus irgendeiner lutherischen Prüderie, sondern einfach weil ihn die Musik, die er dort hört, kalt lässt.
Aus diesem Grund zieht er es vor, sich von einer Richtung zu distanzieren, auf die der überwiegende Teil der Komponisten seiner Generation versessen war. Zu keinem Zeitpunkt war er von dem modernen ‚Opernzeug’ isoliert, er nahm es durchaus zur Kenntnis und war keineswegs abgeneigt, in seinen eigenen Werken solche Techniken später immer dann zu einzusetzen, wenn sie seinen Zwecken entsprachen. Bach hatte eine natürliche Neigung zu ‚opernhaftem’ Ausdruck, zu einer dramatischen und kontrastreichen Gestaltung des musikalischen Ablaufs, was nicht nur in den Passionen zum Ausdruck kommt, sondern auch in so vielen Stücken seiner Kantaten, wie wir im Laufe des Jahres entdeckten; Eigenschaften, an denen vielleicht viele seiner ersten Zuhörer Gefallen fanden und die wir heute schätzen, die jedoch von den Klerikern seiner Zeit missbilligt wurden.
Die Vielfalt und die Abstufungen des dramatischen Ausdrucks sind in Bachs Kantaten so groß, dass man den Eindruck gewinnt, die Dinge seien auf einzigartige Weise ausgedrückt, könnten gar nicht anders ausgedrückt werden.
Die am 13. Januar 1726 in Leipzig uraufgeführte Kantate
BWV 32 „Liebster Jesu, mein Verlangen“
zu einem 1711 gedruckten Text von Georg Christian Lehms ist als ein ‚Concerto in Dialogo’ angelegt. Obwohl sich Lehms zu den beiden Personen in diesem Dialog nicht näher äußert, wird bald klar, dass es nicht die besorgten Eltern sind, die Jesus (Bass) suchen, sondern die Seele des Christen (Sopran), mit der wir uns identifizieren sollen. Das Werk beginnt mit einer Arie in e-moll, in der die Sopranstimme gemeinsam mit der Solooboe in der Manier eines der langsamen Konzertsätze Bachs die hinreißendste Kantilene webt. Die hohen Streicher liefern eine fortwährende Begleitung mit Arpeggien aus drei Achtelnoten und der Vortragsbezeichnung piano e staccato, denen das Continuo seinen eigenen taumelnden Rhythmus hinzufügt, ‚als zögen die Christen ständig in der Welt umher, um den Erlöser zu suchen’ (Whittaker).
Hier ist nichts von der Angst vorhanden, der wir in der Tenor-Arie begegneten, mit der die vorherige Kantate begann. Immer darauf bedacht, in aufeinander folgenden Kantaten dem gleichen biblischen Ereignis oder Thema eine neue Sichtweise abzugewinnen, konzentriert sich Bach hier auf das Wort ‚Verlangen’, um auf seine Reserven improvisatorischer Erfindung zurückzugreifen: Die Musik lässt deutlich werden, dass die Seele den Erlöser tatsächlich finden und ihn ‚höchst vergnügt umfangen’ wird. Jesu Antwort (wieder spricht hier ein zwölfjähriges Kind, aber mit der gewichtigen Stimme eines erwachsenen Mannes) ist zunächst knapp – vier Takte eines Rezitativs anstelle der zweiundzwanzig in BWV 154 Nr. 5 –, fährt jedoch in einem viel sanfteren Ton in einer Dacapo-Arie in h-moll (Nr. 3) fort.
Die obligate Violine umgibt die Singstimme mit Triolen und Trillern, durchweg wohlwollend gestimmt, sich dann jedoch verdüsternd, sobald die Stimme bei den Worten ‚ein betrübter Geist’ nach Moll abschwenkt. Einer der eindrucksvollsten Augenblicke in der Kantate ist das Dialog- Rezitativ (Nr. 4): Als Antwort auf Jesu Ermahnung, ‚den Erdentand [zu] verfluchen und nur in diese Wohnung [zu] gehn’, kontert die Seele in einem beziehungsreichen Arioso, von pulsierenden Streichern begleitet, mit einem Zitat aus Psalm 84: ‚Wie lieblich ist doch deine Wohnung’. Stilistisch zeigt dieser Abschnitt Bach hier in der Mitte zwischen Schütz und Brahms, die uns beide denkwürdige Vertonungen dieses Psalms hinterlassen haben.
Bevor die Sache mit einem Choral abgerundet wird, der zwölften Strophe von Paul Gerhardts Lied ‚Weg, mein Herz, mit dein Gedenken’ (1647), Jesus und die Seele sich nun in Freuden vereinen, feiert Bach das Ereignis durch eine Verknüpfung der ihnen jeweils zugeordneten obligaten Instrumente (Oboe und Violine), die bislang nur separat zu hören waren. Es ist eines jener Duette (ein weiteres ist das wunderbare ‚Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten’ aus BWV 78), in denen er offenbar alle Vorsicht in den Wind schlägt und sich zu den lieto fine-Schlüssen der Opern seiner Zeit in Konkurrenz begibt, doch mit mehr Geschick, Substanz und sogar Verve. Das Hamburger Publikum fand daran Vergnügen, so dass es angebracht schien, dieses Duett als Zugabe in der Stadt zu wiederholen, in der die Oper immer eine so große Anziehungskraft hatte.
Das Bachfest 2017 steht unter dem Motto ““EIN SCHÖN NEW LIED” – MUSIK UND REFORMATION
Martin Luther sah in „Frau Musica“ eine göttliche Kunst, da sie den Teufeln zuwider sei. Entsprechend stellte er die Musik in eine Reihe mit der Theologie, erhob das deutschsprachige geistliche Lied zu einem festen Bestandteil des reformatorischen Programms und hielt ließ es Eingang in den Gottesdienst finden. Häufig als „schöne newe Lieder“ betitelt, verbreitete sich das neue reformatorische Liedrepertoire rasant….
Der Ticketverkauf für das Bachfest Leipzig 2017 beginnt seit dem 14. Oktober 2016.
♪ 1. Chor: Sie werden aus Saba alle kommen
2. Choral: Die Kön’ge aus Saba kamen daraus
Komponist: Johann Sebastian Bach
Text: Jesaja 60,6; Hymnus „Puer natus“ 1545
Mitwirkende: Thomanerchor Leipzig, Gewandhausorchester,
J.S. Bach Cantata BWV 63„Christen ätzet diesen Tag“
Kantate für den 1. Weihnachtstag
Die DVD enthält die Filmaufnahmen der kompletten Kantate, den Einführungsworkshop sowie die Reflexion des Referenten. Zudem beinhaltet die DVD das Filmportrait der J. S. Bach-Stiftung.
BWV 63 “Christen, ätzet diesen Tag”
Kantate BWV 63 für Weihnachten für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Vokalensemble, Trompeten I-IV, Pauken, Oboe I-III, Fagott, Streicher und continuo.
Solisten
Eva Oltiványi, Sopran, Jan Börner, Alt; Julius Pfeifer, Tenor; Markus Volpert, Bass.
Herr Gott, dich loben alle wir (BWV 130) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1724 in Leipzig für das Fest Michaelis und führte sie am 29. September 1724 erstmals auf.
Bach komponierte die Kantate in seinem zweiten Amtsjahr in Leipzig für das Fest des Erzengels Michael und aller Engel am 29. September. In Leipzig fand an diesem Tag eine Handelsmesse statt. Bach komponierte in diesem Jahr einen Zyklus von Choralkantaten, den er am 1. Sonntag nach Trinitatis begonnen hatte. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren Offb 12,7–12 LUT, Michaels Kampf mit dem Drachen, und Mt 18,1–11 LUT, „den Kindern gehört das Himmelreich, ihre Engel sehen das Angesicht Gottes“.
Die Kantate basiert auf dem Lied in zwölf Strophen von Paul Eber (1554), einer Umdichtung von Philipp Melanchthons lateinischem „Dicimus grates tibi“. Jede Strophe hat vier Zeilen. Die Melodie wurde zuerst 1551 im Genfer Psalter gedruckt. Sie wird Loys Bourgeois zugeschrieben und ist in der englischsprachigen Welt sehr bekannt als Melodie der kleinen Doxologie „Praise God, from whom all blessings flow“.
Die Kantate ist festlich besetzt mit vier Solisten (Sopran, Alt, Tenor und Bass), vierstimmigem Chor, drei Trompeten, Pauken, Flauto traverso, drei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.
Im Eingangschor lässt Bach einander in Chören zusingen, indem er verschiedenen Instrumentengruppen verschiedene Themen zuordnet, dern Streichern, den Oboen und den Trompeten, in der festlichen Besetzung, die in Leipzig an den hohen Feiertagen wie zum Beispiel Weihnachten üblich war. Mincham stellt im Vergleich zu den 15 Eingangschören der bisherigen Kantaten des Zyklus fest, dass dieser der am üppigsten instrumentierte ist und von höchst extrovertiertem festlichen Charakter („… the most lavishly scored chorus so far and certainly the most extrovertly festive in character“).[2]
In Satz 3 begleiten Trompeten und Pauken den Bass in einem Bild des Kampfes gegen den „alten Drachen“. Ein sanftes Duett von Sopran und Tenor erinnert an die Schutzengel, die Daniel in der Löwengrube und die drei Männer im Feuerofen retten. John Eliot Gardiner assoziiert die Flötenstimme in einer Gavotte für Tenor mit der Szene, in der Elias durch Engel zum Himmel fährt. Der Schlusschoral wird erneut von den Trompeten dominiert.
Ensemble: ALL OF BACH
1. Herr Gott, dich loben (Chorale)
2. Ihr heller Glanz (Recitative)
3. Der alte Drache (Aria)
4. Wohl aber uns (Recitative)
5. Lass, o Fürst (Aria)
6. Darum wir billig (Chorale)
SOPRANO Maria Keohane
ALTO Maarten Engeltjes
TENOR Benjamin Hulett
BASS Christian Immler
CHOIR SOPRANO Monica de Jesus Monteiro, Hilde Van Ruymbeke, Klaartje van Veldhoven, Orlanda Velez Isidro
CHOIR ALTO Victoria Cassano McDonald,Gemma Jansen, Saskia Kruysse, Elena Pozhidaeva
CHOIR TENOR Yves van Handenhove, Diederik Rooker, Kevin Skelton, Ronald Threels
CHOIR BASS Donald Bentvelsen, Jelle Draijer, Michiel Meijer, Frank Hermans
VIOLIN 1 Shunske Sato, Lidewij van der Voort, Hanneke Wierenga
VIOLIN 2 Pieter Affourtit, Anneke van Haaften, Paulien Kostense
VIOLA Deirdre Dowling, Jan Willem Vis
CELLO Lucia Swarts, Barbara Kernig
DOUBLE BASS Joshua Cheatham
TRAVERSO Marten Root
OBOE Martin Stadler, Peter Frankenberg, Sarah Aßmann
BASSOON Benny Aghassi
TRUMPET Robert Vanryne, Mark Geelen, Michael Harrison
TIMPANI Luc Nagtegaal
HARPSICHORD Siebe Henstra
CHURCH ORGAN Leo van Doeselaar
ORGAN REGISTRATION Tim Knigge
an jährlich vier Bach-Wochenenden (Donnerstag, Freitag & Sonntag) und in ergänzenden Sonderkonzerten das gesamte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach auf. Die geistlichen Kantaten erklingen dabei im Zusammenhang mit ihrer ursprünglichen Bestimmung im Kirchenjahr.
Auf der Webseite zum Projekt finden Sie alle Informationen rund um Termine, Karten, Künstler:
Professionelle Qualität in Bild und Ton: Jede Woche kommt ein Chorsatz, eine Arie oder ein Choral hinzu! So können Sie mit Bach:vokal verbunden bleiben, auch wenn gerade kein Konzert ansteht.
Unter dem nachstehenden Link sind veröffentlichte Videos auf YouTube einsehbar..!!
Die Bachkantate BWV 20 zum 1. Sonntag nach Trinitatis (1724). Die gleichnamige Bachkantate zum 24. Sonntag nach Trinitatis (1723) steht unter „O Ewigkeit, du Donnerwort“, BWV 60.
Bach komponierte die Kantate in für den ersten Sonntag nach Trinitatis. Mit diesem Sonntag beginnt die zweite Hälfte des Kirchenjahrs.[1] Ein Jahr zuvor hatte Bach zu diesem Anlass sein Amt als Thomaskantor aufgenommen und den ersten Kantatenzyklus begonnen mit Die Elenden sollen essen.
Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren 1 Joh 4,16–21 LUT, „Gott ist Liebe“, und Lk 16,19–31 LUT, das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus. Dem zweiteiligen Werk liegt das gleichnamige Kirchenlied von Johann Rist aus dem Jahre 1642 zugrunde. Die Strophen 1, 8 und 12 wurden im Wortlaut in den Sätzen 1, 7 und 11 übernommen, während ein unbekannter Dichter die anderen Strophen zu einer Folge von Rezitativen und Arien umformte. Den direkt übernommenen Strophen liegt jeweils die Melodie von Johann Schop zugrunde. Das Thema des Lieds steht in Beziehung zum Evangelium des Sonntags.
Mit dieser Kantate begann er das Projekt, für jeden Anlass des Kirchenjahres eine Choralkantate zu schreiben, die das jeweilige lutherische Hauptlied verarbeitete. Leipzig hatte eine Tradition der Betrachtung dieser Lieder. Bereits 1690 hatte der Pfarrer der Thomaskirche, Johann Benedict Carpzov, angekündigt, dass er jeweils über ein „gut, schön, alt, evangelisches und lutherisches Lied“ predigen würde, das Kantor Johann Schelle „in eine anmutige music zu bringen, und solche vor der Predigt … hören zu lassen“ angeboten habe. Bach komponierte in seinem zweiten Kantatenjahrgang vierzig Choralkantaten.
Die Kantate ist besetzt mit drei Vokalsolisten, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigem Chor, Zugtrompete, drei Oboe, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.
Teil I
Coro: O Ewigkeit, du Donnerwort
Recitativo (Tenor): Kein Unglück ist in aller Welt zu finden
Aria (Tenor): Ewigkeit, du machst mir bange
Recitativo (Bass): Gesetzt, es daur’te der Verdammten Qual
Aria (Bass): Gott ist gerecht in seinen Werken
Aria (Alt): O Mensch, errette deine Seele
Choral: Solang ein Gott im Himmel lebt Teil II
Aria (Bass): Wacht auf, wacht auf, verlornen Schafe
Recitativo (Alt): Verlaß, o Mensch, die Wollust dieser Welt
Aria (Alt, Tenor): O Menschenkind, hör auf geschwind
Choral: O Ewigkeit, du Donnerwort
Die für Bach typische musikalische Ausmalung der Textinhalte und musikalischen Anspielungen sind in dieser Kantate besonders stark ausgeprägt. So wird in dem aufwändig angelegten Eingangssatz der Stil der französischen Ouvertüre für den Beginn des neuen Kantatenzyklus verwendet. Ihre Abfolge langsam – schnell (Vivace) – langsam folgt der Choralmelodie, obwohl sie in Barform steht, also im Mittelteil den Anfang wiederholt (Stollen) und dann im Abgesang (Zeilen 7 und 8) neues Material bringt. Die Melodie wird als cantus firmus vom Sopran in langen Notenwerten gesungen, verstärkt von der Zugtrompete. Die thematische Entwicklung findet im Orchester statt. Das ansteigende Thema im langsamen Teil ist vom Beginn der Liedmelodie, während die Thematik im schnellen Teil vom Lied unabhängig ist. Dieser Teil ist keine strenge Fuge, es scheint Bach mehr an der Textausdeutung gelegen zu sein. „Ewigkeit“ ist beispielsweise durch lange gehaltene Noten dargestellt, „Donnerwort“ erscheint als plötzlicher Wechsel zu schnellen Noten mit einem Melisma im Bass, „große Traurigkeit“ wird durch eine absteigende chromatische Linie anschaulich, „erschrocken“ erscheint in zerrissenen Rhythmen, die von Pausen durchbrochen sind, „klebt“ wird von den Singstimmen lange gehalten.
Die Rezitative sind überwiegend secco, zum Arioso nur erweitert in Satz 9 auf die Worte „Pracht, Hoffart, Reichtum, Ehr, und Geld“, die wörtlich aus dem Choral zitiert sind. Die Arien interpretieren den Text sowohl in seinem Affekt als auch in einzelnen Phrasen. Der Text der Bassarie (Satz 8) „Wacht auf, wacht auf verlorne Schafe“ wird durch den Weckruf der Trompete zum Jüngsten Gericht versinnbildlicht. In Satz 10, einem Duett, wird das erste Motiv von den Stimmen auf die Worte „O Menschenkind“ gesungen und von den Instrumenten als Erinnerung an diese Mahnung ständig wiederholt. Beide Teile der Kantate enden mit demselben vierstimmigen Choralsatz, der mit dem Gebet endet: „Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Freudenzelt!“
Ausführende:
Fanie Antonelou, Sopran Lena Sutor-Wernich, Alt Daniel Schreiber, Tenor Matthias Horn, Bass Stuttgarter Kantorei Stiftsbarock Stuttgart (Konzertmeisterin: Susanne von Gutzeit) Leitung: Kay Johannsen
Aufführung im Rahmen des Zyklus‘ Bach:vokal und als Konzert beim Deutschen Evangelischen Kirchentag am 4.6.2015 in der Stiftskirche Stuttgart. Weitere Infos: www.bach-vokal.de, www.stiftsmusik-stuttgart.de
1 Coro: „O Ewigkeit, du Donnerwort“ 2 Recitativo (Tenor): „Kein Unglück ist in aller Welt zu finden“ 3 Aria (Tenor): „Ewigkeit, du machst mir bange“ 4 Recitativo (Bass): „Gesetzt, es dau’rte der Verdammten Qual“ 5 Aria (Bass): „Gott ist gerecht in seinen Werken“ 6 Aria (Alt): „O Mensch, errette deine Seele“ 7 Choral: „Solang ein Gott im Himmel lebt“
8 Aria (Bass): „Wacht auf, wacht auf, verlornen Schafe“ 9 Recitativo (Alt): „Verlass, o Mensch, die Wollust dieser Welt“ 10 Aria (Alt & Tenor): „O Menschenskind, hör auf geschwind“ 11 Choral: „O Ewigkeit, du Donnerwort“
Ich möchte auf einen Neujahrs-Gottesdienst aus der Frauenkirche Dresden, vom 01.01.2017 hinweisen, der mit Bach-Kantaten begangen wurde. Das Video vom Gottesdienst ist nachstehend hinterlegt.
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Liebe Bach-Freunde/innen !
Eine Übersicht der Bach-Kantaten zum aktuellen Sonntag im Kirchenjahr steht zum Download bereit:
Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von
„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“
eine Hör- oder Sehprobe, Radio-Programme mit Bach-Kantaten und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.
Am 06.01.2017 begehen wir den Feiertag „Epiphanias“
Das Epiphaniasfest ist das älteste nichtjüdische Herrenfest und das erste Fest der Kirche, das kalendarisch festgelegt war (später kam das Christfest hinzu). Vermutlich entstand es um 300 im Osten und bekam die Inhalte: Geburt Jesu, Taufe Jesu, Weinwunder zu Kana und zuletzt auch die Verklärung Jesu, wobei es regional unterschiedliche Schwerpunkte in der Feier gab. In manchen Gegenden aber wurden drei Inhalte zugleich gefeiert. Im Laufe der Zeit verlagerte sich im Westen der Schwerpunkt auf die Weisen aus dem Morgenland, deren Dreizahl zwar nicht biblisch belegt ist, sich aber schon früh aufgrund der Zahl der Geschenke durchgesetzt hat. Durch diesen Schwerpunkt wurde ein engerer Bezug zum Christfest hergestellt. Im Osten hingegen lag der Schwerpunkt auf der Taufe Jesu, und in der armenischen Kirche ist der 6. Januar bis heute das Geburtsfest Christi.
Das Fest Epiphanias ist natürlich nicht das Fest der „Heiligen Drei Könige“, sondern das Fest des Kindes in der Krippe, das der Heiland der Welt ist. „Epiphanie“ bedeutet „Erscheinung“, und am 6. Januar sowie in der darauffolgenden Zeit wird besonders der Aspekt der Erscheinung Gottes im Fleisch, der Herrlichkeit Gottes, wie sie uns im Leben und Wirken Jesu offenbart wurde, betont.
Die protestantische Kirche konnte mit dem Fest wenig anfangen, nur die Lutheraner übernahmen es aus dem römischen Festkalender, wobei Luther den Schwerpunkt auf die Taufe Jesu legte, aber auch die Bezeichnung „Tag der Heiligen Drei Könige“ oder „Fest der Erscheinung“ verwendete. Im Laufe der Zeit aber wurde das Fest immer bedeutungsloser, und Versuche, es mit anderen Inhalten zu füllen (z.B. als Missionstag), scheiterten. Die früher auf einen Tag gelegten Inhalte (drei Weise, Taufe Jesu, Weinwunder zu Kana und Verklärung) sind nun auf die Epiphaniaszeit verteilt worden.
Am Epiphanias-Fest hören wir das Evangelium von den Weisen aus dem Morgenland. Sie kommen als Heiden, um den neugeborenen König der Juden, den Christus, zu sehen. Darin wird uns zeichenhaft die Bedeutung Jesu für die ganze Welt, für alle Völker, deutlich. In ihm schauen wir die Herrlichkeit Gottes und haben Grund, in dieser Welt, die noch in der Dunkelheit liegt, zu hoffen und uns zu freuen an dem Geheimnis, das uns in Jesus Christus offenbart ist.
Wochenspruch:
Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt. (1. Joh 2, 8)
Christoph Graupner (* 13. Januar 1683 in Kirchberg; † 10. Mai 1760 in Darmstadt) war ein deutscher Komponist.
Bei seinem Onkel, dem Organisten Nicolaus Küster, bekam Christoph Graupner seinen ersten Musikunterricht. Er folgte diesem nach Reichenbach im Vogtland. In Leipzig besuchte er die Thomasschule und studierte Jura und danach Musik bei dem Thomaskantor Johann Schelle und unter dessen Nachfolger Johann Kuhnau. 1705 ging er als Cembalist zum Hamburger Opernorchester, das von Reinhard Keiser geleitet wurde. In dieser Zeit komponierte er mehrere Opern, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden.
Der Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt hörte seine Werke und bot ihm 1709 einen Posten an seinem Hof an. Bereits 1711 stieg er zum Hofkapellmeister auf. In diesem Jahr heiratete er die Pfarrerstochter Elisabeth Eckardt.
1722 bewarb er sich auf Empfehlung Telemanns um die bereits durch diesen abgelehnte Stelle des Thomaskantors in Leipzig.
Auf Geheiß seines Herrn musste er die Berufung als Nachfolger von Johann Kuhnau ablehnen, allerdings unter Aufbesserung seines ohnehin bereits hohen Verdienstes. So konnte Johann Sebastian Bach die Stelle erhalten. Graupner blieb bis zu seinem Tod am Hof des Landgrafen. Im Laufe der Zeit holte er eine Reihe von Musikern nach Darmstadt, die er aus seiner Zeit als Leipziger Thomasschüler kannte: den Vizekapellmeister Gottfried Grünewald, seinen späteren Nachfolger Johann Samuel Endler sowie den Kammermusikus Michael Boehm.
Graupners umfangreiches, fast vollständig erhaltenes Werk befindet sich zum größten Teil in der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt. Es ist in großen Teilen noch unveröffentlicht und harrt der Entdeckung durch Musiker und Musikwissenschaftler. Vielfach betrachteten die Landesherren die Werke ihrer Komponisten als ihr persönliches Eigentum und im schnellen Wandel der Modeströmungen wurden die Kompositionen vernichtet. Graupners Familie wehrte sich gegen dieses Vorgehen und strengte einen Prozess an, der erst fast 80 Jahre nach Graupners Tod zu Gunsten der Familie entschieden wurde. Diesem Umstand und der Auslagerung der Bestände während des Zweiten Weltkrieges ist die Erhaltung dieses umfangreichen Werkes zu verdanken.
Frohlocke, werte Christenheit / Der Herr hat mich gehabt / Das Licht des Lebens scheinet hell / Das Licht scheinet in der Finsternis / Von Gott will ich nicht lassen.
Christof Graupner is remembered these days primarily because he was the second choice in getting the job for Thomaskantor in Leipzig in 1723. First choice Telemann used the offer to get better conditions and salary in Hamburg, and Graupner would have loved to fill the application if it weren’t for his old boss, who would not let him go. The job then went to one JS Bach… In his day Graupner was a very well respected composer, who’s legacy was a cause for many legal battles. therefore virtually nothing was issued of his music after his death. Odd enough, it’s also the reason why almost all of his music is preserved.
Live recording from the 2007 Utrecht festival of old music, august 31th Pieterskerk, Utrecht
Les Ideés Heureuses
Hélène Plouffe & Olivier Brault, violin.
Jacques-André Houle, viola.
Karen Kaderavek, cello.
Nicolas Lessard, double bass.
Geneviève Soly, harpsichord and direction
Laurent Richard, bass
ingrid schnithusen, soprano
Wo willst du hin betrübte Seele.
In keinem der Werke Bachs ist die Atmosphäre festlicher und östlicher als im Eingangschor der 1724 komponierten Kantate BWV 65„Sie werden aus Saba alle kommen“. Er verwendet die hohen Hörner, um einen Eindruck von Majestät und Altertum zu vermitteln, die Blockflöten, um die hohen Töne wiederzugeben, die häufig mit orientalischer Musik assoziiert werden, und die Oboen da caccia (im Tenorregister), um den Klang der schalmeiartigen Doppelrohrblattinstrumente (Salmiya und Zurna) des Nahen Ostens zu imitieren. Das einleitende Ritornell bringt den polierten Glanz seines Orchesters vollendet zur Geltung und schließt mit einem Unisono- Vortrag des sich über fünf Oktaven erstreckenden Themas.
Noch bevor die Stimmen in kanonischer Folge einsetzen, lässt Bach die prachtvolle Prozession der Heiligen Drei Könige und die ‚Menge der Kamele’, die mit Geschenken beladen sind (und von denen – in einem hier ausgelassenen Vers – bei Jesaja die Rede ist), vor unseren Augen vorüberziehen. Diese imposante Choralfantasie schließt mit einer Wiederholung des Oktavthemas, diesmal von allen Stimmen und Instrumenten vorgetragen, während die Karawane vor der Krippe zum Stillstand kommt.
Nun gibt es einen plötzlichen Wechsel in Größenordnung und Stimmung, von der äußerlichen Pracht des königlichen Zuges in die Intimität des schlichten Stalles und zu den Opfergaben, die dem Kind in der Krippe dargebracht werden, während der Chor die nüchterne deutsche Version des lateinischen Chorals ‚Puer natus est’ anstimmt, der in Leipzig traditionell bei diesem Fest gesungen wird. Darauf folgt ein Secco-Rezitativ, das in seiner Wortausdeutung, seinen Melodiebögen und reichen chromatischen Harmonien beispielhaft ist und in einem ergreifenden Arioso gipfelt. Dieses führt seinerseits zu einer Arie für Bass (Nr. 4), in der sich die beiden Oboen da caccia mit dem Continuo zu einem Tripelkanon formieren, offensichtlich um die Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe zu schildern.
Ein zweites Rezitativ folgt, diesmal für Tenor: Im Tausch für ‚mein Herz, das ich in Demut zu dir bringe… gib aber dich auch selber mir’. Um ‚des größten Reichtums Überfluss’ zu schildern, der den Christen ‚dermaleinst im Himmel’ zuteil werden wird, bedient sich Bach in der hinreißenden Tenor-Arie im Dreiertakt (Nr. 6) einer äußerst üppigen Besetzung. Doppelte Blockflöten, Violinen, Hörner und Oboen da caccia agieren unabhängig voneinander und gemeinsam, tauschen eintaktige Tonfolgen in kaleidoskopartiger Veränderung der Klangfarben aus. Der glühende Schlusschoral (die zehnte Strophe von Paul Gerhardts Lied ‚Ich hab in Gottes Herz und Sinn’), der auf einer weltlichen französischen Melodie aus dem 16. Jahrhundert basiert, ist englischen Hörern als der Choral ‚O God, our help in ages past’ vertraut.
Das Bachfest 2017 steht unter dem Motto ““EIN SCHÖN NEW LIED” – MUSIK UND REFORMATION
Martin Luther sah in „Frau Musica“ eine göttliche Kunst, da sie den Teufeln zuwider sei. Entsprechend stellte er die Musik in eine Reihe mit der Theologie, erhob das deutschsprachige geistliche Lied zu einem festen Bestandteil des reformatorischen Programms und hielt ließ es Eingang in den Gottesdienst finden. Häufig als „schöne newe Lieder“ betitelt, verbreitete sich das neue reformatorische Liedrepertoire rasant….
Der Ticketverkauf für das Bachfest Leipzig 2017 beginnt seit dem 14. Oktober 2016.
J.S. Bach Cantata BWV 63 „Christen ätzet diesen Tag“
Die DVD enthält die Filmaufnahmen der kompletten Kantate, den Einführungsworkshop sowie die Reflexion des Referenten. Zudem beinhaltet die DVD das Filmportrait der J. S. Bach-Stiftung.
BWV 63 „Christen, ätzet diesen Tag“
Kantate BWV 63 für Weihnachten für Sopran, Alt, Tenor und Bass, Vokalensemble, Trompeten I-IV, Pauken, Oboe I-III, Fagott, Streicher und continuo.
Solisten
Eva Oltiványi, Sopran, Jan Börner, Alt; Julius Pfeifer, Tenor; Markus Volpert, Bass.
Herr Gott, dich loben alle wir (BWV 130) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1724 in Leipzig für das Fest Michaelis und führte sie am 29. September 1724 erstmals auf.
Bach komponierte die Kantate in seinem zweiten Amtsjahr in Leipzig für das Fest des Erzengels Michael und aller Engel am 29. September. In Leipzig fand an diesem Tag eine Handelsmesse statt. Bach komponierte in diesem Jahr einen Zyklus von Choralkantaten, den er am 1. Sonntag nach Trinitatis begonnen hatte. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren Offb 12,7–12 LUT, Michaels Kampf mit dem Drachen, und Mt 18,1–11 LUT, „den Kindern gehört das Himmelreich, ihre Engel sehen das Angesicht Gottes“.
Die Kantate basiert auf dem Lied in zwölf Strophen von Paul Eber (1554), einer Umdichtung von Philipp Melanchthons lateinischem „Dicimus grates tibi“. Jede Strophe hat vier Zeilen. Die Melodie wurde zuerst 1551 im Genfer Psalter gedruckt. Sie wird Loys Bourgeois zugeschrieben und ist in der englischsprachigen Welt sehr bekannt als Melodie der kleinen Doxologie „Praise God, from whom all blessings flow“.
Die Kantate ist festlich besetzt mit vier Solisten (Sopran, Alt, Tenor und Bass), vierstimmigem Chor, drei Trompeten, Pauken, Flauto traverso, drei Oboen, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.
Im Eingangschor lässt Bach einander in Chören zusingen, indem er verschiedenen Instrumentengruppen verschiedene Themen zuordnet, dern Streichern, den Oboen und den Trompeten, in der festlichen Besetzung, die in Leipzig an den hohen Feiertagen wie zum Beispiel Weihnachten üblich war. Mincham stellt im Vergleich zu den 15 Eingangschören der bisherigen Kantaten des Zyklus fest, dass dieser der am üppigsten instrumentierte ist und von höchst extrovertiertem festlichen Charakter („… the most lavishly scored chorus so far and certainly the most extrovertly festive in character“).[2]
In Satz 3 begleiten Trompeten und Pauken den Bass in einem Bild des Kampfes gegen den „alten Drachen“. Ein sanftes Duett von Sopran und Tenor erinnert an die Schutzengel, die Daniel in der Löwengrube und die drei Männer im Feuerofen retten. John Eliot Gardiner assoziiert die Flötenstimme in einer Gavotte für Tenor mit der Szene, in der Elias durch Engel zum Himmel fährt. Der Schlusschoral wird erneut von den Trompeten dominiert.
Ensemble: ALL OF BACH
1. Herr Gott, dich loben (Chorale)
2. Ihr heller Glanz (Recitative)
3. Der alte Drache (Aria)
4. Wohl aber uns (Recitative)
5. Lass, o Fürst (Aria)
6. Darum wir billig (Chorale)
SOPRANO Maria Keohane
ALTO Maarten Engeltjes
TENOR Benjamin Hulett
BASS Christian Immler
CHOIR SOPRANO Monica de Jesus Monteiro, Hilde Van Ruymbeke, Klaartje van Veldhoven, Orlanda Velez Isidro
CHOIR ALTO Victoria Cassano McDonald,Gemma Jansen, Saskia Kruysse, Elena Pozhidaeva
CHOIR TENOR Yves van Handenhove, Diederik Rooker, Kevin Skelton, Ronald Threels
CHOIR BASS Donald Bentvelsen, Jelle Draijer, Michiel Meijer, Frank Hermans
VIOLIN 1 Shunske Sato, Lidewij van der Voort, Hanneke Wierenga
VIOLIN 2 Pieter Affourtit, Anneke van Haaften, Paulien Kostense
VIOLA Deirdre Dowling, Jan Willem Vis
CELLO Lucia Swarts, Barbara Kernig
DOUBLE BASS Joshua Cheatham
TRAVERSO Marten Root
OBOE Martin Stadler, Peter Frankenberg, Sarah Aßmann
BASSOON Benny Aghassi
TRUMPET Robert Vanryne, Mark Geelen, Michael Harrison
TIMPANI Luc Nagtegaal
HARPSICHORD Siebe Henstra
CHURCH ORGAN Leo van Doeselaar
ORGAN REGISTRATION Tim Knigge
an jährlich vier Bach-Wochenenden (Donnerstag, Freitag & Sonntag) und in ergänzenden Sonderkonzerten das gesamte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach auf. Die geistlichen Kantaten erklingen dabei im Zusammenhang mit ihrer ursprünglichen Bestimmung im Kirchenjahr.
Auf der Webseite zum Projekt finden Sie alle Informationen rund um Termine, Karten, Künstler:
Professionelle Qualität in Bild und Ton: Jede Woche kommt ein Chorsatz, eine Arie oder ein Choral hinzu! So können Sie mit Bach:vokal verbunden bleiben, auch wenn gerade kein Konzert ansteht.
Unter dem nachstehenden Link sind veröffentlichte Videos auf YouTube einsehbar..!!
J.S. Bach, Kantate BWV 123„Liebster Immanuel, Herzog der Frommen“
Liebster Immanuel, Herzog der Frommen (BWV 123) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte die Choralkantate, die auf dem Choral von Ahasverus Fritsch basiert, in Leipzig für das Fest Epiphanias und führte sie am 6. Januar 1725 erstmals auf.
Bach schrieb die Kantate in seinem zweiten Jahr in Leipzig für das Fest Epiphanias (Erscheinung des Herrn), das die Weihnachtszeit beschloss. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Festtag waren Jes 60,1-6 LUT, die Heiden werden sich bekehren, und Mt 2,1-12 LUT, die Weisen aus dem Morgenland bringen dem neugeborenen Jesus als Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe. Der Kantatentext basiert auf dem Choral in sechs Strophen von Ahasverus Fritsch. Der unbekannte Textdichter behielt die erste und letzte Strophe im Wortlaut bei und dichtete die übrigen Strophen zu ebenso vielen abwechselnden Rezitativen und Arien um. Der Text nimmt keinen besonderen Bezug auf die Lesungen, doch er erwähnt den Begriff Jesusname und spielt damit auf die Namensgebung an, die am 1. Januar gefeiert wurde. Der Dichter fügte die Formulierung „Heil und Licht“ ein, vermutlich als Hinweis auf die Erscheinung des Herrn, und spielt durch „Jesus, der ins Fleisch gekommen“ auf Weihnachten an. Davon abgesehen folgt der Text dem Thema des Chorals: kein „Höllenfeind“ – hier dürfte an Herodes gedacht sein –, weder Sünde und Tod noch Verachtung durch die „Welt“ können dem Glaubenden etwas anhaben, weil Jesus an seiner Seite ist. Bach führte die Kantate erstmals am 6. Januar 1725 auf.
Die Kantate ist besetzt mit drei Solisten, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigem Chor, zwei Flauto traverso, Oboe d’amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.
Coro: Liebster Immanuel, Herzog der Frommen
Recitativo (Alt): Die Himmelssüßigkeit, der Auserwählten Lust
Aria (Tenor): Auch die harte Kreuzesreise
Recitativo (Bass): Kein Höllenfeind kann mich verschlingen
Aria (Bass): Laß, o Welt, mich aus Verachtung
Chorale: Drum fahrt nur immer hin, ihr Eitelkeiten
Im Eingangschor benutzt Bach den Anfang der Choralmelodie als ein instrumentales Motiv, zunächst in einer langen Einleitung, dann als Gegenstimme zu den Gesangsstimmen. Sopran und Horn tragen den cantus firmus zeilenweise vor. Die Unterstimmen sind überwiegend homophon geführt, mit zwei Ausnahmen: der Text „Komme nur bald“ wird durch mehrfache Rufe anschaulich gemacht, und der Text der letzten Zeile wird vom Bass zunächst auf die Melodie der ersten Zeile gesungen, imitiert von Alt und Tenor, dann erst singt der Sopran die Melodie der letzten Zeile. Bach erreicht dadurch einen Bezug vom Ende des Satzes zum Beginn. Die dominierenden Holzblasinstrumente und der 9/8-Takt erzeugen pastoralen Charakter.
Die Tenor-Arie, die von den Oboi d’amore begleitet wird, spricht die „harte Kreuzesreise“ an, umgesetzt in einem chromatischen Ritornell in vier Takten in unaufhörlicher Modulation. Wenn das Ritornell am Ende des ersten Teils wiederkehrt, liegt die Chromatik im continuo, die Melodien sind beruhigt, vielleicht weil der Sänger zum Ausdruck bringt, dass er sich nicht fürchtet. Im Mittelteil wird „Sturmgewitter“ ausgemalt in schnellen Gesangsfiguren, die sich beruhigen, adagio, auf den Worten „Heil und Licht“, dem Bezug zu Epiphanias.
Die Bass-Arie beschrieb John Eliot Gardiner, der die Kantate auf der Bach Cantata Pilgrimage des Monteverdi Choir in der Nikolaikirche in Leipzig aufführte, als „one of the loneliest arias Bach ever wrote“ (eine der einsamsten Arien, die Bach je geschrieben hat). Der Sänger wird nur von einer Flöte und einem „staccato“ continuo begleitet.
Die Kantate wird mit einem ungewöhnlichen vierstimmigen Choral beschlossen. Der Abgesang der Barform wird wiederholt, und zwar piano. Der Grund ist wahrscheinlich, das der Text mit den Worten endet „bis man mich einsten legt ins Grab hinein“. Alfred Dürr bemerkt, dass nicht nur Bachs frühe Kantaten „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ und „Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm“ leise enden, sondern auch in „Also hat Gott die Welt geliebt“, BWV 68.
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Zum Video: Kantate BWV 123„Liebster Immanuel, Herzog der Frommen“ (ohne Satz 2 + 3)
Eine angenehme Überraschung von All of Bach zu Neujahr !
ALL OF BACH veröffentlichte am 01.01.2017 von J.S. Bach die
Motette BWV 225„Singet dem Herrn ein neues Lied“
„Singet dem Herrn ein neues Lied“, ist BWV 225 eine Motette von Johann Sebastian Bach. Es wurde zuerst in Leipzig um (vermutlich) 1727 uraufgeführt. Der Text der Dreiteiligen Motette ist nach Psalm 149: 1-3 für seinen ersten Satz die dritte Strophe von „Nun lob, mein Seel, den Herren“ (1530 Hymne nach Psalm 103 von Johann Gramann) für den zweiten Satz und nach Psalm 150: 2 und 6 für seinen dritten Satz.
Die Motette wird als Doppelchor bezeichnet (also acht Stimmen, aufgeteilt in zwei vierstimmige Chöre). Sie kann für Bachkurse an der Thomasschule komponiert worden sein. Der biblische Text der Motette wäre für diesen Zweck geeignet gewesen. Die letzte vierteilige Fuge trägt den Titel „Alles was Odem hat“.
Robert Marshall schreibt, dass es „sicher“ sei, dass diese Motette von Wolfgang Amadeus Mozart gehört wurde, als er 1789 die Leipziger Thomasschule besuchte. Johann Friedrich Rochlitz, der an der Thomasschule war und 1789 in Leipzig studierte, berichtete zehn Jahre später dass Johann Friedrich Doles (Student von Bach, der bis 1789 Kandidat der Thomasschule und Direktor des Thomanerchors war) „überraschte Mozart mit einer Aufführung der Doppelchor-Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ von Sebastian Bach … er achtete sehr darauf, dass die Schule eine vollständige Sammlung seiner Motetten besaß und sie als eine Art heilige Reliquie bewahrte: „Das ist der Geist, das ist gut!“ Mozart schrie: „Lass sie uns sehen!“ Rochlitz berichtet, daß Mozart ein Exemplar verlangt und „sehr geschätzt habe …“
Der chamäleonische Charakter dieser Motette macht es schwierig, zu entscheiden, was seine Gelegenheit gewesen sein könnte. Keine der beiden oft vorgebrachten Möglichkeiten scheint eine perfekte Lösung zu sein. Es ist wahrscheinlich ein wenig zu fröhlich für eine Gedenkfeier für die Königin von Polen, aber ein wenig zu feierlich für die Geburtstagsmusik für König August, der sich gerade von einer schweren Krankheit erholt hatte.
Die Motette wurde in die erste Auflage der Bachmotetten aufgenommen, die von Breitkopf & Härtel in zwei Bänden 1802/803 gedruckt wurde. Der Herausgeber beider Bände ist vermutlich Johann Gottfried Schicht, Thomaskantor von 1810.
Orlanda Velez Isidro, Klaartje van Veldhoven, Griet de Geyter, Aleksandra Lewandowska, Marjon Strijk, Hilde van Ruymbeke, Stephanie Pfeffer, Marta Paklar
ALTO
Barabás Hegyi, Gemma Jansen, Elena Pozhidaeva, Bernadett Nagy, Marine Fribourg, Victoria Cassano McDonald
TENOR
Adriaan de Koster, Wolfgang Frisch, Guy Cutting, Diederik Rooker, Immo Schröder, Ronald Threels
BASS
Matthew Baker, Sebastian Myrus, Pierre-Guy Le Gall White, Martijn de Graaf Bierbrauwer, Michiel Meijer, Jelle Draijer
Video: J.S. Bach – Motette BWV 225„Singet dem Herrn ein neues Lied“